Kitabı oku: «Wochenend und Wohnmobil - Kleine Auszeiten im Münsterland»
KLEINE AUSZEITEN IM
-MÜNSTERLAND-


INHALT
EINLEITUNG
Das Land der Schlösser und Burgen
Erlebnistouren im Münsterland
1 Am Westfälischen Versailles
Auf den Pättkestouren rund um Nordkirchen
2 Das Zentrum des Münsterlandes
Gemütlicher Spaziergang durch Münster
3 Die letzte Heimat der Wildpferde
Naturgenuss rund um Dülmen
4 Erlebnisse für Klein und Groß
Unterwegs zwischen Velen, Borken und Raesfeld
5 Genau richtig für Grenzgänger
Auf Museumsbesuch in Bocholt
6 Am höchsten Punkt des Münsterlandes
In den Hügeln zwischen Coesfeld und Havixbeck
7 Dem Glücklichen schlägt keine Stunde
Rund um die Glockenstadt Gescher
8 Hier gibt es etwas auf die Ohren
Zwischen Rock und Pop in Gronau
9 Malerisches Stadtzentrum
Zu Fuss durch Steinfurt
10 Mit Berberäffchen auf Du und Du
Unterwegs an der Ems in Rheine
11 Ausflüge ins Tecklenburger Land
Bewegung und Tradition in und um Ibbenbüren
12 Von Wannenmachern und Eiskellern
Fahrradtour bei Emsdetten
13 Pferdestärken mit vier Hufen
Historischer Stadtrundgang durch Warendorf
14 Roadtrip im östlichen Münsterland
Wohnmobilrundfahrt von Telgte nach Drensteinfurt
15 Mit dem Wohnmobil zur Brauerei
Ausflüge rund um Beckum
Orts- und Sachregister
Impressum

Tolle Ausblicke gibt es im nördlichen Münsterland.
ZIELE IM ÜBERBLICK
Nordkirchen
Münster
Naturgenuss rund um Dülmen
Velen, Borken und Raesfeld
Bocholt
Coesfeld und Havixbeck
Glockenstadt Gescher
Gronau
Steinfurt
An der Ems in Rheine
Tecklenburger Land Ibbenbüren
Fahrradtour bei Emsdetten
Warendorf
Von Telgte nach Drensteinfurt
Rund um Beckum
DAS LAND DER SCHLÖSSER UND BURGEN
Erlebnistouren im Münsterland

Im Münsterland macht man viele Ausflüge mit dem Fahrrad.
Das Münsterland bietet eine Vielfalt an Attraktionen und Möglichkeiten. Weite Landschaften, kleine und gemütliche Ortschaften sowie jede Menge Naturerlebnisse machen aus dem Münsterland ein Kleinod, für das man unbedingt sein Fahrrad mit dabei haben sollte.
Zwar hat die Region im nördlichen Nordrhein-Westfalen keinen Anschluss an die Küste und bietet auch keine alpinen Gipfel, aber Seen, Flüsse, Kanäle, Naturschutzgebiete, malerische Altstädte, Aussichtstürme, spannende und raue Moorlandschaften, Schlösser, Burgen und Herrenhäuser sowie eine sehr gute Infrastruktur für Wohnmobiltouristen, zum Wandern und Radfahren machen das Münsterland zu einem idealen Reiseziel für das Wochenende und auch darüber hinaus.
Im Zentrum der Region steht die namensgebende und größte Stadt Münster. Sie ist als Fahrradstadt Deutschlands berühmt. Darüber hinaus schrieb sie mit dem Westfälischen Frieden Geschichte. Auf Spuren der Geschichte trifft man im Münsterland an vielen Orten. Ob das nun die traditionsreiche Historie der Pferdezucht in Warendorf ist oder ob man in Gronau den Klängen der Rock- und Popmusikgeschichte lauscht. Ein Blick in die Vergangenheit lohnt sich an allen Orten, und nicht zu vergessen wären da die vielen entzückenden Schlösser und Burgen, die jede Menge zu erzählen haben. Nicht umsonst wurden diese zur 100-Schlösser-Route zusammengefasst, womit man wieder beim Thema Fahrrad ist. Denn vier Fernradwege verbinden auf einer Gesamtlänge von fast 1000 Kilometern die Herrensitze und Wasserschlösser des Münsterlandes. Aber bei einer Kombination aus Fahrrad und Wohnmobil kommt auch die Natur nicht zu kurz. Und Hand aufs Herz: Wer rechnet schon im bevölkerungsreichsten Bundesland mit Wildpferden und Flamingokolonien?
ÜBERNACHTUNGEN MIT DEM WOHNMOBIL
Auf den ersten Blick ist das Münsterland keine klassische Region für Wohnmobilreisen. Denn für gewöhnlich sagt man, dass »Wasser immer zieht«. Womofahrer kennen das: Küsten, Flüsse und Seen sind beliebte Ziele, wenn man mit dem eigenen Camper unterwegs ist. Das letzte Mal, als das Wasser der Meere an das Münsterland schwappte, beherrschten und bevölkerten noch ganz andere Lebewesen die Erde. Auch eine klassischeSeenplatte fällt im Münsterland aus, was aber nicht bedeutet, dass es keine Seen gibt. Berühmte Ströme wie der Rhein, die Weser oder die Elbe haben das Münsterland nie kennengelernt. Selbst schuld, muss man da sagen, denn dafür ist Platz für kleinere Flüsse wie die Ems oder die Werse, die dann auch noch Unterstützung durch den Dortmund-Ems-Kanal erhalten. Aber trotzdem, nicht jeder der vielen Stell- oder Campingplätze bietet Blick auf das Wasser. Vielmehr sind es die Aussicht in die Natur, in die weite Landschaft, oder die Nähe zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des Münsterlandes, die die Stellplätze hier zu bieten haben. Den Schwerpunkt der Übernachtungsmöglichkeiten machen im Münsterland die Wohnmobilstellplätze aus. Klassische Campingplätze sind im Vergleich zu Wohnmobilstellplätzen deutlich in der Unterzahl. Bei den Stellplätzen ist die Bandbreite wiederum ganz unterschiedlich. Sehr viele Ortschaften, besonders die kleineren, stellen einfache Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung. Meist sind diese Plätze nicht sehr groß, manche bieten sogar nur Platz für zwei oder drei Fahrzeuge. Trotzdem haben sie fast immer einen Stromanschluss und eine Ver- und Entsorgungssäule im Angebot. Bei der Lage gibt es jede Menge Unterschiede. Einige der kommunalen Stellplätze liegen sehr zentral, was kurze Fußwege ermöglicht, aber auch mit entsprechender Geräuschbelästigung einhergehen kann. Andere wiederum befinden sich am Ortsrand und versprechen Ruhe und Erholung, wobei die Schlösser und Altstädte entweder gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen sind.

So moderne Plätze sind selten.

Große Parkplätze für Ausflüge

Viel Liebe zum Detail gibt es auf dem Wohnmobilstellplatz Nordkirchen.
Daneben existieren auch privat betriebene Wohnmobilstellplätze. Eine Besonderheit stellt hierbei der Wohnmobilstellplatz in Nordkirchen dar. Er wurde nämlich gebaut und wird auch betrieben von dem Reisejournalisten Michael Moll, der bereits für 80 Reiseführer verantwortlich zeichnet. Darunter befinden sich zwei Dutzend Werke, die sich speziell an Wohnmobiltouristen richten. Damit ist der Stellplatz der einzige seiner Art in Deutschland, der von einem Reisejournalisten betrieben wird. Und wenn man nun auf das Cover dieses Buches schaut und den Namen des Buchautors liest, wird man feststellen, dass auch dieser Wohnmobilreiseführer durch das Münsterland aus seiner Feder stammt. Wohnmobilerfahrung und Gastfreundschaft werden daher auf dem Stellplatz in Nordkirchen großgeschrieben.
100 SCHLÖSSER ROUTE
Es gibt kaum eine Ortschaft im Münsterland, die nicht mindestens ein stattliches Herrenhaus zu bieten hat. Wehrhafte Wasserburgen, stolze Schlösser und herrschaftliche Höfe prägen die Region wie kaum eine andere. Befasst man sich näher mit der spannenden Historie dieser beeindruckenden Bauten, dann wird man immer wieder auf interessante Zusammenhänge zwischen den einzelnen Schlössern stoßen. Das betrifft nicht nur die Adelsfamilien, die in den sehenswerten Häusern lebten oder gar noch leben, sondern auch die Architekten und den Baustil. Besonders der Name Johann Conrad Schlaun ist allgegenwärtig. Der aus Paderborn stammende Baumeister war im 18. Jahrhundert bei zahlreichen Neubauten oder auch Umbauten als Architekt tätig. Seine Handschrift prägt die Barockkunst, und bei vielen der Gebäude, bei denen Schlaun die Bauleitung innehatte, erkennt auch der Laie Ähnlichkeiten und Stilmerkmale. Auf der 100 Schlösser Route besteht die Möglichkeit, zwischen den zahlreichen Wasserburgen und Landsitzen auf dem Sattel zu sitzen und sie mit dem Fahrrad zu erkunden. Insgesamt bietet die Route fast 1000 Kilometer Streckenlänge, die überwiegend auf ruhigen Wirtschaftswegen oder sogenannten Pättkes verlaufen. Mit Pättken bezeichnet man in der Münsterländer Mundart Pfade bzw. Pfädchen. Der Fernradweg ist kein in sich geschlossener Radweg, sondern besteht aus vier weitläufigen Rundkursen. Die kürzeste Strecke ist etwas mehr als 200 Kilometer lang und verläuft als Südkurs unter anderem zu den Schlössern Nordkirchen, Westerwinkel, Senden und den Burgen Vischering, Lüdinghausen und Hülshoff. Im Westen geht es auf einer Strecke von etwas mehr als 300 Kilometern beispielsweise zu den Schlössern Raesfeld, Ahaus und Lembeck. Dieser Westkurs ist übrigens die einzige Route, die nicht an der zentral gelegenen Stadt Münster entlangführt. Ähnlich lang ist der Nordkurs, auf dem man das Schloss Münster und das Schloss Steinfurt besucht, aber auch einen Abstecher nach Niedersachsen unternimmt und Schloss Iburg oder Burg Bentheim kennenlernt. Zu guter Letzt bleibt noch der 240 Kilometer lange Rundkurs im östlichen Münsterland mit Visiten am Schloss Hovestadt und an Haus Borg so wie an vielen weiteren sehenswerten Bauwerken.

Wasserschlösser und Burgen bestimmen das Bild des Münsterlandes.
Die Bezeichnung 100 Schlösser Route darf man übrigens nicht wörtlich nehmen, denn es sind keine 100 Schlösser, sondern sogar noch mehr, wenn man alle Herrensitze, Schlossparks und bedeutende Kirchen bzw. Klöster mit einbezieht.
STRASSENVERHÄLTNISSE
Die Erreichbarkeit des Münsterlandes ist überaus einfach. Die Autobahnen A 1 und A 31 durchqueren die Region von Nord nach Süd, während die A 2 das östliche Münsterland in Ost-West-Ausrichtung streift. Aus dem Ruhrgebiet heraus gelangt man außerdem auf der A 43 bis zur A 1 bei Münster und damit genau ins Zentrum der Region. Darüber hinaus ist das Münsterland von mehreren Bundesstraßen durchzogen, die sehr gut ausgebaut sind. Die B 54 ist zum Beispiel zwischen Ochtrup und Münster dreispurig ausgebaut, wobei in regelmäßigen Abständen zwischen doppelter und einfacher Fahrspur gewechselt wird. Immer dann, wenn es zweispurig ist und man die Gelegenheit zum Überholen hat, fährt der Gegenverkehr einspurig und umgekehrt.
Trotz des gut ausgebauten Straßennetzes ist es dennoch ruhig. Immerhin hat das Münsterland eine Ost-West-Ausdehnung von rund 120 Kilometern, während man von Nord nach Süd bis zu 70 Kilometer zurücklegen kann. Zwischen den einzelnen Autobahnen und Bundesstraßen verbinden gewöhnliche Landstraßen die kleineren Ortschaften. Dennoch sind diese auch mit den größten Wohnmobilen befahrbar. Doch das Münsterland ist auch eine ländliche Region, und so muss man immer wieder mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen rechnen. Dies gilt einerseits für Traktoren, die den Verkehr verlangsamen, insbesondere dann, wenn sich keine Möglichkeit zum Überholen ergibt, andererseits aber auch für den Gegenverkehr, wenn schwere und breite Landmaschinen auch schon mal in die eigene Fahrspur hineinragen. Daher ist immer Vorsicht geboten und auch etwas Geduld gefordert. Auch der langsamste Traktor wird nicht auf Dauer vor einem schleichen. Oftmals ist ein Überholmanöver schlicht unnötig.

In der überwiegend flachen Landschaft lässt es sich stundenlang radeln.
NATUR IM MÜNSTERLAND
Zugegeben, die Region ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Aber zwischen den einzelnen Landwirtschaftsflächen erstrecken sich immer wieder Wälder und Naturschutzgebiete. So befinden sich allein auf dem Gemeindegebiet von Nordkirchen bereits drei Naturschutzgebiete, die zum Naturgenuss einladen. Vor allem im westlichen und nordwestlichen Münsterland existieren darüber hinaus einige Moorlandschaften. Diese raue Naturlandschaft ist ein Paradies für die Tierwelt, lässt sich in Teilen aber auch erwandern. Gelegentlich ist man sogar auf Holzbohlenwegen unterwegs, die so charakteristisch für Wanderungen in einem Moor sind. Das Münsterland gilt darüber hinaus als sehr flach. Im Vergleich zu anderen Landschaften in Deutschland ist es das auch definitiv, dennoch bietet es stellenweise leicht hügelige Landschaftsformen mit sanften Kuppen. Südöstlich erheben sich beispielsweise die Beckumer Berge, die von der Soestwarte aus tolle Ausblicke ermöglichen, während im Norden das Münsterland mit den Dörenther Klippen in das Tecklenburger Land übergeht. Die Dörenther Klippen sind wiederum ein Teil des Höhenzugs Teutoburger Wald. Der höchste Punkt des Münsterlands befindet sich jedoch westlich von Münster in den sogenannten Baumbergen. Höher als auf den 188 Meter hohen Westerberg gelangt man nirgendwo im Münsterland. Außer man besteigt dort noch den Longinusturm, der einen weiten Blick über die Landschaft ermöglicht.

Die Region besticht durch pure Idylle.

Tierische Vielfalt: Störche auf dem Kamin

und Poitou-Esel an der Stever
Neben den üblichen einheimischen Wildtieren, die in ganz Deutschland verbreitet sind, trifft man im Münsterland aber auch auf zwei Tierarten, die man sonst eher selten oder gar nicht zu Gesicht bekommt. Da wären zum einen die Wildpferde, die die Stadt Dülmen überregional bekannt gemacht haben, und zum anderen die Flamingo-Kolonie. Im Sommer erspäht man die rosa Vögel im Zwillbrocker Venn bei Vreden direkt an der Grenze zu den Niederlanden.
INFORMATIONEN
Weitere Informationen über das Münsterland erhält man nicht nur im regionalen Rahmen in den einzelnen Touristinfos der Ortschaften, sondern auch beim Münsterland e.V. – dem Verein zur Förderung des Münsterlandes: Münsterland e.V., Airportallee 1, 48268 Greven, Tel. 02571/94 93 00, muensterland.com.
AM WESTFÄLISCHEN VERSAILLES
Auf den Pättkestouren rund um Nordkirchen

Das Barockschloss in Nordkirchen muss man einfach gesehen haben.
1
Die malerische Gemeinde Nordkirchen im südlichen Münsterland präsentiert sich mit dem wohl schönsten Schloss der Region. Eine Besonderheit ist auch der Wohnmobilstellplatz, nur 600 Meter vom Barockschloss entfernt. Er wurde nämlich vom Autor dieses Reiseführers gebaut und wird von ihm und seiner Frau liebevoll betrieben.
Ganz klar – das Barockschloss ist die Hauptsehenswürdigkeit in Nordkirchen. Die Anlage ist nicht nur ein Augenschmaus, sondern so groß und bedeutend, dass sie den Beinamen »Westfälisches Versailles« erhalten hat. Gerade einmal zehn Minuten Fußweg sind es vom Wohnmobilstellplatz aus, wenn man über die Sichtachse auf das imposante Bauwerk zugeht. Dabei blickt man über den Weiher und die Venusinsel auf die Nordfassade des Barockschlosses. An Sommertagen wird der prachtvolle Anblick noch durch eine meterhohe Wasserfontäne unterstrichen. Die Venusinsel zwischen Fontäne und Schloss ist mit mehreren zehntausend Buchsbäumchen bepflanzt, die ein stilvolles Muster ergeben und ein beliebtes Fotomotiv sind. Ihren Namen erhielt die Insel durch die Venusskulptur, die aber nur eine von vielen Statuen im Schlosspark ist. Fast 400 Kunstwerke schmücken den weitläufigen Park, der sich am Schloss erstreckt.
RUNDGANG IM SCHLOSSPARK NORDKIRCHEN
Das Schloss ist von Gräften umgeben, die auf drei Seiten über Brücken überquert werden können. So gelangt man in den nach Süden geöffneten Innenhof der Anlage. Der beeindruckende Anblick setzt sich hier fort.
Kein Wunder also, dass alljährlich stolze 600 Trauungen im Hochzeitstürmchen von Schloss Nordkirchen stattfinden. Als besonderes Erlebnis für das gemeinsame Eheglück besteht hier die Möglichkeit, den Bund der Ehe zu jeder Tageszeit eingehen zu können. Das Schloss selbst steht jeden Sonntag für öffentliche Führungen zur Besichtigung bereit, da sich im Inneren die Hochschule für Finanzen befindet. Hier werden die nordrhein-westfälischen Finanzbeamten ausgebildet. Doch auch das Umfeld hat jede Menge zu bieten. Sei es der kleine Libellenteich an der Südseite des Schlosses, benannt nach der überdimensionalen Libellenskulptur, oder der Fledermauswanderweg, der durch das angrenzende Naturschutzgebiet Tiergarten führt, und nicht zu vergessen die Oranienburg, nur wenige hundert Meter westlich des Barockschlosses im Schlosspark gelegen. Das freistehende Gebäude wurde ursprünglich als Orangerie errichtet und entstand in etwa zur gleichen Zeit wie das Schloss Nordkirchen, also in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Tipp
Einmal im Jahr findet im Innenhof das Musikfest statt, bei dem ein Open-Air-Konzert mit einem synchronen Musikfeuerwerk Tausende Zuschauer anlockt. Schon allein das Arrangement mit klassischer Musik, dazu passenden Wasserspielen und einem Feuerwerk ist Grund genug, um sich das Schauspiel nicht entgehen zu lassen. Doch traditionell werden die Rasenflächen auf der Schlossinsel auch noch zu einem riesigen Picknick umfunktioniert. Zahlreiche Besucher ziehen mit Handkarren durch den Ort, um ihre Tische oder Picknickdecken mit mitgebrachten Speisen zu decken. Richtig gemütlich wird es dann, wenn bei Einbruch der Dunkelheit zahlreiche Kerzen auf den Picknicktischen stehen und man den Klängen des Konzerts lauscht, während die Schlossfassade farbenfroh illuminiert wird. Tickets sollten frühzeitig reserviert werden und sind in der Touristinfo Nordkirchen erhältlich.

Fontäne an der Venusinsel

Schloss Nordkirchen, von Gräften umgeben
Die Stever erreicht man mit dem Rad.

Südfassade vom Barockschloss

Gemütliches Zentrum in Nordkirchen
GEMÜTLICHER AUFENTHALT IM MALERISCHEN NORDKIRCHEN
Der gesamte Bereich, bestehend aus Schloss, Park und Oranienburg, ist von einem Wald umgeben. Diesen durchquert man auch, wenn man an der Sichtachse vor dem Weiher mit der Fontäne abzweigt und sich Richtung Ortskern aufmacht. Der Hauptort der Schlossgemeinde, die aus den drei Ortsteilen Nordkirchen, Südkirchen und Capelle besteht, ist nicht minder sehenswert. Zahlreiche Einkehrmöglichkeiten entlang der Schloßstraße laden zum Verweilen ein. Von klassischer Gastronomie mit Außenterrasse bis zum hausgemachten Natureis ist für Gaumen und Magen alles dabei. Beinahe unter geht dabei die kleine Johannes-von-Nepomuk-Kapelle mit ihrem achteckigen Grundriss. Sie wurde ebenfalls in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch die Architekten der Familie Pictorius geplant, die auch für das Barockschloss verantwortlich zeichnen. Gleiches gilt für die barocke St.-Mauritius-Kirche, die sich seit 1715 inmitten von Backsteinbauten erhebt. Dazu zählen zum Beispiel das ehemalige Armenhaus und die ehemalige Küsterei.

Zum Pflichtprogramm gehört auch die Einkehr im Schlaun-Café.
Das einstige Armenhaus ist heute der Sitz der Kinderheilstätte. Nordkirchen versteht sich nämlich als inklusiver Ort und mit der Kinderheilstätte erhalten Kinder und Jugendliche mit Behinderung eine Umgebung, in der sie auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben vorbereitet werden. Zum Gelände der Kinderheilstätte gehören auch der Sinnesgarten und der Streichelzoo, die für jedermann öffentlich zugänglich sind.
Durch eine schmale Gasse gegenüber dem Kirchturm gelangt man in wenigen Schritten zum Ludwig-Becker-Platz. Auch hier verführen Speisen, Getränke und Eis zum Verweilen in der Außengastronomie. Doch gleichzeitig ist der Ludwig-Becker-Platz Ausgangspunkt für die Pättkestouren rund um Nordkirchen.

DAS SCHLAUN-CAFÉ in der ehemaligen Küsterei muss man nicht nur wegen seiner Köstlichkeiten erlebt haben, sondern auch wegen der stilvollen und sehenswerten Innenausstattung. Mauritiusplatz 5, 59394 Nordkirchen, Tel. 02596/971 20, schlaun-cafe.de
AUF DEN PÄTTKESTOUREN DIE UMGEBUNG KENNENLERNEN
Pättkes ist im Westfälischen die Verniedlichungsform von Pfad. Auf diesen Pfädchen verlaufen acht Radrundtouren, die zu weiteren Attraktionen rund um Nordkirchen führen. Mit einer Streckenlänge zwischen 23 und 50 Kilometern sind es gemütliche Tagestouren, die zum Beispiel zu den beiden anderen Ortsteilen Capelle und Südkirchen (Pättkestour 1) verlaufen oder unter anderem ein weiteres Naturschutzgebiet durchqueren (Pättkestour 4). Das Naturschutzgebiet Hirschpark ist aber vom Wohnmobilstellplatz auch sehr gut zu Fuß erreichbar. Es liegt gerade einmal 500 Meter entfernt, man muss lediglich die Landstraße überqueren. In diesem weitläufigen Waldstück wandert man nicht nur entspannt von Picknickplatz zu Picknickplatz, sondern trifft auch auf die Überreste der Motte, die als kleine Burg schon lange vor dem Schloss Nordkirchen existierte.

Schloss Westerwinkel ist ab Nordkirchen leicht mit dem Rad zu erreichen.
Apropos Burgen und Schlösser. Mit dem Fahrrad lassen sich in der näheren Umgebung auch noch weitere historische Bauten erreichen. Im benachbarten Herbern, einem Ortsteil von Ascheberg, befindet sich beispielsweise Schloss Westerwinkel. Mit der Pättkestour Nummer 5 gelangt man zu diesem ebenfalls barocken Wasserschloss, das auf eine Burganlage aus dem 13. Jahrhundert zurückgeht. Südlich von Nordkirchen gelangt man wiederum zum Schloss Cappenberg im gleichnamigen Ortsteil von Selm. Hierbei handelt es sich um die Anlage eines ehemaligen Prämonstratenserklosters.
STIPPVISITE BEI WEITEREN SCHLÖSSERN
Auch die nächstgrößere Stadt, Lüdinghausen, lässt sich über die Pättkestouren 7 und 8 wunderbar einfach durch die generell flache Landschaft des Münsterlandes erreichen, die mitunter aber auch die ein oder andere Steigung mit sich bringt. Lüdinghausen besticht nicht nur durch eine quirlige Innenstadt, sondern auch durch die gleichnamige Renaissanceburg und durch die Burg Vischering. Beide Bauwerke liegen gerade einmal 500 Meter auseinander. Die Burg Lüdinghausen entstand im 12. Jahrhundert und wurde später zur Renaissanceburg ausgebaut. Heute wird sie für Ausstellungen und von der örtlichen Volkshochschule genutzt. Die Wasserburg Vischering wurde als wehrhafte Trutzburg für den Bischof von Münster errichtet und informiert im Inneren mit einem Museum über Geschichte und Architektur des heute immer noch sehr gut erhaltenen Bauwerks.

Auch gut zu erreichen ist Burg Vischering in Lüdinghausen.

Auf den Pättkestouren radelt man durch diese Landschaften.
Unweit der beiden Burgen besteht überdies die Möglichkeit, auf dem Radweg am Dortmund-Ems-Kanal gemütlich in Richtung Olfen zu radeln. Unterwegs wechselt man auf die Pättkestour Nummer 3, um einen kleinen Teil des Flusses Stever kennenzulernen. Dabei passiert man die Steverauen mit Aussichtsplattform und den kleinen Sandstrand, bevor es am Ternscher See entlang wieder nach Nordkirchen zurückgeht. Dort wartet übrigens nach Tiergarten und Hirschpark noch ein drittes Naturschutzgebiet namens Ichterloh im Ortsteil Capelle auf die Besucher.
Nicht unerwähnt lassen sollte man zwei geografische Markierungen im Gemeindegebiet. Es ist bereits durchgeklungen: Die Gemeinde besteht aus den drei Ortsteilen Nordkirchen, Südkirchen und Capelle. An der Stelle, an der diese drei Ortsteile aufeinandertreffen, befindet sich in malerischer Landschaft ein kleiner Picknickplatz für Wanderer und Radfahrer mit dem Hinweis auf das »Dreiländereck«. Am südlichen Rand des Naturschutzgebietes Hirschpark, idealerweise ebenfalls direkt am Radweg, markiert außerdem eine Infotafel den geografischen Mittelpunkt der Schlossgemeinde.
AUF EINEN BLICK
Info
STADT/REGION: Nordkirchen (Südliches Münsterland)
BESTE REISEZEIT: ganzjährig
OPTIMALE REISEDAUER: 2–3 Tage
TOURISTINFO: Touristinfo Nordkirchen, Schloßstraße 11, 59394 Nordkirchen, Tel. 02596/91 75 00, nordkirchen.de
SEHENSWÜRDIGKEITEN
SCHLOSS NORDKIRCHEN: Schloß 1, 59394 Nordkirchen
JOHANNES-VON-NEPOMUK-KAPELLE: Schloßstraße, 59394 Nordkirchen
PFARRKIRCHE ST. MAURITIUS: Mauritiusplatz, 59394 Nordkirchen
SCHLOSS WESTERWINKEL: Horn-Westerwinkel 1, 59387 Ascheberg, Tel. 02599/988 78, ascheberg.de
SCHLOSS CAPPENBERG: Schloßberg, 59379 Selm, Tel. 02306/711 70
BURG VISCHERING: Berenbrock 1, 59348 Lüdinghausen, Tel. 02591/799 00, burg-vischering.de
BURG LÜDINGHAUSEN: Amthaus 8, 59348 Lüdinghausen, Tel. 02591/92 61 76, burg-luedinghausen.de
SINNESGARTEN UND STREICHELZOO: Mauritiusplatz 6, 59394 Nordkirchen, auf dem Gelände der Kinderheilstätte, Tel. 02596/580
WOHNMOBILSTELLPLATZ NORDKIRCHEN
ADRESSE: Am Gorbach 10a, 59394 Nordkirchen, Tel. 0171/436 77 07, wohnmobilstellplatz-nordkirchen.de bzw. dieweltenbummler.de
ANFAHRT: Auf der A 1 bis zur Ausfahrt Ascheberg, weiter auf der B 58 in Richtung Lüdinghausen. Zuvor jedoch an der Ampelkreuzung links und weiter bis zum Blitzer. Gleich hinter der Blitzanlage rechts und nach 150 Meter erneut nach rechts. Hinter der folgenden Linkskurve befindet sich der Platz auf der rechten Seite.
GPS: 51.740206, 7.533553
Der Wohnmobilstellplatz wurde vom Autor dieses Buches und seiner Frau gebaut und wird auch von ihnen betrieben. Die Anmeldung am Self-Service-Stellplatz erfolgt in einem Fasshaus. Dort erhält man eine Begrüßungsmappe.. Außerdem steht ein öffentlicher Bücherschrank zur Verfügung sowie Brett- und Gartenspiele. Bei schlechtem Wetter bedient man sich an Regenschirmen, bei Sonnenschein darf natürlich die Reiselounge mit ihren Schaukelstühlen genutzt werden. Jede Parzelle wird mit 16 Ampere Strom versorgt. WLAN sowie Ver- und Entsorgungsstation vorhanden.

Reiselounge und …

Anmeldung im Fasshaus in Nordkirchen
CAMPINGPLATZ OSTERFELD
ADRESSE: Ondrup 20, 59348 Lüdinghausen, Tel. 02591/86 49, camping-osterfeld.de
ANFAHRT: Auf der A 1 bis zur Ausfahrt Ascheberg, weiter auf der B 58 bis Lüdinghausen. Hinter der Brücke rechts und bis zum Campingplatz durch.
GPS: 51.777082, 7.410097
Campingplatz, der sich überwiegend an Dauercamper richtet, aber auch Plätze für Wohnmobilisten bereithält. Außerhalb der Stadt, bis zur Burg Vischering sind es vier Kilometer Fußweg.
CAMPINGPLATZ SEEPARK TERNSCHE
ADRESSE: Strandweg 7, 59379 Selm, Tel. 02592/91 72 10, ternschsee.de
ANFAHRT: Auf der A 1 bis zur Ausfahrt Ascheberg, weiter auf der B 58 bis Lüdinghausen. Im Ort auf die B 235 wechseln und weiter bis Olfen. Dort am Kreisverkehr auf die B 236 in Richtung Selm. Der Campingplatz erscheint auf der linken Seite.
GPS: 51.71165, 7.433869
Klassischer Campingplatz, überwiegend für Dauercamper, zwischen einem kleinen See und der Bundesstraße.
DAS ZENTRUM DES MÜNSTERLANDES
Gemütlicher Spaziergang durch Münster

Am Rande der Münsteraner Altstadt erhebt sich das sehenswerte Schloss.
2
Auf den Spuren von Wilsberg, dem Detektiv aus dem Antiquariat, spaziert man durch die Altstadt von Münster. Zwischen gotischem Dom und historischem Rathaus erlebt man die prächtigen Gebäude des malerischen Zentrums. Am Rande der Altstadt findet man noch ein Schloss sowie den Aasee mit mehreren Freizeiteinrichtungen.
Die Stadt Münster gehört, was die Einwohnerzahl betrifft, zu den Top 20 der größten Städte Deutschlands. Betrachtet man nur die Flächenausdehnung, spielt Münster sogar in der Champions League und ist immerhin die siebtgrößte Stadt des Landes. Nach Köln ist sie flächenmäßig die zweitgrößte Stadt in Nordrhein-Westfalen. Kein Wunder, dass sie das wichtigste Zentrum im Münsterland ist. Zu Zeiten Preußens bewies Münster Führungsqualität und war von 1815 bis zur Gründung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen im Jahr 1946 Hauptstadt der Provinz Westfalen. In dieser Zeit wurde sie zur Großstadt. Weitere Titel, die Münster trägt, sind Fahrradstadt und Universitätsstadt. Fast 70 000 Studierende geben der Stadt ein junges Antlitz, was sich vor allen Dingen in der quirligen Altstadt mit ihren zahlreichen gastronomischen Einrichtungen bemerkbar macht.
ALTSTADTFLAIR IN DER GROSSSTADT
Die Altstadt ist ohnehin ganz klar der größte Anziehungspunkt Münsters. Im Westen wird sie begrenzt vom Schloss mit dem weitläufigen Schlossplatz, während sich südwestlich der Aasee mit den Museen und dem Zoo an seinem Ufer anschließt. Den Kern der Altstadt bildet der Domplatz, an dessen nördlicher Seite sich der St.-Paulus-Dom erhebt. Der Dom entstand im 13. Jahrhundert und ersetzte zwei Vorgängerkirchen, von denen die erste bereits zu Beginn des 9. Jahrhunderts errichtet wurde. Der zweite Dom folgte etwa zwei Jahrhunderte später und erhielt im Laufe seines Bestehens ein beeindruckendes Westwerk, das beim Abriss des zweiten Doms in den Bau der heutigen Kirche mit integriert wurde. Der Dom, der im Stil der Gotik errichtet wurde, ist etwas mehr als 100 Meter lang und besitzt zwei Querschiffe. Das Westportal sowie weitere Elemente des Doms wurden bei der Bombardierung Münsters im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Zwar wurde die Kirche nach dem Krieg weitgehend rekonstruiert, doch das Westportal wurde durch eine schlichte Wand aus Sandstein ersetzt, die von 16 kleinen Rundfenstern geprägt ist. Lediglich ein kleines Fenster in der linken oberen Ecke ist vom ehemaligen Westportal verblieben. Die beiden Türme, die wenige Meter hinter dem einstigen Westportal den ehemaligen Zugang flankieren, scheinen beide identisch zu sein. Dass der nördliche, also der linke Turm, geringfügig breiter und höher ist, lässt sich mit dem Auge kaum erkennen. Mit 57 Metern ragt er knapp zwei Meter höher in den Himmel. Heute lässt sich der Dom an der Südseite des westlichen Querschiffs, also direkt vom Domplatz aus betreten.
UNBEDINGT SEHENSWERT IST DER DOM
Neben zahlreichen wertvollen Kruzifixen und Altären, befinden sich im Inneren auch mehrere Grabmale. Dazu gehört zum Beispiel im Stephanus-Chor, dem nördlichen Arm des östlichen Querhauses, die Grabstätte von Friedrich Christian von Plettenberg. Der Fürstbischof ließ mehrere Schlösser im Münsterland errichten, unter anderen das Schloss Ahaus und das Barockschloss in Nordkirchen. Ein weiteres Grab bewahrt die sterblichen Überreste des Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen auf, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf Haus Bisping das Licht der Welt erblickte und in Ahaus verstarb. Er ist nicht zu verwechseln mit Clemens August Graf von Galen. Dieser starb 1946 und setzte sich öffentlich gegen die Vernichtung sogenannten unwerten Lebens durch die Nationalsozialisten ein. Im Februar 1946, also nur wenige Monate nach Ende des Kriegs, wurde er von Papst Pius XII. überraschend zum Kardinal erhoben. Nur einen Monat später, er war gerade erst aus Rom zurückgekehrt, verstarb er an einem Blinddarmdurchbruch. 2005 wurde Kardinal von Galen durch Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.

Unterschiedlich breite und hohe Türme

Detail am Münsteraner Dom

Der gotische Dom bildet das Zentrum der Altstadt in Münster.
WO FRIEDEN VEREINBART WURDE
Die Stadt Münster hat aber auch weltliche Geschichte geschrieben. Verlässt man den Domplatz in südöstliche Richtung, spaziert man über den Michaelisplatz direkt auf das historische Rathaus zu. Wie der Dom gehört es zu den Wahrzeichen von Münster. Es ist ebenfalls im Stil der Gotik erbaut worden, auch wenn man heute auf die Rekonstruktion nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges blickt. Zusammen mit dem Rathaus in Osnabrück gilt es als Stätte des Westfälischen Friedens und wurde mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Mit den Friedensverträgen, die im Jahr 1648 in den beiden Städten geschlossen wurden, wurde der Dreißigjährige Krieg beendet. Gleichzeitig fand auch der Achtzigjährige Krieg, besser bekannt als Spanisch-Niederländischer Krieg, sein Ende, was zugleich als die Geburtsstunde der modernen Niederlande bezeichnet wird. Der Wiederaufbau des komplett zerstörten Gebäudes euphorisierte zahlreiche Menschen, auch außerhalb der Stadt im ländlichen Bereich des Münsterlandes. So konnten die Kosten hierfür beinahe zur Hälfte aus Spendengeldern finanziert werden. Wie schon eingangs erwähnt: Münster war eben nicht nur eine Stadt, sondern die Stadt im Münsterland. Die markante Fassade aus Sandstein ist reich verziert und besteht aus einem Arkadengeschoss mit vier Spitzbögen, einem Hauptgeschoss und einem stufenförmigen Giebelgeschoss. Der Giebel ragt dabei deutlich über das eigentliche Dach hinaus. Hauptsehenswürdigkeit im Inneren des Rathauses ist die Ratskammer bzw. der Friedenssaal. Er ist knapp 150 Quadratmeter groß und besticht durch eine umfangreiche Holzvertäfelung und eine hölzerne Schrankwand. Beides ist mit zahlreichen Motiven versehen und reichhaltig geschmückt.

Erinnerung an den Westfälischen Frieden

Täuferkörbe
Ursprünglich besaß das Rathaus noch einige Nebengebäude, von denen heute nur noch das links anschließende Stadtweinhaus besteht. So oder so zeigt sich die Altstadt von Münster hier von einer ihrer schönsten Seiten. Die kopfsteingepflasterte Straße namens Prinzipalmarkt wird von Arkadengängen flankiert, in denen man einen genüsslichen Schaufensterbummel bestreiten kann, während oberhalb der Arkaden weitere sehenswerte und zum Teil stufenförmige Giebel zu sehen sind. Hier spürt man noch heute, dass es sich ehemals um eine klassische Kaufmannsstraße handelte.

AM SPIEKERHOF ERHEBT SICH die Skulptur des Kiepenkerls. Als Kiepenkerle bezeichnete man die umherziehenden Händler, für die ein Holz- oder Korbgeflecht auf dem Rücken, die sogenannte Kiepe, charakteristisch war. Kiepenkerle gehören zum Brauchtum des Münsterlandes und sind immer wieder als Skulptur anzutreffen. Die bekannteste von ihnen ist der Kiepenkerl am Spiekerhof in Münster. Von ihm wurde sogar eine Kopie angefertigt, die in einem Kunstmuseum der US-amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. ausgestellt wird. Rund um die Skulptur in Münster kann man an den Tischen der beiden Gasthäuser Großer Kiepenkerl und Kleiner Kiepenkerl einkehren.
Sehenswert ist auch, nur wenige Schritte rechts vom Rathaus, der erhalten gebliebene Turm des einstigen Stadthauses sowie in der anderen Richtung die ebenfalls beeindruckende St.-Lamberti-Kirche. Sie wurde Ende des 14. Jahrhunderts durch örtliche Kaufleute finanziert und trägt eine Besonderheit am Turm. Zu sehen sind dort drei Käfige, in denen Mitte des 16. Jahrhunderts Leichname zur Schau gestellt wurden. Die sogenannten Täufer wurden zuvor vor dem Rathaus gefoltert und hingerichtet. Heute sind in den Täuferkörben Lichtinstallationen angebracht, die als sogenannte Irrlichter bzw. Seelen die Käfige beleuchten.
BAROCKBAUTEN IN MÜNSTER
Aus dem Münsterland nicht wegzudenken ist der Name Johann Conrad Schlaun. Als Barockbaumeister vollendete er zum Beispiel das Schloss Nordkirchen, aber auch in Münster sind mehrere Bauwerke von ihm zu sehen. Der im Jahr 1773 verstorbene Architekt liegt in der Münsteraner Liebfrauen-Überwasserkirche nahe des Spiekerhofs begraben. Der genaue Standort seiner Grabstätte innerhalb der Kirche ist jedoch nicht bekannt. Zu seinen herausragendsten Gebäuden gehört der Erbdrostenhof im Osten der Altstadt an der Salzstraße. Der dreiflügelige Bau musste aus Platzgründen auf engstem Raum errichtet werden und beherbergt einen schmucken Festsaal. Hin und wieder dient der Erbdrostenhof als repräsentative Kulisse in Filmen und Serien, so unter anderem auch beim sogenannten Münster-Tatort der ARD oder in der ZDF-Fernsehreihe Wilsberg, die mittlerweile seit den 1990er-Jahren in Münster spielt.

Johann Conrad Schlaun schuf den beeindruckenden Erbdrostenhof.

Wilsberg-Fans kennen diese Schaufenster.

Beliebtes Ausflugsziel
Im Westen der Altstadt breitet sich das Fürstbischöfliche Schloss aus, das ebenfalls ein Werk von Johann Conrad Schlaun ist. Es wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschaffen und ist heute das Hauptgebäude der Universität Münster. Hinter dem repräsentativen Bauwerk breitet sich der Schlosspark, umgeben vom Schlossgraben aus, der vom Botanischen Garten der Universität dominiert wird. Nur wenige Gehminuten sind es vom Schloss entlang der Münsterschen Aa bis zum lang gestreckten Aasee. Er wurde als Stausee angelegt und ist heute ein beliebtes Naherholungsgebiet. Neben Rad- und Spazierwegen befinden sich an seinem Ufer das Mühlenhof-Freilichtmuseum, der Allwetterzoo und das LWL-Naturkundemuseum.
Tipp
Fans der Wilsberg-Krimis kommen gegenüber der Liebfrauen-Überwasserkirche auf ihre Kosten. Dort befindet sich das Antiquariat Solder, das in der Krimi-Reihe als Antiquariat des Hauptprotagonisten bekannt ist. Bereits seit Ende der 1990er- Jahre kommt ein Filmteam und dreht jährlich über mehrere Tage neue Folgen, bevor wieder der Alltag ins Geschäft einkehrt.
AUF EINEN BLICK
Info
STADT/REGION: Münster
BESTE REISEZEIT: ganzjährig
OPTIMALE REISEDAUER: 3–4 Tage
TOURISTINFO: Münster Information, Syndikatplatz 3, 48143 Münster, Tel. 0251/492 27 10, stadt-muenster.de
SEHENSWÜRDIGKEITEN
ST.-PAULUS-DOM: Domplatz 28, Tel. 0251/495 67 00, paulusdom.de
HISTORISCHES RATHAUS: Prinzipalmarkt 10, Tel. 0251/492 27 24, muenster.de
ST.-LAMBERTI-KIRCHE: Lambertikirchplatz 1, Tel. 0251/48 29 47 97, sanktlamberti.de

Der Kiepenkerl ist eine Institution in Münster und Umgebung.
KIEPENKERL-DENKMAL: Bergstraße 3
LIEBFRAUEN-ÜBERWASSERKIRCHE: Überwasserkirchplatz 4, Tel. 0251/38 42 20 60, liebfrauen-ueberwasser.de
ANTIQUARIAT MICHAEL SOLDER (WILSBERG): Frauenstraße 49, Tel. 0251/453 39, antiquariat-solder.de
SCHLOSS MÜNSTER: Schlossplatz 2, Tel. 0251/833 28 60
BOTANISCHER GARTEN: Schlossgarten 3, Tel. 0251/832 38 27, uni-muenster.de
ERBDROSTENHOF: Salzstraße 38, Tel. 0251/591 55 53, lwl.org
MÜHLENHOF-FREILICHTMUSEUM: Theo-Breider-Weg 1, Tel. 0251/98 12 00, muehlenhof-muenster.org
LWL-MUSEUM FÜR NATURKUNDE MIT PLANETARIUM: Sentruper Str. 285 Tel. 0251/591 05, lwl.org
ALLWETTERZOO MÜNSTER: Sentruper Str. 315, Tel. 0251/890 40, allwetterzoo.de
ARCHÄOLOGISCHES MUSEUM: Domplatz 20–22, Tel. 0251/832 54 12, uni-muenster.de
LWL-MUSEUM FÜR KUNST UND KULTUR: Domplatz 10, Tel. 0251/590 72 01, lwl-museum-kunst-kultur.de
KUNSTMUSEUM PABLO PICASSO: Picassoplatz 1, Tel. 0251/414 47 10, kunstmuseum-picasso-muenster.de
STADTMUSEUM MÜNSTER: Salzstraße 28, Tel. 0251/492 45 03, stadtmuenster.de
CAMPINGPLATZ MÜNSTER
ADRESSE: Laerer Werseufer 7, 48157 Münster, Tel. 0251/31 19 82, campingplatz-muenster.de
ANFAHRT: Auf der B 51 bis zur Wolbecker Straße und dann stadtauswärts bis zur Überquerung des kleinen Flusses Werse. Dahinter gleich links auf den Campingplatz.
GPS: 51.946683, 7.691854
Klassischer Campingplatz mit üblicher Ausstattung. Vor der Schranke befindet sich zudem ein Wohnmobilstellplatz mit eigener Ver- und Entsorgungsstation. Es wird ein Fahrradverleih angeboten, aber bis zur nächsten Bushaltestelle sind es nur drei Minuten Fußweg. Von dort gelangt man zum Bahnhof Münster und damit zur Altstadt. Zum Campingplatz gehört auch das Restaurant Wersetiger mit einem umfangreichen Speiseangebot.

Wer lieber lebende Tiere sehen möchte, geht nebenan in den Zoo.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.