Kitabı oku: «Das Literatur-Quiz»

Yazı tipi:


Maximilian Hauptmann

Stefan Kutzenberger:

Das Literatur-Quiz

Alle Rechte vorbehalten

© 2019 edition a, Wien

www.edition-a.at

Cover: JaeHee Lee

Satz: Isabella Starowicz

ISBN 978-3-99001-354-0

E-Book-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

123 Tore zur Welt

In meiner Jugend hing ich eine Weile dem alten Traum nach, Rockstar zu werden und tingelte mit meiner Band durch die oberösterreichische Provinz. Eines Abends landeten wir nach einem Konzert auf dem Abschiedsfest einer Freundin des Veranstalters. Sie wollte bereits am nächsten Tag nach Wien übersiedeln, um dort Vergleichende Literaturwissenschaft zu studieren.

Die Worte Vergleichende Literaturwissenschaft klangen wie ein Sonnenaufgang für mich. So etwas gab es? Vergleichende Literaturwissenschaft, das hörte sich für mich nach unendlichen Lektüren an, nach in Rotwein ertränkten Diskussionen über die Güte geheimnisvoller Romane, nach einem Leben im Richtigen.

Ein Jahr später war es ich, der nach Wien aufbrach, und so begann das Abenteuer Literatur, mit allem, was ich mir davon erhofft hatte. Dazu gehörten auch neue Freundinnen und Freunde, mit denen ich in unerbittlichen Spielen Romane aus Bücherwänden zog. Wir lasen den ersten Satz des betreffenden Romans vor und die jeweils anderen mussten erraten, um welches Buch es sich handelte. Viele Nächte verbrachten wir mit dieser frühen Form eines Literaturquiz’.

1998 wechselte ich die Seiten und wurde vom Studenten der Literaturwissenschaft zum Lehrbeauftragten. Oft frage ich meine Studierenden, warum sie sich für dieses Studium entschieden haben. Die Antworten darauf haben sich in den letzten zwanzig Jahren stark verändert. Ende des vergangenen Jahrhunderts führte noch die Begeisterung für die Klassiker der Literaturgeschichte, für Goethe oder Thomas Mann, junge Menschen zur Literaturwissenschaft.

Einige Jahre später war ihre Motivation nicht mehr von so hohen bildungsbürgerlichen Maßstäben geprägt, sondern auffallend oft durch Harry Potter.

Ich fand das ganz in Ordnung, Literatur ist etwas Lebendiges und der Kanon der Werke, die »man gelesen haben muss«, verändert sich ständig. Doch heute, weitere zehn Jahre später, haben viele meiner Studentinnen und Studenten Harry Potter nur noch als Film gesehen, die Bücher dazu jedoch nicht gelesen. Auf meine Frage nach dem Motiv für ihr Studium bekomme ich heutzutage immer wieder eine Netflix-Serie genannt.

Es gibt zweifellos hervorragende Serien, die zumindest von ihrer epischen Anlage her an die großen Romane des 19. Jahrhunderts heranreichen und damit tatsächlich etwas Literarisches haben. Doch ich möchte nicht, um über Werke zu sprechen, die alle kennen, auf Netflix zurückgreifen müssen. Denn es ist das geschriebene Wort, das die umfassendsten Welten errichten, uns am tiefsten berühren und erschüttern kann. »Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn«, sagte Jorge Luis Borges, einer der Autoren, die mich am meisten geprägt haben. Durch diese Intimität des Austauschs von Gedanken und Gefühlen ist die Literatur jeder anderen Kunstform überlegen.

Unbestreitbar leben wir in einer Zeit des Kulturwandels. Dabei mag sich auch die Form wandeln, in der wir Geschichten konsumieren. Noch nie war es so einfach, so viele Geschichten per Knopfdruck auf den Bildschirm geliefert zu bekommen, wodurch sich auch neue Traditionen der Rezeption entwickelt haben. Wörter wie »Binge-Watching« oder »Serienmarathon« sind neu, da es die Möglichkeiten dazu früher einfach nicht gab. Es ist nur logisch, dass dadurch weniger Zeit für das Lesen bleibt.

Ich will es trotzdem nicht dabei bewenden lassen. Mit diesem Wandel geht auch ein Verlust einher. Denn was selbst die besten Serien können, kann Literatur schon lange! Und nicht nur das: Sie ist dabei einfühlsamer, präziser und mitreißender. Vor allem hält sie länger an und kann auf geheimnisvolle Weise Teil des ganz persönlichen Lebens werden.

Doch was konnte ich, als Lektor der Vergleichenden Literaturwissenschaften, schon unternehmen, um der wunderbaren Welt der Literatur den Rang zu bewahren, der ihr auch in einer digitalen Welt zusteht?

Immer, wenn ich glaube, unsere Kultur sei am Ende, kommen interessierte, belesene und kritische Studierende, die mich eines Besseren belehren. Einer dieser hochbegabten jungen Studenten, die nicht nur mein Vertrauen in die Jugend, sondern auch in die einmalige Kraft der Literatur stärken, ist Maximilian Hauptmann. Seit der ersten Vorlesung, die er bei mir besuchte, beeindruckte er mich mit seinem analytischen Geist und seiner unglaublichen Belesenheit.

Eines Tages sagte er mir, dass er in Sorge wäre über eine Gesellschaft, die nur noch niederschwellige Comedy-Programme konsumiert und auf die Lektüre und Werte der großen Literatur mehr und mehr verzichtet. Wir sollten etwas dafür tun, dass wieder mehr gelesen würde. »In einer Welt, in der mehr Menschen How I Met Your Mother kennen als Kafka, ist der Kulturverfall nicht weit«, meinte Maximilian. Er hatte Recht. Wir waren uns einig, dass diejenigen, die Serien sahen, egal wie gut diese auch sein mochten, den Zugang zur Welt der Literatur nicht verlieren durften. Lesen ist ein aktiver Akt und macht die Menschen phantasievoller, kritischer und dadurch auch schwerer zu manipulieren. Eine Welt, in der niemand mehr liest, ist eine Welt, die anfällig ist für Phänomene wie Populismus und Demagogie, Oberflächlichkeit und Narzissmus.

Kurz darauf entstand die Idee zum Kampf gegen den Kulturverlust mit diesem Quizbuch. Die Form der Frage mit den drei Antwortmöglichkeiten übernahmen wir kurzerhand von beliebten Fernsehshows ähnlichen Formats.

Vor unseren Bücherregalen stehend, in Bibliotheken und Kaffeehäusern sitzend, leidenschaftlich über Literatur redend, haben wir diese 123 Fragen formuliert, die bei Homer um 800 vor Christus beginnen und bei Game of Thrones enden. Zweifellos spiegeln sich in der Auswahl der Fragen einige unserer literarischen Vorlieben wieder, doch haben wir uns bemüht, das Feld so breit wie möglich zu halten.

Sie entdecken skurrile Begebenheiten aus Schriftstellerleben, erkunden fiktive Plätze, lernen imaginäre Personen kennen und erfahren von Rekorden und der Wirkungsmacht von Bestsellern. Durch das Mitraten sind Sie aktiv an dem Geschehen in diesem Buch beteiligt und erweitern durch die Erklärungen in den Auflösungen der Quizfragen spielerisch ihr Wissen.

Mögen Ihnen die Versuche, vorliegende Fragen zu beantworten, erstaunliche, witzige und unvergessliche Erkenntnisse bringen und der Beginn einer abenteuerlichen und niemals enden wollenden Reise in die Welt der Literatur bedeuten. Jede einzelne der 123 Fragen hat die Kraft, ein Tor zu einer Welt zu öffnen, die immer sehr viel größer sein wird, als es Netflix je sein kann.

Spielanleitung

Sie haben zwei Möglichkeiten, dieses Buch zu benützen. Sie können es zur Hand nehmen, wenn Sie allein sind, auf einer Zugfahrt oder am Strand zum Beispiel, und das Quiz mit sich selbst spielen. Sie überprüfen dabei Ihr Wissen über Literatur und frischen es auch gleich auf unterhaltsame Weise auf.

Hier erfahren Sie einiges darüber, wie die großen Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker dieser Welt gelebt, gedacht und geschrieben haben. Und Sie finden heraus, wie Literatur uns als Gesellschaft, Kulturkreis und Individuen schon immer geprägt hat und weiterhin prägt.

Jeder Frage ist eine bestimmte Punkteanzahl zugeordnet.


Leichte Frage
Mittlere Frage
Schwere Frage

Gewinner, das steht fest, sind Sie dabei auf jeden Fall, weil Sie nach der Lektüre jede Menge Stoff für geistreichen Smalltalk haben.

Sie können das Buch außerdem als Gesellschaftsspiel verwenden. Dafür gehen Sie die Fragen der Reihe nach durch. Wer am Ende am meisten Punkte hat, gewinnt.

Insgesamt sind 285 Punkte zu erreichen.

Viel Vergnügen!

Klassiker

Welches Werk gilt im deutschen Sprachraum als erster Krimi?


a) Johann Wolfgang von Goethes »Die Mitschuldigen«

b) E.T.A. Hoffmanns »Das Fräulein von Scuderi«

c) Friedrich Glausers »Wachtmeister Studer«

Dichterin, 73, jagt Serienmörder

Antwort b) Hauptfigur in der Novelle Das Fräulein von Scuderi des Romantikdichters E.T.A. Hoffmann (1776 bis 1822) ist eine 73-jährige, hoch respektierte Dichterin am Hof von König Ludwig XIV. Als im Paris des Jahres 1860 ein Serienmörder sein Unwesen treibt, fängt Fräulein Madeleine von Scuderi in Eigeninitiative zu ermitteln an. Sie stellt fest, dass alle Morde dem gleichen Muster folgen: Die Opfer sind immer adelige Männer. Ihr Mörder passt sie ab, während sie auf dem Weg zu ihren Geliebten sind, denen sie wertvolle Armbänder und Ketten schenken wollen. Er tötet sie mit einem Dolchstich ins Herz und stiehlt den Schmuck.

Hoffmanns Novelle gilt als erster deutschsprachiger Krimi. Zwischen 1919 und 1976 entstanden auf Basis der Erzählung sechs Filme.

Auch in der Psychologie hat das Fräulein von Scuderi Spuren hinterlassen. Als Täter stellt sich in der Novelle am Ende der Goldschmied Cardillac heraus, der die gestohlenen Schmuckstücke selbst hergestellt hat. Er verkraftet die Vorstellung nicht, dass jemand anderer seinen Schmuck trägt. Sein Dilemma: Er musste ihn verkaufen, um Geld zu verdienen. Deshalb tötet er kurzerhand die Käufer und holt sich seinen Schmuck wieder zurück. Wenn Psychologen heute vom Cardillac-Syndrom sprechen, dann meinen sie die Unfähigkeit von Künstlern, sich von ihrem Werk zu trennen. Ein Grund für dieses Verhalten: Für Künstler stellen ihre Werke einen Teil ihrer Identität dar.

Orte und Figuren

Wer besucht Ebenezer Scrooge, die Hauptfigur in der Erzählung »A Christmas Carol« (Eine Weihnachtsgeschichte) von Charles Dickens (1812 bis 1870)?


a) Die Geister der Wahrheit

b) Der Geist seines verstorbenen Vaters

c) Die Geister der Weihnacht

Verwandlung zu Weihnachten

Antwort: c) A Christmas Carol, eine der bekanntesten Erzählungen von Charles Dickens, erschien am 19. Dezember 1843. Der alte, geizige Geldverleiher Ebenezer Scrooge bekommt in der Vorweihnachtsnacht Besuch von seinem verstorbenen Teilhaber und dann von drei weiteren Geistern. Der »Geist der vergangenen Weihnacht« zeigt ihm, wie ihn seine Familie als Kind verstoßen hatte und er Weihnachten alleine verbringen musste. Der »Geist der diesjährigen Weihnacht« bringt Scrooge zur Familie seines Angestellten: Dessen Sohn Tim ist sterbenskrank. Trotzdem feiern alle ein schönes Weihnachtsfest und stoßen sogar auf den geizigen Arbeitgeber an. Der »Geist der zukünftigen Weihnacht« führt Scrooge schließlich seinen eigenen Tod vor Augen. Er muss sehen, dass ihm kein Mensch nachtrauert. Am nächsten Tag ist Scrooge wie verwandelt und voller guter Vorsätze. Er lacht und beschenkt seine Familie und Angestellten. Mit dieser sozialkritischen Erzählung wollte Dickens allgegenwärtige Missstände im England des 19. Jahrhunderts anprangern.

Schriftstellerleben

Welcher berühmte deutsche Autor ging mit einem Tuchgeschäft pleite?


a) Heinrich Heine

b) Hermann Hesse

c) Clemens Brentano

Die kuriose Firmengeschichte von »Harry Heine & Comp.«

Antwort: a) Heinrich Heine kam 1797 als ältestes von vier Kindern des Tuchhändlers Samson Heine zur Welt. 1814 verließ er das Lyzeum ohne Abschluss, weil er gemäß der Familientradition an der Handelsschule eine Ausbildung für einen kaufmännischen Beruf absolvieren sollte. Zunächst arbeitete Heine als Volontär bei einem Frankfurter Bankier und dann im Hamburger Bankhaus seines vermögenden Onkels Salomon Heine. Der bemerkte allerdings bald Heines mangelnde Begeisterung für Geldgeschäfte und wollte dem jungen Mann einen Ansporn bieten. Er gründete für ihn das Tuchgeschäft »Harry Heine & Comp.«, das bereits nach einem Jahr, 1819, pleite ging, weil Heine schon damals nur für die Dichtkunst brannte. Salomon Heine unterstütze seinen Neffen weiterhin, aber offenbar mit wenig Überzeugung. »Hätt’ er gelernt was Rechtes, müsst er nicht schreiben Bücher«, soll er gesagt haben. Heine blieb sowohl als Autor als auch als Mensch sein Leben lang Außenseiter. Heute zählt er zu den bekanntesten deutschen Dichtern und Journalisten seines Jahrhunderts.

Klassiker

Jack Kerouac gilt als einer der einflussreichsten Schriftsteller Amerikas. Mit seinem Roman »Unterwegs« (»On the Road«) schrieb er das Reise-Buch schlechthin. Was für eine besondere Geschichte gibt es zur Entstehung dieses Werkes?


a) Kerouac schrieb das gesamte Manuskript in drei Nächten

b) Kerouac schrieb das ganze Manuskript auf einer etwa 36 Meter langen Schriftrolle

c) Kerouac orientierte seinen Stil an klassischer Musik

Seitenlange Sätze der Weltliteratur

Antwort: b) Jack Kerouac (1922 bis 1969) reiste zwischen 1947 und 1950 zusammen mit seinem Freund Neal Cassady und fast ohne Geld per Autostopp durch die USA. Als er von seinen Reisen zurückkehrte, wollte er seine Erlebnisse verarbeiten, wusste jedoch nicht, wie. Kein Stil schien seinen Abenteuern und Erfahrungen gerecht zu werden – bis er eines Tages einen Brief von Cassady erhielt. Darin schrieb dieser ohne Absatz und in Sätzen, die sich oft über eine ganze Seite erstreckten, in mehr als tausend Wörtern über ihre Reise. Kerouac wusste, dass er seine Erlebnisse nur in dieser Form niederschreiben konnte. Dafür heftete er so viele Seiten Papier aneinander, dass eine etwa 36 Meter lange Schriftrolle entstand. Kerouac spannte sie in seine Schreibmaschine und begann mit der Arbeit. Durch die zusammengehefteten Seiten entwickelte Kerouac einen hypnotischen Schreibfluss, da er keine Blätter wechseln musste und ihn nichts vom Schreiben ablenkte. Beeinflusst vom wilden und experimentellen Stil des Jazz schrieb Kerouac so mit Unterwegs den Roman seiner Generation.

Sein Schreibstil kam allerdings nicht bei allen gut an. Der Autor Truman Capote sagte über Kerouac: »Das ist kein Schreiben, das ist Tippen.«

Der Geschäftsmann Jim Irsay ersteigerte die originale Schriftrolle 2001 für etwa 2 Millionen Dollar.

Zitate

Wie lautet der letzte Satz von Voltaires philosophischer Novelle »Candide«?


a) Wir leben in der besten aller Welten.

b) Man muss seinen Garten bebauen.

c) Denn sie wissen nicht, was sie tun.

Wo die Veränderung der Welt beginnt

Antwort: b) Candide oder der Optimismus ist eine 1759 erschienene satirische Novelle des Philosophen Voltaire, in welcher sich dieser gegen die optimistische Weltanschauung von Gottfried Wilhelm Leibniz wendet. Dieser meinte, wir lebten in der besten aller möglichen Welten. Voltaire selbst kann die Welt allerdings nur skeptisch und pessimistisch betrachten und verspottet mit beißendem Humor die Utopie eines sorglosen Lebens.

Trotz des pessimistischen Grundtons ist Candide ein kraftvoller und inspirierender Appell zur Aktivität. Dieser gipfelt im letzten Satz des Buches in der Feststellung: »Man muss seinen Garten bebauen.« Die Aufforderung, mit der Veränderung der Welt bei sich selbst zu beginnen, hat an Gültigkeit bis heute nichts verloren.

Rund zweihundert Jahre später fragte sich der französische Dichter Paul Valéry, was Voltaire zur Existenz der Atombombe gesagt hätte. Er kam zu dem Ergebnis, dass jener offenkundig zur Erkenntnis gelangt wäre: »Denn sie wissen nicht, was sie tun.«

Aus der Welt der Literatur

Georges Perec (1936 bis 1982) schrieb mit »Anton Voyls Fortgang« (im Original »La Disparition«) einen ganz besonderen Roman. Warum?


a) Er verzichtete auf den Buchstaben »e«

b) Der Roman besteht aus einem einzigen langen Satz

c) Der Roman ist in drei verschiedenen Sprachen geschrieben, die sich abwechseln

Kreativität, die Grenzen braucht

Antwort: a) Georges Perec gehörte zur Gruppe Oulipo. Die einzelnen Buchstaben stehen für L’Ouvroir de Littérature Potentielle, was auf Deutsch »Werkstatt für Potentielle Literatur« heißt. Ihre Mitglieder nahmen sich vor, die Literatur zu erweitern, indem sie sich selbst Grenzen setzten und diese dann kreativ einhalten mussten. Sie selbst nannten das »Spracherweiterung durch formale Zwänge«. Diese Idee brachte Perec dazu, 1969 den Roman Anton Voyls Fortgang zu schreiben. Perec setzte sich ein scheinbar unerreichbares Ziel: Er wollte sein Buch ohne den Buchstaben »e« verfassen, obwohl »e« der meistgebrauchte Buchstabe der französischen Sprache ist. Doch es gelang ihm. Dadurch bewies er, dass ein Schriftsteller gerade innerhalb engster Grenzen eine besondere Kreativität entwickeln kann. Dem Übersetzer Eugen Helmlé gelang der Kraftakt, das Werk ins Deutsche zu übersetzen, wo der Buchstabe »e« ebenso der häufigste ist. Die spanische Übersetzung verzichtet dagegen auf den häufigsten Buchstaben in ihrer Sprache, nämlich das »a«.

Klassiker

Der Tausend-Seiten-Roman »Ulysses« von James Joyce spielt in Dublin an einem einzigen Tag, dem 16. Juni 1904. Dieser Tag wird mittlerweile weltweit als Bloomsday gefeiert, benannt nach Leopold Bloom, der Hauptfigur des Buches. Warum aber wählte Joyce gerade dieses Datum?


a) Der Sterbetag seiner Mutter

b) Das erste Date mit seiner Frau

c) Der Geburtstag seines Sohns Stanislaus

Liebe auf den ersten Blick

Antwort: b) Am 16. Juni führte James Joyce (1882 bis 1941) seine spätere Frau Nora Barnacle zum ersten Mal aus. Kennengelernt haben sich die beiden sechs Tage zuvor, am 10. Juni – und zumindest auf Seiten von James Joyce war es Liebe auf den ersten Blick. Er bat sie sofort um ein weiteres Treffen, Nora Barnacle sagte auch zu, erschien jedoch nicht. Er hinterlegte in »Finn’s Hotel«, in dem sie als Zimmermädchen arbeitete, einen Brief. Darin fragte er sie erneut um ein Rendezvous. Am 16. Juni unternahmen sie schließlich einen gemeinsamen Spaziergang. Wahrscheinlich blieb es nicht nur beim Spazieren, denn Nora Barnacle, die Ulysses übrigens nie gelesen hat, soll später gesagt haben: »Das war der Tag, an dem ich einen Mann aus Jim gemacht habe!«

Seit 1954 wird der Bloomsday jährlich am 16. Juni gefeiert. Liebhaber des Buches treffen sich an diesem Tag an ganz bestimmten Orten in Dublin. Und zwar an jenen, die von Leopold Bloom im Roman besucht werden. Einer dieser Plätze ist beispielsweise der James-Joyce-Turm, der an der Küste Dublins liegt und vor dem die erste Szene des Romans spielt.

Schriftstellerleben

Er gewann den Pulitzer-Preis, war mit Marilyn Monroe verheiratet und litt als Kommunist in Amerika unter politischen Repressionen. Wer ist gesucht?


a) Arthur Miller

b) Tennessee Williams

c) Thornton Wilder

Harte Kritik am amerikanischen Traum

Antwort: a) Arthur Miller (1915 bis 2005) schrieb 1949, gerade mal 33 Jahre alt, das Theaterstück Tod eines Handlungsreisenden, das bis heute zu einem der meistgespielten Stücke überhaupt zählt. Das Drama, mit dem Miller den Pulitzer-Preis gewann, erzählt von dem Handlungsreisenden Willy Lorman, der dem American Dream nachhängt und glaubt, dass mit harter Arbeit allein jeder reich werden kann. Während er versucht, als Handlungsreisender Karriere zu machen, gerät sein Leben immer mehr außer Kontrolle. Statt eines Vermögens häuft er Schulden an. Er entfremdet sich von seinem Sohn und seiner Ehefrau und verfällt in Wahnvorstellungen. Am Ende nimmt er sich das Leben. Er täuscht dabei einen Autounfall vor, um seine Familie durch seine Lebensversicherung aus den Schulden zu befreien.

Diese harte Kritik am American Dream und dem kapitalistischen System des damaligen Präsidenten Joseph McCarthy machte Miller zum Ziel der Behörden. Er kam auf die rote Liste, auf der jene Künstler standen, denen die Regierung eine Nähe zum Kommunismus unterstellte. Für den Autor bedeutete das Repressionen und Zensur.

1956 heiratete Arthur Miller Marilyn Monroe. Für Miller konvertierte Monroe zum Judentum. Sie zog sogar in Erwägung, für ihn ihre Karriere als Schauspielerin aufzugeben. Dazu kam es allerdings nicht. Im Gegenteil, Miller schrieb eigens für seine Ehefrau das Drehbuch zu der Komödie Misfits – Nicht gesellschaftsfähig. Doch bei den Dreharbeiten kam es zu Streitereien. Die beiden trennten sich 1961, Monroe starb ein Jahr später an einer Überdosis Schlafmittel.

Zahlen, Rekorde, Preise

Wer bekam mit dieser Begründung den Nobelpreis verliehen: »für ihre literarische Darstellung einer wichtigen Seite der US-amerikanischen Gesellschaft durch visionäre Kraft und poetische Prägnanz«?


a) Toni Morrison

b) Nadine Gordimer

c) Doris Lessing

Sehr blaue Augen

Antwort: a) 2007 ging der Nobelpreis an die britische Autorin Doris Lessing (1919 bis 2013), »der Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat«. Das berühmteste Werk der Autorin, die in Persien und Simbabwe aufwuchs, ist Das goldene Notizbuch.

Die südafrikanische Autorin Nadine Gordimer (1923 bis 2014) erhielt den Preis 1991 für »ihre epische Dichtung, die der Menschheit einen großen Nutzen erwiesen hat«, wie die schwedische Akademie schrieb. In Werken wie Der Besitzer oder Keine Zeit wie diese setzt sie sich kritisch mit dem Apartheid-Regime in Südafrika auseinander.

Die afroamerikanische Schriftstellerin Toni Morrison (1931 bis 2019) bekam den Preis 1993, unter anderem »für ihre literarische Darstellung einer wichtigen Seite der US-amerikanischen Gesellschaft durch visionäre Kraft und poetische Prägnanz.« In Werken wie Sehr blaue Augen, Gnade oder Menschenkind beschäftigt sie sich mit dem tief verwurzelten Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft.

Schriftstellerleben

Welcher dieser Dichter war nicht blind?


a) Homer

b) John Milton

c) Jorge Luis Borges

Was Menschen nicht sehen

Antwort: a) John Milton (1608 bis 1674) schrieb mit Paradise Lost eines der bedeutendsten englischen Gedichte überhaupt. Fast wäre er einer politischen Revolution zum Opfer gefallen, als das Herrscherhaus der Stuarts die englische Republik auflöste und sich die Krone sicherte. Milton, der mit politischen Schriften für die Republik eintrat, ließen die Stuarts nur deswegen am Leben, weil er nach seinem vollständigen Erblinden viel an Einfluss verlor und sich aus dem politischen Leben zurückzog, um sich ganz der Kunst zu widmen. In den folgenden Jahren schrieb er Paradise Lost, in dem es um den Höllensturz Satans und den Sündenfall Adam und Evas geht.

Der Argentinier Jorges Luis Borges (1899 bis 1986) hatte einen erheblichen Einfluss auf die Literatur des 20. Jahrhunderts. Aufgrund einer vererbten Krankheit erblindete er, was ihn jedoch nicht davon abhielt, weiterhin literarisch tätig zu sein, indem er seine Werke diktierte.

Über Homer, mit seinen Werken Illias und Odyssee Urvater der abendländischen Dichtung, ist nicht viel bekannt. Antike Quellen beschreiben ihn als blinden Wandersänger. Die Blindheit dürfte aber als Metapher zu verstehen sein, da Homer in seiner Dichtung das Wirken der Götter beschrieb, das normale Menschen nicht sehen konnten.

Zahlen, Rekorde, Preise

Der Prix Goncourt ist der bedeutendste Literaturpreis Frankreichs. Wie hoch ist das Preisgeld?


a) Es gibt kein Preisgeld

b) 10 Euro

c) 10.000 Euro

Viel Ehre, wenig Geld

Antwort: b) Der Prix Goncourt geht auf die beiden Brüder, Schriftsteller und Literaturkritiker Edmond und Jules de Goncourt zurück. Bevor Edmond 1896 starb, legte er in seinem Testament fest, dass dieser Preis sein Erbe an die französische Literaturwelt sein sollte. Seit 1904 wird der renommierte Preis von einer zehnköpfigen Jury an den besten französischsprachigen Roman des Jahres vergeben. Das Preisgeld ist mit 10 Euro gering, doch aufgrund der Bekanntheit des Preises ist dem Sieger ein Platz auf den Bestsellerlisten garantiert. Mittlerweile gibt es Preise für den besten Roman, die beste Biografie, den besten Debütroman, die beste Kurzgeschichte und einen Preis für das Gesamtwerk eines Dichters oder einer Dichterin. Berühmte Preisträger und Preisträgerinnen sind etwa Marcel Proust, Simone de Beauvoir, Patrick Modiano, Marie N’Diaye und Michel Houellebecq.

Aus der Welt der Literatur

Friedrich Schiller benötigte für seine dichterische Arbeit unbedingt…


a) Den Geruch fauler Äpfel

b) Ein Bett, da er nur im Liegen schreiben konnte

c) Eine Pfeife

Der seltsame Inhalt einer Schreibtischlade

Antwort: a) Der amerikanische Autor Truman Capote schrieb viele seiner Werke im Liegen, mit der Schreibmaschine auf den Knien. Er soll gesagt haben: »Ich kann nicht denken, wenn ich mich nicht hinlege.«

Der Philosoph Immanuel Kant hatte sich die Regel auferlegt, täglich nur eine Pfeife zu rauchen, wobei die Pfeifenköpfe im Laufe seines Lebens immer größer wurden.

Friedrich Schiller konnte ohne den Geruch alter, faulender Äpfel nicht arbeiten. Johann Wolfgang von Goethe berichtete, dass er eines Tages seinen Freund Schiller besuchen wollte, dieser aber nicht zuhause war. So setzte er sich an dessen Schreibtisch, um ein paar Notizen zu machen. Plötzlich wurde ihm übel und er war kurz davor, in Ohnmacht zu fallen. Der Grund: Ein »sehr fataler Geruch« strömte aus einer der Schubladen. Diese hatte Schiller bis oben hin mit verfaulten Äpfeln gefüllt. Schillers Frau erzählte Goethe, dass Schiller ohne den Geruch nicht schreiben konnte. Was genau ihn an dem eigenwilligen Duft so inspirierte, ist unklar. Womöglich dachte Schiller, der Geruch würde seinen erkrankten Atemwegen helfen.

Schriftstellerleben

Über einen der großen Dichter des Mittelalters ist nicht mehr bekannt als die Kosten eines Pelzmantels, den er trug. Einige Forscher schreiben ihm das Nibelungenlied zu. Wer ist gesucht?


a) Wolfram von Eschenbach

b) Gottfried von Straßburg

c) Walther von der Vogelweide

Geschätzt vom Bischof

Antwort: c) Forscher, die sich mit dem Leben des Dichters Walther von der Vogelweide (etwa 1170 bis 1230) beschäftigen, haben es schwer. Bei ihrer Arbeit können sie nur mit Informationen arbeiten, die sich in seinen Werken finden oder die Dichterkollegen über den Minnesänger niedergeschrieben haben. In beiden Fällen ist es schwierig, zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden, schließlich sind Dichter dafür bekannt, ihr Leben poetisch zu überhöhen.

Das einzige gesicherte Faktum über Walther von der Vogelweide steht in einer Reisekostenabrechnung des Passauer Bischofs Wolfger von Erla vom 12. November 1203. »Walther, dem Sänger aus Vogelweide, für einen Pelzmantel fünf Schilling«, vermerkte der Geistliche auf Latein. Daraus lässt sich immerhin auf die soziale Stellung des Dichters und Minnesängers schließen. Der Bischof behandelte ihn ebenso gut wie seine engeren Mitarbeiter, die zu Beginn der kalten Jahreszeit ebenfalls Pelzmäntel im gleichen Wert erhielten. Der Bischof von Erla gilt auch als Auftraggeber des Nibelungenlieds, in dem es um Sigfried und den Nibelungenschatz geht. Daher vermuten einige Forscher Walther von der Vogelweide hinter diesem Werk, bewiesen ist das jedoch nicht.

Walther von der Vogelweide, der in mittelhochdeutscher Sprache schrieb, gilt als bedeutendster deutschsprachiger Dichter des Mittelalters.

Klassiker

Die Veröffentlichung von »Madame Bovary« brachte Gustave Flaubert 1856 eine Anzeige ein wegen …


a) Verletzung der öffentlichen Moral und Religion

b) Expliziter Darstellung von Selbstmord

c) Plagiarismus

Eine moralisch fragwürdige Geschichte

Antwort: a) Mit Madame Bovary veränderte der Franzose Gustave Flaubert (1821 bis 1880) die Gattung des Romans nachhaltig und legte einen Grundstein für die Literatur der Moderne. Die Geschichte handelt von Emma Bovary, die den Landarzt Charles heiratet. Emma, die Unmengen Literatur verschlingt und in ihren Büchern lebt, erhofft sich ein aufregendes Leben – doch der Alltag an der Seite des Landarztes stellt sich als langweilig heraus. Immer mehr flüchtet sich Emma in ihre Bücher und überträgt deren Inhalte auf ihr Leben. Sie geht Affären ein, verschuldet sich und begeht schlussendlich Selbstmord. Doch nicht nur der Plot des Romans ist drastisch, sondern auch seine Form: Flaubert fungiert als völlig neutraler Erzähler. Zu dieser Zeit war es üblich, bei moralisch fragwürdigen Geschichten wie dieser, den Leser darauf hinzuweisen, was (nach geltenden Maßstäben) gut und was schlecht sei. Flaubert erzählte jedoch eine Geschichte, die für alle tragisch endet, und enthielt sich jeder Wertung. Dafür machte ihm die französische Zensur den Prozess. Zu seiner Verteidigung zitierte er einen seiner Briefe: »Der Autor muss in seinem Werk wie Gott im Universum sein, überall anwesend und nirgends sichtbar.« Er gewann den Prozess und setzte somit neue Maßstäbe für die künstlerische Freiheit im Frankreich des 19. Jahrhunderts.

Schriftstellerleben

Werke wie »Faust« oder »Der junge Werther« von Johann Wolfgang von Goethe zählen zu den bedeutendsten Werken der deutschen Literatur. Was hielt der Meister jedoch selbst für seine größte Errungenschaft?


a) Seine politische Karriere am Hof von Weimar

b) Sein naturwissenschaftliches Werk »Zur Farbenlehre«

c) Sein Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion, überreicht von Napoleon

Falsche Überlegungen

Antwort: b) Weder sein Amt als Finanzminister am Hof von Weimar, noch das Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion, das ihm Napoleon verlieh, waren Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) so wichtig wie seine Farbenlehre. Über dieses Werk, das 1810 erschien, schreibt Goethe in einem Brief: »Auf alles, was ich als Poet geleistet habe, bilde ich mir gar nichts ein. Daß ich aber in meinem Jahrhundert in der schwierigen Wissenschaft der Farbenlehre der einzige bin, der das Rechte weiß, darauf tue ich mir etwas zugute.«

In diesem Werk will Goethe eine der großen wissenschaftlichen Fragen seiner Zeit beantworten: Wie entstehen Farben? Ein Jahrhundert zuvor hatte der berühmte Physiker Sir Isaac Newton bewiesen, dass sich weißes Licht aus farbigen Lichtern zusammensetzt. Goethe schien dies unmöglich. Er entwickelte deshalb eine eigene Theorie, in der weißes Licht rein ist und sich Farben aus einem Zusammenspiel von Licht und Finsternis ergeben. Die Farbenlehre ist interessant, weil sie uns einen Einblick in das Naturverständnis des großen Dichters erlaubt. Doch naturwissenschaftlich ist das Werk irrelevant. Bereits sehr bald nach dem Erscheinen war sich die wissenschaftliche Gemeinde einig: Goethe lag in seinen physikalischen Überlegungen über die Farben völlig falsch.

Klassiker

»Krieg und Frieden« (1869) von Leo Tolstoi ist einer der großen Klassiker der Weltliteratur. Doch um welchen Krieg geht es eigentlich?


a) Den Ersten Weltkrieg

b) Die Napoleonischen Kriege

c) Den Russischen Bürgerkrieg

Leben und Lieben im Ausnahmezustand

Antwort: b) Im Zentrum von Leo Tolstois (1828 bis 1910) großem Roman stehen die glücklichen und unglücklichen Liebesbeziehungen der russischen Aristokratie. Die Napoleonischen Kriege gegen Russland stellen die historische Kulisse dar. So gut wie jeder Protagonist wird mit den Expansionsbestrebungen von Napoleon Bonaparte konfrontiert. Der Roman umfasst die Zeit vom Höhepunkt Napoleons Macht um 1807 bis zu seiner großen Niederlage im Russlandfeldzug 1812.

Doch nicht nur die unzähligen Charaktere und die detailreichen Schilderungen der russischen Aristokratie machen Tolstois Werk bis heute so faszinierend. Die Geschichte handelt von einer Zeit im Ausnahmezustand, äußerlich durch den Krieg, den Napoleon über Europa brachte, innerlich durch die komplizierten Gefühle und Liebesbeziehungen der Protagonisten.

Orte und Figuren

In welcher fiktiven Stadt lässt Gabriel García Márquez (1927 bis 2014) einige seiner berühmtesten Werke spielen?


a) Santa María

b) Yoknapatawpha

c) Macondo

Einer der berühmtesten erfundenen Orte der Weltliteratur

Antwort: c) Manche Schriftsteller gehen in ihren Werken so weit, ganze Orte zu erfinden, in denen sie ihre Geschichten ansiedeln. Während Santa María die erschriebene Fantasiestadt des uruguayischen Schriftstellers Carlos Onetti ist und Yoknapatawpha County der fiktive Schauplatz der meisten Romane und Erzählungen des Literaturnobelpreisträgers William Faulkner, erfand Gabriel García Márquez das Städtchen Macondo. Als Vorbild dafür diente ihm seine Geburtsstadt Aracataca im Norden Kolumbiens. 2006 gab es sogar ein Referendum über die Frage, ob sie nicht in Macondo umbenannt werden sollte, um den Tourismus anzukurbeln. Das Referendum scheiterte allerdings an mangelnder Wahlbeteiligung, sodass Macondo ein fiktiver Schauplatz bleibt, wenngleich auch einer der berühmtesten erfundenen Orte der Weltliteratur. Hier spielen nicht nur der Nobelpreisroman Hundert Jahre Einsamkeit, sondern auch andere Werke García Márquez’, etwa Das Leichenbegräbnis der Großen Mama, Laubsturm, Die böse Stunde oder Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt.

Schriftstellerleben

1816 ging in Amerika und Europa als »Jahr ohne Sommer« in die Geschichte ein. Der Grund: Der Vulkan Tambora war ausgebrochen und brachte eine unglaubliche Kälte. Das schlechte Wetter veranlasste die Gäste des englischen Dichters und Freiheitskämpfers Lord Byron, am Genfersee Schauergeschichten zu schreiben. Welches weltbekannte Buch entstand dabei?


a) Bram Stokers »Dracula«

b) Mary Shelleys »Frankenstein«

c) Robert Louis Stevensons »Dr. Jekyll & Mr. Hyde«

Gruselgeschichten eines Regentages

Antwort: b) Es war eine illustre Runde, die den Sommer 1816 am verregneten Genfersee verbrachte und die englische Klatschpresse beschäftigte: der Schriftsteller und Adelige Lord Byron, dessen Leibarzt John Polidori, Mary Shelley (damals noch Godwin), ihr zukünftiger Ehemann Percy Bysshe Shelley und ihre Stiefschwester Claire Clairmont. Nachdem der Regen sie im Haus einschloss, beschlossen sie, Gruselgeschichten zu schreiben und sich diese gegenseitig vorzutragen. John Polidori erfand bei dieser Gelegenheit mit The Vampyre das Genre des Vampirromans. Der elegante Untote, den Polidori schuf, sollte zum Vorbild aller nachfolgenden Vampirgeschichten werden. Mary Shelley schrieb allerdings den größten Erfolg, einen der weltweit bekanntesten Romane überhaupt: Frankenstein oder Der moderne Prometheus, der 1818 erschien. Sie erzählt darin die Geschichte des Schweizer Wissenschaftlers Viktor Frankenstein, der einen künstlichen Menschen erschafft. Der Roman hat bis heute großen Einfluss auf die Literatur und Populärkultur.

Klassiker

Der britische Schriftsteller Oscar Wilde schrieb seinen einzigen Roman über den Dandy Dorian Gray, der ewige Jugend genießt. Was ist dafür verantwortlich?


a) Ein Buch

b) Eine Fotografie

c) Ein Porträt

Die seltsame Macht eines Kunstwerks

Antwort: c) Oscar Wilde (1854 bis 1900) ist vor allem für seine Theaterstücke berühmt, doch auch sein einziger Roman erreichte ein breites Publikum: Das Bildnis des Dorian Gray, erschienen 1890. Dorian Gray ist ein bildschöner Jüngling, der von dem älteren Lebemann Lord Henry in das rauschhafte Londoner Nachtleben eingeführt wird. Ein mysteriöses Porträt von Dorian lässt die hedonistischen Exzesse spurlos an ihm vorübergehen. Er selbst altert nicht, dafür aber sein Bild. Und auch sonst bleibt sein Körper von Verletzungen verschont. Welche seltsame Macht das Kunstwerk umgibt, bleibt den ganzen Roman über ein Geheimnis. Doch Dorian ahnt: In diesem Portrait steckt seine Seele.

Wilde stellt in seinem Werk aktuelle Fragen: Sollte Vergnügen das oberste Ziel sein? Und was macht das Streben nach Lust aus einem Menschen?

Oscar Wilde selbst gilt als Prototyp des britischen Dandys. Seine Kleidung war extravagant, seine Rhetorik geschliffen und sein Sarkasmus gefürchtet. Der Autor führte ein hedonistisches Leben, das die Regierung im viktorianischen England allerdings nicht duldete. Wegen des Vorwurfs der Homosexualität landete er 1895 für zwei Jahre im Zuchthaus. Von den unmenschlichen Bedingungen gezeichnet, verließ er nach seiner Entlassung England und ging nach Frankreich. Dort starb er drei Jahre später, 1900, in Isolation und Armut.

Zitate

Welches dieser Zitate stammt NICHT von Johann Wolfgang von Goethe?


a) Aus den Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.

b) Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!

c) Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.

Worte, die der Kuckuck bringt

Antwort: a) Das berühmte »Götz-Zitat« »er kann mich im Arsche lecken!« steht tatsächlich im Götz von Berlichingen, Goethes 1774 uraufgeführtes Schauspiel, in dem ihm als Vorbild für seine Hauptfigur der fränkisch-schwäbische Reichsritter Gottfried »Götz« von Berlichingen zu Hornburg (genannt »mit der Eisernen Hand«) diente.

Die Lebensempfehlungen über kleine Lieder, gute Gedichte, treffliche Gemälde und vernünftige Worte gab Goethe in seinem wegweisenden Entwicklungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre, erschienen 1795/96.

Nicht geäußert hat er sich über die Steine auf dem Weg, aus denen sich etwas Schönes bauen ließe. Dennoch scheint der Dichterfürst oft als Quelle dieses Sprichwortes auf. Anscheinend schrieb es ihm als erster der FDP-Abgeordnete Klaus Beckmann zu, und zwar 1986 im Deutschen Bundestag während einer verkehrspolitischen Debatte über die Einführung der Parkkralle.

Noch öfter als Goethe wird, ebenso fälschlich, Erich Kästner als Quelle des Sprichwortes genannt. Die Zitatforschung spricht in solchen Fällen von »Kuckucks-Zitaten«. Von wem das Sprichwort ursprünglich stammt, ist nicht bekannt.

Schriftstellerleben

Wie alt war Daniel Defoe, als er seinen ersten Roman »The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe« (»Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe«) schrieb?


a) 19 Jahre

b) 39 Jahre

c) 59 Jahre

Spätstart eines großen Romanciers

Antwort: c) Daniel Defoe, der eigentlich als Daniel Foe zur Welt kam, hatte bei Erscheinen seines Welterfolges bereits ein ereignisreiches Leben hinter sich. 1665, im Alter von fünf Jahren, überlebte er die Pest, ein Jahr später den großen Brand von London, der vier Fünftel der Stadt zerstörte. Als er zehn Jahre alt war, starb seine Mutter. Während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen England und Frankreich verlor er als ohnedies nicht besonders erfolgreicher Kaufmann mehrere Schiffsladungen Ware und musste Bankrott anmelden. 1701 feierte er einen ersten literarischen Erfolg mit einem Gedicht, in dem er für Toleranz gegenüber nationalen und religiösen Minderheiten eintrat. Ein Jahr später griff er die anglikanische Kirche für deren Intoleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen an und musste ins Gefängnis. Das und die damit einhergehende Geldstrafe ruinierten ihn erneut finanziell.

Doch Defoe bewies, dass sich Ausdauer lohnt: Am 6. Mai 1719, im Alter von 59 Jahren, veröffentlichte Defoe seinen ersten Roman, zu dem ihn die Geschichte des Seemanns Alexander Selkirk inspirierte. Dieser war auf einer Insel vor der chilenischen Küste zurückgeblieben und hatte dort mehr als vier Jahre verbracht. Der Held in Defoes Buch ist sogar 28 Jahre abseits der Zivilisation gestrandet. In Anlehnung an sein Werk entstand der Begriff »Robinsonade«: Das ist ein Text, der einen ausgesetzten Abenteurer auf einer verlassenen Insel zum Thema hat.

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Yaş sınırı:
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124 s. 8 illüstrasyon
ISBN:
9783990013540
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Bookwire
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