Kitabı oku: «Die Suche hat ein Ende»

Yazı tipi:

Mario Walz beschreibt in diesem Buch die wundervollen Erlebnisse auf der Suche nach seinem wahren Ich. Sie begleiten den Autor auf seiner spirituellen Reise, die in die Tiefen der Energien und Dimensionen führt, die unser Leben mitgestalten. Sie erfahren seine Erlebnisse mit Therapeuten, spirituellen Lehrern und Geistführern. Mario Walz schildert authentisch und überzeugend seine Kontakte mit astralen und außerirdischen Wesen und Welten. Er erzählt spannende Geschichten aus seiner Arbeit als gefragter Feng–Shui–Berater, Schamane und Geisterjäger. Neben seinen spirituellen Erlebnissen schildert er offen seinen persönlichen Weg: wie er auszog, um aus tiefster Dunkelheit und voller Ängste seine Freiheit zu finden. Und wie er kraft der Meditation und dem Mut unbekannte Wege zu beschreiten schließlich seine Seele fand. Er erzählt, wie unsere Welt wirklich funktioniert, wie Gedanken und Gefühle unser Leben bestimmen. Welche Wesen und Energien uns umgeben und welchen Einfluss sie auf unser Leben haben. Und wie Sie mit diesen Kräften umgehen können, um sie für Ihr eigenes Seelenheil zu nutzen. Seine persönliche Geschichte zeigt, wie ein Mensch aus tiefsten Verletzungen zum Heilsein finden kann – und zu der Erkenntnis, dass ALLES in uns selbst liegt.

Mario Walz lebt heute sein Leben so, wie er es bewusst gestaltet – in einer Welt, die er in Freiheit und Selbstverantwortung selbst erschafft.

Mario Walz

Die Suche hat ein Ende

Wie ich zu meiner Seele fand


Ebozon Verlag

Hinweis des Autors

Dieses Buch beschreibt meine Suche nach mir selbst. Die Geschichten und Erkenntnisse entstammen meinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen. Wer diese Erkenntnisse an sich anwenden möchte, handelt in eigener Verantwortung. Die hier vorgestellten Informationen sind nicht als Ersatz für professionelle medizinische oder psychologische Hilfe zu verstehen. Ich respektiere alle Menschen, Religionen und Glaubensvorstellungen und lehne deswegen jede Art von rassistischer Voreingenommenheit ab. Ich übernehme auch keine Verantwortung über Missverständnisse, die aus einer oberflächlichen unvollständigen oder voreingenommenen Lektüre dieses Buches entstehen.

Dieses Buch ist eine überarbeitete Version meines 2006 erschienenen Buches: Die Suche hat ein Ende.

3. Auflage Oktober 2015

Copyright eBook Version © 2013 by Ebozon Verlag

ein Unternehmen der CONDURIS UG (haftungsbeschränkt)

www.ebozon-verlag.com

Alle Rechte vorbehalten.

Covergestaltung: Mario Walz

Layout/Satz/Konvertierung: Ebozon Verlag

1. Auflage 2006 Copyright © by Mario Walz

Copyright Printversion © by Mario Walz

ISBN 978-3-95963-077-1 (PDF)

ISBN 978-3-95963-075-7 (ePUB)

ISBN 978-3-95963-076-4 (Mobipocket)

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt und darf – auch auszugsweise – nur mit ausführlicher Genehmigung des Autors vervielfältigt oder kommerziell genutzt werden. Ausgenommen sind kurze Zitate mit Quellenangabe.

Ebenso sind Cover und die anderen Illustrationen, die von Mario Walz gezeichnet wurden, urheberrechtlich geschützt und dürfen nur mit Genehmigung des Illustrators vervielfältigt und kommerziell genutzt werden. Ausgenommen als Begleitillustration für Zitate mit Quellenangabe und Bildnachweis.

Informationen über andere Bücher und Tätigkeiten von Mario Walz: www.mariowalz.de

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Jetzt

In die Dunkelheit hinein wird mir klar, wie glücklich ich bin.

Der Weckruf meines Mobiltelefons singt ein Vogelgezwitscher in den frühen Morgen. Ich öffne die Augen und sehe als erstes den strahlend blauen Himmel, der endlich den Frühling ankündigt. Ein weiteres, wärmendes Gefühl in mir: Ich hatte genug von dieser ewig währenden Kältephase.

Mit schnellem Griff beende ich den Gesang des virtuellen Vogels in seinem Plastikgehäuse und lege mich noch einmal in mein nachtwarmes Bettzeug. Mit offenen Augen denke ich weiter, denke in den Tag hinein, was er mir bringen wird, und wohin dieses Leben führen mag. Ich erhebe meinen schlaflahmen Körper von der Matratze und steige in die kalten Klamotten.

Ich liebe die Ruhe des Morgens, wenn der Tag sich langsam aus der Dunkelheit schält und in der Stille der Frieden in allem zu spüren ist. Mittlerweile genieße ich es auch, dass ich hier draußen auf dem Land wohne, fernab der »Zivilisation«. Es hat sicher auch einige Nachteile. Ich habe lange damit gehadert, für jeden Schritt in mein Auto steigen zu müssen und wenn ich es geschafft habe, das nächste Dorf zu erreichen, fast nur von Rentnern umgeben zu sein.

Einmal in der Woche muss ich dann in die Stadt, das Pulsieren des Lebens in mich einsaugen, Lebendigkeit sehen und fühlen, das Prickeln des Seins erleben. Was mir weniger gefällt sind all die manipulativen und bedrückenden Energien, die durch den urbanen Raum schwingen: Kauf mich! Nimm mich mit! Schau mich an! Und stumme, aber verzweifelte Hilferufe der dort lebenden und in sich verschlossenen Wesen.

Aber um all meine unterschiedlichen Bedürfnisse auszuleben, gibt es im Augenblick keine andere Möglichkeit. Gleichzeitig an zwei Orten zu leben, scheint mir noch nicht machbar, also lebe ich diese Zwiespältigkeit zeitlich getrennt. Auf jeden Fall liebe ich die Einsamkeit hier. Besonders, wenn sie von Stille begleitet ist, wie in den frühen Morgenstunden. Das Licht strahlt in einer jungfräulichen Frische und Unvoreingenommenheit. Und wenn der Wind keine Wolken hierher treibt, vermischen sich meine Gedanken, Gefühle und körperlichen Empfindungen mit den Strahlen der aufgehenden Sonne.

Der Einsamkeit ist alles zu verdanken.

Schon 1988, als ich mich entschloss, ganz alleine in eine fremde Stadt zu ziehen – wenn auch nur für ein halbes Jahr und ohne die dort gebräuchliche Sprache zu sprechen –, war die Einsamkeit nicht nur ein altbekannter Freund, der wieder aufgetaucht war, um mein Leben zu beschweren: Sie war der Katalysator für die damals beginnende Suche nach dem, was ich wirklich bin. Der Beginn meines wahren Daseins. Der Start in mein bewusstes, selbstverantwortliches Leben. Denn vor dieser Zeit hatte ich nur reagiert.

Nach dem Eintauchen in die zunächst bedrückende Einsamkeit und nach dem Wahrnehmen, was dieses Alleinsein mir schenken wollte, war ich wie umgewandelt. Ich bekam eine Ahnung davon, wie es ist, wahrhaft ICH zu sein.

Heute lasse ich mich hineinfallen in dieses Alleinsein, das sich wie ein sorgender Mantel um mich legt. Der mich aber nicht einschnürt, die Luft raubt und mich nicht mehr zu Atem kommen lässt, sondern der mich umgarnt, und liebevoll meine eigene Größe erahnen lässt. Ich spüre wie die Dichte der Einsamkeit nur einen Moment davon entfernt ist, zu explodieren. Um sich von Innen nach Außen zu stülpen. Um die Kraft dieses Urknalls in mein Leben zu katapultieren. Um die Einsamkeit in EINS–samkeit zu verwandeln. Diesen Augenblick erwarte ich sehnlichst. Ich nähre mich von diesem Gefühl, denn es kündet von kommenden Zeiten.

Nach der morgendlichen Routine des Waschens, Rasierens und Frühstückens setze ich mich an meinen Computer. Hier beantworte ich zahlreiche E–Mails, schicke einige Anfragen los und informiere mich, wie viel Geld noch mein Konto erfreut. Erstaunlich, wie sich Beständigkeit in einem Leben steter Veränderung durch ein immer wiederkehrendes Auffüllen meines Kontos zeigt. Ich bin schon immer davon ausgegangen, dass ich genügend Geld habe. Dass ich das, was ich brauche, auch bekomme. Und wenn ich mal nur noch 10 DM besaß, bin ich davon ins Kino gegangen um den Nullpunkt zu erreichen, um den Neustart zu initiieren. Und um der »Macht« die Chance zu geben, mir neues Geld zukommen zu lassen.

Und wirklich: Es ist so, dass ich immer in den letzten Augenblicken, kurz vor dem Verzweifeln, zu irgendwelchen Einkünften komme. Das Geld oder die dazu notwendigen Jobs fallen quasi vom Himmel. Mittlerweile hab ich darin solch großes Vertrauen, dass ich unbekümmert in den Tag hinein leben kann. Die Momente, Tage oder manchmal sogar Monate des Nichtstuns versuche ich zu genießen. Denn es zeigte sich immer, dass ich gut versorgt bin.

Es hat aber seine – oft leidvolle – Zeit gedauert, diese zehrenden Momente scheinbar finanziellen Stillstands zwischen dem Gelderhalten zu genießen. Aber je näher ich meinem wahren inneren Wesen komme, desto sicherer bin ich in allem, was mir geschieht. Letztlich ist es eh nur meine eigene Gedankenwelt, die mein Leben bestimmt. Und sollte irgendetwas einmal nicht funktionieren, wie ich es mir vorstelle, weiß ich, dass ich nicht genau auf mich oder in mich gehört habe. Denn irgendwo sitzt dann ein kleines Teufelchen in seiner Zelle und kämpft um seine gewohnheitsbedingte Macht.

Das Telefon klingelt. Ein Auftrag. Typisch! Gerade wo ich mich an das tägliche Dahintreiben gewöhnt habe. Eine Frauenstimme. Sie erzählt mir, dass sie vor Kurzem in dieses Haus gezogen sind und sich seitdem unwohl fühlen. Ihr Mann arbeitet, aber sie ist den ganzen Tag in diesem neuen alten Haus und sie wird immer müder, energieloser, verzweifelter.

Eine Bekannte hat sie darauf hingewiesen, dass die Ursache des Problems an dem Haus liegen könnte, und gab ihr meine Telefonnummer. Ob ich da was machen, verändern könnte. Ich erkläre darauf hin meine Arbeitsweise und wir einigen uns auf einen Besichtigungstermin.

Alltag: Einkaufen, Kinder von der Schule holen, Kochen. In der Anfangszeit war dieser fremdbestimmte Rhythmus nicht einfach für mich, obwohl ich es liebe, mit den Kindern zusammen zu sein. Und ich habe wirklich außerordentliches Glück mit den Dreien. Ich habe immer versucht, von zu Hause aus zu arbeiten, um ihnen nahe zu sein und um mitzubekommen, wie sie heranwachsen. Vater zu sein ist definitiv anders als alleine durch das Leben zu gehen. Der Fokus ist völlig verändert und in der Familienhierarchie plötzlich hinten anzustehen, ist für ein chefseingewöhntes Männerdasein keine leichte Entwicklung.

Aber mit Veränderungen kam ich glücklicherweise schon immer gut zurecht. Und so war der Sprung von eins/zwei zu drei/vier/fünf interessanterweise schnell und problemlos machbar.

Seit einem Jahr arbeitet Petra wieder und ich kümmere mich neben einigen Jobs und hausmännischen Tätigkeiten die meiste Zeit um das kindliche Dasein. Und es hat dem meinem auch nicht geschadet.

Die paar Jahre, die wir hingeben, um den Kindern eine felsenfeste Verbindung zu sich selbst zu geben, sind es absolut wert. Abgesehen davon, was wir selbst dadurch erhalten. In Anbetracht der Tatsache, wie lange wir leben, sind fünfzehn Jahre intensives Sichumdiekinderkümmern ein Klacks. Ich beobachte in all der künstlichen Hektik und dem manipulierten Karrieredenken, dass die Kinder immer mehr verkümmern und zum Spielball von Industrie, Politik und Medienanstalten werden. Eine traurige Entwicklung, die ich nicht nachvollziehen kann.

Ich lehne mich beruhigt zurück und betrachte meine geliebten Gören. Die Kunst des Erziehens liegt eher im nicht Zerstören dessen, was die Kinder bereits mitbringen, als im Aufdrängen unsinniger Regeln und Richtlinien. Gib ihnen ihre und deine Zeit und bleib locker, wenn das Umfeld in Panik ausbricht.

Meine Ältesten gehen jetzt zur Schule – keine staatliche – und ich bin froh, dass wir diesen alternativen Weg der schulischen Ausbildung gewählt haben. Auch wenn diese Schulform etwas modernisiert werden könnte, schenkt sie den Kindern doch Zeit, sich in Ruhe entwickeln zu können. Ich hielt noch nie viel von sturem Auswendiglernen nur um des Wissens willen.

Denn was genau lernen die Kinder denn da? Oder was haben wir gelernt? All die Dinge, die uns beigebracht wurden, sind doch nur Halbwahrheiten und als wissenschaftliche Tatsachen bekundete Theorien einiger weniger Menschen.

Vor Kurzem las ich, dass alle Beweise für die Evolutionstheorie locker auf einen Billardtisch passen. Ein Besuch im Neandertalmuseum bestätigt diesen Verdacht. Aufgrund weniger wieauchimmerinterpretierter Knochenfunde wurde unsere gesamte Geschichte herbeitheoretisiert. Ein Hoch auf die Sherlock Holmes der Knochenfunde.

Die Wissenschaft bestimmt unser gesellschaftliches Denken. Und die meisten Menschen glauben nur, was sie sehen und erschaffen sich genau durch diese engstirnige Sichtweise ihre und somit unsere Welt. Das ganze Leben besteht aus Theorien und ich suche die mir passenden aus.

Was nicht heißt, dass diese dann die eine, absolute, objektive Wahrheit wäre, denn es gibt so viele Wahrheiten, wie es wahrheitssuchende Menschen gibt. Wenn alle wüssten, dass ihre persönliche Wahrheit nur eine von vielen möglichen Wirklichkeiten ist, wäre das nicht für uns alle eine Befreiung? All die Mühsal und Unzufriedenheit des Daseins enttarnt als ein Trick unserer Wahrnehmung, oder besser unseres inneren emotionalen Zustandes.

Die Freiheit ruft seit Langem laut in die Welt, aber nur Wenige hören zu. Denn frei sein bringt Verantwortung, Veränderung und Ungewissheit.

Ungewissheit: Was koche ich heute?

Erstaunlich, dass ich es überhaupt geschafft habe, mir das Zusammenbrutzeln von Essbarem beizubringen, und dann auch noch so, dass die Kinder es mögen. Aber es gibt Tage wie heute, an welchen meine Eingebung hinsichtlich kreativen Kochens nicht funktioniert. Das zeigt sich darin, dass alles anbrennt und verkocht serviert wird.

Wir sitzen am Tisch, der von der Sonne beschienen ist. Meine Gedanken werden von einem kreischenden Milan zum Horizont gezogen, der dort nach Essbarem Ausschau hält. Ich lasse meine Gabel sinken und sehe, wie mein Sohn zwischen den Nudeln herumstochert. Zaghaft wird eine kleine Nudel auf die Spitze der Gabel gebracht, und am Mund wie ein Fremdkörper mit den Zähnen abgenommen. Das kann mich ja manchmal echt aufregen, aber heute bin ich gelassen.

Wahrscheinlich brauchen die Kinder gar nicht so viel zu essen, wie wir »Verantwortliche« denken. Und wer weiß schon genau, was gesund ist. Ich bin dahin gehend auch nicht so strikt, wie es meine Frau ist. Wenn es schmeckt, können Pizza und Schokolade genauso gut sein. Der Genuss und das damit verbundene gute Gefühl ist doch letztens das Wichtige. Ich sage zu ihm, er soll es lassen, und schicke die Drei ihre Hausaufgaben machen oder spielen gehen.

Der Vorteil hier auf dem Land ist die Freiheit, welche die Kinder hier ausleben können. Und die Freiheit, die ich habe, wenn sie ihr eigenes Leben leben.

Wohnung und Küche sind aufgeräumt und glänzen einigermaßen. Ich falle in den Nachmittag, der heute von den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres erleuchtet wird. Ein Kaffee, ein gutes Buch und der Tag zieht langsam in den Abend hinein.

In der nachmittäglichen Stille, die noch nicht vom gleichgeschalteten Dröhnen der nachbarlichen Gartenmaschinenfraktion gestört ist – was dem Sommerdasein auf dem Lande erheblich zum Nachteil gereicht –, beginnen meine Gedanken, inspiriert von Worten aus dem gelesenen Buch, in die Ferne zu schweifen.

Kann es tatsächlich sein, dass ich gemütlich hier herumsitze und das Leben genieße. Während alle anderen, gestresst von Arbeit und gesellschaftlichen Pflichten, sich und ihre Seele aufreiben? Alle jammern, wie wenig Zeit sie haben, wie viel sie arbeiten müssen, wie stressig ihre Kinder seien, und dass sie keine Zeit für sich selbst haben.

Mir geht das nicht so. Selbst wenn ich einen Job oder sogar mehrere zu erledigen hatte. Ich wusste immer, dass ich rechtzeitig zur Deadline fertig sein werde. Die Panik von Mitarbeitern oder Auftraggebern sprang nie auf mich über. Ich habe über 16 Jahre auf Termin gearbeitet, und es ist nie vorgekommen, dass ich nicht rechtzeitig fertig geworden war. Das hinterlässt Spuren. Ich habe eben diese Sicherheit in mir, dass alles gut und rechtzeitig endet.

Hm. Früher – als Jugendlicher – war ich bei weitem nicht so optimistisch. Ich war eher ein Zwangspessimist. Habe immer das schlechte erwartet. So war ich dann nicht überrascht, wenn sich die Befürchtungen bewahrheiteten. Sehr witzig. Aber seit ich mein eigenes Leben gefunden hatte und meinen Gefühlen folge, hat sich alles komplett verändert.

Im Vergleich zu den meisten Menschen lebe ich ganz anders. Ich bin ganz anders. Das war auch schon in meiner Kindheit und Jugend so. Es existierte etwas in mir, das mich von den anderen Kindern absonderte, isolierte. Und dieses Anderssein bedrückte mich. Oft fragte ich mich: Warum nur bin ich so anders? Ich empfand diese Andersartigkeit als Leid und oft betete ich, so sein zu können, wie die anderen. Aber ich war und bin einfach anders.

Und ich war schon so, als ich das allererste Mal auf diesen Planeten kam, um diese neu erschaffene Welt kennenzulernen, um zu helfen sie aufzubauen. Wie aufregend das alles war. Eine Realität, die so fest war, so dicht und in der es diese unfassbare Vielfalt an Gefühlen gab. Im Gegensatz zu der farbenfrohen Wildheit der ersten irdischen Tage ist das Dasein heutzutage recht behäbig und eintönig. Das Leben heute hat einfach andere Qualitäten.

Ich bin heute viel ruhiger als in meinen ersten Leben. Nein. Es ist eher so, als hätte ich alles erreicht, was ich erleben wollte, und jetzt fehlt nur noch diese eine Erfahrung, die Königserfahrung. Und diese finde ich nicht in geschäftigem Tun oder abenteuerlichem Treiben, sondern inmitten des absoluten Nichts.

Was nicht heißt, dass ich mich hier einem klösterlichen Dasein hingebe. Oh nein. Im Gegenteil sogar: Das Genießen all dessen, was im irdischen Körper angeboten ist, die Fülle in jedem Moment zu spüren, da geht es lang.

Meine Gedanken bleiben an den hellen Streifen am Himmel hängen ...

So langsam neigt sich die Sonne dem Horizont. Zenon und Millennia sind heruntergekommen und beginnen laut lachend irgendein Spiel zu spielen. Es ist Zeit, sich mit den Kindern zu beschäftigen und mich der abendlichen Routine hinzugeben. Petra kommt heute erst sehr spät nach Hause, sodass ich den Abend allein verbringe. Ob ich mich der Hypnose eines Spielfilmes hingeben sollte? Aber irgendwie war der Tag zu schön um durch hektische Bilder, die sich nachhaltig ins Bewusstsein brennen, geschmälert zu werden. Ich wanke, ob ich weiter diesen Roman zu Ende lesen sollte, oder doch besser eine Betrachtung physikalischer Theorien. Und entscheide mich für eines meiner Lieblingscomics. Auch wenn jetzt gute Musik dazu passen würde, lasse ich doch die Dunkelheit klingen.

Nachts hören sich all die Geräusche des Hauses viel interessanter an. Manche Geräusche kommen wohl auch kaum vom Haus, aber ich störe mich nicht daran. Wenn ich ständig daran denken würde, dass mich die anderen beobachten, könnte ich ja nicht mehr normal leben, oder?

Da ist es doch ganz gut, dass das Bewusstsein sich nur das heraussucht, was es gerade erfahren mag.

Gewohnheitsgemäß schlafen die Kinder in seliger Ruhe. Es ist wirklich erstaunlich, wie großartig die drei sind. Ist es uns zu verdanken? Oder liegt es einfach daran, dass wir ein derart großes Glück und problemfreie Kinder bekommen haben?

Ich betrachte im Dunklen ihre süßen Gesichter und kann mich stundenlang in dieser Schönheit verlieren. Aber auf Dauer ist es ungemütlich, auf dem kleinen Holzpferd zu stehen, um die beiden im Hochbett liegenden Engel zu betrachten. Ich steige vom Pferd, gehe noch mal ins Badezimmer und dann zu Bett. Ein Blick in den dunklen Himmel: Endlich wieder Sterne.

Schon als Kind stand ich am Fenster und betrachtete den nächtlichen Sternenhimmel. Zu jener Zeit ging es mir nicht besonders gut. Aber ich hatte mir dieses Dasein ausgesucht, um alles Erfahrene noch einmal zu erleben. Und in den ersten Jahren – naja es waren wohl fast 22 – hatte ich mein wahres inneres Wesen vergessen.

Sicher, es gab Ahnungen und nebulöse Gefühle. Unverstandene Wahrnehmungen und erschreckende Träume. Das Alleinsein zog mich unter das Dachfenster, wo ich vergeblich auf das Erscheinen meiner Freunde aus früheren Zeiten wartete. Aber sie ließen lange – zu lange – auf sich warten.

Und so starre ich zu den Sternen, sehe die Lichter der uns sichtbaren Sonnen und versuche an der Farbe des Lichtes herauszufinden, ob es sich um Sterne oder Satelliten handelt. Ich schlafe ein und in meinen Träumen begegnen sich Wünsche, Hoffnungen und Erinnerungen.

Ich sitze in meinem Auto, höre Violent Femmes und bin auf dem Weg zu meinem neuen Auftrag. Im Gegensatz zu früher bereite ich mich nicht mehr durch meditative Gesänge auf meine Arbeit vor. Ich weiß, dass ich ständig im Kontakt bin. Nein, dass alles, was ich benötige, in mir liegt. Jederzeit und augenblicklich abrufbar. So, wie ich ohne nachzudenken den Button an meinem Handy drücke, um einen Anruf entgegen zu nehmen.

Der Geruch nach altem Schaumstoff und das Chrom am Lenkrad geben mir ein gutes Gefühl. Der Wagen schnurrt gemütlich über die Landstraße. Ich habe keine Eile. Ich bin immer pünktlich. Ohne auf die Uhr zu schauen, meinem inneren Gefühl folgend, das irgendwann sagt: Go! Da ist es egal, ob ich eine Stunde noch im Stau stehen muss, oder beim Tanken aufgehalten werde. Oder ob ich nur fünf Minuten von meinem Ziel entfernt bin: irgendwie ist das alles inbegriffen. Ich bin immer pünktlich, ohne mir dahin gehend Mühe zu geben.

Wir fließen also in Richtung Haus meines Auftraggebers. Es liegt recht abseits in einem Tal, das schon beim Durchfahren eine dumpfe Schwere erahnen lässt, durch die das morgendliche Sonnenlicht kaum durchdringen kann. Im Oberbergischen existieren viele Täler, die unter solch einer Düsternis leiden.

Es handelt sich um ein altes Haus, was ja zu erwarten war. Umgeben von ähnlichen Bauernhäusern, schmiegt es sich an einen die Sonne verdeckenden Hügel. Es ist kühl als ich aussteige. Die Sonne konnte ihre Kraft noch nicht entfalten und ihre Strahlen erreichen das Haus noch nicht. Eine Frau und ein Mann stehen in der Tür. Gespannte Gesichter betrachten meinen alten Wagen und wie ich den beiden entgegen gehe.

Auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Menschen. Kaum zu glauben, dass beide ein Paar sind. Er scheint es gewohnt zu sein, einen Anzug zu tragen. Seine Miene ist unbestimmt, seine Augen zeigen Misstrauen. Ihre Augen spiegeln Unsicherheit, aber auch Hoffnung. Es ist immer das Gleiche: Die Frauen fühlen und wagen mutige Schritte in unbekanntes Terrain und die Männer ziehen dazu skeptisch die Augenbrauen hoch.

Ich begebe mich in das Haus und spüre sofort die Dichte und den Nebel, der in dem Haus festgehalten ist. Durch ein mit Nippes und Souvenirs vollgestelltes Zimmer werde ich in das Esszimmer geführt. Kaffeeduft steht im Raum. Aber leider nur Bohnenkaffee, der schon einige Minuten zu lange auf der Wärmplatte der Ungenießbarkeit entgegenzieht.

Nach den üblichen Begrüßungsformeln und Kennenlernsätzen kommen wir langsam zur Sache. Sie erzählt, er nickt und beobachtet. Ich fühle mich sondiert, auf dem Prüfstand, aber wenn ich hierher gerufen bin, hat es etwas zu bedeuten und ich bin demnach genau der Richtige. Das beruhigt und lässt mich weiterhin sicher in mir selbst den Problemen zuhören.

Mir ist schnell klar, worum es geht: Der Mann verfolgt seine Karriere und die Frau traut sich nicht, sich selbst zu leben. Eigentlich kein Problem, das mit dem Haus zu tun hätte. Aber es ist oft so, dass unbewusste Ängste und Gedanken im äußeren Umfeld eine Resonanz suchen. Das kann eine Krankheit sein, ein Unfall oder ein Haus, in dem es spukt oder irgendwelche Wasseradern das gesunde Zusammenleben verhindern.

Generell haben all diese Erscheinungen ihre besondere Realität: die Krankheit, der Unfall oder auch ein von unpassenden Energien gebeuteltes Haus oder Wohnung. Und für alles gibt es entsprechende Hilfe. Aber das dahinterliegende, ursächliche Problem derjenigen, die unter den Geschehnissen leiden, bleibt meist im Geheimen.

Ich erkläre der Frau und ihrem Mann in verständlichen Worten wo der Knackpunkt liegt. Dass ihr Problem erst einmal genau definiert werden sollte, und dass letztlich nur sie beide die Schwierigkeiten bereinigen können. Wie ich erwartet hatte: Der Mann fand die Hausuntersuchung schon merkwürdig genug, aber dass da etwas auf einer tieferen Ebene als der unteren Hautschicht existieren und passieren soll, ist zu viel für ihn. Da er aus beruflichen Gründen gehen muss, verabschiedet er sich unbehaglich, und stürmt dann nach kurzem Zögern mit fesselndem Blick auf seine Gattin aus dem Haus.

In solch einem Fall würde ich an dem Haus eh nicht viel verändern. Schließlich müssen beide darin leben. Und wenn die Energie zum Fließen käme, würde die Frau zwar einen Schubs bekommen um ihre erhoffte Veränderungen zu starten, er aber würde sich unbehaglicher und ausgesperrter fühlen. Schwierige Situation.

Ich erkläre dies, und im folgenden Gespräch taut die gute Frau auf und legt erst richtig los. Sie erzählt mir, wie glücklich sie vorher waren, und dass sie seit dem Umzug immer weiter auseinanderfühlen, immer mehr streiten und sie immer unglücklicher wird. Dabei war sie zuvor so lebenslustig.

Wenn man sich die Mühe macht, die Gesichter der Menschen genau zu betrachten, kann man recht schnell die inneren, emotionalen Zustände ins Gesicht gezeichnet erkennen. Oft beobachte ich Menschen, die hauptsächlich auf der rechten Seite lachen oder deren Mimik auf einer einzigen Gesichtshälfte reduziert ist. Das sagt schon einiges über das wahre innere Wesen eines Menschen.

Bei mir selbst war es früher auch so, dass ich nur rechts gelacht hatte. Wenn mich jemand von links begrüßte und ich zurücklächelte, musste ich extra den Kopf drehen, damit derjenige auch mitbekam, dass ich ihn anlächelte. Verrückt. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, in dem ich urplötzlich und ohne Absicht ein Lächeln auf der linken Gesichtsseite zustande brachte. Ich war zunächst völlig von den Socken und freute mich danach wie Bolle, da dies ein äußerliches Zeichen für eine tiefsitzende innere Heilung bedeutete.

Und wenn eine Frau vor mir sitzt, in deren Gesicht herabgezogene Mundwinkel jedes Lachen verbieten, und diese sich selbst Lebenslust diagnostiziert, kann ich das nicht ganz glauben. Diese Frau trägt einen so tiefen Schmerz in sich, dass ihre »Lebenslust« nur der verzweifelte Versuch ist, die Traurigkeit nicht hervorkommen zu lassen. Und jetzt, in der Einsamkeit eines neuen Zuhauses, fernab von Freunden und Ablenkungen, kommt dieser Schmerz wie eine dunkle Gewitterwolke über sie. Und das Haus, in dem sie wohnt, unterstützt diesen Aspekt in vollem Umfang.

Wie sprechen darüber. Ich öffne ihre Wunden und mit sanfter Salbe mitfühlender Worte führe ich sie zu sich selbst. Ich weiß, dass die Worte nur oberflächlich wichtig sind, aber im Hintergrund, unsichtbar, aber für mich deutlich zu spüren, passieren Dinge, die zu erklären ich selbst nicht fähig bin.

Ich spüre, dass der Raum um uns immer größer und heller wird. Ihre Düsterheit und die von emotionalen Verletzungen vernarbte Haut entspannen sich. Bis der entstandene, energetisch lichtvolle Raum ihr Ruhe und Sicherheit gibt. Die Narben beginnen sich zu röten und grauen Nebelschwaden gleich verlassen alte verletzende Worte und unschöne Gedanken ihren Körper. Ich spüre wie sie sich entspannt und gleichzeitig voll zitternder Energie ist.

Wir beenden das Gespräch zu dem Zeitpunkt, an welchem ihr Wesen losgelassen hat, was es loszulassen gibt. Äußerlich ist nicht viel passiert, außer dass zwei Menschen bei schlechtem Kaffee ein intensives Gespräch führen. Aber die Energie, die aus dem Herzen in den Raum geflossen war, hat ihr geholfen sich zu öffnen, sich selbst etwas mehr zu befreien.

Ihrem Wunsch entsprechend gehe ich noch durch die Zimmer, um das Haus auf seinen Energiezustand zu untersuchen. Wie bei vielen alten Häusern steht die energetische Matrix der Mauern auf wackligen Beinen. Die Wände erscheinen schief und dunkel. Manche sehe ich derart gewölbt, dass es mich wundert, wie man hier überhaupt wohnen kann.

Ich frage nach ihrem Schlaf und erhalte bestätigt, dass dieser ruhelos und ermüdend wirkt. Im Schlafzimmer spüre ich den Fluss des am Haus vorbeiziehenden Baches. Seine energetischen Fließmuster durchstreifen das Zimmer der Länge nach und mitten durch das Bett der Hausherren.

Während meiner Untersuchung erkläre ich die Zustände, kann mir aber noch keinen Reim darauf machen, was der Auslöser für eine solch Verschlechterung sein kann. Wasseradern und andere Strahlungen bewirken einiges. Aber dass die Energie eines Hauses so absinkt, dass kaum noch Luft zum Atmen in den Räumen zu sein scheint, kann nur an einer schweren energetischen Verletzung liegen.

Ich dehne mich aus, und wie ich die Räume vollständig ausfülle, zeigt sich in der Ecke ein verängstigtes Wesen. Nein: ein Wesensanteil. Aber diese Angstform kann nicht die Ursache des Problems sein, sondern ist selbst ein Teil des Schmerzes. »Was ist das für eine Tür?« »Ja, die führt in den Keller, aber da geht nie jemand runter«.

Wenn ich diese Worte höre, weiß ich, dass ich mindestens eine halbe Stunde unten zwischen Spinnweben und alten muffigen Dingen auf Ursachenforschung gehen darf. Ich verabschiede mich bis auf Weiteres und steige die alten ausgelatschten Steinstufen in einen düsteren Gewölbekeller hinab. Zwei nackte Glühbirnen hängen inmitten eines großen Nichts und kämpfen mit zartem Zittern gegen die Dunkelheit, die aus Ecken und Wänden in die Mitte des Raumes kriecht. Der Raum ist völlig leer.

Bis auf die verängstigten Augen der jungen, vor Angst starren Frau, die in verschlissenen Kleidern in der Ecke kauert und die beiden Soldaten fixiert. Wie der Hase vor der Schlange. Die Soldaten stellen ihre Waffen an die Wand und lachen. Sie ziehen sie aus, schlagen die unbewegte Frau, deren Seele schon nicht mehr in ihrem Körper wohnt, vergehen sich an ihr und töten sie. Wie eine hängende Schallplatte wiederholt sich die Szene. Immer wieder. Der Schmerz der jungen Frau fließt aus ihrem zerschundenen nebligen Körper in den Raum und saugt jede noch so frische Energie in sich hinein. Wie in ein schwarzes Loch wird alles, was Licht und Leben ist, in den düsteren Schlund der Raum und Zeit übergreifenden Gewalt gezogen.

Aus mir heraus brennt eine große Flamme in spiraler Bewegung, immer größer werdend, der Dunkelheit entgegen. Das Feuer nagt und zieht düstere Wolken aus den Ecken, aus den Wänden heraus, aus dem Ursprung des Schmerzes. Die beiden schemenhaften Gestalten der Soldaten – zurückgelassene Seelenanteile, die abgespalten hier stecken blieben, ohne Hoffnung alleine zurückzufinden, für immer verdammt die gleiche Situation wieder und wieder zu erfüllen –, werden aus der Schleife befreit und bleiben wie leere Hülsen am Boden liegen.

Die Dunkelheit ist gewichen. Übrig bleibt die fast erloschene Schwade einer einst lebendigen Frau. Auch sie verloren, aus dem Körper gestoßen und in der Schleife des Todes gefangen. Ich fühle nach oben. Die Decke verschwindet in Wellen und gibt ein Licht frei, das stark und hell, aber ohne zu blenden, herableuchtet. Ich reiche ihr meine Hand, voller Angst zuckt sie zurück, doch mit beruhigenden Gedanken nähere ich mich ihr, ergreife ihre durchscheinende Hand und geleite sie zu dem Licht. Wie immer kommen sie den halben Weg herab, nehmen die Frau mit freundlichen Gesten in Empfang und heben sie in lichte Höhen. Von unten sehe ich ihre Freunde, Bekannte, Familie, die sie in die Arme schließen. Sie ist noch immer verwirrt, hin und hergerissen zwischen Unglauben und Freude.

Ich reiße mich aus der warmen Energie, nehme beide Seelenanteile der Soldaten und führe auch diese zu dem Licht. Sie werden angenommen, und können nun zurück, wenn der größere Teil derer Seelenwesen dies geschehen lässt. Debil grinsend stehe ich in einem Gewölbekeller und atme erst einmal in aller Ruhe. Erfüllt von der leuchtenden Energie anderer Welten, die mich glücklich und zufrieden macht.

Immer wieder stoße ich auf den Krieg. So viele Jahre her und dennoch so mächtig und allgegenwärtig. Verlierer alle beide, Täter wie Opfer. Und im dauernden Kreislauf des Stehlens von Energie. Es ging immer nur darum die Energie zu stehlen, oder?

Ich begebe mich nach oben und stoße auf eine verwirrte Frau. Ich erzähle nur soviel, wie ich denke, dass sie wissen muss. Schließlich ist die Hypnose in Bezug auf Geister zu sehr von Angst und grausigen Bildern durchzogen. Meist aus den entsprechenden Filmen, wie Poltergeist oder Schlimmerem. Ich erkläre nun, was ich noch an dem Haus tun könnte. Dass ich aber denke, das ursächliche Problem liegt in ihr. Und wenn sie selbst dieses Problem in sich gelöst hat, lösen sich auch all die Dinge um sie herum. Oder sie stören sie nicht mehr. Eine Frage der Resonanz.

Ich bedanke mich für das Honorar und schreite zu meinem Volvo. Sie schaut mir nachdenklich hinterher, wie ich rückwärts aus dem Hof fahre. Ich bin gespannt, wie es ihr nun weiterhin ergehen wird.

Auf dem Weg zurück nach Hause lasse ich mir alles noch einmal durch den Kopf gehen. Dabei bemerke ich, dass ich mal wieder etwas mitgenommen habe. Obwohl ich mich sicher fühle und unangreifbar bin, kleben sich gerne mal irgendwelche Fremdenergien an mich. Ich konzentriere mich und dehne mich wieder über mein Auto hinaus aus. Ich spüre den Gummi auf dem rauen Asphalt, Details meines Wagens und die vorbeiziehende Landschaft. Ich öffne meinen Nackenbereich und der Rest der mitgenommenen Energien fließt in die Natur hinaus: mein Kopf ist wieder frei.

Als wir damals den Versuch starteten, war uns nicht klar, wie sehr die Menschen sich aus dem allumfassenden Feld lösen würden. Ja, es gab auch vorher schon Energieraub und wie auch immer geartete Kriege, aber in der irdischen Dichte sind Gewalt und Krieg mehr als extrem und exzessiv. Durch die Körperlichkeit ist hier alles viel schlimmer als je zuvor. Und ohne die innere Verbindung zum höchsten Licht, taumeln viele Menschen von einer grauenvollen Erfahrung in die nächste. Wenn wir uns nicht im Schleier des Vergessens verirrt hätten, wenn wir den Überblick und die Liebe in unseren Herzen behalten hätten, wäre es dann anders gekommen? Aber das Spiel, Macht über Andere auszuüben, wird es wohl solange geben, bis wir alle wieder da sind, wo wir angefangen haben. Bescheuert.

Ein Geräusch lässt mich auffahren. Es dauert einen Augenblick bis sich die Grenze zwischen Traum und vermeintlicher Realität einstellt und mir klar wird, wo genau ich bin. Was ist los? Ob eines der Kinder wach war und weinte? Nein. Es ist alles ruhig. So ruhig, dass ich das Fließen des Blutes in meinen Ohren wahrnehme. Es stellen sich weitere Geräusche ein: ein Rauschen – wahrscheinlich die alte Pumpe der Heizungsanlage. Ein Summen – klar der Kühlschrank. Und weitere, aber undefinierbare Geräuschfetzen schweben durch die Nacht. Vielleicht die Katzen, aber kein Geräusch aus den Kinderzimmern.

Ein Blick in mein Zimmer zeigt nur die verfremdeten Silhouetten der Möbel, die vom Mondlicht beschienen ihr Eigenleben bekommen. Fremde Gestalten in fremden Welten, starr vor Schreck, weil ich aufgewacht bin und sie nun mit meinem suchenden Blick banne. Wer hat hier wohl mehr Angst? Die rot glühenden Augen der mittlerweile unvermeidlichen, elektronischen Geräte hab ich mit Fotos zugedeckt. Es würde mich doch irritieren, wenn ich schlafe und dabei aus gespenstischen LED–Augen beobachtet werden würde.

Immer noch grübelnd, was mich wohl aus dem Schlaf gerissen hat, versuche ich den gesponnenen Faden des letzten Traums aufzunehmen und mich wieder in die Geschichte einzuweben. Ob es mir gelingt, kann ich nicht sagen, denn ich bin sogleich in der Tiefe des Schlafes verschwunden.

6:33

Das ansonsten fröhlich in den Morgen krähende Vogelgezwitscher meines Handys ertönt nun grell und erschreckend laut. Bevor ich wach bin, hab ich die Stimmen schon abrupt kaltgestellt. Es ist verdammt früh. Heute bin ich dran, die Kinder zu wecken und in die Schule zu bringen. Jetzt, wo es schon einigermaßen hell ist, macht es mir nicht mehr so viel aus, so früh aufzustehen. Auch wenn ich die nächste halbe Stunde noch nicht voll da bin. Aber im Winter bei Dunkelheit aufzustehen fällt mir unglaublich schwer. Es ist mir ein Rätsel, warum Kinder derart früh aufstehen müssen, um zur Schule zu gehen. Hat man nicht vor Kurzem festgestellt, dass es für alle Beteiligten besser wäre, wenn die Schule erst um neun Uhr begänne?

Für mich auf jeden Fall. Wie schön wäre es, an helllichtem Tag gemeinsam mit den Kindern gemütlich am Frühstückstisch den Tag zu beginnen. Aber in einer Gesellschaft, deren Dasein von Arbeit, Karrierewahn und Angst vor dem Ungewissen bestimmt ist, gibt es wohl kein Platz für Müßiggang.

Ich stelle mich in meine Hosen, zieh das Tshirtpulloverkonglomerat über mich und begebe mich in die Kinderzimmer. Das frühe Aufstehen scheint den Kurzen wenigstens nichts auszumachen, aber die gehen ja auch schon um acht ins Bett. Während ich das Obst für das Frühstück zurechtschneide, den Tee koche und die Brote für die Schule schmiere, ziehen sich die Drei an und regeln ihre kleinen Aufgaben: Tisch decken, Wasser holen, Katzenklo säubern.

Nach dem Frühstück sitze ich da, starre mit halbwachem Blick in den sich über den Horizont ergießenden Tag und warte, bis der Zeitpunkt des Aufbruchs naht. Da wir derart weit draußen wohnen, müssen die Kinder morgens zum Bus gebracht werden, der sie dann zur Schule bringt. Der Weg zur Bushaltestelle ist zu weit um diesen zu Fuß zu erreichen, weswegen wir abwechselnd fahren. Irgendwann findet sich vielleicht das passende Haus, das alle Erfordernisse erfüllt und die Kinder zu Fuß zum Bus oder in die Schule gehen können. Im Augenblick jedoch ist noch tägliches Fahren angesagt.

Ich freue mich jedes Mal, wenn der Winter des Nachts hereinbricht und die Straßen unpassierbar sind. Telefonketten informieren uns dann, dass die Schule ausfällt, weil die Busse nicht aus der Garage kommen. Dann lege ich mich wieder ins Bett und der Tag wird recht gemütlich. Ich finde Schule nicht so wichtig. Hauptsache, die Kinder haben den Raum, sich selbst zu entfalten und bekommen genügend Anregung, sich weiterzuentwickeln. Das gängige Schulsystem ist definitiv veraltet und geht an den tatsächlichen Bedürfnissen der Kinder meilenweit vorbei: Mit fünf Jahren in die Schule und Lernenlernenlernen, benotet und beurteilt zu werden und von Anfang an irgendeinem Stress ausgesetzt sein. Nein danke, das Leben soll doch Spaß machen. Gut, dass es alternative Schulmodelle gibt.

Meine Kinder lieben es, in die Schule zu gehen. Wenn ich da an die anderen denke, die schon im ersten Schuljahr die Schnauze voll haben, voller Stress und von Angstattacken gepeinigt, den Ernst des Lebens beginnen. Grauenvoll. Und wie soll das denn weitergehen?

Ich sitze an der Bushaltestelle im Auto, frierend. Das Glas beschlägt von innen, es ist noch zu kalt morgens. Mit dem Handschuh reibe ich das Fenster klar, damit der Blick auf die Kids an der Bushaltestelle frei wird. Ich beobachte, wie ein Kleinwagen heranfährt. Ein Kind steigt aus, ein Blick zurück ins Auto und es mutig stapft in Richtung Haltestelle. Bevor es auch nur einen Meter entfernt ist, verschwindet das Fahrzeug wieder im morgendlichen Verkehrschaos.

Da läuft das siebenjährige Mädchen ganz allein, mit sich selbst Mut machenden Schritten zu einer Haltestelle im Nirgendwo. Warum lässt man ein noch so junges Kind allein an der Haltestelle stehen? Nicht dass ich overprotecting wäre, aber was, wenn der Bus mal nicht kommt – was schon mal passieren kann? Wenn ich mir vorstelle: Als Kind allein an der vielbefahrenen Landstraße, der erwartete Bus kommt nicht, kein Ansprechpartner weit und breit ... ich käme mir sehr verlassen vor.

Und das ist genau eines der Dinge, die wir unseren Kindern nie antun würden: Ihnen das Gefühl zu geben, dass sie verlassen wären, allein. Da sind die paar Jahre gut angelegt und das Urvertrauen nie gebrochen. Welch ein Geschenk für ein Wesen, das sich in einer dichten Welt voller Hektik und Reglements zurechtfinden muss.

Ein weiteres Auto hält. Die Mutter, genauso groß wie ihr Auto hoch, klettert vom Sitz herunter und schiebt den sich ebenfalls herausschälenden Sohn an die Kreuzung. Zwei Blicke, ein Schubs und der kleine Junge hüpftspringtrennt über die Straße. Die Mutter hektikt sich wieder in das Auto und lässt das verunsicherte Wesen allein zurück. Auch sie reiht sich in das Heer computergesteuerter Fahrzeuge ein. Ein Auto pro Person. Alle in die gleiche Richtung, um die gleiche Uhrzeit, zu den gleichen Orten, an den gleichen Tagen, in gleichen Leben. Bis sie krank werden und vor Auszahlung der Rente sterben. Der Bus kommt. Die Kinder steigen ein.

Ich starte meinen Wagen, drücke den Knopf für die Musik und fahre nach Hause. Mein Tag beginnt.

Ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, wie das erste Lied am Tag den momentanen Zustand beschreibt? Wenn ich wach werde, habe ich sofort ein Lied im Kopf. Bei all den Liedern, die sich im Laufe eines 42–jährigen Lebens angesammelt haben, kann ich aus einem großen Repertoire schöpfen. Es hat ziemlich lange gedauert, bis mir klar wurde, dass das erste Morgenlied eine Botschaft in sich trägt.

Aus unerfindlichen Gründen und unabhängig von der Sprache passen Musik und der zugehörige Text zu dem augenblicklich vorherrschenden Gefühl. Als 17–Jähriger begeisterte ich mich sehr für die Platte »The Hurting« von Tears for Fears. Ich konnte die Scheibe quasi auswendig mitsingen, wenn man das so nennen kann, da ich des Englischen nur rudimentär mächtig war.

Erst viele Jahre später, als ich das Englische einigermaßen gut beherrschte, erkannte ich die Worte und den Sinn, den diese Musik in sich trug. Und die in den Liedern beschriebenen Gefühle entsprachen exakt dem Gefühlsleben meiner ersten 17 Jahren. Als hätten die Jungs von Tears For Fears vorher ein Interview mit meinem Unbewussten geführt. Und es dann in Englisch übersetzt. Erstaunlich.

Und so ist es auch jeden Morgen: Ein himmlischer DJ legt den Song des Tages in mein Ohr. Heute war es Seeed: »Stop! Heute sehe ich ziemlich gut aus, mach mich schick und setz nen Hut auf ...«. Was ich dann auch mache und beschwingt in den Tag starte.

Ich steige aus dem Auto, hänge meine Jacke an die Garderobe und nehme vorher Brieftasche und Handy heraus. Die kommen in mein Büro und nachdem ich die ausgelatschten Hausschluppen angezogen hab, bewege ich mich gemütlich in die Küche, um Kaffee aus dem Kühlschrank zu holen. Dabei versuche ich, die Katze nicht zu wecken, die sich mal wieder ein besonderes Plätzchen ausgesucht hat und die bei der geringsten Bewegung Gefahr läuft, vom Stuhl herabzufallen. Sie ist ein kleiner Tollpatsch. Und dünn und hat diesen ewigen Schnupfen. Es ist ja nicht nett: Aber ich muss oft lachen, wenn sie sich wieder umständlich einen Platz erarbeitet, sich zurechtlegt und keine Minute später mit dem gesamten Kissenarrangement vom Stuhl, von der Heizung oder vom Fenstersims herabfällt. Oder dieses Timing sich genau dann auf meinem oder Petras Schoss zurechtzukuscheln, wenn wir gleich aufstehen müssen.

Die andere Katze ist da ganz anders. Pauline. Ein Tiger in Katzengestalt. Keine Ratte ist groß genug, um nicht noch von ihr angefallen und ins Haus gebracht zu werden. Manchmal leben die noch und dann herrscht Panik im Haus. Und sie ist superstolz darauf, dass sie uns ernähren kann. Sehr witzig.

Der Espresso wird in eine Chromkanne gefüllt, unten Wasser, darüber der Kaffee, nicht zu vergessen Gummidichtung und Sieb, Zusammenschrauben und auf die Herdplatte. Daneben stelle ich einen Milchtopf, der genau die richtige Hitze hat, wenn der Kaffee laut vor sich hin blubbert. Die Milch von Hand schäumen, den Espresso langsam in die Tasse zu dem Schaum fließen lassen und das Frühstück ist fast fertig.

Ich überlege, ob ich das Radio anschalten mag, um dabei die Zeitung zu lesen, oder einfach in Ruhe dasitze, um den fantastischen Ausblick zu genießen. Vor noch nicht all zu langer Zeit war es mir sehr wichtig, Nachrichten zu hören und Zeitungen zu lesen, um genau über alles Bescheid zu wissen. Aber mittlerweile kann ich ganz gut drauf verzichten.

Fernsehen

Es summt, ein Vibrieren. Zunächst wundere ich mich über das ungewohnte Geräusch, bis mir einfällt, dass ich das Anrufsignal verändert habe. Neuerdings vibriert mein Handy, bevor es mich funky daran erinnert, dass ich angerufen werde. Wenn die Musik erklingt, ist es meist schon zu spät, um dran zu gehen, da ich das Gerät erst mal finden muss. Außer Atem und mit flinken Fingern kann ich den oberen Teil des Telefons hochschieben, und ein keuchendes Hallo reinhecheln. Ein Fernsehjob.

Zunächst freue ich mich natürlich. Hauptsächlich aber wegen des zu erwartenden Honorars. Die Zeit, in der ich viel Freude am Entwerfen von Fernsehbühnen hatte, ist längst vorbei. Die Anforderungen haben sich verändert, und die Kreativität ist auf der Strecke geblieben.

Spannende Entwürfe fallen immer öfter durch das Raster der Massenverträglichkeit und für mich ist somit immer weniger Platz in der Branche. Die daraus erwachsene Unzufriedenheit und natürlich die immer wieder auftauchende Sinnfrage der Fernseharbeit führten zu dem ewigen Hin und Her, ob ich nicht doch besser als Feng–Shui–Berater mein Geld verdienen sollte. Aber bei dieser Tätigkeit fehlt mir das kreative Moment, der Spaß neue Welten, neue Objekte, Möbel oder sonstig was zu erschaffen. Aber das Problem hat sich von allein gelöst. Als ich die Kontrolle über meine beruflichen Absichten und Ziele losließ und mich dem großen Fluss und Treiben hingab, kam alles ganz anders, als ich es je hätte planen können.

Die Situationen, die sich in mein Leben ergossen, führten mich zunächst über die längst abgelegte Kunst der Kostümgestaltung wieder zurück zum Theater, wo ich immer am liebsten gearbeitet hatte. Ich musste aber einige Jahre einen anderen Weg gehen, um mir selbst klar zu werden, dass Karriere und viel Geld zu verdienen nicht das Wichtigste im Leben ist.

Hauptsache der Job macht Spaß!

Meine frühen künstlerischen Arbeiten waren eher aus Schmerz und Leid motiviert. Die Zeichnungen, Skulpturen, Malereien, Kostüme und sonstigen kreativen Auseinandersetzungen waren Ausdruck meiner gequälten Seele, die sich über die Kunst zu befreien versuchte. Was auch gelang, aber mir natürlich nicht viel Geld einbrachte. Aus dem Schmerz und dem Druck, der durch bestimmte Verletzungen – des Selbstwertes zum Beispiel – entstanden ist, kann immense kreative Kraft entstehen. Viele Künstler – ob im Musikbereich oder darstellenden Künsten – haben in der ersten Schaffensphase ihre besten Arbeiten gestaltet, realisiert, umgesetzt. Oftmals eine Bearbeitung eines auf der Seele liegenden Schmerzes. Wenn diese Arbeit beendet ist und der Schmerz aus dem Leben herausgearbeitet wurde, kommt oft ein großes Loch. Manche Künstler versuchen dann den Schmerz künstlich weiterzubeleben, um das daraus erwachsende Leid in ihre Kreativität fließen zu lassen.

Der Schmerz kann also das Benzin für den Motor intensiven künstlerischen Schaffens sein. Manchmal sind die späteren Arbeiten nicht mehr so stark, so intensiv und berührend wie die ersten aus dem Leid geborenen Auseinandersetzungen.

Natürlich gibt es auch Künstler mit anderer Motivation – ich will nicht alle über einen Kamm scheren. Dennoch ist das Prinzip oft beobachtbar. Und bei mir war es genauso. Ich versuchte mit meiner Kunst, die ich parallel zu Design, Kostüm und Bühnenarbeit erarbeitete, meinen tiefen, unaussprechlichen Schmerz auszudrücken. Bis irgendwann plötzlich die Luft aus dem Antrieb gewichen war.

Ich hätte mich dazu durchringen können, intellektuell und kopflastig arbeitend weiterzumachen. Oder noch tiefer zu graben, um weitere Verletzungen in mir zu finden, um meinen Schaffensprozess zu füttern. Aber als ich erkannte, dass es keinen Druck mehr in mir gab, den ich durch Bilder oder Skulpturen hätte verarbeiten können, ging ich in mich und fand diese verschüttete, längst vergessene Seite in mir: die lustige, humorvolle Ebene meines Wesens. Ich entschied mich diesem Pfad zu folgen und öffnete meinem künstlerischen Können neue Türen in andere Welten des Ausdrucks. Humor.

Meine Arbeiten wurden zusehends lustiger und brachten die Menschen zum Schmunzeln. Was ich dann auch bei Dekorationen und Kindersendungen einbringen konnte. Dieser Wandel in meinem Schaffen hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und brachte auch für mein normales Leben Veränderung. Ich verdiente endlich ganz gut und schließlich zog ich daraufhin auch mit Petra zusammen. Und wir gründeten unsere Familie.

Eine absolut neue Welt tat sich auf. Meine Intention lag nicht mehr darin, meinen Leidensdruck darzustellen, sondern meiner Lebensfreude in mir und in meiner Arbeit Raum zu geben. Es folgte eine sehr spaßige und überaus kreative Schaffenszeit. Mein Dasein bekam eine bis dato nicht gekannte Leichtigkeit, mein Fokus war auf Leben gerichtet.

Die spannendste Zeit für mein kreatives Arbeiten waren die fünf Jahre im Kaiserhoftheater zu Köln. Unter der Regie von Walter Bockmayer, der so hervorragend das Beste aus seinen Schauspielern herausholen kann, durfte ich alle Register meines künstlerischen Könnens ziehen. Nicht nur die Bühne, die ich komplett durchkonstruieren durfte, sodass jeder Kubikzentimeter genauestens verplant war, weil immer irgendwo etwas aufging, herunterschwebte, hindurchgezogen wurde oder sogar aus dem Boden herauskam. Auch funktionelle Tier– und Phantasiekostüme konnte ich entwickeln und realisieren. Technik in allen Variationen: das Bemalen und themenbezogene Dekorieren des gesamten Theaters. Das Ausklügeln der ausgefallensten Aktionen: von fliegenden Engeln über den Köpfen der Zuschauer, herabpinkelnden Affen bis zu einem Minischwimmbad unter der Bühne, welches mittels aus dem Boden kommender Spiegel zum Esther–Williams–Gedächtnisspektakel erhoben wurde. Ich konnte mich und meine Kreativität vollends ausleben. In dieser Zeit lernte ich die Kraft des Entertainments kennen.

Früher dachte ich immer, ich müsste den Menschen mit in die Höhe gestrecktem Zeigefinger die Missstände in unserer Gesellschaft und des eigenen Lebens aufzeigen. Dies geschah durch meine Kunst und meinen missionarischen Eifer. Wodurch ich die Herzen der Menschen für das Mysterium des Lebens und der notwendigen gesellschaftlichen Veränderung zu öffnen versuchte. Ich stellte aber fest, dass sich Menschen beim Betrachten von Schmerz inspirierter Kunst eher verschließen.

Sie müssen sich auch schützen, denn oftmals wird durch das Betrachten von schrecklichen Bildern das eigene Leid angerührt. Der Mensch geht in Resonanz mit dem durch die Kunst ausgedrückten Schmerz. Es gibt viele Möglichkeiten mit dieser Resonanz umzugehen. Aber in den allermeisten Fällen bleibt das Herz dabei verschlossen. Muss es ja auch, da die wenigsten Menschen den eigenen Schmerz nicht sehen wollen. Und deswegen auch die Mauer errichtet haben, die das Herz vor weiteren Verletzungen schützen soll. Wodurch allerdings auch keine Veränderung geschehen kann. Weil nicht das Herz, sondern nur der Intellekt, das Denken angesprochen wird. Und um sich zu verändern, muss man das Herz öffnen. Um die dort gefangenen Gefühle zu befreien.

In meiner Theaterzeit erkannte ich dann, wie man Menschen tatsächlich berühren kann. Als ich 300 lauthals lachende Menschen im Theatersaal sitzen sah, und die Gelöstheit in deren Gesichtern bemerkte, als sie die Show verließen, wurde mir bewusst, welche Macht und Kraft in dieser Arbeit steckt. Durch den erlebten Spaß und das daraus erfolgende Lachen sind die Herzen der Zuschauer offen und weit, die Energie ist umwerfend. Ich konnte den Unterschied in der Raumenergie vor der Show und danach fast körperlich spüren. Nicht nur, dass die Menschen sich selbst beschenken, sie geben Herzensenergie an die Umwelt weiter, ein kleines Schneeballsystem der Freude und Gelassenheit. Faszinierend. Und wenn ich im Gegensatz dazu die betroffenen, mitleidsvollen oder gar verhärteten Gesichter der vermeintlich berührten Menschen in Ausstellungen betrachte, frage ich mich, welches System ist besser geeignet, um uns selbst und unsere Welt zu heilen?

Durch humorvolles Entertainment, durch eine unterhaltsame Geschichte oder entsprechende Lieder kann ich den Zuschauern eine kleine Botschaft der Freude oder der allgemein gültigen Wahrheit einpflanzen. Dadurch erreiche ich mehr als durch erschreckende Bilder von Schmerz und Leid. Ich setze kleine Samen in die geöffneten Herzen, um eine friedlichere, offenere, und vor allem tolerantere Welt mitzugestalten. Der Samen wirkt im Herzen weiter und verändert den Menschen von innen heraus. Während Zeigefingerkunst nur den Verstand anspricht. Aber der Verstand ist nicht derjenige, der ändert. Er ist standhaft! Und wiederholt lieber das, was er kennt.

Insofern war die Theaterzeit im Kaiserhof eine vielfältige, spannende und interessante Zeit für mich. Aber auch dies ging leider vorüber. Das Theater konnte sich damals nicht mehr finanzieren. Mir blieb die Karriere als Bühnenbildner beim Fernsehen.

Das machte mir auch Freude, auch wenn der kreative Prozess dabei nur ein Bruchteil der gesamten Arbeit ausmacht. Immerhin waren auch meine logistischen und statischen Fähigkeiten gefordert. Und ich lernte die Gratwanderungen, welche die Vorgaben an den Entwurf brachten, zu beherrschen. Aber das kreative Arbeiten im Büro stellte mich nicht so zufrieden, wie das selbsthandanlegende Arbeiten mitten im Geschehen der Theaterszene.

Die Schaffensphase als Bühnenbildner hatte natürlich einige gute Seiten: Mein Honorar war um einiges gestiegen und ich arbeitete zu 90 Prozent von zu Hause aus. Wo ich meine Kinder erleben durfte, und ihnen ständig nahe war. Alles in allem in Ordnung. Eine gewisse Zeit lang.

Bis jetzt, wo ich spüre, dass eine neue Phase meines Lebens beginnt. Ein Neuanfang, der eine komplette Umstrukturierung mit sich bringt. Wohin? Ich weiß es nicht.

Ich fahre meinen neuen PC hoch. Klickklickklick und ich bin im Netz. Nachdem ich alle aufpoppenden Fenster entsorgt habe, die mich in unermüdlichem Dienst am Kunden seit Monaten daran erinnern, dass ich ein neues Virenprogramm bestellen müsste, öffne ich mein virtuelles Postamt.

Nachrichten. Ich freue mich, wenn ich Mails bekomme, muss aber feststellen, dass von zehn verschickten höchstens eine beantwortet wird. Ich liebe das Mail–Schreiben. Und aus den bereits verfassten Mails hätte ich Bücher unterschiedlichsten Niveaus machen können. Unter Massen von Spam erkenne ich die erwartete Nachricht über den neuen Job. Ich öffne den Anhang, drucke den Text aus, und surfe auf meine favorisierten Internetseiten, die ich täglich zu besuchen gewohnt bin.

Ich recherchiere gerne im Netz, wenn ich ein entsprechendes Thema, einen zu ergründenden Ansatz habe. Aber einfach so im Internet herumzugurken ist mir zu langweilig. Viele Seiten ziehen mich auch einfach runter oder verstopfen meine Synapsen mit überflüssigem Gedankenmüll mit langer Halbwertzeit. Ich beende die Verbindung, habe aber das Gefühl, noch darin verweilen zu müssen. Hypnose?

Das Blatt fällt aus dem Drucker auf den Boden. Ich hebe es auf und beginne die Anforderungen für das Bühnenbild zu lesen. Was sich am Telefon so toll angehört hatte, zeigt sich mal wieder von einer komplett anderen Seite. Nicht nur, weil der Entwurf schon gestern fertig sein müsste, weil in drei Wochen schon die erste Aufzeichnung geplant ist. Es gibt eine Kostenvoraussetzung, die überhaupt nicht realistisch ist. Nicht in der Kürze der Zeit und nicht wenn ich auch noch etwas daran verdienen will.

Ich rufe die Produktionsfirma an, um die extremen Voraussetzungen zu diskutieren, um Details zu erfahren. Auf die Frage, ob meine Entwurfsarbeit – als einer von fünf (!!!) zur Ausschreibung herangezogenen Bühnenbildnern – in gewissem Maße honoriert werden würde, höre ich nur: Das können wir uns nicht leisten. Aha, denke ich. Da wird wieder mal eine Sendung auf den Köpfen der Billigarbeiter ausgetragen. Ich kann ja verstehen, wenn die Kosten überhand nehmen, und die Produktion günstig realisiert werden muss. Aber ich weiß auch, was verdient werden kann, wenn die Sendung läuft und dass die Kosten bei rechtzeitiger Entscheidung halb so hoch sein würden. Ich kann das System einfach nicht mehr ertragen und sage kurzerhand ab. Mein Leben ist mir zu kostbar, um es mit solchen Spielen zu vermiesen. Bauchentscheidungen und Entscheidungen, die meinem Selbstwert dienen, sind immer die besten. Und letztlich hat sich immer gezeigt, dass es finanziell und arbeitstechnisch irgendwie weitergeht. Und meist eröffnen sich ganz neue Welten, neue, interessantere Jobs oder Arbeiten, für die ich keine Zeit gehabt hätte, wenn ich in dem System mitgeschwommen wäre. Und diese neuen Erfahrungen bereichern mein Leben ungemein.

Talente

Und jetzt sitze ich hier und schreibe ein Buch. Schon wieder etwas, was ich noch nie zuvor getan habe und von dem ich eigentlich dachte, dass ich es nicht kann. So ging es mir schon oft. Ich nehme neue Herausforderungen einfach an, in der Sicherheit und einem Schuss Hoffnung, dass mir schon gelingen wird, was ich da beginne.

Einmal nahm ich einen Job an, für den ich 2,50 m hohe Styroporskulpturen von Heine, Bismarck, Luther und Händel anfertigen musste. Ohne groß zu zögern, nahm ich den Auftrag an, um danach – als ich dann allein war – sofort in heftige Zweifel zu verfallen. Das zu erwartende Honorar, welches ich dringend benötigte, ging zu einem Großteil in die Anschaffung der notwendigen Werkzeuge. Zunächst überlegte ich, wie bekomme ich überhaupt vier Styroporquader von der Größe 150x150x250 in mein kleines Atelier? Glücklicherweise hatte ich vier Oberlichter mit einer entsprechenden Erhöhung des Raumes, sodass der Raum zwar dunkler wurde, aber die Quader wenigstens stehen konnten.

Als das Styropor im Raum stand und ich eine Kettensäge sowie die benötigten Messer gekauft hatte, begann ich mit riesigen Folien den Raum abzuschotten. Um eine Schleuse zu bauen. Denn Styroporkügelchen haben die nervtötende Angewohnheit, wie Pech an einem zu kleben. Ich besorgte mir dem Auftrag entsprechende Fotos der zu realisierenden Herren und startete die Kettensäge. Letztendlich war es einfach: Ich musste nur das wegschneiden, was nicht zu der Skulptur gehörte und die Figuren schälten sich wie von selbst aus den Styroporblöcken.

Was ich damit sagen will: Ich war Gott sei Dank immer mutig genug, mir unbekanntes Terrain zu begehen, die kommenden Herausforderungen anzupacken und meinen Gefühlen zu folgen. All diese Sprünge in kaltes Wasser waren immer von Erfolg gekrönt. Es zeigte sich, dass ich einfach Talent besitze. Viele Talente.

Schon in der Schule war klar, dass mein Können nicht in der sportlichen Bewegung oder dem Auswendiglernen von irgendwelchen Daten oder Pseudotatsachen lag, sondern eher in den ruhigen, handwerklichen Tätigkeiten. Und eben vor allem in den künstlerischen Bereichen. Ich fing an, mir selbst das Zeichnen beizubringen, indem ich meine Lieblingsfiguren aus den Comics abzeichnete und die Wand über meinem Bett zu meiner ersten Ausstellungsfläche bestimmte.

Überhaupt war das Zeichnen meine Art mit den hereinstürzenden Überraschungen eines jungen Menschenlebens umzugehen. Auch die aufkeimende Geschlechterdefinition versuchte ich mittels anatomischer Studien zeichnerisch zu erforschen. Mangels entsprechender Vorlagen mussten weibliche Vorlagen, Wäsche– und Bikiniträgerinnen aus dem Ottokatalog Modell stehen. Was meinem Vater aber absolut nicht gefiel und er meine gesammelten Nackedeis im Ofen verbrannte. Aber das konnte mich ja nur »bestärken«.

Ich war eh schon immer in mich gekehrt und sonderte mich mehr und mehr ab. Mein Wunsch, beruflich »irgendwas mit Zeichnen« zu machen, erledigte sich mit der reprofotografischen Lehrstelle, auf die ich mich freute, die dann aber kurzfristig abgesagt wurde. Zur Schule zu gehen, kam nicht mehr in Frage: Ich hatte keine Lust mehr überflüssiges Zeug zu lernen und wollte Geld verdienen, irgendetwas anderes machen. So landete ich in der »anständigen« Ausbildung zum Polsterer. Der Einfluss meiner Mutter ließ mich glauben, dass ich auch da irgendwann einmal zeichnen könnte. Zu der Zeit hab ich alles geglaubt. Und so begann ich diese dreijährige Lehre.

Schon allein deswegen, weil mein Meister mich damals so behandelte, als sei ich der Bösewicht der Nation. Und das nur, weil ich gefärbte Haare, schrille Klamotten und Piercings in Ohr und Nase trug. Damals hießen die allerdings noch nicht so. Es gab auch keine entsprechenden Gerätschaften. Weswegen die riesige Ohrlochstanzpistole einfach in meine Nase gequetscht wurde, was mehr Schmerzen hervorrief, als das dadurch eingestanzte Loch.

Dabei war ich wie die meisten äußerlich Auffälligen ein eher ruhiges Wesen. Kein laut herumbrüllender, furzender oder um mich schlagender Proll – wie einige meiner Arbeitskollegen, deren Untaten stets mir in die Schuhe geschoben wurden –, sondern einfach nur anders als die anderen. Vielleicht sogar sensibler.

Durch die viele Arbeit und das Ausleben meiner neuen Freiheit, die durch mein zum Chopper gestylten Mofa ermöglicht wurde, vergaß ich einige Zeit lang mein künstlerisches Talent. Bis ich unzufrieden wurde und wieder mit dem Zeichnen und Malen begann. Ich eignete mir die Kunst mit der Airbrushpistole zu arbeiten an und bemalte Motorradtanks, Helme, Autos. Einfach alles, was sich so anbot. Selbst unsere Mülltonnen waren zum Schrecken meines Vaters bebuntet.

Ich arbeitete generell ohne Atemschutz, was mir jahrelanges Versagen des Geruchsinns einbrachte. Aber es machte unglaublich viel Spaß. So wurde der alte Wunsch mit meinem zeichnerischen Können auch Geld verdienen zu können, wieder bestärkt. Zumal ich schon für das Bemalen der Fahrzeuge ein bisschen Kleingeld erhalten hatte. Aber noch befand ich mich emotional in einer tiefen Falle, sodass ich immer noch das tat, was aus meinem familiären Umfeld und von meinen Ausbildern und Lehrern »empfohlen« wurde.

Das änderte sich erst, nachdem ich bei der Bundeswehr war.

Diese unfassbare, äußerst suspekte Geschichte erzähle ich vielleicht später. Jetzt mag es genügen, dass ich während dieser Zeit nur Zeichnungen von besoffenen Soldaten, Porträts irgendwelcher Damen, die Bemalung des Kompaniegebäudes und Milliarden von Urkunden für irgendwelche Obersthauptfeldwebelentlassungsodergeburtstagsgrüße zeichnete. Das pure daumendrehende Absitzen von Zeit. Mit viel Zeit nachzudenken.

Letztlich waren diese verschenkten Jahre nicht überflüssig. Denn danach beschloss ich, nie mehr etwas zu tun, das ich nicht wirklich wollte. Und das hab ich seitdem durchgezogen.

Und seitdem ging es mir immer besser. Ich hatte endlich begonnen mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Mit einem ersten Sprung ins kalte Wasser zog ich nach Pforzheim. Um dort an der Fachhochschule für Gestaltung Modedesign zu studieren. Was mangels Fachhochschulreife ja eigentlich nicht möglich war. Aber mein zeichnerisches Talent schenkte mir die Begabtenprüfung, wodurch mir die Aufnahme zum Studium gelang. Tja, wenn man was wirklich will, dann klappt es auch!

Und schließlich verdiene ich doch Geld mit meinem Talent. Obwohl meine Eltern und Lehrer immer meinten: »Lern du was Anständiges! Zeichnen kann man immer noch als Hobby machen.« Aber von Hobbys halte ich nicht viel. Denn das impliziert, dass ich die meiste Zeit etwas mache, was mir nicht gefällt. Und um diesen Frust zu kompensieren, suche ich mir dann ein hobbyartig ausuferndes Betätigungsfeld, um nicht ganz durchzudrehen.

Ich will aber genauso leben, wie ich es mir vorstelle. Und zwar täglich und ohne Kompromisse. Dank meiner Talente gelingt mir dies auch. Wobei Kinder natürlich eine gewisse Einschränkung dieser Lebensweise erfordern. Aber da ich mich bewusst für die Kinder entschieden habe, entspricht diese Veränderung ja wiederum meinem Wollen.

Talente ... Das Leben wäre einfacher, wenn ich nur dies eine Talent hätte. Aber in seiner Gnade schenkte mir Gott eine Menge an Talenten. Was mein Leben nicht unbedingt erleichtert. Denn welches soll ich zum Beruf erwählen?

Durch die Anregung meiner Lehrer – um mich aus meiner kindlichen Isolation zu holen – steckten mich meine Eltern in verschiedene Vereine. Da war natürlich zuerst der dörfliche Fußballverein. Toll. Ich war damals schwerstens übergewichtig. Was zu besonders lustigen Momenten führte – für die anderen. Es muss wirklich brüllend komisch gewesen sein, wenn ich als dicker Brillenträger mit schwerem Körper wabbelnd und fetthüpfend einem Ball hinterherjagen musste. Hölle.

Am schlimmsten war das anfängliche Aufwärmgerenne. In den Wald und in großem Bogen zurück zum Sportplatz. Meist warf ich mich schon nach wenigen Schritten auf den Rasen am Wegrand und wartete heftig atmend auf die Rückkehr der restlichen Truppe. Ich weiß nicht mehr, wie lang ich in dem Verein weilte, aber bestimmt keine zwei Monate. Danach gab es Handballverein, Turnverein und bestimmt noch irgendwas, was ich nicht mehr weiß ...

Immerhin hab ich dem Turnen eine nette Narbe an meinem Kinn zu verdanken.

Wie immer hechelte ich beim Schulsport der joggenden Meute hinterher. Ich war brillenlos, weil diese durch mein intensives Schwitzen von der Nase fallen konnte. So sah ich den fetten Knoten des Kletterseiles nicht auf mich zukommen, den ein Kind aus einer nicht nachvollziehbaren Laune heraus in fliegende Bewegung gebracht hatte. Durch die vom Rennen verstärkte Kraft schwang das Seil mit hoher Geschwindigkeit zurück. Und mir voll in die Fresse: Womm.

Da ich mit recht scharfen Eckzähnen bewaffnet bin, schaute danach der rechte Hauer durch die Unterlippe heraus. Loch eins.

Wie man sieht, war und bin ich nicht des Sportes großer Freund.

Auch das Schwimmen konnte mich nicht begeistern. Ich denke das liegt einerseits am tollen Schwimmtraining meines Onkels, der sich uns Kinder gern mal schnappte, um uns ins Freibad zu begleiten. Merkwürdigerweise kümmerte er sich hauptsächlich um meine gerade in weibliche Proportionen sprießende Cousinen.

Die einfachste Methode das Schwimmen zu lernen ist ja bekannterweise die Variante, in welcher das mit einem natürlichen Schwimmring ausgestattete Kind auf eine Rutsche gesetzt wird, um dann im Wasser unten aufgefangen zu werden.

Auf jeden Fall glaubt das vertrauensvolle Kind das. Aber nur so lang, bis es unter Gejapse und mit viel Wasser in Auge, Nase, Mund und Ohren wieder endlich zu Luft kommt. Um verschwommen den sich vor Lachen den Kugelbauch haltenden »Schwimmlehrer« zu sehen. Bei mir hatte diese Variante des Schwimmtrainings einen umgekehrten Erfolg. Fortan lag ich auf meinem nicht gerade schmalen Bauch und beobachtete ebenfalls die aufkeimende Weiblichkeit um mich herum.

Ein weiterer Grund, ungern schwimmen zu gehen, war meine Scham. Diesen dicken, schwabbelnden Körper in Badehose der Gemeinde zu zeigen, erforderte zu viel Mut. Sport war einfach nichts für mich.

So kam es, dass das Einzige, was noch zum zwangsweise Geselligwerden blieb, ein Tanzkurs war. Die letzte Möglichkeit den verschlossenen Sohn gruppentauglich zu machen.

Zufällig war dies kurz nach einer vom Arzt kontrollierten Diät und meinem erstaunlich schnellen parallelen pubertätsbedingten Wachstum. Was mich zwar nicht leichter, aber anders proportionierter machte. Diese Veränderung meines Körpers in einen normal schlanken Jüngling verlief aber nur äußerlich. Den Gedanken des Dickseins hab ich erst vor fünf Jahren loslassen können. Zeitgleich zur Einführung in die Tanzwelt wurde ich fünfzehn. Und mit dem Geschenk eines Mofas kam die oben erwähnte Erstbefreiung meinerseits.

Kurzum: Der Tanzkurs war der volle Erfolg. Ich hatte vorher nie einen Gedanken an das Bewegen meines Körpers zur Musik in Betracht gezogen, obwohl ich natürlich intensiv die gängige Musik von damals hörte, insbesondere die der Beatles. Es gab damals ja zwei unterschiedlichen Fan–Lager: Entweder gehörte man zum Lager der Beatles oder zu dem der Rolling Stones. Ich denke, der Unterschied liegt sicher nicht nur in der Art der Musik, sondern auch und vor allem in dem, was dahinter verborgen mitschwingt.

Betrachte ich mir die Texte der Beatles, vor allem in der späteren Schaffensphase, füllt sich mein Herz mit viel Gefühl und Liebe. Die Texte beschreiben ganz klar den Bewusstwerdungsprozess, den die meisten Menschen zu diesen Zeiten durchmachten.

Auch die heutigen Liedertexte sind klar in ihrer Ausrichtung. Es geht bei bestimmten Gruppen nicht mehr um oberflächliche Liebesgeplänkel oder Alltäglichkeiten, sondern um das neue Definieren des Menschen als bewusstes und spirituelles Wesen. Oder die Texte beschreiben den hilfesuchenden Schrei. Die Verzweiflung auf der Suche nach dem wahren Ich, was ja letztlich auch das Ursprüngliche, das Gott–Sein beinhaltet.

Kurzum, wir befinden uns in einer hochspirituellen Phase in der Musikgeschichte. Dabei ist es völlig unwichtig, welcher Musikrichtung die Gruppe angehört. Es ist nur wichtig, dass viele Menschen die Texte mitgrölen, denn nur so schaffen wir ein neues Feld von Gruppenbewusstsein. Ständig wiederholte Sätze und Gedanken haben die Angewohnheit sich zu realisieren. Wenn ich viele negative Gedanken in mir trage, realisieren sich diese. Bin ich mit meinen Gedanken in einer befreienden, positiven Grundstimmung, erlebe ich positive Ereignisse als meine Wirklichkeit. Und ich spreche hier nicht von oberflächlichem positiven Denken, das nur wie Tünche über der wirklichkeitsbildenden, negativen Gedankenschicht klebt. Und so kann die Musik, die wir täglich hören, zu einer großen Veränderung beitragen. Denn durch die genialen Texte vieler Bands heutzutage ist das eine nicht zu verachtende Unterstützung unserer Bewusstseinsevolution.

Und das fing meines Erachtens eben schon mit den Beatles an, die meine absolute Lieblingsband war. Ich hörte zwar auch ABBA, aber eher wegen der beiden Mädels und die damals aktuellen Gruppen: ELO, Manfred Manns Earth Band etc. ...

Aber das Tanzen war mir eher fremd. Und als ich das erste mal ein Mädchen zum Tanzen auffordern musste, wollte ich eher schnell im Boden versinken und den Saal schleunigst wieder verlassen. Doch dann geschah ein Wunder. Das Tanzen befreite mich irgendwie. Es löste mich auf. Ich verlor mich vollkommen in der Musik, wenn ich den Rhythmus und die Akkorde in körperliche Bewegung umsetzte. Das Tanzen brachte neue Gedanken und Gefühle in mir hervor.

Nach den Standard–Stunden war freies Tanzen angesagt, damals ja auch recht neu – Let´s go disco.

Ich weiß noch, wie ich zu Anfang überhaupt nicht mehr wusste, was ich denn tun sollte. War ich doch gewohnt, alles gesagt zu bekommen. Jeder Gedanke war fremdbestimmt, vorgegeben, eingepflanzt. Ich war ein mir selbst fremdes Wesen, das seinen wahres Sein vergessen hatte. Nur war mir dies nicht bewusst. Ich war eben so wie ich war: unsicher, unwissend, fremd. Und plötzlich sollte ich mich alleine bewegen, ohne vorgegebene Schritte und so. Allein entscheiden, allein handeln. Aus mir heraus!

Ich tat es. Und löste damit eine erste Revolution in mir aus. Fortan war das Tanzen neben dem Zeichnen mein Ein und Alles. Ich denke, dass ich seit meinem fünfzehnten Lebensjahr so gut wie jede Woche exzessiv abtanzen war. Ich hab alles mitgenommen, alle erdenklichen Standardtänze, Rock ‘n’ Roll, Swing, Stepptanzen und schließlich bis zu meinem Pseudomilitärdienst auch Ballett.

Als ich nach der Bundeswehr beschloss meinen absolut eigenen Weg zu gehen, bewarb ich mich auch an einer Ballettschule, doch war ich damals schon zu alt für ein Tanzstudium. Heute bin ich froh darüber. Denn der Weg, den ich gegangen bin, ist genau richtig so gewesen. Und das Tanzen blieb mir ja dennoch erhalten.

Mein Musikgeschmack hat sich immer wieder sehr gewandelt. Ich lebte ja auch in einer extremen, schnelllebigen und faszinierenden Zeit: Punk, Wave, Ska, Funk, Soul, Rockabilly oder alternative Rock ... Aber leider wurde in den Tanzhallen, in denen ich meine Abende verbrachte, selten die Musik gespielt, die ich am liebsten hörte.

Ich bin nicht fixiert auf eine bestimmte Musikrichtung. Aber ich muss beim Tanzen die Gefühle der Musiker spüren. Dabei ist es nicht wichtig, welcher Art diese Gefühle sind, denn ich will alle ausleben und austanzen. Und da in mir die gesamte Bandbreite aller Emotionen vorhanden ist – so, wie bei allen anderen auch –, kann ich mich völlig auf jede Musik einlassen (außer Techno). Die Gefühle, die ich durch die Musik in mir hochkommen lasse, lebe ich durch das exzessive Tanzen wieder aus. Ich befreie mich also durch das Tanzen von all den Gefühlen, die unterdrückt in mir auf Befreiung warteten. Das macht nicht nur unglaublichen Spaß, sondern hilft mir auch frei zu sein. Denn viele der menschlichen Probleme entstammen den unterdrückten Gefühlen. Wenn ich diese aktivieren und »raus« lasse, können sie nicht in mir klebend mein Denken und Handlen vergiften. In diesem Zusammenhang ist es sehr interessant, wie sehr sich meine Lieblingsmusik gewandelt hatte. Es gab Zeiten, da ging ich voll auf aggressive Musik ab: Ich hab meinen Körper in schnellster Ekstase dem hämmernden Beat und wutschreienden Gitarrenriffs hingegeben. Um eben diese in mir explodieren wollende Wutgefühle zu befreien. In einer anderen Zeit gehörte das verzweifelte Leiden von The Cure zu meiner Lieblingsabtanzmusik. Ein ander mal liebte ich die einfache Freude und Lebenslust von Funk oder schnellen Rockabillysongs. Durch die Musik kann ich nicht nur das Wunder meines Körpers spüren und mich völlig austoben – es hilft mir auch, meine Gefühle zu reinigen. Wundervoll!

Das Prozedere meiner Tanzaktionen ist immer gleich. Ich beschäftige mich irgendwie, bis endlich die Zeit gekommen ist, in den Club oder die Tanzhalle zu gehen. Was ja oft erst gegen 24:00 Uhr angesagt ist. Meist bin ich einer der Ersten, die dann dort auftauchen. Ich stelle mich in eine dunklen Ecke und beobachte die Leute, falls da welche sind, hänge meinen Gedanken nach, und falle so langsam in die Musik. Die Gedanken werden immer blasser, leichter und verschwinden so nach und nach. Es existieren dann nur noch die Bilder, die meine Augen aufnehmen und das Wummern der Musik, die mein Wesen einnimmt. Gleichzeitig beginnt mein Körper zur Musik zu zucken. Einfach so, als ob er ein Eigenleben hätte. Wenn dann das richtige Musikstück kommt, ziehe ich meine Jacke aus, stelle mein Wasser in die Nähe meines Tanzplatzes und begebe mich auf die noch recht leere Tanzfläche. Meistens gehöre ich zu den Ersten oder bin überhaupt der Erste, der sich auf die bunt bestrahlte Tanzfläche wagt. Da zeigt sich eine irritierende Diskrepanz. Denn im Scheinwerferlicht zu stehen, war früher bestimmt nicht mein Fall. Zu unsicher war ich. Zu zurückhaltend. Und beim Tanzen beobachtet zu werden ist mir anfangs eher unangenehm. Auf der anderen Seite genieß ich die Aufmerksamkeit. Sonst hätte ich auch nie auffällige Klamotten getragen, merkwürdige Frisuren gezeigt oder bunte Autos gefahren. Und gerade beim Tanzen spüre ich, wie mehr Energie durch meinen Körper fließt, wenn ich Blicke von beobachtenden Menschen wahrnehme. Am liebsten ist mir natürlich, wenn Frauen schauen. Dann beginne ich meine Vorstellung zu genießen, denn ich weiß, dass meine Bewegungen ziemlich außergewöhnlich sind. Wobei es mir nie um Bestätigung geht, sondern tatsächlich um meine eigene Art und Weise in die Musik abzutauchen. Ich hab dann ja auch immer die Augen geschlossen ...

Der erste Schritt ist zwar immer noch merkwürdig, aber in dem Augenblick, in dem ich die Tanzfläche betrete, bin ich in einer anderen Welt. Ich schließe die Augen. Der Raum verändert sich. Die Musik wird zu Wellen, die meinen Körper umschweben. Die Worte formen sich zu Schwingungen, in denen ich fliegen kann. Die Instrumente, die sich aus den Wellen herausschälen, übernehmen Teile meines Körpers und beginnen ihn zu bewegen. Jedes Instrument, jeder Beat, jede Harmonie, jeder Paukenschlag erzeugt eine Bewegung, die ich nicht mehr steuern kann. Und nicht mehr steuern will. Ich schalte mein Bewusstsein aus und falle in die Musik, tiefer und tiefer, bis ich meinen Körper nicht mehr spüre. Es existiert nur noch die Freude meiner Zellen, die sich an der Musik berauschen. Die Schnelligkeit meiner Beine, die durch den Rhythmus bewegt werden. Das Schwingen, Rudern, Ziehen und Strecken meiner Arme, welche die musikalische Freiheit visuell untermalen. Die Bewegung meiner Hände und Finger, passend zu den angestimmten Akkorden.

Die Unterschiedlichkeit der Musikstile bringt unterschiedliche Tanzformen hervor. Es ist, als bewege sich mein Körper nur, um der Musik einen Ausdruck zu geben, ein wahres Dahinfließen und Dahinschweben. Ich erreiche je nach Musikstil für mich selbst unbegreifliche Geschwindigkeiten. Meine Beine scheinen nicht mehr den Kontakt zum Boden zu benötigen, das Gefühl eigentlich eher zu schweben bemächtigt sich meiner. Nach ziemlich genau zwei Stunden spüre ich, dass mein Körper an seine Kraftreserven kommt und langsam steige ich aus. Kaum stehe ich dann in einer dunklen Ecke, um einigermaßen trocken zu werden, ist mein Herz wieder so ruhig, als hätte ich die ganze Zeit meditiert. Und nicht im Grenzbereich des körperlich Möglichen jede Faser meines Körpers tanzen lassen. Tanzen ist mein Leben, mein Glück, meine Trauer, meine Freude, meine Freiheit, das pure Sein.

Ich durfte in den Momenten auf der Tanzfläche Gefühle erleben, die so großartig waren, dass ich sie nicht beschreiben kann. Durch die emotionsgeladene Musik befreie ich alle Gefühle, die in mir gelebt sein wollen. Ich gebe mich der Musik hin, gebe mich den darin verborgenen Emotionen hin und erlebe diese in mir. Drücke sie aus durch meine Bewegung, durch mein Sein. Und reinige und heile mich dadurch.

Natürlich bin ich nicht immer in dieser extremen Losgelöstheit. Es gibt auch Momente, in denen ich nicht abschalten kann. Dann spüre ich genau, dass die Kraft meines Tanzes nicht aus der großartigen Fülle des ewigen Energiestromes kommt, sondern kopflastiger und dreidimensional bewegt ist, was mich schneller ermüden lässt. Aber manchmal schaffen es auch die Frauen um mich herum, mich aus dem Konzept zu bringen. Es ist erstaunlich, wie viele sexuelle Energien beim Tanzen ausgesandt werden und durch die Luft schweben. Energien, die aus den unteren Chakrenbereichen fließen, aber auch andere Gefühle. Öffne ich meine Augen, sehe ich ein ganzes Kaleidoskop von Gefühlen und Zuständen. Unsicherheit vor allem, aber auch hilferufende Wesen voller Verzweiflung oder benebelte Individuen, die nicht mehr Herr ihrer selbst sind. Gesteuert von dunklen, Angst erfüllenden Schatten. Wesen, die sich von anderen nähren. Aber auch Freude, Lebenslust, Spaß und Ungestümheit. Und immer wieder die Angst, sich völlig dem Fluss überwältigenden Loslassens hinzugeben.

Und so zähle ich Tanzen ebenfalls zu meinen ausgesprochen gut entwickelten Talenten.

Aber da sind noch mehr. Es gibt kein Fahrzeug, das ich nicht fahren könnte. Und ich bin ein guter Fahrer: ob Auto, Motorrad, Transporter oder was auch sonst. Zugegeben, in den ersten Jahren meiner Motorradzeit waren meine Schutzengel vollauf beschäftigt. Ich denke, dass ich bestimmt vier oder fünf verschlissen hab. Gott – hatte ich ein Glück.

Beim Fahren gelingt es mir, die perfekte Kurvenlinie zu finden. Und mich ihr hinzugeben. Genauso spüre ich die Proportionen meines Autos. Ich weiß genau, wie breit es ist und es fühlt sich an, als ob meine Amazone ein Teil meines Körpers wäre. So kann ich, ohne zu denken, zwischen den engsten Objekten hindurchfahren. Einfach, weil ich genau spüre, dass es passt. Wenn es zu eng wird, fühle ich das rechtzeitig. Es kam sogar schon vor, dass ich – kurz abgelenkt – beim Fahren wegsah, dann aber aus mir selbst unerfindlichen Gründen in die Bremsen stieg. Um dann erst nach vorne zu sehen und wahrzunehmen, dass das Bremsen eine mehr als gute Idee gewesen war. Kurzum: Ich fühle es einfach, wie meine Fahrzeuge sich bewegen müssen.

Während meiner Ausbildung zum Polsterer lernte ich das Nähen von Kissen und Bezügen. Einfache Arbeiten, die mich aber inspirierten, meine Klamotten selbst zu nähen. In Ermangelung interessanter Kleidungsangebote begann ich damals Secondhand–Outfits umzunähen, um sie spannender zu gestalten. Denn es gab und gibt immer noch keine wirklich gute Kleidung für Männer. Und schon gar nicht, wenn man etwas außergewöhnliches tragen möchte. So gelang es mir bald, jede Form, die ich für Jacke, Hose oder Hemd entwarf, schnitttechnisch zu realisieren. Auch die extremsten Formen. Ich wusste einfach, wie die Hülle einer dreidimensionalen Form zweidimensional aussehen muss. Dieses Können wollte ausgetestet und ausgelebt sein, was zu einer recht extravaganten Bekleidung führte, die ich damals auch zu tragen wagte.

Mein inneres Andersseingefühl präsentierte sich in der äußeren Form durch eine recht extravagante Auswahl meiner Kleidung. Eine Zeit lang lief ich sogar in Männerröcken herum. Aber nicht die schottisch angehauchte Faltenrockvariante, sondern wirklich männlich anmutende Kleidungsstücke. Ich entwarf die schrillsten Klamotten. Einerseits um auszutesten, wie ob ich den Schnitt hinbekäme, andererseits um mich selbst ins Rampenlicht zu stellen. Obwohl ich dann die extremsten Kreationen nur selten trug. Manche sogar nie. Dabei war ich stets darauf bedacht, so perfekt wie möglich zu arbeiten.

Genauso verhielt es sich mit den Bühnenbauten, die ich später entwarf. Ich habe das sichere Gefühl, wie eine dreidimensionale Figur zweidimensional im Schnitt aussehen muss. Ebenso Statik: es liegt mir einfach im Blut. Ich weiß genau, wann eine Kurve zu extrem ist, wann etwas zu schwach, zu stark, zu krumm, zu unpassend ist. Ich spüre förmlich die Spannung einer Form und wie sie sich ihrer Natur gemäß am liebsten entfalten würde. Oder wie sie kränkelt und in sich zusammenfällt, wenn sie erzwungen oder gebändigt wird.

Bei all diesen Fähigkeiten wusste ich nie, welchem Talent ich beruflich folgen sollte. Es war mir einfach zu einseitig, zu langweilig, immer nur eine Sache zu machen, einem Talent zu folgen. Mein Bestreben ist Abwechslung. Ich brauche Veränderung. Durch meine Vielseitigkeit war es nicht einfach im freiberuflichen Dasein Fuß zu fassen. Die meisten Auftraggeber verlangen Spezialisten. Wahrscheinlich hat meine Vielseitigkeit, die ich auch immer ausgelebt habe, einige Jobgeber verschreckt. Vielleicht konnten sie sich nicht vorstellen, dass ein Mensch auf so vielen unterschiedlichen Arbeitsgebieten gut sein kann.

Aber das ist ohne weiteres möglich. Und im Gegenteil: Ich lernte, wie das eine Talent das andere unterstützen und ergänzen kann. Zudem stellte ich fest, dass die grundlegende Herangehensweise meiner unterschiedlichen Arbeitsbereiche absolut gleich ist. Nur die Verwirklichungsebene erscheint unterschiedlich.

Und so lebe ich ein kleines Nischendasein, unterstützt von einigen wenigen, die meine Professionalität und Einfühlungsvermögen, verwurzelt in einem Meer aus Kreativität, zu schätzen wissen. Die große Karriere ist scheinbar nicht machbar. Aber vielleicht will ich das auch gar nicht!

Dass ich kein Megaerfolg mit meiner Kunst habe, stört mich gar nicht. Denn ich bin zufrieden mit meinem Dasein. Ich weiß, dass der finanzielle Fluss immer gewährleistet ist, und mir ist es wichtiger Zeit, Ruhe und Spaß zu haben. Und mich weiter zu entwickeln.

Nachdem ich meine Kreativität auf jede erdenkliche Art und Weise ausgetestet und verwirklicht hatte, entwickelte sich durch die wundervoll geführte Suche nach meinem wahren Selbst eine neue Fähigkeit. Im Laufe meiner spirituellen und energetischen Forschungen konnte ich Energien und Strukturen jenseits der Dreidimensionalität wahrnehmen und verändern. Ich lernte tief in der Welten–Matrix zu arbeiten, um dort wahrzunehmen was kaputt, falsch oder blockiert war. Und um diese Verletzungen in den Energiekörpern zu verändern. Zu transformieren. Zu heilen.

Auch in diesem Bereich war es mir erstaunlich leicht gefallen, die Energien wahrzunehmen und entsprechend zu verändern. Diese neu entwickelte – oder wieder erinnerte – Kraft torpedierte meine berufliche Laufbahn erheblich, da ich plötzlich gar nicht mehr wusste, auf welchem Gebiet ich nun arbeiten sollte/wollte. Das geliebte künstlerische, spaßige Erschaffen neuer Welten von Äußerlichkeiten oder die heilende, tiefgründige Energiearbeit, eine Erneuerung der inneren Welten?

All die Talente, die sich so entgegengesetzt gezeigt hatten, die mich hin und hergerissen haben, brachten mich manchmal an den Rand der Verzweiflung. Eigentlich wollte ich alles gleichzeitig leben, aber in einer Welt einseitig ausgerichteter Zieloptimierung schien es keine finanziell ausreichende Möglichkeit dafür zu geben. Die innere Zerrissenheit, welchem Talent ich folgen sollte, wirkte sich nach außen hin so aus, dass ich in keinem Bereich richtig Fuß fassen konnte. Was die Ernährung meiner Familie immer schwieriger gestaltete.

Alle Unsicherheiten begannen sich aufzulösen, als ich erkannte, dass ich nicht viele unterschiedliche Talente hatte, sondern eigentlich nur ein einziges: Das eine Talent – ganz in der Tiefe meines Seins – ist das Wahrnehmen von Energien und deren Umsetzung in andere Zustände. All die augenscheinlichen Fähigkeiten, das Zeichnen, das Tanzen, das Fühlen von Formen und Linien, meine Empathie und Sensibilität, sind nur äußere Erscheinungen der einen, dahinterliegenden Kraft. Welche aus der Tiefe meines ureigenen Seins in mein irdisches Leben fließt. So wie jede andere dreidimensionale Erscheinung nur ein »Erscheinung« ist, die eine tiefer liegende Idee oder Kraft anzeigt.

Kurzum: Ich weiß einfach, wie Energien fließen und wie sie beherrschbar sind. Ich weiß um die Dynamiken und Möglichkeiten des Erschaffenes und Schöpfens. Das ursächliche Talent meiner Fähigkeiten liegt darin, fließende Formen und Schwingungen wahrzunehmen und in andere Erfahrungsebenen zu übersetzen. Ich fühle Schwingung, Energie oder Wesenheiten und mache sie sichtbar. Alle meine Talente sind eigentlich nur eines.

Diese Erkenntnis veränderte mein Bestreben die verschiedenen Talente auch beruflich ausleben zu wollen aufs Gründlichste. Durch das Loslassen der Kontrolle, wie welche Fähigkeit wann und auf welche Weise mir Spaß und Geld bringen sollte, öffnete sich eine neue Welt voller Wunder und fantastischer »Zufälle«.

Ich fließe auf der Welle meines Könnens. Jeden Tag eine andere Möglichkeit ausschöpfend, ohne bewusstes Kontrollieren. Und seitdem erfahre ich erst wirklich, was Spaß und Vielfalt heißt. Die mir so wichtige Abwechslung kommt immer genau dann, wenn ich es brauche. Wenn ich schon lange nicht mehr gezeichnet habe, kommt ein entsprechender Auftrag. Vermisse ich das energetische Arbeiten, kommt ein Klient zu mir, der meine Hilfe braucht. Und perfekt ist es, wenn ich Seelenbilder malen soll. Da kann ich meine Wahrnehmung der Energien und mein Talent mit Seelen zu sprechen mit meiner kreativen Ader vereinen. Die wahrgenommenen Informationen in bildhafte Form zu illustrieren, erfüllt mich über alle Maßen. All meine Wünsche in einem Job. Solche Aufträge genieße ich sehr.

Und jetzt sitze ich hier mit verspannten Muskeln im Schulterbereich und schreibe auch noch. Während sich draußen die Sonne durch den weißen Nebel künstlicher Wolken schiebt.

Routine

Die Woche erstrahlt im Glanz ständiger Wiederholungen. Wie ein gut gestelltes Uhrwerk funktionieren Millionen von Menschen nach dem selbst aufgestellten Plan eingefahrener Tätigkeiten. Der gesamte Tagesablauf ist programmiert und vorherbestimmt. Selbst die Freizeit ist geregelt und organisiert.

Das fängt schon im Kindesalter an. Jeden Morgen erleben sie in der Schule die gleiche Routine. Schon allein um sich an das stete Wiederholen zu gewöhnen. Nur der wechselnde Inhalt verwässert den Eindruck der festzementierten Abläufe. Ist der Mensch dann in der Arbeitswelt angelangt, geht es munter weiter. Wiederholungen: morgens, mittags und abends. Das Wochenende in seiner freien Gestaltungsweise ist ebenfalls genauestens geregelt, der Urlaub ist schon Monate zuvor geplant, durchdacht und bestellt. Jeder Tag ist minutiös in Form gepresst, aus dem Katalog erlesen, bestellt und ausgeführt. Tagein tagaus, über Wochen, Monate, Jahre.

Das Leben wird voraussehbar, bis die ungeliebte Lebensarbeitszeit vorbei ist. Um dann endlich in die wohlverdiente Rente zu gehen, um weiterhin ein Spielball geregelter Tagesabläufe zu werden.

Die Freiheit der eingeengten, in ein unbewegliches Korsett verpackten Gefühlswelt wird gnadenlos der Angst vor dem Unbekannten geopfert. Ohne Vertrauen ergibt sich mensch in die vermeintliche Sicherheit fester Gewohnheiten. Die Folge ist Krankheit und Siechtum. Der Geist will leben und kann in seiner unterdrückenden und durchorganisierten Enge nur Krankheit erzeugen. Dieses Kranksein folgt dann wieder einem vorgegebenen Plan der von Ärzten geregelten Vollendung im Dahinscheiden.

Vom ersten Tag an begeben wir uns in bereits ausgerollte und von der Gesellschaft vorgefertigte Bahnen. Keine Chance, ein individuelles, auf sich selbst maßgeschneidertes Leben voller Abenteuer und überraschender Erlebnisse zu erfahren. Wir sind fremdbestimmte Roboter geworden, mit der Programmierung im engen Netz der begrenzten Möglichkeiten herumzustehen und abzuwarten. Selbst wenn man versucht dieser Lebendigkeit tötenden alltäglichen Gewohnheit zu entkommen, endet man irgendwann wieder in einer anderen, selbst geschaffenen Wiederholung. Gewohnheiten sind ein grundlegender Teil unseres Daseins. Da kommen wir nicht drum herum. Aber wenn man die falschen Gewohnheiten zelebriert, bleibt von einem erfüllten Dasein nicht mehr viel.

Auch mein Leben ist von Routine durchzogen, obwohl ich so frei wie möglich lebe. Und egal, ob ich morgens die Kinder zum Schulbus bringe oder ausschlafen kann: spätestens um acht Uhr steh ich in der Küche, koche den Kaffee auf dieselbe Art und Weise, frühstücke in zwei manchmal abwechselnden Varianten, meditiere oder gehe gleich an meine Arbeit.

Hier endlich ist der Routine ein Riegel vorgesetzt und ich kann meinem Wunsch nach Freiheit und Abwechslung nachgehen. Aber auch in der Unterschiedlichkeit meiner Aufträge ist die Wiederholung zu entdecken. Arbeite ich entwerfend, ist der zugrunde liegende Prozess der gleiche, auch wenn das Thema unterschiedlich ist: Fühlen, Denken, Fühlen, Zeichnen, Detaillieren, Planen, Realisieren. Unabhängig davon, ob ich ein Möbelstück entwerfe, Klamotten, Kostüme, ein Bühnenbild oder was sonst noch: Routine.

Arbeite ich im Haushalt ist aufräumen, saugen, putzen angesagt. Dieselbe Wiederholung, immer das gleiche. Ich kann noch von Glück sagen, dass ich es geschafft habe, mich weitgehend vom manipulativen Massenbewusstsein freizuschaufeln. Und nicht einem von Unsicherheit geprägten Alltagstrott zu verfallen. Wie die meisten Menschen, die fest angestellt ihr Leben in Schlaf, Arbeit und ein bisschen Freizeit aufteilen.

Aber so sind wir nun mal: Unser Leben ist auf Wiederholungen angelegt. Je öfter die gleiche Tätigkeit gelebt wird, umso tiefer wird das Tal, in dem sich dieses Tun abspielt und umso schwieriger wird es, sich daraus zu befreien. Mein Intuition oder Bauchgefühl inspirieren mich hin und wieder zu Erneuerung. Ich nehme wahr, was mir mein Körper oder meine Seele zu sagen versuchen und bin offen, Veränderungen in meinen Gewohnheiten anzugehen. Zum Beispiel auf Kaffee zu verzichten. Oder ohne Zucker zu leben. Oder keinen Alkohol mehr zu trinken. Das Umsetzen der Änderung alter Angewohnheiten geht dann recht einfach, weil es einem inneren Gefühl entspricht und dann nur noch gelebt werden muss. Wenn ich aber versuche, den alltäglichen Ablauf bewusst oder rationell zu ändern, fällt das nicht so leicht. Weswegen Diäten zum Beispiel oft den Jojo–Effekt auslösen. Denn erst, wenn Körper, Geist und Seele an einem Strang ziehen, wenn alle Gefühle mitspielen, verändert sich die Gewohnheit und darüber das Leben. Wenn man nur Kraft des Willens verändert, und des Körpers heimliche Bedürfnisse ignoriert, fällt man wieder in das alte Muster zurück. In der Unsicherheit des Menschseins ist es scheinbar unablässig sich gewisse feste Begebenheiten zu schaffen, um nicht völlig den Verstand zu verlieren. Sich in all den Möglichkeiten und unterschiedlichen Lebensebenen zurechtzufinden, funktioniert scheinbar nur durch das freiwillige Einordnen in vermeintlich Sicherheit bietende Strukturen. Ich suche mir den passenden Ort, die passende Umgebung, den passenden Arbeitsplatz und den momentan passenden Partner, und starte das Programm, um loszulegen. Mittlerweile hat sich das Programm aber verselbstständigt und wir haben vergessen, wie wir uns die Welt um uns routinierten. Die Gewohnheit – eine als Hilfe das Leben zu erfahren angelegte Sache – wird zum Mühlstein, wenn man versucht, die absolute Freiheit zu erlangen.

Vielleicht ist es wichtig, Routine zu erschaffen, um sie letztlich völlig zu verwerfen, um die unbegrenzte Welt der Vielfalt dahinter zu entdecken. Aber auch mir fällt es nicht immer leicht, den Schleier zu heben, um all die anderen Lebensmöglichkeiten wahrzunehmen und mich umzuentscheiden. Aus den tiefen Rinnen der durch Wiederholung geschaffenen Bahnen von Denken und Handeln zu entkommen, scheint manchmal unmöglich. Aber ich wäre nicht Ich, wenn ich nicht glauben würde, dass man aus allen Strukturen herausfinden kann. Wenn ich es aus tiefstem Herzen und wirklich will. Es mir erlaube und geschehen lasse! Bis dahin pflege ich allerdings auch noch meine Bahnen.

So wie heute, wo ich wie jeden Mittwoch in die Stadt fahre, um mich dem Großstadtleben hinzugeben und die parfümierte Luft der Geschwindigkeit und Hektik einzuatmen. Dinge, die ich glaube, als Ausgleich zu der extremen Ruhe meines Landlebens zu brauchen. Allein schon junge Menschen zu sehen und zu beobachten, wie sie sich bewegen, treffen, reden und ziellos durch die Straßen rennen, füllt einen Teil in mir. Es ist nicht so, dass ich unbedingt jemanden treffen muss, um mich zu unterhalten. Mir reicht es schon, wenn ich im Café sitze und Milchkaffee schlürfend die Menschen beobachten kann.

Manchmal muss ich lachen, oder mitlachen. Aber oft sehe ich auch Angst in den gestressten Gesichtern, das Alleinsein, die Verzweiflung ein Leben zu leben, das nicht dem entspricht, was sie sich gewünscht haben. Immer wieder aufbauend, dass es dennoch viele Menschen gibt, die mit sich selbst im Reinen sind. Wenn man den Medien glauben mag, scheint die Mehrheit der Menschen unglücklich, unzufrieden, zu dick und sich selbst nicht liebend zu sein. Sie sind neidisch, geizig, und sehen nur ihre kleine Welt. Aber diese Charakterisierung unserer Gesellschaft wird durch intensives Beobachten nicht bestätigt.

Es sind immer die Lauten, die Pseudowichtigen und Auffallenden, die den Glauben an die Abgestumpftheit der Masse beschreien und zementieren. Aber Millionen von andersdenkenden, offenen, selbst verantwortlichen ausgeglichenen Menschen sind da draußen und tun dort in aller Stille ihr Werk. Das ist beruhigend, denn nur so kann die Menschheit den nächsten Schritt in der stattfindenden Evolution begehen. In Liebe zu sich und den Nächsten.

Und wenn mir die »bad news« zu viel werden, beobachte ich die Menschen um mich herum und sehe soviel Licht und Liebe. Interessanterweise begegnen mir die am weitesten entwickelten Menschen außerhalb der Gruppierungen, die sich die Selbstfindung als Lebensmotto auf die esoterische Stirn geschrieben haben. Und das gibt Hoffnung, dass einmal alle festgefahrenen Strukturen von innen heraus verändert werden. Einfach so, weil die Menschen ihre Angst abgelegt haben und auf ihre eigene Kraft vertrauen.

Vertrauen ist auch so ein Thema ... Als selbstständig Arbeitender musste ich ja von Anfang auf den steten Fluss meiner Einkünfte vertrauen. Wäre ich ängstlicher oder unsicherer, würde mich dieses Leben, in dem ich nicht weiß, wann der nächste Job kommt, verrückt machen. In der Tat lebe ich genau heute. Pläne für morgen existieren noch nicht, und ich habe schon vergessen, was gestern war. Die Kraft in dieser freien Lebensweise ist so aufbauend und stärkend, dass sich alle Hindernisse leicht bewältigen lassen.

Ich hatte auch Zeiten, in denen der finanzielle Fluss extrem stockte. Aber jetzt, im Nachhinein betrachtet, weiß ich, dass ich mich selbst beschränkte und durch verunsichertes und zielloses Denken meine Welt mir so erschuf, wie sie sich dann auch zeigen musste. Um dies zu verstehen, musste ich durch ein dunkles, tiefes Tal. Immerhin habe ich erfahren, dass ich immer Hilfe erhalte, wenn es nicht mehr weiterging. Immer! Ich habe wahre Wunder des Geld Erschaffens erfahren. Sodass ich heute absolut sicher bin, dass mir nie etwas passieren kann, das den in unserer Gesellschaft so wichtigen Fluss der Finanzen unterbricht. Und diese Sicherheit erschafft Vertrauen, was wiederum entsprechende Ereignisse generiert. Ein schöner Kreislauf.

Allein schon ein Blick auf meine drei Engel haben mich jedes Mal bestärkt, weiter zu gehen und zu vertrauen. Denn ich konnte mir absolut nicht vorstellen, dass diese drei göttlichen Kinder es verdient hätten, Not zu leiden. In Zeiten tiefer Verzweiflung war mir dies ein Licht, das mir den Weg in Fülle und Frieden wies.

Das Vertrauen in sich selbst ist das Einzige, das wirklich zählt. Denn im Grunde ist alles, was wir erleben, von uns selbst geschaffen. Und wenn ich alles sage, dann meine ich definitiv ALLES.

Das bedeutet, dass ich keine Angst vor nichts zu haben brauche, denn alles, was passieren könnte, ist ein Teil von mir und von mir zu erfahren gewollt. Deswegen hab ich auch keine Rente angespart. Denn ich bin mir sicher, dass mein Leben bis zum letzten gewollten Atemzug voller Friede und Fülle sein wird. Und zwar mehr als ich mir jetzt vorstellen kann. Und dieser Gedanke kann in jedem von uns sein. Es ist genug von allem für alle da. Nur die eigene Beschränkung ist das Problem und eine falsche, festgefahrene, das Selbst in Unsicherheit tränkende Routine, die sich aus der Angst heraus ergibt.

Aber wie gesagt: Ich fahre über fünfzig Kilometer in die Stadt um der Routine, die auch in meinem Landleben vorkommt, durch eine andere Wiederholung zu »entkommen«.

Ich genieße die halbstündige Fahrt in meinem alten Auto. Das Vibrieren des dicken Blechs und die Straßengeräusche werden übertönt durch die laute Musik, die aus vier Lautsprechern meine momentane Stimmung unterstützt. Der rote Strich des Tachometers bewegt sich nach rechts, bis er auf den üblichen 115 km/h stehen bleibt. Eine perfekte Reisegeschwindigkeit und nebenbei auch fast die Höchstgeschwindigkeit.

Als wir damals aufs Land zogen, um den Kindern und auch uns mehr Freiraum zu geben, benötigte ich natürlich ein Auto. In der Stadt war dies nicht vonnöten, da dort alles mit dem Fahrrad oder notfalls via Carsharing vonstattenging. Aber da ich im ersten Jahr unseres Landdaseins noch viel in der Stadt zu tun hatte und deswegen oft die Autobahn nutzen musste, wollte ich ein Fahrzeug, in welchem ich mich wohlfühlte und das mir entsprach. Und obwohl ich nicht die blasseste Ahnung von Autos habe, kaufte ich dieses 40 Jahre alte Gefährt: meine Oldtimer–Amazone. All die warnenden Stimmen missachtend, folgte ich meinem Gefühl und habe festgestellt, dass die alten Fahrzeuge viel zuverlässiger sind als die neuen. Wir Männer haben ja eh eine merkwürdige Verbindung mit unseren fahrbaren Geliebten. Auch mir war es schon immer wichtig, mit was ich herumfuhr, auch wenn meine Autos nicht den gängigen Statussymbolen entsprachen, aber eben den meinen.

Jedes Mal, wenn ich ein Auto aus Vernunftgründen kaufte – ein Kombi zum Beispiel, als ich zum ersten Mal Vater wurde –, gab das Fahrzeug nach spätestens achtzig Kilometern den Geist auf. Alte, meist superbillige Autos, die mein Herz ansprachen, waren mir hingegen treue Diener und Helfer. Helfer deswegen, weil mir meine Autos Botschaften zukommen ließen.

Wundern – Staunen – Grinsen – und dennoch: Wenn ich beispielsweise in Hektik verfiel, blieb das Fahrzeug einfach stehen. Und während ich auf die gelben Engel wartete, hatte ich genug Zeit, die Situation genau zu überdenken. Ich betrachtete den scheinbaren Grund der Panne, versuchte dies in generellen Worten zu beschreiben und fand IMMER ein Problem, das mir in diesem Augenblick Schwierigkeiten bereitete. Kam dann der rettende Pannendienst, wurde zweimal an einem Draht oder sonst was gefummelt und das Auto startete wieder.

Als ich in meiner Therapiephase war – und ich versuchte damals alle Arten von Therapien – beabsichtigte ich einmal, in meine Heimat zu fahren. Um im Zuge meiner Ermittlungen die dunkle Zeit meiner ersten Lebensjahre zu erhellen, meine Großmutter zu interviewen.

Gerne tat ich das nicht. Aber ich glaubte, dass dies zu dem Augenblick superwichtig sei. Ich packte meine Reiseutensilien und warf sie in mein damaliges Auto: Eine wunderschöne, alte Celica. Nach einer Trancesitzung wollte ich dann direkt auf die Autobahn, um gen Süden loszufahren. Schon auf dem Weg zu meiner Therapeutin verweigerte mir das Auto den Gehorsam und zuckelte und stotterte nur so vor sich in.

In der Sitzung kam das Thema zur Sprache, weswegen ich meine Großmutter aufsuchen wollte. Hier wurde mir bewusst, dass es zu diesem Zeitpunkt absolut falsch wäre, in der Vergangenheit herumzustochern. Das Thema musste erst einmal in mir geklärt werden. Ich verwarf also das Anliegen, meine Großmutter zu besuchen, ging nach Beendigung der Stunde zu meinem Toyota, stütze mich mit beiden Händen auf die Motorhaube, schaute das Auto an, und sagte, dass es sich beruhigen könne, da ich jetzt doch nicht fahren werde. Ich stieg ein, startete und die Celica fuhr, als wäre sie gerade vom Laufband gesprungen ...

Eine weitere Autogeschichte: Es war zu der Zeit, in der mich mein Familienleben und die intensive Theaterarbeit so beschäftigte, dass ich meine Seelenevolution vernachlässigt hatte. Ich fuhr damals schon meine geliebte Amazone. Eines Abends gingen Gabi und ich ins Kino. Um diesen neuen Film anzuschauen, auf den ich mich schon lange gefreut hatte: Matrix!

Mir ging es wie vielen anderen: Dieser Film hat mir in seiner doppeldeutigen Weise erklärt, wie unser Leben tatsächlich funktioniert. Ich zitterte am ganzen Körper und war völlig aufgelöst ob der eben gesehenen und in meinem Inneren wieder erkannten Funktionen, wie wir unser Leben leben. Wir verabschiedeten uns vor dem Kino, da ich überhaupt nicht fähig war, zu kommunizieren, der Film war einfach zu intensiv und wollte noch weiter bedacht sein.

Ich steige also in meinen Volvo, starte und fahre aus der Kinotiefgarage. Erst nach einer Weile bemerke ich im hell erstrahlenden Licht der nächtlichen Großstadt, dass die Lichter an meinem Auto gar nicht funktionieren. Nein! Jetzt das auch noch! Wo ich noch fünfzig Kilometer auf der Autobahn vor mir habe! Ich ran an die Tankstelle, ADAC gerufen, mich neben den Volvo stellend. Erst verärgert, später nachdenklicher. Ich kenne ja die Situationen und merkwürdigen Botschaften meines inneren Seins über mein Umfeld, und im speziellen über meine Autos.

Was sagt mir das: Mein Licht funktioniert nicht?

Aha! Übersetzt und betrachtet in dieser Zeit, in der ich schon lange meine Aufmerksamkeit meinem äußeren Dasein gewidmet hatte, wurde mir klar, wie sehr ich den einst intensiven Kontakt zu mir selbst vernachlässigt hatte. Mein Licht war quasi auf Sparflamme. Man glaubt es kaum: Ich erkenne die Botschaft, nehme mir vor, wieder zu meditieren und mich wieder mehr um mein inneres Wachstum zu kümmern. Dann beobachte ich den ADAC–Mann, wie er nur einen Draht zurechtrückt und sehe das Licht meiner Amazone wieder hell erstrahlen. Es funktioniert wieder. Innen und außen.

Meiner Erfahrung nach gewinnen auch materielle Dinge, die immer wieder mit denselben Gefühlen gefüttert werden eine Art Seele. Sie sind zwar nicht in der Lage eigenständig zu leben oder Situationen zu erschaffen, wie wir Menschen es können, aber sie haben Erfahrungen und eine Form eigener Gefühle. So kann zum Beispiel ein Haus, das nur Hass erfuhr, eine verletzte, oder – wenn es geliebt wurde – eben auch eine liebevolle Seele bekommen. Immer abhängig, mit welchen Gefühlen der Besitzer das Objekt füttert.

Dennoch bin ich mir sicher, dass ich mir die Botschaften selbst schicke. Um diese jedoch zu verstehen und anzunehmen – wahrscheinlich weil ich mir selbst nicht gut genug zugehört habe – nahm mein inneres Sein den erklärenden Umweg über meine geliebten Fahrzeuge. Insofern hab ich eben wie alle Männer meine spezielle Beiziehung zu dem fahrbaren Teil, das mir meine vermeintliche Freiheit vorgaukeln soll.

Heute ist es Gott sei Dank einfacher, was die Botschaften angeht. Ich frage einfach, was los ist.

Die Autobahn ist wie immer gut besucht, und wie gewohnt staut es sich auf der anderen Straßenseite. Es ist berauschend: Mit offenem Fenster, den Heizstrahl in den Fußraum gelenkt, lauthals die brüllende Musik begleitend, das schwarze Bakelit–Lenkrad in der behandschuhten Hand zu halten und über die gewölbte Motorhaube ins Nirgendwo zu blicken. Mein Auto fährt den Weg alleine, kurz vor Köln komme ich aus meiner Trance und schlängele mich durch den Verkehr.

Wieder wird mir klar, wie gut es ist ein eher langsames Fahrzeug zu haben. Ich bin einfach außen vor. Das Chaos und die Hektik der Straße kommen bei mir nicht an. Die gefühlsmäßig bequemste Geschwindigkeit – für den Motor, wie für den Fahrverlauf – sind die erwähnten 115 km/h. Ich bin immer noch schneller als die Lkws und habe kaum Stress mit den Schuhmachers der Autobahn. Wäre ich nur fünf Stundenkilometer schneller, müsste ich ständig abbremsen oder Gas geben, weil von hinten schwarze oder graue Raketen angeschossen kommen, die mich mit ihren Laserstrahlen wegzubeamen beabsichtigen. Merkwürdigerweise kommt dieses Gedrängeltwerden in meinem üblichen Dahinfließen kaum vor. Insofern bin ich stets recht entspannt, zumal ich mich mit der entsprechenden Musik berieseln lasse.

Ich parke wie immer in der Nähe meines Zielortes. Ich treffe mich mit einer Bekannten, die ich schon eine längere Zeit nicht mehr gesehen habe. Wir begrüßen uns und scherzen uns durch den Tag. Nach dem Betreten eines Cafés bemerke ich, dass ich wieder einmal perfekt in das Szenario zu passen scheine. Ich habe heute wie meistens dunkle Klamotten angezogen. Wie sich zeigt, bin ich einer unter vielen. Denn das Café und die Gäste erscheinen allesamt in einer schwarz–weißen Farblosigkeit. Alle Leute hier sitzen im mittlerweile üblichen Schwarz.

Es gab eine Zeit, da war die Farbe Ausdruck einer Gesinnung, eines inneren Zustandes und eine Beschreibung der Gedankenwelt in das äußere Dasein. Aber wie immer werden alle Innovationen nach und nach von der Masse assimiliert, übernommen. Jetzt sitzen sie alle hier in diesem Café, schwarz gekleidet, dem schwarz–weiß ausgestatteten Raum entsprechend. Ich kann mich aber eigentlich nicht beschweren – ich bin genauso.

Ich ertrage es zurzeit nicht, mich in Farbe zu werfen. Und dennoch wünsche ich mir, dies getan zu haben. Ich mag es noch weniger, Einer unter Vielen zu sein. Manchmal sehr nervig, dieses Gefühl, unbedingt anders sein zu müssen. Wahrscheinlich kann da ein gewiefter Psychologe noch einige Traumata und Psychosen herausholen. Aber es ist eben so, und es bringt mich nicht wirklich um.

Das Treffen tut mir gut, wir unterhalten uns locker über ihr Studium und die daraus resultierenden Merkwürdigkeiten. Sie studiert Medizin. Das einzige Nervige in dieser Situation sind die überall herumsitzenden Raucher, deren Nebel typischerweise immer in meine Richtung heranschwebt.

Generell macht es mir nicht viel aus, ich hab ja selbst zwei Jahre lang geraucht, aber das ist schon ewig her. Heute bin ich aber nicht in Erduldungslaune. Und nach kurzer Zeit des gemütlichen Herumlümmelns in bequemen Stühlen, riechen meine Klamotten schon schwer nikotinhaltig. Ein unglaublich hartnäckiges Zeug. Auch wenn ich nach langer, durchtanzter Nacht in Diskotheken morgens aufwache und den kalten Aschenbechergestank in und an mir wahrnehme, kann mir schon mal blümerant zumute werden. Die Kopfschmerzen und das merkwürdige Katergefühl nach solchen Abenden können unmöglich von Alkoholika kommen. Ich trinke ja nichts. Dementsprechend theoretisiere ich diese körperlichen Übelkeiten dem Nikotin zu. Wahrscheinlich sind alle Katerstimmungen eher den Zigaretten zuzusprechen als dem Alkohol. Auch wenn es stinkt wie Pest, ob das Rauchen tatsächlich schädlich ist, sei mal dahingestellt. Letztlich ist es doch nur eine Frage unserer Einstellung zu den Dingen, die wir tun. Wenn ich mal wieder zu viel Kuchen in mich gestopft habe, wäre das nicht einmal ein Problem, würde ich nicht anschließend einen halben Tag lang unter diesem Tun leiden. Hätte ich den Mut, die Sucht einfach hinzunehmen und zu genießen, könnte es meinem Körper kaum etwas ausmachen. Der Gedanke hinter der Tat ist immer das Problem.

Aber in unserer materialistischen Welt geht es immer nur um die bloßen, aus dem Zusammenhang gerissenen Symptome. Die Hintergründe erkennt man nicht.

Wie bei der Ernährung und den vermeintlichen Eigenschaften diverser Nahrungsmittel. All die Theorien und wissenschaftliche Erkenntnisse über den Einfluss von Kalorien, Cholesterin oder sonstige Notwendigkeiten von Essen und Trinken sind meiner Ansicht nach viel zu oberflächlich. Und statistisch dem Auftraggeber gemäß geschönt. Wer weiß denn schon wirklich über die genauen Abläufe innerhalb unseres Körpers Bescheid. Wie welche Nahrungsmittel auf welche Körpersäfte reagieren. Und das wird dann nicht einmal individuell betrachtet, sondern einfach als generelle Tatsache dargestellt. Dass aber jeder seine ganz eigene Chemie hat, wird schlicht ignoriert.

Ich kann auch nicht verstehen, dass man dazu übergeht, Nahrungsmittel auf die spezielle Zusammensetzung einzelner Bausteine zu reduzieren, um diese künstlich nachzubasteln. Und um dann festzustellen, dass die künstlich erstellten Bauteile nicht dieselbe Wirkung haben, wie die natürlichen. Jedes lebende Objekt besteht aus mehr als nur den mikroskopisch erfassbaren Einzelteilen. Es gibt ein alles zusammenfassendes Informationsfeld, das den Charakter, die Erscheinung, die Wirkung, die Gesamtheit bestimmt. Ein Feld, das auf einer geistigen Ebene die Information des gesamten Objektes, des Lebewesens oder der gesellschaftlichen oder geistigen Struktur beinhaltet, und bestimmt. Solche Felder nennt man morphogenetische Felder.

Diese allumfassende und alles erklärende Theorie ist wissenschaftlich natürlich noch nicht angenommen worden. Sie würde ja auch das gesamte Konstrukt unserer evolutionären Basis umstürzen. Wer kann da schon an einer Veröffentlichung im großen Maße Interesse haben.

Nichtsdestotrotz erleben und fühlen wir alle diese uns umgebenden Felder in jedem Moment und in jeder Situation. Unsere komplette gesellschaftliche Struktur basiert darauf und selbst unser eigener Körper, unsere Mentalität sowie unsere kulturelle Zusammengehörigkeit sind in dieser Theorie verwurzelt.

Morphogenetisches Feld

Um bei der oben erwähnten Mode zu bleiben: Im Raum klebt eine Idee – zum Beispiel vor dreißig Jahren: Punk. In allen Kulturen, die gedanklich und mental miteinander verbunden sind, ist dieser Gedanke plötzlich wahrnehmbar. Dabei geht dies von der zugrunde liegenden Idee bis zur äußerlichen Kleidung. Je mehr Menschen diesen Gedanken, diese Idee in sich leben lassen –ihm sozusagen Energie geben – desto größer wird das entsprechende Feld. Und immer mehr Leute werden davon erreicht. Je größer das Feld, umso leichter ist es für Gleichgesinnte, sich einzuklinken und die Idee »downzuloaden«.

Wenn eine Mehrheit der Menschen das Feld in ihr Wesen übernommen hat, ist das Feld so groß, dass es zur grundlegenden Struktur in Mentalität und Gesellschaftsordnung wird. Ungewohntes wird über Nacht zur Normalität.

Heutzutage ist das Färben der Haare, das Piercen und Tätowieren der damals oft verspotteten Punks so normal geworden, dass sich niemand mehr darüber aufregt. Höchstens ich, weil ich die damalige Idee als verraten empfinde. Aber so funktioniert das Assimilieren. Ein anfänglich revolutionärer Gedanken wird zu einer Massenbewegung, die aber den Ursprungsgedanken in extrem verwaschener Form in das eigene Denken übernimmt. Wobei oft die Idee oft entkernt, und der Inhalt auf sein äußere Erscheinungsform reduziert wird. Aus dem Feld des Revoluzzertums wurde über die Zeit ein matschiger Abdruck. Untergegangen im Massenbewusstsein. Der ursprüngliche Gedanke wurde einfach integriert und weggeschwemmt. Und hat dadurch seine Kraft verloren. Übrig blieben die übernommenen Frisuren und Teile der Kleidung, die jetzt normal geworden sind.

So funktionieren alle Veränderungen. Ob das nun eine industrielle Revolution, kirchliches Gedankentum, das Fahrradfahren, Computer oder Modeerscheinungen sind: Am Anfang war ein kleines Feld, das einige Wenige initiierten oder erspürten. Diese »Idealisten« oder – im oberflächlichen Sinne – Designer ziehen durch ihre intuitive Wahrnehmung der neuen Impulse die formgewordene Idee in die materielle, sichtbare Welt. So wird ein Trend geboren. Ein Trend, den erst wenige verfolgen, die dafür oft ausgelacht oder beschimpft, verspottet und verfolgt werden. Die Idealisten fühlen das Wachsen dieser Struktur und sind sich ihrer Bedeutung bewusst. Je mehr Menschen diese Idee nun wahrnehmen, umso größer wird das entsprechende Feld und umso einfacher ist es für nachfolgende Leute oder Designkopisten, den Trend nachzuahmen und weiterzuführen. Mit jedem neuen Nutzer der Idee verbreitet sich das Gedankentum oder die Mode. Plötzlich trägt jeder Schlaghosen! Und es wird normal, Schlaghosen zu tragen. Und mit der Normalität verändert sich sogar der Massengeschmack: alle finden Schlaghosen spitze, klasse, groovy.

Auf anderen Ebenen wächst der Gedanke an eine Revolution aus idealistischen Gründen und Szenarien werden gemacht, wie eine bessere Welt auszusehen habe. Es werden Anstrengungen und Unternehmungen angeleiert, die das entstandene geistige Feld vergrößern, ihm mehr Kraft und Bedeutung geben. Bis sich das Feld verselbstständigt und in die Masse eingeht. Dann werden im schlimmsten Fall aus friedlichen Protesten radikale Demos, bei der Mauern zerstört und Grenzen eingerissen werden. Um dann im neu eroberten Land mit 100 DM und einer Gurke die ursprüngliche Idee von Freiheit mit reichlich viel Sekt zu Grabe zu tragen. So ist der Lauf der Dinge. Hoffen wir, dass die momentane Bewusstseinsrevolution ihre Ideale behalten kann, wenn sie zu einer Massenbewegung wird.

Was bin ich früher ausgelacht worden, weil ich die Haare auf spezielle Weise frisiert oder gefärbt hatte, oder mit den außergewöhnlichsten Klamotten herumlief. Genau diese Mode ist heute zur Normalität geworden, und eben auch das Schwarz–Tragen. Die entstandene Normalität überrennt die ursprüngliche Idee einfach. Aber im Tod des assimilierten Gedankens blüht ein neuer Gedanke. Ein ständiges Kommen und Gehen, ein Hin–und–her–Geschubse von einem Extrem in das nächste, und die große Masse führt alle Ideen in die Normalität.

Das soll jetzt ohne Beurteilung verstanden sein. Es ist so, weil es genauso funktionieren muss. Es gibt die, welche von einer neuen Idee zur nächsten springen, immer jenseits der Norm, um eine Veränderung zu bewirken, einen Gegentrend zu schaffen, bewusst oder unbewusst. Eine Veränderung in Kleidung, Design, Musik, gesellschaftlichen Ideen oder gar politischen Strukturen. Eine Veränderung, die vonnöten ist, um eine Gesellschaft zu einer Evolution anzuregen. Und es gibt jene, welche die neuen Errungenschaften normalisieren müssen. Welche die neuen Ideen in die alltägliche Realität aufnehmen und integrieren. Ohne die Übernahme des Neuen in die Masse, in die Normalität, kann es keine tief greifende, alle berührende Veränderung geben.

Eine neue Idee muss Fuß fassen können, und um stabil zu bleiben. Sie muss auf festem Boden stehen. Deswegen auch der beobachtbare Gedanken– und Vorstellungswandel in den Generationen. Die eine Generation versucht die Gesellschaft durch neues, extremes Denken, und wagemutige Schritte zu verändern. Sie bringen neue Gedanken und Ideen ins Leben. Die nächste Generation zeigt sich im Gegensatz dazu von eher konservativer Natur, beständiger, wieder behäbiger, unbeweglicher. Beide Generationsmodelle sind wichtig: Die Geruhsame bestätigt zunächst die alten Werte, um aber gleichzeitig auf unrevolutionäre Art und Weise das neue Gedankengut mit in die Mentalität einzubeziehen. Um dann zum nächsten Schritt weiterzugehen.

Die morphogenetischen Felder bilden sich also, wenn neue Gedanken oder Ideen aufkommen, um späteren Benutzern oder Gleichgesinnten den Zugang zu diesem Wissen zu erleichtern. Beispiel Fahrradfahren: Ich weiß noch, dass ich damals Tage lang versuchte auf zwei Rädern zu balancieren. Und ohne den Sandhaufen am Ende unserer Straße wäre ich so manches Mal auf die viel befahrene Straße weitergerutscht.

Die ersten Radfahrer hatten es bestimmt nicht einfach, eine solch neue Weise der Fortbewegung in die damalige Welt zu transferieren. Es dauerte sicher eine geraume Zeit die nötige Balance zu finden, und mit dem Gerät richtig umzugehen. Bevor viele Menschen diese Art der Fortbewegung nutzen lernten, waren bestimmt einige unsanft auf ihrem Hintern gelandet.

Aber durch deren Erfahrungen und das daraus resultierende Wissen um die Benutzung des Rades und das Aufrechterhalten der Balance bildete sich ein Feld, in das diese Erfahrungen gespeichert wurde. Die nachkommenden Radfahrer konnten sich durch ihre Absicht Radfahren zu lernen, einfach das gespeicherte Wissen zunutze machen. Und lernten somit viel schneller Theorie in Praxis umzusetzen. Je mehr Menschen das Radeln beherrschen, desto einfacher ist es für die Nächstfolgenden, das System zu übernehmen. Meine Kinder lernten an einem Tag Fahrradfahren – einfach so. Ein quasi in die Wiege gelegtes normales Bewusstsein über das Balancieren auf zwei Rädern. Ein Glück für mich, denn ich sah mich schon, wie ich tagelang das Kinderrad festhaltend die Straße hoch– und runterrenne.

Beispiel Auto fahren. Faszinierend, wie einfach es geworden ist, diese Dinger zu bewegen. Fast jeder Mensch kann Auto fahren, ob er nun intelligent ist oder nicht. Es steht einfach in unserem menschlich verfügbaren Feld der normalen alltäglichen Möglichkeiten. Genau wie die Kinder heutzutage einfach so mit Handys und Computer umgehen können. Die Masse an Usern hat ein Feld errichtet, das die Neugeborenen bereits von Anfang an integriert haben. Weil es so stark ist. Es ist eben zur Normalität geworden.

Wenn man sich mal vorstellt, was noch alles in den Feldern um uns angelegt ist, in welche sich mensch problemlos einklinken kann. Was wir alles lernen könnten, wenn wir diese Möglichkeit Inhalte aufzunehmen bewusst nutzen würden!

Ich erinnere mich, wie ich nach wochenlangen Bemühungen, den Adobe Photoshop zu ergründen – um meine Zeichnungen im Computer besser aussehen zu lassen –, fast verzweifelte. Weil ich das Programm einfach nicht kapierte. Bis ich eines Tages aufwachte, mich an den Computer setzte und ohne ersichtlichen Grund die Ebenenfunktionen beherrschte. Einfach so – ohne äußere Unterstützung oder Erklärungen. Es fiel mir quasi aus dem Himmel in den Schoss, oder: Ich hatte endlich Zugang zu dem Feld, in welchem das Wissen der mit Photoshop arbeitenden Designer und Grafiker gespeichert war.

Es ist alles da oben abgelegt und einfach zu ergründen. Alle erdenklichen Ideen zur Ausübung und Erfahrung liegen dort oben bereit: Sei es Krieg, wovon uns bestimmt ein großes Feld umgibt, das täglich durch gewaltverherrlichende Filme und tatsächlicher Gewalt Erweiterung erfährt. Oder ein Feld der Nächstenliebe, der Hilfe, des Mitgefühls und der Toleranz. Diese Felder müssten meines Erachtens noch mehr Energie erhalten, um einmal zur gesellschaftsbestimmenden Normalität zu werden. Aber dazu benötigt es vielleicht mehr Anregungen in diese Richtung, was über die alles erreichende Medienlandschaft geschehen könnte. Sodass mehr Menschen dieses Gedankengut in sich aufnehmen und sich aus dem Feld der Unsicherheit und Angst ausklinken können. Veränderung ist machbar.

Nachdem wir aus dem schwarz–weißen Café in den Strom der Feierabendfeiernden getreten waren, trennen wir uns und ich gehe – wie so oft – alleine ins Kino. Nach einem leidlich amüsanten Film sitze ich in meinem Auto und warte auf den Beginn meines mittwöchlichen Tanzvergnügens. Und falle wieder einmal in die Rolle des Außenstehenden. Ich beobachte die Menschen um mich herum. Wie sie durch die prall gefüllten, von Hektik durchzogenen Straßenwelten ziehen, verfolgt von gedankenschweren Energien, die sich in ihren Nacken geheftet haben. Leidende Menschen, betrunkene Menschen, ängstliche Menschen. Im Einkaufswahn oder der Einsamkeit verfallen. Kranke Menschen. Menschen, die sich der gesellschaftlichen Norm und Moral zu Füßen geworfen haben, um die eigene Unsicherheit nicht zu spüren. Um sich in Zeiten der Angst geleitet und geführt zu wissen. Anstatt sich der Angst zuzuwenden, um zu erkennen, dass Angst nur eine hohle Blase aus der Vergangenheit ist.

Ich stehe in meiner ehemals Lieblingstanzhalle und bemerke wieder einmal, dass die interessanten Leute bis auf wenige verschwunden sind. Die »next Generation« hat den Schuppen in ihren Besitz genommen, so wie ich es schon oft erlebt habe. Das bedeutet wieder Veränderung: Ich muss nach einem neuem Ort Ausschau halten. Alte Zelte abbrechen und Neues in Bewegung bringen.

Veränderung ist das einzig Beständige in meinem Leben. Immer wieder von Neuem zu beginnen, neue Wege zu gehen und Neues zu erproben. Und kaum habe ich mich an etwas gewöhnt, oder als akzeptabel abgespeichert, verändert sich die Situation von Neuem. Manchmal leide ich unter dem ewigen Hin und Her. Heute zum Beispiel.

Ich vermisse so etwas wie eine Heimat. Ein Ort, an dem ich mich absolut wohlfühle, der mir entspricht, wo ich Leute finde, die mir entsprechen. Gleichgesinnte. Eine Heimat für alle meine Bedürfnisse. Überhaupt eine Heimat.

Heimat

Ein wahres zu Hause ist für mich auf ewig mit der rötlichen Stadt am silbernen Fluss verbunden. Aus den hohen, beinahe den Himmel berührenden Bergen, mit all den kristallenen Toren zu anderen Orten, entspringt der silberne Fluss aus einer weit oben gelegenen Höhle. Der Blick ins darunter liegende Land ist unbeschreibbar. Die Weite und der fast greifbare Frieden umschmeicheln den Berg und stürzen mit dem glitzernden Wasserfall in die Tiefe. Dort sammelt sich das in den Sonnenlichtern spiegelnde Nass und fließt in einem immer breiter werdenden Strom ins Land hinein.

Je tiefer der Fluss ins Land eindringt, desto breiter, kräftiger, lebendiger wird er. Die das Wasser bewegenden Wesen springen übermütig von Stein zu Stein, schlagen Purzelbäume und Kapriolen und bringen die Gischt des tosenden Wassers zum Sprühen. Deren Lachen ertönt und mit dem Rauschen des Fließens bringt die Bewegung des Stroms einen Gesang der unvergesslich bleibt.

Viele Fernen weiter beruhigt sich das mittlerweile älter gewordene Sein im Wasser und fließt nun gemächlicher, beobachtender durch die jetzt rötlich schimmernde Landschaft. Kristalle stehen an den Ufern. Mannshoch, in allen Farben erfahrbar. Und der feste, steinige Boden ist überzogen von sattem, weichen Moos, in welchem zarte Blüten bunter Formen ihre Köpfe zum Himmel strecken. Dem Mäander folgend wird das fließende Sein wieder schneller, belebter. Es scheint, als freut sich jeder Tropfen in dem belebten Fließen auf ein kommendes Ereignis. In leichten Stromschnellen geht es um bewachsene Felsen herum und stürzt auf ein Plateau, das den Fortlauf des Flusses etwas verlangsamt. Dennoch ist die freudige Erregung spürbar.

Auf dem Plateau, an die dahinter wieder aufragenden Berge gelehnt, steht meine Heimatstadt. Oder besser, die Stadt die mir in dunklen Zeiten düsterer Verzweiflung am nächsten war, die mir größte Hoffnung, aber auch stete Sehnsucht schenkte. Breite, aus rötlichen Steinen gebaute Brücken überspannen den springenden Fluss. Es gibt keine Straßen in unserem Sinne, denn Fahrzeuge sind nicht zu sehen, werden auch nicht benötigt. Überall tummeln sich die Bewohner dieser Stadt. Es ist ein friedvolles Wispern freudiger Stimmen. Das Leben spielt sich vornehmlich auf den Straßen ab. Es ist warm, Kälte ist nicht vorgesehen an diesem Ort.

Die Stadt zieht sich in kleinen übereinander gebauten Wohnquadern, mit unzähligen Treppen und Plätzen, den Blick in die sich ergebende Weite freigebend, die Hänge hinan. Es ist keine städtebauliche Absicht zu erkennen, aber das Durcheinander und die unzähligen, meist offenen kleinen Wohnungen sprechen vertraut miteinander. Die Stadt lebt in sich, und die Bewohner feiern das Leben in einer andauernden Freude. Ich wohne weit oben, den Blick nicht in Richtung der Berge gerichtet, sondern so wie ich es auch heute noch liebe, in den fast nur aus Himmel bestehenden Horizont.

Der silberne Fluss, bevölkert mit kleinen Booten und die am Himmel wachenden Sonnen spiegelnd, rast laut, in Vorfreude brüllend, auf den von der Stadt begrenzten Horizont zu. Um dort mit breitem Grinsen in das viel tiefer liegende Land zu fallen. Die Stadt blickt somit von oben auf die Welt hinunter, eine Welt voller Leichtigkeit und Schönheit.

An Verbindungsleinen schweben runde Wohnkugeln über dem immensen Wasserfall. Eine ganz spezielle Erfahrung des Wohnens und Schlafens, was mir aber immer zu bewegt war. Über den Häusern mit all den Stufen und Treppen, die sich rechts und links des Flusses an die kraftvollen Berge lehnen, sind viele Kristalle zu sehen. Wie auch die wild Gewachsenen, spiegeln sie alles Licht, alle nur erdenklichen Farben. Diese sind jedoch bearbeitet und werden als Energielieferanten und zum Überqueren verschiedenster Entfernungen genutzt. Es sind Tore durch Raum und Zeit, einzeln zu begehen und an viele Orte in dieser und in anderen Welten führend.

Allein der Gedanke an diese Stadt, an die Lebendigkeit und Kraft dieses Ortes macht mein Herz weich und groß. Wir leben hier in einer friedvollen Gemeinschaft, es gibt keinen großen Ärger oder Kriege mehr. Wir haben diese Phase längst schon hinter uns gelassen. Unser Bestreben erfüllt sich durch das Studieren und das Genießen des Lebens. Wir sind auch auf Schiffen im gesamten Universum unterwegs, wo wir unsere Hilfe dem anbieten, der sie haben will.

Die Frage nach Leben und Tod stellt sich uns nicht wirklich. Wir sind verbunden mit unseren Seelen und wissen um die Dinge, die das lebendige Sein bestimmen. Wir sterben auch nicht ungewollt. Es gibt eine freiwillige Möglichkeit, ein anderes Dasein, eine andere Inkarnation zu wählen. Was wir im Einklang mit unserem inneren Wesen bestimmen.

Dennoch werden auch von uns neue Erfahrungen gesucht. Obwohl wir vieles bewusst erleben und sehen können, sind wir uns im Klaren, dass das große Eins–Sein beinahe unerforscht hinter allem liegt. Wir sind aufgrund unserer Schwingung sehr leicht, ja fast nicht fassbar. Das gesamte Sein in unserer Welt, das Berühren und Bewegen, das Fühlen von Gewicht und Schwere ist im Gegensatz zu der menschlichen Realitätserfahrung transparenter, unfassbarer, nebliger. Wir sind circa drei Meter groß, und sehr feingliedrig. Unsere Haut hat eine helle Farbe, und obwohl wir auch das polare Sein erleben und in männlichen oder weiblichen Körpern leben, haben wir nicht diese feste Körperlichkeit, wie ich sie jetzt als Mensch erlebe.

Auch die Verschmelzung zweier Wesen, die als Mensch fast nur mit einem gemeinsamen Orgasmus erlebbar ist, findet in dieser Welt anders, einfacher statt. Es ist wie alles hier leichter, fast schon beiläufig, und gehört sozusagen zur Grundausstattung. Wir haben hinsichtlich der Verschmelzung und des darin liegenden Gefühls des absoluten Eins–Seins keine Blockaden. Wir beschließen den Genuss dieses großartigen Gefühls und begegnen uns auf einer tieferen,einer geistigen Ebene, die fast ohne körperlichen Kontakt stattfindet.

Auf unseren Reisen durch die anderen Welten und Dimensionen begegnen uns viele andere Wesen, jede auf ihre spezielle Art dem großen Sein verbunden, und dennoch so unterschiedlich. In gewisser Weise erforschen wir das vielfältige Leben, um das zu erfahren, was uns alle verbindet, und zwar tiefer noch, als wir Menschen es in unserem Sein erfahren dürfen.

Wir begegnen auch vielen Welten voller Hass oder Dunkelheit. Die jedoch ebenfalls nur ein Aspekt des großen Unbekannten sind. Was uns nur noch intensiver nach der Ursache allen Seins forschen lässt. All die Kriege, die es seit der großen Trennung gab, sind nur verzweifelte Wege den Weg zurückzufinden, so erscheint es uns.

Als wir damals von diesem Projekt hörten, in welchem ich jetzt tief drinstecke, waren wir natürlich äußerst interessiert. Unter all jenen, die sich zur Erforschung und Beobachtung gemeldet hatten, war auch ich dabei. Ich erinnere mich gut an die Ankunft auf dem irdischen Planeten. Von außen ein strahlendes Blau, satt und voller Leben. In allem konnten wir das seelische Wesen erkennen, das diesen Planeten umgab und belebte. Eine wundervolle Welt, die sich in einer noch nie erfahrenen Dichte zeigte. Diese neue Welt ist viel extremer als alles zuvor Erlebte. Alles auf diesen Planeten ist so fest und schwer. Als ich das erste Mal diesen Raum betrat, empfand ich die Dichte und Komplexität erdrückend, mich fast zerquetschend.

Es dauerte seine Zeit, bis wir lernten uns in diese massive, dreidimensionale Welt herabzuschwingen. Aber als es uns gelang, war das Erleben unglaublich bereichernd. Nie zuvor war eine Welt geschaffen, die so die Extreme vereinen konnte, wie diese. Der hier Wirklichkeit gewordene Plan war das Erschaffen einer Möglichkeit, in welcher das Göttliche neu erforscht werden konnte. Auf unseren Welten sind wir uns mehr oder weniger bewusst über das Zusammenspiel mit den Seelenebenen, die hinter den unterschiedlich sichtbaren Welten liegen. Was aber wäre, wenn wir Wesen beobachten könnten, die sich an gar nichts erinnerten, die keine bewusste Verbindung zu ihrem göttlichen Selbst hätten? Wäre dies ein Weg nach Hause, um in das eine große Sein zurückzukommen? Der Weg, den wir alle erforschten, den aber scheinbar niemand erreichen konnte?

Ein Plan: Vollkommen frei zu sein und dadurch bestenfalls eine Brücke zuschlagen, die aus dem dichtesten Lebensbereich in das höchste Bewusstsein führte. Zu jenem Sein, welches wir alle so sehr zu erfahren sehnten.

Also beobachteten wir die Menschen, die Tiere und alle Wesen, die sich eifrig bemühten, diesen Planeten wachsen und gedeihen zu lassen. Viele Welten haben sich hier zusammengefunden und jede hat ihren Anteil in das große Feld gegeben. Aus dieser dicht informierten Wolke wurde dann mittels großer Energiezufuhr eine immer schwerer werdende Materie gebildet, die dicht und in sich verschlossen war. Diese Realitätsebene erhielt einen Wahrnehmungsschleier, der verhinderte, dass die in dieser Welt lebenden Wesen sich in den anderen Dimensionen verlieren konnten. Sie sollten sich auf ihr irdisch–dichtes Dasein konzentrieren und alles andere nicht wahrnehmen. In dieser Konzentration, so hofften wir, würde sich dann die Verbindung zu dem einen Sein entwickeln.

Der Plan war gut, aber schließlich kamen machthungrige Wesenheiten aus anderen Galaxien, anderen Dimensionen, um sich dieser Welt zu bemächtigen. Jetzt ist sie ein Spielball geworden, ein Ort, an dem sehr viel Angst und Machtlosigkeit herrschen. Damals aber war alles noch so neu und hoffnungsvoll. Obwohl wir alle Einfluss nehmen und das sich entwickelnde Leben unterstützen wollten, beschlossen alle Beteiligten später einen Nicht–Einmischungs–Pakt. Wir ließen dem irdischen Leben seinen Lauf.

Zu beobachten, wie sich aus den ersten Menschen und Tieren ein derart komplexes Dasein entwickelte, war das Interessanteste, was ich je erlebt habe. Ich war fasziniert von der Art und Weise, wie die Menschen lebten. Und auf unseren Reisen durch noch recht menschenleere Gegenden der Erde lernten wir viel über das Leben. Allein schon aufgrund des unberührten Daseins, der freien Entscheidungsmöglichkeit, die ohne das Grundwissen der großen Trennung so rein und in einem unbeschreibbaren Zustand gemeinsamen Verständnisses war. Diese Reinheit und Unschuld war viel tiefer als unser schon sehr friedliches Leben. Wir hatten so viele Kenntnisse und konnten dennoch nicht diese Tiefe dieser Emotionalität erfahren. Erst dieses Extrem, diese in sich geschlossenen Welt, machte es möglich, tiefer in das Mysterium Leben zu gelangen als je zuvor in der Geschichte des getrennten Seins.

Mit Alantey und Ahjateia erforschten wir das Leben auf diesem Planeten. Mir fiel es schon immer leicht, Objekte kraft meiner Gedanken aus ihrem Informationsfeld in die Materie herabzuziehen, aber in dieser Dichte war das nicht so leicht: Es war eine Herausforderung.

Oft saß ich in der Fülle dieser wachsenden und gedeihenden Kraft und begann Tempel und Heilplätze an den dafür geeigneten Energieplätzen zu erschaffen. In diesen heiligen Räumen versuchten wir den Menschen in Kontakt zum höchsten Bewusstsein zu bringen. Das war bevor wir den Planeten in Ruhe lassen sollten. Aber die dort verbrachte Zeit genügte, um zu erahnen, welche Möglichkeiten in einem irdischen Dasein verborgen liegen. Ich muss zugeben, dass mich diese sehr spezielle Körperlichkeit der Menschen sehr bewegte.

Um sich fortzupflanzen, gab es eine körperliche Vereinigung, die eine Leidenschaft und Gefühlstiefe zuließ, derer ich zuvor nirgendwo begegnet war. Es war ja zu erwarten, dass sich in dieser dreidimensionalen Welt alles viel intensiver zeigen würde, aber diese Emotionalität, die ich persönlich nicht erleben konnte, ließ in mir mehr und mehr den Wunsch und den Gedanken aufkeimen, ebenfalls in dieser Welt leben zu wollen. Als wir uns schließlich zur Beobachtung außerhalb dieser Welt bereit erklärten, entschloss ich mich mein Leben in meiner gewohnten Körperform zu beenden.

Dieser Schritt war nicht leicht. Aber das hier Erlebte und die sich darin zeigenden Möglichkeiten waren zu verlockend, als dass ich diesem Drang, an diesem Experiment selbst teilzunehmen, widerstehen konnte. Durch den regen Kontakt zu unserem inneren Wesen ist der Gedanke an den Tod, wie er als Mensch erfahren wird, nicht so erschreckend. Aber auch in jener Welt sind wir der Gewohnheit und der Beständigkeit eines errungenen Status quo unterworfen. Aber ich entschloss mich den Sprung zu wagen. Meine geliebte Welt verlassend, schlüpfte ich durch den engen dunklen Kanal des Vergessens, um in vielen irdischen Daseinsvarianten das Leben von neu und tiefer zu erforschen. Um letztlich aus mir selbst heraus, ohne Kontakt nach »oben«, ohne Genaues wissen um die Realitäten des Seins, die Rückkehr in den Einen vorzubereiten. Und letztlich zu finden.

Als ich dann vor 42 Jahren wieder dieses grelle Licht der irdischen Dichte erblickte, noch im Wissen, der mir bevorstehenden Erfahrungen, aber auch voller Angst vor dem, was kommen würde, schloss sich der nebulöse Vorhang zu meiner Erinnerung. Und der letzte Tanz begann.

Neugeburt

Das Gefühl, allein gelassen worden zu sein, begleitete mich fast mein ganzes Leben. Schon als Kind plagte mich das Gefühl falsch zu sein, fremd zu sein. Verlassen und allein zu sein. Ich konnte es nie recht in Worte fassen, was mir fehlte. Aber wenn ich in den Himmel blickte und die endlose Weite des Universums sah, explodierte diese Sehnsucht aus mir heraus. Ein Sehnen, das scheinbar unbegründet und dennoch so real für mich war. So stand ich am Fenster, in die Nacht blickend, die Sterne bewundernd und voller Hoffnung, wann endlich meine Freunde kämen, um mich abzuholen.

In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine kurze Periode filmischen Schaffens, in welcher außerirdisches Leben positiv dargestellt wurde. In den folgenden Jahren änderte sich die Botschaft dieser Filme. Die Wesen aus anderen Welten wurden immer öfter als böswillige Biester dargestellt, welche nur die Zerstörung und Unterdrückung der Menschheit im Sinne hatten. Doch jene positiv gestimmten Filme sprachen das Herz das jungen Mario so sehr an, dass die Gewissheit in mir reifte, dass da draußen mehr Leben existiert, als wir ahnen.

Ich erinnere mich gut an »Die unheimliche Begegnung der dritten Art«. Mir war, als ob Richard Dreyfuss mein Alter Ego darstellte. Die Geschichte des Films und die darin gezeigten Gefühle empfand ich als ein Teil meiner Erinnerung oder meiner Hoffnung. Es war, als öffnete sich ein Tor in mir. Welches mich in eine Welt einlud, die ich bislang nicht wahrnehmen konnte. In mir wuchs ein Gefühl – nein: ein Wissen – über etwas Wahres, das ich nicht mehr ablegen konnte, das mir durch keine Wissenschaft oder verstandesgemäßes Denken weggenommen werden konnte. Ein bislang stummes Wesen erwachte in mir, etwas Unfassbares, das ich nicht greifen konnte.

In den folgenden Jahren, in welchen ich meine menschlichen Verpflichtungen und Identitätssuche weiterlebte, reifte parallel die Gewissheit über eine alles verbindende Kraft, jenseits des bärtigen weißhaarigen Mannes namens Gott. Die Grundsteinlegung einer tief greifenden Transformation begann mit der selbst gewählten Isolation in Amsterdam.

Es ist Königinnentag.

Die ganze Stadt ist auf den Beinen und Tage zuvor schon sind die Vorbereitungen zu spüren. Schon seit Mitternacht schieben sich laut lachende Menschengruppen durch die Straßen, welche die geschmückten Grachten säumen. Bekiffte und angetrunkene Touristen hängen in den Straßencafés, entweder voller Tatendrang oder schon so weit neben sich, dass sie die Freude und den Spaß in der Atmosphäre gar nicht mehr wahrnehmen.

Ich habe natürlich frei, heute arbeiten nur die, welche den immensen Durst und Hunger der Feiernden bedienen. Meine Arbeit in Amsterdam in einem Designbüro ist sowieso nur ein Vorwand. Es ist mir wichtiger vor Ende des Studiums einmal die Erfahrung einer fremden Stadt und einer fremden Sprache zu erleben. Es waren nicht die Drogen, die mich hierher führten. Es ist eher die Freiheit, die ich hier atme. Das Zusammenspiel zweier komplett entgegengesetzter Kräfte. Dunkelheit neben Friedfertigkeit. Es ist absolut faszinierend, diese Energien hier wahrzunehmen. Zu spüren, welche Gefühle in mir dabei aufkommen.

Einerseits die Angst, wenn ich nachts in einsamen Straßen mehreren stumm daherlaufenden Männern begegne. Oder wenn sich laut hallend Schritte den Weg durch die engen Gassen bahnen, die ich zu Fuß durchwandern muss, weil mir wieder mal das Fahrrad gestohlen wurde. Andererseits die Freiheit. Sie weht mit dem starken Wind aus Westen an den windschiefen Häusern vorbei, die sich aneinanderklammernd der Zeit zu widersetzen versuchen. Durch die Grachten bewegt sie sich, in den dort lebenden Menschen leuchtet sie. Eine herrliche Widersprüchlichkeit, ein beständiges auf und ab im Erleben. Hier findet man alles. Dunkel steht neben hell. Verrucht steht neben glamourös. Ein freies, wildes Dasein.

Hier komme ich her um mich zu erfahren, in der Tiefe meines einsamen Seins. Fern ab von Ablenkung und Freunden, fernab allem Bekanntem. Allein in einer Stadt, in der alles möglich ist. In einer Welt, die mir den Freiraum zur eigenen Entfaltung gibt.

Interessanterweise ist es Petra, die mich an diesen Tagen besucht, was mich trotz des Genießens und Eintauchens in den Schmerz des poorlonesomecowboysonalongwayfromhome sehr freut. Wir streichen durch die vollen Gassen mit den anderen Menschen, haben unseren Spaß und genießen die Frühlingswärme.

Der Abend bricht herein. Als wir wieder über die schulterbreite Treppe in dem dunklen nach Katzenpisse stinkenden Flur in meiner Dreimonatwohneinheit angelangt waren, hat der Alkohol seine Spuren in unserem Bewusstsein hinterlassen. Wir führen unsere typische Zweiwochenbeziehung durch und der Abend endet in erschöpfter Gelassenheit mit recht beachtlichem Verlust des klaren Denkens. Ein Tag der intensiven Gefühle.

Dem Zustand entsprechend bin ich mir nicht mehr im klaren, was und wie es sich abgespielt hat. Ich weiß nur, dass ich neben all den alten Energien und den bis dato unbeachteten, nicht sichtbaren Mitbewohnern eine Stimme wahrnehme, die durch mich spricht. Es sind nicht meine Worte und ich bin mir nicht bewusst, was ich da sage. Aber ich fühle eine Verbundenheit mit etwas großem, das hier in mir zu existieren scheint. Als ob der am Himmel thronende Mond herabgestiegen sei, um mir ein wegweisendes Licht in der Dunkelheit zu sein.

Petra weint, auch sie erfährt eine Öffnung im Raum, die nicht zu beschreiben ist. Das Weitere versinkt im Dunkel der Nacht.

Ich wache auf und erkenne mich nicht wieder. Es ist nicht der Kater oder eine sonstige Nachwirkung der gestrigen Feier. Ich bin grundlegend anders. Ich bin mehr geworden, größer, weiter, klarer. Ein lang verschlossenes Tor wurde geöffnet und ich schaue in einen noch unerleuchteten Saal. Wissen fließt nebelgleich um meine Knöchel. So dicht, dass es die Haare an meinen Beinen wehen lässt, aber ich kann es noch nicht lesen. Ich kann es nicht begreifen. Ich sehe nur, wie der nicht enden wollende, warme Wind der Gewissheit aus diesem großen, aber noch dunklen Saal herausströmt. Wie er versucht, in mich einzudringen. Nein! Wie ich versuche, ihn aufzunehmen. Wie ein Verdurstender das Wasser sucht.

Der Tag beginnt. Alles scheint wie zuvor, als hätte sich nichts verändert. Wäre da nicht dieses große Feld, das mich fortan umgibt. Ein Feld von unbenutztem Wissen. Ein weltengroßes Buch, das gelesen sein will. Ein weiteres Ich, das mir folgt, mich anschubst und mir neue Gedanken schenkt. Die folgende Zeit ist ungreifbar anders als zuvor. Die Traurigkeit in mir ist noch immer da, doch scheint aus dem Grunde des tiefen Brunnens ein Schimmern hervorzuquellen. Ein mit der Laterne winkendes Etwas, das mich hinein lockt in die Tiefe meiner Gefühle. Ich hab nichts zu verlieren und folge.

Was auch immer an diesem Tag passierte, meine Welt ist anders geworden. Als ich wieder zurück in Deutschland mein Studium fortführen will, begegnen mir Menschen, die ich zwar schon kannte, mir aber nie nahe waren. Sie bringen mir Botschaften, Ideen, Gedanken und weiterführende Literatur. Ich beschreite den Weg des Adepten. Nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal in dieser Inkarnation.

Alles, was ich lese, erkenne ich wieder. Mir zittern die Glieder, als ich die Wahrheiten erkenne, die sich mir plötzlich eröffnen. Ich atme jeden neuen Gedanken tief in mich ein. Wissend, dass dies nur der Anfang eines Weges ist, dessen Ende ich noch nicht beschreiben kann, der aber den Sinn meines Daseins bedeutet. Ich forsche und denke nach, meine Studien beziehen sich in alle erdenklichen Richtungen des menschlichen Daseins. Um das Menschsein genau zu verstehen, gehe ich nicht nur den Weg der esoterischen Betrachtung, sondern auch die Einbezugnahme psychischer Untersuchungen der Wissenschaft.

Ich bin ein Schwamm ohne begrenztes Fassungsvermögen. Es ist, als würde ich mich selbst wiederentdecken, so als ob ich alles, was ich bin, erst noch einmal von unten her betrachten müsste, um den kompletten Überblick zu bekommen.

Dass sich diese Veränderung auch auf mein Studium auswirkt, bleibt nicht aus. Das Erfinden neuer Schnitte und Moden erfüllt mich nicht länger. So nutze ich meine Talente und Begabungen, um mir wichtig gewordene Themen zu bearbeiten und in dreidimensionale Körperlichkeit umzusetzen. Meine erste Arbeit beschreibt meine Auseinandersetzung über das Phänomen der Gegensätzlichkeit, das YIN und YANG. Ich schreibe, male und entwickle die Kostüme dazu. Eines aus hartem, glatten, glänzenden Blech, das mich bei der Bearbeitung im wahrsten Sinne des Wortes viel Blut und Schweiß kostet. Das andere eine unförmige, weiche, rotmatte Körperummantelung, welche sich durch die Bewegung verändert. In der Drehung verliert das »weibliche« Kostüm an Gewicht und tanzt um den Träger herum, während das steife, »männliche« Kostüm starr und schier unbeweglich seines Weges über den Laufsteg zieht.

Es zeigt sich mal wieder, dass ich in kein Schema passe. Meine Modeprofessoren wissen nichts mit meinen Arbeiten anzufangen. Ich bin froh, dass ich durch Herrn Jacobi – er war Professor für Bildhauerei – tatkräftige Unterstützung erfahren darf.

Nach dem siebten Semester beginne ich mit meiner Diplomarbeit. Es hat lange genug gedauert, das Studium soll nun mit einer grandiosen Arbeit so schnell wie möglich zu Ende kommen. Mein Diplomthema sind die sieben Hauptsünden.

Als ich nach Beendigung meines Studiums in die Arbeitswelt gestoßen wurde, trennten sich erst mal meine inneren Entwicklungsbedürfnisse und die äußeren Tätigkeiten zur Sicherung meines finanziellen Überlebens. Die neue Situation und meine erste länger als ein paar Monate andauernde Beziehung erforderte viel Energie. Aber neben meinem Arbeiten als Kostümbildner, Illustrator und Erforscher meines Beziehungslebens arbeitete die große Suche nach der einen Wahrheit still in mir weiter. Wir zogen nach Berlin und nach einer Weile begann ich mich mit Astrologie und Tarot zu beschäftigen. Da sich meine Jobsituation als nicht tagfüllend herausstellte, hatte ich genug Zeit für dieses Studium. Ich lernte mittels Berechnung der Transite und dem Ziehen und Interpretieren der Tarot–Karten immer mehr meinem eigenen Gefühl zu vertrauen.

Dem Drängen, diese Künste für andere auszuführen, widerstand ich. Es war für mich viel wichtiger, anhand dieser Möglichkeiten mein eigenes, inneres Wesen kennenzulernen. Durch den Vergleich der in Büchern beschriebenen Interpretation und meiner inneren Wahrnehmung erfuhr ich endlich das nötige Vertrauen in mich selbst. Ich nutzte die Astrologie und das Kartenlesen als eine äußere Bestätigung, dass meine eigenen Gefühle immer dem Charakter des Augenblicks entsprachen. Dadurch lernte ich auch das Leben mehr zu genießen, es fließen zu lassen. Zu vertrauen, dass ich rechtzeitig zu den passenden Chancen geführt werden würde. Und dass meine Gefühle für mich die richtigen sind.

Das war nach einem Leben der Fremdbestimmung ein großer Sprung in Richtung wahre Freiheit. Dieser Weg schenkte mir die Entdeckung eines großen leuchtenden Schatzes, der tief in meinem Sein auf mich wartete.

Leider war Berlin nicht meine Stadt. Zu deprimierend, zu düster, zu groß. Und meine fast zweijährige Beziehung endete in einem emotionalen Stillstand. Ich spürte, dass ich einen weiteren Schritt nach innen gehen muss. Der Schritt nach innen bedeutete auch einen Schritt im außen. Nach langem hin und her entschloss ich mich, nach Köln zu ziehen.

Unbegründet wusste ich, dass hier meine berufliche Zukunft liegt. Und dass ich hier die Chance bekäme, meine Probleme mit Beziehungen und mir selbst aufzulösen. Zumal mir die hiesige Mentalität mehr behagte als das ruppige Miteinander im kalten Berlin. Wenn ich endlich reif für eine andauernde und glückliche Partnerschaft sein wollte, galt es zuerst einmal herauszufinden, was in mir falsch funktionierte, warum ich mich niemandem öffnen konnte. Der Umzug war der Startschuss für alle Arten von Therapien. Ich warf mich mit aller Energie in die Dunkelheit meines unerforschten Ich.

Meditation

Für all die inneren Schritte meiner Entwicklung und des steten Flusses einer spirituellen Öffnung hat sich die Meditation als Freund in der Not und Ort der Ruhe erwiesen. Zurück aus Amsterdam beginnt die lange Geschichte der morgendlichen Stunde des Zentrierens und Lernens. Zunächst suche ich den richtigen Platz in meiner zur Freude der Vermieterin gerundeten Wohnung. Jede Ecke hatte ich mit Maschendraht und Gips in eine abgerundete Form gebracht. Ich hatte scheinbar schon vor meiner Ausbildung zum Feng–Shui–Berater ein Gespür für behagliches Wohnen im gesunden Fluss der Energien. Mein Meditationsplatz ist vor der Balkontür mit Blick auf den sonnenbeschienenen Park. Ich setze mich auf ein Kissen und versuche, ruhig zu werden. Der Anfang ist nicht leicht. Die Ideen aus der Yoga–Schule sind eher gymnastischer Natur, aber ich weiß, dass in der Meditation Heilung und Führung liegt. Ich sitze mit geschlossenen Augen in einer Art Lotossitz, der mir dank einer ausgeprägten Beweglichkeit gleich gelingt und versuche einen noch nicht definierbaren Zustand zu erreichen.

Augen zu und siehe, da sind sie schon: Direkt und unabwendbar tauchen Gedanken aus dem Nichts und drängen sich in mein Bewusstsein. Alle erdenklichen Alltagsdinge entschweben dem Meer der Möglichkeiten: Erinnerungen, Probleme, Filme, Fragen, Frauen oder noch zu erledigende Dinge – der Kopf ist plötzlich voll von ihnen. Wollte ich nicht so etwas wie das Gegenteil erreichen? Ich konzentriere mich auf – ja was denn nun? Das Nichts? Ich suche und suche in mir, überall ist irgendetwas aber nirgendwo das Nichts.

Trotz anfänglicher Verzweiflung weiß ich, dass dies der richtige Weg für mich sein muss. Ich entdecke die Macht des Atems. Beobachte ich den Atem, wie er in mich fließt und wieder aus mir heraus, werde ich automatisch ruhiger. Ich entdecke, dass der Atem viel tiefer in mein Wesen fließt, wenn ich die Zunge an den Gaumen lege. Langsame Schritte führen zu einer Art Ritual täglicher Wiederholung, die durch nichts begründet ist, ein Ablauf der Dinge, die ich aus den verschiedensten Büchern zusammengetragen habe. Der erste »Erfolg« kommt erstaunlich schnell. Heute denke ich, dass mein Geist oder meine Seele diese seltenen heiligen Zustände verschenkt, um mich an der steten Wiederholung des Meditationsrituals zu halten. Ich bin quasi angefixt.

Ich sitze da und spüre wie ich von hinten anfange zu schweben. Wie ich mich aus meinem Körper heraushebe, nur noch verbunden mit einem zarten Band in meinem Kopf. Ich spüre die helle Leere um mich und fühle mich großartig. Alle Gedanken sind auf einen Schlag verschwunden. Ich befinde mich in einem Raum des absoluten Friedens. Das pure Sein, das zeitlose Nichtswollen nie enden sollender Freude. Ein wunderbarer Erfolg meiner neuen Bemühungen.

Aber wie es sich zeigt, ist dies kein Zustand, den ich auf Knopfdruck herbeizaubern kann. Also sitze ich da, täglich, in ungeübter Stellung, auf etwas wartend und hoffend, von dem ich nicht genau weiß, was es denn sein wird. Es ist nur klar: Es ist wichtig.

Ich teste verschiedene Zeiten aus, und bemerke, dass ich auf jeden Fall ausgeschlafen sein muss. Von anderen Suchenden erfahre ich, dass diese extra morgens um 4 Uhr aufstehen. Aber allein der Gedanke daran lässt mich so herzhaft gähnen, dass ich es erst gar nicht versuche. An Tagen, an welchen ich weniger als acht Stunden schlafe, hole ich diesen während meiner Meditation nach.

So ziehen sich meine Bemühungen um Zentriertsein und innere Ruhe durch mein Leben. Auch wenn ich nicht wirklich große Veränderungen verspüre, ist mir klar, dass ich an etwas arbeite, das seine Zeit braucht. Meine Wahrnehmung der nicht augenscheinlichen Dinge ist noch tief in mir verborgen. Ich folge einem Weg, dessen Ziel ich nicht wirklich sehe und dessen Markierung nur zehn Zentimeter vor meinen Füßen aus dem Nebel des Unbewussten ragt.

Neben den Studien über Astrologie und Tarot finde ich in den täglichen Ritualen Ruhe und Geborgenheit. Auch wenn ich oft an Alltägliches denke, ist diese Stunde des Mit–mir–Seins wundervoll entspannend und beruhigend. Dementsprechend verändert sich auch mein äußeres Dasein: Ich werde immer ruhiger.

Ich versuche aus Büchern, die ich lese, Informationen und Tipps zu der Art und Weise, wie ich zu meditieren hätte, zu erhalten, und gehe dennoch meinen eigenen Weg. Während meiner Therapiezeiten ist das Meditieren intensiver als zuvor. Ich spüre die Gegenwart von den uns umgebenden Wesen. Kann sie aber noch nicht genau wahrnehmen, definieren oder gar mit ihnen kommunizieren. Aber es passiert etwas in diesen täglichen Stunden. Ich erlebe die Meditation als eine Hilfe, mit der ich das in Therapien erfahrene, aufgewühlte oder in meinen Ausbildungen Erlernte in mein Wesen integrieren konnte. Um es für mich greifbarer zu machen. Um es aufzunehmen in mein tägliches Sein.

Anfang der Neunziger beginne ich mit Reiki. Ich bin natürlich sofort fasziniert, da sich hier ein Weg zeigt, der mir helfen kann, meine Mission, die Welt zu retten, anzugehen. Endlich bin ich in der Welt der unsichtbaren aber erfühlbaren Kräfte angekommen: Reiki. Energien schicken und heilen.

Ich beginne damit zu arbeiten und versuchte das neu Gelernte und Erkannte überall und an jedem anzuwenden. Nun beginne ich auch Wesen wahrzunehmen.

Wir waren in Zandvoort am Meer. Für mich ist diese Küste erstaunlich hässlich und eigentlich fühle ich mich dort sehr unwohl, aber es ist eine der wenigen Möglichkeiten, schnell ans Meer zu kommen. Wir hatten den Tag faul in der Sonne liegend verbracht und beobachtet, wie sich die Möwen an weggeworfenen Pommes gütlich taten. Wir hingen an den Strandbars herum und ließen in einem mittelmäßigen Restaurant den Tag ausklingen. Die Nacht verbrachten wir in einem dieser aus dem Sand gestampften Riesenhotels. Hässlich, kalt und merkwürdig riechend, aber billig. Aneinandergekuschelt schliefen wir ein. Wir waren frisch verliebt, nach einer langen Zeit von freiwilliger Abstinenz – um das zugrunde liegende Beziehungsproblem in mir zu erörtern – hatte ich mich wieder der Frauenwelt geöffnet.

Ich wache schweißgebadet auf. Sie atmet ruhig, liegt tief schlafend neben mir. Mir ist entschieden zu heiß und ich fühle mich erstaunlich miserabel. Was ist los? Das frittierte Essen?

Da sehe ich in dem halbdunklen, durch hereinscheinende Neonreklamen in unwirkliche Schatten getauchten Zimmer, direkt am Fußende meines schlecht matratzierten Bettes diese Gestalt. Düster kauert sie an meinen Füßen, beobachtet mich mit undefinierbaren Augen. Schwarze Gestalt mit einem Geruch, der Angst und Kälte verbreitet. Sekunden, die in ihrem Schrecken zu Minuten, Stunden, die zur Ewigkeit werden.

Instinktiv richte ich mich auf, ich fühle das Grauen, lehne mich zurück, schließe die Augen und atme tief ein. Ich bete inständig zu den Engeln, mich zu schützen. Immer wieder bitte ich um Hilfe, bis ich spüre, dass die Düsternis, die Schwere in diesem Zimmer nachlässt und so nach und nach kehrt tiefe Ruhe in mich ein. Ich bleibe noch eine Weile in diesem meditationsähnlichen Zustand, bis ich wieder die Augen öffne und Ruhe um mich herum wahrnehme.

Ich bin völlig irritiert ob der Vision, aber auch fasziniert von der Klarheit meines Umgehens mit dieser Situation. Diese Sicherheit hat mich auch später in den merkwürdigsten Situationen geleitet.

Fortan gewinne ich intensivere Wahrnehmungen, instinktiveres Wissen. Als ich wenig später feststelle, wie gut es funktioniert, die energetische Kraft von Reiki zu benutzen, wird mir aber auch schnell klar, dass diese Kraft in alle Richtungen benutzt werden kann. In der Ausbildung – oder besser gesagt: schnellen Einweihung – wird immer wieder die rein positive Seite der Reiki–Energie proklamiert. Aber Energie ist frei von einer festgesetzten Bestimmung. Energie ist einfach Energie und es liegt immer in des Nutzers Macht, diese so oder so anzuwenden.

Als ich mir selbst durch dieses ständige Wiederholen eines bestimmten Mantras einen Unfall herbeizauberte, ist für mich der Augenblick gekommen, die energetischen Kräfte genau anzuschauen, und mit der Reiki–Arbeit aufzuhören. Ich beschloss, zu allererst meine Gedanken in den Griff zu bekommen, bevor ich noch mal mit der leicht beeinflussbaren Substanz energetischer Kräfte herumspiele. So blieben nach einer Zeit, in der ich immer mehr in die Welt des Unfassbaren geglitten war, zunächst Zweifel und Skepsis.

Doch nach einigem Überlegen und In–mich–Hören blieb nur die Unsicherheit über die Art und Weise, wie diese Energien genutzt und wahrgenommen werden. Aber nicht die Infragestellung des dahinter liegenden Konzeptes. Ich war mir sicher, auf einem guten Pfad zu sein. Nur, dass ich noch nicht richtig erkennen konnte, wohin er mich führen wird und wie die hier gefundenen Energien und Kräfte zu nutzen sind. Dass es ein göttliches Wesen gibt, das alles Leben beinhaltete, war mir unveränderlich klar. Ich wusste es einfach. Doch das warum und wo, und wie man dahin findet, war mir noch verschleiert. Ich war mir nicht sicher, wohin mich meine Suche führen würde, aber zunächst folgte ich dem schwachen Glimmen im Inneren meines Seins.

Parallel zu allen Erlebnissen und der alles verbindenden morgendlichen Meditation, arbeitete ich in den Bereichen künstlerischen Schaffens. Mittlerweile hauptsächlich als Bühnen– und Dekorationsmaler. Ich entwarf, baute und bemalte die verschiedensten Objekte und Sets. In meiner teilweise knapp bemessenen Freizeit verfolgte ich weiterhin meine Studien über die Tiefenpsyche meines viel verschachtelten Wesens. Ich verfolgte Fährten, die mich in die Irre führten, nur um mir später meine Intuition zu bestätigen. Wodurch ich die Sicherheit in mir selbst stärkte und befreite.

Ich hörte in meine Ängste und blickte in die dunklen Ecken meines vielzimmerigen Furchtgebäudes. Durch meine Talente konnte ich meine Ängste verarbeiten, indem ich sie auf Leinwand bannte. Unzählige Bilder entstanden, die alle mein innersten Geheimnisse offenbarten. Die meine Furcht darstellten, welche ich dadurch ansehen und annehmen konnte. Oder ich verwandelte die mich lähmenden Angstmonster in dreidimensionale Skulpturen aus Schaumstoff.

In dieser Zeit beginnen sich meine Meditationen grundlegend zu verändern. Ich nehme zunächst die hellen Wesen um mich herum wahr. Wesen, die mir bekannt sind, die mir immer schon nahe waren und in aller Geduld mein Erwachen begleiteten.

Nach vielen Jahren des Suchens und Grabens ist die Zeit gekommen, in der ich spüre, dass ich aufhören kann mit der Verfolgung des Dunklen in mir. Ich beende die Therapiesitzungen, Trancen oder progressives Problemausdemkörperatmen, das mir viel geholfen und viel in mir gelöst hat. Es ist, als sähe ich die Welt plötzlich ganz neu. Aufgetaucht aus dem tiefen Morast des Schmerzes und Zweifels beginnen Blumen und Blüten auf meinem Weg zu sprießen: Ich gehe das erste Mal grundlos breit grinsend durch sie Straßen Kölns.

Das Leben in mir erwacht und ich fühle mich neu und genieße fortan das einfache Dasein. Ich stürze mich in die sich mir bietenden Jobs beim Fernsehen und folgend auch beim Theater. Diese Zeit ist so arbeitsintensiv, dass ich außer der Meditation, die ich nicht mehr täglich ausführen kann, keinen Gedanken an inneres Wachstum ausleben kann. Ich genieße das freudige Erleben purer Lust. Meine Jobs machen großen Spaß. Besonders beim Theater, wo ich all meine Talente einbringen kann.

Auch auf dem Feld der Beziehungskämpfe erreiche ich einen Hafen der Ruhe. Petra zieht zu mir und schon bald danach beschließen wir, Kinder haben zu wollen. Diese Zeit ist voller Lebendigkeit und Freude. Ich erfahre mein Leben als künstlerisch Arbeitender, als Beziehungspartner und schließlich auch als Vater sehr erfüllend. Und befinde mich in einem befreiten zufriedenen Zustand. Die Meditation ist zwar nicht vergessen, aber weit in den Hintergrund gerückt. Das normal menschliche Dasein hat mich erfasst und ich genieße mich zum ersten Mal in vollem Bewusstsein meiner Komplexität. Und erlebe mich nicht als Spielball irgendwelcher unbewussten Ängste oder Taten. Ich lerne in dieser Zeit auf anderen Ebenen.

Die Tiefe der vorherigen Suche hat mich geöffnet, das beständige in mich Zurückkehren hat mich bestärkt und ruhiger gemacht. Sicher gibt es noch einige ungeklärte Zustände, aber im Vergleich zu dem Wesen, das voller Beziehungsangst und Unsicherheit in diese Stadt gezogen ist, bin ich nun ein ganz anderer Mensch geworden. Ich beobachte von außen, lerne durch das Erleben als Vater und Teamchef und werde sicherer durch die steten Herausforderungen in meiner Arbeit. Ich bleibe ruhig in Zeiten finanzieller Schwächen, denn ich bin der großen lichtvollen Hand, die mich zu führen scheint, gewahr.

Als ich aber plötzlich für drei Menschen verantwortlich war, bröckelte das Vertrauen in den finanziellen Fluss für ungefähr ein Jahr. Es gab zwar immer wieder Aufträge. Aber die tief in mir liegende, damals noch nicht vollständig bearbeitete Einstellung zu Reichtum und Selbstwert ließen mich zweifeln, dass dieser immer wieder erfahrene Fluss auch für mehrere Menschen funktionieren kann. Nach einem Jahr der Unsicherheit, die sich dem Gefühl entsprechend in den Finanzen niederschlug, war es wieder das tiefe Wissen in mir, das mich ins Vertrauen zurückführte. Ich war mir wieder sicher, stets versorgt und behütet zu sein. Der Bann war gebrochen, die Finanzen flossen mehr denn je und die anfänglich schlecht bezahlten Jobs verwandelten sich in gut honorierte.

Das Leben genießend floss ich von Arbeit zu Arbeit, immer erfolgreicher und bekannter werdend, mein Sohn war unterwegs und alles war perfekt.

Plötzlich bin ich mir bewusst, dass dieses Leben zwar befriedigend ist, dass aber etwas fehlt. Etwas, das ich seit meiner Kindheit in mir gespürt hatte, etwas Essenzielles, etwas Weltbewegendes. Ich nehme wieder intensiveren Kontakt zu mir selbst auf. Beginne wieder das bewusste Beten und lese Bücher, die mich zu tieferem Verstehen über die göttliche Natur des Menschen führen. Meine Vertraute aus den Anfangstagen in Köln kommt wieder in mein Leben und alles ist wie früher: die einstige Nähe und Vertrauen zu ihr ist wieder da.

Sie ist mittlerweile Schülerin von F.E. geworden, und leitet gerade zum ersten Mal das Ausbildungsseminar zum energetischen Feng–Shui–Berater.

Als ich F.E. das erste Mal begegne, bin ich nicht soo überzeugt von seinem Können, dennoch interessiert. Skepsis, wie immer. Aber die sich hier anbietende Welt der Wahrnehmung und Einflussnahme in die Energie–Ebenen verspricht eine weitere Öffnung zu der einen Kraft, derer ich mir zwar bewusst war, die ich aber lange nicht bedacht hatte. Die Möglichkeiten dieser Energiearbeit sind bei Weitem tiefer und wirksamer als das Arbeiten mit Reiki. Ich beschließe, die Seminare mitzumachen. Da ich fühle, dass das Können, das Wissen und die Heilung, die ich in der Ausbildung erhalten werde, ein wichtiger Schritt für meine eigene Entwicklung sein wird.

Den ersten Abschnitt der Ausbildung bezahle ich durch die Ausstattung und Bemalung des Seminarraumes von Sigrid. Diese Arbeit befriedigt mich zusehends, denn diesen Seminarraum zu gestalten war der erste Schritt in eine Welt, in der ich auf mehreren Ebenen gleichzeitig arbeiten konnte. Sichtbar und unsichtbar. Ästhetik in einem energetischen Rahmenprogramm. Ich habe noch weitere Seminarräume gestaltet, und das Verbinden all meiner Qualitäten in einem Schöpfungsprozess war immer ein besonderes Erlebnis.

In der ersten Seminarwoche wird mir bewusst, wer ich tatsächlich bin, wo ich herkomme, was mein Weg zu sein scheint. Ich erinnere mich plötzlich an die bereits oben erzählten Tage am silbernen Fluss, und als würde ein Schleier von mir genommen, erkenne und sehe ich Wesen und Energien. Kräfte, die ich zwar ahnte, aber nie wirklich leben konnte, kommen an die Oberfläche: Aussichten auf das Entdecken meines wahren Wesens und der einen Wahrheit.

Und hier sehe und erkenne ich endlich den mich schon so lange behutsam leitenden Geistführer: Babaji.

Ich kann kaum beschreiben, was dieser Schritt in eine neue, unbekannte und doch so alte und bekannte Welt für mich bedeutete. Ich sehe meine Berufung, erkenne meinen wahren Weg, sehe mich selbst, wie ich wirklich bin.

Durch das Erscheinen von Babaji öffnen sich die Schranken und meine Meditationen verändern sich zusehends. Was vorher zur Ruhe– und Friedensfindung, zur Zentrierung und Konzentration genutzt wurde, entwickelt sich jetzt als ein Treffpunkt jenseits von Raum und Zeit. Zu welchem sich Besucher aus den unterschiedlichsten Welten und Dimensionen einfinden.

Als das Seminar zu Ende ist, ziehe ich mich zunächst aus der Gruppe um F.E. zurück. Ich beobachte, wie die starke Energie und das immense Geborgenheitsgefühl in der Gruppe einige meiner Mitseminaristen sofort zum nächsten Seminar zieht, in die nächste Ausbildung, zur nächsten Stufe. Doch dies ist nicht mein Weg. Ich weiß tief in mir drin, dass das, was eben aufgewühlt und neu entdeckt wurde, sich zuerst in mein menschliches Dasein integrieren will.

Ich lehne das Angebot, das weiterführende Seminar direkt zu beginnen, ab. Ich möchte mir Zeit für meine eigene innere Entwicklung geben. Eine gute Entscheidung: Denn die aufgewühlten Strukturen, die erhaltene Heilung und die gewonnenen Kräfte zur Wahrnehmung und Veränderung unserer energetischen Umwelt brauchen ihre Zeit, um sich mit meinem geistigen und materiellen Körper zu verbinden. Ein sofortiges Beginnen weiterer Ausbildungsseminare zu noch tieferen energetischen Kräften hätte mich überfordert. Solch ein voreiliges Handeln hätte mir eher geschadet als genützt. Und so erfreue ich mich an den neuen Wahrnehmungen und Erfahrungen.

Jederzeit bei mir stehend und bereit meine Fragen über mich und das Leben im generellen zu beantworten, erfahre ich Babaji als Freund, der mir näher steht als jeder außenstehende Mensch. Es gibt keine Frage, die nicht beantwortet und keine Hilfe, die nicht gewährt werden würde. Und wieder erlebe ich wahre Wunder in und mit mir.

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Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
26 mayıs 2021
Hacim:
463 s. 6 illüstrasyon
ISBN:
9783959630757
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Telif hakkı:
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