Kitabı oku: «Die Gesandte des Christus Gottes, Seine Prophetin der Jetztzeit, Gabriele»

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Biographie

Die Gesandte des Christus Gottes,

Seine Prophetin der Jetztzeit,

Gabriele


Der universale Geist

ist die Lehre der Gottes- und Nächstenliebe

an Mensch, Natur und Tieren

1. Auflage Oktober 2011

© Gabriele-Verlag Das Wort GmbH

Max-Braun-Str. 2, 97828 Marktheidenfeld

Tel. 09391/504-135, Fax 09391/504-133

www.gabriele-verlag.com

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Coverbild: © Photosani / fotolia.de

Printausgabe: ISBN 978-3-89201-332-7

ISBN 978-3-89201-656-4 (epub)

ISBN 978-3-89201-602-1 (mobi)

Vorwort

Immer wieder erreichen uns Briefe aus aller Welt, z.B.:

„Ich war in der ganzen Welt, habe studiert und so vieles gelesen und doch nirgendwo das gefunden, was ich suchte. Jetzt habe ich die Lehren entdeckt, die Gott, der Ewige, durch Gabriele gegeben hat – und ich weiß, das ist die Wahrheit; das habe ich gesucht.“

„Ich möchte Ihnen sagen, dass mir durch die Prophetin Gabriele der Christus-Gottes-Geist näher und verständlicher wurde ...“

„Mit den Büchern [von Gabriele] arbeite ich täglich, und mein Leben hat solch eine Kehrtwende genommen.“

„Es ist ein wunderbares Geschenk: Unsere Schwester Gabriele lässt uns Gott in uns spüren. Es sind Augenblicke, aber sie geben uns die Bewusstheit Seiner Liebe und der Einheit mit der Schöpfung.“

„Wir sind Gabriele sehr dankbar für die Lehren, die sie uns bringt. Wir haben verstanden, dass hinter dem Vegetarismus, den sie lehrt, eine viel größere Dimension der Güte gegenüber den Menschen, der Natur und den Tieren steht. ... Wir sind unserem Herrn wirklich sehr dankbar für diese Belehrungen über so einfache, aber fundamentale Zusammenhänge!“

„Als erstes danke ich Gott, dem Allmächtigen, für dieses Licht, das Er uns für den Beginn des 21. Jahrhunderts bringt. Es ist eine mächtige Kraft, und es erschüttert und revolutioniert alle Lehren, die wir seit unserer Kindheit bekommen haben. In gleicher Weise danke ich Gabriele für das Werk, das sie erfüllt.“

Viele Briefe schließen dann mit der Frage: Wer ist Gabriele? Und: Wie kann ich mehr über sie erfahren? Wie kam es zu ihrer Berufung als Prophetin?

Nachdem diese Fragen so viele Menschen in nah und fern bewegen, ist es uns ein Anliegen, das hier vorliegende Buch zu veröffentlichen: eine Biographie über Gabriele, die Prophetin und Botschafterin Gottes für unsere Zeit.

Gabriele-Verlag Das Wort

Einführung Eine Prophetin Gottes – in unserer Zeit?

Wahre Spiritualität hat nichts mit Religion zu tun. Gott, unser himmlischer Vater, hat die Menschen nicht in Religionen eingeteilt – diese Abgrenzung ist Menschenwerk. Es gibt nur einen Gott, ob wir Menschen Ihn nun Gott nennen, Allah oder All-Geist, kosmische All-Intelligenz, universeller Geist – es ist immer derselbe Gott, der Vater aller Seiner Kinder, der Schöpfer allen Lebens. Er ist Liebe, Freiheit und Einheit. Ob wir an Ihn glauben oder nicht – Er ist unser aller himmlischer Vater.

Ein liebender Vater lässt Seine Kinder niemals im Stich – das tut auch Gott, der Ewige, nicht, denn Er ist die Liebe selbst. Zu allen Zeiten sandte Er Seine Boten zu uns Menschen. Aus der Überlieferung sind uns die Namen großer Propheten bekannt, z.B. Mose, Jesaja, Jeremia, Hosea, und, als dem größten Propheten, Jesus von Nazareth. Auch nach Jesus von Nazareth erschienen immer wieder große prophetische Gestalten wie Johannes von Patmos, Montanus, Mani oder Bogumil, um nur einige zu nennen.

Wenn seitens kirchlicher Institutionen behauptet wird, die Offenbarung Gottes habe „in Jesus Christus ihren unüberbietbaren Höhepunkt und Abschluss gefunden“, 1) dann ist das ein Widerspruch zu ihrer eigenen Bibel, in der zu lesen ist: „Jagt der Liebe nach! Strebt aber auch nach den Geistesgaben, vor allem nach der prophetischen Rede! ...“ Und: „Auch über Meine Knechte und Mägde werde Ich von Meinem Geist ausgießen in jenen Tagen, und sie werden Propheten sein. ... “ Oder: „Wir haben desto fester das prophetische Wort, und ihr tut wohl, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.“ (2 Petr. 1,19)

Und Jesus von Nazareth kündigte vor 2000 Jahren an: „Noch vieles habe Ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird Er euch in die ganze Wahrheit führen.“

Gabriele, die Prophetin und Botschafterin Gottes für unsere Zeit, ist der lebende Beweis dafür, dass Gott sich auch heute nicht den Mund verbieten lässt. Denn der freie Geist weht, wo Er will.

Die Frage, warum Gott immer wieder Seine Propheten zu uns Menschen sendet, beantwortete Gabriele selbst schon Mitte der 1990er Jahre ausführlich – und ihre Analyse hat bis heute nichts an Aktualität eingebüßt:

„Aus der geschichtlichen Vergangenheit wissen wir, dass Gott, der Ewige, immer dann Propheten zu uns Menschen schickte, durch die Er nicht nur ernst mahnte, sondern auch intensiv den Weg wies, wenn die Verwilderung des Volkes zunahm, die sich in den niedrigsten Exzessen und Ekstasen des menschlichen Ichs ausdrückte und durch die krassen Zuwiderhandlungen gegen die fundamentalen Prinzipien der göttlichen Ordnung eine entscheidende Wende in der Geschichte der Menschheit einleitete.

Betrachten wir unsere heutige Welt und analysieren wir die täglichen Geschehnisse und Ereignisse, dann ist offensichtlich, warum Gott in dieser Zeit einen Propheten schickt, durch den Er Sich offenbart. Der Wachsame erkennt, dass wir jetzt an einem gewaltigen Wendepunkt irdischen Lebens stehen, einem Umbruch, wie er in der Geschichte der Menschheit noch nicht dagewesen ist. In unserer Zeit erleben wir die Anfänge und die Ereignisse, die in der Offenbarung Johannes bildhaft wiedergegeben sind.

Katastrophen, sowohl in der Welt als auch von der Erde ausgehend, nehmen überhand. Die Menschen haben die Erde und deren Schutzschild, die Atmosphäre, weitgehend zerstört. Die Stratosphäre öffnet sich immer mehr. Die Einflüsse aus dem Weltall treffen uns Menschen auf unterschiedliche Art und Weise.

Die Meere sind zu Müllhalden menschlicher Un-Kultur geworden; wir finden darin die Abwässer unzähliger Fabriken und abgelagerten, strahlenden Atommüll. Die Böden der Erde sind ausgelaugt. Die Regenwälder, die die Lunge der Erde sind, werden landstrichweise abgeholzt. Riesige Wassermassen werden umgeleitet und entsprechende Staudämme errichtet. An Pflanzen und Tieren wird manipuliert; Tiere werden unsagbar gequält, auch in Laboratorien zu Versuchszwecken. Tausende und Abertausende Tierarten sterben, weil die Erde ihnen infolge des Eingreifens der Menschen in die Wirkungsgefüge der Natur keinen Lebensraum mit den ihnen entsprechenden Lebensbedingungen mehr bieten kann.

Menschen werden immer grausamer. Mit menschlichen Organen macht man Geschäfte. Wissenschaftler so mancher Fachrichtungen greifen bewusst in Bereiche und Strukturen des Lebens ein – Übergriffe in die von Gott gegebene Ordnung, vor denen bislang noch eine gewisse natürliche Scheu den Menschen zurückhielt. Bisher unbekannte Krankheiten nehmen zu. Schicksale häufen sich und ballen sich zusammen. Hungersnöte, Krankheiten, bestialische kriegerische Handlungen, Gewaltverbrechen bedrohen die Menschen in allen Bereichen der Erde. Das Gefälle zwischen Reich und Arm wird immer größer. Es gibt immer mehr Skandale, immer mehr Fälle von Korruption. Ungleichgewichte, Ungerechtigkeit, Manipulation, Lug und Betrug im Kleinen wie im Großen sowie die Arbeitslosigkeit führen zunehmend zu Spannungen. Die unhaltbaren Zustände in der Welt werden zusehends krasser und alarmierender; Entwicklungen überschlagen sich bereits – was gestern noch galt, ist heute schon null und nichtig. Das gilt auch für das Wort der Mächtigen auf dieser Erde. Schon an diesen wenigen Schlaglichtern ist abzulesen, dass wir in der ersten Phase eines Umbruchs von gewaltigen Ausmaßen und mit katastrophalen Folgen stehen.

Für den Zustand der Verwilderung des Volkes ist charakteristisch, dass alle ethischen und moralischen Werte schwinden. Zügellosigkeit greift um sich. Es ist offensichtlich, dass das institutionelle »Christentum« den Menschen keinen Halt mehr bietet. Die Kirchen werden trotz ihres Prunkes und ihrer goldenen Pracht leerer – so leer wie manches »fromme« Wort, das darin gesprochen wurde und wird. Viele, die Gott, ihren Vater, und die Wegweisung hin zu Ihm in den Kirchen suchten, mussten feststellen, dass Er dort nicht zu finden ist. Der Gott der Kirchenlehre hilft ihnen weder, ihr persönliches Schicksal zu verstehen, noch diesem zu begegnen. Weil die Menschen es mit dem Glaubensbild eines liebenden Gottes nicht in Einklang bringen können, dass ihre Schicksale, ihre Krankheiten, ihre Nöte und alles, was die Welt an Unrat trägt, von diesem Gott weder gelindert noch aufgehoben wurden, haben sie den Glauben an Gott verloren. Einem Gott, der Seine Kinder in die ewige Verdammnis schickt, bringt man schwerlich Vertrauen entgegen. Die kirchlichen Machthaber mit ihrem persönlichen Schaugepränge stellen sich nur selbst dar, anstatt die klare und unverfälschte Lehre des Jesus, des Christus, zu lehren und diese selbst zu verkörpern in dem Bewusstsein, dass sie selbst nichts sind, sondern die Diener Dessen sein sollten, Der alles ist, um Dem die Ehre zu geben, Den Gott uns gesandt hat: Seinem Sohn.

Die sogenannten kirchlichen Amtsträger hängen sich an den Staat, um über den Staat Kirchensteuer und dergleichen zu beziehen, also die entsprechenden Vergünstigungen, die eine Amtskirche – gleichsam eine Staatskirche – zu beanspruchen sich herausnimmt. Das Kirchenvolk und das Volk zahlen für die kirchlichen Obrigkeiten, ohne zu fragen, wofür.

Besinnen wir uns auf das Leben Jesu, auf Seine Lehre, die Frohbotschaft, die Verkündigung der großen Liebe Gottes, und vergleichen wir damit das heutige Christentum, dann stellen wir fest: Von der einfachen und schlichten Lehre Jesu ist kaum mehr etwas übriggeblieben. Alles ist auf Kirchenmacht und Kirchenprofit ausgerichtet. Wenige Kirchenchristen wissen, dass sie selbst der Tempel Gottes sind und dass der Geist Gottes in ihnen wohnt. Wenige wissen, dass sie sich schlicht und einfach nach innen zum Gott des Herzens wenden können, um unmittelbar mit Ihm Zwiesprache zu halten durch das Gebet, das sie im Alltag zu erfüllen trachten, und Ihm näherzukommen durch die Erfüllung der Gebote Gottes und der Bergpredigt Jesu. Dazu bedarf es keiner Kirchenfürsten, keiner goldverbrämten Kirchenbauten, keiner Dogmen und Riten, sondern einzig des Wissens, dass Gott, Der im Herzen der Menschen wohnt, sie liebt und ihnen helfen möchte, wenn sie es wollen. Wir brauchen nicht mehr als das Wissen, dass der Mensch für alles, was er tut, selbst verantwortlich ist, nach den sinngemäßen Worten Jesu in der Bergpredigt: Für jedes unnütze Wort musst du Rechenschaft ablegen am Tage des Gerichts. – Das gilt auch für bösartige Gedanken, für unlauteres Fühlen und niederes Tun, für das Handeln nach den niedrigsten menschlichen Trieben.

Daraus geht hervor, dass der Mensch das, was er sät, auch ernten wird. Nicht Gott schickt uns das, was wir heute zu tragen und zu leiden haben; nicht Gott hat die Erde und die Meere verunreinigt; nicht Gott greift in die Atmosphäre ein, um sie zu öffnen; nicht Gott schickt uns die Hungersnöte, die Krankheiten und das Leid. Nicht deshalb hat uns Gott Seinen Sohn gesandt, damit wir lernen, wie man Kindern der Dritten Welt die Organe aus dem Leib reißt, wie man Tiere quält, tötet und verzehrt, wie man Regenwälder abholzt und die Wasseradern der Erde durch riesige Staudämme umleitet. Gott sandte uns nicht Seinen Sohn, um uns zu lehren, wie man durch Ellbogenwirtschaft reich wird, so dass das Gefälle der Armut entsteht. Jesus lehrte uns auch nicht die bestialischen kriegerischen Handlungen und gab uns auch nicht den Rat, auf kirchliche Machthaber zu hören. Er sprach zu uns Menschen: »Folget Mir, Jesus, dem Christus, nach!« Wie? Das lehrte Er uns in einfachen, schlichten Lebensregeln, die zugleich die höchsten Lehren sind. Die Masse des Volkes wurde träge und dumm gehalten und ließ es sich gefallen, auch dass Theologen, kirchliche Machthaber, zu Verwaltern einer Religion wurden, die nur das Mäntelchen »christlich« trägt.

Soll der Christus Gottes schweigen, wenn Seine Lehre entstellt und zur Machtausübung und zum Sammeln von Reichtum verwendet wird und Gläubige der Kirchen in die Irre geführt werden? Von der Inneren Religion, der Religion des Herzens, der tiefen Gläubigkeit im rechten Tun der Lehre, ist in den institutionellen Kirchen nichts mehr vorhanden.

Dass Gott in dieser Zeit einen Propheten zu den Menschen schickt, durch den Er Sich offenbart, um Seine Kinder, die Er liebt, von ihren sich selbst auferlegten Qualen, die nach dem Gesetz von Saat und Ernte auf jeden irgendwann zukommen werden, zu erretten, kann nur der verstehen, dem zur Gewissheit geworden ist, dass Gott die Liebe ist, dass Er, Gott, unser ewiger Vater, Sich um uns, Seine Kinder, sorgt. Der Beweis Seiner großen Liebe ist Sein göttlicher Sohn, der Mitregent der Himmel, der zu uns Menschen kam, der uns als Jesus von Nazareth unseren ewigen Vater der Liebe näherbrachte, Der einzig i n jedem Menschen zu finden ist – im Gebet im stillen Kämmerlein und durch die Erfüllung Seiner Gebote und der Bergpredigt.

Diese einfachen Jesusworte, diese Hinweise und lebensnahen Lehren, Gott, unseren ewigen Vater, in unserem Herzen zu erfahren, wurden von den kirchlichen Amtsträgern geflissentlich unterdrückt. Die Menschen wurden auf kirchliche Amtspersonen ausgerichtet, auf Pfarrer, Priester, Bischöfe, Kardinäle oder den, der sich »Heiliger Vater« nennen lässt. Dies alles wollte Jesus nicht. Dies alles brauchen wir auch nicht. Jesus lehrte uns das Vaterunser und dass wir unserem Nächsten vergeben und unseren Nächsten für unsere Sünden um Vergebung bitten sollen, dass uns nur dann unser ewiger Vater vergeben kann, wenn wir das von Herzen tun. Auch dazu bedarf es keiner kirchlichen Amtsperson und keiner Ohrenbeichte, die Sünder anderen Sündern abnehmen zu wollen sich erdreisten – angeblich im Auftrag Gottes.

»Liebe Gott von ganzem Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit all deinen Kräften und deinen Nächsten wie dich selbst.« Das ist eine einfache und schlichte Lehre – »natürlich« zu einfach für die kirchlichen Amtspersonen. Hin und wieder wird sie von ihnen verklausuliert wiedergegeben, doch der rechte Sinn dieser großen und einmaligen Lehre wird nicht verdeutlicht und vor allem nicht vorgelebt. Würden die Vertreter der Amtskirchen diese einmalige Lehre, Gott von ganzem Herzen zu lieben, verkörpern, dann hätten sie kein Recht mehr, sich kirchliche Würdenträger zu nennen.

Gerade in dieser Zeit, in der sich ein gewaltiger Zusammenbruch anzeigt, sandte Gott wieder einen Propheten, um der Menschheit zu sagen: ICH BIN gegenwärtig. ICH BIN da, auch in der schwersten Zeit. – Gott wird jedoch keinen Menschen zwingen, Ihn zu hören. Gott gibt durch den Propheten, und wer Seine Worte an- und aufnimmt, sie also im täglichen Leben verwirklicht, der erlebt Gott in seinem Herzen.

Nach mehr als 20 [mittlerweile 36] Jahren prophetischen Wirkens fühle ich mich immer noch nicht dieser mächtigen Aufgabe gewachsen. Ich wollte nie Prophet sein. Doch in der Seele eines Propheten liegt die Prophetische Weisung Gottes, die vom Propheten erfüllt werden muss.

Als ich Gott in meinem Herzen fand, wollte ich ausschließlich Sein Kind, Seine Tochter, sein und Seinen Willen erfüllen. Das Prophetenamt ist mir schon immer schwergefallen und fällt mir auch heute schwer, doch ich tue es, weil Gott es so will. Letztlich bin ich Prophetin wider Willen.“

In diesen Worten klingt bereits ein Thema an, das uns durch dieses Buch begleiten wird. Der Schweizer Theologe Walter Nigg fasste es in seinem Buch „Prophetische Denker“ so zusammen:

„So verschiedenartig das Leben der einzelnen Propheten war, gemeinsam war ihnen allen ein überaus schweres Schicksal. Nie wurden Propheten mit offenen Armen aufgenommen; allzeit setzten die Menschen ihren Worten den stärksten Widerstand entgegen. ... Prophetsein ist eine der härtesten Bestimmungen für einen Menschen.“ 2)

Gabriele musste auch erleben, wie sich die Feinde des Prophetischen Wortes gegen sie verbündeten – die Feinde, die bereits Walter Nigg in prägnanter Weise charakterisiert:

*„Der bekannteste Feind der Prophetie ist die Masse.“ 3) Wobei Nigg damit auch Menschen meint, die träge und gleichgültig in den Tag hineinleben, die ihr Gewissen preisgegeben haben und sich von demagogischen Anführern missbrauchen lassen. Zum Beispiel von Journalisten, so muss man heute hinzufügen, die in opportunistischer Weise nach ebenso billigen wie zynischen Effekten haschen, die ihnen der Feind Nummer zwei mundgerecht serviert:

*„Der zweite Feind der Propheten ist der Priester. ... Wie es auch immer um den Priester bestellt sein mag, er ist auf alle Fälle ein Vertreter des Bestehenden ...“, also der von Menschen gemachten „Tradition“, die jedoch mit dem Willen Gottes kaum etwas zu tun hat. Doch Walter Nigg sagt aus: „Dem Propheten ist die Aufgabe gegeben, Gottes Willen zu verkünden, der dem Gebot der Stunde entspricht.“ 4) Die Priesterkaste hingegen, die Gott nie eingesetzt hat, verteidigt ihre Macht und ihren materiellen Besitzstand mit Zähnen und Klauen. Und sie hat einen neuen Verbündeten:

*„Dem Propheten ist ... ein neuer, dritter Feind erwachsen, und das ist die Tiefenpsychologie.“ 5) Eine Wissenschaft, die sich für manche Menschen über ihr durchaus sinnvolles Einsatzgebiet hinaus zu einer Art Religionsersatz entwickelt hat, wertet alles ab und „erklärt“ alles weg, was nicht zähl- und messbar ist.

Doch auch ein Heer von Feinden, mit allen Mitteln dieser Welt ausgestattet, hat es nicht vermocht, das Prophetische Wort der heutigen Zeit aufzuhalten. Gabriele ist der lebende Beweis, dass Gott, unser ewiger Vater, uns Menschen nicht alleine lässt, auch nicht im 20. und 21. Jahrhundert – ja gerade nicht in einer so schwierigen Zeit wie der heutigen. Er liebt Seine Kinder im Erdenkleid und möchte sie vor Unheil bewahren.

Durch Gabriele, Seine Prophetin und Botschafterin, hat der Christus-Gottes-Geist z.B. frühzeitig und rechtzeitig vor der bevorstehenden Klimakatastrophe gewarnt. Wer diese Warnungen nicht hören wollte und zugleich verhinderte, dass sie viele Menschen erreichen konnten, das war die Priesterkaste der heutigen Zeit. Sie ist auch verantwortlich dafür, dass entsprechende Weichenstellungen nicht rechtzeitig eingeleitet wurden, um die gegenwärtigen und bevorstehenden Katastrophen abzuwenden.

Ein Gottesprophet, das stellt Gabriele einmal mehr unter Beweis, ist jedoch weit mehr als ein Warner. Durch ihn gibt Gott den Menschen der jeweiligen Zeit Orientierung. Er erläutert ihnen die Gesetze Gottes, zeigt ihnen, wie sie im Inneren Gott näherkommen und wie sie im Äußeren ein Leben in Frieden und Harmonie mit der gesamten Schöpfung führen können.

Bei Gabriele kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: Sie ist eine Lehrprophetin. Doch wer kannte vor ihrem Wirken auf dieser Erde überhaupt den Unterschied zwischen Künderprophet und Lehrprophet? Je länger man sich mit dem befasst, was durch Gabriele auf diese Erde kam und noch immer kommt, desto klarer wird, welch ein einmaliges Juwel Gott, unser himmlischer Vater, hier unter uns gestellt hat.

Gott hat immer wieder Prophetinnen und Propheten zu uns gesandt. Aber noch nie zuvor haben wir im Detail erfahren, was einen Propheten eigentlich ausmacht, und wie er vorbereitet und ausgebildet wird, um seinen Auftrag erfüllen zu können, oder wie sich das Prophetische Wort genau vollzieht – und wie der Mensch das kosmische, das absolute Bewusstsein wieder erlangen kann, das im Urgrund der Seele jedes Menschen angelegt ist.

Und das ist etwas, das wirklich jeden Menschen angeht: Zu Propheten, zu Wortträgern Gottes, sind nur wenige berufen. Doch jeder Mensch ist gerufen, seine Seele zu reinigen, um den Willen und das Wort Gottes eines Tages wieder rein und klar in sich zu vernehmen. Auf diesem Weg nach Innen Schritt für Schritt voranzukommen, das ist letztlich der Sinn unseres Erdenlebens.

Gabriele ging und geht uns diesen Weg voraus – und sie berichtet darüber, dass ihr dabei nichts in den Schoß fiel. Denn was der Prophet ausspricht, das muss er zuvor selbst verwirklicht haben. Sie berichtet über ihren Lebensweg, der bis heute alles andere als einfach ist. Doch gerade deshalb können diese Berichte für jeden, der sie offenen Herzens liest, eine Quelle der Inspiration und Hoffnung für den eigenen Weg zum Inneren Leben sein.

Kein Mensch kann einem anderen beweisen, dass es wirklich der Geist Gottes ist, der sich heute erneut durch Gabriele offenbart. Doch jeder, der es möchte, kann es sich selbst beweisen: Indem er die Lehren, die uns durch sie geschenkt wurden und werden, in seinem eigenen Leben Schritt für Schritt anwendet. Jesus von Nazareth sagte es in der Bergpredigt: „Wer diese Meine Worte hört und sie tut, der ist ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels gebaut hat.“

Die diesem Buch zugrunde liegenden Inhalte werden hier aus verschiedenen älteren Schriften neu zusammengefasst und miteinander in Bezug gesetzt; auch weitere, noch nicht veröffentlichte Aspekte aus dem Leben der Gottesprophetin Gabriele werden beschrieben, so dass ein neues Gesamtbild entsteht. Die Darlegungen umfassen den Zeitraum von der Geburt Gabrieles bis zum heutigen Tag. Wer Näheres darüber erfahren möchte, welches hohe geistige Wesen hier in einer Frau aus dem Volke einverleibt ist, oder wer ausführlich nachlesen will, mit welch unglaublicher Kreativität für alle Lebensbereiche sie agiert und mit welchem Durchhaltevermögen sie trotz bösartigster Anfeindungen ihren Auftrag aus den Himmeln seit mittlerweile über 36 Jahren erfüllt, der sollte darüber hinaus zu folgenden Büchern greifen: „Das Wirken des Christus Gottes und der göttlichen Weisheit“ sowie „Des Satans alte Kleider“.

Marktheidenfeld, Oktober 2011

Matthias Holzbauer

Kapitel 1 Jahre der Vorbereitung

Wie verläuft die Kindheit und Jugend einer Gottesprophetin? War sie eine Art Wunderkind? Ließ sie frühzeitig übersinnliche Fähigkeiten erkennen? Stammte sie aus einer bekannten Familie, die ihre Talente frühzeitig zu fördern wusste? Wer hier Sensationen erwartet, der lässt außer acht, dass Gott, der Ewige, unser aller Vater, es nicht nötig hat, die Erwartungen dieser Welt zu bedienen, um die Herzen Seiner Kinder zu erreichen. Im Gegenteil: Das wäre, wie wir noch sehen werden, diesem Ziel eher abträglich.

Bis etwa zu ihrem 35. Lebensjahr verlief das Leben Gabrieles weitgehend unspektakulär. Und sie selbst wäre die Letzte, die sich mit ausführlichen Erzählungen oder Anekdoten aus ihrem Leben hervortun würde. Was im Folgenden zusammengefasst wird, stammt im Wesentlichen aus Antworten, die sie gab, nachdem sie ausdrücklich danach gefragt wurde. Gabriele spricht oder schreibt über sich selbst und über ihr Leben grundsätzlich nur, wenn sie spürt, dass ihre persönlichen Erfahrungen anderen Menschen dabei helfen können, ihr eigenes Leben besser einzuordnen und sich neue, auf die Zehn Gebote Gottes und auf die Bergpredigt des Jesus, des Christus, ausgerichtete Ziele zu setzen.

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Gibt es im Leben Zufälle? Darüber mag man geteilter Meinung sein. Doch wenn es keine Zufälle gibt – und davon gehen Nachfolger des Jesus von Nazareth aus –, dann gilt das umso mehr, wenn Gott, der Ewige, ein Geistwesen aus den Himmeln zur Erde sendet, damit es als Mensch, als größter Lehrprophet seit Jesus von Nazareth, das Wort Gottes erneut verkündet.

Jedes Geistwesen, das seinen Auftrag aus den Himmeln auf der Erde erfüllt, geht freiwillig zur Menschwerdung. Sehr anschaulich ist dies in dem Prophetenbuch des Jesaja im Alten Testament aufgezeichnet:

„Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!“ ...

Durch die Sendung der Gottespropheten wird das Licht in die Finsternis gesandt. So war es auch bei Gabriele.

Im Januar 1933 wurde im Deutschen Reich ein verhängnisvoller Machtwechsel angestrebt. Mit Intrigen und Geheimgesprächen wurde die Machtergreifung eines Mannes vorbereitet, der sich zuvor bereits zum „Führer“ des deutschen Volkes hatte hochstilisieren lassen und der mit diabolischer Rhetorik die Massen in seinen Bann zog. Der jugendliche Idealismus einer ganzen Generation wurde fehlgeleitet und endete schließlich in der Zerstörung eines ganzen Kontinents und darüber hinaus.

Doch in genau derselben Zeit wurde in aller Stille von der göttlich-geistigen Welt etwas ganz anderes vorbereitet. Im Herbst 1933, gerade einmal acht Monate nach der „Machtergreifung“ in Berlin, kam in einer Kleinstadt im bayerischen Schwaben die Tochter eines Schneidermeisters zur Welt und wurde auf den Namen „Gabriele“ getauft. Niemand ahnte damals auch nur entfernt, dass uns Menschen durch diese Schneiderstochter später einmal dem Mitregenten der Himmel der Weg bereitet werden würde: Christus, dem Sohn Gottes, der in jedem Menschen wohnt.

Man könnte auch mit Friedrich Hölderlin sagen: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ – und zwar nicht nur auf die spezielle Geschichte Deutschlands bezogen, sondern auch insgesamt auf die katastrophale Situation der Welt, in der wir uns heute befinden.

Herkunft aus einfachen Verhältnissen

Nun mag der Leser fragen: Weshalb werden keine genauen Namen und Daten genannt? Warum diese Diskretion? – Zum einen deshalb, weil der Mensch Gabriele mit seiner genauen Herkunft zurücksteht gegenüber dem geistigen Wesen, das sich auf der Erde einverleibt hat, um einen außerordentlich bedeutsamen geistigen Auftrag zu erfüllen. Zum anderen aber haben, wie wir später noch sehen werden, die Inquisitoren unserer Tage – man könnte sie auch Verleumdungsbeauftragte der Kirchen nennen – mit ihren Anwürfen bis hin zum Rufmord, mit ihren Schnüffeleien und mit ihrer Spionage- und Verleumdungssucht dafür „gesorgt“, dass Gabriele ihre Verwandten seit langer Zeit nicht mehr besuchen kann. Sie wollen nicht weiter von dem journalistischen Kesseltreiben behelligt werden. Und diesen Wunsch sollte man respektieren.

Dabei gab und gibt es in der Herkunft wie im Lebenslauf Gabrieles bis auf den heutigen Tag rein gar nichts auszukundschaften, was in irgendeiner Weise gegen sie ins Feld geführt werden könnte. Eine einfache Handwerker-Familie war ihr Elternhaus. Und das war bei großen Gottespropheten häufig so: Amos etwa, Sohn eines Hirten, war selbst Hirte und züchtete Maulbeerfeigen. Oder nehmen wir Jesus von Nazareth, den Sohn eines Zimmermanns, der selbst in diesem Beruf tätig war. Und jetzt: eine Schneiderstochter.

„Handwerk hat goldenen Boden“, sagt man zwar. Doch Gabrieles Familie lebte in schlichten, einfachen Verhältnissen. Was die Eltern jedoch für ihre Kinder tun konnten, das taten sie.

Schon bald wurde allerdings auch Gabrieles Kindheit vom Krieg überschattet. Der Vater musste Soldat werden wie andere Väter auch – und als er Jahre später zurückkam, fand er das Haus, das er sich durch harte Arbeit erworben hatte, teilweise zerstört vor. Mit zähem Fleiß wurde es wieder aufgebaut.

Es ist bekannt, dass in den Kriegsjahren der Schulunterricht sowohl von der Anzahl der Unterrichtsstunden als auch von der Qualität der Lehrer her sehr einfach war. Häufig gab es Fliegeralarm, und der Unterricht fiel aus. Viele gute Lehrer mussten als Soldat an die Front. Auch nach dem Krieg fand der Schulbetrieb zunächst nur mit Einschränkungen statt – und als die Schulzeit dann zu Ende war, war es Gabrieles Eltern nicht möglich, ihre Tochter auf eine höhere Schule zu schicken. Sie suchten daher für sie eine Lehrstelle.

Heute weiß Gabriele, dass es keine Zufälle gibt. Der Ewige hat sie von jeglichem weltlichen Tand hinweggeführt. Gott wollte, dass ihre Gehirnzellen nicht mit kompliziertem intellektuellen Wissen vollgestopft wurden. Gott brauchte einen Menschen, dessen Wesen schlicht, aber gottnah war, so dass nach und nach die göttliche Intelligenz durch ihn wirken konnte.

Wer Gabriele heute erlebt und Zeuge wird, wie sie zum Beispiel in komplizierten Theorien verschiedenster Fachgebiete in Sekundenschnelle den wunden Punkt findet und mit köstlichem Humor und sehr direkten Worten den Finger in die Wunde legt ... wer dies einmal miterlebt, der kann nur erahnen, wie haushoch die göttliche Intelligenz – zu der sie heute uneingeschränkten Zugang hat – den intellektuellen Kartenhäusern dieser Welt, die sich in „es könnte sein“, „es müsste sein“, „eventuell ist es so“ usw. erschöpfen, überlegen ist.

Vor einiger Zeit fragte sie einige von uns: „Warum hat der liebe Gott keinen Doktortitel?“ Wir schauten sie mit großen Augen an in der Frage: „Warum?“ „Weil der liebe Gott von niemandem abschreibt! Er ist die Allweisheit und das Sein. Er ist der Schöpfer, das Leben. Intelligenz bedarf nicht des Intellekts. Nur der Intellekt glaubt, er wäre intelligent.“

Dynamik und Lebensfreude

Gabriele war als Kind und Jugendliche nach eigenem Bekunden „ein sehr spontaner, lustiger, freudiger und sportlicher Typ“. In der Schrift „Der Jugendliche und der Prophet“ berichtet sie, dass ihr kein Baum zu hoch war – sie musste ihn erklettern. Kein Fluss oder Weiher war zu tief oder zu breit – sie musste hineinspringen und ihn durchschwimmen. Sie verfügte über für ein Mädchen außergewöhnliche Körperkräfte und trieb fast jeden Sport, der sich damals anbot: Handball, Laufen, Turnen, Schwimmen, Radfahren ... Die unbändige Lebensfreude und Dynamik, die Lebendigkeit und das Temperament, die hier zum Vorschein kamen, waren bereits, das erkannte sie später im Rückblick, ein Hinweis auf eine starke Seele, die sich kraftvoll durch den Körper äußerte.

Andererseits war das Mädchen Gabriele eher schüchtern und zurückhaltend, wenn sie unter Menschen kam. Sie war oftmals kaum in der Lage, vor mehreren Menschen etwas zu erzählen. Was spielte sich damals in ihrem Seelenleben ab? In der Schrift „Der Gabriele-Brief für Freiheitsdenker“ 1) gibt sie uns einige aufschlussreiche Einblicke in diese Zeit:

„Wie ich als junger Mensch an den Fesseln
kirchlicher Bindung rüttelte“

Schon als sehr junger Mensch, als Schulmädchen, dachte ich – meist nach dem Religionsunterricht – über Gut und Böse nach. Der sehr junge Mensch, der von der Welt noch nicht geprägt ist, stellt so manches in Frage, was dem Erwachsenen selbstverständlich erscheint. Auch ich, das Schulmädchen Gabriele, dachte und dachte und hatte viele Fragen, wie z.B.: „Warum geben sich die Priester in der Kirche und im Religionsunterricht so fromm und außerhalb ihrer Kirche und des religiösen Unterrichts wie alle anderen Sünder, hin und wieder noch um vieles schlimmer?“ Und: „Was Kain tat, war böse. Was all die tun, die im Krieg ihre Mitmenschen töten – ist das nicht böse? Ist das etwa gut?“

Ein Onkel von mir war Landwirt. Vieles musste ich mit ansehen und hören, das mir im Herzen weh tat. Vieles, was ich sah und hörte, regte mich, den sehr jungen Menschen, zum Denken an, wie z.B.: „Warum quälen die Bauern ihre Tiere? Warum werden die Kühe in den Ställen angebunden? Warum werden Schweine in so schrecklich engen Ställen gehalten? Und warum werden sie und viele andere Tiere geschlachtet? Das ist doch nicht gut, sondern böse! Ich“, so dachte ich, „will kein Tier quälen, kein Tier töten, auch nicht, dass es geschlachtet wird – ich will ihr Fleisch nicht mehr essen.“

Als ich das Fleischessen ablehnte, wurde mir von meinem Vater erklärt: „Fleisch ist gesund. Im Verhältnis zu anderen Familien essen wir wenig Fleisch, weil es sehr teuer ist. Du“, so hieß es, „hast zu essen, was auf den Tisch kommt.“ Also musste ich essen, was Mutter zubereitet hatte. Kam Fleisch auf den Tisch, so schaute mich meine Mutter vielsagend an; sie teilte mir nur eine kleine Portion Fleisch zu, dafür aber viel Sauce. Dabei lächelte sie, sagte jedoch kein Wort. Meine Augen strahlten sie an, was „danke!“ hieß.

Es ging weiter mit dem Denken, wie z.B.: „Warum trinken viele Menschen so viel Alkohol, bis sie betrunken herumtorkeln? Warum sind die Menschen so vorlaut? Warum schreien sie im Gasthaus so halsstark, um sich hervorzutun?“ Das „Warum“ konnte ich mir nicht beantworten. Meine Selbstantwort hieß: „So will ich nicht werden – das ist unschön.“

Mit meinem Schulmädchenverstand wägte und maß ich und dachte: „Ich will lernen, gut zu sein, aber nicht so fromm tun wie die Priester im Religionsunterricht.“ Gerade im Religionsunterricht sprach der Priester immer mal wieder vom Gewissen, und ich dachte: „Ich will mein Gewissen finden, das mir hilft, alles, was ich sehe und höre und das ich als unschön, herzlos, gleichgültig, grausam oder brutal erkenne, nicht zu tun. Ich will“, so meinte das Schulmädchen, „einfach gut sein“ – obwohl ich damals nur eine unklare Vorstellung von dem hatte, was „gut“ in allen Details des Lebens bedeutet.

Meine Eltern waren katholisch, und ich wurde katholisch getauft. Als junger Mensch nimmt man als selbstverständlich an, dass das, was aus der Kirche kommt, wahr und gut sein muss und dass Menschen, die Gottes Wort studiert haben, Gott näher sein müssten als die Kirchgänger.

Leider erlebte ich, dass Priester Unterschiede machten, dass z.B. eine Schülerin dem Priester um vieles näher stand als wir anderen. Ich schaute und sah vieles, das mich wieder zum Nachdenken anregte. Solche und ähnliche priesterlichen Verhaltensweisen halfen mir, das, was Pfarrer oder Priester sagten und wie sie sich außerhalb ihrer Kirche gaben, aufmerksam wahrzunehmen. Alles in allem, suchte ich mich selbst. Ich suchte für mich einen Standort, den ich damals als „gut sein“ bezeichnete. Heute ist mir klar: Ich suchte meine Basis; ich suchte für mich ethisch-moralische Werte, um darauf mein Erdenleben aufzubauen.

Je mehr ich mich um meinen Standort,
meine Basis, bemühte, desto weniger verstand ich. „Da stimmt doch etwas nicht, wenn Gott dieses ganze kirchliche Brimborium nötig hat ...“

Wie viele katholisch geprägte Eltern schickten auch meine Eltern mich in den „Gottesdienst“. Mein Schauen und Hören, mein Wunsch, gut zu sein, kam sicher aus einem wachen Verstand, denn immer wieder sagte ich zu meiner Mutter: „Ich will lernen, gut zu sein.“ Rückblickend kann ich erkennen, dass meine Mutter mich nicht so ganz verstand, denn sie erwiderte z.B.: „Das Resultat deiner Schulnoten zeigt nicht gerade deine große Lernwilligkeit.“

In der Kirche lauschte ich den Predigten, von denen ich sehr wenig verstand. Ich dachte: „Warum sind Sakramente und Kulthandlungen notwendig, warum das Brauchtum, die Rituale im Gottesdienst? Warum das Hinknien und Wiederaufstehen? Warum die Klingelzeichen und das Messbuch, das vom Ministranten von einer zur anderen Seite getragen werden muss?“ Auch die diversen Messgewänder, die Mitra, die Hostie im Tabernakel, die Monstranz, die zu Fronleichnam von einem kirchlichen Würdenträger unter einem Baldachin herumgetragen wurde, den man „Himmel“ nennt, beschäftigten mich und vieles mehr.

Ich hatte eine Schulfreundin, die evangelisch war und die mich des öfteren auslachte, wenn ich in den Gottesdienst musste, während sie das tun konnte, was ihr beliebte. Eines Tages ging sie mit mir in die „Heilige Messe“. Nach der Kirche kicherte und lachte sie so laut über das vielfältige Geschehen im Gottesdienst, dass Kirchgänger uns ansahen und den Kopf schüttelten.

„Was willst du nach all dem jetzt von mir hören?“, fragte sie. „Theater, nichts als Theater! So viel Überflüssiges gibt es bei uns, bei den Evangelischen, nicht. Bei uns geht alles ganz normal zu, ohne solches Drumherum, das auf das Beten störend einwirkt.“ Meine Freundin bezog das auf ihr persönliches Beten. Auch ich hatte Ähnliches selbst schon oft gefühlt und gedacht.

Ich fragte sie, ob sie an einen anderen Gott oder an einen anderen Jesus glaube. Wieder lachte sie und antwortete: „Das wohl nicht. Ich glaube nicht, dass wir an einen anderen Gott oder Jesus glauben. Wir Evangelischen haben nur nicht so viel Drumherum“, womit sie das Brimborium meinte. Als ich sie fragte, ob sie es nicht als feierlich empfunden habe, antwortete sie: „Genau das Gegenteil! Für mich war das nur eine Veranstaltung.“

Immer mal wieder sprachen wir über die Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten. Eines Tages nahm sie mich mit in ihren Gottesdienst. Ich sah, hörte, dachte und dachte. Die Fragen „Warum“ nahmen kein Ende: Warum bei uns, bei den Katholiken, so und bei den Protestanten ganz anders? Warum ist der evangelische Pfarrer anders gekleidet als der katholische Priester? Warum wird der evangelische Gottesdienst anders abgehalten als der katholische?

Immer öfter verglich ich die katholische Prozedur mit der evangelischen. „Bei uns“ kam es mir oft überzogen „feierlich“ vor, mit so viel Rankenwerk – ich nannte es Zierrat –, Zierrat hier und Zierrat da, Gesten, Handlungen, die Art des Singens, das Klingeln, Glockengeläute und vieles mehr, dessen Sinn mehr oder weniger unverständlich blieb und, zumindest mir, nicht half, den Weg zu Gott zu finden. Bei den Evangelischen hingegen fand ich es geradezu unterkühlt, so sachlich und nüchtern, dass ich mich auch dort Gott nicht nahe fühlte, von Begeisterung ganz zu schweigen.

Mich konnte weder der eine noch der andere Kirchgang für Gott erwärmen. Ich verstand nicht, dass die rituellen Gepflogenheiten hier und dort so sehr voneinander abwichen. Ich dachte: „Wenn es doch nur einen Gott geben soll, warum die Unterschiede in den Gottesdiensten?“ Bald dachte ich in der katholischen Kirche auch über das Orgelspiel und die Chorgesänge nach.

Trotz des vielen Nachdenkens und Vergleichens passte sich das Mädchen Gabriele den katholischen Gepflogenheiten an. Ich dachte: „Ich darf nicht ausscheren, nicht anders sein als die anderen. Es muss doch eine Lebensgemeinschaft sein, der sie und ich angehören.“ Alle kirchlichen Regeln machte ich mit, doch ich dachte, sah und hörte. Ich wollte lernen, wie man gut ist.

Schon als Schulmädchen hatte ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Mit diesem unbestechlichen Wahrheitsbewusstsein machte ich es meiner Mutter nicht immer leicht, auf mich, ihr Kind, einzugehen. Wenn ich merkte, dass jemand anders redete, als er dann handelte, war ich so bestürzt, dass ich immer wieder darüber sprach, dass das nicht richtig, nicht rechtens sei.

Ein Jahr reichte dem anderen die Hand. Ich wurde älter und reifer. Die Eigenständigkeit im Denken und Leben erwachte immer mehr. Sie ist bis heute geblieben.

Wo ist Gott?

Wir lesen hier über ein junges Mädchen, das sich sehr ernsthaft und mit großer Wahrheitsliebe mit der Welt um sie herum auseinandersetzt, das bereits den Wunsch nach Gerechtigkeit, Vollkommenheit und Frieden in sich trägt und nicht locker lässt, bis sie diesbezüglich alles so weit wie möglich ergründet hat.

Gabriele hatte schon im Alter von acht oder neun Jahren eine tiefe Beziehung zum Vater im Himmel. Sie betete viel und versuchte, in den Himmel hineinzusprechen, wo ja der „Vater im Himmel“ thronen sollte. Sie wollte Antwort von Ihm – doch sie erhielt keine. Das war eine Enttäuschung für sie, denn sie verspürte große Sehnsucht, Gott näherzukommen. Es war ein kindliches Flehen, oftmals mit Trauer verbunden, weil Gott scheinbar so weit entfernt war und man nicht mit Ihm sprechen konnte – vor allem über die schlimme Situation, die vie-le Familien während des Krieges erleiden mussten –, und sie stellte immer wieder die Frage nach Gott. Doch niemand konnte ihr sagen, wo Gott ist, wie Er ist und ob Er überhaupt existiert!

In der Kirche, in den Gottesdiensten, das zeigte sich bereits in ihrer Schilderung, wurden ihr diese Fragen nicht wirklich beantwortet. Sie ging zwar zum Gottesdienst, doch echte Andacht konnte sie dort nicht erleben. Als Gabriele etwa 18 Jahre alt war, sagte sie sinngemäß zu ihrer Mutter: „In die Kirche gehe ich nicht mehr. Was dort gepredigt wird, verstehe ich nicht. Aber wenn ich auf den Friedhof gehe und für die Verstorbenen bete, dann finde ich innere Ruhe.“ Ihre Mutter konnte das nicht begreifen, da sie den Vorschriften der Kirche glaubte, wonach der Katholik mindestens einmal in der Woche eine Messe zu besuchen hat, und vieles mehr.

Es sollte noch eine geraume Zeit dauern, bis Gabriele erfuhr, dass Gott im Inneren des Menschen zu finden ist, dass Er in und um uns ist, und dass jeder Mensch selbst der Tempel des heiligen Geistes ist.

Folgen wir der Schilderung Gabrieles noch ein weiteres Stück: 2)

Wie kann ich „gut sein“?

Im Alltag erlebte ich Priester, die sich ganz offensichtlich den Maßstab ihrer Predigten selbst nicht zu eigen machten, die im Wirtshaus und bei Festgelagen die Speisen gierig in großen Mengen verschlangen, große Worte machten und ihr „priesterliches“ Ich in mancherlei selbstherrlichen Reden und überheblichen Wertungen gegenüber Mitmenschen darstellten. Im Alltag erlebte ich den Organisten und jene Mitmenschen, die im Kirchenchor die heiligsten Lieder sangen, wie sie in ihrem Privatleben genau das Gegenteil von dem taten, was sie im Kirchenchor einstudierten und als heiligsten Lobpreis den Gläubigen zusangen.

Das Schulmädchen, das so gern gut sein wollte und immer nach der Gerechtigkeit verlangte, konnte das alles nicht einordnen. Es arbeitete in mir, ich musste mir mit Worten Luft machen. Wer musste es über sich ergehen lassen? Natürlich meine Mutter! Sie antwortete: „Wir alle sind Menschen. Jeder von uns sündigt und hat mehr oder weniger seine Schwächen.“ Aufmüpfig, wie ich nun mal war, fiel ich ihr ins Wort: „Aber Gott ist doch kein Mensch!“ Ohne mich um ihren leicht zurechtweisenden Blick zu kümmern, fuhr ich fort:

„Gott müsste doch eigentlich über dem stehen, was die Gläubigen, die alle Sünder sind, ‚zu Seiner Ehre’ tun. Müssen die Sünder denn Gott mit so viel Drumherum, mit Kniefällen, mit heruntergeleierten Gebeten und anderem dienstbeflissenem Getue gnädig stimmen? Oder will Gott etwa von uns Sündern mit dieser ganzen Schau und Darstellung, mit so vielen Gebeten, die nur heruntergeplappert werden, mit Schellenklingen und, und, und gelobt und gepriesen werden? Heißt das gar, Ihm Ehre und Dank zu erweisen? Ist Gott denn ein Tyrann, der die unterdrückt, die Ihm nicht huldigen? Ist Gott ein Rächer, der alle, die das alles nicht mitmachen wollen, auf ewig verdammt?“ Damals dachte ich so und sprach ganz unverblümt aus, was ich dachte, ganz im kindlichen Jargon. Das Gesicht meiner Mutter rötete sich. Sie wusste keine andere Antwort als die, dass sie mich an die Hand nahm und mich zur Gartenarbeit aufforderte.

Um meine abwegigen Gedanken wissend, beschlich mich plötzlich die Angst, dieser „Gott“ könnte mich nun bestrafen und in die Hölle werfen. Das Schulmädchen Gabriele dachte z.B.: „O weh! Wenn ich nur nicht bald sterben müsste! Wenn ich nur bei meinen Eltern bleiben könnte! Und wenn nur meine Eltern nicht sterben müssten, denn ich habe sie und sie haben mich lieb.“

Ich erinnerte mich an meine Kinderstreiche, die mein Vater immer wieder ansprach. Er ermahnte mich, dies und jenes zu unterlassen, und warnte mich vor den Folgen, indem er sinngemäß sagte: „Wenn du nicht hörst, wirst du es eines Tages fühlen müssen.“ Und er hatte mir ein Beispiel gegeben: „Wenn die Herdplatte sehr heiß ist und du trotzdem unbedingt deine Hand auf sie legen willst, so kannst du das zwar tun, aber dann wirst du’s eben schmerzhaft zu spüren bekommen. Ähnliches gilt für die vielen Dinge, die du trotz unserer Ermahnungen nicht unterlässt.“

Seine Worte waren aus der Sorge um mich gesprochen, doch ungeachtet dessen war seine Liebe zu mir, seinem Kind, geblieben. Ich dachte: „O, mein Vater ist gut im Vergleich zu Gott, der mich bestraft, wenn ich nicht tue, was Er will.“

Ich nahm mir immer wieder mal vor, aufzuhören zu denken, aufzuhören, Vergleiche zu ziehen und mit meiner Schulfreundin, die evangelisch war, über Gott zu sprechen. Ich merkte, dass sie mir, wenn ich es tat, unwillig Antwort gab. Plötzlich brach es heftig aus ihr heraus, sie schrie mich an: „Was hast du denn bloß immer mit deinem Gott? Bei uns zu Hause ist von Ihm sehr selten die Rede. Meine Eltern gehen nicht oft in die Kirche und ich auch nicht. Sie zwingen mich nicht, zu beten oder einen Gottesdienst zu besuchen. Sie sind nicht so ‚heilig’ und fromm wie deine Eltern und du.“

Ich erwiderte: „Ich bin nicht fromm. Ich will nur wissen, ob ihr“ – ich meinte die Evangelischen – „einen anderen Gott habt, weil ihr anders betet, weil eure Gottesdienste ganz anders ablaufen und auch eure Gebetsstunden. Ihr betet nicht den Rosenkranz, und die Mutter Maria ist euch offenbar ganz einerlei. Anscheinend müsst ihr euren Gott mit nicht so viel ‚Drumherum’ gnädig stimmen, oder ihr seid nicht so große Sünder wie die Katholiken, die auch noch Heilige haben, die man ebenfalls gnädig stimmen muss.“ Meine Freundin antwortete: „Das weiß ich nicht. Lass mir doch meine Ruhe mit dem allem! Komm – wir gehen spielen!“

Natürlich ging ich mit zum Spielen, zum Radfahren, zum Baumklettern, zum Wettlauf, in das Freibad zum Schwimmen, zum Rollschuhfahren, im Winter zum Schlittschuhlaufen und vielem mehr. Doch es ließ mir keine Ruhe – ich dachte und dachte und überlegte und überlegte. Immer wieder kreisten meine Gedanken um Gott und die Kirche, vor allem dann, wenn ich in der heiligen Messe die Rituale mitmachen musste. „Da stimmt doch etwas nicht! Dieses ganze Schauspiel, das in der Kirche veranstaltet wird, die Verkleidung der Geistlichen zu den verschiedenen Anlässen. Immer müssen sie sich unbedingt aus dem Volk herausheben; dann das störende Geklingle während der Messe, wenn man beten möchte, und so fort, und das alles, wie sie sagen, zur Ehre Gottes!“ Einmal stutzte ich ganz plötzlich, und mir kam die Frage: „Ist Gott überhaupt gut?“ – wobei ich, wie gesagt, nicht so recht wusste, was „gut“, als Ganzes und in Bezug auf Gott gesehen, bedeutet.

„Liebe“, so dachte ich, „ist gut. Doch wie groß kann Gottes Liebe schon sein, wenn Er die ewige Verdammnis und Höllenpein für uns, Seine Kinder, bereithält!? Und wie sieht es mit Seiner Erhabenheit und Größe aus, wenn Seinetwegen so viel Aufwand und Pomp erforderlich sind und so viel Katzbuckelei und Unterwürfigkeitsbezeugungen Ihm entgegengebracht werden müssen, um Ihn in Seiner Größe und in Seiner Allmacht zu bestätigen!“ „Und warum“, dachte ich, „muss so viel Geld ausgegeben werden Seinetwegen, wo doch viele, viele Kinder in ärmeren Ländern hungern, krank sind und keine Schule besuchen können, weil die finanziellen Mittel nicht ausreichen?“

Solche Gedankengänge liefen immer wieder in mir ab. Ich dachte und dachte und fragte mich z.B.: „Verlangt Gott auch, dass die Kirchenbauten mit Gold und Edelsteinen verbrämt sein müssen? Und dabei wohnen doch so viele Menschen in ärmlichsten Verhältnissen und haben oftmals kaum Nahrung.“

Plötzlich erinnerte ich mich an meine Kleinkindertage, als Mutter am Abend an meinem Bett gesessen und mit mir zum Vater im Himmel gebetet hatte. Ja, sie hatte zu „Gott im Himmel“ gebetet. Das warf nun für mich, das Schulmädchen, das allmählich in das Jugendalter hineinreifte, die Frage auf: „Wo wohnt Gott denn nun eigentlich? Wohnt Er gar nicht im Tabernakel, wie immer gesagt wird, sondern im Himmel?“ Die Erinnerung an die damaligen Gebete mit meiner Mutter regten mich erneut zum Denken an:

„Wenn Gott im Himmel wohnt, wozu dann die Prunkbauten, die Kirchen? Und wozu dann der Tabernakel? Ist dies alles nicht total überflüssig?“ Diese und weitere Ungereimtheiten gingen mir nicht mehr aus dem Sinn. Ich dachte und dachte.

Obwohl ich in der Schule und im Elternhaus nur den einfachen Kirchenglauben gelehrt bekommen hatte, stellte ich mir weiterhin solche und ähnliche Fragen bezüglich des Geschehens in der Kirche. Antworten fand ich nicht. Letztlich blieb es für mich vorerst bei Selbstgesprächen, die immer wieder mit Kopfschütteln und Achselzucken endeten.

„Tue uns das nicht an! Sei still und schweige.
Wir wohnen in einem kleinen Ort,
wo viel geredet wird ...“

Das Mädchen Gabriele, das zu einer Jugendlichen heranreifte, war ein sehr aufgeweckter Mensch voller Tatendrang. Meiner Mutter fiel auf, dass ich seit einiger Zeit schweigsamer und in mich gekehrter war als sonst. Sie blickte mich forschend an: „Wo bist du denn die ganze Zeit?“, fragte sie behutsam. Ich erschrak – ich war doch hier! Sie meinte jedoch meine Gedankenwelt. Ich war in der Welt des Denkens und Überlegens.

Als ich an einem Sommerabend mit meiner Mutter im Garten saß, erzählte ich ihr von meinen Gedanken: Was ich über Gott denke, und warum Er so viel Wert legt auf das ganze Drumherum, auf das Brimborium, das in der Kirche um Ihn gemacht wird. „In der evangelischen Kirche ist alles anders. Warum gibt es dort keine Heiligen und auch keinen heiligen Vater? Ich habe gehört, dass Gott die Liebe ist, und ich habe auch gehört, dass alle Menschen Seine Kinder sind. Wieso macht Er dann Unterschiede? Warum muss der eine – z.B. der Papa - Tag für Tag sich mühen und arbeiten, damit wir einigermaßen genug zum Leben haben, und du“ – damit meinte ich meine Mutter – „auch noch, während andere sich nicht abrackern müssen? Zum Beispiel der Herr Pfarrer kann es sich doch die ganze Woche gutgehen lassen.“ Gerechterweise fügte ich hinzu: „Jedenfalls dann, wenn nicht mal eine Trauung oder eine Beerdigung dazwischenkommt, wo er den lieben Gott vertritt und den Segen erteilen muss.“

Damals verwendete ich sicherlich noch ganz andere Worte, doch sinngemäß brach es so oder ähnlich aus mir heraus. Ich holte tief Luft und fuhr fort: „Warum müssen die Evangelischen nicht zur Beichte gehen? Ist das gerecht? Wenn die lügen oder Äpfel klauen oder Schule schwänzen – sind das dann etwa keine Sünden? Und zur Beichte habe ich noch eine andere Frage: Gehen die Pfarrer eigentlich auch zur Beichte? Und wer gibt dann ihnen die Absolution? Geben sie sich die selber? Denn gerade neulich habe ich den Herrn Pfarrer gesehen, wie er ...“ Doch da unterbrach mich meine Mutter. „Evangelisch ist eben evangelisch, und katholisch ist katholisch“, sagte sie, und Röte stieg ihr ins Gesicht. „Warum stellst du solche Überlegungen und Vergleiche an? Das ist einfach so. Du bist katholisch getauft, und das ist nun mal der Schlüssel zum Himmelreich.“

Was meine Mutter mit scheinbar selbstverständlicher Gelassenheit und Sicherheit aussprach, rief in mir eine heftige Reaktion hervor. Ich unterbrach ihre katholischen Hinweise mit der aufmüpfigen Frage: „Man soll doch den Menschen erst fragen, wie er es möchte. Haben Vater und du mich eigentlich gefragt, ob ich in die katholische Kirche hineingetauft werden möchte? Vielleicht wollte ich evangelisch werden? Ich weiß, ihr meint es gut mit mir; ich bezweifle also nicht, dass ihr mich zu einem guten, brauchbaren Menschen erzogen habt. Aber sicherlich wollt ihr doch keine Marionette, die Gott nach der Willkür der Kirche Gehorsam leisten muss und die deshalb alles so sehen muss, wie die Kirche es vorschreibt, dass ich also nur das denken darf, was sie erlaubt. Macht Gott aus uns Sündern Marionetten – denn getauft ist nun mal getauft?“

So ähnlich sagte ich damals. Heute ist mir bewusst, dass aus meinem inneren Wesen immer mal wieder einiges hervorbrach wie z.B. der Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit.

Nun spiegelten sich im Gesicht meiner Mutter Unmut und Erschrecken. Ich dachte: „O je, was habe ich da Schlimmes gesagt?! Ich habe doch nur meine Gedanken ausgesprochen!“ Als sie mir antwortete, war ihre Stimme belegt. Sie sagte: „Tue uns“ – und damit meinte sie unsere Familie – „das nicht an. Sei still! Schweige und verhalte dich so, wie es einer Katholikin geziemt.“ Sie sprach weiter: „Wir wohnen in einem kleinen Ort, wo jeder jeden kennt und wo die Leute viel und über alles reden, was nicht in das hier Übliche, in das Ortsschema, passt.“ Und so nebenbei erwähnte sie: „Du hast ähnliche Ansichten wie der Freund deines Vaters, unser Bekannter, Helmut, der die Kirche meidet. Weil er nicht mehr in die Kirche geht, wird er von vielen Mitbürgern kaum mehr beachtet.“

Zu meinem großen Erstaunen fuhr sie fort: „Auch ich bin keine überzeugte Kirchgängerin.“

Sie sprach weiter: „Helmut ist ein sehr, sehr guter Mensch; ich schätze ihn sehr. Wir sprechen oft über unsere Ansichten, den Glauben betreffend. Es gab eine Zeit“, so erzählte meine Mutter weiter, „da war ich in großer Not. Als der Unterhalt der Familie nicht mehr gesichert war, als ich an vielem zweifelte und kleingläubig wurde, sprach ich mit Helmut darüber. Helmut sagte mir damals einen Satz; er stammt von Jesus, aus der Bergpredigt, und ist mir seitdem in vielen Situationen eine Hilfe gewesen. Er lautet: ‚Was du willst, dass dir andere tun, das tue du ihnen zuerst.’“ Als meine Mutter sah, dass ich mit dieser Aussage nicht auf Anhieb zurechtkam, ergänzte sie: „Eventuell kennst du das Sprichwort: ‚Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.’

Helmut sagte damals sinngemäß zu mir: ‚Die Worte des Jesus halfen mir, zu meinem Glauben zu stehen. Seine Worte waren und sind für mich die Prämisse in meinem Leben. Sie zeigen mir den Weg zum wahren Leben auf.’ – Ich habe mir“, so sprach meine Mutter, „diese Aussage von Helmut gut gemerkt, denn mir schien, dass er das, was er sagte, auch mit seinem Leben verkörperte.“

Meine Mutter erklärte mir, ihrer Tochter, dass diese Worte des Jesus, von Helmut zu ihr gesprochen, gerade damals gleichsam als Gravur in ihre Seele eingegangen waren, denn ihr Herz war zu jener Zeit wund von Sorgen und Ängsten gewesen. Sie sagte: „Diese Worte des Jesus nahm ich für mich, für mein Leben. Sie wurden entscheidend auf meinem Lebensweg. Aus ihnen konnte ich fast immer ableiten, was als nächstes für mich zu erkennen und zu tun war. So gelang es mir, mehr und mehr über allen Widrigkeiten zu stehen und meinen Weg zu finden. Heute kann ich sagen: Sie haben mein Leben reich gemacht.“

Mutter wandte sich an mich: „Liebes Kind, wie du auch denkst, diese Worte des Jesus, des Christus, will ich dir mitgeben auf deinen weiteren Lebensweg. Nimm sie in dein Denken und Wollen auf, und bleib’ auf dem Weg, den du seit der Taufe gehst.“

Als Helmut uns wieder einmal besuchte, sprach ich ihn auf die Worte Jesu an, und er sagte: „Gerade diese Lehre des Jesus hat mich zu einem freien, gottbewussten Menschen gemacht. Ich will dich zu nichts überreden, sondern aus meiner eigenen Erfahrung heraus möchte ich dir nur raten, dich daran zu halten; dann findest du deinen Weg. Gott hat viele Möglichkeiten, uns Menschen zu berühren. Verlange von Ihm nichts. Warte, bis die Zeit gekommen ist, dann wirst du Seine Führung erfahren und auf deine drängenden Fragen Antwort erhalten.“

Die Goldene Regel

Gabriele erhielt also trotz der dogmatischen Konfession, in die sie hineingeboren wurde, von ihren Eltern, insbesondere von ihrer Mutter, ein gutes Rüstzeug mit auf ihren Lebensweg. In einer Gesprächsrunde erzählte sie hierzu eine aufschlussreiche Begebenheit, für die wir noch einmal kurz gedanklich in ihre Kindheit zurückgehen. Und zwar gab ihre Mutter ihr des öfteren mit auf den Schulweg: „Tue nichts Böses, dann widerfährt dir nichts Böses!“ Als Gabriele ihre Mutter fragte, was sie denn damit meinte, erhielt sie zur Antwort: „Möchtest du, dass andere dich schlagen, dass andere dich prügeln, dass andere dich stoßen, dass andere dir deine Brotzeit wegnehmen, dich nicht beachten und vom Spiel ausschließen, dich als Außenseiter betrachten und sich dir gegenüber auch entsprechend verhalten?“ Gabriele machte große Augen und sah ihre Mutter mit der Bemerkung an: „Was sagst du mir da? Das tue ich doch nicht.“

Und die Mutter erklärte ihr: „Als ich dich die ersten Wochen auf deinem Schulweg begleitete, habe ich so manches gesehen, was du an dir selbst nicht bemerkt hast. Z.B. willst du nur mit bestimmten Kameradinnen spielen, andere sind dir gleichgültig. Willst du das auch so?“ Die Tochter schüttelte den Kopf und meinte: „Nein, nein, so will ich das nicht!“ – „Siehst du“, sagte die Mutter, „die anderen, die du nicht beachtest, die wollen es auch nicht.“ Das Mädchen Gabriele verteidigte sich und führte Begebenheiten an, in denen sie sich von Kameraden verunglimpft gefühlt hatte. Doch die Mutter ließ das nicht gelten: „So beginnt nun mal das Erdenleben, aber wenn du nicht willst, dass andere sich dir gegenüber ungut verhalten, dann tue du es eben erst recht nicht, denn Böses, das in den anderen Einlass findet, kann wiederum Böses hervorrufen und dieses unter Umständen verstärken.“

Die junge Gabriele konnte das nicht verstehen. Die Mutter erklärte es ihr mit einfachen Worten: „Mein Mädchen“, so sagte sie, „pass auf, wenn du Böses tust, wenn du deine Kameraden schlägst, wenn du ihnen das Pausenbrot wegnimmst, wenn du sie vom Spiel ausgrenzt, also wegstößt, wenn du lachst, wenn sie hingefallen sind, und was es noch so alles auf eurem Schulweg, in der Schule und während der Pause gibt, wisse und merke dir: Was du anderen tust, werden andere dir auch tun.“ Als ihre Tochter meinte, das wäre ja Rache, entgegnete die Mutter: „So kann man das sehen, denn der, dem es widerfährt, will das, was z.B. ihm angetan wurde, heimzahlen, was zurückgeben bedeutet, oder er stiftet andere an, das zu tun, was ihm widerfahren ist. Auf diese Weise wird Stimmung gegenüber Mitschülern gemacht.“

Gabriele fragte ihre Mutter, wie sie denn auf Bedrängnisse seitens der Schulgefährten reagieren sollte. Die Mutter erklärte: „Weiche einfach aus und frage: ‚Was habe ich dir denn getan?’ Und wenn dich einer schlägt, schlage nicht zurück, weiche aus und beschäme ihn unter Umständen, indem du ihm einen Teil deines Pausenbrotes gibst.“ Gabriele verstand das nicht. Doch jedes Mal, wenn es in der Schule Schwierigkeiten gab, dachte sie an die Worte der Mutter: „Tue nichts Böses, dann widerfährt dir nichts Böses.“ Später dann wurde ihr klar, was sie damit im übertragenen Sinn meinte: Wiederum die Regel „Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.“ Ohne dass es der Mutter bewusst war, lehrte sie ihre Tochter das Gesetz von Saat und Ernte.

Lehrjahre

Der Lebensweg führte Gabriele nach der Schulzeit, wie erwähnt, zunächst in eine Berufsausbildung. Sie fand in den Aufbaujahren der Nachkriegszeit mit einiger Mühe eine Lehrstelle, und zwar als Kontoristin. Nach drei Jahren legte sie die Gesellenprüfung ab und wurde in einer Münchner Tuchgroßhandlung angestellt.

Bis heute liegt ihr das Schneidern im Blut. Sie kann sehr gut mit Stoffen umgehen und hat sich schon häufig Kleider selbst genäht. Den Nachfolgern des Jesus von Nazareth, die heute im Bereich von Kleidung und Mode tätig sind, hat Gabriele unzählige unbezahlbare Hinweise und Anregungen vermittelt – doch wir wollen hier nicht vorgreifen.

Nun, die „Führung“, von der Familienfreund Helmut gesprochen hatte, sah für sie etwas anderes vor. Gabriele war Linkshänderin, und ihr Vater hatte Bedenken, dass das in diesem Beruf zur Beeinträchtigung werden könnte. Heute würde man sicher anders darüber denken. Aber was wäre gewesen, wenn sie, wie man aufgrund ihrer vielen großen Talente durchaus annehmen kann, in diesem Beruf großen Erfolg gehabt hätte? Hätte dieser Erfolg nicht möglicherweise früher oder später die in ihr so lebendige Sehnsucht nach Gott überlagern können? Entsprechend äußerte sie selbst einmal sinngemäß in der Rückschau.

Kurz bevor Gabriele ihre Berufstätigkeit in München aufnahm, lernte sie ihren zukünftigen Ehemann kennen, der in München Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaft studierte. 1955 heirateten sie und bezogen eine Wohnung in München. In den ersten Ehejahren waren beide berufstätig, um gemeinsam die Basis für eine Familie zu legen: Gabriele als Kontoristin, ihr Mann als Ingenieur.

Lassen wir wieder Gabriele selbst zu Wort kommen, die uns im „Gabriele-Brief für Freiheitsdenker“ schildert, welche Erfahrungen mit dem Thema „Religion“ sie in dem Lebensabschnitt machte, von dem wir gerade berichtet haben: 3)

Die Suche nach Gott geht weiter.

Die Jungmädchenzeit ging zu Ende; die Pubertät brachte andere Akzente in mein Leben. Plötzlich interessierte ich mich für Mode, begann mich so zu kleiden, wie es nun mal in der Zeit der Pubertät üblich ist. Mit Freundinnen und Freunden besuchte ich Tanzveranstaltungen; unserem Alter entsprechend gingen wir hin und wieder in eine Operette, hörten gemeinsam die uns damals angemessene Musik. Man verliebte sich, orientierte sich nach außen und setzte weltliche Prioritäten. Im entsprechenden heiratsfähigen Alter heiratete man die „große Liebe“.

Zu meiner Eheschließung bekam ich Geschenke, so auch von Helmut, dem Freund der Familie. Die Glückwunschkarte, die dem Geschenk beilag, hatte eine besondere Widmung. Sinngemäß wünschte Helmut mir: „Halte dich in allen Lebensfragen an Christus. Seine Lehre möge dir Vorbild sein. Für jeden Menschen ist jedes Jahr Reifezeit. Mit Jesus, dem Christus, kann jedes Jahr ein inneres Wachsen und geistiges Reifen sein. Im Leben werden immer wieder in dir Fragen auferstehen, die zuerst einmal unbeantwortet bleiben. Warte geduldig, bis in dir die Antwort reift. Es wird die Zeit kommen, da sie dir beantwortet werden.“

Mit meinem Mann zog ich in die Großstadt. Beide hatten wir viele materielle Wünsche, die sich auf Wohnen, Auto, Sport, Urlaub, Konzerte und Erlebnisse an Wochenenden bezogen. Trotz meiner materiellen Wünsche und Anliegen betete ich; ich betete entsprechend der katholischen Lehre, zu „Gott im Himmel“.

Rückblickend waren die materiellen Wünsche und die verschiedenen Anliegen nur ein kurzer Lebensabschnitt, der heute, nach etwa vierzig Jahren betrachtet, wie ein Schleier war, der sich über die Schulmädchenerfahrungen legte und über einige Jahre Ehe, in denen die Wellen der Wünsche vieles übertönten.

Schon als Jugendliche ging ich immer seltener in die Kirche und als junge Frau nur noch an hohen Feiertagen oder wenn wir zu Besuch bei meinen Eltern waren, wobei ich – wie früher – den Gang zum Friedhof bevorzugte, um für die Seelen zu beten, wofür meine Mutter schon in der Zeit meiner Jugend wenig Verständnis aufgebracht hatte. Das Versprechen, das ich ihr gegeben hatte, auf dem katholischen Weg zu bleiben, hielt ich. Die Frage nach Gott jedoch blieb: Gibt es Gott? Und: Wo ist Gott? Wenn mich diese Fragen beschäftigten, fiel mir oft die sinngemäße Aussage des alten Freundes unserer Familie ein: „Gott hat viele Wege, den Menschen zu erreichen. Wir müssen lernen, zu warten, bis wir auf unsere vielen Fragen Antworten erhalten.“

Das Herzensanliegen meiner Mutter, die Worte Jesu, die sie mir auf meinen Lebensweg mitgegeben hatte, begannen, in mir immer mehr anzuklingen. Insbesondere dann, wenn in meinem Erdendasein Schwierigkeiten auftraten, wenn Menschen über Menschen negativ sprachen, wenn Menschen gegensätzlich handelten, gegen Menschen, gegen Tiere, vor allem, wenn ich von Kriegen las und hörte, in denen viele Menschen getötet wurden, dachte ich an meine Mutter und hörte sie gleichsam sprechen: „Was du willst, dass dir andere tun, das tue du ihnen zuerst.“ Oder, anders gesprochen: „Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.“

Gerade die Kriege, in denen viele Menschen ihr Leben lassen mussten und die von Christen befürwortet wurden, konnte ich nicht in die Lehren Jesu einordnen. Hörte oder las ich, dass Geistliche, Militärpfarrer also, die Waffen und die Soldaten segneten, so konnte ich das nicht verstehen. Hieß es nicht in den Zehn Geboten: „Du sollst nicht töten“? Und befahl nicht Jesus dem Jünger Petrus, der Ihn im Garten Gethsemane verteidigen wollte: „Stecke dein Schwert in die Scheide!“? – Es gab niemanden, mit dem ich ernsthaft und eingehend darüber hätte reden können. War Gott gegen Seine eigenen Gebote? War Er eventuell doch für das Leiden, die Schmerzen und den Tod so vieler Menschen? Konnte es unter Umständen Ausnahmen geben, die das rechtfertigten? Darauf gab mir niemand Antwort.

Der Ausweg für mich war das Gebet. Ich betete für Menschen, für die vielen Kriegsopfer und für die Tiere, die auch im Krieg ihr Leben lassen mussten. Immer noch glaubte ich, dass Gott außerhalb vom Menschen zu finden sei. Es war sonderbar: Trotz meiner Zweifel an Gott betete ich zu dem Gott im Himmel und bat, die Worte Jesu ganz und in jeder Situation verstehen zu können: „Was du willst, dass dir andere tun, das tue du ihnen zuerst.“

Oder: „Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.“

Neue Herausforderungen

Als Gabriele und ihr Mann Rudolf etwa neun Jahre verheiratet waren, kam ihre Tochter zur Welt. Daraufhin gab Gabriele ihre Berufstätigkeit auf, und die Familie mietete sich am Stadtrand von München ein hübsches Reihenhaus mit einem kleinen Garten, damit das Kind mehr Freiheit hatte. Gabriele und ihr Mann führten eine gute Ehe und ein normales mittelständisches Leben. Sie lebten – wie es dem schwäbischen Naturell ohnehin entspricht – eher sparsam und machten einmal im Jahr Urlaub. Auch der Geselligkeit waren sie nicht abgeneigt. Im Rückblick auf diese Zeit sagte Gabriele einmal, dass sie in jener Zeit stark nach außen orientiert war: Sie wollte aus der Enge heraus, wollte die Welt sehen, wollte in und mit der Welt leben.

Wer München kennt, der weiß um den hohen Freizeit-, Kultur- und Einkaufswert dieser Stadt. Doch die Idylle besaß keine Ewigkeitsdauer. Bereits drei Jahre nach der Geburt der Tochter und dem Umzug ins Stadtrand-Reihenhaus trat eine neue Herausforderung ins Leben des jungen Paares: Gabrieles Mann wurde von seinem Arbeitgeber, einem großen Konzern, ein neuer, größerer Aufgabenbereich angeboten: in Würzburg! Er sollte dort eine Zweigfirma übernehmen und ausbauen.

Würzburg ... Gabriele, aus einer Kleinstadt kommend, hatte sich in der Weltstadt München gut eingelebt. Würzburg erschien ihr wie ein Rückschritt in provinzielle Enge. Erst drei Jahre zuvor hatten sie ihr Reihenhaus mit Garten bezogen. Und die Eltern in der Nähe Augsburgs waren von hier aus so leicht erreichbar. Kurzum: Gabriele wollte nicht weg. Doch für ihren Mann war es ein aussichtsreicher Karrieresprung, den er nutzen wollte.

Was tun? Der Ehemann suchte Rat bei Gabrieles Mutter. Er wusste: Wenn es jemanden gab, der Gabriele umstimmen konnte, dann war sie es. Bereits im Verlauf der Kriegszeit war zwischen Gabriele und ihrer Mutter eine vertrauensvolle, innige Beziehung gewachsen. Und während der zwölf Jahre in München waren Gabriele und ihr Mann häufig bei ihren Eltern zu Besuch gewesen. Man fühlte sich dort wie in einer Großfamilie. Gabriele und ihre Mutter teilten seit langem Freud und Leid miteinander – wie zwei Schwestern, die sich von Herzen zugetan sind.

Und tatsächlich: Gabriele ließ sich umstimmen. Sie sah ein, dass sie ihrem Mann ermöglichen sollte, sich beruflich zu verbessern. Von da an ging alles sehr rasch: Die Eheleute fuhren nach Würzburg, fanden dort gleich ein Reihenhaus etwas außerhalb der Kernstadt – und bereits nach einem halben Jahr wurde umgezogen. Für Gabriele war es trotz des reibungslosen Ablaufs ein harter Einschnitt in ihr Leben. Sie wohnte mit ihrer Tochter in der neuen Umgebung während der Woche allein auf weiter Flur, denn die Nachbarhäuser wurden erst noch gebaut. Der Ehemann war zunächst nur am Wochenende zu Hause, denn er hatte beruflich noch ein Jahr in München zu tun.

Eine neue Lernaufgabe für Gabriele: Nun hieß es, die ungewohnte Einsamkeit zu ertragen, die von einem Tag auf den anderen in ihr Leben Einzug hielt. Oft war sie nun tagelang mit ihrer Tochter allein.

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23 aralık 2023
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232 s. 4 illüstrasyon
ISBN:
9783892016564
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