Kitabı oku: «Take the Slow Road Frankreich»
MARTIN DOREY
TAKE THE SLOW ROAD
FRANKREICH
INSPIRIERENDE TOUREN DURCH FRANKREICH MIT CAMPINGBUS UND WOHNMOBIL

Allen Slow-Road-Abenteurern wünsche ich: bonne route!!!
Copyright © Martin Dorey, 2021
Die englische Originalausgabe mit dem Titel
»Take the Slow Road – France«
erschien 2021 bei Bloomsbury Publishing Plc.
1. Auflage 2021
Die Rechte für die deutsche Ausgabe liegen beim
Verlag Delius Klasing & Co. KG, Bielefeld.
Folgende Ausgaben dieses Werkes sind verfügbar:
ISBN 978-3-667-12238-4 (Print)
ISBN 978-3-667-12393-0 (Epub)
Aus dem Englischen von Katja Ernst
Lektorat: Katja Ernst, Hanno Vienken
Text und Fotos: Martin Dorey
Illustrationen: David Broadbent
Gestaltung: Austin Taylor
Satz und Herstellung: Axel Gerber
Datenkonvertierung E-Book: Bookwire - Gesellschaft zum Vertrieb digitaler Medien mbH
Alle Rechte vorbehalten! Ohne ausdrückliche Erlaubnis des Verlages darf das Werk weder komplett noch teilweise vervielfältigt oder an Dritte weitergegeben werden.
www.delius-klasing.de

INHALT
Über dieses Buch
Wie man dieses Buch benutzt
Warum Frankreich?
Unverzichtbare Campingausrüstung
Wo man in Frankreich stehen kann
Anreise nach Frankreich
Das Fahren in Frankreich
Ist Frankreich wohnmobilfreundlich?
Woran man in Frankreich denken sollte
Frankreich für Anfänger
Landkarten
Das französische Klima
Frankreich: Highlights
Ein Wohnmobil oder einen Campingbus mieten
Meine zehn Lieblingscampingplätze in Frankreich
Frankreich: C’est extra!
Regionale Spezialitäten
DER NORDEN
01 CALAIS-ÉTRETAT
02 UTAH BEACH-OUISTREHAM
03 LOCQUIREC-LE MONT-SAINT-MICHEL
04 NORT-SUR-ERDRE-PORT-LAUNAY
05 SOURCE DE LA SEINE-LE HAVRE
06 FISMES TO VILLENAUXE-LA-GRANDE
DER OSTEN
07 ARMENTIÈRES-VERDUN
08 STRASBOURG-COLMAR
09 BESANÇON-BELLEGARDESUR-VALSERINE
10 THONON-LES-BAINS-VAL-D’ISÈRE
11 GRENOBLE-ENTREVAUX SAINT-MARTIN
DER SÜDEN
12 SAINT-MARTINLE LAVANDOU
13 GRASSE-NYONS
14 SAINT-MARTIN-D’ARDÈCHE VALLON-PONT-D’ARC
15 SAINT-JEAN-DU-GARD-FLORAC
16 FLORAC-MILLAU
DIE MITTE
17 PUY DE DÔME-FIGEAC
18 FIGEAC-CAHORS
19 BRIVE-LA-GAILLARDE-MONTIGNAC
DER WESTEN
20 NANTES-CHAMBORD
21 QUIBERON-LES PORTES-EN-RÉ
22 POINTE DE GRAVE-CAP FERRET
23 PILAT-HENDAYE
24 SAINT-JEAN-DE-LUZ-COL DE PEYRESOURDE
25 CASTRES-PERPIGNAN
26 HUELGOAT-CARANTEC
REGISTER
DANKSAGUNG

ÜBER DIESES BUCH
Bonjour!
Bienvenue à la route lente!!!!!!
Willkommen in Frankreich
Frankreich verfügt über ein schier unerschöpfliches Reservoir an Attraktionen für Touristen und Entdeckungsreisende, die gern auf dem »Slow Road« unterwegs sind. Es ist das meistbesuchte Land auf diesem Planeten, und dennoch gibt es dort nach wie vor Unmengen an Platz und genügend »langsame Straßen«, die Sie nutzen können.
Von den langen, schnurgeraden Straßen Aquitaniens bis zu den hohen Pässen der Pyrenäen, von den heißen und kurvenreichen Deichen der Loire bis zu den ergreifenden Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs im Wald von Verdun hat Frankreich alles zu bieten.
Was auch immer Ihre Gründe für einen Besuch Frankreichs mit dem Wohnmobil oder dem Campingbus sein mögen, weder werden Ihnen Stellplätze und Übernachtungsmöglichkeiten ausgehen noch interessante Dinge, die man anschauen oder tun kann. Das Land ist auf Sie und Ihre Bedürfnisse eingestellt, egal zu welcher Jahreszeit, und Sie werden dank des Netzes an aires de camping car immer einen Platz zum Übernachten finden. Campingplätze gibt es ebenfalls im Überfluss, Sie können unter Tausenden auswählen. Viele Gemeinden betreiben eigene Campingplätze. Das heißt, dass Sie die Wahl haben zwischen großen Anlagen oder der ruhigeren, einfacheren und billigeren Variante. Sie können sogar kostenlos auf den Tausenden von privaten Plätzen des France-Passion-Verbundes übernachten.
Touristenattraktionen und -Hotspots gibt es ebenfalls im Überfluss. Sie können atemberaubend schöne Châteaus besichtigen, Ihre Liebe in Form eines Schlosses an einer Seine-Brücke festschließen, weltbekannte Skipisten herunterbrettern, an Atlantikstränden surfen, auf ehemaligen Schlachtfeldern Geschichte nacherleben, in belebten Urlaubsorten in der Sonne liegen, in privaten Weinbergen verweilen und an einsamen Stränden spazieren gehen.
Wenn Sie diese Dinge lieben, dann ist Frankreich genau das Richtige für Sie.

Klimaneutral reisen
Frankreich hat in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, um nachhaltiger zu werden. Ich bitte Sie, dies zu unterstützen – und sich dafür zu bedanken, dass sie dort aufgenommen werden –, indem Sie für Aufforstungsprojekte spenden, um Ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren, während Sie dieses wunderschöne Land entdecken. Wenn man mit dem Campingbus unterwegs ist, erzeugt das unter Umständen zwar weniger Treibhausgase als das Reisen mit dem Flugzeug, aber es verursacht dennoch Emisionen. Nach heutigem Wissensstand sollten wir Klimaneutralität als etwas Unverzichtbares betrachten.
Danke.
Für die Entstehung dieses Buches habe ich etwa 16.000 Kilometer zurückgelegt. Dafür habe ich meinen Beitrag geleistet, indem ich die Pflanzung von 40 Bäumen in Frankreich finanziert habe über www.reforestaction.com/de/reforestation-france.

Lassen Sie es langsam angehen. Auf dem Slow Road unterwegs zu sein, bedeutet, in einem Rhythmus zu reisen, in dem man sich mit dem Land, seinen Bewohner und seinen Bräuchen intensiv beschäftigen kann. Fahren Sie also von der autoroute ab, und lassen Sie sich ein wenig treiben. Nehmen Sie sich Zeit, und halten Sie auch mal an einer Pâtisserie, genießen Sie ein Glas Rosé, einen café au lait oder die Begegnungen mit Menschen.
Es ist jetzt 35 Jahre her, seit ich zum ersten Mal mein Lager in Frankreich aufgeschlagen habe. Auf dieser ersten Reise bin ich mit einem VW Käfer die Westküste hinuntergefahren, um zu surfen. Es war ein tolles Erlebnis, das mein Leben verändert hat. Seitdem bin ich viele Male wieder dort gewesen und Variationen der gleichen Route gefahren, immer auf der Suche nach Rotwein, gutem Essen und – selbstverständlich – einer epischen Brandung.
Als ich für dieses Buch recherchierte, hatte ich das Glück, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und so die allerschönsten Orte zu entdecken. Ich war in Gegenden, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich jemals dorthin kommen würde, und habe dabei jeden Augenblick genossen. Ich kann Ihnen versichern, dass Frankreich immer noch genauso aufregend ist wie damals im Juli 1985, als ich an einem sonnigen Tag von der Fähre in Roscoff heruntergerollt und nach Süden gefahren bin.
Bonne route!!

WIE MAN DIESES BUCH BENUTZT
C’est facile!
In den ersten Kapiteln dieses Buches geht es um die Reisevorbereitungen. In diesen Abschnitten möchte ich Sie auf Ihr französisches Abenteuer vorbereiten und Ihnen Details vermitteln: die verschiedenen Arten von Stellplätzen, woran Sie unbedingt denken sollten sowie weitere interessante Informationen, die ich unterwegs zusammengetragen habe.
Sie werden feststellen, dass es in diesem Buch eine Menge Touren gibt. Dabei handelt es sich um meine Empfehlungen: großartige Straßen und Routen, die es zu entdecken gilt. Einige führen über Küstenstraßen, andere durchs Binnenland, wieder andere an Flüssen entlang oder durch die Berge. Einige führen zu uralten Stätten, an historisch bedeutende Orte oder, wie im Fall von Paris, sogar mitten durch die Stadt. Einige Touren sind zum Radfahren geeignet, zum Surfen, zum Snowboarden oder Sightseeing. Und alle sind sehr gut geeignet, um Frankreich kennenzulernen!
Jede Route besteht aus zwei Teilen. Der erste beschreibt das, was ich dort erlebt habe, und soll Ihnen einen Eindruck davon vermitteln, was Sie dort erwartet, und die Beschreibung etwas bunter und persönlicher gestalten. Auch wenn es meine persönlichen Erfahrungen sind, so hoffe ich, dass diese Ausschnitte aus meinen Reiseerzählungen Sie dazu anregen, Ihre eigene Erzählung über Frankreich zu schreiben. Die Begegnungen, die ich auf meinen Reisen hatte, waren selten geplant, außer wenn ich einen Ausflug oder einen Guide gebucht habe, um Ihnen eine bessere Vorstellung von dieser speziellen Route zu vermitteln.
Ich hoffe, dass diese Abschnitte des Buches Sie dazu animieren, direkt online zu gehen und Ihr Ticket nach Frankreich zu buchen.
Im zweiten Teil jeder Route geht es um den praktischen Kram, darum, wie man von A nach B kommt. Er soll Ihnen beim Fahren der Tour helfen und Ihnen vermitteln, was Sie unterwegs erwartet. Nutzen Sie ihn auch dann gern als Ausgangspunkt, wenn Sie sich treiben lassen und lieber auf Ihre Nase oder Ihren Instinkt verlassen möchten. Regeln gibt es keine. Ich bin in den ersten Abschnitten so detailliert wie nur möglich vorgegangen, aber Sie werden dennoch eine gute Landkarte zum Navigieren brauchen.
Die Karten in diesem Buch sollen Ihnen helfen, sich zurechtzufinden, aber nur in einem gewissen Maße. Bitte erwarten Sie nicht, dass diese Karten allein ausreichen, wenn Sie vor Ort unterwegs sind. Ich empfehle Ihnen den Straßen- & Reiseatlas Frankreich von Michelin im Maßstab 1:200.000, denn meine Karten sehen zwar hübsch aus, werden aber auf der Reise nicht viel nützen!
Am Ende jeder Tour habe ich ein paar Stellplätze aufgelistet – und Dinge, die man in der Region unternehmen kann. Diese Informationen basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen und stellen nicht alles dar, was man in Frankreich sehen oder unternehmen kann, ganz und gar nicht. Also gehen Sie nicht davon aus, dass es sich dabei um das Maß aller Dinge handelt. Weder habe ich sämtliche Touristenattraktionen noch sämtliche Campingplätze besucht.
Zu guter Letzt: Für den Fall, dass Sie nicht über einen Camper verfügen, habe ich auf den Seiten 48/49 Verleihfirmen aufgelistet, bei denen Sie ein Fahrzeug mieten können. Es gibt also keine Entschuldigung, nicht loszufahren.
Wir sehen uns auf der Straße.

WARUM GERADE FRANREICH?

Die Reihe Take the Slow Road war bislang nur in Großbritannien unterwegs. Als wir überlegten, welches Land für unseren ersten Streifzug auf dem europäischen Kontinent perfekt sein könnte, mussten wir nicht lange suchen, sondern nur einmal den Kanal überqueren. Frankreich ist ein wunderbares Land zum Reisen. Es ist exotisch, wunderschön, geheimnisvoll und vertraut zugleich. Es verfügt über eine großartige touristische Infrastruktur und heißt jedes Jahr 80 Millionen Besucher willkommen.
Frankreich empfängt auch Hunderttausende (vielleicht sogar Millionen) von Wohnmobil- und Campingbus-Reisenden im Jahr aus ganz Europa. Sie kommen wegen der Kultur, des Wetters, der Lebensart, den Stränden und den guten Bedingungen für einen gelungenen Urlaub. Frankreich verfügt über ein riesiges Netzwerk von Campingplätzen, aires de camping car und Tausenden von France-Passion-Stellplätzen, auf denen man kostenlos stehen darf, wenn man sich im Gegenzug für den Weinberg, das Château, die Erzeugnisse oder das Geschäft des Eigentümers interessiert. Das ist ein fairer Tausch. Und, das verspreche ich Ihnen, Sie werden willkommen sein, weil man in Frankreich Ihren Wert – und den der Tourismusindustrie – kennt.
Frankreich hat so viele Gesichter, dass es ebenso viele Gründe für einen Besuch gibt. Es war Schauplatz vieler historischer Ereignisse und hat den Krieg in seinem ganzen schrecklichen Ausmaß gesehen, ebenso wie das Kaiserreich. Es hat Sonnenkönige und Guillotinen gesehen, Glamour und Elend. Es hat Kunst und Architektur von Weltrang hervorgebracht, alte wie neue. Denken Sie nur an Versailles und das Centre Pompidou in Paris. Frankreich hat großartige Städte, Flüsse, Berge und Strände. Wenn Sie mich fragen: Frankreich ist einfach großartig.
Und es ist die Heimat der Franzosen, die stolz, kreativ, leidenschaftlich, witzig, interessant und freundlich sind.
Sie fahren nur manchmal ein wenig zu schnell.
Aber das macht Ihnen doch keine Angst, oder?
Warum sollte gerade ich Sie durch Frankreich führen?
Frankreich und mich verbindet eine lange Geschichte.
Mein erster Campingurlaub (ohne Eltern) fand 1985 statt. Ich hatte gerade meine A-Levels bestanden und wollte mit Freunden auf einen Surf-Trip gehen. Zu dritt brachen wir von Plymouth aus in meinem bis unters Dach vollgepackten VW Käfer auf und machten uns auf die Suche nach Wellen. Unterwegs sammelten wir Paul auf, einen Freund, der eigentlich den Sommer über in der Bar seines Onkels in der Bretagne arbeiten sollte. Wir legten dagegen unser Veto ein und nahmen ihn auf ein dreiwöchiges Abenteuer mit, von dem wir heute noch reden. Es war ein Rausch aus Wein, Campingplätzen, Brandung, Baguettes, Gauloises, fehlgeschlagenen Versuchen, Mädchen aufzureißen, und Sonnenschein. Im folgenden Jahr kehrte ich in der Hoffnung, die tolle Zeit wiederholen zu können, in einem lächerlichen französischen Auto zurück, das allerdings perfekt für das Fahren auf den staubigen Nebenstraßen der Aquitaine geeignet war. Seitdem bin ich immer wiedergekommen.
Zuletzt bin ich im September 2019 die Westküste hinuntergefahren, als Teil dieses Buchprojekts. Während dieser Reise habe ich auch viele neue Orte entdeckt und zum ersten Mal die Corniche Basque gesehen – und geliebt – sowie einen unvergesslichen Trip in die Berge unternommen.
Meine erste Campingreise 1985 war nicht meine erste Erfahrung mit Frankreich. Im Alter von zehn Jahren hatten meine Eltern mich über Weihnachten zu einer französischen Familie nach Paris geschickt. Ich war völlig überfordert und verunsichert wegen der zu kurzen Badewanne, dem merkwürdigen Essen (sie haben mir wirklich Froschschenkel vorgesetzt) und dem noch merkwürdigeren Käse, lernte aber eine Menge über Resilienz, genauso wie passables Französisch. Später reiste ich mit derselben Familie nach Chamonix und entdeckte die Berge, Mille Bornes (ein klassisches französisches Kartenspiel) und tarte aux myrtilles (die sollten Sie unbedingt probieren). Ein Jahr danach war ich zu Gast bei Francis, dem Sohn des alten Brieffreundes meiner Tante Joyce. Wir verstanden uns auf Anhieb, und unsere Freundschaft besteht bis heute. Er hatte großen Einfluss auf mich, und unsere Lebenswege verliefen ähnlich. Wir trafen uns zum ersten Mal seit Jahren, als ich in Paris war, um dieses Buch zu schreiben, und es war fantastisch.

Später, mit Anfang 30, arbeitete ich fünf Monate lang an einem Filmprojekt in Le Touquet – mit französischen Arbeitszeiten, einer französischen Crew und auf Französisch. Während dieses Aufenthalts lernte ich viel über Frankreich. Ich lernte zum Beispiel einen guten Sancerre zu schätzen und Baguette mit Pâté, das wir jeden Tag zum Mittagessen verdrückten. Außerdem genoss ich es, meine freien Tage in den Dünen zu verbringen.
Vielleicht haben Sie ähnliche Verbindungen zu Frankreich. Unsere Länder (Großbritannien und Frankreich) unterhalten seit mehr als 1.000 Jahren enge Beziehungen, was ja auch genauso für Deutschland und Frankreich gilt. Wir waren Feinde und Verbündete, so grundverschieden und uns dennoch so ähnlich. Uns verbinden Elemente unserer Sprachen sowie unserer Sitten und Gebräuche. Sie nennen uns nach unserem Essen »Rosbif«, und wir nennen sie nach ihrem »Frogs«.
Wir sind durch einen Tunnel verbunden und durch ein Meer getrennt.
Sie sind uns ein wenig suspekt, und trotzdem sind wir neugierig auf sie.
Gilt das auch für Sie?
Buchen Sie Ihre Reise jetzt. Wenn es jemals ein Land gab, das sich perfekt für ein Abenteuer auf dem Slow Road eignet, dann ist es Frankreich.
Sie werden es lieben.

UNVERZICHTBARE CAMPINGAUSRÜSTUNG

Mit dem eigenen Fahrzeug reisen
Selbstverständlich benötigen Sie die richtige Ausrüstung. Abgesehen von naheliegendem Zubehör wie Handy-Ladegerät, Kabeln, Surfstick, Spielen und Musik gibt es einige unverzichtbare Dinge, die Sie sich besorgen sollten.
Sicher haben Sie Ihre eigene Liste. Falls nicht, ist hier meine:
Umweltplakette »Certificat Qualité de l’Air« Diese Plakette ist in einigen Städten bzw. Zonen Pflicht. Mehr Informationen dazu finden Sie auf Seite 30. Zu bestellen unter: www.certificat-air.gouv.fr/de.
Télépéage-Transponder Nutzen Sie die »t«-Spuren auf mautpflichtigen Autobahnen, ohne anzuhalten. Weitere Informationen auf Seite 28. Zu bestellen unter: www.bipandgo.com/de/
CampingCard ACSI Mit dieser Karte erhalten Sie außerhalb der Saison auf Hunderten von Campingplätzen in Frankreich Rabatt. Sie kann auch als Sicherheit auf dem Campingplatz hinterlegt werden, wenn Sie Ihren Ausweis lieber nicht abgeben möchten. Zu bestellen unter: www.campingcard.com/de.
Seife Am besten benutzen Sie dafür eine Dose, das ist praktisch und weniger unappetitlich.
Universal-Abflussstöpsel Einige Campingplätze haben keine Stöpsel in ihren Abwaschbecken. Wenn Sie keinen Universalstöpsel haben, können Sie als Ersatz auch den Deckel einer Konservendose nehmen.
Badehosen In allen französischen Schwimmbädern sind für Männer maillots de bain vorgeschrieben, das heißt keine Shorts, sondern eng anliegende Badehosen. Man wird sonst nicht hineingelassen. Wenn Sie mich fragen, sind diese Dinger der nackte Horror, aber ein notwendiges Übel, wenn man schwimmen, baden oder sich in Bädern bzw. Pools aller Art amüsieren möchte.
LPG-Adapter Wenn Ihr Wohnmobil oder Campingbus einen fest verbauten LPG-Tank oder -Flaschen hat, müssen Sie diese/n irgendwann wieder nachfüllen. In Frankreich heißt LPG »GPL« oder »Autogas«. Zum Nachfüllen benötigen Sie einen Adapter für Frankreich, wo DISH-Anschlüsse üblich sind. Diesen erhalten Sie zum Beispiel über www.autogasadapter.de.
Wenn Sie unsicher sind, konsultieren Sie die Website www.mylpg.eu/de. Gaszylinder dürfen nur wiederbefüllt werden, wenn Sie der Norm EN 1949 entsprechen.
LPG-Stationen finden
Alle LPG-Stationen in Frankreich (oder zumindest die meisten) sind auf einer interaktiven Karte auf www.mylpg.eu/de verzeichnet. Es gibt auch eine dazugehörige App, die sehr praktisch ist, wenn Sie mal schnell einen Tee kochen möchten.
Schläuche und Universaladapter Vielleicht benutzen Sie gar keinen Schlauch, um Wasser nachzufüllen, sondern haben dafür einen Kanister. Trotzdem ist ein zehn Meter langer Schlauch mit Wasserhahnadaptern sehr praktisch.
In Camping-car-Versorgungseinrichtungen kann es manchmal Probleme geben, wenn Sie Wasser nachtanken wollen, weil die Hähne oder Anschlüsse nicht passen. Mit einem Satz Schlauchanschlüssen von Hozelock und einem Universaladapter sind Sie immer auf der sicheren Seite. Außerdem benötigen Sie einen Spezialadapter für Ihren Tank.
Wenn Sie eine tragbare Campingtoilette oder eine fest eingebaute Toilette haben, hilft ein etwa ein Meter langer Schlauch – der getrennt vom Frischwasserschlauch aufbewahrt werden sollte – beim Säubern.
Auffahrkeile und Wasserwaage Sicherlich wissen Sie bereits, dass man schlecht in Hanglage schlafen kann. Vergessen Sie also nicht Ihre Unterleg- und Auffahrkeile, mit denen Sie, bei richtiger Anwendung, wieder in die Gerade kommen. Es ist eine hohe Kunst, ein Wohnmobil auf schiefem Untergrund zu nivellieren, aber der Aufwand lohnt sich. Sollten Sie Ihre Wasserwaage vergessen haben, tut es auch ein Glas Wasser auf einem Tisch.
SCHLAUCHZUBEHÖR
• 10 m langer, elastischer Schlauch zum Frischwasserauffüllen
• 1 Satz Wasserhahn-Schlauch-Universaladapter
• 1 m langer Schlauch zum Toilettenleeren
Stromkabel und Adapter Wenn Ihr Wohnmobil über Stromanschluss verfügt, benötigen Sie ein dazugehöriges Kabel mit blauem CEE-Stecker bzw. -Kupplung. Die meisten französischen Campingplätze haben CEE-Anschlüsse, doch in der Regel hat einer von zehn Schuko-Steckdosen, weshalb Sie zusätzlich zu Ihrem CEE-Kabel einen entsprechenden Adapter benötigen. Ein circa 25 Meter langes Kabel reicht meist aus, um jeden Stellplatz zu erreichen.
NIVELLIERUNGSZUBEHÖR
• Set mit Unterleg- und Auffahrkeilen
• Wasserwaage
Landkarten, Landkarten, Landkarten Ich habe immer eine Landkarte zum Planen der Route dabei. Und dazu eine Karte der jeweiligen Region, in der ich mich gerade befinde, mit großem Maßstab. So finde ich mich am besten zurecht. Sie können sich ein ganzes Set mit regionalen Michelin-Karten im Maßstab 1:150.000 anschaffen oder den Straßen- & Reiseatlas Frankreich von Michelin im Maßstab 1:200.000, der nur einen Bruchteil des Preises kostet. Letzteren habe ich für die Touren benutzt.
ELEKTROZUBEHÖR
• 25 m langes CEE-Kabel
• Adapter: CEE-Kupplung auf Schuko-Stecker

Bücher, Bücher, Bücher Vergessen Sie nicht Ihre Handbücher mit den aires und France-Passion-Stellplätzen. Die folgenden sollten auf keiner Reise fehlen:
• France Passion (Bestellung unter www.france-passion.com/de)
• Le guide officiel – Aires de services camping-car (z. B. bei www.amazon.de erhältlich)
• Campingführer
Spezialreiseführer für besondere Interessengruppen sind ebenfalls praktisch. Diese habe ich benutzt:
• Cool Camping (coolcamping.com)
• Alan Rogers (alanrogers.com)
• Wildschwimmen (www.wildswimming.co.uk)
• Surf-Guides von Low Pressure Stormrider (lowpressure.co.uk)
Erste-Hilfe-Set Neben Ihren persönlichen Medikamenten sollten Sie natürlich Pflaster und die übliche Erste-Hilfe-Ausrüstung dabeihaben, inklusive Insektenspray, desinfizierende Salbe und Antihistamin, wenn Sie allergisch auf Insektenstiche reagieren.
Wenn Sie Adrenalin-Fertigspritzen oder Notfallmedikamente benötigen, vergessen Sie diese nicht.
Wetterausrüstung Muss ich Sie wirklich daran erinnern? In Frankreich kann es sehr heiß werden! Es kann auch sehr kalt werden. Und manchmal nass. Nehmen Sie Regenkleidung, Sonnenbrille, Sonnencreme, Sonnenhüte usw. mit, je nachdem, zu welcher Jahreszeit Sie unterwegs sind.

Ausrüstung zum Feuermachen In Frankreich ist es größtenteils heiß und trocken. Das heißt, es könnte extrem dumm sein, einfach irgendwo Feuer zu machen. Viele Campingplätze haben spezielle Grillplätze, wo es erlaubt ist, aber auf zahlreichen anderen ist es ganz verboten. Bevor Sie Feuer machen, sollten Sie erst einmal die lokalen Vorschriften in Erfahrung bringen, einen Eimer Wasser bereitstellen und kein Risiko eingehen.
Auf der Website www.pitchup.com finden Sie Campingplätze, auf denen Feuermachen erlaubt ist.
Toilettenzubehör Bei uns Briten ist es ein Running Gag, dass die Franzosen (speziell die Männer) überall hinpinkeln. Und das tun sie auch wirklich. Frauen sind da etwas diskreter, haben aber ebenfalls nichts gegen die merkwürdige Angewohnheit, sich in der freien Natur zu erleichtern.
Manchmal findet man Toilettenpapier und anderes an besonders schönen Orten. Bitte machen Sie es nicht noch schlimmer.
Urinieren Sie nicht in weniger als 30 Metern Entfernung von offenen Gewässern, Flüssen oder Bächen. Wenn Sie sich zusätzlich erleichtern müssen, tun Sie es in größtmöglicher Entfernung von Flüssen, Bächen, Gebäuden und Tieren. Vergraben Sie Ihre Exkremente. Benutzen Sie dazu eine Schaufel oder einen Faltspaten.
Wenn Sie eine Toilette haben, benutzen Sie keine giftigen, blauen Chemikalien. Nehmen Sie das grüne Zeug ohne Formaldehyd.
TOILETTENZUBEHÖR
• »Grüne« Chemikalien für die Toilette
• Schaufel, wenn Sie keine Toilette haben
• Billiges Klopapier (löst sich leichter auf)
Französische Toiletten: Papier mitbringen
Manche Leute schrecken voller Ekel vor den altmodischen französischen Toiletten (ein Loch im Boden) zurück. So schlecht sind die aber gar nicht. Man sollte nur an Toilettenpapier denken, da es oft keins gibt. Sogar auf Campingplätzen. Ja, wirklich. Benutzen Sie jedoch auf keinen Fall Feuchttücher, auch nicht die zum Wegspülen. Die lösen sich nicht so gut auf wie Klopapier und verstopfen Toiletten und Rohre.

»Grünes« Zubehör Mit ein paar grundlegenden umweltfreundlichen Verhaltensweisen können Sie Ihren Müll ganz einfach reduzieren. Angesichts dessen, was wir heute über Plastikmüll und die Zerstörung der Umwelt wissen, ist das das Mindeste, was wir tun können. Außerdem muss man dann nicht so oft nach Mülleimern suchen. Die Recyclingmöglichkeiten in Frankreich sind in der Regel okay, aber spezielle Plastiksammelstellen gibt es nicht, sondern gemischtes Recycling.
MEINE WICHTIGSTEN »GRÜNEN« AUSRÜSTUNGSGEGENSTÄNDE
• Grüne Toiletten-Chemikalien
• Wiederverwendbare Kaffeebecher: vermeiden Plastikmüll, oft gibt es auch Rabatt darauf.
• Wasserflaschen: warum Geld für Softdrinks ausgeben, wenn Leitungswasser gut und umsonst ist?
• Wiederverwendbare Einkaufstaschen: Geld sparen und Müll vermeiden, indem man seine eigene Tasche mitbringt
• Wiederverwendbare Beutel: sparen Müll, wenn man loses Obst und Gemüse einkauft – und Platz im Kühlschrank
• Trockenshampoo: verursacht keinen Müll und kann aus Hygienegründen in einer Dose aufbewahrt werden. Reicht ewig und nimmt auch weniger Platz weg
• Tupperware-/Plastik-Boxen: können mitgenommen werden zum Metzger, in Lebensmittelläden und auf Märkte, wenn Sie lokal einkaufen. Das spart Müll. Einige Supermärkte haben sich bereits darauf eingestellt. Es kann mühsam sein, wenn man seine eigenen Verpackungen mitbringt, aber halten Sie durch, es funktioniert. Sagen Sie einfach: »Pas de plastique s’il vous plaît.«
Wenn Sie ein Wohnmobil mieten
Prüfen Sie die Ausrüstungsliste, die Ihrem Fahrzeug beiliegt. Stellen Sie sicher, dass Sie das Allerwichtigste dabeihaben: grüne Toiletten-Chemikalien, einen Schlauch oder eine andere Möglichkeit für die Frischwasserversorgung und Gas zum Kochen. Alles andere – wie Stühle, Tisch, Vorzelt und Dachgepäckträger – sind Extras.
Solange Sie heizen, kochen und essen können, Wasser haben und die Toilette benutzen können, ist alles okay. Alles andere ist nebensächlich. Bedenken Sie nur, dass Schränke und Stauraum begrenzt sind. Nehmen Sie also nur das mit, was Sie auch wirklich brauchen.

WO MAN IN FRANKREICH STEHEN KANN

Frankreich ist bestens auf Camper eingestellt – und besonders auf Campingbus- und Wohnmobilreisende. Es gibt jede Menge Platz und folglich auch jede Menge Plätze zum Übernachten und viele Auswahlmöglichkeiten.
Die Stellplätze in diesem Buch
In diesem Buch finden Sie Listen mit Campingplätzen und Stellplätzen. Dabei handelt es sich um Empfehlungen, basierend auf meinen Erfahrungen, die ich unterwegs gemacht habe, und nicht um eine vollständige Aufstellung. Das heißt auch, dass meine Auswahl nicht unbedingt die besten Stellplätze darstellt, denn ich habe nicht jeden einzelnen Platz in jeder Region selbst besucht. Darum geht es in diesem Buch auch gar nicht.
Wenn Sie einen Stellplatz suchen, können Sie entweder meinen Empfehlungen folgen oder selbst einen finden, indem Sie Reiseführer, das Internet oder Apps nutzen. Frankreich verfügt über viele verschiedene Arten von Campingplätzen, die zu den verschiedensten Arten von Campingurlaubern passen, sodass Sie ganz sicher das finden, was Sie suchen. Ich zum Beispiel gehe nach einem langen Tag im Wohnmobil gern schwimmen. Deshalb suchen wir uns oft Campingplätze mit Schwimmbad, obwohl diese Anlagen nicht immer das ruhige, ländliche Ambiente bieten, das wir schätzen.
Im Voraus buchen?
Bei der von Ihnen geplanten Tour wird es vielleicht nicht möglich sein, im Voraus zu buchen, besonders dann nicht, wenn Sie nicht wissen, wann Sie wo sein werden. Wenn Sie eine Vieroder Fünf-Sterne-Anlage anfahren möchten, dann wäre es klug, vorab zu buchen, besonders in den Sommermonaten (Juli und August), weil diese dann oft schnell voll sind.
Bei vielen anderen Plätzen, wie zum Beispiel denen von France Passion oder den aires de camping car, kann man meist nicht im Voraus buchen. Es gibt jedoch einige private Anlagen, wie die von campingcarpark.com betriebenen, bei denen das möglich ist. Ansonsten kann man nur hinfahren und sein Glück versuchen.


Aires de camping car
sind Stellplätze für Wohnmobile – oft, aber nicht immer, mit Ver- und Entsorgungsstationen –, die von den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden. Manchmal sind sie kostenlos, und manchmal befinden sie sich auch in hervorragender Lage. Das ist jedoch nicht immer der Fall; einige sind nicht viel mehr als Parkplätze im Zentrum von Städten und haben keine Versorgungseinrichtungen. Trotzdem sind sie praktisch, wenn man nichts anderes findet, Geld sparen oder sich einfach frei fühlen will. Manchmal, in bestimmten Städten oder Gegenden, wie zum Beispiel an der Côte d’Azur und anderen stark frequentierten Ferienorten, sind sie die einzige Option, wenn Ihr Fahrzeug höher als zwei Meter oder ein Wohnmobil ist. Vielerorts sind Wohnmobile auf Parkplätzen verboten. Außerhalb der Saison sind aires oft die einzige Option..
Man erwartet von Ihnen, dass sie Selbstversorger sind, wenn Sie eine aire benutzen, das heißt, Sie müssen eine eigene Toilette haben. Sie dürfen keine Stühle oder Tische aufstellen und kein Lager mit Zelt oder Vorzelt aufschlagen, obwohl manche Leute das trotzdem tun.
In Frankreich gibt es etwa 4.000 aires. Einige werden von den Gemeinden betrieben, andere von kommerziellen Netzwerken wie campingcarpark.com. Den offiziellen Führer Aires de services camping-car kann man zum Beispiel bei www.amazon.de bestellen (s. o.).
France Passion
ist ein Verbund nur für Mitglieder, bei dem Bauern, Winzer und Handwerker Wohnmobil-Besitzern einen kostenlosen Stellplatz auf ihrem Land zur Verfügung stellen. Im Austausch dafür sollten Sie einfach nur freundlich sein und sich ein wenig erkenntlich zeigen. Man erwartet, dass Sie als Gast Ihre Gastgeber begrüßen und vielleicht auch Geld bei ihnen ausgeben. Das ist alles. Es gibt keine Verpflichtung, aber wenn Sie zum Beispiel neben einer auberge übernachten, wäre es unhöflich, dort nicht einzukehren.
Die Mitgliedschaft kostet zurzeit 30 Euro im Jahr. Dafür erhalten Sie einen Etappenführer mit Regionalkarten, eine Einladungskarte und eine Vignette, die Sie bei Ihren Gastgebern vorzeigen können. Unter www.france-passion.com/de können Sie Mitglied werden.
Campingplätze
Es gibt in Frankreich mehr als 8.000 registrierte Campingplätze. Sie sind nach einem leicht verständlichen Bewertungssystem klassifiziert, sodass jeder garantiert das Passende findet. Es gibt vier Kategorien:
1 Freizeit-CampingplätzeMehr als 50 Prozent der Stellplätze sind an Dauergäste vermietet oder nur saisonal belegt.
2 Touristik-CampingplätzeMehr als 50 Prozent der Stellplätze sind für Reisende reserviert.
3 Aire-naturelle-CampingplätzeKleine Anlagen mit bis zu 30 Stellplätzen auf mindestens einem Hektar Fläche, die über keine festen Unterkünfte – wie Chalets – verfügen. Sie müssen Toiletten haben. Es gibt in Frankreich etwa 1.400 Aire-naturelle-Anlagen.
4 Camping à la fermeKleine Anlagen, die von Bauern betrieben werden, und maximal sechs Stellplätze haben dürfen. Sie müssen Toilette, Waschbecken und eine warme Dusche sowie Entsorgungsmöglichkeiten vorweisen können und dürfen nur zu bestimmten Zeiten geöffnet sein.

Wildcamping-Etikette in Frankreich
• Bitten Sie den Grundstückseigentümer um Erlaubnis.
• Vergessen Sie nicht, dass es kein Recht auf Wildcamping gibt.
• Machen Sie bei Ihrer Ankunft sauber.
• Machen Sie bei Ihrer Abreise sauber.
• Reisen Sie spät an und früh wieder ab.
• Lassen Sie es nicht so aussehen, als würden Sie ein Lager aufschlagen.
• Respektieren Sie die Einheimischen, und wenn man Sie bittet abzureisen, tun Sie es, ohne sich zu beschweren.
• Fragen Sie Einheimische, Polizei oder Aufseher, ob Sie über Nacht bleiben dürfen.
• Machen Sie sich nicht lustig, wenn jemand sich nicht entgegenkommend zeigt. Seien Sie nett und lächeln Sie.
• Beachten Sie »No Camping«-Schilder.
• Lassen Sie keinen unerlaubten Müll in die Umwelt gelangen.
• Nutzen Sie ökologisch unbedenkliche Flüssigkeiten zum Abwaschen, Waschen und Duschen.
• Lassen Sie keinen Müll liegen.
• Nehmen Sie den Müll von anderen mit.
• Kaufen Sie möglichst vor Ort ein.

Die Sterne-Klassifizierung der französischen Campingplätze
Alle Campingplätze in Frankreich unterliegen einer Prüfung und Sterne-Klassifizierung von eins bis fünf. Details wie Stellplatzgröße, Gemeinschaftseinrichtungen, welche Sprachen gesprochen werden, ob die Rezeption den ganzen Tag besetzt ist, ob sie 24 Stunden geöffnet ist (drei Sterne und mehr) und ob Onlinebuchungen möglich sind, haben alle Einfluss auf das Sterne-Rating. Anlagen mit Schwimmbädern und Freizeiteinrichtungen werden in der Regel höher bewertet (um zum Beispiel fünf Sterne zu bekommen, muss ein Schwimmbad oder See vorhanden sein), und alle Campingplätze mit mehr als zwei Sternen haben WLAN, außer es wird ausdrücklich das Gegenteil erwähnt.
Je mehr Annehmlichkeiten, desto höher ist das Rating. Alle Plätze müssen jedoch über sanitäre Einrichtungen verfügen und bei mehr als zwei Sternen über individuelle Waschkabinen.
Kommunale Campingplätze
Wenn Sie mehr für Ihr Geld wollen, dann ist ein kommunaler Campingplatz wahrscheinlich das Richtige für Sie. Diese Plätze werden von den Gemeinden betrieben und befinden sich oft nah an den lokalen Versorgungseinrichtungen. Sie sind in der Regel gut ausgeschildert.
Wildcamping mit dem Wohnmobil (camping sauvage) in Frankreich
Ich habe die Erfahrung gemacht und auch darüber gelesen, dass man in Frankreich keine eindeutige Auskunft zum Thema Wildcamping mit dem Wohnmobil oder dem Campingbus bekommt. Nach französischem Recht ist das Wildcampen (im Zelt) erlaubt, wenn man die Erlaubnis des Grundstückseigentümers eingeholt hat, allerdings ist es in Gegenden von besonderer Naturschönheit verboten, wobei es Ausnahmen gibt: in einigen Nationalparks, in der Nähe der Küste oder dort, wo die Gemeinden das Verbot aufgehoben haben. In diesen Fällen muss die lokale mairie Schilder aufstellen.
Nichtsdestotrotz dürfen Wohnmobile entlang der Straße parken – wie jedes andere Auto auch –, und das bietet Spielraum für Interpretationen, wenn Sie verzweifelt eine Bleibe suchen (so ist es mir auch schon ergangen). Seien Sie sich aber darüber im Klaren: In den letzten Jahren ist Frankreich so beliebt geworden, dass man sich einige sehr effektive Methoden hat einfallen lassen, um die Menschen vom Wildcampen abzuhalten. Zudem ist die neu entstandene Infrastruktur – aires und Campingplätze – zum Teil auch dazu da, um das Wildcampen und die Unordnung, die es mit sich bringen kann, zu unterbinden. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, dass die Franzosen sehr tolerant sind, solange man es nicht übertreibt. Parken Sie dort, wo Sie nicht im Weg stehen. Schilder, die das Übernachtparken verbieten, sollten Sie aber nicht ignorieren. Reisen Sie spät an und früh wieder ab, machen Sie Ordnung, wenn Sie ankommen und wenn Sie wieder wegfahren, dann wird es schon gutgehen. Aber verlassen Sie sich nicht darauf. Sie sollten immer darauf gefasst sein, dass man Sie auffordert wegzufahren, und tun Sie es mit einem Lächeln, ohne sich zu beschweren.
ANREISE NACH FRANKREICH
Frankreich gehört zu Kontinentaleuropa und grenzt auf seiner Ostseite an Belgien, Luxemburg, Deutschland, die Schweiz, Italien und Monaco sowie auf seiner Südwestseite an Spanien und Andorra. Es hat Küsten an Mittelmeer, Atlantik und Ärmelkanal. Frankreich ist Mitglied der EU.
Sie können Frankreich auf der Straße, aber natürlich auch per Zug oder Flugzeug erreichen, falls Sie dort ein Wohnmobil mieten.
Wenn Sie mit dem Zug anreisen und in Frankreich ein Wohnmobil mieten
Frankreich verfügt über ein großartiges Eisenbahnnetz. Wenn man sich genauer damit beschäftigt, bekommt man den Eindruck, dass die Leute hier wirklich dazu gebracht werden sollen, mit dem Zug zu reisen! Das TGV-Netz mit Hochgeschwindigkeitszügen deckt das gesamte Land ab; es ist also eine praktikable Option. Man kann auch für 10 Euro Fahrräder im TGV mitnehmen. Eine französische Bahncard kostet um die 50 Euro und gewährt 30 Prozent Rabatt auf die meisten Zweiter-Klasse-Fahrten.
Wenn Sie in Frankreich ein Wohnmobil mieten, ist die Anreise mit dem Zug eine gute Option, besonders wenn Sie Fahrräder mitnehmen wollen. Sie können außerdem mehr Gepäck mitnehmen als im Flugzeug (und das kostenlos).
Direktverbindungen mit Schnellzügen (TGV, ICE und Thalys)
Mit dem TGV (»train à grande vitesse«), ICE oder Thalys erreichen Sie Paris in weniger als vier Stunden von Stuttgart, Frankfurt oder Köln aus. Auch ab Aachen, Augsburg, Berlin, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Freiburg, Kaiserslautern, Karlsruhe, Mannheim, München und Saarbrücken bestehen direkte Verbindungen in die französische Hauptstadt.
Von Paris aus können Sie alle Regionen Frankreichs mit dem Zug erreichen.
Auch mit dem TGV Rhein-Rhône besteht eine direkte Verbindung von Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe und Baden-Baden unter anderem nach Straßburg, Mulhouse, Lyon, Avignon, Aix-en-Provence und Marseille.
Fahrpläne und Fahrkarten Auskünfte zu Zugverbindungen innerhalb Frankreichs sowie ab Deutschland und Fahrkarten erhalten Sie in den Reisezentren der Deutschen Bahn sowie in den Vertragsreisebüros der SNCF in Deutschland oder auf der Website der französischen Bahn (www.oui.sncf.de), der Deutschen Bahn (www.bahn.de) bzw. von Thalys (www.thalys.com). Fahrkarten für die meisten Züge können Sie auch direkt im Internet kaufen und als E-Ticket zu Hause ausdrucken oder sich das Ticket einfach aufs Handy herunterladen.
Neben der BahnCard der Deutschen Bahn (die nur für den deutschen Teil der Fahrt gilt) können Sie auch französische Rabattkarten erwerben unter de.oui.sncf/de/ermaessigungskarten.
Fahrradmitnahme im Zug Wenn Sie Ihr Fahrrad demontieren und in einer Hülle (maximal 90 x 120 cm, erhältlich in Sportgeschäften) transportieren, reist es wie ein Gepäckstück in allen Zügen kostenlos mit. Für nicht demontierte Fahrräder gelten je nach Zugart besondere Regeln.
In Regional- (TER-) und Intercity-Zügen (Intercité) ist meist ein Fahrradabteil vorhanden. In diesen Zügen können Sie Ihr Fahrrad kostenlos mitnehmen. In Nachtzügen und dem TGV ist die Fahrradmitnahme reservierungspflichtig und kostet 10 Euro. Es gibt jedoch nur wenige Plätze, und nicht in allen Zügen sind Fahrradabteile vorhanden. Die ICEs, TGVs und Thalys-Züge, die in Deutschland starten, nehmen keine Fahrräder mit. Eine Reise über Straßburg oder Luxemburg ist hier zu empfehlen.
Wenn Sie mit dem Flugzeug anreisen und in Frankreich ein Wohnmobil mieten
Es gibt heutzutage viele praktikable und umweltfreundlichere Alternativen zum Fliegen. Das Zugfahren innerhalb Europas ist einfach und relativ günstig. Das heißt, die Anreise mit dem Zug ist möglich und außerdem sinnvoll – auch für unseren Planeten.
Wenn Sie jedoch trotzdem fliegen möchten: Es gibt 34 internationale Flughäfen in Frankreich, der größte ist Charles de Gaulle in Paris.
Informieren Sie sich vor Ihrer Reise über die neuesten Reise- und Sicherheitshinweise unter:
www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/frankreichsicherheit/209524.
DAS FAHREN IN FRANKREICH
Anders als uns Briten, dürfte Ihnen das Fahren auf der rechten Seite der Straße keine Schwierigkeiten bereiten. Nur der Fahrstil der Franzosen ist ab und zu etwas gewöhnungsbedürftig, und Sie sollten ein paar Besonderheiten beachten.
Wenn vorhanden, müssen Sitzgurte auch benutzt werden. Als Fahrer sind Sie für alle unter 18-Jährigen im Auto verantwortlich. Kinder unter zehn Jahren dürfen nicht vorn sitzen, außer es sind keine Rücksitze oder kein Platz vorhanden. Kinder unter zehn Jahren und unter 15 Kilogramm müssen einen Kindersitz benutzen.
Die Nutzung eines Handys während der Fahrt ist verboten (außer mit Freisprecheinrichtung). Nach neuerer Gesetzgebung kann der Führerschein eingezogen werden, wenn man erwischt wird. Auf jeden Fall wird ein Bußgeld fällig.
Sie dürfen während der Fahrt weder Kopfhörer noch Headset tragen. Wenn Sie geschnappt werden, ob per Radarfalle oder direkt von der Polizei, drohen ein Bußgeld und Punkte.
Für Alkohol am Steuer gilt ein striktes NON in Frankreich, wie natürlich überall sonst auch, wobei die maximal zulässige Grenze für Privatpersonen bei 0,5 Promille liegt. Das entspricht ein paar bescheidenen Gläsern Wein. Seien Sie allerdings gewarnt: Die Strafe kann extrem hoch ausfallen, wenn Sie einen Unfall verursachen oder mit einem Alkoholpegel von über 0,5 Promille erwischt werden. Für die schlimmsten Vergehen drohen sehr hohe Bußgelder und Gefängnisstrafen.
Die Promillegrenze für Fahranfänger (während der ersten drei Jahre des Führerscheinbesitzes) beträgt 0,2.

Alkoholtests dürfen durchgeführt werden, wenn Sie gegen Verkehrsregeln, wie etwa die Anschnallpflicht, verstoßen.
Dichtes Auffahren und das Überfahren durchgezogener weißer Linien kann ebenfalls bestraft werden..
In bestimmten Fällen hat die Polizei das Recht, Ihr Fahrzeug zu beschlagnahmen, wie bei Fahren ohne Versicherungsschutz, Überschreiten der 50-km/h-Grenze bzw. des Tempolimits.
Radarwarnsysteme sind verboten, auch Navis mit Radarwarner, schalten Sie diese Funktion also ab. Außer Navis dürfen keine anderen Geräte an der Windschutzscheibe befestigt sein.
Wissen sollte man auch: Bußgeldbescheide werden nach Deutschland zugestellt und vollstreckt, hier gilt jedoch eine Bagatellgrenze bis zu 70 Euro.
Besonderheiten an Ampeln: Bei einer auf Rot geschalteten Ampel mit gelb blinkendem Pfeil ist die Weiterfahrt in Pfeilrichtung erlaubt, der Querverkehr (auch Fußgänger) hat jedoch Vorfahrt.
Unbedingt mitzuführen sind:
• Gültiger deutscher Führerschein für Ihr Fahrzeug
• Das Nationalitätskennzeichen muss am Fahrzeug angebracht oder im EU-Kennzeichen enthalten sein.
• Gültige Zulassungsbescheinigung Teil 1 (bzw. Fahrzeugschein)
• Gültiger Personalausweis, vorläufiger Personalausweis, Reisepass, vorläufiger Reisepass oder Kinderreisepass
• Als Nachweis für eine gültige Kfz-Haftpflichtversicherung reicht das deutsche Kennzeichen. Die Grüne Karte kann aber im Schadensfall helfen.
• Gegebenenfalls Mietwagenpapiere
• Ersatzglühbirnen (bei Ausfall drohen Geldbußen)
• Reflektierende Warnwesten (mit CE-Kennzeichnung) für alle Mitreisenden (Tragepflicht beim Verlassen des Autos bei einer Panne oder einem Unfall außerhalb geschlossener Ortschaften)
• Winterreifen können bei entsprechender Beschilderung im Winter Pflicht sein (Mindestprofiltiefe 3,5 mm). Das gleiche gilt für Schneeketten (Höchstgeschwindigkeit 50 km/h).
• Ein Alkoholtestset (mit französischer NF-Zertifizierung) ist mitzuführen. Dieser ist in Frankreich in Apotheken und an Autobahnraststätten erhältlich.
Die Autobahnen werden in Frankreich fast alle von privaten Gesellschaften verwaltet. Das heißt, dass sie mautpflichtig sind. Sie können die »t«-Spuren (t steht für Télépéage) ohne anzuhalten nutzen, wenn Sie sich einen Transponder besorgen, der online bestellt werden kann (www.bipandgo.com/de/). Die Abrechnung der einzelnen Beträge erfolgt über Kreditkarte.
Wenn Sie Autobahnen meiden möchten, können Sie das Nationalstraßennetz (Routes Nationales, gekennzeichnet durch ein »N«) nutzen sowie Departmentstraßen (»D«). Manchmal spart es jedoch Zeit und Mühe, wenn man die Autobahn wählt, um an den Anfang seiner geplanten Tour zu gelangen.
Bis-Straßen stellen eine Alternative zu den üblichen, direkteren Verbindungen dar. Sie sind oft landschaftlich schöner und befinden sich abseits der Verkehrsknotenpunkte. Sie können bis-Straßen an der Beschilderung erkennen.
Die Website »bison futé« (www.bison-fute.gouv.fr) informiert über die Verkehrssituation und Baustellen in ganz Frankreich und über die Tage, an denen man auf Frankreichs Straßen besser nicht unterwegs sein sollte. Das sind etwa die »schwarzen Samstage« – die Tage, an denen sich viele Franzosen zu Beginn der Sommerferien Anfang August auf den Weg an die Küsten machen.

Abschleppen
Auf französischen Autobahnen sind privates Abschleppen sowie Pannenhilfe – etwa durch einen Automobilclub – strikt verboten. Hilfe wird nur per Notrufsäule angefordert. Bis zum Abschleppen durch den für den Autobahnabschnitt zuständigen Abschleppdienst muss der Wagen durch die Polizei gesichert werden. Alle Insassen müssen das Auto sofort verlassen, gelbe Warnwesten anlegen und sich hinter die Leitplanke begeben. Das Aufstellen eines Warndreiecks ist aus Sicherheitsgründen verboten. Auf anderen Straßen dürfen Fahrzeuge nur über kurze Distanzen und nur nach einem Unfall oder einer Panne privat abgeschleppt werden.
Fahrradträger sind zugelassen und müssen nicht extra gekennzeichnet werden.

Tempolimits in Frankreich
Alle Tempolimits sind wetterabhängig.
ACHTUNG: Bei Überschreitung des Tempolimits um mehr als 40 km/h darf Besitzern eines EU-Führerscheins dieser direkt vor Ort entzogen werden.
Tempolimits, abhängig von Straßentyp und –bedingungen

Tempolimits, abhängig von Straßentyp und Fahrzeuggröße

Crit’Air-Umweltplakette
Wenn Sie durch bestimmte französische Städte fahren möchten, benötigen Sie eine Crit’Air-Umweltplakette. Diese erfasst den Schadstoffausstoß Ihres Fahrzeugs. In einigen »Umweltzonen« sind nur bestimmte Fahrzeuge zu bestimmten Zeiten zulässig. Wer keinen Aufkleber hat, riskiert ein Bußgeld von bis zu 135 Euro (wenn er etwa in Paris einen Lkw fährt). Wohnmobile bis 3,5 t, die vor dem 01.01.1997 erstmalig zugelassen wurden, sowie Wohnmobile über 3,5 t, die vor dem 01.10.2001 zugelassen wurden, erhalten keine Plakette und dürfen somit nicht in den Umweltzonen gefahren werden.
Unter 3,5 t gelten Wohnmobile als Pkws, über 3,5 t als Lkws.
Eine ZCR – zone à circulation restreinte – ist eine dauerhaft beschränkte Zone.
Eine ZPA – zone de la protection de l’air – ist eine vorübergehend beschränkte Zone.
Kaufen können Sie die Plaketten unter: www.certificat-air.gouv.fr./en/demande.
Eine vollständige Liste von Städten mit ZCRs finden Sie auf der ADAC-Website: www.adac.de/reise-freizeit/reiseplanung/reiseziele/frankreich/uebersicht/umweltzonen/.

Karten lesen: Orientieren Sie sich am Ziel, nicht an der Straßennummer
Kartenleser können fuchsteufelswild werden, wenn sich plötzlich ohne Vorwarnung die Straßennummerierung ändert. In Frankreich passiert das meist an Grenzen von Departements oder dort, wo eine neu gebaute Straße auf die alte trifft. So etwas kann einen ab und zu aus der Bahn werfen – seien Sie also wachsam.
Um Verwechslungen zu vermeiden, ist es daher besser, sich am Ziel zu orientieren, statt an den Straßennummern. Wenn Sie nicht sicher sind, folgen Sie den Schildern, auf denen »Toutes directions« (»Alle Richtungen«) steht, bis Sie auf die Route zurückfinden.
Schlussendlich: das Fahren in Frankreich
Das Fahren in Frankreich kann wirklich ein Vergnügen sein. Aber es ist bekanntlich auch unsicher. Und damit meine ich nicht den Standard der Straßen, sondern den Fahrstandard, den einige Franzosen praktizieren – und ihre gelegentlich mangelnde Rücksichtnahme. Ich möchte aber betonen: Schlechte Fahrer sind die wenigsten.
2015 betrug die Zahl der Verkehrstoten in Frankreich 3.092, wobei die häufigste Todesursache Alkohol war. Führerscheinneulinge waren nach den Betrunkenen die zweitgrößte Gruppe von Leuten, die auf Frankreichs Straßen zu Tode kam. Zum Vergleich: In Großbritannien starben im selben Zeitraum 1.732 Menschen.

Was das heißt? Seien Sie darauf gefasst, dass andere versuchen werden, Sie auf engen Bergpässen in Kurven zu überholen, wenn Sie nicht gerade mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind. Dass Ihnen im Kreisverkehr die Vorfahrt genommen wird. Dass Sie angehupt werden. Das ist normal. Machen Sie einfach mit und zahlen Sie es den anderen mit gleicher Münze heim (und damit meine ich: gestikulieren und wütende Geräusche machen), wenn es sein muss, aber vergessen Sie darüber nicht Ihre eigenen Sicherheitsmaßstäbe. Fahren Sie vorsichtig und vorausschauend, und wenn jemand auf einer engen Straße zu dicht an Ihnen dranklebt, lassen Sie sich nicht provozieren. Fahren Sie rechts ran, wenn es sicher ist, und lassen Sie ihn passieren.
IST FRANKREICH WOHNMOBILFREUNDLICH?
Ja, natürlich
Wie ich schon erwähnte, hat Frankreich eine boomende Tourismusindustrie und heißt Wohnmobilisten und Campingbusreisende aus ganz Europa willkommen. Es verfügt über Tausende von Campingplätzen sowie aires und France-Passion-Stellplätze, und manchmal findet man auch Plätze zum Wildcampen. Also ja, es ist durchaus wohnmobilfreundlich.
Aires in nicht besonders touristischen Städten stellen eine gute Möglichkeit dar, in den dortigen Läden und Restaurants Geld auszugeben und die Gegend zu erkunden. Das ist etwas sehr Positives.
Manchmal eher nicht
Frankreichs Tourismusindustrie ist jedoch manchmal ein Opfer ihres eigenen Erfolgs. Dort, wo man Wohnmobile früher über Nacht parken konnte, am Meer oder auf Waldparkplätzen, gibt es heute mancherorts Barrieren oder Schilder mit der Aufschrift »Keine Wohnmobile«. Wenn Sie mit Surfern sprechen, die in den 80er-Jahren die Westküste bereist haben, werden die Ihnen tolle Geschichten darüber erzählen, wie sie im Wald übernachtet haben.
Mancherorts fühlt man sich nicht willkommen. Entweder hat jeder Parkplatz eine Höhenbarriere oder man kommt zwar hinein, darf aber nicht bleiben, oder die Plätze sind zu klein. Das kann einem ganz schön auf die Nerven gehen. Es gibt aber fast immer Alternativen. Die Franzosen schätzen Sie, wirklich, sie wollen bloß nicht, dass Sie Ihr Vorzelt, Ihren Tisch und Ihre Stühle an der Promenade von Cannes aufstellen.
Das aire-System und die Höhenbarrieren sind dazu da, um das Verhalten von Wohnmobilisten zu kontrollieren. Das hat sicher mit schlechtem Benehmen in der Vergangenheit zu tun, mit zu viel Müll und Unordnung oder einfach zu vielen Wohnmobilen im Lauf der Jahre. Praktisch heißt das, dass Sie vielleicht keinen Parkplatz finden werden, wenn Sie tagsüber irgendeinen Ort besuchen. Das ist zwar ärgerlich, aber andererseits finden Sie in der Nähe meist eine aire. Sie müssen vielleicht einen Kompromiss eingehen, wenn Sie eigentlich vorhatten, ein Picknick mit Blick aufs Meer zu veranstalten, aber das sollte doch wirklich kein Problem sein. Und anderswo, wo die örtliche mairie die Vorteile einer aire in ihrer Stadt begriffen hat, bietet Ihnen das, wie oben schon erwähnt, die Möglichkeit, etwas Neues kennenzulernen, und die Einheimischen können ein wenig an Ihnen verdienen.
Ich gebe zu, dass einige aires zweitklassig wirken und sich am Rand von Städten und Dörfern befinden, in Industriegebieten oder auf Parkplätzen. Das ist schade, aber wenn es Ihnen nicht gefällt, dann fahren Sie doch einfach woandershin, wo es schöner ist. Andererseits sind manche aires großartig – mit schönem Ausblick und viel Grün – und werden von den Kommunen oder von Privatfirmen betreut. Diese sollte man ansteuern. Die weniger schönen aires sind als Alternative zu den Plätzen am Meer da, an denen man nicht stehen darf – ein schlechter Tausch, das gebe ich zu, aber es ist zumindest eine Option.
Verbote umgehen
Wenn Sie Pkw-Parkplätze nutzen möchten, können Sie mit einem kleineren und unauffälligeren Campingbus reisen, um Parkverbote zu umgehen. Es ist überall das gleiche: Wenn Sie sich für ein Wohnmobil entscheiden, das höher, länger oder breiter ist als ein normaler Pkw-Parkplatz, müssen Sie auf Restriktionen gefasst sein. Aus diesem Grund werden Sie in Frankreich einigen Wohnmobilisten begegnen, die mit Fahrrädern, Motorrädern und Kleinstwagen auf Trailern reisen. Dadurch kann man auf einem schönen großen Stellplatz parken und dann per Rad oder Auto in die Umgebung fahren. Wir zum Beispiel nehmen immer Fahrräder mit.

WORAN MAN IN FRANKREICH DENKEN SOLLTE

Französisch sprechen
Vielleicht ist Ihr Französisch nicht besonders gut, aber bitte versuchen Sie, das bisschen, das Ihnen zur Verfügung steht, anzuwenden. Auch wenn Sie Fehler machen – entscheidend ist, dass Sie es zumindest versuchen. Die Franzosen werden es zu schätzen wissen. Sprechen Sie also so gut und so oft es geht Französisch, auch wenn es eine Qual ist.
Französisch ist eine wunderbare Sprache, die Sprache von Dichtern und Denkern, und Frankreich ist eine sehr stolze Nation. Die Franzosen feiern ihre Kultur (wussten Sie zum Beispiel, dass französische Radiostationen mindestens zu 35 Prozent französischsprachige Musik spielen müssen?). Aus Respekt für ein Land, das stolz auf seine Traditionen ist und ein starkes Identitätsgefühl hat, sollten Sie sich wirklich bemühen, Französisch zu sprechen.
Früh aufstehen
In Frankreich beginnt der Tag etwas später, als Sie es vielleicht gewohnt sind, sodass Sie an beliebten Orten zu den Ersten gehören könnten. Vor 9 Uhr morgens dort zu sein, kann besonders im Hochsommer darüber entscheiden, ob Sie einen Parkplatz bekommen oder nicht. In der Provence und im äußersten Süden, sogar im Landesinneren, ist der Morgen möglicherweise die einzig kühle Tageszeit. Im Sommer können die Tage bis in den Abend hinein sehr heiß sein. Wenn Sie also gemäßigte Temperaturen schätzen, sollten Sie die wertvollen Morgenstunden nutzen.
Nützliches Campingvokabular
| Deutsch | Französisch |
| Wohnmobil/Campingbus | Autocaravane |
| Campingbus | Camping car |
| Stellplatz | Emplacement |
| Verleih | Location |
| Wo kann ich meinen Müll entsorgen? | Où est la vidange? |
| Wo kann ich meine Chemietoilette leeren? | Où est la vidange des toilettes chimiques? |
| Wasser | L’eau |
| Mit Strom | Avec l’électricité |
| Bitte einen Stellplatz für einen Campingbus, zwei Personen und einen Hund, mit Stromanschluss. | Un emplacement pour un camping car, deux adultes et un chien, avec l’électricité s’il vous plaît |
| Wir reisen heute/morgen ab. | Nous partons aujourd’hui/demain |
| Danke | Merci |
| Was kostet eine Nacht? | Combien par nuit? |
| Recycling | Recyclage |
| Müll | Les dechets |
| LPG | GPL (ausgesprochen: sche-pe-el) |
Wenn Sie allerdings tagsüber etwas unternehmen wollen, dann tun Sie es um die Mittagszeit. Die Franzosen machen immer zwischen 13 und 15 Uhr Pause, und währenddessen kann man beispielsweise gut den Tourmalet hochfahren oder schwimmen gehen.
Keine Ahnung von Wein?
Macht nichts! Will man in Frankreich im Supermarkt Wein kaufen, kann sich das als Herausforderung erweisen, da es eine so große Auswahl gibt. Ein einfacher Trick, wie man einen guten preiswerten Wein findet, ist, darauf zu achten, welchen die Einheimischen kaufen. Suchen Sie nach Lücken in den Regalen, und schnappen Sie sich die letzte Flasche. Die Franzosen verstehen etwas von Wein – und von guten Angeboten. Folgen Sie ihrem Beispiel!
Im Restaurant können Sie un pichet (ausgesprochen: »pieschee«) Wein bestellen, ein Viertel oder einen halben Liter, wenn Ihnen eine ganze Flasche zu viel ist. Das ist normalerweise der Hauswein, und der ist meist sehr gut.
Abendessen gehen
Wenn man sich nicht auskennt, ist es oft schwierig, ein gutes Restaurant zu finden. Man kann sich über Tripadvisor informieren oder einfach dorthin gehen, wo es voll ist.
Schauen Sie sich als Erstes die Speisekarte an. Viele Restaurants haben nämlich nur Standardgerichte wie Steak mit Pommes frites, moules-frites (Miesmuscheln mit Pommes frites), Pizza oder Salat im Angebot. Wenn Sie vegan oder vegetarisch essen möchten, müssen Sie etwas länger suchen.
Ein gutes Restaurant zu finden, indem man durch die Straßen läuft – das hört sich gut an, ist aber nicht immer so einfach. Die meisten öffnen gegen 19 oder 19:30 Uhr und füllen sich erst gegen 20 Uhr. Wenn Sie sich früh auf den Weg machen, werden Sie sicher einen Tisch finden, aber es ist dann schwer möglich, die beliebten Adressen ausfindig zu machen. Wenn Sie können, warten Sie also, um zu sehen, welche Restaurants sich schnell füllen, und gehen Sie hinein, bevor sie ganz voll sind.

Rauchen
In Frankreich ist das Rauchen in geschlossenen Räumen verboten. Das Rauchverbot wurde in den letzten Jahren auch auf einige Parks und Strände und den öffentlichen Nahverkehr ausgeweitet. Taxis sind allerdings ausgenommen, wenn Fahrer und Passagiere sich einig sind. Es ist auch verboten, im Auto (oder Wohnmobil) zu rauchen, wenn Minderjährige dabei sind.
Man darf aber immer noch unter freiem Himmel rauchen, wie etwa im Außenbereich von Restaurants und Cafés.
Öffentliche Schwimmbäder
Wenn Sie gern schwimmen und männlich sind, vergessen Sie nicht, Ihre eng anliegende Badehose! Bewahren Sie eine im Bus oder Wohnmobil auf. Sie werden sie irgendwann brauchen. Locker sitzende Badehosen (und damit meine ich Shorts bzw. Bermudashorts) sind in Frankreich in öffentlichen Schwimmbädern und Badeanstalten verboten. Sie können auch längere eng anliegende Badehosen tragen, aber keine Shorts.
In einigen Schwimmbädern müssen Leute mit langen Haaren auch eine Badekappe tragen, deshalb sollte man eine solche immer im Wohnmobil haben oder sich im Voraus erkundigen, sonst kann einem der Zutritt verwehrt werden, oder man muss vor Ort eine kaufen.
Warum französische Autofahrer Sie anhupen (und Sie ihnen das nicht übelnehmen sollten)
• Sie fahren zu langsam.
• Der Verkehr staut sich.
• Man überholt Sie und teilt Ihnen mit, dass Sie überholt werden.
Radfahrern Platz machen
Radfahren ist in Frankreich sehr beliebt, und man ist Radfahrern gegenüber sehr tolerant eingestellt. Lassen Sie ihnen genügend Platz, und überholen Sie erst dann, wenn es wirklich sicher ist. Wenn Sie sonntags eine Gruppe von Fahrern sehen, gestatten Sie ihnen, im Pulk zu fahren; solche Clubausfahrten sieht man am Sonntag überall in Frankreich. Es macht ja auch nichts, wenn man sich eine Zeit lang hinter den Fahrern halten muss. Die hinter Ihnen Fahrenden haben mit Sicherheit Verständnis dafür.

FRANKREICH FÜR ANFÄNGER
Dies sind nur die Grundlagen:
•Frankreich befindet sich auf dem europäischen Festland.
•Die Muttersprache von 88 Prozent der Bevölkerung ist Französisch.
•Neueren Studien zufolge geben 30 Prozent der Franzosen an, ein wenig Deutsch zu sprechen, doch nur drei Prozent sagen, dass sie die Sprache gut beherrschen. 39 Prozent der Franzosen hingegen sprechen Englisch. Doch schrauben Sie Ihre Erwartungen nicht zu hoch. Frankreich ist eine stolze Nation, und man wird es dort zu schätzen wissen, wenn Sie wenigstens versuchen, Französisch zu sprechen. Man wird es Ihnen danken – und Ihnen vielleicht sogar Komplimente machen.
•Die Währung ist der Euro.
•Es gilt das metrische Maßsystem.
•Frankreich hat etwa 68 Millionen Einwohner, von denen etwa 2,5 Millionen in der Hauptstadt Paris leben.
•Die Landesfläche beträgt 551.000 Quadratkilometer, ungefähr ein Fünftel der Fläche der EU.
•25 Prozent der Fläche Frankreichs sind bewaldet.
•Der Montblanc, der höchste Berg Europas, befindet sich in Frankreich.
•Frankreich hat jährlich 82 Millionen Besucher und ist damit das mit Abstand meistbesuchte Land der Welt.
•Frankreich verfügt über rund 30.000 Kreisverkehre. Das wird Ihnen sicher auffallen.
•Liberté, Egalité, Fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) – so lautet das Motto Frankreichs.
•Der Louvre hatte im Jahr 2018 rund zehn Millionen Besucher, viel mehr als jedes andere Museum auf der Welt.
•Die französischen Supermärkte dürfen abgelaufene oder unverkaufte Lebensmittel nicht wegwerfen. Sie müssen an Tafeln gespendet werden.
•Napoleon war größer als der Durchschnitts-Franzose der damaligen Zeit.
•Champagner wurde von den Engländern erfunden.
•Leute, die Frankreich lieben, so wie ich, nennt man Frankophile.

LANDKARTEN
Als ich nach Landkarten für meine Reise gesucht habe, bin ich in die berühmte Londoner Reisebuchhandlung Stanfords gegangen. Nachdem ich endlose Zeit damit verbracht hatte, Michelin-Karten im Maßstab 1:150.000 von praktisch jedem französischen Département herauszusuchen, wurde mir klar, dass mich das Hunderte Pfund kosten würde. Ich legte alle Karten zurück und entschied mich für den Straßen- & Reiseatlas Frankreich von Michelin, der leider den Maßstab 1:200.000 hat, aber trotzdem sehr praktisch ist. Er hat eine Spiralbindung und ist damit theoretisch einfacher zu handhaben. Allerdings neigen ringgebundene Karten dazu, irgendwann auseinanderzufallen. Bei meiner ist das passiert. Zum Glück kann man mit einem großen »Briefklemmer« aus dem Büromarkt Abhilfe schaffen und die Benutzerfreundlichkeit erhöhen.
Was ich damit sagen will, ist, dass sich die Seitenzahlen, die ich am Anfang jeder Tour nenne, sich auf den Michelin-Straßen- & Reiseatlas Frankreich beziehen.
Wenn Sie es detaillierter möchten, nutzen Sie Michelin-Local-Karten im Maßstab 1:150.000. Die sind praktisch, wenn Sie sich länger in einer bestimmten Gegend aufhalten und mehr Details benötigen. Wenn Sie jedoch ganz Frankreich damit abdecken möchten, erweisen sich diese Karten als extrem teuer.
Für die Hauptroutenplanung benutze ich die Michelin-Nationalkarte im Maßstab 1:1.000.000, mit der man gut planen kann, wie man von einer Region zur nächsten kommt.

Navi
Beim Schreiben dieses Buches hat mir zugegebenermaßen ein Navigationssystem sehr geholfen. Wir haben ein TomTom Go Camper benutzt, das sich als praktisches Werkzeug erwiesen hat. Es war außerordentlich wertvoll, weil es unsere exakte Position bestimmt und dazu Kurven und Hindernisse vorab angezeigt hat. Zur Routenplanung haben wir es nicht benutzt, sondern dafür Karten verwendet.
DAS FRANZÖSISCHE KLIMA

Frankreich hat nicht nur ein Klima, sondern eine ganze Menge davon. Im Sommer ist es verdammt heiß. Im Winter kann es verdammt kalt sein, besonders in den Bergen. Und alles Mögliche dazwischen.
Frankreich – ein großes Land, gesäumt von Bergen auf der einen Seite und Meer auf den übrigen drei Seiten – lässt sich nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Ich werde es trotzdem versuchen. Für uns Briten, die wir während des Großteils des nassen und windigen Jahres unter einem gemäßigten Atlantikklima leiden, hat Frankreich ein ideales Klima mit angenehm superheißen und schneeigen kalten Abschnitten. Extreme werden allerdings immer mehr zur Norm, daher sollte man sie nicht ausschließen. Nach heißen Tagen gibt es oft starken Regen und Gewitter, sodass man gezwungen ist, im Wohnmobil zu bleiben. Aber genauso schnell hat sich das Wetter am nächsten Tag wieder normalisiert.
Im Westen herrscht ein vom Atlantik beeinflusstes Meeresklima mit milden Wintern und heißen, manchmal feuchten Sommern. Je südlicher man kommt, desto weniger wird das

Wetter vom Nordatlantik beeinflusst. Weiter östlich ist das Wetter mehr vom Kontinentalklima geprägt, das bedeutet heißere Sommer, weniger Regen und kältere Winter. Im Osten sind heißere, trockenere Sommer und trockenere, kältere Winter zu beobachten.
In den Bergen ist es feuchter und kälter als in Zentralfrankreich, jedoch mit mehr Regen auf der Westseite. Das offenbart sich in den Alpen, wenn man hohe Pässe überquert. Auf der Ostseite sind die Berge manchmal trockener und haben eine niedrigere Baumgrenze.
Weiter südlich iwird das Klima vom Mittelmeer beeinflusst, das heißt die Winter sind mild und die Sommer heiß. Ein kühler Wind aus dem Norden (der Mistral) kann im Winter kalt sein, wenn er das Rhônetal hinunterbläst.
2019 wurde die höchste Temperatur in Frankreich (45,9 Grad) in der Nähe von Nîmes gemessen.


FRANKREICH: HIGHLIGHTS
1Die Île de Ré per Fahrrad erkunden Die Île de Ré ist fantastisch, aber nicht unbedingt wohnmobilfreundlich, deshalb erkundet man sie am besten mit dem Fahrrad. Fahren Sie vom Campingplatz aus auf autofreien Fahrradwegen zum Restaurant La Cabane de la Patache und nehmen Sie dort ein ausgedehntes Mittagessen im Freien ein. Buchen Sie im Voraus, um sich einen Tisch zu sichern. Danach können Sie an der Plage du Grouin schwimmen gehen.
2Das Toulouse-Lautrec-Museum in Albi Es steht direkt neben einem der größten Backsteingebäude der Welt, der Kathedrale von Albi, in einer der berühmtesten Städte Frankreichs, von der Sie noch nie etwas gehört haben. Etwa 100 Meter von beidem entfernt befinden sich Wohnmobilparkplätze. Sie können sich also gleichzeitig zwei Arten von Meisterwerken ansehen. Lautrecs Gemälde und Plakate sind großartig. musee-toulouse-lautrec.com
3Kajakfahren auf der Ardèche Es gibt kaum etwas aufregenderes und abenteuerlicheres als eine Kajakfahrt über die Stromschnellen der Ardèche. Wenn viel los ist, hören Sie bereits an den Angstschreien der anderen Paddler, was sich hinter der nächsten Kurve verbirgt. Ein echtes Abenteuer mit Raubvögeln, die am Himmel ihre Kreise ziehen; wenn man Glück hat, sieht man Adler. Noch mehr Wildwasser gibt es in der Verdonschlucht (Gorges du Verdon).
4Das Citroën-Museum in Castellane Eine Privatsammlung wirklich unglaublicher Fahrzeuge. Alle sind unrestauriert und haben nur wenige Kilometer auf dem Tacho. Vielleicht lässt das auf Besessenheit schließen. Ganz bestimmt sogar. Aber ein Besuch lohnt sich. Hier können Sie unfassbar gut erhaltene Autos bestaunen.. www.citromuseum.com
5Gâteau Pays Basque Dieser gedeckte Kuchen mit Kirschoder Vanillecremefüllung ist die Krone des Baskenlandes! Na ja, nicht wirklich, aber Sie dürfen die Region nicht verlassen, ohne ihn probiert zu haben. Das ist einfach Pflicht. Und danach werden Sie sich bestimmt nicht mehr daran erinnern …

6Schwimmen im Jura Angesichts seiner zahlreichen Wasserfälle, Seen und Flüsse – die verlockend sind, wenn es im Sommer richtig heiß wird –, ist der Jura sehr gut zum Schwimmen geeignet. Buchen Sie sich einen Stellplatz auf dem Campingplatz am Lac de Narlay, und begeben Sie sich dann hoch zu den Wasserfällen Cascades du Hérisson, wo Sie von (ganz) oben in die Wasserbecken hineinspringen können. Oder schwimmen Sie bei Clairvaux-les-Lacs auf die andere Seeseite und wieder zurück.
7Champagner-Verkostung Verwöhnen Sie sich in der Region Champagne mit einem Besuch einer der vielen kleinen Champagner-Kellereien. Dort ist man freundlich und aufgeschlossen, sogar uns Wohnmobilisten gegenüber. Wenn Sie dann auf den Geschmack gekommen sind, können Sie sich weiter vorarbeiten zur Avenue de Champagne in Épernay, wo alle großen Namen zu finden sind. Und ziehen Sie sich bitte etwas Anständiges an!
8Baden in den Pyrenäen In den Pyrenäen gibt es eine Menge Thermalbäder mit heißen Quellen, die das Baden unter freiem Himmel ermöglichen, darunter auch einige absolute Schönheiten. Die Bäder in Loudenvielle erinnern an einen Wasservergnügungspark für Erwachsene, und die Bäder in Cauterets bieten einen fantastischen Blick auf die Berge. Packen Sie Ihre eng anliegenden Badesachen ein!

9Sich vom Ausmaß des Krieges erschüttern lassen An der ehemaligen Westfront gibt es viele überwältigende Gedenkstätten. Das Canadian National Vimy Memorial zum Beispiel ist monumental. Ein anderes Mahnmal, das in seinem Ausmaß schwer zu übertreffen ist, ist der Ring der Erinnerung neben dem Französischen Nationalfriedhof Notre-Dame-de-Lorette bei Lens. Angesichts der fast 600.000 auf Stahlplatten eingravierten Namen der Gefallenen fällt es schwer, unbeeindruckt zu bleiben. Wenn Sie die Klaustrophobie des Stellungskrieges nacherleben möchten, sollten Sie die Anhöhe von Vauquois (Butte de Vauquois) besuchen, wo die verfeindeten Linien nur 50 Meter auseinanderlagen.

10Rendezvous mit den großen Meistern Das Musée d’Orsay befindet sich in einem früheren Pariser Bahnhof. Heute beherbergt es Tausende von spektakulären Gemälden und Skulpturen aus der Zeit von 1848 bis 1914, darunter viele der berühmtesten Kunstwerke der Welt. Es gibt nur wenige Museen, in denen man so vielen großartigen Gemälden von Weltrang so nahe kommt. m.musee-orsay.fr
11Die Grande Dune du Pilat erklimmen Europas größte Sanddüne ist riesig. Von oben kann man spektakuläre Sonnenauf- und -untergänge beobachten. Und die Aussicht über das Bassin d’Arcachon nach Cap Ferret und auf den Atlantik ist atemberaubend. Machen Sie sich ein Bier auf, und beobachten Sie, wie die Paraglider geräuschlos unter ihnen entlanggleiten.
12Leben wie ein König Die Schlösser der Loire sind so ganz anders als die in Kent oder Schottland. Vor allem sind sie keine Ruinen. Sie sind auch nicht kalt und zugig und vermitteln nicht den Eindruck, als sei das 17. Jahrhundert eine Zeit des Elends gewesen. Sie sind herausgeputzt und wunderschön, und sogar die unspektakulärsten von ihnen sind verblüffend verschwenderisch ausgestattet.
13Wildblumen am Col du Lautaret Die Straße nach Briançon ist wild und kurvig und bietet eine fantastische Aussicht mit atemberaubendem Bergpanorama. So weit, so gut. Aber wenn Sie im Juli hierherkommen, erleben Sie ein wahres Blumenmeer, das seinesgleichen sucht. Der Col ist weltbekannt für seine alpinen Wiesen. Hier kann man alle Arten von Blumen finden, wie es sie ein paar Tausend Meter tiefer nicht gibt..
14Son et lumière (Ton- und Lichtshow) am 14. Juli Früher hieß er Tag der Bastille, jetzt nur noch Nationalfeiertag. An diesem Tag feiert man in Frankreich Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, und fast überall gibt es irgendeine Art von Feuerwerk. Die Ton- und Lichtshows sind sehr gut, und man sollte sie nicht verpassen
15Versailles Meine Güte, dieses Schloss war einst wirklich ein goldener Käfig! Versailles ist ein Juwel und auf eine ganz ostentative Weise verschwenderisch, prunkvoll und gewaltig. Mit riesigen Gemälden, ungeheuren Blickachsen, zu viel Blattgold und Kristallglas und Gebäudeflügeln, die sich in endlose Weiten erstrecken. Leider sieht man auf der Führung nur einen Bruchteil davon, wie es damals wirklich war, aber beeindruckend ist es allemal. Seien Sie früh dort; die Schlangen sind so gewaltig wie der Palast.
chateauversailles.fr
16Der Schnee Ich bin kein Ski- oder Snowboardexperte, glaube aber, dass Frankreich diesbezüglich sehr gut aufgestellt ist. Nach meiner Erfahrung ist man auch in den kleinsten Ferienorten hilfsbereit und freundlich. In den Alpen gibt es viele aires, und man ist gut auf Wohnmobilisten eingerichtet, das heißt Sie können Ihr Wohnmobilabenteuer auch problemlos mit einem Snowboardabenteuer verbinden. Auch wir hätten das leicht tun können, haben uns aber dagegen entschieden.

17Die Rosa Granitküste Östlich von Roscoff liegt das Dorf Ploumanac’h, das im Jahr 2015 zum schönsten Dorf Frankreichs gekürt wurde. Dort zu parken, ist furchtbar schwierig, und die Straßen sind eng, aber hinter bretonischen Streifenhemden und mit Schokolade gefüllten Müslischalen versteckt sich ein Areal mit außergewöhnlichem rosa Granit, wo riesige wettergegerbte Gesteinsblöcke, die aussehen wie glitzernde Felstürme, versuchen, das Gleichgewicht zu halten, und kurz davor sind, ins smaragdgrüne Meer zu stürzen. Es gibt dort auch einen Leuchtturm sowie Häuser und Kirchen aus dem gleichen Gestein. Man könnte sagen, dass sich hier das Epizentrum eines wirklich fantastischen Gebietes mit rosa Granit befindet, das Sie unbedingt besuchen sollten.
18Himmlischer Mont-Saint-Michel Mit seinen himmlischen Turm spitzen und Strebebögen ist der Berg des heiligen Michael ein Schiff aus filigran geschliffenem Granit, das in einem Meer aus Schlick und Wasser segelt. Hier ist es sehr voll, und man fühlt sich zeitweise wie in einem Shrek-Themenpark, aber es ist trotzdem atemberaubend, unglaublich und wunderschön. Der Anblick aus vielen Kilometern Entfernung über die Salzwiesen hinweg wird Sie in seinen Bann ziehen. Man kann ihm einfach nicht widerstehen. Also, fahren Sie hin und essen Sie dort zu Mittag. Bringen Sie es endlich hinter sich..
19Kommunale Campingplätze Auch wenn viele sicher nicht mit dem Öko-Vibe von Huttopia mithalten können, gibt es keinen Grund, kommunale Campingplätze nicht zu mögen. Fast jede Stadt hat einen. Sie haben oft bis spät im Jahr geöffnet, verfügen über gute, zuverlässige Einrichtungen und sind alle ganz unterschiedlich. Verglichen mit den großen Fünf-Sterne-Anlagen sind sie sehr preiswert. Man zahlt nur ein paar Euro mehr als auf einer aire, dafür gibt es aber Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten für das Wohnmobil, nette Leute und eine anständige Dusche.
20Die Höhlenmalereien der Dordogne Die nachgebildeten Malereien in Lascaux sind wirklich etwas Besonderes. Das Gebäude ist ebenfalls etwas Besonderes, und die Art und Weise, wie das alles realisiert wurde, ist auch etwas Besonderes. Man vergisst, dass man es mit Kopien zu tun hat. Vergessen Sie aber bloß nicht, vorab zu buchen, sonst kommen Sie vielleicht nicht hinein, so beliebt ist das Museum.
21Die fünf Söhne von Carcassonne treffen Diese fünf Burgen sind bemerkenswert, ganz einfach aufgrund ihrer Lage. Sie können den verfallenen Bergfried an einem beliebigen Wochentag »einnehmen«. Haben Sie erst die in den Stein gehauenen Stufen erklommen, die dafür gemacht sind, den Aufstieg so mühevoll wie nur möglich zu gestalten, werden Sie es umso mehr zu schätzen wissen, wenn Sie durch die Zinnen auf die unter Ihnen liegenden Berge spähen können. Von hier aus sieht man Ankömmlinge auf anderthalb Kilometer Entfernung.

EIN WOHNMOBIL ODER EINEN CAMPINGBUS MIETEN
Sie haben kein Wohnmobil? Dann mieten Sie eins.
Auch wenn Sie weder Campingbus noch Wohnmobil haben, müssen Sie keinesfalls darauf verzichten, Frankreich auf dem Slow Road zu bereisen. Ein Fahrzeug zu mieten ist einfach, relativ preiswert, und Sie haben zwei Optionen. Welche ist für Sie die beste?
Im Heimatland mieten
Wenn Sie Ihr Wohnmobil in Ihrem Heimatland mieten, haben Sie die Möglichkeit, das Fahrzeug mit nach Hause zu nehmen und es dort zu beladen und auszurüsten. Außerdem sparen Sie Geld für Flüge, was billiger sein kann, wenn Sie zu mehreren sind.
•Vergessen Sie nicht, dem Vermieter mitzuteilen, wohin Sie fahren, und besorgen Sie sich die richtige Versicherung sowie die richtigen Papiere für Frankreich.
•Denken Sie an eine Reiseversicherung.
•Stellen Sie sicher, dass man Ihnen nicht die gefahrenen Kilometer berechnet.
•Stellen Sie sicher, dass Sie den richtigen Führerschein besitzen.
•Prüfen Sie, ob Sie die richtigen Adapter und Anschlüsse für Frankreich dabeihaben.
Europas größter Anbieter von Wohnmobilen operiert in 15 europäischen Ländern und mehr als 40 Städten (darunter auch viele in Deutschland). Sie Fahrzeuge können beispielsweise auch in Deutschland gemietet und in Frankreich zurückgegeben werden: www.indiecampers.de
In Frankreich mieten
Wenn Sie in Frankreich mieten, hat das den Vorteil, dass Sie nicht erst durch Ihr Heimatland – und einen Teil Frankreichs – fahren müssen. Ohne Wohnmobil kommen Sie unter Umständen schneller an Ihr Urlaubsziel und haben dort mehr Zeit, um die dortigen Sehenswürdigkeiten zu entdecken.
•Stellen Sie sicher, dass das Wohnmobil über alles verfügt, was Sie benötigen (Teller usw.), und Sie nichts selbst mitbringen müssen.
•Stellen Sie sicher, dass Sie den richtigen Führerschein besitzen.
•Stellen Sie sicher, dass es Transfers zur und von der Verleihstation gibt.
•Einige Verleihfirmen, wie Hertz, bieten die Möglichkeit, den Wagen an einer Station abzuholen und an einer anderen wieder abzugeben. Hertz hat 25 Verleihstationen in Frankreich. www.trois-soleils.com
•Einige Firmen bieten eine europaweite Vermietung in mehreren Ländern an. www.mcrent.de
Vergleichsportale durchsuchen
Diese Portale vergleichen Preise und Standorte verschiedener Anbieter, um Ihnen diese Arbeit abzunehmen. Auf Budget Campervans zum Beispiel können Sie alle verfügbaren Verleih-Wohnmobile finden.
•rentals.budgetcampervans.com/
•www.camperdays.de
•www.camperscanner.com/
•www.campervans.com/
•www.autoeurope.co.uk/

MEINE ZEHN LIEBLINGSCAMPINGPLÄTZE

Sie suchen einen schönen Campingplatz? Hier sind meine Top Ten. Denken Sie aber daran, dass ich nicht sämtliche französische Campingplätze besucht habe und im Allgemeinen kleinere, unabhängige und ausgefallene Anlagen bevorzuge. Dies ist also keine endgültige, in Stein gemeißelte Liste. Aber sie ist schon mal ein guter Anfang..
1Perfekt zum Schwimmen: Camping du Lac de Narlay
Eine tolle Anlage auf einem Hügel, der sanft zum See hin abfällt. Der Lac de Narlay ist ein himmelblaues Wunder – großartig zum Schwimmen und Kajakfahren. Wer einen Stromanschluss wählt, bekommt einen ebenen Stellplatz, ansonsten gilt freie Platzwahl. Näheres auf Seite 180.
2Perfekt zum Abkühlen an einem heißen Tag: Camping du Brec, Entrevaux
Ein am See gelegener Campingplatz mit einem eigenen Plätzchen am Wasser, das ganz allein den Gästen gehört. Die Besitzer stellen Kajaks und SUPs zur Verfügung, und die Bar ist direkt am Wasser. Die Stellplätze haben eine gute Größe, und es ist richtig nett dort. Wir haben es sehr genossen. Näheres auf Seite 215.
3Perfekt, um vom Wohnmobil aus direkt ins Meer zu fallen: Le Camp du Domaine, Le Lavandou
Okay, dieser Campingplatz ist groß. Sehr groß. Wenn Sie aber einen Stellplatz am Strand buchen, dann sind sie so nah am Wasser, wie es nur irgend geht. Das ist zwar nicht billig, aber es gibt dort einfach alles, was man braucht, inklusive eines Sonnenschirms. Wenn Sie morgens aufwachen, brauchen Sie nur noch Ihr Badezeug anzuziehen und sich ins Mittelmeer zu stürzen. Sie schwimmen vor dem Frühstück einmal um die Bojen herum und holen sich dann ein pain vom Bäcker auf der Anlage. Näheres auf Seite 234.
4Perfekt, um auf die Gesundheit anzustoßen: Camping d’Épernay
Dies ist einer der schönsten kommunalen Campingplätze, die wir kennengelernt haben. Er liegt direkt am Fluss und verfügt über ein Restaurant, einen Kajakverleih und Sporteinrichtungen. Man ist schnell mit dem Rad in der Stadt – und kann sich dort Schampus hinter die Binde gießen. Außerdem ist der Platz eine gute Ausgangsbasis, um die Champagnerhäuser in der Region zu erkunden. Näheres auf Seite 137.

5Perfekt, um vorm Frühstück surfen zu gehen: Camping de la Côte d’Argent, Hourtin Plage
Es wird Sie eine Menge kosten, und wehe, wenn Sie nicht im Voraus gebucht haben! Aber abgesehen davon ist dies genau der richtige Campingplatz für alle reisenden Surfer (und ihre Familien), die im Campingbus zu Hause sind und mehr brauchen als einen Parkplatz. Es gibt einen fantastischen Poolkomplex für die Kinder sowie Bars und Ausgehmöglichkeiten für die Eltern. Außerdem sind es zu Fuß nur vier Minuten zum Strand. Perfekt, um frühmorgens surfen zu gehen und danach ein Croissant zu genießen. Näheres auf Seite 370.

6Perfekt für Paris: CityKamp Paris
Genau genommen gibt es nicht viel anderes zur Auswahl, wenn man Paris mit dem Wohnmobil besuchen möchte. Doch trotzdem findet man in dieser Anlage keine Spur von Vernachlässigung oder Selbstgefälligkeit. Die Stellplätze sind anständig, und mit dem Bus oder der Métro erreicht man schnell die Innenstadt. Wenn Sie die Stadt erkunden wollen, ist dieser Campingplatz genau das Richtige. Näheres auf Seite 120.

7Perfekt für Wintersportler: Camping Huttopia, Bourg-Saint-Maurice
Die Huttopia-Campingplätze sind bewährt, ansprechend gestaltet und haben ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Diese Anlage bietet eine Gratis-Busverbindung zur Zahnradbahn nach Les Arcs zu den Skiliften. Sie müssen also nicht selbst über die Gebirgsstraßen fahren. Es gibt einen Trockenraum, einen Supermarkt gegenüber, und die Stadt ist nur eine kurze Fahrt entfernt. Näheres auf Seite 196.
8Perfekt zum Wandern und um Naturwunder zu erleben: Camping La Bergerie, Gavarnie
Diese kleine Anlage ist nicht für riesige Wohnmobile und größere Campingbusse geeignet, doch wenn Ihr Fahrzeug hineinpasst, wird es Ihnen gefallen. Direkt an einem Fluss gelegen, ist es der letzte Campingplatz vor dem Cirque de Gavarnie. Ein wunderbares Fleckchen. Näheres auf Seite 402.
9Perfekte Aussicht: Panorama du Pyla, Pyla
Vielleicht müssen Sie ein wenig manövrieren, um hineinzukommen, aber es lohnt sich. Die Aussicht über die Bucht von Arcachon nach Cap Ferret ist großartig. Die Anlage hat außerdem direkten Zugang zur Grande Dune du Pilat, Europas größter Sanddüne. Es ist also nur ein kleiner Spaziergang hoch zum Gipfel dieses Silizium-Monsters. Es gibt auch einen Pool, Sachen für Kinder und eine Bar, ebenfalls mit tollem Blick. Näheres auf Seite 380.

10Perfekt für die Loire: Camping Chaumont-sur-Loire
Direkt am Fluss gelegen, ist dieser erstklassige Campingplatz auch perfekt für Sonnenuntergänge, heiße Tage und um die Schlösser zu erkunden. Für die Stellplatzvergabe gilt freie Platzwahl, aber das ist ganz nach unserem Geschmack. Seien Sie einfach früh dort, und schnappen Sie sich einen Platz direkt am Fluss. Näheres auf Seite 335.
FRANKREICH C’EST EXTRA!
Frankreich ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Etwas, das ich im Laufe der Jahre immer mehr zu schätzen gelernt habe, ist, dass es dort so viele wunderschöne Orte gibt. Einige von ihnen sind von der Regierung mit dem Gütesiegel »Grand Site de France« als außergewöhnlich ausgezeichnet worden, wie etwa Versailles. Und dann gibt es da noch die von der UNESCO klassifizierten Orte, wie Mont-Saint-Michel, die zu den außergewöhnlichsten der Welt gehören. Noch eine Klasse höher angesiedelt sind die World Heritage Sites, wie Carcassonne, die zu den bedeutendsten weltweit gehören, vergleichbar mit den Pyramiden oder Stonehenge.
Und trotzdem hat Frankreich so viele Städte und Dörfer, die kaum erwähnt werden, die in Reiseführern nur mit ein paar Zeilen Erwähnung finden, die einen einzigen Stern im Michelin-Führer erhalten und doch außergewöhnlich schön sind. Wenn sich diese Orte in Großbritannien befänden, würde man sie als Attraktionen allererster Güte ansehen, in einer Reihe mit Dörfern in den Cotswolds, einem Touristenhotspot in Yorkshire oder einer schottischen Goldmine.
Nehmen Sie zum Beispiel Turenne. Mit seiner Burg, die hoch oben auf einem Felsen thront, und Häusern aus cremefarbenen Steinen und mit geometrischen Schieferdächern, die aussehen, als würden sie den Berg hinunterpurzeln, ist es einen Zwischenstopp wert. Als wir dort aufwachten (direkt neben dem Dorf gibt es eine kostenlose aire), wurde die Burg von der Morgensonne angestrahlt, während das Tal wolkenverhangen war. Es sah so aus, als würde das Dorf auf einem dunstigen Meer dahintreiben.
Turenne hat ein paar Restaurants, ein Hotel, einige Geschäfte für Touristen, einen Laden mit Kunsthandwerk, eine Apotheke und einen Supermarkt. Der Marktplatz ist von gestutzten Platanen gesäumt, und eine steile, mit Kopfstein gepflasterte Straße führt zur Burg hinauf. Die Autos müssen sich um den Felsen herumschlängeln, vorbei an Festungsmauern und vornehmen alten Häusern, von denen einige restauriert sind, andere nicht. Das alles ist so typisch französisch, wie ich als Engländer es eben beschreiben kann, und so außergewöhnlich schön: Hier aufzuwachen ist fantastisch. Und doch ist dieses Dorf nur eines von vielen hübschen französischen Dörfern.
Und genau das ist das eigentlich Außergewöhnliche.
REGIONALE SPEZIALITÄTEN

Frankreich ist ein großartiges Reiseziel für Leute, die gern essen. Es gibt gute Zutaten im Überfluss, und sogar die Supermärkte verkaufen mehr regionale Produkte als anderswo. Obst und Gemüse sind entsprechend ihrer Herkunft gekennzeichnet. Auch die lokalen Märkte (jede Stadt hat einen; achten Sie auf entsprechende Schilder, wenn Sie hineinfahren) ermöglichen die Versorgung mit lokalen Produkten und regionalen Spezialitäten..
Die meisten Regionen haben irgendein typisches Gericht, Erzeugnis oder eine spezielle Handwerkskunst, die sie auszeichnet, und es gibt in Frankreich etwa 200 Produkte mit geschützter Ursprungsbezeichnung, hier AOP genannt (appellation d’origine protégée). Produkte mit dieser Bezeichnung (wie etwa Camembert) dürfen nicht außerhalb der Region hergestellt worden sein, dadurch behalten sie ihren Stellenwert. Das System ist vergleichbar mit der Zertifizierung appellation d’origine contrôlée, die für Wein benutzt wird, und schützt den Markt für jedes einzigartige Produkt.
Die jeweilige lokale Spezialität ausfindig zu machen, ist nicht gerade schwer, besonders in der Champagne. Viele Läden sind auf regionale Produkte spezialisiert, besonders in den Touristenzentren, ob es nun Foie gras und Kastanien in der Dordogne sind oder Wein im Elsass. Nach diesen Produkten auf die Jagd zu gehen, macht den Einkauf zum Vergnügen – und den Frankreichurlaub vielseitiger, bunter und schmackhafter!

DER NORDEN
Von den rosa Granitfelsen und Buchten der Bretagne über das Wattenmeer, welches das ätherische Granitschiff Le Mont-Saint-Michel umgibt, bis hin zu den erinnerungsträchtigen Stränden, an denen die Alliierten einst landeten, und den von Kreidefelsen und Feuerstein gesäumten Buchten von Hauts-de-France hat Nordfrankreich viele Gesichter. Auch im Inland gibt es Glanz, Herrlichkeit und Sehenswürdigkeiten, inklusive Paris, dem Nantes–Brest-Kanal und dem mächtigsten aller französischen Flüsse, der Seine.


ROUTE
01
CALAIS-ÉTRETAT
DIE KANALKÜSTE
AKTIVITÄTEN: Schwimmen, Wandern, Dörfer und Städte entdecken
START: Calais
ZIEL: Étretat
ENTFERNUNG: 276 Kilometer
ZEIT: 3 oder 4 Tage
KARTE (SEITE): 2, 6, 11, 10, 20, 19, 18
Wenn es Sie interessiert, wie England vor 50 oder mehr Jahren aussah, dann begeben Sie sich zu den Kreideklippen an Frankreichs Kanalküste. Zwischen den weißen Pfeilern aus Fels und Feuerstein finden Sie verschlafene Dörfer voller Blumen, die von Frankreichs berühmtesten Malern und Künstlern geschätzt wurden, und weite Meeresbuchten, in denen sich eine Wattlandschaft voller Meerfenchel offenbart. Hier fährt es sich ganz hervorragend, und diese Tour ermöglicht ein entspanntes Mäandern über die Ebenen oberhalb der Klippen, hinein in üppig bewachsene, waldreiche Täler und an Kiesstrände, die von hohen Kreidesäulen bewacht werden.

Ich stehe vor der Rückseite eines Apartmentblocks an der Strandpromenade von Le Touquet und versuche mich daran zu erinnern, in welchem der Ein-Zimmer-Apartments ich im Jahr 1999 vier Monate verbracht habe. Es war das Jahr der totalen Sonnenfinsternis. Ich erinnere mich an ein großes Fenster, eine winzige Terrasse und den Ausblick auf eine unscheinbare, düstere Seitenstraße sowie einen Teil des Gartens einer ehemals prächtigen Strandvilla. Irgendwann einmal hatte die Villa wahrscheinlich eine tolle Aussicht aufs Meer gehabt, aber der Bau der Apartmentanlage sorgte dafür, dass diese für immer und ewig von tristen braunen Backsteinen versperrt war.

Warum war ich damals hier? 1999 (bevor ich dann feierte, als wäre es das bereits erwähnte Jahr) verbrachte ich einige unangenehme Monate beim Dreh einer TV-Serie mit dem Titel Monsignor Renard. Die Rolle des Renard spielte der wunderbare John Thaw (auch als Inspector Morse bekannt), und es ging um das von den Deutschen besetzte Frankreich. Die Serie wurde größtenteils in einer Stadt namens Saint-Valery-sur-Somme gedreht. Ich war, zusammen mit dem größten Teil der Crew, in Le Touquet untergebracht, wo es genügend Unterbringungsmöglichkeiten (oder besser gesagt: billige Unterbringungsmöglichkeiten) für uns alle gab. Jeden Morgen gegen 5 oder 6 Uhr erhob ich mein noch weinseliges Haupt, setzte mich ins Auto und fuhr 60 Kilometer, um zahllose Statisten aus der Umgebung sowie unsere englischen und deutschen Schauspieler aufzulesen und durch Maske und Kostüm zu schleusen. An manchen Tagen mussten wir bis zu 100 deutsche Soldaten und Leute aus der Stadt für den Dreh fertigmachen, deshalb blieb mir kaum Zeit, um mich mit der Umgebung zu beschäftigen.
Ich arbeitete von einem Container aus, der auf dem Marktplatz von Saint-Valery stand, fast ohne meine Außenwelt wahrzunehmen – bis auf die wenigen Momente, wenn wir die Statisten in die Stadt brachten. Das versetzte die Einheimischen, die sich noch an die Deutschen erinnern konnten, in Schockstarre, weil ihre Alpträume wieder lebendig wurden. Was sie wohl am Tag der Sonnenfinsternis dachten! Ich erinnere mich an 30 Statisten in deutschen Soldatenuniformen, die Sonnenschutzbrillen trugen, um die Sonne zu beobachten, während die Arbeit ruhte. Es war zeitweise wirklich seltsam, aber sicher nicht so leidvoll wie 1940, als 10.000 alliierte und französische Soldaten hier gefangen genommen und in deutsche Kriegsgefangenenlager gebracht wurden.
Heute, auf meinem Slow-Road-Abenteuer von Calais nach Étretat, bin ich auch gekommen, um mir diesen Teil Frankreichs endlich richtig anzusehen, gewissermaßen unter »friedlicheren Umständen«. Ich möchte die Mohnblumen an den Feldrändern sehen und beobachten, wie der Wind durch den Weizen weht, während ich vorbeifahre, statt mir Gedanken darüber zu machen, ob die Schauspieler pünktlich sind oder ich nicht etwa vergessen habe, den Panzer für den heutigen Dreh zu buchen.
Le Touquet ist schäbiger als in meiner Erinnerung. Es ist nicht so nobel, wie es mir aus der zeitlichen Distanz erschien. Die Altstadt ist zwar hübsch, aber der Strand, der zwischen den Weltkriegen so viele Engländer angezogen hat, ist völlig verbaut und einfach nur hässlich. Die wenigen Strandvillen aus dem 19. Jahrhundert, die zwischen den Wohnblocks überlebt haben, leisten den Horden geschmackloser Touristen noch recht elegant Widerstand, aber ich glaube, eines Tages werden auch sie den Stadtentwicklern zum Opfer fallen. Wir radeln durch die Stadt und dann am Strand zurück durch das am nördlichen Rand der Stadt gelegene Naturschutzgebiet. Hier sieht es ganz anders aus. In den Dünentälern am Rand des Waldes ist es still und hübsch. Auf der einen Seite befinden sich Meer und Küstenwald – eine struppige Kombination aus Sanddorn und Birken –, während sich auf der Inlandseite Kiefern durchgesetzt haben. Wir radeln auf der hölzernen Promenade zu einem Aussichtspunkt, wo wir das Mündungsgebiet der Somme überblicken können. Eine Robbe dümpelt im Wasser, und das schlickige Watt erstreckt sich in die Ferne. Die aire ist ganz in der Nähe, sie grenzt an den Segelclub und ein kleines Restaurant am Fluss. Wir wandern hinunter ins Watt und entdecken dort Meerfenchel – ein hellgrüner Teppich kurzer, kräftiger Sukkulenten. Ich pflücke ein Stück davon ab und probiere es. Ich finde es großartig. Es ist salzig und frisch und schmeckt nach See. Wenn ich nicht schon hier wäre, könnte ich mich mit nur einem winzigen Bissen davon hierher teleportieren.

Als wir in Saint-Valery-sur-Somme eintreffen, erkenne ich es kaum wieder. Es ist voller Touristen und strotzt nur so vor Blumenarrangements. Wir parken außerhalb der Stadt und fahren dann mit dem Rad wieder hinein, am Canal de la Somme entlang. Dabei folgen wir den Schienen der Dampfeisenbahn, die die Stadt mit dem Naturschutzgebiet auf der anderen Seite der Bucht verbindet. Wir fahren am neuen Teil der Stadt vorbei und direkt in die kleine ummauerte Zitadelle hinein.
Sofort bin ich wieder in der Vergangenheit. Wir entdecken den Platz und das Stadttor, durch das all meine Schauspieler damals hindurchgegangen sind. Auch Johanna von Orléans ist durch diese Mauern geschritten, weil sie hier gefangen gehalten wurde, bevor man ihr in Rouen den Prozess machte und sie dann auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Der Platz hat sich zum Glück nicht verändert, und die Gebäude – eine zeitlose Mixtur aus Backstein, Feuerstein und Holz – wachen über die darunter stehenden Platanen. Als Lizzy sich hinsetzt, um einen Anruf entgegenzunehmen, habe ich einen Flashback: Auf diesen Stufen habe ich damals gesessen, als das Mädchen, mit dem ich vor meiner Abreise zusammen war, mit mir Schluss machte. Im Ausland an einem Film mitzuarbeiten, hört sich toll an, aber es hat nichts Glamouröses, wenn man nach einer 100-Stunden-Woche verlassen wird, noch dazu in einem fremden Land, und wegen des nächsten Arbeitstages so gestresst ist, dass man ohne eine halbe Flasche Rotwein nicht einschlafen kann.


Wir stellen unsere Räder ab und wandern in die ummauerte Stadt hinein. Es ist genauso, wie ich es in Erinnerung habe. Hier hat Renard einen Hobbit attackiert (oder wenigstens einen Schauspieler, der später einen Hobbit gespielt hat), hier wurde der Hobbit von den Deutschen erschossen, hier wurde dem Mädchen, das mit dem Feind kollaboriert hatte, der Kopf geschoren, hier stand John Thaws Trailer. Hier ist das Café der Résistance, das von der Schauspielerin in mittleren Jahren geführt wurde, in die ich verliebt war. Hier wurde dem deutschen Kommandanten vom französischen Bürgermeister das Rathaus übergeben. Es muss für die Einheimischen zugleich merkwürdig und verwirrend gewesen sein, dass wir hier auftauchten und einen schmerzlichen Teil ihrer Geschichte wieder aufführten. Wenigstens war John Thaw ein perfekter Gentleman.
Wir entfernen uns vom Platz und laufen in das Wirrwarr der Straßen hinein, die die ummauerte Stadt durchziehen. Unter unseren Füßen knirscht der Kies, und die Sonne wärmt uns den Rücken, während ich Teile der Stadt entdecke, die mir vorher nie aufgefallen waren. Gigantische Stockrosen in allen Farben wachsen aus jeder Mauerritze, ebenso Mohnblumen, Gänseblümchen, Salbei und Nachtkerzen. Blumenkästen voller Geranien und Ringelblumen kontrastieren mit den Feuersteinmauern und dem farbigen Fachwerk der kleinen Häuser, deren Hausnummern auf blauen Emailleschildern stehen.

Saint-Valery-sur-Somme ist einfach fantastisch. Wir radeln über Nebenstraßen, dann den Berg hinunter und ins Watt, wo wir ein Restaurant finden, in dem es Mittagessen gibt: riesige Muscheltöpfe und Pommes frites mit Meerfenchel. Wir setzen uns und nehmen uns Zeit, beobachten die Seevögel und die Kinder, die auf einem sandigen Platz Fußball spielen, lassen unsere Blicke über die Flussmündung und die verschiedenen Schichten der Landschaft schweifen. Da ist ein purpurner Schimmer, den kleine Büschel von seltenem niedrigwüchsigem Lavendel erzeugen, eine Schicht von grünem und eine Schicht von hellgelbem Sand vor dem Blaugrün der Flussmündung und dem Blau des Kanals dahinter. Über uns halten die kolossalen Mauern der Zitadelle Wache, wie sie es immer getan haben und immer tun werden. Plus ça change.

DAS FAHREN
Wenn Sie Calais auf der D940 verlassen, kommen Sie durch Blériot-Plage und dann nach Sangatte, bekannt durch das Camp. Die Straße verläuft hier nah am Meer, und der Strand ist hübsch, mit riesigen Buhnen und einem Teppich aus Hornklee, Mohnblumen, Wilder Karotte, Wicken und grau-purpurnen Stranddisteln. Die Straße steigt hoch nach Cap Blanc-Nez und dann nach Cap Gris-Nez sowie zum Leuchtturm. Dieser tolle Straßenabschnitt ist ein guter Beginn für die Reise, und in Richtung Cap Gris-Nez, vor Wissant, ist die Aussicht fantastisch. Südlich der Caps kommen Sie durch einige Ferienorte, bevor Sie einen Halt in Pointe aux Oies einlegen, wo man sehr gut am Strand spazieren gehen und die Kitesurfer beobachten kann. Ein großer Parkplatz ermöglicht einen Stopp zum Mittagessen.
Die Weiterfahrt auf der D940 führt Sie nach Wimereux, vorbei an einem riesigen Bunkerkomplex, der Teil von Hitlers Atlantikwall war, in Terlinctrum und dann nach Boulognesur-Mer. Während Sie immer noch der D940 folgen, erreichen Sie südlich von Boulogne ein Gebiet mit Dünen und Küstenwald, durchsetzt von landwirtschaftlichen Flächen. Ein Zwischenstopp in Hardelot-Plage führt Sie durch den Wald zu einem vornehmen und schicken Ferienort mit riesigen Häusern, die zwischen Kiefern stehen.
In Étaples überqueren Sie dann den Fluss und fahren weiter auf der D940 nach Le Touquet oder daran vorbei.
Die aire in Le Touquet ist schön, sie liegt außerhalb der Stadt am Fluss, und die Bucht ist hübsch. Wandern Sie durchs Watt und sehen Sie sich den Meerfenchel an, die Salzastern, Strandsoden und vielleicht sogar ein paar Robben im Wasser – eine gute Gelegenheit, um Vorbeikommenden »phoques!« (»Robben«) zuzurufen.
Obwohl es bei einer gehobenen Schicht von Engländern immer noch beliebt ist, wirkt Le Touquet heute ein wenig heruntergekommen. Es gibt zwar immer noch die Versacetragenden, Porsche-Cayenne-fahrenden Männer mittleren Alters mit Pferdeschwanz, aber irgendwie ist der Lack ab. Vielleicht liegt es an der durch Apartmentanlagen verschandelten Promenade. Dazwischen kann man immer noch ein paar alte Villen finden. Wenn Sie sehen wollen, wie es auch hätte laufen können, machen Sie einen Umweg nach Mers-les-Bains, einen kleinen Badeort kurz vor Le Tréport. Dort können Sie einige beeindruckende Beispiele französischer Bäderarchitektur bewundern, die vor dem Abriss bewahrt wurden.
Hinter Le Touquet führt die Straße an einem Vergnügungspark vorbei und durch ein paar weniger interessante Orte, bevor eine andere Art von Küstenlandschaft beginnt. Hier im marais-Hinterland hinter der Grande Dune und dem Vogelschutzgebiet Parc du Marquenterre gibt es Kiesgruben und Seen, hohe Weidenhecken und wogende Gerstenfelder. In Le Crotoy trifft die Straße auf die Somme und folgt dem Nordufer um die Baie de Somme herum, überquert den Fluss und spuckt Sie in Saint-Valery-sur-Somme aus. Wir haben außerhalb am Somme-Kanal geparkt, aber es gibt auch kostenlose Stellplätze in der aire de camping car. Die Stadt ist belebt und nicht für Wohnmobile geeignet. Wenn man stattdessen mit dem Rad am Kanal entlang hineinfährt, kann man die tolle Aussicht über die Bucht genießen.

Hinter Saint-Valery führt die D940 weiter in Richtung Le Tréport und Dieppe. Man fährt durch Flachs- und Gerstenfelder, die mit Mohnblumen gesäumt sind. Auch wenn der Weg durch Tréport eine Herausforderung ist – folgen Sie der D940 in die Stadt hinein und wieder hinaus nach Süden, bis Sie auf die D925 stoßen, das nächste wunderschöne Straßenband, das Sie im Nu weiter nach Süden in die Stadt Dieppe bringt. Die D75 führt an der Küste entlang. Sie können ihr bereits ab Dieppe folgen, aber am einfachsten ist es, wenn Sie die Stadt auf der D925 erst wieder verlassen, nach rechts auf die D153 in Richtung Pourville-sur-Mer abbiegen und dann nach links auf die D75. Diese Küstenstraße ist traumhaft und führt oben über die Kreideklippen, durch wunderschöne bewaldete Täler und verschiedene am Meer gelegene Dörfer. Das letzte davon ist Veules-les-Roses, ein hübscher Ort mit Häusern, die von Glyzinien bewachsen sind. Dort kann man herrlich am Fluss spazieren gehen, und die Strandpromenade ist großartig. Das Dorf beherbergt Frankreichs kürzesten Fluss sowie Beete mit Brunnenkresse, stillgelegte Mühlen und reetgedeckte, von Blumen umgebene Häuschen. Victor Hugo hat sich hier oft aufgehalten.

Hinter dem Dorf führt die D75 wieder zurück zur D925 und nach Saint-Valeryen-Caux (»Saint-Valery in der Kreide«), eine traumhafte Stadt mit einem geschäftigen Yachthafen, Restaurants, einem Strand und einer fantastischen, wenn auch überlaufenen, aire. Als wir im Winter dort waren, war sie geschlossen, weil die Brandung über die Strandmauer schlug und die Flut ungewöhnlich hoch war. Wenn Sie Saint-Valery-en-Caux verlassen, bringt die D925 Sie an der Küste entlang nach Cany-Barville, wo Sie nach rechts auf die D10 abbiegen können, die Sie schließlich zur Küstenstraße D79 führt. Auf ihr geht es in einem fantastischen Auf und Ab hinunter ins landwirtschaftlich genutzte Flachland und durch mit Buchen bestandene Täler, an deren Ende Sie meist Küstendörfer mit herrschaftlichen Strandvillen finden, die aus Feuerstein oder Backsteinen bestehen und mit Schmiedearbeiten und türmchenförmigen Erkern verziert sind. Der Strand in Saint-Pierre-en-Port lohnt einen Zwischenstopp. Dort gibt es einen großen Parkplatz mit Blick auf den Strand (auf dem man leider nicht übernachten darf). Stellen Sie sich die Südküste von Kent oder Sussex vor, bevor die großen Seebäder wie Eastbourne, Hastings und Brighton gebaut wurden, dann haben Sie eine Vorstellung davon. Es ist grün, interessant, hübsch und toll zum Fahren. Mit vielen Haltemöglichkeiten zum Schwimmen, Wandern und Essen.


STELLPLÄTZE: CAMPING
An dieser Küste gibt es eine große Auswahl an Stellplätzen. Wir waren hier::
| Camping Les Mouettes, Veules-les-Roses Avenue Jean Moulin, 76980 Veules-les-Roses, Seine-Maritime Internet: vacances-seasonova.com/fr/camping/camping-les-mouettes Tel.: 0033/2 35 97 61 98 | Sehr angenehmer Drei-Sterne-Campingplatz mit benachbarter aire du camping car. 10 Euro/Nacht für die aire inklusive Nutzung von Anlagen, Sanitäreinrichtungen und Pool. Kurzer, steiler Weg ins Dorf mit Restaurants und Strand. |
| Camping Municipal Étretat, Étretat 69 Rue Guy de Maupassant, 76790 Étretat, Seine-Maritime Internet: www.campingfrance.com/de/suchen-sie-ihren-campingplatz/normandie/seine-maritime/etretat/camping-municipal42 Tel.: 0033/2 35 27 07 67 | Großartiger, weitläufiger kommunaler Campingplatz mit sauberen Anlagen und gutem Zugang zum Dorf, obwohl ein Fahrrad sinnvoll wäre, da der Strand einen Kilometer entfernt ist. Schöne Spaziergänge möglich. |
STELLPLÄTZE: AIRES DE CAMPING CAR
Sangatte: Direkt neben dem berüchtigten Camp, aber mit tollem Meerblick und schönen Wildblumen. Die Buchten sind mit Zäunen aus Kastanienholz abgetrennt. Keine Grauwasserentsorgung, nur Mülleimer.
Le Touquet: Weitläufig und mit toller Lage am Rand der Flussmündung beim Segelclub. Mit angeschlossenem Restaurant. 17 Euro für 23 Stunden und 2 Euro für Wasser.
Étretat: Direkt neben dem kommunalen Campingplatz mit allen Versorgungseinrichtungen.
Saint-Valery-en-Caux: Traumhafte Lage zwischen Hafen und Strand, kann aber sehr voll sein. Wir waren im Winter dort, und da gab es viel Platz. Als wir im Sommer kamen, war es gerammelt und ölsardinenmäßig voll.
Veulettes-sur-Mer: Großartige Lage direkt neben dem Strand und dem Fluss in diesem netten kleinen Urlaubsort, gleich hinter der »Roten Brücke« (Pont Rouge).
Die D79 führt zurück auf die D925 und zu einer angenehmen Fahrt den Hügel hinunter nach Fécamp, einem geschäftigen Fischereihafen mit Strandpromenade. Beim Fluss wird die D925 wieder zur D940 und bringt Sie zum letzten Stopp Étretat – es sei denn, Sie möchten sich noch auf eine kurvenreiche Spritztour durch kleine Küstendörfer auf der D211 in Richtung Yport einlassen. In Étretat angekommen, nehmen Sie die D940 in Richtung Zentrum und biegen dann an der Kreuzung links ab zur aire de camping car oder zum kommunalen Campingplatz. Wenn Sie aus Versehen nach rechts ins Dorf abbiegen, erwartet Sie ein Albtraum. Glauben Sie mir. Stellen Sie Ihr Fahrzeug ab, steigen Sie aufs Fahrrad und schauen Sie sich die natürlichen Felsbögen an der Steilküste an, die Monet so stark inspirierten, dass er sie oft malte. Zum Glück haben die sich überhaupt nicht verändert. Wie so vieles an dieser Küste.
IN DER NÄHE
Phare du Cap Gris-Nez Ein ziemlicher Newcomer für Leuchtturm-Verhältnisse; die 31 Meter hohe Konstruktion wurde im Jahr 1958 gebaut. Mit großartiger Aussicht nach England und auf die französische Küste.
Musée du Mur de l’Atlantique – La Batterie Todt, Audinghen Mit Geschützen, die eine Reichweite von 42 Kilometern hatten, war dieser beeindruckende Teil von Hitlers Atlantikwall mehr als dazu in der Lage, über den Kanal zu feuern. Er wurde 1943 errichtet und fiel 1944 an die Kanadier. www.batterietodt.com
Musée 39-45, Ambleteuse Zwischen Calais und Wimereux gelegen, verfügt dieses Museum über Tausende von Artefakten aus dem Zweiten Weltkrieg, Nachbildungen und mehr als 100 verschiedene Uniformen, alle von Schaufensterpuppen getragen. www.musee3945.com
Veules-les-Roses Hier ist Frankreichs kürzester Fluss zu Hause (von der Quelle bis zum Meer sind es nur etwa 1,5 Kilometer). Ein bezauberndes Dorf, das unter anderem von Victor Hugo und den russischen Malern des 19. Jahrhunderts geschätzt wurde. Die Gründe sind offensichtlich: Es ist wunderschön, hat Atmosphäre und mit Glyzinien bewachsene Feuersteinvillen, Mühlräder sowie Beete voller Brunnenkresse. Auch gute Restaurants gibt es hier.
Le Touquet Einst das Mekka der Golf und Glamour liebenden Briten, ist es heute etwas heruntergekommen, aber vielleicht war es das schon immer. Apartmenthäuser aus den 1970er-Jahren säumen die Strandpromenade, Seite an Seite mit den letzten verbliebenen klassischen französischen Strandvillen.
Saint-Valery-sur-Somme Als eine der schönsten Ortschaften an dieser Küste, ist Saint-Valerie ein Kleinod. Die ummauerte Zitadelle ist still und bescheiden, mit schmalen Gassen voller Stockrosen, Nachtkerzen und Mohnblumen, riesigen Festungswällen, authentischen Gebäuden, am Fluss gelegenen Bars und Cafés sowie einer schönen Aussicht über die Somme-Mündung.
Nausicaá, Boulogne-sur-Mer Das größte Aquarium Europas befindet sich hier im Hafen von Boulogne. Es verfügt über Europas größtes Fischbecken mit 58.000 Lebewesen wie Hammerhaien und Mantarochen. www.nausicaa.fr


ROUTE
02
UTAH BEACH-OUISTREHAM
DIE D-DAY-STRÄNDE IN DER NORMANDIE
AKTIVITÄTEN: Aus der Geschichte lernen
START: Utah Beach
ZIEL: Ouistreham
ENTFERNUNG: 295 Kilometer
ZEIT: 4 oder 5 Tage
KARTE (SEITE): 32, 33
Es besteht kein Zweifel daran, dass die Landung der Alliierten in der Normandie am »D-Day« ein gigantisches tod- und freiheitbringendes Unternehmen war. Die Alliierten bauten neue Häfen, brachten Tausende von Männern an Land und begannen den Marsch nach Berlin, um den Zweiten Weltkrieg zu beenden. In den Museen und an den Schauplätzen vor Ort gibt es immer noch viel zu sehen und vieles, das zum Nachdenken anregt. Abgesehen vom Erfolg dieses unvorstellbaren Kunststücks an Planung und infrastruktureller Leistung, lehrt uns die Geschichte hier eine wichtige Lektion, nämlich wie wichtig die Erhaltung des Friedens ist. Zum Wohle aller.

Leichter Nieselregen fällt, als wir den Friedhof von Orglandes erreichen. Wir befinden uns im Landesinneren, etwa acht Kilometer von Utah Beach, dem nördlichsten der D-Day-Strände, entfernt. Unser Wagen ist der einzige auf dem Parkplatz, wo etwa zehn Fahrzeuge Platz haben, und im Dorf ist es still, bis auf ein paar weit entfernte Schreie, die von einem Fußballspiel herüberwehen, das irgendwo hinter den Feldern auf einem matschigen Spielfeld stattfindet. Wir betreten den Friedhof durch das Eingangstor. Die stählernen Pforten sind weit geöffnet.
Lizzy betritt das Gelände und sieht sich um. Der heutige Tag ist so etwas wie der Kulminationspunkt ihrer umfangreichen Recherchen. Sie hat die Chance, Ihrem Großvater zum ersten Mal gegenüberzutreten und ein wenig darüber herauszufinden, was er damals gesehen und empfunden haben mag, doch genau wird sie das nie wissen. In den 75 Jahren, die seit seinem Tod vergangen sind, ist vieles in Vergessenheit geraten. Vieles wurde auch nie bekannt, außer vielleicht den schrecklichen Nachwehen. Und wie soll man sich aus dieser Distanz heraus überhaupt mit den Erfahrungen eines anderen Menschen auseinandersetzen?

Sie biegt nach links ab und geht auf einen kleinen Tisch zu, auf dem ein großer blauer gebundener Einband liegt. Sie öffnet ihn und beginnt, die Seiten umzublättern. Jede einzelne enthält Dutzende von Namen, Daten und Nummern, die auf eine Grabstelle des Friedhofs verweisen. Die Namen sind alphabetisch geordnet. Lizzy schlägt unter »L« nach und findet schließlich Herbert Lindenau, ihren Großvater mütterlicherseits. Sein Todesdatum ist der 10. Juni 1944, vier Tage nach dem D-Day. Es gibt allerdings keine Zuordnung zu einer Grabstelle, nur den Zusatz »unter den Unbekannten«. Wir wissen, dass Herbert am 10. Juni als vermisst gemeldet wurde. Sein Leichnam wurde nie gefunden. Oder er konnte nicht identifiziert werden. Er war Fahrer bei der Marine, und man nimmt an, dass er mit seinem Lastwagen in die Luft gesprengt wurde. Es heißt auch, er habe während der Kämpfe einen Kameraden aus einem Hafenbecken gerettet. Er wurde nach seinem Tod befördert. Niemand kennt die Wahrheit, und trotz vieler Bemühungen, die Lizzy unternommen hat, um Briefe übersetzt zu bekommen, fürchten wir, dass diese nur die offizielle »Nazi-Version« der Wahrheit enthalten.


Wir gehen über den Friedhof. Es ist ein schöner, würdevoller Ort mit großzügig verteilten schwarzen Schieferkreuzen. Es gibt viele Tausende von ihnen, und sie sind vier oder fünf verschiedene Sektionen eingeteilt. Große Bäume stehen zwischen den Reihen: Kastanien und Eichen, die wahrscheinlich schon vorher hier waren.
Es stehen immer sechs Namen auf einem Grabstein. Einige Soldaten wurden noch nicht einmal 20 Jahre alt, und die meisten fielen am 6. Juni oder kurz danach. Viele Grabsteine tragen die herzzerreißende Inschrift »Ein unbekannter deutscher Soldat«. Später lesen wir, dass dies ursprünglich ein Friedhof für Angehörige aller Nationalitäten war, die alliierten Soldaten aber nach dem Krieg umgebettet wurden.
Die sterblichen Überreste der amerikanischen Soldaten wurden in ihre Heimat überführt oder nach Omaha Beach. Es heißt, dass in den Tagen nach dem D-Day etwa 200.000 deutsche Männer und Frauen ihr Leben verloren. Niemand kann das mit Sicherheit sagen.
Lizzy kniet vor einem der Kreuze, die an einen unbekannten Soldaten erinnern. Es könnte ihr Großvater sein. Oder auch nicht. Vielleicht ist er auch gar nicht hier. Der Regen wird jetzt stärker, und die Blätter werden vom Wind aufgewirbelt und zeigen ihre silberne Unterseite. Der Regen tropft von Lizzys Mütze und rinnt in Strömen an den Grabsteinen herunter. Sie beginnt zu weinen.
»Sie haben so weit weg von zu Hause gekämpft. Und wahrscheinlich haben sie nicht einmal an das geglaubt, wofür sie gekämpft haben. Aber trotzdem mussten sie es tun. Vielleicht hatten sie nur noch einander. Vielleicht haben Sie nur ihre Freunde verteidigt.«
Ich weiß, dass Lizzy jetzt auch an das Schreckliche denkt, das auf Herberts Verschwinden am 10. Juni 1944 folgte. Lizzys Mutter verlor mit 14 Jahren ihre Eltern; ihre Mutter war bereits 1943 an Krebs gestorben. Sie lebte danach bei ihren Großeltern, die beide ums Leben kamen, nachdem sie nach Kriegsende von plündernden Flüchtlingen angegriffen worden waren. Sie versteckte sich unterm Bett, als man ihren Großvater in die Hand schoss. Er starb später an seinen Wunden.

Die größte Tragödie des Krieges sind Geschichten wie diese, die sich hinter jedem Grabstein auf diesem Friedhof verbergen. Und auch hinter allen anderen auf den übrigen Friedhöfen, die sich an dieser Küste befinden. Die meisten Männer, die in Nordfrankreich begraben liegen, waren weit weg von zu Hause. Viele folgten nur ihrer Einberufung, kämpften widerwillig und hatten sicherlich Angst.


Wir fahren nach Utah Beach und verbringen die Nacht in der aire direkt hinter den Dünen. Am nächsten Morgen stehen wir bei Tagesanbruch auf und wandern am Strand entlang zum Museum. Der Strand ist flach, nichtssagend und weitläufig. Die Sonne hat keine Kraft, und es regnet leicht, während wir gehen. Wir laufen hinunter ans Meer, das ein paar Hundert Meter von den Dünen entfernt ist. Für die Soldaten, die hier damals an Land gingen, muss es ein weiter Weg gewesen sein, bis sie Schutz fanden. Sie mussten bei Ebbe durchs Wasser waten und dabei Minen, Stacheldraht und Kugeln ausweichen. Wir können das Ausmaß kaum ermessen. Wir finden irgendetwas Metallisches im Sand, es ist verbogen und korrodiert, praktisch unkenntlich. Dann gehen wir ins Museum, wo wir uns die Überreste eines Landungsbootes sowie Panzer und Artilleriegeschütze ansehen – die einträgliche Maschinerie des Krieges. Wir sind nicht gekommen, um den Tod von irgendjemandem zu glorifizieren, indem wir Panzer anstarren, deshalb setzen wir unsere Fahrt an der flachen, leeren und windgepeitschten Küste fort. Die Straße verläuft hinter Utah Beach landeinwärts und folgt der »Voie de la Liberté« (Straße der Freiheit) nach Carentan, um eine große Flussmündung herum und dann in Grandcamp-Maisy zurück ans Meer. Wir fahren so nahe an der Küste, wie es geht, vorbei an Dörfern mit cremefarbenen Häusern, durch Ackerland und an den Promenaden ruhiger Seebäder entlang. Die Küste ist überall voller Erinnerungen an die Vergangenheit, und an jedem Strand gibt es ein Museum, das dem Gedenken derer gewidmet ist, die dort gekämpft haben. In Geschäften sehen wir Postkarten mit Schwarz-Weiß-Fotografien alliierter Soldaten. Auf vielen prangen Überschriften wie »Danke unseren Befreiern«.
Wir befinden uns auf dem Amerikanischen Friedhof. Der Parkplatz ist im Gegensatz zum Deutschen Friedhof riesig, und wir werden zu unserem eigenen Bereich geleitet, der für Wohnmobile reserviert ist. Die Security ist streng, und alles ist sehr gepflegt und geordnet.
Wir nehmen uns Zeit für die Exponate, lesen alles, was es zu lesen gibt, und sind von fast allem gerührt. Es gibt eine Timeline des D-Day aus der Perspektive der Amerikaner und Alliierten, Filme und Fotos mit Details über die Vorbereitung, die unglaubliche zahlenmäßige Größenordnung und die logistischen Probleme, die eine solche Invasion mit sich brachte. Die ganze Zeit über verliest eine ernste Frauenstimme die Namen der 10.000 amerikanischen Armeeangehörigen, die draußen begraben liegen. Dies ist die Konstante, die immer im Hintergrund präsent ist: der Preis an Menschenleben. Ich denke an all die damit verbundenen Geschichten, all den Schmerz, die Sehnsucht und den Verlust. Wie die Leben all der Hinterbliebenen ohne Brüder, Väter, Onkel, Freunde, Großväter aussahen. Egal woher sie kamen, auf welcher Seite sie kämpften und woran sie glaubten – es ist unvorstellbar. Und dennoch: Wenn man auf der Gewinnerseite steht, verehrt die Nation die Gefallenen als Märtyrer, feiert ihr ruhmvolles Opfer, betreibt einen Heldenkult. Wenn man auf der Verliererseite gekämpft hat, im Namen von Dogmen, an die man vielleicht gar nicht geglaubt hat, leiden die Hinterbliebenen still, voller Scham für das Regime, unter dem man unglücklicherweise gelebt hat.


Lizzys Mutter ging nach England und wurde Krankenschwester. Als sie dann nach Deutschland zurückkehrte, traf sie Lizzys Vater, der dort seinen Wehrdienst ableistete. Als sie älter wurde, besuchte sie den Friedhof in Orglandes und fand den Namen ihres Vaters in dem großen Buch, das am Eingang des grünen Friedhofs liegt, wo die sterblichen Überreste Zigtausender junger Männer begraben sind.
Wo auch immer Herbert Lindenau jetzt liegt – wir hoffen, dass er keine Angst hatte.

DAS FAHREN
Die Strände des D-Day – Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword – wurden ausgesucht, weil sie in flachen, weiten Landschaften lagen, wo möglichst viele Fahrzeuge sehr schnell anlanden konnten. Deshalb bietet dieser Teil der Normandie auch keine dramatischen Fahrerlebnisse. Die geschichtlichen Ereignisse gleichen dies jedoch wieder aus. Die Dramatik liegt in der Art der ganzen Unternehmung von damals, in der Kühnheit, der Tapferkeit, dem Grauen und der Tragik einer Welt in Aufruhr. Diese Tour ist durch Relikte und Gedenkstätten gekennzeichnet, durch Museen und das, was von damals übriggeblieben ist. Hitlers Atlantikwall ist eine ewige Konstante: Immer wieder stößt man auf Bunker und riesige Wachtürme. Einige sind Mahnmäler, andere bloß voller Graffitis.
Wir haben unsere Reise in Orglandes begonnen, einem Ort, der früh durch die Alliierten befreit wurde, und wo es einen Deutschen Friedhof gibt.
Von Utah Beach aus nehmen Sie die D421 am Strand entlang bis zum Musée du Débarquement, wo die Straße landeinwärts verläuft und zur D913 wird. Sie führt durch flaches Ackerland neben dem Marais (Marschland) du Cotentin und ein paar Gehöfte und kleine Dörfer, von denen viele so aussehen, als wären sie bereits vor 1945 entstanden. Wenn Sie den Schildern nach Caen und Bayeux folgen, erreichen Sie die E46, die Sie bis hinter Carentan bringt. Bleiben Sie 16,5 Kilometer auf dieser Straße (dabei passieren Sie fünf Kreuzungen), bis Sie in Osmanville den Abzweig nach Grandcamp-Maisy erreichen, von wo aus Sie der D514 zurück an die Küste folgen. Diese Straße wird Sie während des größten Teils der Tour leiten: durch Dörfer und Küstenorte, manchmal über niedrige Klippen oder hinter den Dünen entlang. Sie wird Sie in verschlafene Küstenorte bringen, zu Fischereihäfen und allen bedeutenden Stätten der Normandie. Sie werden kleine Umwege fahren müssen, besonders, um Museen und Strände zu besuchen, aber die sind gut ausgeschildert, und es ist schlecht möglich, sie zu verpassen. Auch Campingplätze gibt es hier, von denen viele nur während der Saison (April–September) geöffnet haben, aires sind ebenfalls vorhanden. Für Stellplätze ist also gesorgt. Das Fahren ist angenehm und stellt, wie bereits erwähnt, keine Herausforderung dar, aber darum geht es ja auch nicht.
Hinter Grandcamp-Maisy kommen Sie an der Pointe du Hoc vorbei, wo US-Ranger während der Invasion einen Angriff führten, um eine deutsche Geschützstellung zu erobern, der viele Leben kostete. Von hier aus setzen Sie Ihren Weg fort nach Vierville-sur-Mer (über einen Umweg auf der D517) und nach Omaha Beach, einen acht Kilometer langen Küstenabschnitt mit einer Anhöhe, dahinter Dünentäler und ein niedriges Steilufer, das sich für viele amerikanische Soldaten als tödlich erwies. Am Strand gibt es eine bewegliche Skulptur. Über dem Strand, gleich hinter Vierville, befinden sich der Amerikanische Friedhof und das Overlord Museum. Wenn man weiter an der Küste entlangfährt, ist der nächste Anlaufhafen Port-en-Bessin. Wir sind auf der D6 in Richtung Süden nach Bayeux gefahren, um uns den Teppich anzusehen – die fast 1.000 Jahre alte Version einer anderen Invasion, die in ihrer Brutalität allerdings vergleichbar war.
STELLPLÄTZE: CAMPING
An der Küste der Normandie gibt es viele Campingplätze, von denen die meisten nur während der Saison von April bis Ende September geöffnet haben. Als wir im Oktober dort waren, haben wir auf aires gestanden.
STELLPLÄTZE: AIRES DE CAMPING CAR
Utah Beach hat eine kommerziell betriebene aire mit Versorgungseinrichtungen.
Ouistreham Die aire befindet sich direkt neben dem Hafen. Auch sie wird kommerziell bewirtschaftet und hat die üblichen Einrichtungen (meist ohne EHU), ist aber nur einen kurzen Spaziergang von der Stadt entfernt.
Die aire in Arromanches ist gleich neben dem 360-Grad-Kino und bietet eine tolle Aussicht auf die Küste in Richtung Osten und nach Asnelles.
Nehmen Sie die D6 zurück nach Port-en-Bessin, und fahren Sie auf der D514 weiter nach Osten. In Longue-sur-Mer können Sie einen kurzen Abstecher einlegen und sich die deutsche Artilleriestellung ansehen, die heute immer noch dort steht – ein wichtiger Teil des Atlantikwalls. Ein anderer kleiner Umweg nach Arromanches – wo die Alliierten mit einem sogenannten Mulberry Harbour einen kompletten Anlandungshafen für Tausende von Soldaten anlegten – vermittelt einen guten Eindruck vom Umfang der Invasion. Eine Abbildung vor dem Museum (auf der Seeseite) zeigt, wie groß er war. Gleich hinter der Stadt, auf den Klippen über Omaha Beach, befindet sich das 360-Grad-Kino und eine aire mit fantastischem Ausblick zum Gold Beach. Von hier aus fahren Sie auf der D514 weiter nach Courseulles-sur-Mer (Juno Beach) und dann, auf den letzten Kilometern vor Ouistreham, durch Siedlungen. Es ist eine schöne Fahrt, auf der man viele Strandhütten, herrschaftliche Villen und moderne Häuser sieht, die direkt am Meer oder dahinter liegen: typisch französische Badeorte mit vielen Campingplätzen und dem hier unpassend erscheinenden Atlantikwall-Museum (Le Grand Bunker), einem fünfstöckigen Bunker und ehemaligem Befehlsstand, von dem aus man einen 40 Kilometer weiten Blick über den Kanal »genießt«. Die D514 bringt Sie dann zum Fluss Orne und nach Caen.

IN DER NÄHE
Arromanches 360, Arromanches Ein 360-Grad-Kino, das die 100 Tage des Kampfes um die Normandie zeigt, als Hommage an alle gefallenen Soldaten und auch an die 20.000 Zivilisten, die bei den Kämpfen hier starben. www.arromanches360.com
American Cemetery, Colleville-sur-Mer Ein wirklich emotionaler Ort mit so vielen Grabsteinen, dass man den Überblick verliert. Interessante Ausstellung beim Eingang. Sauber, gut gepflegt und gut besucht. www.abmc.gov/normandy
Overlord Museum, Colleville-sur-Mer Artefakte und Bilder erzählen die Geschichte des D-Day und von Omaha Beach. www.overlordmuseum.com
Musée du Débarquement, Utah Beach Die Geschichte des D-Day in Utah Beach. Mit einem von wenigen noch existenten B-26-Bombern, der in einem riesigen Hangar rechts auf dem Strand ausgestellt ist. www.utah-beach.com
Teppich von Bayeux, Bayeux Eine andere Art von Invasion, die jedoch für die englische Geschichte von großer Bedeutung war und Feudalismus und Aristokratie an Englands Gestade brachte. Großartig, sehr detailliert, sehr witzig und sehr lang. Ein fast 1.000 Jahre altes Meisterwerk. www.bayeuxmuseum.com
Überreste eines Mulberry Harbour, Arromanches Der Aufwand, den die Aliierten betrieben, ist unfassbar: Sie brachten ihren eigenen Anlandungshafen mit, weil andere Häfen von den Deutschen zerstört worden waren. Das Museum liegt direkt auf dem Strand. www.musee-arromanches.fr
Deutsche Artilleriestellung (batterie), Longue-sur-Mer Vier riesige Betonbunker beherbergen vier fest installierte 150-Millimeter-Artilleriegeschütze, die 20 Kilometer weit feuern konnten. Sie erinnern schmerzlich daran, dass Hitler wusste, von woher ihm die größte Gefahr drohte, nämlich von jenseits des Kanals. Sie sind ein eindrucksvoller Teil des Atlantikwalls. Man kann immer noch sehen, wo die Stahlverkleidung der Geschütze von britischen Kriegsschiffen durchlöchert wurde, die diese deutsche Stellung am 6. Juni 1944 beschossen..
Le Grand Bunker (Atlantikwall-Museum) Ein fünfstöckiger Bunker, der als Befehlsstand des Atlantikwalls diente. Einer von Hitlers monolithischen Betonbunkern, mitten im modernen Ouistreham. museegrandbunker.com


ROUTE
03
LOCQUIREC–LE MONT-SAINT-MICHEL
DIE ROSA GRANITKÜSTE
ATTRAKTIONEN: Strände, Sehenswürdigkeiten, Steinformationen
START: Locquirec
ZIEL: Le Mont-Saint-Michel
ENTFERNUNG: 295 Kilometer
ZEIT: 4 oder 5 Tage
KARTE (SEITE): 72, 73, 78, 79, 80
Die Nordküste der Bretagne verfügt über eine spektakuläre Landschaft. Hier ist es wie in Cornwall, nur besser. Wettergegerbter rosa Granit sorgt für tolle Fotos, abgelegene Strände bieten Einsamkeit, und Saint-Malos Mauern verströmen Stil, während Le Mont-Saint-Michel den Gipfel erhabener Schönheit erklimmt. Diese Küste bietet unendlich viel Abwechslung: Man kann in schicken Urlaubsorten abhängen, wandern, Rad fahren und surfen.

An einem frühen Morgen im Oktober gehen wir in Roscoff von Bord. Es dauert nicht lange, da nur eine Handvoll von Reisenden auf dieser Route unterwegs sind. Zu Hause in England gelten Covid-Beschränkungen. Das heißt, dass wir uns nach unserer Rückkehr für zwei Wochen in Quarantäne begeben müssen. Das ist okay für uns. Nach einem arbeitsreichen Sommer in Cornwall sind wir froh, mal rauszukommen.
Wir reisen nach Osten in Richtung Morlaix. Es ist ein schöner Tag, und die Sonne strahlt bedrohlich, während wir die D786 entlangrollen. Wir biegen in Lanmeur ab und fahren in Richtung Locquirec, das wir als Startpunkt dieser Tour festgelegt haben. Wir waren schon einmal hier und erinnern uns an einen fantastischen Campingplatz, Camping du Fond de la Baie, der direkt am Strand liegt. Ein super Start.
Als wir einen der Strände des Ortes erreichen, führen wir eine Diskussion über das Wetter; es soll sich bald ändern, und nun ist die Frage, ob wir jetzt ins Meer gehen, während es noch schön ist, oder das gute Licht für Fotos nutzen sollten. Die Wellen sind gut, sie brechen sich sauber am Sandstrand, und ein paar Einheimische sind im Wasser. Ich bin dafür, es bei den Fotos drauf ankommen zu lassen und lieber ins Meer zu gehen, und ich bin leicht verstimmt, weil meine Entscheidung, die Surfboards zu Hause zu lassen, sich rächen könnte. Wenigstens haben wir Bodyboards im Schrank des Wohnmobils (die nehmen nur wenig Platz weg), also besteht doch noch Hoffnung auf einen Ritt.

Wir verlassen Locquirec auf der Corniche de l’Armorique, die uns auf eine Halbinsel führt, vorbei an Stränden und Sommerhäusern, Kiefern und Dünen. Wir fahren auf den Parkplatz an der Plage des Curés und schauen zum flachen, unberührten Sandstrand hinunter.
Am Ufer bricht sich eine kleine Welle, und es ist niemand sonst am Strand, nur ein paar Wohnmobile stehen auf dem Parkplatz. Wir halten, springen fast in unsere Neoprenanzüge und rennen den steilen Pfad zum Ufer hinunter. Das Wasser ist warm, und die Wellen sind kraftvoll und sauber, der Wind ist ablandig und sorgt dafür, dass sie gut laufen.

Vier Frauen in kurzen Neoprenanzügen folgen uns zum Strand hinunter. Sie waten parallel zum Strand durchs Wasser, das ihnen bis an die Knie reicht, machen Fotos und albern herum. Als sie zum zweiten Mal an uns vorbeigehen, erwischt Lizzy gerade eine Welle, ganz bis zum Strand, bis zu ihnen. Sie fragen, woraus das Board bestehe. So eins hätten sie noch nie gesehen. Lizzy erklärt, dass es altmodische Boards aus Cornwall sind, die man in den 1960er- und 1970er-Jahren benutzt habe, bevor Polystyrol als nicht recycelbare Alternative zu Bootsbau-Sperrholz die Oberhand gewonnen habe. Die Frauen lächeln und gehen weiter. Jedes Mal, wenn sie wieder an uns vorbeikommen, beobachten sie, wie wir die Wellen reiten. Wir überlegen, sie zu fragen, ob sie es mal ausprobieren wollen, aber dann verschwinden sie selbst in der Brandung und schwimmen in die offene See hinaus. Dann kommen sie wieder aus dem Wasser heraus und trocknen sich ab.

Wie vorhergesagt, kommt der Regen, als wir den Strand gerade verlassen wollen. Er schlägt aufs Dach, während wir Lannion erreichen, um auf der Corniche Bretonne weiterzufahren, der Straße, die über 48 Kilometer, bis nach Perros-Guirec, der Rosa Granitküste folgt. Der Regen lässt nach, als wir in Ploumanac’h haltmachen, dem selbst ernannten »französischen Dorf des Jahres 2015« – ein absolutes Muss an dieser Küste. Auf der Suche nach einem Parkplatz kurven wir ein paarmal durchs Dorf und stellen uns vor, wie voll es hier im August sein muss. Wie in vielen anderen sehr beliebten Orten auch, befindet sich der Parkplatz für camping cars etwas außerhalb, deshalb setzen wir uns auf unsere Fahrräder und fahren ins Dorf, wir halten uns in Richtung des Leuchtturms, der aus rosa Granit besteht. Als wir die Küste erreichen, schließen wir die Räder ab und gehen über den Sentier des Douaniers (einen Küstenwanderweg) zum Strand. Hier wird uns klar, warum der Ort so beliebt ist: Der rosa Granit ist einfach fantastisch.

Riesige Felsblöcke haben sich durch die Witterung in glatte Gebilde verwandelt, die aussehen wie Skulpturen von Henry Moore. Dort, wo Wasser und Wind in Tausenden von Jahren Furchen, Mulden und Rinnen in den Fels gegraben haben, sind Formationen entstanden. In einer solchen Umgebung bin ich noch nie gewesen. An einigen Stellen sehe ich Gesichter im Fels, an anderen aufgeschichtete Felstürme, die anscheinend auf nur einem oder zwei kleinen Punkten balancieren. Sie sehen aus, als ob man sie ganz leicht mit einer Hand umstoßen könnte, und doch wirken sie gleichzeitig so massiv und unbeweglich. Die Farbe des Felses, ein rötliches Rosa mit Partikeln von funkelndem weißem Quartz und dunklen Klecksen, teilweise mit einer graugrünen Flechte überzogen, kontrastiert mit dem milchig-grünen Meer und Flecken von torfig-violetter Heide sowie gelbem, mit Ginster überzogenem Untergrund. An wieder anderen Stellen sieht der Fels aus wie von Disney entworfen, so perfekt ist er.


Als der Regen zurückkehrt – diesmal schüttet es –, suchen wir Schutz unter einem riesigen vorspringenden Felsblock, der aussieht, als würde er jeden Moment umkippen. Das Wasser strömt vom Felsen vor uns herunter, sodass wir uns vorkommen wie hinter einem Wasserfall. Wir beobachten, wie die Leute zurück zu ihren Autos rennen, sich, wie wir, unter Felsen verstecken oder den Guss unter riesigen wasserdichten Capes und Schirmen grinsend über sich ergehen lassen. Als der Regen nachlässt, sodass wir wieder herauskönnen, funkeln die Felsen wie teure Granitarbeitsplatten, so als hätte Henry Moore Küchen entworfen.

Wir verbringen diese Nacht am Meer; unser Wohnmobil schaukelt auf einem verlassenen Kai in Tréguier im Wind. Wenn wir aus dem Seitenfenster schauen, können wir nur Wasser sehen und wie der Wind die sprühende Gischt aufpeitscht. Als wir aufwachen, erscheint es uns unmöglich, dass die Bretagne so grau ist, wenn man bedenkt, wie wir sie am Tag zuvor erlebt haben.
Der Granit wird dunkler und trüber, als wir uns in Richtung Osten aufmachen und über Seitenstraßen zum Leuchtturm und zu den versteckten Stränden von Cap Fréhel, durch Dinard und dann weiter nach Saint-Malo fahren. Die Küste ist gebrochen und verschachtelt, und wir haben das Gefühl, als könnten wir hinter jeder Ecke etwas Neues entdecken. Es ist eine Küstenlinie scheinbar endloser Möglichkeiten. Während an einem Strand eine tosende Brandung herrscht, kann es am nächsten ganz ruhig sein.

Wir halten in Saint-Malo, dessen Mauern aus dunklem Granit gebaut sind, genauso wie das von Vauban entworfene Fort, das auf einer kleinen Insel hinter einem gelben Sandstrand steht. Wir fahren mit den Rädern über geometrisch angelegte Plätze, durch kleine Gassen mit Kopfsteinpflaster und an schicken Läden mit gestreiften Hemden und Strohhüten vorbei, bis wir die Mauern erreichen. Von hier aus können wir den Küstenverlauf sehen: Er ist mit schwarzen Granitbrocken gesprenkelt, zwischen denen grüne Fahrrinnen für die Schiffe verlaufen, die hier im Hafen anlegen wollen. Diese Küste unterscheidet sich stark von der Rosa Granitküste und ist ihr doch so ähnlich. Es ist ein Wechsel von Stimmung und Farben, der dennoch aufregend und lebendig ist.
Vor Saint-Malo fahren wir wieder auf die Route de la Baie und folgen der Küste am Damm entlang, der am Rand der Bucht von Mont-Saint-Michel die Salzmarschen vom urbar gemachten Ackerland trennt. In der Ferne wird unser Ziel zu einem Wegweiser, den wir nicht ignorieren können – auch wenn er sich in 20 Kilometern Entfernung mitten in der Bucht befindet. Le Mont-Saint-Michel ist immer noch so beeindruckend wie damals, als ich ihn als kleines Kind zum ersten Mal gesehen habe. Er erhebt sich in den Himmel wie ein Schiff, das in einem leuchtenden Watt voll hellgrünem Meerfenchel gestrandet ist, wobei seine vergoldete Turmspitze die Wolken durchstößt. Er ist atemberaubend, und trotz der Touristenbusse und der maskentragenden Menschenmassen bin ich einfach überwältigt. Der Kontrast zwischen der Turmspitze sowie den gezackten Umrissen der Gebäude, mit denen der Felsen bebaut ist, und den sanften, natürlichen Linien der Flüsse, der Flecken von Weideland und der kleinen Inseln im Mündungsgebiet drum herum könnte nicht größer sein. Es ist kein Wunder, dass man den Mont-Saint-Michel einst als Darstellung des Himmels auf Erden betrachtet hat, als etwas, das dem Himmel am nächsten kam, ohne dass man selbst dort gewesen sein musste. Wie Pilger nehmen wir die navette (den Shuttlebus) vom Parkplatz aus, wandern durch die Straßen und stehen mit offenem Mund vor dieser Architektur, beeindruckt von der Leistung und der Hingabe, die darin ihren Ausdruck finden.

Wir gehen über den Damm zurück zum Wohnmobil, wobei wir uns aus der Entfernung noch einmal umdrehen, um sicherzugehen, dass die Insel noch da ist. Tatsächlich schwebt sie immer noch über der Bucht hinter uns, aber man kann es kaum glauben. Sie ist einfach perfekt. Ich mache schätzungsweise alle 100 Meter ein Foto von ihr, um ganz sicherzugehen.
Es gibt sie wirklich.
DAS FAHREN
Starten Sie in Locquirec, einem fantastischen Badeort östlich von Morlaix. Um dorthin zu gelangen, nehmen Sie in Lanmeur die D64, nachdem Sie die D786 verlassen haben. Zunächst kommen Sie an ein paar Stränden vorbei, bis Sie von Westen her ins Dorf hineinfahren. Bleiben Sie auf dieser Straße, fahren Sie an der Bucht und am Campingplatz vorbei, und folgen Sie der Küste weiter zur Corniche de l’Armorique – einem großartigen kurvigen, engen, kieferngesäumten Straßenabschnitt mit ein paar Haltemöglichkeiten für Strandspaziergänge. An der Plage des Curés gibt es Parkmöglichkeiten für Wohnmobile. Die Corniche bringt Sie in Saint-Efflam wieder auf die D786 zurück, die dort nah am Wasser verläuft. Unglaublich. Fahren Sie weiter bis nach Lannion, wo Sie den Fluss überqueren. Wechseln Sie dann auf die D788 und biegen Sie nach links ab, um der Küste zu folgen – und den Wegweisern nach Trébeurden (D65). Folgen Sie den Schildern zur Corniche de Pors Mabo, um zur Pointe de Bihit zu gelangen, durch die Stadt zu cruisen und die Strände zu erreichen. So stoßen Sie wieder auf die D788 in Richtung Trégastel und auf die Corniche Bretonne (an der Rosa Granitküste), vorbei an der Île-Grande, an Trégastel, Ploumanac’h und Perros-Guirec. Dann geht es auf der D6 weiter.

STELLPLÄTZE: CAMPING
Es gibt reichlich Campingplätze an der bretonischen Küste. Wir waren hier:
| Camping du Fond de la Baie, Locquirec Route de Plestin, 29241 Locquirec, Finistère Internet: www.campinglocquirec.com Tel.: 0033/2 98 67 40 85 | Sie werden kaum einen Campingplatz in besserer Lage finden, besonders wenn Sie einen Stellplatz auf der Strandseite bekommen. Nur ein paar Schritte, und Sie sind am Sandstrand. Ein Spaziergang bei Ebbe am Strand entlang führt Sie ins Dorf zu Läden und Restaurants. Wunderschön. |
| Camping de L’Aumône Domaine de l’Aumône, Alms, 35120 Cherrueix, Ille-et-Vilaine Internet: www.camping-de-laumone.com Tel.: 0033/2 99 48 84 82 | Ich mag originelle Campingplätze, und dieser gehört dazu. Er ist 16 Kilometer von Mont-Saint-Michel entfernt, hat einen Pool und ein paar Glamping-Elemente, sieht aber ansonsten aus wie vor 20 Jahren. Die Bar im Château erinnerte mich an die 1980er-Jahre. Es gibt hier auch eine aire. Und einen beheizten Pool. Ich fand es toll. |
Die D6 bringt Sie landeinwärts zur D786 in Richtung Tréguier und dann weiter nach Lézardrieux und Paimpol. Es gibt auf dieser Route vielfältige Möglichkeiten für Abstecher zu Stränden, Aussichtspunkten und Dörfern in den Mündungsgebieten der Flüsse Trieux und Jaudy.

Kurz vor Lézardrieux überqueren Sie auf der D786 eine wunderschöne Hängebrücke. Direkt hinter der Brücke geht es links ab auf die Route de Saint-Julien, die Sie nach Paimpol bringt (dort gibt es eine aire), durch die Stadt (folgen Sie der Ausschilderung nach Abbaye de Beauport und Saint-Quay-Portrieux) und weiter auf die D786, die Küstenstraße. Folgen Sie dieser an der Küste entlang, bis sie bei Saint-Brieuc auf die N12 stößt. Um die Stadt zu durchqueren, nehmen Sie die N12 und folgen Sie dann für etwa zehn Kilometer der Ausschilderung nach Saint-Malo und Rennes bis zum Abzweig der D786 nach Pléneuf-Val-André. Biegen Sie hier ab und folgen Sie der Straße in Richtung Dinard und Saint-Malo. Sie wird bei Erquy vorübergehend zur D34. Biegen Sie auf die D34 ab, und folgen Sie der Ausschilderung zum Cap Fréhel auf einer beeindruckenden Straße, die durch Kiefernwälder und an schönen Sandstränden vorbei auf eine Landzunge hinausführt, die bald wild wird und mit Heide und Ginster bedeckt ist. So gelangen Sie zum Leuchtturm und dann weiter zum Fort La Latte, bevor es auf die D786 zurückgeht, zu einem sehr schönen bewaldeten Abschnitt, der bei Port à la Duc auf die Küste stößt. Fahren Sie auf der D786 weiter bis nach Ploubalay, und folgen Sie dann der Ausschilderung nach Dinard à la Côte. Diese Straße führt Sie durch Saint-Briac-sur-Mer (schicke Häuser, schöne Strände und ein Golfplatz) und auf einem großartigen Straßenabschnitt an der Küste entlang, der Sie durch Dinard bringt und auf der Hauptstraße (jetzt: D168) wieder zurück, dann über den Staudamm des Gezeitenkraftwerks in La Richardais und weiter nach Saint-Malo.

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