Kitabı oku: «Sexblättriges Kleeblatt»
Max Nortic
Sexblättriges Kleeblatt
Sexblättriges Kleeblatt
Aus dem Englischem nach
Married tramp
Copyright © 2017 Zettner Verlag und Max Nortic
All rights reserved
ISBN: 9788711717912
1. Ebook-Auflage, 2017
Format: EPUB 3.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Zettner Verlag und Autors nicht gestattet.
1
Married Tramp
Als Sherry King an diesem Morgen gegen zehn Uhr dreißig erwachte, war sie — um es kurz und bündig mit ihren eigenen Worten auszudrücken — bereit, sich vergewaltigen zu lassen. Kaum hatte sie die Augen aufgemacht, da wußte sie auch schon, daß heute einer dieser Tage sein würde. Ihr Verstand registrierte augenblicklich das schwache, ruhelose Klopfen in ihren Oberschenkeln, das vage Prickeln rund um ihre geschwollenen Brustwarzen … eben dieses nervös-gereizte Gefühl, das sich im Laufe des Tages immer weiter verstärken würde.
Sie fluchte leise, stieg aus dem Bett, reckte ihren kleinen, nackten Körper und gähnte ausgiebig. Als sie endlich halbwach war, ging sie — immer noch splitternackt — nach unten in die Küche, spähte in den Kaffeetopf, grinste vor Zufriedenheit und stellte ihn auf den Herd.
Ihr Mann Sam hatte frischen Kaffe gekocht, bevor er heute morgen zur Arbeit gegangen war. Sam trank keinen Kaffee.
Sherry hatte drei Wochen gebraucht, um ihrem Mann beizubringen, sich das Frühstück selbst zuzubereiten, das Geschirr sauber im Spülbecken aufgeschichtet zurückzulassen und stets einen Topf frischen Kaffee für sie zu kochen, bevor er am Morgen zur Arbeit ging.
Sherry — immer noch splitternackt — zündete sich eine Zigarette an und setzte sich an den Küchentisch.
Vielleicht würde sie den Clown auch noch so weit abrichten können, daß er den Haushalt und die Wäsche versorgte.
Nach viermonatiger Ehe hatte sie ihn dahin gebracht, praktisch fast alles zu tun … mit einer Ausnahme — seine Fantasie im Bett ein bißchen anzustrengen.
Das Dumme ist eben, dachte sie trocken, daß man einen Clown nicht zum Künstler ausbilden kann.
Sams Talent beschränkte sich auf seine Fähigkeit, mit einer Kamera und mit einer Bowlingkugel umzugehen. Er war der beste Fotograf beim The Ferris Journal und der Kapitän seiner Bowling-Mannschaft. Aber davon abgesehen war Sam — wie Sherry einmal ihrer besten Freundin anvertraut hatte — eine komplette Niete.
Sherry stand auf, schenkte sich eine Tasse Kaffee ein und setzte sich wieder hin.
An Wochenenden bestand sie darauf, splitternackt im Haus herumzulaufen, auch wenn Sam etwas dagegen hatte und immer wieder betonte, daß die Nachbarn sie so sehen könnten.
„Na und?” pflegte Sherry auf solche Vorhaltungen zu antworten. „Zum Teufel, was gibt’s denn an mir schon groß zu sehen, he?”
Oberflächlich betrachtet, nicht sehr viel, wie sie sich selbst eingestehen mußte.
Sherry war eine kleine Frau mit kleinen Brüsten, schlanken Hüften und langen Beinen. Wie viele Frauen mit kleinen Brüsten hatte auch sie große Warzen mit großen Aureolen,- die dunkelbraune Färbung bildete einen auffallenden Kontrast zu ihrer milchweißen Haut. Das Gesicht war klein und oval; es wies delikate Züge und große, grüne Augen auf. Das hellblonde Haar war sehr kurz geschnitten.
Auf den ersten Blick hin sah Sherry aus wie ein zierliches, zerbrechliches junges Mädchen.
Doch beim zweiten Blick verschwand diese Illusion.
Ihre grünen Augen glitzerten in hartem Licht, das eine eigenartige Wirkung auf Männer und Frauen hatte.
Männer pflegten sie anzustarren; anfangs neugierig und dann mit wachsender Erregung, wenn sie den intensiven Sexappeal spürten, der von dem kleinen, zierlichen, sinnlichen Körper ausgestrahlt wurde. Die meisten Männer begriffen schon nach wenigen Sekunden, daß Sherry King alles andere als zerbrechlich oder mädchenhaft war. Sie war eine beunruhigend attraktive Frau.
Sherry verstand es meisterhaft, Männer in Erregung zu versetzen; sie brauchte nur den Mund zum Anflug eines Lächelns zu verziehen oder ihren Blick auf einen Mann zu richten und ihn damit auf unmißverständliche Art zu verschlingen.
Auf Frauen hatte Sherry eine ganz andere Wirkung; diese war subtiler, aber nicht weniger effektiv.
Sherry faszinierte Frauen.
Manche Frauen klammerten sich unwillkürlich etwas fester an den Arm ihres Mannes, als wollten sie auf diese Weise Schutz suchen. Andere dagegen starrten sie wie hypnotisiert an und verspürten so etwas wie seltsame, atemlose Erregung, wenn sie den Blick der jungen Frau auf sich gerichtet sahen. Und Sherry konnte sehr verwegen und zwingend dreinsehen, so daß manche Frau dabei schwache Knie bekam.
Männer betrachtete Sherry ohne jede Heuchelei oder Verspieltheit, und das war auch bei Frauen nicht anders; jedenfalls nicht, seit sie mit Sam King verheiratet war.
Jetzt saß Sherry nachdenklich am Küchentisch, trank Kaffee und zündete ihre zweite Zigarette an. Sie überlegte wieder einmal, welcher Teufel sie eigentlich geritten haben mochte, als sie Sam King geheiratet hatte.
Sherry war jetzt einundzwanzig Jahre alt und schon an einen Mann gebunden, der fast doppelt so alt war wie sie selbst. Zu seinen Gunsten hatte er an sich weiter nichts aufzuweisen als ein sicheres Einkommen, eine Leidenschaft für die Kamera und eine beinahe hündisch ergebene Verehrung und Bewunderung für seine junge Frau. Letzteres erfüllte Sherry jedoch nur mit Verachtung. Was sie brauchte, war temperamentvolle Aktion. Viel Aktion.
Als Sam sie geheiratet hatte, war er ganz in Ordnung gewesen. Nicht gerade ein sprühender Feuerball, aber doch einigermaßen ausreichend. Im Laufe der Wochen waren jedoch Sherrys erbarmungslose Anforderungen sprunghaft gewachsen, während Sams Energie im gleichen Maße abzunehmen schien.
In letzter Zeit war Sherry manchmal vor Verlangen beinahe verrückt geworden. Sie war morgens damit aufgewacht und abends damit eingeschlafen. Ihre Lenden schmerzten, und ihr Körper war gespannt wie ein bis zum Zerreißen straff angezogenes Kabel.
Selbst die hastigen nächtlichen Intermezzi, die sie ihrem Mann mit Mühe abgerungen hatte, waren keine große Hilfe gewesen. Am Ende war sie allenfalls noch stärker frustriert, während Sam erschöpft und erstaunt war.
Sherry dachte daran, daß Sam selbst der Grund für ihre so plötzlich entflammte Leidenschaftlichkeit sein könnte; daß die sture Monotonie, die Langweiligkeit des allnächtlichen Rituals ihr auf die Nerven ging.
Es wurde sehr bald ein gemeiner Teufelskreis, weil Sam einfach nicht imstande war, sich zu beherrschen. Bei ihm ging es immer so verdammt schnell; fast so wie bei einem Wettrennen. Danach biß sie sich auf die Lippen, verkrallte die Hände im Bettzeug und kochte innerlich vor Wut auf ihn. Doch je mehr sie von ihm verlangte, desto mehr quälte sie sich selbst. Sie wußte, daß sie es nicht mehr lange aushalten würde. Sie brauchte endlich Aktion … sehr bald. Sie mußte einfach Aktion haben, wenn sie nicht den Verstand verlieren wollte.
Sherry stand auf, ging zum Spülbecken und spülte ihre Tasse aus. Dann blickte sie aus dem Fenster und beobachtete ihre nächste Nachbarin beim Rasensprengen, eine junge Hausfrau mit unschuldigem, fröhlichem Gesicht und plumpen, üppigen Brüsten. Sie trug ein leichtes Sommerkleid.
Sherry beobachtete sie eine Minute und sah, wie die Sonne das lange, dunkle Haar schimmern ließ. Beinahe fasziniert starrte Sherry auf den runden, prallen Hintern der anderen Frau, wenn diese sich einmal bückte, so daß sich das dünne Kleid straff über den Wölbungen spannte. Schmuck, entschied Sherry. Nicht gerade eine atemberaubende Schönheit, aber im großen und ganzen eben doch sehr schmuck. Wie ein derbes Mädchen vom Lande.
Sherry bekam plötzlich einen trockenen Hals und beleckte sich die Lippen, während sie beobachtete, wie die andere Frau sich wieder aufrichtete. Der etwas plumpe, rundliche, weiche Körper zeichnete sich im strahlenden Sonnenschein ziemlich deutlich unter dem fast durchsichtigen Sommerkleidchen ab.
Sherry sah, daß die Nachbarin keinen Büstenhalter und auch kein Höschen anhatte.
Jetzt ging die andere auf ihre Haustür zu.
Sherry lehnte sich weit nach vorn und beobachtete höchst interessiert, wie sich die großen Arschbacken unter dem knappen Kleid bewegten.
Als die Nachbarin in ihrem Haus verschwunden war, schauerte Sherry zusammen und holte tief Luft, während sie versuchte, das wilde Hämmern ihres Herzens und das drängende Klopfen in ihren Lenden zu beruhigen.
Sherry kämpfte energisch das Verlangen nieder, jetzt einfach in einen Bademantel zu schlüpfen und der Nach’ barin einen freundschaftlichen Besuch abzustatten. Sie traute sich zu, die andere anheizen zu können. Die Möglichkeit dazu war sicher vorhanden. Sherry war fest davon überzeugt, mit ihrem Sexappeal auf Frauen genau wie auf Männer zu wirken. Sie kannte eine Vielzahl von kleinen Tricks für Frauen … alle sehr subtil, alle von offensichtlich unschuldiger, harmloser Freundlichkeit … und alle dazu angetan, bei Frauen wahnwitziges Verlangen zu wecken.
Es waren also keineswegs Zweifel am Erfolg, die Sherry davon abhielten, nach nebenan zu gehen. Sie wußte, daß sie leicht die Selbstbeherrschung verlieren könnte. Ihre eigene überwältigende Erregung hinderte sie an dem beabsichtigten Besuch. Sie wollte nicht riskieren, daß der Mann ihrer Nachbarin heute abend wütend an die Tür klopfen würde … und das könnte leicht passieren, wenn Sherry in ihrer Ungeduld den Annäherungsversuch verpatzen sollte. Der Mann ihrer Nachbarin …
Hm, wenn sie es recht überlegte, so war eigentlich auch er ganz schmuck!
Sherry seufzte resigniert und beschloß, jetzt erst einmal ein Bad zu nehmen und sich dann anzuziehen. Sie mußte das Haus in Ordnung bringen, einkaufen gehen, die Wäsche fertigmachen… kurzum, sie hatte sich zu benehmen wie die typische kleine, allzeit fröhliche Hausfrau, die zu sein sie nun einmal so verabscheute. Doch was half’s? Im Moment konnte sie nichts anderes tun.
Sherry wollte gerade die Treppe hinaufgehen, als es an der Haustür läutete.
„Einen Moment!” rief sie, holte rasch ihren Hausmantel aus dem Schlafzimmer, streifte ihn über und überlegte dabei, ob es wohl irgend so ein Handelsvertreter oder Hausierer sein mochte. Was immer er auch zu verkaufen haben mochte … sie würde ihm etwas abkaufen! Vorausgesetzt natürlich, daß er noch jung und vor allem auch bereitwillig genug war. Heute setzte Sherry die Altersgrenze auf vierzig Jahre fest. An jedem anderen Tage hätte diese Grenze bei dreißig gelegen, aber heute war Sherry einfach nicht in der Laune, allzu kleinlich oder penibel zu sein.
Als Sherry die Haustür öffnete, riß sie aber doch vor Staunen die Augen auf und hielt unwillkürlich den Atem an. Der Mann vor der Tür blickte grinsend auf sie hinab. „Hallo! Ist Sam zu Hause?”
„Nein. Er ist in der Redaktion.”
„Ich bin ein Freund von ihm. Aus Chikago. Ray Jenkins. Wir waren zusammen in der Army. Nun, dann komme ich wohl am besten heute abend noch einmal wieder …” „Nein, nein!” rief Sherry rasch und riß die Tür weit auf. „Kommen Sie nur herein! Ich bin Sams Frau … Sherry. Und ein Freund von Sam ist natürlich jederzeit willkommen.”
Er kam herein.
Sherry machte die Tür hinter ihm zu, ließ dabei ihren Blick über seine breiten Schultern und schmalen Hüften wandern und spürte, wie das Verlangen mit ungewohnter Heftigkeit, ja geradezu lodernder Wut in ihr auf stieg. Herrgott … etwas Besseres hätte sie ja wirklich kaum verlangen oder erwarten können!
Der Mann war fast einsneunzig groß, hatte ein gutgeschnittenes Gesicht, dichtes, schwarzes Haar, blaue Augen und so stark sonnengebräunte Haut, daß seine Zähne beinahe erschreckend weiß blitzten, wenn er den Mund zu einem gutmütigen Grinsen verzog.
Sherry überlegte ganz instinktiv, daß ein Mann von derartig gutem Aussehen zweifellos auch über viel Erfahrung im Bett verfügen mußte. Auf einen solchen Typ flogen doch die Frauen geradezu!
Jawohl, dieser Mann war die Antwort auf ihre wildesten Fantasien … dieser einmalige, unerwartete Glücksfall, um den sie schon seit langem gebetet hatte.
Sherry führte ihn ins Wohnzimmer.
„Bitte, nehmen Sie doch Platz”, forderte sie ihn freundlich auf. „Möchten Sie vielleicht eine Tasse Kaffee?”
„Gern.”
Sherry ging rasch in die Küche. Hinter ihrer Stirn jagten sich die Gedanken fieberhaft. Es war jetzt elf Uhr. Sam kam üblicherweise gegen elf Uhr fünfundvierzig zur Mittagspause heim. Sie mußte also jetzt sehr schnell handeln … und Sams Freund innerhalb fünfundvierzig Minuten ins Bett rein und wieder raus bekommen! Sie spürte, wie ihr Herz schneller schlug … wie ihre Schenkel vor Erwartung brannten.
Sherry wußte, daß sie es mit Leichtigkeit in der zur Verfügung stehenden Zeit schaffen könnte.
Klar … in fünfundvierzig Minuten würde sie eine ganze Fußballmannschaft ins Bett rein und wieder raus bekommen!
2
Als Ray Jenkins etwa eine Stunde in der kleinen Stadt Ferris verbracht hatte, wußte er schon: Das ist es! Er schlenderte noch eine Weile herum, um sich an die Atmosphäre zu gewöhnen und die Reaktionen der Einwohner zu beobachten. Die meisten Mädchen waren jung und hübsch, gesund und sonnengebräunt. Einige lächelten ihn verspielt an, während andere ganz einfach neugierig starrten. Auch reife Frauen bedachten ihn mit einem Lächeln, das weniger verspielt wirkte, aber beinahe noch mehr Neugier verriet.
Ray war daran gewöhnt. Seit zehn Jahren — damals war er gerade sechzehn gewesen — hatten Frauen jeder Kategorie ihn angestarrt … freundlich, interessiert, anerkennend, zaghaft und — nicht selten — mit unverhohlenem Hunger im Blick. Er wußte längst, wie sein gutes Aussehen auf Frauen wirkte.
Jetzt — mit sechsundzwanzig Jahren — war er immer noch Junggeselle, weil die Frauen ihm gegenüber bisher ungemein großzügig gewesen waren, so daß er es nicht nötig gehabt hatte, sich an eine einzige Frau zu binden … nur wegen einer Sache, die er auch so haben konnte, wenn er es darauf anlegte, seinen Charme auszuspielen.
Aber mitunter hatte es auch Rückschläge gegeben; gelegentlich sogar sehr ernsthafter Natur. Wie zum Beispiel bei dieser Geschichte, die er erst vor wenigen Tagen in Chikago erlebt hatte.
Ray hatte es sich schon vor vielen Jahren zur strengen Regel gemacht, sich niemals mit verheirateten Frauen einzulassen. Er hielt nichts davon, im Revier eines anderen Mannes zu wildem, wo es doch auf freier Wildbahn mehr als genügend Gelegenheit zur Jagd gab.
Aber ab und zu konnte selbst ein Mann wie Ray nicht ganz der Versuchung widerstehen, die von verheirateten Frauen ausging. Vor allem dann nicht, wenn die Frau eines anderen es geradezu darauf anlegte, ihn zu verführen. Natürlich mußte sie außerdem ungewöhnlich schön sein.
Das war vor wenigen Tagen zum letzten Mal passiert … und zwar ausgerechnet mit der Frau seines Chefs! Man hatte sie erwischt … zusammen im Bett … und ausgerechnet im Moment eines Höhepunkts!
Bei der Erinnerung daran wischte sich Ray unwillkürlich mit dem Handrücken über die Stirn.
Er betrat einen Drugstore, setzte sich an die Theke und bestellte eine Coca. Das Mädchen hinter dem Tresen starrte ihn offenen Mundes an.
Ray zündete sich eine Zigarette an und erinnerte sich unbehaglich an jenen Zwischenfall vor wenigen Tagen. Er war jetzt noch froh, daß die Szene nicht in eine Prügelei ausgeartet war. Mit seinem muskulösen Körper hätte er einen Kampf mit seinem Arbeitgeber mit Leichtigkeit gewinnen können, aber er war entschlossen gewesen, nicht zurückzuschlagen. Er war im Unrecht gewesen, und das hatte er gewußt. Als sein Chef so dagestanden und sie aus kalten Augen widerwillig gemustert hatte, war Ray bereit gewesen, den anderen zuschlagen zu lassen, ohne sich zu wehren. Aber das hatte sein Boß nicht getan. Er hatte Ray lediglich in schneidendem Tonfall auf gef ordert, zu verschwinden, sich an der Kasse sein restliches Gehalt auszahlen zu lassen und — falls ihm seine Gesundheit lieb sein sollte — schleunigst den Staub dieser Stadt von seinen Füßen zu schütteln.
Ray hatte den Rat befolgt. Er schätzte seine Gesundheit sehr hoch ein. Und er wußte, daß es in Chikago keine Mühe machte, ein paar Schläger für ein paar Dollar anzuheuern und ihnen den Auftrag zu geben, einen Mann zusammenzuschlagen. Es war also nicht um die Frage des persönlichen Mutes, sondern um eine Entscheidung des gesunden Menschenverstandes gegangen.
Und in gewisser Hinsicht war dieser Zwischenfall für Ray sogar recht gut gewesen. Er hatte eine Lektion bekommen. Während der etwa zweihundert Meilen langen Fahrt von Chikago nach Ferris hatte diese Lektion Ray zu intensivem Nachdenken angeregt.
Er war es allmählich leid, von Stadt zu Stadt zu ziehen; von Bett zu Bett, ohne jegliches Gefühl, irgendwohin zu gehören. Dieser Lebenswandel war unbefriedigend. Natürlich hatte Abwechslung auch ihre Reize und Vorteile, wie Ray sich unter raschem Grinsen eingestand. Jedes Abenteuer mit einer anderen Frau war stets ein erhebendes Gefühl gewesen; stets das Versprechen, bei jeder neuen Partnerin, die sich bereitwillig unter ihm wand, etwas anderes zu entdecken. Das alles war bei ihm zur festen Gewohnheit, zu einem Bestandteil seines Lebens geworden, und es dürfte sicher nicht leicht sein, damit von heute auf morgen zu brechen.
Aber diesmal mußten die Dinge einfach anders werden! Ray war grimmig entschlossen, sich endgültig irgendwo niederzulassen und endlich etwas aus sich zu machen. Kalte, ehrliche Selbsterkenntnis reichte vollkommen aus, um diesen Vorsatz ausnahmsweise und zur Abwechslung einmal ernst zu nehmen und auch in die Tat umzusetzen. Ray war jetzt sechsundzwanzig; er hatte weder Verwandte noch Freunde. Mit Ausnahme von Sam King, einem alten Kameraden aus der Army. Und Ray hatte weder ein festes Zuhause noch einen Job. Falls er sich noch länger so ziellos in der Welt herumtreiben würde, dürfte es um seine Zukunft trübe bestellt sein.
Ray war Autoverkäufer, und zwar ein sehr guter. Aber ein Job nach dem anderen … und noch immer keinerlei finanziellen Rückhalt.
Manchmal war es seine eigene Rastlosigkeit, die ihn zur Aufgabe einer Stellung veranlaßte, mitunter aber hatten sich auch Kollegen oder Chefs höchst unbehaglich gefühlt, ihn in unmittelbarer Nähe zu haben, wenn sie verheiratet gewesen waren. Dieser Mann sah ihrer Meinung nach einfach zu gut aus, um ihn gefahrlos mit Ehefrauen in. Kontakt bringen zu können. Man hatte ihn also nicht selten kurzerhand gefeuert, um ihn loszuwerden. Irgendein fadenscheiniger Vorwand hatte sich stets finden lassen.
Männer mochten Ray, freundeten sich aber nie mit ihm an, und schon gar nicht, wenn sie verheiratet waren. Dagegen wurden verheiratete Frauen einfach zu freundlich! Während Ray von Chikago nach Ferris fuhr, wurde er sich einer ruhigen Resignation bewußt, die fast an Verzweiflung grenzte. Die Jahre vergingen viel zu schnell … und Ray hatte bisher nichts aufzuweisen. Mit Ausnahme vieler Erinnerungen. Zugegeben, es waren durchaus angenehme Erinnerungen, einige sogar fantastisch, aber … man konnte schließlich keine Zukunft darauf aufbauen. Nein, nein … diesmal mußte er wirklich etwas aus sich machen. Dieses Versprechen hatte er sich zwar früher auch schon gegeben, aber meistens nur mit halbem Herzen; fast so, als wäre alles nur ein Spaß.
Jetzt aber war es ganz und gar kein Spaß mehr. Ray schwebte in der akuten Gefahr, ein chronischer Versager zu werden, falls es ihm diesmal wieder nicht gelingen sollte, sein Versprechen zu halten und wahr zu machen. Seine leichten und mühelosen Erfolge bei Frauen könnten ihm schließlich allen Ehrgeiz rauben und ihn zu einem faulen Herumtreiber machen … zu einem Landstreicher. Als Ray dieses Wort auch nur dachte, knirschte er mit den Zähnen. Er haßte es. Sein Vater war ein Landstreicher gewesen. Ray war verbissen entschlossen, sich nicht auf den gleichen Pfad ins Dunkel treiben zu lassen.
Er wollte für den Anfang weiter nichts als einen guten Job mit Zukunftsaussichten.
Ferris schien ihm ein idealer Ort dafür zu sein, sich endgültig niederzulassen. Ray erinnerte sich daran, wie Sam King ihm während ihrer gemeinsamen Dienstzeit bei der Army die kleine Stadt immer beschrieben hatte … friedlich, aufstrebend und strotzend von Gelegenheiten.
Und alles, was Ray jetzt brauchte, war eine gute Gelegenheit. Das redete er sich jedenfalls ein. Nur eine einzige gute Gelegenheit.
Ray stand auf, bezahlte seine Coca und suchte im Telefonbuch nach Sams Adresse. Er wußte, daß er eigentlich erst anrufen sollte, aber dann beschloß er, den alten Kumpel einfach zu überraschen. Falls Sam nicht zu Hause sein sollte, könnte Ray ja am Abend noch einmal hingehen. Die Fahrt durch die Stadt würde ihn auf alle Fälle etwas mit der Ortschaft vertraut machen.
Und so hielt Ray zehn Minuten später an der Bordsteinkante einer ruhigen, von Bäumen beschatteten Straße an. Er schaltete den Motor seines alten, klapprigen Fords ab, stieg aus, ging über den schmalen Gartenpfad zu dem alten, zweistöckigen Haus hinüber und läutete.
Eine Minute später wurde die Tür geöffnet.
Ray blickte auf eine kleine, sehr hübsche blonde Frau hinab, die einen Hausmantel trug. Er lächelte.
„Hallo! Ist Sam zu Hause?”
„Nein. Er ist in der Redaktion.”
Ray stellte sich vor und schloß: „Nun, dann komme ich wohl am besten heute abend noch einmal wieder.”
„Nein, nein!” rief sie rasch.
Die Art, wie sie das eben gesagt hatte, ließ bei Ray sofort eine Alarmglocke im Kopf anschlagen.
Doch die Frau bestand darauf, daß er ins Haus kommen sollte.
Also ging Ray hinein. Er folgte ihr ins Wohnzimmer, akzeptierte den angebotenen Kaffee und beobachtete, wie die kleinen, strammen Arschbacken sich unter dem dünnen Hausmantel bewegten, als die Frau das Wohnzimmer verließ und in die Küche ging. Nachdenklich zündete er sich eine Zigarette an.
Bisher hatte ihn die Alarmglocke in seinem Gehirn noch nie getäuscht. Im Laufe der Jahre hatte Ray gewissermaßen einen sechsten Sinn entwickelt, soweit es Frauen betraf. Er konnte beinahe sofort ganz instinktiv sagen, ob eine Frau zum letzten bereit war oder nicht.
Aber Ray konnte zugleich spüren, wenn ihm irgendwelcher Ärger drohte.
Sein scharfer Instinkt, gepaart mit langjähriger Erfahrung und einer guten Beobachtungsgabe, warnte ihn nun, daß diese Sherry King leicht Ärger für ihn bedeuten könnte. Gleichzeitig verriet ihm sein Instinkt aber auch, daß er es mit einem Tramp zu tun hatte. Diese Frau war eine hemmungslose Schlampe!
Ray hatte sofort bemerkt, wie Sherry bei seinem Anblick die Augen aufgerissen hatte; wie sie ihn hungrig und gierig angestarrt und von oben bis unten gemustert hatte; wie sich ihre kleinen, festen Brüste unter dem dünnen Stoff des Hausmantels bei einigen schnelleren Atemzügen gehoben und gesenkt hatten.
Ray war im Laufe der Jahre schon zu vielen Frauen dieses Typs begegnet, um nicht augenblicklich Bescheid zu wissen. Er fällte niemals ein vorschnelles Urteil über Frauen, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ, aber diesmal war er fest davon überzeugt, daß ihn sein Instinkt nicht trog. Was ihn verwunderte, war allerdings die Tatsache, warum ein so netter Bursche wie Sam eine solche Frau geheiratet hatte.
Sherry kam mit dem Kaffee ins Wohnzimmer zurück und setzte sich neben Ray auf die Couch.
Sie hat das Gesicht eines kleinen Mädchens, dachte Ray. Nur ihre Augen verraten sie.
Sherrys Augen glitzerten im Moment vor gierigem Hunger.
„Sam hat mir schon von Ihnen erzählt”, sagte sie mit heiserer Stimme. „Aber er hat mich nicht darüber aufgeklärt, wie gut Sie aussehen!” Ihre rosa Zungenspitze huschte rasch über die feuchten Lippen.
Ray nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse.
„Wir waren sehr gute Freunde … beinahe wie Brüder, Mrs. King.”
„Nennen Sie mich doch einfach Sherry”, schlug sie vor. „Er spricht viel von Ihnen, Ray. Sie müssen also wirklich etwas ganz Besonderes sein!”
Sherry steckte sich eine Zigarette zwischen die kleinen Lippen und wartete.
Ray langte sofort hinüber und ließ sein Feuerzeug aufschnappen.
Sie schloß eine Hand um sein Handgelenk, und während sie die Zigarette an dem Flämmchen anzündete, drückte sie sanft sein Handgelenk und stieß mit einer Brust an seinen Ellbogen.
Sie ist wirklich auf geputscht! dachte Ray. Er überlegte, ob sie es wohl sofort versuchen würde. Hier und jetzt, obwohl sie sich doch noch vollkommen fremd waren. Er spürte die Wildheit in ihr und traute es ihr deshalb durchaus zu. Sie könnte verrückt genug sein. Er riet sich zur Vorsicht, konnte sich aber einen Anflug von Erregung nicht verhehlen. Rasch erinnerte er sich daran, daß sie Sam Kings Frau war. Trotzdem wallte eine Welle mächtigen Verlangens in ihm auf und jagte ihm das Blut schneller durch die Adern.
Von dieser jungen, zierlichen Frau ging eine Intensität aus, ein wilder Sexappeal, der überhaupt nicht zu ihrem jungmädchenhaften Gesicht und Körper passen wollte. Sie war ein weiblicher Tramp, jawohl … aber sein Instinkt sagte Ray, daß sie im Bett fantastisch sein würde … Ray steckte das Feuerzeug wieder in die Tasche und rückte unwillkürlich etwas von Sherry ab. Sam war immer noch sein bester Freund … sein einziger Freund.
„Sie haben ein sehr nettes Gesicht, Ray”, sagte Sherry leise. „Ein sympathisches Gesicht.”
Sie schlug die Beine übereinander und machte sich gar nicht erst die Mühe, die weiß schimmernden Oberschenkel, von denen der Hausmantel gerutscht war, wieder zu bedecken.
„Wissen Sie, Ray … ich überlege, ob ich Ihnen etwas im Vertrauen sagen kann … etwas, wovon Sam nichts wissen soll?”
„Nur zu”, sagte Ray und beobachtete sie vorsichtig.
Frauen wie diese Sherry King kümmerten sich nicht viel um Formalitäten, wenn sie etwas haben wollten. Sie könnte verrückt genug sein, sich jetzt einfach auf ihn zu werfen und an seiner Kleidung zu zerren. Das hatte Ray schon mehr als einmal erlebt.
„Sam und ich sind erst seit vier Monaten verheiratet”, sagte Sherry seufzend und rückte wieder so nahe an ihn heran, daß sie ihn berührte. „Und Sam ist natürlich ein sehr lieber Mensch. Aber er ist nun mal wesentlich älter als ich. Siebzehn Jahre, um genau zu sein.”
Sie machte eine Pause und spielte mit dem Gürtel ihres Hausmantels. Ihre Augen blitzten ihn an.
Ray konnte die innere, sahnigweiße Wölbung einer Brust sehen, weil sich ihr Hausmantel vom geöffnet hatte. Es schien wie achtlos geschehen zu sein. Ray spürte, wie das Blut in seinen Schläfen zu klopfen begann.
Sam muß blind sein! dachte er. Ein sechzehn Jahre alter Bengel kann doch sehen, was sie ist!
„Siebenunddreißig ist doch noch nicht alt”, sagte Ray heiser.
„Bei manchen Leuten schon”, seufzte sie. Ihr Blick wanderte über seinen Körper, während sie eine bedeutungsvolle, anzügliche Pause machte.
Da wußte Ray mit letzter Sicherheit, wie scharf sie jetzt war. Scharf und verzweifelt. Er empfand Widerwillen, in den sich aber auch leidenschaftliches Begehren mischte.
„Das Dumme ist nur …”, fuhr Sherry fort und rückte noch dichter an Ray heran. Ihre Hand zerrte sanft am Gürtel des Hausmantels. „… daß ich ganz verrückt bin nach Sam! Und doch … er kann eben nicht … nun, Sie verstehen schon, was ich sagen will, nicht wahr? Sie wissen doch, was ich meine, Ray? Er kann mich in gewisser Hinsicht nicht glücklich machen. Verstehen Sie, was ich damit sagen will, Ray?”
Wieder machte sie eine Pause und ließ ihre weißen, blitzenden Zähne sehen. In ihren Augen loderte dunkle Glut. Ihr kompakter, kleiner Körper zitterte unter dem dünnen Mantel.
Ray nickte. Seine Kehle war wie ausgedörrt.
„Ich weiß, was Sie meinen, Sherry. Und jetzt möchten Sie wohl von mir einen Rat, nehme ich an, nicht wahr?” Sie lachte leise.
„Zum Teufel mit einem Rat! Den könnte ich mir ja bei einem Seelendoktor holen, der kostenlos Auskünfte in der Leserbrief spalte irgendeines Magazins erteilt! Oder etwa nicht?”
Ihre Hand zerrte plötzlich ungeduldig am Gürtel ihres Hausmantels, der sich nun in der Mitte öffnete.
Ray erhaschte einen Blick auf ihre strotzenden Brustwarzen, die in ihrer Größe einen seltsamen Kontrast zu den kleinen, festen Brüsten bildeten. Dann fiel sein Blick auf die weiß leuchtenden Oberschenkel. Ray holte sehr tief Luft und versuchte, den wilden Hunger zu unterdrücken, der in ihm aufstieg … diese ihm schon so gut bekannte zitternde Erregung bei der Aussicht auf eine neue Eroberung.
Vielleicht würde diese Frau hier doch anders sein? Vielleicht war dies hier seine einmalige Chance? Der Trick, um ein für allemal alle anderen Tricks zu beenden? Die Frau, um mit allen anderen Frauen Schluß zu machen? Das eine und einmalige fantastische Erlebnis, das sein Leben von Grund auf ändern würde? Die Sache, die endlich allem einen Sinn, eine Bedeutung geben könnte?
Nein. Sie war Sam Kings Frau. Die Frau seines besten und einzigen Freundes. Nein. Nein und nochmals nein!
Ray stand abrupt auf.
„Ich kann Ihnen nur einen Rat geben”, hörte er sich selbst in hartem Tonfall sagen. „Beherrschen Sie sich etwas. Machen Sie langsamer. Verlangen und erwarten Sie nicht zuviel, Mrs. King. Viele Frauen werden gierig, wenn sie heiraten. Sie halten ihren Mann für eine Vergnügungsmaschine. Richten Sie Sam bitte aus, daß ich heute abend noch einmal vorbeikommen werde.”
Er sah, wie ihr Gesicht blaß wurde; wie sie vor mühsam verhaltener Wut die Augen zusammenkniff. Sie wollte von der Couch aufstehen und holte dabei mit einer Hand aus, als wollte sie zuschlagen.
In diesem Augenblick wurde die Haustür geöffnet.
Sherry machte hastig ihren Hausmantel zu, wandte der Tür den Rücken und knotete rasch den Gürtel wieder zu. Im nächsten Moment kam Sam King ins Wohnzimmer herein. Als er Ray sah, riß er vor Überraschung die Augen auf, und sein einfaches, derbes Gesicht zeigte einen erfreuten Ausdruck.
„Ray! Alter Junge! Warum hast du denn meine Briefe nicht beantwortet?”
Er umarmte Ray stürmisch, klopfte ihm auf die Schulter und redete lebhaft drauflos. Es war ihm anzumerken, wie sehr er sich über diesen Besuch freute.
Sam King war älter und untersetzter, als Ray ihn in Erinnerung hatte. Das Haar hatte sich bereits stark gelichtet, und sein Bauch war noch etwas dicker geworden. Aber Sam King sah alles in allem immer noch aus wie ein vierschrötiger, freundlicher Affe.
Als sich die erste Begeisterung etwas gelegt hatte, sagte Sherry in eiskaltem Tonfall: „Du kommst dreißig Minuten zu früh zum Mittagessen, Sam. Warum hast du mich nicht angerufen und verständigt?”
Sam grinste und legte einen muskulösen Arm um ihre Taille.
„Weil ich heimlich nach Hause kommen wollte, um dich und Ray auf frischer Tat zu ertappen!”
Er lachte schallend über seinen eigenen Witz.
Sherry biß sich wütend auf die Unterlippe und sah aus zusammengekniffenen Augen zu Ray hinüber, der unbehaglich lächelte.
Sam versetzte Sherry einen herzhaften Klaps aufs Hinterteil und lachte immer noch.
„Ich habe heute nachmittag frei, weil ich für heute abend etwas vorhabe”, erklärte er nun. „Ich muß zu Ferris’ Sommerball!”
Sam machte eine Pause und starrte Sherry an.
„Du hast wohl keine Einladung bekommen, was?” fragte er betroffen.
Sherrys Gesicht verkrampfte sich.
„Ich lege keinen Wert darauf, bei einem so dummen Vergnügen einzuschlafen!” antwortete sie eingeschnappt. Während der nächsten halben Stunde unterhielten sich Sam und Ray über alte Zeiten. Sie tauschten Erinnerungen aus und lachten immer wieder laut auf.
Sherry hatte sich wütend an die Hausarbeit gemacht.
Bei der ersten Pause stellte Ray endlich die Fragen, die ihm so auf der Seele brannten.
„Was ist denn mit Ferris’ Sommerball? Und warum hat Sherry keine Einladung dazu erhalten?”
Sam machte sofort ein ernstes, nüchternes Gesicht.
„Die Stadt ist nach einem alten Mann Namens Ferris benannt. Ihm gehört eine Maschinenfabrik. Davon lebt der größte Teil der Stadt. Jedes Jahr veranstaltet er ein großes Fest für die Gesellschaft. Ich habe von meiner Zeitung den Auftrag bekommen, eine Foto-Reportage zu machen. Na, du weißt schon! Fotos von all den eleganten Puppen, die Champagner trinken und sich verzweifelt bemühen, möglichst glücklich dreinzusehen.”
Sam verzog das Gesicht zu einer verächtlichen Grimasse. „Diese armen, reichen Bastarde können sich doch nicht einmal amüsieren, wenn sie nicht beschwipst sind. Und natürlich muß dabei vor allem für Publicity gesorgt werden. Cynthia Ferris—die einzige Tochter des Alten—ist mit Sherry zusammen zur Schule gegangen. Die beiden waren immer wie zwei Schwestern. Dann aber ist was Komisches passiert. Ich weiß nicht, was es war, weil Sherry mit mir nicht darüber sprechen will. Jedenfalls reden die beiden jetzt kein Wort mehr miteinander.”
Ray hatte sehr aufmerksam zugehört. Irgendwo in seinem Unterbewußtsein faßte irgendeine vage Idee Fuß.
„Hat dieser Ferris noch, andere Kinder? Ich meine … Söhne?” fragte Ray.
Sam schüttelte den Kopf.
„Cynthia Ferris ist seine einzige Tochter. Ein schmuckes Ding, aber noch längst nicht so verdorben und verkommen wie viel reiche Kinder. Und eines Tages wird sie noch reicher sein als Midas … wenn sie die Fabrik von ihrem Vater erbt. Ferris gehört auch sonst noch das meiste hier in der Stadt … zum Beispiel auch dieser Häuserblock.”
Sam runzelte nachdenklich die Stirn.
„Cynthia ist wirklich ein seltsames Mädchen”, meinte er.
Ray lehnte sich interessiert etwas weiter nach vorn. Er wußte selbst nicht, warum … aber er wollte soviel wie irgend möglich über diese Cynthia Ferris in Erfahrung bringen.
„Wie meinst du das … seltsam?”
Sam kratzte sich am Kopf.
„Ich bin selbst nicht ganz sicher. Sie ist erst zwanzig, also ungefähr in Sherrys Alter, aber sie hat Angst vor Männern. Sie tanzt zwar auf Partys und Gesellschaften mit Männern, aber man kann ihr doch deutlich ansehen, daß sie vor ihnen Angst hat. Meistens bleibt sie ganz für sich allein und geht jeder Verabredung aus dem Wege. Nun, Sherry kann dir wesentlich mehr über Cynthia erzählen als ich. Die beiden standen sich auf der High school näher als siamesische Zwillinge. Möchtest du ein paar Fotos von Cynthia sehen? Ich habe tonnenweise solches Zeug, weil ihr Alter jeden Tag von ihr ein Bild in der Zeitung sehen will … in der Gesellschaftsspalte. Na, du verstehst schon.”
„Sicher”, sagte Ray rasch.
Sam verließ das Zimmer.
Ray zündete sich eine Zigarette an und zog den Rauch tief in die Lungen. Die Idee, die ihm vorhin nur ganz vage gekommen war, begann allmählich festere Gestalt anzunehmen … und sie hatte etwas mit Cynthia Ferris zu tun. Deshalb war Ray auch sehr viel daran gelegen, möglichst viel über sie zu erfahren.
Schließlich… Ray wollte ja weiter nichts als eine einzige gute Gelegenheit hier in dieser Stadt! Eine wirkliche Chance!
Ray war sich zwar noch nicht ganz sicher, aber die langsam ansteigende Erregung in seinem Blut sagte ihm, daß er im Moment drauf und dran war, diese einmalige Gelegenheit zu finden. Jetzt würde es also nur noch an ihm selbst liegen, sie zu ergreifen, sie zu nutzen und etwas für sich daraus zu machen.
Eine Minute später kam Sam mit einem ganzen Stapel Hochglanzfotos zurück.
Ray studierte alle Bilder sehr aufmerksam und neugierig. Sie zeigten Cynthia Ferris in verschiedenen Posen … lachend, tanzend, schwimmend, reitend und immer lächelnd.
Ein schüchternes, zaghaftes, unsicheres Lächeln, entschied Ray.
Cynthia Ferris war ein hübsches Mädchen mit einem voll ausgereiften Körper. Das lange, brünette Haar umrahmte ein scheues Gesicht, das lediglich durch dieses unsichere Lächeln, das immer wie ein permanenter Schatten um ihren Mund spielte, in seiner Perfektion etwas beeinträchtigt wurde.
„Nette Figur, was?” sagte Sam, als Ray gerade einmal ein Foto in der Hand hielt, das Cynthia im Badeanzug zeigte. „Sehr nett”, stimmte Ray zu.
Das Mädchen hatte üppige Brüste, die noch sehr straff und fest waren, wie man es bei einem so jugendlichen Körper erwarten durfte. Die Hüften waren sehr stark ausgeprägt und ausladend; sie gingen in wohlgeformte, schlanke, glatte Beine über. Etwas in ihren Augen schien darauf hinzudeuten, daß sie immer noch Jungfrau war.
„Wie alt ist denn dieses Foto?” fragte Ray.
„Etwa sechs Monate.”
Dann brauchte sie also jetzt keine Jungfrau mehr zu sein, überlegte Ray. Aber für seine bisher nur vagen Pläne wäre es besser, wenn sie es doch noch wäre. Viel besser sogar.
Als Ray mit dem Betrachten der vielen Bilder fertig war, war seine Neugier in bezug auf Cynthia Ferris größer denn je.
Sam erzählte ihm alles, was er über Cynthia wußte, aber dabei handelte es sich, wie er selbst zugab, vorwiegend um Dinge, die ohnehin jedermann bekannt waren. Dann klopfte er Ray auf die Schulter und meinte im Scherz: „Du denkst doch jetzt nicht etwa daran, dich ein bißchen als Mitgiftjäger zu betätigen, alter Kumpel? Oder etwa doch?”
„Vielleicht”, sagte Ray.
Sam lachte.
„Das haben schon viele Männer versucht”, sagte er. „Aber die meisten von ihnen haben’s noch nicht mal bis zu ‘ner Verabredung mit ihr gebracht. Aber selbst wenn’s einer mal bis dahin geschafft hatte, so hat sie sich doch nie wieder mit ihm verabredet. Bisher kann noch niemand von sich sagen, zweimal mit Cynthia Ferris verabredet gewesen zu sein. Ich möchte dich nur ungern entmutigen, Ray”, fuhr Sam fort. „Aber glaub’s mir … die gerissensten Mitgiftjäger dieses Landes haben’s schon mal bei Cynthia Ferris versucht, aber bisher ohne jeglichen Erfolg. Es dürfte leichter sein, einen Schmetterling bei Nacht zu fangen. Mit Cynthia ist einfach nichts anzufangen. Sie hält nichts von Männern. Vergiß es also lieber, alter Junge.”
Ray lächelte.
„Spar dir deinen guten Rat, Sam! Mein Jahrespensum in dieser Hinsicht ist bereits erfüllt. Aber wenn du Sherry veranlassen könntest, mir ein bißchen mehr über diese Cynthia Ferris zu erzählen …”
Sherry würde ihm alle Informationen geben können, die Ray seiner Ansicht nach benötigte … intime Details, die Mädchen sich untereinander anvertrauen. Was Cynthia mochte und was nicht; was ihr insgeheim Spaß machte. Und was noch wichtiger war … was sie insgeheim fürchtete. Also ihre Schwächen. Falls die beiden Mädchen sich früher wirklich einmal so nahegestanden hatten, wie Sam eben behauptet hatte, dann müßte Sherry eine wahre Fundgrube wichtiger Informationen sein.
Sam holte Sherry ins Wohnzimmer.
Sherrys Antworten auf Rays Fragen waren jedoch sehr flüchtig und ausweichend. Sie enthüllten praktisch gar nichts.
Sherry zuckte schließlich die Schultern.
„Sie ist eben weiter nichts als irgendein Mitglied der besseren Gesellschaft. Ich bin kein Who’s Who.“
Ihr Gesicht zeigte auf einmal einen mißtrauischen Ausdruck.
„Warum wollen Sie das alles überhaupt wissen?” fragte sie.
Ray grinste. „Aus purer Neugier.”
„Na, komm schon!” drängte Sam seine junge Frau. „Erzähl ihm doch, was er wissen will. Du und Cynthia … ihr beide wart doch immer wie zwei Schwestern.”
Sherrys Augen funkelten eiskalt und hart, als sie Ray nun ansah.
„Ich bin nicht in der Stimmung für Klatsch”, sagte sie. „Dafür bin ich im Moment zu nervös.”
Ray verstand die Botschaft. Keine Aktion — keine Information. Ray sah scharf zu Sam hinüber, dessen freundliches Gesicht deutlich verriet, daß er überhaupt nichts von diesem kurzen Zwischenspiel bemerkt hatte. Sams einfache, vertrauensselige Natur war schon immer der Grund gewesen, weshalb Ray ihn so gut hatte leiden können. Jetzt tat Ray der Freund leid.
„Ich muß mich nach einem Hotel umsehen”, sagte Ray und stand auf, um sich zu verabschieden.
„Oh, nein!” protestierte Sam sofort. „Das brauchst du natürlich nicht!” Sam blockierte die Tür. „Du bleibst selbstverständlich hier bei uns. Wir haben doch ein leeres Schlafzimmer.”
„Das kann ich nicht tun”, sagte Ray.
Aber Sam schüttelte stur den Kopf.
„Kein guter Kumpel von mir braucht in einem schäbigen Hotel zu wohnen, solange ich ein gemütliches Zuhause habe. Kommt gar nicht in Frage. Was meinst du, Sherry?” „Ich bin ganz deiner Meinung”, pflichtete Sherry ihm sehr schnell bei. Ihr kleiner, zierlicher Körper wand sich unruhig unter dem dünnen Hausmantel. „In unserem Hause ist immer Platz für einen besonders guten Freund.” Einen Moment lang kämpfte Ray noch mit sich selbst. Er konnte und wollte Sam nicht betrügen, den einzigen Freund, den er je in seinem Leben gehabt hatte.
Aber Sherry hatte diese wichtigen Informationen, die er unbedingt brauchte. Vielleicht könnte er sie ihr entlocken, ohne dafür seinen Körper als Bezahlung anbieten zu müssen.
Doch schon ein einziger flüchtiger Blick in ihre von den gesenkten Lidern halb verdeckten, aber dennoch wild loderden Augen verriet ihm, daß er sich hier einer vergeblichen Hoffnung hingab.
Ray nickte schließlich.
„Okay. Ich werde bleiben. Aber nur für ein, zwei Tage, bis ich ein geeignetes Apartment gefunden habe.”
Sam schlug ihm entzückt auf den Rücken.
Sherry ließ einen langen, tiefen Seufzer hören, der beinahe wie ein Zischen klang. Als sich Sam abwandte, benutzte Sherry diese kurze Gelegenheit dazu, Ray einen flammenden Blick zuzuwerfen und ihn erneut von oben bis unten voller Gier und Hunger zu mustern. Ihr Blick haftete besonders lange an einer ganz besonderen Stelle, bevor er langsam wieder nach oben wanderte. Sherry starrte Ray durchdringend in die Augen. Ihre kleinen Lippen öffneten sich erwartungsvoll und schimmerten einladend feucht. Das Blut stieg ihr ins Gesicht und färbte ihre Wangen mit rosiger Glut.
Ray war froh, daß Sam jetzt nicht auf seine Frau achtete. Sie ist wirklich eine Frau mit animalischen Trieben! dachte Ray angewidert. Nur ein Schurke würde so tief sinken und sich von ihr mißbrauchen lassen.
Aber Ray brauchte nur eine Sekunde, um zu begreifen und sich daran zu erinnern, daß auch er sie ausnutzen wollte.
3
Nach dem Dinner verließ Sam King das Haus, um zum Sommerfest zu gehen. Er würde erst gegen Mitternacht wieder nach Hause kommen.
Ray durchlebte einen bösen Moment, als Sherry sich ihrem Mann zuwandte, und ihn unter lässigem, spöttischem Lächeln fragte: „Hälst du es wirklich für gut, uns so ganz allein hier zurückzulassen?”
Sam runzelte die Stirn.
„Warum denn nicht?”
„Nun… er ist doch ein so großer und stattlicher Mann … und ich bin so klein und wehrlos…”
Wie ein Skorpion! dachte Ray im stillen.
Sam brach in lautes Lachen aus und legte Ray eine Hand auf die Schulter.
„An dem Tag, an dem ich meinem besten Kumpel meine Frau nicht mehr für ein paar Stunden anvertrauen kann, werfe ich das Handtuch!” sagte er lachend.
Sherry drehte sich nun nach Ray um und sah ihn unter hochgezogenen Augenbraunen und mit triumphierendem Grinsen an. Ihr Gesichtsausdruck gab deutlich genug zu verstehen: Na, siehst du jetzt, wie dumm er sein kann? Als Sam eine Minute später das Haus verlassen hatte, lastete zunächst schweres Schweigen in der Küche.
Sherry unterbrach es schließlich mit einem sehr langen, abgrundtiefen Seufzer.
„Hm … nun lassen Sie doch mal hören, was Sie so gern über Cynthia Ferris wissen wollen”, sagte sie.
„Alles”, erwiderte Ray rasch. „Alles, was Sie mir über sie erzählen können.”
Sherry runzelte die Stirn.
„Also … ich will doch gleich verdammt sein! Wissen Sie was?”
„Was denn?”
Sie grinste.
„Ich hab’ plötzlich mein Gedächtnis verloren. Kann mich einfach an gar nichts mehr erinnern!”
Sie bohrte ihren brennenden Blick anzüglich in seine fragenden, verblüfften Augen.
„Wenn ich innerlich nicht so angespannt wäre … also, ich möchte beinahe wetten, daß mir dann alles sofort wieder einfallen würde! Wissen Sie, was ich meine?”
„Das könnte ja nicht mal einem ausgewachsenen Trottel entgehen”, antwortete Ray. Es hörte sich trocken und zynisch an.
„Zum Teufel, worauf warten Sie dann noch länger?” fragte Sherry mit tiefer, gespannter Stimme. Sie schob ihren Stuhl zurück und stand auf. Ihre kleinen, festen Brüste ragten hart nach vom. Sie hoben und senkten sich in raschen, schweren Atemzügen. Ihre Augen funkelten wild. „Na, kommen Sie schon!”
Ray starrte sie überrascht an.
„Was denn … einfach so? Sie wollen nicht einmal ein bißchen reden? Oder wenigstens so tun, als wollte ich versuchen, Sie zu verführen? Haben Sie denn keine Selbstachtung oder …”
„Ach, lassen wir doch diese dummen Faxen!” zischelte sie. „Und halten Sie mir keine lange Predigt! Herrgott, du bist doch jetzt schon ein großer Junge und kennst die harten Tatsachen des Lebens!” Ihre Stimme begann vor Erregung zu zittern. „Also, manchmal machen mich Männer ganz krank! Es ist gut und recht, wenn sie heiß und geil werden. Da lacht jedermann und sagt: Na, ist das nicht ein toller Bursche?’ Aber wenn einer Frau mal genauso zumute ist, da erwartet man von ihr, daß sie es verbergen soll … wie schmutzige Wäsche! Sie soll mit den Wimpern klimpern und verspielt und verschämt lächeln, als wäre alles nur ein Scherz. Na, wenn das kein Witz ist!” knirschte sie. „Aber nicht bei mir! Du willst doch alles über Cynthia Ferris wissen, nicht wahr?”
Ray nickte nur stumm. Sein Blick wich nicht von ihrem Gesicht, das nun von Gier verzerrt war.
„Ich werde dir alles erzählen, was du so gern wissen möchtest”, fuhr Sherry fort. „Ich werde dir erzählen, warum sie Angst hat vor Männern … und auch vor Frauen! Warum sie sogar vor ihrem eigenen Schatten Angst hat! Ich werde dir erzählen, was für ein großes, dunkles Geheimnis sie vor aller Welt so ängstlich verbirgt, denn ich bin die einzige auf der ganzen Welt, die etwas davon weiß … außer ihr selbst natürlich.”
Ein bösartiges Lächeln huschte um Sherrys kleinen Mund und verschwand sofort wieder. Ihre Stimme wurde etwas weicher und sanfter.
„Wenn du mir gegenüber großzügig bist, Ray, dann werde ich es auch dir gegenüber sein. Abgemacht?”
Ray kämpfte energisch den aufsteigenden Widerwillen nieder. Seine Zukunft, sein ganzes ferneres Leben könnte davon abhängen, was Sherry über Cynthia Ferris wußte; von der Information, die er brauchte, um ihm einen Weg zur Annäherung zu zeigen. Er war sich bereits darüber im klaren, daß ihm wohl das gleiche Schicksal wie all den vielen anderen Männern blühen würde, falls er versuchen wollte, sich Cynthia Ferris zu nähern, ohne ihr gegenüber einen starken, erdrückenden Trumpf ausspielen zu können. Er mußte sich zuvor eine günstige Ausgangsposition verschaffen,- er mußte Cynthia Ferris gegenüber ganz wesentlich im Vorteil sein, falls sein Versuch nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt sein sollte.
Und Ray wußte inzwischen auch mit ziemlicher Sicherheit, daß Cynthia Ferris diese einzigartige, einmalige Gelegenheit war, die einem Mann nur einmal in seinem Leben geboten wird. Seine einzige wirkliche Chance, diese Gelegenheit mit Erfolg ausnutzen zu können, hing im Moment von Sherry ab.
Schließlich nickte Ray widerstrebend.
„Also gut, Sherry … abgemacht!”
Ihr verkrampftes Gesicht entspannte sich, wurde weicher und ließ sie mehr denn je wie ein kleines Mädchen erscheinen.
Sherry griff mit feuchter Hand nach ihm.
Ray stand auf.
Sie legte ihm beide Arme um den Nacken, stöhnte leise und preßte ihren kleinen, weichen Körper fest an ihn. Ihre gierigen Lippen fanden seinen Mund. Sie trieb ihre Zunge zwischen seine Zähne und ließ sie wie eine Schlange darin herumhuschen. Gleichzeitig rieb sie ihren kleinen, kompakten Körper an ihm auf und ab. Sie war vor Ungeduld halb verzweifelt und begann sogar leise zu schluchzen.
Rays Vorbehalte und Hemmungen, weil es sich immerhin um die Frau seines besten Freundes handelte, schmolzen dahin wie Schnee in der Frühlingssonne. Das Gefühl ihres vor Erregung zuckenden und zitternden Körpers vertrieb jedes vernünftige Denken. Sein eigener wilder Hunger, der schon früher an diesem Tage geweckt worden war, wurde von neuem mit doppelter Heftigkeit lebendig.
Ray preßte beide Hände auf die prallen, strammen Arschbacken der kleinen Frau. Er verkrallte seine Finger darin. Gleichzeitig peitschte er ihre Zunge in seinem Mund mit der eigenen Zunge. Ihre Erregung sprang wie ein elektrischer Funke auf ihn über, während er mit gierigen Händen ihren Körper abtastete.
Plötzlich riß sich Sherry aus seinem Griff los.
„Nach oben!” keuchte sie atemlos. „Komm mit!”
Er folgte ihr über die Treppe ins obere Stockwerk.
Sherry rannte die Stufen hinauf, als könnte sie es kaum noch erwarten.
Ray war nicht imstande, seinen Blick von ihrem aufreizenden, kleinen, schlanken Körper zu lösen. Wie gebannt starrte er auf die festen, runden Arschbacken, die unter dem engen Kleid zitterten und wippten. Jetzt war auch Ray kaum noch imstande, seiner aufsteigenden Erregung Herr zu werden.
Sherry führte ihn in ein Schlafzimmer, schaltete eine Nachttischlampe ein und schlüpfte bereits einen Moment später aus ihrem Kleid. Sie bat ihn, sich ebenfalls zu beeilen. Aus funkelnden Augen beobachtete sie, wie Ray seinen Anzug auszog, während sie bereits in fieberhafter Hast ihre Strümpfe von den langen, schlanken Beinen streifte.
Sherry war zuerst splitternackt. Sie stand neben der Lampe. Ihr weißer Körper zitterte vor Ungeduld. Die dunklen Warzen schwollen vor Leidenschaft an. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und öffneten sich wieder.
Ray verglich sie im stillen mit den vielen anderen Frauen, die er im Laufe der Jahre schon nackt gesehen hatte. Er ließ sich etwas mehr Zeit mit dem Ausziehen. Trotz seiner Erregung brachte er es fertig, objektiv zu bleiben. Er stellte fest, daß ihre Brüste zu klein waren, die Hüften zu schlank, der an sich üppige Körper zu mädchenhaft. Gewiß, sie wirkte enorm aufregend; mehr als andere Frauen mit großen Titten und breiten Hüften. Ihre blasse Haut war weich und glatt. Sie wies keinerlei Makel auf. Der zierliche Köper wirkte beinahe, als wäre er noch vollkommen unberührt … als wäre er bisher von jeder Bekanntschaft mit einem Mann verschont geblieben.
Ray hatte plötzlich den verrückten Eindruck, daß Sherry tatsächlich beinahe noch so aussah wie eine eben erst heranwachsende Jungfrau. Das war doch unglaublich! Ray fummelte unruhig mit seinem letzten Kleidungsstück herum. Der Kontrast, den dieser scheinbar unberührte Körper zu den zynischen Augen und zu dem lasterhaften Benehmen bildete, war es eigentlich, der Ray so sehr erregte.
Endlich war auch er splitternackt. Er trat dicht an Sherry heran. Es verschlug ihm beinahe den Atem, als sie sich nun gierig auf ihn warf und ihren seidenweichen, heißen, nackten Körper ungestüm an ihn preßte, während sie gleichzeitig ihre Fingernägel in seine Schultern verkrallte. „Sei gut zu mir, Ray!” bettelte sie und zerrte ihn mit sich aufs Bett.
Sie spreizte sofort einladend die Oberschenkel und hob den Arsch vom Bett an.
Ray umschloß mit einer Hand eine ihrer kleinen, festen Brüste. Er streichelte die samtweiche Warze, dann wollte er sie in den Mund nehmen.
„Nein!” keuchte Sherry. „Nein! Keine Zeit! Ich bin auch so schon verrückt genug! Ich halte es kaum noch aus!”
Ray tastete behutsam nach ihr und zog scharf die Luft ein, als Sherry plötzlich mit einem jähen Ruck die Hüften nach oben reckte.
Sherry verzerrte das Gesicht und stieß einen leisen Schrei aus. Im nächsten Moment verkrampften sich ihre Beine um seine Oberschenkel. Sie preßte ihren feuchten, fieberheißen Körper an seinen Leib, umarmte ihn wild und leidenschaftlich und begann schließlich sogar leise vor sich hin zu weinen, als beide nun in gleichmäßigem Rhythmus langsam zu arbeiten anfingen.
Sherry preßte ihre brennenden Lippen auf seinen Mund, rammte ihre Zunge zwischen seine Zähne, saugte seine Zunge in den Mund und umkreiste sie mit der eigenen heißen Zunge. Sie drückte ihre kleinen, festen, prall geschwollenen Tittchen an seine Brust, verkrampfte die Oberschenkel und zerkratzte seinen Rücken mit den Fingernägeln, bis er schließlich laut dagegen protestierte. Tränen strömten Sherry übers Gesicht, während sie sich wie eine Wahnwitzige unter ihm wand und hin und her warf. Immer wilder, immer heftiger, immer ruckartiger rammte sie ihre Hüften nach oben.
Mit schier übermenschlicher Willenskraft brachte es Ray fertig, seinen Körper zu ruhigem, ständigem Tempo zu zwingen. Er gestattete sich nicht, seiner eigenen wilden Erregung nachzugeben und ihr zu unterliegen. Seine jahrelangen Erfahrungen mit Frauen befähigten ihn, selbst im Liebesakt eine gewisse kühle Zurückhaltung zu bewahren, die ihn in die Lage versetzte, das wonnige Gefühl für die Frau nach Belieben zu verlängern, bis sie wieder und immer wieder in Ekstase geraten war … bis zum Punkt restloser Erschöpfung.
Aber bei Sherry drohte ihn diese Zurückhaltung im Stich zu lassen. Nur seiner eisernen Willenskraft war es zu verdanken, daß er seine eigene wilde Erregung noch einigermaßen im Zaume halten konnte, um sein Versprechen der Frau gegenüber halten zu können und wirklich großzügig und freigebig zu sein.
Dieses elektrisierende Gefühl, das ihr seidenglattes, pulsierendes Fleisch, ihre feuchten, eifrigen Oberschenkel, ihre wahnwitzig zuckenden Hüften auch bei Ray auslösten, peitschte ihn einem tobenden Höhepunkt entgegen, der jeden Augenblick zu explodieren drohte.
Ray spürte, wie sich ihre kleinen, prallen Arschbacken in seinen Händen wanden, wie sie zuckten und zitterten und bebten.
Er knirschte unwillkürlich mit den Zähnen, als er diese fantastische Muskelkraft spürte, die Sherry nun zwischen ihren Oberschenkeln spielen ließ. Dieses Treiben jagte wollüstige Schauer über seinen Rücken.
Sherry reckte ihre Hüften hoch vom Bett auf und ließ sie zuckend rotieren, bis Ray vor Lust stöhnte. Dann begann sie mit einer ganzen Reihe wilder, kreisender Bewegungen. Bei jedem atemberaubenden Wechsel der Empfindung schrie Sherry scharf auf, vergrub ihre Zähne in seine Schulter und riß mit beiden Händen seinen harten, verkrampften Hintern bei jedem Abwärtsstoß seines Körpers beinahe wütend an sich.
Endlich krümmte Sherry ihren Rücken mit einem jähen Ruck durch, schauerte wild zusammen, stieß einen schrillen, durchdringenden Schrei schierer Ekstase aus und rammte ihren Unterleib heftig gegen sein Becken.
Da vergaß auch Ray jegliche Zurückhaltung und Selbstbeherrschung. Er ließ seiner eigenen Flut der Leidenschaft die Zügel schießen und gelangte mit erschütternder Wucht zur Entspannung.
Eine Minute später sackte Ray unter lautem Stöhnen auf Sherry zusammen und blieb zunächst regungslos liegen. Nur verschwommen nahm er wahr, daß sie immer noch schluchzte … daß ihre Hüften immer noch leise zuckten. Nachdem sein eigenes Lustgefühl allmählich verebbte, spürte er zum ersten Mal den scharfen, brennenden Schmerz der Kratzwunden auf seinem Rücken, wo Sherry ihn mit den Fingernägeln bearbeitet hatte.
Ray stemmte sich von Sherry hoch und starrte nach unten in ihr Gesicht, das von der Nachttischlampe erhellt wurde. Sherrys Augen zeigten einen leicht glasigen Ausdruck; ihr Gesicht war verzerrt, und ihre Lippen bewegten sich lautlos.
„He, alles in Ordnung mit dir?” fragte er besorgt.
Sherry seufzte, öffnete blinzelnd die Augen, blickte zu ihm empor und grinste schließlich.
„Ich bin noch immer nicht so ganz bei mir”, sagte sie. „Wumm! Das war vielleicht der Gipfel! Was hältst du von einem da capo?”
Animalisch! dachte Ray erneut und voller Widerwillen. „Laß mich doch mal deine Hände sehen!” sagte er ziemlich scharf.
Jetzt erst zog Sherry ihre Hände von seinen Arschbacken zurück und hielt sie ihm, die Handflächen nach außen, entgegen.
Ray griff danach und brachte sie in den Schein der Nachttischlampe.
Es war Blut an den Fingernägeln.
„Tut mir leid”, sagte sie, aber es hörte sich gar nicht so an, als ob es ihr wirklich leid täte. „Aber das ist alles nur deine Schuld, Liebster. Ich meine … ich hatte dich ja gebeten, lieb und gut zu mir zu sein … aber … ich hatte natürlich nicht erwartet, daß du so gut sein könntest! Du bist ja weiß Gott eine richtige Maschine, Ray! Und wie war ich, hm? Auch ganz gut, was?”
Ray starrte ihr ins Gesicht, das so trügerisch mädchenhaft aussah und nur von dem zynischen Ausdruck in den grünlich schillernden Augen verraten wurde.
Von dieser kleinen, zierlichen Frau ging etwas Gefährliches aus, so daß Ray sich plötzlich höchst unbehaglich fühlte. Ihm war alles andere als wohl in ihrer unmittelbaren Nähe. Sie war total … er suchte nach einem passenden Ausdruck … total verkommen. Er spürte, daß sie alles, einfach alles tun würde, nur um ihr eigenes wahnwitziges Verlangen stillen zu können.
„Du warst ganz schön wild”, gab er zu. „Aber jetzt pinsele mir erst mal ein bißchen Jod auf den Rücken, ja?”
„Oh, der arme Junge wurde verletzt”, murmelte sie, grinste ihn aber dabei übermütig-spitzbübisch an. Dann glitt sie unter ihm hervor und verließ das Schlafzimmer. Ihre Arschbacken wippten beim Gehen aufreizend hin und her. Leise klappte die Badezimmertür hinter ihr zu.
4
Ray zündete sich eine Zigarette an und rauchte nachdenklich, bis Sherry mit dem Jodfläschchen zurückkam. Er legte sich auf den Bauch und biß die Zähne zusammen, als Sherry die brennende Tinktur auf die Kratzwunden pinselte.
„Weißt du …”, sagte Sherry dabei. „Ich hätte nichts dagegen, wenn wir das jede Nacht machen könnten. Vielleicht bin ich eine frustrierte Krankenschwester. Ich habe schon allerhand Rücken zerkratzt, aber dies hier ist mein bisher bestes Kunstwerk. Okay, Liebster … nun bist du wieder fit für den nächsten Nahkampf!”
Ray drehte sich um und starrte ihr ins Gesicht.
Sherry lächelte mit engelhafter Unschuld auf ihn hinab, dann wanderte ihr glitzernder Blick über seinen Körper. Ihre Zunge huschte ständig von einem Mundwinkel zum anderen.
„Mehr!” sagte sie leise. „Ich brauche noch mehr.”
„Nein”, sagte er rasch. „Denke an unsere Abmachung! Du wirst mir jetzt alles erzählen, was du über Cynthia Ferris weißt.”
Sie langte mit einer Hand nach unten und streichelte intensiv seine Hüften.
„Später”, murmelte sie. „Wenn du noch einmal so gut zu mir bist, werde ich dir alles erzählen.”
Ray griff so hart nach ihrem Handgelenk, daß sie vor Schmerz laut aufschrie.
„Abgemacht ist abgemacht!” sagte Ray in eiskaltem Tonfall. „Also los jetzt, Sherry … rede!”
Sie starrte ihn aus leicht glasigen, hungrigen Augen an. „Du verstehst es sogar, ein Mädchen zu erregen, wenn du ihm weh tust”, stellte sie fest. „Nur noch einmal, Liebster.”
Ray gab einen unwillig-gereizten Laut von sich und wollte das Bett verlassen.
Sherry griff sofort ungestüm nach ihm.
„Nein, nicht!” sagte sie bettelnd. „Ich will dir ja alles erzählen. Aber du mußt mir versprechen, mich hinterher nicht allein zu lassen. Versprichst du mir, es noch einmal mit mir zu machen? Nur noch ein einziges Mal, ja?”
Ray empfand Abscheu und Mitleid zugleich. Letzteres unterdrückte er energisch. Er durfte jetzt nicht weich werden. Wenn jemand Mitgefühl verdiente, dann bestimmt nicht Sherry … sondern allenfalls ihr bedauernswerter Ehemann Sam.
„Also gut”, stimmte er widerstrebend zu. Er zündete sich eine neue Zigarette an, gab sie jedoch Sherry und schob sich eine andere zwischen die Lippen. Als er sie ebenfalls angezündet hatte, sagte er: „Und das möchte ich nun gern über Cynthia Ferris wissen…”
Fast eine Stunde lang fragte Ray nun Sherry über Cynthia aus. Er tat es so gründlich wie nur irgend möglich. So erfuhr er allerlei über Ferris’ einzige Tochter. Er wußte nun, welches Essen, welche Musik, welche Kleidung und welche Bücher sie bevorzugte. Er erkundigte sich nach allem, was ihm nur einfallen wollte.
Höchst interessiert hörte er vor allem zu, was Sherry über ihre früheren Unterhaltungen mit der ehemaligen Busenfreundin zu berichten hatte.
Sherry erinnerte sich an Kindheitserlebnisse des anderen Mädchens und erzählte Ray davon.
Ray prägte sich alle Informationen sorgfältig ein, selbst die scheinbar nebensächlichsten und unbedeutendsten Dinge wie den Namen ihres Kätzchens, das Cynthia früher einmal gehabt hatte. Wer weiß, ob nicht gerade diese Kleinigkeiten später einmal von entscheidender Bedeutung sein könnten.
Schließlich stand Sherry vom Bett auf, reckte sich und gähnte ausgiebig.
„Jetzt kennst du sie fast so gut wie ich”, sagte sie. „Ich habe meinen Teil der Abmachung gehalten. Jetzt bist du wieder an der Reihe, mein Lieber.”
„Und was ist mit diesem angeblich so großen, dunklen Geheimnis?” fragte Ray. „Davon hast du bisher noch kein Wort erwähnt.”
„Weil ich es mir als Dessert aufgehoben habe”, erwiderte Sherry lächelnd. Es war ein seltsames, irgendwie amüsiertes Lächeln, das Ray zunächst nicht richtig zu deuten vermochte.
„Ich will’s aber jetzt hören!” sagte Ray mit harter Stimme. „Nein!” lehnte Sherry genauso hart und entschieden ab. „Wenn ich dir das jetzt auch noch erzähle, hältst du möglicherweise deinen Teil unserer Abmachung nachher nicht mehr ein.”
Ray runzelte die Stirn.
„Warum denn nicht?”
Sherry setzte sich auf seinen Schoß und rutschte mit ihrem kleinen, prallen Hintern hin und her. Sie zog seine Oberlippe zwischen ihre Zähne und knabberte verspielt daran. Ihre Hände blieben inzwischen nicht untätig, sondern tasteten seinen Körper ab, bis sie das erstrebte Ziel gefunden hatten. Sie streichelte es auf eine Art, die Rays Verlangen zur Wildheit anfachte. Sie wand und rieb sich an ihm, bis sein Widerwille, ja sogar seine Neugier in bezug auf Cynthia Ferris vorübergehend vergessen waren. Sherry überschüttete seinen Körper mit Küssen und kleinen Bissen in Brust und Bauch, während ihre Hände ständig an der Arbeit waren.
Einen Moment später keuchte Ray jäh auf, als Sherry einen Kuß auf seine empfindlichste Stelle pflanzte und sich schließlich dort mit Lippen und Zunge beinahe wütend beschäftigte.
Ein wilder Lustsdiauer nach dem anderen jagte Ray durch den gesamten Körper.
Aber auch Sherry stöhnte wollüstig vor sich hin und arbeitete immer intensiver, bis Rays lautes Stöhnen den ganzen Raum erfüllte. Dann erst richtete sich Sherry rasch auf, streckte sich auf dem Rücken aus, spreizte die Beine weit auseinander und flehte Ray beschwörend an, sich jetzt um Himmels willen zu beeilen.
Wieder begann sie wild mit den Hüften zu zucken, kaum daß Ray sie bestiegen hatte. Als er in sie eindrang, empfing sie ihn mit einem wilden Lustschrei. Sie zog die Knie an, reckte die Unterschenkel hoch in die Luft und verschränkte dann ihre Knöchel hinter seinem Rücken. Sie preßte die seidig glatten, weichen, heißen Oberschenkel hart an seine Rippen.
Ray hatte sich diesmal etwas besser in der Gewalt. Er achtete sorgfältig darauf, daß Sherry ihm nicht erneut mit den Fingernägeln den Rücken zerkratzen konnte.
Sherry warf den Kopf ungestüm hin und her, schluchzte vor hemmungslosem Verlangen, schleuderte die Hüften von einer Seite zur anderen, dann auf und ab, bis schließlich ihr gesamter Körper von unbeherrschten Zuckungen geschüttelt wurde. Dabei sprudelte eine wahre Fontäne von Worten über ihre Lippen … ein wirres Durcheinander von Lob für Ray … Geflüster vor hysterischer Freude … ein Mischmasch vulgärer Ausdrücke.
Diesmal war Ray imstande, klaren Kopf zu behalten. Er ließ sich von seiner eigenen Erregung nicht mehr fortreißen, sondern bewahrte diese kühle Objektivität, die er im Verlaufe vieler Jahre entwickelt hatte.
Sherry war wie ein ungebärdiges Tier, das begriff Ray erneut; aber sie war zugleich enorm aufregend und durchaus in der Lage, ihm zu Lustschauem zu verhelfen, wie es bisher nur wenige Frauen gekonnt hatten.
Sherry gebrauchte ihren kleinen, zierlichen Körper mit geradezu unvorstellbarer, unglaublicher Fantasie. Sie weckte damit auch das letzte, äußerste Gefühl bei Ray und blieb ihm in dieser Hinsicht selbst nichts schuldig. Das hatte nichts mit Rücksichtnahme zu tun, wie Ray sehr wohl wußte, sondern es entsprang ganz einfach ihrer eigenen Gier nach Lust. Sie konnte gar nicht anders, als alles zu nehmen und alles zu geben.
„Du bist wahrhaftig ein toller Mann!” keuchte sie zwischendurch einmal, reckte ihre Hüften noch höher vom Bett in die Luft, ließ sie wild rotieren und setzte schließlich wieder diese intern-vaginale Muskelkraft ein. Das tat sie so kräftig und wirkungsvoll, daß Ray — teils vor Lust, teils vor Schmerz — immer lauter zu stöhnen begann. „Du bist ein richtiger Mann! Ein ganzer Mann!” ächzte Sherry. Und dann bewegte sie jäh die Hüften mit wild kreisenden Bewegungen … schnell und immer schneller … in immer größerem Kreis.
Ray spürte, wie lodernde Hitzeschauer über seinen Rücken jagten. Seine Erregung erreichte nun ebenfalls einen Punkt, an dem der Verstand ausgeschaltet wurde und nur noch das Gefühl dominierte.
Wieder schauerte Sherrys kleiner, zierlicher, heißer Körper heftig von Kopf bis Fuß zusammen.
Und wieder spürte Ray, wie seine Leidenschaft in lodernder, blendender Entspannung explodierte.
„Oh … wumm!” seufzte Sherry anschließend. „An dir könnte ein Mädchen weiß Gott für immer hängenbleiben! Was machst du beruflich, hast du gesagt?”
„Ich bin Autoverkäufer.”
„Nein, das bist du nicht, Liebster”, murmelte sie und rieb ihr Becken an seinen Lenden. „Du verkaufst keine Autos, sondern Liebe! Du bist der beste Liebesverkäufer, den ich je kennengelernt habe!” Sie betonte: „Jawohl, der allerbeste!”
Ray löste sich aus ihrem verkrampften Griff. Er zündete sich erst eine Zigarette an, bevor er sagte: „Okay, Sherry! Und nun laß endlich hören, was es mit diesem großen, dunklen Geheimnis, das Cynthia Ferris angeblich umgibt, auf sich hat!”
Sherry setzte sich auf und zündete sich auch eine Zigarette an.
„Ich bin das große, dunkle Geheimnis”, sagte sie mit heiser flüsternder Stimme. „Ich!“
Ray konnte sie nur verwundert anstarren.
„Was meinst du damit?” fragte er verblüfft.
Sie sah ihm offen in die Augen und verriet nicht einmal den Anflug von Scham.
„Ich habe dir doch schon erzählt, daß Cynthia und ich früher einmal die besten Freundinnen waren. Ab und zu habe ich eine Nacht in ihrem Haus verbracht. Ich habe in ihrem Bett geschlafen.”
Ray zuckte die Schultern.
„Na, und? Das tun doch viele Mädchen.”
Sherry verzog amüsiert den Mund.
„Oh, ich weiß!” sagte sie. „Aber als ich das letzte Mal mit ihr geschlafen habe, ist etwas passiert. Da habe ich sie auf Touren gebracht!”
Ray starrte sie einen Moment an und war über die letzte Bemerkung sichtlich verwundert. Doch dann kam ihm augenblicklich zum Bewußtsein, was Sherry eben damit gemeint hatte. Er war so angewidert, daß sich sein Magen umdrehen wollte.
„Du meinst … du hast … du hast mit ihr … Liebe gemacht?” fragte er schließlich.
Sherry lachte.
„Das ist milde ausgedrückt! Aber was soll daran so schrecklich sein, he? Sie hat’s jedenfalls nicht für schrecklich gehalten!”
Sherry verzog verächtlich das Gesicht.
„Jedenfalls am Anfang nicht. Wie sie mich da übers Bett gejagt hat … also, man hätte meinen können, ich wäre der erste Preis bei einer Schatzsuche gewesen! Junge, Junge, war die auf Touren! Aber nach dieser Nacht wollte sie dann überhaupt nichts mehr von mir wissen. Sie hat nicht mal mehr mit mir geredet. Diese kleine Heuchlerin!”
Ray hörte zu. Er war fasziniert und angewidert zugleich. Sherry machte ein vollkommen unbekümmertes Gesicht, und auch ihre Stimme klang ganz ruhig, beinahe lässig und unbeteiligt.
„Warum denn nicht?” fragte Ray.
Sherry zuckte die runden, nackten Schultern.
„Das weiß ich auch nicht. Ich nehme an, daß sie so tun wollte, als wäre das alles überhaupt nicht geschehen. Sie ist ja ein schüchternes, kleines Dingelchen! Und ich glaube sogar, daß sie immer noch Jungfrau ist.”
Sherry grinste.
„Jedenfalls in bezug auf Männer!” fügte sie hinzu.
Ray starrte sie immer noch an, dann sagte er sehr leise: „Du bist schlecht, Sherry! Wirklich schlecht!”
Sherry hielt seinem Blick gelassen stand, doch ihre Stimme klang plötzlich scharf und schneidend.
„Zum Teufel, was bist du denn? Etwa ein Heiliger? Du schläfst mit der Frau deines besten Freundes, während du seine Gastfreundschaft ausnutzt. Mit wie vielen anderen Frauen hast du denn schon in ähnlichen Situationen geschlafen, he? Wie viele ahnungslose Mädchen hast du denn dazu verleitet, mit dir ins Bett zu gehen? Was macht dich also auf einmal so … so tugendhaft und heilig?”
Ray spürte, wie ihm jäh das Blut ins Gesicht schoß. Er wußte, daß Sherry recht hatte.
„Hacken wir nicht länger gegenseitig auf uns herum”, sagte er heiser. „Ich nehme zurück, was ich eben gesagt habe. Doch reden wir nun weiter über Cynthia. Warum hat sie solche Angst vor Männern? Daß sie dir aus dem Wege gehen will, kann ich verstehen, aber was hat das alles mit Männern zu tun? Warum weicht sie Männern so beharrlich aus?”
Sherry zog mißmutig eine Braue hoch.
„Ich bin kein Psychiater. Aber ich habe so eine Ahnung. Ich vermute, sie hat Angst, daß ein Mann, wenn er mit ihr Liebe macht, herausfindet, wie es in Wirklichkeit um sie bestellt ist. Ich meine, um ihr großes, dunkles Geheimnis … mit mir! Cynthia glaubt wahrscheinlich, daß ein Mann auf physischem Wege feststellen kann, was damals passiert ist. Das dumme Ding!”
„Dumm ist sie mir auf den Fotos keineswegs vorgekommen”, widersprach Ray. „Ganz im Gegenteil … sie scheint recht intelligent zu sein.”
„Eine ganze Menge von diesen sogenannten intelligenten Leuten sind in mancher Hinsicht große Dummköpfe”, erwiderte Sherry. „Nehmen wir zum Beispiel Sam. Du brauchst dir doch ihn nur anzusehen! Jedenfalls erstickt Cynthia wahrscheinlich vor Scham, wenn sie an jene Nacht auch nur zurückdenkt … an diese Geschichte, die damals zwischen uns passiert ist. Weiß der Teufel, was sie sich so unter Scham vorstellen mag!” Wieder grinste sie verächtlich, als sie fortfuhr: „Es ist doch geradezu hysterisch von ihr, sich einzubilden, daß ein Mann etwas von jenem Erlebnis bei ihr merken könnte! Das ist jedenfalls meine Ansicht.”
Ray runzelte nachdenklich die Stirn.
„Da du ja nicht mehr mit ihr sprichst, wirst du wohl kaum imstande sein, mich mit ihr bekannt zu machen, oder?” Sherry lachte. Sie ging nicht weiter auf seine Frage ein, sondern begann mit einer Hand mit einer ihrer großen, dunklen Brustwarze zu spielen. Sie starrte Rays nackten Körper an und schlug vor: „Warum machen wir das Licht nicht aus?”
„Kommt nicht mehr in Frage”, lehnte Ray schroff ab. „Ich bin doch keine Maschine.”
Sherry blickte ihn aus funkelnden Augen an, dann legte sie eine Hand auf seinen Oberschenkel und schloß ihre Finger schließlich um seinen harten Muskel.
„Und wenn ich dir nun verrate, wie du unauffällig ihre Bekanntschaft machen könntest?” fragte sie leise und lokkend. „Wenn du’s allein und von dir aus probierst, wird sie wie ein aufgescheuchtes Kaninchen vor dir davonlaufen. Aber wie wär’s, wenn ich dir sage, wie du ganz behutsam mit ihr Kontakt aufnehmen könntest, he? Würde das vielleicht deine müde, kleine Männlichkeit noch einmal aufmuntem?”
„Du hast wohl für alles einen Preis, was, Sherry?” fragte er.
Sie begann bereits gierig mit beiden Händen zu arbeiten. „Da hast du verdammt recht!” gab sie ungerührt zu. „Was glaubst du eigentlich von mir? Ich bin doch kein Wohltätigkeitsinstitut! Na, was ist nun, Liebhaber? Wollen wir oder nicht?”
Ray gab einen angewiderten Laut von sich, stimmte aber doch mürrisch zu und sagte: „Okay. Wie?”
„Cynthias beste Freundin ist Elizabeth Reynolds, die Chef-Bibliothekarin der Stadtbibliothek. Wenn Cynthia irgendein Problem hat, läuft sie damit zu Elizabeth. Mit ihr spricht sie über alles. Man könnte wahrhaftig glauben, Elizabeth wäre Cynthias Mammi, an deren Busen sie sich ausweinen kann. Jedenfalls … Elizabeth ist nett … wirklich nett.”
Sherry machte eine kurze Pause in ihrem hungrigen Streicheln.
„Und sie sieht auch gar nicht schlecht aus”, fuhr sie heiser fort. „Du brauchst dich nur mit Elizabeth anzufreunden, und bevor du dich’s versiehst, wird Cynthia schon auf deinem Schoß sitzen. Vorausgesetzt natürlich, daß du alles richtig anfängst. Aber ein so gerissener und erfahrener Bursche wie du wird da ja wohl keinerlei Mühe haben, oder? So, das war’s … und was ist jetzt mit unserer Abmachung?”
Diesmal hatte Ray sich vollkommen in der Gewalt. Er vollzog den Akt tatsächlich wie eine seelenlose Maschine. Seine Hüften stießen in stetem, mechanischem Tempo zu. Mit schwachem Widerwillen lauschte er auf Sherrys ekstatisches Stöhnen, auf ihr animalisches Keuchen, auf ihre spitzen, schrillen Lustschreie.
Ray war zwar physisch vollkommen bei der Sache, aber seine Gedanken beschäftigten sich sehr intensiv mit Cynthia Ferris.
Erst im allerletzten Augenblick gab er seine eiserne Zurückhaltung und Selbstbeherrschung gerade lange genug auf, um auch seiner aufgestauten Leidenschaft, die Sherrys aufreizender Körper in ihm geweckt hatte, Luft zu verschaffen. Erst dann reagierte er zum ersten Mal so richtig auf ihre wild zuckenden Hüften und auf ihr wahnwitziges Flehen und Betteln.
Danach forderte er sie eiskalt auf, sein Zimmer zu verlassen. Er wollte jetzt allein sein, um denken und planen zu können.
Sherry machte sich gar nicht erst die Mühe, sich wieder anzuziehen. Sie raffte ihre Sachen im Arm zusammen und ging zur Tür. Hier blieb sie noch einmal stehen und drehte sich nach Ray um. Ihre kleinen, nackten Brüste und das unschuldige Gesichtchen ließen sie noch intensiver denn je wie ein heranwachsendes Mädchen erscheinen.
Sherry lächelte Ray an. Es war ein spöttisches Lächeln.
„Mit Cynthia wirst du nur deine Zeit verschwenden, du meisterhafter Liebhaber! Hör lieber auf meinen Rat … vergiß sie!”
Ray starrte sie an und spürte, daß sie noch etwas wußte, wovon sie ihm bisher nichts erzählt hatte.
„Warum?” fragte er leise.
Sherry lachte amüsiert.
„Das wirst du schon selbst herausfinden müssen!”
Ein beinahe teuflisches Lächeln spielte sekundenlang um ihren höhnisch verzogenen Mund, dann huschte sie rasch aus dem Zimmer.
5
Als Ray am nächsten Morgen wach wurde, nahm er als erstes die Schmerzen auf seinem Rücken wahr.
Er warf einen Blick auf seine Uhr, die auf dem Nachttisch neben dem Bett lag.
Kurz nach zehn Uhr.
Ray stand auf, wickelte ein Handtuch um seinen nackten Körper und trottete über den Korridor ins Badezimmer. Dabei fiel ihm auf, wie ungewöhnlich still es im Haus war.
Entweder schlief Sherry noch, oder sie war bereits Einkaufen gegangen.
Wie dem auch sei… Ray war für ihre Abwesenheit dankbar.
Sherry würde ihm noch sehr viel Ärger bereiten, dachte Ray, als er die Dusche aufdrehte und unwillkürlich den Atem anhielt, als das eiskalte Wasser über seinen Körper rieselte.
Nachdem Ray sich gründlich abgeseift hatte, war er zu dem Entschluß gekommen, daß es viel zu gefährlich für ihn sein dürfte, mit Sherry unter einem Dach zu wohnen. Er würde sich nach einer anderen Unterkunft umsehen müssen; ohne Rücksicht darauf, daß sein Barbestand bereits empfindlich zusammengeschmolzen war.
Bei dieser Entscheidung angelangt, sah sich Ray auch gleich einem weiteren Problem gegenüber.
Sollte er sich sofort einen Job suchen oder nicht?
An sich hatte er bereits geplant, seine ganze Zeit Cynthia Ferris zu widmen, einen Feldzugsplan zu entwerfen und ihn dann in die Tat umzusetzen.
Aber wenn er hier ausziehen wollte, dann würde ihm wohl oder übel nichts anderes übrigbleiben, als sich unverzüglich nach einer Stellung umzusehen, um die Miete bezahlen zu können.
Aber selbst wenn er hier bei Sherry und Sam bleiben würde, dürfte sein Geld kaum solange reichen, bis über seinen Plan endgültig entschieden sein würde… Erfolg oder Niederlage.
Ray stellte im Geiste rasch einige Berechnungen an und kalkulierte sorgfältig den Zeitfaktor. Dabei kam er dann doch zu dem Schluß, daß sein restliches Geld gerade noch reichen könnte, ihn für eine Weile über Wasser zu halten, falls er Sam Kings Gastfreundschaft in Anspruch nehmen würde. Und diese Weile müßte eben genügen, um bei Cynthia Ferris zum Erfolg zu kommen. Sollte es ihm nicht gelingen … nun, dann hatte er außer Zeit und Energie nichts weiter verloren.
Im Falle eines Erfolges aber würde er für den Rest seines Lebens ein reicher Mann sein.
Ray stellte die Dusche ab, trat hervor und trocknete sich ab. Dabei überlegte er immer noch, was er nun tun sollte. Am Ende entschied er sich doch dafür, lieber noch hier im Hause wohnen zu bleiben und das Gefahrenmoment in bezug auf Sherry in Kauf zu nehmen. Nur so würde er sich voll und ganz Cynthia Ferris widmen können. Je früher er bei ihr zum Erfolg kommen würde, desto besser. Aber Ray übersah keineswegs, welches Risiko er mit diesem Entschluß einging. Er wußte, daß er höllisch aufpassen mußte, solange Sam in der Nähe war. Sherry hielt nichts von Diskretion. Sie war gierig und verwegen. Die Gefühle ihres eigenen Ehemannes kümmerten sie einen verdammten Dreck.
Bei dem Gedanken, mit Sherry unter einem Dach Zusammenleben zu müssen, kam sich Ray vor wie auf einem wild schwingenden Trapez hoch unter der Zirkuskuppel. Ray konnte weiter nichts tun, als zu versuchen, seinen Plan so schnell wie irgend möglich zu verwirklichen, um schleunigst dieses Haus und damit Sherry King verlassen zu können. Je früher, desto besser.
Nachdem Ray sich zu diesem Entschluß durchgerungen hatte, zog er sich rasch an und verließ das Haus. Er verzichtete darauf, in der Küche Kaffee zu trinken. Schließlich mußte er damit rechnen, daß Sherry unerwartet auftauchen und sofort wieder etwas von ihm verlangen würde. Ray war entschlossen, Sherry so gut es ging aus dem Wege zu gehen und ihr keine Gelegenheit mehr zu geben, mit ihm allein zu sein.
Er fuhr in die Stadt und frühstückte in einem kleinen, billigen Café. Dabei plante er sein strategisches Vorgehen bei Elizabeth Reynolds.
Noch kannte er sie nicht, aber er war beinahe sicher, daß sie ein stiller, passiver Typ war. Das waren Bibliothekarinnen doch meistens. Er nahm weiter an, daß sie eine schon etwas ältere Jungfer sein dürfte. Mit gräßlichem Teint, unansehnlichem Haar. Also genau die Richtige, um auf seinen Charme hereinzufallen.
Natürlich würde er zunächst sehr vorsichtig und behutsam vorgehen müssen, um sie nicht vorzeitig durch irgendeine aggressive Geste zu verschrecken. Aber er konnte es sich auch nicht leisten, allzu lange mit ihr herumzutrödeln, sonst würde er angesichts seiner knappen Kasse sehr bald in Zeitdruck geraten.
Ray rechnete jedoch ziemlich fest damit, Elizabeth Reynolds mit etwas Glück innerhalb einer Woche in sein Bett zu bekommen. Wenn das erst einmal geschehen war, dann würde Elizabeth Reynolds — davon war Ray jetzt schon überzeugt — derartig von ihm beeindruckt sein, daß sie notfalls sogar splitternackt für ihn über die Hauptstraße marschieren würde, wenn er das von ihr verlangen sollte. Zweifellos würde sie flachbrüstig sein und spitze Knie haben, aber — zum Teufel! — das war schließlich nur ein relativ kleines Opfer für die Ferris-Millionen. Sie würde doch weiter nichts sein als eine weitere Sprosse auf der Frauenfleisch-Leiter, die er bereits emporzusteigen begonnen hatte.
Ray trank seinen Kaffee aus, bezahlte die Rechnung und fuhr zur Stadtbibliothek. Es war ein sehr ansehnliches rotes Ziegelgebäude, das von majestätischen Ulmen und großen, gepflegten Rasenflächen umgeben war.
Er ging hinein, wartete einen Moment an der Tür, um seine Augen nach dem grellen Sonnenschein an das hier drin herrschende Halbdunkel zu gewöhnen, dann steuerte er direkt auf den großen Schreibtisch in der Mitte des Raumes zu. Ein kleines Schild verkündete: Bibliothekarin — Information.
Eine Frau in den Dreißigern blickte freundlich lächelnd auf. Sie trug eine Brille und hatte glatte, reine Haut und glänzendes, brünettes Haar.
Ray sagte sich augenblicklich: Das kann unmöglich Elizabeth Reynolds sein … verdammtes Pech!
„Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?” fragte die Frau. Ihre Stimme klang leise und angenehm.
Ray lächelte sie sicherheitshalber auf seine charmanteste Art an.
„Das hoffe ich. Haben Sie irgendwelche Bücher über Grapho-Analyse?”
Er sprach das Fremdwort so gelassen aus, als wüßte er alles über das Studium der Handschriftendeutung. Es war das Hobby eines Mädchens gewesen, das er einmal gekannt hatte. Jetzt wünschte er sich, damals besser zugehört zu haben, wenn dieses Mädchen sogar im Bett darüber gesprochen hatte. Alles, was er im Grunde genommen von Graphologie wußte, war die Tatsache, daß man an der Handschrift einer Person gewisse Charaktereigenschaften erkennen konnte … angeblich.
Die Frau hinter dem Schreibtisch runzelte die Stirn.
„Grapho-Analyse…?” wiederholte sie.
„Das bedeutet…”
„Ich weiß, was es bedeutet”, sagte sie ruhig und sah ihn aus großen, grauen Augen tadelnd an. „Ich versuche mich nur zu erinnern, ob wir Bücher darüber haben.”
Ray beobachtete sie, während sie konzentriert nachdachte und dabei die glatte Stirn in Falten legte.
Ihre Gesichtszüge waren fein gemeißelt und sehr regelmäßig. Die Figur unter dem recht konservativen schwarzen Kleid verriet einen reifen und wohlproportionierten Körper mit üppigem Busen. Obwohl er die Beine nicht sehen konnte, war er davon überzeugt, daß sie der übrigen Figur entsprechen würden. Diese Frau brauchte sich nur eine andere Frisur zuzulegen, die Brille abzunehmen und ein modernes Kleid zu tragen, das ihre Figur mehr betonte statt sie zu verbergen … und dann würde sie jeden Mann von den Beinen bringen! Vor allem das Haar, das sie jetzt straff zurückgekämmt, in der Mitte gescheitelt und am Hinterkopf zu einem Dutt frisiert trug, müßte locker, lose und weich bis auf die Schultern herabfallen. Ihr Gesicht konnte nicht gerade als schön bezeichnet werden, wirkte aber doch recht gefällig.
Vielleicht — nur vielleicht — hatte er doch Glück … und dies war tatsächlich die Chef-Bibliothekarin.
Aber falls sie es wirklich sein sollte, dann würde er bei ihr noch viel vorsichtiger zu Werke gehen müssen, als er es an sich geplant hatte. Sie sah wesentlich intelligenter aus, als er vermutet hatte.
„Nun, Miß Reynolds …?” unternahm er einen Vorstoß. Sie blickte beinahe erschrocken zu ihm auf.
„Woher wissen Sie denn meinen Namen? Sie sind doch noch nie zuvor hier bei uns gewesen, sonst würde ich mich bestimmt an Sie erinnern.”
„Jemand hat mir gegenüber erwähnt, daß Sie hier in der Bibliothek arbeiten”, antwortete Ray geschickt. „Nun, haben Sie irgendwelche Bücher über dieses Thema?”
„Ehrlich gesagt … ich weiß es nicht. Eigentlich sollte ich es wissen, aber ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich es eben nicht weiß. Ich muß rasch einmal im Hauptkatalog nachsehen. Würden Sie bitte mitkommen?”
Er folgte ihr zu einem großen Karteischrank in einer Ecke. Sie bewegte sich sehr anmutig. Ihr strammer Hintern wippte sanft unter dem Kleid. Sie hatte wirklich sehr schöne, lange, schlanke Beine.
Ray verspürte plötzlich einen Anflug von Verlangen. Eine so ruhige, selbstsichere und tüchtige Frau hatte er bereits einmal gehabt. Sie war nach außenhin so still und streng gewesen, aber im Bett hatte sie sich als wilde, leidenschaftliche und höchst befriedigende Frau herausgestellt.
Man läßt sich als Mann eben immer wieder von dieser äußeren Ruhe täuschen, dachte Ray.
Während sie eine Schublade herauszog, trat Ray so dicht wie nur irgend möglich an sie heran.
Sie blätterte rasch in den Karteikarten.
Ihr Duft — eine Mischung aus Seife und dezentem Parfüm — stieg ihm in die Nase.
Vor knapp dreißig Minuten hatte er noch vorgehabt, Elizabeth Reynolds nur zu einem ganz bestimmten Zweck zu verführen, und er hatte daran gedacht wie an eine bittere Medizin, die man eben schlucken mußte.
Jetzt aber spürte er, wie das Blut schnell und heiß durch seine Lenden pulste.
Die unmittelbare Nähe dieser Frau ging ihm unter die Haut und machte ihm plötzlich schwer zu schaffen. Elizabeth Reynolds drückte den Schub wieder hinein und drehte sich nach Ray um. Ihre kühlen, grauen Augen zeigten einen bedauernden Ausdruck.
Das wird gar nicht so leicht sein mit ihr, dachte Ray. Zu smart, zu selbstsicher, zu kühl.
„Tut mir leid”, sagte sie. „Aber wir haben kein einziges Buch über dieses Thema. Sie könnten es jedoch mal in Swensons Buchhandlung versuchen.”
Ray war ja überhaupt nichts an Grapho-Analyse gelegen. Das hatte er doch nur benutzt, um eine Unterhaltung beginnen zu können. Es war nichts weiter als ein Vorwand gewesen. Nun versuchte er auf andere Art eine Annäherung. Irgendwie mußte es ihm doch gelingen, diese kühle Reserve zu durchbrechen.
„Sie sehen mich an, als hielten Sie mich für zu dumm, um etwas von diesem Thema zu verstehen”, sagte er.
Jetzt lief ihr Gesicht rosig an.
„Das tue ich ganz gewiß nicht!” protestierte sie. „Und Sie sehen auch alles andere als dumm aus! Tut mir leid, wenn ich diesen Eindruck erweckt habe.”
„Aber Sie haben mich recht eigenartig angesehen”, behauptete Ray. Jetzt hatte er sie in die Verteidigung gedrängt, so daß sie wohl nicht ganz so klar und scharf denken konnte wie sonst. „Und ich glaube, Sie sollten sich deswegen bei mir entschuldigen!” verlangte er forsch.
Das Rosa auf ihren Wangen vertiefte sich zu dunklem Rot.
„Das werde ich ganz gewiß nicht! Das ist doch absurd!” Ray hatte plötzlich sein charmantestes Lächeln parat.
„Wenn Sie sich schon nicht bei mir entschuldigen wollen, dann gönnen Sie mir wenigstens heute abend das Vergnügen Ihrer Gesellschaft beim Dinner. Was sagen Sie dazu, Miß Reynolds?”
Ihr Gesicht hellte sich plötzlich wieder auf und nahm seine normale Färbung an.
Ray beobachtete, wie sie noch einen Moment schwankte, aber dann verrieten ihre Augen, daß ihr gesunder Menschenverstand doch wieder über die Versuchung triumphierte.
„Tut mir leid”, sagte sie beinahe schroff. „Aber unsere Bibliothek ist wohl kaum der rechte Ort, um Verabredungen zu treffen.”
Sie drehte sich um und wollte gehen, aber Ray lehnte sich rasch an den Karteischrank und versperrte ihr so den Weg.
„Hören Sie …”, begann er in überredendstem Tonfall. „Ich bin erst zwei Tage in Ferris, und Sie sind die erste intelligente Frau, die ich hier getroffen habe, Miß Reynolds. Außerdem sind Sie schön, auch wenn Sie sich die allergrößte Mühe geben, diese Tatsache zu verbergen. Zum Teufel, warum eigentlich, Miß Reynolds? Ich würde wirklich sehr gern heute abend mit Ihnen zusammen essen.” Ray verstand es meisterhaft, seine Stimme aufrichtig klingen zu lassen.
Elizabeth biß sich auf die Unterlippe. Sie fühlte sich ganz offensichtlich geschmeichelt und musterte ihn einen Moment sehr forschend.
Ray spürte, daß sie einsam war, sehr einsam, aber er begriff auch, daß sein Annäherungsversuch doch etwas zu überstürzt war.
„Tut mir leid”, sagte sie schließlich. „Aber meine Antwort ist noch immer nein. Und ich werde es mir auch nicht anders überlegen, Mr. — — —”
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.