Kitabı oku: «Meine persönliche Reformation»

Yazı tipi:


Evangelische Pfarrer

und Pfarrerinnen

erzählen

Herausgegeben von

Matthias Geist und

Maria Katharina Moser


Inhalt

Cover

Titel

Wege zur evangelischen Herzensbildung

Vorwort der Herausgeber

Der Kirchenwechsel – eine Chance für die Ökumene?

Michael Bünker

Ökumene XL – oder: Wie mich zwei Kirchen durch mein Leben begleiten

Klaus Niederwimmer

Allein aus Gnade

Stefan Fleischner-Janits

In Beziehung mit: Gott – Mensch – Bibel

Martin Schlor

Selbst ausgesucht?

Gregor Schwimbersky

Suche nach einer geistlichen Heimat

Bernhard Petri-Hasenöhrl

Der Zeit voraus, eingeholt vom Streit zwischen gestern und vorgestern

Wolfgang Lutz

Was da gewachsen ist

Anneliese Peterson

Konversion – um der Liebe willen

Johanna Lein

Die Fragen leben

Andreas Fasching

Nach Hause gekommen

Maria Katharina Moser

Konversion und ihre Erforschung – historisch betrachtet

Maria Diemling

Weiterführende Literatur

Bildnachweis

Weitere Bücher

Impressum

Wege zur evangelischen Herzensbildung


Vorwort der Herausgeber

Die evangelischen Kirchen in Österreich sind erfrischend jung – auch nach 500 Jahren Reformation, die sie 2017 feiern. Sie haben ihren Geist immer wieder neu gefunden – in Geschichte und Gegenwart. Sie haben sich an äußeren Einflüssen und Machtspielen gerieben, haben sich aber nicht zerreiben lassen. Sie haben in den verschiedenen Regionen Österreichs unterschiedliche Akzentuierungen ausgebildet, weil sie spezifische Ideen einzelner Menschen aufgegriffen haben, ohne sie zu „Heiligen“ zu stilisieren. Und: Sie haben ihren reformatorischen Charakter wach gehalten, indem sie – gerade auch in jüngster Vergangenheit – Personen mit dem geistlichen Amt betraut haben, die mit Haut und Haar eine ganz persönliche, existenzielle Reformation erlebt haben. Konversionen haben für die Evangelischen in Österreich eine vielfältige kirchen- und mentalitätsgeschichtliche Bedeutung. Konvertierte beleben die Kirche und ihre Entwicklung.

Das vorliegende Buch wirft ein Schlaglicht auf diesen Prozess: Acht Pfarrerinnen und Pfarrer im aktiven Dienst erzählen von ihrer Konversion von der römisch-katholischen zur evangelischen Kirche A. B. in Österreich. Unter diese positiven Beispiele bewusst und eigenverantwortlich gestalteter religiöser Identitätsbildung mischen sich zwei mit Zwang behaftete Geschichten: die Geschichte eines katholisch getauften Ehepartners einer evangelischen Pfarrerin und die Geschichte einer katholisch getauften Ehepartnerin eines evangelischen Pfarrers. Beide sahen sich in den 1980er-Jahren vor die Wahl gestellt: Entweder ich konvertiere oder mein evangelischer Partner/​meine evangelische Partnerin muss sein/​ihr Amt aufgeben.

Wir haben diese autobiografischen Texte nach dem Konversionsalter gereiht. Der älteste Konvertit, der in diesem Buch von seinen Erfahrungen erzählt, ist mit 19 evangelisch geworden; die jüngste Konvertitin war 39, als sie übergetreten ist. Eingeleitet werden die in erster Person erzählten Beiträge von Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, der nach der Bedeutung von „Konvertiten im Pfarramt“ in den Fußstapfen Martin Luthers fragt. Die Historikerin Maria Diemling rundet den Band mit einem Überblick über die Entwicklung der Konversionsforschung sowie über die Geschichte der Konversion in Österreich mit Fokus auf den Protestantismus ab.

Egal, ob sie einem inneren Impuls oder Druck von außen folgten – die persönlichen Konversionsgeschichten in diesem Band erzählen, was Evangelisch-Sein bedeutet. Lebensnahe legen sie reformatorische Theologie aus. Sie zeigen, dass sich evangelischer Glaube einer statischen Definition entzieht. Evangelische Identität ist kein Produkt verstaubter dogmatischer Lehrgebäude (fides quae creditur). Sie vollzieht sich dynamisch (fides qua creditur) und fordert stetige Entwicklung, bleibt also im Wandel begriffen und „jung“. In den Beiträgen wird der Weg einer evangelischen Herzensbildung – direkt aus dem Evangelium heraus – sichtbar.

Damit wird auch eine „Kulturbedeutung des Protestantismus“ sichtbar: der „religiöse Individualismus der persönlichen Glaubensüberzeugung“ (Ernst Troeltsch). Will heißen: Menschen glauben heute nicht mehr automatisch. Auch wenn nach wie vor viele Menschen in eine bestimmte Glaubensgemeinschaft hineingeboren und in ihr sozialisiert werden – sie haben die Möglichkeit, beim Glauben ihrer Kindheit zu bleiben oder sich einer anderen Glaubensgemeinschaft anzuschließen oder die säkulare Option zu wählen. Die Signatur des heutigen „Glaubens als Option“ (Hans Joas) wurzelt auch in der Reformation. Freilich wollten die Reformatoren den Glauben des Individuums nicht der Beliebigkeit anheimstellen. Sie haben ihn strikt auf die Bibel bezogen gedacht. Daher sollten auch alle Menschen die Bibel lesen können. Sowohl die Übersetzung der Bibel ins Deutsche und in andere Muttersprachen als auch der hohe Bildungsanspruch der evangelischen Kirchen liegen hier begründet. Glaube soll gebildeter Glaube sein. Für Evangelische ist es wichtig, dass Menschen bedenken und verstehen, was und warum sie glauben.

Die Mündigkeit der einzelnen Christin und des einzelnen Christen hat ihren Grund in der „Freiheit des Christenmenschen“ und in der Unmittelbarkeit, in der die Person vor Gott steht. Was das konkret bedeutet bzw. bedeuten kann, davon erzählen die vorliegenden autobiografischen Texte.

Matthias Geist und Maria Katharina Moser

MATTHIAS GEIST, geboren 1969 in Salzburg; aufgewachsen in Pfarrhäusern in Oberösterreich und Kärnten; Studium der Mathematik und der evangelischen Theologie in Wien; Assistent am Institut für Systematische Theologie (1992 – 2000), daneben Vikariat in Wien-Landstraße; seit 2001 Gefängnisseelsorger in den Wiener Justizanstalten; Ausbildung zum Supervisor, Lehrbeauftragter an der Strafvollzugsakademie.

MARIA KATHARINA MOSER, geboren 1974; studierte zunächst katholische Theologie in Wien und interkulturelle Frauenforschung in Manila; war in der katholischen Jugendarbeit und Erwachsenenbildung sowie an der Universität und sieben Jahre in der Religionsabteilung des ORF tätig, bis sie sich entschied, zu konvertieren und evangelische Pfarrerin zu werden.

Michael Bünker


Der Kirchenwechsel – eine Chance für die Ökumene?

War Martin Luther evangelisch? Ich bin davon überzeugt und muss es doch zugleich verneinen. Wenn „evangelisch“ meint, dem Evangelium Jesu Christi verpflichtet zu sein, dann war er es bestimmt. Nichts anderes sollte seiner Meinung nach in der Kirche den Ton angeben. Aber „evangelisch“ im Sinne einer Konfessionszugehörigkeit war er natürlich (noch) nicht. Die Konfessionalisierung war eine Folge der Reformation, die sich im Laufe des Lebens und Wirkens Martin Luthers abzeichnete, aber noch nicht zur vollen Ausprägung gekommen war.

War Luther ein Konvertit? Selbstverständlich nicht. Er wollte die ganze Kirche reformieren und nicht eine neue Kirche gründen und ihr Mitglied werden. Daran hat er zeitlebens festgehalten, auch wenn es Brüche gegeben hat wie die Verbrennung der Bannandrohungsbulle, die Formulierung neuer Bekenntnisse und letztlich die heftige Polemik gegen Rom und das Papsttum. Umgekehrt ist er von seinen Gegnern von Anfang an als Ketzer der Häresie beschuldigt worden, was das katholische (und auch orthodoxe) Lutherbild bis ins 20. Jahrhundert geprägt hat. Auch wenn er wohl kein Ökumeniker gewesen ist, wie Kardinal Walter Kasper wiederholt festgestellt hat, finden sich starke Äußerungen, die eher für das ökumenische Miteinander als das konfessionelle Gegeneinander sprechen: „Erstens bitte ich, man wolle von meinem Namen schweigen und sich nicht lutherisch, sondern einen Christen nennen. Was ist Luther? Ist doch die Lehre nicht mein! Ebenso bin ich für niemanden gekreuzigt. St. Paulus wollte nicht leiden, dass die Christen sich paulinisch oder petrisch hießen, sondern Christen. Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi dürfte nach meinem nichtswürdigen Namen nennen? Nicht so, liebe Freunde! Lasst uns tilgen die parteiischen Namen und uns Christen heißen, nach Christus, dessen Lehre wir haben.“ (WA 8, 685, 4 – 11)

500 Jahre später erzählen überwiegend junge Frauen und Männer, wie und warum sie die römisch-katholische Kirche, in der sie aufgewachsen sind, verlassen haben und evangelisch geworden sind. Sie wurden nicht nur evangelisch, sondern Pfarrerinnen und Pfarrer in der evangelischen Kirche. Nach staatlichem Recht sind sie „übergetreten“, also aus einer Kirche aus- und in eine andere eingetreten. Ob sie damit auch konvertiert sind, mag die biografie- und sozialgeschichtlich ausgerichtete Konversionsforschung beantworten. Ich würde ihren persönlichen Schritt lieber als „Kirchenwechsel“ bezeichnen. Die meisten haben beide Kirchen mehr oder weniger intensiv gekannt und sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in unterschiedlichem Lebensalter entschieden, der Evangelischen Kirche A.B. anzugehören. Diese Entscheidung verdient Respekt. Für die evangelische Kirche ist sie auch ein Grund sich zu freuen, weil sich engagierte Christinnen und Christen berufen lassen, als Pfarrerinnen und Pfarrer in den Dienst des Evangeliums zu treten. Daher ist aus meiner Sicht dieser Kirchenwechsel, der immer aus freien Stücken und nach reiflicher Überlegung erfolgte, für die evangelische Kirche ein Geschenk und für die Ökumene eine Chance.

Die Zunahme der Zahl der ehemals römisch-katholischen Christinnen und Christen, die evangelische Pfarrerinnen bzw. Pfarrer geworden sind, ist ein relativ junges Phänomen – mit klarem Fokus auf den Pfarrberuf, denn insgesamt sind die Zahlen der Eintritte in die evangelischen Kirchen (und damit auch die der Übertritte aus der katholischen Kirche) seit Jahren auf dem ziemlich gleichen Stand. Zu den „Kirchenwechslern“ zählen immerhin etwa 10 Prozent der insgesamt rund 250 geistlichen Amtsträgerinnen und Amtsträger, die derzeit in der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich im aktiven Dienst sind. Die älteren Jahrgänge der Pfarrerinnen und Pfarrer sind noch beinahe vollständig in traditioneller Weise religiös sozialisiert worden. Eine erhebliche Zahl stammt selbst aus Pfarrerfamilien. Hier wirkt sich die generationenübergreifende Prägung durch das evangelische Pfarrhaus, dessen Entstehung mit Luthers Hochzeit mit Katharina von Bora 1525 gleichgesetzt wird, bis in die Gegenwart aus. Neben dem Pfarrhaus waren es in erster Linie der Religionsunterricht oder die Jugendarbeit, durch die junge Menschen mit der Kirche verbunden wurden und so den Weg zu Theologiestudium und Pfarrberuf gefunden haben. Quereinsteiger, Spätberufene oder Übergetretene aus anderen Kirchen galten weitgehend als Einzelfälle. Heute sind die Lebensläufe jüngerer Pfarrerinnen und Pfarrer oft gewundener und nicht so geradlinig. Manchmal schließen sie eben auch den Übertritt von einer Kirche in die andere ein. Was früher vielleicht als „Betriebsunfall“ gesehen und nicht selten als „Geheimsache“ gehandelt wurde, wird nun offen berichtet. Es zeigt sich, dass Übertritt und Kirchenwechsel als ökumenische Realität wahrzunehmen und ernst zu nehmen sind. Sie dokumentieren, dass bisherige Distanzen und das noch in der vorigen Generation weithin gelebte schiedlich-friedliche Nebeneinander der Kirchen und ihrer Mitglieder der Vergangenheit angehören. Die persönlichen Geschichten der übergetretenen evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer sind ein Beitrag dazu. Das Spektrum ließe sich erweitern um Berichte über andere Konversionen, die die Kirchen der Orthodoxie, die Freikirchen, aber auch nichtchristliche Religionen umfassen und nicht zuletzt die Geschichten jener Menschen erzählen, die sich entschlossen haben, keiner Religion anzugehören. Konversionen nehmen generell zu. In einer zunehmend religiös pluralen Gesellschaft kommt der bewussten Wahl religiöser Lebens- und Gemeinschaftsformen eine wachsende Bedeutung zu. Das Pew Research Center berichtet, dass etwa die Hälfte der US-amerikanischen Bevölkerung im Laufe des individuellen Lebens zu einer neuen Religion bzw. Konfession konvertiert.

Wie als anachronistische Bestätigung dieser Entwicklung stehen zwei Übertrittsgeschichten, die einer noch gar nicht so alten, aber mittlerweile überwundenen Regelung in der evangelischen Kirche geschuldet sind. Aufgrund des allgemeinen Grundsatzes, dass die Ehepartnerin des evangelischen Pfarrers bzw. der Ehepartner der evangelischen Pfarrerin ebenfalls der evangelischen Kirche angehören muss, waren Menschen gezwungen, für die beruflichen Möglichkeiten ihrer Partnerin/​ihres Partners die Kirchenzugehörigkeit zu wechseln und in die evangelische Kirche einzutreten. Diese Form von kirchenrechtlich vorgesehener „Zwangskonversion“, von der Johanna Lein und Wolfgang Lutz betroffen waren, kann aus heutiger Sicht nur bedauert werden. Sie entsprach bereits in den 1980er-Jahren nicht mehr dem Stand der ökumenischen Verhältnisse zwischen katholischer und evangelischer Kirche und sie entsprach damals so wenig wie heute dem Selbstverständnis der evangelischen Kirche. Mit evangelischer Freiheit hatte das nichts zu tun. Es zeigt vielmehr, wie schwer sich Kirchen lange Zeit getan haben, individuelle Glaubens- und Gewissensentscheidungen zu akzeptieren. Das hat tiefsitzende geschichtliche Ursachen, auf die kurz eingegangen werden soll.

Eine der Folgen der Reformation des 16. Jahrhunderts war die durch die eingetretene Konfessionalisierung erfolgte Spaltung der lateineuropäischen Christenheit. Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 und den Regelungen des Westfälischen Friedens von 1648 wurde das Problem des Zusammenlebens unterschiedlicher Konfessionen durch das Prinzip der Regionalisierung gelöst. Es galt das Prinzip cuius regio, eius religio. Ein individuelles Recht, die Religion zu wechseln, stand nur dem jeweiligen Landesherrn zu, die Untertanen hatten seiner Entscheidung zu folgen oder den Herrschaftsbereich zu wechseln. Erst durch die Aufklärung wurden die einzelnen Bürgerinnen und Bürger zu Trägerinnen und Trägern des Toleranzanspruchs. Die Virginia Declaration of Rights von 1776 und das Allgemeine Preußische Landrecht von 1794 gewährten „vollkommene Glaubens- und Gewissensfreiheit“. Mit dem Toleranzpatent von 1781 wurde für das heutige Österreich (im Burgenland galten die ungarischen Regelungen) eingeräumt, dass man wohl evangelisch sein konnte – evangelisch zu werden unterlag hingegen stark einschränkenden Auflagen. Erst im Jahr 1849 wurde der Übertritt von einem christlichen Bekenntnis zu einem anderen für über 18-jährige Personen freigestellt. Weitergehende und teilweise bis heute geltende Regelungen traf dann das Gesetz über die interkonfessionellen Verhältnisse aus dem Jahr 1868. Heute gilt die in Österreich im Verfassungsrang stehende Europäische Menschenrechtskonvention, die in Artikel 9 das Grundrecht auf Religionsfreiheit formuliert, das die Freiheit, die Religion zu wechseln, einschließt. In der Charta Oecumenica, mit der der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) im Jahr 2001 „Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa“ beschlossen haben, verpflichten sich die Kirchen, „anzuerkennen, dass jeder Mensch seine religiöse und kirchliche Bindung in freier Gewissensentscheidung wählen kann. Niemand darf durch moralischen Druck oder materielle Anreize zur Konversion bewegt werden; ebenso darf niemand an einer aus freien Stücken erfolgenden Konversion gehindert werden.“ (II.2) So gehört der Religionswechsel heute ebenso zu den Kennzeichen der religiösen Pluralisierung Europas wie die Entscheidung von Menschen, keiner Religion anzugehören. Die Religionsfreiheit einschließlich der Freiheit des Religionswechsels stellt eines der Kriterien der „Europatauglichkeit“ dar, das nicht nur für Staaten, sondern auch für Religionsgemeinschaften gilt. Erst die Akzeptanz freier Religionswahl macht die Konvivenz unterschiedlicher Glaubensrichtungen und das friedliche, möglichst konfliktarme Zusammenleben verschiedener Religionen möglich. Dies ist im jeweiligen historisch bedingten Kontext zu sehen. Gerade in Österreich mit seiner langen Geschichte der Unterdrückung und Verfolgung der Evangelischen – die volle bürgerliche Gleichberechtigung erlangten sie erst 1861 – ist das zu berücksichtigen. Lange Zeit wurden die Evangelischen pauschal als „Akatholiken“ bezeichnet und haben ihrerseits ihre Identität nicht selten durch eine negative Abgrenzung von der römisch-katholischen Kirche gebildet. Diese Ambivalenz der Fremdwahrnehmung und eigenen Identitätsbildung kann heute weithin als überwunden gelten. Mit den aus dem Katholizismus gekommenen Pfarrerinnen und Pfarrern ändert sich auch das Bild des Katholizismus in der evangelischen Kirche. An die Stelle von lang gepflegten Ressentiments oder (oft lieb gewordenen) Vorurteilen tritt die Auseinandersetzung mit der authentisch gelebten anderen kirchlichen Tradition, die dazu beitragen kann, evangelische Positionen deutlich zu formulieren und so – nicht trotz, sondern wegen der Ökumene! – zu fördern, was das genuin Evangelische an den evangelischen Kirchen ist.

In den persönlichen Glaubens- und Kirchengeschichten, die im vorliegenden Buch erzählt werden, geht es zumeist um ein langsames Hinüberwachsen in die andere und neue Kirche, die oft gar nicht so anders und auch nicht ganz neu war. So gut wie nie waren es radikale „Bekehrungen“ oder dramatische „Reformationserlebnisse“, bei denen ein hell strahlendes „Nachher“ auf der dunklen Folie des „Vorher“ gezeichnet wird. So gut wie niemand unter den Autorinnen und Autoren beschreibt den eigenen Kirchenwechsel als persönliches „Damaskuserlebnis“. Es ist auffällig, wie viel Positives über die eigene Kindheits- und Herkunftskirche berichtet wird – auch wenn es immer wieder konkrete Inhalte gibt, die für die Entscheidung des Übertritts wichtig geworden sind. Dies trifft vor allem bei den Frauen zu, die etwa ihren Wunsch, als Pfarrerin arbeiten zu können, nur in der evangelischen Kirche realisieren konnten. Neben solch persönlichen Beweggründen stehen als Motive die allgemeinen Kennzeichen evangelischer Kirche wie etwa die Wortbezogenheit, die Bedeutung der Predigt, das demokratische Miteinander der Gemeinden und anderes mehr. Die Motive und Umstände, die zum Kirchenwechsel geführt haben, sind vielfältig, das heißt immer individuell und persönlich. Aus allen Berichten geht hervor, dass das katholische Erbe in den neuen Beruf als eine besondere Bereicherung eingebracht werden kann. Die „ökumenische Zweisprachigkeit“, die diese Pfarrerinnen und Pfarrer leben, führt zu einem vertieften Verständnis der anderen Kirche und stellt das ökumenische Miteinander vor Ort nicht in Frage, sondern vermag es zu vertiefen und zu fördern. Dies gilt selbstverständlich auch in umgekehrter Richtung für all jene, die aus der evangelischen Kirche in die römisch-katholische Kirche oder eine andere Kirche übertreten und geistliche Leitungsfunktionen übernehmen. Gerade zwischen den ökumenisch miteinander verbundenen Kirchen stellt der Übertritt ja keinen Glaubenswechsel dar, wie es etwa die Konversionen zwischen Christentum und Islam sind. Daher scheint der Wunsch begründet, dass der Übertritt ein akzeptierter Bestandteil der ökumenischen Wirklichkeit wird, mit dem offen umgegangen werden kann.

Ich danke allen Autorinnen und Autoren und den beiden Herausgebenden, die als Kirchenwechslerin und Pfarrerssohn paradigmatisch die unterschiedlichen Wege in das evangelische Pfarramt personifizieren, sowie dem Styria Verlag, der damit einen herausfordernden und spannenden Beitrag zum Jahr des Reformationsjubiläums liefert.

MICHAEL BÜNKER, geboren am 26. April 1954 im Pfarrhaus in Leoben, Steiermark, aufgewachsen in Radenthein, Gymnasium von 1964 bis 1972 in Villach, Kärnten; Studium der evangelischen Theologie in Wien (Promotion 1981); Vikariat in Wien-Döbling, Pfarrer in Wien-Floridsdorf; ab 1991 Leiter der Evangelischen Religionspädagogischen Akademie (ERPA); 1999 Wahl zum Oberkirchenrat, seit 2007 Generalsekretär der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa (GEKE) und seit 2008 Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich.


Klaus Niederwimmer


Ökumene XL – oder: Wie mich zwei Kirchen durch mein Leben begleiten

Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ (1 Mose 12,2) Mit dieser Zusage und mit diesem Auftrag schickt Gott Abraham auf seinen Weg in ein unbekanntes und fremdes Land. Diese Worte hat mir 1985 mein katholischer Kollege und Freund in Kärnten mit auf meinen Weg als evangelischer Pfarrer gegeben. Sie finden sich als Widmung in meinem Benediktionale, einem römisch-katholischen Buch für die Gestaltung von Segensfeiern, das ich heute noch verwende. In meinen mehr als dreißig Jahren als evangelischer Pfarrer begleiten mich diese Worte als Leitwort für mein Leben und Arbeiten durch Höhen und Tiefen, durch segensvolle Zeiten, aber auch durch die Brüche in meinem Leben. Und wenn ich heute darüber nachdenke, stellen sie mir auch die Frage: Warum habe ich gerade diese biblischen Worte ausgerechnet von einem römisch-katholischen Priester bekommen? Warum sind gerade sie mir als ehemaligem Katholiken zum Leitwort meines Lebens geworden? Wenn ich heute darauf eine ehrliche Antwort suche, dann erkenne ich darin etwas vom Handeln Gottes an mir über Konfessionsgrenzen hinweg und vor allem darüber hinaus. Es ist nicht in erster Linie die Frage, in welcher Konfession ich versuche, Glaube und Heimat zu suchen, zu finden und zu leben, sondern die Frage, ob ich mich suchen und finden lasse und dem Handeln Gottes Raum schenke in meinem Leben. Mir ist diese Gnade in der evangelischen Kirche geschenkt worden. Und ich bin davon überzeugt, dass der Weg dorthin durch meine katholische Zeit gut und wichtig war und bis heute unverzichtbarer Bestandteil meines Lebens ist. Vielleicht sind diese Worte aus der Heiligen Schrift ein Ausdruck dafür, dass meine Reise in die evangelische Kirche hinein auch eine Reise in ein unbekanntes Land war, das ich nach und nach erkundet und entdeckt habe und in dem ich schließlich heimisch geworden bin – und in dem ich den Segen Gottes reichlich erfahren habe.

Dabei beginnt meine Konversionsgeschichte eher unspektakulär: Als Schüler der Handelsakademie in Innsbruck werde ich von einem Freund in den evangelischen Jugendkreis eingeladen und fühle mich von Anfang an wohl. Die Gemeinschaft, das Singen, die Ausflüge und auch das Nachdenken über biblische Fragen tun mir gut, ich fühle mich angenommen und zuhause. Da gibt es keinen großen Bruch mit meiner alten katholischen Heimat, keine schlechten Erfahrungen, die ich machen musste, keine Verletzungen, die einen Austritt zwingend werden ließen. Eher ein Herauswachsen und ein Hineinwachsen in Neues. Heute würde ich vom kairós sprechen: davon, dass es einen Zeitpunkt im Leben gibt, zu dem Dinge geschehen, die zu keinem anderen Zeitpunkt so geschehen könnten; einen Moment, der einfach geschieht, weil es so sein soll; einen von Gott geschenkten Augenblick, der auch – wie in meinem Fall – eine Zeitspanne sein kann, in der sich Dinge wesentlich verändern, neu und anders werden, eine Gnadenzeit. Und erst im Rückblick zeigt sich klar und deutlich, dass es richtig war und sich stimmig anfühlt.

Aufgewachsen bin ich in einer normalen katholischen Familie – Gottesdienstbesuche an den Feiertagen, Gräbersegnung zu Allerheiligen, aber auch die Suche nach dem Mehrwert. Meine Zeit als Ministrant habe ich in guter Erinnerung: Das Geheimnisvolle, Fremde, Besondere als Kind zu erleben – es zwar nicht zu verstehen, aber es zu erleben, das ist etwas Unvergessliches. Ich erinnere mich auch daran, dass ich den katholischen Religionsunterricht sehr gerne besuchte, immerhin treu bis zur Matura – einen Unterricht, der mich sehr interessierte und der in meinem Schulalltag eine besondere Rolle spielte. Denn da wurden Fragen des Lebens und Glaubens angesprochen, die auch meine Fragen waren – und ich muss gute Religionslehrer gehabt haben, auch wenn die Erinnerung an sie heute verblasst ist. Da war wohl eine tiefe religiöse Sehnsucht, die schon in meiner katholischen Zeit stark war, aber in ihr nicht erfüllt wurde.

Bald schon fingen mein evangelischer Freund und ich an, den Jugendkreis der Pfarrgemeinde zu leiten und auch sonst in der Gemeinde mitzuarbeiten. Und faszinierend – niemand fragte danach, ob ich denn evangelisch sei. Es wurde entweder stillschweigend angenommen, oder man sprach einfach nicht darüber, weil es nicht wichtig war. In dieser Zeit wurde mein Kontakt zum damaligen evangelischen Pfarrer immer enger. Er imponierte mir sehr als Mensch und Pfarrer mit seiner Familie. Ich begann, ernsthaft darüber nachzudenken, ob ich nicht vielleicht auch Pfarrer werden könnte. Von Anfang an war klar, dass ich mir nicht vorstellen konnte, Priester zu werden. Warum, das kann ich eigentlich gar nicht sagen. Es war mehr ein unbestimmtes Gefühl als ein reflektiertes Wissen. Vielleicht waren mir die Priester, die ich damals kannte, zu fern, zu wenig geerdet, zu wenig persönlich als Menschen erreichbar. Aber sicher bin ich mir nicht. Nur eines ist mir immer klar gewesen: Ich möchte heiraten, eine Familie gründen, Kinder haben, so wie der evangelische Pfarrer, den ich besser kennengelernt hatte – und so war es auch ein sehr pragmatischer Grund, der mir den Weg zur evangelischen Theologie und schließlich ins Pfarramt gewiesen hat.

Es begann ein langer Weg über den Zivildienst, die Sprachhürden Latinum, Graecum und Hebraicum zum Theologiestudium in Wien und Zürich. Inzwischen war ich auch „so nebenbei“ aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten und evangelisch geworden – wenig spektakulär, einfach logisch und konsequent, da ich zu diesem Zeitpunkt schon fünf Jahre sehr aktiv in der evangelischen Pfarrgemeinde mitarbeitete. Wenn ich das heute, 40 Jahre später, reflektiere, merke ich: Es war wohltuend, damals keinerlei Druck von irgendeiner Seite gespürt zu haben, so nach dem Motto: „Jetzt musst du aber schon evangelisch werden.“ Es waren auch diese Weite und Offenheit, die mich bewusst oder unbewusst in meinem Weg bestärkten. Ich wusste – besser: Ich spürte, ich hatte Heimat gefunden in der evangelischen Kirche und in der Pfarrgemeinde in Innsbruck. Ich ging also nach Wien und wurde Student der evangelischen Theologie. Für mich noch heute faszinierend: Gerade in dieser Zeit habe ich die katholische Theologie und Kirche richtig kennen- und besser verstehen gelernt – egal, ob im Fach Kirchengeschichte, in dem mich Personen wie Franz von Assisi genauso faszinierten wie ein Dietrich Bonhoeffer, oder in der Beschäftigung mit Personen und theologischen Fragen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte bis hin zum Mönchtum, das von jeher eine große Faszination auf mich ausübte. Vieles Katholische begann ich jetzt auf einmal zu verstehen, bewusst zu achten und zu schätzen, aber auch kritisch zu betrachten (wie z. B. die hierarchischen Strukturen in der römischen Kirche, die mich bis heute befremden, und ich bin stolz auf die manchmal mühsamen demokratischen Strukturen unserer Evangelischen Kirche A.B. in Österreich). Und mir wurde immer bewusster, dass es ein Evangelisch-Sein ohne intensive Beschäftigung mit dem Katholischen gar nicht geben kann. Diese kritisch-wertschätzende Auseinandersetzung konnte ich in meinem Studium führen, und sie ist mir geblieben – bis heute.

Und dennoch war es das typisch Evangelische, das mich in den Bann gezogen hat: das intensive Studium des Alten und Neuen Testaments. Das kritische Lesen biblischer Texte hat mich fasziniert und bis heute ist (fast) jeder biblische Text für mich immer wieder neu beglückend und fordernd zugleich. Mich dem biblischen Text auszusetzen, ihn zu verinnerlichen, ihn mehr und mehr zu begreifen und einen Weg zu suchen, ihn für andere Menschen hör- und verstehbar zu machen, gehört zu den schönsten Herausforderungen für mich als Mensch und Pfarrer.

Vielleicht gehört es auch gerade zu meiner Geschichte, dass ich gleich zu Beginn meines Studiums meine erste Frau kennenlernte, die selbst Theologin und Tochter eines evangelischen Pfarrers ist. So habe ich evangelisches Leben und evangelische Kirche in sehr positiven und vielfältigen Formen kennengelernt, die mich in meinem Evangelisch-Werden sehr geprägt haben.

Seit mehr als dreißig Jahren bin ich als evangelischer Pfarrer tätig. Eine schöne, lange und erfüllte Zeit, in der ich den Segen Gottes in vielfältiger Weise erleben durfte und – so hoffe ich jedenfalls – auch zum Segen für einzelne Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen wurde. In diese Zeit fallen auch unzählige Begegnungen mit katholischen Priestern, unzählige ökumenische Feiern in Schulen, in der Öffentlichkeit, bei Trauungen und Begräbnissen. „Ökumene XL“ habe ich in den letzten 30 Jahren erlebt. So erinnere ich mich zum Beispiel an Schulweihnachtsfeiern, bei denen wir die Schüler mit unseren Sketcheinlagen zum Lachen und zum Nachdenken gebracht haben, oder an gemeinsame Trauungen, wo die Hochzeitsgäste über das selbstverständliche gute Miteinander so erstaunt waren, dass sie manchmal fragten: „War das jetzt evangelisch oder katholisch?“

Fast immer waren diese gemeinsamen Gelegenheiten ein Miteinander. Wir versuchten, durch unseren gemeinsamen Einsatz Wege zu finden, damit Menschen etwas von der Nähe Gottes spüren konnten – egal, ob auf dem Friedhof oder bei der „Segnung“ einer Bank. Wir wollten zum Nachdenken anregen, auch herausfordern, aber über allem: den Menschen Gottes Segen zusprechen. Nie wurde mir das Gefühl vermittelt, ich als Konvertit sei weniger wert, man nehme mich nicht ganz für voll oder sehe mich gar als abtrünnig – nie hat mich dieses Gefühl beschlichen. Viele Freundschaften mit katholischen Geistlichen haben sich entwickelt und halten bis heute, und wir sind nicht nur freundschaftlich miteinander verbunden, sondern führen manch theologisches Streitgespräch und lernen immer wieder voneinander im Hören und Argumentieren vom Anderssein des anderen. Ich denke an ökumenische Fahrten nach Rom, Assisi oder zu den Waldensern, bei denen viel Raum war, den jeweils anderen in seinem eigenen konfessionellen Denken und religiösen Empfinden zu erleben, manchmal schmerzlich, manchmal aber auch befreiend offen. Immer wieder fanden wir zusammen, beteten und feierten miteinander und kamen einander näher, auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren.

Und – dessen bin ich mir ganz sicher: Ich habe mein evangelisches Selbstverständnis gefunden. Nach wie vor ist die Bibel für mich das Zentrum, dem ich mich immer wieder neu zuwende – und das nicht nur, wenn es um das Vorbereiten einer Predigt geht. Auch unser evangelischer Gottesdienst. Er ist mir lieb geworden und diese Liebe wächst mit meinem Lebensalter. Es sind nicht nur die vertraute Form, die bekannten Lieder, es ist auch die zentrale Stellung der biblischen Botschaft, die ich höre und hörbar machen kann. Bereichert durch immer mehr „sinnliche“ Momente ist der Gottesdienst für mich Ort der Gottesbegegnung in einem besonderen Raum zu einer besonderen Zeit. So sehr ich mich freue, ökumenische Gottesdienste zu feiern, so sehr genieße ich es, mich hineinfallen zu lassen in meinen vertrauten Gottesdienst. Er ist mir Heimat geworden in seiner Geradlinigkeit. In unseren einfacheren und manchmal kargeren Gottesdiensten spüre ich das sola gratia, diese bedingungslose Liebe Gottes zu uns Menschen, die mir im katholischen Gottesdienst oftmals durch die priesterlich-liturgische Überhöhung schwerer erkennbar scheint. In den letzten Jahrzehnten habe ich erlebt, dass die Feier des Abendmahls in unseren evangelischen Gottesdiensten immer mehr ins Zentrum gerückt ist, dass immer öfter Abendmahl gefeiert wurde und wird. Ich spüre, dass meine katholische Vergangenheit doch noch sehr stark vorhanden ist und sich nach regelmäßigem Abendmahl sehnt, und bin froh, dass Wort und Sakrament im evangelischen Gottesdienst auch in der Praxis gleichrangig nebeneinander Raum finden – eine gute Entwicklung, die mir ein großes Anliegen war und ist.

Dennoch fahre ich seit Jahren immer wieder in ein benediktinisches Kloster ins Salzkammergut, um innezuhalten, einen Wüstentag einzulegen, mich ins Stundengebet der Mönche zu vertiefen, mich mit meinem geistlichen Begleiter zu treffen. Ich tauche gerne ein in diese Jahrhunderte alte Tradition, die nicht nur unsere Kultur geprägt, sondern auch immer wieder Menschen verändert hat. Das treue Gebet Tausender Menschen tagtäglich rund um den Globus hat etwas geheimnisvoll Schönes, Wertvolles, macht Hoffnung und Mut, dass diese Welt anders sein und werden kann – durch das Beten und Tun vieler! Diesen alten guten Geist zu spüren, diese spirituelle Kraft zu erleben und zu teilen, tut mir gut – vielleicht ein Stück meiner alten katholischen Existenz, die nach Nahrung sucht und sie dort findet; vielleicht ein Zeichen dafür, dass wir in unserer evangelischen Kirche Wege suchen müssen, Menschen auf ihrer Suche nach Spiritualität zu begleiten und ihnen Angebote an die Hand zu geben, die ihnen helfen, ihren Glaubensweg zu finden und gehen zu können. Gerade in der katholischen Kirche gibt es hier ein breites Angebot, das wir nicht zu kritisch betrachten, sondern für uns nutzbar machen sollten. Der ganzheitliche Blick auf den Menschen wird immer wichtiger. Ich denke zum Beispiel an die steigende Beliebtheit von Pilgerwegen und freue mich darüber, dass es nicht nur den Jakobsweg gibt, sondern auch den Weg des Buches. Oder darüber, dass es ein evangelischer schwedischer Bischof war, der vor 22 Jahren die „Perlen des Glaubens“ erfunden hat, ein Gebetsarmband als ganzheitliche Lebens-, Glaubens- und Gebetshilfe. Solche ganzheitlichen Angebote brauchen wir in der evangelischen Kirche, die lange in der Gefahr stand, „nur“ oder in erster Linie etwas für Kopfmenschen zu sein. Ich bin überzeugt davon, dass ich ohne meine katholische Vergangenheit diesen evangelisch-kritischen und zugleich katholisch-offenen Blick nicht haben würde – und ich bin darüber sehr froh.

Es erscheint mir nun fast konsequent, dass mich mein Weg in der „Ökumene XL“ als Klinikseelsorger ins „Heilige Land Tirol“ in ein Team von 15 katholischen Theologen und Priestern mit mir als einzigem evangelischem Theologen/​Pfarrer geführt hat. Ich bin im Team voll anerkannt, geschätzt und gewürdigt und werde immer wieder um meine evangelische Meinung gefragt. Meine katholischen Kolleginnen und Kollegen wissen, dass ich Konvertit bin, und es stört sich auch hier niemand daran. Ganz im Gegenteil: Ich erlebe, dass es oft spannende ökumenische Diskussionen gibt, dass es meinen katholischen Kolleginnen und Kollegen guttut, wenn ich meine evangelische Stimme, die auch eine Stimme der Minderheit ist, erhebe und wir miteinander feiern und beten, gerade auch in unserer Verschiedenheit. Wie gerne bringe ich mich ein bei dem oft geäußerten Wunsch, in einem ökumenischen Gottesdienst zu predigen, das Wort Gottes auszulegen, das die katholischen Kollegen immer noch gerne „uns Evangelischen“ überlassen, weil wir das ja so gut können – aber nicht nur deshalb, sondern weil ich gelernt habe, es gut zu tun, und weil ich es einfach gerne verkündige.

Und – es ist gut zu sehen, wie viele meiner katholischen Geschwister kritisch zu ihrer Kirche stehen und dies auch äußern. Diese kritische Liebe fasziniert mich: Die eigene Kirche zu lieben, in ihr zu wirken und sie gleichzeitig mit sehr kritischen Augen zu betrachten – das finde ich aufregend, das ist für mich auch ein Stück Reformation heute in der katholischen Kirche. Diese kritische Einstellung teile ich oft mit ihnen, habe meine Anfragen z. B. an das katholische Amtsverständnis und die Hierarchie. Gleichzeitig spüren wir, dass wir miteinander unterwegs sind auf derselben Straße – hin zu den Menschen und ihren Nöten und um Wege zu suchen, damit mehr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung möglich werden.

Wenn ich diese Zeilen schreibe, dann merke ich, wie viele Momente in meinem Leben zusammenspielen, mich geprägt haben, mich verändert haben und dies immer noch tun. Und das ist gut so! Ich bin auf dem Weg, immer noch ein Suchender und Fragender. Nicht, weil ich meinen Ort und meine Heimat nicht gefunden hätte. Nein! Ich bin evangelisch und das aus vollem Herzen. Aber ich merke, dass es da noch viel mehr und Größeres gibt als konfessionelles Bewusstsein.

So bin ich mir meiner Wurzeln bewusst, will und kann sie nicht verleugnen, aber ich darf weiterwachsen in eine Weite und Offenheit hinein, weil Gottesbegegnung und Menschsein so vielfältig sind wie die Kirchen, in denen sie erlebbar und erfahrbar sind.

KLAUS NIEDERWIMMER, geboren 1956 in Innsbruck; Volksschule und Hauptschule in Innsbruck, Matura an der Handelsakademie 1976; Zivildienst in Gallneukirchen; Studium der evangelischen Theologie in Wien und Zürich; Vikariat in Wallern, Oberösterreich; Pfarrer von 1985 bis 1999 in Spittal an der Drau, anschließend in Unterhaus und Weiz, dann Pfarrer in Klagenfurt Johanneskirche, von 2005 bis 2014 Pfarrer in Salzburg, nördlicher Flachgau; halbjähriges Sabbatical in verschiedenen Pfarrgemeinden in Südschweden; seit 2014 Klinik- und Gefängnisseelsorger in Innsbruck.


Stefan Fleischner-Janits


Allein aus Gnade

Ob ich am Karfreitag in ihren Gottesdienst kommen könnte? Ich kann mich noch genau erinnern, wie aufgeregt ich war, als ich die Pfarrerin der evangelischen Nachbargemeinde gefragt habe, ob ich diesen Feiertag in und mit ihrer Gemeinde feiern dürfe. Vor dem Eingangstor des Evangelischen Gemeindezentrums Arche in Wien-Simmering wartete ich nervös das Ende des Gründonnerstagsgottesdienstes ab, um dann mit schlottrigen Beinen und Herzklopfen Pfarrerin Gerda Pfandl anzusprechen. Ich kam gerade aus der Gründonnerstagsmesse meiner römisch-katholischen Pfarre St. Benedikt, die nur wenige Schritte neben dem mittlerweile verkauften Gemeindezentrum Arche liegt.

In meiner Erinnerung war Pfarrerin Pfandl etwas überrascht von meinem Wunsch, kannte sie mich doch als aktives Mitglied der katholischen Nachbargemeinde. Zu meiner Freude stimmte sie aber sofort zu, freute sich wohl auch ein bisschen und erklärte mir gleich, dass ich als römisch-katholischer Christ selbstverständlich am evangelischen Abendmahl teilnehmen dürfe.

Als ich am nächsten Tag den Karfreitagsgottesdienst besuchte, war ich natürlich auch aufgeregt: ein ungewohnter Kirchenraum, unbekannte Menschen, ein Gottesdienst, der mir nur wenig vertraut war. Zwar hörte ich zu dieser Zeit regelmäßig die evangelischen Gottesdienste auf Ö1 am Sonntagabend, dennoch war vieles fremd und neu für mich. Aber bereits wenige Minuten, nachdem die Glocke den Gottesdienst eingeläutet hatte, wich die Nervosität. Die konzentrierte Liturgie, die schönen Lieder und die ruhige Atmosphäre zogen mich in ihren Bann. Bereits dieser erste Gottesdienst überzeugte mich nachhaltig. Mir war sofort klar: Ich möchte jetzt eigentlich nur noch auf diese Art und Weise Gottesdienst feiern und nicht mehr anders.

Selbstverständlich hatte ich mich schon vorab mit dem Protestantismus beschäftigt. Ich hatte mich, so gut es mir möglich war, in Büchern und im Internet über die evangelischen Kirchen informiert. Ich erinnerte mich an meine Schulzeit und an die ökumenischen Veranstaltungen, die in unserer Schule von den katholischen Religionslehrerinnen bzw. -lehrern und der evangelischen Pfarrerin Lydia Burchhardt gestaltet wurden: die Rorate-Andachten in der Adventzeit, die Andachten in der Fastenzeit, aber auch die gemeinsamen Orientierungstage. Eines jedoch fehlte mir noch: der Besuch eines evangelischen Gottesdienstes.

Bereits sehr früh habe ich mich mit religiösen Fragen beschäftigt, obwohl ich aus einer wenig religiösen Familie komme. Erstmals in Kontakt mit Kirche kam ich in der Volksschule in Wien-Simmering im katholischen Religionsunterricht. Ich weiß nicht mehr genau, was mich so sehr an Glaube und Kirche begeistert hat, aber ich habe gleich Feuer gefangen für die Geschichten, die erzählt wurden. In der zweiten Klasse Volksschule nahm ich an der Erstkommunionsvorbereitung teil, besuchte nach der Erstkommunion die Jungschar und war Ministrant. Ich erlebte meine katholische Pfarre in Kaiserebersdorf als offen und lebendig und traf auf freundliche und engagierte Menschen, die sich um uns Kinder und Jugendliche bemühten. Mir gefielen die Messen an den Wochentagen und am Sonntag. Von Anfang an fühlte ich mich in der Kirche wohl. Und ich ging nicht nur gerne in die Kirche; ich interessierte mich bereits in jungen Jahren für religiöse und – im Nachhinein kann ich sagen – auch für theologische Fragen. Dieses Interesse steigerte sich in der Unterstufe des Gymnasiums und erreichte einen ersten Höhepunkt während der Firmvorbereitungszeit. Eine Zeit, die ich nutzte, um mich noch einmal intensiv – soweit man das in diesem Alter kann – mit religiösen Fragen zu beschäftigen. Zwei Themen waren es, die mir damals schon Kopfzerbrechen bereiteten. Mir war völlig unverständlich, warum wir im Glaubensbekenntnis von der „heiligen katholischen Kirche“ sprachen. Heute weiß ich natürlich, dass damit nicht die römisch-katholische Amtskirche gemeint ist. (Im anglikanischen Gottesdienst habe ich kein Problem damit, wenn im Glaubensbekenntnis von der „holy catholic church“ gesprochen wird.) Aber damals kam es mir komisch vor, und ich tat mir mit der Formulierung schwer. Ich konnte nicht begreifen, warum ausgerechnet diese eine Kirche „heilig“ sein soll, und fand es unpassend, dass ausgerechnet hier die eigene Kirche hervorgehoben wird. In der Konsequenz ließ ich über einen längeren Zeitraum beim Glaubensbekenntnis in der Messe diese Zeile aus und schwieg stattdessen.

Noch viel schwerwiegender war, dass ich am Weihesakrament und allem, was damit zusammenhängt, zweifelte. Mir leuchtete einfach nicht ein, warum nur wenige Auserwählte in der Lage sein sollten, einem Gottesdienst vorzustehen. Warum sollte es nicht möglich sein, dass irgendjemand aus unserer Mitte der Eucharistiefeier vorsteht? Wenn Jesus im Johannesevangelium sagt: „Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun“ (Joh 14,14) – warum sollte das nicht auch bei der Eucharistiefeier gelten? Warum sollte Gott nur dann das Brot und den Wein wandeln, wenn ein geweihter Priester darum bittet? Warum sollte das nicht möglich sein, wenn ein „einfacher“ Christ das tut?

Dass ich damals mit vierzehn Jahren noch nicht evangelisch wurde, liegt wohl daran, dass ich andere Kirchen einfach nicht am Schirm hatte. Trotz meiner Zweifel an diesen beiden Dingen war eine Konversion zu einer anderen christlichen Konfession überhaupt kein Thema. Das sollte sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern. Während der Oberstufe des Gymnasiums war ich in meiner katholischen Pfarre in unterschiedlichen Bereichen tätig. Ich habe bei den Ministranten mitgeholfen, ich war Firmbegleiter und habe mich auch sonst immer wieder in unterschiedlichen Arbeitsbereichen engagiert. Als liberaler Katholik, der mit der Amtskirche nicht in allen Punkten einer Meinung war, aber trotzdem mit beiden Beinen in der römisch-katholischen Kirche stand. Meine Überzeugung war: Ich muss mich innerhalb der Kirche für Anliegen einsetzen, die mir wichtig sind – für einen anderen Umgang mit Sexualität, eine positive Sicht auf Homosexualität, einen barmherzigeren Umgang mit Geschiedenen, die Zulassung von Frauen zum Priesteramt.

Wann genau ich erstmals mit dem Gedanken spielte zu konvertieren, kann ich nicht mehr auf den Tag genau festmachen. Ich weiß nur, es war in meinem ersten Studienjahr. Ich hatte katholische Fachtheologie an der Universität Wien inskribiert, ein Studium, das mir sehr viel Freude bereitete, nicht zuletzt auch, weil ich viele nette Studienkolleginnen und -kollegen kennenlernte. Und trotzdem kamen in mir immer mehr Zweifel auf und auch meine alten Vorbehalte dem Weihesakrament gegenüber tauchten wieder auf. Ich wurde unglücklicher und unglücklicher mit der katholischen Lehre, mit meinem katholischen Glauben. Je bewusster mir wurde, dass ich mit dem, was ich an der Uni hörte, immer weniger anfangen konnte, umso klarer wurde mir, dass ich mich nach einer Alternative umzusehen hatte. In der römisch-katholischen Kirche sah ich für mich keine Zukunft mehr – auch weil ich wusste, dass ich eines Tages beruflich mit Kirche und Religion zu tun haben will. Ich weiß nicht, ob all diese Fragen ähnlich relevant für mein Leben geworden wären, hätte ich mich für eine andere berufliche Laufbahn entschieden. Hätte ich mich ganz meinem Psychologiestudium gewidmet, das ich gleichzeitig mit dem Studium der katholischen Fachtheologie begonnen hatte, wäre ich vielleicht heute noch katholisch. So aber musste ich mir ernsthaft Gedanken machen, wie es weitergehen sollte. Dabei ging es mir nicht viel anders als den meisten Österreicherinnen und Österreichern: Von den evangelischen Kirchen hatte ich so gut wie keine Ahnung. Was ich kannte, waren in erster Linie Vorurteile, die mit der Realität wenig bis gar nichts zu tun hatten. So sehr ich auch evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer, die ich bis zu dem Zeitpunkt kennengelernt hatte, schätzte – auf den ersten Blick war die evangelische Kirche keine Alternative für mich. Nicht zuletzt aufgrund des evangelischen Verständnisses der Eucharistie, wie es mir im katholischen Religionsunterricht vermittelt worden war. „Bei den Evangelischen ist das alles nur symbolisch gemeint“, so das gängige Vorurteil. Das war mir als gutem Katholiken natürlich viel zu wenig. Eine Kirche, die „nur symbolisch“ Abendmahl feiert, damit konnte ich nichts anfangen.

Das Thema ließ mich trotzdem nicht mehr los. Ich begann, mich intensiver mit der Reformation, mit evangelischen Kirchen und protestantischer Theologie zu beschäftigen: Wie war das eigentlich mit Luther, Zwingli und Calvin? Wie verstanden sie das Abendmahl? Und warum gibt es nur zwei Sakramente und keinen Papst in der evangelischen Kirche? Noch bevor ich ganz zurückhaltend und schüchtern anfragte, „ob-ich-denn-wohl-einmal-vielleicht-wenn-es-denn-möglich-sei“ einen evangelischen Gottesdienst besuchen dürfe, hatte ich mich damit auseinandergesetzt. Dabei hatte ich viel gelernt, Erstaunliches gelesen und meine Vorurteile auf den Prüfstand gestellt.

Den Entschluss, die Kirche zu wechseln, fasste ich schließlich wegen eines ganz bestimmten Punktes. So sehr ich davon begeistert war, dass evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer heiraten dürfen, dass Sex vor der Ehe nicht unbedingt eine Sünde ist, dass Homosexualität nicht gleich direkt in die Hölle führt und auch Frauen alle Ämter offenstehen – überzeugt hat mich letztlich, ganz klassisch, die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnade durch den Glauben. Oder anders, vereinfacht gesagt: Ob ein Mensch nach seinem Tod in den Himmel kommt, entscheidet sich nicht nach dem, was er auf Erden getan hat oder unterlassen hat. Gott ist kein Buchhalter, der am Ende Bilanz zieht und Verstorbene dann zu sich nimmt, wenn die Zahl der guten Taten jene der bösen Taten übersteigt. Sondern Gott nimmt Menschen zu sich allein aus Gnade, darauf dürfen wir vertrauen, daran können wir glauben. So schrieb es Paulus in seinen Briefen. Eine Botschaft, die von den Reformatoren im 16. Jahrhundert wiederentdeckt wurde.

Mich überzeugte die Rechtfertigungslehre sofort. Nicht, weil ich befürchtete, in der Hölle zu landen. So viel Gottvertrauen hatte ich schon, auch wenn ich alles andere als heilig und perfekt bin. Aber weil diese frohe Botschaft so ganz und gar nicht in unsere Welt passen will und wunderbar paradox ist, fasziniert sie mich. Gott liebt uns, ohne etwas von uns zu verlangen. Ohne dass wir etwas leisten müssten. Er nimmt uns an, so wie wir sind, mit unseren Fehlern und Schwächen.

Freundinnen und Freunde in meinem Alter, aber auch ich selbst, blicken verzweifelt auf ihre Lebensläufe: Habe ich genug Ausbildungen? Sollte ich noch ein Studium dranhängen? Gibt es Kurse, die ich unbedingt machen muss, um beruflich nicht auf der Strecke zu bleiben? Reichen meine Referenzen beim Bewerbungsgespräch? Für Gott jedenfalls reichen sie. Aber auch in Bezug auf andere Religionen: Ich habe den Eindruck, dass immer etwas verlangt wird und man irgendwie verantwortlich für sein Heil ist. Wer lang genug meditiert, wird die Erleuchtung erlangen. Wer wallfahren geht und regelmäßig betet, wird in den Himmel kommen. Wer Armen hilft oder andere Menschen zum Herrn Jesus bekehrt, darf sich die notwendigen Pluspunkte von Gott erhoffen. Mir persönlich ist das alles viel zu menschlich, es entspricht mir zu sehr der menschlichen Logik von „Eine Hand wäscht die andere“ und „Hilfst du mir, helf ich dir“. Nein, Evangelisch-Sein ist anders: Du musst dir dein Heil nicht verdienen, du kannst dir dein Heil nicht verdienen. Vertraue nur auf Gott. Setze deinen Glauben auf ihn. Damit ist auch schon alles getan.

Mich persönlich überzeugt die eben beschriebene Rechtfertigungslehre noch aus einem zweiten Grund: Weil sie meiner Vorstellung von Liebe entspricht – einen anderen Menschen ganz und gar annehmen, so wie er ist, unabhängig davon, was er tut oder nicht.

Als ich mich das erste Mal mit der Rechtfertigungslehre, dem Herzstück evangelischen Glaubens, beschäftigt habe, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das ist es! Damit hatte ich die Tür zum Katholizismus, der an einer Mitwirkung des Menschen zu seinem Heil festhält, ein für alle Mal zugeworfen. Ich war von einem Moment auf den anderen evangelisch geworden, auch wenn auf meinem Taufschein noch etwas anderes stand.

In den katholischen Vorlesungen hatte ich von da an ein ungutes Gefühl. Ich fühlte mich nicht mehr wohl in den Hörsälen der katholischen Fakultät, etwas hatte sich verändert. Ich hatte meinen Studienkolleginnen und Studienkollegen gegenüber ein schlechtes Gewissen. Denn ich wusste, dass ich irgendwie nicht mehr dazugehörte, innerlich hatte ich mich neu orientiert.

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Litres'teki yayın tarihi:
22 aralık 2023
Hacim:
158 s. 15 illüstrasyon
ISBN:
9783990404560
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Telif hakkı:
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