Kitabı oku: «Lexikon der Frauenkräuter»

Yazı tipi:


»I found him beneath a tree.« (»Ich fand ihn unter einem Baum«, W. Blake, 1793)

Margret Madejsky

LEXIKON DER

FRAUENKRÄUTER

Inhaltsstoffe, Wirkungen, Signaturen und Anwendungen

Mit über 180 Heilkräuterrezepten

AT Verlag

Zur Beachtung!

Die in diesem Buch aufgeführten Rezepte und Behandlungshinweise verstehen sich ausschließlich als Lehrbeispiele und können daher auch weder den Arztbesuch noch eine individuelle Beratung durch eine Hebamme oder einen Heilpraktiker bzw. eine Heilpraktikerin ersetzen. Die Einnahme der genannten Heilmittel wie auch die Anwendung der Rezepturen oder das Befolgen der Therapieempfehlungen geschieht stets auf eigene Verantwortung und ist individuell unbedingt sorgfältig abzuwägen. Denn Heilkräuter wirken nicht bei jedem Menschen gleich – was Ihnen hilft, muss anderen nicht zwangsläufig auch helfen und umgekehrt. Daher ist es empfehlenswert, im Zweifelsfall kompetenten Rat bei einem Arzt oder einer Ärztin, einer Hebamme, einem Heilpraktiker oder einer Heilpraktikerin einzuholen. Die ab gedruckten Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt, dennoch übernehmen weder die Autorin noch der Verlag die Haftung für Schäden, welcher Art auch immer, die sich direkt oder indirekt aus dem Gebrauch der hier vorgestellten Heilkräuteranwendungen ergeben könnten. Daher ist es in jedem Fall ratsam, sich vor der Einnahme oder vor der Anwendung eines Heilmittels über mögliche Gegenanzeigen oder Nebenwirkungen zu informieren. Auch sollte die angegebene Dosierung überprüft und nötigenfalls individuell angepasst werden. Bitte beachten Sie ebenso alle Warnhinweise und Anwendungsbeschränkungen sowie den Abschnitt »Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbehandlung« im Anhang.

3. Auflage, 2010

© 2008

AT Verlag, Baden und München

Lektorat: Ralf Lay, Mönchengladbach

Umschlagfotos: Margret Madejsky

Lithos: Vogt-Schild Druck, Derendingen

ISBN(epub) 978-3-03800-638-1

www.at-verlag.ch

eBook-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

Inhalt

Vorwort

Einführung

Die Pflanzen der Göttin

Rot wie das Menstrualblut

Pflanzenhormone und hormonartig wirkende Heilpflanzen

Einmaleins der Pflanzeninhaltsstoffe

Was Schwangere meiden sollten

Frauenkräuterporträts von A bis Z

Alant – Sonnenkraft für die Wechseljahre

Aloe – Balsam für die Scheidenhaut

Angelika – Die Lichtbringerin für Bauch und Seele

Arnika – Erste Hilfe bei Geburtsblutungen

Bärentraube – Ein pflanzliches Antibiotikum bei Zystitis

Bärwurz – Die Kraftwurzel für die Gebärmutter

Basilikum – Fördert Hingabe und Empfängnisfähigkeit

Baumwolle – Mutterkornersatz bei Wehenschwäche

Beifuß – Universalmedizin für Geburt und Mondblutung

Beinwell – Knochenheil und Osteoporoseprophylaxe

Benediktenkraut – Krebsdistel und Wundarznei

Berberitze – Naturmedizin bei Myomen

Bertram – Ein Liebesmittel mit Tradition

Besenginster – Gleicht Herzrhythmus und Hormone aus

Betonie – Spendet Seelenkraft und Nervenstärke

Bilsenkraut – Bierwürze und krampflösendes Hexenkraut

Bingelkraut – Das Wundkraut des Heilgottes Merkur

Blasentang – Jodlieferant und Fatburner-Alge

Blutwurz – Die Blutstillerin des Paracelsus

Blutwurz, Kanadische – Das Polypenmittel der Indianer

Brennnessel – Die Eisenpflanze weckt die Amazone in der Frau

Damiana – Aphrodisiakum und Fruchtbarkeitspflanze der Maya

Eberraute – Reinigt die Gebärmutter

Efeu – Reduziert Schwangerschaftsstreifen

Eiche – Die Kraftspenderin bewahrt vor Fruchtwasserverlust

Einhornwurzel – Das Gebärmuttertonikum der Indianerfrauen

Eisenkraut – Das Geburtskraut der Mondgöttin Isis

Erdrauch – Aktiviert den Hautstoffwechsel bei Kraurose

Färberginster – Bietet Schutz vor Osteoporose

Fenchel – Regt die Milchbildung an

Frauenhaarfarn – Venuskraft für die Nieren

Frauenmantel – Die Allesheilerin unter den Frauenkräutern

Frauenwurzel – Wurzelkraft für eine sanfte Geburt

Gänseblümchen – Die »Arnika der Gebärmutter«

Gänsefingerkraut – Das Krampfkraut der Volksmedizin

Geißraute – Kraftfutter für die Milchbildung

Gelbwurz, Kanadische – Heilt Muttermundentzündungen

Ginseng – Ein Tonikum für weise Frauen

Goldrute – Pflanzengold für Haut und Nieren

Granatapfel – Pflanzenhormone für die ewige Jugend

Greiskraut – Kräftigt den Beckenboden

Gundelrebe – Reinigt Blut und Gebärmutter

Himbeere – Die bewährte Dammschnittprophylaxe

Hirtentäschelkraut – Die Blutstillerin der Volksmedizin

Holunder – Spendet Fruchtbarkeit und entgiftet die Seele

Hopfen – Pflanzenhormone für die Wechseljahre

Ingwer – Schenkt Lebenswärme und Sexualkraft

Johanniskraut – Spendet Seelenbalsam und pflegt Narben

Kaffee – Verhütet Dammschnitte

Kamille – Venuskraft für die Gebärmutter

Kapuzinerkresse – Das Breitbandantibiotikum aus dem Pflanzenreich

Keimzumpe – Wehenhemmerin verhütet Fehlgeburten

Kermesbeere – Die Helferpflanze für Brust und Stillzeit

Knoblauch – Schutz vor V(amp)iren und Bakterien

Koloquinte – Das Zystenmittel der Homöopathie

Küchenschelle – Reguliert die Gelbkörperhormone

Kümmel – Der Milchbildner der Volksmedizin

Lavendel – Die Pflanze der Abgrenzung und Reinheit

Lebensbaum – Bekämpft Feigwarzen und stärkt die Abwehrkräfte

Liebstöckel – Maggikraut löst die »Verhocktheit« der Frauen

Löwenzahn – Der grüne Helfer bei Mastopathie

Madonnenlilie – Regeneration für rissige Scheidenhaut

Majoran – Wärmende Gewürzpflanze vertreibt Pilze

Mariendistel – Schutz für Leber, Brust und Psyche

Melisse – Grünkraft kontra Viren

Mistel – Die Fruchtbarkeitspflanze der Volksmedizin

Mönchspfeffer – Macht keusch wie ein Lamm

Muskatellersalbei – Weckt die sinnliche Seite der Frau

Mutterkraut – Das pflanzliche Aspirin des 19. Jahrhunderts

Mutterkümmel – Beruhigt die Magensäfte

Myrrhe – Bekämpft Pilze und heilt Muttermundgeschwüre

Nachtkerze – Liefert hautregenerierende Omega-Fettsäuren

Odermennig – Der heimische Grüntee-Ersatz

Orthosiphon – Nierenstärkung für Feinsinnige

Petersilie – Fördert die Mondblutung und die Geburt

Pfingstrose – Heilt Hämorrhoiden und Analfissuren

Poleiminze – Die Uterusreinigerin unter den Frauenkräutern

Preiselbeere – Beugt bakteriellen Blasenentzündungen vor

Rainfarn – Gürtelkraut erleichtert die Geburt

Raute – Hormondoping bei frühzeitigem Wechsel

Rhapontikrhabarber – Reguliert Wechseljahrsbeschwerden

Ringelblume – Die sonnenhafte Wundheilerin

Rose – Venusblume für die Vagina

Rosmarin – Pflanzenfeuer für die Liebeskraft

Rotklee – Der heimische Sojaersatz

Salbei – Ein Volksmittel zum Abstillen und Schweißhemmen

Sanddorn – Vitamindoping fürs Immunsystem

Sanikel – Das Knochenheilmittel des Paracelsus

Schafgarbe – Bodenheilerin und Wundkraut des Achill

Schierling – Bringt Brustknoten zum Einschmelzen

Schneeball – Lindert Endometriosebeschwerden

Schöllkraut – Die Goldwurz der Alchimisten

Shatavari – Die ayurvedische Liebespflanze für die Frau

Silberkerze – Gleicht auf sanfte Weise Östrogenmangel aus

Silbermantel – Die Blutstillerin der Volksmedizin

Soja – Liefert Phytoöstrogene für den Wechsel

Steinklee – Wiesenduft und Venendoping

Steinsame – Das Verhütungsmittel der Indianerfrauen

Stiefmütterchen – Regenerationskraft für die Scheidenhaut

Storchschnabel – Der Kindsmacher der Volksmedizin

Taigawurzel – Die Kraftpflanze fürs Immunsystem

Taubnessel – Balsam für die Scheidenhaut

Teebaum – Ein antimikrobielles Multitalent

Tigerlilie – Der asiatische Keuschlammersatz

Veilchen – Die Narbenheilpflanze der Hildegard von Bingen

Walnuss – Erleichtert die Häutung der Seele

Weidenröschen – Die Helferpflanze bei Reizblase

Wermut – Bringt Galle und Blutung ins Fließen

Wiesenknopf – Die Blutstillerin der Volksmedizin

Wolfstrapp – Sanftes Regulans bei Schilddrüsenleiden

Yamswurzel – Lieferant für natürliches Progesteron

Zinnkraut – Strukturkraft für Knochen und Immunsystem

Anhang

Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbehandlung

Medizinisches Glossar mit Therapiehinweisen

Zum Umgang mit den Rezepten

Dank

Quellen- und Literaturverzeichnis

Adressen und Bezugsquellen

Stichwortverzeichnis

Der Artemis

Königin, höre mich an,

Vielgerufene Tochter des Zeus,

Donnernde, hochgelobte Titanin,

Erhabene Bogenschützin!

Allerleuchtende, Fackelträgerin,

Göttin Diktynna, dem Kindbett hold;

Helferin in den Wehen,

Selbst aber dem Kindbett fremd.

Gürtellöserin, Freundin des Wahnsinns,

Sorgelösende, Jagende,

Rennerin, schleudernd die Pfeile,

Freundin der Jagd, die die Nacht durchstürmt;

Rufende, freundlich den Bitten,

Erlösende, männlich Gestaltete,

Orthia, Helferin bei der Geburt,

Der Menschen männernährende Gottheit;

Ambrosische, Göttin der Erde,

Tiertötende, gnädig Fügende;

Du besitzest als Eigen

Die Eichwälder der Berge,

Hirschjägerin, Heilige, Hehre,

Allkönigin, herrliches Reis,

Prangend in ewiger Schönheit!

Eichwaldgöttin, umbellt von den Hunden,

Kydonias, schimmernd Gestaltete:

Komm, helfende, freundliche Göttin,

Dem Flehn der Geweihten geneigt;

Herrliche Früchte entsende der Erde,

Frieden und lieblich gelockte Gesundheit;

Krankheit und Leiden lass fahren dahin

Auf die Gipfel der Berge!

Orphischer Hymnos an die Mondgöttin Artemis

Vorwort

Es ist nun bald ein Vierteljahrhundert her, dass mir einmal ein Freund in einem Gespräch gesagt hat: »Wenn du wirklich ein Buch schreiben willst, dann musst du ein Feuer in dir fühlen, das dich nachts aus dem Bett treibt, um zu schreiben; ein Feuer, das dir keine Ruhe mehr lässt …«

Zwar habe ich schon mit Leidenschaft Bücher geschrieben, aber ein solches Feuer, wie ich es dieses Mal fühlte, kannte ich bislang noch nicht. Genau genommen spüre ich dieses Seelenfeuer, das mich zahllose Stunden an den Schreibtisch gebannt hat, seit der Geburt unseres Sohnes im Mai 2006. Denn dank meiner rund zwanzigjährigen Erfahrung im Umgang mit Heilpflanzen und Naturarzneien für Frauen konnte ich eine unbelastete Schwangerschaft und Hausgeburt erleben. Dank der Erfahrungen mit Frauenkräutern konnte ich mich während der Schwangerschaft selbst behandeln, die Geburt optimal vorbereiten und den Geburtsablauf günstig beeinflussen. Ohne Heilpflanzen hätte ich während der Schwangerschaft Medikamente nehmen müssen, die dem kindlichen Organismus geschadet hätten. Auch hätten wir die Hausgeburt wegen Wehenschwäche abbrechen müssen, und sicher wäre ein Dammschnitt oder ein Kaiserschnitt nötig geworden. Doch so wurde diese Geburt für mich eine Einweihung in das weibliche Urmysterium des Lebenschenkens.

Aus der unendlichen Dankbarkeit, die mich über dieses wichtigste Ereignis in meinem Frauenleben erfüllt, entflammte ebenjenes Seelenfeuer, das mich in den letzten Monaten angetrieben hat, alles, was ich über Frauenkräuter weiß, nochmals zu sichten, zu sortieren, erneut nachzuschlagen, schließlich alles niederzuschreiben und immer wieder zu überarbeiten. Es fühlte sich wie ein höherer Auftrag an, der keinen Aufschub duldete.

Mit dem »Lexikon der Frauenkräuter« möchte ich meine Erfahrungen nun allen zur Verfügung stellen, die an Frauengesundheit interessiert sind. Durch die Verbreitung von fundiertem Pflanzenwissen soll die Frauenheilkunde und Geburtshilfe neue Impulse bekommen. Sowohl Therapeutinnen als auch betroffene Frauen sollen in diesem Nachschlagewerk Antworten auf ihre Gesundheitsfragen erhalten.

Wenn ich heute all meine Erfahrungen in einem Satz zusammenfassen müsste, dann könnte ich nur sagen: Grün ist die Hoffnung. Denn mit Heilpflanzen lässt sich scheinbar Unglaubliches bewegen. Insbesondere in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe kann die Phytotherapie zahlreiche Lücken schließen. Die meist seit Jahrhunderten erprobten Frauenkräuter bergen geradezu ungeahnte Kräfte in sich. Mit ihnen lassen sich Blutungen anregen oder stillen, Entzündungen und Schmerzen lindern, Zyklusstörungen und hormonelle Schwankungen regulieren, Wehen hemmen oder anregen … Die meisten Antibiotikagaben lassen sich durch Heilpflanzen ersetzen, ebenso kann man in vielen Fällen Hormonpräparate sowie Schmerzmittel umgehen, sofern man die Pflanzenkräfte richtig einsetzt. Nicht zuletzt wird bei sachkundiger Anwendung von Frauenkräutern sogar so manche Operation unnötig, insbesondere bei »schlechtem« Pap-Test, bei Myomen oder Zysten; und auch Kaiserschnitten kann man vorbeugen.

Obwohl die Pflanzenforschung heute recht weit vorgedrungen ist und oftmals die empirisch gewonnenen Erkenntnisse der Hebammen und Kräuterweiber des Mittelalters bestätigen konnte, haben es bislang nur eine Handvoll Arzneipflanzen in die Frauenarzt- und Hebammenpraxen geschafft. Dabei stammen die stärksten Medikamente der Schulmedizin ursprünglich aus dem Pflanzenreich, zum Beispiel enthält die Silberweidenrinde Salicin, eine Vorstufe von Aspirin, die schmerzstillenden Opiate der Krebstherapie leiten sich vom Schlafmohn ab, und die ersten Hormonpräparate wurden einst aus der Yamswurzel synthetisiert – um nur einige Beispiele zu nennen. Die Macht der Pflanzen ist groß, und die Möglichkeiten, die sich durch die Naturheilkunde eröffnen, sind noch lange nicht ausgeschöpft. Auch verlangen immer mehr Frauen nach sanften Alternativen aus der Natur.

Nie zuvor hat sich beispielsweise die natürlichste Sache der Welt, das »Kinderkriegen«, weiter von der Natur entfernt, als es heute der Fall ist. Sofern eine Schwangere bereits Fehlgeburten hatte, wird sie inzwischen routinemäßig mit einem halben Dutzend Arzneien versorgt, darunter Jodid, Folsäure, Magnesium, Gelbkörperhormone, Heparin und ASS. Dabei könnten die vorgenannten Arzneistoffe in vielen Fällen durch Frauenkräuter und Naturheilmittel ersetzt werden. Denn gegen fast jedes Frauenleiden sind Kräuter gewachsen – nur gegen das Schicksal kann und will die Natur nicht ankommen.

Nun wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Vergnügen und hoffe, dass Sie hier zu allen Frauenangelegenheiten fündig werden.

Möge Mutter Natur Ihnen wohlwollend beistehen!

Margret Madejsky,

zur Sommersonnenwende 2008


Aphrodite in der Muschel (O. Redon, 1912)

Einführung
Die Pflanzen der Göttin

Das Pflanzenreich beschenkt den Menschen seit Anbeginn der Zeit mit Nahrung, mit Baumwolle für Kleidung und Tücher, mit Holz für Gebrauchsgegenstände von der Wiege bis zum Sarg und nicht zuletzt mit Heil-, Schmerz- und Genussmitteln. Dabei macht Mutter Natur gewiss keinen Unterschied zwischen Frau oder Mann. Ihre Geschenke, die Heilkräuter, lässt sie seit Urzeiten für alle Geschöpfe gleichermaßen sprießen. Selbst die weniger naturverbundenen Menschen müssen doch zugeben, dass ohne die Gaben der Natur keine menschliche Existenz möglich wäre – wir hätten keinen Sauerstoff zum Atmen, unsere Tiere hätten nichts zu fressen, und unsere Teller wären leer … Spätestens wenn man sich dieser Tatsache bewusst wird, müssen einfach Dankbarkeit und Ehrfurcht aufkeimen.

Ebendiese Dankbarkeit und Ehrfurcht haben wohl unsere frühen Vorfahren empfunden, wenn sie das Wunder der sich ständig selbst gebärenden Natur beobachten konnten, die sich im Lauf der Zeiten unermüdlich erneuert und die als ewige Amme den Menschen wie alle anderen Geschöpfe dieser Erde beherbergt und nährt. Daher verehrten die alten Völker die Natur als Ausdruck göttlichen Wirkens, aber auch als Wohnort der göttlichen Mächte, und erhoben besonders wichtige Pflanzen schließlich zu Attributen ihrer Götter. Man denke dabei nur an die geburtsmächtige Mondgöttin Artemis, der die Artemisiagewächse wie etwa der Beifuß oder der Wermut unterstehen, die seit Urzeiten in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe Verwendung finden. Oder an das Kornmädchen Persephone, deren pflanzliche Attribute, Granatapfel und Mistel, bis heute frauenheilkundlich gebraucht werden. An Frau Holle, der einst als Muttergottheit und Seelengeleiterin Milchopfer dargebracht wurden und deren Name noch im Holunder mitschwingt. Oder man denke an Maria, welche die heidnischen Göttinnen im Zuge der Christianisierung abgelöst und deren Attribute übernommen hat (siehe die Tabelle auf Seite 16).

Zwar waren die alten Völker wie etwa die Griechen, die Römer oder die Kelten und Germanen bereits von Männern dominierte Gesellschaftsformen, doch das weibliche Urmysterium der Fruchtbarkeit und der Geburt hatte seinen Zauber in der Antike wie auch in der frühen Neuzeit noch lange nicht verloren. Vor allem in bäuerlichen Gemeinschaften erkannte man die Analogien zwischen Menschen-, Tier- und Pflanzenreich. Wie die Bäume, Sträucher und Pflanzen in Feld, Wald und auf der Wiese Früchte hervorbringen, so trugen eben Mensch oder Tier Leibesfrüchte aus. Daher brachten die Alten vor allem die fruchttragenden Gewächse wie etwa den Granatapfel, den Holunder, die Mistel oder den Mönchspfeffer mit ihren Fruchtbarkeitsgöttinnen in Verbindung. Die Ehre, einer Göttin unterstellt zu werden, wurde jedoch nur den wirkungsvollsten Pflanzen zuteil, die sich bei Mensch und Tier zuvor schon erprobt hatten.

Nicht weniger bedeutsam war wohl die Beobachtung, dass allein solche Bäume Früchte hervorbringen konnten, die zuvor geblüht hatten. Man erkannte sicherlich rasch, dass die Regel »Ohne Blüte keine Frucht« ebenso auf den Menschen zutreffen musste, und nannte die Mondblutung der Frauen daher »Monatsblum«, denn ohne dieses sichtbare Zeichen der Fruchtbarkeit konnte eine Frau keine Leibesfrucht empfangen und austragen. Daher waren alle menstruationsfördernden Kräuter von großer Bedeutung.

Das heilkundliche Interesse unserer Vorfahren drehte sich also hauptsächlich um die Fortpflanzungsfähigkeit sowie um die Geburt und um alles, was damit in Zusammenhang stand. Daher genossen ebenjene Heilkräuter und -wurzeln besonders hohes Ansehen, die über Kräfte verfügten, eine Mondblutung hervorzubringen, die Fruchtbarkeit zu steigern, eine Geburt zu erleichtern, eine Geburtsblutung zu stillen oder das lebensbedrohliche Wochenbettfieber zu verhüten. Alle Pflanzen, die den Frauen in ihren einst ureigenen Angelegenheiten beistanden, wurden früher oder später den zuständigen Göttinnen unterstellt und als Geschenke oder Attribute dieser Göttinnen verehrt, geheiligt oder geweiht und natürlich zu Heilzwecken verwendet. Daher ist auch der Umkehrschluss möglich, dem zufolge jede Pflanze, die einst mit einer Göttin assoziiert wurde, irgendwann einmal in der Frauenheilkunde oder Geburtshilfe eine Rolle gespielt haben muss. Beispielsweise finden alle Marienkräuter bis heute entweder in der Frauen- oder in der Kinderheilkunde Verwendung.

Die Ursprünge des Gebrauchs von Frauenheilpflanzen verlieren sich irgendwo in den Nebeln der Vorzeit. Bis ins Mittelalter hinein wurde das Frauenkräuterwissen üblicherweise innerhalb der Sippen mündlich weitergetragen. Meist war es die Dorfälteste, die während einer Geburt zu Hilfe gerufen wurde oder die man um Rat fragte, wenn zum Beispiel der Kindersegen zu lange ausblieb. Solche erfahrenen Frauen, in den alten Kräuterbüchern »empirische Weiber« genannt (oder geschimpft), kannten mitunter auch Möglichkeiten, dem übermäßigen Kindersegen mit Hilfe bestimmter Kräuter Einhalt zu gebieten, und endeten wegen ihrer Kenntnisse zur Geburtenregelung zu Abertausenden auf den Scheiterhaufen der Inquisition.

Schwertlilien sind Attribute der Götterbotin Iris. (Foto: M. Madejsky)


Blühende Myrte ist als Blume der Liebesgöttin Aphrodite bis heute im Hochzeitsbrauchtum vertreten. (Foto: O. Rippe)


Nach der Legende verfügt die Frühlingsgöttin Ostara über einen Schlüsselbund, mit dem sie die Herzen der Menschen aufschließen kann. Vermutlich dient die Schlüsselblume (Primula veris) der Göttin als Schlosskraut. (Foto: M. Madejsky)

Klostergarten auf der Fraueninsel, Chiemsee (Foto: O. Rippe) Viele Kräuter aus der Klostermedizin werden seit Urzeiten in der Frauenheilkunde verwendet.


Baldrianblüte (Foto: M. Madejsky)

Nach der Legende reitet die Göttin Bertha auf einem hopfengezäumten Hirsch durch den Götterhimmel und hält eine Baldriangerte in der Hand. Beide Gewächse, Baldrian wie auch Hopfen, zügeln im übertragenen Sinn die männliche Sexualkraft, die durch den Hirsch verkörpert wird.


Marienlinde in Linden bei Wessobrunn (Foto: M. Madejsky)

Ab dem 9. Jahrhundert löste Maria die heidnischen Muttergöttinnen ab. Zuvor galt die Linde als Wohnsitz der Ehegöttin Frigga, und der Frauenmantel war ebenfalls eines ihrer Attribute.

Verkündigung mit Madonnenlilie (J. W. Waterhouse, 1914)


Frauen im Hag (Holzschnitt, um 1500)


Die Akelei ist der Liebesgöttin Freya heilig und mit den Elfen im Bunde, daher auch der Name Elfenhandschuh. In der Gotik wurde sie zu einer Symbolpflanze Marias. Foto: O. Rippe.


Göttin Juno (Aquarell von G. Moreau, 1881)

Gewiss wurde ein Großteil des Frauenkräuterwissens zusammen mit den Hexen verbrannt, bei denen es sich nicht selten um kräuterkundige Hebammen handelte. Der Begriff Hexe, hegse oder hagsche leitet sich nämlich ursprünglich vom »Hag« ab, dem Wirkungsort dieser weisen Frauen, der eine Art Kräutergarten bezeichnet. Doch die Hexenpflanzen, Frauenkräuter und Mutterwurzen, welche die hagschen einst gesammelt und angewendet haben, gibt es immer noch, und manche von ihnen werden nun schon seit unzähligen Jahrhunderten in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe genutzt. Auch die Kräuterbücher des 16., 17. und 18. Jahrhunderts sind noch immer Schatztruhen voller Pflanzenwissen. Dort finden sich zahllose Hinweise auf die Kräfte der Frauenkräuter. Ein reichhaltiger Fundus, der neu entdeckt und wieder nutzbar gemacht werden will, denn jedes dieser Bücher beschenkt uns mit Dutzenden von frauenheilkundlich relevanten Stichwörtern – um nur einige zu nennen: »ehlich Werk befürdern« oder »reizet zu ehelichen Werken« (wirkt aphrodisierend), »Empfengnuß fürdern« (Fruchtbarkeit steigern), »stillet die übrige Zeit der Frawen« (wirkt blutflusshemmend), »verstandene Weiberzeit treiben« (regt die Menstruation an), »leget das Grimmen der Beermutter« (wirkt krampflösend), »Brüst so hart sind und Knollen haben von der Milch« (wirksam gegen Milchknoten), »Geburt fürdern und das Bälgle forttreiben« (Geburt und Nachgeburt austreiben), »treibet das Bürtlin« (wirkt geburtserleichternd), »Kindbetterin reinigen« (Wochenfluss anregen), »leget die Geschwulst der heimlichen Oerter« (heilt Wunden und Geschwüre am Genital) …

Göttinnen und ihre pflanzlichen Attribute


Aphrodite: griechische Liebesgöttin (römische Venus)Rose (Rosa centifolia u. a.): Gebärmutterarznei und Symbolpflanze der Liebe Madonnenlilie (Lilium candidum): Fruchtbarkeitspflanze Myrte (Myrtus communis): Symbol für Ehe und Kindersegen Rosmarin (Rosmarinus officinalis): Hochzeitspflanze, Aphrodisiakum und Emmenagogum
Artemis: griechische Mond-, Jagd- und Geburtsgöttin (römische Diana)Artemisiagewächse wie Beifuß (Artemisia vulgaris), Eberraute (Artemisia abrotanum) oder Wermut (Artemisia absinthium): Emmenagogum und Geburtsmittel
Bertha: keltische FruchtbarkeitsgöttinHopfen (Humulus lupulus): Fruchtbarkeitspflanze Baldrian (Valeriana officinalis): Beruhigungsmittel
Brigida: keltische MuttergöttinBirke (Betula sp.): Schamanenbaum und Wiegenholz
Demeter: griechische Vegetationsgöttin, KornmutterGetreidearten wie Hafer (Avena sativa) oder Roggen (Secale cereale): Kraftnahrung und Fruchtbarkeitssymbole Mutterkorn (Secale cornutum): Abortivum und Geburtsmittel Mohn (Papaver ssp.): Krampf- und Schmerzmittel
Freya: germanische LiebesgöttinLinde (Tilia): Hochzeitsbaum und Geburtsmittel Akelei (Aquilegia vulgaris): alte Liebespflanze Frauenhaarfarn (Adiantum ssp.): Nierenheilpflanze
Frigga: germanische Göttin für Ehe und KindersegenFrauenmantel (Alchemilla ssp.): Universalheilpflanze für Frauen Erdbeere (Fragaria ssp.): Liebes- und Fruchtbarkeitssymbol Rotklee (Trifolium pratense): Symbolpflanze der dreifaltigen Göttin
Hekate: griechische UnterweltsgöttinAlraune (Mandragora officinarum): Zauberwurzel, Aphrodisiakum, Betäubungsmittel und Abortivum Weide (Salix ssp.): Schmerzmittel
Hera: griechische MuttergöttinMönchspfeffer (Vitex agnus-castus): Symbolpflanze der Keuschheit; Anaphrodisiakum und Fruchtbarkeitspflanze
Holda oder Holle: frühgermanische Muttergöttin und SeelengeleiterinHolunder (Sambucus nigra): Gedeihbaum der Sippe, Fieberheilpflanze und Kindermittel
Iris: griechische Göttin des Regenbogens; geflügelte Götterbotin und TotengeleiterinIris (Iris versicolor): Symbolpflanze für Fruchtbarkeit und Wiedergeburt, Zahnungsmittel und Kosmetikum
Isis: altägyptische Fruchtbarkeits- und MondgöttinEisenkraut (Verbena officinalis): Fruchtbarkeitspflanze und Wehenmittel; Diplomatenkraut der alten Römer
Juno: römische MuttergöttinMadonnenlilie (Lilium candidum), die »Rose der Juno«, entspross aus Junos Muttermilch
Maria: christliche MuttergöttinFrauenmantel (Alchemilla): Symbolpflanze der unbefleckten Empfängnis und »Allerfrauenheil« der Volksmedizin Lavendel (Lavandula angustifolia): Symbolpflanze der Reinheit Mariendistel (Carduus marianus): Leberheilmittel und Milchbildungspflanze Mariengras (Hierochloe odorata): Räucheropferpflanze Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus): Symbolpflanze der Keuschheit
Melitta: babylonische FruchtbarkeitsgöttinMistel (Viscum album): volksmedizinische Fruchtbarkeitspflanze
Ostara: germanische Frühlings- und SonnengöttinGänseblümchen (Bellis perennis): Emmenagogum, Hautheilpflanze und Milzmittel
Persephone: griechische Vegetationsgottheit; Kornmädchen und Tochter der DemeterGranatapfel (Punica granatum): Symbolpflanze der Wiedergeburt und Quelle natürlicher Pflanzenhormone Mistel (Viscum album): Schlüssel zur Unterwelt und volksmedizinische Fruchtbarkeitspflanze Pappel (Populus ssp.): Unterweltsbaum und Wundarznei

Alraune und Zaunrübe, aufgenommen auf der Kykladeninsel Amorgos (Foto: M. Madejsky).


Alraunweiblein (J. W. v. Cube, 1485)

Nach dem Aberglauben wohnt in der anthropomorphen Alraunenwurzel ein Totengeist.


Auch im weißen Bilsenkraut kommen krampflösende Alkaloide vor, mit denen sich Regelbeschwerden »weghexen« lassen. (Foto: M. Madejsky)


Hexe mit Alraunpuppe (J. H. Füssli, 1812)

Weil die Alraune ihrem Besitzer Zauberkräfte verleihen soll, wurde sie im Mittelalter teuer gehandelt und vielfach gefälscht.


Circe (F. v. Stuck, 1913)

Der Trank, mit dem die Erzhexe Circe die Begleiter des Odysseus in Schweine verwandelt haben soll, enthielt möglicherweise die aphrodisierende Alraune.

Einst gebrauchten Hebammen das Mutterkorn zum Stillen von Geburtsblutungen, denn es enthält die Gebärmutter kontrahierende Alkaloide. (Foto: M. Madejsky)


Der griechischen Fruchtbarkeitsgöttin Demeter unterstehen auch Hebammenmittel wie das Mutterkorn. (Foto: O. Rippe)


Die Küchenschelle trägt im Volksmund den Beinamen Bärblume, der auf die einstige Verwendung in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe hindeutet. (Foto: M. Madejsky)


Vor dem Marienmünster in Dießen warten festlich gekleidete Kinder mit prächtigen Kräuterbuschen auf Einlass. Die mitgebrachten Kräuter werden kirchlich geweiht und gelten dann im Volksglauben als besonders heil- und zauberkräftig. Die Weihkräuter zählen allesamt zu den Marienkräutern und wurden bereits in vorchristlicher Zeit frauenheilkundlich genutzt. (Foto: M. Madejsky)


Beifußblüten (Foto: H. Amann)

Wie alle Artemisiagewächse dient auch der Beifuß seit Jahrhunderten als geburtserleichterndes Mutterkraut.

Das wohlriechende Mariengras diente bereits den Heiden als Räucheropfer an die große Göttin. (Foto: O. Rippe)


Frauenmantel (Kupferstich, um 1700)

Der Frauenmantel blickt auf eine viele Jahrhunderte alte Heiltradition als Frauenkraut zurück. Bei jungen Frauen löst er Unterleibskrämpfe, später fördert er die Fruchtbarkeit und verhütet Fehlgeburten, und im Alter stärkt er die Knochen.


15. August, Kräuterweihe im Marienmünster in Dießen am Ammersee (Foto: O. Rippe)

Rot wie das Menstrualblut

Wenn auch mit den Hexenverbrennungen im Mittelalter wertvolles Pflanzenwissen unwiederbringlich verloren gegangen ist, so blühen und sprießen doch ebenjene Kräuter und Wurzeln, die einst von den weisen Frauen gebraucht wurden, immer noch unverzagt am Wegesrand, auf Wiesen und Almen, an Bachufern oder in den Wäldern. Und es scheint, als ob diese Pflanzen eigentlich nur darauf warteten, von uns bemerkt, in ihren Heilkräften erkannt und gebraucht zu werden.

Lange bevor es Bücher, Lehrer oder Schulen gab, war die Natur die einzige Lehrmeisterin der Menschen. Von ihr musste alles Wesentliche gelernt werden, zum Beispiel was essbar ist und was nicht. Doch die Schöpferkräfte haben alle ihre Gaben gekennzeichnet, damit man die ihnen innewohnenden Kräfte bemerken, begreifen und nutzbar machen kann. Der Schlüssel zum Verständnis der Natur, der zugleich der Schlüssel zum Verständnis der Heilpflanzen ist, sind die Signaturen oder die Zeichen, mit denen jedes Gewächs dieser Erde ausgestattet ist. Als es noch keine Labore und Wissenschaftler gab, wussten die weisen Frauen bereits von den Heilkräften der Pflanzen und gebrauchten diese rege. Vieles haben die Menschen sicherlich von den Tieren abgeschaut. Daher dürfte eine Wurzel der Heilkunst in den sesshaften bäuerlichen Kulturen liegen und natürlich schon viel früher bei den Nomadenstämmen, die durch Tierbeobachtungen erstes Heilpflanzenwissen erworben hatten und durch das Schlachten der Tiere über anatomische Kenntnisse verfügten, um Mensch, Tier und Pflanze miteinander vergleichen zu können. So mancher Pflanzenname wie etwa »Hirschzunge« oder »Leberblümchen« erzählt noch heute von diesen Erkenntnissen unserer frühen Vorfahren.

Alle Pflanzen, nicht nur die Frauenkräuter, tragen besondere Zeichen, an denen naturverbundene Menschen die einem Gewächs eigenen Kräfte erkennen können. Man könnte diese Signaturen auch mit Tierfährten vergleichen: Ein ungeschulter Blick vermag nicht zwischen den Spuren von Fuchs und Hase zu unterscheiden, doch der erfahrene Jäger kennt die charakteristischen Merkmale.

Ähnlich verhält es sich mit den Zeichen, anhand deren Frauenkräuter erkannt werden. Eine kundige Kräuterfrau sieht in der Pflanze eben mehr als nur einen Stengel mit grünen Blättern und schönen Blumen.

Die Signaturen von Frauenkräutern sind genauso vielfältig, wie die Frauenheilkunde und Geburtshilfe ein weites Feld ist. Viele von ihnen sind zum Beispiel durch ihre rote Farbe gekennzeichnet, welche die Sympathie zum Blut anzeigt, also eine Art Urverwandtschaft mit dem Mondblut aufweist. So trägt zum Beispiel die blutungsanregende Berberitze rote Früchte, der menstruationsfördernde Beifuß hat einen rötlich überlaufenen Stengel, der blutstillende Tormentill hat blutrot färbende Wurzeln, die Johanniskrautblüten geben beim Zerreiben »Johannisblut« ab, und die eisenhaltige Brennnessel zeigt in ihren rostroten Frühlingstrieben den Bezug zum Menstrualblut.

Nicht nur im Früchtereichtum oder in der Blutfarbe Rot erblickt man typische Signaturen von Frauenheilpflanzen. Auch Formähnlichkeiten zwischen Pflanze und Organ dienen nicht selten als Hinweis auf die in dem Gewächs wirkenden Kräfte. Wie sieht aber das pflanzliche Ebenbild einer Gebärmutter oder eines Eierstocks aus, wonach muss man in der Natur suchen? Einige Beispiele sollen dies veranschaulichen: Die Kamille erhielt ihren früheren botanischen Namen Matricaria (vom lateinischen matrix [= »Gebärmutter«]) deswegen, weil die hohlen Blütenköpfchen den Bezug zu dem Hohlorgan Gebärmutter herstellen, für die sie eine eröffnende und krampflösende Arznei ergeben. Ferner wurde auch der Frauenmantel wegen seiner schüsselartigen Form stets mit dem weiblichen Geburtsschoß verglichen. Eine Art Formverwandtschaft mit den Keimdrüsen haben Granatäpfel und Koloquinten, deren Früchte im Querschnitt an Eierstöcke mitsamt den unzähligen Keimzellen oder eben mit den Zysten erinnern. Erstgenannte liefern Pflanzenhormone, die mit den in den Eierstöcken gebildeten weiblichen Sexualhormonen völlig identisch sind. Das bedeutet, dass nicht nur die Form, sondern auch die Stofflichkeit eine Art Verwandtschaft hat. Letztere, die Koloquinte, dient – ganz ihrem Erscheinungsbild entsprechend – als Kardinalheilpflanze bei Eierstockzysten.

Wie bereits angedeutet wurde, ist eine der wichtigsten Signaturen von Frauenkräutern die Fruchtbarkeit der Pflanze selbst. Der Signaturenlehre zufolge beeinflussen vor allem solche Pflanzen, die reichlich Beeren, Früchte oder Samen hervorbringen, das menschliche Fortpflanzungsvermögen. In ihnen wohnt nach alter Ansicht ein Fruchtbarkeit spendender Vegetationsgeist. Daher verwundert es nicht, dass samen- und früchtereiche Pflanzen wie etwa Brennnessel, Mistel oder Mönchspfeffer bis heute zu den bedeutsamsten Fruchtbarkeitspflanzen der Naturheilkunde gehören.

Eine weitere Signatur von Frauenheilpflanzen erkennt man beispielsweise im rhythmischen Aufbau mancher Gewächse. So unterliegen etwa Bilsenkraut, Frauenmantel, Gänsefingerkraut, Kaffee, Wolfstrapp und viele andere Heilpflanzen in ihrem Aufbau strengen Rhythmen und wirken dieser Formensprache entsprechend auf zyklische Prozesse wie die Menstruationsblutung. Den Bezug zu den weiblichen Rhythmen erkennt man manchmal auch am Blührhythmus; zum Beispiel im abendlichen Erblühen der Nachtkerze, denn die Sonne, die den Tag erhellt, verkörpert das männliche und der Mond als Nachtlicht das weibliche Prinzip – also unterstehen auch alle Pflanzen, die sich erst am Abend öffnen, dem Mond. Pflanzen wie Ginster oder Jasmin verströmen ihren Duft am Ende des Tages und offenbaren dadurch ebenfalls ihre Affinität zum Mond sowie zum Weiblichen. Gänseblümchen, Ringelblumen oder Silberdisteln öffnen sich nur bei schönem Wetter und schließen ihre Blüten, sobald Regen naht. Solche Wetteranzeiger reagieren, wie man heute weiß, auf die Luftfeuchtigkeit, und darin zeigt sich auch ihr Bezug zum Mond, der nicht nur die Weltenmeere bewegt und Ebbe wie auch Flut bewirkt, sondern der über alle irdischen Flüssigkeiten regiert, also auch über die Luftfeuchtigkeit. Die Wetterorakelblumen beweisen in ihrer Empfindlichkeit zugleich eine Art Urverwandtschaft zum Muttermund, der sich ebenfalls rhythmisch verhält: Während der Regelblutung öffnet er sich ein wenig, und dann schließt er sich wieder und bleibt bis zum Eisprung verschlossen, um sich danach für kurze Zeit erneut leicht zu öffnen.

An den rosa Blüten des Heidekrauts erkennt man die Zugehörigkeit zur Planetenkraft Venus wie auch die Gelassenheit spendenden Heileigenschaften. (Foto: M. Madejsky).


Die roten Blütenknospen wie auch die Stengel zeigen den Einfluss des Stinkenden Storchschnabels auf die Mondblutung an. (Foto: M. Madejsky)


Im Querschnitt erinnert der Granatapfel an einen Eierstock mit seinen unzähligen Keimzellen. Tatsächlich zeigt der Granatapfel nicht nur Formverwandtschaft, sondern er enthält im Samenmantel Östrogene, die mit den in den Eierstöcken gebildeten weiblichen Sexualhormonen identisch sind. (Foto: M. Madejsky)


An der Schnittstelle einer Löwenzahnwurzel tritt weißer Milchsaft aus und zeigt dem Signaturkundigen die Sympathie zur Lymphe sowie zur Muttermilch an. (Foto: O. Rippe)

Formverwandtschaft zum weiblichen Genital zeigen beispielsweise Taubnesseln, die im Volksmund »Frauennesseln« heißen, weil ihre zarten Blüten an eine Vagina erinnern. Taubnesselblüten sind außerdem bleich wie die Mondin selbst, und vielleicht erregte ebendies einst die Aufmerksamkeit der weisen Frauen. Überhaupt findet man die weiße Farbe bei den Frauenkräutern fast ebenso häufig wie die Blutfarbe Rot. Zum Beispiel bilden Küchenschellen wie auch Waldreben silbrige Samenfäden. Birken haben zumindest in der Jugend eine auffallend weiße Rinde. Der Löwenzahn bringt einen weißen Milchsaft hervor, und die Mariendistel hat entlang der Blattnerven milchweiße Flecken. Was also will uns die weiße Farbe sagen?

Wie schon die Naturvölker, die Nomaden, die Bauern oder die Zigeuner, so verfügten auch die weisen Frauen über gewisse Signaturenkenntnisse. In jedem Fall spielten bei der Pflanzenbetrachtung seit Urzeiten zwei Motive eine wesentliche Rolle:

 Man suchte in der Natur nach einem pflanzlichen Gegenbild. Das Heilmittel sollte demnach irgendeine Ähnlichkeit aufweisen, entweder mit der Krankheit, mit dem kranken Organ oder mit dem betroffenen Körpersaft. Viel zitiert ist das Beispiel der dreizähligen Blätter von Schöllkraut oder Leberblümchen, die auf die dreilappige Leber wirken. Um bei der weißen Farbe zu bleiben: Die weißen Taubnesselblüten haben Ähnlichkeit mit dem oder Sympathie zum »weißen Mutterfluss«, der weiße Milchsaft des Löwenzahns wie auch die milchweißen Flecken auf den Mariendistelblättern zeigen Sympathie zur Lymphflüssigkeit sowie zur Muttermilch usw.

 Oder man hat in einem Gewächs etwas erkannt, was dem kranken Menschen fehlt und was er mit Hilfe der Pflanze ersetzen möchte. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn eine unfruchtbare Frau durch besonders fortpflanzungsfreudige Gewächse Heilung sucht.

Einerseits zeigen die Farben wie gesagt Sympathie zu Körpersekreten wie etwa zum Blut, zur Galle, zur Lymphe, zur Muttermilch, zum eitrigen Wundsekret usw. Andererseits erlauben die Farben eine Zuordnung zu den vorherrschenden Planetenkräften und zeigen damit zugleich ihren Wirkungsort im Menschen oder eben das Zielorgan an:

 Mond – Unterleib, Lymphe, Haut und Schleimhäute: weiße oder silbrige Behaarung, Milchsäfte, weiße Blüten, weiße Blattäderung, weiße Rinde, weiße Blattflecken usw.

 Merkur – Drüsen, Hormone, Stoffwechsel: veränderliche Farben, Farbwechsel, Komplementärfarben, blaue Blüten, blaues Prinzip usw.

 Venus – Gebärmutter, Nieren, Schilddrüse: hellgrüne Blätter wie Frauenmantel, Linde oder Melisse, rosa Blüten, liebliche Farben und Formen.

 Sonne – Herz-Kreislauf-, Immunsystem: gelbliche Pflanzensäfte; gelbe oder rote Blüten, vor allem solche, die Sonnenscheiben ähneln.

 Mars – Gallenblase, Blut und Abwehrkräfte: rote Blüten, Stengel, Rinde, Beeren, Früchte, roter Pflanzensaft oder rote Wurzeln.

 Jupiter – Leber, Bindegewebe: safrangelbe Blüten, Wurzeln oder Pflanzensäfte, gelbfärbende Pflanzen.

 Saturn – Knochen und Gelenke: schwarze Äderung der Blüten, schwarze Rinde, Wurzeln, Samen, Beeren oder Früchte.

Da die Liste der Signaturen endlos ist, sei noch auf ein letztes bedeutsames Zeichen hingewiesen: den Namen. Der berühmte Arzt Paracelsus, der einst die Signaturenlehre als wahren Eingang in die Arzneikunst rühmte, wusste bereits, dass der Name einem Kraut wie eine Art Schelle anhängt; und wie der Narr an der Schelle, so werden die Pflanzen an ihren Namen erkannt. Schlägt man alte Kräuterbücher auf, dann tragen die Frauenkräuter in der Regel doch sehr viel sagende Namen wie etwa Bärwurz, Frauenmantel, Jungferntrost oder Mutterkraut. Dies versteht sich in jedem Fall als Hinweis darauf, dass sich ebenjene Pflanzen, in deren Namen die Frau, die Hexe, die Jungfer, das Weib, die (Ge-)Bärmutter oder Ähnliches steckt, über besondere Eigenschaften verfügen, die in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe nützlich sind. Denn nur die wirkungsvollsten Frauenkräuter heißen Frauenminze oder Mutterwurz (siehe die Tabelle auf Seite 25).

An der rostroten Farbe erkennt man den hohen Eisengehalt. Dieser Farbsignatur entsprechend, regt die Brennnessel die Blutbildung an und füllt den Eisenspiegel auf. (Foto: M. Madejsky)


Der rhythmische Blattaufbau des Gänsefingerkrauts zeigt Sympathie zu der Menstruationsblutung. (Foto: M. Madejsky)


Europäischer Wolfstrapp (Foto: M. Madejsky)

Die gegenständigen Blätter sind rhythmisch angeordnet und offenbaren ihr rhythmisierendes Wesen.


Die silbrige Behaarung der Küchenschellen ist eine mondhafte Signatur, die den heilsamen Einfluss auf die Keimdrüsen anzeigt. (Foto: O. Rippe)


Die milchhellen Flecken auf dem Mariendistelblatt stellen den Bezug zur Lymphe und zur Muttermilch her. (Foto: M. Madejsky)

Astrologische Darstellung der Venus (kolorierter Holzschnitt, um 1470) Viele Frauenkräuter unterstehen der Planetenkraft Venus und wirken auf Venusorgane wie Gebärmutter oder Nieren.

Einige Pflanzen, in deren Namen Mutter, Gebärmutter, Jungfer, Frau oder Hexe steckt


AltweiberschmeckenSalbei (Salvia officinalis): Wundmittel und Gebärmutterarznei
BärblumeKüchenschelle (Pulsatilla sp.): Abortivum und Emmenagogum
BärkleeSteinklee (Melilotus officinale): Emmenagogum und Venenmittel
BärwurzBärwurz (Meum amanthicum): Emmenagogum
BärlappBärlapp (Lycopodium sp.): Gürtelkraut, Emmenagogum und Abortivum
FrauenblattBalsamkraut (Tanacetum balsamita): Emmenagogum
FrauenblümchenGänseblümchen (Bellis perennis): Emmenagogum und Rückbildungsmittel Gauchheil (Anagallis arvensis): alte Schutzzauberpflanze
FrauenbrodRotklee (Trifolium pratense): Östrogenpflanze, volksmedizinische Wundarznei und Krebsheilpflanze
FrauendistelMariendistel (Carduus marianus): Emmenagogum und Laktagogum
FrauendostDost (Origanum vulgare): Emmenagogum; Liebfrauenbettstroh
FrauenfenchelFenchel (Foeniculum vulgare): Laktagogum
FrauenflachsLeinkraut (Linaria vulgaris): Wundmittel und Hämostyptikum
Frauenhaar, GoldenesWidertonmoos (Polytrichum commune): schutzmagische Pflanze
FrauenhaarFrauenhaarfarn (Adiantum sp.): Nierenheilpflanze
FrauenkerzeKönigskerze (Verbascum sp.): Hustenmittel und Emmenagogum
FrauenkrautMädesüß (Spirea ulmaria): Schmerzmittel Melisse (Melissa officinalis): krampflösendes Emmenagogum
FrauenkriegHauhechel (Ononis spinosa): Harnblasen- und Rheumamittel
FrauenmantelFrauenmantel (Alchemilla sp.): Universalheilpflanze für Frauen; Fruchtbarkeitspflanze, Gebärmuttertonikum, Wundkraut usw.
FrauenminzeSiehe Frauenblatt
FrauennabelCymbelkraut (Linaria cymbellaria): Nabelbruchmittel Steinbrech (Saxifraga sp.): Nierensteinmittel
FrauenrauteMoschus-Schafgarbe (Achillea moschata): Emmenagogum
FrauenrebeGundelrebe (Glechoma hederacea): Wundmittel und Blutreiniger
FrauenschlößliWundklee (Anthyllis vulneraria): Wundarznei und Geburtsmittel
FrauenschuhFrauenschuh (Cypripedium pubescens): Hysterie- und Kindermittel
FrauenspiegelFrauenspiegel (Legousia speculum-veneris): Zauberpflanze
FrauenwurzelFrauenwurzel (Caulophyllum thalictroides): Emmenagogum und Geburtsmittel
GebärmutterwurzLiebstöckel (Levisticum officinale): Emmenagogum
HexenbesenMistel (Viscum album): Fruchtbarkeitspflanze der Volksmedizin
HexenkörnerPfingstrose (Paeonia officinalis): Emmenagogum und Epilepsiemittel
HexenkrautAlraune (Mandragora officinarum): Zauberwurzel, Betäubungsmittel und Abortivum Bilsenkraut (Hyoscyamus niger): Bestandteil von Hexensalbe, Aphrodisiakum und Krampfmittel, Räucherpflanze Stechapfel (Datura stramonium): Bestandteil von Hexensalben, Krampfmittel Tollkirsche (Atropa belladonna): Hexenpflanze, Krampfmittel Hexenkraut (Circea lutetiana): Liebeszauberpflanze Johanniskraut (Hypericum perforatum): Marienbettstroh; Narbenmittel und Wundarznei Leinkraut (Linaria vulgaris): Liebfrauenbettstroh; Wundarznei
HexenmehlBärlapp (Lycopodium sp.): Gürtelkraut und Emmenagogum
HexenmilchWolfsmilch (Euphorbia sp.): Warzenmittel der Volksmedizin Löwenzahn (Taraxacum officinale): Laktagogum und Krebsheilpflanze der Volksmedizin
HexenrauchwurzelBaldrian (Valeriana officinais): Nervinum und Anaphrodisiakum Erdrauch (Fumaria officinalis): Zauberpflanze und Hautheilpflanze
JungfrauenbettstrohDost (Origanum vulgare): krampflösendes Emmenagogum
JungfernblumeKlatschmohn (Papaver rhoeas): Krampfmittel
JungfernkroneImmergrün (Vinca minor): Symbol der Treue, Emmenagogum
JungfernmantelFrauenmantel (Vinca minor): siehe Frauenmantel
JungfernstrauchJohannisbeere, Schwarze (Robes nigrum): Blutreinigungspflanze
Jungferntrost
JungfernweckHaarstrang (Peucedanum officinale): Emmenagogum
LiebfrauenbettstrohJohanniskraut (Hypericum perforatum): siehe Hexenkraut Labkraut (Galium verum): Emmenagogum Steinklee (Melilotus officinale): siehe Bärklee Thymus vulgaris (Thymian) und Thymus serpyllum (Quendel): krampflösendes Emmenagogum und Räucheropferpflanze
MagdblumeBertram (Anacyclus officinarum): Emmenagogum und Geburtsmittel
MarienbettstrohSiehe Liebfrauenbettstroh
MarienblumeGänseblümchen (Bellis perennis): Emmenagogum, Gebärmuttertonikum und Geburtsmittel
MariengrasMariengras (Hierochloe odorata): Emmenagogum, Venenmittel und Räucheropferpflanze
MariendistelMariendistel (Carduus marianus): siehe Frauendistel
MarienessenzSpezielle Myrrhentinktur (von Commiphora molmol): Gebärmutterarznei, Wund- und Entzündungsmittel
MariennesselkrautAndorn (Marrubium vulgare): Emmenagogum
MutterbeerenChristophskraut (Actea spicata): Emmenagogum
MuttergottesperlenSteinsame (Lithospermum officinale): Verhütungspflanze
MutterkornMutterkorn (Secale cornutum): Abortivum und Geburtsmittel
MutterkrautKamille (Matricaria recutitia): krampflösendes Emmenagogum und Wundheilpflanze Mutterkraut (Chrysanthemum parthenium): Schmerzmittel Andorn (Marrubium vulgare): siehe Mariennesselkraut Melisse (Melissa officinalis): siehe Frauenkraut Immenblatt (Melittis melissophyllum): Emmenagogum Salbei (Salvia officinalis): Wund- und Gebärmutterarznei Wiesenraute (Thalictrum flavum): Emmenagogum Sumpfporst (Ledum palustre): Emmenagogum und Räucherpflanze Herzgespann (Leonurus cardiaca): Emmenagogum
MutterkümmelKreuzkümmel (Cuminum cyminum): Laktagogum
MutterwurzBergwohlverleih (Arnica montana): Abortivum und Emmenagogum Beifuß (Artemisia vulgaris): Emmenagogum und Geburtsmittel Sterndolde (Astrantia major): vergessenes Wundkraut
VenusblutEisenkraut (Verbena officinalis): Wehenmittel
VenusaugenbraueSchafgarbe (Achillea millefolium): Krampfmittel, Wundkraut, Hämostyptikum
VenusmantelSiehe Frauenmantel
VenusnabelWassernabel (Hydrocotyle asiatica): Nierenheilpflanze
WeiberkappenAkelei (Aquilegia vulgaris): Emmenagogum, Weißflussmittel
WeibergürtelkrautSiehe Mutterwurz, Beifuß
WeibernesselTaubnessel (Lamium album): Weißflussmittel
WeiberzornFärberginster (Genista tinctoria): Hämostyptikum; Hormonregulans

Abortivum = Abtreibungsmittel

Emmenagogum = menstruationsfördernde Pflanze

Hämostyptikum = blutstillende Pflanze

Nervinum = nervenstärkende Heilpflanze

Spasmolytikum = krampflösende Pflanze

Pflanzenhormone und hormonartig wirkende Heilpflanzen

»In allen Jahrhunderten hat sich die Menschheit darüber Gedanken gemacht, wie es kommt, dass ein Samenkorn einen Trieb in die Erde und einen anderen Trieb zum Lichte empor sendet … Die Triebstoffe, die solche Wirkungen auslösten, wurden für übertragbar auf den Menschen gehalten. Es fehlte aber an klaren Vorstellungen … Die Erforschung der Pflanzenhormone nahm erst feste Umrisse an, nachdem man die Hormone des Tierreichs genau kennen gelernt hatte … Die Vermutung, dass die Triebstoffe im Tierreich mit denen des Pflanzenreiches identisch sein könnten, trat recht bald auf. Der Beweis konnte allerdings erst für einzelne Hormone in den letzten Jahren erbracht werden.«

(Gerhard Madaus, Lehrbuch der biologischen Heilmittel, 1938)

Der Begriff Hormon leitet sich von dem griechischen Wort hormãn (= »antreiben, anregen, in Bewegung setzen«) ab, denn Hormone beeinflussen im menschlichen wie im tierischen Organismus, aber auch in der Pflanze den Stoffwechsel. In erster Linie dienen sie der Informationsübertragung zwischen verschiedenen Zellarten. Somit übernehmen sie im Lebewesen eine ähnliche Funktion wie der geflügelte Götterbote Hermes – dessen Name derselben Wortwurzel entspringt – in der Götterwelt. Kaum eine Körperfunktion läuft unabhängig von diesen Botenstoffen ab. Ohne Hormone wäre bereits der Zeugungsakt undenkbar und erst recht das Wunder der embryonalen Entwicklung oder die Geburt selbst. Kleinste Mengen dieser winzigen Moleküle im Nanobereich beeinflussen grundlegend alle Stoffwechselvorgänge, regeln die Fortpflanzung und nicht zuletzt sogar das Sozialverhalten sowie das persönliche Wohlbefinden – Grund genug, sich ein wenig mit Hormonen zu befassen.

Seit einigen Jahren wecken die Pflanzenhormone großes Interesse in der weiblichen Bevölkerung. Vor allem seit zwei große Studien (Women’s Health Initiative und die Million Women Study) bewiesen haben, dass die schulmedizinische Hormonersatztherapie, also die Langzeitanwendung von Östrogenen oder Östrogen-Gestagen-Kombinationen bei Wechseljahrsbeschwerden, mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs einhergeht. Darüber hinaus zeigte sich, dass gleichzeitig mit dem Rückgang der Verordnungen für eine Hormonersatztherapie in den USA auch die Brustkrebsrate um bis zu 12 Prozent sank. Für die Anwendung von Phytohormonen sprechen darüber hinaus auch die niedrigen Brustkrebsraten in asiatischen Ländern, wo etwa die Phytohormone der Sojapflanze in relativ großen Mengen mit der täglichen Nahrung aufgenommen werden.

Dies steht allerdings den aktuellen Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) entgegen. Das BfR hat erst kürzlich eine ausführliche Stellungnahme zu Isoflavonen aus Rotklee oder Soja abgegeben. Sinngemäß lautet der Inhalt dieser Stellungnahme, dass zum einen die Wirksamkeit der Isoflavone bei Wechseljahrsbeschwerden nicht wissenschaftlich bewiesen sei. In der Tat zeigte sich in einigen kontrollierten Studien sowie in Metaanalysen, dass die Isoflavone aus Rotklee oder Soja nur eine Besserung leichter Wechseljahrsbeschwerden bewirken, und die Ergebnisse waren nicht gerade herausragend. Allerdings kann auch nicht jede Frau die zugeführten Phytohormone gleichermaßen gut verwerten, wie wir später noch sehen werden.

Zum anderen warnt das BfR vor möglichen Nebenwirkungen und Langzeitfolgen, vor allem bei hochdosierter Einnahme von isolierten Isoflavonen, etwa in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass Isoflavone die Wirkung bestimmter Medikamente (z. B. Tamoxifen) aufheben könnten. Das BfR vertritt daher die Meinung, dass vor allem dann von der Einnahme isolierter Isoflavone abzuraten ist, wenn östrogenabhängige Tumoren bestehen (z. B. Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, Myome) – oder bei Kropfneigung, da Isoflavone auch die Schilddrüsenfunktion beeinflussen können. Diese Empfehlungen oder besser Warnungen gelten allerdings in Fachkreisen, das heißt unter Apothekern und Naturheilkundlern, als umstritten.

Doch um welche Stoffe handelt es sich eigentlich? Unter dem Begriff Phytohormone fasst man zunächst einmal verschiedene Pflanzeninhaltsstoffe mit hormonartiger Wirkung zusammen. Nur wenige Pflanzen enthalten tatsächlich Hormone. Ein Beispiel ist jedoch der Granatapfel, in dessen Samen man reines Östron fand, das mit den in den Eierstöcken gebildeten weiblichen Sexualhormonen völlig identisch ist. Allerdings handelt es sich beim Östron um ein relativ schwach wirksames Östrogen, das unter anderem wegen seiner geringen Hormonwirkung kein großes krebserregendes Potenzial in sich bergen kann. Im Gegenteil: Inzwischen belegen einige Studien, dass der Granatapfel um ein Vielfaches stärker antioxidativ und somit krebsfeindlich wirkt als beispielsweise Grüntee. Die hormonelle Wirkung des Granatapfels wird seit Jahrhunderten rege genutzt. In Persien wie auch in anderen arabischen Ländern genießt der Granatapfel seit Urzeiten hohes Ansehen, und Frauen wie Männer kauen die Kerne regelmäßig, um ewig jung zu bleiben. In der Tat wirken die relativ kleinen Mengen dieser sanften Phytohormone stimmungsaufhellend und hautverjüngend. Seit immer mehr Frauen die schulmedizinische Hormonersatztherapie ablehnen, bemüht sich die Pharmaindustrie vermehrt um männliche Kunden. Die Granatapfelhormone scheinen den Männern nicht zu schaden. Zwar wirken größere Östrogenmengen zuverlässig dämpfend auf ihren Sexualtrieb, kleinere Dosen wirken jedoch verjüngend und heben spürbar die Spannkraft. Daher verwundert es nicht, wenn in arabischen Ländern auch das vermeintlich starke Geschlecht sich durch die regelmäßige Zufuhr kleiner Mengen Phytoöstrogene fit hält.

Doch der Wirkmechanismus der Pflanzenhormone ist noch ein wenig komplexer. Bis vor wenigen Jahrzehnten hat man sich die Wirkung von Phytohormonen so erklärt, dass diese sich an Hormonrezeptoren binden und im Gegensatz zu körpereigenen Hormonen eben nur Teilfunktionen übernehmen. Darüber hinaus handelt es sich bei den Phytohormonen um völlig unterschiedliche Wirkstoffgruppen. Hormonartig wirken hauptsächlich Isoflavone sowie bestimmte Flavonoide, ferner Lignane und Coumestane. Heute bezeichnet man diese Phytohormone als selektive Östrogen- bzw. Estrogen-Rezeptor-Modulatoren, kurz: SERM. Lange Zeit konnte man sich nicht erklären, warum Phytoöstrogene mal eine östrogenartige Wirkung und mal eine antiöstrogene Wirkung zeigen. Inzwischen ist bekannt, dass es im menschlichen Organismus zweierlei Östrogenrezeptoren gibt, die sich in jeweils anderen Organen finden und unterschiedliche Wirkungen vermitteln.

Die Alpha-Estrogen-Rezeptoren (ERAlpha) kommen vor allem in der Gebärmutter, in der Brust und in der Leber vor und vermitteln unter anderem sogenannte proliferative und entzündungsfördernde Effekte. Das heißt, eine Stimulation dieser Alpha-Rezeptoren kann das Tumorwachstum in der Brustdrüse oder in der Gebärmutter anregen.

Pflanzenhormone binden sich jedoch überwiegend an Beta-Estrogen-Rezeptoren. Diese finden sich vor allem im Darm, in der Prostata, im Knochengewebe und in den Gefäßwänden. ER vermitteln unter anderem entzündungshemmende und antiproliferative Effekte. Die Stimulation dieser Rezeptoren bewirkt also eine Wachstumshemmung von Tumorzellen. Inzwischen geht man sogar davon aus, dass Phytoöstrogene, die sich an Hormonrezeptoren binden, verhindern, dass die besetzten Estrogen-Rezeptoren beispielsweise durch östrogenartig wirkende Umweltproblemstoffe (z. B. DDT) stimuliert werden können, wodurch deren krebserregender Effekt ausbleibt. Jedenfalls liegen mittlerweile zahlreiche Studien vor, die auf eine krebsfeindliche Wirkung der Phytoöstrogene schließen lassen. Eine Studie des japanischen nationalen Krebsinstituts konnte beispielsweise nachweisen, dass Isoflavone das Brustkrebsrisiko um bis zu 30 Prozent senken. Das Deutsche Krebsforschungsinstitut in Heidelberg konnte dies nur bestätigen: Die Zufuhr von Isoflavonen und Lignanen ergab ein um bis zu 50 Prozent vermindertes Krebsrisiko. In einigen Studien untersuchte man darüber hinaus, ob sich vielleicht das Brustgewebe durch die Isoflavone verdichten könnte. Doch die mammografischen Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf eine gewebsverdichtende Wirkung der Phytohormone. Bislang unerforscht ist dagegen die hochdosierte Dauereinnahme von isolierten Isoflavonen aus genmanipulierten Sojapflanzen. Aufgrund der Genmanipulation könnte es möglicherweise zu einer modifizierten Hormonwirkung kommen, so dass eine Wachstumsstimulation von Tumorzellen nicht mehr völlig ausgeschlossen werden kann. Nicht zuletzt hat sich im Umgang mit Pflanzen stets gezeigt, dass ein isolierter Wirkstoff eigentlich immer unerwünschte Nebeneffekte hervorbringt oder verstärkt – im Gegensatz zum natürlichen Wirkstoffgemisch, das so in der Pflanze vorkommt und sich in der Regel als weit verträglicher erweist.

Die Existenz der unterschiedlichen Estrogen-Rezeptoren erklärt auch, warum die Phytohormone mal eine östrogenartige und mal eine antiöstrogene Wirkung haben. Vor der Menopause besetzen Phytohormone nämlich die Rezeptoren und verhindern, dass diese durch körpereigene Sexualhormone oder durch krebserregende Chemikalien wie etwa DDT stimuliert werden. Somit wirken Phytohormone vor dem Wechsel antiöstrogen. Wenn jedoch ab dem Wechsel die körpereigene Östrogenproduktion allmählich nachlässt, dann gleichen die östrogenartigen Pflanzeninhaltsstoffe den Östrogenmangel auf sanfte Weise aus und entfalten somit ihre östrogenartige Wirkung. Die durch Phytohormone erzielten Effekte werden von Experten jedoch um ein Vielfaches schwächer eingestuft als die der körpereigenen Sexualhormone: Isoflavone aus der Sojapflanze haben schätzungsweise eine hundert- bis tausendfach schwächere hormonelle Aktivität als Steroidhormone wie etwa 17-β-Estradiol. Allein deswegen birgt die Einnahme von Phytohormonen ein wesentlich geringeres Krebsrisiko in sich als die übliche Hormonersatztherapie.

Allerdings genügt es keineswegs, die krebsfeindlichen und hormonell ausgleichenden Phytohormone einfach nur mit der Nahrung oder als Nahrungsergänzung zuzuführen, denn vor allem die Verwertung der Soja-Isoflavone hängt von mehreren Faktoren ab, besonders von einer intakten Darmflora. In der Pflanze liegen die Phytohormone nämlich meist als inaktive Vorstufen vor, die erst mit Hilfe von Darmbakterien aufgeschlossen und in hormonartig wirkende Stoffe umgewandelt werden. Experten vermuten, dass bis zu 30 Prozent der Bevölkerung westlicher Industrienationen die inaktiven Vorstufen gar nicht in die hormonell wirksamen Verbindungen umwandeln können. Das dürfte auch der Grund sein, warum die eine Frau sich durch den regelmäßigen Genuss von Sojamilch oder Sojakapseln spürbar wohler fühlt, wohingegen die andere Frau trotz konsequenter Einnahme hochdosierter Isoflavon-Präparate keine Linderung ihrer Wechseljahrsbeschwerden erfährt.

Abgesehen von den Phytohormonen, die aus der Sojapflanze oder vom Rotklee stammen, gibt es natürlich noch unzählige weitere Pflanzen, die Einfluss auf das Hormonsystem nehmen. Viele sind noch nicht ausreichend erforscht, um genau sagen zu können, welcher Wirkstoff für die hormonell regulierenden Eigenschaften verantwortlich ist. Greift man zum Beispiel einmal den Frauenmantel heraus, so wird deutlich, dass die Erforschung der hormonartig wirkenden Pflanzeninhaltsstoffe noch in den Kinderschuhen steckt. Frauenmantelarten haben sich seit vielen Jahrhunderten als sanftes Frauenmittel in der Volksmedizin behauptet. Gleich, ob es sich um Stimmungsschwankungen vor der Regel, um ungewollte Kinderlosigkeit oder um eine Fehlgeburtsneigung handelt – der Frauenmantel erweist sich bei hormonell bedingten Frauenleiden als mildes, aber zuverlässiges Mittel, ohne dass man hormonartige Stoffe in ihm gefunden hätte. Dennoch beeinflusst er das Hormonsystem in einer Weise, dass man ihn in der ersten Zyklushälfte als östrogenisierend und dem Eisprung förderlich bezeichnen muss, wohingegen er in der zweiten Zyklushälfte mehr die Produktion der Gelbkörperhormone begünstigt. Wegen dieser Heileigenschaften wird der Frauenmantel von Kräuterkennern bei Funktionsschwäche der Fortpflanzungsorgane sowie als Gebärmuttertonikum geschätzt.

Wegen der hormonartigen Wirkung schätzen Asiaten die Ginsengwurzel seit Jahrtausenden als Aphrodisiakum und Lebenselixier. (Sammlung Kräutergarten, München; Foto: O. Rippe)


Mönchspfeffer (Lonitzer [Lonicerus], 1560)

Die Früchte des Keuschbaums dienten bereits den Mönchen im Mittelalter als triebdämpfender Pfefferersatz. Sie stellen darüber hinaus das Gleichgewicht zwischen Östrogenen und Gelbkörperhormonen her und bewähren sich daher in der naturheilkundlichen Fruchtbarkeitsbehandlung.


Schwangerschaft (Pregnatio, J. D. Mylius, 1628)


Weidenkätzchen (Foto: M. Madejsky)

In den männlichen Blüten fand der Pflanzenforscher Gerhard Madaus männliche Sexualhormone.

Blühendes Süßholzpflanze. Aus dem eingedickten Wurzelsaft stellt man Lakritze her, die eine corticoidähnliche Wirkung hat. (Foto: M. Madejsky)


In den Brutzwiebeln der Tigerlilien finden sich hormonähnliche Stoffe. Daher verbessern homöopathische Verdünnungen der Tigerlilie auf ähnliche Weise die Bildung von Gelbkörperhormonen wie der Mönchspfeffer. (Foto: M. Madejsky)


Hermes, Fresko von Giambattista Tiepolo, 18. Jahrhundert.


Yamswurzel auf dem Viktualienmarkt in München (Foto: I. und P. Schönfelder).


In der Homöopathie gehört die Küchenschelle (Pulsatilla) zu den großen Frauenmitteln bei Gelbkörperschwäche. (Foto: M. Madejsky)

Folglich ist eine hormonelle Wirkung vorhanden, der genaue Wirkmechanismus blieb bislang jedoch ungeklärt. Ähnlich verhält es sich mit vielen weiteren Pflanzen, denen vor allem Volksmediziner eine hormonartige Wirkung zusprechen, zum Beispiel Anis, Fenchel, Koriander, Melisse oder Walnuss.

Viele Arzneipflanzen haben einen mehr oder weniger starken Einfluss auf hormonabhängige Körperfunktionen wie etwa auf die Milchbildung, die durch die Hormone Prolaktin und Oxytozin reguliert wird. Andere Pflanzen wirken wehenerregend und zeigen damit oxytozinähnliche Wirkung, etwa Beifuß, Eisenkraut, Rainfarn oder Raute. Wieder andere beeinflussen die Schilddrüsenfunktion, was sich auf das übrige Hormonsystem sowie auf den Gesamtstoffwechsel auswirkt, beispielsweise Blasentang, Efeu, Eisenkraut, Melisse oder Wolfstrapp.

Mit anderen Worten: Hormonartig wirkende Pflanzen sind so weit verbreitet, dass diese selbst beim allerbesten Willen nicht alle aufgezählt werden könnten. Interessant ist dabei, dass man inzwischen in unzähligen Pflanzen östrogenartig wirkende Stoffe finden konnte. Gerhard Madaus, der die Pflanzenhormone in den dreißiger und vierziger Jahren ausgiebig erforscht hat, wies darauf hin, dass die Pflanzenöstrogene auch mit dem jeweiligen Geschlecht der Pflanzen zu tun haben: »Das Follikelhormon findet sich bekanntlich besonders angereichert im Urin trächtiger Stuten und auch, wie später festgestellt wurde, im Urin schwangerer Frauen. Bei den Pflanzen befindet es sich hauptsächlich in weiblichen Blütenorganen, so z. B. in Nuphar luteum (12–20 ME), in den weiblichen Blüten von Salix caprea (48–200 ME je kg Feuchtorgan), weiter in Helianthus annuus, Holunder- und Nesselblüten … Dagegen fand man es wieder angereichert in Weizen, Gerstenkeimlingen, Kartoffeln, Körnerfrüchten, Kirschen, Zuckerrüben, Rhabarber und vielen pflanzlichen Arzneidrogen« (Gerhard Madaus, Lehrbuch der biologischen Heilmittel, 1938).

Pflanzeninhaltsstoffe mit gelbkörperhormonähnlicher oder mit testosteronartiger Wirkung sind dagegen eher selten. Gestagenregulierend wirken beispielsweise Frauenmantel, Mönchspfeffer, Nachtkerze und Tigerlilie. Die Inhaltsstoffe der Yamswurz müssen erst teilsynthetisch im Labor umgewandelt werden, um ihre gelbkörperhormonartige Wirkung zu erlangen. Pflanzen mit androgenähnlicher oder testosteronähnlicher Wirkung werden von den Forschern nur überaus selten erwähnt. Zum Beispiel führt Madaus die männlichen Blüten einer Weidenart (Salix caprea) als natürliche Quelle männlicher Sexualhormone auf. Dabei wirken zahlreiche Pflanzen auf die männlichen Sexualorgane ein. Zum Beispiel führen Brennnesselsamen und Ginseng dazu, dass männliche Tiere ihr Hochzeitskleid anlegen, und Salomonssiegel (Polygonatum officinale) wird vermutlich wegen seiner hormonähnlichen Eigenschaften mit Erfolg in Salbenform bei Vorhautverengung eingesetzt. In jedem Fall also können die nächsten Jahre und Jahrzehnte bezüglich der hormonaktiven Pflanzeninhaltsstoffe noch einiges an Aufklärung bieten.

Einige hormonartig wirkende Heilpflanzen und Pflanzeninhaltsstoffe


Pflanze (Stamm­pflanze)Hormon­artiger Stoff (Wirk­stoff­gruppe)Nutzung
Alfalfa (Medicago sativa)Cumestane (Lignan)Östrogen­artig wirkende Nahrungs­pflanze; eignet sich zur Auffüllung der Fettdepots bei Magersucht.
Besenginster (Cystus scoparius)Genistein (Isoflavonoid) und Diosgenin­derivateVolks­medizinisch bei Gebär­mutter­blutungen, Wechsel­jahrs­beschwerden sowie bei Herz­rhythmus­störungen.
Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum)Östrogen­artige Iso­flavone (Formon­nonetin)Alte Nahrungs- und Frauen­pflanze, die schon im alten Ägypten zur Geburts­einleitung sowie zur Anregung der Milch­bildung gebraucht wurde.
Brennnessel (Urtica dioica)Beta-Sitosterol und Neo-Olivil in der Wurzel (anti­östrogenes Lignan)Bewährt in der Behandlung von Prostata­adenom und Reizblase der Frau. Extrakte heben zum Teil die Wirkung von Dehydro­testo­steron auf (vgl. Kürbis).
Eisenkraut, Echtes (Verbena officinalis)Oxytozin­ähnlicher Bitterstoff Verbenalin (Glykosid)Volks­medizinisch zur Anregung der Wehen­tätigkeit sowie zur Austreibung der Nachgeburt.
Färber­ginster (Genista tinctoria)Östrogen­artige Iso­flavone (Genistein und Genestin)Empfohlen zur Osteo­porose­prophy­laxe sowie zur Behandlung leichter Wechsel­jahrs­beschwerden.
Frauen­mantel (Alchemilla xantho­chlora)Das hormonell wirksame Prinzip konnte noch nicht identifiziert werden.Volksmedizinische Universal­heil­pflanze bei Frauen­leiden; wirkt in der ersten Zyklushälfte empfängnis­fördernd und in der zweiten Zyklushälfte regulierend auf die Gelb­körper­hormon­produktion.
Ginseng (Panax ginseng)Ginsenoside (steroid­hormon­ähnliche Glykoside)Sexual­tonikum, Lebens­elixier und Neben­nieren­stimulans aus dem Arznei­schatz der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Granatapfel (Punica granatum)Östron (schwach wirksames Östrogen) im Samen­mantelSymbolpflanze der ewigen Jugend; Attribut vieler Göttinnen. Gilt als reichste Quelle für Östron, das mit den weiblichen Sexual­hormonen identisch ist. Heute als anti­oxidative und mild östrogen­artige Nahrungs­ergänzung ab dem Wechsel.
Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris)Das oxytocin­ähnliche Wirkprinzip ist noch weitgehend unbekannt; eventuell sind Flavonoide oder ein Peptid verantwortlich.Für die uterus­kontra­hierende und blut­stillende Wirkung soll ein oxytocin­ähnliches Peptid verantwortlich sein. Volks­medizinisch zur Regulation von Gebär­mutter­blutungen sowie zur Ausstoßung der Nachgeburt und zur Anregung des Wochen­flusses.
Hopfen (Humulus lupulus)Östrogenartiges Prenyl­naringenin (prenyliertes Flavonoid)Zur volks­medizinischen Hormon­regulation bei Wechsel­jahrs­beschwerden wie Hitze­wallungen und Schlaf­störungen.
Indigo, Wilder (Baptisia tinctoria)Östrogen­artige Isoflavone (Genistein, Formononetin)Überwiegend als Bestandteil immun­stimulierender Komplexmittel in Gebrauch (z. B. Esberitox-N-Tabletten von Schaper & Brümmer).
Kleearten (z. B. Rotklee, Trifolium pratense)Isoflavone (Genistein) und Cumestane (Cumestrol)Heimischer Sojaersatz. Vor allem in Form von Nahrungs­ergänzungs­mitteln zur sanften Hormon­substitution bei Wechsel­jahrs­beschwerden.
Östrogen­artige Iso­flavo­noide und Deoxy­miro­estrolThailändisches Verjüngungs­mittel für Frauen; soll die Fruchtbarkeit erhalten, das Klimakterium verzögern, die Libido steigern, die Brust vergrößern etc.
Kürbis (Cucurbita pepo)Steroide (vor allem Delta-7-Sterole)Auch »Herkules­samen« genannt, weil potenz­erhaltend und heilsam für die Prostata. Delta-7-Sterole senken bei Prostata­hyper­trophie erhöhte Dihydro-Testo­steron-Werte. Die anti­östrogene Wirkung lindert auch die Reiz­blasen­beschwerden von Frauen.
Meerträubel (Ephedra spp.)Adrenalin­artige Alkaloide (Ephedrin)Stark wirksames Asthma­mittel und Aphrodi­siakum für Frauen (Ephedrin ist bis einschließlich D3 rezeptpflichtig).
Mönchs­pfeffer (Vitex agnus-castus)Vermutlich sind Diterpene (u. a. Rotundifuran) für die stimulierenden Effekte auf Dopamin-D2-Rezeptoren verantwortlich.Bewährte Frauenpflanze bei Gelb­körper­schwäche (stellt das Östrogen-Gestagen-Gleichgewicht her) sowie zur Senkung des Prolaktin­spiegels bei Mastodynie, Zyklus­störungen, Unfrucht­barkeit etc.
Muskateller­salbei (Salvia sclarea)Ätherisches Öl mit östrogenartigem Sclareol (Diterpenol)Mild aphrodi­sierende Aromapflanze für sinnliche Bäder, Körperöle, Duft­mischungen, Spülungen usw.
Raute (Ruta graveolens)Unbekannt (eventuell ätherische Öle)Wegen der östrogen­artigen Wirkung einst als trieb­dämpfendes Mittel der Mönche in Gebrauch.
Rhapontik­rhabarber (Rheum rhaponticum)RhaponticinTeilsynthetisch umgebautes Rhaponiticin (z. B. in Phyto-Strol von Müller Göppingen), wird von manchen Gynäkologen zur sanften Hormon­substitution in den Wechseljahren verordnet.
Roggen (Secale cereale)Östrogen­artige Lignane (u. a. Matairesinol, Secoisolari­ciresinol)Die östrogenartig wirksamen Lignane sind nur im Vollkorn-mehl enthalten, weswegen Vollkornbrot auch »Brot für die Frau« genannt wird.
Sägepalme (Sabal serrulatum)Sterole (vor allen Beta-Sitosterol in den Früchten)»Pflanzlicher Katheter«; volks­medizinisch bei Blasen­entzündungen, Reizblase und Prostata­leiden.
Salbei (Salvia officinalis)Ätherisches Öl mit östrogen­artigem Salviol (Diterpenol)Volks­medizinische Frauen­heilpflanze mit schweiß­hemmender Wirkung, bei leichten Wechsel­jahrs­beschwerden sowie zum Abstillen.
Salomons­siegel, Wohl­riechendes (Polygonatum odoratum)Diosgenin (Steroid­saponin)Salomons­siegel hieß im Volksmund »Schminckwurz«, weil es als Kosmetikum in Gebrauch war, und »Springwurz«, weil es alle Schlösser öffnen soll. (Schließt es möglicherweise den Geburtsschoß auf?)
Silberkerze (Cimicifuga racemosa)Östrogenartiges Formononetin (Isoflavon)Kardinal­heilpflanze für die Wechsel­jahre. Sehr bewährte Frauen­heil­pflanze zur sanften Hormon­substi­tution im Klimakterium.
Soja (Glycine max)Isoflavone (Daidzein, Genistein) und Cumestane (Cumestrol)Aufgrund der östrogenartigen Wirkung als Nahrungs­ergänzungs­mittel in den Wechsel­jahren oder in Form von Sojaprodukten wie etwa Sojamilch zur sanften Hormon­regulation in Gebrauch.
Steinsame (Lithospermum officinale)Anti­thyreotrope und anti­gonadotrope Lithosperm­säureDie Pflanze diente den Indianerfrauen als Verhütung­smittel, weil die anti­gonadotrope Lithosperm­säure ähnlich wie die Pille den Eisprung unterdrückt.
Süßholz (Glycyrrhiza glabra)Östrogen­artige Isoflavone (Formononetin) und corticoid­artiges GlycyrrhizinHauptsächlich wegen der corticoid­artigen Wirkung zur Linderung des Hustenreizes bei akuter Bronchitis sowie zur Behandlung von Magen-Darm-Geschwüren in Gebrauch. Gilt wegen der Süße als »Medizinpferd«, mit dem andere Arzneistoffe in den Körper gelangen.
Tigerlilie (Lilium tigrinum)Steroid­saponine in den BrutknospenMadaus fand in den Brutknospen hormonartige Steroid­saponine, die ähnlich wie beim Mönchspfeffer das relative Gestagen­gleichgewicht wiederherstellen.
Wolfstrapp (Lycopus europaeus)Anti­thyreotrope und anti­gonadotrope Lithosperm­säureDie schilddrüsen­dämpfende Wirkung wird bei leichten Formen der Schilddrüsen­überfunktion genutzt.
Yamswurzel (Dioscorea villosa)Diosgenin (Steroidsaponin)Die Yamswurz lieferte einst die Ausgangs­substanzen zur Herstellung der Antibabypille. Heute wird Diosgenin teil-synthetisch abgewandelt und beispiels­weise in Form von Progesteron­creme zur Gelbkörper­hormon­substitution vor allem im Prä­klimakterium verordnet.

Einmaleins der Pflanzeninhaltsstoffe

Einige bedeutsame Pflanzen­inhalts­stoffe werden in diesem Buch immer wieder genannt. Damit Sie sich bei Bedarf über deren Eigenschaften und Wirkweisen informieren können, finden Sie hier einen kurzen Überblick mit den wichtigsten Charakteristika.

Ätherische Öle

Ätherische Öle sind flüchtige Aromastoffe, die den Duft oder Geschmack einer Pflanze ausmachen. Sie dienen dem Gewächs einerseits als Lockstoff, um etwa Insekten zur Bestäubung anzulocken. Andererseits können die Düfte wie eine Art chemische Waffe wirken und andere Pflanzen auf Abstand halten oder Krankheitserreger wie Pflanzenviren oder Schimmelpilze im Wachstum hemmen. Die Bildung ätherischer Öle wird als Sonnenprozess gesehen, da sie vermehrt in Pflanzen aus heißen Gebieten vorkommt. In der Frauenheilkunde und Geburtshilfe nutzt man Aromapflanzen auf vielfältige Weise, zum Beispiel:

 Brotgewürze wie Fenchel, Koriander und Kümmel regen die Milchbildung an und wirken wegen ihrer ätherischen Öle antimikrobiell und krampflösend bei Blähkoliken.

 Aromapflanzen wie Kamille, Lavendel oder Majoran verfügen über ein beachtliches antibiotisches Potenzial, so dass sie bei Scheidenentzündungen heilsam wirken. Bestandteile wie etwa Zimtaldehyd im ätherischen Öl der Zimtrinde zählen zu den stärksten antibiotischen Stoffen aus dem Pflanzenreich und führen im Gegensatz zu schulmedizinisch definierten Antibiotika nicht zur Resistenzbildung von Bakterienstämmen.

 Manche Duftstoffe aus der Pflanzenwelt locken nicht nur Insekten zur Bestäubung an, sondern haben auch hormonartige und sexuell stimulierende Wirkung. Diese hormonartig wirkenden Bestandteile mancher ätherischer Öle bezeichnet man als Pheromone. Besonders reich an Pheromonen sind zum Beispiel Angelikawurzel, Liebstöckel und Muskatellersalbei.

Alkaloide

Alkaloide sind stickstoffhaltige Pflanzeninhaltsstoffe. Inzwischen kennt man einige tausend Alkaloide mit unterschiedlicher Wirkung. Vermutlich dienen diese Stoffe der Pflanze als Schutz vor Bakterien-, Pilz- oder Virusbefall. Je heißer und feuchter ein Gebiet ist, umso mehr Alkaloide bilden die Pflanzen. Am bekanntesten sind die Tropanalkaloide der Nachtschattengewächse (Alraune, Bilsenkraut, Tollkirsche, Stechapfel), die wegen ihrer halluzinogenen Wirkung einst Bestandteile von Hexensalben waren. Heute nutzt man vor allem die krampflösende Wirkung der Tropanalkaloide bei Regelbeschwerden, zum Beispiel in Form von krampflösenden Baucheinreibungen mit fettem Bilsenkrautöl; und nicht zuletzt verordnen manche Gynäkologen bei Menstrualkoliken das Schmerzmittel Buscopan, das Stechapfel-Scopolamine enthält. Die Anwendung von Alkaloiddrogen wie Bilsenkraut oder Tollkirsche ist nicht ungefährlich, da Alkaloide zu den stark wirksamen Pflanzeninhaltsstoffen gehören und bei Überdosierung Halluzinationen bis hin zu drogeninduzierten Psychosen auslösen können und im Extremfall zum Tod durch Atemlähmung führen. (Der Hexenpflanzenforscher Carl Kiesewetter starb bei einem Selbstversuch.) In geeigneter Dosierung sind Alkaloidpflanzen jedoch nur sehr stark wirksame Pflanzen, und in homöopathischen Verdünnungen dienen sie als Naturarzneien bei krampfartigen Regelbeschwerden oder bei fieberhaften Erkrankungen.

Zu den Alkaloiden gehören ebenfalls die Pyrrolizidinalkaloide, bekannt von Huflattich, Pestwurz, Wasserdost, Kreuzkraut, Beinwell und anderen Borretschgewächsen. Wegen des Verdachts auf leberschädigende, krebserregende und erbgutschädigende Wirkung wurden Pyrrolizidindrogen, vor allem aber der Huflattich, gründlich untersucht. Im Tierversuch erwiesen sich diese Pflanzen dann tatsächlich als schädlich. Daher sollten vor allem Schwangere und Stillende keine pyrrolizidinhaltigen Heilpflanzen einnehmen.

Bitterstoffe

Hierzu zählen alle bitter schmeckenden Pflanzeninhaltsstoffe, die über die Bitterrezeptoren in den Geschmacksknospen am Zungengrund die Verdauungssäfte ins Fließen bringen. Wichtig ist, dass die Wirkung nicht durch Beigabe von Honig oder Süßstoff zu bitteren Heilkräutertees gestört wird. Denn nur wenn es auch bitter schmeckt, können diese Stoffe die Sekretion von Speichel, Magensaft sowie den Gallenfluss anregen. Die bekanntesten Bitterpflanzen sind Enzian und Tausendgüldenkraut, doch auch Angelikawurzel, Benediktenkraut oder Schafgarbe zählen dazu. Je nach Zeitpunkt der Einnahme können Bitterstoffe den Appetit anregen (vor dem Essen) oder die Verdauung fördern (nach dem Essen). In der Frauenheilkunde sind sie vor allem bei Blutarmut oder bei Osteoporose wichtig, da sie die Aufnahme von Nahrungseisen und Spurenelementen im Darm verbessern. Bitterstoffe eignen sich außerdem gut, um bei oder nach schweren Erkrankungen neue Lebenskraft zuzuführen, und stärken sogar die Blutabwehr (bewirken Leukozytose).

Cumarine

Im Pflanzenreich sind diese Inhaltsstoffe weit verbreitet; es gibt schätzungsweise tausend Cumarinverbindungen. In der frischen Pflanze liegen die Cumarine meist als geruchlose Vorstufen vor, die erst beim Trocknungsprozess in geruchsintensive Formen übergehen und den typischen Heuduft von gemähtem Gras ausmachen. Die Wirkung reicht von entzündungswidrig über antiödematös, venenkräftigend und krampflösend bis hin zu bakterizid. In großen Dosen können Cumarine jedoch die Blutgerinnung hemmen und die Leber schädigen. Die bekanntesten Cumarinpflanzen sind Waldmeister, Steinklee (Venenmittel), Mariengras (Räucherpflanze) und Tonka (Nahrungsmittelaroma). Vor der Anwendung von Cumarindrogen wie Steinklee als Venenmittel in der Schwangerschaft muss gewarnt werden, da dies zu Darmblutungen beim Säugling führen kann.

Neben Eibischwurzeln oder Taubnesseln enthalten auch Malvenblüten Schleimstoffe, die sich zur Zubereitung reizlindernder Sitzbäder eignen. (Foto: M. Madejsky)


Durch Wasserdampfdestillation gewonnenes ätherisches Kamillenblauöl. (Foto: O. Rippe)


Augentrost enthält das antibiotisch wirksame Iridoidglykosid Aucubin. (Foto: M. Madejsky)


Schwefelhaltige Scharfstoffe machen den Knoblauch zu einem pflanzlichen Breitbandantibiotikum. (Foto: M. Madejsky)


Dost, auch wilder Majoran genannt, bildet ätherische Öle, deren antimikrobielle Kräfte mit denen des Gartenmajorans vergleichbar sind. (Foto: M. Madejsky)


Eichenblätter und -rinde enthalten blutflusshemmende Gerbstoffe. Eiche (L. Fuchs, 1543)

Löwenzahnblüten und -blätter zählen zu den reichhaltigsten Quellen für krebsfeindliches Provitamin A. (Foto: M. Madejsky)


Meerträubel bei den Königsgräbern auf Zypern (Foto: M. Madejsky)


Meerträubelfrüchte (Foto: O. Rippe)

Im Meerträubel finden sich Alkaloide wie etwa Ephedrin, das eine adrenalinartige Wirkung hat und deswegen zu den stark wirksamen Sexualtonika für Frauen gehört.


Bitterstoffdrogen wie das Tausendgüldenkraut fördern die Verwertung von Eisen und Spurenelementen im Magen-Darm-Trakt. Daher gebraucht man Bitterpflanzen bei Blutarmut und indirekt zur Osteoporoseprophylaxe. (Foto: M. Madejsky)


Der Tuberose entströmt ein betörender Duft, der irgendwo zwischen Rose und Vanille liegt und sich für aphrodisierende Bäder, Öle oder Parfums eignet. (Foto: M. Madejsky)

Zu den Cumarinen gehören auch Furanocumarine, die innerlich angewandt oder bei Hautkontakt photosensibilisierende bis phototoxische Reaktionen hervorrufen können. Furanocumarine verursachen Wiesendermatitis oder können auch zu Brandblasen führen, wenn etwa Pflanzensaft der Herkulesstaude auf die Haut kommt und später Sonnenlicht darauffällt. Pflanzen mit Furanocumarinen sollten nicht in der Schwangerschaft gebraucht werden, weil sie eine hormonell bedingte Hautpigmentierung verstärken. Zu den Furanocumarin-Drogen zählen Angelikawurzel, Liebstöckel und Herkulesstaude.

Schließlich sei noch erwähnt, dass sich auch die östrogenartig wirksamen Coumestane von den Cumarinen ableiten. Coumestane finden sich überwiegend in den Keimlingen und Sprossen von Alfalfa und Soja sowie in Kleearten.

Flavonoide

Der Begriff Flavonoide leitet sich vom lateinischen flavus (= »gelb«) ab. Es handelt sich um Farbpigmente, die im Zellsaft gelöst sind. Flavonoide kommen speziell in den gelben Blüten, aber auch in allen oberirdischen Pflanzenteilen vor, da sie den Pflanzenzellen als Schutz vor Strahlenschäden dienen. Flavonoide sind eine Art Sonnenschirm der Pflanzenwelt. Bekannte Flavonoiddrogen sind Buchweizen (Venenmittel), Goldrute (Nierenheilpflanze), Mariendistel (Leberheilpflanze) oder die Ringelblume (Wundmittel).

Diese Inhaltsstoffe schützen allerdings nicht nur die Pflanzenzelle vor Strahlenschäden. Untersuchungen zeigten, dass Goldrute und Ringelblume auch Strahlenschäden der Haut reduzieren können. Dabei erweist sich die Goldrute am wirksamsten, wenn sie vorbeugend angewandt wird, wohingegen die Ringelblume die Hautentzündungen auch unmittelbar nach der Bestrahlung lindert.

Von den Flavonoiden leiten sich schließlich auch die Isoflavonoide ab, die der Pflanze vermutlich zum Schutz vor Pilzbefall dienen und die zum Teil hormonartig wirken. Inzwischen sind die östrogenartigen Isoflavone aus Rotklee oder Soja im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde, entweder als Nahrungsergänzung für die Wechseljahre oder in Form von Sojaprodukten wie etwa Sojamilch. Doch östrogenartig wirkende Isoflavone finden sich ebenso in Besenginster, Färberginster, in Linsen und vielen weiteren Pflanzen. Flavonoide mit östrogenartiger Wirkung kommen auch im Rotwein vor (Stilbenderivat Resveratrol) und finden sich sogar in Kohlarten (Indol-3-carbinol).

Gerbstoffe

Gerbstoffe sind Oligo- oder Polysaccharide, die mit Hauteiweißen unlösliche Komplexe bilden und daher zur Lederherstellung gebraucht werden. Sie dienen der Pflanze vermutlich zum Schutz vor Viren oder Schimmelpilzen und kommen vermehrt in Pflanzen aus Feuchtgebieten vor (z. B. Blutwurz oder Blutweiderich).

Gerbstoffdrogen haben eine zusammenziehende und austrocknende Wirkung und werden daher seit langem zur Wundbehandlung gebraucht. Ihre antimikrobiellen Eigenschaften machen sie zu unentbehrlichen Heilpflanzen bei Entzündungen wie etwa bei bakteriellem Ausfluss oder bei Scheidenpilz. Gerbstoffe sind für Candidapilze pures Gift! Außerdem sind Gerbstoffe für die blutflusshemmende Wirkung vieler Heilkräuter zuständig (z. B. Blutwurz, Eichenblätter, Frauenmantel, Silbermantel). Speziellen Gerbstoffen, die in Rosengewächsen vorkommen (Agrimoniin aus Odermennig), konnte eine krebsfeindliche Wirkung nachgewiesen werden.

Glykoside

Unter dem Begriff versammeln sich so unterschiedliche Pflanzeninhaltsstoffe wie etwa die Herzglykoside aus Fingerhut oder Meerzwiebel und die antibakteriell wirksamen Iridoidglykoside von Augentrost, Damiana, Ehrenpreis oder Spitzwegerich. Für die Frauen- oder Kinderheilkunde ist vielleicht Folgendes interessant: Die Herzglykoside waren einst zuerst als Hautheilpflanzen in Gebrauch; daher ist es bis heute in der Volksmedizin bei Windeldermatitis gebräuchlich, Meerzwiebelextrakt (z. B. Scilla-maritima-Urtinktur 10 %ig) in Salben einzuarbeiten.

Iridoidglykosidpflanzen wie der Spitzwegerich waren schon bei den alten Germanen große Wundarzneien; die Frauen legten die zerkauten Wegerichblätter auf wunde Brustwarzen – heute weiß man, dass das Iridoidglykosid Aucubin, das allerdings nur in frischen Spitzwegerichblättern vorkommt, Staphylokokken, also die Eiterreger und Erreger von Brustdrüsenentzündungen, im Wachstum hemmen kann.

Harze

Harze sind aromatische Stoffe, die dem Baum als eine Art Wundkork und Schutz vor Infektionen dienen. Verletzte Bäume scheiden die Harze als klebrige Flüssigkeit ab, um ihre Wunden zu schließen. Aber es gibt auch Blütenpflanzen, die Harze bilden; zum Beispiel produziert der Stinkasant (Asa foetida) in der Wurzel einen harzigen Milchsaft. Harze dienen ebenso dem Menschen als Wundarznei und Antibiotikum. In der Frauenheilkunde gebraucht man harzhaltige Salben (z. B. Aurum comp., Salbe von Wala) zur Pflege verhärteter oder wulstiger Narben; und Hippokrates hat das Harz des Myrrhenbaums als Geschwür zerteilende Gebärmutterarznei gebraucht.

Harze sind Sonnenstoffe aus dem Pflanzenreich und bringen als solche Licht und Wärme in das chronische, erkaltete Krankheitsgeschehen. Myrrhe etwa heilt Darmpilz (z. B. Sechs-Wochen-Kur mit Myrrhinil-Intest von Repha), und Weihrauch wirkt stark entzündungswidrig bei Rheuma oder Reizdarm (z. B. Olibanum-Globuli von Zilly).

Lignane

Überwiegend in Getreidearten, vor allem in Roggen sowie in Leinsamen, aber auch in Erdbeeren und Brokkoli kommen Lignane vor. Durch einen komplizierten Umwandlungsprozess, an dem unter anderem Darmbakterien beteiligt sind, gehen die Lignane in resorbierbare Verbindungen wie zum Beispiel Enterodiol und Enterolacton über, die eine östrogenartige Wirkung haben. Im Auszugsmehl sind jedoch keine Lignane mehr enthalten; deswegen hat die WHO vorgeschlagen, Vollkornbrot als »Brot für die Frau« zu benennen. Weitere Lignane kommen beispielsweise in der Brennnesselwurzel vor (Neo-Olivil) und sind verantwortlich für die antiöstrogene Wirkung beim Prostataadenom. Zu den Lignanen gehören außerdem Podophylline aus dem Wurzelstock des Maiapfels (Podophyllum), die galletreibend und zytostatisch (tumorhemmend) wirken. In der Krebsbehandlung nutzt man jedoch vornehmlich teilsynthetische Abwandlungsprodukte des Podophyllotoxins.

Saponine

Der Name dieser Wirkstoffgruppe leitet sich vom lateinischen sapo (= »Seife«) ab, weil Saponine zusammen mit Wasser schäumen. Saponinpflanzen wie etwa Panamaholz sind daher mitunter als Naturschaumstoff in Shampoos zu finden. Den Pflanzen dienen diese Stoffe vermutlich zum Schutz vor Pilzbefall. Saponine kommen vermehrt in Tropenpflanzen vor. Zu den heimischen Saponindrogen zählen Bingelkraut (Wundheilpflanze), Efeublätter (Hustenmittel) oder Kastanie (Venenmittel). Saponine wirken einerseits verflüssigend auf das Bronchialsekret und erleichtern daher das Abhusten bei Bronchitis. Andererseits haben Saponindrogen fast immer ein antibiotisches und vor allem antivirales Potenzial; Efeu etwa wird daher bei Keuchhusten eingesetzt und Bingelkraut bei bakteriellen Hautentzündungen oder bei Virusinfektionen. Die Saponine der Kermesbeere werden sogar zur Schneckenbekämpfung gebraucht.

Schleimstoffe

Schleimstoffe sind sogenannte Heteropolysaccharide, die in Wasser quellen und hochvisköse, gelartige Konsistenz haben. Zu den Schleimdrogen zählen unter anderem die Eibischwurzel, Malvenblüten und die Taubnessel. In der Frauenheilkunde nutzt man schleimhaltige Pflanzen wie etwa die Weiße Taubnessel zu reizlindernden Sitzbädern oder Vaginalspülungen. Die Schleimstoffe legen sich wie eine Art Schutzfilm auf die gereizte Haut und verhindern, dass zum Beispiel Chemikalien oder Bakterien tiefer eindringen können.

Vitamine

Vor allem in den Wildkräutern kommen reichlich Vitamine vor wie etwa das Provitamin A in Löwenzahn, Ringelblume oder Sanddornfrüchten. Meist übertreffen Wildkräuter die Anbauware (z. B. Salate) um ein Vielfaches an Vitamingehalt. Vor allem Provitamin A gilt als Antioxidans, das die Haut vor Strahlenschäden schützt (z. B. bei Bestrahlung) und die Regenerationskräfte der Schleimhaut anregt (z. B. bei »schlechtem« Pap-Test). Zu den Antioxidanzien zählt auch die Ascorbinsäure (Vitamin C), die reichlich in Acerola-Kirschen, in Sanddornfrüchten und in Hagebutten vorkommt. Vitamin C wird in der alternativen Krebstherapie hochdosiert eingesetzt, um Virusschäden der Zellen zu regenerieren, und hat sich daher bei »schlechtem« Pap-Test sowie bei Krebserkrankungen bewährt. Vorteile der Vitamine pflanzlicher Herkunft sind die gute Verträglichkeit und die geringere Gefahr der Überdosierung.

Was Schwangere meiden sollten

»Alle Dinge sind ein Gift und nichts ist ohne Gift, nur die Dosis bewirkt, dass ein Ding kein Gift ist.« (Paracelsus)

Wir leben in einer Zeit, in der es wichtiger denn je ist, wieder Vertrauen in die Heilkräfte der Natur zu gewinnen. Das Verlangen nach Naturheilmitteln nimmt glücklicherweise zu. Darum greifen viele Frauen spätestens, wenn sie einen positiven B-Test haben, wieder zu den altbewährten Heilkräutern. In Bio-, Kräuterläden und Reformhäusern werden aus diesem Grund diverse Kräutertees für Schwangere feilgeboten, die regen Absatz finden, weil die Frauen sich und ihrem Kind etwas Gutes tun wollen.

Doch bei genauer Betrachtung erweisen sich die sogenannten Schwangerschaftstees in der Überzahl als mehr oder weniger bedenklich. In den meisten Mischungen sind erwärmende und durchblutungssteigernde Pflanzen wie etwa Ingwer enthalten, der zwar in kleinen Mengen genossen einem Schwangerschaftserbrechen entgegenwirkt, in größeren Dosen jedoch Wehen begünstigen kann. Auch die obligatorischen Himbeerblättertees sollten nicht von jeder Schwangeren und auch nicht zu jeder Zeit getrunken werden, denn sie können mitunter den Muttermund viel zu früh erweichen, oder sie verstärken eine schwangerschaftsbedingte Stuhlverstopfung. Beliebte Bestandteile solcher Teemischungen sind außerdem Schafgarbe und Zinnkraut. Erstere enthält im ätherischen Öl relativ viel Thujon (Abtreibungsmittel und Nervengift) und sollte daher in der Schwangerschaft nur in Maßen genossen werden. Letzteres enthält wehenerregende Pflanzenwirkstoffe und hat in Schwangerschaftstees eigentlich gar nichts zu suchen. Selbst von kräuterkundigen Hebammen wird immer wieder Liebstöckel zum Ausschwemmen der Schwangerschaftsödeme empfohlen. Doch der Liebstock reizt auch die Nieren, die während einer Schwangerschaft eigentlich entlastet werden sollten. Darüber hinaus kann der Liebstock wiederum Blutungen oder eine frühzeitige Wehentätigkeit begünstigen. Sanfter und ebenfalls antiödematös wirken beispielsweise Brennnesselblätter oder Goldrutenkraut, in Maßen als Tee genossen.

In jedem Fall stellen fertige Kräutermischungen in der Schwangerschaft keine Universallösung dar. Die Tees sollten vielmehr individuell zusammengestellt und auf die Bedürfnisse der jeweiligen Frau zugeschnitten werden. Denn alles, was wirkt, kann natürlich Nebenwirkungen haben. In einer unkomplizierten Schwangerschaft machen kleine Mengen der vorgenannten Pflanzen oder daraus hergestellte homöopathische Tiefstpotenzen (D2) sicher nichts aus, aber bei Dauereinnahme oder in großen Mengen kann vor allem in Problemschwangerschaften möglicherweise die schädliche Wirkung überwiegen. Daher ist nachfolgend eine kleine Auswahl an Heilpflanzen aufgeführt, die in größeren Mengen zugeführt Schwangeren schaden könnten.

Neben den in der Tabelle genannten Pflanzen sollten Schwangere grundsätzlich solche Kräuter meiden,

 die stark harntreibend oder nierenreizend wirken wie zum Beispiel Liebstöckel, Petersilie oder Wacholder,

 die abführend wirken wie beispielsweise Aloe (nur innerlich), Faulbaumrinde, Purgierkreuzdorn, Rhabarberwurzel, Rhizinus, Sennesblätter oder -früchte,

 die zu Blutandrang im Becken führen wie Arnica, Berberitze, Gänseblümchen, Küchenschelle usw.,

 die den Blutfluss anregen wie etwa Beifuß, Damiana, Eberraute, Liebstöckel, Poleyminze, Rosmarin oder Wermut,

 die den Unterleib stark erwärmen wie etwa Angelikawurzel, Meisterwurz, Ingwer, Zimt und viele andere Gewürzpflanzen,

 die Schwermetalle mobilisieren wie etwa Bärlauch, Knoblauch oder Koriander,

 die Furanocumarine enthalten wie etwa Angelika, Bärenklau oder Liebstöckel, weil solche Pflanzen die hormonell bedingte Hautpigmentierung verstärken,

 die stark hormonartig wirken wie etwa Mönchspfeffer, Rotklee, Soja, Yamswurzel oder Kudzu und

 die aphrodisierend wirken wie Damiana, Rosmarin oder Yohimbe.


Osterluzei Aristolochia, einst rege als Frauenkraut in Gebrauch, erwies sich sogar in homöopathischen Verdünnungen als krebserregend. (Foto: O. Rippe)

Im Huflattich kommen Pyrrolizidinalkaloide vor, die sich im Tierversuch als krebserregend, leber- und erbgutschädigend erwiesen und deswegen von Schwangeren unbedingt gemieden werden sollten. (Foto: M. Madejsky)


Petersilie (Kupferstich, um 1800)

In der scheinbar so harmlosen Gartenpetersilie erblicken wir eine der meistgebrauchten Abtreibungspflanzen. Vor allem die Samen enthalten ätherisches Öl mit wehenerregendem Apiol.


Sadebaum an der portugiesischen Westküste (Foto: M. Madejsky).

Die Triebe enthalten reichlich ätherisches Öl mit abortivem Sabinol.


Frauenkräuterführung im Heilpflanzengarten des Botanischen Gartens in München (Foto: O. Rippe).

Nicht für Schwangere geeignet: Pflanzen mit abortivem oder mutagenem Potenzial


PflanzePflanzeninhaltsstoffWirkung
AloeAnthranoideAbortiv, mutagen
AubergineSteroidalkaloideEmbryotoxisch
Bärenklau(Furano)cumarineEmmenagog, eventuell abortiv
BaldrianBaldrinalMutagen
BaumwolleGossypolWehenerregend
BeinwellPyrrolizidinalkaloideMutagen, hepatotoxisch, kanzerogen
BerberitzeAlkaloide (Berberin u. a.)Emmenagog bis abortiv
BuschwindröschenProtoanemonin (frisches Kraut!)Abortiv, embryotoxisch
ChinarindeBitterstoff ChininEmbryotoxisch
Eisenkraut, EchtesBitterstoff VerbenalinWehenerregend
Enzian, GelberGentisinMutagen
FaulbaumAnthranoideAbortiv, mutagen
GreiskrautPyrrolizidinealkaloideKanzerogen, hepatotoxisch, mutagen
HaselwurzSaponineEmmenagog bis abortiv
HirtentäschelPeptideWehenerregend
HuflattichPyrrolizidinalkaloideEmbryotoxisch, hepatotoxisch, mutagen
IngwerÄtherisches Öl, GingeroleWehenerregend
JohanniskrautHypericin, HyperforinMöglicherweise embryotoxisch
KaffeeCoffeinEmbryotoxisch
KohlartenSinigrinMutagen
KoloquinteCucurbitacineZytotoxisch, drastisch abführend
KüchenschelleProtoanemonin (frisches Kraut!)Abortiv, embryotoxisch
LebensbaumThujon im ätherischen ÖlAbortiv
LeberblümchenProtoanemonin (frisches Kraut!)Abortiv, embryotoxisch
MeerrettichSinigrinMutagen
MönchspfefferIridoidglykosideHepatotoxisch
OsterluzeiAristolochiasäureKanzerogen
PestwurzPyrrolizidinealkaloideEmbryotoxisch, hepatotoxisch, mutagen
PetersilieApiol im ätherischen ÖlAbortiv
PoleiminzePulegon im ätherischen ÖlAbortiv, emmenagog
RainfarnThujon im ätherischen ÖlAbortiv
RauschpfefferAlkaloideMöglicherweise hepatotoxisch
RauteFurano cumarineEmmenagog, eventuell abortiv
RhabarberAnthranoideAbortiv, mutagen
SadebaumSabinolAbortiv
SalbeiThujon im ätherischen ÖlAbortiv
SchafgarbeThujon im ätherischen ÖlAbortiv
SchierlingConiinEmbryotoxisch
SchöllkrautAlkaloide (Chelidonin u. a.)Eventuell hepatotoxisch
SenfSinigrinMutagen
SennaAnthranoideAbortiv, mutagen
SilberkerzeIsoflavone, AlkaloideWehenerregend
SteinkleeCumarineEmmenagog und eventuell abortiv
WasserdostPyrrolizidinalkaloideEmbryotoxisch, hepatotoxisch, mutagen
WermutThujon im ätherischen ÖlAbortiv
ZimtÄtherische ÖleWehenerregend
ZinnkrautEquisetoninWehenerregend

abortiv = kann Fehl- oder Frühgeburt auslösen

embryotoxisch = schädigt die Leibesfrucht

hepatotoxisch = leberschädigend

emmenagog = blutflussanregend

mutagen = erbgutschädigend


Göttin Flora (Wandteppich, Sir Edward Burne-Jones, 1884)

Frauenkräuterporträts von Abis Z

»Denn es gibt zweierlei Arzneien auf der Erde, solche für die Frauen und solche für die Männer. Den Frauen taugen ihre Arzneien, den Männern die ihren.

Es gibt ja nur deshalb weibliche und männliche Kräuter in der Welt, weil es auch weibliche und männliche Krankheiten gibt. Gäbe es den letzteren Unterschied nicht, wozu gäbe es dann die zwei Gattungen von Heilmitteln in der Natur? Die gibt es doch nur aus dem Grunde, weil es zwei Welten unter den Menschen gibt, die Frau und den Mann. Weil diese in ihren Krankheiten verschieden sind, sind auch die Heilmittel verschieden.«

(Paracelsus, Sämtliche Werke, Aschner-Ausgabe 1926)

Zum Umgang mit den Rezepten und zu den Bezugsquellen siehe Seite (297) und (308).

Alant – Sonnenkraft für die Wechseljahre

»Alantwein benimt Zorn und Traurigkeit / stärcket den Magen / und treibt die überflüssige Feuchtigkeiten mit dem Harn ausser dem Leib herauß. / … Das [Alant-]Wasser also getruncken / und Tücher darinn genetzt und darüber gelegt / vertreibet es die Geschwulst der [Gebär-]Mutter.«

(Adamus Lonicerus, Kreuterbuch, 1679)

Namen: Altwurzel, Brustalant, Großer Heinrich, Gottesauge, Helenenkraut, Odinskopf. Der lateinische Name Inula bedeutet so viel wie ausleeren oder reinigen und bezieht sich auf die abführende Wirkung der Alantwurzel. Helenium leitet sich vom griechischen héãlios (= »Sonne«) ab (wegen der sonnenhaften Alantblüten).

Botanischer Name: Echter Alant (Inula helenium), Korbblütler (Asteraceae).

Signaturen und Astrologie: Die gelben Korbblüten sind ein irdisches Abbild der Sonne und machen den Echten Alant zu einer Sonnenheilpflanze, die unter anderem stimmungsaufhellend und immunmodulierend wirkt. An seiner stattlichen Gestalt erkennt man allerdings auch den Jupitereinfluss, der im Menschen über die Leber und das Bindegewebe regiert.

Die großlappigen Blätter zeigen außerdem die Heilwirkung auf großlappige Organe wie die Lunge und die Leber an. Die Wurzelbetonung ist schließlich eine Signatur für Heilpflanzen, die bevorzugt für chronische Krankheiten oder Altersleiden bestimmt sind.

Wirkstoffe: In der Wurzel kommen Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone) vor sowie ätherisches Öl mit »Alantkampfer« (Alantolactone und Helenin), Polyacetylene, Triterpene, Beta-Sitosterol und Inulin.

Heileigenschaften: hustenreizlindernd, schleimlösend, magenstärkend, galletreibend, entzündungswidrig, krebsfeindlich, menstruationsfördernd, in größeren Dosen möglicherweise uterustonisierend und abortiv, antibiotisch; Helenin hemmt bereits in Verdünnungen von 1:10 000 das Wachstum von Tuberkuloseerregern und Staphylokokken; pilzfeindlich.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Der Sage nach soll der Alant aus den Tränen der schönen Helena entstanden sein, als diese um ihren Geliebten weinte. Vielleicht verbirgt sich darin bereits ein erster Hinweis auf die seelenerwärmenden und stimmungsaufhellenden Heilkräfte des sonnenhaften Korbblütlers. In der Volksmedizin wird die bitter schmeckende Wurzel jedenfalls bis heute unter anderem gegen Angstzustände und Melancholie gebraucht.

Die Verwendung von Alant in der Frauenheilkunde soll auf den berühmten griechischen Arzt Hippokrates zurückgehen, der die Wurzel als Arznei für den Uterus gerühmt hat. Im Mittelalter wurde Alantwein als Potio Sancti Pauli (Trank des heiligen Paulus) gehandelt und galt geradezu als Universalmittel gegen alle möglichen Erkrankungen von Kopf, Lungen oder Magen sowie als Schutzmittel vor der Pestilenz. Die alten Kräuterbücher sind außerdem noch voll des Lobes, was die bindegewebskräftigende Wirkung der Alantwurzel beim Leistenbruch angeht oder die Heilkräfte bei Verschleimung von Bronchien oder Magen und Darm.

Mit der Wiederbelebung der mittelalterlichen Klostermedizin erfährt der Alant inzwischen zunehmende Beachtung. Auch wenn sich die Anwendung heute vor allem auf Bronchitis, Verdauungsschwäche und die Neigung zu Verschleimung beschränkt, so hat die Wurzel dieser sonnigen Pflanze trotzdem ihren Platz in der modernen Frauenheil kunde. In der Wurzel kommen hormonartig wirkende Substanzen vor (Beta-Sitosterol), die sich bei Wechseljahrsbeschwerden als heilsam erweisen. Wegen seiner bindegewebskräftigenden Eigenschaften bessert der Alant kurmäßig angewandt auch Senkungsbeschwerden und Reizblase. Außerdem lassen sich durch Kuren mit der Alantwurzel hormonell bedingte Kopfschmerzen ab dem Ausbleiben der Regelblutungen oder Kreislaufstörungen wie Schwindel und Konzentrationsschwäche lindern. Im Rahmen solcher Kuren kehrt manchmal sogar die frühzeitig versiegte Monatsblutung wieder zurück. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass der Alantwurzel eine wachstumshemmende Wirkung auf Tumoren nachgewiesen wurde. Für die tumorhemmende Wirkung werden in erster Linie die Inhaltsstoffe Alantolacton und Isoalantolacton verantwortlich gemacht. Das amerikanische National Cancer Institute untersuchte den Echten Alant eingehend und bestätigte die krebshemmende Wirkung. Daher sollten Frauen mit Brustkrebs in der Familie spätestens ab dem Wechsel mit Hilfe der Alantwurzel einem Ausbruch der Krebserkrankung vorbeugen.


Alant (Lonitzer [Lonicerus], 1560) Die großlappigen Alantblätter deuten darauf hin, dass der Alant auf großlappige Organe wie die Leber oder die Lunge wirkt.

Rezept: Alantwein für den Wechsel (Kräuterladen)

Der Alantwein dient bei leichten Wechseljahrsbeschwerden vor allem als Begleitmittel zu anderen hormonell regulierenden Maßnahmen wie etwa dem Verzicht von Kaffee oder Jodsalz bei Schweißneigung, und er ergänzt auch Pflanzenöstrogene aus Rotklee, Silberkerze oder Soja.

So wird’s gemacht:

 50 g getrocknete Alantwurzel zusammen mit 0,7 l gutem Rotwein in einen Topf geben und unter Umrühren kurz aufkochen lassen.

 Das Ganze auf kleinster Flamme etwa 5 Minuten köcheln lassen, dann vom Herd nehmen und zugedeckt allmählich abkühlen lassen.

 Im lauwarmen Zustand mit 2 bis 3 Teelöffeln Honig süßen, abseihen – fertig!

 Zum Schluss den Alantwein in die gesäuberte Weinflasche zurückfüllen. Im Kühlschrank aufbewahrt, hält sich der Weinauszug einige Wochen lang.

Anwendung: Zur Linderung leichter Wechseljahrsbeschwerden kann man kurmäßig zwei- bis dreimal täglich 1 Likörgläschen davon trinken.

Rezept: Menstruationsfördernde Teemischung (Kräuterladen)


Andornkraut (Herba Marrubii)50 g
Alantwurzel (Radix Inulae)50 g

Mischen, 1 bis 2 Teelöffel pro Tasse à 200 ml heiß überbrühen, etwa 10 bis 12 Minuten ziehen lassen und abseihen; 2 Tassen täglich.

Anmerkung: Die Teemischung eignet sich vor allem für Frauen ab 35, deren Menstruationsblutung allmählich zu versiegen droht. Am besten trinkt man jeweils ab Zyklusmitte 2 Tassen täglich.

Handelsprodukte:

Alantwurzel, gemahlen oder geschnitten

Alantwurzelstock (Helenii rhizoma)

Alant-Urtinktur (Inula helenium Urtinktur; DHU, Spagyra)

Alantwurzel, ätherisches Öl (Maienfelser Naturkosmetik)

Sammeltipps: Wildvorkommen sind selten und schonungsbedürftig, so dass man den Alant am besten im Garten zieht. Verwendet wird die im Frühjahr oder Herbst gegrabene Wurzel älterer Pflanzen. Idealer Erntezeitpunkt ist bei abnehmendem Mond in einem Feuerzeichen (Widder, Löwe, Schütze).


Die gelben Alantblüten zeigen Sympathie zur Gelbsucht an und übertragen sonnenhafte Heileigenschaften auf den Menschen. (Foto: O. Rippe)

Anwendungsbeschränkungen: Alant nicht in der Schwangerschaft anwenden, da eine uteruserregende Wirkung möglich ist! Allergische Reaktionen, vor allem Kontaktallergien, sind möglich. Innerlich wirkt der Alant schleimhautreizend, sodass größere Dosen zu Durchfall, Erbrechen und Krämpfen führen können.

Aloe – Balsam für die Scheidenhaut

»Aloe: Das mächtigste Liliengewächs, von jupiter- und marshaftem Einschlag. Mit wuchtiger, angeschwollener, schleimsafterfüllter, jedoch an der Peripherie verhärteter Blattbildung lebt diese sukkulente Pflanze in trocken-heißer Landschaft, lange Zeit ätherisch-gestaut, bis die Entspannung in die feurige Blütenrakete erfolgt.«

(Wilhelm Pelikan, Heilpflanzenkunde, 1958)

Namen: Barbados-Aloe, Wüstenlilie.

Botanischer Name: Alo evera (Aloe barbadensis), Baum-Aloe (Aloe arborescens), Aloegewächse (Aloaceae).

Signaturen und Astrologie: Wie der Name »Wüstenlilie« schon andeutet, stammen viele Aloearten aus heißen Ländern, speziell aus dem südlichen Afrika. Die Hitzeresistenz sowie die stacheligen Blattränder und -spitzen deuten auf Mars hin, der als feurigster Planet im Menschen über die Galle sowie über Entzündungsprozesse regiert. An der Strahlenresistenz erkennt man zugleich die Heilpflanze für Strahlenschäden oder Verbrennungen. Weil sich der Saft an der Luft gelblich färbt, finden Aloearten (z. B. Aloe ferox) volksmedizinisch gegen Gelbsucht und Leber-Galle-Leiden innerlich Anwendung. Der gelbliche und bitter schmeckende Saft, aber auch die fleischigen Blätter, die sich gummiartig bis ledrig anfühlen, zeigen zugleich Jupiter an, was die Aloe bei innerlichem Gebrauch wiederum zu einer Heilpflanze für Leber und Galle macht. Eben weil sich die Blätter im Wüstenklima effektiv vor Austrocknung schützen, dienen sie als Heilmittel bei zu Trockenheit neigender Haut. Der gelartige und durchsichtige Blattkern deutet auf mondhaftes Wirken hin, wobei der Mond unter anderem über die Haut und die Schleimhaut regiert.

Die große Wundheilpflanze zeigt sich in der Eigenschaft der Aloe, Verletzungen der Blätter durch Zusammenziehen rasch selbst zu verschließen. Eine auffällige Signatur erblickt man, wenn man einmal ein abgeschnittenes Blatt in ein Tuch wickelt: Das Wundsekret der Pflanze ähnelt auf verblüffende Weise dem eitrigen Wundsekret bei Mensch oder Tier.

Wirkstoffe: In den Blättern finden sich Anthracenderivate, Aloin, Aloe-Emodin, Schleimstoffe, Harze, Polysaccharide, Vitamine, Mineralstoffe, Lignine, Saponine, Anthrachinone, Enzyme und etwas Salicylsäure.

Heileigenschaften: entzündungswidrig, wundheilend, kühlend, juckreizlindernd, hautregenerierend, leicht antimykotisch und antimikrobiell (Aloe-Emodin), hautverjüngend, reepithelisierend und feuchtigkeitsbindend.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Das innere Gel verschiedener Aloearten hat in der Kosmetik große Bekanntheit erlangt. Doch die hautregenerierenden und wundheilenden Eigenschaften sind bei typischen Frauenleiden ebenfalls hilfreich. Zuerst sei hier die Scheidentrockenheit genannt, die ab dem Wechsel wegen des zunehmenden Östrogenmangels zum Problem werden kann.


Das Blatt einer Aloe ferrox gibt sich wehrhaft und offenbart gleichsam den Einfluss auf rhythmische Prozesse wie die Menstruationsblutung. (Foto: M. Madejsky)

Sinken die Östrogene, dann wird die Scheidenhaut in der Folge dünner, empfänglicher für Pilzinfektionen und empfindlicher gegenüber mechanischer Reizung, so dass der Geschlechtsverkehr mitunter Schmerzen verursacht.

Hier kann die Aloe Abhilfe schaffen, denn sie spendet ein natürliches und besonders angenehmes Gel, das die Scheidenhaut pflegt und sogar ein wenig vor Bakterien oder Pilzen schützt. Trägt man dieses Gel täglich oder eben so oft wie möglich auf, dann regeneriert es selbst chronische Scheidenhautreizungen, wie sie zum Beispiel bei Kraurose vorkommen. Weil die Pflanze sich selbst vor Austrocknung, Hitze oder Strahlenschäden zu schützen weiß, birgt sie nicht nur Heilkräfte gegen die Austrocknung in sich, sondern auch gegen Verbrennungen und speziell gegen Schäden etwa nach der Bestrahlung bei Krebs oder der Laserbehandlung von Warzen. In jedem Fall sollte frau sich gleich mehrere Aloepflanzen anschaffen und aus den frischen Blättern selbst ein Aloegel herstellen.

Rezept: Aloe-vera-Gel zur Vaginalpflege bei gereizter Scheidenhaut

Das handelsübliche Aloe-vera-Gel wird gewonnen, indem zuerst die bittere Blattrinde abgeschält und anschließend das Blattinnere ausgepresst wird. Damit das Gel haltbarer wird, setzt man Konservierungsmittel zu (z. B. Kaliumsorbat, Natriumbenzoat, Natriumsulfit, Zitronensäure). Wer Konservierungsmittel vermeiden möchte, kann sich das Aloe-vera-Gel leicht selbst herstellen.

So wird’s gemacht:

 Ein frisches Aloe-Blatt wie eine Karotte schälen, bis der durchsichtige, glitschige Kern übrig bleibt; unbedingt alle gelben und bitteren Anteile entfernen, denn diese wirken hautreizend.

 Das Blattinnere grob zerkleinern, in einen Messbecher geben und mit dem Mixstab möglichst fein pürieren – fertig!

 Einen Teil des frisch pürierten Aloegels kann man in Kleinstportionen einfrieren und bei Bedarf wieder auftauen. Das selbstgewonnene Aloegel sollte jedoch vor allem frisch angewendet werden; gekühlt hält es sich 1 bis 2 Tage.

Anwendung: Zur Vaginalpflege genügt es, wenn man das Gel mit sauberen Fingern auf die gereizte Haut am Scheiden eingang aufträgt. Es regeneriert die rissige Haut bei Craurosis vulvae, lindert Scheidentrockenheit, pflegt die gereizte Scheidenhaut bei Ekzemen, nach Bestrahlung oder nach Laser behandlung, und es dient als natürliches Gleitgel beim Geschlechts verkehr. Um die Haltbarkeit und die antimikrobiellen Heileigenschaften zu verstärken, kann man dem Aloegel milde ätherische Öle und kolloidales Silber beimengen, zum Beispiel 2 bis 5 Tropfen Lavendelöl und 5 bis 10 Tropfen kolloidales Silber auf 10 ml Aloegel. Das gut verschüttelte Gemisch kann bei Entzündungen der Scheidenhaut täglich mit einer sauberen Einmalspritze vorsichtig in die Scheide eingebracht werden.


Baum-Aloe (Aloe arborescens), auf der Kanareninsel La Gomera aufgenommen (Foto: O. Rippe)

Lange vor dem Aloe-vera-Boom nutzten unsere Großmütter den schleimhaltigen Blattkern dieser besonders wirksamen Aloe-Art, um beispielsweise Brandwunden zu versorgen.


Aloe vera(L. Fuchs, 1543)

Handelsprodukte:

Aloe-vera-Gel 1:1 (Caelo)

Aloe-vera-Gel 10fach konzentriert (Caelo)

Aloe vera 10fach (enthält wenig Konservierungsstoffe; La Vita)

Aloe-vera-Öl (Sojaölmazerat aus Aloe barbadensis; Caelo)

Sammeltipps: Man erntet einzelne Blätter älterer Pflanzen am besten bei zunehmendem Mond in einem Wasserzeichen (z. B. Krebs oder Skorpion).

Anwendungsbeschränkungen: Die äußerliche Anwendung des Gels ist unbedenklich, sofern man bei der Selbstherstellung die bittere Blattrinde und den gelblichen Pflanzensaft gründlich entfernt hat, denn diese wirken sonst hautreizend. Bei innerlichem Gebrauch wirkt vor allem der gelbe Saft der Aloe stark abführend, darmreizend, blutungsfördernd und abortiv. Daher ist von der Einnahme in der Schwangerschaft dringend abzuraten, ebenso bei Neigung zu starken Blutungen, bei Reizdarm, bei Durchfallneigung und bei Nierenschwäche.

Angelika – Die Lichtbringerin für Bauch und Seele

»... es [Engelwurz-Pulver] fürdert die weibliche Monatblum / hilfft der schwären Geburt / zertheilet alle innerliche Geschwulst ... / legt die Muttergrimmen / und sonderlich stillet es den Mutterschmerzen nach der Geburt.«

(Jakobus Tabernaemontanus, Kräuterbuch, 1731)

Namen: Angelika, Angstwurz, Brustwurz, Cholerawurzel, Dreyeinigkeitswurzel, Erzengelwurz, Giftwurz, Heiligenbitter, Theriakwurzel, Zahnwurzel.

Botanischer Name: Echte Engelwurz oder Erzengelwurz (Angelica archangelica), Doldenblütler (Apiaceae).

Signaturen und Astrologie:Vor der Blüte sind die Dolden in zwei Blattscheiden eingehüllt, was der Pflanze ein madonnenhaftes Aussehen verleiht und die magische Schutzpflanze erkennen lässt. Die lichtvolle Erscheinung der Erzengelwurz sowie ihr gelblicher Saft zeigen die Sonnenpflanze an, die dem Körper und der Seele Licht und Wärme spendet. Wegen ihrer allesheilenden Sonnenkräfte ist die Wurzel traditioneller Bestandteil zahlreicher Lebenselixiere (z. B. Melissengeist, Aquavit, Bénédictine, Averna usw.).

Den Vitalitätsspender erkennt man am roten Stengel, der zugleich Sympathie zum Menstrualblut anzeigt. Außerdem wirkt in dem majestätischen Doldenblütler noch die Planetenkraft Mars, vor allem wegen des brennenden Geschmacks und wegen der Brandblasen (phototoxischen Reaktionen), die der Pflanzensaft im Zusammenspiel mit Sonnenlicht verursachen kann. Ferner untersteht die Familie der Doldengewächse mehr oder weniger dem Merkurprinzip und nimmt Einfluss auf den Gesamtstoffwechsel sowie auf Drüsengewebe (Keimdrüsen, Lymphdrüsen).

Am Samenreichtum erkennt man die Fruchtbarkeitspflanze, wobei die Kugeldolden mit den vielen Samen auch Sympathie zu den Eierstöcken mit den Keimzellen oder Zysten zeigen. Das Wesen der Engelwurz ist es, einzuhüllen, Körper und Seele zu erwärmen und zu durchlichten sowie vor allem Ängste zu lösen.

Wirkstoffe: In der Wurzel finden sich ätherische Öle (mit Phellandren, Pinen, Sabinen, Limonen u. a.), Bisabolol, Harze, Bitterstoffe, Furanocumarine, Sitosterol und Gerbstoffe.

Heileigenschaften: krampflösend, galletreibend, verdauungsfördernd, anregend auf Magensaft- und Bauchspeicheldrüsensekretion, erwärmend auf die Bauchorgane, anregend auf die Keimdrüsen, fruchtbarkeitssteigernd, resolvierend bei Narben oder Zysten.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Bekanntheit erlangte die Angelika oder Erzengelwurz vor allem als Hauptbestandteil von Lebenselixieren und Verdauungsschnäpsen wie etwa Melissengeist oder Averna. Die Wurzel bringt auch als Tee oder Extrakt eingenommen spürbar Wärme in den Körper, insbesondere feuert sie die Verdauungsorgane an. In der wirkstofforientierten Phytotherapie zählt die Angelika zu den aromatischen Bitterpflanzen, und ihre Anwendung bleibt weitgehend auf Völlegefühl und Verdauungsschwäche beschränkt. Doch in der traditionellen Heilkunde nutzt man ihre Sonnenheilkräfte, um Wärme in den Unterleib zu bringen.

Die chinesische Art (Angelica sinensis) wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) unter anderem gebraucht, um Frigidität, Impotenz und Unfruchtbarkeit zu behandeln. Die Erzengelwurz erweist sich hierin als gleichwertig. Erfahrungsgemäß erwärmt sie ebenfalls die Bauchorgane, regt die Keimdrüsen und den Eisprung an.

Beim Mann stärkt sie die Potenz und fördert die Spermienbildung. Paracelsus wies darauf hin, dass so, wie die Sonne die Fruchtbarkeit der Erde bewirkt, Sonnenheilmittel wie die Angelikawurzel die Empfängnis fördern, indem sie Lebenswärme in den Bauch bringen.

Manche Gynäkologen empfehlen die Extrakte ferner bei Zysten oder bei Narben im Bauchraum sowie gegen Eileiterverklebung (bewährt hat sich hier vor allem die kurmäßige Einnahme von Abdomilon [Cesra]). Insbesondere funktionelle Zysten, die kommen und gehen, lassen sich unterstützend mit Angelika behandeln. Nicht zuletzt kann die Engelwurz dank ihrer krampflösenden Wirkung auch bei Regelbeschwerden gebraucht werden, am besten trinkt man den Tee schon vorbeugend einige Tage vor dem Blutungseintritt zusammen mit Frauenmantelkraut, Gänsefingerkraut und Schafgarbe jeweils zu gleichen Teilen.

Ab den Wechseljahren verbessert die Angelikawurzel wegen ihrer milden Bitterwirkung die Verdauung und fördert vor allem die Resorption von Eisen und Spurenelementen, so dass sie indirekt auch vor Osteoporose schützt.

Rezept: Eisprungtee (Kräuterladen)


Angelikawurzel50 g
Beifußkraut50 g
Damianablätter40 g
Eisenkraut, Echtes30 g
Rosmarin30 g

Die getrockneten Kräuter miteinander mischen, 2 gehäufte Teelöffel der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser überbrühen, etwa 10 bis 12 Minuten ziehen lassen und abseihen. Ab dem Ausklingen der Regelblutung bis zum Eisprung täglich 2 bis 3 Tassen (½ bis ¾ l) trinken, am besten jeweils vor oder zwischen den Mahlzeiten.

Dieser Tee regt die Hypophyse an und erwärmt den Bauchraum, so dass auch die Eierstöcke besser arbeiten und es in der Folge zu einem Eisprung kommen kann. Daher zählt die Mischung zu den bewährten Begleitmitteln bei Kinderwunsch, aber auch bei kleineren Zysten (speziell bei sogenannten Retentionszysten).

Nach der Signaturenlehre übertragen samenreiche Pflanzen ihren Fruchtbarkeitsgeist auf Mensch oder Tier. (Foto: M. Madejsky)


Die von Hüllblättern umgebenen Blütendolden verleihen der Waldengelwurz ein madonnenhaftes Aussehen und deuten die schutzmagischen Kräfte an. (Foto: M. Madejsky)


Der rötliche Stengel der Angelika zeigt Sympathie zum Mondblut. (Foto: O. Rippe)


Rezept: Zystentee (Kräuterladen)
Angelikawurzel50 g
Frauenmantelkraut30 g
Gänsefingerkraut30 g
Kardobenediktenkraut20 g
Majoran20 g
Zinnkraut50 g

Kräuter und Wurzeln gründlich miteinander mischen, 2 gehäufte Teelöffel pro Tasse à 200 ml heiß überbrühen, etwa 10 bis 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Bei funktionellen Zysten zunächst kurmäßig über 6 bis 8 Wochen hinweg 2 bis 4 Tassen über den Tag verteilt trinken, danach eventuell mit 1 bis 2 Tassen pro Tag eine Zeitlang fortfahren.

Wichtig: Die Teemischung ist eine ideale Ergänzung zu anderen Zystenmitteln (z. B. Magnesium sulfuricum/Ovaria comp. von Wala und Mucokehl-D3-Zäpfchen von Sanum).

Praxistipp: Lymphknotenschwellung im Leistenbereich Bei schmerzhaften Lymphknotenschwellungen im Leistenbereich sollte in jedem Fall im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung gezielt nach Entzündungen im Unterleib gesucht werden. Sofern sich keine Ursache findet – oder auch begleitend zur schulmedizinischen Therapie –, kann man die Lymphknoten mit Archangelica comp., Salbe von Weleda, einreiben. Sie enthält neben Engelwurzpresssaft weitere antibiotisch wirksame ätherische Öle sowie homöopathische Verdünnungen von Knoblauch und Zwiebel. Aufgrund der Zusammensetzung bewirkt eine Salbenbehandlung eine Lymph entlastung, so dass sich entzündlich bedingte Lymphknotenschwellungen rascher zurückbilden.

Handelsprodukte:

Getrocknete Angelikawurzel (Angelicae radix)

Archangelica-Urtinktur (DHU, Spagyra, Aurora-Pharma)

Archangelica 10 % (Salbe; Weleda)

Archangelica Rh D3 (wässrige Verdünnung; Weleda)

Angelika, ätherisches Öl (Maienfelser Naturkosmetik, Primavera, Neumond)

Sammeltipps: Für heilkundliche Zwecke gräbt man die Wurzel zweijähriger Pflanzen im Frühjahr vor der Blüte, am besten bei abnehmendem Mond. Wildvorkommen sollten geschont werden. Die aus dem Anbau stammende Handelsware ist in der Regel qualitativ hochwertig und lange Zeit heilkräftig. Für Räucherungen verwendet man auch die Samen. Die Stengel kann man kandieren.

Anwendungsbeschränkungen: Die Angelikawurzel enthält phototoxische Substanzen (Furanocumarine), so dass vor allem Hellhäutige und Rothaarige Tee oder Extrakte nur kurzfristig und in geringen Dosen anwenden sollten. Bei längerfristigem Gebrauch sollte man die Sonnenexposition meiden. Während der Schwangerschaft ist die Einnahme von Tee oder Extrakten nicht angezeigt.

Arnika – Erste Hilfe bei Geburtsblutungen

»Arnika wird von allen Kräuterkennern, besonders auch von Pfarrer Kneipp empfohlen für Wunden, verhütet Eiterung und beschleunigt die Heilung.«

(Johann Künzle, Chrut und Uchrut, 1935)

Namen: Bergwohlverleih, Engelskraut, Fallkraut, Kraftwurz, Wundkraut.

Botanischer Name: Arnika (Arnica montana), Korbblütler (Asteraceae).

Signaturen und Astrologie: Astrologisch ordnet man Arnika wegen ihrer sonnengelben Körbchenblüten zunächst der Sonne zu, was sie zu einer wohlwollenden und auch seelenerwärmenden Heilpflanze macht. Die Blüte wirkt jedoch stets etwas zerzaust, da die Zungenblüten meist unordentlich in verschiedene Richtungen zeigen – dies weist auf Uranus hin, der als »Herr des Plötzlichen« unter anderem für Unfälle und andere Zufälligkeiten zuständig ist.

Die beiden Nebenblüten, die ein wenig an erhobene Arme erinnern, verleihen der blühenden Arnika ein gestaltenhaftes Aussehen, was in der Signaturenlehre stets als Zeichen dafür gesehen wurde, dass es sich um eine Arznei für den ganzen Menschen, also um einen Vielheiler, eine Panazee handelt.

Wirkstoffe: In den Blüten finden sich Sesquiterpenlactone, Helenalinester, Flavonoide, ätherisches Öl und Cumarine.

Heileigenschaften: entzündungswidrig durch Hemmung der Freisetzung von Histamin und Serotonin, wundheilungsfördernd, antiseptisch (Helenalinester wirkt antibakteriell und antimykotisch), abschwellend, resorptionsfördernd bei Hämatomen, kreislaufanregend, blutdruckregulierend (ab D6), in homöopathischer Form bewährt bei Traumen aller Art sowie zur Vor- und Nachsorge rund um Operationen und bei Geburtsblutungen (Arnica C30).

Verwendung in der Frauenheilkunde: Die Behandlung von Traumen aller Art ist ohne die homöopathisch zubereitete Arnika heute nicht mehr vorstellbar. Ihre entzündungswidrigen und wundheilenden Heilkräfte sind so groß, dass sie sogar in manchen Krankenhäusern vor operativen Eingriffen verabreicht wird – mit dem Effekt, dass die Wunden schneller abheilen, dass sich Schwellungen rascher zurückbilden und dass es überhaupt zu weniger Komplikationen kommt. Neben der vorbeugenden Einzelgabe von Arnica C30 hat es sich bewährt, zusätzlich so lange Traumeel-Tabletten von Heel einzunehmen, bis nach der Operation alle inneren Wunden gut abgeheilt sind, denn Traumeel enthält neben anderen Wundmitteln auch Arnica D4.

Weniger bekannt ist, dass Arnika zu den großen Resorptivmitteln zählt, die auch entzündlich bedingte Schwellungen der Eierstöcke lindern können. Vor allem bei chronischer Eierstockreizung, die gern mit ziehenden oder stechenden Eierstockschmerzen einhergehen, können Kuren mit Arnica D6 oder mit Traumeel wahre Wunder bewirken, wobei die von Fachleuten durchgeführten subkutanen Injektionen über den Eierstöcken deutlich stärkere Wirkung zeigen als die Einnahme der Tabletten oder Tropfen. Dennoch sollte man Arnica C30 auch bei Mittelschmerzen versuchen, da die homöopathisch zubereitete Arnika die beim Eisprung in den Bauchraum gelangte Flüssigkeit resorbieren hilft und die den Mittelschmerz verursachende Bauchfellreizung schneller abklingen lässt.

Die abschwellenden Kräfte (einer Einzelgabe Arnica C30 oder wiederholter Gaben der D4 oder D6) sind natürlich auch bei anderen Entzündungen wie etwa bei Harnwegsinfekten ein hilfreiches Begleitmittel. Von den bekannten Hauptindikationen wie etwa Blutergüssen, Quetschungen, Schwellungen Zerrungen etc. abgesehen, unterstützt Arnica ebenfalls den Heilungsprozess nach seelischen Traumen wie zum Beispiel nach sexuellem Missbrauch. Bei psychischen Leiden wählt man vor allem dann höhere Potenzen (z. B. Arnica C30), wenn das traumatische Ereignis wiederholt geträumt wird.

Ein weiteres Trauma, bei dem die Arnika erste Hilfe leistet, ist beispielsweise eine Geburt. Insbesondere nach langwierigen und schweren Geburten sollte Arnica C30 daher die erste Arznei für den Säugling sein, damit sich Körper und Seele leichter von den Strapazen erholen; dazu kann man dem Kind einfach ein Kügelchen in den Mund legen. Für viele Mütter war die Arnica C30 direkt nach der Geburt mehr als eine Wohltat, denn sie stillt selbst starke Geburtsblutungen meist prompt und zuverlässig, weshalb die Arnica C30 inzwischen zu den Routinemitteln homöopathisch arbeitender Hebammen gehört. Nicht zuletzt sollte man es auch bei Gebärmutterblutungen versuchen, die auf seelische Traumen zurückgehen, wenn also im Sinne der Psychosomatik »die Gebärmutter weint«.


Blühende Arnika, erkennbar an den seitlichen Blütentrieben (Foto: M. Madejsky)

Arnikawiese auf dem Wattles in Südtirol (Foto: O. Rippe)

An seinen Naturstandorten wird der Bergwohlverleih immer seltener, weswegen wahre Pflanzenfreunde ihn stehen lassen und ihre Arnikaschnäpse aus der Anbauware herstellen.

In Form von Gels, Salben oder Umschlägen äußerlich angewandt, erweist sich die Arnikatinktur schließlich noch bei Entzündungen am Scheideneingang und im Dammbereich als hilfreich. So kann man etwa bei Entzündungen durch Staphylokokken, Streptokokken oder Candida albicans mit ihrer Hilfe (z. B. in Form von Combudoron-Gel von Weleda) Juckreiz und Schwellungen lindern und die Krankheitserreger im Wachstum hemmen.

Rezept: Arnikatinktur bei Schwellungen und Entzündungen Zur Herstellung einer Arnikatinktur benötigt man 30 g getrocknete Arnikablüten aus dem Bioanbau oder 1 bis 2 ganze, blühende Pflanzen mitsamt Wurzel sowie ca. 200 ml 70-prozentigen Alkohol und ein Schraubglas.

So wird’s gemacht:

 Arnikablüten mit dem Alkohol in einem sauberen Schraubglas ansetzen, so dass möglichst wenig Luft im Glas verbleibt.

 Das gut verschlossene Glas täglich einmal kräftig schütteln.

 Nach etwa 4 Wochen die Arnikatinktur durch ein Sieb oder Küchentuch abseihen und in eine Braunflasche füllen – Beschriften nicht vergessen!

Anwendung: Die Arnikatinktur kann zum Beispiel bei Brustentzündungen in der Stillzeit verdünnt zu Umschlägen gebraucht werden (1 Esslöffel auf 250 ml Wasser). Die Tinktur lässt sich auch in entzündungswidrige Gels oder Salben (5 - bis 10 % ig) einarbeiten.

Praxistipp: Eierstockentzündung

Eine Eierstockentzündung sollte grundsätzlich vom Frauenarzt oder von der Frauenärztin behandelt werden und muss nötigenfalls mit Antibiotika bekämpft werden. Doch falls es sich nur um eine leichte Entzündung handelt und es eben noch nicht zur Eiter- oder Abszessbildung gekommen ist – oder auch bei chronisch entzündlicher Eierstockreizung –, können alternativ zu Antibiotikagaben Traumeel-Ampullen injiziert werden.

Sinnvoll ist die hoch dosierte Stoßtherapie zu Beginn: 1 Woche lang bis zu täglich 1 Ampulle Traumeel subkutan über den Eierstöcken injizieren lassen, danach bei Bedarf mit 2 Ampullen pro Woche fortfahren. Zusätzlich wirken Frauenmanteltee und Sitzbäder (z. B. Schafgarbe) heilsam.

Handelsprodukte:

Arnikablüten, ganz (Arnicae flos)

Arnikatinktur (Tinctura Arnicae)

Arnica e planta tota (Globuli, ab D2; Wala)

Arnica e floribus, Oleum (Blüten; Wala)

Arnika-Essenz (Blüten; Wala)

Arnika-Essenz (Planta tota; Weleda)

Arnika-Gelee (Planta tota; Weleda)

Arnika-Salbe 30 % oder 10 % (Planta tota; Weleda)

Sammeltipps: Die Arnika steht unter strengem Naturschutz und sollte an ihren wenigen Standorten unbedingt geschont werden. Zur Herstellung einer Arnikatinktur genügt die Anbauware.

Die homöopathische Tinktur wird aus dem getrockneten Wurzelstock hergestellt. Die Tinktur zum äußerlichen Gebrauch kann ebenfalls aus der ganzen, blühenden Pflanze ohne Wurzel gewonnen werden. Der volksmedizinische Arnikaschnaps enthält meist nur die Blüten.

Anwendungsbeschränkungen: Grundsätzlich ist eine Korbblütlerallergie möglich. Vorsicht ist beim innerlichen Gebrauch geboten, da eine Überdosierung die Herzfunktion beeinträchtigt. In der Schwangerschaft kann die Einnahme von Arnikaextrakten abortiv wirken, da sie die Gebärmutter zu Kontraktionen anregt.

Bärentraube – Ein pflanzliches Antibiotikum bei Zystitis

»Uva Ursi [die Bärentraube] kann als eines der besten Harndesinfizientia, speziell bei chronischer Cystitis mit Eiterbildung und Harnverhaltung und auch bei Coli-Cystitis bezeichnet werden.«

(Gerhard Madaus, Lehrbuch der biologischen Heilmittel, 1938)

Namen: Wilder Buchs, Sandbeere, Steinbeere, Wolfsbeere.

Botanischer Name: Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi), Heidekrautgewächse (Ericaceae).

Signaturen und Astrologie: Die roten Beeren zeigen Sympathie zur Entzündung, welche die Bärentraubenblätter vor allem im Harnwegsbereich zu heilen vermögen. Der stark zusammenziehende Geschmack, der auf den hohen Gerbstoffgehalt zurückgeht, offenbart die austrocknenden und konservierenden Kräfte der antibiotischen Pflanze.

Wegen der ledrigen Blätter unterstellt man die Pflanze unter anderem Jupiter, der zum Beispiel über das Bindegewebe regiert, das bei Reizblase meist erschlafft ist. Weil die Bärentraube eine immergrüne Gebirgspflanze ist, wirkt hier ebenso ein wenig Saturn, der auch als Herr der Gebirgswelt bezeichnet wird und der über chronische Leiden regiert.

Wirkstoffe: Hauptinhaltstoff der Blätter ist das im alkalischen Harn antibakteriell wirksame Arbutin. Des Weiteren finden sich in den Blättern bis zu 20 Prozent Gerbstoffe (Gallotannine und Catechingerbstoffe), Flavonoide (vor allem Hyperosid, Quercetin), Triterpene (unter anderen Uvaol und Ursolsäure) und etwas Lithospermsäure.

Heileigenschaften: harntreibend, harnwegsdesinfizierend, antibakteriell (Coli, Staphylokokken, Streptokokken, Proteus, Ureaplasmen), reizlindernd und entzündungswidrig bei Blasengrieß und Nierensteinen.

Verwendung in der Frauenheilkunde: In der Bärentraube erblicken wir die Kardinalheilpflanze für die entzündeten Harnwege. Bei Blasen- oder leichten Nierenbeckenentzündungen, gleich, ob akut oder chronisch, steht sie heute an der ersten Stelle der verordneten Heilpflanzen. Inzwischen zählt sie auch zu den gut untersuchten Arzneipflanzen. Wissenschaftler konnten feststellen, dass Zubereitungen aus Bärentraubenblättern eine Vielzahl von Bakterien bekämpfen, die typischerweise Entzündungen der Harnblase und des Nierenbeckens verursachen. In Untersuchungen erwies sich die Bären traube zum Beispiel als wirksam gegen Colibakterien, Ureaplasmen, Staphylokokken, Streptokokken, Proteus vulgaris, Candida albicans und viele mehr. Die antimikrobielle Wirkung tritt jedoch im alkalischen Harn am zuverlässigsten ein, weshalb während der Einnahme oftmals gleichzeitig Natriumhydrogencarbonat verabreicht wird.


Bärentraube an ihrem Naturstandort im oberen Vinschgau (Foto: M. Madejsky)

Die Blätter enthalten Gerbsäuren und harnwegsdesinfizierende Stoffe (Arbutin).

Nach der Einnahme von Präparaten mit Bärentraubenblättern kommt es zunächst zu einer verstärkten Blutabwehr: »Neben einem Anstieg der Leukozyten im Blut (um 25 % 4 Stunden nach Einnahme des Präparats) fand sich im Urinsediment eine verstärkte Phagozytosewirkung der Leukozyten; die Zahl der Erreger nahm ab, so dass am 11. bis 12. Tag mikroskopisch keine Bakterien mehr nachweisbar waren … Zytoskopisch wurde nach Cystinol-Gabe eine vorübergehende Hyperämie der chronisch entzündeten, anergischen Schleimhaut beobachtet, danach setzte ein rasches Abklingen der Entzündung und der ulzerativen Prozesse ein« (Harnischfeger/Stolze, Bewährte Pflanzendrogen in Wissenschaft und Medizin, 1983).

Damit die Blasenentzündung nach erfolgter Behandlung mit einem Blasenelixier, mit Teemischungen und/oder mit Sitzbädern nicht gleich wiederkehrt, sollte allerdings auch der Sexualpartner stets mitbehandelt werden, damit es eben nicht zu dem gefürchteten Pingpongeffekt kommt. Insbesondere nach einem Partnerwechsel leiden Frauen häufig an der sogenannten »Honeymoon-Zystitis«, die immer wieder nach dem Geschlechtsverkehr auftritt. Dabei gelangen durch den Verkehr entweder Bakterien vom äußeren Genital in die Harnröhre, vermehren sich dort und steigen auf, oder es findet ein Erregeraustausch statt, und es kommt wiederum nach dem Koitus zu entzündlichen Abwehrreaktionen. In solchen Fällen lohnt es sich auch, dem Partner mindestens 2 Wochen lang harnwegsdesinfizierende Kräutertees oder Extrakte (z. B. Cystinol) und Blasenmittel zu verabreichen (z. B. Proscenat spag., Tropfen von Pekana).

Die antibiotischen Heilkräfte der Bärentraubenblätter sind jedoch richtig angewandt so stark, dass die alten Kräuterärzte die Pflanze einst sogar bei Gonorrhoe (Tripper) eingesetzt haben. Abgesehen von bakteriellen Entzündungen, darf man durch diese kräftige Blasenheilpflanze auch Linderung erwarten bei Blasenreizung nach Katheter sowie nach Harnblasen-oder Prostataoperationen, nach der Einnahme von Antibiotika und sogar bei therapieresistenten Blasenentzündungen: »Hatte vorher die Infektion trotz Wechsel verschiedener Präparate nicht mehr auf die Chemotherapie angesprochen, so zeigte sich unter der Kombinationsbehandlung (Cystinol plus Antibiotikum) eine erneute Empfindlichkeit der Erreger« (Harnischfeger/Stolze, Bewährte Pflanzendrogen in Wissenschaft und Medizin, 1983). Außerdem findet die Bärentraube noch Anwendung bei Blasengrieß und Nierensteinen, die sie zwar nicht ableitet, aber immerhin lindert sie die damit einhergehenden Entzündungen und Schwellungen der gereizten Harnwege.

Rezept: Bärentraubenblättertee bei Blasenentzündung

2 Teelöffel getrocknete Bärentraubenblätter mit 200 ml Wasser kalt ansetzen, einige Stunden ziehen lassen, abseihen und kurz auf Trinkwärme erhitzen. Bei akuten Beschwerden 3 bis 5 Tassen à 200 ml über den Tag verteilt trinken. Wichtig ist es, den Tee über die Beschwerdefreiheit hinaus so lange zu trinken, bis sich wiederholt keine Bakterien mehr im Urin finden.

Rezept: Blasenelixier (Kräuterladen)


Bärentraubenblätter40 g
Goldrute20 g
Schafgarbe20 g
Zinnkraut20 g
Weinbrand oder Grappa250 ml

Zur Herstellung des Blasenelixiers benötigt man außerdem ein sauberes Schraubglas mit Metalldeckel und etwa 300 ml Fassungsvermögen.

So wird’s gemacht:

 Die getrockneten Kräuter miteinander mischen und in ein Schraubglas geben.

 Die Kräuter mit Weinbrand übergießen, so dass wenig Luft im Glas verbleibt.

 Das gut verschlossene Glas bei Raumtemperatur im Dunkeln aufbewahren (z. B. im Küchenschrank) und am besten täglich kräftig schütteln.

 Nach etwa 4 Wochen (im Notfall auch früher oder später) kann man das Blasenelixier durch ein sauberes Küchentuch abfiltern und gut auspressen.

 Das Blasenelixier kann nun zur Aufbewahrung in eine Braunflasche gefüllt und beschriftet werden. Es hält sich in der Regel mindestens 2 bis 3 Jahre, da die enthaltenen Kräuter antibiotische Heilkräfte haben. Leichte Flockungen sind normal, ein schaler Geschmack oder muffiger Geruch zeigt an, wann das Elixier nicht mehr zu gebrauchen ist.


Bärentraube (G. Pabst [Hrsg.], Köhlers Atlas der Medizinal-Pflanzen, 1887)

Anwendung: Bei bakteriellen Blasenentzündungen, aber auch bei Harnwegsreizungen durch Blasengrieß oder Nierensteine bis hin zu Nierenbeckenentzündungen kann das Blasenelixier hoch dosiert eingenommen werden, zum Beispiel drei- bis fünfmal täglich 1 Teelöffel in etwas Wasser oder Tee.

Bei bakteriellem Harnbefund stellt das Blasenelixier eine ideale Ergänzung zu anderen antibiotischen Heilpflanzenanwendungen dar (z. B. Angocin-Antiinfekt von Repha). Es kann jedoch auch bei unklaren Blasenbeschwerden mit häufigem Harndrang, trübem Urin sowie bei Harngrieß versucht werden, etwa kurmäßig dreimal täglich 1 Teelöffel in Wasser oder Tee.

Praxistipp: Bei Neigung zu Blasenentzündungen

Zur unspezifischen Nierenstärkung wie auch als mildes Harnwegsdesinfiziens hat sich die Kombination aus Schafgarbentee mit dem Solunat Nr. 16 Renalin bewährt. Denn das Solunat enthält neben spagyrisch aufbereiteten Nierenpflanzen wie Bärentraube oder Zinnkraut auch kolloidales Kupfer. Am besten eignet sich die Kombination zur Nachbehandlung von bakteriellen Blasenentzündungen sowie zur Rezidivprophylaxe.

Handelsprodukte:

Bärentraubenblätter (Uva ursi folium)

Bärentrauben-Urtinktur (Uva-ursi-Urtinktur; DHU, Spagyra)

Cystinol-akut-Dragees (Schaper & Brümmer)

Cystinol-Lösung (Schaper & Brümmer)

Uvalysat-S-Bürger-Lösung

Sammeltipps: Heilkundlich verwendet man hauptsächlich die Blätter, die man am besten bei zunehmendem Mond im Zeichen Waage oder Skorpion erntet. Doch die wenigen Wildvorkommen sollten unbedingt geschont werden.

Anwendungsbeschränkungen: Wegen des hohen Gerbstoffgehalts kann der Bärentraubenblättertee bei magenempfindlichen Personen zu Reizungen der Magenschleimhaut führen. In der Schwangerschaft, in der Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren sollte die Bärentraube nicht angewendet werden.

Bärwurz – Die Kraftwurzel für die Gebärmutter

»Beerwurtz wird sie genannt von des rauen Haars wegen / oder dieweil sie den Weibern zu der Beermutter dienlich / ist in allweg dem Fenchel fast gleich hat in der Höhe weisse Blümlin wie Dill.«

(Adamus Lonicerus, Kreuterbuch, 1679)

Namen: Bärenfenchel, Dillblattwurz, Wilder Fenchel, Herzwurz, Mutterwurz. Die Volksnamen Bärwurz und Mutterwurz weisen einerseits auf die ursprüngliche Verwendung der Wurzel bei Gebärmutterleiden hin. Andererseits ist die Wurzel struppig behaart wie das Tier. Schließlich sollen die Bären tatsächlich nach der nahrhaften Wurzel gegraben und deren fenchelartige Blätter verspeist haben. In jedem Fall handelt es sich um ein besonders heilsames Gewächs, weil der Bär bei unseren Vorfahren als Krafttier großes Ansehen genoss und nur den besonders kraftspendenden Heilpflanzen seinen Namen lieh.

Botanischer Name: Bärwurz (Meum athamanticum), Doldenblütler (Apiaceae).

Signaturen und Astrologie: Astrologisch ordnet man die Bärwurz wie so viele Doldenblütler zunächst dem Element Luft und ihrem Herrscher Merkur zu, der im Menschen über den Stoffwechsel und die Hormone regiert. Die fein gefiederten Blätter unterstreichen diese Zuordnung und deuten darüber hinaus darauf hin, dass die Bärwurz die Nerven stärkt.

Der stark aromatisch-würzige Duft der Blätter wie auch der Früchte galt einst als Signatur von dämonenfeindlichen Pflanzen und lässt natürlich auch eine Wirkung auf die Verdauung vermuten. Weil der Bär der Pflanze seinen Namen lieh, handelt es sich sicher um ein Gewächs, das außergewöhnliche Heilkräfte in sich birgt und Regenerationskraft überträgt.

Wirkstoffe: In der Wurzel finden sich ätherisches Öl, Ligustilid, Monoterpene, Gummi, Harz, Zucker, Stärke, Phenylacrylsäuren, Kaffeesäurederivate und Phthalide.

Heileigenschaften: verdauungsfördernd, magenstärkend, erwärmend, menstruationsfördernd, krampflösend.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Die Bärwurz, aber auch die nah verwandte Alpenmutterwurz (Ligusticum mutellina), wird in ihren Verbreitungsgebieten seit langem zum Würzen von Speisen gebraucht. Bei Ersterer dienen die Früchte als verdauungsförderndes Gewürz für deftige Eintöpfe, Linsensuppen oder Wildgerichte. Von der Zweitgenannten wird im Bayerischen Wald das Kraut zum Aromatisieren von Käse gebraucht. Beide »Mutterwurzen« haben im Grunde genommen die gleichen erwärmenden, appetitanregenden und verdauungsfördernden Heilkräfte. Wie der Name bereits andeutet, so findet die Bärwurz seit langem volksmedizinisch in der Frauenheilkunde Verwendung: »Die Bärwurz wurde bei Krankheiten der Gebärmutter, Menostase, Fluor albus, sodann bei Hysterie einerseits, als kräftigendes, verdauungsanregendes Aromatikum andererseits verwendet« (Wilhelm Pelikan, Heilpflanzenkunde, 1958).


Blühende Bärwurz (Foto: H. Amann)

Im Namen steckt einerseits der Bär, weil die Wurzel behaart ist, andererseits ist er ein Hinweis auf die ursprüngliche Verwendung der Bärwurz bei Gebärmutterleiden.

Wie ihre Verwandten, die Engelwurz oder auch die Meisterwurz, so werden auch die Bärwurzen in Bitterschnäpsen gebraucht. Alle genannten Doldenblüten erwärmen den Unterleib, wirken krampflösend und menstruationsfördernd. Wegen der ähnlichen Wirkungen wird die Bärwurz normalerweise nicht mit Engel- oder Meisterwurz gemischt, sondern in ihren Verbreitungsgebieten eben anstatt der Engel- oder Meisterwurz eingesetzt. Üblich ist der Gebrauch als Erste-Hilfe-Mittel aus der Natur bei »Bärmuttergrimmen« (Menstrualkolik) in Form von Bärwurzschnaps, als Wurzelabkochungen oder indem man das Wurzelpulver in Tee oder Wein einnimmt.

Rezept: Bärwurzschnaps (Kräuterladen)

So wird’s gemacht:

 50 g getrocknete Bärwurz in ein Glas (ca. 300 ml) mit Metalldeckel geben und randvoll mit Grappa oder Weinbrand übergießen.

 Das gut verschlossene Glas für 4 bis 6 Wochen an einen sonnigen Platz stellen (z. B. Fensterbank) und ab und zu kräftig schütteln.

 Danach durch ein sauberes Küchentuch oder durch ein Sieb abseihen und zur Aufbewahrung in eine Braunflasche füllen. Gut verschlossen, kühl und dunkel gelagert, hält sich der Bärwurzschnaps einige Jahre lang.

Anwendung: Bei Bauchschmerzen oder Unterleibskrämpfen während der Regel 1 bis 2 Teelöffel pur oder mit Wasser verdünnt einnehmen.

Rezept: Bärwurz-Birnhonig-Kur nach Hildegard von Bingen (Apotheke)

In der Hildegard-Medizin gilt die Bärwurz auch als vielfach erprobtes Migränemittel, das die schwarze Galle und alle »schlechten Säfte« im Menschen bekämpfen soll.

So wird’s gemacht:

 100 g Pulvergemisch (bestehend aus 35 g Bärwurzpulver, 28 g Galgantpulver, 22 g Süßholzpulver und 15 g Mauerpfefferpulver) mit 8 gekochten Birnen (ohne Wasser) und mit 8 EL abgeschäumtem Honig gründlich mixen.

 Den Brei zur Aufbewahrung in ein sauberes Marmeladenglas geben und in den Kühlschrank stellen.

Dosierung: Kurmäßig über einige Wochen hinweg morgens nüchtern 1 Teelöffel, nach dem Mittagessen 2 Teelöffel, abends vor dem Schlafengehen 3 Teelöffel einnehmen (vgl. Hertzka/ Strehlow, Große Hildegard-Apotheke, 1989).

Handelsprodukte:

Bärwurz (Mei radix, Foeniculi ursini radix)

Bärwurz, homöopathische Verdünnung (Meum-athamanticum-Urtinktur; Spagyra, von DHU als Sonderanfertigung)

Bärwurz (verdauungsfördernder Kräuterschnaps mit Bärwurz)

Bärwurzgewürz nach Hildegard von Bingen (Jura KG)

Sammeltipps: Die eher seltenen Wildvorkommen sollten geschont werden. Zur Herstellung von Tinktur oder Schnaps verwendet man ausschließlich die Wurzel.

Anwendungsbeschränkungen: Bärwurz nicht in der Schwan gerschaft oder bei Lichtempfindlichkeit gebrauchen.


Bärwurzschnaps (Foto: M. Madejsky)

Basilikum – Fördert Hingabe und Empfängnisfähigkeit

»Damit die Frauen fruchtbar werden, sollen sie Basilicum mit Lauch in die Suppe geschnitten essen. Dies macht jüngere Frauen fruchtbar.«

(Paracelsus, Sämtliche Werke, Aschner-Ausgabe, 1926)

Namen: Basilienkraut, Bienenkraut, Königsbalsam, Königskraut, Pfefferkraut.

Botanischer Name: Basilikum (Ocimum basilicum), Lippenblütler (Lamiaceae).

Signaturen und Astrologie: Die weißen Blüten zeigen das Nervenheilmittel sowie die astrologische Zugehörigkeit zum Mond an, der im Menschen unter anderem über Keimdrüsen und Fruchtbarkeit regiert. Der mild scharfe Geschmack ist eine Signatur, die nach der chinesischen Elementenlehre auf Lungen- und Dickdarmwirksamkeit schließen lässt. Das Wesen dieser beliebten Gewürzpflanze ist es, die Bauchorgane zu erwärmen und zu entkrampfen, die Nerven zu stärken und auf subtile Weise die Sinnlichkeit zu wecken.

Wirkstoffe: Die Blätter enthalten ätherisches Öl mit Estragol, Linalool, Eugenol, Cineol und Monoterpenen sowie bis zu 5 Prozent Labiatengerbstoffe, Flavonoide (Quercetin u. a.), Kaffeesäure, Äsculosid.

Heileigenschaften: verdauungsfördernd, blähungswidrig, östro genisierend, krampflösend, magenstärkend (hemmt die Geschwürbildung), milchbildend.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Basilikum erfreut sich einst wie heute großer Beliebtheit vor allem als appetitanregendes und magenstärkendes Gewürz für Tomaten-, Käse-und Fischgerichte. Dies hat er nicht nur seinem aromatischen Geschmack, sondern vielmehr seiner Heilwirkung auf Magen und Darm zu verdanken. Basilikum wirkt nämlich keineswegs nur appetitanregend, magenstärkend und blähungswidrig. Er erwärmt außerdem die Bauchorgane, und seit alter Zeit sagt man ihm sogar eine mild aphrodisierende Wirkung nach, weshalb er mit den Liebesgöttinnen verschiedener Kulturen in Verbindung gebracht wurde.

Der anthroposophische Kräuterkenner Wilhelm Pelikan fasst das breitgefächerte Wirkungsspektrum des Basilikums wie folgt zusammen: »Diese alte Kulturpflanze wurde ob der anregenden Durchwärmung der Verdauungsorgane, der uterusreinigenden, geburtfördernden, milchtreibenden, aphrodisiakumartigen Wirkung, ferner bei katarrhalischen Erkrankungen und Schleimhautentzündungen des Urogenitaltraktes verwendet. Auch die beruhigende, Krampfschmerzen stillende Wirkung fehlt hier nicht« (Wilhelm Pelikan, Heilpflanzenkunde, 1958).

In der kreuzförmigen Anordnung der Basilikumblätter sehen Signaturenkenner die schutzmagischen Kräfte der beliebten Gewürzpflanze. (Foto: M. Madejsky)


Die weißen Basilikumblüten sind eine mondhafte Signatur und zeigen den Einfluss auf die vom Mond regierten Nerven und die Schleimhäute an. (Foto: O. Rippe)


Im Gegensatz zum blähungswidrigen Gartenbasilikum zählt Tulsi, der heilige Basilikum, zu den Adaptogenen und kann daher körperlichen sowie seelischen Stress ausgleichen und die Abwehrkräfte stärken. (Foto: M. Madejsky)

In alten wie in neuen Kräuterbüchern liest man immer wieder von der aphrodisierenden und östrogenartigen Wirkung der beliebten Gewürzpflanze. Doch die Wirkung ist im Gegensatz zu echten Liebespflanzen wie Yohimbe eher subtil. Wie auch andere Gewürzkräuter lenkt Basilikum das Blut vom Kopf in den Bauch, wirkt somit einer Kopflastigkeit entgegen, spendet Gelassenheit, fördert die Hingabe und steigert damit auch die Empfängnisfähigkeit.

Eine in Indien heimische Basilikumart (Ocimum sanctum), auch Tulsi genannt, ist dem Gott Vishnu heilig und gilt dort als Allheil-, Verjüngungsmittel, Tonikum und Aphrodisiakum. Die Hindus essen täglich wenigstens ein Blatt dieser heiligen Basilikumart, um den Göttern ihre Ehre zu erweisen, um ihre Gesundheit zu erhalten und um ihre Hingabefähigkeit zu steigern.

Diese Art wurde eingehend wissenschaftlich untersucht und erwies sich als sogenanntes Adaptogen, das sind Gewächse, die den Menschen stressresistenter machen und beispielsweise Krankheitskeimen den Angriff erschweren. Solche Pflanzen wirken zugleich antioxidativ, stärken das Immunsystem und tragen bei regelmäßigem Verzehr zur Gesunderhaltung des Menschen bei (vgl. Heidrun Nörr, Phytochemische und pharmakologische Untersuchungen …, 1993).

Ähnlich, aber weit schwächer wirken die bei uns in Töpfen gezogenen Basilikumarten, die in der Volksmedizin unter anderem ein beliebtes Mittel zur Anregung der Milchbildung sind. Schon in den alten Kräuterbüchern wie etwa dem des Adamus Lonicerus aus dem Jahr 1679 findet man daher Empfehlungen wie folgende: »Genützt mit Wein / ist es gut den Frauen / welche Kinder säugen / dann es vermehret ihnen die Milch.«

Interessanterweise nutzt man die homöopathische Umkehrwirkung zur Beruhigung der Brüste. Die Homöopathen Julius Mezger und Erwin Schlüren empfehlen eine brasilianische Basilikumart (Ocimum canum) bei Brustspannen mit heftigen Brustwarzenschmerzen durch die geringste Berührung. Eine solche Berührungsempfindlichkeit, bei der mitunter sogar Kleiderdruck schmerzhaft ist, kommt beispielsweise bei knotig umgebauten Brustdrüsen vor (Mastopathie), und manche Frauen kennen solche Zustände in den Tagen vor der Regel. In beiden Fällen ist der Basilikum (z. B. Ocimum canum D4 von Spagyra oder als Sonderanfertigung von DHU; zweibis dreimal täglich 10 Globuli) ein Begleitmittel zu anderen Maßnahmen wie etwa einer Gelbkörperregulation und der Reduzierung von Milchprodukten in der Nahrung.

Rezept: Hingabemischung (Apotheke)

Die folgende Rezeptur entstand im Gespräch mit einer Frau, die einfach nur hingebungsvoller werden wollte. Alle enthaltenen Mittel unterstehen daher astrologisch dem Mond und kommen aus dem Meer oder finden sich in Meeresnähe. Die Mischung versteht sich als Ergänzung zu anderen Maßnahmen, welche die sinnliche Frau wecken, wie etwa aphrodisierende Tees (siehe Seite 178), erotische Massagen, sinnliche Räucherungen, tantrische Übungen usw.

Agnus castus (Mönchspfeffer)

Dil. D4 Basilicum (Basilikum) Urtinktur

Calcium carbonicum (Austernschale) Dil. D6

Rosmarinus officinale (Rosmarin) Urtinktur

Sepia (Tintenbeutel vom Tintenfisch) Dil. D8

Je 20 ml von DHU oder Spagyra über eine Apotheke bestellen und selbst mischen oder mischen lassen, bei Bedarf ein-bis zweimal täglich 10 bis 15 Tropfen im Mund zergehen lassen.

Handelsprodukte:

Basilikumkraut (Basilici herba)

Basilikum-Urtinktur (Basilicum = Ocimum-Basilicum-Urtinktur; Spagyra, von DHU als Sonderanfertigung)

Tulsi (Ocimum sanctum; als Topfpflanze über manche Gärtnereien zu beziehen)

Basilikum, ätherisches Öl (Maienfelser Naturkosmetik, Primavera, Neumond)

Tulsi (Maienfelser Naturkosmetik, Primavera, Neumond)

Sammeltipps: Zur Herstellung einer Tinktur sammelt man das Kraut kurz vor oder im Beginn der Blüte und am besten bei zunehmendem Mond in den Zeichen Krebs oder Stier.

Anwendungsbeschränkungen: Bei der Pflanze bestehen keine Anwendungsbeschränkungen. Im ätherischen Basilikumöl kommt relativ viel Estragol vor, das unter dem Verdacht steht, bei lange dauernder und extrem hoch dosierter Einnahme (!) krebserregend zu sein. Daher ist von der Einnahme des reinen ätherischen Öls vor allem in der Schwangerschaft abzuraten.


Basilikum (E. Blackwell, um 1750)

Baumwolle – Mutterkornersatz bei Wehenschwäche

»Aus der Wurzelrinde des Baumwollstrauchs wird eine Tinktur bereitet, die im Arzneimittelversuch bemerkenswerte Beziehungen zu den weiblichen Geschlechtsorganen gezeigt hat: Stechende Schmerzen intermittierenden Charakters in beiden Ovarien und im Uterus.«

(Julius Mezger, Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre, 2005)

Name: Baumwollstaude.

Botanischer Name: Krautige Baumwolle (Gossypium herbaceum), Malvengewächse (Malvaceae).

Signaturen und Astrologie: Astrologisch ordnet man den Baumwollstrauch vor allem der Planetenkraft von Mond und Jupiter zu, weil er weiße Wollbüschel hervorbringt und eine liebliche Ausstrahlung hat. Die leichte Giftigkeit erklärt sich durch den neptunischen Einfluss, der sich durch die hellgelben Blüten zeigt.

Der Gattungsname Gossypium leitet sich von gossum (= »Wulst, Kropf«) ab und bezieht sich auf die Form der Fruchtkapsel; das Wort gossum wird auf das arabische goz, eine staudenartige Pflanze, zurückgeführt (herbaceum = »krautig«).

Wirkstoffe: Das Samenöl enthält Glyceride mit Öl-, Palmitin-, Linol- und Linolensäure, Flavonoide, Vitamin E und Sesquiterpene (Gossypol). Die Wurzelrinde enthält vor allem Gossypol und Flavonoide. In der Asche fand man relativ viel Titan (0,2 %).

Heileigenschaften: menstruationsfördernd, wehenerregend bis abortiv, blutflusshemmend und blutgerinnungsfördernd, eventuell milchbildend (Samen). Gossypol hemmt die Neubildung und Beweglichkeit von Spermien.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Der Baumwollstrauch bringt eigentlich fast alles hervor, was Mensch und Pflanze miteinander verknüpft: Aus seinen Samenhaaren stellt man seit Jahrtausenden Bekleidung her, seine Samen liefern ein essbares Öl, das heute unter anderem zur Margarineherstellung dient, und seine Wurzel lässt sich arzneilich nutzen. In die Heilkunde wurde die Baumwollpflanze vermutlich erst von arabischen Ärzten eingeführt. Die Blätter fanden bei Bauchkoliken der Kinder Anwendung und die Samen bei Husten, das Samenöl wurde schließlich als Kosmetikum bei Sommersprossen gebraucht. Außerdem diente die Baumwolle einst wie der Beifuß als Moxakraut, denn sie wurde zu festen Zylindern gerollt, auf die Haut aufgebracht und dort zur Energetisierung von Akupunkturpunkten oder zur Ableitung von Schmerzen abgebrannt.

In China entdeckte man bald den Einfluss des Samenöls auf die männliche Fruchtbarkeit. Männer, die dauerhaft mit Baumwollsamenöl zubereitete Speisen zu sich nahmen, waren dadurch unfruchtbar geworden. Heute weiß man, dass einer der Pflanzeninhaltsstoffe, nämlich das giftige Gossypol, die Neubildung von Spermien hemmt und ihre Beweglichkeit herabsetzt. Daher erforschten insbesondere chinesische Wissenschaftler das Gossypol intensiv, denn man hoffte, dadurch eine »Pille für den Mann« zu finden. Zur Empfängnisverhütung wurde Gossypol aber vermutlich wegen der zum Teil irreversiblen Folgen nie gebraucht. Dafür dient das vom Gossypol befreite Baumwollsamenöl heute als Vitamin-E-Lieferant sowie zur Herstellung von Seife.


Links: Blühende Baumwolle offenbart durch ihre gelben Blüten Gallenwirksamkeit und als Faserlieferant Zugehörigkeit zur Planetenkraft Jupiter. (Foto: O. Rippe)


Rechts: Baumwollstaude (Lonitzer [Lonicerus], 1560)

In der Frauenheilkunde spielen nur die Wurzelrinde und daraus zubereitete Abkochungen oder die Tinktur eine Rolle. Die Wurzelrinde führt zu Uteruskontraktionen und wird daher vor allem volksmedizinisch noch als Mutterkornersatz zum Auslösen oder Verstärken von Wehen sowie zum Austreiben der Nachgeburt nach erschöpfender Wehentätigkeit verwendet. Die gebärmuttertonisierende Wirkung der Urtinktur nutzt man außerdem bei Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburtsneigung durch Gebärmuttererschlaffung, bei atonischen Blutungen nach der Geburt oder auch bei Myomblutungen. Dabei hat die Baumwollwurzeltinktur eine ähnliche uterustonisierende Wirkung wie die Einhornwurzel (Helonias) oder auch wie das heimische Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris), es wird aber seltener als diese gebraucht.

Rezept: Wehentropfen (Apotheke)

Die nachfolgende Mischung soll bei Wehenschwäche Oxytocin-Gaben ersetzen. Sie sollte unbedingt in Absprache mit einer Hebamme oder ärztlichen Geburtshelfern gebraucht werden. Damit die Mischung bei der Geburt eingesetzt werden kann, muss sie einige Wochen vorher bestellt werden. Sie ist nicht ganz billig und kommt daher vor allem für Frauen in Frage, die eine Neigung zu Wehenschwäche haben, unter Erschlaffungszuständen im Unterleib leiden oder die wegen großer Erschöpfung zu schwache Wehentätigkeit zeigen.


Caulophyllum (Frauenwurzel) Dil. D610 ml
Cimicifuga (Silberkerze) Dil. D110 ml
Gelsemium (Giftjasmin) Dil. D410 ml
Gossypium-Urtinktur (Baumwolle)10 ml
Verbena-officinalis-Urtinktur (Eisenkraut)10 ml

Über die Apotheke von DHU oder Spagyra bestellen und mischen lassen oder selbst mischen. Zur Anregung der Wehen tätigkeit oder zur allgemeinen Geburtserleichterung so lange viertel- bis halbstündlich 10 bis 15 Tropfen der Mischung im Mund zergehen lassen, bis die Wehen ausreichend stark sind.

Handelsprodukte:

Baumwollwurzelrinde

Baumwollwurzel-Urtinktur (Gossypium-herbaceum-Urtinktur; Spagyra, von DHU als Sonderanfertigung)

Sammeltipps: Zur Herstellung der homöopathischen Urtinktur wird die frische innere Wurzelrinde verwendet.

Anwendungsbeschränkungen: Während der Schwangerschaft dürfen die Wehentropfen sowie die Baumwollrinde und die Urtinktur nicht angewendet werden.

Beifuß – Universalmedizin für Geburt und Mondblutung

»Beyfuß oft genützt / macht die Frauwen fruchtbar.«

(Albertus Magnus, Daraus man alle Heimligkeit …, 1581)

»Was meint ihr, ist Venus sonst als allein Artemisia? Was Artemisia allein als Venus? Was sind sie beide? Matrix [Gebärmutter], conceptio [Empfängnis], vasa spermatica [Samenleiter]?«

(Paracelsus, Sämtliche Werke, Aschner-Ausgabe, 1926)

Namen: Besenkraut, Bifoot, Roter Buck, Gürtlerkraut, Johannisgürtel, Jungfernkraut, Moxakraut, Mugwurz, Sonnwendgürtel, Weibergürtelkraut, Werzwisch.

Botanischer Name: Beifuß (Artemisia vulgaris), Korbblütler (Asteraceae).

Signaturen und Astrologie: Der Gattungsname leitet sich von der geburtsmächtigen Mondgöttin Artemis ab, die einst einen Gürtel aus geflochtenem Beifuß getragen haben soll, der ihr Zauberkräfte verlieh. Eine mondhafte Signatur ist die silbrig weiße Behaarung der Blattunterseite. Dagegen zeigen die schlanke Gestalt und die fiederteiligen Blätter sowie der Wachstumsort entlang von Wegrändern und Bahngleisen merkurielles Wirken an; Merkur-Hermes regiert unter anderem über die Hormone. Der rote Stengel ist eine marshafte Signatur, die einerseits auf kraftspendende Heileigenschaften schließen lässt, andererseits zeigt die rote Farbe Sympathie zum Menstrualblut. Paracelsus unterstellte den Beifuß der Venus, dies tat er vermutlich, weil der Beifuß auf das Venusorgan Gebärmutter einwirkt.

Das Wesen dieser alten Heil- und Schamanenpflanze ist es, zu öffnen und zu reinigen, denn sie treibt den Harn und den Schweiß, fördert die Verdauung und bringt das Menstruationsblut ins Fließen – kurz: Sie öffnet alle körpereigenen Entgiftungswege und wurde auch deswegen weltweit zum Austreiben von »Krankheitsgeistern« gebraucht.

Wirkstoffe: Im Kraut kommen Bitterstoffe und ätherische Öle vor, die unter anderem Campher und Thujon enthalten. Ferner enthält die Droge Flavonoide (Rutinoside, Quercetin, Hyperosid u. a.), Cumarine, Sitosterol und viele andere mehr.

Heileigenschaften: menstruationsfördernd, geburtserleichternd, krampflösend, verdauungsfördernd, galle-, harntreibend, kreislaufanregend, blutreinigend, antimikrobiell. Vor allem das ätherische Öl wirkt antibakteriell und pilzfeindlich, Blattextrakte erwiesen sich als insektizid.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Weltweit und zu allen Zeiten wurde der Beifuß von Heilern und Schamanen vor allem in Form von Räucherungen zum Vertreiben von Krankheitsdämonen gebraucht. Insbesondere die Dämonen der Melancholie und Verzweiflung lassen sich bis heute durch Moxibustion mit Beifußzigarren austreiben, also indem bestimmte Akupunkturpunkte erhitzt werden. Nach Schicksalsschlägen, Trennungen oder Verlustereignissen hat es sich zum Beispiel bewährt, den Akupunkturpunkt Magen 36, 2 Querfinger unterhalb des Knies, zu moxen, denn der M 36 gilt als »Meisterpunkt der göttlichen Gleichmut« und verleiht Gelassenheit und Durchhaltevermögen.


Die Pflanze der Mondgöttin Artemis ist eine der wichtigsten Frauenpflanzen der heimischen Flora. Je nachdem, wann und wie man das Kraut anwendet, steigert es die Empfängnisfähigkeit, lässt eine versiegte Blutung wieder erscheinen, entgiftet das Blut oder verstärkt die Wehen. (Foto: M. Madejsky)

Innerlich finden die getrockneten Beifußblätter seit Jahrhunderten als verdauungsförderndes Gewürz für fette Speisen wie etwa Gänsebraten Verwendung, und die Wurzel gebrauchte man einst bei Epilepsie (z. B. enthält das Epilepsie-und Krampfmittel Solunat Nr. 14, ehemals Polypathik, unter anderem Beifuß).

In der Frauenheilkunde erweist sich das Kraut der Mondgöttin Artemis geradezu als Universalmedizin. Beifuß bringt alles ins Fließen, das heißt, er treibt den Harn und den Schweiß, regt über Hypophyse und Keimdrüsen den Eisprung an und fördert die Menstruationsblutung sowie die Verdauung. Seine menstruationsfördernden Eigenschaften sind vor allem dann nützlich, wenn etwa nach Absetzen der Antibabypille die Regelblutung für längere Zeit ausbleibt oder wenn es nur noch zu einer spärlichen Schmierblutung kommt. Sofern keine Schwangerschaft vorliegt, helfen selbst bei monatelang ausgebliebener Regelblutung oftmals Teekuren mit Beifußkraut (2 Teelöffel pro Tasse à 200 ml heiß überbrühen, 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, 3 bis 4 Tassen täglich). Allerdings gilt hier die Regel: Je länger die Mensis ausgeblieben ist, umso länger muss der Beifußtee getrunken werden, wenn er die Blutung wieder hervorbringen soll.

Wenn Frauen bereits in der Pubertät eine Neigung zu ausbleibender Regel hatten, was sich vielleicht durch die Einnahme der Antibabypille noch verstärkt hat, dann sollten sie den Beifuß in jedem Fall regelmäßig gebrauchen, denn er regt die Hypophyse an, die bei Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit ohnehin meist der Schwachpunkt ist. Wenn frau bei Neigung zu schwacher Monatsblutung die Reinigung der Gebärmutter fördern will, so sind Beifußkuren ebenfalls hilfreich und unterstützen andere blutflussfördernde Maßnahmen wie etwa den Verzicht auf Tampons, die erhöhte Flüssigkeitsaufnahme, Stressreduzierung usw.

Ein positiver Nebeneffekt von Tee- oder Heilweinkuren mit Beifuß ist die tiefgreifende Blutreinigung. Die entgiftende Wirkung zeigt sich während solcher Kuren gern, indem der Schweiß unangenehm riecht, doch der Beifuß treibt eben Stoffwechselgifte mit Macht über alle Sekrete aus (Schweiß, Stuhl, Harn, Menstrualblut). Wegen dieser universell reinigenden Wirkung gebrauchten die Frauen das in Honigwein gesottene »Gürtlerkraut« schon vor Jahrhunderten zu Blutreinigungskuren.

Nicht zuletzt bewährt sich der Beifuß auch in der Geburtshilfe auf vielfältige Weise. Räucherungen mit den besonders aromatischen Blütentrieben waren lange Zeit rund um die Geburt eines Kindes gebräuchlich. Wegen ihres starken Duftes galt die Beifußräucherung als dämonenfeindlich. Ähnlich wie das Johanniskraut trug im Mittelalter der Beifuß ebenfalls den Beinamen Fuga daemonum (»Teufelsflucht«). Außerdem zählte Beifuß einst im Volksglauben zu den sogenannten »Schlosskräutern«, die den weiblichen Schoß während der Geburt öffnen.

Dies vermag das Kraut der Geburtsgöttin Artemis bis heute auf zwei Weisen: Zum einen nutzen Hebammen die Kräfte des Moxakrauts in der Geburtsvorbereitung, indem sie spezielle Akupunkturpunkte (B 62) moxen, damit sich das Kind im Mutterbauch in die richtige Lage dreht. Zum anderen wirkt die Einnahme von Beifußwein oder -extrakt einer Übertragung entgegen und erleichtert die Geburt. Hoch dosiert eingenommen, also etwa halbstündlich schluckweise getrunken, bewirkt Beifußwein, dass sich der Muttermund leichter öffnet und dass die Wehen stark genug werden. Daher sollten Gebärende den Beifußwein rege gebrauchen, um den Geburtsverlauf zu erleichtern.

Beifuß (L. Fuchs, 1543)

Rezept: Beifußwein nach Paracelsus

Zur Herstellung eines Beifußweins nach Paracelsus benötigt man 1 bis 2 frisch gegrabene Beifußpflanzen mitsamt Wurzel. Die beste Erntezeit ist vor der Blüte Ende Juni oder Anfang Juli, wenn sich das Kraut in voller Pracht anbietet. Doch sollte das Sammelgut von einer ungespritzten Brachfläche stammen.

So wird’s gemacht:

 Von der gegrabenen Beifußpflanze zunächst die Wurzel abtrennen, säubern und waschen. Die oberirdischen Pflanzenteile sorgfältig verlesen, nicht waschen.

 Oberirdische Pflanzenteile und Wurzel getrennt zerkleinern und zu feinem Brei zerhacken, dann alles miteinander vermengen.

 Den Pflanzenbrei in ein sauberes Schraubglas (ca. 800 ml) geben und mit einer Flasche gutem Weißwein über gießen.

 Das gut verschlossene Glas an einen warmen Platz, etwa auf eine sonnige Fensterbank, stellen und 2 Wochen lang ziehen lassen. Ab und zu schütteln.

 Nach 2 Wochen kann der Beifußwein durch ein sauberes Leintuch abgefiltert und ausgepresst werden – fertig! In einem braunen Glas gut verschlossen und im Dunkeln aufbewahrt, hält sich der Beifußwein meist einige Monate lang; ein säuerlicher oder muffiger Geschmack zeigt an, wenn er nicht mehr gut ist.

Anwendung: 2 bis 3 Likörgläschen Beifußwein täglich ab einer Woche vor dem errechneten Geburtstermin verhüten das Übertragen. Im Beginn der Geburt regt der Beifußwein die Wehentätigkeit an, verhindert Krampfwehen und treibt anschließend die Nachgeburt aus. Abgesehen von der Geburtserleichterung kann der Beifußwein ebenfalls kurmäßig bei Neigung zu ausbleibender oder schwacher Regelblutung sowie bei Menstruationskrämpfen eingesetzt werden (vgl. Olaf Rippe und Margret Madejsky, Die Kräuterkunde des Paracelsus, 2006).

Rezept: Räucherung zu Ehren der Artemis

Diese Räucherung eignet sich, um beispielsweise in einem Geburtsraum eine angenehme Atmosphäre zu schaffen oder um bei Vollmondfesten ein Rauchopfer an die große Göttin darzubringen.


Kiefern- oder Pinienharz (oder Copal)2 Teelöffel
Propolis½ Teelöffel
Wacholderbeeren1 Esslöffel
Beifußblüten30 g
Mariengras20 g
Sumpfporst10 g
So wird’s gemacht:

 Zunächst Harz und Propolis im Mörser pulverisieren.

 Dann die Wacholderbeeren darin wälzen und mit dem Stößel quetschen.

 Nun die übrigen Kräuter zugeben und alles gründlich miteinander vermengen.

 1 bis 2 Esslöffel der Mischung in einem feuerfesten Gefäß auf glühende Räucherkohle geben und den Rauch im Uhrzeigersinn von Eck zu Eck durch die geschlossenen Räume tragen; erst danach lüften.

Rezept: Nierenstärkendes Fußreflexzonenöl (Apotheke) Frauen, die unter kalten Füßen leiden, haben eine schlechte Nierenstrahlung. Denn an der Fußsohle entspringt der Nierenmeridian, so dass heiße Füße auf einen Ernergieüberschuss und kalte auf einen Energiemangel im Nieren-Nebennieren-Bereich hindeuten. Abhilfe kann man durch erwärmende und energetisierende Fußmassagen schaffen, zum Beispiel mit:


Gebärende (E .Rösslin, 1512) Beifuß gehört zu den ältesten Mutterkräutern rund um die Geburt: Als Tinktur oder Heilwein fördert er die Wehentätigkeit, und in Form von Räucherungen hält er während der Geburt die »bösen Geister« von Mutter und Kind fern.


Mandelöl40 ml
Kupferöl (Weleda)10 ml
Beifußöl, ätherisches8 Tropfen
Muskatnußöl, ätherisches5 Tropfen
Rosengeranienöl, ätherisches5 Tropfen
Lavendelöl, ätherisches5 Tropfen
Rosmarinöl, ätherisches2 Tropfen

Alles in eine Braunflasche geben und kräftig miteinander verschütteln.

Anwendung: einmal täglich in die Fußsohlen einmassieren, pro Fuß 5 Minuten.

Praxistipp: Bei Krampfneigung und Schlafstörungen

Bei Krampfleiden wie Epilepsie, aber auch bei ausgeprägten Einschlafstörungen durch Unruhezustände hat sich die Einnahme von Solunat Nr. 14 (Polypathik) bewährt. Das spagyrische Mittel enthält neben Beifuß weitere Pflanzen sowie Bromverbindungen, die spürbar beruhigen. Dosierung: abends vor dem Schlafengehen 10 Tropfen, bei Bedarf bis zu stündlich 5 weitere Tropfen. Solunat Nr. 14 hat eine leicht valiumartige Wirkung und führt bei Überdosierung zu Müdigkeit und Niederblutdruck. Maximaldosis: 25 bis 30 Tropfen pro Nacht.

Handelsprodukte:

Beifußkraut (Artemisiae herba)

Beifußwurzel (Artemisiae radix)

Artemisia-vulgaris-Urtinktur (Spagyra, DHU)

Beifuß, ätherisches Öl (Maienfelser Naturkosmetik, Primavera, Neumond)

Sammeltipps: Beifuß, das heißt das Kraut für Teekuren, sammelt man üblicherweise bei zunehmendem Mond rund um die Sommersonnenwende, also lange vor der Blüte. Die meist im Juli kurz vor oder im Beginn der Blüte geernteten Blütenknospen eignen sich am besten für Räucherungen. Die Wurzel, einst als Epilepsiemittel gebraucht, gräbt man bei abnehmendem Mond. Für frauenheilkundliche Zwecke wäre als Erntezeitpunkt ein Mond im Zeichen Skorpion ideal.

Anwendungsbeschränkungen: In der Schwangerschaft, bei Neigung zu starker Regelblutung sowie bei Bluthochdruck ist der Beifuß nur mit Vorsicht zu gebrauchen. Eine Beifußallergie ist möglich, wobei Allergiker meist nur auf die Pollen reagieren, wohingegen auch Allergiker das Kraut oder die Wurzel durchaus vertragen können.

Beinwell – Knochenheil und Osteoporoseprophylaxe

»Die Beinwurztinktur, die man sich leicht selbst bereiten kann, birgt wunderbare Kraft in sich. Kranke, die jahrelang gegen Rheumatismus und Gelenkschwellung mit allen vorzüglichen Mitteln behandelt wurden und keine Heilung fanden, erreichen mit der Beinwurztinktur rasche Hilfe.«

(Maria Treben, Gesundheit aus der Apotheke Gottes, 1980)

Namen: Beinheil, Schwarzwurz, Wallwurz, Wundallheil.

Botanischer Name: Beinwell (Symphytum officinale), Rauhblattgewächse (Boraginaceae).

Signaturen und Astrologie: Die saftreiche Pflanze bevorzugt feuchten Grund und zeigt dadurch ihre Beziehung zum Mond, der nicht nur die Weltenmeere bewegt, sondern über jede irdische Flüssigkeit regiert. Eine mondhafte Signatur, die das regenerierende Hautmittel anzeigt, erblickt man auch in der saftigen weißen Wurzel. Die rauhe Behaarung der Pflanze wie auch die schwarze Wurzelrinde und das düster wirkende Violett der Blüten lassen den saturnalen Einfluss erkennen, wobei Saturn hier als Herr über die chronischen Leiden und das Knochensystem in Erscheinung tritt. Zusammen mit Mars regiert Saturn darüber hinaus auch über die Pflanzengifte und gebietet überall, wo er sichtbar wird, zu umsichtiger Dosierung.

Wirkstoffe: Vor allem die Wurzel enthält Pyrrolizidinalkaloide, Allantoin, Gerbstoffe, Schleimstoffe, Triterpensaponine, Sterole, Phenolkarbonsäuren (Salicylsäure, Kaffeesäure), Rosmarinsäure und ein antiphlogistisches Glykopeptid.

Heileigenschaften: entzündungswidrig, wundheilend, abschwellend, fördert die Kallusbildung bei Knochenbrüchen, schmerzstillend.

Verwendung in der Frauenheilkunde: In den Namen Beinwell, Beinheil oder Wallwurz (vom althochdeutschen wallen, das auch »heilen« bedeutete) klingt bereits an, dass es sich um eine Heilpflanze handelt, die seit Urzeiten als Wund- und Knochenarznei im Gebrauch ist. Schon Hildegard von Bingen und Paracelsus nutzten den Beinwell zur Behandlung von Wunden, schlecht heilenden Geschwüren oder bei Knochenbrüchen in Form von Breiauflagen sowie als Wundtrank. Außerdem war die Wallwurz einst ein beliebtes Volksmittel bei Magengeschwüren. Doch von dem innerlichen Gebrauch wird inzwischen abgeraten, da der Beinwell sogenannte Pyrrolizidinalkaloide enthält, die sich im Tierversuch als krebserregend, leber- und erbgutschädigend erwiesen haben. Allerdings sind solche Tierversuche nur begrenzt auf den Menschen übertragbar, und die verfütterten Mengen erreicht man bei der üblichen Teebereitung normalerweise nicht. Dennoch gebraucht man die Beinwelltinktur heute nur noch äußerlich, und selbst die äußerliche Anwendung sollte nur auf der unverletzten Haut und nicht länger als 6 Wochen erfolgen, da Pyrrolizidine über die Haut resorbiert werden können. Die Einreibungen mit Beinwellsalben oder auch Umschläge mit der Beinwellwurzeltinktur (10- bis 20 %ig verdünnt) haben sich jedoch sehr bewährt bei Gelenkentzündungen, bei Knochenhautreizung oder bei Sehnenscheidenentzündung. Aber auch Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen schwellen erfahrungsgemäß rascher ab, wenn man sie mit Beinwell behandelt. Verantwortlich ist vermutlich der Wirkstoff Allantoin, der im Beinwell reichlich vorkommt. Die Wirkung von Allantoin wird mit der eines Hormons verglichen, das die Zellregeneration anregt. Daher konnte man bei der Behandlung schlecht heilender Wunden oder Hautgeschwüre sowie bei Magen-oder Dünndarmgeschwüren mit Allantoin beachtliche Heilerfolge erzielen. In klinischen Versuchen bewirkte Allantoin sogar eine starke Leukozytose. Allerdings erwies sich die Beinwellwurzel als wirksamer als der reine Wirkstoff Allantoin.


Beinwell (L. Fuchs, 1543)

Diese Heileigenschaften der Beinwellwurzel sind in der Frauenheilkunde bei zweierlei Leiden hilfreich. Zum einen kann man mit der (10- bis 20 %ig verdünnten) Wurzeltinktur Umschläge bereiten, deren entzündungswidrige und abschwellende Wirkung bei der Brustdrüsenentzündung (Mastitis) heilsam sind. Zum anderen sind Beinwellsalben oder -einreibungen mit der verdünnten Tinktur (z. B. 1 Teelöffel Tink tur auf 5 Teelöffel Wasser) eine bewährte volksmedizinische Erste-Hilfe-Maßnahme bei schmerzhaften Venenentzündungen.

Wenn auch die Einnahme in Form von Wundtränken heute nicht mehr üblich ist, so ist es doch tröstlich, dass die homöopathischen Verdünnungen ebenso heilsam wirken. Hier sind vor allem die Tiefpotenzen (z. B. Symphytum D4) wie auch bestimmte Hochpotenzen (z. B. Symphytum C30) gebräuchlich. Die Anwendungsgebiete lassen sich dabei fast gänzlich mit denen der Volksmedizin zur Deckung bringen und umfassen Knochenbrüche, Knochenhautreizung, Sehnenscheidenentzündungen, traumatisch bedingte Gelenksschwellungen, Prellungen oder Verstauchungen bis hin zur Parodontose. Wegen der großen Regenerationskraft, die durch das homöopathische Symphytum freigesetzt wird, erhalten in manchen naturheilkundlichen Krankenhäusern die Patienten inzwischen rundweg nach allen größeren operativen Eingriffen je eine Einzelgabe Arnica C30 und Symphytum C30. Während Arnica mehr auf die Weichteile wirkt, regeneriert Symphytum eher die Knochen, Knochenhaut und Sehnen. Symphytum ist für die Knochen, was Arnica für die Weichteile ist. Daher empfehlen sich Kuren mit homöopathisch zubereitetem Beinwell nicht zuletzt auch bei Osteoporose oder bei den nicht mehr heilen wollenden Knochenbrüchen alter Frauen (z. B. in Form von Steirocall-Lösung von Steierl).

Rezept: Mischung zum äußerlichen Gebrauch bei Mastitis (Apotheke)

Tinctura Consolidae e Radice (Beinwellwurzeltinktur; Caelo) Phytolacca-Urtinktur (Kermesbeerenwurzel-Urtinktur; Weleda)

Zutaten zu gleichen Teilen mischen.

Anwendung: 1 Esslöffel der Mischung mit 10 Esslöffeln Wasser verdünnt zum feuchten Umschlag bei Brustdrüsenentzündung, bei Bedarf zwei- bis dreimal täglich 15 bis 20 Minuten auflegen. Ergänzend kommen noch Enzyme in Frage (z. B. Phlogenzym von Mucos). Vor dem Stillen sollte die behandelte Brust kurz gewaschen werden.

Handelsprodukte:

Beinwellwurzel (Symphyti radix)

Beinwell (Symphytum officinale ab D3 als Dilution oder Salbe; Weleda; ab D4 von DHU und Spagyra)

Beinwellwurzeltinktur (Tinctura Consolidae e Radice 70 %, 1:5 – Pyrrolizidin; gereinigt von Caelo)

Kytta-Salbe f (pyrrolizidinfreie Salbe mit Beinwellwurzel-Fluidextrakt; Merck)

Sammeltipps: Zur Herstellung von homöopathischem Symphytum wird die Wurzel vor der Blüte geerntet. Sofern man selbst sammelt, kann man auch die ganze Pflanze mitsamt Wurzel kurz vor der Blüte verwenden. Bester Erntezeitpunkt wäre ein abnehmender Mond im Zeichen Steinbock.

Anwendungsbeschränkungen: Zur innerlichen Anwendung ist Beinwell vor allem für Schwangere nicht geeignet! Er enthält Pyrrolizidinalkaloide, die sich im Tierversuch als krebserregend, leber- und erbgutschädigend erwiesen haben. Daher gilt heute die Empfehlung, den Beinwell nur äußerlich zu gebrauchen und die Anwendung auf 4 bis 6 Wochen im Jahr zu begrenzen, sofern das entsprechende Präparat Pyrrolizidine enthält. Innerlich gebraucht man Beinwell in homöopathischen Verdünnungen ab D4.


Beinwell wurde bereits von Paracelsus als Knochenheilmittel gelobt und findet bis heute vor allem in homöopathischer Form Verwendung in der Behandlung sowie Prophylaxe von Osteoporose und anderen Knochen- und Gelenkserkrankungen. (Foto: M. Madejsky)

Benediktenkraut – Krebsdistel und Wundarznei

»Matthiolus schreibt / dass kaum ein köstlicher Artzney sey für den Krebs und andere faule Schäden / als eben die Cardobenedict / erzehlet / wie dass ein Weibsperson gewesen / deren die Brust von dem Krebs bis auf das Bein sey ausgefressen / und wieder sey geheilet worden / also dass man das Kraut gesotten habe / und den Schaden damit außgewaschen / und folgends das Pulver darinnen gestreuet.«

(Jakobus Tabernaemontanus, Kräuterbuch, 1731)

Namen: Benediktendistel, Bitterdistel, Heildistel, Kardobenediktenkraut, Spinnendistel. Der Name leitet sich vom lateinischen benedictus (= »gesegnet, gebenedeit«) ab und bezieht sich auf die großen Heilkräfte des Benediktenkrauts. Namensgeber ist damit auch der heilige Benedikt, der der Sage nach der Vergiftung durch seine Glaubensbrüder widerstehen konnte.

Botanischer Name: Benediktenkraut (Cnicus benedictus), Korbblütler (Asteraceae).

Signaturen und Astrologie: Wie alle »Disteln« untersteht das Benediktenkraut in erster Linie dem kriegerischen Mars, der im menschlichen Körper über die Galle regiert. Der rötliche Stengel wie auch der rötliche Stachelkranz, der die gelben Blütenköpfe umgibt, unterstreichen die kriegerische Ausstrahlung und zeigen zudem Sympathie zum Menstrualblut. Daneben wirken noch etwas Sonne und Jupiter in dem bitter schmeckenden und gelb blühenden Kraut.

Die spinnwebige Behaarung der Blätter lässt einen hohen Mineralstoffgehalt vermuten. Wegen der gelben Blüten ist das Benediktenkraut der Signaturenlehre zufolge ein Heilmittel bei Gelbsucht und Leber-Galle-Leiden. Seine Bitterkeit offenbart die galletreibenden und verdauungsfördernden Heilkräfte des Benediktenkrauts, das auf der körperlichen Ebene Wehrhaftigkeit vermittelt, Lebenskraft spendet, alle Verdauungssäfte und die Menstruationsblutung ins Fließen bringt und auf der seelischen Ebene als Konstitutionsmittel bei Verbitterung hilfreich ist.

Wirkstoffe: Im Kraut finden sich Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone wie Cnicin, Salonitenolid, Artemisiifolin), Lignan lactone, ätherisches Öl (mit Terpenen, Zimtaldehyd, Benzoe säure), Flavonoide und Mineralstoffe (Kalium und Magnesium).

Heileigenschaften: verdauungs-, menstruationsfördernd, blutreinigend, schweißtreibend, wundheilend, krebsfeindlich, antibakteriell; hemmt das Wachstum von Staphylokokken (Eiterbakterien).

Verwendung in der Frauenheilkunde: In der modernen Kräuterheilkunde zählt man das Benediktenkraut zu den aromatischen Bittermitteln, die vor allem zur Verdauungsförderung bei Fettunverträglichkeit, bei Neigung zu Gallensteinen, bei Stuhlverstopfung durch Leberschwäche oder beim sogenannten Altersmagen gebraucht werden. Doch die Bitterkeit dieser heilsamen Distelart ist auch bei verschiedenen Frauenleiden hilfreich.

Einerseits bringen Bittermittel alle Verdauungssäfte ins Fließen und verbessern daher bei Blutarmut die Eisenresorption oder steigern bei Neigung zu Osteoporose die Aufnahme vieler Mineralstoffe im Darm. Andererseits regen Bitterstoffe den Appetit an. Daher kommt die »Bitterdistel« auch in der Rekonvaleszenz zum Einsatz. Insbesondere die appetitanregenden Eigenschaften, aber auch die allgemein tonisierende Wirkung machen das Benediktenkraut zu einem Lebenskraftspender, der sich als Begleitmittel bei Krebserkrankungen bewährt hat. Bei Appetitlosigkeit und Übelkeit durch Chemotherapie kann das Benediktenkraut den Magen stärken und über den Darm wieder neue Lebensenergie aufbauen helfen. Aus diesem Grund wurde die mit außergewöhnlichen Heilkräften »gesegnete Distel«, wie ihr Name verspricht, ab dem 17. Jahrhundert von beinah allen großen Heilern als Krebsheilpflanze gerühmt. Immer wieder stößt man auf Berichte von Krebsleiden, die sich durch den täglichen Genuss dieser Bitterpflanze in ihrem Fortschreiten hemmen ließen, oder von Krebsgeschwüren, die sich durch die Anwendung von Benediktenkraut zurückgebildet haben sollen.


Benediktenkraut (Foto: M. Madejsky) Volksmediziner gebrauchen die »Krebsdistel« als Stärkungsmittel und Wundpulver.

Einen Großteil der ihr nachgesagten Wirkungen konnten Pflanzenforscher bestätigen: So wies man beispielsweise eine wachstumshemmende Wirkung des Krauts auf Bakterien nach, speziell auf Staphylococcus aureus und Streptokokken, die vermutlich auf den Gehalt an Lactonen zurückgeht. Das krebsfeindliche Prinzip konnte jedoch noch nicht entschlüsselt werden. Zwar zeigten die Extrakte sowohl im Tierversuch als auch auf Gewebekulturen antineoplastische Wirkungen, doch ein einzelner Inhaltsstoff war noch nicht zuzuordnen.

In der Volksmedizin gilt das Benediktenkraut bis heute als Blutreiniger, Gallenmittel, Emmenagogum sowie als Tonikum und wird bei Krebserkrankungen der weiblichen Brust oder des Unterleibs als Begleitmittel zur Verbesserung der Säfte empfohlen (siehe auch Krebstee, Seite 189, und Immunelixier, Seite 268). Äußerlich nutzt man die wundheilenden und antibiotischen Kräfte der Benediktendistel zur Wundpflege in Form von Waschungen sowie als Wundpulver bei eitrigen Geschwüren.

Rezept: Benediktenkrauttee (Kräuterladen)

Einen gut gehäuften Teelöffel des getrockneten Krauts mit 200 ml kochendem Wasser überbrühen, etwa 5 bis 8 Minuten ziehen lassen, abseihen und ungesüßt trinken. Bei Bedarf trinkt man 2 bis 3 Tassen jeweils vor oder zwischen den Mahlzeiten zur Verdauungsförderung, zur Anregung der Blutbildung, als Rekonvaleszenzmittel oder begleitend bei Krebserkrankungen.

Rezept: Wundtinktur (Kräuterladen)


Benediktenkraut20 g
Ringelblumenblüten20 g
Blutwurzelpulver20 g
Sanikel20 g
Spitzwegerichblätter20 g
Trinkalkoholnach Bedarf
So wird’s gemacht:

 Die Kräuter mischen und in ein sauberes Schraubglas (300 ml) geben.

 Die Kräuter randvoll mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch (aus etwa gleichen Teilen von 95 %igem unvergälltem Trinkalkohol und Quellwasser) übergießen, so dass möglichst wenig Luft im Glas verbleibt.

 Das verschlossene Glas für 6 Wochen an einen sonnigen Platz stellen (z. B. Fensterbank) und ab und zu schütteln.

 Dann die Tinktur durch ein sauberes Küchentuch abfiltern, den Rückstand kräftig auspressen und die Tinktur zur Aufbewahrung in eine Braunflasche umfüllen. Die Haltbarkeit beträgt in der Regel einige Jahre.

 Anwendung: zur Waschung eitriger Geschwüre zunächst 1 Esslöffel Tinktur mit 10 Esslöffeln Wasser vermischen (später eventuell nur 1:5 verdünnen) und die Wunde ein-bis dreimal täglich damit spülen oder waschen. Anschließend empfiehlt sich, pulverisiertes Benediktenkraut oder Wecesin-Pulver (Weleda) aufzustreuen.

 Wichtig: Falls sich das Geschwür trotz Behandlung entzündet oder das Leiden fortschreitet, sollte unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden.


Benediktenkraut (Lonitzer [Lonicerus], 1560)

Anmerkung: Frisch verarbeitete Kräuter sind wirksamer, sollten wegen des höheren Wassergehalts jedoch höher dosiert und zu feinem Brei zerschnitten werden.

Handelsprodukte:

Kardobenediktenkraut (Cnici benedicti herba = Cardui benedicti herba)

Benediktenkraut-Urtinktur (Cnicus benedictus = Carduusbenedictus-Urtinktur; DHU, Spagyra)

Sammeltipps: Man erntet die oberirdischen Teile der Pflanze, wobei der Bitterstoffgehalt kurz vor der Blüte am höchsten ist. Idealer Erntezeitpunkt ist bei zunehmendem Mond in einem Feuerzeichen (Widder, Löwe, Schütze).

Anwendungsbeschränkungen: Allergien sind möglich. Bei Neigung zu Übersäuerung im Magen oder Darm (z. B. Magenschleimhautentzündungen, Magen- oder Dünndarmgeschwüren) sollten Bittermittel wie Benediktenkraut nur in Maßen genossen werden, da sie die Säuresekretion anregen.

Berberitze – Naturmedizin bei Myomen

»Beim Myom liegt eine Krankheitssituation vor, in der dieses Veräußern durch überstarke oder unzeitgemäße Blutungen übersteigert ist. Gleichzeitig kommt es zur Bildung einer ›falschen Frucht‹, zu übermäßiger Wucherung, zu den Myomknoten. Für diese Situation ist Berberis das Heilmittel.«

(Heinz-Hartmut Vogel, Wege der Heilmittelfindung, 1994)

Namen: Dreidorn, Essigbeeren, Sauerdorn, Zizerl.

Botanischer Name: Berberitze (Berberis vulgaris), Sauerdorngewächse (Berberidaceae).

Signaturen und Astrologie: Der sehr saure Geschmack der Blätter und der Früchte lässt nach der chinesischen Elementenlehre Heilwirkungen auf die Leber vermuten (Sauer/ Holz/ Leber). Der gelbe Pflanzensaft und die gelben Blüten stellen wiederum den Bezug zur Gelbsucht sowie zu Leber-Galle-Leiden her. Den Blüten entströmt intensiver Spermageruch, was den Bezug zur Sexualsphäre und den Unterleibsorganen Gebärmutter und Prostata herstellt. In den roten Früchten, den »Zizerln«, erblickt man ein pflanzliches Ebenbild zu Myomen, Polypen oder Warzen, wobei die rote Farbe auch Sympathie zum Blut zeigt.

Astrologisch ordnet man die Berberitze vor allem den Planetenkräften von Jupiter (gelbes Prinzip und Leberwirkung) sowie Mars zu (Dornen und Blutfarbe).

Wirkstoffe: In der Wurzel kommen Gerbstoffe und verschiedene Alkaloide vor, vor allem das gelb färbende Berberin, das in der Wurzelrinde am höchsten konzentriert ist. Die Beeren enthalten Vitamin C sowie Carotinoide, Anthocyane und verschiedene Fruchtsäuren, unter anderem Apfel-, Wein- und Zitronensäure.

Heileigenschaften: steigert die Durchblutung der Beckenorgane, blutreinigend, leitet unter anderem Schwermetalle und Harnsäure aus, krampflösend auf die Muskulatur von Gallenblase und Gebärmutter, abführend, gallebildend und -treibend, steinbrechend, stark antibiotisch. Berberin ist wirksam gegen Amöben, Cholerabazillen sowie die Erreger von Malaria und Leishmaniasis usw.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Den Kräuterkundigen des Mittelalters diente vor allem die Wurzelrinde der Berberitze noch als Chininersatz und Heilmittel bei Malaria. Das zeigte ihnen die gelbe Farbe der Wurzel an. Dieser alten Heiltradition folgte auch der berühmte Kräuter- und Wasserpfarrer Sebastian Kneipp, indem er den Berberitzenwurzeltee bei Leberentzündung, Gelbsucht und Gallensteinleiden empfahl. Doch der Tee sollte sehr umsichtig dosiert werden, zum Beispiel täglich 1 gehäuften Teelöffel mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, etwa 10 bis 15 Minuten ziehen lassen und über den Tag verteilt trinken. Zum einen schmeckt der Tee nicht besonders lieblich, und zum anderen können größere Dosen stark abführend wirken und die Nieren reizen.


Die roten Berberitzenfrüchte erinnern ein wenig an Polypen oder an kleine Myome, wogegen sie als Heilmittel ins Feld geführt werden. (Foto: M. Madejsky)

Neuere Untersuchungen konnten die Volksmedizin allerdings bestätigen: Der Wurzelextrakt erwies sich nämlich als wirksam gegen verschiedene Krankheitserreger; zum Beispiel hemmt er das Wachstum von Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes und mutans, Pseudomonas aerogineus,

E. coli, von Vibrio cholerae sowie von Chlamydien und Darmparasiten wie Amöben (vgl. Klaus Peter Latté, Berberis vulgaris, 2007).

Die Hauptwirkung erstreckt sich auf die Bauch- und Beckenorgane, wo Zubereitungen aus der Berberitzenwurzel zu Blutandrang führen. Die Berberitze regt je nach Dosierung die Nierenfunktion an, fördert die Gallenbildung und -sekretion oder erregt wehenartige Gebärmutterkontraktionen. Sie entstaut die Bauch- und Beckenorgane. In der Frauenheilkunde kommen diese Heileigenschaften vor allem bei Neigung zu Gallensteinen zum Tragen, die man als Stein gewordenen Gefühlsstau bezeichnen kann, denn Gallensteine sind bekanntlich Wutsteine. Die Berberitze hilft jedoch auch, Blasengrieß oder Nierensteine abzubauen (z. B. Juniperus/Berberis-Kapseln von Wala). Doch in erster Linie behebt die Berberitze Gallenstau und fördert daher die Fettverdauung, wirkt einer Migräneneigung entgegen und stärkt – wie alle Leberheilpflanzen – langfristig das Bindegewebe.

Schließlich und vor allem hilft die Berberitze, Stauungen im Unterleib aufzulösen, wie man sie bei Gebärmuttermuskelgeschwülsten, also bei Myomen, antrifft. Doch hier ist der Tee eher eine unübliche Darreichungsform, denn eine Überdosierung führt zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen und Nierenreizung bis hin zu Krampfanfällen. Bei Myomen haben sich daher Kuren mit homöopathischen Zubereitungen aus der Berberitze bewährt (siehe Praxistipp). Erfahrungsgemäß ist nämlich lange vor der Entstehung von Myomen unter anderem die Lebertätigkeit gestört, so dass Heilpflanzen wie die Berberitze über die Leber auf die Formkräfte einwirken.

Dornenbewehrter Stengel mit Blatttrieben im Frühling (Foto: M. Madejsky)

Rezept: Wurzeltee zur Ausleitung von Schwermetallen (Kräuterladen)


Berberitzenwurzelrinde20 g
Goldrutenkraut50 g
Gundelrebe50 g
Liebstöckelwurzel20 g
Löwenzahnwurzel30 g
Wegwartenwurzel30 g

Alles miteinander mischen; 2 gehäufte Teelöffel pro Tasse à 200 ml heiß überbrühen, 15 Minuten ziehen lassen, abseihen, täglich 2 bis 4 Tassen trinken.

Anmerkung: Der Wurzeltee eignet sich zur Begleitung einer Amalgamausleitung. Dann sollte er wenigsten 6 bis 8 Wochen lang getrunken werden. Ergänzend kann man die Schwermetalle mit Schwefelverbindungen aus ihren Depots lösen (z. B. Sulfur-selenosum-D6-Pulver von Weleda; zwei- bis dreimal täglich 1 Messerspitze im Mund zergehen lassen) und die gelösten Problemstoffe mit Chlorellaalgen binden (z. B. Nepro-Rella-Tabletten von Nestmann; zwei- bis dreimal täglich 3 bis 4 Tabletten). Ergänzend sollte möglichst viel getrunken werden. Eine solche Ausleitung ist vor allem bei Allergien, bei chronischen Darm- oder Scheidenpilzinfektionen oder bei Unfruchtbarkeit (speziell der Männer) sinnvoll.

Praxistipp: Myombehandlung mit Berberis/Uterus comp. Die anthroposophische Heilmittelfirma Wala hat speziell zur Myombehandlung wie auch für die Prophylaxe von Gebärmutterkrebs Berberis/Uterus comp. entwickelt. Der Komplex enthält neben der Berberitze (Berberis D1) Brennnessel (Urtica urens D2), Sauerklee (Oxalis D2) und Apfelmistel (Viscum mali D3) sowie homöopathische Tiefpotenzen von Magnesium sulfuricum D5, Granit D9, Uterus D5 und Ovaria D5. Wegen der komplexen Zusammensetzung greift das Mittel im Körper auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig an. Der Anthroposoph Wilhelm Pelikan formulierte es so: »Berberis trifft mehr die Wurzel der Krankheit, Urtica mehr die Folgeerscheinungen, Berberis die Geschwulst, Urtica den gestörten Blutprozess« (Wilhelm Pelikan, Heilpflanzenkunde, 1958).

Erfahrungsgemäß ist, meist lange bevor eine Geschwulst – etwa ein Myom, ein Polyp, eine Zyste oder Krebs – entsteht, die Leber geschwächt, denn sie herrscht über das Bindegewebe und ist aus naturheilkundlicher Sicht für alle Formprozesse in den bindegewebigen Organen zuständig. Nicht selten empfinden Frauen ein Myom oder einen Polypen auch wie eine Art »Stau« oder »Knoten«, die, aus der Gefühlswelt kommend, sich im Körper niederschlagen und sichtbar und fühlbar Form annehmen. Eben hier wirkt die Berberitze als entstauende Heilpflanze speziell auf die Beckenorgane ein und bringt zusammen mit der Galle auch aufgestaute Gefühle wieder ins Fließen. Eine pflanzliche Ergänzung bildet die Brennnessel, die den Blutverlusten entgegenwirkt, Kraft spendet und die Eisenverwertung verbessert. Enthalten ist außerdem noch die Mistel, die sich in der naturheilkundlichen Tumorbehandlung ihren festen Platz erobern konnte. Nicht zuletzt regen noch die Organpräparate Uterus und Ovaria die entsprechenden Organe in ihrer Funktion wieder an. Berberis/Uterus comp. ist also eine gelungene Komposition, mit der sich Ursache und Folgen von Myomen angehen lassen. Das Mittel bildet eine ideale Basis bei der Behandlung von Myomen.

Die besten Erfolge, also Wachstumsstillstand und eventuell sogar einen Rückgang, erzielt man durch folgende Vorgehensweise: zweimal pro Woche eine Ampulle Berberis/Uterus comp. von Wala subkutan im Bauchraum injizieren. Zusätzlich kann man zweimal täglich 10 bis 15 Globuli des Komplexmittels im Mund zergehen lassen. Ergänzt wird die Therapie durch eine fachmännische Schilddrüsenregulation, durch den Blutfluss hemmende und Bluteisen auffüllende Maßnahmen (siehe Seite 78 und 82) sowie durch eine Ernährungsumstellung (tierische Fette und Milchprodukte reduzieren; Vorsicht mit Pflanzenhormonen aus Soja, Alfalfa oder Rotklee).


Den Berberitzenblüten entströmt Spermageruch, wofür Amine verantwortlich sind, und stellt dadurch den Bezug zur Sexualsphäre sowie zum Unterleib her, für den das homöopathische Berberis ein entstauendes Heilmittel ist. (Foto: M. Madejsky)

Nach einer Basisbehandlung von 3 Monaten sollte der Therapieerfolg per Ultraschall kontrolliert werden; sofern eine Besserung der Beschwerden wie Blutungen oder ein Wachstumsstillstand oder ein Rückgang eingetreten ist, kann und soll die Therapie mindestens 1 Jahr weitergeführt werden. Bei kleinen Myomen (2 cm) oder falls eine Dauereinnahme erforderlich ist, kann man es zunächst nur mit den Globuli versuchen. Das Gleiche gilt für Myome, die in der Schwangerschaft wachsen. In solchen Fällen kann man Berberis/Uterus comp. bis zum Ende des dritten Monats einnehmen, zum Beispiel zweimal täglich 10 Globuli.

Handelsprodukte:

Sauerdornbeeren (Berberis fructus)

Berberitzenwurzelrinde (Berberidis radicis cortex)

Berberis-Urtinktur (Berberis-vulgaris-Urtinktur; DHU, Spagyra)

Berberitzenfrüchte Urtinktur (Berberis-Fructus-Urtinktur; Weleda)

Sammeltipps: Zur Herstellung von Tinkturen verwendet man die Wurzel, die im Frühling oder im Herbst bei abnehmendem Mond ausgegraben wird. Idealer Erntezeitpunkt ist bei einem Mond in den Zeichen Widder oder Schütze.

Anwendungsbeschränkungen: Zubereitungen aus der Berberitzenwurzel nicht in der Schwangerschaft einnehmen, da sie Wehen erregen können. Bei Reizdarm und bei Neigung zu Gallenkoliken sollte die Berberitze nur homöopathisch gebraucht werden, zum Beispiel Berberis vulgaris ab D2 oder D4.


Die Berberitzenwurzel wurde in der Volksmedizin einst als Chininersatz gebraucht. Der gelbliche Pflanzensaft, der auch die Wurzel gelb färbt, zeigt durch seine Farblichkeit Sympathie zur Gelbsucht. (Foto: O. Rippe)

Bertram – Ein Liebesmittel mit Tradition

»Berthramwurzel zu einem subtilen Pulver gestossen / und des Pulvers 1 Löffel voll mit einem guten süssen Wein getruncken / beweget und reitzet die untüchtige erkalten Männer zun ehelichen Wercken [Beischlaf] / und hilft ihnen wieder in den Sattel.«

(Jakobus Tabernaemontanus, Kräuterbuch, 1731)

Namen: Deutscher Bertram, Geyfferwurz, Magdblume, Perchtram, Pyrethrumwurzel, Speichelwurzel. Das Wort Pyrethrum geht auf das griechische pyr (= »Feuer«) zurück und bezieht sich auf den brennenden Geschmack der Wurzel.

Botanischer Name: Bertram (Anacyclus officinarum), Korbblütler (Asteraceae).

Signaturen und Astrologie: Der scharfe, brennende Geschmack zeigt das feurige Wesen dieser erwärmenden Gewürzpflanze an und erlaubt eine Zuordnung zur Planetenkraft des Mars, der im Körper über das Blut und die Abwehrkräfte regiert. Alkoholische Wurzelauszüge zeigen durch ihre gelbliche Farbe wiederum eine Gallenwirksamkeit an. Die doppelt-fiederspaltigen Blätter weisen auf merkurielle Eigenschaften hin – nach Hildegard von Bingen vertreibt der Bertram den Schleim aus dem Kopf und fördert den klaren Verstand. Wie bei vielen Korbblütlern so wirkt auch im Bertram ein wenig Sonnenkraft. Dass die Korbblüten denen der echten Kamille ähnlich sind, lässt gewisse Ähnlichkeiten in der Heilwirkung vermuten; in der Tat wirken beide krampflösend und menstruationsfördernd, wobei die Kamille durch ihren Duft das edlere Wesen offenbart und der Bertram durch seine Schärfe mehr Lebenswärme überträgt.

Wirkstoffe: Die Wurzel enthält 30 bis 50 Prozent Inulin, ätherisches Öl, Harze, Pellitorin und Anacyclin.

Heileigenschaften: verdauungsfördernd, menstruationsfördernd, krampflösend, schleimlösend, speichelflussfördernd, schweißtreibend.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Bertramarten, vor allem die römische Bertramwurzel, aus der die deutsche Unterart hervorgegangen sein soll, spielten schon in der Heilkunst der Antike eine Rolle. In die Klostermedizin hielt die Gewürzpflanze mit der brennend-scharf schmeckenden Wurzel spätestens durch die Lobeshymnen der Hildegard von Bingen Einzug. Die kräuterkundige Äbtissin empfahl den täglichen Gebrauch der Bertramwurzel in der Nahrung, was Anhänger der Hildegard-Medizin bis heute rege befolgen: »Wer ihn oft isst, dem vertreibt er die Krankheit und verhindert, dass er krank wird« (Hildegard von Bingen, Heilkraft der Natur – »Physica«, 1993). Erfahrungsgemäß bringen 1 bis 2 Messerspitzen täglich mit den Speisen zugeführt die Verdauungssäfte ins Fließen, verbessern die Nahrungsverwertung und wirken einer Blutarmut entgegen. Ferner soll die Wurzel Heilkräfte gegen Fieber und Rheuma in sich bergen.

In der Frauenheilkunde wurde die alte Gewürzpflanze vor allem im späten Mittelalter noch rege gebraucht. So liest man etwa im »Kreüterbuch« des Otto Brunfels von 1532, dass eine Abkochung der Wurzel als Sitzbad gebraucht Verhärtungen der Gebärmutter löst und die Monatsblutung fördert. Diese Verwendung ist heute zwar nicht mehr gebräuchlich, aber die erwärmenden Heileigenschaften der Bertramwurzel lassen sich beispielsweise auch bei Frigidität oder Impotenz nutzen (siehe Rezept), denn: »In Summa / was kalt ist / kann mit dieser Wurtzel wunderbarlich erwärmet werden« (Adamus Lonicerus, Kreuterbuch, 1679).

Bertram zählt zu den bedeutsamen Frauenheilpflanzen der Hildegard von Bingen. (Foto: H. Amann)


Bertram (G. Pabst [Hrsg.], Köhlers Atlas der Medizinal-Pflanzen, 1887)

Rezept: Bertramöl zur erwärmenden Einreibung

So wird’s gemacht:

 50 g frische oder getrocknete und fein zerschnittene Bertramwurzel in ein sauberes Schraubglas geben und mit 200 ml Mandelöl übergießen.

 Das Glas gut verschlossen an einen sonnigen und möglichst warmen Platz stellen (z. B. Fensterbank) und ziehen lassen.

 Nach 2 bis 3 Wochen kann der Ölauszug durch ein Sieb abgeseiht und in ein Braunglas umgefüllt werden.

 Zur Verstärkung der Wirkung kann man das Bertramöl noch mit 40 ml Kupferöl versetzen (Cuprum metallicum praeparatum 0,4 %, ölige Einreibung von Weleda).

Anwendung: Einmal oder mehrmals täglich zur sanft erwärmenden Einreibung bei Schulter- und Nackenverspannung gebrauchen oder bei Regelschmerzen zur krampflösenden Einreibung im Unterbauch und LWS-Bereich verwenden.

Handelsprodukte:

Bertram, Wurzel und Kraut, gemahlen kbA

Bertramwurzel, gemahlen oder geschnitten

Römischer-Bertram-Urtinktur (Pyrethrum-romanii-Urtinktur = D1; Spagyra)

Sammeltipps: Bertram lässt sich leicht im Garten ziehen, und die Wurzel gräbt man bei abnehmendem Mond noch vor der Blüte im März oder April. Idealer Erntezeitpunkt ist bei einem Mond in einem Feuerzeichen (Widder oder Löwe).

Anwendungsbeschränkungen: Bertram nicht in der Schwangerschaft verwenden! Eine Überdosierung kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen sowie zu kolikartigen Beschwerden oder Kopfschmerzen führen.

Besenginster – Gleicht Herzrhythmus und Hormone aus

»Das Mittel [Besenginster] hatte wie kleine Thyreoidindosen gewirkt, und zwar war die Wirkung etwas langsamer als bei diesen, dafür konnten aber beim Überschreiten der optimalen Dosis keine Nebenwirkungen beobachtet werden.«

(Gerhard Madaus, Lehrbuch der biologischen Heilmittel, 1938)

Namen: Besenkraut, Färberkraut, Geißkaper, Gilbkraut, Goldkraut, Hirschheide.

Botanischer Name: Besenginster (Cytisus scoparius = Sarothamnus scoparius), Schmetterlingsblütler (Fabaceae).

Signaturen und Astrologie: Die gelben Blüten wie auch das spiralige Wachstum und der bittere Geschmack erlauben eine Zuordnung zur Sonne, die im Menschen vor allem über Herz und Kreislauf regiert. Die schlanken Zweige oder Ruten zeigen daneben noch etwas Merkur an und offenbaren damit den Einfluss auf das Hormonsystem. Der unangenehm bittere Geschmack lässt jedoch eine gewisse Giftigkeit (= starke Wirksamkeit) vermuten.

Wirkstoffe: Das Kraut enthält Alkaloide (vor allem Spartein), Flavonoide und Isoflavone (besonders Sarothamnosid, Genistein), biogene Amine (Tyramin), Kaffeesäurederivate, Cumarine und wenig ätherisches Öl.

Heileigenschaften: harntreibend, steinbrechend, kreislaufanregend, gleicht Herzrhythmusstörungen aus, östrogenartig (Genistein), adrenalinartig (Spartein), uteruskontrahierend, regt die Schilddrüsenfunktion an und wirkt einer Kropfbildung entgegen.

Verwendung in der Frauenheilkunde: In der Volksmedizin fanden die blühenden Zweige und das Besenginsterkraut hauptsächlich Anwendung bei Herzwassersucht und Blasengrieß. Die leichte Giftigkeit – oder auch starke Wirksamkeit – beruht auf dem Alkaloidgehalt, wobei dem Hauptwirkstoff Spartein eine adrenalinähnliche Wirkung zukommt. Spartein gleicht Herzrhythmusstörungen vor allem bei Neigung zu eher langsamem Puls und zu Schilddrüsenunterfunktion aus, so dass es bei längerfristiger Einnahme (z. B. Spartiol-Tropfen von Klein) häufig zu einer Gewichtsabnahme sowie zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit kommt.

Die tonisierende Wirkung von Spartein erstreckt sich jedoch nicht nur auf Herz und Kreislauf, sondern auch auf die Blutgefäße und die Gebärmutter. Daher kann man Besenginsterextrakte ebenso bei Gebärmutterblutungen in den Wechseljahren versuchen. Wie der nah verwandte Färberginster enthält auch Besenginster östrogenähnlich wirksame Isoflavone wie etwa Genistein (siehe Seite 32) und eignet sich daher zur Osteoporoseprophylaxe ab der Menopause.


Blätter und Blüten sind rhythmisch am Stengel aufgereiht und offenbaren darin ihren Einfluss auf rhythmische Prozesse wie die Mondblutung oder die Herzaktion. (Foto: M. Madejsky)

Rezept: Mischung bei Fettleibigkeit (Apotheke)


Alchemilla alpina (Silbermantel) Dil. D320 ml
Fucus vesiculosus (Blasentang) Dil. D120 ml
Rosmarinus-officinalis-Urtinktur (Rosmarin)20 ml
Spartium-scoparium-Urtinktur (Besenginster)20 ml
Thyreoidinum Dil. D6 (Thyreoidin)20 ml

Mittel in der Apotheke mischen lassen oder selbst mischen.

Anwendung: Bei Fettleibigkeit, insbesondere wenn eine Neigung zur Schilddrüsenunterfunktion besteht, sollte die individuelle Dosis durch Einschleichen ermittelt werden, zum Beispiel einige Tage lang zwei- bis dreimal täglich 5 Tropfen im Mund zergehen lassen, dann eventuell allmählich auf zwei- bis dreimal täglich 10 bis 15 oder 20 Tropfen steigern. Die besten Erfolge erzielt man bei langfristiger Einnahme über einige Wochen hinweg und im Zusammenspiel mit einer Ernährungsumstellung (fett-, zuckerarm, ballaststoffreich), viel Bewegung an der frischen Luft und entschlackenden Kräutertees (Rezept siehe Seite 160).

Handelsprodukte:

Besenginsterkraut (Sarothamni scoparii herba)

Besenginster-Extrakt (Spartiol; Klein)

Besenginster-Urtinktur (Spartium scoparium = Cystus scoparius = Sarothamnus-scoparius-Urtinktur; DHU)

Sammeltipps: Die blühenden Zweigspitzen werden zu Beginn der Blüte im Mai geerntet, am besten bei zunehmendem Mond im Zeichen Löwe.

Anwendungsbeschränkungen: Besenginster nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit verwenden.

Betonie – Spendet Seelenkraft und Nervenstärke

»Wenn eine Frau zu unrechter Zeit an zu starker Monatsblutung leidet, lege sie Betonika in Wein, damit er davon den Geschmack annehme. Abseihen und den Wein oft trinken, und sie wird geheilt werden.«

(Hildegard von Bingen, zitiert nach Hertzka/Strehlow, Große Hildegard-Apotheke, 1989)

Namen: Beschreikraut, Heilziest, Echter Ziest, Zehrkraut.

Botanischer Name: Betonie (Betonica officinalis = Stachys officinalis), Lippenblütler (Lamiaceae).

Signaturen und Astrologie: Die regelmäßig gekerbten Blätter erinnern ein wenig an die Blätter von Rosengewächsen und erlauben zusammen mit den rosaroten Blüten eine Zuordnung zur Venus, die im weiblichen Körper unter anderem über die Gebärmutter und die Nieren regiert.

In der aufrechten Gestalt offenbaren sich die aufrichtenden Heilkräfte dieser pflanzlichen Seelentrösterin. Die rosaroten Blüten muten wie kleine Elfen an und zeigen durch ihre Gestaltenhaftigkeit, dass die Betonie ein Heilmittel für den ganzen Menschen ist. Nicht zuletzt erkennt man am bitteren Geschmack die Heilpflanze, die auf die Verdauungsorgane sowie auf die Galle einwirkt und Lebenskraft spendet.

Wirkstoffe: Das blühende Kraut enthält Gerb- und Bitterstoffe, Alkaloide (Betonicin, Stachydrin, Turicin) sowie Flavonoide.

Heileigenschaften: entzündungswidrig, wundheilend, harntreibend, blutflusshemmend, stopfend, nervenstärkend, allgemein kräftigend.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Mit ihren rosaroten Blüten, der edlen Gestalt und den regelmäßig gekerbten Blatträndern verkörpert die Betonie, im Volksmund auch Heilziest genannt, geradezu das Paradebeispiel einer Venuspflanze. Dies prädestiniert den Lippenblütler für den Gebrauch als Frauenkraut. Trotzdem hat die Betonie nie wirklich in die Frauenheilkunde Eingang gefunden, und auch von den Volksmedizinern ist sie vielerorts vergessen worden. Doch das bitter schmeckende Kraut eignet sich gut als Bestandteil von Kräuterteemischungen oder Heilweinen und birgt durchaus besondere Kräfte in sich, derentwegen es bei bestimmten Frauenleiden genutzt werden sollte. Mehr Wertschätzung als heute genoss die Betonie in der Antike, bei Hippokrates, später bei Hildegard von Bingen und bei Paracelsus, die wie alle großen Heiler ihre weitreichenden Heilkräfte kannten und nutzten.

In erster Linie gehört die Betonie zu den großen Wundheilpflanzen, die einst sogar als Mittel bei Schädelbrüchen gerühmt wurden, und sollte heute beispielsweise in wundheilenden Teemischungen nach Operationen gebraucht werden. Außerdem loben viele Kräuterkundige ihre krampflösende und schmerzstillende Wirkung bei Kopfschmerzen, Migräne und sogar bei Epilepsie, wo das Kraut zumindest als Begleitmittel gebraucht werden könnte. Denn der bittere Geschmack zeigt die allgemein kräftigenden Heileigenschaften an, und die astrologische Zuordnung zur Venus lässt bereits einen Einfluss auf die Nieren vermuten. Volksmedizinisch wird das blühende Betonienkraut unter anderem zur Nierenstärkung gebraucht sowie als harntreibendes Mittel bei Blasenentzündungen. Dem renommierten französischen Phytotherapeuten Maurice Méssegué zufolge ist die Betonie das Hauptmittel bei Harnver halten. Dies betrifft beispielsweise Hebammen, Krankenschwestern oder Lehrerinnen häufiger, die den Harn oftmals stundenlang zurückhalten und dann Blasenkrämpfe bekommen; neben der Betonie helfen dann vielleicht auch Staphisagria C30. Oder die Harnwege sind durch eine Entzündung derart geschwollen, dass der Harn kaum mehr abfließen kann; dann helfen neben der Betonie auch Sitzbäder mit Schafgarbe und Einzelgaben von Arnica C30.


Rosarote Blüten und edel gezähnte Blätter zeigen die Zugehörigkeit der Betonie zur Planetenkraft Venus deutlich an. (Foto: M. Madejsky)

Bei Neigung zu Kopfschmerz oder Migräne ist die Betonie hilfreich, wenn der Schmerz sich an der Innenseite der Augenbrauen oder über der Nasenwurzel konzentriert, da dort der Blasenmeridian verläuft und eine Nierenbeteiligung anzeigt. Nicht zuletzt wirkt die Betonie mild ausgleichend und nervenstärkend, so dass sie den ausgelaugten Schmerzpatienten neue Kraft spendet.

Schließlich wurde die Pflanze schon von Hildegard von Bingen bei Neigung zu übermäßiger Monatsblutung gelobt. Sie empfahl, aus dem Kraut einen Heilwein herzustellen, der den Blutfluss auf milde Weise zu hemmen vermag. Dazu erntet man die oberirdischen und nicht verholzenden Teile der blühenden Pflanze (alternativ geht auch das getrocknete Kraut), zerkleinert alles und lässt 1 bis 2 Handvoll davon kurz in 0,7 l Rotwein aufkochen. Sobald alles abgekühlt ist, kann man den Betonienwein in die Weinflasche zurückfüllen und für einige Wochen im Kühlschrank aufbewahren. Um einer zu starken Blutung entgegenzuwirken, genügt es meist schon, wenn man in der Woche vor Blutungseintritt täglich vorbeugend 1 bis 2 Gläschen (ca. 50 ml) davon trinkt.

Rezept: Nierenstärkungstee (Kräuterladen)


Betonienkraut30 g
Brennnesselblätter20 g
Goldrute50 g
Liebstöckelwurzel30 g
Wacholderbeeren20 g

Alle Kräuter mischen, 2 Teelöffel pro Tasse à 200 ml heiß überbrühen, etwa 10 bis 15 Minuten lang ziehen lassen und abseihen; 2 bis 4 Tassen täglich.

Anwendung: Dieser Tee versteht sich als Begleitmittel zur Nierenstärkung bei Neigung zu kalten Füßen. Eine ideale Ergänzung stellt dann die Kupfersalbe rot von Wala dar, die abends in die Fußsohlen (Beginn des Nierenmeridians) einmassiert wird; am besten zwei- bis dreimal pro Woche etwa 5 Minuten je Fuß, wobei die Füße durch ein Fußbad vorgewärmt werden sollten.

Außerdem kann der Nierenstärkungstee immer dann getrunken werden, wenn die Nierentätigkeit angeregt werden soll. Dies ist beispielsweise bei Neigung zu Nierensteinen der Fall oder im Rahmen von Entgiftungskuren.

Rezept: Wundheiltee nach Operationen (Kräuterladen)


Betonienkraut30 g
Gundelrebe20 g
Ringelblumenblüten20 g
Sanikel30 g
Schafgarbenblüten50 g

Alle Kräuter mischen, 2 gehäufte Teelöffel pro Tasse à 200 ml heiß überbrühen, etwa 10 bis 12 Minuten ziehen lassen und abseihen. Nach Operationen etwa 1 bis 2 Wochen lang 3 bis 5 Tassen über den Tag verteilt trinken.

Handelsprodukte:

Betonienkraut (Betonicae herba)

Betonien-Urtinktur (Betonica = Stachys-officinalis-Urtinktur; DHU, Spagyra)

Sammeltipps: Man erntet die oberirdischen Teile der blühenden Pflanze am besten bei zunehmendem Mond. Idealer Sammelzeitpunkt ist bei einem Mond in den venusregierten Zeichen Stier oder Waage.

Anwendungsbeschränkungen: Betonie nicht während der Schwangerschaft einnehmen! In großen Dosen kann die Pflanze Brechreiz erregen und abführend wirken.

Bilsenkraut – Bierwürze und krampflösendes Hexenkraut

»Man stösst den frischen zarten Samen / Blätter und Stengel deß Bilsenkrauts / und presst den Safft darauß / welcher in der Sonn gedörrt wird: Dieses Saffts gebraucht man sich nur ein Jar / sintemal er leichtlich fault und verdirbt … Ist auch gut wider die scharpffe hitzige Flüsse / Schmertzen der Ohren / unnd Gebrechen der Beermutter.«

(Dioscorides, Kreutterbuch, 1610)

Namen: Altsitzerkraut, Hexenkraut, Schlafkraut, Schweinebohne, Teufelsauge, Zahnkraut.

Botanischer Name: Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), Nachtschattengewächse (Solanaceae).

Signaturen und Astrologie: Die blassgelben Blüten mit der violetten Äderung offenbaren den astralen Einfluss und das neptunische Wesen dieser alten Orakelpflanze, die schon von den Priesterinnen in Delphi genutzt wurde. Der dezente Verwesungsgeruch zeigt zusammen mit der düsteren Ausstrahlung dieser Pflanze den Giftgeist wie auch saturnales Wirken an.


Bilsenkraut (Matthiolus, 1560)

Der Volksmund nennt das Bilsenkraut Teufelsauge, weil es zu den Hexenpflanzen zählt, die Halluzinationen auslösen können. (Foto: M. Madejsky)

Die am Stengelrücken aufgereihten Samenkapseln wurden von Signaturenkundigen mit Backenzähnen verglichen, deren Schmerzen man einst mit dem betäubenden Bilsenrauch zu lindern versuchte. Doch der rhythmische Aufbau zeigt den Einfluss auf rhythmische Prozesse wie den Herzrhythmus oder den Menstruationszyklus an. Die behaarten Blätter lassen auf einen hohen Kieselsäuregehalt schließen.

Wirkstoffe: Das blühende Kraut enthält Tropanalkaloide (Hyoscyamin, Scopolamin), Cumarine und Flavonoide.

Heileigenschaften: halluzinogen, je nach Dosis beruhigend bis betäubend, krampflösend, muskelrelaxierend, parasympathikolytisch.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Im Bilsenkraut erblickt man eine Ruderalpflanze, die den Menschen seit Jahrtausenden begleitet und die trotz ihrer Giftigkeit bereits in der Antike heilkundlich gebraucht wurde. Im Mittelalter erlangte das Nachtschattengewächs als Bestandteil von Hexensalben Bekanntheit und wurde auch als berauschender Bierzusatz verwendet. Das Bilsenkraut, Namensgeber für das Pils, wurde dazu eigens in Biergärten gezogen. Doch das so gewürzte Bier führte je nach Dosierung zu unglaublichen Räuschen, die mit Halluzinationen und Gedächtnisverlust einhergingen oder sexuelle Ausschweifungen auslösten, so dass 1434 (in Bayern erst 1516) mit dem deutschen Reinheitsgebot quasi das erste Drogengesetz erlassen wurde. In den sechziger Jahren entdeckten Naturdrogenkonsumenten das Bilsenkraut wieder, denn es war seinerzeit pur oder zusammen mit dem nah verwandten Stechapfel als Asthmaräucherung in Gebrauch. Statt aber das krampflösende Bilsenkraut bei Asthma in kleinen Mengen zu räuchern oder zu rauchen, überbrühten und tranken sie den Asthmatabak, was zu Vergiftungen bis hin zu Drogenpsychosen führte.

Inzwischen ist das Bilsenkraut zum innerlichen Gebrauch erst ab D4 rezeptfrei erhältlich. Doch die Tiefpotenzen zeigen immer noch eine krampflösende Wirkung. Hauptverantwortlich für den spasmolytischen bis muskelrelaxierenden Effekt ist das Alkaloid Scopolamin, das im Bilsenkraut je nach Jahr, Düngung und Standort in wechselnden Mengen vorkommt. Der nah verwandte Stechapfel (Datura stramonium) gilt dagegen als zuverlässigerer Lieferant für Scopolamin. Stechapfelscopolamine werden in der Frauenheilkunde beispielsweise bei krampfartigen Regelbeschwerden eingesetzt; das von Frauenärzten verordnete Schmerzmittel Buscopan von Boehringer Ingelheim enthält aus Stechapfel gewonnenes Butylscopolaminiumbromid.

Krampflösend wirken jedoch auch Baucheinreibungen mit dem rezeptfrei erhältlichen Bilsenkrautöl (Oleum Hyoscyami von Caelo). Dabei handelt es sich um einen fetten Ölauszug aus der frischen, blühenden Pflanze. In das Öl gehen geringe Mengen Alkaloide über, und bei einer Baucheinreibung werden kleine Mengen dieser Wirkstoffe über die Haut aufgenommen. Vor allem eine Ganzkörpereinreibung entkrampft und entspannt und bewirkt sogar eine gewisse sexuelle Enthemmung. In der richtigen Dosis wirken die geräucherten oder gerauchten Samen ebenfalls luststeigernd. Doch in größeren Mengen überwiegt meist nur die betäubende und schlaffördernde Wirkung.

Rezept: Aphrodisierendes Massageöl


Bilsenkrautöl (Caelo)30 ml
Süßes Mandelöl70 ml
Benzoeöl, ätherisches10 Tropfen
Jasminöl, ätherisches3 bis 4 Tropfen
Muskatellersalbeiöl, ätherisches8 Tropfen
Rosenöl, ätherisches4 bis 5 Tropfen
Sandelholzöl, ätherisches10 bis 12 Tropfen
Tuberoseöl, ätherisches5 bis 6 Tropfen

Alles kräftig verschütteln und zur Aufbewahrung in eine Braunflasche umfüllen.

Anwendung: Bei Bedarf 1 bis 2 Esslöffel der öligen Mischung zur krampflösenden und mild aphrodisierenden Ganzkörpermassage gebrauchen.

Rezept: Krampflösende Bauchsalbe (Apotheke)


Hyoscyamus-5 %-Salbe von Weleda25 g
Cuprum-metallicum-praeparatum-5 %-Salbe von Weleda25 g
Echtes Rosenöl3 bis 4 Tropfen

Die Einzelbestandteile in einer sauberen Reibschale gründlich miteinander verrühren, in ein Salbendöschen füllen und im Kühlschrank aufbewahren.

Anwendung: bei Bedarf (z. B. krampfartigen Regelbeschwerden) einmal oder mehrmals täglich eine walnussgroße Menge zur Bauchmassage gebrauchen.

Handelsprodukte:

Bilsenkrautsalbe (Hyoscyamus-5 %-Salbe; Weleda)

Fetter Ölauszug aus Bilsenkrautblättern (Oleum Hyoscyami; Caelo)

Hyoscyamus (Hyoscyamus niger ab D4; DHU, Spagyra, Weleda)

Sammeltipps: Wildvorkommen sind selten und schonungsbedürftig! Bilsenkraut ist jedoch in Gärtnereien erhältlich. Für Räucherungen verwendet man Samen oder Blätter, die man bei abnehmendem Mond im Zeichen Fische erntet.

Anwendungsbeschränkungen: Bilsenkraut kann zu schweren Vergiftungen mit Halluzinationen oder Drogenpsychosen führen. Daher sollte die Pflanze innerlich erst ab D4 gebraucht werden. Weil die Alkaloide durch die unverletzte Haut aufgenommen werden, eignen sich Einreibungen nicht für Schwangere, für psychisch Kranke oder für ängstliche Personen.


Heidentum (F. Khnopff, 1910)

Die Orakelpriesterin in Delphi inhalierte einst den Rauch von Lorbeer und Bilsenkraut, um sich in den rauschhaften Zustand der Hellsicht zu bringen.

Bingelkraut – Das Wundkraut des Heilgottes Merkur

»Die stuhl- und harntreibende Wirkung der [Bingelkraut-]Pflanze war bereits den Hippokratikern im 5. und 4. vorchristlichen Jahrhundert bekannt. Diese pflegten sie auch bei Frauenkrankheiten, wie Gebärmutterentzündung, zur Beförderung der Menstruation, bei Weißfluss, Schmerzen der Gebärmutter anzuwenden.«

(Ludwig Kroeber, Das neuzeitliche Kräuterbuch, 1937)

»Etliche fabulieren / wann man das Weiblein Bengelkraut zerstosse / unnd den Weibern nach ihrer reinigung inn die Macht lege / sollen sie Meidlein gewinnen / und herwiderumb das Männlein Bengelkraut dahien gelegt / sollen sie Knäblein geberen / …«

(Hieronymus Bock, Kreütterbuch, 1577)

Namen: Godeskraut, Franzosenkraut, Waldbingelkraut, Wildhanf, Wodanskraut.

Botanischer Name: Bingelkraut (Mercurialis perennis), Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae).

Signaturen und Astrologie: Da die Blätter beim Trocknen bläulich werden, also die Farbe wechseln, untersteht das Bingelkraut seinem Namensgeber Merkur, der unter anderem über den Stoffwechsel und die Drüsentätigkeit regiert. Der sehr scharfe und unangenehme Geschmack der Blätter zeigt die Planetenkraft Mars an, der beispielsweise über Entzündungen regiert.

Wenn man ein Blatt unter die Zunge legt oder am Blattrand leckt, offenbart sich das Wesen dieser »Pflanze der Entstauung«; denn eine winzige Probe lässt den Speichel fließen.

Wirkstoffe: Im Kraut finden sich Saponine, Trimethylamin, Hermidin und etwas ätherisches Öl.

Heileigenschaften: wundschlussfördernd, antibakteriell und antiviral, durchblutungsfördernd, innerlich abführend, innerlich schleimlösend, regt alle Sekretionen an.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Während das Bingelkraut heute zu den fast vergessenen Heilpflanzen zählt, genoss es bei den Kräuterkundigen in der Antike noch hohes Ansehen. Einer Sage zufolge soll der Gott Merkur die Pflanze höchstpersönlich entdeckt und als Heilmittel angewendet haben. Bereits Hippokrates lobte das Bingelkraut und empfahl es zusammen mit Rosenöl in Form von Mutterzäpfchen bei Gebärmutterleiden. Auch die Germanen schätzten das Waldbingelkraut sehr und unterstellten es wegen seiner großen Wundheilkräfte ihrem Gott Odin/Wotan.

Jahrhundertelang fand das Bingelkraut nur noch in der Volksmedizin Verwendung. Es wurde vor allem äußerlich zur Reinigung von Wunden sowie zur Beschleunigung der Heilung von eiternden Wunden, Furunkeln oder Geschwüren gebraucht. Im Mittelalter kam es sogar bei Syphilis (»Franzosenkrankheit«) und Tripper zum Einsatz.

Der Kräuterkundige Wilhelm Pelikan nannte das Bingelkraut »Pflanze der Entstauung«, weil seine Saponine die Hautdurchblutung steigern und die Schleimhautsekretion stark anregen. (Foto: M. Madejsky)

Heute weiß man, dass im Bingelkraut antibakteriell und antiviral wirksame Saponine vorkommen, die sich zur desinfizierenden Reinigung schlecht heilender Wunden eignen (z. B. Waschungen mit Mercurialis perennis 20 %, Tinktur zum äußerlichen Gebrauch von Weleda; 2 Teelöffel auf 250 ml). In der Frauenheilkunde sollte diese altbewährte Wundheilpflanze beispielsweise bei hartnäckigen Hautentzündungen im Analbereich versucht werden (z. B. Mercurialis comp., Zäpfchen von Wala, oder Mercurialis-Salbe von Wala). In Form von Salben aufgetragen, steigert es die Hautdurchblutung und fördert den Wundschluss etwa bei Analfissuren oder bei Rhagaden am Scheideneingang (z. B. Mercurialis-Salbe von Wala oder Weleda-Heilsalbe). Nicht zuletzt kann das Bingelkraut, ganz der Heiltradition der Hippokratiker folgend, zusammen mit Rosenöl zu (Gebär-)Mutterzäpfchen verarbeitet werden, die wegen ihrer antiviralen und wundheilenden Eigenschaften zum Beispiel bei virusbedingten Muttermundentzündungen kurmäßig angewendet werden könnten (siehe Rezept).

Rezept: Bingelkraut-Mutterzäpfchen


Kakaobutter20 g
Sheabutter40 g
Calendula (Ringelblume) Urtinktur (Ceres)3 ml
Mercurialis (Bingelkraut) D2 (Ceres)3 ml
Rosenöl, ätherisches5 Tropfen
Teebaumöl, ätherisches5 Tropfen
So wird’s gemacht:

 Kakao- und Sheabutter in einer hitzebeständigen Schale im Wasserbad allmählich erhitzen (nicht sieden oder kochen!).

 Sobald sich alles vollständig verflüssigt hat, die Schale aus dem Wasserbad nehmen.

 Wenn die Masse leicht milchig trüb wird, unter Umrühren die Tinkturen und die ätherischen Öle zugeben.

 Von der allmählich erstarrenden Masse nimmt man in dem Moment kleine Portionen (½ Teelöffel) und formt diese mit sauberen Händen zu Vaginalkugeln, wenn die Masse bereits eine leicht wachsartige Konsistenz aufweist.

 Die Vaginalkugeln auf Watte in ein Glas oder Döschen geben, im Kühlschrank aufbewahren und im Lauf von 2 bis 3 Monaten aufbrauchen.


Bingelkraut (L. Fuchs, 1543)

Anwendung: Bei virusbedingten Zellveränderungen oder bei chronischen Entzündungen am Muttermund könnte man eine Kur wie folgt durchführen: 14 Tage lang jeden Abend eine Vaginalkugel in die Scheide einführen, danach mit 3 Anwendungen pro Woche bis zum nächsten Pap-Abstrich fortfahren.

Praxistipp: Augentrockenheit ab dem Wechsel

Die anthroposophische Firma Wala stellt aus dem Bingelkraut homöopathische Augentropfen her: Mercurialis-Augentropfen. Weil Mercurialis über befeuchtende, entstauende und regenerierende Heileigenschaften verfügt, eignen sich diese milden Tropfen ebenso zur täglichen Anwendung bei Augentrockenheit und Tränenmangel, auch wenn diese durch den sinkenden Östrogenspiegel bedingt sind.

Handelsprodukte:

Mercurialis perennis Dil. (ab D2; Ceres, Spagyra)

Mercurialis perennis 10 % (Salbe; Weleda)

Mercurialis perennis 20 % (Tinktur zum äußerlichen Gebrauch; Weleda)

Sammeltipps: Man sammelt das Kraut am besten noch vor der Blüte im April. Idealer Erntezeitpunkt ist bei zunehmendem Mond in einem Feuerzeichen (z. B. Widder).

Anwendungsbeschränkungen: Bingelkraut innerlich nicht in der Schwangerschaft oder bei Neigung zu Reizmagen oder Reizdarm gebrauchen.

Blasentang – Jodlieferant und Fatburner-Alge

»Da der Tang außer seinem bekannten Gehalt an Jod auch dessen Gegenspieler Brom und Arsen in Spuren besitzt, ist seine gute Verträglichkeit bei Fettsüchtigen verständlich.«

(Karl Stauffer, Klinische homöopathische Arzneimittellehre, 1988)

Namen: Höckertang, Meereiche, Seeeiche, Schweinetang.

Botanischer Name: Blasentang (Fucus vesiculosus), Braunalgen (Fucaceae).

Signaturen und Astrologie: Der Blasentang stammt aus dem Reich Neptuns, denn er kommt in den Gezeitenzonen von Atlantik und Nordsee vor. Daher untersteht er auch den Regenten über das Element Wasser, nämlich Mond und Neptun, die unter anderem über die weiblichen Hormone und über Hormondrüsen wie Hypothalamus und Hypophyse regieren. Wegen des hohen Jodgehalts wirkt im Blasentang außerdem ein wenig Merkur, der im Menschen über Hormone und Stoffwechsel herrscht.

In den lufthaltigen Auftreibungen, den Schwimmblasen, erkennt man leicht ein pflanzliches Ebenbild zum Kropf, für den der Blasentang ein beliebtes Volksheilmittel ist.

Wirkstoffe: Die Algen enthalten Schleimstoffe (Alginsäure, Fucoidane, Laminarin), Polyphenole, Carotinoide, Jod, Kalium, Brom und Arsen in Spuren.

Heileigenschaften: regt die Schilddrüsenhormonproduktion an, steigert den Gesamtstoffwechsel, antiviral, antibiotisch, tumor-, blutgerinnungshemmend (antithrombotisch), antioxidativ.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Algen wie der Blasentang reichern aus dem Meerwasser Halogenoide wie Jod und Brom an, wobei Ersteres deutlich überwiegt. Im Tang liegt das Jod sowohl in Form anorganischer Salze wie auch organisch an Proteine gebunden vor (Dijodthyrosin). Allerdings schwankt der Jodgehalt je nach Herkunft und Jahreszeit. Arzneilich genutzter Blasentang sollte mindestens 0,03 und höchstens 0,2 Prozent Jod enthalten. Aufgrund des relativ hohen Gehalts an organisch gebundenem Jod erweist sich der Blasentang in der Praxis oftmals verträglicher als Gaben von anorganischen Jodsalzen (z. B. Kaliumjodid). Weil Jod Bestandteil von Schilddrüsenhormonen ist und deren Bildung anregt, sind die Hauptanwendungsgebiete für den jodhaltigen Blasentang Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und Kropf (Struma parenchymatosa).

Eine Unterfunktion äußert sich beispielsweise durch Neigung zu Stuhlverstopfung und Gewichtszunahme trotz normaler Ernährung, weitere Symptome sind andauernde Erschöpfung, leichtes Frösteln, brüchiges Haar usw. Ein anhaltender Mangel an Schilddrüsenhormonen führt mit der Zeit zu einer Vergrößerung der Schilddrüse. Zur ihrer Anregung gebraucht man heute bei ärztlich bestätigter Hypothyreose eher Kaliumjodid, oder man ersetzt die fehlenden Hormone zum Beispiel durch L-Thyroxin, da diese leichter zu dosieren sind als der Blasentang mit seinem schwankenden Jodgehalt. Doch bei leichten Formen der Schilddrüsenunterfunktion mit grenzwertigen Hormonwerten kann der Blasentang durchaus genügen. Außerdem wird er meist viel besser vertragen als anorganische Jodsalze, so dass er vor allem dann angezeigt ist, wenn Kaliumjodid oder Hormongaben abgelehnt werden oder wegen der Nebenwirkungen abgesetzt werden müssen.


Blasentang, aufgenommen in der Normandie (Foto: M. Madejsky)

Die Auftreibungen des Blasentangs haben eine Art Formverwandtschaft zum Kropf, denn sie ähneln kleinen Knoten oder Schilddrüsenzysten, die sie aufgrund ihres Jodgehalts manchmal zum Verschwinden bringen können.

Vorteil der jodhaltigen Alge ist, dass ihr ein tumorhemmender Effekt nachgewiesen wurde. Aus demselben Grund sind auch andere Algen in der Volksmedizin ein beliebtes Vorbeugemittel gegen Krebs geworden. Ein Nebeneffekt dieser jodhaltigen Braunalge ist, dass sie über die Schilddrüse den Gesamtstoffwechsel hebt, was langfristig eine Gewichtsabnahme zur Folge hat. 1976 wurde in Italien eine klinische Studie durchgeführt, die zeigte, dass Patienten, die mit Blasentang behandelt wurden, wesentlich mehr Körpergewicht verloren als die Kontrollgruppe.

Der Homöopath Julius Mezger beschrieb die Wirkung von Fucus vesiculosus mit folgenden Worten: »Da es sich bei der Verordnung bei Obesitas [gemeint ist Adipositas] nicht um eine homöopathische, sondern mikrotoxische Anwendung handelt und die Empfindlichkeit gegen jodhaltige Substanzen bei den verschiedenen Individuen sehr verschieden zu sein pflegt, ist eine ärztliche Beobachtung erforderlich. Auch ist nicht zu erwarten, dass die Fettsucht dadurch geheilt wird, die Gewichtsreduktion also von Dauer ist. Eine Gewichtsabnahme von 5 bis zu 30 Pfund wird berichtet, ohne Veränderung der Diät und der Lebensgewohnheiten« (Julius Mezger, Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre, 2005).

Wie Mezger bereits andeutet, ist die Anwendung nicht ganz gefahrlos. Eine Überdosierung kann eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen und zu Herzklopfen, innerer Unruhe und Schlafstörungen führen. Insbesondere in der Schwangerschaft erhöht sich durch übermäßige Zufuhr von Jodid oder auch von großen Mengen jodhaltiger Braunalgen das Fehlgeburtsrisiko, sofern dadurch eine Hyperthyreose ausgelöst wird. Daher sollte man den Blasentang ohne tiefergehende medizinische Vorkenntnisse keinesfalls im Alleingang einnehmen, sondern sich von Therapeuten beraten lassen, die Erfahrungen im Umgang mit Schilddrüsenleiden haben. Bei einer Jodunverträglichkeit können bereits kleinste Mengen Blasentang vorhandene Erregungszustände verstärken.

Rezept: Fatburner-Mischung (Apotheke)

Ziel der Fatburner-Mischung ist es, den Stoffwechsel zu aktivieren, den Gesamtumsatz zu steigern und somit eine Entfettung und Entschlackung des Körpers in Gang zu bringen. Die besten Effekte erzielt man durch eine mehrere Monate dauernde Kur mit der Mischung – und indem man gleichzeitig eine Umstellung der Lebensweise und Ernährung durchführt.


Alchemilla alpina (Silbermantel) D310 ml
Cynara-scolymus (Artischocke) Urtinktur20 ml
Fucus-vesiculosus (Blasentang) Urtinktur20 ml
Graphites (Reißblei) Dil. D1010 ml
Levisticum-officinale (Liebstöckel) Urtinktur10 ml
Natrium selenicum (Selen) Dil. D610 ml
Taraxacum-officinale (Löwenzahn)Urtinktur20 ml

In der Apotheke mischen lassen, mindestens 2 bis 3 Monate lang konsequent zweimal täglich 15 bis 25 Tropfen einnehmen (je nach Reaktion).

Wichtig: Mischung nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Schilddrüsenüberfunktion oder bei bekannter Jodunverträglichkeit einnehmen!

Handelsprodukte:

Blasentangpulver (Fucus vesiculosus plv., ab 100 g; Caelo)

Blasentang-Urtinktur (Fucus-vesiculosus-Urtinktur = D1; DHU, Spagyra)

Blasentangtabletten (Krophan-Tabletten mit 100 g Jod pro Tablette; Repha)

Sammeltipps: Wer an der Atlantikküste von Frankreich, Portugal oder Spanien Urlaub macht, kann bei Ebbe manchmal Blasentang auf Felsen in der Gezeitenzone finden und ernten. Idealer Sammelzeitpunkt ist bei einem Mond im Zeichen Stier.

Anwendungsbeschränkungen: Blasentang ist in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Schilddrüsenerkrankungen nicht zur Selbstbehandlung geeignet. Die Einnahme sollte unter therapeutischer Betreuung erfolgen.

Blutwurz – Die Blutstillerin des Paracelsus

»Die Blutwurzel hat ihren Namen, weil sie besser als andere Wurzeln Blut stillt.«

(Paracelsus, Sämtliche Werke, Aschner-Ausgabe, 1926)

Namen: Bauchwehwurz, Birckwurtz, Rotwurz, Ruhrwurz, Potentilla, Tormentill. Das mittellateinische Wort tormentilla wird vom lateinischen tormentum (= »Marter, Plage«) abgeleitet.

Botanischer Name: Blutwurz (Potentilla erecta = Potentilla tormentilla), Rosengewächse (Rosaceae).

Signaturen und Astrologie: Ihren Namen Blutwurz erhielt die Pflanze, weil sich ihre Wurzel an den Schnitt- oder Bruchflächen blutrot färbt. Auch der Tee oder der Alkoholauszug aus dem Wurzelpulver färben sich blutrot und zeigen damit Sympathie zum Blut sowie zu Blutungen, welche die Pflanze zu stillen vermag.

Astrologisch ordnet man das kleine Rosengewächs wegen seiner gelben, vierzähligen Blüten und des hohen Gerbstoffgehalts Jupiter und Venus zu, denen im menschlichen Leib Bindegewebe und Gebärmutter unterstehen.

Wirkstoffe: Die Wurzel enthält bis 25 Prozent Gerbstoffe (unter anderem Agrimoniin), Flavonoide, Kaffeesäure, Triterpensäuren, Tormentillsäureglucoside und ätherisches Öl.

Heileigenschaften: stopfend, blutstillend, wundheilend, entzündungswidrig, antiallergisch, immunstimulierend, antimikrobiell. Die Gerbstoffe (»Tormentillrot«) wirken antibakteriell, antimykotisch und antiviral.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Die Kräuterkundigen des Mittelalters schätzten die Blutwurz sehr, da sie sonst tödlich verlaufende Erkrankungen wie etwa die rote Ruhr, Cholera oder Typhus zu heilen oder wenigsten zu lindern vermochte. Ihre Gerbstoffe konnten in Untersuchungen Cholerabazillen rasch inaktivieren, und sie sind in der Lage, eine Vielzahl weiterer Bakterien, Viren und Pilze im Wachstum zu hemmen. Daher kommt das Blutwurzelpulver bis heute vor allem bei der Darmgrippe der Kinder zum Einsatz (Coxsackie), als Begleitmittel bei akut infektiösen Durchfällen sowie bei Durchfallattacken von Colitispatienten; je nach Magenverträglichkeit mehrmals täglich 1 Messerspitze bis ½ Teelöffel in Rotwein oder Kamillentee einnehmen. Wegen der antibiotischen Kräfte gebraucht man die Extrakte in der Volksmedizin als Wunddesinfiziens, als Gurgelmittel nach Zahnextraktionen oder bei eitrigen Halsentzündungen sowie zum Bepinseln bei Zahnfleischbluten.

Doch damit sind die weitreichenden Heilkräfte der Blutwurz noch lange nicht erschöpft. In der Frauenheilkunde verwendet man das Wurzelpulver wie auch Zubereitungen daraus bis heute besonders als Heilmittel bei Blutungen aller Art. Bei der zu starken oder verlängerten Menstruation dient das in Tee oder Wein eingenommene Wurzelpulver oder der Blutwurzelschnaps als Erste-Hilfe-Maßnahme, um den Blutfluss einzudämmen. In der Behandlung von Gebärmutterblutungen infolge von Myomen, durch die Spirale oder bei funktionellen Blutungen ohne organische Ursachen steht sie gleichberechtigt neben dem Hirtentäschelkraut, mit dem die Blutwurz in solchen Fällen kombiniert werden kann (Rezept siehe Seite 91).

Im Gegensatz zum Hirtentäschel, das die Gebärmutter kontrahiert und daher auch eine Blutung anregen kann, kommt es durch die Blutwurz eigentlich nie zu einer Verstärkung der Blutung. Daher eignet sich der Tormentill vor allem für solche Frauen, deren Blutfluss durch Hirtentäschel nicht gestoppt werden konnte. Wegen des hohen Gerbstoffgehalts wirkt Tormentill jedoch stopfend, so dass Frauen, die stark bluten und zu Stuhlverstopfung neigen, auf Kombinationsprä parate wie zum Beispiel Tormentilla comp., Globuli von Wala, ausweichen sollten.

Volksmediziner loben die blutstillenden Heilkräfte der Blutwurz außerdem bei Darmblutungen, wie sie etwa bei Colitis ulcerosa vorkommen, bei Nasen-, Zahnfleischbluten und bei anderen Blutungen (z. B. Blutharnen). Weitere Anwendungsgebiete sind Hämorrhoidalblutungen oder nässende Analekzeme, wo man beispielsweise die Urtinktur (1:10 bis 1:5 verdünnt) pinseln oder eine Wurzelabkochung ins Sitzbad geben kann. Nicht zuletzt sollte man die Blutwurz auch beim Analprolaps (Hervortreten der Schleimhaut am Anus) versuchen, denn sie hat eine stark zusammenziehende und bindegewebskräftigende Wirkung. Zu einem solchen Vorfall kommt es vor allem nach schweren Geburten mit langen Presswehen. Volksmediziner empfehlen dann gern Bleibeklistiere mit einer Blutwurzelabkochung: 2 gehäufte Esslöffel Blutwurzel in 500 ml Wasser zugedeckt etwa 15 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen, abseihen, auf Körpertemperatur abkühlen lassen und zum Einlauf gebrauchen, diesen jedoch so lange wie möglich im Darm behalten.

Rezept: Blutwurztinktur

So wird’s gemacht:

 100 g Blutwurzelpulver in ein sauberes Schraubglas (ca. 500 ml) geben und randvoll mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch (50:50) übergießen; dazu mischt man zu gleichen Teilen Quellwasser und 95-prozentigen Trinkalkohol aus der Apotheke.

 Das gut verschlossene Glas an einen warmen oder sonnigen Platz stellen und etwa 4 Wochen lang ziehen lassen, ab und zu kräftig schütteln.

 Dann die Tinktur durch ein feines Sieb abfiltern und zur Aufbewahrung in eine Braunflasche umfüllen. Die Blutwurztinktur hält sich einige Jahre.

Die Blutwurzel ergibt einen blutroten Tee oder Extrakt, mit dem sich – der Signatur entsprechend – Gebärmutterblutungen zügeln lassen. (Foto: M. Madejsky)

Anwendung: Bei starken oder verlängerten Blutungen nimmt man – je nach Magenverträglichkeit – zwei- bis fünfmal täglich 15 bis 20 Tropfen bis zu 1 Teelöffel der Tinktur in etwas Wasser, Tee oder Rotwein ein. Zur Pinselung eignet sich die verdünnte Tinktur (1:10 bis 1:5) bei blutenden Hämorrhoiden, bei Analekzemen, bei nässenden Wunden oder Geschwüren, bei Zahnfleischbluten usw. In der russischen Volksmedizin gebraucht man die Blutwurzel ferner zur Behandlung von Ausfluss (z. B. 1 Teelöffel Tinktur mit 10 Teelöffeln Wasser verdünnen und mit einer sauberen Einmalspritze vorsichtig zur Scheidenspülung benutzen).

Praxistipp: Gebärmutterblutungen zügeln

Vor allem Frauen, die neben starken oder verlängerten Blutungen auch unter chronischer Stuhlverstopfung leiden, vertragen die üblichen blutflusshemmenden Kräuter und Tinkturen meist nicht so gut, weil diese vielleicht zusätzlich stopfen. Eine Alternative zu den üblichen Blutstillern bietet die anthroposophische Firma Wala mit ihrem Blutwurzpräparat Tormentilla comp., Globuli. Die blutstillende und stopfende Blutwurz ist in der zweiten homöopathischen Verdünnung enthalten und wird daher viel besser vertragen als beispielsweise Blutwurztee. Am besten nimmt man schon vorbeugend in der Woche vor der Regelblutung zwei- bis dreimal täglich 10 bis 15 Globuli ein.

Handelsprodukte:

Tormentillwurzel, gemahlen oder geschnitten

Blutwurzelpulver = Tormentillwurzelpulver

Tormentillwurzelstock (Tormentillae rhizoma)

Blutwurzel-Urtinktur (Tormentilla-Urtinktur; DHU, Spagyra)

Blutwurz-ratiopharm-Kapseln

Sammeltipps: Statt für wenige Gramm der Wurzel mehrere Quadratmeter umzugraben, kann man zur Herstellung von Blutwurzschnaps oder -tinktur auch die Handelsware gebrauchen (Tormentillwurzel, gemahlen oder geschnitten). Idealer Erntezeitpunkt ist bei abnehmendem Mond im Zeichen Skorpion.

Anwendungsbeschränkungen: Bei Magenempfindlichkeit muss die Blutwurzel sehr umsichtig dosiert werden. Bei Neigung zu Verstopfung gebraucht man am besten nur die Tiefpotenzen (z. B. Tormentilla comp., Globuli von Wala).


Blutwurz (Holzschnitt, um 1550)

Blutwurz, Kanadische – Das Polypenmittel der Indianer

»Äußerlich ist Sanguinaria-Glyzerin 1,0:10,0 empfehlenswert bei Rhinitis chronica, bei Polypen und Krebsgeschwüren.«

(Karl Stauffer, Klinische homöopathische Arzneimittellehre, 1988)

Namen: Kanadisches Blutkraut. Der Name Blutwurz bezieht sich auf den rötlichen Milchsaft der Wurzel. Der botanische Name Sanguinaria leitet sich ab vom lateinischen sanguis (= »Blut«).

Botanischer Name: Kanadische Blutwurz (Sanguinaria canadensis), Mohngewächse (Papaveraceae).

Signaturen und Astrologie: Astrologisch ordnet man Sanguinaria unter anderem wegen des hautreizenden Milchsafts Mond (Schleimhäute) und Mars (Entzündungen) zu. Auffällig sind die übergroßen weißen Blüten mit der feinen Äderung, die ebenfalls ein mondhaftes Merkmal sind und den Bezug zu den Nerven herstellen.

Die Blüten schließen sich nachts und zeigen Schlechtwetter an, was einerseits als Schutzsignatur zu werten ist, andererseits die Wetterempfindlichkeit anzeigt, die Pflanze und Mensch gemeinsam haben, wenn Sanguinaria ein Konstitutionsmittel sein soll. Die großlappigen Blätter offenbaren, dass sich Sanguinaria als Heilmittel für die großlappigen Organe Leber oder Lungen eignet – in der Indianermedizin wurden Wurzeldekokte unter anderem bei Husten gebraucht. Der orangerote Milchsaft zeigt schließlich Sympathie zum Menstrualblut und lässt teilweise ähnliche Kräfte wie im Schöllkraut vermuten.

Wirkstoffe: Der Wurzelstock enthält vor allem Alkaloide (besonders Sanguinarin, Chelerythrin, Berberin, Coptisin, Protopin), rote Harze und Stärke.

Heileigenschaften: harntreibend, entzündungswidrig, krampflösend, antibakteriell, schleimlösend, betäubend, blutflussregulierend, wirkt als Brechmittel (Chelerythrin), hemmt Kariesbakterien.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Die Kanadische Blutwurz gehört zum traditionellen Arzneischatz vieler nordamerikanischer Indianerstämme. Der Wurzelstock wurde von den Irokesen als pilzfeindliches Mittel bei Pferden eingesetzt, von den Dakota als Wundheilmittel gebraucht, von den Cherokee sogar gegen Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe oder Syphilis angewendet, und auch bei fieberhaften Erkrankungen und Rheuma wurden Abkochungen eingesetzt, um nur einige Beispiele zu nennen. Der orange- bis zinnoberrote Milchsaft diente den Indianern als Färbemittel für die Haut sowie für Ritualgegenstände, und die frühen Siedler nutzten ihn unter anderem zum Färben von Leder.

Der Milchsaft erinnert an das Schöllkraut, das ebenfalls zu den Mohngewächsen zählt und im Milchsaft eine ähnliche Zusammensetzung aufweist. Beide Pflanzen führen einen alkaloidreichen Saft, der unter anderem Sanguinarin, Berberin und Chelerythrin enthält. Sanguinarin wirkt mehr entzündungswidrig, leicht narkotisch und lokal betäubend und hat starke antibakterielle Kräfte, die in Zahnpasten sogar gegen Kariesbakterien ins Feld geführt werden. Berberin wirkt mehr krampflösend, galletreibend und verfügt auch über ein bakterizides und antimykotisches Potenzial. Chelerythrin wirkt schleimhautreizend und als Brechmittel, weshalb die Blutwurz von den Indianern vor kultischen Handlungen einst zur rituellen Reinigung gebraucht wurde.

Wie schon Paracelsus, der Meister der Signaturenlehre, sagte, sind von Pflanzen, die sich ähneln, auch ähnliche Wirkungen zu erwarten. Zwar präsentiert sich das Schöllkraut weit deutlicher als Leberheilpflanze, doch der orangerote Milchsaft zeigt eben auch bei Sanguinaria die Leber-Galle-Wirkung an. Ähnlich wie das Schöllkraut, so eignet sich die Kanadische Blutwurz wegen ihrer antibakteriellen, pilzfeindlichen und virustatischen Inhaltsstoffe gleichermaßen zur Behandlung von Pilzerkrankungen der Haut sowie von Warzen; zum Beispiel mehrmals täglich einige Tropfen Sanguinaria-Urtinktur auftragen oder die Urtinktur 10-prozentig in Salben oder Vaginalgels einarbeiten. Der erfahrene Homöopath Karl Stauffer empfiehlt auch die 10-prozentige Verdünnung der Urtinktur mit Glyzerin als Polypenmittel. Eine solche Sanguinaria-Glyzerin-Mischung (1 ml Sanguinaria D1 mit 10 ml Glyzerin) kann beispielsweise als Tamponade oder mit Hilfe von Schwämmchen vor den Muttermund gebracht werden. Im Laufe einer mehrwöchigen Anwendung können kleinere Muttermundpolypen (oder Warzen) zurückgehen. Zum Verschwinden bringt man Gebärmutterpolypen jedoch nur selten, und wenn überhaupt, dann nur in Kombination mit einer gezielten Konstitutionsbehandlung (z. B. mit regelmäßigen Gaben von Calcium D12 bis D30, Medorrhinum D12 bis D30, Phosphor D12 bis D30 oder Thuja D12 bis D30).

In der Homöopathie wird Sanguinaria ebenfalls viel gebraucht. Ähnlich wie das verwandte Schöllkraut bewährt es sich auch bei rechtsseitiger Migräne, vor allem wenn diese mit Schulterverspannungen einhergeht. Außerdem eignet sich Sanguinaria besonders für blutvolle Frauentypen, die über fliegende Gesichtsröte klagen oder zu geröteten Wangen neigen, wenn die Hitzewallung in den Kopf schießt. Sanguinaria lindert klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen mit nächtlichem Brennen der Fußsohlen. Ganz der Signaturenlehre entsprechend findet das Mittel bei klimakterischen Blutungen Verwendung, vor allem wenn es sich um hellrote Gebärmutterblutungen oder um leicht blutende Gebärmutterpolypen handelt.


Blühende Kanadische Blutwurz, deren Wurzel als Gebärmuttertonikum in der Indianermedizin Verwendung fand. (Foto: I. u. P. Schönfelder)

Rezept: Polypenmischung (Apotheke)


Calendula (Ringelblume) Urtinktur20 ml
Hydrastis (Gelbwurz, kanad.) Urtinktur Dil. D120 ml
Sanguinaria canadensis (Blutwurz, kanad.)
Dil. D1 (Spagyra)20 ml
Sanicula europea (Sanikel) Urtinktur20 ml
Teucrium marum verum (Katzengamander) Urtinktur20 ml

Über eine Apotheke bestellen und mischen lassen oder selbst mischen. Von der Mischung ein- bis zweimal täglich 10 Tropfen auf 2 bis 3 Esslöffel lauwarmes Wasser geben und mit einer sauberen Einmalspritze vorsichtig zur Scheidenspülung gebrauchen. Die Mischung kann ebenso 10-prozentig in Zäpfchenmasse eingearbeitet werden, dann sollten jedoch zur Steigerung der Haltbarkeit noch einige Tropfen ätherisches Öl zugegeben werden (z. B. Myrrhe und/oder Rose). Die Mischung kann auch im Verhältnis 1:10 mit Glyzerin verdünnt und mit Hilfe von Schwämmchen oder Tampons vor den Muttermund gebracht werden. Bei Gebärmutterpolypen empfiehlt sich vor allem nach Entfernen der Polypen eine Rezidivprophylaxe mit Sanguinaria.

Handelsprodukte:

Kanadische Blutwurz (Sanguinaria canadensis Urtinktur = D1; Spagyra)

Sammeltipps: Zur Herstellung der homöopathischen Urtinktur wird der getrocknete Wurzelstock verwendet.

Anwendungsbeschränkungen: Innerlich können größere Dosen der Urtinktur Erbrechen auslösen, zu Magenbrennen, Krämpfen und starker Übelkeit führen.

Brennnessel – Die Eisenpflanze weckt die Amazone in der Frau

»Die Brennessel ist ein Bild der empfindlichen, reizbaren Menschen und muss daher wie diese mit Glacéhandschuhen angerührt werden.«

(Johann Künzle, Chrut und Uchrut, 1935)

Namen: Donnernessel, Haarnessel, Hanfnessel, Nesselmännlein, Sengnessel.

Botanischer Name: Brennnessel (Urtica dioica), Brennnesselgewächse (Urticaceae).

Signaturen und Astrologie: Der Name Urtica leitet sich vom lateinischen urere ab, was »brennen« bedeutet. Ebendiese Eigenschaft erlaubt eine Zuordnung zum kriegerischen Mars, der für Wehrhaftigkeit und Willensstärke steht. Davon abgesehen deuten das freundliche Grün der Brennnesselblätter wie auch der edel gesägte Blattrand auf Venuskräfte hin.

Verursacht wird das Brennen durch die Brennhaare, die sich bei Berührung wie Injektionsnadeln in die Haut bohren und ihr Sekret entleeren, das unter anderem Histamin und bienengiftartige Substanzen enthält. Allein die Tatsache, dass die Brennnessel tiergiftartige Substanzen bildet, rückt sie näher zum Tierreich hin. Alle Pflanzen, die Tiergifte produzieren, stärken das Immunsystem, beispielsweise bei Allergie und Krebs. Signaturenkundige interpretieren die Behaarung auch als Zeichen dafür, dass die Brennnessel eine haarwuchsfördernde Heilpflanze ist. Der dezente Uringeruch von frischem Sammelgut zeigt die Sympathie zu den Harnorganen an. Die steinbrechenden Kräfte erkennt man schließlich am steinigen Standort.

Wirkstoffe: Die Blätter enthalten vor allem Flavonoide (Rutinoside u. a.), bis zu 4 Prozent Silikate, Eisen, Chlorophyll, Scopoletin, Sitosterol und Spuren von Nikotin. In den Brennhaaren finden sich Acetylcholin, Serotonin sowie Ameisensäure. In den Früchten kommen bis zu 30 Prozent fette Öle mit bis zu 80 Prozent Linolsäure vor sowie Vitamin E, Carotinoide und Schleime. Die Wurzel enthält Lectine (UDA = Urtica-dioica-Agglutinin), Polysaccharide, Scopoletin, Sitosterol, Lignane und Gerbstoffe.

Heileigenschaften: harntreibend, entwässernd, steinbrechend bei Blasengrieß, blutreinigend; fördert vor allem die Ausscheidung von Harnsäure, liefert Eisen, füllt den Bluteisenspiegel auf; abwehrsteigernd; wirkt wegen des Histamingehalts langfristig wie eine Art Desensibilisierung, regt die Sekretion von Bauchspeicheldrüse und Galle an; antirheumatisch; auf der seelischen Ebene zur Stärkung von Durchsetzungs- und Willenskraft.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Das wichtigste frauenheilkundliche Anwendungsgebiet ist der Eisenmangel. Dabei ist es gleich, ob es sich um die Folge von funktionellen, von Myomblutungen oder von Blutverlusten durch eine Geburt handelt. Die Brennnessel liefert gut verwertbares Eisen und füllt den Bluteisenspiegel zuverlässig wieder auf, wenn man sie lange genug und in der richtigen Form gebraucht (z. B. Brennnesselblättertee, Floradix-Kräuterblut oder Urtica dioica Ferro culta von Weleda). In der Praxis erweisen sich Brennnesselblättertee oder -extrakte bei Blutarmut als ebenso wirksam wie schulmedizinische Eisentabletten, jedoch weit verträglicher als diese. Bei sehr niedrigem Hämoglobinspiegel können sie eine schulmedizinische Behandlung begleiten und den Therapieerfolg vertiefen.

Zwar kommt man einem Eisenmangel in der Regel durch die typische Blässe, Erschöpfung und chronische Müdigkeit oder durch ein Blutbild (Fe, Hb, Ferritin) auf die Spur, aber es gibt auch psychische Begleiterscheinungen. Die »seelische Blutarmut« (Alla Selawry) geht meist mit mangelnder Durchsetzungskraft und Willensschwäche einher. Betroffene Frauen sind eher konfrontationsscheu und lassen sich von anderen leicht an die Wand drücken. Doch in geeigneter Form vermag die Brennnessel auf die seelische Ebene einzuwirken (z. B. Ceres-Urtica-Urtinktur, zwei- bis dreimal täglich 5 Tropfen). Sie ist das konstitutionelle Pflanzenheilmittel für Frauen, die sich in einer männlichen Welt besser durchsetzen müssen und ihre Willenskraft festigen wollen.

Man könnte auch sagen, die Brennnessel weckt die Amazone in der Frau und erneuert ihre seelische Wehrhaftigkeit. Aus diesem Grund kann sie zuweilen sogar bei sexueller Schwäche, insbesondere bei ausbleibendem Orgasmus hilfreich sein. Ein deutliches Bild liefert hier das chinesische Yin-Yang-Symbol: Das dunkel dargestellte Weibliche enthält einen weißen, männlichen Kern, und das weiß dargestellte Männliche enthält einen dunklen weiblichen Kern. Im übertragenen Sinn bedeutet dies, dass Männer, um zur sexuellen Erfüllung zu gelangen, sich weiblich und hingebend verhalten sollten, wohingegen Frauen, vor allem wenn sie unter Anorgasmie leiden, sich ein wenig mehr männlich-fordernd geben dürften. Die Brennnessel bewirkt hier, dass solche Frauen mehr Power haben, um sich ihre sexuelle Erfüllung selbst zu erobern, statt passiv zu bleiben und auf einen Orgasmus zu hoffen.


Brennnesseltrieb als Mauerblümchen (Foto: M. Madejsky)

Die Brennhaare der Brennnessel gleichen winzigen Injektionskanülen, die sich bei Berührung in die Haut bohren und bienengiftartige Substanzen injizieren. (Foto: A. Vogel)


Wegen ihrer Brennhaare nennt der Volksmund die Brennnessel auch »Haarwurz«. Sie füllt den Eisenspiegel wieder auf, steigert die Durchblutung des Haarbodens und liefert wertvolle Vitamine, die das Haupthaar kräftig sprießen lassen. (Foto: O. Rippe)

Damit sind die besonderen Kräfte dieser Eisenpflanze keineswegs erschöpft, denn sie ist von der Wurzel bis zu den Samen heilsam. Die Brennnesselfrüchte gelten in der Volksmedizin als Tonikum, weshalb vor allem alte Menschen gern täglich 1 bis 2 Esslöffel davon verspeisten. In der Tiermedizin war es lange Zeit Brauch, dass Pferdehändler ihren alten, klapprigen Schindmähren Brennnesselsamen zufütterten, damit diese wieder ein glänzendes Fell bekamen und sich wie ein Vollblut gebärdeten. Eine solche Wirkung tritt bereits nach einer zwei- bis vierwöchigen Kur ein, wobei Pferde täglich 2 Handvoll bekommen. Außerdem kann man durch Zufüttern der Samen die Legeleistung von Hennen steigern. Eine derart samenreiche Pflanze mehrt natürlich auch die Spermien des Mannes. Brennnesselsamen enthalten nämlich relativ viel Vitamin E und regen daher die Keimdrüsentätigkeit sowie die Spermienbildung an. Ein angenehmer Nebeneffekt solcher Kuren ist, dass die Haare kräftig nachsprießen.

Nicht zuletzt wirkt die Brennnesselwurzel wohltuend auf die Unterleibsorgane. Sie vermag entzündliche Prozesse zu hemmen, beeinflusst die Hormone, wirkt antiandrogen und immunstimulierend, weswegen die Wurzel bei gutartigen Prostatatumoren zum Einsatz kommt. Erfahrungsgemäß lindert sie aber nicht nur Beschwerden beim Harnlassen der Männer, sondern sie bessert, kurmäßig angewandt, mitunter auch die Reizblase der Frauen und sollte wegen ihrer hormonartigen Wirkung ebenfalls bei Myomen versucht werden.

Schließlich sei noch erwähnt, dass es sich bei diesem nicht gerade allseits beliebten »Unkraut« in Wahrheit um eine wertvolle Schamanenpflanze handelt. Der Schamanenarzt Fabio Ramirez aus Bogotá berichtete einmal, wie er die Brennnessel als solche nutzt: Wenn ein Patient unheilbar erscheint, dann legt der Mediziner sein Schamanengewand an, nimmt zusammen mit seinem Patienten einen halluzinogenen Trank (Ayahuasca) und reist mit ihm in die Geisterwelt, um nach der Krankheitsursache zu suchen. Droht die Seele des Patienten während der Reise in die Geisterwelt verloren zu gehen, nimmt der Schamane die in Kolumbien heimische mannshohe Brennnessel und peitscht den Patienten damit ab. Auf diese Weise holt er ihn ins reale Leben zurück, denn die Brennnessel ist eben wie das Leben, sie brennt und sticht, und sie erdet wie keine andere Pflanze.

Rezept: Brennnesselverreibung gegen Blutarmut

Der höchste Eisengehalt ist zu erwarten, wenn man die jungen Brennnesseltriebe Anfang Mai, möglichst bei zunehmendem Mond, erntet.

So wird’s gemacht:

 Mit Handschuhen mehrere Handvoll junge Brennnesseltriebe ernten und sorgfältig verlesen – nicht waschen!

 Das Sammelgut auf einem Brettchen zerschneiden, am besten zu einem feinen Pflanzenbrei verarbeiten.

 Den Pflanzenbrei wiegen, in eine Reibschale geben und mit der gleichen Menge Milchzucker einige Minuten lang verreiben, bis ein grüner Brei entsteht.

 Den Brei messerrückendick auf Backpapier streichen und 2 bis 3 Tage an einem luftigen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung trocknen lassen.

 Die getrocknete Masse grob zerkleinern, erneut in den Mörser geben und pulverisieren. Das grüne Pulver wird am besten dunkel und trocken aufbewahrt, dann hält es sich in der Regel 1 bis 2 Jahre lang.

Anwendung: bei Eisenmangelzuständen täglich mehrmals 1 Teelöffel in trinkwarmem Tee oder Wasser aufgelöst einnehmen.

Praxistipp: Kräuterblut gleicht Blutverluste aus

Nach größeren Blutverlusten, wie sie zum Beispiel bei Geburten oder bei Operationen vorkommen, hat es sich bewährt, mehrere Wochen lang mit Floradix-Kräuterblut zu kuren. Kräuterblut ist ein relativ wohlschmeckendes und gut verträgliches Elixier, das neben der Brennnessel viele weitere Heilpflanzen enthält, die die Blutbildung anregen und den Eisenspiegel auffüllen. Daher ist Floradix-Kräuterblut auch ein sinnvolleres Geschenk als Pralinen, wenn man zum Beispiel eine gute Freundin im Krankenhaus besucht. Nach Blutverlus ten, bei Eisenmangel oder um den erhöhten Eisenbedarf in der Schwangerschaft auszugleichen, nimmt man mindestens zweimal täglich 1 Esslöffel ein.

Praxistipp: Allergien in der Schwangerschaft vorbeugen

Der anthroposophische Heilmittelhersteller Wala hat mit Urtica comp. ein Komplexmittel geschaffen, das auch von Schwangeren gebraucht werden kann. Es enthält neben einer homöopathischen Verdünnung aus der Eiternessel (Urtica urens D2) auch das leberstärkende Zinn (Stannum metallicum D9) und antiallergischen Austernschalenkalk (Conchae D2). Diese Kombination kann zur Vorbeugung von Neurodermitis oder Milchschorf während der gesamten Schwangerschaft eingenommen werden (z. B. jeden Morgen nüchtern 10 bis 15 Globuli im Mund zergehen lassen). Das Kind bekommt diese sanfte Hautarznei dann über die Nabelschnur oder in der Stillzeit über die Muttermilch und leidet erfahrungsgemäß weniger unter atopischen Ekzemen. Mütter, die unter sehr starken Hauterkrankungen wie Neurodermitis leiden und deren Kinder daher ebenfalls gefährdet sind, können Urtica comp., Globuli von Wala, während der Schwangerschaft und Stillzeit auch mit dem Stiefmütterchen kombinieren (z. B. Ceres-Viola-tricolor; jeden Abend 5 bis 6 Tropfen im Mund zergehen lassen).

Handelsprodukte:

Brennnesselblätter/-kraut (Urticae folium/herba)

Brennnesselsamen (Urticae semen)

Brennnesselwurzel (Urticae radix)

Brennnessel-Urtinktur (Urtica-dioica-Urtinktur; Ceres, Spagyra, DHU)

Brennnesselblätter-Fluidextrakt (Caelo)

Brennnesseltinktur zum äußerlichen Gebrauch (Urtica dioica 10 %, ganze Pflanze; Weleda)

Combudoron-Gel (enthält Arnica und Urtica urens; Weleda)

Spezielle Zubereitung als vegetabilisiertes Metall:

Kraut: Urtica dioica Ferro culta Dil. D2 oder D3 oder Rh D3 (Weleda)

Wurzel: Urtica dioica Ferro culta, Radix, Dil. D2 oder D3 (Weleda)


Gründonnerstag: Eine Gruppe kocht heilsame und wohlschmeckende Brennnesselsuppe im Freien. (Foto: O. Rippe)

Sammeltipps: Man sammelt die zarten Brennnesseltriebe für Suppen oder als Spinatersatz ab Frühlingsbeginn. Den höchsten Eisengehalt hat allerdings das im April oder Mai geerntete Kraut. Idealer Erntezeitpunkt ist bei zunehmendem Mond im Zeichen Widder. Die Wurzel gräbt man am besten bei abnehmendem Mond im Zeichen Skorpion. Die Früchte sammelt man traditionell ab Mariä Himmelfahrt und legt sie zum Trocknen auf Papier aus – unbedingt täglich wenden.

Anwendungsbeschränkungen: In sehr seltenen Fällen kann es bei histaminempfindlichen Personen durch den Genuss von Brennnesselblättertee zu allergischen Reaktionen oder zur Magenreizung kommen.

Damiana – Aphrodisiakum und Fruchtbarkeitspflanze der Maya

»Damianakraut gehört zu den pharmakologisch wirksamen Liebesmitteln – besonders für Frauen. Als Tee oder alkoholischer Kräuterauszug fördert es die Durchblutung des Unterleibs und wirkt krampflösend (offensichtlich auch auf hemmende Vorstellungen und Gedanken).«

(Christian Rätsch, Lexikon der Liebesmittel, 2003)

Namen: Asthmabesen, Kraut des Hirsches.

Botanischer Name: Damiana (Turnera diffusa = Turnera aphrodisiaca), Safranmalvengewächse (Turneraceae).

Signaturen und Astrologie: Der balsamisch-würzige Duft lässt bereits ahnen, dass es sich um eine nervenstärkende und entspannende Heilpflanze handelt. Am bitteren und betörenden Aroma zeigt sich das Tonikum und Aphrodisiakum.

Die hanfähnlichen Blätter der Damiana ulmifolia deuten auf die Kraft des Planeten Merkur (Hermes) hin, der über die Hormone regiert. Die edel gezähnten Blätter der echten Damianapflanze zeigen dagegen mehr die Planetenkraft der Venus an, weshalb das Kraut unter anderem Krämpfe löst, Gelassenheit spendet und mild aphrodisierend wirkt. Die gelben Blüten lassen auf eine stimmungsaufhellende Seelenwirkung schließen.

Wirkstoffe: Die Blätter enthalten Bitter-, Gerbstoffe, ätherisches Öl und Harze.

Heileigenschaften: aphrodisierend auf beide Geschlechter, krampflösend, menstruationsfördernd, fruchtbarkeitssteigernd, lungenreinigend, nervenstärkend, harntreibend, kreislaufanregend, stimmungsaufhellend.

Verwendung in der Frauenheilkunde: In ihrer Heimat Mexiko erfreut sich die Damianapflanze großer Beliebtheit als Sexualtonikum, Nervenstärkungs- und Asthmamittel. Die Maya nennen die Pflanze mit dem harzig-aromatischen Geruch Asthmabesen, weil die Blätter zur allgemeinen Entspannung sowie zur Lungenreinigung geraucht werden. Sie dienen als nikotinfreier Tabakersatz und können als solcher über Apotheken bezogen werden (Folia Damianae von Caelo). Der Vorteil von selbstgedrehten Damianazigaretten liegt darin, dass keine Suchtgefahr besteht. Geraucht entfalten die Blätter eine entspannende, entkrampfende und vorübergehend mild berauschende Wirkung, die vor allem während des Nikotinentzugs die Nerven stärkt und Gelassenheit spendet. Dies sei erwähnt, weil Tabakraucherinnen erwiesenermaßen auch Jahre später noch ein erhöhtes Fehl- und Frühgeburtsrisiko haben und bei Kinderwunsch mit dem Rauchen so früh wie möglich aufhören sollten.

Die echte Damianapflanze (Turnera diffusa) hat kleine Blätter, die edel gebuchtet sind. (Foto: O. Rippe)


Damiana (Damiana ulmifolia) hat schmale hanfartige Blätter und ein harziges Aroma, das ebenfalls an den Hanf erinnert. (Foto: M. Madejsky)

In der Frauenheilkunde gebraucht man Damianablättertee oder Alkoholextrakte als krampflösendes Mittel bei Neigung zu Regelschmerzen, besonders bei eher spärlicher Blutung. Damiana regt vor allem in der zweiten Zyklushälfte getrunken die Menstruation an (Rezept siehe Seite 111), bringt zuweilen auch eine ausgebliebene Regelblutung wieder in Fluss und beugt Unterleibskrämpfen vor. Von Regelkrämpfen betroffene Frauen berichten immer wieder, dass ihnen 1 bis 2 Tassen Damianablättertee, einige Tage vor und auch während der Regelblutung getrunken, die Einnahme von Schmerzmitteln erspart hätten. Auch Kopfschmerzen und Migräneattacken lassen sich zuweilen durch Damianablättertee lindern. Ein Schamane empfiehlt zur Schmerzprophylaxe beispielsweise, täglich eine Tasse Damianablättertee aufzubrühen und die im Teenetz verbleibenden Blätter noch warm auf die schmerzenden Körperstellen (z. B. Nacken, Schläfen oder Unterbauch) aufzulegen, um die »Krankheitsgeister« herauszuziehen.

In der ersten Zyklushälfte fördert der Damianablättertee dagegen mehr den Eisprung, steigert die Libido und wirkt daher auch empfängnisfördernd. In jedem Fall handelt es sich bei der bitter-aromatischen Pflanze um ein bewährtes Sexualtonikum, das bei Libidoschwäche beider Geschlechter sowie bei Funktionsschwäche der Fortpflanzungsorgane unentbehrlich ist (Rezepte siehe Seite 48 und 178). Tee oder Extrakte wirken vor allem bei regelmäßiger Einnahme über einige Wochen hinweg auf sanfte Weise hormonell stimulierend, luststeigernd, frucht barkeitssteigernd, allgemein tonisierend und je nach persönlicher Empfindsamkeit stimmungsaufhellend bis mild euphorisierend.

Rezept: Damianaschnaps nach Christian Rätsch


Damianablätter2 Handvoll (ca. 50 g)
Zimt4 Stangen
Vanille1 Schote
Piment5 Körner
Jamaikarum0,7 l
Honig1 bis 2 Esslöffel
Gelée royaleje nach Geldbeutel

So wird’s gemacht:

 Die Damianablätter zusammen mit den Zimtstangen und der aufgeschlitzten Vanilleschote in ein sauberes Schraubglas geben.

 Die Pimentkörner im Mörser zerkleinern und beimengen.

 Nun das Ganze mit dem Jamaikarum übergießen und etwa 14 Tage lang gut verschlossen an einem warmen Ort ziehen lassen, ab und zu schütteln.

 Zuletzt werden Honig und Gelée royale eingerührt, dann ist der Damianaschnaps bereits trinkfertig und kann abgefiltert und in die gesäuberte Rumflasche gefüllt werden. Gut verschlossen hält er sich in der Regel jahrelang.

Anwendung: täglich als Toikum oder bei Bedarf als mildes Aphrodisiakum 1 bis 2 Likörgläschen voll trinken (vgl. Christian Rätsch, Pflanzen der Liebe, 1995).


Der Frühling (A. Böcklin, 1862)

Rezept: Nikotinfreier Tabakersatz (Kräuterladen)


Damianablätter50 g
Huflattichblätter30 g
(Muskateller-)Salbeiblütenso viel wie möglich
Odermennig20 g
Zigarettenpapier und Filternach Bedarf

Die getrockneten und zerkleinerten Pflanzenteile miteinander mischen und sorgfältig von Stengeln befreien. Dann kann das Ganze in der Hand etwas angequetscht und mit Hilfe von Zigarettenpapier und Filtern zu selbstgedrehten Zigaretten verarbeitet werden. (Salbeiblüten sind üblicherweise nicht im Handel und sollten von Garten- bzw. Topfpflanzen gezupft werden.)

Warnung: Der nikotinfreie Tabakersatz eignet sich nicht für Schwangere.

Handelsprodukte:

Damianablätter (Damianae folia)

Damiana-Urtinktur (DHU, Spagyra)

Cefagil-Tropfen (Damiana D2), -Tabletten (Damiana-Urtinktur), -Ampullen (Damiana D7; Cefak)

Sammeltipps: Die echte Damiana lässt sich nur schwer im Topf ziehen, so dass man meist auf Importware zurückgreifen muss. Sie ist in der Regel von guter Qualität, wobei in der Apothekerware weniger Stengel enthalten sind.

Anwendungsbeschränkungen: Allergische Reaktionen sind eher selten, aber grundsätzlich möglich. Nicht anwenden in der Schwangerschaft oder bei Neigung zu sehr starken Regelblutungen!

Eberraute – Reinigt die Gebärmutter

»Dieses Bad dienet wider den Stein / treibet fort die verstandene Monatblumen der Weiber / reiniget die [Gebär-]Mutter / und heilet die Geschwär derselben. Es dienet auch trefflich wol den Weibern / so sie nicht genugsam nach der Geburt gereiniget werden / so sie biß an den Nabel darinn sitzen / und des Morgens und Abends jedes Mal ein Stund oder anderthalb darinn baden.«

(Jakobus Tabernaemontanus, Kräuterbuch, 1731)

Namen: Abrotanum, Eberreis, Gertel, Stabwurz, Zitrone -chrut.

Botanischer Name: Eberraute (Artemisia abrotanum), Korbblütler (Asteraceae).

Signaturen und Astrologie: Die feingliedrigen bis fadenförmigen Blätter zeigen Sympathie zu den Nerven. Am starken Geruch erkannten die Alten die dämonenabwehrenden Kräfte der Eberraute. Der bittere Geschmack zeigt die sekretionsfördernde Wirkung auf den Dünndarm und die Galle an. Die gelblichen Blüten stellen wiederum den Bezug zu Leber- und Galle her.

Astrologisch ordnet man die Eberraute vor allem dem Merkur zu, der im Körper primär über Stoffwechsel, Drüsen und Hormone regiert.

Wirkstoffe: Das Kraut enthält hauptsächlich Bitterstoffe sowie ätherisches Öl mit Cineol, Flavonoide und Cumarine.

Heileigenschaften: menstruations-, verdauungsfördernd, galletreibend, treibt die Nachgeburt aus, regt den Wochenfluss an.

Verwendung in der Frauenheilkunde: Schon Hippokrates schätzte die Eberraute zur Gebärmutterreinigung sowie als geburtshilfliches Mittel. Paracelsus folgte dieser Heiltradition und lobte das herb-aromatische Kraut als menstruationsförderndes Mittel, über das er schrieb: »Wenn du eine vollkommene Reinigung der Menstruation haben willst, nimm Aquam Abrotani [destilliertes Eberrautenwasser] und gib Abrotanum [Eberraute] dazu. Lasse dies über Nacht in einer Kanne sieden« (Paracelsus, Sämtliche Werke, Aschner-Ausgabe, 1926).

In jedem Fall ist die von Paracelsus vorgeschlagene Zubereitung, nämlich die Eberraute in ihrem eigenen Destillat auszuziehen, eine interessante alchimistische und besonders wirksame Frauenarznei, die sich zur Reinigung der Gebärmutter eignen würde. Erfahrungsgemäß genügt jedoch auch eine Teemischung, in der nur etwas Eberraute beigemengt ist, um die Regelblutung wieder in Gang zu bringen (Rezept siehe Seite 87). Ihre Bitterkeit zeigt jedenfalls, dass sie sparsamer als der Beifuß gebraucht werden sollte. Wie der Beifuß, so bringt auch dieses Artemisiagewächs alles ins Fließen. Das heißt, dass die Eberraute, als Gewürz, Tee oder Urtinktur eingenommen, die Magensaft- und die Gallensekretion anregt, die Verdauung fördert und die Menstruation in Gang setzt. Dies ist beispielsweise nützlich, wenn eine Neigung zu sehr schwacher Tröpfchenblutung besteht oder wenn die Regel nach Absetzen der Antibabypille einmal gänzlich ausgeblieben ist. In solchen Fällen helfen Teemischungen mit Eberraute, die Blutung wieder anzuregen. Allerdings gilt hier die Regel: Der Tee muss mindestens so lange getrunken werden, wie die Blutung ausgeblieben ist, wenn sich wieder ein regelmäßiger Zyklus einstellen soll. Doch das Gemüt dankt es, wenn frau wieder im Fluss ist, denn eine zu spärliche oder ausbleibende Regelblutung vergiftet langfristig auch ein wenig die Seele, weshalb betroffene Frauen häufig über vermehrte Esslust klagen und sich nicht genügend entgiftet fühlen.


Im Volksaberglauben galt die sehr bitter-aromatische Eberraute als schutzmagisches Kraut. Paracelsus empfahl das Artemisiagewächs zur Gebärmutterreinigung. (Foto: M. Madejsky)

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Gebärmutterreinigung nach einer Geburt oder Fehlgeburt. Nach einer Geburt regt die Eberraute den Wochenfluss an, und nach einer Fehlgeburt kann man mit ihren reinigenden Kräften manchmal eine Ausschabung umgehen. Dazu sollte man entweder so lange hoch dosiert eine menstruationsfördernde Teemischung mit Eberraute trinken oder die Abrotanum-Urtinktur einnehmen (je nach Reaktion drei- bis fünfmal täglich 10 bis 20 Tropfen), bis sich eine regelrechte Blutung einstellt und bis auch die Ultraschalluntersuchung eine vollständige Reinigung der Gebärmutterschleimhaut nachweist.

In der Homöopathie gebraucht man vor allem die Tiefpotenzen (z. B. Abrotanum D6), unter anderem zur Lungenstärkung bei Asthma oder Schwindsucht sowie als Rekonvaleszenzmittel. Ganz dem Erscheinungsbild der zartblättrigen Pflanze entsprechend, gilt Abrotanum als Heilmittel für feingliedrige und magere Kinder, die nicht gut gedeihen.

Rezept: Menstruationsfördernde Teemischung (Kräuterladen)


Beifußkraut50 g
Beifußwurzel40 g
Eberraute30 g
Liebstöckelwurzel40 g
Poleiminze20 g
Rosmarin20 g

Kräuter mischen, 2 Teelöffel pro Tasse (200 ml) heiß überbrühen, 8 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. 3 bis 4 Tassen über den Tag verteilt trinken.

Bei ausbleibender Monatsblutung nach Absetzen der Antibabypille oder bei Neigung zu seltener oder zu schwacher Regelblutung sollte frau mindestens eine 3 Monate lange Teekur durchführen. Es gilt die Regel: Je länger die Beschwerden bestehen, umso länger sollte die Teekur dauern.


Eberraute (L. Fuchs, 1543)

Rezept: Schutzmagische Räucherung (Kräuterladen)


Angelikasamen1 Esslöffel
Beifußkraut2 Esslöffel
Eberraute1 Esslöffel
Stinkasant½ Teelöffel
Wacholderbeeren1 Esslöffel

So wird’s gemacht:

 Alle Pflanzenteile gründlich miteinander mischen, am besten im Mörser etwas stoßen und quetschen, bis eine einheitliche Mischung entsteht.

 Dann in einem feuerfesten Räuchergefäß Räucherkohle entzünden. Sobald die Kohle richtig glüht, kann man 1 Esslöffel der Mischung auf die Kohle geben und den Rauch im Uhrzeigersinn von Eck zu Eck und von Raum zu Raum tragen.

Anmerkung: Die Räuchermischung eignet sich beispielsweise zur Reinigung von altem Gemäuer, wenn man irgendwo einzieht oder wenn man einen Raum, in dem Streitgeister oder Krankheitsdämonen sind, reinigen und schützen möchte.

Handelsprodukte:

Eberraute, blühendes Kraut (Abrotani herba)

Eberraute-Urtinktur (Abrotanum-Urtinktur; DHU, Spagyra)

Eberraute-Urtinktur aus den jungen Trieben und Blättern (Abrotanum-Urtinktur, nur 50 ml; Weleda)

Eberraute, ätherisches Öl (Maienfelser Naturkosmetik)

Sammeltipps: Die homöopathische Urtinktur wird zur Blütezeit aus den Blättern hergestellt. Die Eberraute lässt sich gut im Garten ziehen und sollte zu Beginn der Blüte geerntet und kopfüber in Büscheln getrocknet werden. Ideal ist hierfür ein zunehmender Mond im Zeichen Jungfrau.

Anwendungsbeschränkungen: Eberraute nicht in der Schwangerschaft gebrauchen – vor einer Anwendung bei ausbleibender Regelblutung sollte eine Schwangerschaft unbedingt ausgeschlossen werden.

Efeu – Reduziert Schwangerschaftsstreifen

»Der Ephew Sam gestossen und den Frawen in der Gestalt eins zäpflins in die Schame gethan / ziehen die Monzeit. Desselbigen Samens ein quintlin nach der reynigung getruncken / macht die Frawen unfruchtbar. Die Blätterstiel mit Honig vermischt / und den Frawen underschoben / ziehen die Monzeit und Frucht auß Mutter Leib.«

(Dioscorides, Kreutterbuch, 1610)

Namen: Baumtod, Epheu, Eppich, Totenranke.

Botanischer Name: Efeu (Hedera helix), Efeugewächse (Araliaceae).

Signaturen und Astrologie: Die Fruchtbildung im Winter sowie die schwarzen Beeren erlauben eine astrologische Zuordnung zu Sonne und Saturn. Weil der Efeu an Wänden oder Baumstämmen bis zu 20 m emporklettern kann, untersteht er ebenso Merkur, der als Götterbote zwischen oben (Geist, Hormondrüsen) und unten (Körper, Triebe) vermittelt. Das Wesen des Efeus ist es, Erd- und Himmelskräfte miteinander zu verbinden, was im Menschen auch als Bewusstsein und Unterbewusstsein bezeichnet wird.

Wie alle immergrünen Friedhofspflanzen verkörpert der Efeu das Prinzip der Unsterblichkeit. Als Heilpflanze überträgt er seine ewige Grünkraft und Vitalität auf den Menschen. Sofern er üppig wuchert, zeigt er Störzonen an. Der Efeu ist jedoch ein Heiler der schadhaften Erdstrahlung und signalisiert durch seinen Bezug zu ebenjenen Störzonen auch einen heilsamen Einfluss auf das Immunsystem. Die milchig helle Blattäderung erinnert an die Verästelung der Bronchien und stellt als Farbsignatur zugleich den Bezug zur Lymphe her. Die kugeligen Blütendolden sind ein pflanzliches Ebenbild der Alveolen, in denen sich die Sauerstoffaufnahme ins Blut abspielt.

Wirkstoffe: Die Blätter enthalten Saponine (Hederagenin, Hederacosid C, Alpha-Hederin), Flavonoide (Quercetin, Kämpferol, Rutinoside), Kaffeesäurederivate, Scopolin, Sterole (Stigmasterol, Sitosterol), Jod und ätherisches Öl mit Sabinen, Pinen, Limonen.

Heileigenschaften: hustenreizlindernd, schleim-, krampflösend, abschwellend (antiödematös), krebsfeindlich, schilddrüsenanregend, antibiotisch, -bakteriell, -mykotisch, -parasitär (Hederasaponine).

Verwendung in der Frauenheilkunde: In der modernen Kräuterheilkunde ist der Efeu eine bewährte Lungenheilpflanze. Daher finden sich die Blätter in Hustenteemischungen, oder sie werden zu Hustensäften und Extrakten weiterverarbeitet, die wegen ihrer antibiotischen, krampf- und schleimlösenden Kräfte in der Kinderheilkunde von Bronchitis bis Keuchhusten Verwendung finden. Des Weiteren gebraucht man den Efeu bei Asthma, Bronchitis, Lungenpilz bei künstlich Beatmeten bis hin zur Begleitbehandlung bei Lungentuberkulose.


Efeu im Nebelwald (Foto: M. Madejsky)

Als kletternde Pflanze untersteht der Efeu dem alles verbindenden Planetenprinzip Merkurs.

Vor einigen Jahrhunderten setzte man den Efeu jedoch noch rege in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe ein. So reichte man einst die Samenabkochung, um die Regelblutung ins Fließen zu bringen oder um die Geburt zu erleichtern. Auch zur Anregung der Milchbildung waren Efeublätter in Gebrauch: »Ziegen, die die Blätter des Efeus fressen, sollen besonders viel Milch geben« (Gerhard Madaus, Lehrbuch der biologischen Heilmittel, 1938). Doch auf diesen Gebieten wurde der Efeu längst durch andere Pflanzen abgelöst. In der heutigen Naturheilkunde spielt er vor allem aus zwei Gründen noch eine Rolle.

Zum einen zählt der Efeu zu den Jodlieferanten. Jodhaltige Pflanzen wie auch mineralische Jodverbindungen oder jodhaltige Homöopathika sind auflösende Arzneimittel (Resolventien), die den Stoffwechsel antreiben und Abbauprozesse begünstigen. Beim Husten lösen sie den Schleim und erleichtern das Abhusten. In der Frauenheilkunde benötigt man solche Resolventien, um beispielsweise Myome zurückzubilden. Daher findet sich der Efeu in einer Frauenteemischung nach Hildegard von Bingen, die der Münchner Hildegard-Experte Dr. Schulte-Uebbing bei Myomen sowie bei Neigung zu starken Regelblutungen empfiehlt. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass bei fast allen Myomen eine mehr oder weniger gestörte Schilddrüsenfunktion vorliegt. Jodlieferanten wie der Efeu stimulieren die Schilddrüse und beeinflussen auf diese Weise den Stoffwechsel.

Zum Zweiten gehört der Efeu zu den Pflanzen für die Schönheit. Volksmediziner empfehlen manchmal eine Efeuabreibung zur Bekämpfung von Orangenhaut und Schwangerschaftsstreifen. Tatsächlich zeigte der Hedera-Saponinkomplex bei Cellulitis die gleiche Wirkung wie die Rosskastanie. Äußerlich angewandt, regt der Efeu den Hautstoffwechsel an, lindert chronische Hautentzündungen und wirkt antiödematös (z. B. Zellulisan spag., Salbe von Pekana).

Rezept: Cellulitismilch


Ceres Hedera helix (Efeu) Urtinktur10 ml
Hamameliswasser10 ml
Ringelblumenöl20 ml
Rosmarinöl, ätherisches20 Tropfen
Zitronenöl, ätherisches10 Tropfen
Neutrale Grundemulsion150 ml

Alle Bestandteile nacheinander in die Grundemulsion einrühren, dann kräftig schütteln – fertig! Aufbewahrt wird die Cellulitismilch am besten im Kühlschrank, dann hält sie sich einige Monate lang. Vor Gebrauch kräftig schütteln.

Bei Bedarf ein- bis zweimal täglich in die betroffenen Hautpartien einmassieren.

Rezept: Frauentee nach Hildegard von Bingen (Kräuterladen) Nachfolgendes Teerezept stammt aus dem Arzneischatz des Hildegard-Experten Dr. Claus Schulte-Uebbing (Hl. Hildegard Frauenheilkunde, 2002) und eignet sich für Frauen mit Myomen und eher starker Blutung. (Die Klösterl-Apotheke, München, vertreibt diesen Tee als Fertigmischung [siehe »Adressen und Bezugsquellen«].)


Die milchhellen Blattnerven sind ein Zeichen dafür, dass Efeublätter unter anderem auch Lymphheilmittel sind. (Foto: O. Rippe)


20 g
Selleriesamen (Apii grav. Semen)20 g
Efeublätter (Hederae folium)40 g
Ingwer (Zingiberis rhizoma)40 g
Gewürznelken (Caryophylli flores)40 g
Schafgarbe (Millefolii herba)40 g

Alles mischen. 2 Teelöffel pro Tasse heiß überbrühen, 8 bis 12 Minuten ziehen lassen. Die Anwendung erfolgt kurmäßig: zweimal jährlich 6 Wochen lang 3 Tassen täglich.

Praxistipp: Cellulitiskur

Bei ausgeprägter Cellulitis wirkt eine Kur mit Phytophyline von Lierac hautstraffend und fettreduzierend. Die Ampullen enthalten eine Kombination aus Efeu, Frauenmantel, Schachtelhalm und Teeextrakten. Durch den Synergismus der Pflanzenextrakte wird Fett abgebaut, die Blutgefäße werden gestärkt, und die Haut gewinnt spürbar an Elastizität.

Handelsprodukte:

Efeublätter, geschnitten (Hederae folium)

Efeublätter-Urtinktur (Hedera-helix-Urtinktur; Ceres, DHU, Spagyra)

Sammeltipps: Zur Herstellung einer Tinktur erntet man bei zunehmendem Mond (sobald die Sichel sichtbar wird) im Mai die jungen Blätter älterer Pflanzen. Idealer Erntezeitpunkt ist ein Mond in den Luftzeichen Waage oder Zwilling.

Anwendungsbeschränkungen: Efeu ist nicht zur Einnahme in der Schwangerschaft geeignet! Die frischen Blätter sind hautreizend und können Kontaktdermatitis hervorrufen.


Sabine Friesch von der Blumenschule in Schongau windet anlässlich Allerheiligen einen Efeu-kranz, der die Unsterblichkeit der Seele symbolisieren soll. (Foto: M. Madejsky)

Eiche – Die Kraftspenderin bewahrt vor Fruchtwasserverlust

»Wenn man diß [Eichen-]Laub in Wegerichwasser kocht / ist es gut den Weibern / so ihre Zeiten zu viel [fließen]: Auch denjenigen so Blut auswerffen.«

(Jakobus Tabernaemontanus, Kräuterbuch, 1731)

Namen: Eichenlohe, Stieleiche, Sommereiche.

Botanischer Name: Stiel- oder Sommereiche (Quercus robur), Buchengewächse (Fagaceae).

Signaturen und Astrologie: Unter den Eichen gibt es sehr alte Exemplare und bemerkenswerte Baumriesen. Wegen ihrer majestätischen Gestalt und wegen der nahrhaften Eicheln ordnet man diese Bäume Jupiter zu, der unter anderem über das Bindegewebe regiert. Weil Eichen recht tief wurzeln, erreichen sie den Grundwasserspiegel und ziehen deswegen Blitze an, was wiederum den Bezug zum Blitzeschleuderer Jupiter/Zeus (Donar) herstellt und auch uranischen Einfluss anzeigt; Uranus wird als Herr über alle plötzlichen Erkrankungen bezeichnet.

Eine Besonderheit stellt auch die Tatsache dar, dass abgestorbene Äste nicht, wie sonst bei Bäumen üblich, abgeworfen, sondern geradezu »festgehalten« werden. Das alte Laub wird ebenfalls so lange festgehalten, bis die neuen Eichenblätter im Frühling austreiben. Daher der Volksspruch: »Die Eichen lassen ihr Laub erst fallen, wenn die alten Weiber wieder jung werden« (sprich: im Frühling). Der stark zusammenziehende Geschmack unterstreicht das bewahrende Wesen der Eiche, die alle Sekretionen und Flüssigkeitsverluste eher hemmt und bremst.

Wirkstoffe: Die Rinde enthält bis zu 20 Prozent Gerbstoffe, Quercitol und Triterpene, die jungen Blätter enthalten weniger Gerbstoffe, dafür Harze und Flavonoide.

Heileigenschaften: zusammenziehend, entzündungswidrig, wundheilend, blutflusshemmend, stopfend, antimikrobiell, pilzfeindlich, antiviral, allgemein sekretionshemmend, hemmt Schweißbildung und Schleimhautsekretion (z. B. Ausfluss).

Verwendung in der Frauenheilkunde: Im botanischen Namen Quercus robur (lateinisch robur = »Stärke, Kraft, Festigkeit«) verbirgt sich bereits ein erster Hinweis auf die kraftspendende Eigenschaft der Eiche, denn unser Wort robust hat denselben Ursprung. Ganz im Gegensatz zu den öffnenden Arzneipflanzen wie etwa dem Beifuß stellt die Eiche eher das bewahrende Prinzip dar. Der hohe Gerbstoffgehalt ihrer Rinde, aber auch der Blätter lässt die zusammenziehenden und trocknenden Heilkräfte bereits durch eine kleine Kostprobe spüren. Das Wesen dieses Heilbaums ist es also, zusammenzuziehen, zu schließen und zu bewahren. Diese Eigenschaften kommen innerlich bei akuten Durchfällen oder bei starken Regelblutungen zum Tragen. Doch weil die Gerbstoffe die Magenschleimhäute »gerben« und reizen, gebraucht man die Eichenrindenabkochung nur in blutflusshemmenden Mischungen (z. B.: Menodoron von Weleda) oder bevorzugt für die Teebereitung die milderen Eichenblätter.


Nach einer Legende wettete einst ein tollkühner Bauer mit dem Teufel um seine Seele. Der Teufel, so versprach der Bauer, würde seine Seele bekommen, sobald die Eiche keine Blätter mehr trägt. Da freute sich der Teufel und setzte sich geduldig neben den Eichbaum. Doch als es Herbst ward, da behielt die Eiche immer noch ihre Blätter, und auch im Winter warf sie das alte Laub nicht ab. Als es dann Frühling wurde, dachte der Teufel, dass nun seine Zeit gekommen sei. Doch die alten Blätter fielen erst ab, als das neue Laub bereits ausgetrieben hatte. Da erkannte der Teufel, dass er betrogen worden war, und zerfurchte vor Wut die Blätter. (Foto: M. Madejsky)

Weil die gerbstoffreiche Eiche zusammenziehend, bindegewebskräftigend und allgemein sekretionshemmend wirkt, ist sie auch Bestandteil alter Traditionsrezepte gegen das Verlieren des Fruchtwassers. Solche Verluste kommen beispielsweise nach Fruchtwasserpunktionen vor, wenn die Fruchtblase verletzt wurde. Nicht alle Verletzungen schließen sich von allein, und je mehr Fruchtwasser abgeht, umso bedrohlicher wird das Ganze für die Leibesfrucht. Daher sollte man in solchen Fällen keineswegs nur untätig abwarten. Wenn vorzeitig Fruchtwasser verloren geht, dann müssen in jedem Fall Frauenarzt und Hebamme zu Rate gezogen werden! Neben absoluter Bettruhe und Einzelgaben homöopathischer Arzneien wie Staphisagria C30 und/oder Arnica C30 kann man jedoch zusätzlich durch eine Teemischung mit Eichenblättern und -rinde versuchen, die Flüssigkeitsverluste gering zu halten und die Neubildung von Fruchtwasser anzuregen (s. u., Teerezept).

Äußerlich wirken Sitzbäder, denen 1 oder 2 l Eichenrindenabkochung beigemengt wurden, entzündungswidrig, antimikrobiell und straffend auf das Bindegewebe. Hauptanwendungsgebiete solcher Eichenrindenbäder sind etwa Hämorrhoiden, nässende Ekzeme im Urogenitalbereich, Herpesausschläge oder Hautpilz am After und im Dammbereich. Wer keine Möglichkeit hat, Sitzbäder durchzuführen, kann die betroffenen Hautpartien ebenso mit 10-prozentig verdünnter Quercus-Essenz betupfen. Dies wirkt vor allem bei nässenden Analekzemen wohltuend oder trägt bei brennenden Analfissuren zum rascheren Wundschluss bei. Hilfreich können ebenfalls Vaginalspülungen mit einer Eichenrindenabkochung sein, wenn es darum geht, einen übermäßigen Weißfluss zu regulieren. Vor allem wenn chronisch entzündliche Prozesse zu vermehrtem Ausfluss führen, wirken solche gerbstoffreichen Spülungen austrocknend und keimtötend. Doch täglich oder über längere Zeiträume hinweg sollten die Gerbstoffe nicht gebraucht werden, da sie die zarte Scheidenhaut sonst gerben und die Hautfunktion herabsetzen.

Rezept: Kräutertee gegen das Verlieren des Fruchtwassers (Kräuterladen)

Das nachfolgende Rezept lehnt sich stark an ein altes Rezept des Münchner Kräuterparadieses Lindig an, das von dem traditionsreichen Unternehmen gegen den Verlust von Fruchtwasser empfohlen wird (siehe »Adressen und Bezugsquellen«). Weil man heute weiß, dass das Kind im Mutterleib das Fruchtwasser größtenteils selbst bildet, wird durch den Zusatz von Goldrute die kindliche Nierentätigkeit angeregt. Hauptursache für den Verlust ist die mechanische Schädigung der Fruchtwand durch Punktion, daher darf auch die Ringelblume in der Rezeptur nicht fehlen.


Eichenblätter30 g
Eichenrinde10 g
Frauenmantelkraut20 g
Goldrutenkraut30 g
Ringelblumenblüten20 g
Sanikel20 g
Silbermantelkraut20 g

Alle Kräuter mischen, 2 Teelöffel pro Tasse à 200 ml heiß überbrühen, etwa 8 bis 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und über den Tag verteilt 3 bis 4 Tassen trinken.

Der Tee versteht sich als Ergänzung zu absoluter Bettruhe und allen anderen medizinisch notwendigen Maßnahmen. Er kann bei Bedarf durch die Einnahme von Calcium Quercus Globuli velati von Wala ergänzt werden.


Bühleiche bei Plochingen (Foto: O. Rippe)

Das bewahrende Wesen der Eiche zeigt sich darin, dass die Eichen ihre toten Äste lange behalten.


Moderne Kräuterweiber umtanzen eine 500-jährige Eiche bei Hexenagger in der Nähe von Kehlheim. (Foto: M. Madejsky)

Rezept: Blutflusshemmende Teemischung (Kräuterladen)


Eichenrinde20 g
Hirtentäschel30 g
Schafgarbe30 g
Tormentillwurzel20 g

Mischen, 1 gut gehäuften Teelöffel mit 200 ml kaltem Wasser ansetzen, 2 bis 3 Stunden zugedeckt ziehen lassen, kurz aufkochen und weitere 10 Minuten ziehen lassen, abseihen; 2 bis 3 Tassen über den Tag verteilt trinken.

Anmerkung: Die Teemischung eignet sich vor allem bei Neigung zu sehr starken Blutungen.

Praxistipp: Analfissuren und Hämorrhoiden

Bei Analfissuren und leicht entzündeten Hämorrhoiden hat sich die Kombination von Wala-Quercus-Hämorrhoidalzäpfchen am Abend und Weleda-Hamamelis-Salbe 10 % morgens vor dem Stuhlgang bewährt. In der Regel tritt bereits nach einigen Tagen deutliche Besserung der Beschwerden wie etwa Brennen und Schmerzen beim Stuhlgang ein. Die Kombination eignet sich ebenso für Schwangere.

Handelsprodukte:

Eichenblätter (Quercus folia; im Kräuterparadies Lindig erhältlich [siehe »Adressen und Bezugsquellen«])

Eichenrinde (Quercus cortex)

Eichenrinden-Urtinktur (Quercus robur e Cortice, Urtinktur; DHU, Weleda, Spagyra)

Eichenrindensalbe (Quercus, ethanol. Decoct. 5 % Salbe; Weleda)

Eichenrindentinktur zum äußerlichen Gebrauch (Quercus-Essenz 10 %; Wala; Quercus, ethanol. Decoct. 20 %; Weleda)

Quercus-Salbe bei Hämorrhoiden (Wala)

Quercus-Hämorrhoidalzäpfchen (Wala)

Quercus 1 %, Zäpfchen (Weleda)

Sammeltipps: Junge Eichenblätter für Tees oder Tinkturen sammelt man am besten bei zunehmendem Mond, wenn die zarten Blätter sich Ende April oder Anfang Mai gerade entfalten und noch ganz harzig-klebrig sind. Idealer Sammelzeitpunkt ist ein Mond im Zeichen Schütze. Eine Trocknung bei etwa 40 Grad im Ofen ist möglich.

Anwendungsbeschränkungen: In größeren Mengen können Eichenrinde sowie -blätter zu Magenbeschwerden und Verstopfung führen. Die Einnahme von gerbstoffreichem Eichenrinden- oder -blättertee kann die Resorption von schulmedizinischen Medikamenten (vor allem von Alkaloiden, anderen basischen Arzneistoffen oder Eisen) stören.


Eiche mit Schweinen (Lonitzer [Lonicerus], 1560). Die gerbsäurehaltigen Eicheln werden bis heute in der Schweinemast gebraucht.

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Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
929 s. 333 illüstrasyon
ISBN:
9783038006381
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi:

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