Kitabı oku: «Kässpätzlesexitus»
Michael Boenke
Kässpätzlesexitus
Kriminalroman

Zum Buch
Tödliche Kässpätzle Sommer, Sonne, Riedidyll in Oberschwaben. Eine Brauerei richtet ein Kässpätzleswettessen aus, an dem auch die Motorrad-Gang von Daniel Bönle teilnimmt. Während des kulinarischen Wettbewerbs kommt es zu einem tragischen Unglück. Eine Teilnehmerin, die eine Gruppe Motorradfahrerinnen unterstützt, erstickt beim Wettbewerb am schwäbischen Nationalgericht. Ein Unfall, so heißt es. Wenig später findet man im Pasteurschrank der Brauerei eine Tote, die schon beim Kässpätzlesevent eine Rolle spielte. Im Dampf durchgegart! Daniel Bönle, der mittlerweile als Hausmann und stolzer Jung-Vater in seinem neuen Heim sein Dasein fristet, mag nicht an die Aneinanderreihung von Zufällen glauben. Hat die Damen-Biker-Gruppe etwas mit den Todesfällen zu tun? Und welche Rolle spielt der Neue in Bönles Biker-Gang? Plötzlich ergeben sich viele Fragen und wenige Antworten.
Michael Boenke wurde 1958 in Sigmaringen geboren und lebt heute im oberschwäbischen Bad Saulgau. Er absolvierte ein Studium der Germanistik und Katholischen Theologie. Von 2002 bis 2010 war er am Institut für berufsorientierte Religionspädagogik an der Universität Tübingen und als Schulbuchautor tätig. Seit September 2010 unterrichtet er am Berufsschulzentrum in Bad Saulgau. Nach Veröffentlichungen als Schulbuch-, Sachbuch- und Kinderbuchautor gab der begeisterte Harley-Fahrer 2010 sein erfolgreiches Krimidebüt.
Impressum
Personen und Handlung sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen
sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
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Alle Rechte vorbehalten
1. Neuausgabe 2021
Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt
Herstellung/E-Book: Mirjam Hecht
Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart
unter Verwendung eines Fotos von: © Jack Jelly / Fotolia.com
ISBN 978-3-8392-4600-9
Widmung
Für Johannes, der etwas geschafft hat, was ich nicht geschafft habe!
1. Monkey
»Schlitzbüchs! Du elendige! Wart bloß, nachher setzt’s was! Und fahr nicht so schnell in Hof rein, du machst ja die Säue ganz verrückt! Und den Auspuff reparierst jetzt endlich mal. Ich möchte nicht noch mal die Polizei auf dem Hof haben.«
Wirkungslos streiften die Worte die Tannen und Birken, die den Hof als lebende, jahreszeitlich grün gekleidete Schutzsoldaten umgaben. Der Bauer stemmte die Fäuste in die Hüften, spuckte auf den Boden, schüttelte den Kopf und zischte:
»Schlitzbüchs, dir werd ich schon noch Mores beibringen!«
Die Tochter öffnete mit einer Hand routiniert den Helmverschluss des mattschwarzen Bell-Helmes, zog ihn, das Gesicht schmerzlich verziehend, vom Kopf und schüttelte ihr blondes, schulterlanges Haar aus.
»Hast du gehört?«, schimpfte der Vater über die Hühner hinweg, die nach der rasanten Einfahrt der jungen Frau aufgeregt wieder ihre Pickplätze eingenommen hatten.
»Das solltest selbst du begreifen, dass ich unter dem Helm nichts höre! Aber, wenn man seinen Verstand versoffen hat …«
»He, ich hab mit dir geredet, ras nicht so in den …«
»Aber ich nicht mit dir!«
»Unverschämtes Luder, wart bloß …«
Der echauffierte Ried-Landwirt griff zu einer abgebrochenen Holzstange, die einst, zu besseren Zeiten, dazu diente, Stangenbohnen ein Wachs- und Tragegerüst zu geben, und rannte drohend auf seine Tochter zu. Die Beschimpfte stieg lang- und breitbeinig in provokantem Zeitlupentempo über das blaue Minimotorrad, streckte dem heranstürmenden und schwankenden Vater die Zunge heraus und zeigte ihm den mehrfach Silber beringten Mittelfinger der rechten Hand. Der Bauer hob die Bohnenstange über den Kopf und – stolperte wenige Schritte vor seinem Opfer, landete auf dem gekiesten Boden des heruntergekommenen Hofes.
»Schlitzbüchs, du elendige … solange du deine Füße unter meinen Tisch streckst … deine Schwester, nimm dir ein Beispiel an deiner Schwester … was hab ich bloß mit dir falsch gemacht? Die Chantal macht bloß Freud, und du, du bist, du, du …«
»Nix, mach eine Entziehungskur, Papa, dann wär auch die Mama noch hier, dann wär die nicht weggelaufen. Und lass mich einfach mein Leben leben und nicht das meiner Schwester!«
Sie half ihrem Vater auf die Beine, entwand ihm die Waffe Bohnenstange und schmiss sie leichthändig, mit erstaunlicher Energie in die verstörte Hühnerschar. Widerwillig machte sich der Vater von seiner Tochter los.
»Lass mich, das kann ich allein!«
»Mal sehen!«
Der 45-jährige Landwirt klopfte unsicher stehend mit tapsigen Handbewegungen über seinen verwaschenen ›Blauen Anton‹, um die Kieselsteinchen zu entfernen. Mit weitem, regional eher untypischem Seemannsgang versuchte er, den Kurs zum Stall hin zu halten.
Der sichere Hafen.
Sein Reich.
Der Stall.
Das Versteck.
Der Schnaps!
Jacqueline spuckte auf den Boden, stieß mit ihren verwitterten Cowboystiefeln die ärgerlich ächzende Eingangstür auf.
»Hi!«
»Hi!«
»Was war wieder los?«
»Nix, er ist wieder besoffen! Er hat mich wieder als Schlitzbüchs beschimpft!«
»Nimm das nicht so ernst, Schaki, du weißt doch, seit die Mama weggelaufen ist, ist alles schlimmer geworden, noch schlimmer, jetzt geht er bestimmt wieder in den Stall!«
Jacqueline schüttelte langsam den Kopf.
»Das ist doch egal, der war doch schon wieder auf Alk, der konnt sich kaum auf den Beinen halten.«
Die hagere Chantal zuckte mit den Schultern. Gemeinsam gingen sie in die Küche, in der der Geruch von abendlichen Pfannkuchen den vom mittäglichen Kohl überlagerte.
»Pfannkuchen, Schanti?«
Chantal nickte.
»Warst du wieder mit den Brides unterwegs?«
Jacqueline nickte.
»Wie möchtest du deinen ersten?«
»Mit Speck und Zwiebeln. Isst du nichts?«
»Hab schon!«
»Glaub ich nicht!«
»Lass mich!«
»Hast du’s wieder rausgekotzt?«
»Lass mich in Ruhe!«
»Gell, du hast wieder alles rausgekotzt?«
»Lass mich endlich in Ruhe! Ich lass dich leben, du lässt mich leben, okay?«
»Ja, okay, aber du musst normal essen!«
Jacqueline scannte ohne Emotionen die schlanke Silhouette ihrer Schwester. Eigentlich sahen sie sich sehr ähnlich, wenn sie nur ein bisschen etwas aus sich machen würde.
»Du verkümmerst noch auf dem Hof hier«, murmelte kopfschüttelnd die Schwester.
»Was hast du gesagt?«
»Nichts!«
Chantal wendete routiniert den Pfannkuchen, schüttelte ihn zuvor kurz auf der schwarz glänzenden Bratfläche der gusseisernen Pfanne. Auf der goldbraunen Oberfläche verteilte sie mit einem Löffel gerösteten Speck und Zwiebeln aus einer weiteren Pfanne.
»Schnittlauch?«
»Mhh.«
»Mama hat ihn auch immer mit Schnittlauch gegessen!«
»Mhh.«
»Hat sie sich heute gemeldet?«
»Hmm.«
»Ihr neuer Lover ist ein Arsch!«
»Ich weiß, aber er säuft wenigstens nicht!«
»Mensch, Schaki, du trinkst doch auch, wenn du mit deinen Brides unterwegs bist!«
»Das ist was anderes, wir genießen Alkohol, Papa säuft. Ich bin noch nie umgefallen. Papa sieht man häufiger in der Horizontalen als in der Vertikalen!«
»Ihm fehlt Mama!«
»Die ist gegangen, weil er so säuft.«
Chantal lieferte den Pfannkuchen aus der heißen Pfanne an ihre Schwester Jacqueline. Geschickt hatte sie ihn mit dem Pfannenwender zu einem halbierten, gefüllten Pfannkuchen geformt und sanft auf Jacquelines Teller gleiten lassen.
»Lass dir’s schmecken, Schaki!«
»Mhh. Wie macht man eigentlich Pfannkuchen?«
»Mein Gott, ich glaub’s ja nicht, das bekommt doch jeder hin.«
»Quatsch keine Opern, wie geht’s? Das würde ich gerne mal mit den Brides machen.«
»Soll ich dir das jetzt wirklich erzählen?«
»Los, mach schon!«
»Mehl, Eier, Milch, Salz, Prise Zucker. Das ist alles!«
»Wie viel von dem Zeugs?«
»Ich nehme bei 500 Gramm Mehl nur ein Ei …«
»Und wie viel Milch?«
»Schau, bis der Teig so eine Konsistenz hat. Und ich mach immer mehr Pfannkuchen, die halten prima ein paar Tage im Kühlschrank, das gibt dann mit einer Fleischbrühe eine tolle Flädlesuppe. Das hat die Mama auch immer so gemacht.«
»Ach lass mich mit Mama in Ruhe!«
»Machen deine Brides jetzt mit beim Kässpätzleswettessen am Samstag in K’wald?«
»Klar sind wir dabei! Wir müssen die arroganten Harley-Säcke doch schlagen. Dieses Mal holen die Brides den Pokal!«
»Wer ist noch mit dabei?«
»Der Witwer-Klub, die haben gegen uns keine Chance, das sollen hundsalte Säcke sein, die nur teilnehmen, um nicht zu verhungern. Der Älteste soll 100 sein oder mehr. Aber die Junge Union, die können fressen, da müssen wir aufpassen.«
»Nur vier Mannschaften?«
»Nein, noch ein paar Vereine aus der Umgebung und irgend so ein Saufverein.«
»Wie viele Leute pro Mannschaft?«
»Fünf, wir brauchen noch eine Mitesserin. Du kommst doch auch, Schanti? Bitte, dann kommst du hier mal raus. Wir brauchen dich als Verstärkung, reinstopfen kannst du ja, darfst nachher auch alles wieder rauskotzen!«
»Lass das, ich will nicht, dass du so mit mir redest. Mit Sicherheit gehe ich nicht zu diesem Wettfressen! Außerdem will ich hier nicht raus. Wenn ich sehe, wie du lebst, immer nur deine Brides, ihr seid doch so was von billig.«
»Ich habe wenigstens noch meinen Job als Taxifahrerin, aber du hängst nur hier ab. Seit Mama weg ist, redest du davon, die Mittlere Reife nachzumachen. Lupf doch endlich deinen faulen Arsch und versteck dich nicht nur hier auf dem Hof.«
»Fauler Arsch, das sagt die Richtige, wer macht denn hier alles, putzen, kochen, Garten, die Schweine, den Vater versorgen, wenn er mal wieder alles vollgekotzt hat? Wer? Sag’s! Wer? Los, sag’s!«
»Ach, fuck you! Verreck doch hier und sei stolz drauf! Lass mich jetzt in Ruhe essen. Ich muss gleich bei meinen Brides sein!«
»Fuck you selbst, Biker-Schlampe!«
2. Jeauloise minds
»Die arrogante Kuh, die rällige, ich könnt ihr den Hals umdrehen. Das war mir klar, dass sie Berthold anmacht, die Büchs, die verdammte!«
Flora warf ihr langes, rotes Haar energisch aus dem Gesicht, die grünen Augen eisten Monscheri.
»Hei, bleib cool, Sister, du weißt doch, wie sie ist, das vergeht schnell wieder. Und mich brauchst du nicht so anzustieren, ich kann nichts dafür, Sister.«
»Schon, aber ihr scheint’s nur drauf anzukommen auszuspannen. Sie soll die Finger von Berthold lassen, auch wenn sie die Chefin ist!«
»Ja, das weißt du doch! Sie muss alles dominieren, was meinst du, wie’s ihrer Schwester geht?«
Flora rutschte auf der schmalen Sitzbank ihrer schwarzen Honda Monkey nervös hin und her. Sie trommelte einen Stakkato-Rhythmus auf den mit aufgeklebten Blümchen versehenen Tank der winzigen Viertaktmaschine. Die silbernen Ringe verstärkten den blechernen Klang.
»Hey Sister, ganz ruhig, deine Maschine kann nichts dafür.«
Monscheri verzog ihre vollen Lippen und legte eine blendende Reihe weißer Zähne frei. Viel zu groß, um bequem auf ihrem kleinen Gefährt zu sitzen, stand Monscheri breitbeinig neben ihrer Monkey mit der Zebramuster-Lackierung. Als Monscheri das Viertaktbrummen einer weiteren Monkey hörte, stellte sie einen Fuß provokativ auf den Sattel ihrer auf dem Seitenständer ruhenden Maschine, was ihre langen Beine noch besser zur Geltung brachte. Sie strich sich durch den Afrolook, um die Haare noch weiter aufzustellen, und demonstrierte die coolste Mimik ihres schwarzen Gesichts. Ebenso schnell mutierte das Gesicht wieder freundlicher, als sie die Maschine von Aische, begleitet von einer Staubfahne auf den Kiesparkplatz am Seepark einbiegen sah.
Monscheri nahm den Fuß vom Sattel und hob die Hand zum Gruß. Dreimal machte sie eine Faust in der Luft. Das Erkennungszeichen der Busty Biker Brides.
»Hey, das ist Aische! Die Chefin hat’s mal wieder nicht nötig, pünktlich zu sein.«
Flora schüttelte, immer noch verärgert, den Kopf. Die Haare blitzten trollingerrot in der Sonne des frühen Abends.
»Schaki war noch nie pünktlich, ich kratz ihr die Augen aus, wenn sie kommt!«
»Sister, bleib cool.«
Monscheris Mund wurde noch breiter. Sie klopfte versöhnlich auf Floras schmächtigen Rücken.
Aische hob noch in der Anfahrt die Hand zum Brides-Gruß. Dann drückte sie einfach auf die Hinterradbremse, stellte ihre Monkey auf dem Kies mit einem knirschenden Geräusch quer, schon war der schwarze Bell-Helm mit den drei weißen B vom Kopf gerissen. Schwarzes, langes Haar ergoss sich aus dem Helm. Die attraktive Dunkeläugige grinste:
»Hätte mich gewundert, wenn ich die Letzte wäre. Ich bin ja schon zu spät. Wo ist Schaki? Hat sie gesimst?«
»Die soll nur kommen, der kratz ich die blauen Augen aus! Nur weil sie die Chefin ist, schmeißt sie sich an jeden ran!«
»Oh, oh, du bist doch sonst unsere Aufreißerin, Flora. Immer noch sauer wegen deinem Bauernbuben Berthold? Der passt doch zu Schaki, der kann doch dann den Heberle-Hof übernehmen – bevor er ganz zusammenfällt.«
Die drei Biker Brides lachten. Sie umarmten sich, die drei winzigen Hondas standen nun einträchtig in einer Reihe. Die roten Punkte auf dem Tank von Aisches Maschine leuchteten blutrot.
Vom Litzelbacher Weg her dröhnte Schakis Maschine mit der defekten Auspuffanlage. Die drei Brides grinsten:
»Achtung, die Chefin.«
»Ich kratz ihr die Augen aus, ich geb ihr eins aufs Maul.«
Monscheri und Aische zwinkerten sich zu.
Nachdem Schaki die Monkey-Parkreihe perfektioniert hatte, ging sie selbstbewusst breitbeinig auf ihre drei Mit-Brides zu. Das blonde Haar warf sie mit einer streichenden Handbewegung von der Stirn über den Kopf in den Nacken. Dann der obligate Gruß.
Ihre blauen Augen blitzten, als sie mit einem strahlenden Lachen zuerst auf Flora zuging und die Arme weit öffnete.
»Tag, Flora, altes Flittchen. Alles im grünen Bereich?«
Flora öffnete ebenfalls ihre Arme, versuchte ihr heiterstes Lachen. Die Rivalinnen umarmten sich. Rot und goldblond. Rot einen halben Kopf kleiner. Schwarz gesellte sich dazu. Die Farben Deutschlands. Ein enger Multikulti-Zirkel.
Schaki, Präsidentin der Busty Biker Brides, deutete nur leicht mit dem Kopf Richtung See. Die Vier wussten, wohin es ging. Dort, direkt am Wasser konnten sie sich ungestört unterhalten und gleichzeitig den Wakeboardern zuschauen, die sich über den See der Pfullendorfer Seepark-Anlage ziehen ließen.
3. Blattschuss
Ich lag auf dem Balkon unseres neuen kleinen Reiches mit der Zweifachdoppelgarage und dem riesigen Stellplatz. Blickte ich zum fernen Hang, den Kopf leicht nach rechts drehend über die wenigen Häuser Riedhagens hinweg, sah ich den Giebel mit den dunklen Fenstern meines Erbreiches, meiner vorherigen Behausung. Schaute ich geradeaus, aber ganz leicht nach links, dann konnte ich in circa 200 Metern Entfernung die Rückseite des ›Goldenen Ochsen‹ mit seinem kastanienbaumgeschwängerten Biergarten sehen. Ein angenehmer Anblick, vor allem in dieser Hitze. Hätte ich nach hinten durch den Neubau blicken können, sähe ich direkt auf die Weide mit den Lamas, dahinter öffnete sich das naturbelassene Ried.
Mit dem Fernglas konnte ich sogar von dem Balkon aus auf Korbi aufpassen, den ich heute Morgen schon mit dem Chevrolet Impala, den liebte er ganz besonders, zu Frieda in den ›Goldenen Ochsen‹ gebracht hatte. Eine der russischen Bedienungen hatte ihn gerade auf dem Schoß, und er nuckelte an irgendetwas Gelbem herum. Ich wusste nicht was, ich legte das Fernglas auf die hölzerne Balkonbrüstung, um das Bild nicht zu verwackeln. Nicht, dass die Russin ihm zu viel Süßes gab. Bei den Russinnen weiß man ja nie, die verwöhnen ein Kind schnell. Ich musste mir unbedingt ein Fernrohr mit Stativ kaufen, um besser auf Korbi aufpassen zu können. Er war jetzt fast drei, in dem Alter ist man recht mobil.
Aber was tut man nicht alles als Vater. Nicht nur, dass ich für die Erziehung meines Sohnes den Beruf temporär aufgegeben hatte, nein, ich hatte mir sogar ein Smartphone geleistet, um den vielfältigen Erziehungsaufgaben noch gewissenhafter nachgehen zu können. Friedas Nummer und die Nummern aller Bedienungen waren auf dem handlichen technischen Wunderwerk gespeichert. Ich zog das schwarze Phone, das ich mit dem MIKEBOSS-Logo, einem Totenkopf mit Augenklappe und dem Schriftzug unseres harleyvergötternden Vereins, verschönert hatte, aus meiner Hosentasche und whatsappte zu Oxana. Ich hatte mich durch das Fernglas versichert, dass es tatsächlich Oxana war und das Gelbliche, an dem Korbi nuckelte, mir nicht bekannt.
Entwarnung, ein Apfel. Vermutlich ein Delicious.
»Alles okay, Dani?«
»Ja, nur ein Apfel.«
»Willst du wirklich nicht rüberkommen? Nur auf einen Kaffee?«
»Mal sehen, ich muss doch auf Korbi aufpassen.«
»Das geht genauso von meinem Balkon aus, da wärst du sogar ein paar Meter näher dran.«
Wenn ich meinen Kopf um ungefähr 30 Grad, geschätzt, nach links drehte, sah ich zu meiner Nachbarin. Ein schönes, kleines Fertighaus. Zoomte ich mit meinen Augen ein bisschen, sah ich den Balkon mit dem Glasscheibengeländer. Zoomte ich noch mehr, sah ich auch einen Balkon, Hildes. Wie immer, wenn Cäci nicht hier war, sonnte sie sich meist oben ohne auf ihrem Balkon. Hilde legte Wert auf nahtlose Bräune. Vielleicht litt sie sogar unter einer Textilallergie, das weiß man ja nie.
Hilde, die Lama züchtende, sportive Grundschullehrerin, die zurzeit in Sigmaringen an der Berufsschule unterrichtete, versuchte es noch einmal. Diesmal mit Psychologie.
Sie stand auf, räkelte sich, streckte die Arme weit nach oben, knetete mit beiden Händen unsichtbaren Hefeteig, den Kopf weit in den Nacken, ein erzwungenes Gähnen, gemütliche Müdigkeit suggerierend, und gurrte:
»Ach, komm doch kurz rüber, grübel nicht nur auf deinem Balkon rum, du hast doch ganz schön viel mitgemacht in letzter Zeit: Hochzeit, Hausbau, Kind und ähh … du weißt schon, das war ja nicht ganz einfach für dich. Komm doch rüber, dann kannst du das ähh … vielleicht besser verarbeiten, wenn wir darüber reden. Vielleicht machst du dir Vorwürfe. Komm, ich mach dir einen Kaffee!«
Sie verschränkte beide Hände im Nacken und streckte sich ins Hohlkreuz, drehte den Oberkörper mit starrem Becken energisch von links nach rechts, Knackgeräusche begleiteten die im oberen Körperbereich nicht unansehnliche Übung zur gymnastischen Ertüchtigung.
»Mit Milch?«
»Äh, zwei, äh ja, äh, nein. Ich glaube, ich komme später noch mit Cäci rüber.«
»Cäci kommt normalerweise erst gegen 18 Uhr, es ist noch nicht einmal 16 Uhr. Und wie gesagt, das weiß heute jedes Kind, wenn man nicht verarbeitet, ähh, solche Ereignisse, dann kann das unter Umständen sogar zu Psychosen führen. Das weiß man heute.«
Eine neue, nicht weniger attraktive, eurythmische Körperübung begleitete diese Aussage keuchend. Sie beugte nun den Oberkörper, die Hände immer noch im Nacken verschränkt, langsam rhythmisch von oben nach unten, wobei ein schlankes Bein über die Ferse am Balkongeländer abgestützt wurde. Gott sei Dank hatte mein neues Smartphone eine Kamerafunktion.
»Aber nur für den Eigengebrauch!«, mahnte die gymnastikbegeisterte Nachbarin von Balkon zu Balkon.
»Und jetzt komm schon, ich mach dir einen Lattematschiatto! Bei einem Latte kann man besser reden, verarbeiten, ich denke, wenn du das nicht machst, kommen irgendwann Schuldgefühle, obwohl ich mir bei dir da nicht so sicher bin! Also, wie wär’s mit einem Lattematschiato?«
»Macchiato, das heißt ja auch nicht Lambortschini, sondern Lamborghini, auch nicht Butschatti, sondern Bugatti. Es heißt eigentlich auch nicht Tschirokonto oder Tschournalist, aber das wissen heute nicht einmal mehr Fernsehjournalisten, geschweige denn Lehrerinnen.«
Hilde löste den Körperspannungsbogen und lümmelte beleidigt zurück in ihren Deckchair.
Ja, verarbeiten, da hatte Hilde, die flexible Nachbarin nicht ganz unrecht, obwohl die Frage nach der Schuld in diesem speziellen Falle nicht ganz einfach zu klären war. Ja, auch der Umgang mit Susi, so sagen meine Kritiker in dieser heiklen Angelegenheit, sei nicht gerade ein Lehrstück an Sensibilität gewesen. Ja, die Susi, die hat das natürlich mitgenommen, das Ganze, zweifelsohne. Aber uns erst, die MIKEBOSSler und vor allem mich als Präsident.
Natürlich war da der kleine unschöne Streit, den auch Susi mit aller Härte geführt hat, wem Butzi mehr gehört, seiner Familie, quasi seiner Frau und seinen minderjährigen, kleinen Kindern oder den MIKEBOSSlern, quasi uns, also quasi mir. Gott sei Dank konnten wir uns durchsetzen, wegen Eiche rustikal. Nicht vorstellbar – Eiche rustikal und Butzi. Aber erst nach Androhung rechtlicher Schritte war Butzis Lebensgefährtin bereit, die Rechte an Butzi an die MIKEBOSSler abzutreten. Aber Frauen sind in solchen Sachen erfahrungsgemäß recht zäh. Es war ja auch ein sensibler Bereich, das musste selbst ich eingestehen.
Und so konnten wir unseren Butzi nicht in Eiche rustikal, sondern ganz in Schwarz mit unserem Totenkopflogo zur letzten Ruhestätte tragen. Natürlich waren wir MIKEBOSSler an diesem traurigen Tag alle in Schwarz, natürlich trugen wir unsere schwarzen Kutten. Wie hätte das denn zu Eiche rustikal gepasst? Wir hätten uns lächerlich gemacht – und das im Angesicht des Todes. Aber Frauen sind da wirklich zäh, ja fast schon penetrant. Wir hatten uns dann gütlich geeinigt, mit Druck erreicht man, vor allem in so einer heiklen Situation, überhaupt nichts. Und ich ging mit meinem gesamten psychologischen und nicht zuletzt pädagogischem Geschick vor und ließ Susi einfach mal ausrechnen, mit wem Butzi mehr Zeit verbrachte: mit seiner Familie oder den MIKEBOSSlern. Das Ergebnis war eindeutig.
Zuletzt ließ sie sich aber dadurch überzeugen, dass ich Deutsch mal fachfremd unterrichten musste und Susi in eine kommunikationsanalytische Falle tappte. Ich fragte sie nur: Wer sagt denn von den Streitparteien unser Butzi? Da brach sie in Tränen aus, typisch Frau, und kreischte mich an, wir sollen doch tun, was wir wollten, das täten wir eh immer. In Anbetracht der tragischen Gesamtsituation hätte ich von Susi einen einfühlsameren Ton uns gegenüber erwartet. Schließlich hatten wir unseren Butzi verloren.
Schwarz war sofort klar, die Frage, wohin unser Logo sollte, war dann eine längere Diskussion. Gesicht wollte es auf den Längsseiten, links und rechts. Joe wollte die Logos verstreut auf allen sichtbaren Seiten haben. Flaschen-Gordon, der immerbesserwisserische Latein- und Sportlehrer, wollte aus unerklärlichen Gründen gar keinen Totenkopf auf dem Sarg. Ich plädierte abschließend und entscheidend, meiner präsidialen Verantwortung in dieser Frage bewusst, für die Oberseite und das gesamte MIKEBOSS-Emblem, damit unser letzter Blick von oben herab auf Butzi auch ein Blick auf unser schönes Logo mit dem Totenkopf und der Augenklappe war. Gott sei Dank konnte ich mich durchsetzen, aber nur mit der Unterstützung Deos, der diese Anbringung eines einzelnen Abzeichens, das gen Himmel zeigte, »wüadavolla« fand.
Und dann war es wider alle Erwartungen doch noch eine richtig schöne Leich geworden. Zunächst hatten wir MIKEBOSSler den Sarg mit dem herrlichen Logo, das viele stille Bewunderer fand, in die kleine Kapelle geschoben. Natürlich waren wir nun ein Mann weniger, um zu schieben, aber Butzi konnte aus leicht erklärlichen Gründen nicht am Schiebeprozess teilnehmen. Nicht, dass er sich gedrückt hätte. Er lag im Sarg. Schon hier, bei der ersten konzertierten Aktion der MIKEBOSSler nach Butzis Tod fehlte er uns.
Aber wie gesagt, es wurde eine richtig schöne Leich, auch weil wir uns bei der Musikauswahl durchsetzen konnten. Susi wollte natürlich ›So nimm denn meine Hände‹. Das geht ja gar nicht, Butzi ist nicht im Alter von 104 Jahren, dement und inkontinent an Altersschwäche gestorben. Er wurde im zartesten Alter von einer Kugel dahingestreckt. Da kann man doch nicht ›So nimm denn meine Hände‹ vom MP3-Player über die Kapellenlautsprecher knirschen lassen. Da braucht man eine Anlage mit Schmackes und ›Highway to hell‹.
Wir trugen den Sarg mit den sterblichen Überresten Butzis zum ausgehobenen Grab, wobei es mit den Cowboystiefeln und dem groben Kies doch eines kleinen Balanceaktes bedurfte, ungestolpert zum frisch ausgehobenen Erdhaufen zu gelangen. Beim Absetzen des Sarges auf die Ablassvorrichtung mit Seilwinde schoss es Gesicht dermaßen ins Kreuz, dass ein Schmerzstöhnen die Stille durchbrach. Voller Mitleid lugten neugierige Blicke unter halb gesenkten Lidern zu uns MIKEBOSSlern.
Es wurde dann aber auch noch eine sehr schöne Leich, weil Deodonatus eine Laudatio auf seinen Freund Butzi hielt. Dem stattlichen Massai und Riedhagener Pfarrer liefen wieder und wieder Tränen der Trauer über sein dunkles Gesicht. Ständig musste er von Weinkrämpfen geschüttelt seine schöne Rede unterbrechen.
»Da Butzi wa wirklich eina guta Mensch, auf keina andara Mensch trifft da Schprichwoat bessa zu, raua Schala, aba weicha Kean.«
Als Deodonatus Ngumbu, unser Buschpfarrer in seiner über 30-minütigen, tränenreichen Rede zu der Stelle kam, als Butzi ihm sein Missionsfahrzeug beschaffte und fahrtüchtig machte, gab es kein Gesicht auf dem kleinen Friedhof, das nicht tränennass glänzte.
»Und da kam da Butzi bei mia voabei gedonnat mit da wundaschöna Zweitakta. Mit da NSU Quickly von Neunzehhundatsiebanafuffzig. Noch heuta ist das meina Dienstfaazeug und hat mich noch nie in da Stich gelassa.«
Ein kumulatives Aufschluchzen ließ die Trauergemeinde erbeben.
Es war eine sehr schöne Leich.
»Und füa da Butzi hab ich noch seina Lieblingslied, es soll uns alla daran erinnara, was füa ein verruckta Hund da Butzi war.«
Und wieder flossen Sturzbäche der Trauer über das schwarze Antlitz, als nach einem zarten Kopfnicken zu einem der rot-weiß gekleideten Ministranten, der unauffällig einen Musikplayer aktivierte, die ersten Takte von ›Breaking the law‹ in konzertreifer Lautstärke über den ansonsten eher schweigenden Ort grollten.
Den musikalischen Höhepunkt markierte jedoch der Auftritt der Löchligugger in ihrer herrlichen, fasnetletztsaisonalen, wunderschönen Indianer-Uniform. Für ihr auf tragische Weise zu Tode gekommenes Mitglied Butzi intonierten sie trefflich, den Umständen des Ereignisses sensibel angepasst, Butzis Guggen-Lieblingslied ›Über den Wolken‹. Als dann alle Löchligugger abschließend, zweistimmig a cappella den Refrain sangen, waren es Tränen-Tsunamis, die sich über den kleinen oberschwäbischen Friedhof Bahn brachen.
Die Leich wurde noch schöner, als die frischgebackene Witwe Susi am Grab, jeder Ganghofer-Verfilmung zur Ehre gereichend, bewusstlos zusammenbrach und kurz danach eine, allen übrigen Trauergästen gänzlich unbekannte Blondine mit einem schwarzen, jedoch kaum daumenbreiten Ledermini bekleidet bei der Kondolenztour vor dem offenen Grab stand, die Hände gen Himmel streckte, was die Kürze des ledernen Lendenschurzes noch unterstrich, und verzweifelt aufschluchzte:
»Waruuuum?«
Butzis Kinder standen winzig und fassungslos mit zusammengekniffenen Mündern Händchen haltend da und verstanden nichts von alledem.
Der abschließende Leichenschmaus in Friedas ›Goldenem Ochsen‹ endete dann im üblichen Besäufnis und war der krönende Abschluss einer schönen oberschwäbischen Leich. Noch einmal wurden die Umstände des Butzischen Todes dramatisch aufgearbeitet.
Eigentlich, wenn man ehrlich ist, könnte Butzi noch leben. Dann könnte er im Krankenwagen von Unfall zu Unfall, von Patient zu Patient fahren, um dann nach getaner Arbeit mit seinen MIKEBOSSlern bei Frieda, in der Riedwirtschaft, im ›Stengel‹ oder im ›Franzis‹ ein Bier zu trinken. Oder am Wochenende mit seiner Truppe ausfahren, gelegentlich auch mal zu Hause sein, um ein neues Kind zu machen. Aber da nützt das ganze Philosophieren nichts, obwohl er schon noch leben könnte, wenn wir nicht gewettet hätten.
Eigentlich hatte das Ende da angefangen, wo es gerade endete, nämlich in Friedas ›Goldenem Ochsen‹. Genauer gesagt in der Gruselkammer, wie wir MIKEBOSSler sie nannten, im Kaiserzimmer, wie es Cäci spöttelnd titulierte, im Jägerstüble, wie es Frieda liebevoll bezeichnete.
Das Nebenzimmer war von Cäcis Vater, einem passionierten Jäger geschmacklos, dennoch liebevoll eingerichtet worden. Der Jägerstammtisch war hier zu Hause, vor allem nach einem Gemetzel bliesen sie hier in volltrunkenem Zustand auf ihren Hörnern und berichteten von erlegten Fasanen in Geiergröße, von dahingestreckten Hasen in Wildschweingröße und von gemeuchelten Wildschweinen mit den Ausmaßen eines Nashorns.
Über der antiken Wurlitzer hingen hohläugige, gelbgruselnde Schädel von erlegten Säugetieren und grinsten hämisch von der dunklen Holzwand. Die meisten Entfleischten hatten Geweihe. Auf den Geweihen saßen wiederum die trefflich präparierten, gefiederten Freunde des Waldes und der Wiese: Fasane, Elstern, Eichelhäher, aber auch Raubvögel wie Bussarde und Sperber hockten mit dünnen, drahtfixierten Beinchen auf den Geweihen. Im Zentrum des morbiden Arrangements thronte jedoch der mächtige, präparierte Kopf eines Ebers, den Cäcis schmächtiger Vater zu seinen Lebzeiten vom Leben in den Tod befördert hatte. Nun waren sie beide tot. Der eine Krebs, der andere Kugel.
Hätte Cäcis Vater den Eber nicht geschossen, würde Butzi heute wahrscheinlich noch leben. Und wären wir auf die Wette, entstanden in alkoholgeschwängerter, klandestiner Atmosphäre nicht eingegangen, obwohl es keine schlechte Wette war, würde Butzi jetzt nicht kalt im Sarg liegen, sondern mit uns philosophieren.
»Wetten, dass ich mit einem Eberfell durch den Wald laufe!«
Eigentlich ist das zuerst mal nichts Aufregendes oder Außergewöhnliches, vor allem nicht für Butzi. Interessanter wird das schon, wenn man weiß, dass es nachts sein sollte und zu einem Zeitpunkt, wo Wildsauen mal wieder ganze Landstriche nächtens umgepflügt hatten und die ortsansässige Jägerschaft beschlossen hatte, die Sau zu jagen. Man muss zu unserer Ehrenrettung aber auch sagen, dass wir zum Zeitpunkt der Wette nicht mehr ganz nüchtern waren und somit der Spaß größer schien als das Risiko.
Die Wildschweindecke holten wir aus Friedas Asservatenkammer – und dann ging’s los:
In den Wald!
Zu den Jägern!
Butzi klasse!
Auf allen vieren!
Geschmeidig!
Grunzend!
Der Schuss!!
Kein Grunzen!
Fassungslosigkeit!
Vor allem bei seinem Vater. Ein guter Schütze. Ein Blattschuss.
In der »Schwäbischen« tags darauf: »Tragischer Jagdunfall. Vater erschießt als Wildschwein verkleideten Sohn.« Der »Südkurier« ganz ähnlich: »Wildschwein entpuppt sich als Sohn. Jäger war der Vater.« Die »BILD«-Zeitung: »Blattschuss – Sau ist Sohn.«
Wenn ich meinen Blick vom ›Goldenen Ochsen‹ weg ein bisschen, aber nur ein kleines bisschen nach rechts und dann Richtung Ortsmitte und dann nach oben bewegte, konnte ich den schönen Zwiebelturm der Riedhagener Kirche erkennen. Dort ist auch der Friedhof, wo wir unseren Butzi zu Grabe getragen haben.
4. Viererbande
Die vier schauten von der Bank aus auf den glitzernden See. Immer wieder kommentierten sie kunstvolle Figuren oder Stürze der Wakeboarder, die neben dem Restaurant starteten und dann über einen Parcours gezogen wurden. Vor allem an der Rampe wurde es spannend.
Schaki stand langsam auf, drehte sich, sodass sie den dreien ins Gesicht blicken konnte, den See nun im Rücken, steckte die Hände in die viel zu enge Hose, wippte breitbeinig, das Haar rotsonnenblond.
»Wir müssen eine Strategie gegen die Jungs entwickeln. Gefährlich werden können uns nur die Junge Union und die Harley-Deppen! Die Freaks haben letztes Jahr den Pokal und das Preisgeld mitgenommen. Von denen braucht bestimmt keiner die Kohle. Habt ihr gesehen, was der Bönle, der arrogante Sack, sich für eine Hütte ins Ried gestellt hat?«
Flora blickte unterwürfig zur Präsidentin der Busty Biker Brides hoch und nickte eifrig:
»Die haben Kohle ohne Ende, er hat doch von seinen Eltern wahnsinnig viel geerbt, und Cäcilias Mutter gehört doch halb Riedhagen. Ich weiß von Cäcilia, dass sie das Grundstück von ihrer Mutter geschenkt bekommen haben. Stell dir mal vor, so ein Riesengrundstück in der Lage, einfach geschenkt.«
Um ihrer Fassungslosigkeit und ihrer Unterwürfigkeit gegenüber Schaki noch mehr Ausdruck zu verleihen, zog Flora das Genick ein, schob ihre Schulterblätter zusammen, sodass sie noch schmaler erschien, und hob die Hände, drehte die Handfläche gen Himmel, als ob sie Segen empfangen wollte.
»Du arbeitest doch stundenweise bei der Bönle, kannst du aus der Psychotante herausbekommen, ob die Harley-Deppen eine Strategie für den Samstag haben?«
Flora nickte eifrig:
»Kann ich nächstes Mal versuchen, aber was meinst du mit Strategie?«
»Na zuerst mal, wer alles mitisst, wer die neue fünfte Person ist. Dieser Butzi kann ja wohl nicht mehr mitessen, der liegt einsachtzig tief. Der Ersatz für den wäre interessant. Der Butzi hat für die ja eigentlich den Sieg erfressen. Wenn da ein schwacher Ersatz kommt, haben wir die besten Siegchancen!«
»Brutal, die Sache mit Butzi: der eigene Vater!«
»Wer sich zur Jagdzeit als Wildsau verkleidet und vor den Jägern herumhüpft, muss damit rechnen, abgeknallt zu werden!«
Die sitzenden drei schwiegen. Flora nickte unsicher.
Aische meldete sich zu Wort, mit beiden Händen fuhr sie durch ihr dunkles Haar, ihre Kajal umrandeten, dunklen Augen schauten an Schaki vorbei auf den See, wo eine glitzernde Fontaine vom Sturz eines Wakeboarders berichtete:
»Das ist gut, wenn Flora Bönles Frau ein bisschen befragt, aber wichtiger ist doch, wer bei uns als fünfte Frau antritt!«
Schaki drehte ihrer Gang langsam den Rücken zu und studierte ausgiebig den Versuch des gestürzten Jungen, das Ufer zu erreichen und redete leise mit dem See:
»Ich habe da eine Idee, meine Schwester, die hat …«
»Waas, deine Schwester?«
Drei ratlose Augenpaare blickten in Schakis Rückseite.
»Lasst mich doch zuerst mal ausreden, meine Schwester kann …«
»Die hat doch eine Essstörung, die kann doch uns nicht bei einem Wettessen unterstützen, jemand mit einer Essstörung, Schwachsinn!«
Monscheri schüttelte ihre Lockenpracht und tippte sich mit ihrem langen, schwarzen Zeigefinger gegen die dunkle Stirn.
»Verdammt noch mal, ich habe gesagt, ihr sollt mich ausreden lassen!«
Ärgerlich drehte sich Schaki zur Dreiergruppe.
»Genau das ist ja unsere Chance, ich kenne die Essgewohnheiten von meiner Schwester. Schanti kann Unmengen in kürzester Zeit in sich hineinstopfen und genau so schnell kann sie alles wieder hinauskotzen. Genau das ist unsere Chance! Die bekomme ich schon rum, die wird uns zum Sieg fressen. Die 500 Euro gehören uns!«
Die Chefin hob die Faust zum Brides-Gruß. Die drei staunten.
5. Vierer- bis Fünferbande
Im ›Goldenen Ochsen‹ unter der Sau. Hämisch grinsend, wohlwissend, dass sie an allem schuld war, stierte sie auf uns herunter. Frieda, seit Butzis Ableben sehr besorgt um ihre Buben, stürmte mit einem weiteren Tablett zapffrischschäumenden Gerstensaftes in das Jägerstüblein. Hier waren wir unter uns. Eine Butzenglasscheibe trennte uns vom niederen Volke, das Schnitzel mit Pommes und Soße essend, bierschorlesauertrinkend, hefealkoholfreischlürfend nebenan vor sich hin schwieg. Die Zeit des rauen Gelächters würde erst später sein.
Vier WalderBräu Hell, eins davon in der Flasche, lachten trotz unserer verständlicherweise nicht allerbesten Laune versöhnlich schäumend und bernsteinfarben aus schlanken Gläsern und einer grünen Flasche.
»Vier Helle. Buben, Kopf hoch! Das Leben geht weiter! Was schaut ihr denn so?«
»Sorry, Frieda, wir haben Naturtrüb Hell bestellt, kein Helles!«
Joe, Hausmann mit überkandidelter Lehrergattin und drei unerzogenen Kindern, zeigte auf das tabletttrohnende Arrangement.
Frieda, meine kugelrunde und in der Brustregion überdimensional ausgestattete Schwiegermutter, lachte so herzhaft auf, dass der oberste Knopf ihrer antiken, blaugemusterten Kittelschürze frech aufsprang und schamlos den oberen, doppeltvernähten Rand einer nicht minder attraktiven, fleischfarbenen Büstenstützapparatur freigab.
»Das heißt jetzt neu!«
»Aah, nicht mehr WalderBräu naturtrüb hell?«
»Nein, nur noch Walder Hell.«
Flaschen-Gordon, der sein Bier nur aus der Flasche trank, war begeistert:
»Wow, nur noch Hell, wie ›Bat out of hell‹!«
»Oder ›Highway to hell‹!«
»Oder ›Hells bells‹.«
Wir kriegten uns kaum mehr ein vor Lachen, als es vom Eingang her dunkel dröhnte:
»Oda auch ›Hell-o again‹!«
Das Lachen brach jäh ab. Deo, unser dunkelhäutiger Geistlicher, mächtig die Tür des Nebenraumes ausfüllend, kommentierte seinen Scherz gestenreich:
»Von da Auwat Carpendale, da berühmta Schlagastar. Hello again, du, ich möchta dich heuta noch sehn. Ich will dir gegenübasteha, viel zu lang war dea Zeit. Ich saga nua hello again.«
Deodonatus Ngumbu, unser Pfarrer aus dem Busch, unser mächtiger Massai, ein Howard-Carpendale-Fan. Das war mir neu.
»Oda da heallicha neua Song: Teila …«
»Kenn ich nicht Teila, ich kenne nur Leila, wer ist Teila?«
Aufgeregt fuchtelte Deo mit seinen schwarzen Pranken:
»Nicht Teila, sondan Teila: Keina weiß wie es kommt, Keina weiß wie es geht, doch wenn wir teilea, könna wia versteha. Und was ist richtig, und was ist es nicht, nua wenn wia teila, kommt eina andera Sicht.«
Für die nächste Strophe übte der schwarze Barde sogar ein paar tänzelnde Schritte:
»Willst du mit mia lacha, willst du mit mia weina, sag wasa du brauchst, um glücklich zu sein. Es wiad füa alla mea geba, schwea wiad zu leicht, wenn wir teila!
Das ist auch von da christlicha Punktaschtand eina seah wichtiga Lied. Da Grundprinzip ist de Teila!«
Endlich setzte sich Deo.
»Eina WaldaBräu natuatrüb hell, bitte!«
»Hell!«
Als Präsident der MIKEBOSSler, die geschwächt schon morgen zum traditionellen Kässpätzleswettessen in Königseggwald antreten mussten, hatte ich Freund und Pfarrer Deo zur heutigen Krisensitzung eingeladen. Ich machte meinen Vorschlag, fiel mit der Tür ins Haus, warum lange um den heißen Brei herumreden?
»Deo, würdest du das für Butzi tun? Ich weiß, er hätte es so gewollt. Es gibt nur einen, der ihn würdevoll ersetzen kann. Machst du für ihn mit beim Kässpätzleswettessen?«
Deo war gerührt, feucht schimmerte es in seinen Augen, als er nickte:
»Klaa, füa da Butzi tu ich das gean, ea hätta das Gleicha füa mich getan.«
Die Gläser schäumten aneinander, Flaschen-Gordons Flasche lief über. Geschah ihm recht. Gesicht, der ewige Single, machte seinem Spitznamen mal wieder alle Ehre, unentwegt glotzte er entgeistert zum Wildschweinkopfpräparat hoch und schüttelte langsam den Kopf.
Bis in den nächsten Tag hinein erzählten wir uns dann Wisstihrnochwiederbutzigeschichten:
Wisst ihr noch, wie der Butzi im Ried als Gespenst herumgetanzt ist?
Flaschen-Gordon, schon voll des Bieres, stand schwankend auf und fing plötzlich an zu singen: »Es tanzt ein Bierbauch-Butzi-Mann in unserm Ried herum, fidelbumm, es tanzt ein Bierbauch-Butzi-Mann im dunklen Ried herum. Er rüttelt sich, er beeeesäuft sich, er wirft sein Säcklein hinter sich. Es tanzt ein Bierbauch-Butzi-Depp in unserm Riiiied herum!«
Tränen netzten seine schmerzlich entgleisten Gesichtszüge, und dann holte er aus und schüttete das Bier aus seiner Flasche Richtung Eberschädel:
»Die Sau ist an allem schuld!«
Deo drückte den Enthemmten wieder auf seinen Stuhl zurück. Dann lächelte Flaschen-Gordon entrückt. Vermutlich sah er sich weißgewandet mit Butzi durchs Ried tanzen.
Oxana machte sauber.
Wisst ihr noch, wie der Butzi für den Muttertag beim Gärtner eine Pflanze kaufen wollte, als die Floristin mit dem weiten Ausschnitt kam und er nur noch stotterte: Haben Sie eine Fleisch pflanzende Fresse? Wisst ihr das noch, eine Fleisch pflanzende Fresse statt Fleisch fressender Pflanze, wisst ihr das noch? Wir wussten das natürlich noch, wir wussten auch noch, dass er die Pflanze vorn an der Gabel seiner Fat Bob festmachte, damit sie auf der Fahrt nach Hause etwas zu essen bekam. Die gewimperten Klappmäuler der Venusfliegenfalle waren tatsächlich alle geschlossen, als wir bei Butzi ankamen, und die fleischfressende Pflanze machte tatsächlich einen zufriedenen und satten Eindruck.
Gesicht, der die meiste Zeit zur Sau stierte, riss mit einer ruckartigen Bewegung sein Glas hoch und schmetterte den Inhalt dem seelenlosen Eber in die Schnauze.
»Drecksau, du, du … du dreckige Drecksau, du!«
Deodonatus nahm Gesicht schützend, leicht mahnend in die Arme:
»Da tota Sau kann nix dafüa!«
Oxana kam mit einem Putzeimer.
Wisst ihr noch, wie der Butzi mit dir mit dem Krankenwagen mit Blaulicht den Fleischkäswecken geholt hat?
Wir erinnerten uns alle an die Geschichte, die Butzi beinahe den Job gekostet hätte. Butzis Schwester, Ärztin in Saulgau, konnte Schlimmeres verhindern.
Nach dieser Episode schnellte ohne Vorwarnung Joe, der Hausmann, aus seinem Stuhl hoch und schmetterte sein volles Bierglas dem schuldigen Eber in die grinsende Fresse. Splitter barsten und bedeckten Tisch, Stühle und Boden. Deo besänftigte den Rasenden, umarmte ihn sanft und drückte den Bebenden auf seinen Platz zurück.
Oxana brachte alles wieder in Ordnung.
Frieda hatte Verständnis.
Wisst ihr noch, wie der Butzi als Einziger im Indianerkostüm in der Kirche stand? Wir erinnerten uns natürlich, vor allem Joe, als aktives Mitglied der Guggengruppe aus Bad Saulgau. Natürlich hatte man für das Brautpaar gespielt, abgemacht war in Schwarz-Weiß. Butzi schien das nicht mitbekommen zu haben und stand prächtig geschminkt mit einem herrlichen Federschmuck inmitten der schicken Festgemeinde. Weihbischof Karl Maria Brenz baute ihn geschickt in seine Predigt für die Brautleute mit ein: als Metapher für Gegendenstromschwimmen.
Deo, der bis jetzt äußerst konziliant, vermittelnd, zwischen Eber und Rächern, deeskalierend gewirkt hatte, stand plötzlich nach dieser Geschichte, die auch klerikale Momente enthielt, schwankend auf der Bank. Goss den Klaren aus der Obstlerflasche und zündete ihn an. Schon stand der mächtige Eberteufelskopf in Flammen.
Oxana löschte mit einer Decke, ich ging in Friedas Keller.
Als ich aus dem Keller zurückkam, war ich fast ein Kilo schwerer.
»Wisstanoch, wie da Butzi da Verbrecha mit da Haaley veafolgt hat und dea in da Ried gelandet ist und wie da Butzi da Dani, als dea mit da Poasche Diesal in da Wassa gelandat ist, da Leba gerettet hat. Weißt du noch Dani, wie ea dia da Leba gerette hat, sonst wäast du veasoffa …«
Ja, ohne Butzi säße ich wahrscheinlich nicht hier, ich wäre genau so tot wie Butzi.
Tot, tot, tot, hämmerte es in meinem Kopf. Langsam stand ich auf, zog die Waffe, die ich hinten in meine Hose gesteckt hatte.
Für eine Sekunde war es mucksmäuschenstill im Nebenzimmer, dann bellten drei Schüsse und Butzi war gerächt. So wie Butzi gestorben war, war auch der Schuldige hingerichtet worden.
Oxana nahm den ramponierten Saukopf ab.
Nie wieder würde er da hängen. In der Gaststube erzählte Frieda den Stammtischlern und den Sommerfrischlern, dass die spinnigen Motorradfahrer mit Böllern einen Geburtstag gefeiert hätten.
Weiter kann man von Geburtstag nicht entfernt sein.
6. Schräge Vögel
Der Rotmilan nutzte die aufsteigenden Winde über dem dunklen Wäldchen. Von der Kapelle, deren tiefere spirituelle Bedeutung er nie erfassen würde, glitt er sanft, nur wenig an Höhe verlierend, über die Straße Richtung Friedhof. Auf seine Flügelspannweite von nahezu 175 Zentimetern war der Greifvogel ganz besonders stolz. Mit einer leichten Korrektur seiner fingergefächerten Flügelspitzen und seines auffallend langen Schwanzes drehte der rötlich braune Greifvogel, dessen Kopf-, Nacken- und Kehlgefieder weiß in der Sonne schimmerte, nach links ab, um neugierig auf das samstäglich ungewohnte Treiben zu schauen. Hier musste er heute als Suchflugjäger auf Beute verzichten, keine Mäuse, keine Tauben, zu viel Betrieb unter ihm.
Er liebte Oberschwaben und seine mit kleinen und größeren Gehölzen durchsetzte hügelige Landschaft. Er war auch ein großer Freund von Agrarlandschaften mit Feldgehölzen. Zum Jagen nutzte er gerne offenes Kulturland, Grasland, Viehweiden und gelegentlich die nahen Feuchtgebiete des Pfrunger-Burgweiler Riedes, die er dann mit den Störchen teilte. Hier zwischen Königseggwald und Riedhausen war er vor allem auf Mäuse und Tauben, die um die Brauerei siedelten, scharf. Auch der interessante Geruch der Brauerei zog ihn immer wieder an.
Der heutige Tag war jedoch anders, das konnte er aus seiner Perspektive sehr gut beobachten. Nach einer Schleife vom Ortsrand über den Friedhof segelte er geräuschlos zum angrenzenden Brauereikomplex, der direkt neben der Straße lag. Überall parkten bunte Fahrzeuge: auf dem eigentlichen Kundenparkplatz, vor dem Haupteingang, auf dem Beladehof, vor dem neuesten Gebäude, der Vollguthalle, bis hin zur Tenne. Fahrzeuge und Menschen. Die Menschen strömten zur Tenne.
Der Rotmilan drehte den Kopf mit den scharfen Augen und dem gelblichen Schnabel, nutzte kurz verärgert die schiere Kraft seiner Brustmuskeln. Mit wenigen Flügelschlägen drehte er ab Richtung Ried. Lieber mit Störchen als mit Menschen teilen.
Unten um die Tenne herum ging es weitaus lustiger zu. Vor dem weit geöffneten hölzernen Flügeltüren-Eingang drängten sich die Gäste und die Protagonisten. Links und rechts über dem weiten Eingangstor waren in unverputztem Mauerwerk trapezförmige Lampen verankert, die auf beigem Glas mit roter, geschwungener Schrift von den Ursprüngen der Brauerei erzählten: Härle Bier. In der Tenne war die Anmeldestube, jede Mannschaft musste einen bürokratischen Prozess über sich ergehen lassen, damit es nicht zu Schummeleien kam. Jede Mannschaft, jeder Teilnehmer wurde registriert. Dann wurden einem die Teilnahmebedingungen und die Wettkampfspielregeln ausgeteilt. Jeder Teilnehmer musste eine Erklärung unterschreiben. Ein Hinweis auf das DRK-Zelt war verpflichtend.
Die Tenne beherbergte aber vor allem die Küche. Unter der pfeilergestützten Gewölbedeckenkonstruktion war ein Zelt aufgebaut, in dem freiwillige Helferinnen und Helfer eifrig agierten.
Chefin der Küche war die allseits unbeliebte Berta Löffler. Berta Löffler führte ein straffes Regiment, Fehler, und waren sie noch so gering, wurden mit einem verbalen Gewitter quittiert. Auch der Kochlöffel wurde zur körperlichen Züchtigung junger Mithelfer immer wieder gerne eingesetzt. Umgekehrt proportional zu ihren moralischen Ansätzen stand ihre Kochkunst. Sie war eine perfekte Künstlerin der schwäbischen Küche. Und so war Berta Löffler die Einzige, die pekuniär für ihre Tätigkeit belohnt wurde.
Ganz ohne Bezahlung, nur für ihre Brauerei und vor allem um die Stimmung vor dem Event hochzupeitschen, war der fast 30 Mann und Frau starke Musikverein Königseggwald e.V. in prächtig rot-weiß-schwarzer Uniform angetreten. Vor allem die zehn Damen in ihrer Trachtenuniform, deren weite, rötliche Röcke noch zart grünliniert durchwirkt schimmerten, waren echte Eyecatcher. Die Musikanten starteten schmissig mit einem musikalischen Blumenstrauß.
7. Esssport
Letztendlich waren es dann doch nur sechs Mannschaften, die zum Zweiten Traditionellen Königseggwalder Kässpätzleswettessen antraten. Die angekündigten und mit Spannung erwarteten Bodensee-Swingers, wer immer sie sein mochten, waren, so ergaben spontane Recherchen auf dem Höchsten, in der Gaststätte hängengeblieben. Sie würden aber dem Ausklang beiwohnen.
Der angekündigte und nicht minder sehnlichst erwartete Damen-Kegelverein GutHolzVorderHütten aus Veringenstadt hatte sich, so ergaben begleitende Smartphone-Hilferufe, was erstaunlich ist, in der Gegend um den Bussen, dem Heiligen Berg Oberschwabens, herum verfahren. Sie seien in einer Gaststätte in Hailtingen gelandet, und es wäre lustig. Sie kämen mit Sicherheit nach dem Wettbewerb.
Auch die mit Freuden erwarteten Kässpätzles-Freunde-Friedberg blieben dem Wettbewerb fern. Eine SMS mit dramatischem Unterton erreichte den Veranstalter:
›Sorry, können nicht pünktlich sein. Wagen brennt hinter Hosskirch. Müssen warten, bis Feuerwehr eintrifft. Kann uns später jemand abholen? Feurige Grüße, Schnauzi‹
Wenige Meter vor dem Ziel war ihr Fahrzeug havariert.
Für uns umso besser. Die Zahl der gegnerischen Mannschaften war überschaubar, durch eine WalderBräu-Lottofee, in einem grünen Minikleid mit zwei aufgedruckten Bierflaschen im ansehnlichen Brustbereich, wurden die Gruppennummern, die Berta Löffler schon am Vortag bestimmt hatte, verkündet. Das war ein Novum, im letzten Jahr wurden die Nummern direkt vor dem Startschuss ausgelost.
Gruppe 1: Witwer-Club Ostrach, Gruppe 2: Junge Union, Gruppe 3: MIKEBOSS, Gruppe 4: Trinksportverein Schluck, Gruppe 5: Die Tiere, Gruppe 6: Busty Biker Brides Pfullendorf.
Eine freundliche, mikrofonquietschende Begrüßung seitens der Geschäftsleitung der WalderBräu AG stellte die Mannschaften und die Spielregeln vor.
Man musste kein abgeschlossenes Hochschulstudium der Kommunikationswissenschaften in sechs Jahren hinter sich gebracht haben, um die Spielregeln zu begreifen. Zu interpretieren gab es da auch nicht viel: Die Fünf-Mann-Mannschaft, die in 45 Minuten die meisten Kässpätzle verzehrt, ist Sieger und somit um 500 Euro reicher. Die Kässpätzle werden immer frisch in Fünf-Kilo-Portionen angeliefert. Nachschub muss rechtzeitig der Küche angekündigt werden. Trinken – freie Wahl: Schnaps, Bier, Spezi, Mineralwasser, Leitungswasser.
Eine eigens für die diesjährige Kässpätzleswettessen komponierte Kässpätzlespolka, hervorragend instrumental dargeboten von den Königseggwalder Musikanten, meisterlich gesungen von einer der charmanten Klarinettistinnen, brachte schon früh die Stimmung vor der Tenne zum Kochen. Rhythmisches Klatschen begleitete die Uraufführung des Liedes, das Potenzial genug enthielt, um als Ohrwurm noch viele Kässspätzleswettessen einzuläuten:
»Ja, was der Schwabe gar nicht kennt,
er nicht gern sein Essen nennt.
Kommt der Vater an den Tisch,
rümpft er den Zenken, oh Gott, Fisch!
Auch vom Feinsten der Haute Cuisine
sieht man ihn vom Tische fliehn.
Da kommt die Oma, dieses Schätzle,
und bringt dem Vater seine Spätzle.«
Dann folgte der eingängige Refrain der schmissigen sechsstrophigen Polka, bei dem schon in der zweiten Strophe das Publikum begeistert mitgrölte:
»Ja, ja, ja, Kässpätzle mag nicht nur der Vater,
nein auch jeder, ob Nonne oder Pater,
ob mit Zwiebel, mit Speck oder G’müs,
mit Kässpätzle bin ich im Paradüs.«
Mit einem starken Ritardando wurden die aussagestarken letzten Zeilen unter jubilierend trällernden Klarinettenklängen, mit kräftiger Unterstützung kreszendierender Tenorhörner von der Gesangssolistin geschmettert, wobei jedes Ja von einem infernalischen Paukenschlag begleitet wurde:
»Ja, ja, ja, Kässpätzle soll’s regnen vom Himmel,
ja, ja, ja, Kässpätzle am Abend und am Morgen,
dann hat der Schwab keine Sorgen.
Ja, ja, ja, Kässpätzle die ganze Zeit, mein Spatz,
so bleibst du für immer mein Schatz!«
8. Der Wettbewerb
Der Witwer-Club Ostrach
Der Witwer-Club Ostrach bekam bei seiner Vorstellung den herzlichsten Applaus – Mitleid. Der Altersdurchschnitt der Herrengruppe, die alle in grauen Anzügen angereist waren, lag bei knapp über 80 Jahren. Bis auf ein Gürtelmodell wurden alle schlabbernden Hosen von eleganten Hosenträgern federnd im Schritt gehalten. Hingucker und spontaner Publikumsliebling war Rollator-Paule, der mit 94 Jahren leicht vibrierend, aber stolz auf der Bierbank Platz nahm, an Tisch 1. Seine Mitesser waren nicht unbedingt in besserem Zustand, aber sie genossen ebenso wie Rollator-Paule die Aufmerksamkeit des Publikums. Es ging das Gerücht, sie hätten sich lediglich zum Wettbewerb angemeldet, um mal wieder was Richtiges zu essen oder nicht zu verhungern. Ein bisschen sah man ihnen ihre ehrenhafte Motivation an.
Nachdem in der Küche von Frau Berta Löffler höchstpersönlich die dampfenden Kässpätzlesschüsseln abgewogen, jede musste exakt fünf Kilo enthalten, und von einem aus der Wettbewerbstischgemeinschaft auf die Tische verteilt waren, zelebrierte der Vorstand der WalderBräu AG den Startschuss auf originelle Art und Weise. Das mikroverstärkte Plopp des gekonnten Öffnens mittels eines Doppeldaumenpfitzers einer Magnum-Bügelverschlussflasche aus eigenem Hause signalisierte den Kämpfern: ran an die Kässpätzle.
Der Witwer-Club Ostrach legte einen vom Publikum mit jaulenden Aufforderungsrufen begleiteten Fehlstart hin, nicht dass es ein Jump-Start gewesen wäre, eher das Gegenteil. Die Herren hatten vermutlich altersbedingt den Startschuss nicht gehört. Vielleicht waren sie auch zu sehr mit dem Öffnen der ersten Schnapsflasche beschäftigt, sie hatten sich einen Obstler zum Wettessen ausgesucht. Rollator-Paule sprach nur vom Essen, er wusste vermutlich nicht, dass er einer der Hauptakteure in einem spannenden Wettbewerb war.
Nachdem die frauenlosen, freundlichen alten Herren einen Teil des Obstlers auf dem Tisch verleppert hatten, auch etwas in den kleinen Gläschen schwappte, prosteten sie sich unter Gejaule des Publikums erst einmal zu. Dann verzehrten sie in aller Ruhe die goldgelben Kässpätzle, die mit buttergeschmelzten Zwiebelchen und klein gewürfelten Speckstückchen verfeinert waren. Die Herren genossen Kässpätzle, Schnaps, aber vor allem die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wurde.
Etliche Schnäpse nach dem ungehörten Startschuss, die erste Kässpätzlesschüssel war noch zur Hälfte mit kränkelnden Teigwaren gefüllt, bemerkten die sympathischen Herren den Tumult an Tisch 6 nicht.
*
Die Junge Union
Die Junge Union sah gar nicht so jung aus, wie das vor Union befindliche Adjektiv schließen ließ. Vier freundliche, gutgekleidete, sympathische Herren und eine attraktive Quoten-Dame warteten auf das Start-Plopp. Dann ging es bei Hahnenwasser diszipliniert, aber energisch zur Sache. Ihre Strategie war es, wie im politischen Leben ein strammes Tempo vorzugeben, Vorbildfunktion in allen Bereichen. Diszipliniert mit Hahnenwasser, wie sie Leitungswasser nannten, arbeiten und immer den Sieg vor Augen haben. Hahnenwasser, erstens wegen des sauberen Images, zweitens weniger Blähungen. Strategieansatz zwei, wie im politischen Leben, alles geben: Enthusiasmus gepaart mit Willensstärke und Freude. Sie würden gewinnen. Die Alten von Tisch eins, nette CDU-Wähler mit Sympathiebonus, aber keine Gegner. Die Harley-Rocker, beeindruckend, aber auch nur das Outfit. Vermutlich wie alle Motorradfahrer zu doof, um zu begreifen, wo man das Essen reinsteckt. Dieser Trinksportverein und Die Tiere, auch keine Gegner, Lachnummern, die ersten fünf Minuten reingesteckt, was ging. Einer hatte sich schon übergeben und das nach knappen fünf Minuten. Und diese Motorrad-Schlampen waren bestimmt nur angereist, um später von den Harley-Trotteln gevögelt zu werden – so wie die aussahen.
So die Annahmen der Jungen Union. Die wenigen Worte, die vielen Gedanken der Jungpolitiker wurden jäh von aufgeregten Rufen an Tisch sechs unterbrochen.
*
Trinksportverein Schluck
Der Trinksportverein Schluck war mehr Interessengemeinschaft denn Verein. Hoffnungsvolle junge Erwachsene mit kleinen PS-starken, tiefergelegten Automobilen und kühnen Frisuren. Ihre rare Freizeit vergeudeten sie nicht sinnlos, nein, sie gingen saufen. An jedem Wochenende. Wochenende war Freitag, Samstag, Sonntag, Montagmorgen.
Klaus-Dieter, Anführer des Trinksportverein Schluck, weil er die interessanteste Frisur hatte. Etwas stand bei einem ansonsten blondierten Kopf schwarz auf Wiedehopfart in die Höhe. Die blondierte, fast kahlrasierte Seitenansicht war mit etwas geschmückt, das an ein Toilettentapetenmuster aus den 70er-Jahren erinnerte.
Ronnie, etwas intellektuell schwächer als Klaus-Dieter, schmückte eine hübsche Vokuhila-Frisur. Sein Hobby war Jägermeister. Er konnte das Veranstaltungsteam davon überzeugen, für ihren Tisch, Tisch Numero vier, keine Spezi hinzustellen, sondern den Jägi – nachdem sie alle ihre Ausweise gezeigt hatten.
Rocky, der eigentliche Loser der Truppe, da er vier Anläufe für den Führerschein brauchte, enttäuschte die übrigen hochmotivierten Trinksportler in ihrer Prä-Siegeseuphorie, da er sich schon nach fünf Minuten unter den Tisch erbrach. Das meiste war bräunliche Flüssigkeit.
Die beiden Damen Jessie und Jeannie, oberschwäbische Vulgär-Attraktionen, begleiteten die Herren, weil sie dachten, sie wären zum Essen eingeladen und würden danach einen Riedspaziergang machen.
Jessie und Jeannie sprangen zeitgleich auf und hauchten, die Hände vor den Mund haltend, frenchnailpräsentierend:
»Oh mein Gott!«
Kajalunterstrichene Augen stierten fünfeurogroß zu Tisch sechs.
»Oh mein Gott!«
*
Die Tiere
Tisch fünf belegten Die Tiere. Fünf Männer in den besten Jahren, stadt- und dorfbekannte Charmeure und Bankrotteure aus dem Badestädtchen Saulgau. Wenn sie nicht an einem Wettessen teilnahmen, und das war meistens der Fall, lungerten sie tagsüber in Cafés herum, wo man sie sehen konnte, und tranken Espressi. Abends waren sie in der heimischen oder umliegenden Saunen anzutreffen, wo sie ihre Figuren in Badehosen, die ähnlich alt waren wie deren Träger, mit eingezogenem Bauch präsentierten.
Nun saßen sie aufrecht, keine Miene verziehend, vor der ersten Schüssel und beobachteten lüstern auf den Startschuss wartend die Gegnerinnen am Nachbartisch.
Sie wussten, obwohl sie in ihrem Leben schon x-mal alles verloren hatten, dass sie heute als Sieger aus dem Wettbewerb herausgehen würden. Man sah es ihnen nicht an, aber sie hatten das Geld am nötigsten.
Plopp!
Keine Strategie, da sie wegen ihrer Schulden selten aßen und die gebrauchten Luxusautos auch im Unterhalt teuer waren, brachten sie verständlicherweise einen guten Appetit mit. Und da sie alle fünf groß gebaut waren, gingen sie davon aus, dass sie auch die größten Mägen hatten.
Die 500 Euro würden ihnen gehören, dann könnten sie sich wieder etwas kaufen, das sie sich nicht leisten konnten.
Es lief alles verdammt gut, bis es am Nebentisch, dem Tisch mit den heißen Bräuten, zum Vorfall kam.
*
Die Busty Biker Brides
Schaki hatte Uniform für die Busty Biker Brides angeordnet. Bluejeans, weiße Bluse, Cowboyhut. Ihrer Schwester Schanti war es als Gastesserin erlaubt, in Zivil zu erscheinen, sie trug Bluejeans und ein schwarzes T-Shirt mit einem Totenkopf. Schaki hatte sie lediglich geschminkt und war erstaunt in zweierlei Hinsicht. Erstens, wie schnell sich Schanti dazu überreden ließ, am Wettessen teilzunehmen, und zweitens, wie ähnlich ihr Schanti sah, wenn sie gestylt war. Seit Langem umarmte sie mal wieder ihre Schwester.
Nun saßen alle fünf, vier davon mit weißen Blusen und Cowboyhüten, vor der großen, braunen Steingutschüssel und erwarteten das Plopp. Vor allem Schanti wirkte nervös, sie war beinahe zu spät zum Startschuss gekommen, da sie noch auf die Toilette musste. Nun stand sie am nächsten an der Schüssel mit der aufgemalten Zahl sechs, die Schaki als Chefin frisch aus der Küche geholt hatte, und hielt den Schöpflöffel lauernd in der rechten Hand. Schanti saß nicht, sie stand am Tisch, um schneller für die Mannschaft schöpfen zu können.
Plopp!
Schanti stach in die weiche, wohlriechende Masse und verteilte gleichmäßig auf die hingestreckten Teller. Für sich nahm sie die letzte Portion. Und dann gingen die attraktiven Bikerinnen mit ihrer Gastesserin ganz genau nach der Strategie vor, die Schaki am Baggersee vorgegeben hatte. Nur mit Disziplin konnten sie siegen. Auf dem Tisch standen fünf Flaschen mit Leitungswasser. Sie hatten einen Tag lang nichts gegessen, nur Wasser getrunken. Direkt vor dem Wettbewerb hatte jede von ihnen drei ›Rennie räumt den Magen auf‹ genommen. Der Sieg würde möglich sein.
Alle hielten sich an das von Schaki vorgegebene Esstempo. Reden war verboten. Nach drei Gabeln ein winziger Schluck Wasser.
Plötzlich würgte Schanti, hustete, wurde rot im Gesicht und fasste sich an den Hals.
Monscheri schlug ihr beherzt auf den Rücken:
»Ausspucken, los, spuck’s aus!«
Die Damengesichter wurden ernst, und Schaki sprang auf. Da krümmte sich Schanti aber schon auf dem Boden.
»Sani, schnell ein Sanitäter!«
Nur wenige Minuten später lag Schanti im Krankenwagen und wurde beatmet. Diagnose: Verschluckt.
»Das wird schon wieder, wir bringen sie nach Ravensburg«, beruhigte der Herr vom DRK.
*
Die MIKEBOSSler
Tisch 3, besser hätte es nicht laufen können, ein gutes Omen. Eine Glückszahl, es waren ja auch drei Heilige Könige, die Dreifaltigkeit. Deo, unser geistlicher Wettkampf-Joker, war aufgeregt und begeistert zugleich. Immer wieder brachte er Beispiele aus der Theologie und der Zahlenmystik für die heilige und geheimnisvolle Zahl drei. Als Gesicht ihm zustimmte und die Drei Musketiere ins Spiel brachte, war Deodonatus, der von Gott Geschenkte, außer sich:
»Ach, du dumma Keal, die sind doch nicht von da Bibal!«
»Wo waren die dann? Haben die nicht Gold, Weihrauch und Minze gebracht?«
Für mich kam der Wettkampf nicht in Frage. Ich musste nicht nur auf meine gute Figur achten, nein, als Präsident der Gruppe hatte ich als Motivator und Stratege die gleiche Aufgabe wie ein verantwortungsbewusster Fußballtrainer, der vom Spielfeldrand aus die Fäden zieht. Jogi Löw spielt ja auch nicht mit. Außerdem wollte ich für die MIKEBOSS-Chronik fotografieren. Das neue Smartphone machte verdammt gute Bilder, sogar die Video-Aufnahmen waren in HD-Qualität.
Meiner dokumentarischen Pflicht bewusst war ich noch vor dem eigentlichen Event um den riesigen Gebäudekomplex der WalderBräu AG gestreift. Vom Parkplatz aus, der zur Zeit der Altvorderen noch ein Kräutergärtlein war, ging ich zuerst einmal zum angrenzenden Friedhof, über dem im blauen Sommerhimmel ein prächtiger Rotmilan kreiste.
Über einen engen, rechtsseitig tannenbewachsenen Pfad zwängte ich mich an einer rückseitigen, weißen Backsteinmauer neueren Datums wieder Richtung Tenne zurück zum Kässpätzlesevent. Ich musste mich vermutlich hinter der Vollguthalle befinden. Eine halb geöffnete Tür auf dieser nicht einsehbaren Seite des nun wieder alten Gebäudeteils erregte meine Aufmerksamkeit. Ich stieß die Holztür auf, Dunkelheit, die Augen noch nicht adaptiert, stolperte ich und wäre beinahe in ein tiefes Loch gefallen. Jetzt erkannte ich es, ein rechteckig gemauertes Loch führte mit einer rostigen Metallleiter in die Tiefe. Die Taschenlampenfunktion meines Smartphones. Ich schätzte acht Meter Tiefe. Vielleicht der Zugang zu einem Brunnen. Interessant, da musste ich mit den Jungs mal her.
Der Hof wurde wieder weiter, die Geräusche lauter, die Tenne lag links vor mir.
Meine Dokumentationspflicht kam im Küchenzelt nicht sonderlich gut an. Berta Löffler neigte zu Jähzorn:
»Hier haben Sie gar nichts zu suchen, und tun Sie Ihr blödes Handy weg, sonst setzt’s was! Wenn hier jemand fotografiert, dann bin ich das!«
Sie hob drohend eine Billig-Digitalkamera. Berta hatte die Angewohnheit, all ihre Kochaktivitäten mit Bildern in ausladenden Alben zu archivieren. Überall, wo sie erschien, knipste und blitzte es. In ihrem Heimatort war sie daher auch die Blitzer-Berta. Ich senkte mein Smartphone auf Hüfthöhe, schoss trotzdem unentwegt Bilder und speicherte kurze Filmchen.
Jacqueline Heberle, die Chefin der Busty Biker Brides, war mit anderen Teilnehmern und Helfern ebenfalls im Küchenzelt, nickte mir kurz zu, als sie noch an der Schüssel mit der rot aufgemalten Nummer sechs herumfummelte, zog den Cowboyhut keck ins Gesicht, zupfte kurz am Ausschnitt ihres weißen Blüschens, als ich sie foto- und videografierte. Ja, die Schaki war schon eine, die Männerherzen zum Galoppieren brachte.
Ich bewegte mich gegen den Hauptstrom hinaus aus dem Tennengewölbe zum sonnenbeschienenen Vorplatz und stieß mit dem beträchtlich schwankenden Sepp Heberle im Torbogen zusammen. Kurzer oberschwäbischer Smalltalk:
»So, Herr Bönle, auch hier?«
»Ja, unterstützen Sie Ihre Tochter?«
»Beide!«
»Ist die Schanti auch hier?«
»Ja, die isst mit! Gute Zeit, Herr Bönle.«
»Übrigens, Herr Heberle, falsche Richtung, es geht gleich los.«
»Ich weiß!«
Der Landwirt hinterließ eine beträchtliche Schnapsfahne.
Gleich würde der Startschuss fallen. Ich musste meine Jungs als Coach betreuen und unseren Sieg dokumentieren. Vor allem Deo schien sehr nervös. Es war sein erstes Wettessen.
Am Tisch drei wartete schon Cäci mit Korbi. Korbi hatte eine blaue Schildmütze auf, die ihn vor der Sonne schützte, auch ein langärmeliges weißes T-Shirt und lange, weite Hosen sollten den Rest des Körpers vor schädlichen Strahlen bewahren. Cäcis Sonnenschutz bestand aus einem blütenweißen Top mit Spaghettiträgerchen, einem Fünf-Zoll-Minirock in Quietschgelb und beigen Cowboystiefeln. Tisch sechs scannte kumulativ versteinert die Silhouette meiner Frau. Als Korbi mich entdeckte, hüpfte er vor Freude kurz auf der Stelle und sauste dann frontal auf mich zu. Noch im Laufen fing ich ihn unter den Achseln und hob ihn, so hoch ich konnte. Dann schmiegte er sich an mich und flüsterte mit seiner immer leicht heiseren Stimme:
»Papa, krieg ich ein Eis?«
Natürlich bekam er ein Eis, das größte.
Cäci gab mir einen flüchtigen Kuss, um mich sofort zu rügen:
»Der hat heute schon genug Eis gehabt, von meiner Mama, von Oxana und jetzt noch eins von dir. Das ist zu viel Süßes! Wann geht’s denn hier los?«
»Jetzt. Gleich.«
Wir hatten uns so gestellt, dass es möglich war, gleichzeitig alle Tische im Blickfeld zu haben. Mit dem Argument, wir hätten ein kleines Kind, gelangte unsere Kleinfamilie in die vorderste Reihe. Ich nahm Korbi auf die Schultern. Kurz vor dem Startsignal war die Anspannung an den Tischen fast physisch greifbar.
»Guck mal, wie die Mädchen an Tisch sechs hergerichtet sind, ist das nicht ein bisschen obszön?«, fragte die Frau neben mir, die einen Minirock trug, den man in einem Standardbrief verschicken könnte und deren weißes Top eindeutig signalisierte, dass sie kein figurformendes Hilfsmaterial nötig hatte. Missbilligend nickte die Frau neben mir zu Tisch sechs.
»Die Ausschnitte, das geht doch gar nicht. Sind die nur zu viert?«
»Äh, nein, ich glaube nicht, wer die volle Teilnehmerzahl nicht ausnutzt, ist doch doof.«
In dem Augenblick, kurz vor dem Startschuss, zwängte sich Schanti durch die Menge und blieb am Tisch stehen. Mit dem Löffel in der Hand wartete sie auf das Zeichen.
Cäci, die strenge Frau neben mir, schaute mich fragend an:
»Was, die Schanti macht auch mit, gehört die etwa auch zu dem Mopedfrauenverein? Warum hat die nicht die gleichen Klamotten wie die anderen an?«
»Der Heberle-Sepp hat gesagt, dass sie auch mitmacht. Der war schon wieder voll bis zum Rand.«
»Kennst du die anderen Frauen auch?«
»Ja, und du auch … äh, eine halt …«
»Nein, das gibt’s ja nicht, ist das Flora? Mit dem Hut und den hochgesteckten Haaren hätte ich sie beinahe nicht erkannt. Nein, meine Flora, das hätte ich nicht gedacht.«
»Ich habe dir doch gesagt, dass dein Schwarzarbeitmädchenfüralles eine wilde Bikerin ist. Aber du hast mir mal wieder nicht zugehört. Du hast ja nur noch deine Praxis im Kopf.«
»Aber dass die ausgerechnet bei den Biker Brides ist, das wusste ich nicht! Da hat mir Flora auch nichts gesagt, als ich sie eingestellt habe. Die haben ja nicht den besten Ruf, die Brides.«
»Aber die besten Figuren!«
Ein frostiger Blick von der Seite vereiste mir die linke Schläfe. Cäci schien heute für Späße nicht sonderlich zugänglich.
»Und die Schwarze, wer ist die? Die hat ja Beine! Viel zu lang, als dass es noch gut aussieht!«
»Die hat nicht nur Beine ohne Ende, auch der Rest ist unlimited! Schülerin, 1BKFH, Saulgau.«
»Woher weißt du das?«
»So was weiß man halt.«
»Und die Dunkelhaarige mit den Augen, viel zu viel Kajal!«
»Aische.«
»Woher weißt du das?«
»So was weiß man halt, außerdem waren die schon letztes Jahr unsere Gegnerinnen. Aber du wolltest ja aus ethischen Gründen nicht auf ein Wettessen. Im Angesicht des Welthungers konntest du das mit deinem Gewissen nicht vereinbaren. Sogar Deo, ein Pfarrer, isst mit.«
»Das wundert mich allerdings. Außerdem musste ich letztes Jahr vor allem bei Korbi bleiben, der hatte doch die Sommergrippe. Da musste natürlich ich zu Hause bleiben.«
Bevor ein Streit die herrliche Stimmung trübte, das erlösende Plopp!
»Ach, das ist ja originell!«
Cäci schien wieder versöhnt, der Magnumbierflaschenstartschuss verwandelte sie wieder in meine sonnige Cäci. Sie hüpfte in die Höhe, wirbelte ihre rechte Faust und grölte mit ihrer tiefsten Stimme:
»MIKE … BOSS, MIKE … BOSS!«
Meine ganze Strategie, alles, was wir bei Frieda mühsam erarbeitet hatten für diesen Samstag, schien vergessen, auf dem Friedhof der Erinnerungen zu ruhen. Wie die Scheunendrescher machten sich die Jungs über die Schüssel mit der rot aufgemalten Drei her und fraßen drauflos, Deo verschluckte sich schon bei der ersten Gabel. Der abgesprochene Augenkontakt mit dem Trainer, quasi mir, funktionierte nicht eine Millisekunde. Flaschen-Gordon hatte das Wasserglas, direkt nach dem Startschuss, nachdem ich laut Regelwerk nicht mehr eingreifen durfte, gegen ein Walder Hell eingetauscht. Bei Joe war auf wundersame Weise sein Flachmann, der immer mit einem Lochnagar befüllt war, aufgetaucht. Gesicht hatte sich mit Zustimmung des Vorstandes aus der Tenne einen antiken Einliterkrug, der garantiert nicht mit dem von mir verordneten Leitungswasser gefüllt war, besorgt.
»Warum hält Deo seine linke Hand so komisch?«
»Was weiß ich?«
»Der hat da drei Schnapsgläschen dahinter! Deine Jungs hast du ja voll unter Kontrolle, genauso wie die Kindeserziehung!«
Ich sah die Siegchancen der MIKEBOSSler sinken. Um das Missachten meiner im Vorfeld ausgesprochenen Anweisungen zum Sieg zu dokumentieren, nutzte ich die Zoom-Funktion meines Smartphones.
»Und für so eine Strategie hockt ihr stundenlang im ›Goldenen Ochsen‹! Und was war da noch vorgefallen? Oxana hat da so eine Andeutung gemacht. Aus Mama krieg ich ja nichts raus. Du hättest meine Mutter heiraten sollen. Und steck endlich mal dein blödes Handy weg, ich seh dich nur noch mit dem Dingsda vor dem Gesicht!«
»Ähh, nichts ist im ›Goldenen Ochsen‹ vorgefallen, wir haben eigentlich nur die Strategie für heute besprochen, eigentlich.«
»Und warum seid ihr heute bloß vier?«
»Äh, was? Waaas?«
»Vier, ihr seid nur vier, alle anderen sind füüünf!«
Ich sah die Hoffnung auf einen glorreichen Sieg beim Zweiten Traditionellen Kässpätzleswettessen in Königseggwald noch weiter sinken.
Das war mir irgendwie durchgegangen. Das ging tatsächlich auf mein Konto, von den anderen konnte ich nicht erwarten, dass sie bis fünf zählen konnten. Ich hatte immer noch Butzi irgendwie im Kopf, so einen wie Butzi kriegt man einfach nicht so leicht aus dem Kopf. Und Rechnen war noch nie meine Stärke. Ein Präsident sollte einfach nicht alles machen müssen.
»Was ist denn da los?«
Cäci zeigte zum Tisch sechs. Aufregung an Tisch sechs. Schanti hatte sich verschluckt und lag auf dem Boden, rang rot angelaufen um Luft. Ich nahm Korbi, der mit dem Eis meine Frisur ruiniert hatte, von den Schultern, übergab ihn Cäci und eilte zu Tisch sechs.
9. Postludium
Kaum war das Signalhorn verklungen, wurde der unterbrochene Wettbewerb trotz des Protestes, den Jacqueline Heberle einlegte, fortgesetzt. Die Botschaft des Ersthelfers war eindeutig: Verschluckt, kein Problem, prophylaktisch nach Ravensburg, bevor wir dort sind, ist das wieder rausgehustet, heute Abend isst die wieder Schnitzel mit Soße.
Die Busty Biker Brides verließen ziemlich angebrannt und vorzeitig den Wettbewerb. Nur Flora blieb.
Der guten Stimmung tat dies keinen Abbruch, denn mit dem Abreisen der Brides tauchte der vermisste Damen-Kegelverein GutHolzvorderHütte auf. Die Veringenstädterinnen waren bei bester Laune, was vermutlich auch dem versehentlichen Ausflug in die Bussenregion zuzuschreiben war. Außer Konkurrenz, da sie schon wieder Hunger hatten, durften sie den kurz verwaisten Tisch sechs belegen. Berta Löffler brachte höchstpersönlich unter höflichem Applaus die mit der schwäbischen Spezialität gefüllte Tonschüssel.
Über das Mikrofon begrüßte der Vorstand die weiblichen Neuankömmlinge, bedauerte den Zwischenfall und verkündete, dass die Bodensee-Swingers es doch nicht mehr schaffen würden. Sie würden sich aber schon auf das nächste Jahr freuen.
Wenig später kamen mit dem Schlingmann MLF im üblichen Rot die nach Rauch stinkenden Kässpätzles-Freunde-Friedberg mit ihrem Chef Schnauzi an. Da die tüchtigen Männer der Hoßkircher Freiwilligen Feuerwehr den Fahrzeugbrand schnell unter Kontrolle hatten, beschlossen sie, mit Einsatzgefährt Schlingmann und privaten Fahrzeugen die Havarierten und sich selbst zum Festereignis zu transportieren, um die aufregende Löschaktion abschließend zu einem freundschaftlichen Ereignis werden zu lassen.
Wir saßen noch lange mit den Siegern des Wettbewerbs zusammen, der Jungen Union. Sie wollten partout nicht, dass das Preisgeld gleich in ein Fässchen umgesetzt wurde, um gemeinsam den Sieg der Jung-Politiker zu begießen. Erst als Cäci und Deo ein Mitgliederformular für die JU ausfüllten, wurden die jungen, politischen Christen spendabler. Das Fässchen, auf einem Hocker platziert, wurde stolzes Symbol der Verbrüderung zwischen harten Männern, Outlaws quasi, und smarten Politikern, das Gesetz sind wir, quasi.
Die K’walder Musikanten spielten zum Ausklang einen bunten Nachtgruß. Ein herrliches Medley der schönsten Abendlieder. Von wegen Ausklang, Zugabe, Zugabe, Kässpätzlespolka, Kässpätzlespolka. Und schon grölte es vor der Tenne:
»… Ja, ja, ja, Kässpätzle mag nicht nur der Vater,
nein auch jeder, ob Nonne, oder Pater,
ob mit Zwiebel, mit Speck oder G’müs,
mit Kässpätzle bin ich im Paradüs.
Ja, ja, ja, Kässpätzle soll’s regnen vom Himmel,
ja, ja, ja, Kässpätzle am Abend und am Morgen,
dann hat der Schwab keine Sorgen.
Ja, ja, ja, Kässpätzle die ganze Zeit, mein Spatz,
so bleibst du für immer mein Schatz!«
Während wir versuchten, dem Fässchen auf den Grund zu kommen:
»Sucht ihr nicht auch Mitglieder?«
Der fragende JUler Ralf Rädle hob das Kinn in meine Richtung.
»Äh, nein, warum?«
»Bei euch ist doch einer … ausgeschieden, ich meine … ähm, ihr seid doch jetzt einer weniger. Das war ja in allen Zeitungen zu lesen. Und ich wollte schon immer mal in einem Motorradverein mitfahren.«
Ralf griff fürsorglich nach meinem Bierkrug und füllte nach. Auch die restlichen MIKEBOSSler inklusive Deo wurden mit neuen Schaumkronen bedacht.
Der Kerl schien ganz nett, auch seine Frisur war jetzt nicht als typische JU-Männerfrisur zu bezeichnen. Er trug das blonde, lockige Haar bis zur Schulter. Ich stach meine grauen Augen in seine grünen. Er senkte sofort die Lider. So war’s recht:
»Was machst du?«
»Jurist in Ravensburg.«
»Spezialisiert?«
»In einer Kanzlei, mein Ressort ist Verkehrsrecht.«
»Hört sich gut an, könnten wir gebrauchen. Hobbys?«
»An erster Stelle Motorrad, dann meine Hütte im Ried mit Grillstelle, dann Musik.«
»Was für Musik?«
»Rock, Metal, das Übliche halt.«
»Das hört sich gut an.«
Die MIKEBOSSler nickten zart, auch Deo schien Ralf sympathisch zu finden.
»Aba da Maikbossla sind schon auch harta Keale, da kannsta nicht wie ich mita Quickly komma.«
»Ach ja, was fährst du für eine Harley?«
»Ähm, keine. Ich fahre eine Honda, eine F…«
»Hört sich ganz schlecht an, keine Chance. Schade.«
Ich schüttelte leicht enttäuscht den Kopf, das wäre schon eine Chance gewesen, die Gruppenstärke wieder herzustellen. Ralf schien wirklich zu passen.
»Der, der ähm, ums Leben kam, was ist mit seiner Maschine?«
Deo hob die Hand:
»Bei da letzta Trauagespräch mit da Susi hat die gesagt, sie will da Maschina endlich mal loswerda. Hauptsach weg.«
Ralf wurde nervös:
»Wie teuer? Für meine bekomme ich locker fünf.«
»Ich denke, zwölf musst du ihr schon geben.«
»Mal überlegen, ob ich das hinbekomme. Kannst du mir die Adresse und Telefonnummer dieser Susi geben?«
Ich schrieb auf einen Bierdeckel und schoss ihn mit einem Fingerschnipser über den Biertisch zielgenau zu Ralf.
»Danke. Apropos Telefonnummer, meint ihr nicht, wir sollten mal in Ravensburg anrufen, wie es der Schanti geht?«
Der gut aussehende Ralf war wirklich ein sympathischer Kerl und mit so viel Empathie ausgestattet.
»Kennst du die?«
»Ja, von früher.«
Ich übernahm den Anruf. Die Klinik erteilte keinerlei Auskünfte. Auch nicht, als ich mich als Schantis Vater ausgab. Der stand nämlich gerade neben der diensthabenden Oberschwester in Ravensburg, mit der ich telefonierte.
10. Montagsblues
Die »Schwäbische« titelte: »Kässpätzleswettessen endet tödlich.« Der »Südkurier«, etwas blumiger: »Exitus bei Wettessen – Kässpätzle waren schuld.« Die »BILD« prägnant: »Kässpätzlesexitus!!«
Schon am Sonntag hatten es die Dorftrommeln verkündet, eine von den Zwillingen sei an einem Kässpätzle erstickt.
Cäci war gerade dabei, eine Kondolenzkarte für die beiden verbliebenen Heberles zu schreiben.
»Was soll ich denn da reinschreiben, bei so einem tragischen Tod … Die arme Chantal. Du hast doch Theologie studiert, dir muss doch ein guter, passender Spruch einfallen! Du kannst ruhig auch einmal etwas tun!«
»Ich passe gerade auf Korbi auf!«, rief ich zur stubensitzenden Gattin.
»Aufpassen, ha aufpassen, du sitzt mit dem Fernglas rum und guckst wahrscheinlich zu Hilde! Liegt die schon wieder ohne da?«
»Nein, mit.«
»Aber Korbi hat viel Spaß in der Gartenwirtschaft. Er schaukelt, Oxana schubst ihn an.«
»Viele Gäste?«
»Es geht, die werden gegen Abend alles belagern.«
»Weißt du jetzt einen guten Spruch, den man in die Kondolenzkarte schreiben kann? Warum hast du denn Theologie studiert? Irgendetwas, das vielleicht mit den Umständen von Chantals Tod zu tun hat, es muss halt passen! Aber bei dir kommt bestimmt nur wieder irgendein Blödsinn raus. Manchmal denke ich, Korbi ist schon reifer als du.«
Der Vorwurf war gänzlich unberechtigt. Natürlich wusste ich einen der tragischen Thematik angemessenen Bibelvers. Levitikus, bei dem ging es oft ums Essen. Levitikus 11, eine bessere Stelle für dieses tragische Unglück gab es nicht:
›Und der Herr redete zu Mose und zu Aaron und sprach zu ihnen: Redet zu den Söhnen Israel: Dies sind die Tiere, die ihr von allen Tieren, die auf der Erde sind, essen dürft! Alles, was gespaltene Hufe hat, und zwar wirklich aufgespaltene Hufe, und was wiederkäut unter den Tieren, das dürft ihr essen. Nur diese von den wiederkäuenden und von denen, die gespaltene Hufe haben, dürft ihr nicht essen: das Kamel, denn es käut wieder, aber gespaltene Hufe hat es nicht: unrein soll es euch sein; den Klippdachs, denn er käut wieder, aber er hat keine gespaltenen Hufe: unrein soll er euch sein; den Hasen, denn er käut wieder, aber er hat keine gespaltenen Hufe: unrein soll er euch sein; das Schwein, denn es hat gespaltene Hufe, und zwar wirklich aufgespaltene Hufe, aber es käut nicht wieder: unrein soll es euch sein. Von ihrem Fleisch dürft ihr nicht essen und ihr Aas nicht berühren; unrein sollen sie euch sein.‹
»Denkst du, das passt? Mein Papa hat ab und zu mit seinen Jägern Dachsschinken gegessen. Und jetzt steht in der Bibel, dass man das nicht darf!«
Cäci schien ein bisschen verwirrt ob des gut ausgewählten Textes. Ich unterschrieb die Kondolenzkarte für Schanti. Schrecklich, wie in kürzester Zeit die renommiertesten Motorradvereine in ihrer Mitgliederstärke geschwächt wurden. Arme Schanti.
Ich klärte Cäci auf:
»Den Klippdachs durften die Israeliten, also die Juden nicht essen. Das ist hier Altes Testament. Jesus hat sich bestimmt immer wieder mal ein Klippdachsgeschnetzeltes mit Spätzle reingezogen. Ein Klippdachs ist kein Dachs in unserem Sinne, es ist der syrische Schliefer, der wird ungefähr so groß wie ein Kaninchen. Das Vieh hat die eigenartige Gewohnheit, dauernd die Zähne übereinander zu reiben, vermutlich um sie zu schärfen. Es lebt zwischen Felsen und ist extrem schwierig zu fangen; eines von diesen Tieren hält immer Wache, sie sind unglaublich vorsichtig und schnell. Wenn ein Feind sich nähert, gibt das Wächtertier ein Signal, und sofort verschwinden alle Tiere. In Sprüche, ich meine irgendwo in Sprüche 30 wird das komische Tier deshalb als ›mit Weisheit wohl versehen‹ geschildert. Der Schliefer, also dieser biblische Klippdachs, ist interessanterweise mit den Elefanten und Seekühen verwandt.«
»Du kannst dir nur Dinge merken, die nicht wichtig sind!«
Aber ein bisschen stolz schien Cäci schon auf mich zu sein.
»Dein Vater hat tatsächlich Dachs gegessen?«
»Nicht nur mein Vater, Mama hat den Dachsschinken auf speziellen Wunsch angeboten. Sie hat das Rezept bestimmt noch.«
»Ruf sie an, das muss ich wissen, dann gibt’s beim nächsten Bikertreffen Dachsschinken.«
Ich notierte stichwortartig, während Cäci diktierte:
»Das ist noch handschriftlich von Papa, schreib mit: Keulen vom jungen Dachs. 30 bis 50 Gramm Pökelsalz, gut pökeln. Gewürzmischung herstellen mit: Pfeffer, Wacholderbeeren, Lorbeerblatt, kräftig Knoblauch. Nach Belieben: Piment, Nelken, Senfkörner, rohe Zwiebeln.
Im Kühlschrank zwei bis drei Wochen pökeln. Nach der Pökelzeit fünf Stunden gut wässern. Danach wieder drei Tage in die Kühlung hängen. Dann bis zu 30 Stunden in die Räucherkammer, Kaltrauch, Temperatur nicht über 27 Grad. Rauchphasen unterbrechen, Schinken zwei-, dreimal ohne Rauch einen Tag hängen lassen. Nach dem Räuchern den Schinken noch drei Wochen reifen lassen.«
»Danke, Mama … Dani spinnt mal wieder!«
11. Der Kurs
Noch fast eine Woche später war Schantis Essunfall das Tagesgespräch in und um Riedhagen. Auch meine 14 Kursteilnehmerinnen hatten nur dieses eine Thema, und so dauerte es doch eine gewisse Zeit, bis ich mich meinem eigentlichen Sujet, das ich im Rahmen der Volkshochschule anbot, widmen konnte: ›Jungbäuerinnen – Lebenshilfe in einer Globalisierten Welt. Synapsen zwischen Homo Rusticus und Homo Globalis. Differenzen erkennen – Homogenitäten stärken. Eine alte Vision im Jetzt neu gestalten.‹
Für den heutigen Abendkursus waren meine 14 Jungbäuerinnen beauftragt, kleine Gegenstände mitzubringen, die die Diskrepanz zwischen Homo Rusticus und Homo Globalis verdeutlichten. Die Gruppe wurde zweigeteilt. Im Riedhagener Dorfgemeinschaftshaus hatte ich dazu ein Tischchen inmitten des üblichen Stuhlkreises platziert, musste jedoch feststellen, dass gerade die Homo Rusticus-Objekte mehr Platz benötigten, als ich gedacht hatte. Doch zunächst war die Homo Globalis-Gruppe an der Reihe, ungeduldig warteten sie mit ihren Objekten. Auf den Tisch mit dem Kärtchen Homo Globalis legten Sabine ihr iPhone, Petra 1 einen Lippenstift, Hedwig eine Schildmütze mit den Buchstaben NY, Petra 2 ein Fläschchen Nagellack, Leopoldine einen Donut, Karla ein Bild von Miley Cyrus, auf dem selbige nackt auf einer Abrisskugel saß, abschließend stellte die kreative Bella ein wassergefülltes Longdrinkglas mit Zitrone, Glaseiswürfeln und Schirmchen getunt auf den Tisch.
Wie gesagt, die Homo Rusticus-Gruppe war da etwas grobschlächtiger an das Thema herangegangen und hatten meine Aussage kleine Gegenstände freier interpretiert: Lätitia hatte eine kindsbadewannengroße Teigschüssel, in der sie ansonsten den Hefeteig gehen ließ, mitgebracht. Josefine eine vierzinkige Mistgabel, deren Einsatzgebiet man nicht erläutern brauchte, Franziska eine Spätzlespresse, Petra 3 ein Bügelbrett, Magda eine Trockenhaube, Barbara einen Sicomatic-Kochtopf. Carmen schleppte einen Das-Letzte-Abendmahl-Teppich unter dem Arm herein, den sie in einer spirituellen Phase selbst geknüpft hatte. Auf dem Tisch mit der Beschriftung Homo Rusticus fand er aber keinen Platz mehr. All die Gegenstände drapierten wir auf dem Boden oder rollten sie dort aus.
Wir setzten uns nun alle stuhlkreisig, außer Carmen, sie bevorzugte aus emotional-spiritueller Motivation heraus ihren Das-Letzte-Abendmahl-Teppich, um einen wollenen und wertvolleren Untergrund zu haben.
Über Carmen wurde im Ort viel gemunkelt, man sagte, sie hätte das Gesicht. Schon als Kind hätte sie Dinge wahrgenommen, die nicht für alle Menschen erfahrbar waren. Einige bewunderten sie und holten bei ungeklärten Fragen ihren Rat ein, andere nannten sie eine esoterische Spinnerin.
Es lief dann so ab wie jedes Mal. Ich gab einen Einstiegsimpuls, indem ich zunächst auf einen goldenen Gong mit einem ganz speziellen Stab schlug, an dessen Ende sich eine weiche Kugel befand. Das hatte ich mir aus Cäcis Psycho-Praxis geliehen, die hatte genug von diesem Esoterik-Geraffel herumstehen, und die Damen standen darauf. Ich persönlich sehe das differenzierter. Nachdem der Gong in den unendlichen Weiten der neuen Riedhagener Dorfgemeinschaftshalle verklungen war, formulierte ich mein unerreichbares Ziel:
»Können wir uns jetzt in Phase eins mit den Gegenständen beschäftigen und jede ein ganz kurzes Statement abgeben, warum sie gerade diesen Gegenstand ausgesucht hat? In Phase zwei interpretiert jede einen anderen Gegenstand, der vor uns liegt, äh und steht. Nur einen, bitte! In der letzten Phase drei diskutieren wir 20 Minuten, welche Vor- und Nachteile die Lebenswelten von Homo Rusticus und Homo Globalis aufweisen. Vielleicht ergibt sich ja auch eine Synthese. Gibt es Fragen? Nein. Dann beginnt jetzt bitte jemand aus der Homo Globalis-Gruppe.«
Magda aus der Homo Rusticus Gruppe meldete sich:
»Darf ich anfangen?«
Ich nickte sanft.
»Die Stativ-Trockenhaube habe ich mitgebracht, weil sie für mich ein Symbol des Landlebens und der Unterdrückung ist. Wir Jungbäuerinnen wissen, was es heißt, unter die Haube zu kommen. Und selten können wir auf Saulgau oder Ravensburg oder Altshausen fahren, um zum Friseur zugehen.«
»Friseurin!«
»Sorry, klar Friseurin!«
Ich schaute auffordernd in die Runde. Bis jetzt lief alles noch super. Meist waren wir nach den ersten zwei Silben schon bei einem völlig anderen Thema gelandet.
»Na, die nächste bitte«, moderierte ich gefällig in die illustre Runde.
Franziska erhob sich, griff zur Spätzlespresse.
»Für mich ist gerade diese Spätzlespresse ein positiv besetztes Symbol für mein Leben als Homo Rusticus. Schon meine Uroma hat mit ihr hier in Riedhagen Spätzle gepresst, und ich werde diese Spätzlespresse auch an meine Tochter weitergeben. Und vielleicht wird einmal meine Tochter diese Spätzlespresse an ihre Tochter weitergeben, und so weiter und so weiter.«
Carmen auf dem Das-Letzte-Abendmahl-Teppich schien dem ganzen Treiben eher beiläufig zu folgen. Auch als der Kurs inhaltlich vom vorgegebenen Thema abwich, saß sie ruhig im Yogasitz da und strich mit einer Hand zart über den Teppich:
Barbara aus Wilhelmsdorf hatte mit ihrer spontanen Frage die Diskussion zu verantworten.
»Wie hieß denn die, die an dem Kässpätzle erstickt ist? Die von den zwei Zwillingen!«
»Wie, waren das vier?«
»Nein, die zwei Zwillinge von dem Hof da draußen.«
»Ja, aber zwei Zwillinge sind doch vier!«
»Ja, schwätz auch raus, der hat doch nur zwei Töchter!«
»Sag ich doch, die beiden Zwillinge!«
»Das Zwillingspaar!«
»Die waren gewiss kein Paar! Die waren doch untereinander verstritten!«
»Und mit dem Tod, da stimmt doch auch was nicht. Hab ich läuten gehört!«
»Ja, was?«
»Ich möchte keine Gerüchte verbreiten, aber die Leute sagen, dass da irgendetwas nicht stimmt!«
»Ja, was denn, wer A sagt, muss auch B sagen.«
»Die eine von den Zwillingen, die Aufgetakelte, die mit dem kleinen Motorrad, die hätte doch ihrer Schwester Gift geben können, das weiß doch jeder im Dorf.«
»Ach Quatsch, gerade andersrum, die, die nur in der Stube rumhockt, war doch eifersüchtig auf die Taxifahrerin!«
»Ach, die fährt Taxi. Das wusste ich gar nicht, ich dachte, die sei arbeitslos.«
»Nein, die andere, die Chantal, die tut nichts. Was meinst du, wie das den Vater fuchst. Die hockt dem nur auf dem Geldbeutel rum, die Jacqueline arbeitet wenigstens. Wenn der die Schmarotzerin los hat, geht’s dem finanziell viel besser.«
»Der hat eine Erbschaft gemacht, sonst könnte er die Chantal und den Suff gar nicht finanzieren!«
»Und seine Frau, weiß die von der Erbschaft?«
»Keine Ahnung, die ist bei Tübingen oder Hechingen mit ihrem neuen Liebhaber! Ich weiß auch nicht, ob die Mädchen Kontakt zu ihr haben.«
»Also ich habe gehört, der Kontakt sei komplett abgebrochen, und der Neue hätte richtig Geld.«
»Die wäre bestimmt beim Sepp geblieben, wenn sie gewusst hätte, dass er so bald erben würde.«
»Ach, dem ist das Weib doch nur abgehauen, weil er so säuft, Kohle hin, Kohle her. Mit einem Alkoholiker zusammenzuleben ist kein Spaß, ich weiß, wovon ich rede.«
»So kann man das aber nicht stehen lassen, das ist unfair dem Sepp gegenüber. Der hat nur zu trinken angefangen, weil seine Frau schon lange mit dem anderen etwas hatte. Sonst wäre der heute trocken. Und seine Töchter liebt der abgöttisch, auch wenn ihm der Lebenswandel von der Jacqueline nicht gefällt. Das ist alles sensationslüsternes Gerede! Wer will aus welchen Gründen auch immer der Chantal etwas antun? So ein Geschwätz ist typisch für den Homo Rusticus.«
Carmen, die bis jetzt schweigend zugehört hatte, erhob sich plötzlich von ihrem Das-Letzte-Abendmahl-Teppich. Die kleine rundliche Frau aus Wilhelmsdorf wischte sich aufgeregt mit beiden Händen übers Gesicht:
»Hört auf mit eurem Getratsche, mit der Sache stimmt etwas nicht, das war kein Unfall!«
Schlagartig war es ruhig im Raum. Eine der Damen flüsterte:
»Seid ruhig, sie hat das Gesicht, vielleicht sagt sie noch mehr!«
Carmen schüttelte mit resigniertem Gesichtsausdruck den Kopf und meinte mit leiser Stimme:
»Da kann ich nichts dafür, das kommt einfach so, ich sehe die Dinge meist ganz klar vor mir, hier ist es aber noch sehr verschwommen. Ich weiß nicht, warum es gerade jetzt ist, vielleicht liegt es an der Personenkonstellation. Auf jeden Fall ist das, was da in Königseggwald mit diesem Mädchen passiert ist, nicht nur ein trauriger Unfall, da steckt mehr dahinter.«
Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als sie fortfuhr:
»Und Herr Bönle, Sie müssen aufpassen. Sie müssen aufpassen vor der Hitze!«
Sie artikulierte ihre Worte weder unheimlich noch angsteinflößend, sie sprach leise mit ihrem schwäbischen Akzent, und trotzdem bekam ich eine Gänsehaut.
»Entschuldigung!«
»Carmen, Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen!«
Sie rollte schnell ihren Teppich zusammen und verschwand Richtung Ausgang.
»Halt Carmen, bleiben Sie doch hier! Erzählen Sie doch mehr! Vielleicht können Sie noch mehr erkennen?«
»Nein, das geht jetzt nicht! Ich kann das nicht vor so vielen!«
»Was war denn das?«
Einige der Damen schauten sich ratlos an.
»Die ist doch sonst ganz normal.«
»Die hat das Gesicht, das zweite Gesicht, zu der kommen Leute aus der ganzen Region.«
»Ach was, die will sich doch nur wichtigmachen!«
»Die hat bestimmt Komplexe!«
»Bitte fair bleiben, meine Damen!«
»Das finde ich auch, die hat nämlich das zweite Gesicht, darüber macht man sich nicht lustig! Da kommen wirklich Leute von weit her und holen sich bei ihr Rat.«
»Herr Bönle, können Sie erklären, was das zweite Gesicht ist?«
»Äh, schon, aber eigentlich ist das nicht unser Thema, wir wollten doch die Diskrepanz zwischen Homo Rusticus und …«
»Bitte Herr Bönle, nur ganz kurz. Ich habe noch nie davon gehört, von diesem zweiten Gesicht.«
»Das ist eigentlich mehr der Themenbereich meiner Frau, also der Psychologie. Die Theologie betrachtet so etwas schon auch. Aber solche paranormalen Fähigkeiten sind ein sehr komplexer …«
»Jetzt erklären Sie schon, aber in normalem Deutsch!«
»Aber ich weiß da wirklich nicht so viel, der Begriff kommt nicht von Gesicht, sondern von dem mittelhochdeutschen Gesichte und bedeutet dort so viel wie Erscheinungen. Und das ist eigentlich auch schon die beste Definition. Den Betroffenen erscheinen Bilder.«
»Was für Bilder?«
»Das können Bilder sein, die ganz plötzlich auftauchen, auch vor geschlossenen Augen, glaube ich. Die sind halt plötzlich da und so intensiv, dass der Betroffene merkt, dass es nicht nur irgendeine Spinnerei oder ein verrückter Tagtraum ist.«
»Kann so etwas jeder bekommen?«
»Das weiß ich nicht, da müsste ich meine Frau fragen.«
»Also ist das wie Hellseherei?«
»Ja, das kann man so sagen, die Hellseher betreiben das aber professionell, die nutzen ihre Gabe. Menschen, die das zweite Gesicht haben, schätzen ihre Gabe meist selbst nicht. Für viele ist es eine Belastung … Aber all das, was ich Ihnen gesagt habe, nur mit Vorbehalt. Ich muss da meine Frau fragen.«
»Was sehen die dann für Dinge? Können die mir dann auch sagen, wie meine Hochzeit wird oder ob ich ein Mädchen oder einen Jungen bekomme?«
»Hmmm, das ist eben das Komische am zweiten Gesicht, fast immer sehen sie unangenehme Dinge wie Todes- oder Unglücksfälle voraus.«
»Glauben Sie daran?«
»Ich weiß es nicht!«
»Warum wissen Sie nicht, ob Sie an etwas glauben oder nicht?«
»Ich bin mir nicht sicher, ob es so etwas wie das zweite Gesicht überhaupt gibt.«
»Bei Ihnen in der Motorradgruppe nennen Sie doch auch einen Gesicht, hat er auch das zweite Gesicht, warum nennen Sie den so?«
Ich musste lachen und erwiderte der gut informierten Dame:
»Den nennen wir so, weil er immer so dumm guckt. Seine Mutter hatte früher immer zu ihm gesagt: Was machst du auch für ein Gesicht? Der Spitzname ist ihm geblieben.«
Der Volkshochschul-Kurs ›Jungbäuerinnen – Lebenshilfe in einer globalisierten Welt. Synapsen zwischen Homo Rusticus und Homo Globalis. Differenzen erkennen – Homogenitäten stärken. Eine alte Vision im Jetzt neu gestalten‹ endete dann, ohne das heutige Thema auch nur annähernd gestreift zu haben. Der nächste Kurs fiel auf den Donnerstag, den 29. Mai, Christi Himmelfahrt, in der Region vor allem als Vatertag bekannt. Ich kam der Bitte der Kursteilnehmerinnen nach, den Termin deshalb auf Dienstag, den 27. Mai vorzuverlegen.
Im ›Goldenen Ochsen‹ bei Frieda fand der Kurs traditionell seinen gesprächigen Ausklang. Nur Carmen fehlte.
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