Kitabı oku: «Lost in Privilege», sayfa 3

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Am Strand wurde es unruhig, da sich die Nachricht schnell unter den Badegästen verbreitete. Einige brachen sofort hektisch auf, andere – so auch wir – blieben zunächst am Strand. Nicht aber als Zeichen der Ignoranz, sondern aus purer Verunsicherung. Die Anschläge in Paris hatten zwei Jahre zuvor gezeigt, dass es auch mehrere Ziele geben könnte. Dennoch fühlten wir uns am Strand sicherer, als mit der U-Bahn oder mit dem Taxi zurück zu unserer Unterkunft zu fahren. Nach etwa zwei Stunden entschieden wir uns, in einem benachbarten Imbiss essen zu gehen, um anschließend ein Taxi zu rufen. Es herrschte eine bedrückende Stimmung und wir redeten kaum miteinander. Gespannt blickten wir auf die Nachrichten, die im Fernseher hinter dem Tresen liefen. Innerlich waren wir alle schwer mit unseren eigenen Gedanken beschäftigt. Noch am Montag hatten wir uns unbeschwert in das faszinierende Nachtleben von Barcelona gestürzt. Nun saßen wir hier und wollten eigentlich nur zurück nach Deutschland.

Es war vor allem ein Gedanke, der uns allen schwer zu schaffen machte. Was wäre gewesen, wenn sich der Attentäter zwei Tage früher zu seiner Tat entschieden hätte? Zu dieser Zeit befanden wir uns nämlich sehr lange auf eben jener Einkaufsstraße, auf der 48 Stunden später 13 Menschen starben. Es dauerte einige Tage, bis wir diese emotionalen Eindrücke eingeordnet und entsprechend verarbeitet hatten.

Die mit Abstand prägendste Erfahrung ereignete sich jedoch kurz bevor Jonas Hector im Viertelfinale der EM 2016 den entscheidenden Elfmeter für Deutschland verwandelte. Im Sommer 2016 fuhr ich mit dem Zug nach Paris und besuchte Emma, die ich im Auslandssemester kennengelernt hatte. Das Gastgeberland der Europameisterschaft war im absoluten Fußballfieber und in der Stadt waren mehrere Fanmeilen aufgebaut, auf denen die Spiele live übertragen wurden. Für das Spiel Deutschland gegen Italien fiel unsere Wahl auf die Fanmeile am Eiffelturm. Das für 92.000 Menschen ausgelegte Areal war an diesem Tag schätzungsweise zu 60 Prozent gefüllt, sodass knapp 55.000 Menschen zusammen das Spiel sahen. Wir standen in der Mitte des Geländes und blickten auf die riesige Videoleinwand, hinter der sich der Eiffelturm imposant in die Luft erhob. Das Wahrzeichen der Stadt war aufwendig beleuchtet und in der Dämmerung ergab sich eine einmalige Atmosphäre.

Diese wurde allerdings in der 80. Minute jäh unterbrochen, als auf einmal die gesamte Menschenmasse vor uns – also bis zu 27.000 Fans – panisch auf uns zugelaufen kam. Ohne zu wissen, was passiert war, griff ich nach Emmas Hand und wir sprinteten los. Nach einigen Metern stürzte sie sogar und Menschen stolperten über sie. Zusammen mit einem italienischen Fan konnte ich sie zum Glück sofort wieder auf die Beine bringen und wir schafften es, das Gelände lediglich mit ein paar Kratzern zu verlassen und den Heimweg anzutreten. Auch hier fühlte ich mich unglaublich unsicher in der Stadt. Da unsere einzige Möglichkeit nach Hause die Bahn war, verschwand dieses Gefühl auch erst, als wir zuhause ankamen und die Tür hinter uns verschließen konnten.

Im Vergleich zum Anschlag in Barcelona wurde bei dieser durch eine kleine Prügelei ausgelösten Massenpanik niemand schwerer verletzt und die Berichte schafften es nur vereinzelt bis nach Deutschland. Aber mitten in einer terrorgefährdeten Stadt, die von schwer bewaffnetem Militär beschützt wird, rechnet man für einen kurzen Augenblick mit dem Schlimmsten, wenn auf einer Großveranstaltung tausende Menschen panisch auf einen zugelaufen kommen. Daher sind die Bilder in meinem Kopf auch deutlich intensiver abgespeichert als die Bilder aus Barcelona. Wenn ich mich an den Moment zurückerinnere, ist die Szene in meinem Kopf immer mit einer Musik unterlegt, die bei Computerspielen wie Age of Empire genutzt wurde, um eine Angriffsszene akustisch zu dramatisieren. Ich glaube, allein das verdeutlicht, wie prägend dieses Ereignis für mich war.

Ich bin sehr froh, dass dieser Film trotz allem nicht allzu oft in meinem Kopf abgespielt wird. Auch haben die Erlebnisse nicht dazu geführt, dass ich große Menschenansammlungen außerhalb von Corona nicht mehr besuchen möchte. Dennoch zählt dieser Abend, genau wie Barcelona und New York, zu den prägendsten Ereignissen, die ich bisher erlebt habe und die ich seitdem als Teil meiner eigenen Geschichte mit mir trage. Jede dieser Erfahrungen trug dazu bei, dass ich mich für eine kurze Zeit intensiver mit dem Sinn des Lebens beschäftigte und allmählich begann, Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Vor allem nach Paris dachte ich viel darüber nach, was ich im Leben erreichen möchte, bevor es vielleicht irgendwann unerwarteterweise zu spät sein könnte.

Der erste Schritt

Auch wenn die Ereignisse im Anschluss wieder von meinem Alltag überlagert wurden, verstärkten sie weiter meinen Antrieb, die eigene Einstellung zum Leben zu hinterfragen. Nicht, dass mir meine Zukunftsplanung vorher egal gewesen wäre. Schließlich hatte ich nach meiner Schule ein Bachelorstudium angefangen, um mich für die berufliche Laufbahn vorzubereiten.

Nur überkam mich das Gefühl, dass ich etwas machen wollte, um meine persönliche Entwicklung voranzutreiben. Zu sehr hatte ich die letzten 24 Jahre in der eigenen Komfortzone verbracht. Zwar wohnte ich bereits seit einem Jahr unter der Woche nicht mehr zuhause, doch waren die Eltern und das gewohnte Umfeld immer noch als Absicherung in unmittelbarer Nähe.

Aus diesem Grund traf ich 2017 die finale Entscheidung, meine Zelte im Rheinland abzubrechen und für ein Masterstudium mit Schwerpunkt Marketing & Sales Management und einen neuen Job nach Hamburg zu ziehen. Ich wollte mich einer neuen Herausforderung widmen, die ich außerhalb meines gewohnten Umfeldes angehen und an der ich persönlich wachsen konnte.

Bis die Entscheidung final getroffen war, musste ich mich allerdings meinen Zweifeln und Ängsten stellen. Ich fertigte unzählige Pro-Contra-Listen an und überlegte mir, welche Auswirkungen ein Umzug für mich bedeuten würde. Vor allem der Abschied von meiner Familie und von den Freunden, die teilweise seit über 15 Jahren an meiner Seite waren, ließ mich zögern. Auch der Abschied von der heißgeliebten Domstadt würde große Überwindung erfordern, ebenso wie der Aufbruch ins Ungewisse. Nach reifen Überlegungen kam ich zu dem Schluss, dass es der perfekte Zeitpunkt für einen vorübergehenden Abschied war. Als Single mit Mitte 20 stand ich fest genug im Leben und war gleichzeitig so unabhängig wie unter Umständen in keiner folgenden Phase des Lebens. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und zog in den Norden.

Moin Moin aus Hamburg

Es ist schon ein komisches Gefühl, sein altes Umfeld hinter sich zu lassen. Der Abschied fiel mir daher sehr schwer. Dennoch hatte ich mich auch bewusst für die Hansestadt entschieden, um im Zweifel innerhalb von ein paar Stunden wieder zuhause sein zu können. Doch als ich im Februar 2018 in Hamburg ankam, verschwand das Heimweh zu meinem Erstaunen sehr schnell.

Die Hansestadt begeisterte mich mit ihrer maritimen Atmosphäre von Anfang an. Niemals hätte ich daran gedacht, dass mich etwas anderes als Dom, Rhein und Kölsch so glücklich machen könnte. Es schien die perfekte Entscheidung gewesen zu sein. Ich fand eine eigene Wohnung in bester Lage, konnte auf der Arbeit sofort Anschluss finden und hatte einen sehr kollegialen Unikurs. Einige der neuen Kontakte wurden schnell zu guten Freunden, mit denen ich regelmäßig auf der legendären Reeperbahn oder in der Schanze unterwegs war. In meiner Freizeit genoss ich es, mitten in der Großstadt so viele Rückzugsorte zu haben und mich am Wasser oder im Grünen aufhalten zu können. Musste ich doch mal ans Meer, brauchte ich nur eine Stunde bis nach Travemünde. In besonderem Maße genoss ich aber mein unabhängiges Leben. Zum ersten Mal konnte ich komplett frei entscheiden, was ich den Tag über machen wollte und musste auch niemandem Bescheid geben, wann ich wo bin und ob ich zum Essen nach Hause komme.

Natürlich gab es auch einiges, an das ich mich erst gewöhnen musste. Ich wurde zu jeder Tageszeit mit einem freudigen Moin begrüßt, wurde an der Theke nach der gewünschten Sorte gefragt, wenn ich ein Bier bestellte und Gespräche über den Dom drehten sich auf einmal um ein vierteljährig stattfindendes Volksfest. Am 11.11. konnte niemand so wirklich verstehen, warum ich an diesem Tag so gerne in Köln gewesen wäre und das Einzige, was mein Umfeld zum Thema Karneval beitragen konnte, war der Refrain von Viva Colonia. Zusätzlich stand ich vor der Herausforderung, mir ein neues Sozialleben aufzubauen und in einer fremden Stadt Anschluss zu finden. All das sollte meiner Begeisterung für die Hansestadt allerdings nicht schaden.

Ein Millennial in der Krise

Gegen Ende 2018 wurde der Zauber der Stadt langsam zur Gewohnheit und meine Gedanken kreisten zunehmend um meine Zukunft. Je mehr ich darüber nachdachte und je mehr ich mein Handeln hinterfragte, umso größer wurde meine Unsicherheit:

 Was mache ich nur nach meinem Masterstudium?

 Will ich eine steile Karriere oder ein erfülltes Leben?

 Sollte ich zurück nach Köln oder hier in Hamburg bleiben?

 Bin ich überhaupt noch auf dem richtigen Weg?

 Kann ich die ganzen Erwartungen erfüllen?

 Warum bin ich aktuell Single?

 Bin ich vielleicht gar nicht gut genug?

 Zweifeln die anderen gerade auch an allem?

Dies ist nur ein Auszug der Fragen, die von nun an meinen Alltag bestimmten. Ich glaubte, beruflich auf der Stelle zu treten, und auch in der weitläufigen Dating-Welt der Großstadt wollte es nicht so recht klappen. Mir fiel es schwer, positive Elemente in meinem Leben ausfindig zu machen, und so fühlte ich mich unglaublich verloren in einer privilegierten Welt. Dazu setzte ich mich immer stärker selbst unter Druck, weil ich gerade einmal 25 Jahre alt war. Ich redete mir ein, dass ein solcher Zustand doch eigentlich etwas für die Midlife-Crisis in fortgeschrittenem Alter war, nicht aber für die unbeschwerte Zeit in den Zwanzigern. Ich hatte das Gefühl, eine Schwäche zu zeigen, die in diesem Alter nicht angebracht war.

Aufgrund dieser Unzufriedenheit begann ich, meine eigene Situation ununterbrochen mit der meines Umfeldes zu vergleichen, wodurch die eigenen Zweifel nochmals verstärkt wurden. Der Firmenwagen und die Gehaltserhöhung des Kommilitonen sorgten bei mir für puren Neid und das Gefühl, unqualifiziert und hinterher zu sein. Als Single mit Freunden über ihre glücklichen Beziehungen oder sogar Hochzeitspläne zu sprechen, kratzte an meinem Selbstbewusstsein. Irgendwie war da wieder dieses Gefühl, als ginge es allen besser und als würde ich etwas falsch machen. Anfang 2019 hatte mich die Sinnkrise schließlich fest im Griff. Bis zum Sommer musste ich mich dazu noch mit zwei schmerzhaften privaten Erfahrungen auseinandersetzen und fügte meinem Auto beim Ausparken einen immensen finanziellen Schaden zu, während das Studium immer einnehmender wurde und ich sehnsüchtig auf meinen nächsten Urlaub wartete.

All das verstärkte meine Krise, war aber nicht der entscheidende Grund. Wie für viele Millennials typisch waren es die eigenen Gedanken, die die Krise auslösten. Nicht die Erfolge meines Umfeldes sorgten für Unzufriedenheit, sondern die Art und Weise, wie ich damit umging.

Ich befand mich damals ebenfalls in einer sehr komfortablen Situation. Ich hatte einen sicheren Job, mit dem ich mein eigenes Geld verdiente, wohnte in einer für mich nahezu perfekten Wohnung in einer lebhaften Großstadt, konnte auf einen sehr engen Freundeskreis in Hamburg und Köln zurückgreifen und war auf dem Weg zu meinem Masterabschluss. Eigentlich gab es keinen Grund, um sich in einer derart tiefen Sinnkrise wiederzufinden. Ich bin mir sicher, viele Menschen auf dieser Welt hätten zu dieser Zeit gerne mit mir getauscht. Doch diese Gedanken kamen mir damals nicht ansatzweise in den Sinn.

Wenn ich also in diesem Buch von einer Krise spreche, meine ich ausschließlich eine Sinnkrise. Mir ist wichtig, dass hier eine klare Unterscheidung vorgenommen wird. Diese Krise ist nicht zu vergleichen mit der von Menschen, die beispielsweise ihren Job verlieren, Schicksalsschläge erleiden, Existenzängste haben oder an enormen gesundheitlichen Problemen leiden. Ich war »nur« ein Mittzwanziger im berufsbegleitenden Masterstudium, der sich trotz all der sichtbaren Privilegien zu sehr von seinem Umfeld blenden ließ und seinen eigenen Wert in Frage stellte.

Einstieg in die Persönlichkeitsentwicklung

Im Mai 2019 überzeugten mich meine Eltern dann davon, ihnen im jährlichen Bornholmurlaub Anfang August einen Besuch abzustatten. Durch mein Studium und aus persönlichen Gründen hatte ich die Insel seit 2013 nicht mehr besucht und doch wusste ich, dass sie mir genau das geben konnte, was ich damals brauchte: unbeschwerte Erholung an einem Wohlfühlort, die mir beim Ausbruch aus der Krise helfen würde. Ich wusste, dass sich etwas ändern musste, und so verspürte ich nach dem Buchen der Fährtickets zum ersten Mal seit Wochen und Monaten wieder ein bisschen Leichtigkeit. Endlich hatte ich einen positiven Fixpunkt, auf den ich hinarbeiten konnte.

Allerdings befand ich mich körperlich und emotional weiterhin in der Hochphase der Krise. So schön die Aussicht auf Urlaub auch war, es fiel mir noch schwer, den Schalter umzulegen und meine Gedanken auf etwas Positives zu lenken. Je näher der Urlaub dann allerdings kam, umso stärker spürte ich die steigende Vorfreude, die mit dem Wunsch einher ging, durch die Reise nach Dänemark neue Reize zu setzen und meinen Alltag wieder unbeschwerter zu gestalten.

Nach einer unerwarteten Inspiration, auf die ich später genauer eingehen werde, entdeckte ich kurz vor meinen freien Tagen noch die Persönlichkeitsentwicklung für mich. Ich war so gefesselt von der Thematik, dass ich dem Urlaub zunehmend eine größere Bedeutung zusprach und ihn als eine Art »Restart« angehen wollte. Wenig später konnte ich genau das in die Wege leiten und damit eine bedeutende Veränderung für mich anstoßen.

Ich glaube daran, dass jeder Mensch rückblickend einen roten Faden in seinem Leben sieht bzw. ein großes Puzzle, das alles zusammenfügt. Nun bin ich hoffentlich noch weit vom Ende meines Lebens entfernt, doch hatte ich bereits im Sommer 2019 das Gefühl, mit dem Bornholmurlaub das letzte Puzzleteil in einer wichtigen Entwicklung gefunden zu haben.

Als ich gestärkt zurück nach Deutschland kam und mich allmählich tiefer in die Persönlichkeitsentwicklung einlas, begegneten mir nach und nach alle anderen Puzzleteile, die ich bisher in meinem Leben gesammelt hatte. Auf einmal realisierte ich, dass mich die Schulzeit, die Rückschläge und Trennungen, die Erlebnisse in Barcelona und Paris und schließlich die Sinnkrise in Hamburg genau an den Punkt gebracht hatten, an dem ich erkannte, dass ich die Verantwortung für ein glückliches Leben wieder selbst in die Hand nehmen musste. Durch den Urlaub konnte ich die nötige Kraft tanken, um mich dieser spannenden Entwicklung anzunehmen. Mittlerweile ist der Sommer 2019 für mich ein ganz wichtiger Meilenstein geworden und ich bin unglaublich froh, dass ich diesen Schritt damals gegangen bin.

Von außen betrachtet hat sich möglicherweise gar nicht so viel verändert. Aber ich habe seitdem eine neue Sichtweise auf meinen Alltag gewonnen, wie ich sie mir vor dem Urlaub 2019 nicht hätte vorstellen können. Ich möchte nochmal betonen, dass ich nicht in allen Belangen ein wunschfreies Leben führe oder zu einem Guru geworden bin. Das ist meiner Meinung nach aber auch nicht das, was es zu erreichen gilt. Vielmehr geht es darum, sein Leben in einer Welt voller Vergleiche und externer Einflüsse zu akzeptieren, einen eigenen Weg zu finden und das Beste aus dem zu machen, was einem gegeben wird. Das ist mir durch meinen Ausflug in die Persönlichkeitsentwicklung gelungen und es würde mich freuen, wenn dich dieses Buch auch ein bisschen dabei unterstützen kann.

Kapitel 3

DER EINSTIEG

Nach den Informationen zu meiner Generation und zu mir ist es nun an der Zeit, inhaltlich einzusteigen. Dazu werde ich 19 verschiedene Ansätze der Persönlichkeitsentwicklung vorstellen, die in meinen Augen einen großen Beitrag zum Beenden einer Sinnkrise leisten können. Jeden dieser Ansätze möchte ich im Folgenden mit einer eigenen Erfahrung veranschaulichen. Mit Ausnahme von zwei Geschichten haben sich diese alle zwischen Juli 2019 und Juli 2020 abgespielt – also zwischen meiner Sinnkrise und dem Entschluss, ein eigenes Buch zu schreiben. Um diesem Buch auch eine sinnvolle Struktur geben zu können, sind die Geschichten nicht chronologisch angeordnet, sondern jeweils einem bestimmten Thema zugeordnet.

Dieses Kapitel ist als Einstieg in die Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen. Viele Millennials sind nicht zufrieden mit ihrem Leben, wünschen sich neue Reize oder blicken zunehmend verunsichert in die Zukunft, schaffen es aber nicht, aktiv dagegen vorzugehen. Die folgenden vier Ansätze können daher eine gute Grundlage schaffen, um eine Veränderung auszulösen.

Hierzu ist meiner Meinung nach zunächst ausreichend Input notwendig, der sich heutzutage über diverse Kanäle besorgen lässt. Dazu kann der bewusste Verzicht auf Gesellschaft und das vorübergehende Ausbrechen aus der gewohnten Umgebung dabei helfen, sich intensiv mit den eigenen Gedanken auseinanderzusetzen und wieder gestärkt durch den Alltag zu gehen. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein überlegter Umgang mit der eigenen Vergangenheit eine gute Chance ist, um in den Zwanzigern ein bisschen Platz für Neues zu schaffen.

INSPIRATION SAMMELN

| JULI 2019 |

Im Juli 2019 befand ich mich auf dem Höhepunkt meiner Sinnkrise. Ich fühlte mich verloren und begann, an allem zu zweifeln. Zeitgleich wuchs in mir aber auch der Wunsch, den kurz zuvor gebuchten Bornholmurlaub zu einem großen Neustart werden zu lassen. Dieser interessante Mix aus Aufbruchsstimmung und weiter vorhandenen Zweifeln sorgte für ein totales Gedankenchaos.

Vor allem abends passierte in meinem Kopf derart viel, dass ich überhaupt nicht zur Ruhe kam. Daher griff ich zu dieser Zeit fast jeden Abend zu einer Serie, die es mir ermöglichte, dem Gedankenchaos zu entfliehen und zeitnah einzuschlafen. Ohne ein Medium, was mich den Kopf ausschalten ließ, hätte ich wahrscheinlich zwei bis drei Stunden benötigt, um einschlafen zu können. Meine Wahl fiel dabei häufig auf amerikanische Sitcoms oder Comedy-Serien. Diese ca. zwanzigminütigen Folgen haben vergleichsweise einfache Handlungsstränge und lassen sich angenehm im Hintergrund abspielen. Während How I Met Your Mother, Friends oder Family Guy auf meinem iPad lief, wurde ich spätestens nach der zweiten Folge so müde, dass ich einschlief.

An einem Sonntagabend im Juli 2019 fiel die Wahl wieder auf die Zeichentrickserie Family Guy, die für ihren derben Humor bekannt ist. Die Folge handelte davon, dass der sprechende Familienhund Brian mithilfe eines Buches zu sich findet und von nun an sein Leben neu ausrichtet. Obwohl ich eigentlich langsam müde werden wollte, merkte ich, wie mich die Geschichte zunehmend fesselte. So absurd es klingt, aber ich erkannte mich mehr und mehr selbst in der Rolle wieder und ließ mich davon inspirieren. Etwa bei der Hälfte der Folge war ich so von der positiven Stimmung der Geschichte gefangen, dass ich stoppte und die Amazon-App öffnete. »Ich brauche auch so ein Buch!«, dachte ich, während die ersten Ergebnisse angezeigt wurden.

Schnell entdeckte ich unzählige Werke zu diesem Thema, die größtenteils außerordentlich positive Rezensionen erhalten hatten. Ich schien nicht der einzige Mensch zu sein, den solche Gedanken plagten. Meine Aufmerksamkeit fiel auf ein Werk mit dem Titel »Why Not? - Inspirationen für ein Leben ohne Wenn und Aber«. Der Autor Lars Amend war unter anderem durch seinen Roman »Dieses bescheuerte Herz« bekannt, der mit Elyas M’Barek in der Hauptrolle sogar verfilmt wurde. »Why Not?« hatte ebenfalls sehr gute Bewertungen und erschien mir im Vergleich zu anderen Büchern etwas alltagstauglicher und weniger esoterisch bzw. spirituell. Ich zögerte kurz, fügte das Buch dann schließlich doch in meinen Warenkorb und schloss den Kauf ab. Erst jetzt realisierte ich, wie aufgedreht und positiv aufgeladen ich in den letzten Minuten geworden war. Als ich das Tablet zur Seite legte, war es bereits weit nach Mitternacht. Eigentlich viel zu spät für mich, da ich in ein paar Stunden schon wieder aufstehen und zur Arbeit fahren musste. Aber das war mir an diesem Tag total egal, denn ich hatte das Gefühl, mit dem Kauf dieses Buches eine bedeutende Veränderung angestoßen zu haben.

Der Auslöser

Ich hätte gerne von einer inspirierenden Begegnung mit einem allwissenden Weisen, einem Top-Manager oder meiner Traumfrau berichtet. Doch es war ein sprechender Hund in einer amerikanischen Zeichentrickserie, der mich dazu brachte, positive Veränderungen in meinem Leben angehen zu wollen.

Ich finde, diese kleine Geschichte zeigt sehr eindrucksvoll, dass es nicht immer den großen Knall braucht. Manchmal genügt einfach nur ein Moment, der uns das gibt, auf das wir schon lange gewartet haben, und als eine Art Initialzündung wirkt. Diesen Moment können wir dabei in nahezu jeder Situation erleben. Es reicht eine alltägliche Erfahrung auf der Arbeit, in der U-Bahn, durch einen Songtext oder eben durch eine Serie. Es ist nicht wichtig, wie diese Initialzündung kommt, sondern nur dass sie irgendwann kommt und uns inspiriert. Auch muss sie nicht sofort eine riesige Veränderung auslösen. Gelegentlich reicht ein winziger Schritt, der langfristig einen Prozess in Gang setzt. Jeder noch so kleine Schritt kann unter Umständen der entscheidende sein, um endlich aktiv zu werden, und ist daher besser, als weiter auf der Stelle zu treten.

Informationen einholen

Unabhängig davon, ob der Auslöser schon betätigt wurde oder ob wir noch auf der Suche nach einem solchen sind, benötigen wir ausreichend Informationen und müssen diese aktiv einholen. Wie soll man zum Beispiel eine Bachelorarbeit schreiben, ohne vorher die Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten gelernt oder Quellen zum Thema durchgelesen zu haben? Ohne entsprechenden Input lässt sich kein vielversprechender Output generieren.

Diese Grundlage aus der Betriebswirtschaftslehre gilt ohne Einschränkungen auch im privaten Bereich. Bei mir ist die Quelle des Inputs größtenteils auf das gute alte Buch gefallen. Bis heute lese ich sehr viele Bücher, um kontinuierlich neue Inspiration zu erhalten und meinen Horizont zu erweitern. Ein paar meiner Favoriten möchte ich dir an dieser Stelle nicht vorenthalten. Es gibt selbstverständlich noch eine Vielzahl an weiteren Werken zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Für mich waren diese Bücher jedoch die Grundvoraussetzung, um meine Sinnkrise zu beenden.

 Lars Amend: Why Not? - Inspirationen für ein Leben ohne Wenn und Aber

 Lars Amend: It’s all good – Ändere deine Perspektive und du änderst deine Welt

 Bodo Schäfer: Die Gesetze der Gewinner – Erfolg und ein erfülltes Leben

 John Strelecky: Das Café am Rande der Welt – Eine Erzählung über den Sinn des Lebens

 John Strelecky: The Big Five for Life – Was wirklich zählt im Leben

 Dale Carnegie: Sorge dich nicht – Lebe! – Die Kunst, zu einem von Ängsten und Aufregungen befreiten Leben zu finden

Obwohl es diese Bücher alle als digitales eBook gibt, stehen sie als Taschenbuch in meinem Regal. Das hat den Vorteil, dass ich mir mit Textmarkern wichtige Passagen markieren kann. Es ist eine Sache, etwas Inspirierendes zu lesen, eine völlig andere, die Inhalte auch entsprechend zu verarbeiten. Durch das aktive Arbeiten mit den Inhalten können wir uns diese viel intensiver einprägen und haben gleichzeitig die Möglichkeit, Informationen nochmals gefiltert und auf die für uns wichtigsten Passagen komprimiert nachzusehen. Ich kann nur wärmstens empfehlen, das nächste Buch mit inspirierendem Inhalt auf diese Weise zu lesen und zu bearbeiten.

Darüber hinaus gibt es logischerweise viele andere Quellen, aus denen sich Informationen beschaffen lassen. Nono Konopka hat beispielsweise einen sehr inspirierenden Podcast zur Persönlichkeitsentwicklung und den großen Fragen im Leben. Seine Gäste waren unter anderem Fynn Kliemann, Kelvyn Colt und auch Lars Amend. Nono ist außerdem mit einem Freund für eine Spendenaktion mit dem Fahrrad von Berlin nach Peking gefahren. Die unglaublich inspirierende Dokumentation dazu ist auf Netflix unter Biking Borders zu finden.

Abgesehen davon stehen all die Plattformen natürlich nicht nur für Persönlichkeitsentwicklung zur Verfügung. Heute ist ein Großteil der benötigten Information nur noch einen einzigen Klick entfernt. Das gibt uns die Chance, zu jedem beliebigen Thema Informationen und dadurch auch Inspiration einzuholen. Dabei können wir uns zudem die Vorteile digitaler Marktplätze zu Nutze machen, indem wir uns Vorschläge und ähnliche Produkte anzeigen lassen. So bekommen wir kontinuierlich neuen, auf uns abgestimmten Input. Im Verlauf des Buches werde ich noch einmal genauer darauf eingehen, dass es auch hier sinnvoll sein kann, einzelne Punkte direkt zu verschriftlichen, statt nur zu konsumieren. Aber dazu später mehr.

Inspirierende Personen

All die zuvor genannten Inspirationsquellen sind besonders anschaulich, wenn hinter ihnen eine einzigartige Persönlichkeit steht, die diese Inspiration durch ihr Handeln täglich neu bestätigt. Dadurch werden sie erlebbar und inspirieren zur Nachahmung.

Auch hier stehen uns alle Möglichkeiten offen, wer für uns eine solche Inspirationsperson ist. Vom Popstar über die Nachbarstochter bis hin zum Dozenten. Solange diese Menschen für uns inspirierend sind, müssen sie keine bekannten Persönlichkeiten sein. Oft läuft es allerdings darauf hinaus.

Zu meinen großen Inspirationsquellen gehört neben Lars Amend und Nono Konopka beispielsweise Comedian und Entertainer Teddy Teclebrhan. Er ist mittlerweile ein sehr erfolgreicher Teil der deutschen Comedy-Szene, hatte seine eigene TV-Show und sorgt mit seinen Videos und gespielten Rollen regelmäßig für erfolgreichen Content im Internet. Meinen Humor trifft er dabei mit seiner teils albernen und überzogenen Art zu 100 Prozent. Doch ebenso gibt es viele Menschen, die mit diesem Humor nichts anfangen können. Teddy überlässt ihnen ohne Gegenwehr ihre Meinung und stört sich nicht daran. Er akzeptiert diesen Zustand und versucht nicht, es allen recht zu machen, um noch erfolgreicher zu werden. Er macht einfach das, was er von Herzen gerne machen möchte.

Vor allem hat er aber auch innerhalb der sehr profitorientierten Medienbranche ein hohes Werteverständnis. Er schreckt nicht davor zurück, Posts zu löschen, wenn sich in den Kommentaren zu viel Hass gegenüber der im Video gezeigten Person entwickelt hat. Auch schreckt er nicht davor zurück, seine Community im Anschluss aktiv dazu aufzurufen, weniger Hass zu verbreiten. Es ist zudem inspirierend zu sehen, wie sich jemand, der als Sohn einer Geflüchteten nach Deutschland kam, in einer völlig neuen Umgebung zu persönlichem Erfolg gekämpft hat. Er hat immer daran geglaubt, mit seinem Handeln erfolgreich zu werden, und hat nun seinen Platz in der deutschen Comedy-Szene gefunden.

Es gibt wahrscheinlich viele Geschichten von Menschen, die eine ähnliche Vision hatten, es aber nicht geschafft haben und krachend gescheitert sind. Es ist klar, dass wir nur von den erfolgreichen Geschichten hören, nicht aber von den Menschen, die auf halber Strecke umdrehen mussten. Dennoch regen Biografien wie die von Teddy in meinen Augen zum Nachdenken an.

Meine nächste Empfehlung ist daher die Suche nach Personen, die eine besondere Geschichte zu erzählen haben. Je mehr solcher Geschichten wir hören, umso mehr Inspiration können wir sammeln und umso näher kommen wir an den Punkt, an dem auch wir Veränderungen einleiten wollen oder anderweitig aktiv werden.

Sich darauf einlassen

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die meisten Millennials schon jetzt von einigen emotionalen Geschichten, von aussagekräftigen Statistiken oder beeindruckenden Erfolgsgeschichten inspirieren lassen. Ich würde fast wetten, dass viele von ihnen in sozialen Netzwerken diverse Beiträge mit einem Like versehen haben, die eine solche Geschichte erzählen. Doch wie viele davon haben letztlich dazu geführt, dass eine Veränderung des eigenen Alltags in Angriff genommen wurde?

Es ist nicht einfach, aus all der Inspiration dann auch final das eigene Handeln zu ändern. Genau das muss das Ziel sein. Kein Buch dieser Welt und kein inspirierendes YouTube-Video bringt uns weiter, wenn wir uns nicht an irgendeinem Punkt dazu entschließen, aktiv zu handeln. Freunde, Familie und all die inspirierenden Personen können uns dabei helfen. Die Umsetzung hingegen liegt ganz allein in unserer Hand. Sobald die Inspiration aus dem Umfeld zu einer eigenen Überzeugung geworden ist, ist ein wichtiger Grundstein für Veränderungen jeglicher Art gelegt.

In Bezug auf die Persönlichkeitsentwicklung ergibt sich noch ein zweiter Schritt. Auch für mich waren zu Beginn einzelne Bereiche etwas befremdlich und nicht sehr alltagstauglich. Einige davon sind es sogar weiterhin. Aber – das nehme ich gerne schon einmal vorweg – wie können wir uns eine Meinung von etwas bilden, wenn wir es gar nicht erst ausprobiert haben?

Es ist keine Notwendigkeit, sich der Persönlichkeitsentwicklung in allen Facetten zu nähern, zumal einzelne Ansätze bereits allseits bekannt und davon losgelöst sind. Ich selbst habe allerdings damals die Entscheidung getroffen, mich auf alle Bereiche einzulassen und zu schauen, wo sie mich hinführen. Nur so konnte ich die für mich relevanten Ansätze filtern und in meinem Alltag anwenden. Dabei musste ich mich von dem Gedanken freizumachen, was andere darüber denken könnten. Um sie ging es in diesem Fall nicht. Es war meine Entscheidung und mein Versuch, neue Akzente zu setzen.

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9783754132159
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