Kitabı oku: «DAS SOZIALE LEBEN RUND UM UNBEWEGLICHE SACHEN»

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Manfred Wasner

DAS SOZIALE LEBEN RUND UM UNBEWEGLICHE SACHEN

Erinnerungen zum Werden des "Wohnen und Arbeiten" sowie der "Sockelsanierung" in Wien

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

1. Vorspann: Erinnerungen an die Zeit im AKH

2. Bettenhäuser- Umplanung an einem einzigen Vormittag

3. „Können Sie Krankenhausplanung?“

4. Stahl statt Beton

5. Gebäudetechnik- Planung binnen zweier Wochen.

6. Vormittags Gärtnereigehilfe - nachmittags Projektleiter

7. Stufenpyramide

8. Erinnerungen an eine unverwechselbare Gruppe aus Wiener Stadterneuernden 1978 bis 1991 (Das Team 1)

9. Der Anruf im Allgemeinen Krankenhaus (das Team 2)

10. Die drei Musketiere (das Team 3)

11. Der Herr im lila Anzug (das Team 4)

12. Der Idi und sein Mini (das Team 5)

13. Mit dem Kurt am Karlsplatz (das Team 6)

14. Farbe für die Hegergasse (Hegerg.8)

15. Eine Watsch´n für den Johnny (das Team 7)

16. Fünfhundert Schilling für den Werner? (das Team 8)

17. Wohnungen und Vanillekipferl (Ass.Geb.Ottakring 1)

18. Willi 's Diskussionsrunde (WSG 1)

19. Der "kleine" Hofmann und die Beistriche (WSG 2)

20. Karikatur und Magistrats- Umbildung (Ass.Geb.Ottakring 2)

21. Als Betriebsrat bei der Staatsekretätin (WSG 3)

22. Schwarze Weißwäscher für den Günther (das Team 9)

23. Schallschutz gegen Kinderlärm (Ass.Geb.Ottakring 3)

24. “Dann mach ich´s eben mit meinem Zuwanderer- Fonds“ (WP Sandleiten 1)

25. „Das mach´ schon ich“ (WSG 4)

26. Fahrrad sticht Auto (das Team 10)

27. Der Idi und die zu-en Türen (das Team 11)

28. Eine fünfzehn Meter hohe Mauer für den Veitschi (Lindeng.51)

29. Wie der Hermann Leopoldi zu einem Park kam (das Team 12)

30. Ein "Nein", das es nicht geben darf (das Team 13)

31. Der Platz mit der Wasserader (das Team 14)

32. Noch weniger! (das Team 15)

33. Erst die Antwort, dann die Frage (die Stadt-projekt 1)

34. Herbert Ludl hat keine Zeit (die Stadt-projekt 2)

35. Die endlose Betriebsversammlung (die Stadt-projekt 3)

36. „Sagt was ihr wollt, ich bin des Kaisers Diener…“

37. Johnny auf der Bühne (das Team 16)

38. Die dritte Reihe (Schiffamtsgasse 14)

39. Susanne bleibt über (das Team 17)

40. Wie der Betriebsrat einen Auftrag akquiriert (Meiselmarkt 1)

41. Der Saisonarbeiter (das Team 18)

42. Vom Aufgusswart zum Immobilien- Chef (das Team 19)

43. Wie ein neuer Beruf entsteht (das Team 20)

44. Feldversuch für die Superblöcke (Emil Fucik- Hof)

45. Was verbirgt sich hinter dem Gräsel? (das Team 21)

46. Erinnerungen an das Gesinde des „Wohnen und Arbeiten“ seit 1991

47. Casting für Manager (die ARWAG 1)

48. Ist etwas anders? (die ARWAG 2)

49. Zwei Jahre brauchen wir ihn mindestens noch! (die ARWAG 3)

50. Wasserwerke statt Dächern (WP Sandleiten 2)

51. Warum das Zimmer so schön ist (die ARWAG 4)

52. Unsichtbare Barrieren (die ARWAG 5)

53. Mach´s noch mal, Hans ! (Meiselmarkt 2)

54. Das verflixte siebte Jahr (die ARWAG 6)

55. Vogelhochzeit (WP Lobmeyrgasse)

56. „Kanadier“– Freistilringen (die ARWAG 7)

57. Der Lohn der Angst (die ARWAG 8)

58. Die Geographie des Affenlandes (WP Markhofgasse)

59. Die neue Welt für das Team der Stadt- projekt (die ARWAG 9)

60. Ein neues „erstes Kapitel“ (die Wohnparks des “Wohnen und Arbeiten”)

61. Was alles schiefgehen kann (Trillerpark)

62. Aufdecken! (WP Kreuzgasse)

63. Fliegender Wechsel (Zentrum Muthgasse)

64. Gratis- Werbung und Blitz- Novelle (WP Rennweg)

65. Ein Hauberl auf dem-Dach (Hochhaus Neue Donau)

66. Projekt- Entwicklung als „Mensch ärgere Dich nicht“ (Franz Jonsl-Pl.)

67. Im ersten Jahr nach Hans Mayr (Kabelwerk 1)

68. Klausuren, Bahnen, Segel und weite Fernen (die ARWAG 10)

69. Die ARWAG hoch! (die ARWAG 11)

70. Go to Hell! (“Eurogate”)

71. Prospekte für Brüssel (WP Molkereistraße)

72. Des Meeres wilde Weiber (die MIGRA)

73. Eine unfreiwillige Delegierung (Kabelwerk 2)

74. Vorläufer städtebaulicher Verträge (Kabelwerk 3)

75. “Ist es ganz schwierig, haben wir das Monopol!" (Stadt des Kindes)

76. Ein Spalt in der Planke (Sofiensaal)

77. Es geht zwar schon, - doch nur ganz anders! (Liesinger Brauerei)

78. Gewinnen ohne Teilnehmen (zB. Wienerberg und Seestadt)

79. „Ich gebe so lang nach, bis ich mich durchgesetzt habe!“ (zB. Langer Anger)

80. In einem Wellental! (die ARWAG 12)

81. Drei mal Verblüffendes rund um das „Citygate“ (auch zu “Millennium City”)

82. „HLKSE“ (die ARWAG 13)

83. „Wohnen und Arbeiten“ und die ARWAG vom 21.12.1971 bis heute

84. Abbildungen

84. Der Verfasser Manfred Wasner

Impressum neobooks

1. Vorspann: Erinnerungen an die Zeit im AKH

Die Zufälligkeiten des Lebens bringen es mit sich, dass der Verfasser in seinen jungen Jahren mit dem Umgang mit großen Mengen an Gebäudekubatur und mit den entsprechenden hohen Kosten vertraut wird. Darüber berichten die Erinnerungen 2 bis 7. Es hat ihm später bei der Organisation der vielen kleinteiligen Maßnahmen der Stadterneuerung und bei der Umsetzung der jeweils ziemlich großen „Wohnparks“ des „Wohnen und Arbeiten“ sehr geholfen.

Zwei Hinweise zum Titelbild: “Unbewegliche Sachen” nennt das ABGB die Immobilien, beginnend mit § 431.

Die 14 Bilder am Titelblatt sind alle vom Verfasser im Jahr 2021 aufgenommen und stellen folgende "Wohnparks" des Wiener "Wohnen und Arbeiten" dar, jeweils in den drei Spalten von oben nach unten: Linke Spalte: 1160 "Wohnpark Sandleiten"; 1030 "Wohnpark Erdberg"; 1200 "Wohnpark Kornhäusl"; 1180 "Wohnpark Kreuzgasse"; 1200 "Millennium City"; 1230 "Wohnpark Allt-Erlaa"; 1210 "Trillerpark"; 1120 "Kabelwerk". Mittlere Spalte: 1220 "Wohnpark und Hochhaus "Neue Donau" mit Kränen statt dem abgebrochenen Kinocenter; 1120 "Kabelwerk"; 1150 "Meiselmarkt". Rechte Spalte: 1230 "Liesinger Brauerei" mit dem "Riverside" Einkaufszentrum; 1030 "Wohnpark Rennweg"; 1200 "Millennium City".

2. Bettenhäuser- Umplanung an einem einzigen Vormittag

1975 ist hinsichtlich Arbeit nicht das beste Jahr für erst im Dezember davor sponsionierte Diplomingenieure der Architektur. Einige Monate bei Eckart - Hübner bewirken immerhin den hochliegenden Campingplatz neben der Neuen Donau und die Gestaltung des Veranstaltungsabschnitts der Donauinsel an der Floridsdorfer Brücke. Weitere Monate bei Karl Schwanzer kurz vor dessen Ableben bringen diesem erstmals einen Betriebsrat und der evangelischen Kirche in der Per Albin Hanson- Siedlung funktionierende Glasdach- Details. Weitere Monate bei Rudolf Keimel in der Rathausstraße bringen nur ein paar Schulbau- Polierpläne.

In der Arbeitsgemeinschaft Christoph – Lintl sind sie vielleicht noch dankbar für den Wettbewerbsgewinn „Donaubereich“ von Anfang 1974 und den damit verbundenen Planungsauftrag. Erwin Christoph ist besser nicht anzusprechen, - hatte sich doch der Verfasser im Jänner eine Auszeit wegen nahender Niederkunft der Gattin genommen, während Erwin Christoph dies in der zeitgleich selben Situation nicht tat und sein Kind die Geburt nicht überlebte.

Aber der Hannes Lintl! Richtig! Der ist ja in der ARGE der Architekten „Planung Neubau Allgemeines Krankenhaus Wien“: „Melden Sie sich beim Büroleiter Mitschulka“. Das funktioniert. Von Oktober 1975 bis Mai 1978 ist der Verfasser dort angestellt, - mit Wehrersatzdienst- Unterbrechung. Großraumbüro im Hochhaus- Dachgeschoss. Auf eigenen Wunsch „ganz unten“ beginnen: Mit Dachaufbau- Details um 14.500 Schilling brutto im Monat.

„Herr Mitschulka! Ich hab das Nebenraum- Erfordernis der Ärzteschaft pro Station mit dem Platz im Inneren der Bettenhäuser verglichen. Hier ist die Aufstellung. Wir können nicht sechs Stationen pro Ebene machen, wie geplant, sondern nur vier!“

„Lassen Sie sehen! – Ja, da haben Sie recht! Da muss ich gleich den Herrn Marchart holen, den Vorsitzenden der Architekten- ARGE. Er ist ohnehin im Haus.“

Einige Zeit später kommt Peter Mitschulka mit dem Alexander Marchart und ersucht den Verfasser, erneut zu berichten. Marchart sagt: „Da haben Sie recht. Da muss ich gleich den Bauherrn holen!“

Am selben Vormittag kommt von der AKPE Allgemeines Krankenhaus Planung und Errichtung AG der Direktor Pokieser. Diesmal ersucht Alexander Marchart um des Verfassers lapidares Referat. Pokiieser denkt kurz nach. Dann sagt er: „Da haben Sie recht. Wissen Sie was? Machen Sie vier Stationen!“

Die Entscheidung über die Neuaufteilung von zwei mal acht „Ebenen“, - nahezu neun Hektar Geschoßfläche, - war getroffen.

Am nächsten Tag die Frage an Herrn Mitschulka und seinen Stellvertreter Pintar, „ob ich nicht zu wenig verdiene“. Die erstaunliche Antwort: „Das haben wir uns auch schon gedacht“. Ende des Jahres 1976 waren das dann immerhin schon ATS 19.000,- brutto.

3. „Können Sie Krankenhausplanung?“

Von Peter Mitschulka kommt eine Frage: „Wir brauchen für die geänderten Stationen eine Krankenhaus- Fach- und Organisations- Planung. Mit dem geänderten Pflege- „Radl“ und so weiter. Das macht für uns das international anerkannte Büro Hans- Ulrich Riethmüller in Aachen. Wir sind aber derzeit nicht im Vertrag. Können Sie das nicht vielleicht auch?“

„Mit Fünf hatte ich die Mandeln und war über Nacht im Spital. Mir Vierzehn hab ich die Mutter im Spital besucht, sie hatte Blinddarm. Das ist alles, was ich von Spitälern weiß. Die Gebäudelehre- Vorlesung hab ich geschwänzt und für die Prüfung hab ich „Spitäler“ im Skriptum nicht angesehen und spekuliert, dass ich das nicht gefragt werde. Wenn Ihnen das ausreicht, mach ich die Spitals- Fachplanung!“

„Machen Sie das, Herr Wasner, machen Sie das!“

Nun ja. Der Verfasser befragt eben die Schwestern von der Personalvertretung, was wichtig ist im Spitalsbetrieb und wie so ein „Radl“ funktioniert bei den ursprünglichen 25 Betten pro Station und wie bei den nunmehrigen 38 Betten.

Darüber hinaus sind ja die Kräfteverhältnisse bekannt. Die Ärzteschaft hat das Sagen. Also bekommen die Ärzte alle viermal sechzehn ist vierundsechzig Eckzimmer mit jeweils 270 Grad Ausblick über Wien. Was sie in anderen Spitälern für kleine Kämmerchen haben, hat der Verfasser erst in seinen späteren Jahren bemerkt.

Der Ärzteschaft folgt in der Bedeutung das Personal und dessen Vertretung. Also: Es wird nun Einblick geschaffen in beide Teile des am Stützpunkt rechtwinklig geknickten Pflegegangs. Von einer einzigen Position. Auch das gibt es sonst in keinem Spital.

Als nächstes wäre an die Besuchenden zu denken. Die Begegnungsräume gleich neben der Aufzugs- Gruppe am Fenster fallen aber leider dem Sparstift zum Opfer. Der Bauherr AKPE meint, besser die Betten- Anzahl optimieren!

Darüber hinaus werden des Verfassers Pläne ohne jede Erörterung mit den Architekturbüro- Chefs und mit dem Bauherrn einfach zur Errichtung weiter gegeben. Der Verfasser als Mitarbeiter hat ja alles zufriedenstellend erledigt, - ohne zu fragen, was er planen soll, ohne dass ein Gedanke „von oben“ dazu notwendig gewesen wäre, eine Besprechung darüber oder gar eine Skizze! Wie praktisch!

Die letzten in ihrer Bedeutung im Spital sind die Patienten. Die reden nicht mit. Sie sind ja krank. Trotzdem wird für sie das Bestmögliche geplant: Trotz Klima- Anlage öffenbare Fenster. Außerdem: Optimierte Wasch-, Dusch- und Pflegearbeits- Plätze sowie angenehme Farben aus der Brigitte Manolakou Farbkonzept.

Alle sind zufrieden. Ein Medizin- Universitätsprofessor, - wird hinterbracht, - spricht in einer Vorlesung vom “besten Spital der Welt.“

4. Stahl statt Beton

Der Voest geht es schlecht. Also kommt der Auftrag, das noch nicht errichtete der beiden Bettenhäuser zu ändern. Auf Wunsch der Bundesregierung. Von Beton auf Stahl. Mit Brandschutz um alle Stahlteile herum. Es werden also die Pläne geändert. Jakovos Taschonidis, Diplomingenieur aus Katerini Makedonias, ist zum Helfen eingeteilt.

Für die Matritzen der Pläne für die Brandschutz- Ausschreibung zieht der Verfasser mit Scotch- Band vom Sekretariat auf Folien getippte Texte des Leistungsverzeichnis- Teams ab und klebt sie auf´s Transparentpapier neben die Zeichnungen. So geht es genau so rasch, wie zwanzig Jahre später mit dem CAD, dem Computer aided Design.

Wieviel Stunden das gebraucht habe? „Für´s Nachtrags- Offert!“ Sie waren ja schnell. Standen dann wirklich nur so wenige Stunden auf der Rechnung? Der Verfasser hat die Rechnung nicht gesehen und weiß es nicht. Zum bekannten AKH- Skandal kam es allerdings erst ein Jahr später, - wegen ganz anderer Dinge, über die es zu dieser Zeit bei den Beschäftigten zwar über das Eine oder Andere Verwunderung gab, aber keinen handfesten Beleg für Unredlichkeiten.

5. Gebäudetechnik- Planung binnen zweier Wochen.

Dann: Das Gebäudetechnik- Projekt aufgrund der Umplanungen der Grundrisse und der Tragstruktur! Es gibt 25 Fachplanungs- Sparten und daher auch 25 Fachplanungs- Unternehmen! Von „Medizinischen Gasen“ bis „Kleinbehälter- Transport“. Die Sparten- Planer arbeiten meist in den Baracken vor Ort.

Der Projektleiter des Bauherrn AKPE, - aus einer Adelsfamilie stammend und auch dazu passend leicht näselnd, sagt: „Vierzehn Tage! Für beide Bettentürme“!

Wer koordiniert alle diese Sonderfachleute? Natürlich die Architekten, im Rahmen der sogenannten „technischen Oberleitung der Bauausführung“. „Also bitte, Herr Wasner!

Das sitzen sie alle Fünfundzwanzig um den Tisch. Alle mit Anzug und Krawatte. Der Jüngste ist zehn Jahre älter, als der Verfasser. Der ist ja erst achtundzwanzig!

Wie geht das? Wie kann der Verfasser es schaffen, dass sie alle machen, was er sagt ? Also: Rotoranges Polohemd, schwarze Schnürlsamt- Jean, rotblonder Vollbart. Ganz anders aussehen, das ist das Wichtigste! Dann auch von Bedeutung: Seine Schauspiel- Ausbildung, - zwar nicht abgeschlossen, aber Stimme und Lautung gehen professionell.

Zusätzlich: Von der Mühl- Kommune gelernte Spontanität der Selbstdarstellung.

Also: Vom Tischende sagen, „Vierzehn Tage!“

Unruhe. Einigkeit: „Das geht nicht ! Auch nicht annähernd!“

Der Verfasser stimmt zu. Aber, - „fangen wir einfach an!“

Ein Packpapier an der Wand. „Das ist ein Schnitt vom Hohlraum zwischen Decke und abgehängter Decke über Pflegegang und Vorzone. Da hängt ein Winkeleisen an zwei Drähten. Klima, sie haben die größten Einbauten. Wie breit und wie hoch sind Sie an der breitesten und höchsten Stelle?“

„Das kann auf diese Weise gar nicht gesagt werden.“

„Bitte ! Bemühen sie sich!“

„So geht das nicht!“

„Wie breit und wie hoch?“

„Eins vierzig mal dreissig.“

„Mit den Flanschen oder ohne?“

„Mit den Flanschen“

„Gut! Ich zeichne es ein. Wer ist der Zweitgrößte?“

Auf diese Weise ist der für alle sechzehn Geschosse gleichartige Hohlraum am Ende der Besprechung gefüllt. In einer Woche geht’s weiter.

Mit dem Fahrrad fährt der Verfasser auf der riesigen Baustelle von Baracke zu Baracke und stimmt die Einbauten der einzelnen Gewerke mit einander ab.

Dann sind die vierzehn Tage um. Der Projektleiter der AKPE kommt zur Koordinationssitzung und fragt herablassend: „Erzählen Sie uns, - wie weit sind Sie denn?“

„Wir sind fertig.“

„Was? Sie sind fertig?“ Er ist fassungslos. Doch die legt sich bald. .Wenn etwas fertig ist, dann ist es eben fertig! Warum also weiter darüber wundern? Besser, die abgeschlossenen Teilleistungen all der Sparten und des Architekturbüros verrechnen!

6. Vormittags Gärtnereigehilfe - nachmittags Projektleiter

Eingeschrieben kommt eine Einberufung zum Bundesheer. Das Studium ist ja abgeschlossen. Der Verfasser optiert auf Wehrersatzdienst. Mit Gewissens- Prüfung. Es gibt Beratung. Schau! Es ist formal einfacher, als gedacht. In die schriftliche Begründung schreiben, wegen der schrecklichen Kriegserlebnisse des Vaters. Und die beiden standardisierten Fragen der Kommission so beantworten:

„Bleiben Sie bei Ihrer Einstellung?“ „Ja.“

„Wie kommen Sie zu Ihrer Einstellung?“ „Gar nicht. Die hatte ich schon immer.“

Dann die Aufforderung, den Wehrersatzdienst anzutreten. Oder gibt es einen wichtigen Grund, das aufzuschieben?

Im AKH Büro wird die Arbeit immer mehr und die Termine drücken. Für den Verfasser als Projektleiter der Bettenhäuser arbeitet außer dem Jakovos ein junges Paar. Von ihm kommt telefonisch eine Krankmeldung ins Sekretariat. Er weiß nicht, dass er vom Amt mit den Worten „Ferngespräch aus Jugoslawien“ verbunden wurde. Da waren sie nur mehr zwei. Von „oben“ ist zu hören, es sei nicht leicht mit dem Ersatz. Auf Zivildienst könne er jetzt nicht und es gäbe ein Begründungs- Schreiben.

Mit diesem Schreiben ist der Verfasser in der Praterstraße bei einer Außenstelle des Innenministeriums: „Das ist ein Schreiben des Arbeitgebers. Doch ich persönlich möchte den Wehrersatzdienst jetzt antreten.“

„Zeigen sie her! Der Peter Mitschulka! Mit dem war ich ja beim Bundesheer eingerückt! Den ruf ich gleich an!“

Pech gehabt. Jetzt ist der Verfasser zwar als Zivildiener für acht Monate bei der Praterverwaltung der Wiener Stadtgärten MA 42 Gärtnereigehilfe, aber bei Planung Neubau AKH ist bekannt, dass die gewünschte Aufschiebung kein Problem gewesen wäre. Er hat das Büro nachweislich in der Not im Stich gelassen. Nicht schön !

Also: Von 7:00 bis 15:00 Uhr arbeitet er im Prater von der Zentrale beim Praterstern aus. Dann Duschen und nach einigen Minuten Radfahren im AKH weiter Projektleiter, - gegen Honorar auf Stunden- Basis.

Einige Monate lang geht das gut und der Verfasser verdient so viel, wie noch nie vorher. ATS 14:000 netto im Wehrersatzdienst inklusive der Zulagen für Alleinverdiener mit Kind, Heimschläfer und Selbstverköstigung, - plus dem Honorar!

Leider geht nie der Wunsch in Erfüllung, im Prater unter einer Schwarzpappel im blauen Gewand mit dem Rechen in der Hand eine AKH- Koordinations- Besprechung von Umstehenden in Anzug und Krawatte leiten zu können.

Dann war ein Nachfolger gefunden. Also: Dem Kollegen beim Einarbeiten helfen und dann das Nachmittags- und Abend- Geschäft aufgeben, - bis zur Rückkehr ins Angestellten- Verhältnis mit Ende des Wehrersatzdienstes per Februar 1978.

7. Stufenpyramide

Einen neuen Projektleiter der Bettenhäuser gibt es ja. Ein Tüchtiger. Der kann ja nicht gleich wieder abgesetzt werden. Daher eine neue Aufgabe: Projektleiter der Technik- Ebenen der Bettenhäuser.

Das sind immerhin auch zwei mal vier Geschosse! Ursprünglich war gedacht, zwei mal zwei, - je eines unter und eines über den acht Normalpflege- Ebenen und der einen Intensivpflege- Ebene. Doch der Einbauten wurden immer mehr. Also gibt es ein, wegen der Bebauungs- Bestimmungen eingerücktes, - weiteres Stockwerk darüber. So nieder wie möglich, um die Anmutung des Umrisses reiner Quader nicht zu stören.

Und nun ganz neu: Die Klimaanlage benötigt Kühltürme! Auf den beiden Dächern! Die sind sechs Meter hoch! Sie schauen aus, wie Kühltürme eben aussehen. Wie riesige Motorrad- Motoren. Warum hat vorher niemand an so etwas gedacht?

Ein Gedanke: Aus dem AKH zwei Stufenpyramiden machen! Erste Stufe: Das ursprüngliche Technik- Geschoss. Zweite Stufe: Das eingerückte zusätzliche Technik- Geschoss. Dritte Stufe: Ein gleichartig aussehendes Kühlturm- Geschoss! Ha, ha, ha! Eine Karikatur des reinen Quaders, wie er in den sechziger Jahren modern war!

Da Kühltürme ja frei stehen müssen, kommt nur eine optische Maskierung in Frage. Also: Aus dem selben Alu- Material, wie die übrige Fassade und in der selben Farbe eine sechs Meter hohe Wand in einigem Abstand rund um die Kühltürme stellen, dass es so aussieht, wie eine einheitliche Stufen- Pyramide. Niemand spricht ein. Und darum sieht es auch bis heute so aus! Inzwischen steht es unter Denkmalschutz.

Die Koordination der übrigen Teile der Technik- Geschosse kommt gut voran. Dann plötzlich im April: Die Bewerbung der Sozialbau beim Verfasser und seine Zusage per ersten Juni 1978.

Jetzt schnell noch als Wahlvorstand auch der „Planung Neubau Allgemeines Krankenhaus Wien“ zu einem Betriebsrat verhelfen! Und dann Abschied von der Zeit im AKH und von den Freundinnen und Freunden dort.

Bild 1

8. Erinnerungen an eine unverwechselbare Gruppe aus Wiener Stadterneuernden 1978 bis 1991 (Das Team 1)

Ins Diktiergerät gesprochen in Suja, Kreta am 18.8.1991 und auf der Wiener Jesuitenwiese am 25.8.1991. Aktualisiert mit Ergänzungen 2004 und 2020

In Wien gibt es zur Zeit der Entstehung dieses ersten Teils dieser „ErinnerungGeschichten“ im August 1991 die Firma, „Stadt-projekt". Sie ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung und hat rund 50 Angestellte und rund 15 freie Mitarbeitende. Der Name "Stadt-projekt" und das Team gehören erst seit Frühjahr 1986 zusammen. Zwischen Herbst 1985 und Frühjahr 1986 hieß die Firma "Fendi". Die 8 Jahre davor, seit 1977 waren die Mitglieder des Teams bei der „Sozialbau", einer gemeinnützigen Bauvereinigung, angestellt. In dieser Zeit wurde das Team aber meistens unter dem Namen "Urbanbau" bekannt, weil es auf Grund eines Betreuungs- Vertrages hauptsächlich für die Urbanbau, eine andere gemeinnützige Bauvereinigung der Gruppe, arbeitete.

Anfang Jänner 1991 war der Gesellschafter ein anderer geworden, nämlich die „ARWAG". Ab 1994 heißt der Arbeitgeber ARWAG Projektentwicklung und Planung, später umbenannt in „ARWAG Bauträger GmbH“. Alle diese Veränderungen hatten noch einige Jahre über den Umzug im September 1993 hinaus keine merklichen Konsequenzen auf die Aufgaben und auf die personelle Zusammensetzung des Teams mit sich gebracht.

Bereits vorher, seit etwa 1969; haben einige Angehörige dieses Teams unter Namen wie "Projektgruppe" oder "Projektgruppe Favoriten" zusammengearbeitet; zuerst als Studierenden- Gruppe, später zur Erfüllung verschiedener öffentlicher Aufträge.

Trotz all der verschiedenen Namen und Rechtsformen hatten sich Ziele und Stil des Teams bis zu der Neuausrichtung im zweiten Abschnitt dieser Erinnerungen kaum verändert, - oder nur insoweit, als es die wachsende Zahl von beteiligten Personen mit sich brachte. Es war also ein Team ohne Namen.

Trotzdem war es ein ganz unverwechselbares Team. Worum es ging, dürfte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ziemlich klar gewesen sein: Doch der

Verfasser glaubt nicht, dass es eine Person gibt, die das in kurzen Worten klar machen könnte. Jede und jeder würde etwas anderes als Haupt- Charakteristik herausgreifen. Daher bietet es sich an, ErinnerungGeschichten anvon diesesm Team festzuhaltenzu erzählen, - als ersten Teil dieser ErinnerungGeschichten- Sammlung.

Fünf der Erinnerung Geschichten des ersten Teils bereiten den zweiten Teil vor, - den mit dem „Wohnen und Arbeiten“. Das konnten die Beteiligten aber natürlich noch nicht wissen.

9. Der Anruf im Allgemeinen Krankenhaus (das Team 2)

"Gräsel hier. Sie haben eine Diplomarbeit über Stadterneuerung in Ottakring geschrieben. Haben Sie nicht Lust, an der Stadterneuerung im Assanierungs- Gebiet Ottakring zu arbeiten?". So, oder so ähnlich, lauten die ersten Worte eines Telefonates, das DI Wolfgang Gräsel im April 1978 mit dem Verfasser führt. Dieser sitzt damals an seinem Schreibtisch im Hochhaus- Dachgeschoss- Büro der ARGE der Architekten Planung Neubau Allgemeines Krankenhaus Wien. Der Anruf kommt für ihn unvermutet. Wolfgang Gräsel informiert, er rufe für die „Sozialbau" an. Der Verfasser sagt: „Die Sozialbau seid ihr? Da könnt ihr mich doch gar nicht leisten!" Er bedankt sich höflich für das Angebot und legt auf.

Einige Tage später ist der Verfasser mit einer starken Verkühlung im Krankenstand und Wolfgang Gräsel ruft ihn zu Hause an: "Informieren Sie sich doch, worum es geht! Besuchen Sie mich. Es kostet Sie ja keine Zeit, Sie sind sowieso im Krankenstand". Es ist dies des Verfassers letzter mehrtägiger Krankenstand bis zum Antritt seiner verspäteten Alterspension.

Er sagt einen Gesprächs- Termin zu, - auch deshalb, weil Wolfgang Gräsels Gattin Eva zum erweiterten Bekanntenkreis seiner Eltern zählt. Außerdem ruft der Verfasser den inzwischen leider früh verstorbenen Willi Kainrath an (den Vater der bekannten Sängerin Tini Kainrath). Der Willi sagt: "Mach doch etwas Vernünftiges aus Deinem Leben! Nimm das Angebot a ! Es ist eine gute Sache!"

Der Verfasser spricht daraufhin gut eineinhalb Stunden im damaligen Urbanbau-Büro in der Laudongasse mit Wolfgang Gräsel. Die Aufgabe der Betreuung des ersten Wiener Sanierungsgebietes zusammen mit dem Verfassen eines Forschungs- Berichtes darüber, beginnt ihn zu interessieren. Wolfgang Gräsel sagt, er würde gegebenenfalls bei der „Sozialbau" angestellt werden. Er, Gräsel, sei Prokurist dort und er werde sich um ein entsprechendes Gehalt bemühen.

Der Verfasser weiss, dass er nun die „Fleischtöpfe“ des Allgemeinen Krankenhauses verlässt, - dass er nun weniger verdienen würde und dass er sich das als Alleinverdiener mit Frau und Kind ohne sonstige Einnahmen sehr gut überlegen müsse. Dann kommt das Angebot: Neunzehntausend Schilling fünfzehn mal. Kein allzu großes Minus! Der Verfasser nimmt per 1. Juni 1978 an.

Bei der Vorstellung beim Sozialbau - Direktor Franz Fischerlehner sagt dieser: "Nach zwei Jahren müssen Sie rechnen, wieder gekündigt zu werden. Die Stadterneuerung wird eine sehr kurzlebige Sache sein". Der Verfasser glaubt es damals besser zu wissen und er fühlt sich Jahre später bestätigt, als ihn der andere damalige Sozialbau-Direktor, Magister Fritz Hofmann, fragt: "Woher haben Sie das gewusst?" - womit er die tatsächlich erfolgte enorme und dauerhafte Entwicklung der Stadterneuerung in Wien meint.

Der Verfasser gesteht auch, sich während der zweieinhalb Jahre im Allgemeinen Krankenhaus öfters ausgemalt zu haben, es riefe ihn jemand an, und sagte: "Sie haben doch eine Diplomarbeit über Stadterneuerung geschrieben. Wir brauchen Sie!". Aber das war eine reine Gedankenspielerei, - weil er war sich sicher, ein solcher Anruf würde im echten Leben nie kommen.

10. Die drei Musketiere (das Team 3)

November 78. Regen. Frühe Dämmerung. Durch Zufall trifft Timo Huber auf der Freyung in der Wiener Innenstadt den Verfasser. "Hallo Timo, wie geht's, lange nicht mehr gesehen". Arbeitet er noch beim Günter Feuerstein? „Nein, eigentlich nicht mehr“. Er suche eine vernünftige Arbeit neben seiner Collagen-Malerei und neben seinen Aktionen. "Wie wär's, wir haben doch früher öfters zusammengearbeitet? Das wär doch was, die alte "Nutzergruppe" aus der „Projektgruppe Favoriten“ als Team der Gebietsbetreuung Ottakring!"

Der Timo sagt in seiner bedächtigen Art einfach „ja, das mach ich" und kaum dass mehr als ein paar Sätze gewechselt wurden, gehen die beiden wieder ihrer Wege.

Der Verfasser erklärt dem Wolfgang Grasel, wer der Timo ist. Timo spricht mit Gräsel und schon im Dezember sitzen sich der Timo und der Verfasser in der Gebietsbetreuung Ottakring gegenüber und versuchen wie früher, herauszufinden um was es wirklich geht und was zu tun sei.

August Fröhlich, genauso wie Willi Kainrath früh verstorben, hatte die Arbeit der "Projektgruppe Favoriten" zusammen mit dem Rüdiger Reichel am längsten fortgeführt. Anfang 1979 waren sie mit einer groß angelegten Wohnbau- Forschungs- Arbeit über die Stadterneuerung in Österreich fertig. Der Verfasser trifft Gustl und Rüdiger im April 78, als sie sich bei Wolfgang Gräsel und Horst Berger im Bezirksamt Unterlagen über die Assanierung in Ottakring holen.

Eines Tages erzählt Wolfgang Gräsel dem Verfasser, er habe mit „dem Fröhlich“ gesprochen, er hätte Interesse, zum Team dazuzukommen, ob er ihn kenne und was er von ihm halte. Er sagt: "Der August Fröhlich, das ist einer der ersten Fachleute für Stadterneuerung in Österreich. Sie können keinen besseren für die Stadterneuerung in Meidling einstellen, als ihn. Aber für Sie wird es ein Rodeo!" Einige Wochen später ist der Gustl angestellt.

Er bringt den Fritz Hof gleich mit, der bei der Assanierungs- Studie die Pläne gezeichnet hatte, und der als jüngerer Student immer im Umfeld der "Projektgruppe Favoriten" zu finden war.

Für Wolfgang Gräsel wird es wirklich ein „Rodeo“. Zumindest empfindet er es so, wie seine Gattin Eva dem Verfasser erzählt. Schlussendlich wurde die Zusammenarbeit zwischen Wolfgang Gräsel und August Fröhlich sehr fruchtbar.

Der Verfasser ist beim Einstellungs- Gespräch zugegen und wünscht sich sehr, dass der Gustl zu seinem Team käme. Immer wenn der August Fröhlich und der Wolfgang Gräsel einen Auffassungs- Unterschied entdecken, - und das ist gar nicht so selten, - macht er einen Scherz dazu. Das ist, meint er, sicherlich seiner Seriosität abträglich, aber er glaubt bis heute, es habe die Einigung sehr erleichtert.

Schließlich geht es beiden damals um die gleiche Sache, wenn auch aus verschiedenen Blickwinkeln: Dem Wolfgang Grasel geht es um die Machbarkeit bei der Stadterneuerung, - und dem Gustl um deren Auswirkung auf die Betroffenen.

Anfang 1979 braucht das Team eine weitere Person für die Stadterneuerung in Meidling. Sie sollte Diplomingenieur der Architektur sein. Der Walter Stöckl hatte sich für die Aufgabe interessiert. Sind sich Walter und Gustl in der Arbeitsweise nicht vielleicht zu ähnlich? Wird das nicht zu viel Theorie und zu wenig Praxis?

Der Peter Mlczoch hatte doch in der Projektgruppe Favoriten so gut mit dem Gustl zusammengearbeitet. Der Gustl mit dem großen Wissen und der Peter mit seiner Stetigkeit, Konsequenz und Übersicht in der Arbeit. Der Gustl stellt die Weichen und der Peter schaut drauf, dass der ganze Bahnhof läuft.

Peter hatte im Büro Harry Glück gearbeitet und zuletzt ein Jahr in England verbracht. Der Verfasser erreicht ihn telefonisch im Büro Glück. Ob er Interesse hätte? "Es ist interessant. Ich weiß sowieso nicht, wie es für mich beim Glück weitergeht. Ich schau' mir das an.“

Der Verfasser berichtet dem Wolfgang Gräsel über das Interesse von Peter Mlczoch und von Walter Stöckl sowie über seine Meinung darüber. "Ich kenne den Mlczoch vom Studium. Der gibt keine Ruhe, bevor eine Sache fertig ist. Der ist eine richtige Arbeitsbiene. Darüber hinaus ist er die beste Ergänzung zum August Fröhlich."

Wolfgang Gräsel ist auf des Verfasser´s Einschätzungen der Leute, die er vom Studium kennt, angewiesen, da er selber einer früheren Studierenden- Generation angehört. Er setzt offenbar erhebliches Vertrauen in des Verfassers Einschätzungen, denn einige Wochen später ist auch der Peter beim Team angestellt.

11. Der Herr im lila Anzug (das Team 4)

Sie hatten von der „Projektbau“ leihweise den Baumeister Josef "Jimmy" Ungersböck für ein Jahr beigestellt bekommen. Der Jimmy kann nun wählen, bleibt er beim Team, oder geht er zurück zur Projektbau. Er sehnt sich zurück zu den großen Baustellen, wo das rasche Wachstum von Bauten zu sehen ist und sieht keine rechte Zukunft in Aufgaben wie: „Einbau eines Bades in die Wohnung des nicht eigenberechtigten Herrn Paracek“, „Vorschlag einer Lichthof-Verbauung“, die dann gar nicht zur Ausführung kommt und „Adaptierung des Lokales“ für die Gebietsbetreuung selbst.

Der Verfasser erinnert sich noch gern der gemeinsamen Mittagessen in Ottakring, bei denen Jimmy, der Alt- Ranger des Bundesheers und Rotarier, - und er selbst, der Wehrersatzdiener und Stammgast bei der Mühl - Kommune, - gut und konfliktfrei zusammen kommen. Jimmy erzählt seine Geschichten, etwa von der Jägerprüfung, und der Verfasser erzählte seine, - wie er für die „Junge Generation der SPÖ –Ottakring“, - mit dem Jung-Politiker Michael Häupl, - selbst gestrickte Parolen ins Mikro des Lautsprecher- Busses bei der Demo gegen die Abbruch- Spekulation schreit, weil sich sonst niemand traut.

Der Jimmy verläßt also das Team und es muss Ersatz her. Wolfgang Gräsel hatte inseriert und es kommen eines Nachmittags halbstündig hintereinander sechs oder sieben Bautechniker in die Gebietsbetreuung Ottakring, sich vorzustellen. Gräsel sitzt im Hinterzimmer und spricht mit ihnen. Der Verfasser sitzt vorn im Informations- Raum. Er empfängt die Leute, - nur Herren, - und weist sie weiter.

Am Abend kommt Wolfgang Gräsel nach vorn und fragt:

"Welcher von den Bautechnikern hat Ihnen am besten gefallen, Sie haben ja alle gesehen?"

"Ich habe sie ja nur begrüßt und verabschiedet."

"Aber Sie haben vielleicht daraus einen Eindruck gewonnen."

"Es war bei den Herren einer dabei, der einen lila Anzug anhatte. Entweder, der Herr ist sich seines Könnens so sicher, dass ihm die Kleidung bei der Vorstellung unwichtig ist, oder aber er hat sie nicht Alle, - aber das müssten Sie im Gespräch mit ihm bemerkt haben."

"Er hat sehr vernünftig gesprochen", sagte Gräsel, „und ich bin zur gleichen Auffassung gekommen, wie Sie."

So kommt der Viktor Prinz zu uns. Der lila Anzug war, wie sich später herausstellte, seine Bekleidung als Amateur- Turniertänzer. Unmittelbar nach dem Vorstellungs- Termin geht er nämlich zum Turniertanz-Training. Der Viktor ist somit nicht trotzdem, sondern gerade weil er sich als bunter Vogel darstellte, ins Team aufgenommen worden. Nach mehr als zwanzigjähriger Tätigkeit geht er in die Alterspension.

12. Der Idi und sein Mini (das Team 5)

Auch die Gebietsbetreuung Ottakring braucht mehr Mitarbeitende. Der Verfasser hat den Auftrag, sich darum zu kümmern. Bislang hatte Christoph Braumann für das Team gezeichnet, ein Student der Raumplanung. Sie hätten ihn auch angestellt und er war auch dazu bereit. Aus irgendwelchen Gründen verzögert sich die Anstellung bei der Sozialbau jedoch Woche um Woche und plötzlich sagt der Christoph, er habe eine andere Arbeit angeboten erhalten, in Salzburg, wo er herstammt, - und die würde er nehmen.

Er empfiehlt als Ersatz einen entfernten Bekannten, einen vor kurzem mit dem Studium fertig gewordenen Raumplaner, einen gewissen Hans Friedler, der dem Verfasser bis dahin unbekannt ist. Außerdem hatte sich bei ihm ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem Allgemeinen Krankenhaus beworben. Er läd beide zum selben Termin in die Gebietsbetreuung Ottakring ein.

Kurz vor der vereinbarten Zeit geht die Tür auf, und es kommt ein großer, kräftiger junger Mann mit wallenden braunen über-schulterlangem Haar ganz aufgeregt bei der Tür herein:

"Mein Mini steckt im Schnee fest!".

"Ich helfe!".

Gemeinsam versuchen sie, den Mini hochzuheben und ihn in Park-Position zu hieven.

"Der ist gar nicht schwer!"

"Ein bisserl weiter rechts!"

"Jetzt, ho Ruck!"

„So, das passt jetzt".

Bei dieser Tätigkeit reden sie sich ganz selbstverständlich per Du an. Als fünf Minuten später der Bewerber aus dem Allgemeinen Krankenhaus kommt, sagt er bereits nach ein paar Worten, "Ich weiß, meine Bewerbung hat keine Chance, weil ihr euch ja kennt". Warum habe der Verfasser ihm das nicht gleich an Telefon gesagt?

So kommt der Idi zum Team. Er hatte gleich zu Anfang gesagt, dass er zwar Hans Friedler hieße, seine Freunde ihn aber immer "Idi" nennen, ein Spitzname, der über "Friedli" aus seinem Familiennamen kommt. Er steht damals, im Jänner 1979, kurz vor Abschluss eines Wirtschafts- Studiums als Zweitstudium, und dort steht er heute noch. Die Aufgaben beim Team hatten ihm zum fertig Werden keine Zeit gelassen.

13. Mit dem Kurt am Karlsplatz (das Team 6)

Vielleicht hat alles nicht 1977, ´78 oder ´79 angefangen, sondern schon viel früher. 1969 war es, soweit erinnerlich in der frühherbstlichen Inskriptionszeit, als den Verfasser am Karlsplatz ein nur vom Sehen bekannter Architektur- Student, - zwei Semester jünger, - anspricht und fragt: "Kommst Du mit zur Demonstration gegen den Abbruch der Otto Wagner Stadtbahn- Station? Das ist wichtig!". Sie stehen unter den Demonstranten, ohne von der Sache selbst, zwei Stadtbahn- Stations- Gebäude funktionslos zu erhalten, tatsächlich überzeugt zu sein.

Sie meinen aber beide, am Architekturstudium selbst müsse sich Einiges ändern. Beide sind sie froh, einen Gesinnungs- Genossen gefunden zu haben. Kurt Smetana, so hieß der Student, sagt, er kenne Jemand, der auch so denkt, einen gewissen Reinhard Morawecz. Sie treffen sich gemeinsam mit Reinhard und fahren gemeinsam mit ihren Freundinnen in den Wienerwald.

Bald sind sie sich einig, die nach der Auseinandersetzung um die Kündigung eines Lehrauftrags für Gegenwartsarchitektur eingeschlafenen Aktivitäten des "Aktionskomitees der Architekturstudenten" aufleben zu lassen. Dieses Komitee hatte Mitglieder wie den „Brumi“ Wolfgang Brunbauer, Bertram Mayer, Günter Matschiner und die Kooperative Himmelblau, - damals noch zu viert, - sowie als "Jungstudenten" Herbert Binder und den Verfasser.

Der Herbert macht auch jetzt wieder mit, auch ältere, von den Mitgliedern der neuen Gruppe fast bewunderte Studenten aus der Kultur- und Wohngemeinschafts- Szene wie August Fröhlich, Timo Huber und Hermann Simböck.

Es gibt eine Reihe von Treffen in der Waschküche neben dem ausgedienten Bügelzimmer am Dachboden, das der Verfasser damals zusammen mit Johanna Rengelshausen bewohnt. Gut dreißig Leute sitzen auf dem Asphalt neben dem Waschkessel und auf improvisierten Sitzgelegenheiten. Bald ist klar, ihr vornehmliches Ziel ist eine Reform des 1966 eingeführten Kompromiss - Studienplanes, durch den das Architekturstudium in Wien nach Helsinki das zweit-längste der Welt geworden war. Ein weiteres Ziel: Die Einrichtung eines "Kontaktraumes" auf der Technischen Hochschule (heute: Technische Universität), da die Waschküche keine Dauerlösung sein kann.

Den Kontaktraum gibt es einige Monate später wirklich. Herbert Binder. August Fröhlich und Kurt Smetana sowie als Ersatz Hans Lechner, Nikolaus Steinböck und der Verfasser sind in die Studienkommission gewählt. Als parteilose Namensliste! Die damaligen Studierenden- Parteien erringen kein einziges Mandat - die christlich-soziale ÖSU, der sozialdemokratische VSSTÖ und der freiheitliche RFS. Sie sie nicht, wie damals modern, „APO“, außerparlamentarische „Opposition“, sie sind ja im Besitz der absoluten Mehrheit! Tatsächlich gibt es den Kontaktraum einige Monate später wirklich. Herbert Binder. August Fröhlich und Kurt Smetana sowie als Ersatz Hans Lechner, Nikolaus Steinböck und der Verfasser sind in die Studienkommission gewählt. Als Namensliste ! Die damaligen Studierenden- Parteien ÖSU, VSStÖ und RFS gehen alle leer aus.

Es gelingt ihnen durch beharrliches Sperrveto, den zwar in Gebrauch befindlichen, aber noch nicht rechtskräftig beschlossenen Studienplan von 1966 wesentlich zu verändern und zu verkürzen. Dies kommt auch des Verfassers eigenem Studienabschluss zugute.

Sie alle haben aber das Bedürfnis, sich nicht nur mit Protest zu beschäftigen, sondern vorzuführen, wie es ihrer Ansicht nach besser zu machen sei.

August Fröhlich hatte viel gelesen und überzeugt zuerst das Team und später mit dessen Hilfe auch dessen Lehrer davon; einen Versuch mit einem Fächer- übergreifenden „Projektstudium“ zu starten.

Zu dem Versuch melden sich insgesamt dreizehn Leute, nämlich August Fröhlich, Kurt Smetana, Peter Mlczoch, Timo Huber, Herbert Binder, Maria Auböck, Ursula Haslinger (später Brunbauer), Rüdiger Reiche!, Wolfgang Kaitna, Reinhard Morawecz, Hans Lechner, Nikolaus Steinböck und der Verfasser.

Betreut werden sie, etwas widerwillig, von Professor Rudolf Wurzer, dem späteren Planungsstadtrat, - und, - nicht widerwillig, - von Leuten wie Egon Matzner, Ernst Gehmacher, Ralph Gälzer, Alois Machatschek, Horst Hausa, Jürgen Messelhäuser und Wilhelm Kainrath. Es geht um die Stadterneuerung im Bezirk Favoriten.Betreut werden sie, etwas widerwillig, vom Städtebau- Ordinarius Rudolf Wurzer, dem späteren Planungs- Stadtrat, - und, nicht widerwillig, von Leuten wie Egon Matzner, Horst Hausa, Jürgen Messelhäuser und Wilhelm Kainrath. Es geht um die Stadterneuerung in Favoriten.

Die Arbeit wird im Juni 1973 von Rudolf Wurzer nach einigem hin und her bei einigen vom Team, - auch beim Verfasser, - als gerade noch positiv anerkannt, - bei anderen, - etwa bei Maria Auböck, - nicht bewertet.

Eine strukturell gleichartige Arbeit, im Herbst des selben Jahres vom Verfasser als Leiter des Städtebaubüros der Arbeitsgemeinschaft der Architekten Erwin Christoph und Hannes Lintl auf den Donaubereich Wien angewendet, führt 1974 zum Gewinn eines der gleichrangigen Hauptpreise, - samt Planungsaufträgen, - des Wettbewerbs „Donaubereich Wien“, ausgewählt von einer internationalen Jury mit Vorsitz Jakob Maurer aus der Schweiz. Eine völlig gleichartige Arbeit, diesmal vom Verfasser auf den Donaubereich Wien angewendet, führt Anfang 1974 zum Gewinn eines der gleichrangigen Hauptpreise, - samt Planungs- Aufträgen, - der ersten Stufe des Wettbewerbes „Donaubereich Wien“ durch die Arbeits- Gemeinschaft der Architekten Christoph und Lintl, ausgewählt von einer internationalen Jury mit Vorsitz Professor Maurer aus der Schweiz.

Das Team macht dann noch als "Projektgruppe" eine Arbeit für die Stadt Wien: Grundlagen für ein Stadterneuerungs- Programm. Bei dieser Arbeit fungierten Harry Glück und Willi Kainrath als Auftragnehmer der Stadt und die Mitglieder des Teams gleichsam als freie Mitarbeiter.

Einige aus der Projektgruppe machen dann noch gemeinsam weitere Auftrags- Arbeiten über Hochschuldidaktik und Stadterneuerung. Der Verfasser, inzwischen Alleinverdiener einer Familie mit kleinem Kind, musst sich in dieser Zeit um einträglichere Arbeiten umsehen. Er macht, wie im Vorspann berichtet, auf Hannes Lintl´s Empfehlung für die Architekten - ARGE als Projektleiter die Umplanung der Bettenhäuser des Neubaus des Allgemeinen Krankenhauses, sowie nach Wehrersatzdienst-Pause die Planung der dortigen Technik – Geschosse, - bis Wolfgang Gräsel ihn anruft.

14. Farbe für die Hegergasse (Hegerg.8)

Der Verfasser erinnert sich nur sehr ungern daran: Die Sozialbau hatte als eine der ersten Stadterneuerungs-Aktivitäten ein Gründerzeithaus im 3. Bezirk in der Hegergasse gekauft. Es sollte renoviert werden. Es gab Mieter- Versammlungen mit Wolfgang Gräsel und Jimmy Ungersböck. Ein grafisch begabter Mieter zeichnet sogar drei Farbvorschläge für die Fassade. Nach langem hin und her war die Mietzinserhöhung für die Instandsetzung, die Förderung für den Personenaufzug und die Förderung für den Dachausbau genehmigt. Der Jimmy Ungersböck kommt zum Bauen.

"Ich brauche einen Farbvorschlag von Dir!"

"Das muss ich mir doch erst überlegen."

"Das geht jetzt nicht, wir brauchen die Farben sofort!"

Der Verfasser setzt sich also hin, färbelt binnen weniger Minuten eine Kopie der Fassade und schaut sich dabei die Mieter-seitigen Entwürfe gut an. Jimmy sagt: "Diese Farben haben wir nicht auf der Farbkarte."

"Zeig mir die Farbkarte".

Stimmt. Auf dieser Farbkarte gibt es nur ganz wenige Farben. Die ausgewählten Farben sind nicht dabei, nicht einmal annäherungsweise.

"Es gibt doch noch viel mehr Farben, kann man keine anderen nehmen? Kann man nicht mischen?“.

"Nein, das geht alles nicht mehr. Du musst aus dieser Farbkarte auswählen!"

Hätte er sich doch damals darauf nicht eingelassen! Er sucht die noch am ähnlichsten aussehenden Farben aus der Farbkarte heraus. Es sind leider sehr andere Farben, als die ursprünglich ausgewählten, besonders von der Helligkeit und vom Kontrast her.

Das Ergebnis ist schlimm. Mieter rufen ganz verwundert bei der damaligen Sekretärin Sabine Glasl an, warum denn um Gottes Willen die Hoffassade rosa angemalt wird! Aber für Beschwerden ist es zu spät. Das Ergebnis ist eines der schrecklichsten Beispiele der farblichen Gestaltung von Gründerzeit-Fassaden. Der Verfasser wird noch lange bei jeder passenden und, seiner Meinung nach noch viel mehr bei jeder unpassenden Gelegenheit, an die Hegergasse erinnert.

Sie haben die fertige Hegergasse niemanden gezeigt und keine Fotos davon herumgereicht. Das einzige Glück ist: Inzwischen waren schon wieder mehr als zwölf Jahre vergangen und die Hegergasse 8 würde in absehbarer Zeit eine, hoffentlich diesmal ansprechende, neue Fassade erhalten. Es sei heute angemerkt: dass dies einige Zeit nach dem Verfassen dieses Textes dann auch tatsächlich geschah.

15. Eine Watsch´n für den Johnny (das Team 7)

Der Verfasser sucht noch einen Mitarbeiter für die Gebietsbetreuung Ottakring. Er besucht aus diesem Grund eine Präsentation jener Projektgruppe auf der Technischen Universität Wien, die der „Projektgruppe Favoriten“ nachgefolgt ist

Er spricht dort auch einige Worte darüber, was sie in Ottakring so machen und ob nicht jemand Lust hätte, mitzuarbeiten. Daraufhin meldet sich mit seinem breiten Lachen der Johnny Winter und beginnt alsbald zuerst als freier, später als angestellter Mitarbeiter.

Timo nennt den Johnny "Querkopf“, einerseits weil sein Schädelbau tatsächlich an einen Quader erinnert, andererseits, weil er immer alles ganz genau wissen will und lieber eine Frage zu viel, als eine Frage zu wenig stellt. Johnny kümmert sich hauptsächlich um die grafischen Ausarbeitungen und betreibt das sehr intensiv, - wie auch an jenem Nachmittag.

Roswitha, eine Germanistik - Studentin, war von Timo Huber's Gattin Elfi als Sekretärin empfohlen worden. Sie liebt Pflanzen über alles und wird später auch die Hofbegrünungs- Beratung für die Gebietsbetreuung machen. An jenem Nachmittag allerdings will sie nur ihre Blumen gießen. Zu diesem Zweck geht sie mit voller Gießkanne hinter dem Johnny vorbei, ziemlich knapp, weil so viel Platz ist nicht.

Der Johnny, dadurch aus seiner Konzentration gerissen und in der dem Grafiker eigenen Angst vor fließendem Wasser, meint: "Mach das jetzt nicht!" Das sieht Roswitha allerdings nicht ein: "Führ Dich nicht so auf!" Johnnys Versuch, ihr die Gießkanne wegzunehmen beantwortet Roswitha mit ein paar Tropfen über Johnnys Kopf. Johnny wird laut, und daraus entwickelt sich eine Rangelei um die Gießkanne.

Roswitha tut dann genau das, was der Johnny absolut nicht will. Sie gießt nämlich einige Spritzer auf Johnny´s Papiere. Jetzt hat Johnny die Kanne und versucht, das Wasser über die Roswitha zu schütten.

Der Verfasser steht auf, geht hin, - und der Johnny hat eine Watsch´n. Mit einem Mal ist alles still. Der Johnny packt seine Sachen und verliäßt wortlos das Lokal.

An nächsten Morgen kommt er wieder, als wäre nichts gewesen.

Nach sechs Jahren beim Team macht sich der Johnny als Architekt selbständig. Inzwischen ist er Adolf Loos- Preisträger geworden, mit „BKK" und der „Sargfabrik", hat das goldene Verdienst- Zeichen der Stadt erhalten und ist leider an Krebs verstorben.

Die letzten Aufgaben, die das Team für ihn hatte, etwa Fertigstellung von Forschungs- Berichten über Holzhäuser und über die Wärmepumpe, haben ihn auch nicht mehr recht gefreut. Die hat dann, viel später, der „Luigi“, - der Helmut Krapmeier fertig gemacht. Dies wäre aber eine andere Erinnerung.

16. Fünfhundert Schilling für den Werner? (das Team 8)

Den Werner Scharf hat der Wolfgang Gräsel sehr "diskret" aufgenommen. Die anderen wussten gar nichts davon. Plötzlich ist der Werner da. Ein kleiner schnauzbärtiger Baumeister mit einem, wie man in Wien sagt, g'sunden Spruch; - jedoch in der Art irgendwie nobel.

Er hatte als Jugendlicher bei der „Admira" Fußball gespielt und läßt in jener Zeit keine Gelegenheit dazu aus. Seine kurzen Beine sind in der Lage, mit Nähmaschinen- Nadel- artiger Geschwindigkeit über den Boden zu fegen und die Art, wie er mit einem Ball umgeht, zeigt den Könner.

Sportliche Aktivitäten in der Gebietsbetreuung Ottakring hatten begonnen; in dem sie einen Schreibtisch als Tischtennisplatte und eine Reißschiene als Netz verwendeten.

Später sind zwei Schreibtische die Tore und Johnny und der Verfasser füllen mit einem echten Lederball die Arbeitspausen. Sie gehen einen Schritt weiter und Timo, Idi, Johnny und der Verfasser verbringen die Mittagspausen auf dem aufgelassenen Parkplatz der Ottakringer Brauerei in der Eisnergasse, wo heute der Gemeindebau steht. Sie spielen Fußball. Zwei gegen Zwei. Bald spielen die Jugendlichen des Stadterneuerungsgebiets mit.

Die vier, alle ursprünglich „Anti-Kicker“, sind bald mit den Eigentümlichkeiten des Spieles auf dem kleinen Platz vertraut. Sowohl die Jugendlichen aus dem Stadterneuerungsgebiet, als auch die Leute der Gebietsbetreuung Meidling sind keine ernst zu nehmenden Gegner mehr. Daher spielten sie weiterhin Zwei gegen Zwei, - Timo und der Verfasser, die Alten, gegen Idi und Johnny, die Jungen, - und es ist sehr ausgeglichen.

Eines Tags ist der Timo nicht da und der Werner nimmt seinen Platz ein. Er darf sich den Partner aussuchen und wählt sich den Johnny. Sie spielen dreimal 10 Minuten und wissen, es würden sehr einseitige Partien werden.

Zur Überraschung aller gewimnnen ldi und der Verfasser ohne Probleme das erste Spiel. Der Werner, obzwar er den großen Fußballplatz gewohnt ist, kann dies kaum glauben. Jetzt würde er den Spieß umdrehen. In dem Idi und in seinem Partner wächst ein ungeheurer Ehrgeiz. 10 Minuten später haben sie auch die zweite Partie gewonnen, was der Werner mit den Worten "Das gibt es nicht" kommentiert.

Die dritte Partie soll für klare Verhältnisse sorgen. Sie tut es auch! Dem Idi als spielenden Torwart gelingen unglaubliche Fuß- Abwehren und dem Verfasser ist es vergönnt, dem Werner den Ball durch die Beine zu schieben, die durch die hohe Schrittfrequenz fast schon unsichtbar sind.

Drei Spiele hintereinander hat der Werner verloren! Er ist fassungslos. "Fünfhundert Schilling", sagt er, "bekommt Ihr, wenn Ihr den Johnny und mich beim nächsten Mal schlagt!" Im Rausch des Erfolges hält der Verfasser mit, und sagt: "Wenn Du mit dem Johnny das nächste Mal wirklich gewinnst, kriegt Ihr die Fünfhundert Schilling von mir!"

Alle sind nun gespannt auf das nächste Spiel. Doch dem Idi reisst bald darauf die Achillessehne und bevor er wieder rehabilitiert ist, hat der Johnny das Team verlassen. Sie hatten trotzdem noch jahrelang vor, das ausständige Spiel zu wiederholen. Es kam jedoch nicht dazu. Das vielbesprochene Spiel des Jahrzehnts wird nie nachgeholt werden.

17. Wohnungen und Vanillekipferl (Ass.Geb.Ottakring 1)

Im Stadterneuerungsgebiet Ottakring wird besonders darauf geschaut, dass Niemand in den Mietrechten beeinträchtigt wird. Etwa 15 Wohnungsmieter und -Mieterinnen sollen trotzdem in eine andere Wohnung umziehen. Die Ersatz ­Wohnungen kommen in der Regel von der Gemeinde Wien. Das Team übernimmt jedoch organisatorische Aufgaben, sorgt dafür, dass die neue Wohnung auch für die alten Möbel geeignet ist, und setzt sich für die besonderen Wünsche der Betroffenen ein.

Es gibt einige dieser Mieter, - aber auch Wohnungs- Suchende, die nicht aus diesem Kreis sind, - die ihrer Sache auch pekuniär nachhelfen wollen. Als Beispiel dafür die Geschichte der Frau W.:

Frau W. war nicht mehr jung tut sich beim Stiegen Steigen schwer. Die Gemeinde hatte ihr eine Ersatzwohnung angeboten. Die liegt zwar im Erdgeschoss, es sind jedoch quer durch die Anlage einiges an Höhe und an Stufen zu überwinden, um zu ihr zu gelangen. "Natürlich", sagt der Verfasser "ich werde mich für Sie einsetzen."

Frau W. hat plötzlichen einen Tausend- Schilling - Schein in der Hand. Der Verfasser wehrt ab. Das hat zur Folge, dass Sie ihm den Schein zwischen die Hemdknöpfe stecken will. Er weicht aus und steht auf. Erstaunlich, wie beweglich die Füße der Frau W. in einem Fall sind, den sie als Notfall ansieht.

Sie verfolgt den Verfasser durch das Lokal, durch die Verbindungstür ins benachbarte Wirtshaus und außen herum zurück ins Lokal. Dann wird es ihm zu bunt. Er sagt zur Frau W.: „Sie können sich erkenntlich zeigen und ich sage Ihnen, wie."

Endlich sitzen sie wieder in Ruhe einander gegenüber. Frau W. ist sehr gespannt. Der Verfasser beugt sich zur ihr hinüber und spricht ganz leise, so als ob es die anderen Gebietsbetreuer es nicht hören dürfen. Die Welt war für Frau W. wieder so, wie sie sie gewohnt war und sie wartet gespannt auf das, was jetzt kommt. "Ein Blech Vanillekipferln, " flüsterte der Verfasser, "aber: selbst gebacken!"

Die Spannung, die gerade noch im Raum war, ist mit einem Mal verschwunden. Lachend sitzen sie einander gegenüber. Im Laufe der Zeit ist der Verfasser zu einer Menge Vanillekipferl gekommen.

18. Willi 's Diskussionsrunde (WSG 1)

In der ersten Zeit in der Gebietsbetreuung Ottakring lernt der Verfasser die kleinen und die großen Probleme der Stadterneuerung kennen. Die „kleinen“ waren Dinge wie diese:

Die alte Frau Lehner hat einen viel zu großen Hund. Er heißt Stuppi. Täglich schleppt sie sich lauthals "Stuppi" schreiend durch die Friedrich Kaiser-Gasse, wo das Gebietsbetreuungs- Lokal ist. Sie bekommt eine Kündigungs- Klage vom Vermieter. Die anderen Mieter fühlen sich belästigt. Die Kündigung wird abgewendet. Die täglichen Probleme der Frau Lehner und ihres Hundes, der es besonders auf Schuhe abgesehen hatt, bekommen sie aber fast täglich zu hören.

Die alte Frau Gürtler ist davon überzeugt, dass vor vielen Jahren schreckliche Mordtaten in ihrer Familie begangen worden waren. Sie ist überglücklich, als das Team ihr mit dem Kontaktbeamten der Ottakringer Polizei einen wirklichen, uniformierten Polizisten in die Wohnung schickt, der sich ihren Fall anhört. Noch lange erzählte sie, der „Dr. Bassena" hätte ihr geholfen. Dieser ist der Verfasser, von ihr ohne weiteres zum Doktor gemacht und mit in das von ihr Verstandene übertragenem Namen. Die Kriminal- Geschichten der Frau Gürtler, die nur selbst spricht, da sie sowieso nichts hört, müssen sie sich noch lange anhören.

Doch es gibt auch die „großen“ Sachen: Die Kosten für die Reparatur der alten Häuser werden nach amtlicher Prüfung und von Amts wegen auf die Mieten der jeweils nächsten zehn Jahre umgelegt. Die Mieten sind dadurch so hoch, dass Wohnungs- Verbesserungen oder -Modernisierungen für die meisten Mietenden unerschwinglich sind, obwohl es für letztere öffentliche Förderungsmittel gibt, die direkt an die Mietenden ausbezahlt werden.

Die Kosten der ungeförderten Instandsetzung sind gleichsam der „Reisberg", durch den sich die Mietenden durchessen mussten, um in das Schlaraffenland der öffentlichen Förderung für die Wohnungs- Verbesserung zu kommen. Daher gibt es nur dort Wohnungs- Verbesserungen, wo die Häuser nicht reparaturbedürftig sind. Die Bewohnenden der schlechten Häuser bleiben über.

Der Verfasser erzählt dieses Problem dem Willi Kainrath am Telefon. Der sagt: "Du hast recht, aber ich kann da gar nichts machen. Mach doch eine Gesprächsrunde mit den Leuten, die sich damit beschäftigen."

"Ich kenne diese Leute aber noch nicht."

"Ich sag Dir ein paar Namen: der Maisel, der Leinweber, der Hartmann, der Holzinger..., und er sagt auch gleich die Telefon- Nummern dazu.

Der Verfasser ruft die von Willi genannten Leute an, zusätzlich den Horst Berger, den Ernst Roth und den Forschungs- Betreuer vom damaligen Bauten- Ministerium und nach einiger Mühe und nach einigen vergeblichen Telefonaten sitzen alle diese Leute, der Willi auch, um den Besprechungstisch der Gebietsbetreuung Ottakring.

Der Verfasser hatte alternativ engagierte Beamte aus den niedrigeren Rängen erwartete. Es kommen aber die einschlägigen Größen des Magistrats, Abteilungsleiter und deren Stellvertreter.

Die hochkarätige Runde ist an der Sache sehr interessiert. Sie treffen einander drei Mal und das Ergebnis ist ein Pilotprojekt, - die Sanierung des Althauses der Gemeinde Wien Lambertgasse 11 mit siebzehn Substandard-Wohnungen. Auf der Grundlage des damaligen Wohnbauförderungs- Gesetzes wird eine besondere Förderung "gestrickt", die die Förderung des späteren Wohnhaussanierungs- Gesetzes vorweg nimmt.

Das Urbanbau- Team bekommt den Auftrag vom Magistrat, diese Sanierung planerisch und technisch zu betreuen, was der Timo, der Werner und der Verfasser dann auch tun. Im Erdgeschoss dieses Hauses tritt dann der zuständige Gemeinderats- Ausschuss zwei Mal zusammen. Die Politikerinnen und Politiker aller Parteien stehen zu dem Projekt.

Auf das Bedenken, die förderbaren Kosten könnten nicht ausreichen, antwortet der Verfasser: "In diesem Fall machen wir eben einen Sockel - §7", - womit eine Mietenerhöhung gemäß dem damaligen Mietengesetz gemeint wist. Aus diesem Ausspruch wird, - wohl durch August Fröhlich, - dann das Wort "Sockelsanierung", womit in Wien die durchgreifende Sanierung bewohnter Häuser bezeichnet wird. Der Boden ist aufbereitet für die Wiener Handhabung des späteren Wohnhaussanierungs- Gesetzes.

19. Der "kleine" Hofmann und die Beistriche (WSG 2)

Der Verfasser hatte es ja von Anfang an gewusst: Er hatte über ihre Arbeit in Ottakring den Forschungsbericht für das damalige Bauten- Ministerium zu verfassen. Zuerst denkt er: "Das ist ja erst in zwei Jahren" und macht sich nicht viel Gedanken darüber. Doch dann sind die zwei Jahre um. In einem sonst den Prüfverbands - Prüfern vorbehaltenen Dachboden- Kammerl im Sozialbau-Gebäude zieht sich der Verfasser zurück.

Unter Schwitzen, Ächzen und Stöhnen entsteht der Bericht. Wolfgang Gräsel hatte einige kurze Texte verfasst und darin einen Stadterneuerungs- Fonds vorgeschlagen, den es ja inzwischen in Wien gibt. Den Rest der Texte hat der Verfasser zu verfertigen und Johnny Winter macht die Grafik dazu.

Der Verfasser schlägt ein neues Wohnungsverbesserungsgesetz vor, das mit Mitteln aus dem Wohnbauförderungs- Topf arbeiten soll und auf Grund dessen die Reparatur, die hausseitigen Installationen als Grundlage für die Wohnungs- Verbesserungen und die Wohnungsverbesserungen selbst gefördert werden sollen.

Bevor der Bericht an das Ministerium geht, bekommt ihn der „Sozialbau" - Direktor Magister Fritz Hofmann, - zum Unterschied zum Stadtrat gleichen Namens der "Kleine" genannt, - zu lesen. Der Verfasser denkt, "Der kann den Bericht nicht durchlassen. Weil: wenn das vorgeschlagene Gesetz kommt, müsste das Neubauvolumen der Sozialbau beträchtlich schrumpfen, da ja ein wesentlicher Teil der Förderungsmittel in die Altbausanierung fließen würde."

Fritz Hofmann ist tatsächlich verärgert über den Bericht. Er läd den Verfasser vor. Was kommt jetzt? Etwas völlig Unerwartetes: "Da fehlen eine ganze Menge Beistriche!" Perfekte Rechtschreibung ist für den ehemaligen Schriftsetzer eben besonders wichtig! Dass den Inhalt jemand Maßgeblicher ernst nehmen könnte, - das glaubt er sowieso nicht! Sie verbessern also die Beistriche, das Ministerium gibt die Veröffentlichungs- Genehmigung und die 300 Exemplare des Berichtes sind bald vergriffen.

20. Karikatur und Magistrats- Umbildung (Ass.Geb.Ottakring 2)

2020 eingefügt

Naturgemäß ist der Kontakt mit jenen Dienststellen des Magistrats, die für den jeweiligen Einzelfall zuständig sind, Aufgabe des Teams der Gebietsbetreuung. Den Kontakt herstellen ist ja recht leicht. Die Telefonzentrale verbindet. Etwas durch Koordination weiter zu bringen, das erweist sich bald als schwierig. Warum?

Die erste Unbedarftheit ist bald vorbei. Langsam stellt sich Überblick ein. Und Erstaunen. Es sind nämlich 38 Dienststellen befasst, aus allen neun Geschäfts- Gruppen des Magistrats und zusätzlich aus Magistratsdirektion und Bezirksamt. Das ist mehr als die Hälfte der Dienststellen, die es überhaupt damals gibt! Um diese Stellen alle zu koordinieren gibt es unterhalb des Bürgermeisters niemand! Da fühlst du dich als Gebietsbetreuer irgendwie in einem Hamster- Rad!

Aus dieser Stimmung heraus zeichnet der Verfasser alle diese Dienststellen auf, und wie sie mit Vorbereitung, Finanzierung, Ausführung und Kontrolle der vielen Einzel- Maßnahmen der Stadterneuerung zusammen hängen.

Heraus kommt eine Bestandsaufnahme von wissenschaftlicher Genauigkeit, die allerdings aussieht, als wäre sie eine Karikatur. Alle, die diese Zeichnung sehen, sind beeindruckt. Fritz Hof macht davon eine Reinzeichnung. Sie wird im Rahmen einer Veranstaltung neben anderen Ergebnissen aus Ottakring präsentiert und erscheint in verschiedenen Medien.

Und – kaum zu glauben, - Bürger-meister Leopold Gratz bildet den Magistrat um, damit die Stadt-Erneuerung besser organisierbar wird. So wechselt etwa die Baupolizei von der Geschäftsgruppe „Stadtplanung“ zur Geschäftsgruppe „Wohnen und Stadterneuerung“.

Natürlich werden die Erkenntnisse aus dem Assanierungsgebiet Ottakring von den Funktions- Trägern im Bezirk und später in der „Koordinationsstelle Stadterneuerung” weiter getragen. Natürlich gibt es auch Einflüsse aus den anderen Stadterneuerungs- Gebieten Wiens. Doch im Zug von all dessen kommt der Karikatur- haften Darstellung der magistratischen Wirklichkeit jedenfalls besondere Bedeutung zu!

Die Zeichnung wird in die im August 1981 erscheinende Kurzfassung des Forschungsberichts und in den ersten Teil des Forschungs- Berichts aufgenommen. Im „Endbericht“ über die Forschungs- Vorhaben im Juli 1984 kommt die Zeichnung gar nicht mehr vor. Sie hatte ihre Schuldigkeit getan! Außerdem ist sie ja seit der Magistratsumbildung ohnehin nicht mehr richtig.

21. Als Betriebsrat bei der Staatsekretätin (WSG 3)

Beatrix Eypeltauer aus Oberösterreich ist damals die Staatsekretärin im Bauten- Ministerium. Sie ist als Mitglied der Bundesregierung für die Förderung des Wohnbaues und für den Forschungsbericht des Teams über Ottakring zuständig. Wolfgang Gräsel erzählt ihr anlässlich einer gemeinsamen Bahnfahrt nach Graz über die Ergebnisse der Arbeit des Teams im Stadterneuerungsgebiet Ottakring: über den Stadterneuerungsfonds, den er vorgeschlagen hatte und über das umfassende Wohnungsverbesserungs- Gesetz, das der Verfasser vorgeschlagen hatte.

Der Beatrix Eypeltauer erscheint der Vorschlag des neuen Wohnungsverbesserungs- Gesetzes für ihre politische Tätigkeit sehr brauchbar. Sie glaubt an die dahinter steckenden Ideen und glaubt daran, damit Erfolg haben zu können. Bald darauf stehen die Ergebnisse des Teams im Wohnbauprogramm der Sozialistischen Partei Österreichs (so hieß die Sozialdemokratische Partei damals).

Doch zu einem neuen Gesetz ist es noch ein weiter Weg. Beatrix Eypeltauer will ein neues Wort und sagt "Wohnhaussanierungs- Gesetz" anstatt dem bisher bekannten Wort "Wohnungsverbesserungs- Gesetz". Sie fürchtet sich nicht davor, dass unter „Sanierung“. in der Bundesrepublik Deutschland damals hauptsächlich Abbruch und Neubau verstanden wird. Sie beauftragt einen ihrer Beamten mit dem Verfassen dieses Gesetzes.

Zur gleichen Zeit kommt es zu Differenzen zwischen dem Sozialbau - Direktor Hofmann, der die gemeinnützigen Bauvereinigungen von ganz Wien vertritt, und Beatrix Eypeltauer. Es geht wohl um die Frage, ob das Honorar der Bauvereinigungen für „Bauverwaltung" nicht wieder vier Prozent anstelle von drei Prozent betragen solle. Fritrz Hofmann fühlt sich schlecht behandelt und glaubt, dass die Maßnahmen des Ministeriums auch für das Personal der Sozialbau negative Auswirkungen hätten. Daher regt er bei den Sozialbau- Betriebsräten an, sie sollten die Staatssekretärin Eypeltauer besuchen, - und aus ihrer Sicht das Problem darlegen.

Die Sozialbau - Betriebsräte setzen den Verfasser nach kurzer Firmen- Zugehörigkeit auf die Kandidaten- Liste für die Betriebsrats- Wahl. Er hat Erfahrungen als Studentenvertreter und beim Aufbau des Betriebsrates der Architekten-ARGE im Allgemeinen Krankenhaus.

Zwei Listen, - beide unter dem Namen „Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter", - kandidieren gegeneinander. Es gibt Stimmen- Gleichheit. Das Los entscheidet für die Liste, auf der der Verfasser steht.

Er tritt, - um all die lieben Leute, die ihn vorschlagen, nicht zu enttäuschen, - diskret im der Bezirkssekretariat am Praterstern der SPÖ bei. Bald darauf verlässt der Vorsitzende der Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter in der Sozialbau die Firma. Er schlägt den Verfasser als Nachfolger vor, - zum allgemeinen Erstaunen. Sie wählen ihn als Vorsitzenden. Daher hat er auch die Aufgabe, die Delegation zur Staatssekretärin zu führen.

Beatrix Eypeltauer, ein ausnehmend freundlicher Mensch, begrüßt die Betriebsräte herzlich, bewirtet sie und sagt "Ich möchte besonders die Meinung jener Leute hören, die die Arbeit machen, weil solche Leute manches besser verstehen, wie die Geschäftsführer und Vorstände." Zumindest das Herstellen eines guten Klimas ist ohne Aufwand geglückt. Der Verfasser bringt den Fall vor, um den es dem Fritz Hofmann gegangen war. Was damit weiter geschieht, weiß er konkret nicht. Die „Bauverwaltung“ wird jedenfalls nicht angehoben.

Am Schluss des Gespräches meint Beatrix Eypeltauer, sie habe eine „kleine Kommission" mit der Vorbereitung des Wohnhaussanierungs- Gesetzes beauftragt und sie lädt den Verfasser ein, an den Beratungen dieser Kommission teilzunehmen.

Er ist überzeugt, sie hat keine Ahnung, dass ausgerechnet er es war, der sich die Inhalte des Gesetzes ausgedacht und sie niedergeschrieben hat. Sie sieht in ihm wohl einen Gebäudeverwalter gemeinnütziger Wohnbauten.

So erhält er durch einen Zufall die Möglichkeit, die Erkenntnisse des Teams aus Ottakring und die Schlussfolgerungen daraus jenem Beamten, der das Gesetz zu schreiben hatte, im direkten Gespräch zu erklären. In der kleinen Kommission trifft der Verfasser den Dr. Otto Maisel aus der Gesprächsrunde wieder und auch - welcher Zufall - den Wolfgang Gräsel, seinen Chef.

Als dann Anfang 1985 das Wohnhaussanierungs- Gesetz und die zugehörigen Wiener Verordnungen beschlossen sind, sieht der Verfasser sich seine seinerzeitigen Vorschläge im Ottakring - Bericht an. Er kann hinter jeden einzelnen der zwölf Vorschläge ein Hakerl machen: sie sind alle Wirklichkeit geworden, - einige sogar noch von der legistischen Wirklichkeit übertroffen!

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