Kitabı oku: «Superpower für die Wechseljahre»

Yazı tipi:

Maisie Hill
Superpower
für die Wechseljahre
So lassen Sie sich von den hormonellen Veränderungen in der Zeit vor der letzten Periode nicht in den Wahnsinn treiben
Aus dem Englischen übersetzt
von Beate Brandt


VAK Verlags GmbH Kirchzarten bei Freiburg

Titel der englischen Originalausgabe: Perimenopause Power

Copyright © Maisie Hill, 2021

Die englische Originalausgabe mit der ISBN 978-1-4729-7886-8 ist erschienen bei Green Tree, Bloomsbury Publishing Plc, London, UK.

Verlag und Autorin haben sich um eine inklusive Sprache bemüht. Die englische Sprache kennt keine weiblichen und männlichen Formen von Substantiven, für die deutsche Übersetzung mussten daher Anpassungen vorgenommen werden. Die Angaben in diesem Buch beziehen sich auf alle Menschen, die mit weiblichen Geschlechtsorganen geboren wurden.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

VAK Verlags GmbH

Eschbachstraße 5

79199 Kirchzarten

Deutschland

www.vakverlag.de

© VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2021

Übersetzung: Beate Brandt

Lektorat: Nadine Britsch

Illustrationen: Jasmine Parker

Layout: Richard Kiefer

Umschlag: Favoritbüro, München

Satz & Druck: Friedrich Pustet GmbH & Co. KG, Regensburg

Printed in Germany

ISBN: 978-3-86731-251-6 (Paperback)

ISBN: 978-3-95484-435-7 (ePub)

ISBN: 978-3-95484-437-1 (PDF)

Ich widme dieses Buch allen, die Superpower Periode gelesen und mir anschließend geschrieben oder einen Kommentar hinterlassen haben. Ihre Frage – „Und wie geht es weiter?“ – ist der Grund, warum dieses Buch existiert, und dafür danke ich Ihnen.

Und ich danke meinen Eierstöcken – sie haben großartige Arbeit geleistet.

Sprache und Inklusion

Die Perimenopause ist ein Prozess, der von allen durchlebt wird, die mit „weiblichen“ Geschlechtsorganen geboren wurden. Mir ist bewusst, dass nicht alle Menschen, die dieses Buch lesen, sich als weiblich sehen, da das Thema auch für Nichtbinäre oder Transgender interessant ist. Ich habe daher versucht, in der Wahl der Sprache inklusiv zu sein, und ich spreche in der Regel nur dann von Frauen, wenn dies die Bezeichnung in Forschungsergebnissen ist, auf die ich mich beziehe, oder um die Sicht des Patriarchats zu verdeutlichen.

Inhaltsverzeichnis

Wie Sie dieses Buch am besten lesen

Einleitung

1 Was zum Teufel ist hier los?

2 Ganz schön heiß hier drin

3 Hormonersatztherapie – Fluch oder Segen?

4 Sprechen wir über Sex

5 Launische Zicken

6 Wo steht Ihnen der Kopf?

7 Von Hüftgold und Rettungsringen

8 Knochenarbeit

9 Raus damit

10 Hormone sind der Schlüssel

Nachwort

Anhang

Glossar

Ressourcen

Literatur

Danksagung

Über die Autorin

Wie Sie dieses Buch am besten lesen

Die Menschen, die sich an mich wenden, erhoffen sich Hilfe. Sie wünschen sich Strategien, wie sie ihre Symptome und ihr Leben verbessern können, und ich nehme einmal an, das ist auch Ihr Anliegen an mich und dieses Buch. Wenn Sie also bestimmte Symptome haben, die Ihnen das Leben erschweren, wie Hitzewallungen oder psychische Probleme, dann können Sie direkt in den entsprechenden Kapiteln nachschlagen. Holen Sie sich die notwendigen Informationen so schnell wie möglich.

Zusätzlich kann es hilfreich sein zu verstehen, warum wir bestimmte Dinge durchleben, denn Wissen kann eine enorme Wirkung entfalten. Wenn ich in die Gesichter meiner Klientinnen schaue, in dem Moment, in dem sie begreifen, was eigentlich vor sich geht, dann muss ich stets lächeln. Aus diesem Grund gehe ich im Buch auch auf den wissenschaftlichen Hintergrund von Perimenopause und Postmenopause ein. Mir ist dabei stets bewusst, dass Fachbegriffe verwirrend sein können, weshalb Sie am Ende dieses Buchs ein Glossar finden, in dem die wichtigsten Begriffe erklärt werden.

Sie können während Ihrer Reise durch die Wechseljahre und in Richtung Postmenopause immer wieder zu diesem Buch zurückkehren. Einiges kann schon jetzt auf Sie zutreffen, anderes wird vielleicht erst später relevant. Ein Gesamtüberblick über all das, was die Wechseljahre ausmacht, kann Ihnen helfen, darauf gut vorbereitet zu sein und sie so zu einer positiven Erfahrung werden zu lassen – etwas, das ich uns allen wünsche.

Einleitung

Vielleicht wundern Sie sich, warum sich eine 40-Jährige hinsetzt und ein Buch über die Wechseljahre – medizinisch als Perimenopause bezeichnet – schreibt. Ist das nicht etwas, das eher so um die Fünfzig passiert? Nun ja, nicht ganz.

Das Durchschnittsalter für die Menopause liegt tatsächlich bei 51 Jahren – doch viele wissen nicht, dass die Menopause selbst nur einen Tag andauert, denn sie markiert einfach nur den Ablauf eines periodenfreien Jahres seit der letzten Regelblutung. Die Perimenopause hingegen ist der Zeitraum, in dem Sie noch einen Zyklus haben, sich aber bereits erste Symptome des Wechsels zeigen. Wenn wir von Menopause sprechen, meinen die meisten von uns also tatsächlich die Perimenopause. Sie beginnt häufig in den Vierzigern, kann aber auch schon in den Dreißigern einsetzen. Auch ihre Länge ist unterschiedlich, denn zwischen zwei und zwölf Jahren ist alles möglich. Wären mehr von uns sich der subtilen Anzeichen dieses Übergangs bewusst, würden wir die Signale, die unser Körper sendet, auch viel früher erkennen und könnten so auch viel früher etwas tun.

Zu Beginn stellen Sie vielleicht fest, dass Sie Ihre Regel in kürzeren Abständen bekommen als zuvor und die Blutungen möglicherweise stärker ausfallen. Auch können sich vor Einsetzen der Periode Symptome zeigen wie Nachtschweiß, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Migräne und Brustspannen. All dies sind Vorzeichen, dass Ihr Hormonhaushalt sich verändert und die Wechseljahre beginnen, und sie mehren sich im Laufe der Zeit. Im letzten Stadium der Perimenopause kommt es immer seltener zu einer Blutung und andere Symptome wie Scheidentrockenheit, Gelenkschmerzen und Veränderungen der Blase werden wahrscheinlicher.

Es ist durchaus möglich, dass Sie ohne größere Probleme durch die Perimenopause kommen. Oder es trifft Sie unvermittelt und richtig hart. Manche kommen gut und ohne zusätzliche Hilfe durch diese Zeit, möchten einfach „der Natur ihren Lauf lassen“ und fühlen sich wohl damit. Andere entscheiden sich für eine Hormonersatztherapie und alles, was die moderne Medizin zu bieten hat. Vielleicht stellen Sie auch irgendwann fest, dass Ihre Gefühle und Gedanken darüber, wie Sie mit dem sogenannten „Wechsel“ umgehen möchten, sich verändern. Was am Anfang noch funktioniert, klappt später vielleicht nicht mehr so gut, und was bei Ihrer besten Freundin Wunder wirkt, muss noch lange nicht für Sie gelten.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Es gibt keinen Preis dafür, eine Geburt ohne Schmerzmittel zu überstehen, und es gibt es auch keinen dafür, ohne eine Hormonersatztherapie durch die Wechseljahre zu kommen. Wie auch immer Sie am besten durch die Perimenopause kommen möchten – in diesem Buch finden Sie hilfreiche Informationen und Strategien zu verschiedenen Ansätzen.

Im Laufe dieses Prozesses werden sich Ihre Bedürfnisse wahrscheinlich verändern. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn Sie ihre Entscheidung, wie Sie ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden fördern möchten, neu überdenken. Wir sollten weder uns selbst noch andere für die Entscheidungen verurteilen, die wir treffen. Welche Vorgehensweise auch immer Sie wählen, ich möchte, dass Sie sich gut dabei fühlen. Und ich hoffe, dass dieses Buch Ihnen dabei hilft, in Bezug auf Ihre medizinische Versorgung und Ihr Leben eine gute Wahl zu treffen, denn Unentschlossenheit zehrt an den Kräften. Ständig hin und her zu überlegen, was wohl die „richtige“ Vorgehensweise sein könnte, kostet mentale Energie, wovon Sie in diesem Lebensabschnitt – ehrlich gesagt – oft nicht allzu viel haben werden. Ganz zu schweigen davon, dass solche Gedanken Ihnen den Schlaf rauben können, was ebenfalls nicht gerade förderlich ist.

Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, verfügen Sie über einen nützlichen Werkzeugkasten an Tipps und Techniken, der Ihnen das Durchleben der Perimenopause – umgangssprachlich als Wechseljahre bezeichnet – und auch der postmenopausalen Jahre – also die Zeit 12 Monate nach der letzten Periode – erleichtern wird. Zu Beginn wird es bei Ihren Überlegungen vor allem um den Umgang mit Symptomen gehen. Sie werden jedoch bald feststellen, dass die getroffenen Entscheidungen auch Auswirkungen auf die nachfolgenden Jahrzehnte haben. Nicht umsonst wird die Perimenopause oft als Zeitfenster beschrieben, das durchaus auch positive Seiten hat, und ich würde mich freuen, wenn Sie das auch so sehen könnten.

Zu den Symptomen der Perimenopause zählen (unter anderem):

• Häufigere oder länger auseinander liegende Perioden (oder eine unvorhersehbare Kombination aus beidem)

• Veränderungen der Blutung – stärker, länger, kürzer, leichter

• Verstärktes prämenstruelles Syndrom (PMS)

• STÄNDIGE GEREIZTHEIT UND WUT

• Schlafstörungen

• Müdigkeit

• Brustspannen

• Kopfschmerzen und Migräne

• Gehirnnebel

• Schlechtes Gedächtnis

• Blähbauch

• Hitzewallungen

• Nachtschweiß

• Mundtrockenheit

• Gelenk- und Muskelschmerzen

• Stimmungsschwankungen, Ängste und Depressionen

• Panikattacken

• Scheidentrockenheit

• Schmerzen bei penetrativem Sex

• Vermindertes sexuelles Verlangen

• Verstärktes sexuelles Verlangen (ja, durchaus auch!)

• Blasenprobleme – unfreiwilliger Harnverlust, Harndrang, häufiger nächtlicher Toilettengang

• Hautveränderungen – Akne, trockene Haut, fettige Haut, Verlust von Straffheit und Elastizität

• Juckende Haut

• Haarausfall oder dünner werdende Haare

• Durchfall, Verstopfung oder beides

Die Wechseljahre bestehen jedoch aus mehr als nur rein körperlichen Symptomen. In der Herbstphase des Lebens werden wir mit Gedanken und Gefühlen konfrontiert, die wir möglicherweise seit Jahren unterdrückt haben. Kreative und sexuelle Impulse können plötzlich auftauchen oder nachlassen, der Drang, sich selbst zu verwirklichen, nimmt möglicherweise zu und es kann die Sehnsucht entstehen, aus dem gewohnten Leben auszubrechen. Hinzu kommt, dass wir zu einer Art wandelndem Pulverfass werden, das aufgrund von Reizbarkeit, Ungeduld und Wut jederzeit in die Luft zu gehen droht. Die Perimenopause ist eine Art Feuertaufe, die uns dazu zwingt, uns selbst, unserer Lebensgeschichte und unserer Zukunft ins Auge zu blicken, und zwar mit einer Intensität, auf die wir meist nicht vorbereitet sind. Dabei wäre das wirklich wichtig, denn so werden die Wechseljahre von etwas, das uns einfach „passiert“, zu einer machtvollen Erfahrung, in der wir uns selbst und unsere Kraft finden.

Der aktuelle Stand der Dinge

In den vergangenen drei Jahren hat sich die Anzahl der Suchanfragen im Internet zum Thema Menopause verdreifacht – und das ist kein Wunder, denn laut der unabhängigen britischen Wohlfahrtsorganisation Nuffield Health befinden sich derzeit in Großbritannien rund 13 Millionen Frauen in der perimenopausalen oder postmenopausalen Phase. Aufgrund des Bevölkerungsanstiegs, der aus der ersten und zweiten Welle der geburtenstarken Jahrgänge resultierte, haben derzeit schätzungsweise mehr als 50 Millionen Frauen und Menschen, denen bei der Geburt das Geschlecht „weiblich“ zugewiesen wurde, in den USA das Durchschnittsalter für die Menopause erreicht.1 Bis zum Jahr 2050 wird sich diese Zahl wohl vervierfachen.2 Dennoch werden die Menge und die Vielfalt der Symptome ebenso wie die Bedürfnisse aller, die sich in der Perimenopause und Postmenopause befinden, weder in der Forschung, noch in der Gesundheitsbildung oder den Ausgaben im Gesundheitswesen abgebildet. Würden Männer mitten in der Nacht schweißgebadet aufwachen, unter kognitiven Störungen leiden und mit eingeschrumpelten Penissen leben müssen, wie viel Geld würde dann wohl bereitgestellt? Es gäbe sicherlich keine weltweiten Engpässe bei der Hormonersatztherapie wie es derzeit der Fall ist. Nach der Menopause bleibt uns schließlich immer noch ein Drittel unserer Lebenszeit, und die Auswirkungen der Hormonumstellung während der Wechseljahre begleiten uns durch all diese Jahre. Im Verhältnis dazu wird viel zu wenig auf diesem Gebiet geforscht.

Da in den vergangenen Jahren Themen wie die Periode und Fehlgeburten in den Vordergrund gerückt sind, beginnt die Menopause gerade erst an Aufmerksamkeit zu gewinnen. Stars wie Michelle Obama, Ulrika Jonsson, Meg Mathews, Louise Minchin und Michelle Heaton haben über ihre Erfahrungen mit der Menopause berichtet und erhielten dafür ein hohes Maß an Lob und Unterstützung. Die Psychologin und Menopausen-Expertin Diane Danzebrink hat die gemeinnützige Organisation Menopause Support (in Großbritannien) gegründet und ist die Triebfeder der Kampagne #makemenopausematter, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Wissen von Hausärzten über die Menopause zu fördern, die Menopause im Sozialkundeunterricht für Teenager zu thematisieren und das Bewusstsein am Arbeitsplatz für das Thema zu schärfen. Sie setzt sich auch dafür ein, dass Arbeitgeber entsprechende Richtlinien entwickeln, um Angestellte besser unterstützen zu können. All dies ist dringend erforderlich. Wer sich traut, mit seiner Hausärztin oder seinem Hausarzt über die Symptome zu sprechen (viele tun dies jedoch gar nicht erst), erhält häufig veraltete Ratschläge, da die meisten Mediziner nicht ausreichend geschult sind, um Wechseljahresbeschwerden, also menopausale Symptome, als solche zu erkennen und zu behandeln. Das liegt auch daran, dass im Studium nur wenig über die weibliche Gesundheit gelehrt wird, was über die fruchtbaren Jahre hinausgeht. Man könnte also fast meinen, dass unsere Gebärmutter nur so lange von Wert ist, wie wir darin ein neues Leben austragen können. Die British Menopause Society schätzt, dass rund ein Drittel aller Frauen sogar die Hälfte ihres Lebens in der Postmenopause verbringen werden – und dennoch werden ihre Bedürfnisse im Gesundheitswesen nahezu übersehen.

All dies kann tiefgreifende Auswirkungen haben. Mit Partnerschaften kann es rapide bergab gehen, die Arbeitsleistung kann sinken und 10 Prozent der Betroffenen überlegen sogar, aufgrund der Symptome die Arbeit ganz aufzugeben. Die Gesundheitsrisiken steigen, ebenso wie die Selbstmordgefahr. Das Durchschnittsalter für die Menopause ist 51 Jahre, und die britische Telefonseelsorge berichtet, dass die Altersgruppe mit der höchsten Selbstmordrate bei Frauen zwischen 50 und 54 Jahren liegt. Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sie sind ein natürlicher und normaler Vorgang. Gleichzeitig sind sie aber eine Lebensphase, in der wir fundierte und hilfreiche Unterstützung benötigen. Dank dem passionierten und unermüdlichen Einsatz von Frauen wie Diane sehen wir auf diesem Gebiet endlich lang ersehnte Fortschritte.

Warum ich?

Was qualifiziert mich dafür, ein Buch über die Perimenopause zu schreiben, wenn ich sie selbst noch gar nicht durchlebt habe? Das habe ich mich selbst tatsächlich mehrfach gefragt. Ich habe überlegt, noch ein paar Jahre damit zu warten, bis ich eigene Erfahrungen gesammelt habe – und sicherlich denken einige, dass ich das auch hätte tun sollen. Ausgelöst wurde meine Entscheidung, dieses Buch dennoch jetzt schon zu schreiben, durch die zahllosen Kommentare, persönlichen Nachrichten und E-Mails, die ich von Menschen erhalten habe, die mein erstes Buch Superpower Periode (ebenfalls bei VAK erschienen) gelesen haben und mehr darüber wissen wollten, was in der Perimenopause mit den Hormonen geschieht – wie geht es weiter? Diese Frage kam so häufig auf, dass ich sie sogar als Titel für dieses Buch in Betracht gezogen habe. All diese Botschaften hatten eine Wirkung, weil das darin anklingende dringende Bedürfnis nach Informationen zu meinem dringenden Bedürfnis wurde, diese Informationen weiterzugeben, damit das Wissen wächst und Betroffene verstehen, was vor sich geht – und dass man eine Menge tun kann, um leichter durch die Wechseljahre zu kommen. Ich danke all jenen, die in den vergangenen 15 Jahren mit perimenopausalen und postmenopausalen Beschwerden zu mir gekommen sind, dafür, dass sie mir ihr Vertrauen geschenkt haben und ich einige ihrer Geschichten in diesem Buch erzählen darf. Ihren Fragen und ihrem Wunsch, die Wechseljahre anders anzugehen, ist es zu verdanken, dass Sie dieses Buch nun in Ihren Händen halten.

Ich bin mir sicher, dass das Buch anders ausgefallen wäre, wenn ich gewartet hätte – aber wäre es auch hilfreicher für Sie gewesen? Da bin ich mir gar nicht so sicher. Ich habe 10 Jahre lang Hunderte von Familien als Doula bei Schwangerschaft und Geburt unterstützt, bevor ich selbst Schwangerschaft und Geburt durchlebte, und ich war – ehrlich gesagt – eine bessere Doula, bevor ich selbst Mutter wurde. Seit mein Sohn auf die Welt gekommen ist, versuche ich darauf zu achten, dass meine Erfahrungen mich nicht zu sehr beeinflussen, wenn ich anderen dabei helfe, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Dennoch lauern sie heute immer im Hintergrund, während ich in den 10 Jahren zuvor ohne die Vorurteile eigener Erfahrungen beraten habe. Meine Klientinnen haben davon profitiert und ich hoffe, Ihnen geht es beim Lesen dieses Buchs genauso. Ich habe Informationen aus verschiedenen Ecken zusammengetragen und reichlich recherchiert, damit Sie sich diese Arbeit ersparen können. Und natürlich ist meine praktische Erfahrung mit eingeflossen, sodass Sie am Ende ein Gesamtpaket haben, das Sie gesundheitlich und hormonell hoffentlich gut durch die Wechseljahre bringt.

Ich bin gerne gut vorbereitet und ich möchte mich und meine Familie so gut wie möglich für die nächste Phase in meinem Leben wappnen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, was es bedeutete, als Teenager mit einer Mutter in den Wechseljahren zu leben, und ich wünsche mir eine andere Erfahrung für meinen Sohn und meinen Partner. Eine, in der man über die Dinge redet und in der Bewusstheit und Verständnis dafür herrschen, dass es Zeiten geben wird, in denen ich aus der Tür stürmen und ein paar Stunden lang am Wasser oder in den Bergen umherstapfen muss. Ich wollte wissen, welche Optionen mir zur Verfügung stehen, wenn die Zeit kommt, und das Schreiben dieses Buchs hat mir genau das ermöglicht. Auf diese Weise konnte ich auch vorab Entscheidungen treffen, von denen ich zum Teil selbst überrascht war. Die Herausforderungen der mittleren Lebensjahre treffen auch mich. Ich lerne, die Superpower meiner Hormone einzusetzen und gelassen den radikalen Umbruch zu genießen, den sie mir abverlangen.

Dieses Buch hat sich auch dann gelohnt, wenn es mir gelingt, mit dem furchtbaren Schlamassel aufzuräumen, den die fehlerhaften Ergebnisse der WHI-Studie (Women’s Health Initiative) geschaffen haben – eine Forschungsarbeit, die 20 Jahre lang für größtenteils unbegründete und beängstigende Schlagzeilen gesorgt hat (mehr dazu ab Seite 104).

Also, sind Sie dabei?

Los geht’s.

Kapitel 1
Was zum Teufel ist hier los?

Während unserer fruchtbaren Jahre gewöhnen wir uns an das, was wir als normal erleben – unsere individuelle Erfahrung des eigenen Zyklus. Bei all den zyklusbedingten Symptomen, wie Schmerzen, starken Blutungen, PMS, Brustspannen, Aufgeblähtheit und Veränderungen in Energie, Stimmung und Verhalten, wissen wir doch immer ungefähr, was wir zu erwarten haben. Ihr Zyklus mag mit seinen ausgeprägten Hochs und Tiefs einer Achterbahnfahrt gleichen, aber zumindest wissen Sie, wie sich eine Fahrt auf dieser speziellen Achterbahn anfühlt.

Mit der Perimenopause ändert sich das. Am Anfang sind es eher subtile Veränderungen, doch irgendwann schlagen die Wechseljahre zu. Anstatt in jedem Zyklus auf der gleichen Achterbahn unterwegs zu sein, fühlt es sich nun so an, als würden Sie ständig auf einer anderen fahren, vor allem wenn kürzere und längere Zyklen sich ohne Regelmäßigkeit abwechseln und nichts mehr so richtig vorhersehbar ist. Sie haben richtig gelesen – es ist an der Zeit, sich von regelmäßigen Zyklen zu verabschieden, sofern dies bei Ihnen bislang der Fall war, was nicht bei allen so ist.

Ratsuchende, die in meine Praxis kommen, sind häufig unsicher, ob sie überhaupt schon in den Wechseljahren sind. Sie erzählen mir, dass sich ihr Zyklus irgendwie verändert hat – meist betrifft es die Länge oder Stärke der Blutung. Manchmal sind neue Symptome hinzugekommen oder bestehende haben sich verschärft. Solche Veränderungen sind häufig (wenngleich nicht immer) den Wechseljahren geschuldet, aber weil sie nicht unbedingt in das Bild passen, das wir von Frauen in der Menopause haben – ständig schwitzend und zur Abkühlung vor dem offenen Kühlschrank stehend – verbinden viele Betroffene ihre Symptome nicht automatisch mit dem Einsetzen der Perimenopause. Die Hitzewallungen, die wir für so typisch halten, kommen tatsächlich häufig erst später.

Andere kommen zu mir, weil sie unter einer ganzen Reihe von Symptomen leiden, die dafürsprechen, dass sie die Wechseljahre durchleben, es ihnen aber nicht bewusst ist. Die meisten thematisieren die Perimenopause erst dann, wenn sie sich schon mittendrin befinden, und Jahre voller offensichtlicher Anzeichen und Symptome können der „hitzigen“ Phase mit den Schweißausbrüchen vorangehen, ohne jedoch mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht zu werden. Ich bewerte das übrigens nicht, obwohl es mich ärgert, dass viele von uns nur wenig über die Funktionsweise unserer Hormone und Fortpflanzungsorgane wissen. An diesem Nichtwissen sind allerdings weniger die Betroffenen schuld als vielmehr das Patriarchat.

Natürlich gibt es auch all jene, die genau wissen, was in ihrem Körper abläuft und die sich einfach nur Hilfe und Unterstützung erhoffen.

Ganz gleich, in welchem Stadium Sie sich derzeit befinden (und ich hoffe natürlich, dass einige dieses Buch lange vor dem Beginn der Wechseljahre lesen) – beginnen möchte ich mit einer Erklärung, was genau die Perimenopause ist und wann sie startet, denn wenn Sie so ähnlich ticken wie ich, werden Sie sich eine klare und eindeutige Beschreibung wünschen, um von Anfang an zu wissen, ob Sie schon Mitglied im Club sind oder noch nicht.

Erste Anzeichen

Laut dem Stufensystem, das eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus fünf Ländern und verschiedenen Fachbereichen im Jahr 2001 im Rahmen des Stages of Reproductive Aging Workshop (STRAW) entwickelt hat, beginnt die frühe Perimenopause, wenn sich die Länge Ihres Zyklus in mehreren aufeinanderfolgenden Zyklen um sieben oder mehr Tage verändert.3 Gegen Ende der fruchtbaren Jahre seien zudem leichte Veränderungen in Stärke und Länge möglich. Dazu muss ich sagen, dass ich mit vielen Ratsuchenden gearbeitet habe, die meiner Einschätzung nach schon unter den hormonellen Veränderungen der Perimenopause litten, diese Kriterien aber nicht erfüllten.

Meiner beruflichen Erfahrung nach zeigen sich bereits Symptome, bevor es zu einer siebentägigen Abweichung der Zykluslänge kommt. Insofern sollten Sie nicht unbedingt bis zur Erfüllung dieses offiziellen Kriteriums warten, bevor Sie sich in den Wechseljahren sehen. Zu diesen Symptomen zählen unter anderem ein verkürzter Zyklus, Veränderungen der Blutungsstärke, Nachtschweiß vor und während der Periode, starke Kopfschmerzen und Migräne, ein Anschwellen und eine Berührungsempfindlichkeit der Brüste, die uns sogar vor Umarmungen zurückschrecken lassen, und ein Vorrat an Wut, der für eine ganze Armee ausreichen würde.

Hier kann ich tatsächlich aus persönlicher Erfahrung sprechen. Im vergangenen Jahr hat sich mein Zyklus auf 24 bis 25 Tage verkürzt, auch wenn es zwischendurch immer wieder einmal zu einer für mich normalen Zykluslänge von 28 bis 32 Tagen kommt. Neu ist auch, dass ich nun in den Tagen unmittelbar vor der Regel schlecht einschlafen kann, begleitet von prämenstruellem Nachtschweiß, der mich zumindest vorwarnt, dass meine Regel früher kommt als erwartet. Die erste größere Veränderung war jedoch, dass meine prämenstruellen Stimmungsschwankungen sich extrem verstärkt haben. Kommt Ihnen das bekannt vor? Ich weiß, dass ich nicht allein damit bin. Im Laufe der Jahre haben mir viele Betroffene von ähnlichen Erfahrungen berichtet.

Es handelt sich hier um eine Lebensphase, die das kanadische Centre for Menstrual Cycle and Ovulation Research (www.cemcor.ubc.ca), das zum Thema Zyklus und Ovulation forscht, als „sehr frühe Perimenopause“ bezeichnet. Das CeMCOR widersetzt sich zum Glück dem Trend, den Beginn der Perimenopause genau zu definieren, denn es legt den Fokus auf unsere sich verändernden Erfahrungen, die besser als regelmäßige Zyklen auf Veränderungen im Hormonhaushalt hinweisen.4 Eine äußerst positive Entwicklung! Auf der Internetseite des CeMCOR findet sich der folgende Satz5: „Wenn sich unser Erleben verändert, wenn sich unser Hormonhaushalt verändert, dann legen wissenschaftliche Befunde nahe, dass der perimenopausale Östrogenspiegel höher ist, stärker schwankt und unvorhersehbar wird, weniger häufig ein Eisprung stattfindet und der Progesteronspiegel niedriger ist, was wiederum bedeutet, dass die Perimenopause begonnen hat, selbst wenn die Zyklen regelmäßig sind und eine normale Länge aufweisen.“ Das CeMCOR nennt eine Reihe von möglichen Veränderungen, von denen drei beliebige Faktoren zur Bestimmung des Beginns der Wechseljahre dienen können, auch wenn der Zyklus weiterhin normal lang und regelmäßig ist:6

• Stärkere und/oder länger anhaltende Blutungen als bisher

• Kürzere Zykluslänge (25 Tage oder weniger)

• Stärker schmerzende, angeschwollene und/oder knotige Brüste als zuvor

• Stärkere oder neu auftretende Regelschmerzen

• Aufwachen in der Nacht

• Einsetzen von Nachtschweiß, speziell rund um die Blutung

• Migränekopfschmerz, der neu oder wesentlich stärker auftritt

• Prämenstruelle Stimmungsschwankungen, die neu oder verstärkt auftreten

• Deutliche Gewichtszunahme ohne Veränderungen an Ernährung oder Bewegung

So viele von uns haben ihren Tanz mit der Perimenopause bereits begonnen, ohne dass es uns bewusst ist. So verpassen wir die Gelegenheit, etwas zu tun – Zeiten, in denen wir vorausschauend aktiv werden und unser Erleben der Wechseljahre sowie der Zeit nach der Menopause positiv beeinflussen und gestalten können. Daran möchte ich etwas ändern.

Wann geht es los?

Die meisten von uns erleben ihre natürliche Menopause, wenn die Periode also aussetzt, irgendwann zwischen 45 und 55 Jahren. Das Durchschnittsalter liegt bei 51, wobei diese Zahl schwankt, je nach dem Land, in dem Sie leben. Vielleicht denken Sie jetzt, dass eine „natürliche“ Menopause bedeutet, dass man ohne Hormonersatztherapie auskommt – als gäbe es eine besondere Auszeichnung dafür (kleiner Spoiler: Nein, gibt es nicht!). Stattdessen geht es einfach nur um die Festlegung des Alters, in dem Sie ganz natürlich in die Menopause eintreten, im Gegensatz zur induzierten Menopause als Folge einer medizinischen Behandlung (wie einer Bestrahlung) oder eines chirurgischen Eingriffs (wie der Entfernung der Eierstöcke).

Die Perimenopause, in der Sie noch einen Zyklus haben, aber bereits menopausale Symptome auftreten, dauert in der Regel vier Jahre, aber es können auch schon einmal 10 oder 15 sein. Die ersten leisen Anzeichen, dass sich etwas verändert, sind häufig verkürzte Zyklen, variierende Zykluslängen und ein (manchmal extrem) schwankender Hormonhaushalt. Obwohl man bei der Menopause meist eher an einen Hormonmangel denkt, insbesondere in Hinblick auf den sinkenden Östrogenspiegel, ist die Perimenopause häufig eine Zeit, in der der Östrogenspiegel erhöht bleibt.7

Bei Zwanzigjährigen liegt der höchste Östrogenspiegel etwa bei 500–1000 pmol/L, aber auch in der Perimenopause können 5000 pmol/L gemessen werden. Von einem Mangel kann da wohl nicht die Rede sein. (Es ist nicht wichtig, wenn Sie sich mit der hier verwendeten Maßeinheit nicht auskennen, bei der es sich um Pikomol pro Liter oder pmol/l handelt, wichtig ist das Verhältnis.) Nach und nach sinkt der Östrogenspiegel, und es kann sein, dass Sie zwischen Zyklen mit hohem Östrogenwert und solchen mit niedrigem schwanken. Das erste Hormon jedoch, das sich verabschiedet, ist das Progesteron. In den Zeiten, in denen der Östrogenspiegel hoch ist und der Progesteronspiegel niedrig, treten Symptome auf wie kürzere Zyklen, stärkere und/oder längere Perioden, Regelschmerzen, Schmierblutungen, Aufgeblähtheit, Kopfschmerzen und Migräne, Schlafstörungen, Ängste, Depressionen, Reizbarkeit und jede Menge WUT.

Der stufenweise und sprunghafte Rückgang des gebildeten Östrogens ist eher typisch für die späten Stadien der Perimenopause und sorgt dafür, dass der Zyklus länger wird, immer mehr Zeit zwischen Ihren Blutungen liegt und sich Symptome zeigen wie Hitzewallungen, Nachtschweiß und Scheidentrockenheit. Der sinkende Östrogenspiegel bewirkt Veränderungen im Urogenitalsystem, und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Osteoporose steigt.


Definition der Menopause

Unter der Prämenopause versteht man die Jahre, in denen Sie einen Menstruationszyklus haben.

Die Perimenopause (auch Wechseljahre genannt) umfasst den Zeitraum, in dem Sie noch Perioden haben, diese allerdings eher unregelmäßig sind. Außerdem zeigen sich die ersten Wechseljahressymptome. Dieses Stadium kann weiter unterteilt werden in:

• Sehr frühe Perimenopause: Die Zykluslänge ist gleichbleibend oder kann sich leicht verkürzen, neue Symptome tauchen auf oder bestehende verschärfen sich. Der Östrogenspiegel ist im Verhältnis zum Progesteronspiegel häufig erhöht.

• Frühe Perimenopause: Die Zykluslänge nimmt ab. Der Östrogenspiegel ist im Verhältnis zum Progesteronspiegel häufig erhöht.

• Späte Perimenopause: Die Zykluslänge nimmt zu, und es können Symptome auftreten wie Hitzewallungen, Nachtschweiß und Scheidentrockenheit. Der Östrogenspiegel ist niedrig.

Die Menopause selbst dauert nur einen einzigen Tag und markiert den Zeitpunkt, an dem Ihre letzte Periode ein Jahr her ist.

Die Postmenopause ist die Zeit, in der die Periode dauerhaft ausbleibt und Hitzewallungen wahrscheinlicher werden. Sie beginnt 12 Monate nach der letzten Regel. Außerdem nehmen Symptome wie Scheidentrockenheit und Harnwegsinfekte zu. Wir verbringen etwa ein Drittel unseres Lebens in dieser Phase.

Warum es nicht ohne Grund „Wechsel“ heißt

Auch wenn es Forschungsarbeiten zum Alter gibt, in dem die natürliche Menopause in der Regel einsetzt, und zu den dazugehörigen Faktoren, so gibt es doch – wie generell auf dem Gebiet der Frauengesundheit – leider nur wenige Studien zu Verlauf und Dauer der Perimenopause. Manche erleben die Wechseljahre durchaus als positiv; es ist immerhin eine Lebensphase, keine Krankheit oder Störung. Für andere kann sie jedoch verwirrend und überwältigend sein und sich stark auf die Lebensqualität auswirken.

Es gibt kein Patentrezept, wie man am besten durch diese Zeit kommt. Ihre Erfahrung der Perimenopause und der darauffolgenden Jahre wird sehr individuell sein. Und es ist ein Prozess: Kaum haben Sie sich an ein bestimmtes Symptom oder einen Gefühlszustand gewöhnt, ändern sich die Dinge, und das immer wieder. Kein Wunder also, dass wir von den „Wechseljahren“ oder kurz dem „Wechsel“ sprechen. Die Dinge werden unberechenbar und das kann gehörigen Stress verursachen. Aber es ist auch eine Chance, und ich möchte Sie dazu ermuntern, diese Zeit als solche zu sehen (mehr dazu erfahren Sie in Kapitel 6).

Kann mir ein Test verraten, ob ich schon in den Wechseljahren bin?

Die Perimenopause ist keine Krankheit, aber die Diagnose erfolgt in der Regel auf der Grundlage von Anzeichen und Symptomen. Bluttests, bei denen die Hormone bestimmt werden, sind kein zuverlässiger Indikator für die Perimenopause, da der Hormonspiegel von Zyklus zu Zyklus variieren kann und zudem während der Wechseljahre wilden Schwankungen unterworfen ist. In einigen Fällen kann er auch Werte anzeigen, die typisch für die Prämenopause – also den Zeitraum vor den Wechseljahren – sind. Dennoch: Wenn Sie vor Ihrem 45. Geburtstag schon Symptome haben, sollten Sie Ihr Blut untersuchen lassen, da bei Ihnen möglicherweise eine vorzeitige Menopause oder eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz (siehe hierzu Seite 369) vorliegt.

Aber wenn es nicht die Perimenopause ist – was ist es dann?

• Schwangerschaft (das kommt häufiger vor, als man denkt)

• Fehlfunktionen der Schilddrüse nehmen mit dem Alter zu und können mit den Wechseljahren einhergehen, aber auch unabhängig davon auftreten. Weil einige Symptome einer Schilddrüsenfunktionsstörung jenen der Perimenopause ähneln, kann es zu Fehldiagnosen kommen. So kamen beispielsweise Ratsuchende zu mir, die unter Gewichtszunahme, depressiven Verstimmungen, veränderter Periode und anderen Zyklusunregelmäßigkeiten litten und überzeugt waren, in den Wechseljahren zu sein. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Schilddrüse das Problem war.

• Ein hoher Prolaktinspiegel kann die normale Produktion anderer Hormone und den Eisprung (Ovulation) stören. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird in der Regel neben anderen Hormonwerten auch Ihren Prolaktinspiegel untersuchen, um auszuschließen, dass das Hormon für die unregelmäßigen Zyklen verantwortlich ist. Ist der Prolaktinspiegel erhöht, müssen Sie einen Schwangerschaftstest machen, um die häufigste Ursache auszuschließen. Außerdem muss die Schilddrüsenfunktion überprüft und ein Hirnscan (MRT) durchgeführt werden, da eine Ursache für einen hohen Prolaktinspiegel das Vorhandensein eines gutartigen Hypophysentumors sein kann, den man als Prolaktinom bezeichnet (diese Tumore schrumpfen häufig in der Menopause).

• Amenorrhoe (das Ausbleiben der Periode) aufgrund von Mangelernährung, Diät, zu viel Sport und Stress.

• Stress hat massive Auswirkungen auf den Zyklus, was uns allen seit Einsetzen des Lockdowns im Jahr 2020 noch einmal so richtig bewusst geworden ist. Wenn Ihr Zyklus sich verkürzt oder verlängert hat, könnte Stress der Grund dafür sein – und er könnte auch viele weitere Symptome ausgelöst haben.

Wenn die Eizellen knapp werden

Früher ging man davon aus, dass der Beginn der Menopause mit dem Vorrat an Eifollikeln zusammenhängt, der unwiderruflich zu Ende geht. Auch glaubte man, dass die veränderte Beziehung zwischen zwei Drüsen in Ihrem Gehirn – dem Hypothalamus und der Hypophyse – eine Folge der nachlassenden Eierstockfunktion sei. Mittlerweile jedoch weist immer mehr darauf hin, dass dies nicht der Fall ist. Stattdessen führen viele Faktoren nach und nach zu einer Dämpfung und geringeren Synchronisation der Kommunikation Ihrer Hormone untereinander und mit Ihrem Fortpflanzungssystem. All das läuft zusätzlich ab, unabhängig davon, was Ihre Eierstöcke sonst so veranstalten (oder auch nicht veranstalten).

Die Kommunikationswege, die zwischen Gehirn, Hypophyse und Hypothalamus in Ihrem Kopf und Ihrem Fortpflanzungssystem bestehen, durchlaufen in den Wechseljahren entscheidende Veränderungen. Bevor wir uns das genauer ansehen, treten wir jedoch zunächst eine Reise zurück in Ihre Teenagerzeit an.

Im Gegensatz zu den heutigen Teenagern hatten Sie vermutlich in Ihrer Jugendzeit kein Handy. Aber der Austausch mit Freundinnen und Freunden war Ihnen sehr wichtig. So wichtig, dass Sie um das Festnetztelefon der Familie herumschlichen und auf die Zeit nach 18 Uhr warteten, wenn die Telefongebühren niedriger waren. Es gab natürlich immer jede Menge Gesprächsstoff bei Ihnen, bei der Freundin oder dem Freund am anderen Ende der Leitung, und manchmal versuchten auch andere Sie zu erreichen. Wenn Ihre Mutter das Telefon blockierte, kratzten Sie Ihr Kleingeld zusammen und gingen zur Telefonzelle an der Ecke, weil sie es gar nicht erwarten konnten, all Ihre Neuigkeiten loszuwerden. Und ja, mir ist bewusst, dass diese Beschreibung mich extrem alt erscheinen lässt. Der Punkt ist, mit Ihrem Hormon- und Fortpflanzungssystem war es seinerzeit nicht anders. Die einzelnen Komponenten waren scharf darauf, miteinander zu kommunizieren, und sie reagierten in hohem Maße aufeinander.

Schauen wir uns nun an, was geschah, als Sie erwachsen wurden. Während des Großteils Ihrer fruchtbaren Jahre war die Kommunikation zwischen Gehirn und Hormondrüsen gut aufeinander abgestimmt und reaktionsfreudig – vergleichbar mit der Zeit, als Sie Ihr erstes Handy bekamen. Damals war es leicht, Freunde zu erreichen, und es nahm wenig Zeit in Anspruch. Anstatt wertvolle Minuten des Handykontos zu vergeuden, verschickte man Signale in Form von einmaligem Klingeln. SMS waren so neu, dass man fast immer direkt antwortete. Mit dem Einsetzen der Perimenopause vergessen wir – bildlich gesprochen – „hormonelle“ Anrufe zu tätigen, selbst wichtige. Man versucht sich den ganzen Tag über zu erreichen, aber erwischt den anderen immer zum falschen Zeitpunkt. Oder Ihr Gegenüber sieht Ihre Nachricht, antwortet aber nicht gleich, weil – seien wir mal ehrlich – er oder sie gerade einfach keine Lust dazu hat. Die Kommunikation zwischen Gehirn, Hormonen und Fortpflanzungsorganen verändert sich – Nachrichten werden nicht so gesendet und empfangen, wie es sein sollte, und das Timing ist aus dem Lot geraten.

Es sind die signifikanten Veränderungen in diesen Kommunikationsschleifen, die vor allem für die Wechseljahre prägend sind, und sie scheinen unabhängig von der nachlassenden Funktion der Eierstöcke einzutreten. Insofern ähnelt die Perimenopause der Pubertät, denn auch sie ist ein Prozess, der vom Hypothalamus gelenkt wird. Die Menopause kommt nicht einfach, weil Ihnen die Eizellen ausgehen.

Nach der Menopause befinden sich in Ihren Eierstöcken immer noch einige verbleibende Follikel – sogar in den Eierstöcken von 70-Jährigen wurden noch intakte Follikel gefunden.8 Und selbst wenn dort noch eine geringe hormonelle Aktivität vorhanden ist, reicht diese zumeist nicht mehr aus, um in der Gebärmutter eine Schleimhautschicht aufzubauen, die zu einer Blutung führen würde. Auch wenn im Alter von 52 Jahren bei rund 4,5 Prozent die Periode nach einer einjährigen Pause wieder einsetzt9 und das mit den Aktivitäten einiger verbleibender Follikel zusammenhängen mag, müssen Sie Ihren Arzt dennoch über jede postmenopausale Blutung informieren. Gehen Sie nicht davon aus, dass es sich einfach nur um eine normale Regel handelt. Jedes Auftreten einer postmenopausalen Blutung sollte abgeklärt werden, da sie ein Warnsignal für Endometriumkrebs sein kann (mehr dazu auf Seite 284).

Die Menopause markiert das endgültige Ende der Zyklusjahre und in der Regel verbringen wir rund drei Jahrzehnte in der Postmenopause. Es ist also höchste Zeit zu überlegen, wie die nächsten 30 Jahre (und mehr) aussehen sollen.

Körperliche Veränderungen in den Wechseljahren

Mit dem Alter verändert sich nicht nur unser Äußeres – auch unser Fortpflanzungssystem unterliegt einem fortschreitenden Alterungsprozess.

Vulva

Wenn die meisten Menschen über die Vagina reden, meinen sie eigentlich die Vulva. Wenn Sie nicht so genau wissen, was was ist, dann sind Sie damit keineswegs allein. Kein Grund also sich zu schämen, denn es geht den meisten so – wir haben schließlich lange genug „gelernt“, uns für unseren Körper zu schämen. Jetzt ist es dann auch einmal gut damit. Und deswegen schadet es nicht, die Bezeichnungen für unsere Körperteile zu kennen, denn es ist ja nicht nur unser Körper, sondern wir können so auch leichter mit Spezialistinnen und Spezialisten über das Urogenitalsystem sprechen.

Die Vulva umfasst die Gesamtheit der externen Genitalien, einschließlich des Scham- oder Venushügels (der kleine Hügel aus Fettgewebe über Ihrem Schambein, der mit Schamhaaren bewachsen ist), der inneren und äußeren Schamlippen, der Klitoris und ihrer Haube, des Perineums (auch Damm genannt), das zwischen Vulva und Anus liegt, sowie der externen Öffnungen von Vagina und Harnröhre (also das Loch, aus dem Sie pinkeln). Die Vagina ist die innenliegende Röhre, die Ihre externen Genitalien – Ihre Vulva – mit der Gebärmutter verbindet. Wenn man die Schamlippen auseinanderzieht, kann man nur die Öffnung der Vagina sehen.

In den Wechseljahren kommt es zu einem Gewebeverlust von Vulva und Vagina. Ja, auch da unten kann man Falten bekommen! Die äußeren Schamlippen verlieren einen Teil des Unterhautfetts, sodass sie möglicherweise weniger prall erscheinen als zuvor. Der Schamhügel kann sichtbarer hervortreten, entweder aufgrund von Veränderungen am Schambein (Schambeinsymphyse) oder, und die Erklärung wird Ihnen sicher gefallen, weil das Fett, das ursprünglich am Unterbauch angesiedelt war, nun zum Ansatzpunkt der Vulva wandert. Außerdem nimmt die Schambehaarung ab, und die verbleibenden Schamhaare sind dünner, weicher und flaumiger … und färben sich weiß oder grau.




Der Scheideneingang wird enger, was die Verwendung von Tampons (sofern Sie noch menstruieren) und penetrativen Sex schmerzhafter machen kann. In der Postmenopause wird die Vulva zudem weniger stark durchblutet und die Haut dort ist häufig leichter reizbar, speziell durch exzessives Waschen und Abwischen, unnötige „Reinigungsprodukte“ und Cremes, die Propylenglykol, Parabene und Duftstoffe enthalten.

Vagina

Ihre Vagina ist von außen nicht sichtbar. Sie ist um etwa 45 Grad nach hinten in Richtung Ihres Allerwertesten geneigt und ihre Vorderwand ist etwas kürzer als die Hinterwand. Ihre Blase sitzt vor Ihrer Vagina und Ihr Rektum (der letzte Abschnitt Ihres Dickdarms) liegt dahinter. Senkungen der Beckenorgane, bei denen ein Organ seine Position verändert, nehmen jenseits der 50 zu, wenn der sinkende Östrogenspiegel sich auf die Anatomie und Funktion des Beckenbodens auswirkt.

Auch wenn wir dazu neigen, die Vagina als eine Art Loch anzusehen – auch weil sie häufig als etwas dargestellt wird, das nur darauf wartet, gefüllt zu werden –, ist es eher so, dass die Scheidenwände einander berühren. Wenn sich etwas in der Vagina befindet – ein Tampon, eine Menstruationstasse, ein Penis, ein Sexspielzeug oder ein Baby während der Geburt – dehnt sie sich aus, um Platz dafür zu machen. Ermöglicht wird dies durch Rillen, die die Oberfläche der Vagina bedecken; man nennt sie Rugae. Die Rugae sind der Grund, warum die Scheide hochelastisch und dehnbar ist, was unter anderem dafür sorgt, dass der Muttermund in die Höhe gezogen wird, wenn Sie erregt sind. Solange das Östrogen während der fruchtbaren Jahre zirkuliert, ist das vaginale Gewebe prall und großflächig überzogen mit Rugae. In den Jahren vor Ihrer letzten Periode und in der Postmenopause, wenn der Östrogenspiegel sinkt, wird das Gewebe „dünner“ und auch die Rillen werden weniger. Dadurch nimmt auch die Elastizität der Vagina ab und sie kann sich weniger gut und weit ausdehnen.

Damit noch nicht genug – die Wände der Vagina trocknen auch aus und atrophieren (das ist der beschönigende medizinische Ausdruck für „verkümmern“). Sie werden blasser und sind leichter reizbar. Die Vaginalsekrete, die normalerweise zu einem gesunden pH-Wert beitragen, nehmen auch ab, sodass sich alles trockener anfühlt und das Risiko für Risse, blutende Verletzungen und Infektionen steigt.

Genau wie Ihr Darm ein eigenes Ökosystem aus freundlichen Bakterien besitzt, das man als Mikrobiom bezeichnet, hat auch Ihre Vagina ein solches, und wenn es aus dem Gleichgewicht gerät, kann es zu wiederkehrenden Pilzinfektionen und bakterieller Vaginose kommen. Die Scheide muss nicht gesäubert oder ausgespült werden. Im Gegenteil: Der Gebrauch von entsprechenden Produkten wie Intimspülungen kann das bakterielle Gleichgewicht der Scheidenflora durcheinanderbringen und Schaden anrichten. Das Fehlen eines gesunden vaginalen Mikrobioms kann zu entzündlichen Beckenerkrankungen, bakterieller Vaginose, Geschlechtskrankheiten, Fehlgeburten, Eileiterschwangerschaften, Frühgeburten und Gebärmutterhalskrebs führen.

In den Wechseljahren bewirkt der niedrigere Östrogenspiegel, dass der pH-Wert in der Vagina basischer wird, sodass sich ihr Mikrobiom verändert. In der Prämenopause herrschen vor allem gesunde Bakterien namens Laktobazillen (Milchsäurebakterien) vor. Durch ihre Produktion von Milchsäure und Wasserstoffperoxid behält die Vagina ihr saures Milieu, das Sie vor Infektionen schützt. In der Postmenopause geht die Anzahl der Laktobazillen zurück und der pH-Wert ist weniger sauer, dadurch werden Sie anfälliger für Infektionen und das urogenitale Menopausensyndrom kann sich verstärken.10 In einigen Fällen kann eine Hormontherapie, etwa die Einnahme von Östrogen, die Anzahl der Laktobazillen und den Säuregrad der Vagina erhöhen.11

Das urogenitale Menopausensyndrom

Das urogenitale Menopausensyndrom (auch GSM für engl. Genitourinary Syndrome of Menopause) beschreibt die menopausalen Anzeichen und Symptome von Vulva, Vagina und unteren Harnwegen. Zu den Letzteren zählen Blase, Harnröhre (die Röhre, die den Urin von der Blase zur Öffnung transportiert, durch die er dann austritt) und die Schließmuskeln, mit denen sie Urin zurückhalten oder fließen lassen. Das Menopausensyndrom umfasst die Anzeichen und Symptome, die mit dem Östrogenverlust zur Zeit der Menopause verbunden sind. Dazu zählen:

• Genitale Symptome wie Brennen, Trockenheit und Reizung

• Sexuelle Symptome wie mangelnde Feuchte, Beschwerden und Schmerzen

• Urinale Symptome wie Harndrang, häufiges Wasserlassen, Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen und Infektionen der Harnwege

Gebärmutterhals

Am oberen Ende der Scheide befindet sich der Eingang zur Gebärmutter, der Gebärmutterhals. Er trägt den Namen „Hals“, weil es der tiefstliegende und engste Teil des Uterus ist. Er ist ein bisschen wie ein Tor, da sein Job die meiste Zeit Ihres Lebens darin besteht, geschlossen zu bleiben. Er öffnet sich nur zur Zeit des Eisprungs, um das Eindringen von Spermien zu ermöglichen, bei der Menstruation zum Abfluss des Blutes und während der Geburt, damit ein Baby das Licht der Welt erblicken kann.

Nach der Menopause wird der Gebärmutterhals dünner und weicher. Die Transformationszone – der Bereich des Gebärmutterhalses, der am anfälligsten ist für Krebserkrankungen und von dem daher bei Untersuchungen Abstriche genommen werden – verschiebt sich leicht nach oben, was eine Sichtprüfung des Gebärmutterhalses, auch Kolposkopie genannt, schwieriger macht. Das sollte jedoch kein Hinderungsgrund für Vorsorgeuntersuchungen sein. Die Hauptursache, warum die Untersuchung während und nach der Menopause unangenehmer sein kann, sind die hormonellen Veränderungen in der Vagina. Hier hilft es, wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin ein kleineres Spekulum und ein wenig Gleitmittel verwendet. Es kann auch angenehmer sein, wenn Sie bei der Untersuchung auf der Seite liegen. Zögern Sie nicht, dieses Thema anzusprechen. Ärztinnen und Ärzte kennen das Problem und können Ihnen helfen, sich gut und geschützt zu fühlen.

Nach der Menopause führt der Mangel an Östrogen zu einer Reduzierung oder dem gänzlichen Versiegen des Zervixschleims. Ursächlich hierfür sind Veränderungen an den Verbindungen zwischen den Zellen, die den Gebärmutterhals auskleiden12, und der verringerten Durchblutung der Zervix.13

Gebärmutter

Während der Jahre, in denen Sie einen Zyklus haben, ähnelt Ihre Gebärmutter (Uterus) in Größe und Form einer auf dem Kopf stehenden Birne. Nach der Menopause schrumpft sie um etwa 20 Prozent.14 An Bändern, Muskeln und anderem Gewebe, das den Uterus stützt, finden ebenfalls Veränderungen statt, die dazu führen können, dass er seine Lage ändert. Diese sogenannte Gebärmuttersenkung ist keinesfalls etwas, das Sie als Teil des Alterungsprozesses akzeptieren sollten. Man kann eine Menge tun, um einer Senkung vorzubeugen und sie zu behandeln. Mehr dazu in Kapitel 2.

Abnorme uterine Blutungen treten während der Perimenopause häufiger auf. Die Gründe dafür sind vielfältig, und es gibt ebenso viele Möglichkeiten hier Abhilfe zu schaffen, ohne dass die Gebärmutter im Rahmen einer Hysterektomie operativ entfernt werden muss (siehe Seite 267). Hysterektomien liegt oft der Gedanke zugrunde, dass der Uterus seine Schuldigkeit getan hat, sobald die fruchtbaren Jahre vorbei sind – also kann man ihn auch gleich entfernen. Natürlich gibt es durchaus medizinische Indikationen, bei denen solch ein Eingriff sinnvoll ist. Jüngste Forschungsergebnisse deuten allerdings darauf hin, dass der Uterus neben der Rolle, die er in der Schwangerschaft spielt, auch noch andere Funktionen erfüllt. Forscher haben im Rahmen von Tierversuchen herausgefunden, dass Hysterektomien Bereiche des Kurzzeitgedächtnisses beeinflussen können, was darauf hindeutet, dass Eierstöcke und Gebärmutter Teil eines Systems sind, das mit dem Gehirn kommuniziert und an kognitiven Funktionen beteiligt ist. Sie schlossen daraus, dass der nicht unübliche operative Eingriff dieses Kommunikationssystem unterbrechen und zu Veränderungen der Gehirnfunktion führen kann.15

Eierstöcke

Die Eierstöcke sind zwei perlfarbene Drüsen, die sich an beiden Seiten der Gebärmutter befinden, unmittelbar unter den Enden der Eileiter. Sie werden durch Bänder, die mit der Gebärmutter und der Beckenwand verbunden sind, an Ort und Stelle gehalten. Die Eierstöcke erfüllen zwei Funktionen: In jedem Menstruationszyklus erzeugen sie ein reifes Ei, das beim Eisprung freigesetzt wird, und sie erzeugen Hormone wie Östradiol (die Form des Östrogens, die wir am besten kennen), Testosteron, Progesteron und Inhibin, die alle eine Rolle beim Tanz der Hormone im Menstruationszyklus spielen und zudem für Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden wichtig sind.

Im Gegensatz zu Spermien, die von der Pubertät an regelmäßig produziert werden, ist die Anzahl an Follikeln begrenzt. Sie werden bereits mit der vollen Anzahl an Eizellen geboren, die Sie jemals besitzen werden. Mit abnehmender Anzahl an Follikeln sinkt auch die Fähigkeit Ihrer Zellen, Östrogen (Östradiol), Progesteron, Testosteron und einen Teil des „Mutterhormons“ DHEA zu produzieren, aus dem einige andere Hormone hergestellt werden. Das Progesteron sinkt häufig schneller ab als die anderen Hormone, weil seine Produktion davon abhängt, dass ein Eisprung stattfindet. Mit zunehmendem Alter nimmt die Anzahl der Zyklen ohne Eisprung zu, in denen dann natürlich auch kein Progesteron gebildet wird.

Es ist zudem wahrscheinlich, dass die Follikelzellen im Alter weniger aufnahmebereit für die Signale der HHO-Hormonachse (Hypothalamus-Hypophyse-Ovar, engl. auch HPO für Hypothalamic-Pituitary-Ovarian) werden. Neben der nachlassenden Eierstockfunktion spielt also auch das zentrale Nervensystem eine Rolle oder, anders gesagt, Ihr famoses Gehirn.

Die Eierstöcke schrumpfen im Übrigen auch. Vor der Menopause haben sie in etwa die Größe von ungeschälten Mandeln (3–4 Zentimeter). Nach der Menopause bewegen wir uns eher im Blaubeerbereich (0,5–1 Zentimeter). Je älter Sie werden, umso kleiner werden Ihre Eierstöcke – was natürlich nicht heißt, dass sie sich irgendwann komplett auflösen. Auch erfüllen sie nach Ausbleiben eines Eisprungs durchaus noch eine Funktion. Während der Menopause geben Ihre Eierstöcke weiterhin Testosteron und Androstendion ab, die beide in Östrogene umgewandelt werden können. Ihre Eierstöcke produzieren nach der Menopause noch etwa 10 Jahre lang Androgene. Wenn es also keinen eindeutigen medizinischen Grund gibt, sie zu entfernen, dann sollten Sie sie besser behalten.16

Und als wäre all das noch nicht genug, können die Muskeln, die Ihren Beckenboden bilden, ebenfalls an Tonus verlieren, sodass Vagina, Uterus oder Blase aus ihrer gewohnten Position fallen, was man dann als Senkung oder Prolaps bezeichnet. Ich weiß, das klingt ganz schön hart, aber ich kann Ihnen gleichzeitig versichern, dass man eine Menge tun kann, um die unangenehmen Symptome zu verbessern; mehr dazu finden Sie in den jeweiligen Kapiteln. Nachdem wir uns nun angesehen haben, was anatomisch so passiert, schauen wir uns als Nächstes bei den Hormonen um.

Die Zyklushormone

Wahrscheinlich ist Ihnen bewusst, dass Ihre Hormone einen großen Einfluss auf Ihren Energiepegel und Ihre Stimmung haben, und dass es Zeiten im Monat gibt, an denen dies besonders stark spürbar ist. Zu anderen Zeiten wiederum denken Sie gar nicht erst darüber nach, weil Sie sich großartig fühlen und mit Freude und Elan Ihr Leben führen. Die Wahrheit ist, dass die Hormone des Menstruationszyklus einen beständigen Einfluss auf Energie, Stimmung und Verhalten haben. Wie stark diese Hormone in den Wechseljahren schwanken, wird Ihr Erleben dieser Zeit stark prägen – ebenso wie Ihre mentale Einstellung dazu und Ihre Lebensumstände. Schauen wir uns also die Hauptdarsteller in Ihrem Zyklus an.

Gonadotropin-freisetzendes Hormon (GnRH)

Das GnRH, auch Gonadoliberin genannt, ist in Ihrem Zyklus so etwas wie der Boss. Es wird pulsatil (stoßweise) vom Hypothalamus im Gehirn freigesetzt und dann zu seinem Nachbarn transportiert, der Hypophyse. Diese nimmt die Meldungen des GnRH auf und schüttet dann zwei andere Hormone aus: das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH). Wie viel von diesen beiden jeweils ausgeschüttet wird, hängt von der Frequenz und Stärke der GnRH-Impulse ab. Langsame Impulse scheinen das FSH zu fördern, während das LH eher auf höhere Frequenzen anspringt. Das GnRH kann man mit Meryl Streeps Rolle in dem Film Der Teufel trägt Prada vergleichen – ihre Präsenz ist überall spürbar, nichts geschieht ohne ihr Zutun, und trotzdem sind es ihre Mitarbeiter, die die eigentliche Arbeit verrichten.

Mit zunehmendem Alter verändern sich Koordination und Muster der GnRH-Impulse. Die Geschwindigkeit verlangsamt sich, Meldungen werden nicht immer ausgesendet oder kommen manchmal nicht an. Diese Veränderungen sind ein Indiz dafür, dass es bei der Menopause nicht allein um die nachlassende Qualität oder Quantität von Eizellen geht. Das GnRH hat sozusagen einfach an Glamour verloren.


Follikelstimulierendes Hormon (FSH)

Das follikelstimulierende Hormon macht genau das, was sein Name vermuten lässt – es stimuliert die Follikel, um den darin enthaltenen Eizellen zur Reife zu verhelfen und letztlich eine Zelle beim Eisprung auf die Reise zu schicken. Gegen Ende jedes Zyklus, kurz vor Eintritt der Periode, rekrutiert es eine Gruppe von Follikeln aus Ihren Eierstöcken, von denen dann eines für den Eisprung „gekrönt“ wird. Sobald das führende Follikel ausgewählt wurde und damit beginnt, Östrogen zu produzieren, verabschiedet sich das FSH erst einmal, denn nun sendet ein anderes Hormon namens Inhibin B das Signal, dass in diesem Zyklus keine weiteren Follikel benötigt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt im Zyklus, kurz vor dem Eisprung, taucht das FSH wieder auf und wechselt sich mit dem luteinisierenden Hormon (LH) ab. Die beiden schaukeln sich gegenseitig immer weiter hoch, bis am höchsten Punkt der Eisprung stattfindet. Sie können sich die Rolle des FSH in etwa so vorstellen wie die von Heidi Klum in Germany’s Next Top Model. Zu Beginn baut sie die Teilnehmer auf und hilft ihnen dabei, sich gut zu fühlen. Dann nimmt sie sich zurück und schaut zu, wem es tatsächlich gelingt, voll aufzublühen. Und am Ende verleiht sie der Gewinnerin den Preis.

In den Wechseljahren muss Ihr Gehirn lauter „rufen“, damit die Botschaft bei den Eierstöcken ankommt. Dazu produziert es eine größere Menge an FSH. Eine stärkere Follikelstimulation beschleunigt die Entwicklung eines Follikels oder mehrerer Follikel. Wie Sie vielleicht wissen, zieht Heidi Klum sich in der Regel zurück, sobald die Gruppe der Kandidatinnen sich versammelt hat. Etwa ab dem 35. Lebensjahr nimmt die Ausschüttung des Hormons Inhibin ab, welches das FSH hemmt, und diese Entwicklung beschleunigt sich, sobald Sie die 40 überschritten haben. Das heißt, niemand informiert Heidi darüber, dass sie gerade nicht mehr gebraucht wird, und so bleibt sie im Raum und stachelt die Kandidatinnen weiter an. In der Folge schütten die Follikel mehr Östrogen aus und die Östrogenschwelle, die zur Auslösung von LH benötigt wird, wird schneller erreicht. Aus diesem Grund findet der Eisprung zu einem früheren Zeitpunkt statt und der Zyklus verkürzt sich insgesamt.

Höhere FSH-Mengen bedeuten auch, dass mehr Follikel stimuliert werden. Das kann zu einer „Überschuss“-Reaktion führen, bei der mehr als ein Follikel gewählt wird. Obwohl die meisten davon absterben, macht man den FSH-Anstieg für den Anteil zweieiiger Zwillinge verantwortlich. Diese entstehen, wenn sich jeder Zwilling aus einer eigenen Ei- und Spermazelle entwickelt. Bei eineiigen Zwillingen hingegen teilt sich das eine befruchtete Ei. Anders gesagt: Zweieiige Zwillinge entstehen in Folge einer mehrfachen Ovulation, die mit zunehmendem Alter häufiger auftritt.


Östrogen

Östrogen ist das Hormon, das die erste Hälfte Ihres Zyklus bestimmt. Es wird von den sich entwickelnden Follikeln gebildet und sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut in Erwartung der Ankunft einer befruchteten Eizelle in der zweiten Zyklushälfte – der sogenannten Lutealphase – anwächst. Östrogen kann Ihnen eine selbstsichere, verführerische und sinnliche Ausstrahlung verleihen. Ihre Haut wird reiner und die Gesichtszüge können sogar symmetrischer erscheinen. Es fällt Ihnen leichter, Neues zu lernen, und Sie fühlen sich insgesamt großartig. Deshalb ist Östrogen für mich auch so etwas wie die Beyoncé unter den Hormonen.

Bei der Menopause denkt man zumeist an einen sinkenden Östrogen-Spiegel – schließlich werden Symptome wie Scheidentrockenheit und schmerzende Gelenke allgemein mit einem niedrigen Östrogenspiegel in Verbindung gebracht. Aber obwohl die Östrogenmenge in den späten Wechseljahren abnimmt, sobald die Zeiträume zwischen den Perioden länger werden und sie schließlich ganz ausbleibt, erreicht der Östrogenspiegel in der Perimenopause meist einen absoluten Höchstwert. Das klingt zunächst vielleicht gut, ist aber tatsächlich eher zu viel des Guten, denn es kann Symptome auslösen wie schwere Blutungen, Aufgeblähtheit und Brustspannen.

Wir reden meist von Östrogen, als ob es sich um ein einzelnes Hormon handeln würde. Tatsächlich gibt es in Wahrheit verschiedene Arten von Östrogenen:

• Östron (E1) wird in den Eierstöcken produziert sowie durch die Umwandlung von Androgenen („männlichen“ Hormonen) in den Fettzellen des Körpers. In der Postmenopause ist es das vorherrschende Östrogen, es ist aber im Vergleich zu Östradiol schwächer.

• Östradiol (E2) hat von allen Östrogenen die größte Wirksamkeit: Es wirkt 10-mal stärker als Östron und 100-mal stärker als Östriol. Ihre Eierstöcke stellen es während der fruchtbaren Jahre her, und es ist verantwortlich für die Entwicklung von Geschlechtsmerkmalen wie Brüsten und breiteren Hüften. Auch bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung des Fortpflanzungssystems spielt es die entscheidende Rolle. Das Östradiol steigt und fällt im Verlauf des Zyklus und beeinflusst unter anderem die Gesundheit von Gehirn, Brust, Knochen und Herz-Kreislauf-System. Diese Östrogenart übernimmt mehr als 300 Aufgaben im Körper, weshalb eine Abnahme tatsächlich spürbar ist.

• Östriol (E3) ist nur in kaum messbaren Mengen vorhanden, es sei denn, Sie sind schwanger. Genau wie Östron ist es eine eher schwach wirksame Östrogenart. In der Schwangerschaft produziert die Plazenta große Mengen davon.

• Östretol (E4) wird nur in der Schwangerschaft von der sich entwickelnden Leber des Babys produziert.

Östrogen entsteht tatsächlich durch die Umwandlung von Androgenen wie Testosteron und Androstendion mithilfe des Enzyms Aromatase. Enzyme unterstützen Tausende von Vorgängen im Körper wie Nahrungsverdauung, Muskelaufbau und Ausscheidung von Giftstoffen, indem sie die jeweiligen chemischen Reaktionen beschleunigen. Enzyme spielen also eine entscheidende Rolle – ohne sie gibt es kein Leben. Das Enzym Aromatase findet sich in Körperzellen, die Östrogen produzieren – Eierstöcke, Blutgefäße, Gehirn, Haut, Knochen und Fettzellen – und wandelt dort Androgene (sogenannte „männliche“ Hormone) in Östrogen um. Sobald Ihre Eierstöcke zunehmend weniger Östrogen produzieren, steigt die Aktivität der Aromatase im Fettgewebe und den Muskeln Ihres Körpers, um Östron (E1) herzustellen. Nun findet der Wechsel in der Östrogenproduktion statt – vom Östradiol (E2), dem Östrogentyp, der Sie durch die fruchtbaren Jahre begleitet hat, zu seiner weniger wirkungsvollen Schwester, dem Östron (E1).

Luteinisierendes Hormon

Das luteinisierende Hormon (LH) zeigt sich kurz vor der Ovulation, wenn das Östrogen seinen Höchststand erreicht. Es gibt dem Eisprung einen letzten Schubs und legt die Grundlage für die Bildung von Progesteron in der zweiten Zyklushälfte. Beyoncé (alias Östrogen) mag von außen betrachtet vielleicht der Star der Show sein, aber es ist ihr Gegenstück Solange Knowles (das LH), das den Eisprung eintreten lässt.

Im Gegensatz zu FSH und Östrogen ist die Ausschüttung von LH in den Wechseljahren relativ stabil. Ein Anstieg zeigt sich erst in den allerletzten Zyklen. Durch die sinkende Koordination der GnRH-Ausschüttung wird auch der Zeitpunkt des LH-Anstiegs kurz vor dem Eisprung beeinträchtigt und das Muster verändert sich: LH-Spitzen werden vermehrt von Plateaus abgelöst. In Bezug auf die Reaktionsfähigkeit Ihrer Eierstöcke entsteht so eine Art Kettenreaktion.

Testosteron

Testosteron ist kein männliches Hormon, denn es wird von allen Menschen hergestellt. Es erreicht ebenso wie Östrogen und LH kurz vor dem Eisprung (Ovulation) seinen Höchststand. Es macht sie aktiv, ehrgeizig, sexy und wettbewerbsorientiert oder, anders gesagt, es ist die Serena Williams der Hormone. Testosteron hilft beim Aufbau und Erhalt von Muskeln und Knochendichte und kurbelt im Vorfeld des Eisprungs Ihre Libido an.

Wer mit einem weiblichen Fortpflanzungssystem geboren wurde, bei dem wird Testosteron an zwei Orten produziert: Die Nebennieren, die auf den Nieren sitzen, stellen sowohl DHEA her (das Mutterhormon, aus dem verschiedene andere Hormone hergestellt werden), als auch Androstendion, das in Testosteron umgewandelt werden kann. Zusätzlich produzieren die Eierstöcke Testosteron.

Nach der Menopause nimmt die Testosteronproduktion zwar ab, allerdings stellen die Eierstöcke in den ersten fünf Jahren nach der Menopause meist mehr Testosteron her als während der Wechseljahre. Wenn die Eierstöcke doch mehr produzieren, warum also sinkt der Gesamtspiegel dann? Der Grund hierfür findet sich in den Nebennieren, es ist die reduzierte Umwandlung von Androstendion in Testosteron.

Ist der Testosteronspiegel niedrig, kommt es häufig zu Symptomen wie Stimmungsschwankungen, Zunahme von Bauchfett, Energiemangel, Konzentrationsprobleme, Rückgang von Muskelmasse und Knochenschwund. Hohe Testosteronwerte hingegen können Akne, eine Zunahme der Gesichts- und Körperbehaarung, Haarausfall und Aggressionen fördern.

Progesteron

Progesteron wird gebildet, wenn ein Eisprung stattfindet. Es dominiert die zweite Hälfte Ihres Zyklus (Lutealphase) und sorgt dafür, dass die Gebärmutter eine ausreichend hohe Schleimhaut aufbaut, um eine befruchtete Eizelle aufnehmen zu können. Insofern ist es essenziell für den Eintritt und die Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft. Als die Kristen Stewart ihrer Fortpflanzungshormone ist es nervös und reizbar, steht nicht gerne im Mittelpunkt und bleibt am liebsten daheim, um mit Freundinnen Apfelkuchen zu essen.

Aber das ist nicht seine einzige Rolle. Progesteron ist entscheidend für den Erhalt gesunder Knochen und zur Vorbeugung von Brust- und Gebärmutterkrebs. Für eine Hormonersatztherapie ist es unabdingbar, denn ohne Progesteron kann sich die Gebärmutterschleimhaut verdicken – ein Risikofaktor für Gebärmutterkrebs. Im Allgemeinen beruhigt Progesteron die Stimmung und fördert guten Schlaf, denn es wird in Allopregnanolon (ALLO) umgewandelt, was die Rezeptoren in Ihrem Gehirn beruhigt, die Ihnen wiederum helfen, von der Palme herunterzukommen. In einzelnen Fällen jedoch, beispielsweise bei all jenen, die unter einer Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS) leiden, reagieren Betroffene aufgrund von dysfunktionalen Rezeptoren anders auf ALLO – statt der beruhigenden Wirkung kommt es zu Stimmungsschwankungen, Ängsten, Depressionen, Reizbarkeit und quälendem Grübeln.

Mit dem Alter sinkt die Progesteronproduktion, was nicht nur Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hat, sondern auch auf unser Erleben des Zyklus. Der sinkende Progesteronspiegel in den Wechseljahren wird mit einem niedrigeren ALLO-Spiegel in Verbindung gebracht, was eine Erklärung für die Stimmungsveränderungen sein kann, die in der Perimenopause auftreten. Anzeichen und Symptome eines niedrigen Progesteronspiegels sind:

• Prämenstruelle Schmierblutungen

• Zwischenblutungen in der zweiten Zyklushälfte

• Schwierigkeiten, schwanger zu werden

• Schwierigkeiten, schwanger zu bleiben

• PMS

• Zyklusbedingte Kopfschmerzen

• Starke Menstruationsblutungen

• Unregelmäßige Zyklen oder kürzere Zyklen

• Aufgeblähtheit oder Wassereinlagerungen

• Geschwollene Brüste, einhergehend mit Berührungsempfindlichkeit oder Schmerzen

• Tollpatschigkeit oder Koordinationsprobleme

• Juckende oder unruhige Beine, speziell nachts

• Schlafstörungen

• Zysten an Eierstöcken, Brüsten oder in der Gebärmutter (Polypen)

Das Progesteron hält überdies das Östrogen in Schach. Nimmt es ab, steigt der Östrogenspiegel an, und Sie leiden zusätzlich unter den Symptomen eines Östrogenüberschusses. Progesteron ist in allen Bereichen der reproduktiven Gesundheit ein zu Unrecht vernachlässigtes Hormon und wird allzu oft nur als Voraussetzung für den Eintritt einer Schwangerschaft angesehen. Tatsächlich ist es sowohl während der fruchtbaren Jahre als auch danach noch von Bedeutung. In den Wechseljahren müssen wir auf das ausgeklügelte Zusammenspiel von Östrogen und Progesteron achten, denn meist ist der Östrogenspiegel hoch und der Progesteronspiegel niedrig.

DHEA

Dehydroepiandrosteron (DHEA) ist ein sogenanntes Vorläuferhormon, aus dem andere Hormone hergestellt werden. Biologisch bewirkt es im Grunde nicht viel, sondern erlangt erst seine Wirkung, wenn es in andere Hormone wie Testosteron und Östrogen umgewandelt wird. DHEA wird größtenteils in den Nebennieren aus Cholesterin hergestellt, die Eierstöcke können ebenfalls kleine Mengen produzieren. DHEA ist deshalb so wichtig, weil es während der Zyklusjahre für 75 Prozent Ihres Östrogens verantwortlich ist17 und nach der Menopause zur einzigen Quelle von Östrogen und Testosteron wird.

Das kleine Zyklus-Einmaleins

Ihr Menstruationszyklus wird gesteuert von einer Kommunikationsschleife zwischen zwei Drüsen in Ihrem Kopf – dem Hypothalamus und der Hypophyse – und den Eierstöcken. Diese Schleife ist bekannt unter dem Namen HHO-Achse (Hypothalamus-Hypophyse-Ovar, engl. auch HPO für Hypothalamic-Pituitary-Ovarian). Sie zeichnet verantwortlich für die größtenteils vorhersehbaren Abläufe und hormonellen Veränderungen in jedem Zyklus. Sobald wir in die Wechseljahre kommen, gerät das System allerdings immer stärker aus dem Lot. Ich möchte diese Veränderungen im Folgenden gerne erklären, damit Sie Ihre Erfahrungen – im Guten wie im Schlechten – besser einordnen können.

Zunächst einmal meine ich nicht Ihre Periode, wenn ich vom Zyklus spreche. Die Periode ist der Zeitpunkt im Zyklus, an dem Sie bluten, wohingegen der Zyklus die ganzen 28 Tage umfasst (beziehungsweise den Zeitraum, der für Sie typisch ist). Nur rund 12,4 Prozent aller Menstruierenden haben einen „Bilderbuchzyklus“ von 28 Tagen Länge, und in der Perimenopause sind unregelmäßige Zykluslängen sowieso eher vorprogrammiert.

Östrogen ist das Hormon, das über Ihre erste Zyklushälfte regiert, die man auch als Follikelphase bezeichnet. Seine Aufgabe ist es, den Körper auf eine Schwangerschaft vorzubereiten, ob Sie nun eine planen oder nicht. In der ersten Zyklushälfte sorgt das Östrogen dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut – das Endometrium – anwächst. Auch die Produktion von Zervixschleim nimmt zu, der für das Überleben und Vorankommen der Spermien eine wichtige Rolle spielt. Unser Verhalten in der ersten Zyklushälfte ist ebenfalls vom Östrogen geprägt. Wenn Sie festgestellt haben, dass Sie in dieser Zeit gesprächiger sind, gerne ausgehen, leichter Menschen kennenlernen und mehr Lust auf Sex haben, dann liegt das am Östrogen (und am Testosteron), die einen guten Job machen.

Nach dem Eisprung wird Progesteron produziert, um das Einnisten der Eizelle und eine mögliche Schwangerschaft zu unterstützen. Das Progesteron verändert und erhält die Gebärmutterschleimhaut, sodass sie als „Nest“ geeignet ist. In der gleichen Weise, wie das Östrogen Sie in der ersten Zyklushälfte auf eine Empfängnis vorbereitet, will das Progesteron Sie in der zweiten Hälfte schützen und nähren. Progesteron sorgt für Entschleunigung. Sie sind vielleicht stärker in sich gekehrt und weniger daran interessiert, das Haus zu verlassen, und wenn, dann nur mit engen Freunden. Auf diese Weise möchte Progesteron für Ihre Sicherheit sorgen. Sogar Ihr Verdauungssystem arbeitet langsamer, damit Ihr Körper mehr Nährstoffe aus der Nahrung resorbieren und einen sich potenziell entwickelnden Embryo optimal versorgen kann.

Wie wir unseren Zyklus erleben, ist individuell verschieden, und wir sind unseren Hormonen nicht hilflos ausgeliefert. Dennoch gehe ich davon aus, dass dieses Wissen Ihnen hilft, zu verstehen, was genau Ihre Hormone mit ihrem „Verhalten“ bezwecken.

Die Zyklusphasen

Das war die Kurzfassung des Ganzen, nun schauen wir uns die einzelnen Phasen des Zyklus und ihre Veränderungen in den Wechseljahren noch einmal genauer an.

Follikelphase: Von der Menstruation bis zur Ovulation

Die Follikelphase beginnt am ersten Tag Ihrer Periode und dauert bis zum Moment des Eisprungs an. Sie ist in der Hauptsache für die Zykluslänge verantwortlich, denn die zweite Zyklushälfte, die Lutealphase, ist mit rund 14 Tagen nahezu immer gleich lang. Das verändert sich allerdings in den Wechseljahren. Weil es immer mehr Zyklen ohne Eisprung gibt, ändert sich auch die Dauer der Follikelphase und die Anzahl der Lutealphasen nimmt ab. Ihre Follikelphase kann also 14 Tage lang sein oder nur 9 oder sogar 44. Findet Ihr Eisprung früher statt, setzt auch die Periode früher ein, und bei einem späten Eisprung verzögert sich auch das Einsetzen der Regel. Wenn wir also davon sprechen, dass die Periode verspätet einsetzt, dann meinen wir eigentlich die verspätete Ovulation.

Die Follikelphase kann weiter unterteilt werden in die Zeit der Blutung und die Zeit, in der sich Ihr Körper auf den Eisprung vorbereitet.

Menstruation

Der erste Tag Ihres Zyklus ist der Tag, an dem die Monatsblutung so richtig einsetzt. Es ist egal, zu welcher Tageszeit dies passiert. Schmierblutungen zählen noch zum Ende des vorhergehenden Zyklus, selbst wenn sie mehrere Tage anhalten. Prämenstruelle Schmierblutungen können ein Anzeichen dafür sein, dass der Progesteronspiegel niedrig ist, was mit zunehmendem Alter und in den Wechseljahren häufiger der Fall ist. Ist der Progesteronspiegel niedrig, wird die Gebärmutterschleimhaut nicht ausreichend unterstützt und schon frühzeitig abgestoßen.

Hat keine Empfängnis stattgefunden, sinken die Östrogen- und Progesteronwerte gegen Ende des Zyklus und die Blutung setzt ein. Dieser Hormonabfall, den Sie vielleicht an Ihrer Stimmung spüren, löst die Freisetzung hormonähnlicher Substanzen aus, die man als Prostaglandine bezeichnet. Prostaglandine bewirken, dass sich die Blutgefäße in der Gebärmutterschleimhaut zusammenziehen und verdrehen. Die Schleimhautzellen erhalten so nicht mehr ausreichend Sauerstoff und sterben ab. Prostaglandine stimulieren auch die mittlere Muskelschicht der Gebärmutter, sodass sie sich zusammenzieht, um Blut und tote Zellen aus dem Körper heraus zu transportieren. Diese krampfartige Bewegung kann Regelschmerzen und Periodendurchfall verursachen. Nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Ibuprofen wirken bei Regelschmerzen und starken Blutungen gut, weil sie die Enzyme blockieren, die Prostaglandine produzieren. Aus diesem Grund ist Ibuprofen meist hilfreicher als Paracetamol. Auch Kurkumin, der aktive Bestandteil von Kurkuma, hemmt diese Enzyme und ist daher ebenfalls ein gutes Mittel bei Regelschmerzen und starken Blutungen.

Starke Blutungen und längere Zyklen nehmen in den Wechseljahren zu, wenn mehr Östrogen im Blut zirkuliert als Progesteron (das einen abschwächenden Effekt auf die Blutung hat). Die Produktion von Progesteron sinkt, weil es in weniger Zyklen zu einem Eisprung kommt – und ohne Ovulation wird kein Progesteron gebildet. Selbst wenn Sie einen Eisprung haben, ist die produzierte Menge niedriger als zuvor, weshalb die zweite Zyklushälfte sich verkürzen kann und prämenstruelle Schmierblutungen zunehmen, ebenso wie prämenstruelle Ängste und Sorgen, Schlafprobleme, Brustspannen, prämenstruelle Kopfschmerzen und Migräne.

Nach einigen Tagen der Blutung ist Ihre Gebärmutterschleimhaut bereit, sich wieder neu aufzubauen. Ab dem dritten Zyklustag präsentieren die Rezeptoren für Östrogen und Progesteron das Schloss, an das die Schlüssel (Östrogen und Progesteron) andocken können, um ihrer Aufgabe nachzukommen: Aufbau und Erhalt der Schleimhaut. Am sechsten Tag hat sich das Endometrium wieder aufgebaut und ist rund 4–7 Millimeter dick. Nun ist es an der Zeit, sich auf die Hauptattraktion im Zyklus vorzubereiten: den Eisprung.

Regelschmerzen (Dysmenorrhö)

Auch wenn Regelschmerzen weit verbreitet sind, bedeutet das nicht, dass sie normal sind oder Sie sie klaglos akzeptieren müssten. Leichte Krämpfe im Unterbauch sind noch im Rahmen, sie sollten jedoch nicht solch ein Ausmaß annehmen, dass Sie zu Schmerzmitteln greifen müssen, um den Tag zu überstehen.

Vielleicht fragen Sie sich auch, wodurch diese Schmerzen überhaupt verursacht werden und warum es sich jedes Mal so anfühlt, als würde Ihre Gebärmutter Krieg gegen Sie führen? Gegen Ende des Zyklus, kurz vor dem Einsetzen der Periode, beginnt der Abbau der Gebärmutterschleimhaut. Dabei werden Prostaglandine freigesetzt, die eine Kontraktion der Gebärmutter bewirken, um den physischen Prozess der Blutung zu unterstützen. Zu Regelschmerzen kommt es, wenn Sie zu viele Prostaglandine freisetzen, wie dies bei den meisten Menstruierenden mit schweren Krämpfen der Fall ist. Prostaglandine bereiten das Nervensystem auf Schmerz vor und steigern die Schmerzreaktion, was zu quälenden Kontraktionen und noch mehr Schmerzsignalen an das Gehirn führt. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, sind sie auch noch verantwortlich für Übelkeit, Erbrechen und den sogenannten Periodendurchfall – die Prostaglandine lassen manchmal auch den Darm krampfen. Nicht selten leiden Betroffene unter heftigen Gebärmutterkontraktionen, die zu einer Zunahme des Drucks in der Gebärmutter führen können und einer eingeschränkten Sauerstoffzufuhr zu den kontrahierenden Muskeln, was die Schmerzen zusätzlich verstärkt.

Ich habe selbst jahrelang unter Regelschmerzen gelitten, die so stark waren, dass sie mich quasi komplett außer Gefecht setzten. Daher kann ich alle gut verstehen, die sich hier Erleichterung wünschen. Wenn Sie unter starken Blutungen leiden – was während der Wechseljahre nicht selten ist –, dann sollten Sie die Einnahme nichtsteroidaler Entzündungshemmer wie Ibuprofen und Naxopren in Betracht ziehen, da sie die Produktion von Prostaglandinen senken und gegen Schmerzen und Blutverlust helfen. Andere Möglichkeiten zur Linderung von Regelschmerzen sind folgende:

• Reduzieren Sie Entzündungen, indem Sie auf Zucker, Alkohol und Milchprodukte verzichten oder deren Konsum zumindest einschränken, speziell in der zweiten Zyklushälfte. Seit dem Erscheinen meines ersten Buches Superpower Periode habe ich zahlreiche Zuschriften erhalten, in denen Betroffene mir berichteten, dass sie durch das Meiden von Milchprodukten ihre Regelschmerzen loswurden.

• Ziehen Sie eine Histaminintoleranz in Betracht (Seite 333).

• Akupunktur, Kräuter und Körperbehandlungen in Form von Physiotherapie, Reflexzonenmassage und Arvigo®-Therapie (siehe Seite 329) können ein rettender Anker sein, wenn es um Regelschmerzen geht.

• Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren (z.B. Fischöl) und Kurkumin sind dafür bekannt, dass sie Regelschmerzen lindern können.

• Wärmetherapie – sprich: ein heißes Bad oder eine Wärmflasche – kann die Durchblutung fördern und Schmerzen lindern. Daten aus zwei klinischen Versuchen legen den Schluss nahe, dass sie ebenso wirkungsvoll sein kann wie eine Behandlung mit nichtsteroidalen Entzündungshemmern.

• Rizinusölpackungen auf dem Unterbauch können die Durchblutung des Beckens fördern und Regelschmerzen lindern. Eine Anleitung finden Sie im Anhang.

• Rauchen, sowohl aktiv als auch passiv, wird mit Regelschmerzen in Verbindung gebracht, also streichen Sie diese Angewohnheit.

• Orgasmen, durch penetrativen oder nicht-penetrativen Sex, zusammen mit dem Partner oder im Alleingang (je nach Belieben), helfen ebenfalls, indem sie schmerzlindernde Endorphine und Oxytocin freisetzen. Für viele meiner Klientinnen sind sie zu einem Teil der Selbstfürsorge geworden.

• Versuchen Sie es einmal mit Cannabidiol-Öl oder CBD-Öl (siehe Seite 195). Wenn Ihr Zyklus unregelmäßig ist, dann nehmen Sie es 7–10 Tage vor dem Tag ein, an dem Ihre Periode einsetzen sollte, und auch während der ersten Zyklustage. Wenn Sie nicht wissen, wo sie gerade im Zyklus stehen, dann leiden Sie möglicherweise an weiteren Symptomen, bei denen CBD hilfreich sein kann, und eine regelmäßige Verwendung bietet sich an.

• Ruhe und Bewegung können gleichermaßen hilfreich sein. Manche finden, dass Bewegung bei Regelschmerzen hilft, für andere ist dies keine Option. Probieren Sie einfach aus, was Ihnen guttut. Bewegung kann jederzeit bei vielen zyklusbedingten Beschwerden helfen und ist außerdem gut für die Knochen und eine gesunde Psyche.

• Vielleicht reagieren Sie auch empfindlich auf Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Auberginen, Paprika und Tomaten; ihr Verzehr kann zu Entzündungen und Schmerzen führen.

Regelschmerzen treten häufig bei allen Betroffenen auf, die unter Endometriose und Adenomyose leiden. Auf diese Themen werde ich in Kapitel 9 noch genauer eingehen.

Vor der Ovulation

Nun, ich habe wohl ein wenig geschummelt, als ich Ihnen gesagt habe, dass dies der Zeitpunkt im Zyklus ist, an dem sich unser Körper auf den Eisprung vorbereitet. Es stimmt schon, dass in dieser einen Woche eine Menge passiert, aber es ist in Wahrheit nur der Schlusssprint in einem sehr, sehr langen Rennen – einem, das bereits gestartet wurde, als Sie sich noch im Bauch Ihrer Mutter befanden.

Als Sie in der 20. Schwangerschaftswoche in der Gebärmutter Ihrer Mutter wuchsen, hatten Sie die Höchstzahl an Eizellen oder Oozyten erreicht – erstaunliche sieben Millionen! Von der 24. Woche an nahm die Anzahl der Eizellen allerdings wieder rapide ab, sodass bei Ihrer Geburt noch rund eine Million vorhanden waren und mit Beginn der Pubertät noch etwa 400000. Ab der Pubertät beginnen jeden Tag einige Follikel zu wachsen, sodass in den fruchtbaren Jahren ein kontinuierlicher Vorrat an Follikeln bereitsteht, um als Bewerber für den Eisprung in Frage zu kommen – oder eben nicht. Nur etwa 400 werden tatsächlich als reife Eier beim Eisprung freigesetzt, was in etwa der Zahl der Perioden entspricht, die Sie in Ihrem Leben haben werden. All jene Eizellen, die die Voraussetzungen nicht erfüllen, werden abgebaut und vom Körper resorbiert.

Etwa sechs Monate bevor ein Follikel die in ihm enthaltene Eizelle beim Eisprung freisetzt, entwickelt sich eine Blutzufuhr und er durchläuft verschiedene Entwicklungsstadien. Gegen Ende jedes Menstruationszyklus erhalten solche Follikel die Meldung des follikelstimulierenden Hormons (FSH), dass ihre Zeit nun gekommen ist, und es wird eine Gruppe zusammengestellt. Trotz aller vorbereitenden Abläufe gelten diese Follikel immer noch als unreif. Erst unter dem Einfluss von FSH reifen sie und beginnen mit der Produktion von Östrogen, weshalb Sie etwa ab dem dritten Zyklustag feststellen, dass Energie und positive Stimmung zunehmen. Rund um den sechsten Zyklustag beginnt ein Follikel die anderen in punkto Reife und Größe auszustechen. Dieser Follikel gibt dann vermehrt Östrogen ab. In Kombination mit Inhibin, dem anderen Ovarialhormon, sendet das Östrogen ein Signal an die Hypophyse, nun weniger FSH zu produzieren. Auf diese Weise kommunizieren Ihre Eierstöcke, dass sie den Follikel für diesen Zyklus gefunden haben – es muss nicht länger nach einem Kandidaten gesucht werden und das FSH hat seine Arbeit getan.

Im ersten Stadium der Perimenopause beginnt dieser Ablauf sich zu verändern. Zum einen gibt es weniger Follikel, die rekrutiert werden können. Zum anderen muss Ihr Gehirn sich mehr Mühe geben, um mit den Eierstöcken „laut genug“ zu kommunizieren, also ist der FSH-Spiegel höher. Das wiederum bedeutet, dass die Follikel zu einem früheren Zeitpunkt im Zyklus wachsen als zuvor18 – und sie wachsen auch noch schneller.19 Forschungen, die die Follikelgröße bei Frauen unter 34 mit der von Frauen im Alter von über 45 verglichen, fanden heraus, dass das Follikelwachstum in der älteren Gruppe zwar zunächst dank des erhöhten FSH-Werts zu einem frühen Zeitpunkt im Zyklus stärker war, der Durchmesser des Follikels kurz vor dem Eisprung aber dafür geringer. Wie zu erwarten war, gelang der Reifungsprozess des dominanten Follikels bei den älteren Frauen ebenfalls seltener, was zu Zyklen ohne Eisprung führte (siehe folgender Kasten).

Eine an 511 prämenopausalen und perimenopausalen Frauen durchgeführte Studie fand heraus, dass 10 Jahre vor dem Eintritt der letzten Periode die meisten Zyklen mit Eisprung verliefen. In den Folgejahren ging die Anzahl von Zyklen mit Ovulation Stück für Stück zurück, bis etwa vier oder fünf Jahre vor der letzten Periode. Ab dann sank die Zahl der Zyklen mit Eisprung rapide, ebenso wie die Progesteronproduktion. Im letzten Jahr vor der endgültigen Menopause ließ sich nur bei 22,8 Prozent der Zyklen ein Eisprung nachweisen.20

Periode ohne Eisprung – geht das überhaupt?

Die kurze und knappe Antwort lautet: Ja!

Wenn wir über den Menstruationszyklus sprechen, dann geht es eigentlich um das, was Experten als Ovulationszyklus bezeichnen, wobei die Ovulation – der Eisprung – rund zwei Wochen vor Beginn der Periode stattfindet. Es gibt jedoch auch Zyklen ohne Eisprung, die man als anovulatorische Zyklen bezeichnet.

Bei einem Ovulationszyklus löst das schnelle Absinken von Östrogen und Progesteron am Ende der Lutealphase die Menstruation aus. Bei einem anovulatorischen Zyklus haben Sie keine Lutealphase oder Periode, denn ohne den Eisprung wird kein Progesteron produziert. Stattdessen befinden Sie sich in einer verlängerten Follikelphase, in der Sie unterschiedliche Mengen an Östrogen produzieren und an irgendeinem Punkt eine sogenannte anovulatorische Blutung (auch Zwischenblutung genannt) erleben.

Gelegentliche anovulatorische Zyklen sind auch in den fruchtbaren Jahren normal und werden häufig ausgelöst durch Stress, mangelnde Ernährung und Essstörungen, exzessiven Sport und das Absetzen hormoneller Verhütungsmittel. Sie treten auch häufig als Begleiterscheinung des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) auf. Anovulatorische Zyklen sind vor allem im Teenageralter und in der Perimenopause üblich, weshalb es durchaus sein kann, dass Sie und Ihr Teenager zur gleichen Zeit mit langen und schweren Blutungen zu kämpfen haben (Randbemerkung: nett zueinander sein hilft). Das liegt daran, dass das Progesteron das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut hemmt und die Blutmenge begrenzt, die Sie bei der Periode verlieren. Ohne Progesteron fehlt seine Fähigkeit, die Blutung leichter ausfallen zu lassen.

Bei Zyklen, die kürzer als 21 Tage und länger als 35 Tage sind, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass kein Eisprung stattgefunden hat als bei solchen, die zwischen 21 und 35 Tagen lang sind. Blutungen, die mehr als sieben Tage anhalten oder sehr stark sind oder beides, können auf einen anovulatorischen Zyklus hindeuten. Andererseits kann die Blutung auch schwächer sein als sonst oder ganz normal. Die beste Möglichkeit, um festzustellen, ob ein Eisprung stattgefunden hat oder nicht, ist das regelmäßige Messen der Basaltemperatur, denn nach dem Eisprung steigt diese an. Durch das Aufzeichnen der Basaltemperatur sieht man also, ob und wann ein Eisprung stattfindet.


Während der dominante Follikel weiter wächst und heranreift, steigt der Östrogenspiegel und sorgt dafür, dass sich das Endometrium auf 10–11 Millimeter verdickt und Ihr Gebärmutterhals fruchtbaren Zervixschleim produziert. Die Konsistenz der Zervixschleims verändert sich im Laufe des Zyklus in Abhängigkeit von den Aktivitäten von Östrogen und Progesteron. Es wird Zeiten geben, in denen Sie gar keinen Schleim produzieren und eher „auf dem Trockenen“ sitzen, aber sobald das Östrogen die Bühne betritt, wird Schleim gebildet, der als fruchtbar eingestuft werden kann, denn in ihm können Spermien bis zu fünf Tage überleben. Der erste Schleim, den Sie in einem Zyklus sehen könnten (ich sage bewusst „könnten“, weil dies individuell verschieden ist), ist eher weißlich, cremig und fruchtbar. Wenn Sie also zu diesem Zeitpunkt ungeschützten Verkehr haben, ist eine Empfängnis möglich. Der fruchtbarste Schleim wird produziert, wenn das Östrogen in den Tagen vor dem Eisprung seinen Höchststand erreicht. Er ist durchsichtig, dehnbar und dünnflüssiger und hat in etwa die Konsistenz von Eiweiß. Wenn Sie darauf achten, wie es sich anfühlt, wenn Sie nach dem Toilettengang Papier benutzen, dann werden Sie feststellen, dass es manchmal richtiggehend „flutscht“. Das liegt am Vorhandensein von glitschigem Schleim. Wenn wir älter werden, produzieren wir weniger Zervixschleim, weshalb auch die Anzahl der fruchtbaren Tage im Zyklus abnimmt.

Die Östrogenproduktion bleibt bei älteren Frauen auf dem gleichen Niveau wie bei jüngeren21, tatsächlich kann sie sogar höher liegen.22 Einige Tage vor dem Eisprung erreicht das Östrogen seinen Höchststand, und eine Hormonsequenz wird ausgelöst, die den finalen Wachstumsschub auslöst, den das Follikel benötigt, um die in ihm enthaltene reife Eizelle freizusetzen. Der Wachstumsschub erzeugt eine Ausbeulung auf der Oberfläche des Follikels/Eierstocks, die dann aufbricht, und schon geht die reife Eizelle auf die Reise.

In der frühen Perimenopause sorgen ein höherer FSH-Spiegel und normale bis erhöhte Östrogenwerte dafür, dass der Eisprung früher stattfindet, weshalb sich auch der Zyklus insgesamt verkürzt. Mit der Zeit nimmt die Empfänglichkeit für Östrogen ab und die Botschaften sind nicht immer „laut“ genug. Der LH-Anstieg, der die Ovulation auslöst, verliert seine Regelmäßigkeit, sodass manchmal ein Eisprung stattfindet und manchmal auch nicht. Gleichzeitig reagieren die Follikel weniger stark auf FSH und LH und der Östrogenspiegel beginnt zu sinken, was zu Störungen der Lutealphase und weiteren anovulatorischen Zyklen führt.

Lutealphase: Von der Ovulation bis zur Menstruation

Nach dem Eisprung passiert etwas höchst Erstaunliches und ganz Wunderbares. Der Follikel, der die Eizelle freigesetzt hat, fällt in sich zusammen, färbt sich gelb und wird nun als Gelbkörper oder Corpus Luteum bezeichnet. Die Fähigkeit des Follikels seine Farbe zu ändern, ist sicherlich ein cooler Partytrick – das wirklich Erstaunliche ist jedoch, dass er zudem eine eigene Blutzufuhr entwickelt und sich in eine temporäre Drüse verwandelt, die nun mit der Produktion und Ausschüttung von Progesteron beginnt – dem Hormon, das die zweite Zyklushälfte und eine eventuelle Schwangerschaft unterstützt. Und all das in einem Zeitraum von nur 24 Stunden! Beeindruckend, oder?

Nach dem Eisprung trocknet Ihr Zervixschleim über Nacht ein und verdickt sich. Während fruchtbarer Zervixschleim Spermien auf ihrer Reise zur Eizelle hilft und sie am Leben erhält, ist der nach dem Eisprung produzierte Schleim eher dazu gedacht, den Zugang zu blockieren. Aufgrund der wärmenden Wirkung des Progesterons steigt Ihre Basaltemperatur an, wobei der Anstieg in der Perimenopause langsamer vonstattengehen kann oder nicht mehr so ausgeprägt ist.

In der zweiten Zyklushälfte werden sowohl Östrogen als auch Progesteron produziert, wobei in den fruchtbaren Jahren der Anteil an Progesteron bei Weitem überwiegt. Wenn Sie Ihren Zyklus besser kennenlernen, werden Sie auch merken, wie das Progesteron Ihr Verhalten in der zweiten Zyklushälfte steuert. Haben Sie weniger Lust auszugehen? Das ist das Progesteron, das für Ihre Sicherheit sorgen will, für den Fall, dass in Ihnen ein Embryo heranwächst. Plündern Sie den Kühlschrank? Auch hier sorgt das Progesteron dafür, dass Sie ausreichend Nährstoffe und Kalorien zu sich nehmen, um eine Schwangerschaft zu unterstützen, insbesondere bei mangelnder Proteinzufuhr. Haben Sie gar kein Interesse an einer Schwangerschaft und fragen sich, ob all das trotzdem auf Sie zutrifft? Die Wahrheit ist, Ihre Eierstöcke sind nicht sonderlich an Ihrer Meinung interessiert.

In der Welt der Hormone spielt das Progesteron hinter dem Östrogen die zweite Geige. Mediziner lassen sich über die vielen positiven Wirkungen von Östrogen aus, nur selten singt hingegen jemand ein Loblied auf Progesteron. Das Östrogen liebt es, im Scheinwerferlicht zu stehen, aber das Progesteron ist die Nebendarstellerin, ohne die der ganze Film nicht funktionieren würde.

Die Rolle von Progesteron beschränkt sich im Übrigen nicht auf die Unterstützung einer Schwangerschaft. Es beruhigt auch das Nervensystem, sorgt für besseren Schlaf, lindert Entzündungen, stimuliert den Aufbau von Knochengewebe und unterstützt die Brustgesundheit. Außerdem hält es das Östrogen im Zaum, was ausgesprochen wichtig ist. Steht dem Östrogen keine Gegenspielerin wie Progesteron gegenüber, dann gerät seine Fähigkeit, die Dinge „laufen“ – also: wachsen – zu lassen, leicht außer Kontrolle. Zysten an den Eierstöcken, Knoten in der Brust, ein übermäßig verdicktes Endometrium und hormonsensitive Tumore werden alle mit hohen Östrogenwerten in Verbindung gebracht. Bevor Sie jedoch eine Abneigung gegen Östrogen entwickeln, sollten Sie nicht vergessen, dass es auch seine großartigen Seiten hat. Hier geht es nicht um zwei Stars, die um ihren Platz auf der Titelseite von Boulevardblättern kämpfen, sondern um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den beiden, denn beide Hormone sind unverzichtbar.

Findet keine Einnistung statt, beginnt der Gelbkörper sich 12–16 Tage nach seiner Entstehung aufzulösen und der Progesteronspiegel fällt ab. Das ist das Signal für die Gebärmutterschleimhaut mit dem Abbau zu beginnen, was die Menstruation einleitet und somit die Rückkehr zur Follikelphase. Die auf 12–16 Tage natürlich begrenzte Lebensdauer des Gelbkörpers ist der Grund, warum die Lutealphase während des Großteils Ihrer Zyklusjahre nahezu immer gleich lang ist: eine lange Lutealphase ist schlichtweg nicht möglich. Sie kann höchstens kürzer werden, wenn die Progesteronwerte in den Wechseljahren sinken.

Progesteron auf dem absteigenden Ast

Von Progesteron ist schon seit Langem bekannt, dass es einen beruhigenden Einfluss auf das Nervensystem hat, weshalb Sie in der Zeit, in der es seinen Höchststand erreicht – 5–7 Tage nach dem Eisprung oder etwa an Tag 21 bei einem 28-Tage-Zyklus – womöglich schneller in den Schlaf finden und auch tiefer schlafen. Sobald Ihr Körper erkannt hat, dass keine Empfängnis stattgefunden hat, baut sich der Gelbkörper ab und die Progesteronproduktion im aktuellen Zyklus wird gestoppt. Auch der Östrogenspiegel sinkt und diese Kombiwirkung macht sich schnell bemerkbar. Während Sie am Vortag noch ruhig und fokussiert waren, wachen Sie nun morgens als weinerliches Elend auf. Oder Sie beginnen den Tag ganz normal und dann gerät irgendwann alles aus den Fugen. Viele Ratsuchende, die zu mir kommen, haben das Gefühl, als würden ihr Verstand und ihre Welt zusammenbrechen.

Wenn Sie sich verletzlich fühlen, empfindsamer sind, nah am Wasser gebaut haben, das Bedürfnis verspüren, allein zu sein (vielleicht in der Natur) und das tägliche Leben hinter sich lassen wollen, dann sind das Anzeichen dafür, dass Sie in diese Phase gelangen – ebenso wie das Gefühl, leicht neben sich zu stehen. All das beginnt zwei Tage oder auch erst zwei Stunden bevor Ihre Periode einsetzt, achten Sie also in den Tagen vor der Fälligkeit Ihrer Regel gut auf sich, denn Sie werden tief in Ihr Inneres geführt; das könnten Sie sonst möglicherweise verpassen oder als Sorge oder Niedergeschlagenheit abtun.

Wenn Sie wissen, wann Ihr Eisprung stattfindet und wie lang Ihre Lutealphase ist, dann können Sie in etwa abschätzen, wann Ihre Periode beginnt und der Progesteronrückgang Sie treffen wird. Durch das Messen und Aufzeichnen Ihrer Basaltemperatur (siehe Seite 51) werden Sie bemerken, dass die Temperatur in den Tagen vor dem Einsetzen der Periode sinkt. So wissen Sie zumindest, was gerade in Ihnen vorgeht und können gut für sich sorgen. Im Idealfall können Sie sich darauf vorbereiten und den Hormonabfall kompensieren, damit es Sie nicht so hart und plötzlich trifft. Die folgenden Tipps können helfen:

• Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten. Dies ist nicht die beste Zeit, um Mahlzeiten auszulassen.

• Sorgen Sie dafür, dass Sie Vorgekochtes im Tiefkühlfach haben, damit Sie nicht in einen leeren Kühlschrank starren oder Essen bestellen müssen.

• Meiden Sie Alkohol. Häufig möchten wir uns gerade dann gerne ein Gläschen genehmigen, aber das wird die schlechte Stimmung nur verstärken. Wenn Sie etwas in dieser Zeit nicht brauchen können, dann ist es ein Kater.

• Lassen Sie Ihren Gefühlen und Ihren Tränen freien Lauf. Ich weiß, dass dies in bestimmten Situationen, etwa am Arbeitsplatz, nicht immer leicht oder möglich ist. Aber wenn Sie sich fünf Minuten Zeit für Ihre Gefühle nehmen, sie zulassen, benennen und anerkennen, dann können Sie sie erst einmal hinter sich lassen und weitermachen. Versuchen Sie hingegen, Ihre Gefühle zu unterdrücken und Ihre Maske aufzubehalten, werden sie eher verstärkt und es kostet Sie wesentlich mehr Energie und Mühe, um halbwegs durch den Tag zu kommen. Lassen Sie Ihre Gefühle also zu.

• Achten Sie darauf, dass Kleidungsstücke, in denen Sie sich wohlfühlen, sauber sind und bereit liegen. Gerade jetzt ist es ungünstig, wenn alle Lieblingsklamotten in der Wäsche sind und nur elegante oder anderweitig unpassende Kleidung im Schrank ist.

• Keine Übernachtungsgäste.

• Machen Sie es sich unter einer Decke gemütlich und schauen Sie sich Ihre Lieblingsserie an.

• Bewegen Sie Ihren Körper auf eine Weise, die sich gut anfühlt und Ihnen dabei hilft, aufgestaute Energie und Gefühle loszuwerden. Legen Sie Ihre Lieblingsmusik auf und lassen Sie einfach alles raus.

Die Zyklusstrategie

Nach der Lektüre dieses Buchs werden Sie eine gute gefüllte Werkzeugkiste mit Tipps und Techniken an der Hand haben, die Sie während der Wechseljahre und auch darüber hinaus nutzen können. Beginnen möchte ich mit dem größten und wichtigsten Tipp – dem Aufzeichnen Ihres Zyklus. Mir ist bewusst, dass dies zunächst merkwürdig erscheinen mag, vor allem, wenn Ihr Zyklus es derzeit an Beständigkeit und Vorhersehbarkeit mangeln lässt. Dennoch möchte ich Sie bitten, es zu tun.

Wenn Sie mein erstes Buch Superpower Periode gelesen haben, dann sind Sie bereits mit der Zyklusstrategie vertraut – meiner Herangehensweise, das Wissen über die einzelnen Phasen des Menstruationszyklus zu nutzen, um Ihr Leben zu erleichtern. Dennoch lohnt es sich, noch einmal einen Blick darauf zu werfen, dieses Mal vom Blickwinkel der Perimenopause aus, denn die in dieser Zeit auftretenden Hormonabweichungen können bewirken, dass Sie Ihren Zyklus nun gänzlich anders erleben.

Sollten Sie die Zyklusstrategie noch nicht kennen, dann freuen Sie sich auf spannende Erkenntnisse dazu, wie Stimmung, Energielevel und Verhalten von Ihren Hormonen beeinflusst werden. Machen Sie sich auch darauf gefasst, traurig und wütend zu sein, dass Sie nicht schon 20 Jahre früher auf dieses Wissen gestoßen sind, wenn es vielleicht sehr hilfreich gewesen wäre. Neben diesen verständlichen Gefühlen sollten Sie sich aber im Klaren darüber sein, dass es nie zu spät ist, sich selbst auf diese Weise kennenzulernen. In vielerlei Hinsicht können Sie sogar in der Perimenopause am meisten vom Aufzeichnen Ihres Zyklus profitieren.

Nach einigen Monaten des Aufzeichnens (siehe das Zyklusrad im Anhang) entwickeln Sie ein Gefühl für Ihr persönliches Muster, inklusive stärkender und schwieriger Phasen, und Sie werden in der Lage sein, hier und da kleine Veränderungen vorzunehmen, um Ihr Erleben zu verbessern und jede Zyklusphase optimal zu nutzen.

Das Ziel besteht nicht darin, ein „perfektes“ Zykluserlebnis zu haben. Ich kenne niemanden, der sich den gesamten Zyklus hindurch großartig fühlt und ich erwarte auch nicht, dass es Ihnen so geht. Zum Leben gehört eine Vielzahl von Erfahrungen – die Hälfte der Zeit fühlen wir uns gut, die andere Hälfte nicht. Beim Menstruationszyklus ist das nicht anders, wobei die Unterteilung in zwei Hälften hier tatsächlich bedeuten kann, dass Sie die eine Hälfte als positiv und die andere als negativ erleben.

Wenn es bei der Zyklusstrategie also nicht darum geht, den perfekten Zyklus zu haben – worum geht es denn dann? Nun, selbst wenn Ihr Zyklus sowohl in Länge als auch Erleben gut vorhersehbar ist, ist es dennoch höchst unwahrscheinlich, dass Sie Ihr tägliches Leben ständig an Ihre jeweilige Zyklusphase anpassen können. Bei der Zyklusstrategie geht es eher darum, vorbereitet zu sein – wie bei der Wettervorhersage. Wenn Sie wissen, dass Regen oder ein Gewitter angesagt ist, dann können Sie eventuell Ihre Pläne ändern und nicht vor die Tür gehen. In den meisten Fällen jedoch müssen Sie sich einfach entsprechend anziehen und der täglichen Routine folgen. Und auch wenn Wettervorhersagen nicht immer punktgenau sind, geben Sie Ihnen dennoch die Möglichkeit, sich ein wenig auf die plötzlichen Regengüsse der Wechseljahre vorzubereiten.

Bei der Zyklusstrategie geht es um mehr als das reine Aufzeichnen von Daten, obwohl allein das schon von immensem Wert ist. Es ist ein Rahmenwerk, das es Ihnen ermöglicht, mit schweren Tagen zurechtzukommen und das Beste aus den guten Tagen zu machen, was von enormer Bedeutung ist, wenn Hormone und Zyklus irgendwann aus dem Tritt geraten. Einer der größten Vorteile Ihrer Aufzeichnungen liegt darin, dass Sie Ihre Termine (wann immer möglich) an Ihren Zyklus anpassen können – auch wenn ich wiederum niemanden kenne, der seinen Kalender immer auf den Zyklus abstimmen kann, mich eingeschlossen. Das gilt natürlich verstärkt für die Perimenopause, in der Ihr Zyklus immer wieder Überraschungen für Sie bereithält.

Zyklusunregelmäßigkeiten, etwa das Ausbleiben der Regel für zwei Monate, gefolgt von zwei Perioden in einem Monat, sind für die Wechseljahre nicht untypisch. Vikki aus meiner Online-Gruppe The Flow Collective formulierte es einmal so: „Es ist schwierig zu wissen, wo man sich gerade befindet, wenn der Körper sich nicht mehr an das Drehbuch hält.“ Vielleicht scheint es zunächst so, als habe es keinen Sinn den Zyklus aufzuzeichnen, wenn jede Vorhersehbarkeit über Bord gegangen ist, aber die gesammelten Daten sind dennoch von enormem Wert. In der Perimenopause können sie Ihnen helfen,

• das Ausmaß der Unregelmäßigkeit zu bestimmen. Ist Ihre Periode immer kürzer oder länger? Gibt es möglicherweise ein Muster im Auftreten längerer und kürzerer Zyklen?

• das Auftreten neuer Anzeichen und Symptome zu bemerken.

• festzustellen, ob Anzeichen und Symptome sich verstärken oder nachlassen.

• Muster zu erkennen und herauszufinden, was bei bestimmten Symptomen hilfreich ist oder sie eher verschlimmert.

• zu bemerken, wie Ihr Zyklus in Ihrem Erleben variiert und wie er auf Ereignisse in Ihrem Leben reagiert.

• zu bestimmen, wie Energie, Stimmung und Verhalten von Ihren Hormonen beeinflusst werden.

• die Zeiten optimal zu nutzen, wenn Sie sich großartig fühlen oder zumindest gut.

Ist Ihr Leben derzeit vollgepackt und stressig und fühlen Sie sich häufig überfordert, dann denken Sie beim Lesen vielleicht gerade, dass das zwar alles ganz toll klingt, Sie aber gar keine Zeit dafür haben. Und außerdem ist es sowieso sinnlos, denn Ihr Alltag ist nicht vorhersehbar. Sie sind nicht Herrin Ihrer Zeit, denn Sie haben Kinder. Sie haben einen vollen Terminkalender. Glauben Sie mir, ich kann das verstehen, denn mir ging es ganz genauso. Ich habe mir die gleichen Sätze vorgesagt. Aber genau das ist der Punkt! All diese Sätze sind Geschichten, die Sie sich selbst erzählen. Ich bezweifle nicht, dass Sie vor massiven Herausforderungen stehen, wie es häufig in dieser Lebensphase der Fall ist. Ich bezweifle auch nicht, dass Sie mehrere Rollen zu erfüllen haben, die viel Zeit, Energie und Geduld kosten – allesamt gerade knappe Güter. Wenn all dies vertraut klingt, dann herzlichen Glückwunsch – Sie haben Ihr „Warum“ gefunden. Denn wenn es darum geht, neue Gewohnheiten zu etablieren, dann müssen Sie zuallererst die Motivation dafür finden. Wenn Sie ständig in Eile und erschöpft sind und jedem an die Gurgel gehen, der etwas von Ihnen will, dann wird das Aufzeichnen Ihres Zyklus Ihr Leben verändern.

Kapitel 2
Ganz schön heiß hier drin

Wenn du jung bist, bist du fruchtbar, du produzierst Eizellen, du bringst neues Leben in die Welt, richtig? Du bringst Leben in die Welt. Und dann wirst Du älter, keine Eizellen mehr. Du kannst kein neues Leben mehr in die Welt setzen … also ab mit dir ins Feuer. Was ist denn das für eine dämliche Geschichte?

Wanda Sykes

Wenn Sie bereits unter ihnen leiden, dann muss ich Ihnen gar nicht erst erzählen, dass Hitzewallungen eine schnelle und übermäßig starke Form der Wärmeabgabe sind. Sind Sie bislang davon verschont geblieben, dann sollten Sie sich schon einmal wappnen, denn sie werden wahrscheinlich kommen. Hitzewallungen zählen zu den meistbekannten Symptomen der Wechseljahre, und das aus gutem Grund. In den Industrienationen leiden bis zu 88 Prozent der Frauen unter Hitzewallungen.1 Die Zahl variiert allerdings, denn in Japan sind beispielsweise lediglich 9,5 Prozent2 betroffen, wobei die entsprechende Studie im Jahr 1984 durchgeführt wurde und eine neuere Untersuchung von 36,9 Prozent spricht3, was aber immer noch weitaus niedriger ist als in den westlichen Industrieländern.

Auch die Häufigkeit kann stark variieren. Manche erleben nur fünf Hitzewallungen in einem ganzen Jahr, andere rund 50 am Tag, und auch in der Länge gibt es Unterschiede. Generell dauern Hitzewallungen etwa 1–5 Minuten an, aber manche können sich auch bis zu einer Stunde hinziehen.4

Da sie ein Symptom sowohl der Perimenopause als auch der Postmenopause sind, können Hitzewallungen und Nachtschweiß auch in den Jahren nach der letzten Periode noch auftreten. Eine große Studie zur Frauengesundheit in den USA, die SWAN-Studie, bezifferte bei 3302 Amerikanerinnen in den Wechseljahren die durchschnittliche Dauer auf 7,4 Jahre.5 Im Alter von 65 Jahren leiden immer noch 25 Prozent darunter.6 Das Ergebnis einer Studie, in der 85-jährige Frauen untersucht wurden, ergab, dass immer noch 16 Prozent von ihnen unter Hitzewallungen litten und nahezu 10 Prozent dies als lästig bis sehr unangenehm empfanden.7

Wie genau wir Hitzewallungen erleben, wird unterschiedlich sein, aber in der Regel handelt es sich um ein plötzliches Hitzegefühl, das häufig von Schwitzen und einer Rötung der Haut begleitet wird. Neben diesem Hitzegefühl können Hitzewallungen begleitet sein von einem trockenen Mund, Zittern, einem Adrenalinschub, Atemlosigkeit, Schwindel und Übelkeit. Sie können spontan auftauchen oder als Folge von Veränderungen der Außentemperatur, Stress und Emotionen wie Scham oder Verlegenheit. Auch das Trinken von Kaffee, Alkohol und Heißgetränken kann Hitzewallungen auslösen. Und so beschreiben die Betroffenen ihr Erleben:

„Es ist eine Hitze, die von meiner Brust ausstrahlt und kribbelt. Ich muss unterbrechen, was auch immer ich gerade tue, und Kleidungsstücke ablegen, weil mir sonst sofort übel wird.“

„Es fühlt sich an, als würde flüssige Lava durch meinen Körper fließen, ohne einen Ausgang zu finden, gefolgt von einem kalten Eimer Wasser, der über einem ausgeleert wird.“

„Die Hitze schluckt mich, als würde ich von innen heraus verbrennen.“

„Die Mischung aus Hitze und Panik fühlt sich so an, als sei ich in einem Ofen eingeschlossen.“

Es gibt jedoch auch mildere Varianten, die sich eher anfühlen, als hätte jemand die Heizung ein wenig höher gedreht oder als gebe es kleine Hitzestiche in Brust und Rücken.

„Kennen Sie diese Hitze, die einen durchläuft, wenn man sich schämt? So ungefähr fühlt es sich an.“

„Mir ist warm und ich muss eine Kleiderschicht ablegen. Fünf Minuten später ziehe ich sie dann wieder an, und so geht das praktisch den ganzen Tag über – Pullover aus, Pullover an. Es ist aber trotzdem weniger schlimm als das, was einige meiner Freundinnen durchmachen.“

Hitzewallungen können enorme Auswirkungen auf das Privat- und Berufsleben haben, die häufig unterschätzt werden. Aber nicht alle sehen sie negativ. Meine Freundin Val ist davon überzeugt, dass sie der Grund sind, warum sie in den Wechseljahren Gewicht verlor und ihr Hautbild sich verbesserte. Außerdem liebte sie es, sich mit exotischen Fächern Kühlung zu verschaffen, und sie konnte Heizkosten sparen. Zu den Risikofaktoren für starke Hitzewallungen zählen:

• Chirurgische Menopause

• Übergewicht

• Rauchen

• Missbrauch oder Vernachlässigung in der Kindheit (die Auswirkungen von Missbrauch zeigen sich noch lange, nachdem er ein Ende gefunden hat)

• Frühere Angststörungen oder Depressionen

• Hormonelle Verhütung in Form der Pille8

Trotz ihrer weiten Verbreitung und den Auswirkungen auf die Lebensqualität ist der zugrundeliegende Mechanismus weitestgehend unbekannt. Zwar können Hitzewallungen mit dem niedrigeren Östrogenspiegel der ausklingenden Wechseljahre in Verbindung gebracht werden, aber sie können auch schon vor dem Östrogenabfall auftreten, sodass diese Erklärung unzureichend erscheint.

Ich habe gezögert, eine Studie mit einfließen zu lassen, die nahezu so alt ist wie ich selbst, aber dennoch häufig in neueren Forschungsunterlagen angeführt wird, weil sie keinen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Hitzewallungen und dem Östrogenspiegel in Blut, Urin oder Vagina finden konnte9 – interessant, oder? Die gleiche Studie fand auch keinerlei Unterschiede im Östrogenspiegel zwischen Betroffenen und all jenen, die davon verschont blieben. Wir wissen auch, dass ein Wirkstoff namens Clonidin Hitzewallungen reduzieren kann, und zwar ohne den Östrogenspiegel anzuheben – ein weiteres Indiz dafür, dass es bei Hitzewallungen nicht um einen niedrigen Östrogenspiegel geht. Verändert hingegen sind die Aktivitäten in einem Teil des Gehirns, das als noradrenerges System bekannt ist, und diese Entdeckung hat zu einer neuen Hypothese geführt.

Ihr Körper ist gut darin – unabhängig von der Umgebungstemperatur – eine innere Kerntemperatur von etwa 37°C aufrechtzuerhalten. Meistens erfolgt diese Regulierung ohne große Mühe. Befinden Sie sich in einem warmen Raum, lenkt Ihr Körper den Blutfluss verstärkt in die Haut, um die Wärme abzugeben und die Kerntemperatur stabil zu halten. Ist die Umgebungstemperatur hingegen eher niedrig, ziehen sich Ihre Blutgefäße zusammen, um den Wärmeverlust zu minimieren (daher sehen einige von uns bei Kälte eher blass aus). Wenn Ihr Körper seine Kerntemperatur problemlos beibehält, dann befinden Sie sich in einer Thermoneutralzone – einem Temperaturbereich, in dem Ihr Körper die normale Körpertemperatur halten kann, ohne mehr Energie zu verbrauchen als Ihr Ruhestoffwechsel erfordert (die Energie, die Sie verbrauchen, wenn Sie nichts tun). Wird ein höherer Einsatz benötigt, um Ihre Temperatur zu steuern, beispielsweise Zittern bei Kälte oder Schwitzen bei Hitze, dann verlassen Sie die Thermoneutralzone.

Es ist möglich, dass Veränderungen in der Wärmeregulation für Symptome wie Hitzewallungen und Nachtschweiß verantwortlich sind. Während der Wechseljahre verkleinert sich die Thermoneutralzone, und wenn die obere Schwelle überschritten wird, signalisiert der Körper, dass Wärme abgeleitet werden muss. Sicherlich ahnen Sie bereits, wie er das macht: Er erweitert die Blutgefäße und sorgt für eine verstärkte Durchblutung der Haut. Und natürlich beginnen Sie zu schwitzen, und das nicht zu knapp. Anders gesagt: Ihr Körper muss nun mehr Einsatz zeigen, um seine Temperatur zu regulieren.

Depressive Stimmungen und Ängste sind in den Wechseljahren starke Indikatoren für Hitzewallungen. Wer unter Ängstlichkeit und innerer Unruhe leidet, erlebt Hitzewallungen rund 3–5 Mal häufiger als weniger Besorgte.10 Das wirft natürlich die Frage auf, ob Ängste, Depressionen und Stress Hitzewallungen auslösen oder ob es genau umgekehrt ist? Wie Sie sich vielleicht schon denken können, beeinflussen sich beide Faktoren gegenseitig – Angst und Sorge können einer Hitzewallung vorausgehen und die Hitzewallung selbst kann Besorgnis auslösen.

Wie Sie cool bleiben

Schauen wir uns einmal an, was Sie tun können, um Hitzewallungen und Nachtschweiß in den Griff zu bekommen.

Hormontherapie

Wenn Sie häufig und heftig unter Hitzewallungen und Nachtschweiß leiden, dann ist eine Hormontherapie die wirkungsvollste Behandlungsstrategie, die zudem über Ihren Arzt oder Ihre Ärztin in der Regel leicht zu bekommen ist. Meist liegt der Schwerpunkt dabei auf Östrogen. Gerade in den Wechseljahren ist der Östrogenspiegel aber häufig vergleichsweise hoch und schwankt stark. In diesem Fall kann man zur Behandlung von Hitzewallungen, Nachtschweiß und Schlaflosigkeit auch bioidentisches Progesteron einsetzen. Zeigen sich bei Ihnen jedoch auch Symptome eines Östrogenmangels wie vaginale Trockenheit und schmerzende Gelenke (eine vollständige Liste finden Sie auf Seite 75), dann kann der Einsatz von Östrogen und Progesteron sinnvoll sein.

Das Problematische an der Hormonersatztherapie (HRT)

Bislang habe ich den Begriff Hormonersatztherapie (HET, auch HRT für engl. Hormone Replacement Therapy) verwendet, um die Hormontherapie zu beschreiben, die während der Menopause zur Verfügung steht. Ehrlich gesagt bin ich jedoch kein Fan dieser Bezeichnung, wobei meine Abneigung nichts mit der Anwendung selbst zu tun hat. Ich finde eher den Namen problematisch, denn der Begriff „Ersatztherapie“ suggeriert, dass es fehlende Hormone gibt, die ersetzt werden müssen, und ich denke, wir sind uns einig, dass wir nicht ohne Grund einen Hormonabfall in der Lebensmitte erleben. Es ist eine natürliche Entwicklung. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie keine Hormontherapie nutzen können oder sollten – ich möchte lediglich das Wort „Ersatz“ unter den Tisch fallen lassen und das Ganze menopausale Hormontherapie (MHT) nennen, wie es auch viele Forscher bereits tun.

Tibolon

Tibolon ist ein Medikament, das die Aktivitäten von Östrogen, Progesteron und Testosteron nachahmt. Es ist ein synthetisches Steroid, das bei allen, die keine Hormontherapie vertragen, als Alternative eingesetzt wird. Es lindert Hitzewallungen und Nachtschweiß, bringt Besserung bei urogenitalen Symptomen und verhindert den Knochenabbau. Tibolon wird bei ehemaligen Brustkrebs-Patientinnen über 60 mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Verbindung gebracht. Bei jüngeren Frauen ohne vorherige Brustkrebserkrankung wurde kein erhöhtes Risiko festgestellt.11

Antidepressiva: SSRI und SNRI

SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) und SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) wie Venlafaxin, Desvenlafaxin, Paroxetin, Citalopram und Escitalopram können verschiedenen Studien zufolge helfen, die Häufigkeit und Schwere von Hitzewallungen um 10–64 Prozent zu senken.12 Einige Studien ergaben allerdings, dass ein Placebo die gleiche Wirksamkeit zeigte. Wenn Sie schon einmal an Brustkrebs erkrankt waren und Tamoxifen nehmen, sollten Sie nicht gleichzeitig SSRI einnehmen, da sie die Wirkung von Tamoxifen beeinträchtigen. Bei SNRI wie Venlafaxin und Desvenlafaxin tritt dieses Problem nicht auf.

Clonidin

Clonidin ist ein Wirkstoff, der zur Behandlung von Bluthochdruck und wiederkehrenden Migräneanfällen eingesetzt wird. Er vergrößert zudem die Thermoneutralzone, wodurch er auch die Häufigkeit von Hitzewallungen mindern kann.13 Clonidin ist für die Verwendung in Perimenopause und Postmenopause zugelassen, kann aber Nebenwirkungen haben wie Schlaflosigkeit, Albträume, niedrigen Blutdruck, Mundtrockenheit, Müdigkeit und Verstopfung.

Gabapentin

Gabapentin ist ein Antikonvulsivum, das zur Behandlung von Epilepsie und neuropathischen Schmerzen eingesetzt wird, einschließlich der Schmerzen, die bei einer Gürtelrose und einer Trigeminusneuralgie (blitzartig einschießende Schmerzen im Gesicht) auftreten können. Eine Studie fand heraus, dass Gabapentin in Bezug auf die Linderung vasomotorischer Störungen genauso wirkungsvoll ist wie niedrig dosiertes Östrogen14 und auch den Schlaf verbessern kann.15 Zu den Nebenwirkungen zählen verstärkter Appetit, Gewichtszunahme, Schwindel, Benommenheit und Unsicherheit. Gabapentin kann auch bei Betroffenen mit hormonbedingtem Brustkrebs eingesetzt werden und es gibt im Gegensatz zu SSRI keine Wechselwirkungen mit Tamoxifen.16

Pregabalin

Ähnlich wie Gabapentin ist auch Pregabalin ein Antikonvulsivum, das zur Behandlung von vasomotorischen Störungen eingesetzt werden kann. Auch die möglichen Nebenwirkungen sind ähnlich, fallen aber weniger stark aus.

Tiefe Bauchatmung

Bei der tiefen Bauchatmung geht es darum, langsame, bewusste und tiefe Atemzüge zu nehmen. Statt der üblichen 15 Atemzüge pro Minute wird die Atemfrequenz auf sechs bis sieben pro Minute gesenkt. Einige Studien haben festgestellt, dass die tiefe Bauchatmung die Häufigkeit von Hitzewallungen um die Hälfte senken kann17, und außer einem Gefühl der Ruhe und Erdung sind keine weiteren Nebenwirkungen bekannt. Ich empfehle Klientinnen jeden Alters, jeweils morgens und abends die tiefe Bauchatmung zu praktizieren, denn es ist eine großartige Technik, um den Vagusnerv zu stimulieren (mehr dazu auf Seite 182) und das Nervensystem zu beruhigen. Außerdem kann sie auch beim Einsetzen einer Hitzewallung hilfreich sein.

Kognitive Verhaltenstherapie

Bei der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) handelt es sich um eine Gesprächstherapie, bei der es vor allem darum geht, welchen Einfluss Ihre Gedanken, Überzeugungen und Einstellungen auf Ihre Gefühle und Ihr Verhalten haben. Auch wenn sie die Auftretenshäufigkeit von Hitzewallungen nicht zu beeinflussen scheint, können doch die Auswirkungen beeinflusst werden18, also wie problematisch wir sie wahrnehmen. Das ist deswegen von Vorteil, weil wir wissen, dass unsere Einstellung und unsere Ängste in Bezug auf Hitzewallungen deren Schwere erhöhen. Die North American Menopause Society empfiehlt die KVT als nicht-hormonelle Strategie bei Hitzewallungen, und auch die britischen NICE-Richtlinien befürworten den Einsatz bei Ängsten oder Niedergeschlagenheit in Verbindung mit der Menopause.

Akupunktur

Als Akupunkteurin, die viele Ratsuchende in der Perimenopause und Postmenopause behandelt hat, will ich natürlich darauf hinweisen, wie unglaublich hilfreich Akupunktur ist. Ich habe sie erfolgreich eingesetzt, um Hitzewallungen, Nachtschweiß, Zittern, Ruhelosigkeit am Abend, Schlafprobleme, exzessiven Durst, Ängste, Depressionen und Reizbarkeit zu behandeln (ganz zu schweigen von gynäkologischen Problemen wie starken Blutungen und Regelschmerzen). Es gibt Forschungsergebnisse zu ihrer Wirksamkeit bei der Behandlung vasomotorischer Symptome, und einige kamen zu dem Schluss, dass ein Placebo die gleiche Wirkung hat. (Man muss allerdings dazu sagen, dass Testreihen mit Akupunktur schwierig sind, denn um den Placeboeffekt zu ermitteln, müssen Sie dennoch Nadeln setzen, und das wird immer etwas auslösen.) Akupunktur wird nicht von allen Krankenkassen übernommen, sodass dieser Weg nicht allen offensteht.

Phytoöstrogene

Phytoöstrogene sind Pflanzenstoffe, die östrogenähnliche Eigenschaften haben und im Verdauungstrakt in schwach wirksame östrogenartige Substanzen umgewandelt werden. Es gibt drei Arten von Phytoöstrogenen: Isoflavone (die stärkste Form), Coumestane und Lignane. Sie finden sich in Sojabohnen, Hopfen, Leinsamen, Früchten, Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten. Studien haben ergeben, dass eine 12-wöchige Nahrungsergänzung mit Soja-Isoflavonen das Auftreten von Hitzewallungen verringern kann19, wohingegen andere Untersuchungen keine Verbesserung feststellten. Einige in der Menopause empfohlene Kräutermittel wie Traubensilberkerze und Rotklee sind ebenfalls Phytoöstrogene. Die Art der eingesetzten Phytoöstrogene und die Behandlungsprotokolle wichen in den oben erwähnten Studien stark voneinander ab, und es ist zudem möglich, dass das Darmmikrobiom der Teilnehmenden Einfluss auf die Fähigkeit hatte, Isoflavone in östrogenartige Substanzen umzuwandeln. Phytoöstrogene dürfen nicht gleichzeitig mit östrogenhaltigen Medikamenten eingenommen werden, beispielsweise der Pille und der menopausalen Hormontherapie (MHT), und sie sollten auch nicht bei Brustkrebspatientinnen eingesetzt werden.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa)

Studien haben gezeigt, dass die Traubensilberkerze – ein Kraut, das in Form von Kapseln oder einer Tinktur eingenommen werden kann – sich bei menopausalen Symptomen wie Hitzewallungen als wirksam erweist20, und weil es formal nicht zu den Phytoöstrogenen zählt, kann es auch sicher von allen verwendet werden, die kein Östrogen nehmen können. Wenn Sie während der Menopause auf pflanzliche Mittel setzen wollen, empfehle ich Ihnen, dies unter Aufsicht eines Experten oder einer Expertin zu tun.

Vitamin E

Die vierwöchige Einnahme von 400 I.E. Vitamin E pro Tag kann Hitzewallungen reduzieren.21 Vitamin E ist ein entzündungshemmendes und wirkungsvolles Antioxidans und kann hilfreich sein, wenn Sie rauchen, Umweltgiften ausgesetzt sind, hohe Entzündungswerte haben und/oder unter oxidativem Stress leiden. Außerdem ist es sehr gut für die Haut. Wenn Sie sich für eine Nahrungsergänzung mit Vitamin E entscheiden, dann suchen Sie sich ein Mittel aus, das sowohl Tocopherole als auch Tocotrienole enthält, damit die verschiedenen Formen von Vitamin E im Gleichgewicht bleiben.

Granatapfel

Einigen Studien zufolge kann Granatapfelkernöl menopausale Symptome wie Hitzewallungen, Schlafprobleme, Depressionen, Erschöpfung und Scheidentrockenheit lindern.22

Rot- oder Wiesenklee (Trifolium pratense)

Rotklee ist ein weiteres Phytoöstrogen und soll bei Symptomen wie Hitzewallungen und Nachtschweiß helfen, obwohl auch hier die Forschungsergebnisse nicht eindeutig sind. Mir persönlich hat eine Kräutermischung, in der Rotklee enthalten war, bei prämenstruellem Nachtschweiß geholfen, wobei ich nicht sagen kann, inwiefern der Rotklee verantwortlich dafür war und oder die anderen enthaltenen Substanzen.

Echter Salbei (Salvia officinalis)

Salbei wird aufgrund seiner trocknenden Wirkung schon seit Jahrhunderten zur Behandlung menopausaler Symptome eingesetzt, insbesondere bei Hitzewallungen und Nachtschweiß. Wie bei vielen Kräutern schwören einige Menschen darauf, während andere bei sich nahezu keine Wirkung feststellen. Diese Unterschiede spiegeln sich auch in der Forschung wider. Es lohnt sich, hier mit jemandem zusammenzuarbeiten, der sich im Bereich der Naturheilkunde auskennt, da so am besten festgestellt werden kann, was wann und in welcher Dosierung hilft. Einige Salbeiarten enthalten den chemischen Stoff Thujon, der Nebenwirkungen haben kann, z.B. Herzrasen und Erbrechen. Achten Sie also in jedem Fall darauf, thujonfreien Salbei zu kaufen.

Chinesische Jujube (Ziziphus spinosa)

Das in der chinesischen Medizin verwendete Kraut wird aus der chinesischen Jujube (auch chinesische Dattel genannt) gewonnen und kann den Schlaf fördern, Ängste lindern und vor übermäßigen Schweißausbrüchen bewahren. In der chinesischen Medizin sagt man Jujube nach, dass sie das Herz stärkt und den Geist beruhigt, weshalb sie natürlich ausgesprochen gut gegen menopausale Beschwerden hilft.

Rhabarber (Rheum rhaponticum)

Ein getrockneter Extrakt aus der Rhapontik-Rhabarberwurzel ist seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland erhältlich. Studien haben gezeigt, dass der Wirkstoff sicher ist und sich zur Behandlung von menopausalen Symptomen eignet23, wobei er dank seiner östrogenartigen Wirkung die Schwere von Hitzewallungen lindern kann (aus diesem Grund sollten allerdings alle mit östrogenbedingten Krebserkrankungen auf Rhabarber verzichten).24

Erfahrungsbericht

Simone kam zu mir, weil sie unter einem bunten Strauß an Symptomen litt und eine Freundin vermutet hatte, dass diese mit hormonellen Veränderungen zusammenhängen könnten. Simone war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, dass mit „hormonell“ auch das Eintreten der Perimenopause gemeint sein konnte. Simone war 42 Jahre alt, frisch von ihrem Partner getrennt und hatte Spaß am Daten. Sie fühlte sich einerseits jung und war voller Pläne für die Zukunft, hatte aber andererseits bemerkt, dass ihr häufig die körperliche Energie fehlte. Sie kämpfte sich durch den Tag und baute dabei auf Koffein. Ihre Arbeit als Creative Director bedeutete, dass sie mittags häufig mit Klienten aß und dabei auch Alkohol floss. Wenn sie abends nach Hause kam, entspannte sie sich bei einem Drink und dem Kochen von scharfen Gerichten.

Die meisten ihrer Symptome traten abends auf: Hitzewallungen, ein Gefühl von innerer Unruhe, das an Ängstlichkeit grenzte und selbst dann auftrat, wenn sie entspannt auf dem Sofa lag, Herzrasen, Einschlafprobleme und Nachtschweiß. Häufig wachte sie um 4 Uhr morgens auf und konnte dann nicht mehr einschlafen. Kein Wunder, dass sie sich leer und ausgepumpt fühlte. Trotz meines Mitgefühls musste ich Simone von Anfang an klarmachen: Wenn die Behandlungen echte Wirkung zeigen sollten, dann mussten wir auch ihre Ernährung und Lebensweise mit einbeziehen, und das bedeutete, größtenteils oder komplett auf Alkohol zu verzichten und scharfes Essen gegen eine kühlere Ernährung einzutauschen.

Simone war bereit dies auszuprobieren, vor allem im Hinblick auf den Alkohol. Sie beschloss, das Trinken von Alkohol auf zwei Abende pro Woche zu reduzieren und sich für ein paar Wochen auch nicht zum Mittagessen mit Klienten zu treffen (sie glaubte nicht, dass sie bei solchen Terminen, wie sie es formulierte, „stark bleiben“ könnte, also entschied sie sich, zeitweise ganz darauf zu verzichten). Ich gab ihr eine Liste mit Nahrungsmitteln, die sie

meiden sollte – Lamm-, Schweine- und Rindfleisch sowie aufheizende Gewürze wie Chili und Ingwer – und eine Liste förderlicher Nahrungsmittel wie Meeresfrüchte, Avocado, Brokkoli, Spargel, Gurke und Melone (eine vollständige Liste, in englischer Sprache, mit Nahrungsmitteln, die eine wärmende oder kühlende Wirkung haben, finden Sie auf meiner Seite unter www.maisiehill.com/perimenopausepower). Wir konzentrierten uns darauf, dass sie jeden Tag eine ausreichende Menge an Eiweiß zu sich nahm, da sie meist erst zu Mittag etwas aß – häufig war sie da jedoch schon erschöpft. Als sie mehr Eiweiß zu sich nahm, stellte sie fest, dass sie weniger Koffein benötigte, ein schwarzer Kaffee am Morgen reichte aus. Ich schlug ihr vor, für einen Extra-Energieschub einen Teelöffel pulverisierten Cordyceps sinensis – das ist ein medizinischer Pilz – hinzuzufügen (siehe Seite 197). Simone begann auch mit der Einnahme von Magnesium und einem Multivitaminpräparat für Frauen; zusätzlich kam sie einmal in der Woche zu einer Akupunktursitzung. In der chinesischen Medizin treten diese Symptome häufig gemeinsam auf und lassen sich recht einfach behandeln, was Simone sehr erleichterte. Wir sprachen auch über eine mögliche Einnahme von mikronisiertem bioidentischem Progesteron, beschlossen aber, zunächst die Wirkung der anderen Maßnahmen abzuwarten, zumal Simone das Progesteron problemlos auch über ihre Hausärztin erhalten konnte.

Nach unseren Akupunktursitzungen stellte Simone sofort eine Veränderung ihres Befindens fest – Ruhelosigkeit, Herzrasen und Hitzewallungen nahmen ab, sie schlief besser und hatte wieder mehr Energie, sodass sie tatsächlich abends wieder ausgehen konnte. Allerdings sorgten das Trinken von Alkohol und der Verzehr scharfer Gerichte für massive Symptomschübe und sie wollte den Konsum noch stärker reduzieren. Also machten wir uns auf die Suche nach Alternativen. Wir fanden andere Möglichkeiten, wie sie ihr Essen würzen konnte und der Besuch von Yogakursen (Restoratives Yoga) hatte die gleiche entspannende Wirkung wie ein Glas Wein.

Was Sie zur Linderung tun können, wenn Sie unter Hitzewallungen und Nachtschweiß leiden:

• Reduzieren Sie die Anzahl der Dinge, die bei Ihnen Ängste oder Stress hervorrufen und somit Hitzewallungen auslösen oder verschärfen können. Ich weiß, dass das leichter gesagt ist als getan. In Kapitel 6 finden Sie einige praktische Vorschläge.

• Meiden Sie scharfes Essen und Heißgetränke.

• Trinken Sie weniger Alkohol. Die Forschungsergebnisse dazu, inwiefern Alkohol vasomotorische Symptome verschärft, sind nicht eindeutig – laut einigen Studien trifft dies zu, während andere wiederum Alkohol sogar eine positive Wirkung zuschreiben. Meist sind die Betroffenen, die zu mir kommen, wenig begeistert von der Idee, aber wenn sie sich trotzdem darauf einlassen, berichten sie von positiven Auswirkungen.

• Wenn Sie Ihr Bett mit jemandem teilen, dann verwenden Sie zwei getrennte Bettdecken statt einer großen. Dies kann die Schlafqualität fördern und außerdem gibt es weniger Streit darum, wer wem wieder einmal die Decke weggezogen hat.

• Schlafen Sie bei offenem Fenster oder lassen Sie einen geräuscharmen Ventilator laufen.

• Manchen Betroffenen hilft eine kühlende Matratzenauflage, und auch ins Kissen kann man Kühlpads packen.

• Verwenden Sie Bettwäsche aus Baumwolle statt aus Mischgewebe oder Kunstfaser.

• Mixen Sie sich ein kühlendes Spray, das Sie verwenden können, wenn Sie eine aufkommende Hitzewallung spüren. Geben Sie in eine Glasflasche mit Sprühkopf 10 Tropfen ätherisches Lavendelöl und 15 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl und füllen Sie das Ganze mit 100 Milliliter Wasser auf. Vor jedem Gebrauch gut schütteln, um das Öl mit dem Wasser zu mischen. Auf die Haut aufgesprüht hat diese Mischung eine sofortige kühlende Wirkung.

• Verwenden Sie Ventilatoren oder einen Fächer. Auch wenn sie nicht günstig sind, sollten Sie sich für Geräte entscheiden, die eine hohe Leistung bei niedriger Geräuschentwicklung bringen und somit nachts den Schlaf nicht stören.

• Lockere, atmungsaktive Kleidung aus Naturfasern kann ebenfalls hilfreich sein.

Schweig stille, mein Herze!

Herzrasen ist weit verbreitet und in den meisten Fällen harmlos. Trotzdem kann es Angst machen, wenn der Herzschlag sich beschleunigt, stärker oder unregelmäßig wird. Vielleicht fühlt es sich bei Ihnen an wie ein leichtes Flattern oder als ob der Herzschlag kurz aussetzen würde. Oft hält das Gefühl nur wenige Augenblicke an, kann aber dennoch beängstigend sein. Mögliche Ursachen dafür sind:

• Emotionale und psychische Auslöser

• Flüssigkeitsmangel

• Koffein

• Anämie – leiden Sie erst unter Herzrasen, seit Ihre Periode stärker geworden ist?

• Nährstoffmangel

• Schilddrüsenfehlfunktion

• Histaminintoleranz

• Medikamente wie Asthmasprays, Blutdrucksenker, Antihistaminika, Antibiotika und Antidepressiva wie Citalopram und Escitalopram

• Partydrogen

• Niedriger Blutzucker und Diabetes

• Körperliche Anstrengung

• Schwitzen

• Hormonschwankungen in der Menopause

Ihr Herz ist darauf ausgelegt, auf Stress zu reagieren. Es schlägt dann schneller und kann Blut in die Körperteile pumpen, die für die Kampf-oder-Flucht-Reaktion benötigt werden. Hohe Mengen der an dieser Reaktion beteiligten Hormone können allerdings zu Bluthochdruck und anderen Herzproblemen führen.25 Solange wir noch einen Zyklus haben, schützt das Östrogen uns vor den toxischen Auswirkungen dieser Hormone.26 Sinkt in der Perimenopause und Postmenopause jedoch der Östrogenspiegel, wirken sich Stresshormone stärker auf das Herz aus und können zu Herzrasen führen. Oft tritt dieses Symptom zusammen mit einer Hitzewallung auf, sodass Sie nicht nur die intensive Hitze spüren, sondern auch noch das Gefühl haben, ein Pferd würde durch Ihre Brust galoppieren. Bei Herzrasen können folgende Tipps hilfreich sein:

• Trinken Sie ausreichend.

• Achten Sie darauf, Stress und Sorgen zu reduzieren, indem Sie die Ursachen dafür angehen.

• Üben Sie, Ihr Nervensystem mithilfe von Atemtechniken zu regulieren.

• Achten Sie auf ausreichend Schlaf.

• Nehmen Sie Alkohol und Koffein nur in begrenzten Mengen zu sich.

• Hören Sie mit dem Rauchen auf.

• Meiden Sie Nahrungsmittel und Getränke, die stark histaminhaltig sind oder die Ausschüttung von Histamin verursachen, wenn Sie eine Histaminintoleranz vermuten (siehe Seite 333).

• Sorgen Sie für stabile Blutzuckerwerte, indem Sie regelmäßig essen.

• Lassen Sie untersuchen, ob Sie unter einer Anämie leiden oder es Ihnen an bestimmten Nährstoffen mangelt, etwa B-Vitamine und Magnesium.

• Überlegen Sie, ob bioidentisches Progesteron eine Lösung sein könnte.

• Ziehen Sie die Einnahme von Östrogen in Betracht.

• Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Sie den Verdacht haben, dass möglicherweise eines Ihrer Medikamente die Ursache sein könnte.

• Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Ihr Herzrasen länger anhält oder schlimmer wird beziehungsweise Sie schon vorher einmal Herzprobleme hatten oder generell beunruhigt deswegen sind.

Hitzewallungen und Nachtschweiß während der Perimenopause und danach werden mit Änderungen von Blutdruck und Cholesterinspiegel sowie einem höheren Body-Mass-Index (BMI) in Verbindung gebracht, was allerdings damit zusammenhängen kann, dass die Risikofaktoren für Hitzewallungen wie Übergewicht und Rauchen auch als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten.27 Wenn Sie unter Hitzewallungen leiden und nun beunruhigt sind, sollten Sie daran denken, dass wir uns bei schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen oft wünschen, es hätte eine Vorwarnung gegeben. Es scheint so zu sein, dass Hitzewallungen tatsächlich ein Frühwarnzeichen sind, also können Sie sich auch entscheiden, sie als gute Botschaft anzusehen und rechtzeitig zu handeln, indem Sie mit dem Rauchen aufhören, sich regelmäßig bewegen und gesund essen.

Niedriger Östrogenspiegel

Zu Beginn der Perimenopause schlägt das Östrogen häufig Kapriolen und Ihr Zyklus verwandelt sich möglicherweise in eine Achterbahnfahrt mit buchstäblichen Höhen und Tiefen. Die Symptome in dieser Zeit sind heftig: Verkürzte Zyklen, starke Blutungen, Reizbarkeit, Wut, Brustspannen und Berührungsempfindlichkeit, Aufgeblähtheit usw. In der späten Phase der Perimenopause beginnt der Östrogenspiegel hingegen zu sinken, und es zeigen sich Symptome, die eher als Mangelerscheinungen einzustufen sind. Zu den Symptomen eines niedrigen Östrogenspiegels zählen:

• Ausbleibende oder unregelmäßige Periode

• Lethargie

• Depression

• Ängste

• Nachlassende emotionale Stabilität

• Gelenkschmerzen

• Schlechtes Gedächtnis

• Scheidentrockenheit oder Gefühlsverlust

• Schmerzen beim Sex

• Geringeres sexuelles Verlangen

• Nachtschweiß oder Hitzewallungen

• Schlaflosigkeit

• Nächtliches oder viel zu frühes Aufwachen

• Blasenschwäche oder verstärkter Harndrang

• Blasenentzündungen

• Falten

• Trockene Haut und Augen

• Pigmentflecken (durch Sonneneinstrahlung)

• Geringere Knochendichte

• Haarausfall

Diese Symptome werden üblicherweise mit der Menopause in Verbindung gebracht, aber es ist wichtig zu wissen, dass sie auch schon früher auftreten können. Sie müssen also nicht unbedingt in den Wechseljahren sein. Ich hatte viele Klientinnen in ihren Dreißigern, die Anzeichen und Symptome eines Östrogenmangels zeigten, und in einem Fall handelte es sich auch um eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz – eine Störung, bei der die Ovarialfunktion frühzeitig nachlässt. Ein Östrogenmangel kann zum Beispiel nach dem Absetzen der Pille auftreten oder nach einer Geburt und dem Stillen. Ein hoher Stresspegel, exzessiver Sport, Essstörungen, fettarme Ernährung, Nährstoffmangel, Störungen der Schilddrüsenfunktion und einige Medikamente können ebenfalls die Östrogenproduktion beeinflussen, sodass es auch außerhalb der Wechseljahre genügend Gründe für einen Östrogenmangel geben kann.

Wenn Sie unter den oben genannten Symptomen leiden, bevor Sie 45 sind, dann sollten Sie mithilfe von Blutuntersuchungen versuchen, die Ursachen hierfür herauszufinden. Sind Sie älter als 45, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die Wechseljahre eingesetzt haben. In der Postmenopause befinden Sie sich, wenn Sie älter als 45 sind, ein Jahr lang keine Periode mehr hatten und die obigen Symptome auftreten.

Während der Zyklusjahre ist die dominante Östrogenform, die durch den Körper zirkuliert, das Östradiol (E2), das von Ihren Eierstöcken gebildet wird. Es ist die Art von Östrogen, über die wir in Zusammenhang mit dem Zyklus reden. Sobald Ihre Eierstöcke aufhören, auf diese Weise Östrogen zu produzieren, geben sie immer noch Androgene ab, die in eine andere Östrogenform namens Östron (E1) umgewandelt werden können. Auch die Nebennieren bilden Androgene, die umgewandelt werden können.

In der Postmenopause spielt das Östron (E1) eine wichtige Rolle, auch wenn es eine wesentlich schwächere Form von Östrogen ist. E1 wird aus anderen Hormonen gebildet, die sich in Leber, Herz, Knochen, Muskeln, Gehirn, Körperfett und Haut finden, und rund 5 Prozent davon können in Östradiol (E2) umgewandelt werden. Fettgewebe ist die Hauptquelle für postmenopausales E2, weshalb ein höherer Östrogenspiegel häufig mit höherem Körpergewicht einhergeht. Erhöhte Östronwerte werden mit dem Wachstum von Brust- und Gebärmutterkrebs in Verbindung gebracht, niedrigere mit Osteoporose.

Das bedeutet vor allem eins: Nach der Menopause ist der Östrogenspiegel wesentlich niedriger als in den fruchtbaren Jahren, auch wenn immer noch eine geringe Menge Östrogen durch die Umwandlung anderer Hormone gebildet wird.

Hautsache

Ihre Haut ist das größte Organ Ihres Körpers, und Östrogen unterstützt das Haarwachstum, die Hautfärbung, die Blutzufuhr, die Elastizität und die Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern. Während des Menstruationszyklus durchläuft die Haut aufgrund des wechselnden Östrogenspiegels verschiedene Phasen: Zu Beginn des Zyklus, wenn die Östrogenwerte niedrig sind, ist sie dünner und trockener. Mit steigenden Werten nimmt sie an Dicke zu.28 Ist der Östrogenspiegel dauerhaft niedrig, hat dies deutliche Auswirkungen auf Ihre Haut:

• Feine Fältchen

• Verdünnung der Epidermis (Oberhaut)

• Verdünnung der Dermis (Lederhaut), was dazu führt, dass sich leichter Blutergüsse bilden und blaue Flecken wie aus dem Nichts auftauchen können

• Weniger Kollagen

• Weniger Feuchtigkeit

• Trockene Haut

• Schlaffere Haut

• Schlechtere Wundheilung

• Haarausfall

• Hirsutismus – das Auftreten unerwünschter Gesichtsbehaarung29 – obwohl dies auch andere Gründe haben kann (siehe Seite 365).

In der Chinesischen Medizin wird auch Gesichtsakupunktur eingesetzt, um die Produktion von Kollagen zu stimulieren und so das Erscheinungsbild von Falten zu verbessern. Gua Sha ist eine Technik, bei der kleine Massageroller (häufig aus Jade oder Rosenquarz) eingesetzt werden, um Hautspannungen zu beseitigen, die Durchblutung zu verbessern und Linderung bei Schwellungen im Augenbereich und an anderen Problemstellen zu bringen. Manche berichten auch von guten Erfahrungen mit Mikrostrom-Geräten, die eine straffende und hautverjüngende Wirkung haben sollen. Finden Sie eine Hautpflege, die zu Ihnen passt, idealerweise keine hormonaktiven Substanzen enthält und einen Lichtschutzfaktor hat. Neben der äußeren Hautpflege sollten Sie nährstoffreiche Lebensmittel verzehren, viele gesunde Fette zu sich nehmen (siehe Seite 343), Zucker meiden und für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen.

In den ersten fünf Jahren des menopausalen Lebens gehen etwa 30 Prozent des Kollagens in Ihrer Haut verloren30, mit einer durchschnittlichen Abnahme von 1–2 Prozent pro Jahr. Forscher stellten auch einen Zusammenhang her zwischen abnehmendem Kollagengehalt der Haut und brüchigen Knochen31 und schlossen daraus, dass das Beobachten von Hautveränderungen wertvolle Rückschlüsse auf mögliche Knochenveränderungen geben kann. Zu sagen, dass das Auftreten einer postmenopausalen Osteoporose umso wahrscheinlicher ist, je mehr Falten Sie haben, wäre allerdings zu simpel, auch wenn im Kern etwas Wahres daran sein kann.

Trockenzeit

Der sinkende Östrogenspiegel verändert nicht nur Ihre Haut, sondern bewirkt auch ein Austrocknen von Augen, Nase und Mund. Als wenn das nicht schon reichen würde, durchlaufen auch Vulva, Vagina und die unteren Harnwege Veränderungen. Das hängt damit zusammen, dass die Zellschichten, die sie auskleiden, eine hohe Anzahl an Östrogenrezeptoren besitzen, weshalb sich sinkende Östrogenwerte auf sie alle auswirken. In der fröhlichen Welt der medizinischen Terminologie gibt es dafür den netten Begriff der vulvovaginalen Atrophie – was nichts anderes bedeutet, als dass die Organe „verkümmern“.

Zum Glück erkannten die International Society for the Study of Women’s Sexual Health und die North American Menopause Society im Jahr 2014 die Notwendigkeit, eine inklusivere und treffendere Bezeichnung zu finden – und eine, die weniger alarmierend klingt. Das Ergebnis nannte sich urogenitales Menopausensyndrom (GMS), das die menopausalen Anzeichen und Symptome von Vulva, Vagina und unteren Harnwegen (Blase, Harnröhre und der Ringmuskel, der sich beim Wasserlassen öffnet) umfasst. Das GSM deckt alle Symptome ab, die der sinkende Östrogenspiegel in der Menopause mit sich bringen kann. Dazu zählen:

• Genitale Symptome wie Brennen, Trockenheit und Reizung

• Sexuelle Symptome wie mangelnde Feuchtigkeit, Unbehagen und Schmerzen

• Symptome des Harnsystems wie plötzlicher oder häufiger Harndrang, Schmerzen oder Probleme beim Wasserlassen und Harnwegsinfekte

Rund 40–54 Prozent von uns leiden unter einigen oder mehreren GSM-Symptomen32, wobei Wahrscheinlichkeit und Schwere mit dem Alter zunehmen. Doch trotz der hohen Anzahl an Betroffenen fand eine Studie heraus, dass nur 4 Prozent dieser Menschen die Symptome mit dem urogenitalen Menopausensyndrom in Verbindung bringen.33 Das ist eigentlich nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, wie wenig Wissen über die Menopause vermittelt wird. Nur 25 Prozent aller von GSM Betroffenen besprechen ihre Symptome mit Ärzten oder Heilpraktikern.34 Nur ein Viertel! Auch wenn 25 Prozent im Vergleich zu der hohen Anzahl all jener, die still vor sich hin leiden, verschwindend gering ist, ist sie andererseits auch nicht erstaunlich, denn es müssen einige Hürden überwunden werden, bevor man medizinische Hilfe sucht.

Die häufigsten Gründe dafür, bei GSM keine Hilfe zu suchen, haben damit zu tun, dass es einem peinlich ist oder man glaubt, das Ganze sei sowieso nicht zu ändern oder unpassend, diese Symptome mit einem Mediziner zu besprechen. Zu glauben, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sei zu beschäftigt oder das Thema wäre zu peinlich, führen – zusammen mit der Hoffnung, jemand anderes würde das Thema vielleicht anschneiden – dazu, dass wichtige Gespräche über die Gesundheit von Geschlechtsorganen, Sexualität und Harntrakt gar nicht erst stattfinden.35 Bitte lassen Sie sich von den oben genannten Gründen oder auch anderen nicht davon abhalten, sich Hilfe zu suchen. Das GSM kann Selbstwertgefühl, die Nähe in Beziehungen und die Lebensfreude beeinträchtigen – selbst ein Spaziergang kann im Zweifelsfall Schmerzen verursachen.

Gibt es Abhilfe?

Die schlechte Nachricht ist, dass die in diesem Kapitel angesprochenen Veränderungen höchstwahrscheinlich eintreten werden. Die gute wiederum, dass Sie etwas tun können. Selbst wenn der Gedanke an weniger Sex Sie nicht weiter schreckt, sollten Sie sich dennoch über die Pflege von Vulva und Vagina Gedanken machen, weil die Veränderungen, die sie durchlaufen, nicht nur Ihr Sexualleben betreffen, sondern auch andere Bereiche. Dazu zählen beispielsweise die Produkte, die Sie während der Menstruation verwenden, Unterwäsche und Kleidung sowie Aktivitäten wie Fahrradfahren und Wandern. Auch worauf Sie am besten sitzen können und für wie lange, könnte betroffen sein.

Erfahrungsbericht

Juliana war überrascht von den Auswirkungen der Perimenopause. Während ihre Freundinnen darüber klagten, dass sie zunehmend keine Lust mehr auf Sex hatten, schoss ihr sexuelles Verlangen in die Höhe. Lächelnd berichtete sie mir, dass nach Jahren, in denen sie nahezu nichts empfunden habe, nun ein neues Feuer in ihr entfacht sei, wodurch viel Freude und Spaß in ihre Beziehung kam. Dann hielt sie inne, bevor sie mir stirnrunzelnd erzählte, dass die Penetration schmerzhaft sei. Sie war frustriert darüber, dass nun, da sie wieder Lust auf Sex hatte und sich nach dem Auszug ihres Sohnes beim Sex mit ihrem Mann freier fühlte, ihr Körper scheinbar nicht „mitzog“. Die Scheidentrockenheit, unter der sie litt, belastete auch ihren Mann, weil er sie für ein Zeichen hielt, dass sie nicht erregt war.

Juliane und ich sprachen lange darüber, dass feucht zu werden nicht das Gleiche ist, wie erregt zu sein. Es kann sein, dass Zervixschleim nur so aus Ihnen herausfließt und sie trotzdem keine Lust auf Sex haben. Genauso können Sie wirklich erregt sein, ohne jedoch feucht zu sein. Als wir über Cremes gegen Scheidentrockenheit sprachen und die Wichtigkeit von Gleitmittel, sank Juliana förmlich in sich zusammen und brach in Tränen aus. Sie sagte, sie schäme sich, dass sie so etwas brauchen würde. Als ich ihr erzählte, dass ich Zwanzigjährige kenne, die mit Begeisterung Gleitmittel benutzten, war sie sehr erstaunt und plötzlich sehr neugierig. Ich schlug ihr außerdem vor, mit ihrer Ärztin über den Einsatz einer lokalen Östrogentherapie zu sprechen, die direkt auf der Vulva und in der Vagina eingesetzt wird und bei Scheidentrockenheit sowie anderen urogenitalen Symptomen hilft.

Beunruhigt fragte Juliana mich nach dem Krebsrisiko. Ich schaute sie fragend an, woraufhin sie mir erzählte, dass sie immer gedacht habe, künstlich hergestelltes Östrogen würde Brustkrebs verursachen. Ich erklärte ihr, dass die Östrogendosis in Cremes sehr gering sei und daher die Verwendung nur ein sehr geringes Risiko berge. Außerdem sei dieses Östrogen bioidentisch, was nichts anderes bedeutet, als dass es das gleiche Östrogen ist wie jenes, das der Körper selbst herstellt. Juliana war sehr erleichtert von dieser Alternative zu erfahren, und eine Stunde nach unserem Termin schickte sie mir eine E-Mail mit der Nachricht, dass sie am folgenden Tag einen Arzttermin habe. Ich bat sie, mich auf dem Laufenden zu halten. Rund drei Monate später erhielt ich eine weitere E-Mail, in der sie schrieb, dass ihre Symptome sich erheblich verbessert hatten und sie nun viel Spaß mit ihrem Mann habe.

Gleitmittel

Ich bin ein Fan von Gleitmitteln – unabhängig vom Alter –, denn es macht so einen Unterschied für unser Lustempfinden! Auch in jungen Jahren gibt es Zyklusphasen, in denen es mehr ist als nur ein spaßiges Extra, und das gilt auch für die Wechseljahre. Es gibt Gleitmittel auf Öl- und Wasserbasis, die sich unterschiedlich anfühlen. Wasserbasierte Gleitmittel wirken weniger lang als ölbasierte. Andererseits können Gleitmittel auf Ölbasis nicht zusammen mit Kondomen eingesetzt werden. Fernhalten sollten Sie sich von Gleitmitteln, die Glyzerin oder Glykol enthalten, da diese mit vaginalen Infektionen wie Soor in Verbindung gebracht werden. Es gibt zahlreiche Hersteller von Gleitmitteln und Scheidencremes, deren Produkte einen gesunden pH-Wert aufweisen, hypoallergen sind, auf Pflanzenbasis hergestellt werden und ein Bio-Zertifikat haben. Sie können sie sich auch ärztlich verschreiben lassen.

Vaginale Feuchtigkeitscremes

Im Gegensatz zu Gleitmitteln werden vaginale Feuchtigkeitscremes nicht beim Sex verwendet, sondern dienen der Befeuchtung der Vagina, was gegen Jucken, Wundsein und Trockenheit helfen kann. Häufig höre ich von Betroffenen, dass sie zur Abhilfe gerne Kokosöl verwenden. Hier sollte man jedoch vorsichtig sein, da Kokosöl antimikrobiell wirksam ist und somit das Mikrobiom von Vulva und Scheide beeinträchtigen kann.

Lokal anzuwendendes Östrogen

Oral eingenommenes oder lokal aufgetragenes Östrogen kann viele GSM-Symptome lindern oder beheben, die Durchblutung verbessern und die Produktion von Scheidenflüssigkeit ankurbeln. Wenn Sie unter GSM-Symptomen leiden, ohne weitere Anzeichen für einen Östrogenmangel, dann benötigen Sie vielleicht lediglich ein wenig lokal wirkendes Östrogen, das der Vagina in Form einer sich langsam auflösenden Tablette, einer Creme oder eines hormonabsondernden Rings zugeführt wird, der drei Monate am Stück vor Ort verbleibt. Bekannte Präparate sind hier beispielsweise Vagifem und Ovestin.

Wenn Östrogen auf den vulvovaginalen Bereich aufgetragen wird, gelangt das Östrogen gezielt in das Gewebe, in dem es benötigt wird. Lokal aufgetragenes Östrogen kann von den meisten Betroffenen problemlos verwendet werden, und dennoch weigern sich viele, dies auch zu tun, weil sie „natürlich“ vorgehen wollen. Wie bereits gesagt, die letzte Entscheidung über das, was Sie tun, liegt immer bei Ihnen, aber bitte lassen Sie die Angst nicht Ihr Ratgeber sein. Ein Jahresvorrat an lokal anzuwendendem Östrogen entspricht gerade einmal einer Tablette einer menopausalen Hormontherapie (MHT). Überlegen Sie also, ob Sie nicht gerade aus einer Mücke einen Elefanten machen.

Wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin sich weigert, Ihnen lokales Östrogen zu verschreiben oder, schlimmer noch, Ihnen sagt, Sie sollen zur Entspannung einfach ein Glas Wein trinken (wie es vielen meiner Klientinnen empfohlen wurde), dann lassen Sie sich nicht damit abspeisen. Machen Sie Ihrem Gegenüber klar, dass Sie das nicht für eine adäquate Antwort halten. Wenn Sie akut von Brustkrebs betroffen sind oder unter ungeklärten vaginalen oder uterinen Blutungen leiden, ist der Einsatz von lokalem Östrogen nicht möglich. Sollten Sie aufgrund einer früheren Diagnose Tamoxifen einnehmen, dann sollte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen halten, bevor eine lokale Östrogentherapie verschrieben wird.

Systemisches Östrogen

Es lohnt sich, mit Ihrer Ärztin über systemisches Östrogen zu sprechen, wenn sich zu den GSM-Symptomen weitere zeigen, etwa Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafstörungen, Gelenkschmerzen und Vergesslichkeit. Etwa 10–15 Prozent aller Betroffenen, die eine systemische Hormontherapie nutzen, leiden dennoch unter vulvovaginaler Trockenheit36; in diesen Fällen kann lokales Östrogen zusätzlich verwendet werden. In Kapitel 3 werde ich ausführlicher auf diese Art der Hormontherapie eingehen.

Vaginales DHEA

Wie Sie sich vielleicht erinnern, ist DHEA (Dehydroepiandrosteron) ein sogenanntes Mutterhormon, weil es die Vorstufe zu anderen Hormonen darstellt, wie Östrogen, Progesteron, Testosteron und Cortisol. Vaginales DHEA wird in Form eines Zäpfchens verabreicht. Sobald es sich in der Scheide befindet, wandelt Ihr Körper es in Östrogen und Testosteron um.

Ospemifen

Ospemifen ist ein selektiver Östrogenrezeptor-Modulator (SERM), der eine Östrogenwirkung auf die Vagina hat, für ausreichend Feuchtigkeit sorgt und Schmerzen bei penetrativem Sex lindert. Es handelt sich um die erste nicht-hormonelle Behandlung bei GSM-Beschwerden; das bedeutet, dass sie auch von all jenen problemlos angewandt werden kann, die kein lokales Östrogen nutzen können37, weil sie beispielsweise akut an Brustkrebs erkrankt sind. Da einige Brustkrebsbehandlungen vaginale Atrophie und Trockenheit verursachen können, ist Ospemifen hier besonders nützlich.

Lasertherapie

Eine Lasertherapie kann helfen, die Durchblutung zu verbessern und die Produktion von Kollagen zu stimulieren, wodurch die Schamlippen an Fülle gewinnen können. Das kann wichtig sein, wenn es darum geht, sich schmerzfrei zu bewegen und bequem zu sitzen. Auch Elastizität und Feuchtigkeit der Scheide können sich verbessern. Die Kosten für solch eine Behandlung werden bislang meist nur von privaten Krankenkassen übernommen.

Schmerzen

Schmerzen beim Sex können unabhängig vom Alter auftreten. Besonders ausgeprägt sind sie aber häufig in der Perimenopause und Postmenopause. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können Ihr Selbstbild und Ihre intimen Beziehungen beeinträchtigen – und die Schmerzen können auch unabhängig vom Sex auftreten. Unter Umständen lösen auch Monatsbinden, Kleidung und selbst einfaches Hinsetzen extreme Schmerzen aus. Wenn Sie unter einer der folgenden Symptomatiken leiden, dann sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen. Nimmt man Ihre Beschwerden dort nicht ernst, dann sollten Sie das keinesfalls akzeptieren. Ihre Sexualität verdient medizinische Beachtung, und zwar unabhängig von Ihrem Alter oder Beziehungsstatus.

Dyspareunie bedeutet nichts anderes als Schmerzen beim Sex. Leider bekommen allzu viele Betroffene zu hören, das wäre nur Einbildung; sie sollten sich einfach entspannen und vielleicht ein Glas Wein trinken – als ob dies wie durch Zauberhand das Problem lösen würde. Ein Mann, der bei seinem Arzt dieselbe Erfahrung beschreibt, würde vermutlich gleich ernst genommen, gründlich untersucht und mit passenden Behandlungsstrategien versorgt werden. Schmerzen beim Sex können vielerlei Gründe haben, beispielsweise die hormonellen Veränderungen der Wechseljahre, Endometriose, Hormonschwankungen, Beckenbodendysfunktion, Prolaps, Verklebungen, Verwachsungen und Narben nach Operationen, Infektionen, Dammschnitte, Krebsbehandlungen oder Beckentraumata. In jedem Fall gibt es geeignete Behandlungsmöglichkeiten, beispielsweise eine Hormontherapie, eine Sexualtherapie oder das Konsultieren einer auf Beckenbodenübungen spezialisierten Physiotherapeutin. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Ihnen jemanden empfehlen. Klären Sie vorab mit der Krankenkasse, in welchem Umfang die Kosten erstattet werden.

Von Vaginismus spricht man, wenn sich die Beckenbodenmuskeln, die Scheide, Blase und Gebärmutter umgeben, bei einer Penetration unfreiwillig verkrampfen, was penetrativen Sex, vaginale Untersuchungen und den Gebrauch von Tampons schmerzhaft oder sogar unmöglich macht. Es ist ein Leiden, dessen Auswirkungen über Sex hinausgehen. Betroffene leiden oft stumm und fühlen sich isoliert. Auch Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und das Selbstbewusstsein gehen nicht selten damit einher.

Vaginismus kann primär sein, was bedeutet, dass er bereits vor jeglicher Form von Penetration vorhanden war. Der sekundäre Vaginismus tritt nach einer traumatischen oder schmerzhaften Erfahrung auf, wie Geburts- oder sexuelle Traumata, Rücken- oder Hüftverletzungen oder dem wiederholten Auftreten von Soor. Nach dem Durchleben einer negativen und schmerzhaften Erfahrung, wodurch die Beckenbodenmuskeln sich verkürzen und anspannen, sorgt die Angst vor einer Wiederkehr der Schmerzen dafür, dass die Beckenbodenmuskulatur sich versteift, um weiteren Schmerzen vorzubeugen – ein Schmerz-Krampf-Kreislauf entsteht. Zur Behandlung sollte in jedem Fall der Besuch bei einer spezialisierten Physiotherapeutin gehören. Zu den weiteren Möglichkeiten zählen der Einsatz von vaginalen Dilatatoren, Vibratoren, Sexualtherapie sowie Entspannungs- und Atemtechniken. Es ist wichtig zu wissen, dass es Spezialisten für dieses Thema gibt, auch wenn Ihre Ärztin sich damit vielleicht nicht auskennt. Im Internet finden Betroffene ebenfalls vielfältige Informationen und Tipps zum Thema sowie Selbsthilfegruppen.

Vulvodynie beschreibt Schmerzen, Brennen und Beschwerden im Bereich der Vulva. Gibt es hierfür keinen bestimmten Grund, ist Vulvodynie eher ein Symptom als ein Leiden. Die Schmerzen können generalisiert sein und die gesamte Vulva betreffen oder sich auf einen Bereich konzentrieren, beispielsweise auf die Klitoris oder den Scheideneingang. Sie können ständig vorhanden sein (was man als „unprovoziert“ bezeichnet) oder als Folge einer Berührung auftreten (das ist dann die „provozierte“ Variante). Meist erleben Betroffene eine Mischung aus beiden Formen. Bei einigen dehnen sich die Schmerzen auf den Analbereich, die Innenseite der Schenkel und die Oberschenkel aus. Die Hypersensitivität kann durch Reize ausgelöst werden (Sex, die Benutzung von Tampons oder Menstruationstassen, das Abwischen nach dem Toilettenbesuch, eine vaginale Untersuchung) oder auch ohne äußere Einwirkung auftreten (Schmerzen bei jeder Form von Berührung, durch Bekleidung oder einfaches Hinsetzen). Wenn sich die Symptome auf den Scheideneingang beschränken, nennt man dies Vestibulodynie.

Hilfreich kann das Verschreiben von Salben und Gels sein, die ein lokales Anästhetikum enthalten, sowie eines trizyklischen Antidepressivums, aber in der Regel ist eine fachübergreifende Behandlung am sinnvollsten. Dazu kann gehören: Besuch eines auf Beckenbodenprobleme spezialisierten Physiotherapeuten, der einen speziell auf das individuelle Empfinden abgestimmten Behandlungsplan entwickelt (Menschen, die unter Vulvodynie leiden, haben oft einen hypertonen Beckenboden, die Muskeln sind also zu stark angespannt); Akupunktur; Einsatz einer Hormontherapie, um die Ursache für eine verringerte Scheidenfeuchtigkeit zu beheben; Beruhigung des Nervensystems und verbesserter Schlaf (auch hier können Hormone helfen); Reduzieren von Infektionen, seelischem Stress und entzündungsfördernden Nahrungsmitteln; Befolgen einer Eliminationsdiät, um herauszufinden, ob es unverträgliche Lebensmittel gibt; Verbesserung der Darmfunktion und Beheben möglicher Ernährungsfehler; therapeutische Unterstützung für Probleme wie Erschöpfung, Missbrauch und Geburts- oder sexuelle Traumata.

Von einer vulvovaginalen Atrophie spricht man, wenn das Gewebe rund um den Scheideneingang und die Scheide selbst „dünner“ wird (atrophiert) und sich aufgrund eines niedrigen Östrogenspiegels entzündet. Eine vulvovaginale Atrophie kann sich nach der Geburt eines Kindes entwickeln, durch Stillen, durch die Einnahme östrogensenkender Medikamente zur Linderung von Gebärmuttermyomen und Endometriose, nach der chirurgischen Entfernung der Eierstöcke (was zur spontanen Menopause führt) und nach der natürlichen Menopause.38 Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen das lokale Auftragen von Östrogen in Form einer Vaginalcreme oder einer Tablette bzw. eines Zäpfchens oder die Abgabe über einen Vaginalring (siehe Seite 154), ähnlich den zur Verhütung eingesetzten Ringen. Dadurch wird der pH-Wert der Vagina gesenkt, die Reifung der Zellen in den Wänden von Vagina und Harnröhre stimuliert, die Häufigkeit von Harnwegsinfekten reduziert und die Atrophie umgekehrt.

Interstitielle Zystitis (IC) ist eine schmerzhafte Blasenerkrankung, deren Symptome einer Infektion des Harntrakts (Zystitis) ähneln. Letztere wird jedoch durch eine Entzündung hervorgerufen, während dies bei IC nicht der Fall ist. Es ist sehr frustrierend, dass die tatsächlichen Ursachen bis heute nicht geklärt sind. Die Symptome können äußerst unterschiedlich sein, zwischenzeitlich immer wieder verschwinden und sich im Laufe der Zeit auch ändern. IC ist eine chronische Erkrankung, die sich in Form von schmerzhaften Symptomen äußert, etwa durch Schmerzen in Bauch und Becken, ein anhaltendes unangenehmes Gefühl in der Blase, Beschwerden bei gefüllter Blase und teilweiser Erleichterung beim Entleeren, Druck auf der Blase, häufigen starken Harndrang und die Notwendigkeit, mehrmals nachts die Toilette aufsuchen zu müssen. Rund 75 Prozent aller Betroffenen haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr39 und 90 Prozent berichten außerdem über ein geringes sexuelles Verlangen40, Erregungsstörungen, Blasenschmerzen beim Sex und den Drang, beim Geschlechtsverkehr urinieren zu müssen. Bei einer Studie mit IC-Betroffenen kam heraus, dass 87 Prozent unter einer Beckenbodendysfunktion litten41 – der Unfähigkeit, mit den Muskeln die Blasen- und Darmfunktion zu kontrollieren. Auch hier kann die Arbeit mit Beckenbodenspezialisten Linderung bringen.

Einhalten

Ihre Blase hat zwei Aufgaben: Urin aufnehmen und Urin abgeben. Ziemlich simpel, oder? Sie muss nur Speicherraum zur Verfügung stellen und den Urin dann zu einem passenden Zeitpunkt abfließen lassen. Das klingt so, als sei die Blase – etwa im Vergleich zum mächtig wichtigen Herzen – ein eher einfach gestricktes Organ. Aber die Fähigkeit, Urin zu sammeln und ihn zur richtigen Zeit wieder abzugeben, erfordert eine komplexe Koordination, an der Gehirn, Nervensystem, Blase, Schließmuskeln und Beckenboden beteiligt sind. Oder anders gesagt: Es gibt viele Gründe, warum das schiefgehen kann. Ihre Beckenbodenmuskulatur befindet sich – wie der Name schon sagt – am Boden Ihres Beckens und hält Blase, Gebärmutter und Darm an Ort und Stelle. Durch Veränderungen im Hormonhaushalt, Schwangerschaft und andere Ereignisse kann sich viel verändern. Der Beckenboden hat Einfluss auf die Blasen- und Darmfunktion und auf unseren Sex. Wenn man bedenkt, wie wichtig er ist, dann ist es doch verwunderlich, dass wir ihm meist erst dann Beachtung schenken, wenn es zu Funktionsstörungen kommt. Sobald dies der Fall ist, wird allerdings mehr als deutlich, wie wichtig ein funktionstüchtiger Beckenboden ist.

Etwa ein Drittel aller Frauen entwickelt irgendwann Probleme mit dem Beckenboden, was zu einer Blasenschwäche oder einem Prolaps (Vorfall) führen kann, der sich so anfühlt, als wäre etwas von oben in Ihre Vagina geplumpst. Auch die Muskeln des Beckenbodens können – wie alle Muskeln im Körper – schlaff werden, zu stark angespannt oder überdehnt sein, reißen und zu langsam arbeiten. Die häufigsten Ursachen für Beckenbodenprobleme sind:

• Schwangerschaft und Geburt, speziell wenn Sie eine vaginal-operative Geburt hatten, bei der Hilfsmittel erforderlich waren, einen Dammschnitt oder Dammriss erlitten haben, Ihr Baby sehr groß oder die Austreibungsphase sehr lang war.

• Starkes Übergewicht, weil dies den Druck auf die Beckenbodenmuskeln erhöht.

• Chronische Verstopfung – Überanstrengung tut keinem Muskel gut.

• Chronischer Husten als Folge von Rauchen oder Asthma.

• Extrem fordernde Übungen und häufige Besuche im Fitnessstudio können zu Belastungen führen, ebenso wie zu schweres Heben. Mir ist bewusst, dass einige Betroffene Schwierigkeiten bei bestimmten Übungen haben, aber das ist kein Grund, gar keinen Sport mehr zu treiben. Sprechen Sie mit Ihrer Trainerin oder Ihrem Trainer, um unnötige Belastungen des Beckenbodens zu vermeiden und lassen Sie sich stattdessen Übungen zeigen, die ihn stärken.

• Und natürlich: die Menopause.

Wenn an den Hormonrezeptoren in Blase, Harnwegen und Beckenboden weniger Östrogen andockt, dann verändern sich die Anatomie der Blase (also ihre physische Struktur) und ihre Funktionsweise. Zu den Folgen eines Östrogenmangels zählen auch der Verlust von Kollagen und Fettgewebe. Die Hautschicht wird dünner, was zu Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen führen kann, und auch zu häufigerem Harndrang und Blasenschwäche.

Viele dieser Veränderungen können durch eine Östrogentherapie umgekehrt werden. Besonders wirkungsvoll ist sie bei Inkontinenz, einer Reizblase und wiederkehrenden Harnwegsinfekten. Nicht so eindeutig ist die Situation bei Belastungsinkontinenz. Auch wenn der Östrogenverlust die Produktion und Stärke des Kollagens sinken lässt, wodurch die Blase weniger gut gestützt wird und das Risiko einer Belastungsinkontinenz steigt42, wird die Einnahme von Östrogen einzig und allein aufgrund einer Belastungsinkontinenz nicht empfohlen.43 Möglicherweise verändert der sinkende Östrogenspiegel das Gewebe rund um die Harnröhre und kann so zu einer Inkontinenz beitragen.44

Beckenbodenschwäche

Eine Beckenbodenschwäche, auch Beckenbodendysfunktion genannt, umfasst eine Reihe von Beschwerden, die durch eine zu schwache Beckenbodenmuskulatur (hypoton) oder eine zu angespannte Muskulatur (hyperton) entstehen. Eine Beckenbodendysfunktion beeinflusst, wie gut Sie Blase und Darm kontrollieren können, und kann Blasenschwäche, Harndrang und unkontrolliertes Pupsen zur Folge haben. Auch die Lage der Gebärmutter kann sich verändern, was zu einem starken Zug nach unten führen kann, wenn Sie Sport treiben, menstruieren oder Sex haben. In Bezug auf Inkontinenz, also den ungewollten Harnverlust, gibt es weitere Unterscheidungen:

Unter Harninkontinenz versteht man das ungewollte Abgehen von Urin. Oder anders gesagt: Sie pinkeln, obwohl Sie es gar nicht wollen.

Die Belastungsinkontinenz (früher auch als Stressinkontinenz bezeichnet) ist der ungewollte Abgang von Urin, wenn die Blase unter „Belastung“ steht, beispielsweise beim Niesen, Husten, Stolpern, Heben oder Trampolinspringen. Meist verliert man nur eine geringe Menge Urin.

Bei einer Dranginkontinenz verspüren Sie einen plötzlichen Harndrang und kurz darauf geht Urin ab. Das Auftreten ist nicht vorhersehbar und in der Regel verlieren Sie eine größere Menge Urin. Diese Form der Inkontinenz wird mit einer überaktiven Blase in Verbindung gebracht.

Bei einer überaktiven Blase oder Reizblase zieht sich Ihre Blase am Tag oder nachts ohne Vorwarnung zusammen, sie verspüren einen starken Harndrang und müssen möglichst schnell eine Toilette aufsuchen, was wiederum zu Dranginkontinenz führt. Menschen mit einer Reizblase müssen häufiger zur Toilette und lassen immer nur wenig Wasser. Die Diagnose Reizblase wird gestellt, wenn diese Symptome auftreten und weder eine Infektion noch ein anderer offensichtlicher Grund vorliegt.

Mischinkontinenz bedeutet, dass Sie zum Teil unter Belastungsinkontinenz und zum Teil unter Dranginkontinenz leiden.

Eine Überlaufinkontinenz tritt ein, wenn die Blase sich nicht normal entleert und in der Folge sehr prall gefüllt ist.

Das nächtliche Wasserlassen wir auch als Nykturie bezeichnet und bedeutet, dass Sie nachts auf die Toilette müssen.

Analinkontinenz bezieht sich auf das unkontrollierte Austreten von Stuhl (fest oder flüssig) und Darmwinden. Das höchste Risiko für eine Analinkontinenz haben alle, bei denen in Folge eines Dammrisses oder Dammschnitts bei der Geburt der Analschließmuskel verletzt wird, wobei die meisten Betroffenen erst dann eine Analinkontinenz entwickeln, wenn der Hormonspiegel sinkt oder die Funktion des Beckenbodens nachlässt.

Obwohl eine Beckenbodenschwäche in jeder Lebensphase auftreten kann – speziell nach Schwangerschaft und Geburt –, steigt die Auftretenshäufigkeit mit dem Alter. Zwischen 40 und 59 Jahren leidet etwa ein Viertel aller Frauen darunter45 und zwischen 60 und 79 ist es bereits ein Drittel. Ab 80 haben sogar 50 Prozent Probleme mit dem Beckenboden.46 Dennoch suchen weniger als 40 Prozent der Betroffenen nach Behandlungsmöglichkeiten, weil sie häufig annehmen, dass dies einfach zum Älterwerden dazugehört und man nichts dagegen tun kann. Dieser Irrglaube, dem teilweise sogar Fachleute unterliegen, kann erhebliche negative Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Unabhängig vom Auslöser – Schwangerschaft, Spontangeburt oder Kaiserschnitt, Menopause, Krankheit oder operativer Eingriff – ist Inkontinenz nichts, was Sie einfach so hinnehmen sollten.

Obwohl Harninkontinenz das Gesundheitssystem im Vereinigten Königreich jährlich rund 353,6 Millionen britische Pfund kostet, steht die Wissensvermittlung zum Thema Beckenboden weit unten auf der Prioritätenliste. Und selbst wenn Ihnen ein Arzt, eine Ärztin oder – am wahrscheinlichsten noch – eine Zeitschrift Tipps gibt, dann werden diese meistens lauten: Machen Sie Kegel-Übungen, um den Beckenboden zu stärken. Das mag zwar gut gemeint sein, kann aber auch in manchen Fällen eine Beckenbodendysfunktion überhaupt erst auslösen, da der Schwerpunkt hier auf dem Anspannen liegt, und das wiederum kann zu einer Hypertonie führen (einer zu starken Anspannung des Beckenbodens). Ihr Beckenboden muss stark sein, um seine Aufgabe zu erledigen, aber nicht angespannt. Ein hypertoner Beckenboden kann Probleme mit Blase und Darm verursachen, wie Harndrang und Blasenschwäche, sowie andere Leiden wie Dyspareunie (Schmerzen beim Sex), Vaginismus, Vulvodynie und Pudendusneuralgie (einschießende Schmerzen in der Dammregion). Falls Sie einen Mann kennen, der unter chronischer Prostataentzündung leidet, dann könnte auch hier die Ursache ein hypertoner Beckenboden sein.

Obwohl wir alle wissen, dass wir auf unseren Beckenboden achten müssen, ist es doch so ein bisschen wie mit dem Kind in der Klasse, das stets seine Hausaufgaben macht und auch sonst nicht unangenehm auffällt, weshalb die anderen, lauteren Kinder die Aufmerksamkeit bekommen. Im Laufe der Zeit führt diese Vernachlässigung zu Problemen, die zu Beginn jedoch noch im Keim erstickt werden können. Unternimmt man hingegen nichts, nehmen die Probleme zu, und genau das passiert beim Beckenboden. Ein kleiner Tropfen Urin, der beim Niesen abgeht, ist unangenehm, aber Sie können das Ganze noch irgendwie abtun und einfach hoffen, dass sich das Problem von selbst erledigt. Das wird allerdings nicht passieren, vor allem dann nicht, wenn in den Wechseljahren der Östrogenspiegel sinkt. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, sich um den Beckenboden zu kümmern als jetzt – und das schließt auch all jene ein, die bislang keinerlei Probleme haben. Wenn Sie Ihrem Beckenboden keine liebevolle Zuwendung schenken, werden die Auswirkungen auf Ihr tägliches Leben weiter zunehmen. Wahrscheinlich verbringen Sie nicht endlos viel Zeit auf dem Trampolin, aber was ist, wenn Sie eine Verabredung haben oder mit Freunden ausgehen und es nicht genießen können, weil Sie ständig überlegen, wo die nächste Toilette ist? Was ist, wenn Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Ihrem Date fahren müssen und lieber absagen als einen „Unfall“ zu riskieren? Oder vielleicht können Sie auch nicht den Sport treiben, den Sie lieben, oder an einem Kurs teilnehmen, aus Angst, dass andere Ihre Einlage bemerken oder Sie sich einnässen.

Hinzu kommt, dass eine Blasenschwäche Reizungen auslösen kann. Der pH-Wert von gesunder Haut liegt bei etwa 5,5, kann aber auf 8 ansteigen47, wenn die Haut Urin ausgesetzt ist. Das öffnet Infektionen Tür und Tor und erschwert im Zweifel auch die Wundheilung. Hinzu kommen Entzündungen, die von rutschenden Einlagen verursacht werden können, und schon sind wir in einen Teufelskreis geraten, der zu Inkontinenz-assoziierter Dermatitis führen kann, und all dies in einer Zeit, in der Ihre Vulva möglicherweise ebenfalls hochempfindlich reagiert.

Was können Sie tun?

• Beckenbodentraining und Blasentraining sind nicht zu unterschätzen. Bitten Sie Ihre Ärztin um ein Rezept für einen qualifizierten Physiotherapeuten oder zahlen Sie die Behandlung zur Not aus eigener Tasche – verglichen mit der Summe, die Sie eventuell in den nächsten Jahrzehnten monatlich für Einlagen ausgeben müssen, ist die Investition überschaubar.

• Laden Sie sich eine App herunter, in der Beckenbodenübungen gezeigt werden. Auch hier übersteigen die Kosten nicht den Preis eines kleinen Pakets an Einlagen für Blasenschwäche.

• Trinken Sie ausreichend. Vielleicht glauben Sie, es wäre eher hilfreich, weniger zu trinken, aber das ist nicht der Fall. Sie fühlen sich nur schlecht und Ihr Urin wird scharf und beißend, was sowohl Ihre Blase als auch Ihre Vulva reizen kann.

• Gehen Sie nur auf die Toilette, wenn Sie auch wirklich müssen. Gewöhnen Sie sich nicht an, „vorsichtshalber“ zu gehen. Das gilt auch für den letzten Toilettengang vor dem Zubettgehen.

• Halten Sie nicht ein, bis Sie kurz vor dem Platzen stehen. Das würden Sie keinem kleinen Kind antun, also behandeln Sie auch sich selbst und Ihre Blase mit Respekt.

• Es gibt keinen Pokal für schnelles Pinkeln, also lassen Sie sich Zeit und pressen Sie den Urin nicht heraus.

• Verstopfung und Pressen beim Stuhlgang können eine Beckenbodendysfunktion verursachen und verschärfen. Für eine gute Verdauung müssen Sie ausreichend trinken, genügend Ballaststoffe zu sich nehmen (siehe Seite 347), sich bewegen und dann zur Toilette gehen, wenn Ihr Körper es Ihnen signalisiert. Sie können auch einen kleinen Hocker vor die Toilette stellen und Ihre Füße hochstellen, sodass Ihre Knie leicht oberhalb Ihrer Hüfte liegen. Auf diese Weise können Sie sich nach vorne lehnen und genau die Position einnehmen, die von Mutter Natur für den Stuhlgang vorgesehen war – das Hocken.

• Schränken Sie den Konsum von Koffein, Alkohol und kohlensäurehaltigen Getränken ein.

Krafttraining und Blasentraining

Ich habe Baz Moffat – Fitnesstrainerin für Frauen und Beckenboden-Guru – gefragt, warum beim Krafttraining die Funktion des Beckenbodens in den Kursen nur selten berücksichtigt wird, obwohl das so wichtig wäre. Dazu sagt die Expertin:

Es wird sehr betont, wie wichtig Krafttraining und Impact-Training für Frauen ist, speziell für alle über 35. Der Hauptgrund dafür sind die positiven Ergebnisse, die diese Trainingsformen in Bezug auf den Erhalt und den Aufbau von Knochen- und Muskelmasse haben. Impact-Training trägt auch zur Herzgesundheit bei, was ein Hauptschwerpunkt bei Trainingsprogrammen für Frauen mittleren Alters sein sollte.

All das ist gut und notwendig. Wir müssen unseren Körper auf die unvermeidliche Veränderung vorbereiten, wenn das Östrogen unser System verlässt. Es ist gut, Muskeln aufzubauen, starke Knochen zu haben und ein gesundes Herz, denn so haben wir im Alter eine bessere Lebensqualität und können uns vor vielen chronischen Krankheiten schützen.

Was jedoch meistens vergessen wird, ist der Beckenboden. Keiner oder nur sehr wenige erwähnen ihn überhaupt. Meiner Meinung nach liegt das daran, dass die Fitness-Industrie sich größtenteils an Männern orientiert und es dort nur wenige Frauen über 30 gibt. Die meisten Trainer sind jung und männlich, das bedeutet, dass Frauengesundheit selten ein Thema ist, einmal abgesehen von den Zeiten in und nach einer Schwangerschaft. Frauen im mittleren Alter bekommen außer Pilates-Kursen, die zwar gut sind, aber nicht alle Bereiche abdecken, nur wenig angeboten.

Meiner Meinung nach ist Krafttraining wichtig für alle Frauen im mittleren Alter. Ich würde sogar so weit gehen, es als unverzichtbar zu bezeichnen, ein voll funktionsfähiger Beckenboden vorausgesetzt. Kontinenz bedeutet Unabhängigkeit, und wir müssen diesen Teil unseres Körpers anerkennen und wertschätzen und mit ihm arbeiten. Wir können lernen, dass wir ausatmen, wenn wir etwas anheben, und mit den Bauchmuskeln arbeiten, um nicht nur hart zu trainieren, sondern uns auch vor Verletzungen zu schützen. Ich glaube, dass eine zunehmende Anzahl von Frauen und auch Fitness-Coaches daran interessiert sind und diese Veränderungen auch kommen werden. Für die Zwischenzeit lautet mein Rat, dass Sie sich informieren sollten und nicht einfach nur tun, was man Ihnen sagt, obwohl es sich vielleicht nicht richtig anfühlt. Keine Frau sollte sich in die Hose machen, wenn sie Sport treibt, oder sich unwohl fühlen oder Schmerzen haben. Es gibt so viel, was Sie tun können, ohne in diese Situationen zu geraten, sowohl in Bezug auf die Art der ausgeführten Übungen als auch innerhalb einer Übungsabfolge. Die meisten Menschen denken beim Sport an Aerobic oder Laufen, aber es gibt jede Menge andere Optionen – Tanzen, Stehpaddeln und funktionelles Bewegungstraining, um nur einige zu nennen. Die meisten Betroffenen wissen, welche Bewegungen problematisch sein können – Springen, Seilhüpfen und Sternsprünge stehen meist ganz oben auf der No-Go-Liste. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Bewegungen kein Muss sind, und dass es andere gibt mit geringeren Auswirkungen, die ebenfalls nutzbringend sind.

Wenn es brennt

Ihre Harnröhre, die den Urin von der Blase aus dem Körper heraus leitet, ist kürzer als bei Männern. Bakterien können so leichter vom Anus in die Blase gelangen, weshalb man uns beibringt, nach dem Toilettengang von vorne nach hinten zu wischen, um Harnwegsinfekte zu vermeiden. Solche Infektionen sind in keinem Alter ein Vergnügen, und zu den Risikofaktoren zählen neue Sexualpartner, häufiger Geschlechtsverkehr, die Verwendung eines spermienabtötenden Mittels und … die Menopause.

Aufgrund der strukturellen Veränderungen, die Menopause und Alterungsprozess mit sich bringen – wie das dünnere Gewebe und die Schwächung der Harnröhre – steigt in der Postmenopause die Wahrscheinlichkeit für Harnwegsinfekte. Eine Beckenbodendysfunktion kann zu vermindertem Harnfluss führen, sodass nach dem Wasserlassen Urin in der Blase verbleibt, wodurch das Risiko wiederkehrender Infektionen steigt. Hinzu kommt, dass Ihre Vagina ein weniger saures Milieu entwickelt, wodurch sich das vaginale Mikrobiom verändert. Zurück bleiben weniger freundliche Bakterien und mehr potenzielle Störenfriede. Bei Harnwegsinfekten können sich folgende Symptome zeigen:

• Häufigeres Wasserlassen am Tag und/oder in der Nacht

• Schmerzen, Stechen oder Brennen beim Wasserlassen, wobei nur eine geringe Menge Urin abgegeben wird

• Schmerzen oder Druck im Unterbauch oder unteren Rücken

• Harndrang

• Stark riechender Urin

• Trüber Urin

• Blut im Urin

• Übelkeit und/oder Erbrechen

• Müdigkeit oder Abgeschlagenheit

• Schüttelfrost und Fieber

Harnwegsinfekte lassen sich häufig bereits per Urintest nachweisen. Wenn die Standardbehandlung mit einem Antibiotikum nicht anschlägt oder Sie innerhalb von drei Monaten zwei oder mehr Infekte haben, werden weitere Untersuchungen veranlasst. Sie können aber auch selbst etwas für Ihre Gesundheit tun, beispielsweise:

• Ausreichend Wasser trinken. Ich weiß, dass das nicht so angenehm ist, wenn jeder Toilettengang mit Schmerzen verbunden ist, aber es ist wirklich wichtig.

• Wischen Sie sich immer von vorne nach hinten ab, damit Bakterien nicht vom Darmausgang in Harnröhre und Vagina gelangen.

• Unterstützen Sie die Gesundheit Ihres vaginalen Mikrobioms, indem Sie keine Vaginalspülungen, parfümierten Seifen, Badebomben, Schaumbäder oder speziellen „Intimwaschlotionen“ benutzen. Sie sind nicht schmutzig und Ihre Vagina muss auch nicht gereinigt werden, das bekommt sie problemlos ganz alleine hin.

• Verwenden Sie keine Spermien abtötenden Mittel (Spermizide).

• Verwenden Sie Kondome, die das vaginale Mikrobiom nicht stören (siehe Seite 156).

• Verwenden Sie beim Sex Gleitmittel, um Reibung (und Schmerzen!) zu vermeiden sowie Entzündungen und Infektionen vorzubeugen.

• Tun Sie etwas für Ihren Beckenboden.

• Haben Sie stets Gerste vorrätig, um bei den ersten Anzeichen einer Harnwegsinfektion Gerstenwasser mit Zitrone herzustellen. Hausgemachtes Gerstenwasser lindert die Symptome sehr effektiv innerhalb von 24 Stunden und löst sie dann vollständig auf. Zur Herstellung benötigen Sie 150 Gramm Gerstengraupen. Spülen Sie die Graupen, bis das Wasser klar ist. Geben Sie sie dann in einen Topf, zusammen mit den Zesten von zwei Zitronen, einem Esslöffel geriebenem Ingwer und etwa 1400 ml Wasser. Bringen Sie das Ganze zum Kochen und lassen es dann rund 10 Minuten bei niedriger Flamme köcheln. Anschließend den Topf vom Herd nehmen und alles durch ein Sieb gießen, dabei die Flüssigkeit auffangen. Den Saft der zwei Zitronen hinzufügen (und bei Bedarf 2 Teelöffel Honig). Abkühlen lassen und bei Raumtemperatur über den Tag verteilt trinken.

• Der Wirkstoff D-Mannose aus Cranberrys kann als Nahrungsergänzung eingenommen werden und ist im Vergleich zu gekauftem Cranberry-Saft die bessere Wahl, da Letzterer meist viel Zucker enthält, der Harnwegsinfekte eher verschlimmert.

• Lokal angewandtes Östrogen – die Art von Hormontherapie, die gezielt in der Vagina eingesetzt wird – kann dazu beitragen, Harnwegsinfekten vorzubeugen beziehungsweise die Häufigkeit ihres Auftretens zu senken.

• Antibiotika haben bei Harnwegsinfekten absolut ihre Berechtigung, aber ihr Einsatz birgt auch das Risiko, Pilzerkrankungen zu fördern und weitere Infektionen zu verursachen. Deshalb sollten wir möglichst vorbeugend aktiv zu werden.

• Wenn Sie immer wieder unter Harnwegsinfekten leiden, sollten Sie die Gesundheit Ihres Mikrobioms fördern. Ihre Blase hat ihre eigenen Mikroorganismen, aber Sie sollten auch auf Ihr Darmmikrobiom achten, denn es ist die Schaltzentrale für alle anderen Mikrobiome des Körpers.

Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
501 s. 20 illüstrasyon
ISBN:
9783954844357
Yayıncı:
Tercüman:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi:

Benzer kitaplar