Kitabı oku: «50 Dinge, die ein Oberösterreicher getan haben muss»

Yazı tipi:

Melanie Wagenhofer





Oben links: Flusstauchen in der Traun, S. 39; oben rechts: der Glanglmarkt in Wels, S. 51; unten: Werkstour in der VOEST, S. 188

Inhalt


Cover

Titel

VORWORT

Von Bleamön und Bleampln

DER BARTBINDER IN OFFENSEE

Haarspaltereien

DER BAUMKRONENWEG IN KOPFING

Wipfelsturm

DIE BUCKELWEHLUCK’N IN ST. THOMAS

Die Luck’n heilt den Ruck’n

SOMMER AUF BURG CLAM

Der Graf & Bob Dylan

DIE DONAU UND IHR FISCHER

Der Letzte seiner Zunft in Linz

FILMSCHAUPLÄTZE IM SALZKAMMERGUT

Atemberaubend

DIE FIVE FINGERS AM KRIPPENSTEIN

Riesenhand & Urgetier

FLUSSTAUCHEN IN DER TRAUN

Wie das Fliegen im Fluss

FORELLENZIRKUS IN ST. ÄGIDI

Akrobatik im Mühlbach

FREISTADT UND SEIN BIER

Bierbrauer für einen Tag

DER GLANGLMARKT IN WELS

Von Exoten und Kleintieren

GLÜCKSPLÄTZE IM SALZKAMMERGUT

Die Seele baumeln lassen

DIE GOWILALM

Auf dem Almbalkon

DAS IBMER MOOR

Von Irrlichtern & Moorziegen

DAS DRAGONERREGIMENT 15

Rittmeister in Tradition

DER KORNSPITZ UND SEIN ERFINDER

Asten liegt neben Moskau

DAS KRÄUTERDORF HIRSCHBACH

Von Arnika bis Ziest

DER LASK

Der Stolz von Oberösterreich

LIEBSTATTHERZEN AUS GMUNDEN

Fasten & liebhaben

DER LICHTENBERG MIT DER GIS

Dem Linza sei Himmelfahrt

LINZER SCHAUPLÄTZE

Der Hans, der Pepi & das Traxlmayr

LINZER UNTERWELT

Wenn der Kuckuck ruft

DER MARTERL-ZIMMERER VON EBENSEE

Von Rumpön & Fahndln

KARL MAY UND SEIN FOTOGRAF

Old Shatterhand in Urfahr

MOST VOM PANKRAZHOFER

Auf der Obstquetsch’n spielen

NATURBADEPLÄTZE

Idylle pur

DER NATURPARK ATTERSEE-TRAUNSEE

Im Zwischenland

DIE PARAMENTIK DER MARIENSCHWESTERN

Sticheleien für den Herrn

DASPARKHOTEL IN OTTENSHEIM

Unterbringung mit 1.000 Sternen

PFEFFERMINZZUCKERLN AUS TRAUN

Pezen erlaubt

DAS PIXELHOTEL IM ENNSER STADTTURM

Zimmer mit Aussicht

PLÄTTENFAHREN IN HALLSTATT

Fuhr’ über den See

DAS RIESENMUSEUM IN LENGAU

2,58 Meter – Schuhgröße 59

DAS ROSARIUM IN TRATTWÖRTH

Eine schöner als die andere

IN DER SCHARTEN ZUR OBSTBAUMBLÜTE

Blüten-Rausch

DAS SCHLOSS IM TRAUNSEE

Ein Jawort wie im Märchen

DIE SCHNAPSBRENNERIN IN WEYREGG

Hochprozentige Weiberwirtschaft

DAS SCHWARZSEIDENE

Vom Tiachlbinden

SEITLPFEIFER

Die kleine Schwester der Flöte

SISIS SEELENLANDSCHAFT

Auf den Spuren der Kaiserin

DER SKIFLYER IN HÖHNHART

Wo man Luftsprünge macht

DER SPECKMACHER VON HELFENBERG

Leberschädel & Speckknödel

TEXTILES ZENTRUM HASLACH

Den Faden weiterspinnen

TURMEREMIT AUF ZEIT

Ein Logenplatz

DER LETZTE WACHSZIEHER

Wickelkerzen aus Waldhausen

WEIN AUS DEM MÜHLVIERTEL

Haselgraben-Gaben

WERKSTOUR AUF DER STAHLSTRASSE

Beim Heißen Riesen

WILDNISCAMP IM NATIONALPARK KALKALPEN

Wenn der Vater mit dem Sohne

DAS ZAUBERTAL HAMAM

Traum aus Seifenschaum

ZWERGERLSCHNÄUZEN AM PÖSTLINGBERG

Mit dem Drachenzug in die Märchenwelt

Ortsregister

Weitere Reiseführer

Impressum

Bildnachweis

Vorwort

Von Bleamön und Bleampln


Will man in die Welt der Oberösterreicher eintauchen, dann sollte man auch etwas von ihrer Sprache verstehen: Der oberösterreichische Dialekt bietet eine herrliche Vielfalt, die es zu erhalten gilt. Da kann nicht nur der „Zuagroaste“, sondern selbst so mancher Einheimische noch etwas lernen.

Zuagroaste, also jene Personen, die nicht innerhalb der oberösterreichischen Grenzen gebürtig sind, werden oft auf ihr Sprachtalent getestet, indem sie dazu aufgefordert werden, den Dialektausdruck für einen Körperteil eines scheuen Waldtieres auszusprechen: Erraten! Es geht um den berühmten Oachkatzlschwoaf. Auch sonst stellt sich die Tierwelt im oberösterreichischen Dialekt recht bunt dar: Der Bamhackl bearbeitet – fast logisch – mit seinem Schnabel den Baum und wird in der Hochsprache Specht genannt. Bienen schwirren als Bei durch die Köpfe, Enten quaken als Antn. Ein Broadling ist, breit wie er ist, eine passende Titulierung für Kröte, ein Küken wird, süß wie es ist, bei den Oberösterreichern zum Wusal oder Singal verniedlicht, ein Habicht, der es auf die Hühner abgesehen hat, gnadenlos Hehnageier genannt. Das Kalb ist ein Kaiwö, das bei der Geburt auf die Welt gezogen (Kaiwö ziagn) wird.

Manche Begriffe hören sich fast gleich an, liegen inhaltlich aber ganz weit auseinander: So ist Bleamö eine Blume, ein Mensch, der als Bleampl bezeichnet wird, ein Tollpatsch. Umgekehrt kann so mancher Ausdruck oder, man möchte fast sagen, Laut, mehrfach gedeutet werden: Na ist grundsätzlich ein Nein, in Kombination Na geh (wos d’ net sagst)! wird es zum Ausdruck der Bewunderung und des Erstaunens. Ha? wird nicht gelacht, so wird ausgedrückt, dass man etwas nicht verstanden hat. Topfn ist Quark, zugleich aber auch Blödsinn.

Sinnvoll ist es auch, sich mit richtungsweisenden Begriffen vertraut zu machen, schließlich kommt es ja vor, dass man nach dem Weg fragen muss: owa (hinunter), afi (hinauf), drent (drüben), uma (herüber), untasi (unterhalb) und übasi (oberhalb). Damit man sich nicht verläuft und einen zu langen Hadscha (Marsch) machen muss. Am besten nimmt man sich zur Sicherheit ein Bschoadbinkal (Bündel mit Essen) mit auf den Weg, damit man die Sache pomali (gemächlich) angehen kann.

Auch gegessen werden muss einmal, damit man nicht zum Krischpindal (schwaches Geschöpf) wird: Im Lande ob der Enns kommt gern ein Knon auf den Tisch, und zwar in allen Varianten: Speck, Haschee oder Grammel (Knödel). Beliebt ist auch die Mauraforön (Knackwurst). Ist das Baucherl nicht ganz fit, gibt’s ein verträglicheres Koh (Mus), gerne aus Griaß (Grieß). Und beim Abkifln (Abnagen) der Hehn sollte man aufpassen, dass man keinen Kruschpö (Knorpel) erwischt. Zum Nachtisch gibt’s einen Bunkö (Germkuchen) oder sonst einen Guazl (Süßigkeit). Wenn nur noch ein Noagal (kleiner Rest) im Glas ist, sollte man rasch für Nachschub sorgen, außer das Gewünschte ist goa (aus). Auch Früchte können so ganz anders heißen als in der Hochsprache, wie Weinbeeln (Trauben), Pamerandschn (Orangen) und Zella (Sellerie) beweisen.

Im Umgang miteinander ist es wichtig zu wissen, dass „Mensch“ Mädchen (besonders süß mit Gugaschecken = Sommersprossen im Gesicht) meint, Diandl auch Tracht. Der Hussinand ist ein Mühlviertler und steht für Overall. Und Earl ist kein englischer Lord, sondern ebenso wie der Losa das Ohr. Wenn sich der Oberösterreicher afpudelt und an Gizi kriagt (jähzornig wird), weil er pflanzt (gefoppt) wird, dann regt er sich auf, eine Unklarheit schnapst (diskutiert) man sich in Ruhe aus, damit der Bahö (Krawall) nicht zu groß wird, man keinen Puza (Verweis, Tadel) kriegt und es keine Dedschn (Ohrfeige) gibt, die womöglich einen Düwö (Beule) hinterlässt und alles zum Plazn oder Flenna (Weinen) wird. Zurück bleibt man schließlich oft dadodat (erschüttert).

Vorsicht ist auch mit einmal mehr und einmal weniger harmlosen Schimpfwörtern geboten: Blunzn (Blutwurst) meint abfällig ein Weiberleut, Funsn eine eingebildete Zeitgenossin, Bosnigl einen boshaften Menschen, Krauderer einen alten, klapprigen und Noarndattl einen närrischen Mann. Der Gscheidwaschl weiß alles besser und ist recht gschafti (geschäftig), der Haftlmacher (aufmerksamer Mensch) macht um alles ein Gschisdigschasdi (Umstände). Am besten nähert man sich zitzalweis (in kleinen Schritten) an und lässt sich auch nicht von siemseidenen (schmeichlerischen, heuchlerischen) Zeitgenossen einwickeln.

Und damit wir nicht ganz wiaflad (schwindlig) werden, hören wir an dieser Stelle auf und widmen uns im Folgenden dem, was ein Oberösterreicher oder einer, der sich hier auskennen will, getan haben muss.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern viel Vergnügen bei der Lektüre und vor allem viel Freude an den unabdingbaren Erlebnissen, die ich Ihnen hier vorstellen darf.

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich im Sinne der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet habe (auch und vor allem im Titel dieses Buches). Dennoch sind freilich Vertreter beiderlei Geschlechts angesprochen.

Linz, im Sommer 2014 Melanie Wagenhofer

Der Bartbinder in Offensee

1

Haarspaltereien


Gamsbartträger

Ein paar Kilometer außerhalb von Ebensee, in der Abgeschiedenheit eines idyllischen Bergsees, an den sich einst Kaiserin Elisabeth gerne zurückgezogen hat, ließ sich auch ein begnadeter Handwerker nieder: der Lahnsteiner Bertl. Ein Besuch beim Bartbinder am Offensee in Ebensee.

Wo andere ausflippen täten, dabei werde ich ruhig“, erklärt der Bertl. Stunden-, manchmal tagelang ordnet er die Gamshaare feinsäuberlich millimetergenau nach ihrer Länge, dann bindet er die gleich langen mit seiner eigenen Technik zusammen, um dann aus den Büscheln, die aus jeweils 100 bis 150 Haaren bestehen, den „Bacht“ zu erzeugen. Die kürzeren innen, die längeren rundherum. 20.000 bis 25.000 Haare zieren einen prächtigen großen Gamsbart, ein Kunstwerk, das in 30 bis 60 Stunden Arbeitszeit entsteht. 22 Zentimeter ist die Grenze, die die Natur der Länge des traditionellen Hutschmuckes gesetzt hat. Der Bertl ist einer von ganz wenigen, die dieses Handwerk in Österreich noch hauptberuflich betreiben.

Eigentlich hat er ja Zimmermann gelernt, der Bertl. Doch weil sich sein Großvater, ein Jäger, dereinst über seinen Bartbinder geärgert hat, dachte sich der Enkel, das müsse doch anders, besser, zu machen sein. Und versuchte sich an des Großvaters Gamsbärten. Nahm sie auseinander, setzte sie wieder zusammen. „Guate Nacht!“, war die Reaktion des Großvaters. „Lass des guat sein, Bua. Wie sollst du, mit deinen großen Händen, so was Feines zusammenbringen!“ Doch der Bertl ließ sich nicht abbringen und ging, als er nach einer Weile anstand, zum Pilz Fritz nach Hallstatt – damals „der beste Bartbinder im Salzkammergut“ –, um von ihm zu lernen. „Eine Stunde habe ich ihm zugeschaut!“, erinnert sich der Bertl. Das habe genügt. Ein paar Monate später traten Lehrmeister und Schüler zur Gamsbartolympiade an. Und – und das sei ihm noch heute direkt peinlich – der Bertl gewann, der Pilz Fritz wurde „nur“ Zweiter. „Eine solche Gabe zu besitzen ist ein Gottesgeschenk“, sagt der Bertl ehrfürchtig.

Bertl Lahnsteiner an seinem Arbeitsplatz

Mittlerweile bindet der Ebenseer seit 1990 Gamsbartbärte, zehn Jahre als Hobby, danach hauptberuflich. Und das vorwiegend in „Lohnarbeit“, wie er sagt. Denn die meisten kommen mit der Ware, quasi ihrem „Jagderlebnis“, zu ihm, um sich daraus den Schmuck für ihren Trachtenhut machen zu lassen. Gerade in seiner Gegend trägt man ihn noch, den Deckel mit dem Gamsbart, steckt sich die Trophäe noch an den Hut. „Der Kaiser Franz Joseph hat ihn damals populär gemacht“, erzählt der Bertl. Der Jäger trage ihn im Salzkammergut gerade gestellt, die Damen ziere er in schräger Position. Wochentags das kleine Dachs- oder Hirschbartl am Jagahuat, am Sonntag der Hut mit dem großen Geflecht von der Gams. Aber: Zu groß dürfe er nicht sein, um nicht in den Geruch der Protzerei zu kommen. So handhabt’s auch der Bertl selber: Er ist zwar kein Jäger, dafür aber ein „Trachtler“ und trägt immer nur einen dezenten, kleinen Bart am Hut. Und da gibt es auch keine Sentimentalitäten: Die großen Bärte, mit denen er bei einer der Olympiaden aufs Stockerl kam, hat er längst zu Geld gemacht, die Pokale bleiben ohnehin als Erinnerung. Bis zu mehrere Tausend Euro kann so eine Zier aus Gamshaaren, die wertvollste aus Tierhaaren, kosten, der sehr beständige Dachsbart ist für ein paar 100 Euro zu haben. Faustregel: Je länger die Haare sind, umso teurer wird der Bart. „Gamsböcke sollten nach Weihnachten geschossen werden, dann sind die Haare am längsten“, erklärt der Bertl. In seiner Gegend hätten von 100 Gämsen nur fünf die für den Bart geeigneten Haare, die Granhaare, die als schmaler Streifen am Rücken der Tiere wachsen.

Bertls Kundschaft kommt aber nicht nur aus der Gegend. Jäger aus aller Herren Länder, von Kanada bis Australien, haben schon bei ihm bestellt. Und so kamen ihm neben den üblichen Haarspendern wie Gams, Hirsch, Dachs oder Wildschwein auch schon Haare von Antilope, Elch, Karibu und anderen exotischen Tieren zwischen die Finger. „Ich habe schon die wildesten Sachen gemacht, sogar die Schweifhaare vom Flusspferd waren dabei“, erinnert er sich. Und die Schnauzhaare von 300 Hasen für einen einzigen Bart.

Auch altersschwache Mähnen kuriert der Bartkundige und er garantiert, dass seine Gamsbärte zehn Jahre wie neu bleiben. Vorausgesetzt, man setzt sie nicht zu viel Nässe aus und pflegt sie seiner Anleitung entsprechend: Nach dem Tragen nimmt man den Gamsbart vom Hut und hängt ihn kopfüber in einen Raum, wo er keinem Licht ausgesetzt ist, damit er nicht austrocknet. Einen Tag, bevor man ihn wieder tragen will, dreht man ihn um, damit er rechtzeitig zum Ausgehen wieder seine ganze Pracht entfalten kann.

INFO: Bartbinder Bertl Lahnsteiner

Offensee 69, 4802 Ebensee

+43 (0) 6133/​86 26

www.wildbart.at

Der Baumkronenweg in Kopfing

2

Wipfelsturm


Ein Holzturm am Baumkronenweg

Da oben ist die Luft ganz anders, sagt man. Und die Rinde der Bäume ist nicht schuppig wie unten, sondern glatt. Nebenan wohnen Vögel. Eindrücke und Ausblicke vom Baumkronenweg in Kopfing.

Der Traum vom Fliegen lebt. Und wenn wir es schon nicht aus eigener Flügelkraft schaffen, so wollen wir wenigstens Aug’ in Aug’ mit den gefiederten Freunden deren wunderbare Perspektive genießen. Und das funktioniert am Baumkronenweg bestens, der sich wie eine chinesische Mauer, allerdings eine hölzerne, durch den Innviertler Wald zieht.

Das Holz dafür wurde gleich vor Ort gefällt. Eine Strecke von 25 Kilometern hätten die benötigten rund 700 Festmeter Bäume aneinander gereiht ergeben. Mitten im Wald entstand eine riesige Baustelle: Mit einem Hochkran wurden die höchsten Türme aufgestellt. 2005, nach einem halben Jahr und harter Arbeit – auch den Winter hindurch –, war der Baumkronenweg im Sauwald schließlich fertig: 40 Plattformen und 17 Türme, die zwischen drei und 22 Meter hoch und durch stabile Holzstege und schwankende Hänge- und Tellerbrücken verbunden sind, säumen den Weg, zweieinhalb Kilometer am Boden, 1.000 spannende Meter in der Luft. Über all das ragt ein Erlebnisturm hinaus, der sagenhafte 40 Meter hoch ist.

Schön langsam wird man in die Baumkronen hinaufgeführt. Und hält oben angekommen angesichts des herrlichen Ausblickes den Atem an: Er reicht weit hinein ins Mühlviertel, nach Bayern und bei schönem Wetter sogar bis in die Tiroler Berge. Und das aus einem grünen Meer aus Wald heraus. Auf den höchsten Türmen bietet sich ein völlig neuer Blickwinkel, man hat das Gefühl, es herrscht ein anderes Klima als unten. Es ist trockener und windiger, die Geräusche sind anders. Hier wohnen Vögel, dort klettern Eichhörnchen flink nach oben, Tiere, die man sonst nur aus der Ferne sieht, lassen sich mit ein wenig Glück aus der Nähe beobachten. Früh am Morgen und am Abend ergreifen die Waldbewohner noch mehr vom Pfad Besitz. Kein Wunder, dass man ursprünglich solche Wege in den Baumkronen der Tropen zu wissenschaftlichen Zwecken gebaut hat.

26 Stationen zu ebener Erde bieten Wissenswertes für Groß und Klein oder einfach nur Unterhaltung: vom Fuchsbau und Gleichgewichtsstationen über die Möglichkeit, Stimmen des Waldes via Waldgrammophon aufzunehmen, bis zur mit 50 Metern längsten Trockenrutsche Österreichs. Nach dem Vorbild englischer Irrgärten wurde ein Labyrinth angelegt, ein großer Spielplatz lädt auf einer Lichtung zum Spielen ein. Im Advent ist die Waldweihnacht mit Kunsthandwerk und kulinarischen Genüssen ein besonders idyllisches Erlebnis.

In den sechs Baumhäusern, Baumhotels genannt, die sich auf Stelzen zehn Meter über dem Boden befinden, kann man das ganze Jahr komfortabel übernachten. Wer sich traut, der nimmt an einer nächtlichen Gruselwanderung durch den Forst teil, die im Winter in Schneeschuhen und mit Fackeln durchgeführt werden.

INFO: Verein Baumkronenweg

Knechtelsdorf 1, 4794 Kopfing

+43 (0) 7763/​2289, @ office@baumkronenweg.at

Öffnungszeiten:

Anfang April – Anfang November

www.baumkronenweg.at

Wie die Chinesische Mauer

Die Bucklwehluck’n in St. Thomas

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Die Luck’n heilt den Ruck’n


Der heilbringende Stein von St. Thomas

Rund um den Wallfahrtsort St. Thomas am Blasenstein wimmelt es nur so von mystischen Orten und seltsamen Steinen wie der Bucklwehluck’n. Obendrein gibt’s dort den luftgselcht’n Pfarrer.

Ein kurzer Moment des Zögerns und dann klettert man hinein in den Spalt. Drinnen ist man erstaunt über die Stille und die glatten Innenflächen des Steines, die Abertausende, die hier schon durchgeschlüpft sind, wohl poliert haben. 40.000 sollen es übrigens jedes Jahr bis heute sein. Ein Stück weiter wird es ziemlich eng, fast muss man sich wie eine Schlange eine Kurve entlang weiterwinden. Nicht umsonst heißt es bei den Blasensteinern: Wer durch die Bucklwehluck’n durchkommt, hat zumindest die Gewähr, dass das Kreuz noch nicht ganz kaputt sein kann. Unter Platzangst sollte man aber besser auch nicht leiden. Noch einmal ducken, sich vorsichtig über den glatten Stein am Ausgang bewegen und dann ist man wieder draußen. Noch in den 1930er Jahren sollen viele Blasensteiner vor jedem Kirchgang durch den Stein gegangen sein.

Und warum tut man sich das an? Zur Erklärung: Wir befinden uns auf dem Blasenstein im Unteren Mühlviertel. Das Berglein (723 m) ist nicht nur weithin sichtbar, es bietet auch eine grandiose Aussicht über das Land: Halb Oberösterreich breitet sich an schönen Tagen vor ihm aus. Das silberne Band der Donau, die Burg Clam, der Dachstein. Der Blasenstein ist aber auch sonst ein besonderer Ort. Hier, genauer gesagt bei der Bucklwehluck’n, sollen sich seit jeher wunderliche Dinge zugetragen haben. Denjenigen nämlich, die durch den Spalt des beeindruckenden Granitfelsens kriechen, verheißt die Kraft der Luck’n Heilung bei Rückenproblemen und Rheuma und den Erlass ihrer Schulden. So schwören heute nicht nur die Bewohner von St. Thomas auf die Steinformation: Viele Besucher kommen von weit her, um einmal durchzukriechen. Für sie ist die Bucklwehluck’n also ein heiliger Ort. Ein Stein-Koloss, fünf Meter hoch, tonnenschwer und mit einem schmalen Durchlass. Auf den ersten Blick unspektakulär, bei genauerem Hinsehen, nein Hin-Spüren, ist da noch etwas: Es scheint, als strahle der Stein. Und tatsächlich haben Wissenschaftler eine leichte Radioaktivität festgestellt – Radonstrahlung. Wird wohl doch was dran sein an den Geschichten …

Der kleine Ort St. Thomas hat noch eine ungeklärte Besonderheit zu bieten: In der frei zugänglichen Unterkirche liegt die Mumie des 1746 im Alter von 37 Jahren verstorbenen Chorherrn und Pfarrvikars von St. Thomas, Franz Xaver Sydler de Rosenegg. Der Körper ist nicht verwest, obwohl er mehr als ein Jahrzehnt unter der Erde ruhte. In der tiefgläubigen Gegend galt die Mumifizierung als Wunder, das bis heute nicht geklärt werden konnte. Gruselig-schaurige Geschichten ranken sich um den Verstorbenen und den Zustand dessen, was er auf Erden hinterließ. Von Gift bis radioaktive Strahlung muss vieles als Erklärung herhalten. An anderer Stelle heißt es, der Chorherr wäre an Epilepsie gestorben, weshalb er auch als Helfer bei dieser Krankheit gilt.

Der Lederne Franzl

Die Überlieferung spricht auch davon, dass der Geistliche an einer ansteckenden Krankheit gelitten und deswegen eine „Medizin auf Leben und Tod“ bekommen habe. Die Tatsache, dass er nicht verwest ist, wurde von den Menschen jedenfalls als Fingerzeig Gottes gewertet.

Die Mumie, auch Lederner Franzl genannt, wurde von jenen Experten wissenschaftlich untersucht, die sich auch mit der Mumie aus dem Similaungletscher, vulgo Ötzi, beschäftigt haben. Es wird vermutet, dass der Tote unter Luftabschluss getrocknet ist, künstliche Mumifizierung wird ausgeschlossen. Beim Durchleuchten der Leiche wurde eine rätselhafte Kugel in der Größe eines Kirschkerns entdeckt, die an zwei Seiten „kleine Füßchen“ aufweist. War die rettende Medizin der Todesstoß für den Ordensmann? Man weiß es nicht. Und weil der Zahn der Zeit dann doch irgendwann zu nagen beginnt, soll den nun doch allmählich einsetzenden Verfall der Mumie heute eine luftdichte Vitrine aufhalten.

INFO: Marktgemeindeamt St. Thomas am Blasenstein

Markt 7, 4364 St. Thomas am Bl.

+43 (0) 7265/​54 55 - 0, @ marktgemeinde@st-thomas.at

www.st-thomas.at, www.facebook.com/​st.thomas.blasenstein

Sommer auf Burg Clam

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Der Graf & Bob Dylan


Burg Clam

Der Weg führt eine schmale Straße entlang, die sich durch saftige, grüne Wiesen und Wald nach oben windet. Die letzten Meter legt man zu Fuß zurück, begleitet von der freudigen Anspannung vor dem, was dann kommt: Die Burg Clam – im Unteren Mühlviertel gelegen und 45 km von Linz entfernt – ist die besondere Kulisse für Auftritte von Künstlern wie Nena oder Sting. Jedes Jahr pilgern Tausende Besucher im Sommer zu den Burgkonzerten. Das ist aber noch lange nicht alles: Hier kann man auch herr(schaft)lich in die Vergangenheit eintauchen.

Die Türme der Burg markieren weithin sichtbar den Austragungsort großer Sommerkonzerte. Gleich unterhalb, in der Burgarena auf der Meierhofwiese, lassen sich die Besucher nieder, um die besonderen und mittlerweile zur Tradition gewordenen Abende zu genießen. Unter die Gäste mischt sich meist auch der Hausherr, Carl Philip Clam-Martinic: „Die Musik, die hier geboten wird, trifft genau meinen Geschmack. Meine erste Schallplatte war eine von Bob Dylan und der stand auch schon auf dem Programm.“

Seit 23 Generationen haben die Grafen Clam, österreichischer Uradel, im Unteren Mühlviertel ihren Stammsitz. Carl Philip Clam-Martinic übernahm nach längeren Auslandsaufenthalten die Rolle des Familienoberhauptes und bewohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern das riesige Gebäude mit weit über hundert Räumen, die allesamt vollständig möbliert sind. Weil 90 Prozent der Burg nur schwer beheizbar sind, zieht die Familie im Winter in eine kleinere Winterwohnung des ehrwürdigen Gemäuers. „In letzter Zeit sind wir auch den Rest des Jahres dort geblieben, weil die Kinder noch sehr klein sind. Die weiten Wege durch die langen Gänge wären für die jungen Beinchen zu anstrengend gewesen.“ Der Herr Graf wohnt von Kindesbeinen an hier und fühlt sich sehr wohl, wenn er auch zugibt, dass ihm bei manchen Geräuschen schon ein wenig mulmig geworden sei. Aber: „Das ist ein sehr friedliches Haus. Es gibt keine untoten Vorfahren, die uns quälen. Wenn es einen Geist gibt, dann nur den Heiligen Geist.“ Auch von Gästen – Clam bietet Übernachtungen in der Burg an – sei stets zu hören, sie hätten gut geschlafen. Bei besonderen Führungen zeigt der Hausherr den Besuchern seine Lieblingsplätze, den zum großen Ahnensaal gehörenden Balkon oder die hauseigene Kapelle, vor der, so Clam, jeder Gast seinen Hut hebt. Magische Plätze sind auch die schönen Gärten und Höfe, wenn sich dort die Blumenpracht entfaltet. Von der Spitze des 41 Meter hohen Bergfrieds sieht man vom Ötscher bis zum Traunstein und bis in den Böhmerwald.

Ihren Charme verdankt die Burg den im Lauf der Jahrhunderte immer wieder durchgeführten Erhaltungsarbeiten, die einen spannenden Stilmix aus Romanik, Gotik, Renaissance und Barock ergeben haben, vor allem aber auch der Tatsache, dass das ganze Haus von ein und derselben Familie seit dem Mittelalter bewohnt wird. Clam: „Die Burg ist kein typisches Museum, es gibt keine Vitrinen, unsere Schätze werden nicht weggesperrt.“ Bei einer Führung – auf Wunsch mit Sektempfang und dem Grafen persönlich – erlebt man im Burgmuseum Ausstellung und Wohnbereich zugleich. Die Familie lebt hier zwischen und mit jahrhundertealten Möbeln und Porzellan. „Die Dinge müssen verwendet werden, sonst rosten sie ein“, lautet die Devise von Clam-Martinic. „Meine Familie besaß um 1800 zehn Schlösser, die dann enteignet oder verkauft wurden. Das gesamte Inventar wurde mit nach Clam genommen.“ Deshalb und auch weil die Burg zwar unzählige Male belagert, aber niemals eingenommen wurde, ist noch vieles erhalten: Tausende Gegenstände gibt es zu bewundern, ob im Waffenzimmer, dem Musikzimmer mit seinen kunstvoll bemalten Wänden, der Burgapotheke oder im großen Saal, wo heute noch die Familie zu Weihnachten um den vier Meter hohen Christbaum zusammenkommt.

Den Grundstein für die Burg hat Otto von Machland 1149 gelegt. 1524 hat Christoph Perger zu Clam die Anlage erworben. Und schon seit 1550 wird hier eigenes Bier gebraut. Weil die Nachfrage nach dem Gräflich Clamschen Burgbräu sehr groß sei, müsse man es mittlerweile auswärts produzieren lassen, so Clam. Die Burgschenke wartet mit Speis’ und Trank auf und bei einer Biertour geht es vor der Führung zum Verkosten ins gotische Kellergewölbe.

Carl Philip Clam-Martinic

Noch zu Zeiten seines Großvaters habe in der Burg ein großer Hofstaat mit 20 Angestellten gelebt, in ständiger Bereitschaft, Könige zu empfangen, so Clam. Neben gekrönten Häuptern wie Carl Gustav von Schweden oder dem Fürsten von Liechtenstein und berühmten Musikern zog es die schreibende Zunft hierher: August Strindberg und Thomas Bernhard ließen sich von der mächtigen Festung und ihrer Umgebung inspirieren. Filmdiva Gina Lollobrigida war in den 1960ern zur Jagd zu Gast. Von ihr erzählt man sich, dass sie beim Baden plötzlich den Urgroßvater des heutigen Grafen vor sich stehen hatte, der sie sehr bestimmt dazu aufgefordert habe, seinem Eigentum zu entsteigen. „Frau Lollobrigida berichtete beim Abendessen amüsiert davon und meinte, dass die Männer sie zumeist liebend gern in ihrer Badewanne haben würden.“

INFO: Burg Clam

Sperken 1, 4352 Saxen

+43 (0) 7269/​72 17

Öffnungszeiten:

1. Mai–31. Oktober

www.burgclam.com

Die Donau und ihr Fischer

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Der Letzte seiner Zunft in Linz


Fischen im Industriegebiet von Linz

Um sechs Uhr früh macht er sich auf den Weg in den stillgelegten Tankhafen. Dort liegt seine Zille vor Anker. Dann geht es hinaus auf die Donau, die Netze einholen. Franz Wiesmayr ist der letzte Donaufischer von Linz.

Mitten im Linzer Industriegebiet hat sich seine Familie ihr grünes Paradies erhalten. Zwischen Firmengebäuden steht der kleine Bauernhof aus dem 15. Jahrhundert, über dessen Eingang ein Fisch mit einer Lampe im Maul leuchtet. Rund um den Hollabererhof wachsen Obst und Gemüse, die der hochgewachsene Franz am Südbahnhofmarkt anbietet. Und falls von seinem Fang etwas übrig sein sollte, gibt es auf seinem Stand auch Fisch, denn die Flossentiere sind sehr begehrt und meist schon vor der Fahrt zum Markt ausverkauft.

Seit ihrer Kindheit sind Wiesmayr und sein Bruder schon mit den Eltern auf der Zille hinausgefahren. Die Mutter hat sich einen Strick um den Bauch gebunden und den kleinen Franz angehängt, damit er nicht ins Wasser springen konnte, während sie die Netze einholte und der Vater am Steuer saß. Die Lahmer-Wiesmayrs sind seit Generationen Landwirte und Fischer und haben ein Auge auf „ihren“ zehn Kilometer langen Abschnitt vom großen Strom. Das Revier, das jetzt der Franz als Fischereimeister betreut, beginnt beim Brucknerhaus und endet knapp vor dem Ausee in Asten.

Der Fischbestand ist in den letzten Jahrzehnten ziemlich geschrumpft: „Mit einem dreimal drei Meter großen Netz hat man in den 1960ern einen ganzen Schwarm Fische herausholen können. Und das ein paar Tage hintereinander“, erzählt der Franz. Noch in den 1980er Jahren konnte sein Vater 2,8 Tonnen Fische fangen. Und es gab auch noch einige andere Berufsfischer.

Franz bringt es heute auf 500 bis 600 Kilo im Jahr. Im Winter ruht die Fischerei. Dann arbeitet er als Koch, das hat er auch gelernt. Der Franz fischt nicht so viel heraus wie möglich, sondern so viel, dass er die nächsten zehn, 20 Jahre noch immer Fisch hat. Den Tieren gönnt er eine längere Schonzeit als vorgeschrieben. Der Franz will auch ein Vorbild sein und alles so erhalten, wie es ist.

Heute ist ein Feiertag und weil der Alex und der Andi, Kumpel vom Franz, frei haben, sind sie mit an Bord. Am Vorabend hat der Franz die Netze ausgelegt. Zwei Leute sind beim Einholen notwendig, einer muss die Zille steuern – das ist der Franz –, der andere zieht die Netze mit dem Fang langsam aus dem Wasser. Die Fische werden gleich an Bord abgeschlagen, ausgenommen und auf Eis gelegt. Was und wie viel an die Oberfläche kommt, ist ganz unterschiedlich: hauptsächlich Weißfische wie Brachse, Barsch, Rotauge, hie und da ein Karpfen. Über siebzig Fischarten gibt es in der Donau. Der größte und teuerste Fisch, den der Franz gefangen hat, war ein zwanzig Kilo schwerer Huchen. Dass er dieser Tage nicht genau sagen kann, wo die besten Plätze zum Fischen sind, liegt am letzten Hochwasser, das ganz schön viel Bewegung ins Flussbett gebracht hat: „Da sind auch jede Menge Fische weggeschwemmt worden, die durch die Kraftwerke nicht mehr zurück konnten.“

Vor ein paar Jahren haben sich in Wiesmayrs Revier Flusskrebse angesiedelt. Zuerst waren sie in der Traun, die amerikanischen Signalkrebse mit den roten Scheren. Mit Hochwässern sind sie auch in die Donau gekommen. Als die Fischer an diesem Tag die selbst gebauten Reusen an die Oberfläche ziehen, wimmelt es nur so hinterm Gitter des Fangkorbes. Die kleinen Scherenträger können mit ihren Zangen ganz schön zwicken, was die Fischer immer wieder schmerzhaft erfahren müssen. Ein paar Grundeln sind dabei, auch solche Fremdlinge, die aus dem Meer hierher geschwemmt wurden, und die der Franz gern knusprig brät, damit man sie im Ganzen verspeisen kann. Die Flusskrebse werden lebend verkauft.

Franz Wiesmayr

Weiter geht es zum nächsten Netz. Für kurze Zeit hektisch wird es nur, wenn der Fang an Bord geholt und bearbeitet wird. Da und dort sitzt ein Angler am Ufer, die Fischerkarte muss er sich vom Franz holen. Ab und zu kreuzen Schwäne den Weg der Zille, regelmäßig sausen private Boote vorbei. Ungemütlich wird es, wenn ein großer Brummer Vollkraftdonauaufwärts unterwegs ist: „Da kann es schon eineinhalb Meter hohe Wellen geben.“

Der Franz liebt seinen Beruf und die Lebensader Donau: „Ich empfinde es als Luxus, dass ich das machen darf, was ich mache, und bin dankbar dafür. Wenn ich fort bin, plagt mich Heimweh und ich glaube dann an bestimmten Tagen sogar, gegrillten Fisch riechen zu können.“ Damit meint er jene Tage, an denen er im Sommer regelmäßig vor seiner Fischerhütte im Garten seines Elternhauses Fisch für Gäste grillt. Wer einen Platz bekommen will, muss rechtzeitig reservieren. Andere Kunden holen sich den Fang frisch in der Estermannstraße ab, manche schon seit Jahrzehnten.

Nach dem letzten Netz, das die Vielfalt in der Kiste vergrößert hat – Hecht, Zander, Schied und Barbe sind dazu gekommen –, geht es zurück in den Tankhafen. Zu Hause müssen die Netze gereinigt, bei Bedarf geflickt und wieder in die Kiste geschlichtet werden. Der Franz, der manchmal auch Tourist ist und mit seinem Boot spazieren fährt, freut sich: „Mir taugt es am meisten, verschiedene Arten zu erwischen.“

INFO: Franz Wiesmayr

Estermannstr. 11, 4020 Linz

+43 (0) 676/​93 11 539

Hafenrundfahrten:

Donauschifffahrt Wurm & Köck, dreimal täglich Anfang Mai – Oktober

+43 (0) 732/​78 36 07

MS Helene

+43 (0) 680/​33 36 432

www.donauschifffahrt.at

Filmschauplätze im Salzkammergut

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Atemberaubend


In 3 Tagen bist du tot, Filmszene

In diesem Ambiente bezauberte „Sissi“ Romy Schneider Millionen Menschen in der Welt, geriet Peter Alexander als Oberkellner Leopold in turbulente Verwicklungen, organisierten Klaus Wildbolz und Albert Fortell ein Schlosshotel und hier drehte Andreas Prochaska den ersten Slasher-Film Österreichs. Im Salzkammergut gaben und geben sich Stars und Sternchen, Schnuppen und Puppen der Film- und TV-Szene ein Stelldichein. Ganz abgesehen von den zahlreichen Dokumentationen, die hier gedreht wurden.

Ein zufälliges Zusammentreffen in Bad Ischl, bei dem der Kaiser gar nicht weiß, mit wem er es zu tun hat, ist der Ausgangspunkt von Ernst Marischkas „Sissi“-Trilogie, die in den 1950er Jahren im Salzkammergut entstand. Hier wurde Kaiser Franz Joseph einmal nicht mit weißem Bart gezeigt, sondern von Karlheinz Böhm als junger Mann dargestellt. Bad Ischl und das Salzkammergut waren prädestiniert für k. u. k.-Zuckerguss, aber auch für weniger rosarot gefärbte Produktionen wie den 1957 gefeierten Streifen „Skandal in Ischl“ mit O. W. Fischer. Im Mittelpunkt steht ein eigenwilliger Modearzt im kaiserlichen Bad Ischl (1910), der einem schwangeren Mädchen nach einem Selbstmordversuch „geholfen“ haben soll. Niveauvolle Unterhaltung bot die Anfang der 1990er Jahre entstandene TV-Miniserie „Der Salzbaron“ von Bernd Fischerauer. 1,5 Mio. Zuseher ließen sich beim Auftakt via ORF nach Bad Ischl entführen, um dem Treiben der mehr oder weniger hochwohlgeborenen Figuren – der Baronesserln und Barönchen, des Gesindes und Gesindels – beizuwohnen.

In den 1950er Jahren war das Salzkammergut ein Durchhaus für filmisches Treiben. Heimatfilme brachten der Region jede Menge Aufmerksamkeit, so warb Harald Reinl mit „Almenrausch und Edelweiß“ (1957) für wunderschöne Ferien im Salzkammergut. Franz Antel gehörte zu den Dauergästen, die meinten, dass im alten Europa die Kunst viel zu exklusiv betrieben werde. Also drehte er 1951 mit Maria Andergast, Gunther Philipp und diversen Bikini-Maiden „Eva erbt das Paradies“. Und 1954 war er mit Peter Alexander, Hans Moser und Oskar Sima samt Auto und Wohnwagen schon wieder im Salzkammergut unterwegs, reisten doch „Verliebte Leute“ in den Urlaub. Später huldigte Antel mit Streifen wie „00-Sex am Wolfgangsee“ (1966) und „Außer Rand und Band am Wolfgangsee“ (1972) der Region. Unvergessen ist die Verfilmung von Ralph Benatzkys Operette „Im weißen Rössl“ (1960). Die Außenaufnahmen mit Peter Alexander, der als Oberkellner Leopold seine Chefin Josepha Vogelhuber (Waltraud Haas) umgarnt, wurden in St. Wolfgang gedreht, die Innenaufnahmen in Bad Ischl. 1975 war Hollywood in Gmunden zu Gast: Cyril Frankel inszenierte den Spionagethriller „Vollmacht zum Mord“, in dem Dirk Bogarde als zwielichtiger Geheimagent werkt, auch Ava Gardner war mit von der Partie.

Fernsehmäßig war Klaus Wildbolz als Hotelchef Wenzel Hofer maßgeblich am Erfolg des Dauerbrenners „Schlosshotel Orth“ beteiligt, der ab dem Frühjahr 1996 in Gmunden und Umgebung gefertigt wurde. Feschak Wildbolz meinte einmal: „Das ist eine der schönsten Gegenden der Welt, weil optisch nichts verhüttelt und kaputtgemacht worden ist. Ich liebe das Salzkammergut.“ 2000 übernahm Albert Fortell die Leitung des Hotels und steuerte das Haus durch die Unbilden serienmäßiger Intrigen. Im Herbst 2004 wurde nach neun Staffeln oder 144 Folgen, die bis China verkauft wurden, Abschied gefeiert.

„Vier Frauen und ein Todesfall“

Nicht minder wirkungsvoll war die 2004 vor der malerischen Kulisse Hinterstoders, Windischgarstens, Viechtwangs und anderen Orten entstandene ARD-Neuverfilmung des Heimatdramas „Die Geierwally“. „Wir drehen die tierisch wahre Version“, meinte Hauptdarstellerin Christine Neubauer. Der Volksmund habe zu allen Greifvögeln Geier gesagt. „Bei uns ist der Geier ein Adler“, sagte Neubauer. Auch „Bullen“-Mama Ruth Drexel war 2004 zu Gast im Salzkammergut: Bad Goisern, Gosau, Hallstättersee … „Die Region ist atemberaubend schön, aber ich bin zum Arbeiten hier und bekomme leider viel zu wenig mit“, sagte sie. Sie spielte höchst erfolgreich in „Die Heilerin“ eine Frau, die durch Auflegen ihrer Hände und durch die Kraft ihrer Gedanken kranke Menschen zu heilen vermochte. Um Heilung geht es in dem 2005 in und um Ebensee verwirklichten Teenie-Horror „In 3 Tagen bist du tot“ wahrlich nicht. Hier wurde Maturanten nach SMS-Warnung das Licht ausgeblasen. Blutige Beiträge dieser Art sind im idyllischen Ambiente des Salzkammerguts aber die Ausnahme. Zu diesen gehört auch das MondSee-Land, wo die Begräbnisweiber in „Vier Frauen und ein Todesfall“ bis 2012 serienmäßig nach Todesfällen ob deren Ursachen schnüffelten. Früher hatte schon Doris Schretzmayer als „Die Neue“ in dieser Gegend Kriminalfälle gelöst.

Ein Beispiel für gelungene Kinokost lieferte Julian Roman Pölsler 2012 mit seiner grandiosen Verfilmung von Marlen Haushofers Roman „Die Wand“. Gedreht wurde im Gebiet Gosau. „Ich wollte diese schönen Bilder einfach kollidieren lassen mit den seelischen Zuständen der Frau“, sagte Pölsler damals. Und dass Iris Berben 2013 für „Der Clan. Die Geschichte der Familie Wagner“ vom Hügel in Bayreuth stieg und den Schauplatz nach Gmunden verlegte, spricht nicht zuletzt für die besondere Atmosphäre des Salzkammerguts als Drehort.

INFO: Salzkammergut Tourismus

Salinenplatz 1, 4820 Bad Ischl

+43 6132 26909, @ info@salzkammergut.at

www.salzkammergut.at

Die Five Fingers am Krippenstein

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Riesenhand & Urgetier


Aussichtsplattform am Krippenstein

„Da geht’s aber ordentlich runter“, ist gleich nebenan zu vernehmen. Vorsichtig schiebt man ein Bein nach vorne, um zu testen, wie stabil die Sache ist, hält sich gut am Geländer fest und riskiert einen Blick. Natürlich hält das Konstrukt und man fängt an zu genießen: Respekt und Zögern sind beim atemberaubenden Blick, der sich von der Aussichtsplattform Five Fingers am Krippenstein (2.108 m) auftut, schnell vergessen: ein Besuch in einer modern inszenierten Wanderwelt.

Jeder der Finger der einer riesigen Hand ähnelnden Plattform, die hier seit 2006 quasi ins Nichts hinausragen, ist vier Meter lang und einen Meter breit: Einmal steht man auf Glas und hat einen ungehinderten Blick in die Tiefe. 400 Meter geht es von diesem Punkt aus hinunter. Ein anderer Finger hat einen barocken Rahmen, durch den man Hallstatt und seinen See wunderbar fotografieren kann. Ein weiterer verfügt über ein Fernrohr und wird gar noch verlängert durch ein Sprungbrett, das natürlich nur symbolisch angebracht ist.

Mit der Gondel der Dachsteinseilbahn geht es von Obertraun an steilen Felswänden vorbei hinauf in die spektakuläre Wanderwelt mit den modernen Stationen. In zwanzig Minuten sollte man bequem von der Bergstation Krippenstein am grandiosen Aussichtspunkt angelangt sein, wo sich ein spektakulärer Blick über die Welterberegion, über den Hallstättersee und das Innere Salzkammergut auftut. Von den Five fingers haben übrigens nicht nur die Leute oben etwas. Bis Mitternacht ist die Hand am Berg beleuchtet und so weithin sichtbar.

Den Gipfel des Krippensteins hat man mit einer besonderen Konstruktion über sich selbst hinaus wachsen lassen: Die silbern glänzende Welterbespirale aus Aluminium legt sich über ihn und erhöht den Gipfel um einige Meter. Wer Lust hat, kann am Fotopoint den eigenen Gipfelsieg schießen lassen. Wellenförmige hölzerne Liegen laden zum Entspannen vor dem Weiterwandern ein.

Ein spezieller Tipp sei hier noch angebracht: Ganz spezielle Momente erlebt man von der einem riesigen Schiff ähnelnden Aussichtsplattform bei Sonnenaufgang.

Der Dachstein hat noch mehr Überraschungen parat: Von der Bergstation der Dachstein-Krippenstein-Seilbahn ist man den Heilbronner Rundwanderweg in Richtung Heilbronner Kreuz eine halbe Stunde gewandert, wenn sich plötzlich aus dem Gesteinsmeer drohend ein riesiger metallener Hai erhebt. Das Ungetüm hat es im Urmeer hier einst tatsächlich gegeben. Die acht Meter lange leblose Version von heute ist begehbar und offenbart beim Blick aus dem Maul eine tolle Aussicht auf den Dachstein-Gletscher. Auf dem Weg dorthin lassen sich auch noch relativ viele fossile Überbleibsel finden.

INFO: Dachstein Krippenstein Gästeinformation

+43 (0) 50/​140

Öffnungszeiten der Dachstein Krippensteinseilbahn oder Dachstein-Welterbe-Seilbahnen Obertraun:

Mai – Oktober

www.dachstein-salzkammergut.com, www.dachsteinwelterbe.at

Flusstauchen in der Traun

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Wie das Fliegen im Fluss


Taucher mit Huchen

In den 1990er Jahren haben die Taucher auch die Unterwasserwelt der Flüsse für sich entdeckt. Es gibt nicht viele Orte in Europa, wo man Flusstauchen kann, einer davon ist die Traun, die unter Wasser sensationelle Motive bietet.

Das Besondere am Flusstauchen, auch Strömungstauchen genannt, ist, dass man vom Wasser mitgenommen wird, sich tragen lässt, fast das Gefühl hat zu fliegen, heißt es. Flusstauchen ist deshalb auch eine besondere Herausforderung, ein Abenteuer, Schnorcheln im Fluss die massentauglichere Variante.

Knapp 100 Kilometer führt die Traun durch das Salzkammergut. Den, der untertaucht, erwartet viel Spannendes und Überraschendes wie „versunkene“ Unterwasser-Gebäude, alte Wehrbauten und Treppelwege aus der Zeit der Salzschifffahrt. Der Untergrund ist aus weichem Löss, der das Wasser in vielen Jahrhunderten zu riesigen Gebilden geformt hat. Es gibt Höhlen und Tunnel zu entdecken, unerwartete Überhänge, Unterwasserschluchten mit eingekeilten Baumriesen und anmutige Grotten. Am „oberen Traunfall“ liegt eine grüne Felsinsel unter Wasser, vor ihr befindet sich die mit 18 Metern tiefste Stelle des Tauchgebietes. Die riesigen Felsen sind mit Muscheln überzogen. Die beiden alten Pumphäuschen, die einst das frische Quellwasser nach oben befördert haben, kann man betauchen.

Reißende Strömungen und prickelnde Wasserfälle kennzeichnen den fischreichen Voralpenfluss. Unter normalen Bedingungen sieht man acht bis zehn Meter – durch unter Wasser aufgehende Quellen an manchen Stellen mehr als 20 Meter in die Tiefe. Hier begegnet man Äschen, Forellen, Hechten, Barben, Karpfen, Aalen und Barschen sowie selteneren Wasserbewohnern wie Huchen. Viele Fische scheinen kaum mehr Scheu vor den Froschmännern zu haben, stehen still, Aug und Aug mit dem Beobachter, und sind dann mit einem Flossenschlag schon wieder verschwunden.

Entlang des gesamten Flussverlaufs eignen sich viele Einstiegsstellen hervorragend zum Schnorcheln oder Tauchen. Die besten finden sich rund um den Traunfall bei Steyrermühl, der als abwechslungsreiches Tauchrevier gilt. Tauchprofis liefern fachkundige Anleitung zu beeindruckenden Strömungserlebnissen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und mit verschiedenen Schwerpunkten. Franz Pramendorfer hat hier die 1. Österreichische Flusstauchbasis gegründet, das Scuben, wie er das Schnorcheln in der Traun nennt, hat er erfunden.

Einst wurde das Salz, das „weiße Gold“, auf der Traun verschifft, die dazu vom Hallstättersee aus geflutet wurde. Über Jahrhunderte war der zwölf Meter hohe Traunfall ein knochenbrecherisches Hindernis, das ab dem 16. Jahrhundert von den Flößern und Schiffsleuten über verwegene Holzkonstruktionen umschifft wurde. Diese stammten vom Wasserbauingenieur Thomas Seeauer aus Bad Goisern und galten damals als größte Ingenieurleistung Europas auf diesem Gebiet. Davor lud man um und überwand das kritische Stück auf dem Landweg.

1922 wurde das Kraftwerk Siebenbrunn errichtet, weshalb alte Wehranlagen und Brunnenhäuser im ansteigenden Wasser des Staubereichs verschwanden. Der alte Traunfall unterhalb davon ist noch heute von der Brücke aus erkennbar. In mehreren Wasserfällen donnerte die Traun parallel zum Ufer zwölf Meter in die Tiefe. Wo heute im klaren Quellwasser getaucht wird, kochte das Wasser in den Wasserfällen. Es fällt kaum mehr Traunwasser in den Fall, sondern fließt über einen Kanal einige hundert Meter flussabwärts zum Traunfallkraftwerk von 1902. Dies ist in etwa der Weg, den wagemutige Flößer auf ihrer Schussfahrt einst nahmen. Jetzt schlängeln sich Taucher und Schnorchler durch das rauschende, glucksende und tosende Naturparadies, das sich seit dem Bau einer Kläranlage Ende der 1980er Jahre wieder glasklar präsentiert.

Die fantastische Unterwasserwelt der Traun

Oberhalb und unterhalb der Traunfälle wird auch geschnorchelt. So eine Tour erfordert durchaus ein wenig Mut, oft schon der Einstieg ins kristallklare Nass im „unteren Traunfall“, der über einen Sprung von einem Felsen erfolgt. Zum Teil gleitet man durch das Wasser, dann beginnt mit Stromschnellen eine wilde Fahrt, bei der schäumendes Wasser, Wirbel und Strudel das Adrenalin in die Höhe schnellen lassen. Kilometerlang kann man den Fluss und die Auenlandschaft rechts und links genießen. Von den Tauchlehrern wird man an den Einstiegspunkt gefahren und am Ausstieg wieder abgeholt. Die Guides kennen die Traun perfekt und wissen, wie man Engstellen und Stromschnellen gefahrlos meistert. Taucherbrille, Schnorchel, Flossen und ein Neoprenanzug gehören zur Ausrüstung – Letzterer sorgt dafür, dass man nicht auskühlt, Stöße auf der Reise durch das Wasser abgefedert werden und man sich wunderbar schwerelos fühlt. Schnorcheln im Fluss eignet sich auch schon für Kinder (ab acht). Die Traun ist nicht besonders kalt, in den Sommermonaten hat der Fluss 20 °C. Und weil selbst im Winter sehr gute Sichtverhältnisse herrschen, wird auch in der kalten Jahreszeit von und mit Profis getaucht.

Der Süden Oberösterreichs, vom Salzkammergut bis zur Enns, zählt zu den Geheimtipps in Sachen Fluss- und Bachtauchen. Auch Ager, Mondseeache, Weißenbachtal, Steyr und Enns sind Fließgewässer, die Taucher in ihren Bann ziehen.

INFO: Atlantis Qualidive, Franz und Ursula Pramendorfer

Tauchbasis: Viecht am Traunfall 10a, 4693 Desselbrunn

+43 (0) 676/​419 01 06

www.flusstauchen.at

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Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
23 aralık 2023
Hacim:
227 s. 112 illüstrasyon
ISBN:
9783990404041
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Telif hakkı:
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