Kitabı oku: «Empörung & Andacht, Ewigkeit»
Max Herrmann-Neisse
Empörung & Andacht, Ewigkeit
Gedichte

Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2020
EAN 4064066114817
Inhaltsverzeichnis
I
II
Lob des Mondes (Der Bresthaften Trostgesang)
Bettler, wo kehrtest du ein
Verirrt in dieser Fremdheit Not
Türme in der großen Stadt
Ein Abend ist vertan — ein Tag zerschlagen — —
Wenn ich wieder durch die Fremde irre . . .
Werd’ ich noch einmal Bruder entgürteter Geister?
Zum Herzen meines Vaters (das, Opfer des Weltkrieges, am 20. 12. 1916, jäh brach)
Was ihr verschenkt, wird euer Reichtum werden
Schweigen mit dir
Verse von Ausreise und Wiederkehr
Blumenlied
Mein Gethsemane
Abendliches Leni-Lied
Du meiner Beete stille Gärtnerin
Dialog an den Drei-Steinen
Aus der Nachfolge Jakob Böhmes
In fremder Straßen fremde Nacht verschlagen
Dieser Welt entgrüntes Witwentum
Auch der Zweifler bleibt in Gottes Sphäre
Herr, kannst du nicht die Dinge strafen
Ich nahm den sehr verhaßten Pfad — —
Veracht’ ich mich, um Gott mehr zu gefallen?
Himmelfahrt
Des Erlösers letzter Sieg
I
Inhaltsverzeichnis
Die Mutter schilt mich ohne Grund — ich wehre mich — wir zanken —
wie kannst du wissen, was ich heimlich für und für gelitten
und immer wieder durchgelitten hab’ . . . ich möchte um Verzeihung bitten
für jeden Schlag, den du mir gabst, und dir für jede Härte danken!
Weißt du denn, wie das ist, wenn in einsamer Nacht
ich wach sein muß und irgendein Tier vor mir flieht,
wenn man im Spiegel sich selbst wie entzaubert sieht
in roher Nacktheit, maskenlos ungeschlacht?
Ich möchte dir so gern, so gern! stets etwas Schönes schenken,
und hab’ doch immer Angst vor deinem hilflos herben Staunen:
Du hieltest es erbittert, oh! für eine von meinen erbarmungslosen Launen
und weintest heimlich — aber ich muß „Martyrblume! Schwester!“ denken . . .
Und — Gott ist krumm! — ich muß dich immer wieder kränken!
II
Inhaltsverzeichnis
Mein Leben ist aus deinem Glück und Gram
ein Kreuz von süßem und von bittrem Holze;
Entbehrung noch, der Fleck auf meinem Stolze,
sei gut, weil sie aus deinem Kelche kam.
Der Gang im Schnee; in Büchern wie in kalten,
verlassnen Korridoren stumm zu stehn;
oder wenn um die Stirne die Gestalten
des eignen Schöpfersturms gespenstisch wehn:
holt sich von dir Bestätigung und Stimme
und weint und lacht sich reif an deiner Brust,
denn dein war alles, eh es mir bewußt
und wichtig ward: der Fluß, in dem ich schwimme,
umflüsterte dein Haar. Ich rann wie Sand
ganz weiß aus deiner spielgewölbten Hand,
und wie ich selber mich im Spiel versinne,
fließt Ernst und Lust in deine Hand zurück,
und alles wird, was immer ich beginne,
zu deinem Grame und zu deinem Glück.
Lob des Mondes
(Der Bresthaften Trostgesang)
Inhaltsverzeichnis
(In ehrfürchtiger Zuneigung Else Lasker-Schüler gewidmet)
Mitternacht ladet zu Gast die Gelähmten,
hat für die Blinden Früchte und Wein;
die sich des Leids vor der Sonne schämten,
hüllt sie behutsam in Mondenschein.
Fiebernde kühlt die Milch ihrer Sterne,
Stotternde singen mit ihrem Wind,
aus dem Geröll der verfallnen Zisterne
hebt die Verlorne ihr aussätzig Kind.
Bucklige, die sich mit Eifersucht grämten,
finden den Sesam, Götter zu sein —
Die sich des Leids vor der Sonne schämten,
gehn durch den Mond in den Himmel hinein.
Und der Taube, im Rauschen der Sterne,
lächelt, weil Hymnen im Herzen ihm sind.
Aus dem Geröll der verfallnen Zisterne
hebt die Verlorne ihr aussätzig Kind.
Daß aus den blutenden Wachtfeuer-Bächen
eine Hand seine Wunden berührt.
Stummgeborene glühn von Gesprächen,
in das Pathos der Wolken entführt.
Flüchtige Schwalbe die Hand des Gelähmten,
Blick des Blinden im spiegelnden Wein:
die sich des Leids vor der Sonne schämten,
gehn durch den Mond in den Himmel hinein.
Bettler, wo kehrtest du ein
Inhaltsverzeichnis
Bettler, wo kehrtest du ein, mit dem ich einst sprach,
der seines Lebens Pein wie Brot mit mir brach?
Deine Stimme fiel hart, wund, wie ein Stein ins Gras,
ich fühlte mich schuldig und schenkte dir was.
Du logst mich an, aber dein Blick bat: Ich kann ja nicht anders, verzeih!
Und dein ins Joch gezwängtes Rückgrat sprach dich von allem frei.
Dann schrittest du weiter, das Haupt verklärt von Weh und Hohn;
über dir sangen die Vögel im Laub: Das ist mein lieber Sohn!
Manchmal bange mit trostlosen Träumen allein
ruf ich dich lange: Bettler du, liebe Lüge, wo kehrtest du ein?
Verirrt in dieser Fremdheit Not
Inhaltsverzeichnis
Was hab’ ich noch mit euch zu tun:
mit dir, du Frau, mit dir, du Mann;
der ich mich selbst nicht trösten kann,
vergrämt und grau
muß fremd in fremdem Bette ruhn.
Wie bang ich dann verloren bin
in fremdem Zug zu fremder Zeit
und ohne Sinn getragen hin
von jeder Heimat weit, so weit —
kein Haus hält still, kein Waldrand will
den Weg zurück Gefährte sein,
und Sterne stehn auf Bergen stumm —
ich aber muß, vor Angst ganz klein,
in einen fremden Raum hinein;
der wächst wie Dornen rings herum.
Und bin mit keinem Ding vereint,
so schlaflos fremd in fremdem Bette
und noch den eignen Füßen feind,
und warte, daß mich Gott errette . . .
Die Wagen rollen immerzu
hin durch mein Herz, die ganze Nacht,
auf falschem Gleis zu falscher Ruh,
und bang am Wagenfenster wacht,
der sich verirrte — Bruder du
im gleichen Bann,
daß nichts, daß nichts ihn trösten kann,
verängstet fremd in fremdem Bett
und schlummerlos als wie geschnürt
auf das verhaßte Henkers-Brett,
von dem kein Flügel ihn entführt —
Groß Tore drohn. Spitz schielt ein Licht
mit bösem Auge unerlöst.
Der Morgen wie ein Grab aufbricht,
in das ein fremder Tod mich stößt.
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