Kitabı oku: «Schnelleinstieg in SAP S/4HANA»

Yazı tipi:

Sebastian Brunner, Martin Munzel, Philipp Reichhardt

Schnelleinstieg in SAP S/4HANA®


Sebastian Brunner, Martin Munzel, Philipp Reichhardt

Schnelleinstieg in SAP S/4HANA®

ISBN:978-3-96012-093-3 (E-Book)

Lektorat:Petra Schweitzer

Korrektorat: Marina Pittsik

Coverdesign: Philip Esch

Coverfoto: © kutaytanir | Nr. 157581875–istockphoto.com

Satz & Layout: Johann-Christian Hanke

1. Auflage 2021

© Espresso Tutorials GmbH, Gleichen 2021

URL: www.espresso-tutorials.de

Das vorliegende Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte sind vorbehalten, insbesondere das Recht der Übersetzung, des Vortrags, der Reproduktion und der Vervielfältigung. Espresso Tutorials GmbH, Bahnhofstr. 2, 37130 Gleichen, Deutschland.

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Inhaltsverzeichnis

Cover

Titelseite

Copyright/Impressum

Vorwort

Persönliche Widmungen

1 Einführung in die SAP-Welt

1.1 Was ist SAP?

1.2 Was ist ein ERP-System?

1.3 Die Evolution der SAP-Systeme

2 Grundlagen von SAP S/4HANA

2.1 Der Übergang von ERP zu S/4HANA

2.2 Was ist neu an SAP S/4HANA?

2.3 Unterschied zwischen On-Premise und Cloud

2.4 Die Release-Strategie der SAP für S/4HANA

2.5 Die neue Benutzeroberfläche »Fiori«

2.6 Einführung in das SAP Fiori Launchpad

2.7 Das Fiori Launchpad personalisieren

2.8 Rollen, Berechtigungen und Kachelbau

2.9 Tipps und Tricks zu Fiori

3 Materialwirtschaft – Modul MM

3.1 Überblick Komponenten MM

3.2 Ariba

3.3 Organisationsdaten in SAP MM

3.4 Stammdaten in SAP MM

4 Vertrieb und Versand – Modul SD

4.1 Überblick Komponenten SD

4.2 Organisationsdaten in SAP SD

4.3 Stammdaten in SAP SD

5 Produktionsplanung und Steuerung – Modul PP

5.1 Überblick Komponenten PP

5.2 Organisationsdaten in SAP PP

5.3 Stammdaten in SAP PP

6 Finanzbuchhaltung – Modul FI

6.1 Überblick Komponenten SAP FI

6.2 Neuerungen in S/4HANA

6.3 Organisationsdaten in SAP FI

6.4 Stammdaten in SAP FI

7 Controlling – Modul CO

7.1 Überblick Komponenten Modul CO

7.2 Organisationseinheiten in SAP CO

7.3 Stammdaten in SAP CO

8 Order-to-Cash in S/4HANA

8.1 Organisations- und Stammdaten für O2C

8.2 Bewegungsdaten Order-to-Cash

8.3 Reporting in O2C

9 Purchase-to-Pay in S/4HANA

9.1 Organisations- und Stammdaten für P2P

9.2 Bewegungsdaten Purchase-to-Pay

9.3 Reporting in P2P

10 Forecast-to-Fulfill in S/4HANA

10.1 Organisations- und Stammdaten für F2F

10.2 Bewegungsdaten Forecast-to-Fulfill

10.3 Reporting in F2F

11 Fazit

A Die Autoren

B Disclaimer

Willkommen bei Espresso Tutorials!

Unser Ziel ist es, SAP-Wissen wie einen Espresso zu servieren: Auf das Wesentliche verdichtete Informationen anstelle langatmiger Kompendien – für ein effektives Lernen an konkreten Fallbeispielen. Viele unserer Bücher enthalten zusätzlich Videos, mit denen Sie Schritt für Schritt die vermittelten Inhalte nachvollziehen können. Besuchen Sie unseren YouTube-Kanal mit einer umfangreichen Auswahl frei zugänglicher Videos: https://www.youtube.com/user/EspressoTutorials.

Kennen Sie schon unser Forum? Hier erhalten Sie stets aktuelle Informationen zu Entwicklungen der SAP-Software, Hilfe zu Ihren Fragen und die Gelegenheit, mit anderen Anwendern zu diskutieren: http://www.fico-forum.de.

Eine Auswahl weiterer Bücher von Espresso Tutorials:

 Karlheinz Weber:Schnelleinstieg ins Finanzwesen (FI) mit SAP® S/4HANA

 Nora Voigt:Praxishandbuch SAP S/4HANA® Controlling

 Jörg Weißmann:Praxishandbuch Vertrieb (SD) in SAP S/4HANA®

 Maximilian Köbler:Schnelleinstieg in SAP S/4HANA® Cloud

 Robin Schneider:Praxishandbuch SAP®-Geschäftspartner (Business Partner) – Funktionen und Integration in SAP S/4HANA® (2., erweiterte Auflage)

 Christine Kühberger:Materialwirtschaft (MM) in SAP S/4HANA® – Deltafunktionen und Customizing


Vorwort

Mit der neuesten Produktversion S/4HANA hat die SAP ihr bisheriges Kernprodukt, SAP ERP, grundlegend erneuert. Basis dafür bildet die Datenbank HANA, die dank ihrer Geschwindigkeit innovative Anwendungen ermöglicht. Komplett neu hinzu kommt außerdem die Benutzeroberfläche SAP Fiori, die ein grundsätzlich anderes Look and Feel bietet als der schon etwas in die Jahre gekommene SAP GUI.

Dieses Buch bietet Ihnen einen Überblick über den Funktionsumfang von SAP S/4HANA. Es ist gleichermaßen für Umsteiger von SAP ERP gedacht wie für Anwender, die zum ersten Mal mit SAP-Software arbeiten.

In Kapitel 1 führen wir Sie ein in die Welt von SAP, zeichnen die Geschichte des erfolgreichsten deutschen Softwareunternehmens auf und schildern die Evolution der ERP-Systeme aus dem Hause SAP.

In Kapitel 2 erklären wir Ihnen, was sich hinter den Begriffen ERP, HANA und S/4HANA verbirgt. Wir skizzieren die verschiedenen Spielarten von S/4HANA (On-Premise und Cloud) und stellen Ihnen die Release-Strategie für S/4HANA vor. Den größten Teil des Kapitels nimmt eine Einführung in die neue Benutzeroberfläche SAP Fiori ein.

Wir nutzen die darauf folgenden Kapitel, um Ihnen die einzelnen Module von SAP S/4HANA kurz vorzustellen. Dabei klären wir zunächst die wichtigsten Organisationseinheiten und Stammdaten der jeweiligen Module, um dann kurz auf ausgewählte Funktionen zur Stammdatenpflege einzugehen. Den Auftakt machen die Logistikmodule: Kapitel 3 hat die Materialwirtschaft zum Schwerpunkt, während Kapitel 4 den Vertrieb und Kapitel 5 Produktion behandeln. In Kapitel 6 stellen wir Ihnen schließlich die Finanzbuchhaltung und in Kapitel 7 das Controlling vor.

Den Kern des Buches machen die drei letzten Kapitel aus. Hier zeigen wir Ihnen anhand von Fallbeispielen den integrativen Durchlauf der drei wichtigsten End-to-End-Prozesse in SAP S/4HANA: Order-to-Cash, also den Verkauf eines Produktes bis zum Zahlungseingang in Kapitel 8, Purchase-to-Pay (Bestellung von Waren bis zur Bezahlung) in Kapitel 9 und Forecast-to-Fulfill in Kapitel 10 (dahinter verbirgt sich der Ablauf von der Materialbedarfsplanung bis zur Fertigstellung der Produktion).

Zugang zu Video-Tutorials

Begleitend zu unserem Buch haben wir einige Video-Tutorials erstellt, auf die wir an den entsprechenden Stellen hinweisen. Sie können diese Videos kostenfrei abrufen, indem Sie unsere SAP-Lernplattform auf der Internetseite http://et.training besuchen. Melden Sie sich dort mit der Mailadresse mail@espresso-tutorials.com und dem Passwort »Espresso« an, um die Videos anzusehen.

Persönliche Widmungen
Sebastian Brunner

Die turbulente und ereignisreiche Zeit im vergangenen Jahr hat dieses Buch überhaupt erst möglich gemacht. Optimismus sieht das Gute in den Dingen. So will ich das auch für dieses Buch halten. Etliche private und berufliche Terminverschiebungen bzw. -absagen haben mein Interesse an einem Buchprojekt befeuert. Mit Martin Munzel habe ich zudem einen verlässlichen und offenen Geschäftspartner kennengelernt, der mich in die Welt von Espresso Tutorials eingeführt hat.

Dieses Buch widme ich demzufolge keiner Person, sondern der optimistischen Grundhaltung. Und meiner Hoffnung, dass uns diese Einstellung uns allen erhalten bleibt.

Martin Munzel

Ich möchte mich herzlich bei meinen beiden Co-Autoren, Sebastian Brunner und Philipp Reichhardt, bedanken, die dieses Buch mit etlichem frischen Fachwissen bereichert haben, und ohne die dieses Werk nicht möglich gewesen wäre.

Es empfiehlt sich immer, sich bei der Widmung zu einem Buch beim eigenen Ehepartner zu bedanken – herzlichen Dank also auch diesmal an meine Frau, Renata Munzel.

Ich widme dieses Buch meinem Sohn Philip, inzwischen 14, der zwar noch immer nicht versteht, was ich den ganzen Tag mache, aber trotzdem sein Schülerpraktikum bei Espresso Tutorials absolvieren will.

Philipp Reichhardt

»Was lange währt, wird endlich gut!« Die Arbeit zu später Stunde und am Wochenende trägt nun Früchte. Mein Dank gilt Sebastian Brunner sowie Martin Munzel für die produktive Zusammenarbeit. Insbesondere möchte ich auch einen Dank an das gesamte Team von Espresso Tutorials für die tolle Unterstützung aussprechen.

Ich widme dieses Buch meinem Vater, der ein entscheidender Treiber für die Vollendung dieses Buches war.

In den Text sind Kästen eingefügt, um wichtige Informationen besonders hervorzuheben. Jeder Kasten ist zusätzlich mit einem Piktogramm versehen, das diesen genauer klassifiziert:

Hinweis

Hinweise bieten praktische Tipps zum Umgang mit dem jeweiligen Thema.

Beispiel

Beispiele dienen dazu, ein Thema besser zu illustrieren.

Achtung

Warnungen weisen auf mögliche Fehlerquellen oder Stolpersteine im Zusammenhang mit einem Thema hin.

Video

Schauen Sie sich ein Video zum jeweiligen Thema an.

Die Form der Anrede

Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen, verwenden wir im vorliegenden Buch bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen zwar nur die gewohnte männliche Sprachform, meinen aber gleichermaßen Personen weiblichen und diversen Geschlechts.

Hinweis zum Urheberrecht

Zum Abschluss des Vorwortes noch ein Hinweis zum Urheberrecht: Sämtliche in diesem Buch abgedruckten Screenshots unterliegen dem Copyright der SAP SE sowie Adobe. Alle Rechte an den Screenshots hält die SAP SE. Der Einfachheit halber haben wir im Rest des Buches darauf verzichtet, dies unter jedem Screenshot gesondert auszuweisen.

1 Einführung in die SAP-Welt

In diesem Kapitel erfahren Sie zunächst, was die drei Buchstaben »SAP« bedeuten, um was für eine Art von System es sich bei SAP S/4HANA überhaupt handelt und wozu es verwendet wird. Danach betrachten wir die Evolution der verschiedenen Softwaresysteme aus dem Hause SAP sowie die Besonderheiten von HANA und S/4HANA.

1.1 Was ist SAP?

Die SAP SE ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat seinen Sitz im badischen Walldorf. Die Abkürzung »SAP« steht dabei für »Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung«. Das Unternehmen wurde 1972 gegründet und ist der Pionier in der Entwicklung von ERP-Systemen.

1.2 Was ist ein ERP-System?

Bei einem ERP-System handelt es sich um ein Softwaresystem, das alle betriebswirtschaftlichen Funktionen abdeckt, die in der Regel in einem großen oder mittelständischen Unternehmen benötigt werden, z.B.:

 Finanzwesen (externes Berichtswesen)

 Controlling (internes Rechnungswesen)

 Materialwirtschaft (Einkauf, Lagerverwaltung Wareneingangsbearbeitung)

 Vertrieb (Angebote, Kundenaufträge, Versand, Fakturierung)

 Produktionsplanung

 Instandhaltung und

 Personalwirtschaft

Zu den wichtigsten Funktionen, die ein integriertes ERP-System ausmachen, zählen:

 Vollständigkeit: Alle grundlegenden, in einem Unternehmen erforderlichen Funktionen sind in einem einzigen Softwarepaket verfügbar.

 Echtzeitverarbeitung: Die einzelnen Transaktionen im System werden in Echtzeit ausgeführt, damit sich Benutzer immer auf exakte und rechtzeitige Informationen verlassen können.

 Integration: Alle Funktionen aus den unterschiedlichen Unternehmensbereichen sind eng miteinander verknüpft, damit dieselben Informationen nicht mehrmals erfasst werden müssen. Werden beispielsweise Waren an einen Kunden versandt, wird diese Information sowohl in der Materialwirtschaft als auch im Finanzwesen zur gleichen Zeit aktualisiert. Zudem werden allgemeine Informationen über den Kunden (Kundennummer, Adresse, Kontaktdaten) nur einmal im System gespeichert und stehen dann für den Vertrieb sowie für die Buchhaltung zur Verfügung.

 Nahtloser Datenfluss: Aufgrund der Integration sind zwischen den einzelnen Funktionen keine Softwareschnittstellen erforderlich. Eine Schnittstelle verursacht in der Regel zusätzlichen Wartungsaufwand und damit höhere Kosten sowie höhere Komplexität beim Datenaustausch.

 Standardisierung: ERP-Systeme können in verschiedenen Branchen, z.B. in der Industrie, im Einzelhandel oder im Bankwesen eingesetzt werden. Die Systemfunktionen können durch Konfiguration an die individuellen Anforderungen der jeweiligen Unternehmen angepasst werden, wofür es gewöhnlich keiner Programmierkenntnisse bedarf.

1.3 Die Evolution der SAP-Systeme

Das erste marktfähige ERP-System, R/2, brachte die SAP im Jahre 1979 heraus (siehe Abbildung 1.1). Es lief damals auf einem Großrechner (englisch: Mainframe) und war angesichts der hohen Anschaffungskosten eines solchen Computers nur für Großunternehmen erschwinglich.


Abbildung 1.1: Die SAP-Systeme im Laufe der Zeit

Anfang der 1990er-Jahre setzte sich mit der Client-Server-Technologie ein Hardware-Konzept auf dem Markt durch, das auf mehreren kleineren, leichter skalierbaren und kostengünstigeren Computern basierte. Die Kosten für Hardware schrumpften dadurch auf einen Bruchteil derer eines Mainframes, so dass die Technologie praktisch allen Unternehmen kostengünstig zur Verfügung stand. Die SAP brachte zum richtigen Zeitpunkt das auf Client-Servern basierende ERP-System R/3 heraus und gewann in der Folge massiv an Neukunden dazu. In Abbildung 1.2 sehen Sie den SAP GUI, die Benutzeroberfläche des R/3.


Abbildung 1.2: SAP GUI

Im Jahr 2005 erneuerte die SAP die technologische Plattform des R/3 und nannte diese fortan NetWeaver (siehe Abbildung 1.3), um das System offener für die Anbindung an andere, insbesondere Drittsysteme zu machen. Funktional und im Hinblick auf die Oberfläche änderte sich im System nicht viel, die SAP benannte es dennoch um in ERP.


Abbildung 1.3: Die NetWeaver-Architektur

Die SAP brachte dann 2015 eine neuartige Datenbank namens HANA auf den Markt. Während traditionelle Datenbanken bis dahin stets auf der Festplatte eines Servers gespeichert wurden, handelt es sich bei HANA um eine sogenannte In-Memory-Datenbank, die komplett im Arbeitsspeicher des Servers gehalten wird. Da der Zugriff auf den Arbeitsspeicher um ein Vielfaches schneller ist als auf eine Festplatte, bietet HANA enorme Geschwindigkeitsvorteile gegenüber den bis dato üblichen Datenbanken. Dabei ist jedoch zu beachten, dass HANA nur beim Lesen von Daten aus der Datenbank schneller ist, das Verarbeiten von Daten und das Schreiben dauert immer noch genauso lange wie vorher.

Um die Geschwindigkeit von HANA voll auszuschöpfen, entwickelte die SAP das herkömmliche ERP-System weiter und optimierte es auf die neue Datenbankarchitektur. Dieses neue ERP-System heißt S/4HANA, und wir werden es Ihnen in den folgenden Kapiteln genauer vorstellen.

2 Grundlagen von SAP S/4HANA

Wir stellen Ihnen im Folgenden das neue System S/4HANA vor und gehen darauf ein, welche Änderungen Sie gegenüber ERP erwarten, welche Unterschiede zwischen der On-Premise- und der Cloud-Variante bestehen und wie die Release-Strategie der SAP aussieht. Im zweiten Teil des Kapitels erläutern wir Ihnen die Arbeit mit der neuen Benutzeroberfläche Fiori.

2.1 Der Übergang von ERP zu S/4HANA

Wie im vorangegangenen Kapitel kurz angerissen, ist die neue Datenbank HANA vor allem beim Lesen herkömmlichen Datenbanken an Geschwindigkeit deutlich überlegen. Die SAP begann dann in mehreren Innovationsschritten, das bestehende ERP-System auf HANA zu betreiben.

In Abbildung 2.1 sehen Sie schematisch den Übergang von ERP zu S/4HANA. Der erste Schritt bestand dabei darin, ein herkömmliches ERP auf der HANA-Datenbank zu betreiben . Da das System nicht auf die neue Architektur ausgerichtet war, brachte es aber nur bei langwierigen Auswertungen Geschwindigkeitsvorteile. Der Rest des Systems, vor allem die schreibenden Transaktionen, mussten neu entwickelt werden, um die HANA-Datenbank optimal auszunutzen.


Abbildung 2.1: Der Übergang von ERP zu S/4HANA

Innerhalb der SAP wurde daraufhin getrennt an der Weiterentwicklung der Funktionen im Bereich Finanzen und Controlling auf der einen Seite und in der Logistik auf der anderen Seite gearbeitet. Die Funktionen im Finanzbereich waren schneller bereit für die Auslieferung an Kunden als im Logistikbereich, weshalb es zwei Zwischenprodukte gibt. Zuerst erschien SAP Simple Finance, das einem ERP-System entspricht, aber auf einer HANA-Datenbank betrieben wird, und das für das Finanzwesen bereits mit der neuen Funktionalität ausgestattet ist, allerdings mit einigen technischen Einschränkungen. Der nächste Schritt war SAP S/4HANA Finance, ein neues System, in dem die aktualisierte Funktionalität im Finanzwesen voll ausgebaut ist , wohingegen die Logistik mit der aus ERP identisch ist.

SAP S/4HANA Finance vs. SAP S/4HANA

Es handelt sich bei SAP Simple Finance, S/4HANA Finance und S/4HANA um unterschiedliche Produkte, was die Funktionalität, Releasestrategie und Lizensierung betrifft. Falls Ihre Firma Simple Finance oder S/4HANA Finance nutzt, so müssen Sie eine Migration durchführen, um S/4HANA betreiben zu können.

Im nächsten Schritt kam dann auch die Logistik mit an Bord, sodass mit SAP S/4HANA ein neues ERP-System geschaffen wurde, das sowohl in der Logistik als auch im Finanzwesen auf die HANA-Datenbank optimiert ist. Aus dem alten ERP ist noch ein Restbestandteil an Funktionalität übrig (der sogenannte Kompatibilitätsumfang), sodass eine Migration von ERP auf S/4HANA möglich ist. Das bedeutet, dass Sie Ihr bestehendes ERP-System in einer rein technischen Umstellung in ein S/4HANA-System verwandeln können, indem Sie zunächst Ihre alte Datenbank gegen HANA austauschen und dann Ihr ERP in S/4HANA umwandeln. Alle Ihre Daten und Geschäftsprozesse bleiben dabei unverändert. Man nennt diesen Migrationsansatz auch Brownfield, im Gegensatz zum Greenfield-Ansatz, bei dem Sie ein leeres S/4HANA-System von Neuem aufbauen und alle Prozesse neu definieren.

S/4HANA ist nicht der Rechtsnachfolger von ERP

Es ist aus mehreren Gründen wichtig, darauf hinzuweisen, dass S/4HANA aus rechtlicher Sicht nicht das Nachfolgeprodukt von ERP ist. Die SAP hebt dies immer deutlich hervor, um sicherzustellen, dass der Software-Hersteller nicht verpflichtet ist, eine funktionale Abwärtskompatibilität zu ERP zu gewährleisten, und insbesondere nicht dafür Sorge tragen zu müssen, dass S/4HANA auf denselben Datenbanken betrieben werden kann wie ERP.

Das neue System S/4HANA gibt es außerdem in zwei Ausführungen (die SAP nennt dies Deployment-Optionen), der On-Premise Edition und der Cloud Edition . Wir erläutern Ihnen in Abschnitt 2.3, worin die Unterschiede zwischen beiden Optionen bestehen.

2.2 Was ist neu an SAP S/4HANA?

Worin bestehen nun aber die funktionalen Unterschiede zwischen SAP ERP und SAP S/4HANA? Wie in Abbildung 2.2 dargestellt, hat sich der Umfang von S/4HANA etwas verändert. SAP ERP ist Teil der sogenannten Business Suite, die nicht nur das ERP-System selbst umfasst, sondern weitere, auf Unternehmensfunktionen spezialisierte Systeme wie z.B. CRM (Customer Relationship Management), APO (Advanced Planner and Optimizer) oder GTS (Global Trade Services). Ein Teil dieser Systeme ist in die S/4HANA-Kernfunktionalität übernommen worden, während der übrige Teil weiter gesondert angeboten wird, teilweise ebenfalls um neue Funktionalität erweitert, und ggf. zusätzlich lizenzpflichtig ist.


Abbildung 2.2: Kern- und Funktionslösungen von SAP S/4HANA

Die SAP hat die Chance ergriffen, das neue System grundlegend aufzuräumen, und dabei einige wesentliche Änderungen an der Datenarchitektur vorgenommen. Die wichtigste Änderung im Finanzwesen ist das vereinfachte Datenmodell (siehe Abbildung 2.3). Man hat hier alle Module im Rechnungswesen in einer Tabelle zusammengeführt. Während Sie als Anwender zunächst wenig von dieser Änderung spüren werden, so ermöglicht es diese Maßnahme beispielsweise, dass Sie weniger Stammdaten verwalten müssen und flexiblere Auswertungen durchführen können.


Abbildung 2.3: Das vereinfachte Datenmodell im Finanzwesen

Einige in ERP bereits wenig benutzte Funktionen entfallen komplett, wie z.B. Kostenträgerhierarchien im Controlling oder einige Funktionen der Prozesskostenrechnung.

An anderer Stelle hat die SAP den Programmcode optimiert und Parallelentwicklungen eingestellt. Beispielsweise ist das Material Ledger im Controlling in S/4HANA immer aktiv geschaltet und das alte Warehouse Management (WM) wurde durchgehend durch das neuere Extended Warehouse Management (EWM) ersetzt, das in ERP noch optional war.

Einige Funktionalitäten wurden modernisiert oder neu entwickelt, wie beispielsweise die neue Anlagenbuchhaltung in der Finanzbuchhaltung, die Konditionskontrakte im Vertrieb oder die Variantenkonfiguration in der Produktion.

Zu guter Letzt bietet die neue Benutzeroberfläche Fiori einige Möglichkeiten, die Anwendungen benutzerfreundlicher zu gestalten oder zusätzliche Cockpits und Auswertungen bereitzustellen.

Etliche weitere Neuerungen finden jedoch auch in den Anwendungen außerhalb des Kernsystems S/4HANA statt und sind dann gesondert lizenzpflichtig.

Nach diesem Überblick über die Funktionalität gehen wir nun auf den Unterschied zwischen der On-Premise und Cloud Edition ein.

2.3 Unterschied zwischen On-Premise und Cloud

Die Unterschiede zwischen On-Premise und Cloud bestehen zum einen darin, welche Software Sie betreiben und wo diese zur Verfügung gestellt wird (siehe Abbildung 2.4).


Abbildung 2.4: Die Deployment-Optionen für S/4HANA

In-House bedeutet, dass Sie ein System selbst in Ihrem Unternehmen betreiben. Sie beschaffen also die erforderliche Hardware für den Server, installieren darauf das Betriebssystem, die HANA-Datenbank sowie S/4HANA selbst. Danach sind Sie selbst für den Betrieb, die Verfügbarkeit und spätere Updates des Systems verantwortlich. Dazu verwenden Sie die Software SAP S/4HANA, On-Premise-Edition. Diese entspricht im Wesentlichen dem Funktionsumfang des altbekannten SAP ERP, plus allen Neuerungen, die zusätzlich für S/4HANA entwickelt wurden.

Alternativ können Sie die S/4HANA On-Premise Edition auch von einem Partner betreiben lassen. Das bedeutet, dass Ihr Partner die notwendige Hardware bereithält und die Verfügbarkeit der Software sicherstellt. Sie greifen dann über das Internet auf das System zu. Dieser Ansatz ist nicht neu – zu Zeiten von ERP nannte man dieses Konzept Hosting. Da die SAP aber gerne ein führender Anbieter von Cloud-Software sein will, hat man diese Form des Betriebs jetzt in Private Cloud umbenannt. Wichtig für das Verständnis ist an dieser Stelle die Tatsache, dass auch beim Ansatz der Private Cloud die Software S/4HANA, On-Premise-Edition eingesetzt wird, und zwar mit demselben Funktionsumfang wie beim In-House-Ansatz.

Cloud über alles?

Die SAP ist bekannt und berüchtigt dafür, Produkte häufiger einmal um- und ggf. auch wieder zurück zu benennen. Kritisch betrachtet könnte man hier unterstellen, dass damit Dynamik vorgetäuscht werden soll. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Unternehmensführung eine neue strategische Richtung vorgibt – Produkte und Initiativen werden dann gerne einmal so umbenannt, dass sie besser in diese Richtung passen. Um den Eindruck zu erwecken, man sei ein führender Anbieter von Cloud-Software, haben findige Marketingleute sogar versucht, die Betriebsart »On-Premise« in »Enterprise Cloud« umzubenennen. Ob dieser Begriff zur Zeit der Drucklegung dieses Buches immer noch existiert, können wir aktuell nicht vorhersagen.

Ein völlig neuer Ansatz, um S/4HANA zu betrieben, besteht im Public-Cloud-Szenario. Hier betreibt die SAP selbst die notwendige Hardware und stellt Ihnen per Zugriff aus dem Internet die S/4HANA-Software zur Verfügung. Anders als bei der Private Cloud wird in diesem Fall jedoch eine andere Software verwendet, nämlich die S/4HANA Cloud Edition. Hierbei handelt es sich um eine Variation der S/4HANA-Software, die viel stärker standardisiert ist. Im Vergleich zur On-Premise-Edition bietet die Cloud Edition wesentlich weniger Möglichkeiten zur Individualisierung und Konfiguration und einen eingeschränkten Umfang an Funktionalität. Die Unterschiede können wir an dieser Stelle nicht konkret benennen, weil die Cloud Edition Entwicklungszyklen von drei Monaten unterliegt und sich der Umfang der Funktionalität somit häufig ändert.

Ein weiterer Unterschied zwischen beiden Editionen besteht in der Benutzeroberfläche. Während Sie für die On-Premise-Edition sowohl den SAP GUI als auch Fiori verwenden können, steht Ihnen bei der Cloud Edition ausschließlich Fiori zur Verfügung.

Wichtig zu beachten ist außerdem, wie Systemupdates in der Cloud Edition ablaufen. Bei der On-Premise-Edition bleibt alles, wie Sie es ggf. schon von SAP ERP kennen: Die SAP bringt regelmäßig Updates heraus, und Ihre IT entscheidet, wann diese im System eingespielt werden. Jedes Update erfordert umfangreiche Tests, weil durch die Programmänderungen evtl. Prozesse betroffen sein können. Bei der Cloud Edition hingegen gibt die SAP vor, wann die Updates eingespielt werden. Diese finden alle drei Monate statt, immer kurz nach der Veröffentlichung der Updates. Alle Kunden der Cloud Edition bekommen dann automatisch die Updates eingespielt, ohne auf den Zeitpunkt Einfluss zu haben.

Kommen wir nun zur Release-Strategie der SAP für S/4HANA, die wir im nächsten Abschnitt behandeln.

2.4 Die Release-Strategie der SAP für S/4HANA

Die Releases von SAP S/4HANA waren zunächst nach dem Jahr und Monat ihres Erscheinens benannt – Version 1709 wurde also beispielsweise im September 2017 veröffentlicht. Die Zwischenprodukte Simple Finance und S/4HANA Finance erschienen 2015 bzw. 2016 und haben entsprechend die Versionsnummern 1503 und 1605 (siehe Abbildung 2.5). Das erste Release von S/4HANA, 1511, wurde im November 2015 herausgebracht. Der Nachfolger 1610 erschien bereits im Oktober 2016, und seit 2017 bringt die SAP die neuen Releases der On-Premise-Version im September jeden Jahres heraus (1709, 1809, 1909).

Mit der im Jahr 2020 erschienenen Version hat man sich bei der SAP jedoch für die On-Premise-Edition von dieser Namensgebung verabschiedet – die Versionsnummer 2009 hätte suggerieren können, sie wäre bereits 11 Jahre alt. Die zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Buches aktuelle Version heißt nunmehr 2020. Für die Cloud Edition wurde aber die bisherige Nomenklatur beibehalten.


Abbildung 2.5: S/4HANA-Releases

Die Cloud-Version erhält alle drei Monate ein neues Release, die analog benannt sind (1911, 2002, 2005 etc).

Alle Releases werden regelmäßig aktualisiert, in Form von Service Packs (SP) oder Feature Packs (FP). Ein Service Pack enthält Fehlerkorrekturen oder notwendige rechtliche Änderungen an der Software, während Feature Packs auch funktionale Erweiterungen mit sich bringen. Die SAP entwickelt Innovationen zuerst in der Cloud Edition und überträgt diese dann in das jeweils folgende Release der On-Premise-Version. Nach dem Herausbringen eines neuen On-Premise-Releases folgen in der Regel jedes Quartal zwei Feature Packs mit neuen, aus der Cloud Edition portierten Innovationen, bis dann wieder das neue Release der On-Premise-Version erscheint. Ältere Releases werden nur noch halbjährlich und ausschließlich mit Service Packs versorgt.

Wenden wir uns nun der neuen Benutzeroberfläche Fiori zu.

2.5 Die neue Benutzeroberfläche »Fiori«

Wie bereits im letzten Abschnitt ersichtlich geworden ist, ist eine der wesentlichen Veränderungen unter SAP S/4HANA das neue User-Interface Fiori.

Im Folgenden möchten wir auf diese neue Benutzeroberfläche eingehen und erläutern, was sich hinter dem Buzzword »Fiori« verbirgt und welche Vorteile die Technologie bietet.

Bisher galt der SAP GUI (Graphical User Interface) als grafische Benutzeroberfläche für die Interaktion zwischen Benutzer und SAP System. SAP GUI bezeichnet jedoch auch die Anwendung selbst, welche lokal auf dem Computer des Nutzers installiert wird. In der SAP GUI-Oberfläche lässt sich hauptsächlich mit Transaktionen und/oder dem Menü in Form einer Ordnerstruktur navigieren (siehe Abbildung 2.6). Mithilfe eines Transaktionscodes kann man hier eine spezifische Interaktion aufrufen. Der jeweilige Transaktionscode wird dabei in das Eingabefeld eingetragen und anschließend mit Enter ausgeführt.

Transaktionscode

Nehmen wir an, ein Mitarbeiter aus der Buchhaltung möchte einen Beleg erfassen, so hat dieser die Möglichkeit, mit der Transaktion FB01 die entsprechende Eingabemaske zu öffnen. Alternativ kann der Mitarbeiter sich auch durch die Ordnerstruktur klicken und die jeweilige Transaktion suchen.


Abbildung 2.6: SAP GUI

Schon an diesem kleinen Beispiel zeigt sich, dass die bisherige Benutzeroberfläche der SAP für Einsteiger nicht sehr intuitiv wirkt. Dies ist einer der Gründe, warum der SAP GUI nach und nach abgelöst werden soll und vor allem für Endanwender der Fokus immer mehr auf SAP Fiori gesetzt wird. Doch was verbirgt sich nun hinter dem Begriff »Fiori«?

»Fiori« ist ein benutzerzentriertes Designkonzept, welches zukünftig als neue und zentrale Benutzeroberfläche (User Experience [UX]) für alle SAP-Produkte verwendet werden soll. Dank moderner Designprinzipien bietet Fiori eine mit Smartphone-Apps vergleichbare Benutzererfahrung und ist darüber hinaus noch geräteunabhängig.

Erstmals vorgestellt wurde die neue Oberfläche 2013, mit damals noch einer geringen Anzahl an SAP Fiori-Apps. Über die Jahre wurde sie stetig verbessert und weitere Fiori-Apps kamen hinzu. Zwei Jahre nach der erstmaligen Veröffentlichung wurde die Weiterentwicklung Fiori 2.0 vorgestellt. Mit dieser Neuerung wurde unter anderem das einheitliche Look and Feel in Form des SAP Belize Themes eingeführt (siehe Abbildung 2.7). Damit kamen ein neues Farbschema und Layout sowie eine neue Schriftart und Typografie und neue Symbole. Dieses einheitliche Design der Benutzeroberfläche zieht sich durch alle SAP-Anwendungen hindurch und ist auch für den klassischen SAP GUI verfügbar. Eine weitere wesentliche Änderung war die Einführung des Viewport-Konzeptes, welches das Fiori Launchpad in die Me Area, die Main Area und die Notification Area unterteilt (siehe Abbildung 2.7).


Abbildung 2.7: Übersicht des Viewport-Konzeptes

 Die Me Area ist ein erweitertes Benutzermenü, unter welchem sich allgemeine Einstellungen, der App Finder und die Möglichkeit zur Personalisierung der Startseite befinden. Darüber hinaus lassen sich die zuletzt verwendeten Apps sowie die häufig verwendeten Anwendungen einsehen und anwählen. Neben dem Nutzernamen können Sie auch ein Profilbild einpflegen.

 Die Main Area ist der zentrale Einstiegspunkt mit den benutzerspezifischen Kacheln und Kachelgruppen. Seit Fiori 2.0 ist auch das Navigieren über Kachelgruppen möglich, die so genannte Tab Bar Navigation.

 Die Notification Area kann pro Benutzer über eine Rolle aktiviert werden. Die Benachrichtigungen können auf dem SAP Workflow oder dem SAP Notification Framework basieren und bieten die Möglichkeit, direkt in eine App abzuspringen bzw. Schnellaktionen auszuführen.

Im September 2019 wurde mit dem Release SAP S/4HANA 1909 schließlich Fiori 3.0 eingeführt. Die konsequente Weiterentwicklung fokussiert den Ausbau der einheitlichen Benutzeroberfläche. Die wesentlichen Neuerungen gegenüber 2.0 umfassen das neue SAP Quartz Theme (siehe Abbildung 2.12), die Einführung von Cards und die neue Shell Bar, welche das Viewport-Konzept ablöst. Als Shell Bar wird die obere Leiste im Fiori Launchpad bezeichnet. Die Me Area wurde nun durch den User-Button vollständig ersetzt. Wenn man auf diesen klickt, öffnet sich ein Dropdown-Menü mit den weiteren Unterpunkten. Neben Kacheln lassen sich nun auch sogenannte Cards in das Fiori Launchpad einbinden. Der Vorteil ist, dass Cards noch spezifischer anpassbar sind und umfangreiche Informationen auf einen Blick möglich machen. Die zum Teil abweichenden Benutzeroberflächen einiger Zusatzmodule wie SAP Ariba oder SAP SuccessFactors wurden nun unter Fiori 3.0 auch harmonisiert. Für das weitere Verständnis wurden in Tabelle 2.1 die wichtigsten Begriffe zum Thema Fiori definiert.


Tabelle 2.1: Begriffsdefinitionen zu »Fiori«

2.6 Einführung in das SAP Fiori Launchpad

Bevor wir auf die weiteren Details und Anpassungsmöglichkeiten des Fiori Launchpad eingehen, schauen wir uns zunächst einmal an, wie man Fiori überhaupt verwenden kann bzw. wie man das Fiori Launchpad erreicht.

Bei Fiori handelt es sich um eine webbasierte Benutzeroberfläche, die in jedem herkömmlichen Browser aufrufbar ist. Wie bereits erwähnt, lässt sich Fiori sowohl auf dem Desktop als auch auf dem Smartphone oder Tablet verwenden. Der zentrale Einstiegspunkt zu SAP Fiori ist das Fiori Launchpad (FLP) (siehe Abbildung 2.9), welches eine einheitliche Oberfläche für verschiedene Geschäftsprozesse ermöglicht. Verschiedene Anwendungen können mithilfe einer Benutzerrolle zu einem durchgängigen Geschäftsprozess zusammengefasst werden. Somit lässt sich eine personalisierte Startseite erstellen, die an die Bedürfnisse des jeweiligen Nutzers oder Fachbereichs angepasst ist. Für den Nutzer oder Endanwender kann sich so die tägliche Arbeit mit einer heterogenen Systemlandschaft vereinfachen, da nun mehrere Systeme über den zentralen Einstiegspunkt des Fiori Launchpad aufgerufen werden können. Auch die unterschiedlichen Benutzeroberflächen der verschiedenen SAP-Lösungen werden hier einheitlich zusammengefasst.

Adresse des Fiori Launchpad

Die Adresse (URL) zu Ihrem Fiori Launchpad erhalten Sie von Ihrem SAP-Basisteam. Die Webadresse sollte wie folgt aussehen: https://<host>:<port>/sap/bc/ui2/flp?sap-client=850&sap-language=DE

Bitte beachten Sie, dass Sie im obigen Link entsprechend Ihren Host, Port und den korrekten Mandanten eintragen müssen.

Die oben genannte Adresse lässt sich in einem Browser Ihrer Wahl öffnen. Nach dem Öffnen sollten Sie die Anmeldeseite des Fiori Launchpad sehen können (siehe Abbildung 2.8). Hier geben Sie nun Ihre persönlichen Anmeldedaten ein.


Abbildung 2.8: Anmeldeseite Fiori Launchpad

Nach dem erfolgreichen Login öffnet sich das Fiori Launchpad. Dieses ist bereits mit Inhalt gefüllt (siehe Abbildung 2.9), falls Ihrem Benutzer eine entsprechende Rolle zugewiesen wurde. Sollte dies noch nicht geschehen sein, dann wird Ihre Startseite erst einmal leer sein.


Abbildung 2.9: Übersicht Fiori Launchpad

Das Fiori Launchpad bietet verschiedene Möglichkeiten, um dem Nutzer die tägliche Arbeit zu erleichtern. In Abhängigkeit der vergebenen Rollen werden dem Nutzer bestimmte Kacheln oder Cards angezeigt, die wiederum in Kachelgruppen eingeordnet sind. Die Themen Kacheln, Kachelgruppen und Kachelbau werden wir in Abschnitt 2.8 noch vertieft behandeln.

Zunächst möchten wir Sie ganz allgemein mit dem Fiori Launchpad vertraut machen. Die folgenden Ausführungen beziehen sich dabei auf Fiori 3.0.

Einstieg in SAP Fiori

In der Videosammlung »Schnelleinstieg in SAP Fiori«, die Sie über den frei zugänglichen Bereich unserer SAP-Lernplattform aufrufen können, bekommen Sie im ersten Teil, »Fiori Launchpad, Kachelkataloge und Rollen«, einen Überblick über die Navigation in SAP Fiori. Wie Sie das Video aufrufen können, haben wir im Vorwort beschrieben.

Das Fiori Launchpad dient als Startseite für ihre ERP-Anwendungen, wobei jede Kachel einen Geschäftsprozess oder einen Teilbereich eines Geschäftsprozesses abbilden kann. Die Kopfleiste wird, wie bereits erwähnt, als Shell Bar bezeichnet und ist vergleichbar zu Menüleisten von herkömmlichen Webseiten. Neben einem Logo enthält die Shell Bar links einen Zurück-Button , sobald man sich in einer Anwendung befindet. Auch der jeweilige Titel der geöffneten App wird angezeigt. Klickt man auf den Titel, so öffnet sich ein Pop-Up-Menü, welches eine schnelle Navigation innerhalb der Anwendung bzw. zurück zur Startseite ermöglicht. Unterhalb der Shell Bar befindet sich die Tap Bar Navigation, welche eine Navigation zwischen den verschiedenen Gruppen ermöglicht.

Einen weiteren wichtigen Baustein des Fiori Launchpad bildet die effiziente und umfassende Suchfunktion, welche Sie ebenfalls über die Shell Bar aufrufen können (siehe Abbildung 2.10). Diese leistungsstarke Suchfunktion läuft bei SAP unter dem Namen Fiori Enterprise Search und zeichnet sich durch eine Volltextsuche, Navigation und Filtermöglichkeiten aus. Mit einem Klick auf die Lupe öffnet sich ein Inputfeld, in dem Sie Ihr Suchobjekt eingeben können.


Abbildung 2.10: Fiori Enterprise Search

In der Dropdown-Liste lässt sich die entsprechende Suche auf bestimmte Objekte einschränken. Zusätzlich kann die Suche durch sogenannte Operatoren erweitert werden, die wir in der Tabelle 2.2 kurz darstellen.


Tabelle 2.2: Suchoperatoren

Das Suchergebnis wird auf einer neuen Seite ausgegeben und kann mithilfe der Filter noch weiter eingegrenzt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, ein komplettes Suchergebnis direkt als Tabelle zu exportieren. Durch Klick auf den Button öffnet sich ein Pop-Up, welches uns das Suchergebnis lokal speichern lässt. Sollten Sie regelmäßig nach denselben Werten suchen, dann bietet es sich an, die voreingestellte Suche als Kachel zu speichern. Dies funktioniert über den Button und die Option Als Kachel sichern.

Neben der Lupe für die Suchfunktion finden wir den User-Button , mit dem Sie das Benutzermenü aufrufen können. Es öffnet sich ein Pop-up-Menü mit verschiedenen Unterpunkten (siehe Abbildung 2.11).


Abbildung 2.11: SAP Fiori Launchpad – Benutzermenü

Ein wichtiger Punkt des Benutzermenüs ist der App Finder, der dazu dient, alle Ihnen zur Verfügung stehenden Apps aufzulisten und diese auch von dort direkt auszuführen. Apps, die sich über den App Finder aufrufen lassen, können Sie selbstverständlich auch Ihrer Startseite hinzufügen, sollten diese dort noch nicht vorhanden sein. Wichtig ist hierbei anzumerken, dass sich im App Finder nur Apps befinden, für welche Sie auch eine Berechtigung haben. Sollten Sie eine spezielle App dort nicht finden, so müssen Sie Ihrem Nutzer zuerst die entsprechende Berechtigung hinzufügen.

Die Hilfefunktion des Fiori Launchpad lässt sich über das Fragezeichen rechts oben oder alternativ über die Taste F1 anwählen. Dadurch öffnet sich bei Fiori 2.0 ein Hilfebereich am unteren Rand, der wiederum mit verschiedenen Kacheln gefüllt ist. Haben Sie bereits Fiori 3.0 im Einsatz, dann öffnet sich der Hilfebereich auf der rechten Bildschirmseite. Darüber hinaus werden Referenzblasen angezeigt, welche auf Schlüsselelemente der App verweisen. Wird eine Hilfekachel oder Referenzblase ausgewählt, so öffnet sich eine Infobox mit weiteren Informationen über die Funktion.

Aktivierung der Hilfefunktion

Die Hilfefunktion muss durch den SAP-Basisberater aktiviert werden. Die Inhalte lassen sich individuell anpassen bzw. mit eigenen Inhalten füllen.

Durch das Tastenkürzel F6 kann man im Fiori Launchpad nach unten springen. In Kombination mit der Umschalttaste ist ein Springen nach oben möglich. Alternativ kann auch die Tabulatorentaste verwendet werden, um die Elemente der Reihe nach durchzugehen. Innerhalb der Kachelgruppen lässt sich mithilfe der Pfeiltasten nach links und nach rechts bewegen. Eine Liste der zur Verfügung stehenden Tastenkürzel können Sie sich über die Tastenkombination Strg + F1 anzeigen lassen.

2.7 Das Fiori Launchpad personalisieren

Nachdem wir uns mit den Grundfunktionen und einer ersten Übersicht des Fiori Launchpad vertraut gemacht haben, werden wir nun ein wenig tiefer in dessen verschiedene Bereiche eintauchen.

Fiori: Personalisierung

In der Videosammlung »Schnelleinstieg in SAP Fiori«, die Sie über den frei zugänglichen Bereich unserer SAP-Lernplattform aufrufen können, lernen Sie im zweiten und dritten Teil, »Launchpad Designer« bzw. »Fiori Launchpad Personalisierung«, mehr zum Thema Personalisierung. Wie Sie das Video aufrufen können, haben wir im Vorwort beschrieben.

Zunächst wollen wir uns die Einstellungsmöglichkeiten ansehen. Nach dem Drücken des Buttons rechts im Kopfbereich (Shell Bar) erscheint ein kleines Auswahlmenü. Hier wählen wir den Punkt Einstellungen. Nun sollte sich ein Pop-Up mit den verschiedenen Rubriken, wie links in Abbildung 2.12 ersichtlich ist, öffnen.


Abbildung 2.12: Einstellungen zum Fiori Launchpad

Unter der Rubrik Erscheinungsbild lässt sich eines der vorausgelieferten Themes auswählen. Sollten Sie das Fiori Launchpad auf einem mobilen Endgerät mit Touchfunktion nutzen, dann empfiehlt es sich, unter dem Punkt Anzeigeeinstellungen die Optimierung für die Touch-Eingabe zu aktivieren. Des Weiteren lassen sich Einstellungen zum Benutzerkonto sowie zu Sprache & Region inkl. Zeitformat vornehmen. Um die Bereiche »Letzte Aktivitäten« und »Häufig verwendet« nutzen zu können, muss die Benutzeraktivität in den Einstellungen aktiviert sein. Hierfür müssen wir einfach unter der Rubrik Benutzeraktivitäten den Regler Zuletzt verwendete und häufig verwendete Apps nachverfolgen auf »Ja« stellen. Auch lässt sich hier der gespeicherte Verlauf mit Löschen zurücksetzen. Unter der Rubrik Benutzer-Profiling können Sie die Option personalisierte Suche einschalten, was zu verbesserten und individuelleren Suchergebnissen führt. Wollen Sie Benachrichtigungen mit hoher Priorität automatisch eingeblendet bekommen, dann müssen Sie den Regler für Auffälligkeiten hoher Priorität anzeigen auf Ja stellen. Diese Einstellung lässt sich unter der Rubrik Benachrichtigungen vornehmen.

Performanceverbesserung

Sie können die Performance des Fiori Launchpad erhöhen, indem Sie die Animation unter Anzeigeeinstellungen auf »minimal« stellen. Außerdem sollte unter Startseite die »Einzelgruppenanzeige« aktiviert werden. Dies führt zu einem schnelleren Bildaufbau.

Um die wiederholte Eingabe von Standardwerten, wie z.B. Kostenrechnungskreis, Buchungskreis usw., zu vermeiden, lassen sich diese fest in den Einstellungen hinterlegen. Wird nun eine Kachel geöffnet, dann sind die Standardwerte automatisch in den Filtern gespeichert und müssen nicht jedes Mal erneut eingegeben werden. Die Werte lassen sich unter Standardwerte für die verschiedenen Bereiche eingeben (siehe Abbildung 2.13 ).


Abbildung 2.13: Standardwerte pflegen

Alternative Möglichkeit zur Pflege der Standardwerte

Die Standardwerte lassen sich auch unter den SET/GET-Parametern pflegen. Bitte beachten Sie hierzu den SAP-Hinweis 2519765.

Nachdem wir uns die wichtigsten Einstellungen angesehen haben, wollen wir uns nun den Möglichkeiten zur Personalisierung der Startseite widmen. Hierfür klicken wir wieder auf den User-Button und wählen dann Startseite bearbeiten. Es öffnet sich eine Ansicht wie in Abbildung 2.14 dargestellt.


Abbildung 2.14: Startseite im Bearbeitungsmodus personalisieren

Die Startseite befindet sich nun im Bearbeitungsmodus, in dem sich Kacheln bearbeiten oder entfernen lassen. Die Kacheln können außerdem nach Belieben per Drag and Drop hin und her geschoben werden. Mit einem Klick auf die drei Punkte am unteren rechten Rand einer Kachel öffnet sich ein kleines Auswahlmenü mit weiteren Bearbeitungsoptionen. Wählen wir nun Kachelinformationen bearbeiten, öffnet sich ein Pop-Up mit einer Vorschau der möglichen Einstellungen (siehe Abbildung 2.15).


Abbildung 2.15: Kachelinformationen bearbeiten

Ab Fiori 3.0 besteht die Möglichkeit, unter jeder Kachelgruppe eine Linkleiste einzufügen, um die Startseite übersichtlicher zu gestalten. Eine Kachel kann dann entweder direkt in der Kachelgruppe oder als Link in der Linkleiste angezeigt werden (siehe Abbildung 2.16). Um eine Kachel in die Linkleiste zu integrieren, können Sie sie entweder per Drag and Drop in die Linkleiste ziehen oder, wie in der Abbildung ersichtlich, über den Punkt In Link umwandeln im Auswahlmenü auswählen.


Abbildung 2.16: Linkleiste bearbeiten

Des Weiteren lassen sich im Bearbeitungsmodus mit wenigen Klicks eigene bzw. neue Kachelgruppen anlegen und einer vorhandenen Gruppe weitere Kacheln hinzufügen. Unter allen bereits vorhandenen Gruppen befindet sich der Button Gruppe hinzufügen. Durch Auswählen des Buttons wird automatisch eine neue Kachelgruppe angelegt. Der Gruppenname lässt sich mit einem Klick auf Gruppenname eingeben individuell anpassen. Die neu angelegte Kachelgruppe ist selbstverständlich noch leer, lässt sich aber durch einen Klick auf das +-Symbol oder durch das Verschieben von Kacheln aus anderen Gruppen befüllen. Durch Klick auf das +-Symbol springen Sie automatisch in den App Finder (siehe Abbildung 2.17). Auf der linken Seite sehen Sie die Ihnen zugewiesenen bzw. zur Verfügung stehenden Kachelkataloge, und im Hauptbereich werden Ihnen die jeweiligen Kacheln des entsprechenden Kachelkatalogs angezeigt. Im unteren Bereich ist auf jeder Kachel eine Schaltfläche mit dem Symbol einer Pinnnadel ersichtlich. Hierüber lässt sich die entsprechende Kachel direkt Ihrer Kachelgruppe zuordnen.


Abbildung 2.17: App Finder

Nach der gleichen Logik lässt sich einer bereits bestehenden Kachelgruppe eine weitere Kachel hinzufügen.

Eine weitere Möglichkeit, Kachelgruppen zu bearbeiten bzw. einer Kachelgruppe weitere Kacheln zuzuordnen, besteht darin, direkt über den App Finder zu gehen. Der App Finder lässt sich über das Auswahlmenü durch Klick auf den User-Button öffnen. In diesem Fall öffnet sich durch Klicken der Pinnnadel ein Auswahlfenster (siehe Abbildung 2.18).


Abbildung 2.18: Kachel einer Gruppe zuordnen

Sie haben nun die Möglichkeit, eine oder mehrere Kachelgruppen auszuwählen und dort entsprechend die Kachel anzuheften. Umgekehrt funktioniert das Vorgehen natürlich auch, um einzelne Kacheln aus einer Gruppe zu entfernen.

Eigene Gruppen lassen sich im Bearbeitungsmodus mit einem Klick löschen. Handelt es sich um eine SAP-Standardgruppe, dann lässt sich diese nur zurücksetzen. Sollten Sie eine Kachelgruppe versehentlich zurückgesetzt haben, dann sind diese Kacheln nicht endgültig gelöscht, sondern können jederzeit wieder der Kachelgruppe angeheftet werden. Neben der Funktion des Zurücksetzens einer Kachelgruppe lässt sich diese auch »verstecken«, um die Startseite aufzuräumen.

Eine weitere Option, um die Startseite zu erweitern, besteht darin, Suchergebnisse als Kachel zu speichern. Haben wir beispielsweise einen bestimmten Innenauftrag über die Suche gefunden, so lässt sich die Infoseite des entsprechenden Innenauftrags als Kachel sichern. Hiermit ist jederzeit ein schneller Zugriff möglich (siehe Abbildung 2.19).


Abbildung 2.19: Suchobjekt als Kachel sichern

Der Bearbeitungsmodus lässt sich über zwei Wege wieder schließen. Zum einen besteht die Möglichkeit, über die Me Area die Option Bearbeitungsmodus verlassen auszuwählen, und zum anderen können Sie den Button Schließen unten rechts anklicken. In beiden Fällen wird das Beenden des Bearbeitungsmodus mit der Meldung »Ihre Änderungen wurden gesichert« quittiert.

2.8 Rollen, Berechtigungen und Kachelbau

Die Begriffe Kachel und App sind bereits in den vorherigen Abschnitten aufgetaucht. Nun wollen wir noch einmal kurz auf die Unterscheidung der beiden Begriffe eingehen und im Anschluss anhand eines Beispiels eine eigene Kachel im Fiori Launchpad anlegen. Darüber hinaus lernen wir, was es mit den Begriffen Rollen und Berechtigungen auf sich hat.

Mit der Bezeichnung Kachel ist das sichtbare Objekt im Fiori Launchpad gemeint, welches auf eine dahinterliegende Applikation verweist. Um ein einheitliches Design zu schaffen, werden herkömmliche Transaktionen (vgl. Abschnitt 2.5) als sichtbare Kachel in das Fiori Launchpad eingebunden. Dagegen ist eine Fiori App eine Anwendung, welche nach dem Fiori-Designkonzept erstellt wurde. Wir unterscheiden zwischen drei verschiedenen Kacheltypen.

 Komplexe Unternehmensbereiche werden grafisch übersichtlich mithilfe von Kennzahlen durch die dynamischen Kacheln abgebildet. Durch einen Klick auf eine entsprechende Kachel lassen sich weitere Informationen zu der jeweiligen Kennzahl aufrufen.

 Nachrichtenkacheln zeigen Nachrichten und Informationen an, die auf RSS-Feeds basieren. Hier besteht auch die Möglichkeit, unternehmensinterne Nachrichten (z.B. aus dem Intranet) einzubinden.

 Hinter einer statischen Kachel kann sich zum Beispiel eine altbekannte Transaktion befinden. Die statische Kachel zeigt einen Titel und ein frei wählbares Icon.

Vereinfacht kann man sagen, dass die einzige Aufgabe einer Kachel darin besteht, eine dahinterliegende Anwendung für den Nutzer zugänglich zu machen.

Auch die Fiori-Apps lassen sich in verschiedene Kategorien einordnen. Hierbei unterscheiden wir in die folgenden App-Kategorien:

 Transaktionale Apps sind aufgabenbezogene Anwendungen, die vom Funktionsumfang ähnlich wie eine herkömmliche Transaktion aufgebaut sind oder eine alte Transaktion abbilden, für die es noch keine eigene Fiori-Anwendung gibt. Hier können Unternehmensdaten erfasst und bearbeitet werden.

 Analytische Apps dienen der komfortablen Auswertung komplizierter Sachverhalte und Daten. Dies kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn unternehmensspezifische Kennzahlen genauer ausgewertet werden sollen. Es besteht die Möglichkeit, direkt aus der App in die für die Auswertung relevanten Einzelbelege abzuspringen (Drilldown).

 Sollen wichtige Informationen zu einem Objekt angezeigt werden bzw. Berichte zu verbundenen Objekten, die im Rahmen von Geschäftsvorgängen zum Einsatz kommen, dann arbeiten wir mit sogenannten Fact Sheets. Ausgehend von einer Fact-Sheet-App können Sie ähnlich wie bei den analytischen Apps einen Drilldown durchführen.

Nun wollen wir uns anschauen, wie man eine eigene Kachel auf der Fiori-Startseite einbetten kann. Hierfür definieren wir zunächst die Begriffe Kachelkatalog, Kachelgruppe und Rollen. Der Kachelkatalog ist eine Sammlung von Anwendungen, die für eine bestimmte Nutzergruppe relevant ist. Der Nutzer kann die zu seiner Rolle gehörigen Kataloge durchsuchen. Die Kachelgruppe ist eine Teilmenge aus einem oder mehreren Kachelkatalogen und dient der Gruppierung im Fiori Launchpad. Eine Berechtigungsrolle enthält die Kachelkataloge und Kachelgruppen, die für eine spezifische Nutzergruppe zur Verfügung stehen sollen.

Zusammenspiel Katalog, Gruppe und Rolle

Um die oben genannten Begriffe verständlicher zu machen, schauen wir uns folgendes Beispiel an:

Für den Fachbereich Controlling soll ein neuer Mitarbeiter eingestellt werden. Dieser soll in den ersten Wochen nur Kostenstellen bearbeiten und auswerten können. Hierfür wird eine eigene Berechtigungsrolle mit der Bezeichnung »Z_CO_Kostenstellenmitarbeiter« angelegt. Diese Berechtigungsrolle enthält den Kachelkatalog »Z_CO_BC_Gemeinkostencontrolling«, in dem die Anwendungen enthalten sind, die der Mitarbeiter für sein tägliches Geschäft benötigt. Zuletzt definieren wir noch entsprechende Kachelgruppen, die dem Mitarbeiter direkt im Fiori Launchpad angezeigt werden. Es werden die Kachelgruppen »Z_CO_BCG_Kostenstellen_bearbeiten« und »Z_CO_BCG_Kostenstellen_auswerten« erstellt. Die Gruppen enthalten die entsprechenden Kacheln, die der neue Mitarbeiter für seine operative Tätigkeit benötigt. Vor dem ersten Arbeitstag wird für den Mitarbeiter ein User angelegt, dem die Rolle »Z_CO_Kostenstellenmitarbeiter« zugewiesen wird. Wenn der neue Mitarbeiter nun an seinem ersten Tag das Fiori Launchpad öffnet, dann werden ihm gleich die für ihn relevanten Kacheln angezeigt. Sollte nun im Laufe der Zeit ein weiterer Mitarbeiter für diesen Bereich eingestellt werden, dann wird diesem einfach dieselbe Rolle zugeordnet.

Wie im obigen Beispiel erläutert, legen wir zuerst einen eigenen Kachelkatalog an. Hierfür müssen wir den Fiori Launchpad Designer öffnen. Dieser fungiert als Administrationsbereich für das Fiori Launchpad, da hier die Kachelkataloge, Kachelgruppen und die Kacheln selbst bearbeitet werden können (siehe Abbildung 2.20).


Abbildung 2.20: Fiori Launchpad Designer

Fiori Launchpad Designer

Um das Fiori Launchpad bearbeiten zu können, müssen Sie den Fiori Launchpad Designer aufrufen. Dies ist über folgende Transaktionen möglich:

 UI2/FLPD_CONF (mandantenunabhängig)

 UI2/FLPD_CUST (mandantenabhängig)

Voraussetzung hierfür sind die entsprechenden Berechtigungen zum Bearbeiten. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem zuständigen Berechtigungsmanager oder der SAP-Basis-Abteilung.

2.8.1 Kachelkatalog anlegen

Über den Button lässt sich im Fiori Launchpad Designer ein neuer Kachelkatalog hinzufügen. Es ist an dieser Stelle wichtig, darauf zu achten, welcher der beiden Reiter (Kataloge und Gruppen) oben links grau hinterlegt ist. Wie in der Abbildung 2.20 erkenntlich, ist hier der Reiter Kataloge grau hinterlegt und kann somit bearbeitet werden. Es öffnet sich ein Pop-Up (siehe Abbildung 2.21), in welchem wir die Felder Titel und ID füllen müssen. Der Titel kann frei gewählt werden. Wir orientieren uns hier an unserem Beispiel und tragen Gemeinkostencontrolling ein.


Abbildung 2.21: Kachelkatalog anlegen

Nomenklatur Kachelkatalog und Kachelgruppe

Die Nomenklatur der ID aus unserem Beispiel setzt sich folgendermaßen zusammen: »Z« steht für den kundeneigenen Namensraum. Danach folgt die Bezeichnung des Moduls und der Unterscheidung zwischen Kachelkatalog und Kachelgruppe. Dies wird durch die Abkürzungen »BC« oder »BCG« abgebildet, wobei »BC« für Business Catalog und »BCG« für Business Catalog Group steht. Zuletzt kann noch der Teilbereich ergänzt werden, für welchen der Katalog oder die Gruppe erstellt wurde.

Die Nomenklatur muss nicht zwangsläufig wie oben angegeben eingehalten werden. Es ist aber ratsam, hier eine konsistente Vorgehensweise zu adaptieren. Mit einem Klick auf Sichern legen wir den Kachelkatalog an.

Diesen müssen wir nun mit entsprechenden Kacheln befüllen. Das funktioniert am einfachsten, wenn wir auf bereits vorhandene SAP-Standard-Apps referenzieren. Hierdurch wird auch gewährleistet, dass Anpassungen, die die SAP an bereits vorhandenen Apps vornimmt, sich auch in unserem Kachelkatalog auswirken. Wir möchten in diesem Zuge noch einmal auf den Unterschied zwischen Kachel und App hinweisen. Wir binden eine eigene Kachel in unseren Kachelkatalog ein, referenzieren mit dieser aber auf eine vorhandene App der SAP. Doch wie finden wir nun am besten die Kacheln, die wir unserem Katalog hinzufügen wollen?

2.8.2 Kachel als Referenz anlegen

Fiori Apps Library

Die Fiori Apps Library ist mit der Einführung von SAP Fiori entstanden und hilft dem Nutzer, die passende Applikation für seinen Fachbereich oder Geschäftsprozess zu finden. Die Bibliothek wird regelmäßig aktualisiert und enthält mittlerweile fast 13.000 Anwendungen. Da die Bibliothek nur auf Englisch verfügbar ist, kann die Suchfunktion jedoch nur mit englischen Suchbegriffen bedient werden. Über folgenden Link kann man auf die SAP Apps Library zugreifen:

https://fioriappslibrary.hana.ondemand.com

Wir haben nun mehrere Möglichkeiten, auf eine App zu referenzieren. Die erste Möglichkeit besteht darin, die entsprechende App in der SAP Apps Library zu suchen und unter dem Reiter Implementation Information die nötigen Informationen auszuwählen (siehe Abbildung 2.22). Einerseits können wir hier den entsprechenden Kachelkatalog unter Business Catalog einsehen, welcher die spezifische App enthält, und andererseits wird uns auch eine fertige Rolle (Business Role) der SAP vorgeschlagen, die wir unserem Benutzer zuweisen können. Diese vorausgelieferten Benutzerrollen enthalten die entsprechenden Kachelkataloge, Kachelgruppen und Berechtigungen, die für die entsprechende App nötig sind. Im dargestellten Fall handelt es sich um eine Benutzerrolle für einen »Cash Manager«.


Abbildung 2.22: SAP Fiori Apps Library

Als weitere Option können wir einen vorhanden SAP-Kachelkatalog suchen und aus diesem dann auf unseren neu angelegten Katalog referenzieren. Dies hat den Vorteil, dass wir nicht jede App einzeln in der SAP Apps Library suchen müssen und uns hier die Informationen in deutscher Sprache zur Verfügung stehen. Wir öffnen hierfür wieder den Fiori Launchpad Designer und tippen in das Suchfeld den Begriff Gemeinkostenrechnung ein. Als Ergebnis erhalten wir verschiedene Kachelkataloge, welche einen Bezug zu dem eingegebenen Suchbegriff haben. Nun können wir aus den Kachelkatalogen die Apps aussuchen, die wir für unseren Beispielkatalog benötigen.

Als nächstes wählen wir den Katalog Gemeinkostenrechnung – Stammdaten Kostenstelle aus, klicken auf die Listenansicht , markieren die erste Zeile und klicken unten auf (siehe Abbildung 2.23). Danach müssen wir den Kachelkatalog angeben, in dem die Referenz der Kachel angelegt werden soll. Durch das Klicken auf Referenz anlegen öffnet sich ein Pop-up. Hier suchen wir nun unseren vorher angelegten Kachelkatalog mit der Bezeichnung »Z_CO_BC_Gemeinkostencontrolling« und wählen diesen aus.


Abbildung 2.23: Kachel als Referenz anlegen

Als Ergebnis wurde eine Kachel als Referenz in unserem Kachelkatalog angelegt (siehe Abbildung 2.24).


Abbildung 2.24: Referenz im eigenen Kachelkatalog

Alternativ besteht auch die Möglichkeit, den Vorgang per Drag and Drop anzustoßen. Hierfür halten wir die Kachel unserer Wahl gedrückt und ziehen diese in Richtung oberen Bildschirmrand. Es erscheinen zwei neue Felder, wie in Abbildung 2.25 ersichtlich. Es genügt, die Kachel in das blaue Feld Referenz anlegen zu ziehen. Daraufhin öffnet sich ebenfalls das Pop-Up mit der Abfrage des Kachelkatalogs. Diesen Vorgang können wir jetzt mit allen Kacheln wiederholen, die wir für unseren eigenen Kachelkatalog benötigen.


Abbildung 2.25: Referenz per Drag and Drop anlegen

Jetzt, da wir unseren Kachelkatalog angelegt und mit Inhalt gefüllt haben, können wir uns unseren Kachelgruppen zuwenden, mit denen wir die spezifischen Kacheln für den jeweiligen Mitarbeiter ausprägen können.

2.8.3 Kachelgruppe anlegen

Wie in dem obigen Beispiel »Zusammenspiel Katalog, Gruppe und Rolle« bereits beschrieben, legen wir die Kachelgruppen »Kostenstellen bearbeiten« und »Kostenstellen auswerten« an.

In der linken Spalte des Fiori Launchpad Designers wechseln wir durch einen Klick oben rechts auf die Ansicht. Der Reiter ist nun grau hinterlegt. Analog zum Vorgehen bei der Erstellung eines Kachelkatalogs legen wir eine neue Kachelgruppe über an. Es öffnet sich ein Pop-Up, in dem wir wieder Titel und ID eingeben und anschließend sichern. Unsere Gruppe wurde nun angelegt, ist initial allerdings noch ohne Inhalt. Um nun eine Kachel zu der neuen Gruppe hinzuzufügen, klicken wir auf . Erneut öffnet sich ein Pop-Up, in welchem wir unseren Kachelkatalog »Gemeinkostencontrolling« suchen und auswählen. Das Ergebnis sehen wir in Abbildung 2.26.


Abbildung 2.26: Kachel anheften

Über den Button lässt sich die Kachel nun in der Gruppe anheften. Aus dem Plus wird beim erfolgreichen Hinzufügen ein Haken.

Denselben Vorgang führen wir jetzt für die zweite Kachelgruppe »Kostenstellen auswerten« durch. Nun haben wir die Arbeiten im Fiori Launchpad Designer abgeschlossen. Als Ergebnis erhalten wir zwei neue Kachelgruppen, die auf unseren eigenen Kachelkatalog zugreifen. Wie bereits erwähnt, sind diese Parameter in der vorher definierten Rolle eingepflegt. Zuletzt muss dem entsprechenden User nur noch die Rolle zugewiesen werden, und das Fiori Launchpad des entsprechenden Nutzers wird um die soeben erstellten Kachelgruppen erweitert.

Eigene Kacheln definieren

In der Videosammlung »Schnelleinstieg in SAP Fiori«, die Sie über den frei zugänglichen Bereich unserer SAP-Lernplattform aufrufen können, lernen Sie im vierten Teil, »Fiori Launchpad Designer – Kacheldefinition«, wie Sie eigene Kacheln erstellen können. Sie können im Vorwort dieses Buches nachschlagen, wie Sie das Video aufrufen.

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Litres'teki yayın tarihi:
25 mayıs 2021
Hacim:
341 s. 286 illüstrasyon
ISBN:
9783960120933
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