Kitabı oku: «Der rote Champion»

Yazı tipi:

Marie Madeleine

(Baronin von Puttkamer)

Der rote Champion

Inhaltsverzeichnis

I. Kapitel

II. Kapitel

III. Kapitel

IV. Kapitel

V. Kapitel

VI. Kapitel

VII. Kapitel

VII. Kapitel

VIII. Kapitel

IX. Kapitel

X. Kapitel

XI. Kapitel

XII. Kapitel

XIII. Kapitel

XIV. Kapitel

XV. Kapitel

XVI. Kapitel

XVII. Kapitel

XVIII. Kapitel

IX. Kapitel

Impressum

I. Kapitel

»Sag’ mal, wer sind denn die beiden süßen Mädel?« fragte der blonde Kerkow von den Kronprinzhusaren den neben ihm stehenden Kürassier.

»Nanu, das weißt du nicht?« sagte dieser erstaunt.

»Woher soll ich’s denn wissen?« — des langen Kerkow Stimme klang ungeduldig, — »ich bin doch das erste Mal auf diesem schönen Provinz-Rennplatz. Woher soll ich denn eure Lokalbeautés kennen, cher cousin?«

»Aber das ist doch die Turfkomtess, das ist doch Thea Dahlweg,« sagte der Kürassier.

»Ach nee,« rief der Husar überaus interessiert und warf das Monocle ins Auge.

»Darum wundere ich mich doch gerade, dass du sie nicht kennst. Sie begleitet ihren Vater doch auf alle Rennplätze.« —

»Ja, ahnst du denn überhaupt, seit welch undenklichen Zeiten ich auf keinem Rennplatz mehr war,« sagte der Husar betrübt, »die Kriegsakademie war mein Verderb. Da sitzt man nun drei Jahre und ochst, und nachher ist es noch sehr die Frage, ob man überhaupt in den Generalstab kommt! Doll! — — — Und dick bin ich geworden bei der Stubenhockerei!

Was glaubst du denn, was ich jetzt für ein Gewicht in den Sattel bringe. Unter 75 Kilo kann ich überhaupt nicht reiten.« —

»Na, du kannst dich ja wieder dünn hungern!« tröstete der Kürassier.

»Und ich kenne ja keinen Menschen mehr!« klagte Kerkow weiter, »nicht mal die Turfkomtess, von der ihr alle immer so viel redet. Als ich auf Akademie kam, war sie wohl noch ein Baby. Wie alt mag sie denn sein?« .

»Achtzehn oder neunzehn.« — — »Herrgott, wie nett! Stell mich doch vor. Wer ist denn die Braune, mit der sie geht?«

»Das ist ihre Cousine, ein Fräulein von Nordstetten. Ein sehr nettes, ulkiges Mädchen. Sie interessiert sich auch für Sport, — aber sie tut es so mehr par genre; sie hat nicht so viel Pferdeverstand wie die Komtess. Übrigens sehen die beiden famos zusammen aus.«

Die beiden Offiziere sahen bewundernd zu den jungen Mädchen hinüber, die — von einem halben Dutzend Leutnants umgeben — an der Barriere standen.

Sie trugen beide hellblaue Batistkleider mit weißen à-jour-Stickereien, hellblaue Chiffonhüte, — und diese Gleichartigkeit der Kleidung ließ die große Verschiedenheit ihrer Gesichtszüge noch schärfer als sonst hervortreten.

Die Turfkomtess hatte Haare vom hellsten Blond, schwere Lider über kalten, blauen Augen; ihre Gesichtszüge zeigten die herbe, edle Schönheit, die man speziell in der norddeutschen Aristokratie findet. Die Unbeweglichkeit von Theas Gesicht, die gemessenen Bewegungen ihrer hohen, schlanken Gestalt bildeten einen scharfen Gegensatz zu dem ungestümen Wesen ihrer Cousine.

Alice von Nordstetten lachte sehr laut und zeigte dabei ihre leuchtenden Zähne; sie trug ihr goldbraunes Haar so lose aufgesteckt, dass hier und da eine Locke frei ins Gesicht hing; wie der verkörperte Übermut stand sie da, umspielt von den glühenden Sonnenlichtern des Julinachmittags.

»Ich freue mich rasend auf das Hohenhelm-Jagdrennen,« sagte sie zu dem hübschen Ulanen neben ihr, »ich mag überhaupt nur Herrenreiten leiden; bitte, holen Sie mir ein Ticket für diese 20 Mark.«

»Auf wen setzen Sie denn, gnädiges Fräulein?«

»Und Sie fragen noch?« klang es entrüstet zurück.

»Auf ,Feuerfest’, selbstverständlich.«

»Warum selbstverständlich?«

»Na, weil Borndorf ihn reitet.« —

»Ach so!« sagte der Ulan ironisch; eine Wolke von Unmut ging über sein Gesicht.

»Kein Gedanke, dass ,Feuerfest’ siegt,« mischte sich die Turfkomtess ins Gespräch, »der Handikapper hat ihm 76 ½ Kilo aufgebrummt.« —

»Na aber, wenn Borndorf ihn reitet?« erwiderte Fräulein von Nordstetten eigensinnig.

»Fliegen lassen kann Herr von Borndorf die Pferde auch nicht,« erwiderte Komtess Thea kühl, »übrigens — da du es noch nicht zu wissen scheinst — man setzt auf die Pferde und nicht auf die Reiter.« —

»Ich will aber auf Borndorf Sieg wetten.« —

Thea Zuckte die Achseln. »Tu, was du nicht lassen kannst.«

Fräulein von Nordstetten wandte sich von neuem dem hübschen Ulanenleutnant zu. »Bitte, Graf, besorgen Sie das Ticket. Wenn Sie es auch in Uniform nicht selbst dürfen, so kennen Sie gewiss Leute, die eins holen können.«

Der Angeredete verbeugte sich schweigend und ging.

Thea sah ihm nach, dann sagte sie mit unterdrückter Stimme zu ihrer Cousine: »Du machst dich geradezu lächerlich!« —

»Warum?« fuhr Alice auf.

»Erstens, sprich mal leise, es ist nicht nötig, dass wer anders uns hört. Nimm dich doch zusammen, Alice! Du sprichst ewig bloß von Herrn von Borndorf.«

»Aber ich schwärme doch für ihn!« —

»Das brauchst du doch nicht jedem auf die Nase zu binden.«

»O Gott, er ist zu süß!« seufzte Alice, »sieh bloß!« —

Mit leuchtenden Augen blickte sie einem der fünf Reiter entgegen, die — hart an der Barriere vorbei — zum Start aufgaloppierten.

Dieser eine war ein kleiner, schlanker Ulan, auf dessen hübschem Knabengesicht momentan ein sorgenvoller Ernst lag.

Seine Aufmerksamkeit war so gespannt auf die Hecke vor ihm konzentriert, dass er keinen Blick für Alice hatte, die ihm zärtlich-sehnsüchtig nachsah.

»Du, Thea, er hat mich gar nicht angesehen,« sagte sie tiefbetrübt. —

»Aber ich bitte dich, zwanzig Schritt vor einem Hindernis!« —

»Und so melancholisch sah er aus!« —

»Ja, weil er weiß, dass er’s mit ,Feuerfest’ nicht schaffen kann. Zu viel Gewicht! Ich sagte dir ja, du solltest nicht auf ihn wetten.«

Alice warf trotzig den Kopf zurück und nahm dann das Ticket entgegen, das ihr Graf Balz besorgt.

In diesem Augenblick gab eine Glocke das Zeichen, dass der Start gelungen. —

»,Feuerfest’ führt!« rief Alice strahlend.

In der Tat zeigte der braune Hengst, der sehr gut vom Start abgekommen war, den Weg, aber ,Queen Maud’, welche von einem Kronprinzhusaren gesteuert wurde, war ihm dicht an den Gurten.

Und schon vor dem Tribünensprung fiel ,Feuerfest’ zurück, und ,Tropenfieber’, der Schimmelwallach des Herzogs von Langenbruch rückte zu ‘Queen Maud’ auf, die er im Einlauf um eine Länge schlug.

»Wie schade, — o wie schade!« sagte Alice von Nordstetten, und zerrte nervös an der großen Schleife, die um den Stiel ihres Sonnenschirms geschlungen war.

Sie hörte kein Wort von der eifrigen Debatte zwischen ihrer Cousine und mehreren der Leutnants.

Sie sah nichts als den kleinen Ulanen auf dem braunen Hengst, in dessen Zügel eben der Trainer griff, um ihn langsam zur Waage hinunter zu führen…

»Bitte, wir wollen zur Waage!« flehte Alice ihre Cousine an.

»Aber was sollen wir denn da?« fragte die Turfkomtess erstaunt, »erstens muss ich Papa aus der Restauration abholen, und dann muss ich in die Box von ,sweet beast’; sie kommt im übernächsten Rennen.«

Die beiden jungen Mädchen schritten, von einigen der Leutnants begleitet, quer über den Sattelplatz mit dem sonnenverbrannten, spärlichen Rasen, auf ein großes Leinwandzelt zu, in welchem sich die Restauration befand.

Ein bunter Menschenschwarm hatte sich an den Holztischen drinnen niedergelassen; aber unter all den andern war Theas Vater eine so auffallende Erscheinung, dass sie ihn auf den ersten Blick herausfanden.

Graf Balz brach ihnen Bahn durch die dicht gedrängte Menschenmenge am Büffet, und einige Augenblicke später ließen sich die drei am Tische des Grafen Dahlweg nieder.

Theas Vater war noch heute ein vollendet schöner Mann. Der broncebraune Teint seines schmalen Gesichtes kontrastierte seltsam mit seinem weißen Haupthaar. Auch der nach englischer Mode bürstenförmig geschnittene kleine Schnurrbart war schneeweiß. Aber in des Grafen türkisblauen Augen — dem Erbteil seiner schwedischen Mutter — loderte noch immer das Feuer der Jugend; noch immer war in ihnen der heiße und feuchte Glanz, der so vielen Frauen gefährlich gewesen, — vielleicht es jetzt noch war...

»Na, nett, dass ihr euch endlich hier sehen lasst, Kinder,« hatte Graf Dahlweg zu seiner Tochter und zu seiner Nichte gesagt; »danke, lieber Balz, dass Sie die Mädels hierher begleitet. Sie nehmen doch auch ein Glas von dieser Bowle. Ich kann sie Ihnen dringend empfehlen. — Aber wer hat denn das Jagdrennen gemacht? ,Tropenfieber’? Sieh mal an! Na, da wird sich der Herzog freuen, — hatte ja ein tolles Pech, diese ganze Saison!« —

»Ich auch, Papa!« sagte Thea betrübt.

»Aber, liebstes Kind, mit deinen zwei Gäulen! Da kannst du wahrhaftig nicht viel verlangen. Sei froh, dass du so’n netten Papa hast, der dir überhaupt Rennpferde kauft!

Gott, da du so darauf branntest, — warum denn nicht? Aber schwere Klasse ist weder ,cousin’ noch ,sweet beast’.« —

»Sollte ,cousin’ nicht im Hohenhelm-Jagdrennen laufen?« fragte Graf Balz, indem er sich an Fräulein von Nordstetten wandte.

»Ja, mit Trostburg im Sattel, — der rote Husar.

Sie kennen ihn natürlich, — aber er hat seit vorgestern ein mulmiges Bein, — lachen Sie doch nicht so! Ich meine ja, der Gaul hat ein mulmiges Bein, — und da hat Thea Reugeld gezahlt!«

»Und ,sweet beast’?«

»Na, die kommt ja im nächsten Rennen.« —

Alice hielt dem Ulanen ihr Rennprogramm hin, in welchem die Worte ›Röbersdorfer Jagdrennen‹ angestrichen waren.

Unter den Pferden, die dieses Rennen bestritten, befand sich ,sweet beast’, die fünfjährige Schimmelstute der Gräfin Thea Dahlweg.

»Ich muss jetzt in die Box, Papa.« —

»Gut, ich komme mit.« —

Sie schritten alle vier bis zu den Holzverschlägen, in welchen die Pferde für das nächste Rennen gesattelt wurden.

Lächelnd klopfte Thea der Stute den Hals. — Sie standen dicht beieinander, die schlanke, weiße Stute und das schlanke, weiße Mädchen, beide goldübergossen von brennendem Julisonnenschein. — —

Da fiel ein Schatten über den Weg.

Ein großer, hagerer Kürassierleutnant verbeugte sich vor Thea und begrüßte dann die drei anderen.

»Ich habe mich im Interesse meiner Tochter recht gefreut, dass Sie ,sweet beast’ reiten, lieber Baron,« sagte Graf Dahlweg verbindlich. —

»Was man aus dem Gaul ’rausholen kann, werde ich schon ’rausholen!« erwiderte der Kürassier, indem er sich in den Sattel schwang und in den Kreis ritt, in welchem die anderen Pferde, die am nächsten Rennen teilnehmen sollten, schon bewegt wurden.

»Ich wusste gar nicht, dass der rote Champion Ihr Pferd reitet,« sagte Graf Balz zu Thea.

»Wer?« unterbrach Alice.

»Kennen Sie nicht Baron Hofs Spitznamen: ›der rote Champion,‹ so genannt wegen seiner impertinenten Haarfarbe und wegen seines Championats, das er in diesem Jahre zum dritten Male zu behaupten hat.«

»Diesmal wird Borndorf Champion,« rief Alice.

»Denkt nicht daran,« lautete Theas kühle Entgegnung, »dieses Rennen wird er allerdings gewinnen.« —

Sie betrachtete nachdenklich prüfend den großen Fuchshengst, auf dem Borndorf eben vorüberkam.

Zu Alicens größtem Entzücken grüßte dieses Mal der kleine Ulan.

Die Turfkomtess aber hatte nur Augen für sein Pferd.

»Sieh mal, Papa, wie wundervoll ,Rurik’ heute in Form ist. Und bloß 60 Kilo. Ich fürchte, er siegt im Handgalopp.« — .

»‘Sweet beast’ sieht heute auch sehr gut aus,« tröstete der Vater und wies auf die Schimmelstute, die eben vorbeikam.

Der Freiherr von Hof, der rote Champion, saß in nachlässigster Haltung im Sattel; sein hageres Gesicht mit den harten; blauen Augen trug einen unendlich gleichgültigen Ausdruck.

Er grüßte flüchtig herüber und ritt dann den anderen nach zum Start. — — —

Und dann standen die vier wieder an der Barriere, und mit fieberhafter Aufmerksamkeit wartete Thea auf das Zeichen des Starters. —

Endlich fiel die Flagge. Dicht geschlossen kam das Feld bis zum Tribünensprung; dann aber nahm ,Cayenne’ die Führung, und ihr Reiter, ein junger Dragoner, der sein erstes Rennen ritt, forderte sie zu einer Höllenpace auf, die nur zwei der übrigen Pferde akzeptierten, nur ,Rurik’ und ,sweet beast’.

Beim Torbeger Bogen fiel ,Cayenne’, vollständig ausgepumpt, zurück und — das übrige Feld weit hinter sich lassend — rasten ,Rurik’ und ,sweet beast’ auf gleicher Höhe dahin.

Beim Wassergraben aber, den Borndorf mit ,Rurik’ tadellos genommen hatte, machte ,sweet bieat’ einen Rumpler, der den roten Champion aus dem Sattel warf.

Theas Hand, die das Fernglas gehalten, fiel schwer hernieder.

Aus! — — Keine Chance mehr! — —

Ihre schimmernden Zähne gruben sich tief in ihre Unterlippe.

»Na, diesmal hat dein Borndorf gewonnenes Spiel!« sagte sie heiser zu ihrer Cousine.

»Du! Hof ist ja wieder im Sattel!« Alice schrie beinahe vor Überraschung.

Und durch die angestauten Menschenmassen ging ein wildes, verworrenes Rufen: »Hof!« »Der rote Champion.« Immer wieder wurde der Name des populärsten aller Herrenreiter geschrien, gebrüllt in allen Tonarten!

Und immer geringer wurde der riesige Abstand zwischen ,Rurik’ und ,sweet beast’.

Zwanzig Längen nur noch — — und schon waren es nur zehn — — — nur fünf.

Bei der letzten Hürde lag nur noch eine Länge zwischen ihnen, und dann warf Hof mit übermenschlicher Gewalt sein Pferd vor, Borndorf weit hinter sich lassend. — —

Und aller Augen sahen nur ihn, nur ihn, den roten Champion. Er hatte seine Mütze beim Sturz verloren; sein Haar hing ihm wie rotes Gold wirr in die Stirne hinein; aus einer Hautwunde an seiner linken Wange floss ihm ein breiter Streifen Blut am Gesicht herunter. Man sah nur ihn, — nur die weit ausholende Handbewegung, mit der er die Peitsche auf den Gaul niedersausen ließ, — — immer wieder, — mit automatischer Regelmäßigkeit klatschte sie nieder auf den schweißtriefenden Pferdeleib, — — und immer wieder — und noch einmal — — und bis durchs Ziel! — —

Das aufgeregte Rufen schwoll brausend an, — wie ein Triumpflied auf den roten Champion war’s; — — dann aber drängte die Menge eilfertig auseinander, zur Restauration und zum Totalisator. — —

Die Turfkomtess stand regungslos an der Barriere; sie erwiderte nichts auf die vielen Glückwünsche, die ihr dargebracht wurden.

In ihrem totenblassen Gesicht leuchteten ihre Augen wie im Fieber.

Später, — — als die Glocke schon zum neuen Rennen läutete, ging sie allein in die Box von ,sweet beast’.

Die Stute lag, zum Tode erschöpft, auf der Erde; ihr Atem ging keuchend und stoßweise durch die weitgeöffneten Nüstern.

Thea schickte den Stallknecht fort, der im Begriff war, das Pferd abzuwaschen.

Sie blieb ganz allein mit dem röchelnden und erschöpften Tiere, dessen glatte Haut schweißbedeckt war, und an dessen Flanken das Blut hinunterrieselte.

»Von seinen Sporen, —« sagte die Turfkomtess wie im Traume vor sich hin, und sie legte ihre kühlen, weißen Hände auf die heiße, rote Wunde.

Das Pferd zuckte zusammen.

Da schlang ihm Thea beide Arme um den Hals, und ein tränenloses Schluchzen schüttelte ihren schlanken Körper wie ein Krampf. — —


II. Kapitel

Die Wagen, die vom Rennen kamen, bewegten sich in langer Reihe, den schlangenförmigen Windungen des Weges folgend, hinauf zum ›Imperial‹, dem Hotel, in dem ›man‹ das Renndiner zu nehmen pflegte.

Der Besitzer und der Direktor des Hotels standen schon zum Empfang bereit. Und sie kamen alle: — Mietswagen mit uneleganten Insassen, — ein paar anständig bespannte Jagdwagen von Gutsbesitzern aus der Umgegend, — das Automobil eines Kommerzienrats aus Berlin W., — der wundervolle Grauschimmel Viererzug des Prinzen Hachingen-Büttendorf, — das dogcart einer bekannten ›professional beauty‹, — die Krümperwagen der Kronprinzhusaren, deren Offizierskorps fast vollzählig aus der nahen Garnison herüber gekommen war, — alle diese so verschiedenartigen Gefährte fuhren langsam rechts um das Rasenrondell, in dessen Mitte ein Springbrunnen seine leuchtende Wassergarbe hoch in die blaue Luft hineinschleuderte, — hielten vor dem Portal und fuhren langsam weiter, nachdem die Insassen ausgestiegen.

Bald herrschte ein buntes Gedränge aus der Terrasse des Hotels.

Ein unruhiges Hin und Her entstand, bis jeder den ihm reservierten Tisch gefunden.

Dann begann die Melodie des Speisens anzuschwellen: eine schwirrende, lachende Unterhaltung, zu welcher das Klingen der Gläser, das Klirren der Messer und Gabeln, die geflüsterten Fragen der Kellner den Begleitakkord bilden.

Soweit man von der Terrasse aus sehen konnte, erblickte man sanft geschwungene Höhenzüge, von hohen, dunklen Tannen ganz überdeckt.

Der untergehende Sonnenball tauchte den ganzen Himmel in Glut und Glanz und warf einen rosigen Widerschein auf die schwatzende, essende Menge.

Nur eine war da, die nicht aß, nur manchmal wie im Traum den Sektkelch an die Lippen führte und geradeaus starrte — in die sinkende Sonne hinein.

Man sah der Gräfin Thea Dahlweg keine Freude an über den ersten Sieg ihrer Stute, und der rote Champion schien etwas verstimmt darüber zu sein.

Graf Dahlweg hatte ihn im Namen seiner Tochter, als der Besitzerin des siegenden Pferdes, für diesen Abend eingeladen.

Er saß Thea gegenüber.

»Sie sind mir wohl böse darüber, dass ‘sweet beast’ gesiegt hat?« fragte er sie in seiner brüsken Weise.

Und dann, als Thea keine Antwort gab, ereiferte er sich förmlich. »Das passt Ihnen wohl nicht, dass ich den Gaul tüchtig ’rangenommen habe? Na, mit Glacéhandschuhen anfassen, das ist nicht meine Manier. Wenn Ihnen meine Manier nicht passt, dann kann Ihnen ja wer anders Ihre Gäule reiten.«

Thea sprach noch immer nicht. —

»Aber Sie haben ja wundervoll geritten, lieber Baron,« begütigte Graf Dahlweg, »geradezu wundervoll.«

»Ganz kolossal!« bestätigten die beiden Leutnants, die noch mit am Tisch saßen, Graf Balz, der getreue Verehrer Alicens, und Herr von Meerenburg, ein Vetter der Dahlwegs, den man zufällig auf dem Rennplatz getroffen.

Doch die allseitige Anerkennung der Herren schien dem Freiherrn von Hof nicht zu genügen; mit seiner schneidenden, tiefen Stimme fuhr er fort: »Nee, nee, dann lasst doch wer anders reiten,« — und ein ironisches Lächeln verzog seinen Mund, »vielleicht Borndorf.« —

Alice, die bis dahin genauso schweigsam gewesen wie Thea, wiederholte »Borndorf« und seufzte.

Dann fuhr sie fort in ihrer interessanten Beschäftigung, nach einem der Nebentische hinüber zu sehen, an welchem in größerem Kameradenkreise Borndorf saß.

Der kleine Ulan saß und redete; wie ein lustig plätscherndes Bächlein floss ihm die Rede von den Lippen.

Einige der andern hörten ihm zu, andere widmeten sich ganz der Pfirsichbowle, oder plauderten miteinander.

Man konnte nicht sagen, dass der kleine Borndorf sich mit seinen Kameraden unterhielt, es war mehr ein Monolog zu nennen.

Und manchmal drangen Bruchstücke dieses Monologs zu Dahlwegs Tisch hinüber: — — »und da merkte ich gleich, er pullt sich tot,« oder »es war natürlich Blech„Mayflower’ von einem Dreikilojungen reiten zu lassen — —«

Mit schauerndem Entzücken lauschte Alice diesen Offenbarungen und nur mit Mühe unterdrückte sie einen Ausruf des Bedauerns, als Borndorf nach einem Blick auf die Uhr hastig aufsprang und sich zum Gehen rüstete.

»Nanu? Doch nicht schon jetzt?« fragte einer der Kameraden entrüstet.

»Jawohl, höchste Zeit, in die Klappe zu gehn,« sagte der kleine Ulan betrübt, »um viere muss ich auf die Bahn zur Morgenarbeit und ,Ach was’ ist einer der schwierigsten Gäule, die ich je geritten habe.«

»Trink wenigstens noch ein Glas zum Abschied.«

»Ach nee, mein Lieber, ich kenne das Höllische deiner Bowlenmischung gerade zur Genüge.« — —

Der andere hielt ihm lachend ein neu gefülltes Glas hin.

Borndorf kämpfte ein paar Augenblicke mit sich, aber er widerstand der Versuchung.

»Man muss sich auch etwas versagen können!« entschied er.

Herzlichen Abschied von den Kameraden, — ein Gruß zu Dahlwegs Tisch hinüber, — dann ging er.

Alice sah ihm nach, ganz versunken in süße Träume, aus denen sie recht unsanft durch den roten Champion geweckt wurde.

»Ich weiß nicht, was Sie an dem kleinen Idioten finden!« sagte er brüsk zu ihr.

Alice war tödlich beleidigt. Weniger dadurch, dass ihre Gefühle so rau ans Licht gezerrt wurden, als durch die geradezu entsetzliche Bezeichnung, mit welcher der Freiherr von Hof ihr Ideal bedachte.

»So — Idiot?« sagte sie empört, »es ist mir rätselhaft, wie Sie auf diese Bezeichnung kommen, Herr von Hof! Der spricht besser Französisch als Sie — — und englisch kann er auch ein bisschen, und Klavierspielen kann er auch, wenn auch nicht gerade sehr gut — —«

»Und tanzen kann er auch, und sogar singen tut er, wenn er gereizt wird!« ergänzte der rote Champion.

Fräulein von Nordstetten fand vor Empörung keine Worte mehr.

Aber die Turfkomtess mischte sich jetzt ins Gespräch.

»Ihre Art, über einen Kameraden zu sprechen, ist jedenfalls bemerkenswert, Baron!« sagte sie kühl.

Der rote Champion erwiderte nichts, aber er war blass geworden.

Ein ungemütliches und verlegenes Schweigen lagerte über der Gesellschaft, und die Stimmung hob sich erst dann, als Herr von Hof sich verabschiedet hatte.

»Grässlicher Mensch!« sagte Alice aus tiefster Seele.

Graf Balz stimmte ihr zu, sagte jedoch gleich darauf: »Aber ein kolossal schneidiger Soldat ist er jedenfalls.« —

»Und reitet wie ein Gott,« ergänzte Leutnant von Meerenburg bewundernd.

»Na, na, es gibt sicher bessere Reiter!« trotzte Alice.

»In Deutschland nicht!« mischte sich Graf Dahlweg ins Gespräch, »nein wirklich, Alice, das verstehst du nicht; er ist bestimmt unser bester Herrenreiter.

Und was sein wenig liebenswürdiges Wesen anbetrifft, so muss man eben die Geschichte seiner Jugend berücksichtigen.«

»Was für eine Geschichte?« fragte Alice neugierig.

»Nun — — — er hat seine Eltern früh verloren,« erwiderte Dahlweg mit leichter Verlegenheit und bemühte sich, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken.

Später, als seine Tochter und seine Nichte eifrig einer fabelhaften Jagdgeschichte des Grafen Balz lauschten, sagte er leise zu Meerenburg: »Kennst du eigentlich die Sache mit Hofs Eltern, Vetter?«

»Nein.«

»Es war ja auch lange vor deiner Zeit. Weißt du, Hofs Mutter war eine geborene Wetterau, eine Tochter von dem tollen Wetterau, der seine acht Güter verjeute. Na, da er ihr nichts anderes zu vererben hatte, so hat er seiner Tochter den Leichtsinn vererbt; als junges Mädchen ging es noch; sie hielt sich ganz gut, aber nachher, als Hof sie geheiratet hatte, ließ sie sich die Cour machen, dass es schon nicht mehr schön war. Ob sie nur flirtete oder ob sie sich wirklich gegen ihre Pflichten als Gattin verging, — wer will das entscheiden!

Jedenfalls nach einigen Jahren kam die Geschichte zum Klappen. Hof schoss sich mit einem Vetter seiner Frau, einem ganz jungen Kerl von den Kronprinzhusaren. Es war wohl weniger Absicht von dem kleinen Husaren als ein unglücklicher Zufall: — der Ehemann bekam eine Kugel in die Lunge und war in zwei Minuten tot. Schade! Hof war ein reizend netter Mensch.

Na, — was die Frau anbetrifft, so weiß man nicht, was aus ihr geworden ist. Sie ging nach Amerika, nachdem die Verwandten ihres Mannes ihr das einzige Kind korrekterweise weggenommen.

Dies Kind, der rote Champion, war damals höchstens fünf Jahre alt und verstand noch nichts von dieser schauderhaften Geschichte. Aber er hat sie wohl früh genug verstehen gelernt, — viel zu früh —

Und ich glaube, das hat den schlimmen Einfluss auf sein Leben gehabt. Wenn ein Mensch seine eigene Mutter verachten muss —«

Graf Dahlweg unterbrach sich.

Er hatte zu bemerken geglaubt, dass eine purpurne Röte in dem Gesicht seiner Tochter aufflammte.

Sollte sie etwas von seiner Erzählung gehört haben?

Aber nein! Sie war sicher viel zu wohlerzogen, um einem Gespräche zu lauschen, das nicht für ihre Ohren bestimmt war.

Und ihre Stimme klang so kühl wie immer, als sie ihrem Vater Gute Nacht sagte.

»Also um fünf gehen wir zur Morgenarbeit auf die Bahn. Ich werde bestellen, dass man dich um vier Uhr weckt, Papa.« —


III. Kapitel

Alice hatte noch ein paar Minuten lang von Borndorf phantasiert und war dann eingeschlafen.

Thea aber lag schlaflos in den Kissen und schaute durch das offene Fenster hinaus in die Mondnacht, die alles in Silberschein hüllte. Sie dachte an den roten Champion, an seine kalten Augen und an seine harte Stimme, an die tolle und sieghafte Art, mit welcher er heute das Rennen gewonnen hatte. Sie dachte an die Geschichte, welche ihr Vater heute dem Vetter Meerenburg erzählt hatte.

O, gewiss war es die schwere Sünde seiner Mutter gewesen, die den Freiherrn von Hof zu dem gemacht, was er war: zu einem Manne, dem nichts heilig war im Himmel und auf Erden! — Und plötzlich musste Thea an die Sage vom armen Heinrich denken, an jenen tapferen Ritter von der Aue, dem der Aussatz am Leben fraß. Nur durch den freiwilligen Opfertod einer reinen Jungfrau konnte er gerettet werden, nur durch ein Wunder. Und das Wunder kam, und die Liebe, die stärker ist als der Tod, heilte ihn von seinen Wunden und Schwären.

So wie der Aussatz am Körper des kranken Heinrich fraß, so fraß er an der Seele des roten Freiherrn.

Und diese arme Seele war so wund, war so voll böser Krankheit und Gebresten! Sollte nicht auch hier die Liebe das Wunder der Heilung vollbringen können? Theas Körper erschauerte in einem heißen Gefühl von Mitleid, von Opfersehnsucht, — von Liebe. —

Sie schlief nicht viel in dieser Nacht. Als die ersten Strahlen der Morgensonne durch das Fenster leuchteten, war sie schon vollkommen zum Ausgehen angekleidet.

»Lange warte ich wirklich nicht mehr,« erklärte sie strafend ihrer Cousine, welche sich nicht entschließen konnte, aufzustehen. Sie gähnte unaufhörlich und machte Thea Vorwürfe, dass sie sie aufgeweckt. »Ich träumte gerade so etwas Schönes von Borndorf,« schmollte sie.

»Aber du wirst ihn ja gleich in Wirklichkeit sehen, Alice; mach’ dich doch endlich fertig; wir sollen um 5 Uhr auf der Bahn sein und es ist schon halb.«

»Du sollst sehen, wir kommen noch zur Zeit, — wenn ich erst anfange, geht es wie der Blitz!«

Und Alice behielt Recht. Mit dem Schlage 5 Uhr betrat Graf Dahlweg mit seinen Damen die Rennbahn.

Die Morgensonne, die nur leuchtete und noch nicht brannte, übergoss das Gelände mit Strömen matt goldenen Lichtes. Über der am Tage so dürren Grasnarbe lag der feuchte, blitzende Schleier des Morgentaues. Der kleine See, links vom Torbeger Bogen, glänzte wie ein geschliffener Saphir; die fernen Höhenzüge mit ihren dunklen Riesentannen zeichneten sich in schwarzen zackigen Linien von dem hellen Blau des Himmels ab und gaben einen seltsam ernsten Rahmen für das in Sonnengold und Himmelsbläue getauchte Morgenbild.

»Wieviel hübscher es hier doch jetzt ist, als zum Rennen,« sagte die Gräfin Thea, »wie schön diese großen, ruhigen Flächen aussehen ohne die schwatzende, lärmende Menge. Und die wundervolle Frische in der Luft; sieh mal, wie die Gäule wittern.«

Dabei wies sie auf einen Trupp Pferde, welche, bandagiert und deckenverhüllt, von winzigen Stalljungen im langsamen Tempo um die Bahn geritten wurden.

»Ah, sieh mal, da kommt ‘Ach was’,« jubelte Alice.

»Seit wann erkennst du die Pferde auf so weite Entfernungen?« spottete Graf Dahlweg.

»Sie hat wohl auch weniger den Gaul erkannt, als den Dress des Reiters,« konstatierte Thea; »blauseidene Blusenhemden trägt zur Morgenarbeit doch bloß einer.«

Borndorf hatte sich inzwischen in scharfem Trabe genähert. Er winkte einem der herumstehenden Boys, welcher ‘Ach was’ beim Zügel ergriff, während sich der kleine Ulan blitzschnell aus dem Sattel schwang.

Er sah knabenhaft jung aus in seinen weißledernen breeches, dem hellblauseidenen Blusenhemd mit dem hohen weißen Stehkragen und der grauen Jockeymütze auf dem lockigen Haar. Alice fand innerlich, »er sehe so süß aus, wie noch nie,« und dieser Gedanke rief ein verlegen zärtliches Gefühl in ihr hervor, welches es ihr schwer machte, den fachmännischen Ausführungen ihres Ideals mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu lauschen.

Borndorf aber war ganz bei der Sache; höchst interessiert wies er auf einen großen Braunen, der eben im kurzen Galopp sein schönes Gangwerk präsentierte.

»Sehen Sie, gnädiges Fräulein, das ist ,Kurd’; das ist der Favorit für den Damenpreis. Über seinen speed ist gar kein Zweifel; ob er genug Stehvermögen hat, weiß ich noch nicht. Na, wir werden ja sehn.«

»Aber ich bitte Sie,« mischte sich die Gräfin Thea ins Gespräch, »woher denn dieser Zweifel? ,Kurd’ hat im vorigen Jahre über lange Strecken Pferde wie ,Prinz’ und ,Gouverneur’ geschlagen; heute kommen noch recht gute Gewichtsverhältnisse hinzu, und außerdem, wem geben Sie denn im Damenpreis noch eine Chance?«

»Vielleicht ,Lad’?« fragte Borndorf.

»Glaube ich nicht,« sagte Thea nachdrücklich. »Der hat nach dem Sieg im Kronprinzrennen seine Form nie wieder bestätigt, und sein Erfolg damals hat wohl an der Maidenerlaubnis gelegen; denken Sie, was er damals von den anderen Pferden für Gewicht bekommen hat.«

»Das ist immerhin möglich. Eigentlich großartig, wie Sie Bescheid wissen, Gräfin,« bewunderte der kleine Ulan.

»Könnt ihr denn nicht endlich einmal von etwas anderem sprechen?« fragte Alice ärgerlich.

»Du Sportslady,« neckte Thea, »na du kannst dich ja jetzt mit Borndorf von interessanteren Sachen unterhalten; ich muss ’rüber zu Johns,« — sie wies auf den dicken, kleinen Trainer, welcher in einiger Entfernung auftauchte, »bitte komm mit, Papa.« —

Sie legte ihren Arm in den ihres Vaters und ging dem Trainer entgegen.

Borndorf und Alice blieben allein. »Sie sprechen immer über Pferde — und immer mit Thea,« schmollte Alice. »Es ist wirklich bemerkenswert, was die Komtess für Pferdeverstand hat,« lautete Borndorfs Entgegnung, »was sie da vorhin über ,Lad’ sagte, war gar nicht so ohne. Vielleicht war es wirklich die Maidenerlaubnis. Je mehr ich darüber nachdenke —.«

»Aber wollen wir denn nun nicht einmal wirklich von etwas anderem sprechen, Herr von Borndorf?« Ihr hübsches Gesichtchen hatte einen so ärgerlichen Ausdruck angenommen, dass der kleine Ulan von Herzen gern ihren Wunsch erfüllt hätte. Sein Geist machte verzweifelte Anstrengungen, einen Gesprächsstoff zu finden, welcher ihr möglicherweise zusagen konnte. Aber es war vergebens. Sein Gehirn war gleich einem Rennkalender oder einer Sportzeitung, in welcher von Pferdenamen, Pferdestammbäumen, Pferderennen und Pferdezucht die Rede ist. Und als er verzweifelt in die Runde blickte, um vielleicht von außen eine Anregung zu empfangen, waren es wiederum nur Pferde, die ihm vors Auge traten.

»Gott … ja … wovon soll man denn nun eigentlich sprechen?«

»Nun es gibt doch gerade genug nette Sachen, Herr von Borndorf. Literatur zum Beispiel … und Kunst, ...und … die Liebe…«

»Liebe ist nichts für die Rennsaison,« sagte der kleine Ulan nachdenklich; »das ist doch eigentlich so mehr für den Winter, für Bälle und so.« Und dann, während sein Gesicht freudig aufleuchtete, in dem Bewusstsein, nun endlich einen passenden Gesprächsstoff gefunden zu haben: —»nicht wahr, wir tanzen diesen Winter recht oft zusammen, gnädiges Fräulein?«

»Doch nicht erst im Winter,« erwiderte Alice entrüstet, »heut’ Abend ist doch Reunion.«

»Ach so ja, die Reunion, nun ich wollte eigentlich gar nicht hingehen,« klang es zögernd zurück. Sie antwortete nicht. Sie sah ihn nur an. — Und unter dem stummen Banne ihrer Augen fügte er langsam hinzu: »Aber … wenn Sie gehen….«

Sie sah ihn selig an. Zu ihrem Leidwesen störte das Herantreten ihrer Verwandten den kaum erst begonnenen Flirt.

In der Begleitung der Dahlwegs befand sich Graf Balz, welcher soeben seine neue Stute probiert und von dem Resultat nicht gerade entzückt war. Er behauptete, dass nur ein gutes Frühstück imstande sei, ihn über den schlechten Ankauf zu trösten. »Frühstücken wir doch möglichst plötzlich,« schlug er vor.

Alice stimmte eifrig bei, doch Thea erklärte, sie müsste noch mindestens 20 Minuten die Leistungen ihrer beiden Pferde beaugenscheinigen, welche eben unter zwei Boys vorüberkanterten.

Borndorf setzte umständlich auseinander, dass auch er noch an die Bahn gefesselt sei, indem er noch ,Paradiesvogel’ und ,Charmeuse’ zu reiten hätte. Er wollte sich anschicken, die Familiengeschichte dieser zwei höchst interessanten Gäule auseinanderzusetzen, fand jedoch bei den andern wenig Gegenliebe.

»Wie lange haben Sie denn noch zu tun?« fragte ihn Alice, »doch höchstens noch eine halbe Stunde … Nein? Noch länger? Aber nachher frühstücken Sie doch auch auf der Terrasse vom Imperial?«

»Ja.«

»Nun denn also, nachher auf Wiedersehen,« sagte Dahlweg, indem er den Arm seiner Nichte in den seinen legte. Es wurde verabredet, dass Graf Balz mit Thea möglichst bald nachkommen sollte.

Dahlweg und Alice entfernten sich langsam. Nachdem sie eine Weile lang stumm nebeneinander hingeschritten, begann der Onkel eine kleine Strafpredigt.

»Hör’ mal, Alice, ich mische mich ungern in die Angelegenheiten Verwandter, aber einen guten Rat kann ich als alter Mann —«

»Aber du bist ja gar kein alter Mann,« unterbrach sie.

Dahlweg lächelte geschmeichelt, fuhr aber doch in seinem Sermon fort. »Sieh mal, für ein junges Mädchen ist es wirklich nicht passend, so auffallend liebenswürdig zu einem Herrn zu sein, wie du zu Borndorf.«

Alice schwieg nachdenklich. Dann aber sagte sie: »Die Herren reden doch immer von Hilfen, die sie den Pferden geben müssen. Warum soll denn einem Leutnant nicht auch einmal eine kleine Aufmunterung zuteilwerden? Bei seinem Charakter hat er das ja so nötig!«


IV. Kapitel

Das Frühstück war weniger animiert verlaufen, als Alice gehofft.

Borndorf war spät gekommen, war ermüdet und schweigsam.

Kaum, dass er eine Tasse Tee getrunken, äußerte er schon die Absicht fortzugehen, »um ein Dampfbad zu nehmen.«

»Bei der Hitze!« rief Alice erstaunt.

»Na ja, — um leichter zu werden; ein Pfund schwitze ich mir bestimmt ab.«

Thea zog die Augenbrauen hoch; ihr sagte dieser Gesprächsstoff entschieden nicht zu.

Alice aber ließ sich — naiv und temperamentvoll wie immer — in eine längere Debatte über Schwitzbäder ein. »Es soll ja sehr gesund sein und auch gut für Abmagern, aber Sie sind doch sowieso schon so schlank,« — ihr Blick streifte dabei zärtlich sein knabenhaftes Figürchen.

»Na, man kann nie dünn genug sein, gnädiges Fräulein. Jedes halbe Kilo, was man verliert, ist Gold wert. Ich nehme mich ja mit dem Essen schon so in Acht und mit dem Trinken auch, aber das genügt alles nicht. Schwitzen muss man doch; das bleibt schon das Beste.«

Mit dieser hygienischen Schlussbemerkung war er gegangen.

»Er nimmt’s wirklich ernst mit seinem Rennreiterberuf,« meinte Dahlweg, ihm nachblickend.

»Ja, er übertreibt es sogar,« entgegnete Balz, »ich bin doch wirklich kein Diensthuber, aber was zu viel ist, ist zu viel; dabei muss der Dienst leiden. Sehen Sie, Borndorf sprach ja selbst erst davon: Heute Nachmittag reitet er drei Rennen, Dienstag reitet er in Hamm, Donnerstag in Magdeburg, nächste Woche in Harzburg und in Karlshorst. Er ist doch wahrhaftig mehr auf den Rennplätzen als im Regiment. Na, so lange Prinz Hohenast Kommandeur ist, kann er es sich leisten; wenn nächstens ein anderer das Regiment bekommt, dann wird es wohl Schwierigkeiten geben.«

»Auch das noch,« klagte Alice, »Borndorf hat es so schon schwer; immer zu nachtschlafender Zeit aufstehen, und die vielen Pferde reiten und alle die Reisen kreuz und quer durch Deutschland, — nein, wirklich, das muss ihm ja schaden.«

»Er überanstrengt sich wohl wirklich,« mischte sich Thea ins Gespräch.

»Und die ewige Lebensgefahr,« fuhr Alice fort, deren Redestrom, wenn sie einmal begonnen, nicht so leicht zu unterbrechen war, »er riskiert doch jedes Mal, sich alle Glieder zu brechen. Was hat er denn schließlich von der ganzen Geschichte? Höchstens, dass er noch so eine furchtbare Glasbowle bekommt wie neulich beim Totalisator-Jagdrennen oder vielleicht wieder eine bronzene Kamingarnitur; sechs hat er schon, und einen Kamin hat er nicht!«

»Aber ich bitte dich,« rief Thea entrüstet, »was redest du da! Man reitet doch nicht um die Preise, sondern um die Ehre! Ich kann mir überhaupt nichts Schöneres denken, als so über den grünen Rasen zu galoppieren, im heißen Wettstreit mit den Kameraden, jeder Nerv gespannt bis zum Zerreißen in fieberhaftem Verlangen nach Sieg. Wenn ich ein Mann wäre, ich wüsste mir keinen schöneren Beruf.«

»Aber die vielen Unbequemlichkeiten,« warf Alice ein. Und Graf Balz stimmte ihr wie gewöhnlich zu, indem er, zu Thea gewendet, sagte: »Ja! Komtess, die Unbequemlichkeiten — dass man in der Gefahr einen Reiz erblickt, ist ja möglich, aber die Unbequemlichkeiten, diese täglichen kleinen Entbehrungen —.«

»Aber in denen steckt ja gerade der sittliche Wert,« unterbrach Thea, »natürlich ist es leichter, sich einmal für ein paar Augenblicke in kühnem Entschluss zusammenzuraffen, als mit eiserner Konsequenz sich lange Zeit hindurch straff im Zügel zu halten, — alle die vielen Kleinigkeiten, nicht alles zu essen, was einem schmeckt; sich im Trinken beständig Maß aufzulegen, zu Bett zu gehen, wenn man noch lieber aufbleiben möchte und aufstehen, wenn man noch gern weiterschlafen will, — dazu gehört Charakter!«

»Nun hör’ mal einer mein Töchterchen an,« lächelte Graf Dahlweg.

»Moralphilosophie der Rennbahn,« murmelte Balz.

»Ach, Philosophie ist immer langweilig,« rief Alice. »Und die Rennen sind meistens auch nicht sehr amüsant! Ich wollte es wäre Abend!« —

Und endlich war der Abend da. Es war nicht gerade eine sehr illustre Gesellschaft, die sich in dem kleinen Saale des Kurhauses zusammengefunden hatte.

Eine Menge der Spießbürgerfamilien, welche für die Sommerferien in diesem kleinen thüringischen Badeort weilten, saßen, festlich aufgeputzt an den Wänden des Saales und schauten mit unverhohlener Neugierde und heimlicher Bewunderung auf die paar Dutzend ›Rennleute‹, die sich im gleichen Raume befanden. Die Leute vom Turf glichen einer Phalanx, und die Mauer, die sie umgab, war — wenn auch unsichtbar — doch unübersteiglich. Die Spitze der Formation bildete der immer noch schöne Oberst von Herzogheim. Er gab seine Feldherrnstellung, die ihm viele bewundernde Blicke von Seiten des schönen Geschlechts eintrug, sehr plötzlich auf, um sich mit einer der jüngsten jungen Damen im Walzer zu wiegen, und mit der leichten Blasiertheit, die Kennzeichen der modernen Jugend ist, folgten die Kronprinz-Husaren dem Beispiel ihres Kommandeurs.

O, sie waren nicht so enthusiastisch, wie der ›immer noch schöne‹, der ›ewigjunge‹, welcher den Damen aller Altersklassen Komplimente zu sagen pflegte, die er selbst als ›faustdick‹ bezeichnete. Trotzdem — oder vielmehr gerade deswegen — schwärmte eine Unzahl weiblicher Wesen für den Oberst, der — quel comble! — Junggeselle und reich war. Auf diese letztere Tatsache pflegten die Leutnants, in uneingestandener Eifersucht, sämtliche Erfolge ihres schönen Kommandeurs zu setzen.

Natürlich hatte diese Ansicht nur teilweise Berechtigung. Die unleugbar vorhandenen persönlichen Vorzüge Herzogheims verfehlten nie ihre Wirkung, und wer ihn jetzt mit eleganter Geschmeidigkeit und sichtbarem Enthusiasmus mit Alice von Nordstetten durch den Saal fliegen sah, fand seinen Ruf als Damengünstling durchaus berechtigt.

Jedenfalls zeigten seine Leutnants weniger heiliges Feuer als er; au fond fanden sie, das Tanzen sei bei der Hitze nur eine mäßig angenehme Beschäftigung. Gewiss, es waren ja ein paar nette, junge Damen da, aber mit denen plaudert es sich bei Picknicks und Gartenfesten doch besser, als beim Tanzen. Na, aber wenn der Kommandeur tanzte —! »Nur Mut!« ermunterte Karlchen, der jüngste Leutnant des Regiments; mit einem schweren Seufzer richtete er seine frühzeitig üppige Gestalt (zweiundachtzig Kilo ohne Sattel) in die Höhe und begab sich in das Gewühl der Tanzenden. Die Regimentskameraden folgten. Das halbe Dutzend Herrenreiter aber, welches sich in einer Saalecke befand, zeigte sich nicht so leicht geneigt, seine kostbaren Kräfte beim Tanzen zu vergeuden. An ein und dieselbe Säule gelehnt, standen Hans und Heinrich Berch, das ›Zwillingsgestirn‹ der Rennbahn.

»Die wären ein glänzender Lustspielstoff,« hatte mal ein hoher Herr von ihnen behauptet, »denken Sie doch, die Verwechslungen!«

Und in der Tat, ein Tag, an dem die beiden nicht verwechselt worden wären, war in ihrem vierundzwanzigjährigen Leben noch nicht dagewesen.

In ihrer Kindheit hatte jeder von ihnen, wenn er für eine Dummheit bestraft werden sollte, natürlich behauptet, ›der andere‹ sei der Missetäter gewesen, und dieser schönen Gewohnheit waren sie treu geblieben.

Den Rennbahnbesuchern machte das ›Zwillingsgestirn‹ viel zu schaffen. Denn, wenn einer der kleinen, blonden Dragoner durchs Ziel ging, und die Leute, welche ihr Geld und ihr Vertrauen auf ihn gesetzt, in Triumphgeschrei ausbrachen, — dann war es sicher ›der andere‹ gewesen.

»Von denen möchte ich wirklich keinen heiraten,« hatte mal eine naive junge Dame gesagt, »ich würde ja nie wissen, welcher es ist — —!«

Übrigens waren sie beide nette Jungen, beliebte Kameraden und gute Reiter. Auf diese letztere Eigenschaft waren sie sehr eingebildet, und wenn sie — wie heute — in keinem Rennen Erfolg gehabt, so suchten sie das durch verdoppelt arrogante Haltung wettzumachen. Mit äußerst sieghafter Miene lehnten sie an ihrer Säule und schienen nicht auf die Komplimente zu achten, welche soeben von zwei anderen Herrenreitern an den roten Champion gerichtet wurden. Den schien das übrigens weiter nicht zu rühren. Gelangweilt und mit abweisender Miene hörte er den beiden Feldartilleristen zu, welche sich erst seit kurzer Zeit der Rennkarriere widmeten und noch kein Rennen großen Stils gelandet hatten.

Sie fanden nicht genug Worte, um Hof immer wieder zu versichern, dass die Art, in der er heute den Damenpreis gewonnen, ›einzig und geradezu kolossal sei.‹

»Ja, famos war es wirklich,« pflichtete Borndorf bei. Der kleine Ulan sah recht angegriffen aus. Er hatte heute zwei Siege davongetragen, beide nach heißem Endkampf um eine knappe Halslänge. Und die beiden erbitterten finish hatten seine Nerven mehr angestrengt, als er sich selbst gestehen mochte.

Jedenfalls erfüllte ihn der Gedanke an Tanzen mit einem gelinden Schauer. Aber zu umgehen war es wohl nicht, dass er Alice aufforderte, nachdem er ihr heute bei der Morgenarbeit gesagt, dass er ihretwegen zur Reunion käme.

Hinter dem breiten Rücken des einen Feldartilleristen spähte er vorsichtig nach Fräulein von Nordstetten aus.

Na, die schien sich ja vorläufig ganz gut zu amüsieren. So lange ihr der Oberst von Herzogheim so angelegentlich die Tour machte, war sie ja gut aufgehoben.

Mit einem Seufzer der Erleichterung sank Borndorf wieder auf seinen Stuhl zurück. —

Und Alice amüsierte sich in der Tat. Dass ihr Ideal sie noch nicht aufgefordert, betrübte sie zwar sehr, aber so schönen Komplimenten gegenüber, wie der Kommandeur sie ihr machte, konnte sie nicht frostig bleiben.

Ihre lachenden Augen und ihre strahlenden Zähne spornten den Oberst zu immer neuen Huldigungen an. Er begann ernstlich Feuer zu fangen.

Wirklich ein reizendes Mädel! Hübsch und frisch und natürlich. Die wäre wirklich imstande, den eingefleischtesten Junggesellen zu bekehren. Das wäre eine Kommandeuse, mit der man sich sehen lassen könnte!

Aber die sämtlichen Hoffnungen des liebeglühenden Obersten starben im Keim, als er den Gesichtsausdruck sah, mit welchem Alice den langsam sich nähernden Borndorf begrüßte.

Das war denn doch ein anderes Lächeln, als das er bisher bei ihr gesehen. Und wie ihr Ton vibrierte — »den nächsten Walzer, Herr von Borndorf? Aber natürlich! Der war Ihnen längst zugedacht.«

Und sie hatte für den ›immer noch Schönen‹ keinen Abschiedsblick, als sie sich mit dem kleinen Ulanen in das Gewühl der Tanzenden stürzte.

»Schade!« Herzogheim hätte das fast laut gedacht. Er war sich absolut darüber klar, dass der kleine Herrenreiter, ›dieser unreife Junge‹, für Alice bedeutend interessanter war, als er selbst, der schönste aller Kommandeure.

Dass er infolgedessen innerlich Fräulein von Nordstetten zu einem ›dummen Backfisch‹ stempelte, war durchaus gerechtfertigt.

Wirklich überflüssig, sich für eine solche Range zu interessieren.

Und im Geheimen fand Herr von Herzogheim es nicht sehr konsequent von sich selbst, dass er sich jetzt langsam zu Alices Onkel heranschlängelte und ihn vorsichtig ›auszuholen‹ begann.

Graf Dahlweg hatte keine Ursache irgendetwas aus Alices Leben zu verschweigen.

Es war eine einfache und traurige Geschichte.

Alice hatte im Alter von vier Jahren ihren Vater, ein paar Jahre später ihre Mutter verloren. Sie wurde von Verwandten erzogen. Bis zu ihrem sechzehnten Jahre hatte sie im Stifte Jürgenhöhe bei zwei alten Tanten gewohnt, dann hatte Graf Dahlweg, ihr Onkel, sie als Gefährtin für Thea, die sich nach dem plötzlichen Tode ihrer Mutter sehr einsam fühlte, ins Haus genommen. Vermögen hatte Alice nicht zu erwarten und da sie Expektantin auf Jürgenhöhe war, so würde sie vielleicht als Stiftsfräulein enden.

»Denn wer heiratet heutzutage ein armes Mädchen?« hatte Dahlweg geschlossen.

»Nun, das wollen wir doch nicht so schroff hinstellen,« lautete Herzogheims Entgegnung. »Schließlich, es gibt doch auch Leute, die selber Geld haben, und ein so reizvolles Wesen wie Ihr Fräulein Nichte —.«…

Das ›reizvolle Wesen‹, das eben am Arm Borndorfs auf die beiden Herren zusteuerte, sah in diesem Augenblick wirklich verführerisch aus.

Die Tatsache, dass ihr Partner sich zu einigen Komplimenten aufgerafft; ließ ihre Haut noch rosiger als sonst, ihre Lippen noch purpurner erscheinen.

»O, die Jugend, die Jugend!« dachte der ›immer noch schöne‹ mit einem heimlichen Seufzer, »wie sieghaft es ausschaut, dieses kleine Mädel, mit dem es das Leben bisher noch nicht sehr gut gemeint hat.

Bei Verwandten, — immer bei Verwandten, — die Gefährtin einer bevorzugten Cousine, — die Aussicht auf Stift Jürgenhöhe, — und dabei all das Leuchtende und Sieghafte, das ihr aus jeder Pore quillt.«

Alice war indessen herangetreten und sprach lebhaft auf ihren Onkel ein. »Hör’ mal, Onkel, in vierzehn Tagen sind die Rennen in Dornbach. Und Thea wollte sich doch sowieso die Jährlinge von Gestüt Hall ansehen. Und Hall liegt so nahe an Dornbach, ganz, ganz nahe, höchstens eine Stunde mit dem Wagen. Gehen wir zu den Rennen, Onkelchen? Da Thea doch sowieso —.«

»Wir werden sehen,« antwortete Dahlweg aus weichend.

»Ich muss mit Thea selber darüber sprechen,« sagte Alice hastig zu Borndorf. »Aber wo ist denn Thea? — — Ach, sie tanzt.« Die Gruppe blickte hinüber zu Thea, welche eben im Arm des roten Champion vorüberwalzte. Die zwei hohen Gestalten mit den ruhigen Bewegungen passten gut zusammen.

Sie waren beide ein Abbild elegantester Ruhe, und ihre beiden Gesichter waren kühl und gleichgültig wie immer.

Doch in Theas Augen lag ein feuchter und fieberhafter Glanz.

Und ihr schmales Gesicht war blasser als je. —


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