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Kitabı oku: «Deportiert auf Lebenszeit», sayfa 8

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Elftes Capitel.
Entdeckungen und Bekenntnisse

Der Stoß hatte sich im ganzen Schiffe fühlbar gemacht und Pine, der eben dem letzten Meuterer die Eisen hatte umlegen lassen, errieth sogleich die Ursache.

»Gott sei Dank,« rief er, »da ist endlich eine Brise.«

Als der überwältigte Gabbett, blutend, geschunden und gebunden herunter gebracht wurde, eilte der Doktor auf Deck und sah, daß der Malabar durch schäumende Wellen mit einer Geschwindigkeit von fünfzehn Knoten die Stunde lief.

»Rafft die Topsegel! Zieht das große ein!« schrie Best vom Quarterdeck und mitten in der freudigen Bewegung erzählte Frere, was er erlebt, ohne daß er aber seiner kurzen Pflichtvergessenheit gedachte. Pine runzelte die Stirn. »Glauben Sie, daß sie mit in der Verschwörung war?«

»Nein, – « rief Frere eifrig und dachte daran, wie eine Nachforschung zu verhüten sei. »Wie kann sie dabei gewesen sein? Verschwörung! Sie liegt krank am Fieber, oder ich müßte mich sehr irren.«

Als sie in die Kajüte traten, fanden sie Sara noch auf derselben Stelle, wohin sie vor einer Viertelstunde gefallen.« Das Rasseln der Säbel, das Schießen, – nichts hatte sie erweckt.

»Wir müssen irgendwo eine Krankenstation machen,« sagte Pine und warf keinen freundlichen Blick auf die geschmeidige Gestalt. »Aber ich glaube nicht, daß sie sehr krank werden wird. Verdammt, sie ist doch die Ursache von Allem. Ich will es ausfindig machen, ehe einige Stunden vergangen sind. Den Kerls unten habe ich schon gesagt, wenn sie nicht Alles vor morgen früh gestehen, bekommen sie jeder sechs aufgezählt, ehe wir nach Hobart-Town kommen. Ich will es , wirklich thun, ehe wir Anker werfen. Fassen Sie sie am Kopf, Frere und wir wollen sie hinausbringen, ehe Vickers herauf kommt. Was für ein Narr sind Sie , Frere. Ich wußte, daß es solchen Unsinn geben würde, mit Weibern an Bord. Obwohl Mrs. Vickers schon früher eine Reise gemacht hat. – Halt, – jetzt durch die Thür. Was, Mann, man sollte denken, Sie hätten noch nie ein Mädchen im Arme gehabt. Sehen Sie nicht so entsetzt aus, ich will nichts weiter sagen. Schnell, schnell, ehe der kleine Pastor kommt. Die Pfarrer klatschen grade wie alte Weiber.«

So. vor sich hin murmelnd, trug Pine mit Frere’s Hilfe Mrs. Vickers’ Kammermädchen in ihre Kajüte.

»Bei George, sie ist ein schönes Geschöpf; sagte er und sah den leblosen Körper mit den Augen eines Wundarztes an. »Ich wundre mich nicht, daß Sie sich ihretwegen zum Narren machen. – Vielleicht sind Sie auch schon angesteckt vom Fieber, aber dieser Wind wird uns darüber forthelfen. Der alte Schafskopf der Blunt auch. Er sollte sich schämen in seinem Alter.«

»Was meinen Sie,« fragte Frere eifrig, denn er hörte , Jemand kommen. »Was sagt Blunt von ihr?«

»O, ich weiß nicht,« erwiderte Pine. »Er war auch verliebt, wie viele Andre.«

»Viele Andre?« wiederholte Frere mit affektierter Gleichgültigkeit.«

»Ja,« lachte Pine. »Nun, sie liebäugelte mit Jedem Mann auf dem Schiff. Ein Mal traf ich sie, wie sie einen Soldaten küßte.«

Maurice Frere’s Wangen glühten. Er, der erfahrene Wüstling, war betrogen, vielleicht verlacht und verspottet von ihr. Die ganze Zeit über hätte er sich mit dem Gedanken – geschmeichelt, daß er das schwarzäugige Mädchen bezaubert hätte und nun mußte er erfahren, daß sie ihn um den Finger gewickelt und ihn vielleicht zum Spaß für ihren Soldaten-Liebhaber noch geäfft hatte. Das war kein angenehmer Gedanke und doch, so merkwürdig es klingt, der Gedanke an Sara’s Verrätherei brachte ihn nicht zum Haß gegen sie. Es gibt eine Art von Liebe, wenn man es Liebe nennen will, die unter übler Behandlung noch wächst. Indeß fluchte er ihr doch mit einer Art von Empörung.

Vickers traf sie an der Thür.

»Pine, Blunt hat das Fieber. Mr. Best fand ihn stöhnend in seiner Kajüte. Kommen Sie und sehen Sie nach ihm.«

Der Kommandeur des Malabar lag in seiner Koje in der unglücklichen Lage, in die Männer gerathen, wenn sie in ihren Kleidern schlafen. Der Doktor schüttelte ihn, beugte sich über ihn und machte ihm den Kragen auf. »Er ist nicht krank,« sagte er. »Er ist betrunken! Blunt, wachen Sie auf, Blunt.«

Aber Blunt rührte sich nicht.

»Hallo, rief Pine, als er an dem erbrochenen Glase gerochen. »Was ist das ? Das riecht sonderbar. Rum? nein, – Laudanum! Bei Gott, man hat ihm einen Trunk gemischt.«

»Unsinn!«

»Ich verstehe,« rief er und schlug sich auf die Seite. »Das ist das Teufelsweib gewesen. Sie hat’s ihm gegeben und hat es wollen noch andern geben (hier traf ihn ein flehender Blick von Frere), wenn Andre Narren genug waren, sich von ihr bethören zu lassen. Dawes hat Recht, Herr. Sie ist mit in der Verschwörung. Ich will darauf schwören.«

»Was , meiner Frau Kammerjungfer? Unsinn!« sagte Vickers.

»Unsinn,« wiederholte Frere.

»Es ist kein Unsinn. Der Soldat, welcher erschossen ist, – wie heißt er gleich – Mi – Miles, er, – doch das ist ganz gleich. Es ist Alles jetzt vorüber.«

»Die Männer werden vor morgen früh gestehen,« sagte Vickers. »Dann wollen wir sehen.« Und damit ging er zu seiner Frau hinein.

Seine Frau öffnete ihm die Thür. Sie hatte an des Kindes Bett gesessen, hatte auf die Schüsse gelauscht und ohne zu murren, auf ihres Gatten Rückkehr gewartet. Leichtsinnig, oberflächlich und widerspänstig wie Julia Vickers war, hatte sie doch schon oft in Zeiten der Noth einen Muth gezeigt, der die Bewunderung Aller erregte. Obgleich sie bei jedem Buche gähnte, das über eine gewöhnliche Liebesgeschichte hinausging, jeden jungen Menschen zu bezaubern suchte, der fast ihr Sohn sein konnte, bei dem Anblicke eines Frosches kreischte und über eine Spinne aufschrie, so konnte sie doch Stunden lang in solcher Ungewißheit zubringen und dabei einen Muth entwickeln, wie ihn nur je ein starker Geist aufzuweisen hat.

»Ist Alles vorüber?« fragte sie.

»Ja, Gott sei Dank,« sagte Vickers, auf der Schwelle stehen bleibend. »Alles ist jetzt sicher, obgleich wir nur mit genauer Noth davon gekommen sind. Wie geht es mit Sylvia?«

Das Kind lag in seinem Bett, das blonde Haar über die Kissen hängend und die Hände ruhelos hin und her bewegend.

»Ein wenig besser, glaube ich. Aber sie hat viel gesprochen.«

Die rothen Lippen standen offen und die hellen blauen Augen starrten ohne Bewußtsein herum. Ihres Vaters Stimme schien sie etwas erregt zu haben, denn sie fing ein kleines Gebet an zu sprechen: »Gott segne Papa und Mama und Gott segne Alle auf dem Schiff. Gott segne mich und mache mich zu einem guten, kleinen Mädchen, um Christi willen, unseres Herren; – Amen!«

Der Ton der unschuldigen, betenden Kinderstimme, hatte etwas Rührendes und John Vickers, der noch vor zehn Minuten sein eigenes Todesurtheil unterschrieben hatte, um das Schiff zu retten, fühlte seine Augen sich mit Thränen füllen.

Der Gegensatz war merkwürdig. Mitten auf dem unendlichen Ocean, aus dem Gefängnis, worin Fieber herrschte, unter Dieben und Mördern hervor, weit weit vom Lande entfernt, wandte sich ein unschuldiges Kind voll Vertrauen an den Himmel.

* * *

Zwei Stunden später, als der Malabar, der soeben einer großen Gefahr entgangen, kräftig durch die schäumenden Wellen segelte gestanden die Meuterer durch ihren Sprecher James Vetch Folgendes:

»Es thue ihnen sehr leid und sie hofften, daß man ihnen das Vergehen gegen die Disziplin vergeben werde. Die Furcht vor dem Typhus habe sie dazu gebracht. Sie hätten keine Mitschuldigen, weder innerhalb noch außerhalb des Gefängnisses, aber sie fühlten sich doch bewogen, zu gestehen, daß derjenige, welcher die Meuterei geplant habe, Rufus Dawes ist.«

Der boshafte Krüppel hatte richtig geahnt, von wem die Anzeige, die zu dem Scheitern der Verschwörung geführt hatte, gekommen war und dies war seine sehr charakteristische Rache.

Zwölftes Capitel.
Ein Zeitungs-Paragraph

Auszug aus dem Hobart Town Courier vom 12. November 1827: —

Das Verhör der Deportierten, welche bei dem Angriff auf den Malabar betheiligt waren, ist am letzten Dienstag geschlossen.

Die vier Aufrührer: Dawes, Gabbett, Vetch und Sanders wurden zum Tode verurtheilt, aber wir hören, daß durch die Gnade Seiner Excellenz des Gouverneurs dieser Urtheilsspruch in sechs Jahre Arbeit in der Straf-Kolonie von Macquarie Harbour verwandelt worden ist.

Buch 2

Erstes Capitel.
Topographie von Van Diemens Land

Die Südostküste von Van Diemens Land, von dem einsamen Mewstone bis zu den Basaltklippen von Tasman’s Head, von Tasman’s Head bis zu Cape-Pillar und von Cape-Pillar bis zu der zerrissenen, großartigen Küste der Piratenbai gleicht einem Zwieback, an dem die Mäuse genagt haben. Von der fortwährenden Bewegung des Meeres ausgespült, das immer von Osten nach Westen strömt, ist die Halbinsel von dem Festlande des australischen Continents abgerissen und das Meer hat mit Van Diemens Land das gethan, was es mit der Insel Wight gemacht, – die Küste ist vollständig eingeschnitten und gebrochen. Wenn man die Karte ansieht, so gleichen die phantastischen Formen der Inseln und der Vorgebirge, welche zwischen dem Südwestkap und dem größeren Swan-Port liegen, den sonderbaren Formen, die geschmolzenes Blei annimmt, wenn es in Wasser geworfen wird. Wenn der Vergleich nicht zu übertrieben wäre, so mochte man glauben, daß, als der australische Continent aus dem Schmelztiegel gegossen war, ein Riese den Schmelztiegel nahm und den Rest in die See goß und so Van Diemens Land entstand.

Die Küstenschifffahrt ist eben so gefährlich wie die des Mittelländischen Meeres. Wenn der Schiffer von Cap Bougainville nach dem Osten von Maria Island fährt, und zwischen die zahlreichen Felsen und Untiefen geräth, die zwischen den drei Höhen »Three Thumbs« liegen, so baut sich plötzlich Tasman’s Halbinsel vor ihm auf, die wie ein doppelter Ohrring von dem Festlande aus in die See hineinhängt. Wenn man um den Pillar Rock durch die Stormbay nach Storing Island fährt, so hat man das Italien dieses kleinen Adriatischen Meeres vor sich. Zwischen Hobart Town und Sorrell, Pittwater und dem Derwent, einer wunderlich geformten Landspitze, streckt sich der italienische Stiefel mit aufwärts gewandten Zehen in die Bai hinein. Ein enger Kanal, der diese Landzunge von dem Ausläufer trennt, ist mit Felsen wie besäet und bildet längs des Bruny Island’s zwischen dessen Westseite und den Klippen von Mount Royal die gefährliche Durchfahrt, welche unter dem Namen D’Encastreaux Kanal bekannt ist. An dem südlichen Eingang des D’Encastreaux Kanals liegt eine Reihe von Felsen unter dem Wasser, die unter dem allgemeinen Namen »Actaeon Riff« bekannt sind und die beweisen, daß Bruny Head einst mit der Küste der Recherche Bai verbunden war. Vom Südkap bis zu dem Eingang von Macquarie Harbour warnen die Brandungen der tief liegenden Felsen, oder auch die zerrissenen Spitzen der einzelnen Felsen, die ganz plötzlich mitten aus der See aufsteigen, den Schiffer, daß er sich von der Küste fern hält.

Es scheint, als ob die Natur, eifersüchtig auf die Schönheiten des silbernen Derwent, die Annäherung habe erschweren wollen. Ist man aber ein Mal durch den gefährlichen D’Encastreaux Kanal gelangt oder hat man die weniger gefährliche östliche Fahrt durch die Stormbay gemacht, so ist die Fahrt den Strom hinauf ganz köstlich. Von der tiefen Einsamkeit von Iron Port an bis zu den lachenden Ufern von New Norfolk hin, windet sich der Fluß fortwährend aufs Lieblichste, bis er sich wiederholt zwischen hohen, zerissenen Klippen verengt. Eine Linie vor der Quelle des Derwent nach Norden gezogen trifft einen andern Fluß, der sich nach dem nördlichen Zeit der Insel wendet gerade wie der Derwent nach Süden. Die Kraft der Wogen, welche wahrscheinlich den Isthmus zerstört hat, der vor zweitausend Jahren noch Van Diemens Land mit dem Continent von Australien verband, ist hier weniger stark gewesen. Die rollenden Wogen des Südmeeres, die an der Mündung des Tamar sich trafen, rollten über den Isthmus fort, den sie verschlangen und gegen die Südküste von Victoria drängend höhlten sie hier die Binnensee aus, welche Port Philipp Bai genannt wird. Wenn die Wogen die Südküste von Van Diemens Land ausgezackt haben, so haben sie ebenfalls ein Stück aus der Küste von Victoria gerissen. Die Bai gleicht einem Mühlenteich, mit einem Umfang von neun hundert Quadratmeilen und einem Ausfluß zwischen den »Heads«, der zwei Meilen breit ist.

Ungefähr ein hundert und siebzig Meilen südlich von diesen »Heads« liegt Van Diemens Land, fruchtbar schön und reich, bewässert von den fruchtbringenden Wolken, die sich um Frenchmans Kap, Wyld’s Cray oder um die hohen Spitzen von Mount Wellington und Dromedary zusammen ziehen. Kein glühend heißer Wind, die Qual auch der Gassenkehrer des Continents, dörrt das Korn und versengt die Ernten. Der kühle Südwind kräuselt sanft die Gewässer des Derwent und fächelt die Vorhänge in den offnen Fenstern der Stadt, die sich im breiten Schatten von Mount Wellington angesiedelt hat. Der heiße Wind, welcher in den glühenden Sandebenen des großen australischen Continents entsteht, weht über die verbrannten ausgedörrten Ebenen, um die Ströme aufzusaugen und das Gras zu versengen, bis er auf die Wogen der großen Südbai stößt. In seiner Wanderung über die Meerenge aber wird er seiner Gluth beraubt und sinkt zu den Füßen des bergansteigenden Launceston nieder.

Das Klima von Van Diemens Land ist eins der lieblichsten in der ganzen Welt.

Launceston ist warm geschützt und feucht und Hobart-Town, das durch Brany-Island und den Archipel vom D’Encastreaux Kanal und Storm-Bai vor den riesigen Wellen des Südmeeres geschützt ist, hat die mittlere Temperatur von Smyrna; der Distrikt aber zwischen diesen beiden Städten umfaßt eine Menge von schönen Thälern, durch welche klare, blitzende Ströme fließen. Aber an der Westküste von den Steeple Rocks von Kap Grim bis zu dem von dichtem Gebüschen umfaßten Sandy Kap und dem düstern Eingang von Macquarie Harbour ändert sich die Natur der ganzen Gegend. Längs der eisenfesten Küste, von Pyramid- Island und der tiefen Waldeinsamkeit von Rocky Point bis zu dem großen Ram Head und dem bewegten Hafen Port Davey ist Alles düster und trostlos. An dieser rauhen Küste vollenden die ungeheuren Wogen des Südmeeres ihren Umlauf um die Welt und der Sturm, der das Kap hier verwüstet hat und sich im östlichen Lauf mit den eisigen Winden vereinigt, die aus den unbekannte Breiten des Südpols nordwärts brausen, stürzt sich hier ungehindert auf die Huonfichtenwälder und wäscht mit strömendem Regen die Abhänge von Monat Direction.

Wüthende Orkane und plötzliche Windstöße erschrecken die Eingeborenen an dieser Küste. Die Schiffahrt ist gefährlich und die Hinfahrt in das »Höllenthor« von Macquarie Harbour, das zu der Zeit von der wir schreiben (1833) auf der Höhe seines schrecklichen Rufes als Deportierten-Ansiedlung stand, nur bei ruhigem Wetter möglich.

Die Rhede ist mit Wracks bezeichnet. Die unterseeischen Felsen tragen die Namen der Schiffe, die an ihnen gescheitert. Die Luft ist feucht und kühl, der Boden fruchtbar an hornigem Gebüsch und schädlichen Pflanzen, während die fauligen Dünste, die Sumpf und Moor aushauchen, dicht über dem schwammigen, nassen Boden hinziehen. Alles rings umher athmet Verlassenheit und auf dem Antlitze der Natur ruht ein ewiges Düster. Der schiffbrüchige Matrose, der mühsam auf die Basaltklippen sich rettet, oder der gefesselte Deportierte, der seinen Baumstumpf mit sich bis auf eine Höhe zieht, blicken nur hinab auf ein Meer von Nebel, aus dem einzelne Bergspitzen sich wie Inseln erheben, oder sie erblicken durch den beißenden Dunst nur eine Wüste von Buschwerk und Felsspitzen zu den Füßen von Mount Heemskirk und Mount Zeehan, die gleich zwei Schildwachen über die Seeküste Wache halten.

Zweites Capitel.
Der Einsame am Höllenthor

Das Höllenthor wird von einer Felsspitze gebildet, die plötzlich nach Norden vorspringt und auf der Ostseite fast eine Landzunge berührt, welche den Eingang zum »King’s river« beschützt. In der Mitte des Thores liegt ein natürlicher Riegel, nämlich eine Insel, welche von einer Sandbank gebildet, gerade mitten in dem Strom liegt und so einen Wirbel verursacht, der es bei rauhem Wetter unmöglich macht, hier einzufahren. Einmal am Thor vorüber erblickt der Deportierte, welcher auf dem Deck des einfahrenden Schiffes angekettet ist, vor sich den kahlen Gipfel von Frenchmans Kap, welcher die feuchte Luft in der Höhe von fünf tausend Fuß durchbricht, während die schwarzen Ufer, noch mehr verdüstert durch die überhängenden Felsen und die ungeheuren Wälder, sich an der Mündung des Gordon immer mehr verengen.

Der schäumende Strom hat eine tiefblaue Farbe und wird genährt durch viele kleine Zuflüsse, die sich alle ihren Weg durch faulende, vegetabilische Massen suchen und dadurch wird das Wasser nicht nur untrinkbar, sondern tödtet sogar die Fische, welche von der See bei stürmischem Wetter hineingetrieben werden. Wie man sich denken kann, haben die wüthenden Stürme, denen diese Wüste ausgesetzt ist, eine starke Brandungslinie gebildet. Wenn der Nordwestwind einige Tage geweht hat, so ist das Wasser des Gordon zwölf Meilen weit aufwärts noch salzig. Das Hauptquartier her Ansiedlung lag auf einer Insel, unweit der Mündung dieses ungastlichen Flusses, genannt Sara-Insel. Obgleich jetzt der ganze Platz verlassen ist und einige wenige Pfähle und Pfosten nur noch als stumme Zeugen vorhanden sind von Scenen der Todesqualen, die hoffentlich nie sich erneuern werden, so waren die Gebäude im Jahre 1833 doch sehr zahlreich und ausgedehnt. Auf Philipps Island an der Nordseite des Hafens, lag eine kleine Meierei, auf der Gemüse für die Offiziere der Ansiedlung gezogen wurden und auf Sara-Island waren Sägemühlen, Schmieden, Werfte, Gefängnis, Wachthaus, Barracken und der Hafendamm. Die militairische Gewalt bestand aus sechzig Mann, welche mit den Aufsehern und den Constablern zusammen mehr als dreihundertfünfzig Gefangene bewachten. Diese Elenden, welche jeder Hoffnung beraubt waren, wurden zu der niedriger Arbeit gebraucht. Kein Lastthier wurde in der Ansiedlung gebraucht; Alles wurde von Menschen gezogen und geschleppt. Ungefähr hundert Mann, die sich durch gutes Betragen ausgezeichnet hatten, durften die leichtere Arbeit verrichten, Holz nach der Werft bringen und beim Schiffbau helfen. Die Uebrigen fällten die Bäume, welche das Festland begrenzten und brachten dieselben auf ihren Schultern bis an die Küste. Die Dichtigkeit des Buschwerks und der Sträucher machte es nothwendig, daß ein Weg gebaut wurde, ungefähr eine Viertel Meile lang. Die Stämme der Bäume von Aesten und Zweigen befreit, wurden neben einander gerollt und dann wurde eine Schleife gebaut, um die schweren Stämme bis um Hafen zu bringen. Das Holz, das man so aufsammelte, wurde zu Flößen verbunden, in die Schuppen geschafft oder zum Transport nach Hobart Town zugerüstet. Die Deportierten wohnten auf er Sara-Insel in Barracken, die an ein zweistöckiges Gefängnis stießen, dessen Zellen der Schrecken selbst der verhärtesten Bösewichter war. Jeden Morgen erhielten sie zum Frühstück Mehlsuppe, Wasser und Salz. Dann wurden sie unter Bewachung auf die Holzfäll-Stationen gebracht, wo sie ohne Nahrung bis zum Abend arbeiteten. Das Fällen und Behauen der Bäume zwang sie, oft bis unter die Arme im Wasser stehend zu arbeiten. Manche von ihnen waren mit schweren Ketten belastet. Wenn sie starben, wurden sie auf einem kleinen Platz begraben, der Halliday Insel hieß, nach dem ersten Mann, der dort begraben war. Ein Brett mit den Anfangsbuchstaben ihrer Namen versehen, wurde in die Erde gesteckt und das war Alles, was an sie noch erinnerte.

Die Sara-Insel im Südostwinkel des Hafens gelegen, ist lang und niedrig.

Das Haus des Kommandanten lag in der Mitte. Das Haus des Pfarrers und die Baracken lagen zwischen der Kommandantur und dem Gefängnis. Das Hospital lag auf der Westküste und in einer Linie damit standen die beiden Zuchthäuser.

Reihen von hohen Palisaden umgaben die Ansiedlung und gaben ihr fast das Ansehen einer befestigten Stadt. Die Palisaden waren gebaut, um vor der Wuth des Sturmes ein wenig zu schützen, der durch die lange, enge Bay wie durch das Schlüsselloch einer Thür pfeifend, in früherer Zeit oft Dächer abgedeckt und Brotschuppen zerstört hatte. Die kleine Stadt war so zu sagen im Kampf mit der Natur gebaut, – auf der äußersten Grenze der Civilisation und die Bewohner lebten in fortdauerndem Kriege mit Wind und Wellen.

Aber das Gefängnis von Sara-Island war nicht das Einzige in dieser Region.

In einer kleinen Entfernung von dem Festlande ist ein Felsen, über dessen Westseite bei rauhem Wetter die Wogen sich brechen.

Am Abend des dritten December 1833, als die Sonne hinter den Baumspitzen auf der linken Seite des Hafens sank, erschien ein Mann auf der Spitze dieses Felsens. Er war in die grobe Kleidung der Deportierten gehüllt und trug an seinen beiden Knöcheln zwei Eisenringe, durch die eine kurze schwere Kette lief. An der Mitte der Kette war ein lederner Riemen befestigt, der sich theilend um seine Taille befestigt war und vermittelst dessen er die Kette so hoch ziehen konnte, daß er nicht beim Gehen darüber stolperte. Sein Kopf war bloß und sein grobes, blaugestreiftes Hemde am Halse offen, zeigte seinen braunen, muskulösen Nacken. Aus einer Art von Zelle oder Höhle heraustretend welche Natur oder Kunst an der Seite der Klippe gebildet hatte, legte er auf ein schwaches Feuer, das zwischen zwei Felsstücken brannte, ein kleines Stück Holz auf und dann brachte er aus seiner Höhle einen eisernen Topf, der anscheinend Wasser enthielt und mit seinen harten, verarbeiteten Händen stellte er ihn in die Asche oder setzte ihn auf das brennende Scheit. Augenscheinlich war die Höhle zugleich sein Vorrathshaus und seine Speisekammer und die beiden Felsstücke waren seine Küche.

Nachdem er so seine Vorbereitungen zu einem Mahle getroffen, stieg er einen Pfad hinauf, der zu dem höchsten Punkte des Felsens führte. Seine Fesseln gestatteten ihm nur kurze Schritte und wenn er ging, so zuckte er schmerzlich zusammen. Wahrscheinlich schnitten die Ringe in seine Beine ein. Bei genauerer Prüfung konnte man auch sehen, daß ein Tuch oder ein Lappen zwischen den Ring und den Knöchel gesteckt war, als ob ihn der Ring schon wund gerieben hatte. Mühsam und langsam erreichte er sein Ziel und sich niederwerfend blickte er um sich. Der Nachmittag war stürmisch gewesen und die Strahlen der untergehenden Sonne fielen roth auf die bewegten, schäumenden Wellen der Bai. Zur Rechten lag Sara-Island, zur Linken das schwarze Ufer der jenseitigen Küste und die hohe Spitze von Frenchman’s Kap. Ueber den kahlen Hügeln des Ostens hingen noch die dunkeln Wolken des letzten Sturmes. Unter ihm war das einzige Zeichen von Leben zu bemerken. Eine Brigg wurde in den Hafen hineingezogen von zwei Booten, die mit Deportierten bemannt waren.

Der Anblick der Brigg schien in dem Einsamen auf dem Felsen eine ganze Kette von Erinnerungen wach zu rufen. Er stützte sein Kinn in die Hand und blickte stark auf das hereinkommende Schiff, tief in Gedanken versunken. Mehr als eine Stunde verging, er bewegte sich nicht. Das Schiff ging vor Anker, die Boote verließen es, die Sonne sank und die Bai tauchte in nächtliche Dunkelheit. Lichter fingen längs der Küste an zu blinken. Das kleine Feuer ging aus und das Wasser im eisernen Topf wurde kalt; doch der Wachende auf dem Felsen bewegte sich nicht. Seine Augen starrten in die Finsterniß und seine Blicke verließen das Schiff nicht. Er lag neben dem kahlen Felsen seines einsamen Gefängnisses ebenso bewegunslos wie der Felsen selbst, auf dem er sich ausgestreckt hatte.

Dieser Mann war Rufus Dawes.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
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