Kitabı oku: «Das Geheimnis mentaler Stärke», sayfa 2

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2. Was waren die ersten Anzeichen der Krise? Was hast Du daraufhin getan?

Mein eigenes Verhalten war mir permanent bewusst, doch ich glaubte, daran nichts ändern zu können. Damals wusste ich noch nicht, wie viel Einfluss man auf seine eigene Ausstrahlung hat. Außerdem hätte ich mir nie vorstellen können, dass man das eigene Denken so massiv ändern könnte. Ich suhlte mich in meinem Selbstmitleid und genoss diese Position sogar hin und wieder. Das arme, arme Mädchen.

3. Wann stand sie fest? War sie abzusehen oder kam die Krise aus heiterem Himmel?

Ich wurde mit meiner eigentlichen Diagnose ja geboren. Doch letztlich war es nicht die Spalte, die mir mein Leben schwer machte, sondern ich selbst – Diagnose: massive Selbstzweifel sozusagen. Sicherlich bemerkten die meisten, dass ich nicht vor Selbstbewusstsein strotzte, doch sie konnten das ganze Ausmaß gar nicht erkennen. Bewegte ich mich in meinem gewohnten Umfeld, gab es nämlich überhaupt keine Probleme. Dann war ich sogar sehr forsch und keineswegs scheu. Das Problem waren neue Situationen und fremde Menschen.

4. Wie bist Du damit umgegangen? Was waren Deine ersten Gedanken und darauf folgenden Taten? Vor welchen Herausforderungen standest Du? Wie hast Du Dich gefühlt?

Es gab schon häufiger Leute in meinem Leben, die mir zu erklären versuchten, dass ich gar keinen Grund hätte, mich anders zu fühlen. Aber irgendwann lernte ich eine Freundin kennen, die mir auch ehrlich gesagt hat, wenn ihr etwas an mir aufgefallen ist, mit dem ich es mir selbst schwer gemacht habe. Beispielsweise habe ich immer die Ärmel meines Pullovers über die Handgelenke gezogen, weil mir das ein Gefühl der Sicherheit gegeben hat. Doch an dieser Geste schreit alles „Hey, ich bin ein Opfer“. Das hat sie erkannt und mich immer wieder ermahnt, aufrechter und offener durch die Schule zu gehen. Am Anfang habe ich das natürlich nicht gerne gehört. Selbst wenn Kritik konstruktiv ist, wehren wir sie im ersten Moment am liebsten ab. Es ist schließlich viel einfacher, in den gewohnten Bahnen weiterzugehen. Außerdem ist es gar nicht leicht, sich antrainierte Verhaltensmuster wieder abzugewöhnen. Aber meine Freundin brachte ein erstes Umdenken in mein Leben und die Erkenntnis, selbst etwas zu ändern.

5. Welche Entscheidungen hast Du auf Grund dessen getroffen?

Eine sehr gute Entscheidung war, auf meinen jetzigen Freund zuzugehen. Davor hatte ich schon Beziehungen, die nicht schön waren. Doch diese Beziehung jetzt war anders, ich war anders und das war entscheidend. Mittlerweile hatte ich so viel über mich selbst dazu gelernt. Ich war zwar immer noch ein Mensch mit einigen Selbstzweifeln, aber im Großen und Ganzen habe ich an mich und meine Fähigkeiten geglaubt, habe gewusst, was ich will und was nicht. Ich hatte mich weiterentwickelt, sodass ich nun diese Beziehung führen konnte und nun half wiederum die Beziehung mir, mich weiterzuentwickeln.

Sehr wichtig war auch, endlich aus der Opferrolle auszutreten. Es war ein Tag in der Ausbildung und ich fühlte mich mal wieder ausgelacht. Warum war mein Umfeld immer so gemein? Eine ganze Flut von Selbstmitleid schwappte über mich hinweg, bis ich eine Erkenntnis hatte. In all diesen Geschichten, die mir in meinem Leben passiert waren und in denen ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe, was war da die Konstante? Ich.

Was wäre, wenn ich gar keine schlechteren Chancen hätte, als alle anderen? Wenn ich mir dies nur die ganze Zeit selbst eingeredet hätte? Sicherlich gibt es manchmal wirklich ein paar Idioten, die ungerecht sind. Aber wer erlebt das denn nicht? Wer ist durch die Schulzeit gekommen, ohne jemals geärgert zu werden? Ich beschloss: Ab jetzt denke ich nicht mehr in cool und uncool, verhalte mich selbstbewusst und agiere ganz selbstverständlich mit allen. Natürlich fällt das nicht leicht, wenn man 20 Jahre lang anders war, aber es war ein Anfang.

Was letztlich das komplette Umdenken in mir hervorgerufen hat? Ausgerechnet ein Fotoshooting. Die Fotografin war unglaublich lieb und hat mir sehr geholfen, weil ich so etwas ja noch nie gemacht hatte. Auf allen Bildern musste ich kein verkrampftes Lächeln aufsetzen, sondern konnte ein bisschen träumerisch, leicht melancholisch schauen. Einfach so, wie es sich in dem Moment richtig angefühlt hat. Dadurch hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, Bilder von der echten Ilka zu sehen.

6. Wie hat sich Dein Leben verändert? Wie hat sich Dein Umfeld verändert?

Seit dem Entschluss, nicht mehr als Opfer durchs Leben zu gehen, und seit diesem Shooting vor fünf Jahren ist so viel passiert. Mein Leben ist einerseits komplett verändert, weil ich mich viel mehr Dinge traue und meine Zeit nicht mehr mit überflüssigen Selbstzweifeln vergeude. Andererseits ist auch vieles gleich geblieben, denn meine Entwicklung verlief nicht auf Kosten meiner Persönlichkeit. Ich musste mich nicht verstellen, um so zu werden. Es ist eher so, dass all die Eigenschaften, die schon immer in mir waren, nun jederzeit ans Licht können. Deswegen nimmt mich auch mein Umfeld anders wahr. Da die Entwicklung schleichend vorangegangen ist, konnten sich auch alle daran gewöhnen und es fühlt sich mittlerweile ganz natürlich an.

Dennoch gibt es ein paar Punkte, die sich verändert haben. Dinge, die vielleicht für andere nicht erwähnenswert scheinen, in der Summe aber einen enormen Unterschied ausmachen. Zunächst mal das Lästern, beziehungsweise das nicht mehr Lästern. Früher habe ich sehr viel getratscht. Rückblickend zeigt mir das, wie unzufrieden ich mit mir selbst war.

Ein daran anknüpfender Punkt ist, dass ich nicht mehr so viel in Gesagtes hineininterpretiere. Wenn jemand mir von einer Person mit besonders hübschem Gesicht erzählt hat, war das für mich ganz klar ein Affront gegen mich. Die Person wollte sicher nur mit dem Finger in der Wunde bohren.

In meiner früheren Weltbetrachtung gab es eine richtige und falsche Art zu sein. Mittlerweile finde ich es sehr spannend, verschiedene Denkweisen mit anderen Menschen zu erörtern und sich so gegenseitig zu einem offeneren Weltbild zu verhelfen.

Ein enormer Zuwachs an Lebensqualität ist dadurch entstanden, dass ich nicht mehr neidisch auf andere bin. Meine Güte, tut das gut. Dann haben andere eben symmetrischere Züge, braunere Haut, mehr Geld, mehr Freunde, was auch immer. Ich bin so voller Vertrauen in das Leben und dankbar für das, was ich habe. Was bringt es mir denn, nach immer mehr zu streben? Es wird eh immer Leute geben, die noch hübscher, noch erfolgreicher, noch vermögender sind. Nur wenn ich aufhöre, mich zu vergleichen, kann ich wirklich glücklich werden.

7. Was ist dadurch entstanden? Welche Erkenntnisse/ Einsichten hast Du gewonnen? Welche persönliche Bedeutung misst Du Deinem Schicksalsschlag zu?

Was als ganz persönliche Reise anfing, entwickelte sich schnell zu einer Mission. Lange Zeit war ich so in meiner Opferrolle gefangen, dass mir gar nicht bewusst war, wie viele Menschen unzufrieden mit sich sind – häufig getrieben durch die Schönheitsideale und Ansprüche, die durch die Medien vermittelt werden. Der Mensch von heute ist hübsch, super erfolgreich, immer verständnisvoll zu den Kindern, ruht in sich, ernährt sich gesund, macht Sport, lebt in einer super gestylten Wohnung, hat eine perfekte Figur, ist gebildet, sieht schon nach dem Aufstehen makellos aus. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Es wird ein Idealbild geschaffen, dem keiner entsprechen kann. Auch wenn sich in dem Bereich schon einiges getan hat und Bewegungen wie #bodypositivity entstanden sind, gibt es noch viel zu tun. Denn das echte Leben spielt sich fernab von medienwirksamen Kampagnen ab.

Es ist mir eine absolute Herzensangelegenheit, Mut zu machen und für Selbstakzeptanz bei anderen zu sorgen. Dieser Wunsch ist so stark geworden, dass ich seit diesem Jahr selbstständig bin. Es reicht mir nicht mehr, nur zu sagen, man müsste, man könnte, man sollte. Jeder von uns hat es in der Hand, etwas zu verändern. Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, ist es gar nicht so schwierig, etwas zu bewegen.

8. Wo stehst Du heute? Wie lebst Du damit? Was hast Du gelernt? Was hat sich verändert?

Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass ich in der Schulzeit so anders war. Wie konnte ich meinen eigenen Wert nur so abhängig machen von leichten Veränderungen meines Gesichts? Mal davon abgesehen, dass es nichts darüber aussagt, ob ich ein guter Mensch bin, eine gute Tochter, Freundin, Partnerin. Es sagt nicht mal etwas darüber aus, ob ich attraktiv bin. Unser Empfinden für Schönheit ist antrainiert, basierend auf gängigen Werbemustern. Würde unsere Vielfalt mehr im Mittelpunkt stehen, wäre sie auch viel normaler. Außerdem zeigen meine Fotos sehr gut, dass Ausstrahlung letztlich entscheidend ist. Sie hängt nicht von der Symmetrie meines Gesichtes ab, sondern von meiner Einstellung zu mir selbst. Wenn ich wirklich zufrieden mit mir bin und von innen heraus strahle, sieht man das auch auf den Fotos.

Meine größten Erkenntnisse bisher waren die folgenden:

Jeder Mensch ist wertvoll. Nur weil ich andere Dinge sinnvoll und wichtig finde, mein Leben anders gestalten würde und andere Ansichten habe, muss meine Art nicht die bessere sein. Alles hat seine Berechtigung, solange es anderen nicht schadet.

Außerdem ist es eine Illusion, dass es Menschen mit makellosem Gesicht besser geht. Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen und ist mit bestimmten Punkten unzufrieden. Leute, die besonders glücklich sind, sind das nicht wegen ihres Aussehens oder ihrer Erfolge, sondern weil sie Dankbarkeit für bestimmte Aspekte ihres Lebens empfinden können. Es ist das A und O sich auf die positiven Aspekte zu konzentrieren und das Beste aus dem zu machen, was wir haben.

Eine weitere Erkenntnis: Ich habe keinen Anspruch auf ein symmetrisches Gesicht. Wir kommen nicht auf diese Erde und haben ein All-Inclusive-Luxus-Ticket gebucht. Ich habe großes Glück, in einem Land geboren zu sein, in dem es keinen Krieg gibt und in dem wir eigentlich keine Not kennen. Es gibt genug zu essen, wir leben in schönen Wohnungen usw. Doch darauf habe ich kein Geburtsrecht oder so. Jedenfalls nicht mehr, als es all die Menschen in anderen Teilen der Welt hätten. Ich habe bloß das große Glück gehabt, hier zu leben. Wie viele Menschen würden wohl sofort mit mir tauschen. Lebensumstände gegen Spalte. Sehr viele nehme ich an. Damit möchte ich auch nicht sagen, dass wir das alles aufgeben sollten und uns ein schlechtes Gewissen machen, weil wir diese Privilegien haben. Aber es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein, weil wir viel häufiger sehen, was wir nicht haben, als das, was wir haben.

9. Was hat Dir geholfen, heute da zu sein, wo Du bist? Was hat Dir geholfen, mental stark zu bleiben und was hat Dir Kraft gegeben? Deine TOP 5! Dein Geheimnis mentaler Stärke!

Das Aussteigen aus der Opferrolle war der wichtigste Schritt. Es gibt so viele Menschen auf dieser Welt, es dreht sich nicht alles nur um uns – weder im Positiven noch Negativen. Die anderen Menschen sind viel zu beschäftigt mit sich selbst, als sich Gedanken über mich oder mein Gesicht zu machen.

Mein Mut-Ich zu erschaffen hat mir viel gebracht. Ich wusste nach Tipp eins also schon, dass ich die Opferrolle ablegen muss. Doch ich hatte mein ganzes Leben so verbracht, das lässt sich nicht so einfach abschalten. Deshalb habe ich mir genau überlegt, wie ich wirklich sein will und mir immer wieder vorgestellt, so zu handeln.

Früher hatten schon häufiger Leute zu mir gesagt, dass es doch noch viele Menschen gibt, denen es schlechter geht. Das wollte ich nie hören beziehungsweise es hat mich überhaupt nicht aufgebaut. Das war so abstrakt und zu weit weg. Erst als ich selbst Leute kennengelernt habe, die ich bewundert habe, weil sie trotz eines schwierigen Lebens so positiv geblieben waren, machte es Klick. Seitdem übe ich mich in Dankbarkeit für die verschiedensten Dinge und glaube, dass das der Schlüssel zum Glück ist.

Mein Umfeld hat mir auch dabei geholfen, wenn auch eher passiv. Wenn meine Eltern mir früher gesagt haben, dass ich trotzdem schön für sie bin, hat das nicht so viel gebracht, weil man denkt, die eigenen Eltern müssen das ja sagen. Doch ihre bedingungslose Liebe sowie der Rückhalt meiner Freunde war stets beruhigend und bestärkend. Außerdem ist mein Freund ein ganz wichtiger Teil meines Lebens, der immer hinter mir steht.

Es gibt riesige Bodypositivity- und Selbstliebebewegungen, die ich enorm begrüße. Mittlerweile sind da so viele inspirierende Persönlichkeiten, denen man folgen kann, die einen immer wieder daran erinnern, nicht so streng mit sich zu sein, wobei ich Dir da den Rat geben möchte, viel auf Dein eigenes Bauchgefühl zu hören. Gerade am Anfang, wenn man einsteigt in diese Welt der positiven Affirmationen, Morgenroutinen und Selbstlieberituale denkt man schnell, dass das alles ist. Doch so eine Entwicklung im Inneren braucht Zeit und ist nie komplett abgeschlossen. Sich Inspirationen und den Austausch zu holen, ist ein wahrer Segen an Social Media. Aber lass Dich auch nicht von vermeintlich perfekten Leben blenden, denn Du weißt nie, wie es hinter der Kamera aussieht. Auch diese Menschen haben manchmal schlechte Tage. Also sei liebevoll und geduldig mit Dir selbst.

10. Wenn Du die Zeit zurückdrehen könntest, würdest Du etwas anders machen? Wenn ja, was?

Vor ein paar Jahren hätte ich an dieser Stelle sicherlich geantwortet, dass ich die Spalte gerne irgendwie rückgängig machen würde. Und natürlich weiß ich nicht ganz sicher, wie ich wirklich reagieren würde, wenn es die Option gäbe. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es nicht tun würde. Ich habe sie mittlerweile komplett als Teil von mir akzeptiert und bin sogar sehr dankbar für all die tollen Erfahrungen, die ich deswegen machen durfte. Es sind so liebe und bereichernde Menschen in mein Leben getreten.

Was ich allerdings gerne anders machen würde, wäre, mich von Anfang an zu akzeptieren. Zum Glück hatte ich größtenteils eine sehr schöne Kindheit und Jugend, sodass ich nicht das Gefühl habe, Lebenszeit verschenkt zu haben. Doch es hätte einiges leichter gemacht, wenn ich schon damals so über mich gedacht hätte, wie ich es jetzt tue.

Nicht nur für mich, auch für mein Umfeld und meine Familie. Aber ich gräme mich nicht. Ich sehe eher, wie viel später mein Umdenken noch hätte stattfinden können. Sagen wir mal im Alter zwischen zehn und 20 hatte ich mit meinen Zweifeln zu kämpfen. Zehn Jahre sind eine lange Zeit, aber ich fokussiere mich lieber auf die lange Zeit, die ich zufrieden mit mir war, bin und sicherlich auch noch sein werde.

11. Abschlussfragen: Wie siehst Du Deine Zukunft?

a) Was ist Deine Vision?

Dass wir irgendwann in einer Welt leben, in der jeder Mensch so sein kann, wie er möchte. Dabei gehen wir rücksichtsvoll und wertschätzend mit den vielfältigen Arten von Menschen, Tieren und Natur um.

b) Was ist Dein Lebenssinn?

Ich helfe super gerne und liebe mein Leben, aber ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass ich dazu geboren wurde, anderen Mut zu machen. Mein Lebenssinn ist es, glücklich zu sein und den Moment zu genießen.

c) Dein Lebensmotto?

Leben und leben lassen.

d) Wenn Du Deinem damaligen Ich am Anfang Deiner Krise 3 Tipps mitgeben könntest, welche wären es?

Interpretier nicht so viel in Gesagtes hinein.

Hör auf mit dem Selbstmitleid, Du bist Dein einziger Feind.

Ein symmetrisches Gesicht macht auch nicht glücklicher.

e) Wo und wie können wir mit Dir Kontakt aufnehmen?

Gerne könnt ihr mir eine Mail schreiben per mail@ilka-bruehl.de oder euch auf meiner Website umschauen www.ilka-bruehl.de. Tragt euch am besten für meinen monatlichen Newsletter ein, um auf dem Laufenden zu bleiben. Meinen Podcast „Du bist wunderbar“ findet ihr überall bei Spotify, iTunes usw. Ach ja, und folgt mir gerne auf Instagram: @ilkabruehl.

Ilka Brühl

Mutmacherin | Autorin, Illustratorin und Podcasterin


Viele Jahre hat Ilka mit Selbstzweifeln gekämpft hat und sich aufgrund ihrer Nasen-Lippen-Spalte anders gefühlt. Mittlerweile hat sie gelernt, sich auf ihre Stärken und die Gemeinsamkeiten mit anderen zu konzentrieren, statt sich wegen vermeintlicher Schwächen und Andersartigkeiten zu ärgern.

Erfahre mehr über Ilka Brühl und schaue Dir jetzt das Podcastinterview an:


Maximilian Schwarzhuber -
Leben mit Beinprothesen
1. Wie war Dein Leben vor dem Schicksalsschlag/vor der Diagnose/vor dieser Krise?

Es ist der Abend des 13. Februar 2017. Ich sitze in meinem Rollstuhl in der gespenstisch leeren Eingangshalle des Murnauer Unfallklinikums. Eigentlich nichts Ungewöhnliches für mich. Mit meinen 24 Jahren gehören Klinikaufenthalte schon immer zu meinem Alltag. So viele Operationen, so viele trostlose Tage, so viele einsame Abende in unzähligen Krankenhäusern hatte ich bereits überstanden. Und trotzdem. Dieser Abend ist völlig anders. Dieser Abend soll der letzte meines alten Lebens sein. So zumindest meine Hoffnung, an die ich mich unermüdlich klammere.

Ich spüre, wie sich eine erdrückende Angst in mir ausbreitet, und es kostet mich viel Kraft diese Angst nicht in blanke Panik umkippen zu lassen. Gerade eben habe ich das wohl emotionalste Telefonat, das ich je mit meinen Eltern geführt habe, beendet. Unser letztes Gespräch vor meinem neuen Leben. Ein Abschied. Jetzt bin ich völlig auf mich alleine gestellt. So ähnlich muss sich ein zum Tode Verurteilter kurz vor seiner Hinrichtung fühlen - davon bin ich überzeugt. Schwierig, diesen hoch emotionalen Cocktail aus Angst, Hoffnung, Zweifel, Vertrauen und Unsicherheit in Worte zu fassen. Schwierig, in diesem Zustand noch einen klaren Gedanken zu fassen. Doch es gibt da doch noch etwas. Eine Sache, die ich noch tun muss, bevor ich an diesem denkwürdigen Abend zu Bett gehen werde.

Die eiskalte Luft schlägt mir entgegen, als ich mit meinem Rollstuhl das Krankenhaus verlasse. In der Dunkelheit steuere ich auf eine Baumgruppe auf der Anhöhe vor dem Klinikgebäude zu. Tagsüber hat man von hier oben einen eindrucksvollen Ausblick auf die Bergkette der Alpen. Der ideale Ort für ein letztes Ritual. Vorsichtig erhebe ich mich aus meinem rollenden Gefährt. Auf wackeligen Beinen fällt es mir schwer, das Gleichgewicht zu halten. Mein Blick wandert hinab zu meinen Füßen. Meine Füße, nur noch eine Ansammlung entzündeter Wunden, überdehnter Sehnen und zertrümmerter Knochen. Meine Füße, die so viel aushalten mussten und die trotz allem so lange durchgehalten haben. Jetzt möchte ich mit ihnen noch einmal ein paar Schritte gehen. Während ich unsicher vorwärts wanke, wird mir die enorme Bedeutung dieses Moments bewusst. Das sind sie, die letzten Schritte meines Lebens auf eigenen Beinen. Meine ganz persönliche Form des Abschieds. Ein Abschied ohne Wiederkehr. Getrieben von der Hoffnung auf ein besseres Leben habe ich eine immens schwere Entscheidung getroffen. Die schwerste Entscheidung meines Lebens: Am Valentinstag, morgen früh um sieben Uhr werde ich mir beide Füße amputieren lassen.

2. Was waren die ersten Anzeichen der Krise? Was hast Du daraufhin getan?

Mein Leben schien von Anfang an ganz normal zu verlaufen. Zumindest das, was die meisten unter normal verstehen. Normale Familie. Normales Umfeld. Normale Aussichten. Aber was ist schon normal? Wer ist schon normal? Ich musste schon früh lernen, dass es so etwas wie Normalität nicht geben wird.

Am 3. September 1992 wurde ich als erstes von drei Brüdern im oberbayerischen Ingolstadt geboren. Putzmunter und kerngesund erblickte ich das Licht der Welt. Noch vor meinem ersten Geburtstag konnte ich laufen. Anfangs wackelig und unbeholfen, aber mit umso größerer Begeisterung. Unermüdlich rannte ich im Garten meiner Eltern auf und ab. Früh übt sich schließlich. Meine Leidenschaft für das Laufen zeichnete sich damals schon deutlich ab. Ein Gefühl von Freiheit und Lebensfreude. Bald sollte sich mein Leben urplötzlich komplett verändern. Noch bevor es richtig begonnen hat.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
223 s. 39 illüstrasyon
ISBN:
9783754906613
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Telif hakkı:
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