Kitabı oku: «Lieblingsplätze Nordschwarzwald»
Lieblingsplätze Nordschwarzwald
Matthias Kehle
Impressum
Für Walter Trefz, Wald- und Umweltschützer, Försterlegende
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Sofern nicht im Folgenden gelistet, stammen alle Bilder von Matthias Kehle:
Anja Sander 24; Daniel Müller (Nationalpark Schwarzwald) 42; Hotel Sackmann 76; Christoph Albert 92; www.andy-ridder.de 114; Matthias Kehle, mit freundlicher Unterstützung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg 116; Torben Beeg 118; Brennerei Höllberg 150; Seeger www.seeger-werbung.de 160; Staatsbad Wildbad 170; Teinachtal-Touristik 180; Hans-Joerg Haas Vogtsbauernhof 190
Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.
e uns im Internet:
www.gmeiner-verlag.de
1. Auflage 2021
© 2021 – Gmeiner-Verlag GmbH
Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch
Telefon 07575/2095-0
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Alle Rechte vorbehalten
Lektorat/Redaktion: Anja Kästle
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Susanne Lutz
unter Verwendung der Illustrationen von © SimpLine – stock.adobe.com; © Susanne Lutz
Kartendesign: © Maps4News.com/HERE
ISBN 978-3-8392-6854-4
Inhalt
Impressum
Wilde Heimat des Nationalparks
Vorwort: Eine Einladung
1 Schönstes Hochmoor im Schwarzwald
Gernsbach: Wildsee am Kaltenbronn
2 Spielend lernen
Gernsbach: Infozentrum Kaltenbronn
3 Extremes Klima, weite Aussicht
Gernsbach: Hohlohturm
4 Musik und Wein
Gernsbach: Altes Rathaus
5 Wildromantisch und fast alpin
Loffenau: Großes Loch Teufelsmühle
6 Naturdenkmal mit Aussicht
Bad Herrenalb: Bernsteinfels
7 Hexen, Heu und Hütten
Forbach: Hexenbrunnen bei Gausbach
8 Hölzernes Wahrzeichen
Forbach: Historische Holzbrücke
9 Teuflische Steine
Forbach: Giersteine bei Bermersbach
10 Wellen, Wind, Motorräder
Forbach: Schwarzenbachtalsperre bei Raumünzach
11 Der Höchste und Spektakulärste
Seebach: Hornisgrinde
12 Manchmal mystisch
Seebach: Mummelsee
13 Es klappert die Mühle …
Seebach: Vollmers Mühle in Grimmerswald
14 Ein fast alpines Haus
Seebach: Darmstädter Hütte
15 Gelehrtengrab mit Traumblick
Seebach: Julius Euting und der Wildsee
16 »Eine Spur wilder«
Seebach: Nationalparkzentrum
17 Nostalgie pur!
Seebach: Sessel- und Skilift am Ruhestein
18 Wilde und sagenumwobene Fälle
Oppenau: Allerheiligen-Wasserfälle
19 Malerische Frühgotik
Oppenau: Kloster Allerheiligen
20 Für Kraxler und Alpinwanderer
Ottenhöfen: Karlsruher Grat
21 Beliebtes Fotomotiv
Ottenhöfen: Rainbauernmühle in Furschenbach
22 Schnaps und Schloss
Sasbachwalden: Schnapsbrunnen in Brandmatt
23 Auf den Spuren des Pinselohrs
Bühlertal: Luchspfad bei Plättig
24 Wollsäcke und Blockhalden
Bühlertal: Hertahütte bei Plättig
25 Rauschen, tosen, gluckern
Bühlertal: Gertelbachfälle
26 Entspannen zwischen Büchern
Bühl: Mediathek Bühl
27 Nachhaltig einkehren
Bühl: Naturfreundehaus Badener Höhe bei Sand
28 Schönster Grindenpfad
Bühl: Hochkopf bei Unterstmatt
29 Der Spassberg schlechthin
Bühl: Mehliskopf bei Sand
30 Das Erbe von Orkan Lothar
Baiersbronn: Lotharpfad
31 Romantisch und verwunschen
Baiersbronn: Buhlbachsee
32 Mit der Delle im Boden!
Baiersbronn: Glashütte Buhlbach
33 Hier leuchtet ein Stern
Baiersbronn: Hotel-Restaurant Sackmann in Schwarzenberg
34 Rätselhafte Mauerreste
Baiersbronn: Rinkenkopf
35 Der See mit den drei Fingern
Freudenstadt: Ellbachseeblick bei Kniebis
36 Tanken mit Elvis
Freudenstadt: Retro-Tankstelle in Kniebis
37 Der Größte der Republik
Freudenstadt: Marktplatz
38 Senkrecht in die Tiefe
Freudenstadt: Besucherbergwerk Freudenstadt
39 Dorf im Dorf – »Museumsinsel«
Freudenstadt: Dorfmuseum Dietersweiler
40 Unten ohne durch den Wald
Dornstetten: Barfußpark Hallwangen
41 Eine saubere Sache!
Wörnersberg: Seifenschule Waldseifen
42 Informativ und heiter
Alpirsbach: Brauereimuseum Alpirsbacher Brauwelt
43 Anrührend und traurig zugleich
Bad Rippoldsau-Schapbach: Alternativer Wolf- und Bärenpark
44 Mit dem »Bähnle« hinauf
Karlsruhe: Turmberg
45 Ein rätselhafter Brunnen
Ettlingen: Delfinbrunnen im Schloss Ettlingen
46 Faszinierende Seniorin
Ettlingen: Alte Linde in Schluttenbach
47 Grenzstein und Memento Mori
Marxzell: Toter-Mann-Stein bei Fischweier
48 Autos und viel mehr
Marxzell: Fahrzeugmuseum Marxzell
49 Kloster, Lazarett, Fabrik
Marxzell: Kloster Frauenalb
50 Weithin unbekannte Idylle
Muggensturm: Federbachbruch
51 Postkartenidylle
Gaggenau: Spaziergang durch Moosbronn
52 Kultfahrzeug und Mythos
Gaggenau: Unimog-Museum
53 Lustschloss der Markgräfin
Rastatt: Schloss Favorite bei Förch
54 Schönste Spielbank der Welt
Baden-Baden: Casino Baden-Baden
55 Architektur für die Ewigkeit
Baden-Baden: Museum Frieder Burda
56 Eldorado für Kletterer
Baden-Baden: Battert-Felsen
57 Standseilbahn mit Flair
Baden-Baden: Hausberg Merkur
58 Inspiration für eine Oper?
Baden-Baden: Verbrannte Felsen und Wolfsschlucht bei Ebersteinburg
59 Hoch über den Weinbergen Badens
Baden-Baden: Yburg bei Varnhalt
60 Ein Gemälde machte ihn berühmt
Baden-Baden: Geroldsauer Wasserfall
61 Badische Weine sind Weltspitze
Baden-Baden: Weingut Schloss Neuweier
62 Tulla, Tatort, Rhyolit
Sinzheim: Bergsee
63 Die Rakete an der Bundesstraße
Achern: Klauskirchl
64 Ein Ort der Stille
Achern: Waldfriedhof Illenau
65 Der »Simpl« und die Künstler
Renchen: Simplicissimus-Haus
66 Ein Stück Demokratiegeschichte
Offenburg: Hirsch-Apotheke am Fischmarkt
67 Das badische Märchenschloss
Ortenberg: Schloss Ortenberg
68 Auf Umwegen zum Zentrum
Gengenbach: Sinneslabyrinth
69 Kuriosum im Zeichen des Storchs
Zell am Harmersbach: Storchenturm
70 Edles in der Schnapshauptstadt
Oberkirch: Höllberg Brennerei
71 Die Grimmelshausen-Burg
Oberkirch: Ruine Schauenburg
72 Panoramen der Superlative
Oberkirch: Gasometer Pforzheim
73 Mahnmal mit Aussicht
Pforzheim: Wallberg
74 Eine wackelige Angelegenheit
Pforzheim: Büchenbronner Höhe bei Büchenbronn
75 Rehbraten mit Aussicht
Straubenhardt: Landhotel Adlerhof
76 Anrührender Märchenklassiker
Neuenbürg: Ausstellung Das kalte Herz im Schloss Neuenbürg
77 Brot wie zu Omas Zeiten
Höfen an der Enz: Backhaus
78 Einsamer Wiesengrund
Dobel: Eyachmühle
79 Auge in Auge mit Eichhörnchen
Bad Wildbad: Baumwipfelpfad
80 Orientalische Wellness
Bad Wildbad: Palais Thermal
81 Gute Tropfen im Stil der 1960er
Bad Liebenzell: Trinkhalle im Kurpark
82 Gotteshaus und Sommerresidenz
Calw: Kloster Hirsau
83 In der Heimat des Kult-Autors
Calw: Hermann-Hesse-Museum
84 1.000 Jahre und mehr
Bad Teinach-Zavelstein: Kirche Sankt Candidus bei Kentheim
85 Ein Blütentraum im Frühling
Bad Teinach-Zavelstein: Krokuswiesen
86 Wer hier grub, starb jung
Neubulach: Hella-Glück-Stollen
87 Schönstes Fachwerkdorf?
Altensteig: Spaziergang durch die Altstadt
88 Heimat für den Eisvogel
Seewald: Nagoldtalsperre
89 Rätselhafte Grabkammer
Nagold: Keltenhügel
90 Die letzten Originale
Gutach: Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof
Karte
Wilde Heimat des Nationalparks
Vorwort: Eine Einladung
Vielleicht ist der Schwarzwald das berühmteste Gebirge der Welt. Jedenfalls kennt man seine Insignien wie Bollenhut, Kirschtorte, Kirschwasser oder den Mummelsee in Korea, Brasilien und den Vereinigten Staaten. Vielleicht ist nur noch das Matterhorn berühmter als der Bollenhut! Geografen teilen das südwestdeutsche Mittelgebirge ein in Nordschwarzwald und Hochschwarzwald. Wilder, einsamer, romantischer und vielfältiger ist die Heimat des jungen Nationalparks: der Nordschwarzwald. Im Norden wird er grob von der A7 zwischen Karlsruhe und Pforzheim, im Süden vom Kinzigtal begrenzt. »Wilder« ist die Gegend: Mit etwas Glück trifft man bei langen Wanderungen auf einen Auerhahn und vernimmt Vogelstimmen, die man sonst nicht hört. Hier ist der Wolf wieder zu Hause, selbst wenn ihn kaum ein Mensch zu Gesicht bekommt. »Einsamer« ist der Nordschwarzwald als sein südlicher »Bruder«: Stundenlang kann man durch dichte Wälder wandern, zu entlegenen Karseen oder merkwürdigen Felsformationen. Ganz im Gegensatz zu den Bereichen rund um die Schwarzwaldhochstraße, wo immer Trubel und Verkehr herrscht. »Romantischer« ist der Norden mit seinen unzähligen Wasserfällen, wie dem Gertelbachfall bei Baden-Baden, aber auch dem so beliebten Mummelsee. Vorausgesetzt man besucht ihn zu einer Zeit, wenn dort keine weiteren Touristen sind, etwa an einem kalten, nebligen Tag in der Vorweihnachtszeit.
Im Nordschwarzwald wachsen mit die größten Waldflächen Deutschlands. An der Westseite gedeiht schon junger Mischwald – die Fichtenmonokulturen hat Sturm Lothar im Jahr 1999 »beseitigt«. Es ist ein Wald im Wandel. Das zeigt etwa der Lotharpfad, ein Weg, auf dem der Besucher die Entwicklungen des letzten Vierteljahrhunderts nachvollziehen kann. Vertraute Bilder, wie sie auch in diesem Buch zu sehen sind, werden sich mit dem Klimawandel verändern – in welche Richtung ist kaum vorherzusagen. Zwischen diesen Wäldern liegen weltberühmte Orte. Das gilt vor allem für Baden-Baden mit seinen Thermen, dem Casino oder der Lichtentaler Allee. Berühmt wurden Calw und Kloster Hirsau – dank dem Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse, der ein Kind des Nordschwarzwalds war. Viele seiner Texte sind hier angesiedelt. Klöster, Schlösser, Burgen und Ruinen finden sich zuhauf in dieser alten, vielseitigen Kulturlandschaft. Das schönste Schloss ist Favorite, die eindrucksvollste Burg Schloss Ortenberg, die prächtigste Ruine das verwunschene Kloster Allerheiligen. Am Rande des Nordschwarzwalds, in Karlsruhe, wurde das Auto erfunden und so ist es nicht verwunderlich, dass einige Sehenswürdigkeiten mit dem Auto zu tun haben: ein skurriles Fahrzeugmuseum in Marxzell, eine Retro-Tankstelle in Freudenstadt oder das Unimog-Museum in Gaggenau. In Baden übrigens hat der Guide Michelin die meisten Gourmet-Sterne vergeben, knapp hinter der württembergischen Grenze laden die Top-Restaurants Deutschlands ein, eines davon wird hier vorgestellt. Ganz normale, bürgerliche Gastronomie darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Wer am Westrand des Schwarzwalds entlangfährt, etwa auf der A5, sieht vor allem eines: Weinberge, Weinberge, nichts als Weinberge! Der badische Wein gilt als Weltklasse, vor allem einige Rieslinge, und so ist ein Blick in ein bekanntes Weingut ein Muss. Im Nordschwarzwald befindet sich zudem die »Europäische Schnapshauptstadt« Oberkirch mit vielen weithin bekannten Brennereien – die Zahl geht in die Hunderte!
Der Oberrhein und der Nordschwarzwald waren schon immer besiedelt, bereits Keltenfürsten haben hier ihre Grablege, ein uraltes Kirchlein in Kentheim zeugt von einer langen christlichen Tradition. Viele Kultur- und Architekturdenkmale, etwa die Hirschapotheke in Offenburg oder das Ettlinger Schloss mit seinem Delfinbrunnen, aber auch das Museum Frieder Burda in Baden-Baden bezeugen dies. Mühlen, Bergwerke, Stauseen – dem Nordschwarzwald fehlt eigentlich nichts. Na gut, vielleicht ein paar ganz hohe, vergletscherte Berge und ein Meeresstrand, aber das ist schon alles. Es ist die perfekte Gegend, um zu essen, zu trinken, zu wandern, für Freizeit, Kultur und Sport. Oder ganz einfach gesagt: zum Genießen!
Der lange umstrittene Nationalpark Schwarzwald ist der erste in Baden-Württemberg und wurde 2014 gegründet. Er ist 100,62 Quadratkilometer groß. Weit über 2.000 Tierarten leben hier.
1 Schönstes Hochmoor im Schwarzwald
Gernsbach: Wildsee am Kaltenbronn
Der Wildsee, auf etwa 900 Metern Höhe zwischen Bad Wildbad und Gernsbach gelegen, ist die mit 2,3 Hektar größte Hochmoorfläche im Schwarzwald und gilt als größter Hochmoorkolk Deutschlands. »Kolk« bedeutet, dass das Moor rein durch Wasseransammlung entstanden ist. Ein Teil ist mit Schwingrasen bedeckt, auf dem See haben sich kleine Inseln gebildet. Am Ende der letzten Eiszeit, vor etwa 10.000 Jahren, versumpfte die Hochfläche auf den wasserundurchlässigen Buntsandsteinschichten. Durch die Sauerstoffarmut zersetzte sich die anspruchslose Vegetation nicht vollständig und bildete eine bis zu acht Meter dicke Torfschicht. Hier gedeihen Überlebenskünstler wie Torfmoose und Wollgräser, das Moor ist umgeben von Bannwäldern mit zahllosen Birken.
Das streng geschützte Gebiet ist touristisch durch einen Bohlenweg erschlossen, der nur zu Fuß passiert werden darf, mitunter federt das Holz unter den Schritten auf dem weichen Torfuntergrund. Ein solches Moor ist hochsensibel. Schon Kalkstaub an Wanderstiefeln kann das System verändern, weshalb der kalkhaltige Schotter auf den Waldwegen der Umgebung durch kalkarmen ersetzt wurde. Auch das Füttern der Enten und das »Entsorgen« von Essensresten ist streng verboten. Vor allem unter der Woche kann der Wanderer, auf einer der Bänke sitzend, die Stille genießen und Libellen beobachten.
Ab dem 18. Jahrhundert schien das Ende des Moores besiegelt. Nachdem 1701 ein erster Weg und 1708 eine Anlage zur Holzflößerei gebaut wurde, kam 1829 ein Entwässerungssystem hinzu. Teile des Hochmoores wurden um 1850 abgebrannt und neu aufgeforstet, zweimal wurde Brenntorf abgebaut, zuletzt 1919. Zehn Jahre später jedoch erklärte man einen Teil des Moores zum Bannwald, aber erst im Jahr 2000 wurde das Wildseemoor großflächig zum Naturschutzgebiet.
Vom Wildsee aus kann man in verschiedene Richtungen wandern. Empfohlen sei ein Abstecher zum Gasthaus Grünhütte in etwa drei Kilometern Entfernung. Hier genießt man badisch-schwäbische Küche.

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Hochmoor Wildsee
Startpunkt für Wanderung: Parkplätze um das Infozentrum Kaltenbronn
Kaltenbronner Straße 600
76593 Gernsbach-Kaltenbronn
07224 655197
www.infozentrum-kaltenbronn.de
Waldgaststätte Grünhütte
07081 8627
www.gruenhuette.de
2 Spielend lernen
Gernsbach: Infozentrum Kaltenbronn
Wer in der großartigen Landschaft rund um die Hochmoore von Hohloh und Wildsee wandert, sollte unbedingt das Infozentrum Kaltenbronn besuchen. Das ganze Gebiet liegt außerhalb des Nationalparks, dennoch bietet das Haus Wissen satt. Es ist kein simples Museum, sondern ein multimedialer »Lernort«. Das hört sich trocken an, doch in den sechs Räumen erfährt der Besucher spielerisch, wie Auerhühner – einst Jagdtrophäen adliger Jäger – leben, was alles in Totholz kreucht und fleucht oder mehr über die wechselvolle Geschichte der kleinen Ansiedlung auf dem abgelegenen und im Winter eisigen Kaltenbronn. Die Ausstellungsmacher arbeiten mit allen Medien. Mit Moosen und Schwämmen kann man experimentieren, vieles lässt sich anfassen, wer will, darf schnuppern und somit alles höchst sinnlich erleben. Mittels einer interaktiven Reliefkarte erfahren Besucher einiges über touristische Angebote wie beispielsweise Wanderrouten oder Naturparkwirte.
Im Zentrum jedoch stehen die Bäume, die Bannwälder sowie das Leben und Überleben in den Hochmooren während der letzten 10.000 Jahre. Besonders unterhaltsam ist ein Zeichentrickfilm über das Verhältnis zwischen Badenern und Württembergern, »Gelbfüßlern und Sauschwobe«: Sie erklären sich gegenseitig die Vorzüge ihres jeweiligen Landesteils, schließlich führt die »Grenze« mit unzähligen historischen Grenzsteinen mitten durch den Nordschwarzwald – hier oben verläuft sie direkt über den Wildsee. Neben eindrucksvollen Bildern stehen im Infozentrum die Klänge im Vordergrund: Melodiös klingen die Rufe von Waldohreulen, Fichtenkreuzschnäbeln oder Wintergoldhähnchen. Es lohnt sich immer wieder zu kommen, denn Wechselausstellungen, etwa über Insekten, sowie Vorträge, Führungen und Kinderprogramme runden das Angebot in dem historischen und stimmungsvollen Gebäude ab.
Voller Bauch studiert nicht gern, ein leerer auch nicht – schräg gegenüber des Infozentrums lohnt eine Einkehr ins Hotel-Restaurant Sarbacher, vor allem wegen der Schwarzwälder Kirschtorte.

2
Infozentrum Kaltenbronn
Kaltenbronner Straße 600
76593 Gernsbach-Kaltenbronn
(L76 b von Gernsbach aus)
07224 655197
www.infozentrum-kaltenbronn.de
Hotel Sarbacher
Kaltenbronner Straße 598
76593 Gernsbach-Kaltenbronn
07224 93390
www.hotel-sarbacher.de
3 Extremes Klima, weite Aussicht
Gernsbach: Hohlohturm
Der Hohloh (988 Meter) gehört wie die Hornisgrinde zu den klimatisch extremen Bergen des Schwarzwalds. Hier oben ist es immer »einen Kittel kälter«. Den höchsten Punkt des weitläufigen Gipfelplateaus zu finden, ist gar nicht einfach. Unweit von diesem jedoch steht ein markanter Sandsteinturm, den der Schwarzwaldverein 1897 hat errichten lassen. Es ist der nördlichste Punkt des Schwarzwalds mit Alpenblick – bei günstigen Sichtverhältnissen erkennt man in über 250 Kilometer Entfernung Eiger, Mönch und Jungfrau. Der Hohloh war so stark bewaldet, dass der Schwarzwaldverein den Turm 1968 um 6,4 Meter auf die heutige Höhe von 28,6 Metern erhöhen ließ. Die Bäume wuchsen weiter in die Höhe, in den 1990er-Jahren sah man vom Turm nur in Baumwipfel. Bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 als der Sturm Lothar das Gipfelplateau nahezu komplett entwaldete. Den düsteren Fichtenwald haben heute Ebereschen, Birken, Tannen und Salweiden ersetzt – im Herbst ein Farbspektakel der besonderen Art, vor allem bei tiefstehender Nachmittagssonne.
Nicht zum Nationalpark gehört das Naturschutzgebiet rund um den südlich des Turms gelegenen Hohlohsee, Deutschlands höchstgelegenes Moorgebiet. Das »Hohlohmiss« ist mit seinen Regenmooren und mehreren Moorseen streng geschützt, aber auf einem breiten, barrierefreien Bohlenpfad zugänglich. Die genügsame Heidelbeere dominiert die Vegetation, die karge Landschaft mutet fast skandinavisch an. Der Hohloh gehört zu den beliebtesten Bergen, ist er doch bis zur von Rennradlern viel befahrenen Passhöhe Schwarzmiss (933 Meter) gut per Auto und Bus erreichbar, asphaltierte Spazierwege führen rund um den höchsten Punkt. West- und Mittelweg, die von Pforzheim nach Basel führen, sowie der Europäische Fernwanderweg E1 verlaufen über den Gipfel, ebenso einige Langlaufloipen.
Der sieben Kilometer lange Wanderweg vom Hohloh zur Teufelsmühle gehört zu den wenigen Strecken im Nordschwarzwald, die auch im Winter »besonnt« sind. Auch ein Abstieg nach Forbach lohnt.

3
Hohlohturm
Erreichbar vom Parkplatz auf der Passhöhe »Schwarzmiss«
L76 b, Abzweigung in 76593 Gernsbach-Hilpertsau Richtung Reichental
Tourist-Information Gernsbach
Igelbachstraße 1176593 Gernsbach
07224 64444
www.gernsbach.de
4 Musik und Wein
Gernsbach: Altes Rathaus
Es ist das schönste Gebäude in Gernsbach, und es wird ungewöhnlich genutzt. Das Alte Rathaus (erbaut 1617/1618) beherbergt das Museum der Harmonie und das altehrwürdige Weingut Iselin. Jan Brauers, ein niedersächsischer Unternehmer (1923–2004), sammelte Kunstwerke rund um den Begriff »Harmonie« sowie mechanische Musikautomaten. Seit 2012 sind sie in Gernsbach zu sehen. Skurril ist zwar seine Idee, Kunstgegenstände, die das Instrument der Lyra abbilden, in einer Ausstellung mit historischen Abspielgeräten zu vereinigen. Dies ist aber höchst spannend, denn die Lyra war schon in der Urgeschichte nachgewiesen und ist in der gesamten europäischen Kulturgeschichte präsent.
Die Öffnungszeiten des Museums sind beschränkt und auf der Website nachzulesen. Man sollte sich mehr als eine Stunde Zeit nehmen, denn die obligatorische Führung ist unvergleichlich. Ein Mitglied des Kuratoriums erzählt kenntnisreich endlose Geschichten rund um einzelne Objekte. Mehr noch, er stellt die Urahnen des Plattenspielers vor. So hört man einzigartige Klänge im Original von einem Edison-Grammophon oder einem Polyphon, das damals so teuer war wie heute eine kleine Eigentumswohnung und eine Art mechanischer CD-Player in Schrankgröße darstellte.
In Gernsbach startet der Ortenauer Weinpfad, der 100 Kilometer durch teils weltberühmte Weinberge verläuft. Nach der Führung sollte man deshalb unbedingt die Weine des Weinguts Iselin im Parterre und Gewölbekeller des Rathauses probieren. Die Rebstöcke sind fast in Sichtweite, die Riesling- und Burgundertrauben von erlesener Qualität. Die Geschichte des Bio-Weinguts erzählt Winzer Rainer Iselin persönlich. Und natürlich auch die des Rathauses und dessen Bauherrn Johann Jakob Kast. Der war Vorstand der Murgschifferschaft, des bedeutendsten Unternehmens der Region, eine Art »badischer Fugger«.
Lohnenswert ist der Katz’sche Garten, ein Skulpturengarten aus dem Barock, angelegt von einem italienischen Gartenbaumeister im Auftrag der Murgschifferfamilie Katz. Hier gedeihen seltene Pflanzen.

4
Altes Rathaus
Hauptstraße 11
76593 Gernsbach
Jan Brauers-Stiftung für Fortschritt durch Harmonie im Alten Rathaus
(nur zeitweise geöffnet)
07224 623607 (Museum)
www.janbrauers-stiftung.de
Weingut Iselin im Alten Rathaus
07224 1666
www.weingutiselin.com
5 Wildromantisch und fast alpin
Loffenau: Großes Loch Teufelsmühle
Der Aussichtsturm der Teufelsmühle (895 Meter) ist eines der spektakulärsten Wanderziele im Nordschwarzwald. Nicht allein wegen der Aussicht ins Murgtal, sondern wegen des Aufstiegs von Bad Herrenalb aus. Es ist eine anspruchsvolle, oft alpin anmutende Tour, steil, teilweise mit Felsstufen versetzt. Oberhalb des Parkplatzes Risswasen bei Loffenau wird es ernst. Von dort aus führt der Wanderweg an den Teufelskammern, am Großen Loch vorbei. Man sollte den Weg kurz verlassen, um die gewaltigen Höhlen zu bestaunen, welche die Erosion im Laufe der Jahrmillionen aus dem Sandstein gewaschen hat. »Wildromantisch« möchte man die gesamte Nordseite nennen, aber auch der südseitige Abstieg nach Gernsbach ist zunächst recht steil, bevor er durch liebliche Streuobstwiesen führt.
Alternativ kann man vom Startpunkt Bad Herrenalb der 15,5 Kilometer langen Großen Runde über die Teufelsmühle folgen, dem am besten beschilderten Weg. Kenner steigen, vorbei an weiteren Sandsteinformationen, zur Plotzsägemühle ab – rund um die Teufelsmühle lassen sich schier endlos viele Naturwunder entdecken! Am höchsten Punkt erwartet den Bergfreund ein Aussichtsturm des Schwarzwaldvereins und eine Höhengaststätte. Sofern der Turm geöffnet ist, schweift der Blick weit über die Rheinebene und die Berge des Nordschwarzwaldes bis zum Pfälzer Wald. Auch unterhalb des Turms öffnet sich eine schöne Aussicht nach Westen. Mit etwas Glück sieht man hier den einen oder anderen Teufelsflieger starten, so der Name des 1977 gegründeten Drachenflugvereins von Loffenau. Ihren Namen verdanken die Teufelskammern und die Teufelsmühle einer Sage. Die vielen Felsblöcke der Gegend habe der Teufel zum Bau einer Mühle verwendet – so erklärten sich unsere Vorfahren die Entstehung des Naturwunders.
Fast wie in den Alpen mutet auch das rustikale und stimmungsvolle Höhengasthaus Teufelsmühle an in unmittelbarer Nähe des Aussichtsturms mit gutbürgerlicher schwäbischer und badischer Küche.

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Großes Loch Teufelsmühle
Startpunkt: Wanderparkplatz Risswasen
76597 Loffenau
www.schwarzwaldverein.de
Höhengasthaus Teufelsmühle
Landstrasse L564
76597 Loffenau
07083 8302
6 Naturdenkmal mit Aussicht
Bad Herrenalb: Bernsteinfels
Von allen Seiten führen Wanderwege auf den beliebtesten Punkt zwischen Murg- und Albtal, zwischen Gaggenau und Bad Herrenalb. Lange wandert man durch prächtigen Mischwald, bis man plötzlich unter einem beeindruckenden, zerklüfteten Buntsandsteinfelsen steht. Ein paar Treppenstufen führen auf das 25-Quadratmeter-Plateau des 200-Kubikmeter-Klotzes, der als Naturdenkmal geschützt ist. Hier trifft man sich, Familien nutzen den Grillplatz, junge Paare stoßen oben auf dem sechs Meter hohen Felsklotz inklusive steinernem Gipfelkreuz mit Sekt an. Wer ihn umrundet, dem fallen allenthalben runde Aushöhlungen auf, sogenannte »Geoden«, bei denen bestimmte Anteile des Buntsandsteins im Laufe der Jahrmillionen chemisch ausgefällt wurden.
Wie viele der markanten Felsformationen im Nordschwarzwald hat der Bernstein seine Entstehung der Absenkung des Rheingrabens vor etwa 50 Millionen Jahren zu verdanken. Vor »nur« fünf Millionen Jahren wurden die Ränder des Schwarzwalds dann nach und nach gehoben und gekippt – der Fels wurde freigelegt und durch Verwitterung in seine heutige Form gebracht. Der Bernsteinfels befindet sich ganz in der Nähe der »Badischen Wespentaille«, der mit 17,2 Kilometern schmalsten Stelle Badens. Wandervereine haben einen »Historischen Grenzweg« angelegt: Hier fallen zahllose Grenzsteine auf, welche die alte württembergische von der badischen Gemarkung trennten. Besserwisser, die die Landkarte genau studiert haben, können bei den Wanderern am Bernsteinfels damit prahlen, dass sie sich nicht auf dem höchsten Punkt des Berges befinden. Dieser liegt nämlich recht unspektakulär etwas weiter südöstlich im Wald. Der Name übrigens leitet sich nicht vom gelben Schmuckstein ab, sondern meint den »Bären«, ähnlich wie im Fall der schweizerischen Bundeshauptstadt Bern.
Ein weiteres Naturdenkmal ist der sagenumwobene Mauzenstein. Vom Bernstein führt ein Wanderweg nach Bernbach. Diesem bis zum Abzweig Mauzenstein folgen.

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Bernsteinfels
Startpunkt für Wanderung: Tourismus und Stadtmarketing Bad Herrenalb
Rathausplatz 11
76332 Bad Herrenalb
07083 500555
www.badherrenalb.de
Weitere Wanderrouten beginnen in Gaggenau und Gernsbach.
7 Hexen, Heu und Hütten
Forbach: Hexenbrunnen bei Gausbach
Vom Forbacher Ortsteil Gausbach beginnen eine Reihe Wanderwege. Oder sie enden dort. Je nachdem hat der Wanderer eine schweißtreibende Tour vor oder hinter sich und ist froh um die vielen Trinkwasserbrunnen am liebevoll angelegten und gut ausgeschilderten Brunnenweg. Die Wasserquellen dienten früher teilweise als Viehtränken. Kurz vor dem Ortseingang wartet der unscheinbare Hexenbrunnen mit seiner »gnitzen« Hexe auf durstige Passanten. Hier sollte man unbedingt pausieren. Die Wiese gegenüber dem Brunnen heißt Ringwiese, in alten Chroniken ist die Bezeichnung »Ring tanzender Hexen« überliefert. Tatsächlich befindet sich inmitten der Ringwiese ein gewaltiger Felsen, auf dem der Künstler Rüdiger Seidt einen Hexenbesen montiert hat. Solche Felsen waren früher oft mit Ringen und Nägeln verziert.
Einmalig im Nordschwarzwald sind die Heuhütten rund um Gausbach. In früheren Jahrhunderten wurden Waldgebiete entlang der Bachläufe gerodet, da die Murgtäler mehr Landwirtschaftsfläche brauchten. Für das Vieh waren die Hänge zu steil, sie wurden im Sommer auf Waldweiden getrieben. Einwanderer aus Tirol waren es, die nach dem Dreißigjährigen Krieg die Kenntnis von den fast würfelförmigen Heuhütten mitbrachten, in denen die Bauern das Heu trockneten, um es im Winter ins Tal zu befördern. Sei es auf dem eigenen Rücken oder per Schlitten. Heute werden die offenen Täler der Gegend nicht mehr bewirtschaftet. Dennoch werden sie frei von Bewaldung gehalten, denn die Fallwinde schaffen ein angenehmes Mikroklima. Der Platz am Hexenbrunnen ist nicht nur Idylle, er erzählt ebenso vom Leben der Bauern früher sowie von ihren Sagen und Mythen.
Der Brunnenweg ist ein vier Kilometer langer Wanderweg mit einem Höhenunterschied von 100 Metern. Er startet an der S-Bahn-Haltestelle Forbach-Gausbach.

7
Hexenbrunnen
Ringbergweg
76596 Forbach-Gausbach
Tourist-Information Gemeinde Forbach
Landstraße 27
76596 Forbach
07228 390
www.forbach.de
8 Hölzernes Wahrzeichen
Forbach: Historische Holzbrücke
Das Murgtal ist das schönste Tal im Nordschwarzwald und Forbach liegt tief unten, eingerahmt von bis zu über 1.000 Meter hohen Gipfeln. Gewaltige Holzbrücken kennt man sonst nur aus den Alpen, hier überspannt eine den Fluss mit seinen schlohweißen Felsen. Von keiner Stelle der Umgebung zu übersehen, ist sie im heutigen Zustand vergleichsweise jung. Bereits vor 1570 soll hier ein hölzerner Steg über die Murg bestanden haben – in besagtem Jahr wurde die »holzern Bruck« von einer Flut mitgerissen. Die Murgschiffer machten die Gegend wohlhabend, und so sollte 1776 bis 1778 eine Brücke entstehen, die sich von allem abhob, die alle bisher gebauten Brücken in der Region in den Schatten stellte. »130 Schuh weit, im Licht gestreckt« sollte sie sein und ein Dach tragen, am Ufer musste man extra Fundamente graben, das Bauwerk kostete schließlich 1.150 Gulden.
Sie hielt bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, als deutsche und danach französische Truppen der Holzkonstruktion schließlich den Rest gaben. Das Forbacher Wahrzeichen wurde 1955 für 300.000 Deutsche Mark im Originalzustand wiederaufgebaut. Die Summe brachten Staat, Gemeinde und Bevölkerung auf, selbst der damalige Ministerpräsident Reinhold Maier setzte sich für den Wiederaufbau des einzigartigen Bauwerks ein. 37,8 Meter und 129 Tonnen schwer spannt sie sich seitdem eindrucksvoll, ohne Stützpfeiler und mit Holzschindeln gedeckt über die Murg. Brückenzoll muss der Passant heute nicht mehr entrichten, obwohl die Renovierung 1976 wieder Geld kostete. Natürlich führt weiter westlich eine Betonbrücke über die Murg nach Forbach, doch eine Nutzlast von 64 Tonnen macht die Holzbrücke auch für schwere Fahrzeuge passierbar. Am schönsten ist es, wenn man von der S-Bahn-Haltestelle zur Brücke hinabsteigt, sie zu Fuß überquert und dabei immer wieder einen Blick auf den Fluss wirft.
Spazieren Sie auf der Forbacher Seite entlang der Murg mit ihren hellen Granitblöcken im Flusslauf und am Ufer, dann durch den Forbacher Murggarten mit Spielplatz, Skulpturen und Wasserspielen.

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Historische Holzbrücke
Hauptstraße/Eckstraße
76596 Forbach
9 Teuflische Steine
Forbach: Giersteine bei Bermersbach
Ein weithin unbekanntes Dorf, wunderschön gelegen auf einer Terrasse 160 Meter steil oberhalb von Forbach, ist Bermersbach. Busse fahren nur gelegentlich, Touristen verirren sich hierher selten und wenn, dann zieht es sie zu den merkwürdigen, sagenumwobenen Giersteinen, von denen zwei besonders ins Auge fallen. Der größte misst 13 Meter im Umfang, auf ihm wurde 1905 eine Treppe angelegt. Der Teufel soll auf den Steinen aus Forbachgranit gestanden sein, um den satanischen Bannkreis zu verteidigen, als Missionare nahten – so erzählt eine Sage. Als ihm das nicht gelang, soll er mit seinen Krallen die Rillen in den Block gegraben haben. Eine andere Erzählung berichtet, der Teufel habe auf den Felsen Suppe gekocht, die übergelaufen sei und so die Rillen verursacht habe. Theorien von Tieropfern (»Blutrillen«) und Spekulationen über heidnische oder keltische Kultstätten haben sich als nicht haltbar erwiesen. Selbst Geologen rätseln, ob es stimmen kann, dass die Murg einst viel höher gelegen Richtung Rhein floss und die Felsen hinterließ, bevor sie sich im Laufe der Jahrmillionen nach und nach tiefer ins Gestein grub. Die Rillen und die Kugelform sind inzwischen immerhin eindeutig auf Verwitterungsprozesse zurückzuführen.
Jedoch ist nicht einmal der Name der unter Denkmalschutz stehenden Steine geklärt: Er mag von »Geiern« herrühren oder von »Kirren« (Kirchweg nach Forbach), in einer Karte von 1720 sind sie als »Irrsteine« eingetragen. Die Bermersbacher hegen und pflegen ihre rätselhafte Attraktion. Sie haben vom Dorfrand bis zu den Steinen eine Allee aus Dahlien angelegt. Ein großer Kinderspielplatz, ein überdachtes Rondell und ein »Insektenhotel« machen die Giersteine zu einem Ort, an dem man gerne länger verweilt, zumal der Ausblick ins Murgtal und nach Forbach traumhaft ist.
Im Murgtal-Museum in Bermersbach sind eine historische Feuerwehr, ein alter Kaufladen, eine ehemalige Dorfschule und viele Alltagsgegenstände aus der langen Geschichte der Dörfer im Murgtal zu sehen.

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Giersteine
Der Giersteinstraße bis zum Ende folgen
76596 Forbach-Bermersbach
Murgtal-Museum
Kirchstraße 15
76596 Forbach-Bermersbach
07228 390 (Tourist-Information Forbach)
www.murgtalmuseum-bermersbach.de
10 Wellen, Wind, Motorräder
Forbach: Schwarzenbachtalsperre bei Raumünzach
Was gibt es Schöneres als einen glitzernden See, in dem sich Wolken, Hügel und tannengrüne Wälder spiegeln! Der See, den die Schwarzenbachtalsperre aufstaut, ist ein solcher. Doch er ist wie viele beliebte Attraktionen mit Vorsicht zu genießen, wenn man Ruhe sucht. Wer dem Massenandrang, insbesondere dem Biker-Treff, entfliehen möchte, sollte die Gegend rund um Parkplatz und Staumauer meiden und die Nordwestseite erkunden. Sofern der See genügend Wasser führt, finden sich dort gar zwei kleine Buchten. Hier kann man in die Sonne blinzeln und die Landschaft genießen oder einfach auf die umliegenden Gipfel steigen.
Der größte See im Nordschwarzwald ist rund 2,5 Kilometer lang. 65 Meter hoch ist die begehbare, 400 Meter lange Staumauer. Ihr Bau war in den 1920er-Jahren eine technische Meisterleistung, über die zahlreiche Schautafeln informieren. Mehr als 2.000 Mann aus aller Herren Länder arbeiteten an Deutschlands erster Gussbeton-Talsperre. Nach vier Jahren Bauzeit hatte das Land Baden 1926 ein neues Elektrizitätswerk. Im Zweiten Weltkrieg bombardierten die Alliierten die Staumauer, beschädigten sie aber nur leicht. Wie schnell sich moderne Mythen bilden, offenbarte sich hier. Es gab Berichte, denen zufolge am Grunde des Sees noch mehrere Gebäude und gar ein Kirchturm stehen sollten. Die Aufklärung erfolgte im Jahr 1997, in dem zuletzt das Wasser abgelassen wurde. Obwohl nicht schön anzusehen, strömten Neugierige scharenweise und fanden nur ein paar Münzen, Waffen und andere Gegenstände aus der Kriegszeit.
Die Südseite des Sees grenzt direkt an den Nationalpark. Die Schwarzenbachtalsperre wird eingefasst von zwei der zwölf Tausender des Nordschwarzwalds: der Badener Höhe und dem Hohen Ochsenkopf, beides attraktive Wanderziele. Vor allem auf dem steilen Pfad zur Badener Höhe genießt man immer wieder herrliche Blicke auf den glitzernden See.
Vom westlichen Ende des Stausees führt ein kurzer und einfacher Wanderweg zum Herrenwieser See, einem der zehn Karseen im Nordschwarzwald. Er gehört zu den wenig besuchten, stillen Plätzen der Region.

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Schwarzenbachtalsperre
Von Raumünzach der L83 folgen
76596 Forbach-Raumünzach
11 Der Höchste und Spektakulärste
Seebach: Hornisgrinde
Es ist ein faszinierender und geschundener Berg, die Hornisgrinde, mit 1.164 Meter höchste Erhebung des Nordschwarzwalds. Fast das ganze 20. Jahrhundert herrschte hier das Militär, der Gipfel war bis 1997 Sperrgebiet. Unter den hochsensiblen Hochmoor- und Grindenflächen sind noch zahlreiche militärische Hinterlassenschaften verborgen, die zerfallenden Bunkeranlagen sind einmal im Jahr zugänglich. Ein gewaltiges Windrad und ein 206 Meter hoher Sendemast verunstalten den langen Bergrücken. Faszinierend jedoch ist der Blick von ganz oben hinab in die Tiefe, die Rheinebene liegt rund 1.000 Meter unter dem Betrachter. Wenn dort im Herbst und Winter dicker, kalter Nebel liegt, ist es auf der Hornisgrinde mild, sonnig und klar. Die Sicht reicht nach Norden bis zum Hochtaunus und nach Süden bis zu den Berner Alpen – eine Strecke von über 400 Kilometern.
Das Klima auf dem Gipfel ist extrem. Im Winter kann es so stürmisch und kalt werden, dass Eisfahnen an den beiden Aussichtstürmen waagrecht in den Wind ragen. Windschutz bieten eine neue Hütte und der Aussichtsturm des Schwarzwaldvereins am südlichen Ende des Plateaus. Er ist verglast und beheizt, sodass man die Fernsicht zu den Alpen ohne eisige Finger genießen kann. Besonders eindrücklich sind gelegentliche Fata Morganen, bei denen die Alpengipfel in der Ferne binnen weniger Minuten immer wieder andere, teils skurrile Formen annehmen.
Im Sommer und an schönen Wochenenden ist die Hornisgrinde dank des nahen Mummelsees überlaufen. Wer die ausgetretenen Wege verlässt, wird diesen exponierten Berg schnell lieben lernen und seine Geschichten erkunden. Während etwa der Gipfel badisch ist, findet sich einige Höhenmeter tiefer im Wald versteckt der historische Dreifürstenstein, der höchste Punkt des württembergischen Landesteils – früher mussten sich drei Fürstentümer die Hornisgrinde »teilen«.
Wer den Sonnenaufgang erleben möchte, übernachtet im Ski- und Wanderheim »Ochsenstall«, auf 1.036 Metern zwischen der Hornisgrinde und Unterstmatt gelegen. Die Hütte ist vom Gipfel in 30 Minuten erreichbar.

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Hornisgrinde
Startpunkt für Wanderung: Parkplätze am Mummelsee
B500 (Schwarzwaldhochstraße)
77889 Seebach
Ski- und Wanderheim »Ochsenstall«
Hundsrücken 1
77815 Bühl-Unterstmatt
07226 920911
www.wanderheim-ochsenstall.de
12 Manchmal mystisch
Seebach: Mummelsee
Ein Foto kann trügen: Ein romantischer See, auf dem allein zwei Mädchen rudern. Tatsächlich ist es am Mummelsee meist laut, der berühmte Ort völlig überlaufen. Der touristische Höhepunkt der Schwarzwaldhochstraße liegt 1.029 Meter hoch. Andenkenläden, Tretbootbetrieb und vor allem Parkplätze für Autos, Busse und Motorräder bestimmen die Realität, dazu kommt ein überdimensioniertes Hotel. Der Name des Sees geht zurück auf die »Mummeln«, Seerosen, die früher vom Volksmund so genannt wurden und heute verschwunden sind. Der 3,7 Hektar große und 17 Meter tiefe See ist der größte der zehn Karseen im Nordschwarzwald, um den sich viele Sagen ranken. Eine davon erzählt von einer Nixe, die nachts aus dem See stieg, Menschen half, mit ihnen sang und tanzte. Grimmelshausens Simplicissimus wurde von Seebewohnern zum Mittelpunkt der Erde entführt und folgte geheimnisvollen Kanälen und Höhlen. Berühmt wurde der See jedoch erst durch Eduard Mörike und sein Gedicht Die Geister am Mummelsee aus dem Jahr 1829.
Weshalb dieser »Rummelsee« doch ein Lieblingsplatz ist: Im Winter, an nebligen November- und Dezembertagen scheint über der Nebeldecke meist die Sonne. Das wissen natürlich auch andere Menschen, die dann wiederum zu Tausenden dem Ruf der Nordschwarzwaldberge folgen. Aber am Nachmittag unter der Woche, zum Sonnenuntergang, wenn andere ihre Weihnachtseinkäufe tätigen, herrscht hier Ruhe und Einsamkeit, ja sogar ein klein wenig magische Stimmung. Das gilt vor allem, wenn man Pech hat oder Glück, je nachdem: Wenn die Nebeldecke doch dicker ist als angekündigt und die ganze Tourismusindustrie rund um den See verschwunden scheint. Nun fröstelt man zwar noch ein wenig mehr als im Rheingraben, wenn man allerdings um den See flaniert, fühlt man sich ein wenig wie zu Zeiten Eduard Mörikes.
Rund um den Mummelsee führt ein barrierefreier Spazierweg. Entlang des Pfads wurden Werke verschiedener Künstler installiert. Beste Zeit für den Mummelsee: werktags im Spätherbst und Winter!

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Mummelsee
B500 (Schwarzwaldhochstraße)
77889 Seebach
Tourist-Information Seebach
Ruhesteinstraße 21
77889 Seebach
07842 948320
www.seebach-tourismus.de
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