Kitabı oku: «Keine Angst vor Optionen»

Yazı tipi:

KEINE ANGST VOR

OPTIONEN

Profiwissen für Einsteiger – so handeln Sie von Anfang an richtig

MICHAEL SINCERE


Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

Understanding Options – 2nd edition

ISBN 978-0-07-181784-4

Copyright der Originalausgabe 2014:

Original edition copyright © 2014 by McGraw-Hill Education. All rights reserved.

Copyright der deutschen Ausgabe 2021:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Übersetzung: Egbert Neumüller

Lektorat: Judith Hobmaier, Claus Rosenkranz

Covergestaltung: Daniela Freitag

Satz: Timo Boethelt

ISBN 978-3-86470-716-2

eISBN 978-3-86470-717-9

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Meiner Mutter Lois, an die ich stets wegen ihres Mitgefühls

und ihrer Großzügigkeit denken werde, die so wenig verlangte

und doch so viel vollbrachte; und meinem Vater Charles

für seine Güte und seine positive Einstellung.

Für Anna Ridolfo, eine gute Freundin und treue New Yorkerin,

die ihr Leben der Hilfe für andere gewidmet hat.

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

TEIL 1 – WAS SIE ALS ERSTES WISSEN MÜSSEN

1Willkommen auf dem Optionsmarkt

2Wie man ein Optionsdepot eröffnet

3Die faszinierenden Eigenschaften von Optionen

TEIL 2 – DER VERKAUF GEDECKTER CALLS

4Das Vergnügen, gedeckte Calls zu verkaufen (zu schreiben)

5Wie man die richtige gedeckte Kaufoption auswählt

6Schritt für Schritt: So verkauft man gedeckte Kaufoptionen

7Wie man eine gedeckte Kaufoption managt

8Die Zuteilung: Ihre Verpflichtung zum Verkauf

TEIL 3 – WIE MAN KAUFOPTIONEN KAUFT

9Einführung in Call-Strategien

10Wie man die richtige Call-Option auswählt

11Volatilität und Optionsbewertung

12Schritt für Schritt: Kaufoptionen kaufen

13Wie man seine Call-Position managt

14Die Ausübung: Ihr Kaufrecht

TEIL 4 – WIE MAN PUTS KAUFT

15Wie man die richtige Put-Option auswählt

16Wie man seine Put-Option managt

17Protective Puts und Married Puts

18Der Collar

TEIL 5 – MITTELSCHWERE UND FORTGESCHRITTENE STRATEGIEN

19Credit und Debit Spreads

20Der Kauf von Straddles und Strangles

21Der Kauf bar besicherter und „nackter“ Puts

22Das Delta und die anderen Griechen

23Der Handel mit Optionen auf ETFs, Indizes sowie mit Wochen- und Mini-Optionen

24Fortgeschrittene Strategien

TEIL 6 – ERNST GEMEINTE RATSCHLÄGE DES AUTORS

25Sheldon Natenberg: Ein professioneller Optionshändler

26Wo man Hilfe bekommt

27Lektionen, die ich über Optionen gelernt habe

Danksagungen

VORWORT
EIN DEUTLICH VERBESSERTES BUCH ÜBER OPTIONEN

Da die erste Ausgabe von „Keine Angst vor Optionen“ so erfolgreich war, bat mich mein Lektor bei McGraw-Hill, eine zweite Auflage zu schreiben. Ich möchte den Tausenden Lesern danken, die mein Buch gekauft haben, die mir geschrieben und mir Anregungen gegeben haben. Dank ihrer Ideen ist die vorliegende zweite Auflage noch besser geworden.

Ich habe auf die Leser gehört, die mir geschrieben haben, sie wollten mehr über mittelschwere und fortgeschrittene Strategien erfahren. Dieses Buch beinhaltet Kapitel über Ausübung und Zuteilung, Collars, über den Verkauf bargeldbesicherter Puts, über den Kauf von Straddles und Strangles, über die „Griechen“, die implizite Volatilität, Protective Puts und Spreads. Ich bespreche auch ein paar fortgeschrittene Strategien, beispielsweise Condors, Calendar Spreads, den Butterfly Spread und den Handel mit Optionen auf ETFs.

Außerdem behandle ich beliebte Produkte wie Wochen-Optionen und Mini-Optionskontrakte. Natürlich ist die zweite Auflage viel länger geworden. Trotzdem habe ich mein Bestes getan, um alle Strategien in verständlicher Sprache vorzustellen.

Wenn Sie etwas über Optionen erfahren wollen, aber noch nicht mit dem Aktienmarkt vertraut sind, empfehle ich Ihnen, mein Buch „Understanding Stocks“ (McGraw-Hill, 2. Auflage) zu lesen. Darin dürften die meisten Ihrer Fragen beantwortet werden und es ist im gleichen leserfreundlichen Stil verfasst wie das vorliegende Buch.

Und schließlich: Für den Fall, dass Sie dieses Buch lesen und noch Fragen haben, gebe ich eine (in den Vereinigten Staaten von Amerika) gebührenfreie Telefonnummer an, die Sie montags bis freitags anrufen können. Es mag schwer zu glauben sein, aber wenn Sie diese Telefonnummer anrufen, werden alle Ihre Fragen zu Optionen beantwortet. Sie können auch online mit einem Optionsfachmann chatten. Was das kostet? Nichts.

WER DIESES BUCH LESEN SOLLTE

Wenn Sie darüber nachdenken, mit Aktienoptionen zu handeln, oder bereits damit handeln, aber Verlust machen, dann könnte dieses Buch das nützlichste sein, das Sie je gelesen haben. Ich habe entsprechende Kurse besucht, Bücher gelesen, mit Profis gesprochen, die Trades getätigt und daher kann ich Ihnen beibringen, was ich gelernt habe. Ebenso wie in meinen anderen Büchern versuche ich hier, Optionen so zu erklären, als würden Sie mir am Küchentisch gegenübersitzen. Mein Ziel ist es, Ihnen Zeit und Geld zu ersparen und Sie gleichzeitig zu bilden und zu unterhalten.

Ein Buch über Optionen, das unterhaltsam ist? Ich weiß, das klingt lächerlich, vor allem, wenn man Dutzende andere Bücher über Optionen durchgeackert hat, die angeblich für Anfänger gedacht sind. Die meisten Bücher über Optionen, die ich gelesen habe, kommen mir vor, als wären sie für Rechtsanwälte oder Mathematiker geschrieben. Sie lassen Optionen viel verwirrender erscheinen, als sie es in Wirklichkeit sind. Vielleicht liegt das daran, dass Optionen gesetzliche Verträge – Kontrakte – sind, mit denen auch Fachbegriffe verbunden sind. Ich lasse in diesem Buch das Anwaltsgerede so weit wie möglich weg.

Einer meiner Freunde hat Angst davor, Risiken einzugehen, ein anderer ist Spekulant. Als ich meinem furchtsamen Freund sagte, er solle es in Betracht ziehen, mit Optionen zu handeln, fauchte er sofort: „Bist du verrückt? Das ist viel zu kompliziert für mich! Ich will doch nicht mein ganzes Geld verlieren.“ Er hatte Erfahrung am Aktienmarkt und kaufte und hielt gern Aktien- und Indexfonds. Er war überzeugt, Optionen seien ein System, das angeblich zum schnellen Reichtum führt und wie ein Casino funktioniert. Und er meinte, Optionen seien nichts für risikoaverse Anleger.

Mein anderer Freund, der Spekulant, ist erfolgreicher Zahnarzt und süchtig nach der Action am Aktienmarkt, die an Las Vegas erinnert. Als der Aktienmarkt einmal nicht aufregend genug war, buchten er und seine Frau ein Optionsseminar, wobei sie für den zweitägigen Kurs 4.000 Dollar hinlegten (nicht zu vergessen die Software für 2.000 Dollar, die angeblich gewinnbringende Optionen findet). Der Kursleiter drückte stets die richtigen Knöpfchen und nach dem Kurs war mein Freund bereit, sich in den Optionshandel zu stürzen und dabei schicke Strategien einzusetzen, zum Beispiel ungedeckte Puts, Calendar Spreads und Straddles. Er war überzeugt, er könnte mit Optionen ein Vermögen verdienen, indem er die ausgefuchstesten Strategien einsetzte. Er dachte, je komplizierter die Strategie, umso mehr Geld würde er verdienen. Doch zum Glück redete er zuvor mit mir.

Ich habe dieses Buch für meine beiden Freunde und für Tausende andere Menschen geschrieben, die sind wie sie. Wenn Sie meinen, Optionen seien zu kompliziert oder zu gefährlich, dann geben Sie mir eine Chance, Ihre Meinung zu ändern. Die gute Nachricht: Es gibt eine Optionsstrategie, die die Bedürfnisse meiner beiden Freunde befriedigt, vom risikoscheuen, defensiven Anleger bis zum risikofreudigen Spekulanten. Zudem: Auch wenn Sie dieses Buch nicht lesen, um Geld zu verdienen, sondern um sich zu bilden und zu unterhalten, glaube ich, dass es Ihre Bedürfnisse befriedigt.

Falls Sie darüber nachdenken, einen kostspieligen Optionskurs zu besuchen, dann lesen Sie zuerst dieses Buch. Es könnte Ihnen Tausende Dollar ersparen. Wenn Sie dann trotzdem beschließen, den Kurs zu besuchen, dann sind Sie darauf besser vorbereitet. Und wenn Sie zu den zehn Millionen Arbeitnehmern gehören, die von ihrem Arbeitgeber Aktienbezugsrechte bekommen, dann könnte Ihnen dieses Buch helfen, die Vorteile und Risiken von Aktienbezugsrechten zu verstehen.

Und schließlich: Wenn Sie Bedenken haben, dieses Buch könnte zu einfach sein, dann finden Sie in den letzten beiden Teilen des Buches mittelschwere und fortgeschrittene Strategien, um Ihren Appetit anzuregen, und ein dynamisches Interview mit einem Optionsguru. Alle diese Strategien beschreibe ich in meinem üblichen leserfreundlichen Stil.

WAS IST AN OPTIONEN SO TOLL?

Was, wenn ich Ihnen sagen würde, dass man Optionen verwenden kann, um jeden Monat oder in jedem Quartal Geld zu verdienen? Und was, wenn ich Ihnen sagen würde, dass Sie Optionen beispielsweise als Versicherung einsetzen können, um Ihr Aktienportfolio zu schützen? Tatsächlich ist die Minimierung von Risiken eine der besten Arten, Optionen einzusetzen. Und wenn Sie gelegentlich spekulieren wollen, können Sie damit Ihr Geld hebeln und Ihre Gewinne verdoppeln oder verdreifachen. Das kostet Sie viel weniger, als wenn Sie Aktien kaufen würden. Und schließlich, wenn Sie Aktien shorten möchten, dann ist es sicherer, Optionsstrategien zu nutzen als den Aktienmarkt.

Apropos Sicherheit: Wussten Sie schon, dass der allerbeste Grund, sich für Optionen zu entscheiden, die Tatsache ist, dass man dabei im Voraus weiß, wie viel man verlieren kann? Man hat unter Kontrolle, welche Risiken man eingehen will. Wenn man es richtig macht, kann man Optionen verwenden, um Einkommen zu generieren, um sein Aktienportfolio zu schützen, um es gegen Risiken abzusichern und um zu spekulieren. Wenn Sie das Buch durchgelesen haben, sollten Sie eine gute Vorstellung davon haben, was Optionen für Sie tun können und ob Sie damit handeln wollen.

Zum Beispiel rief mich ein Freund an, der gerade mit dem Trading anfing, um mir zu sagen, er experimentiere mit einer ausgefeilten Optionsstrategie namens Straddle (die später in diesem Buch erklärt wird). Nachdem er 2.000 Dollar investiert hatte, verkaufte er die Option am nächsten Tag für 25.000 Dollar. Das war vielleicht Anfängerglück, aber es zeigt durchaus, dass man gelegentlich einen Volltreffer landen kann. Ein anderer Freund nutzt eine konservative Optionsstrategie, die gedeckte Kaufoption, um damit ein monatliches Einkommen zu erzielen.

Ein Grund, aus dem Ihnen Optionen gefallen werden, ist die Tatsache, dass man damit unabhängig von den Marktbedingungen Geld verdienen kann. Das gilt jedoch nicht für alle mittelschweren und fortgeschrittenen Strategien, die in diesem Buch besprochen werden. Optionen sind leistungsfähige Werkzeuge, die man bei richtiger Anwendung zusammen mit dem Aktienmarkt benutzen kann, um sein Portfolio aufzuwerten oder zu schützen.

Zumindest ist es klug, alles über dieses faszinierende und flexible Finanzinstrument zu lernen, was man darüber lernen kann. Wenn Sie hören, Optionen seien flexibel, dann heißt das einfach, dass man sie unter beliebigen Marktbedingungen handeln kann und dass die Strategien so einfach oder so kompliziert sein können, wie man sie haben will.

Glauben Sie, dass der Preis einer bestimmten Aktie explodieren wird? Dafür gibt es eine Optionsstrategie, die keine große Vorauszahlung kostet. Und wenn es zum Crash kommt? Auch dafür gibt es eine Optionsstrategie. Und wenn Sie glauben, dass der Markt seitwärts laufen wird, gibt es Optionsstrategien, die dann Einkommen abwerfen. Kennen Sie von Aktien abgesehen noch ein anderes Finanzinstrument, das die Bedürfnisse der Anleger unabhängig von ihrem Einkommensniveau oder ihren finanziellen Zielen befriedigt?

Und es gibt noch einen Grund, weshalb Sie etwas über Optionen lernen sollten: Sie können helfen, Ihre finanziellen Ängste einzudämmen. Zum Beispiel sagen mitten in einer Baisse viele Menschen das Schlimmste voraus. Man kann mit Optionen sein Aktienportfolio schützen, wenn man sich mit dem Markt nicht wohlfühlt. Optionen sind nicht perfekt, aber in den Händen sachkundiger Anleger sind sie leistungsfähige Werkzeuge.

WIE DIESES BUCH AUFGEBAUT IST

Dieses Buch besteht aus sechs Teilen. Der erste Teil, „Was Sie als Erstes wissen müssen“, bietet eine gründliche Übersicht über Optionen. In den Teilen 2 bis 4 ist das Buch genauso aufgebaut, wie man traden würde, von Anfängerstrategien der Stufe 1 bis hin zu fortgeschrittenen Strategien der Stufe 4. Ich beginne langsam und bringe Ihnen geduldig bei, wie man gedeckte Kaufoptionen erstellt und wie man Calls und Puts kauft.

In Teil 5 lernen Sie mittelschwere Strategien wie Spreads, Straddles, Strangles, bargeldbesicherte und ungedeckte Puts, die „Griechen“, Wochen-Optionen und Mini-Optionen kennen. Ich habe mich sehr bemüht, diese Strategien einem Trading-Neuling verständlich zu machen. Wenn ich jedoch fortgeschrittene Optionsstrategien wie den Iron Condor, Calendar Spreads und den Butterfly Spread vorstelle, zieht das Tempo an.

In Teil 6 können Sie sich über das lesenswerte Interview mit Sheldon Natenberg freuen, einem Bestsellerautor und anerkannten Optionsexperten. Am Ende finden Sie eine aktualisierte Liste mit Büchern, Kursen, Software und anderen Ressourcen für diejenigen, die noch mehr über Optionen erfahren wollen. (Wenn beim Lesen dieses Buches Fragen auftauchen, finden Sie in Kapitel 26 eine gebührenfreie Telefonnummer, unter der Sie sofort Antworten bekommen.)

Manche von Ihnen fragen sich vielleicht, wie es möglich ist, ein relativ kurzes Buch über Optionen zu schreiben, wo doch viele Bücher über Optionen mehr als 500 Seiten lang sind. Erstens richten sich viele dieser Bücher an erfahrene Trader, nicht an Anfänger. Zweitens verwenden andere Autoren Hunderte von Seiten darauf, anhand komplizierter Formeln zu erklären, wie Optionen konstruiert sind. Zwar stelle auch ich Preisberechnungsformeln vor, aber ich vertrete die These, dass man, um Auto zu fahren, nicht lernen muss, wie ein Motor funktioniert.

Die Analyse von Optionsformeln mag vielleicht für Mathematiker interessant sein, ich aber behalte lieber im Auge, worauf es unter dem Strich ankommt: Ihnen beizubringen, wie man erfolgreich mit Optionen handelt. Der Optionshandel ist nicht so schwierig, wie manche Menschen meinen, aber er ist auch nicht so leicht, wie manche Sie glauben machen wollen.

SO ERREICHEN SIE MICH

Ich beglückwünsche Sie dazu, dass Sie sich die Zeit nehmen, etwas über Optionen zu erfahren. Der Aktienhandel ist wie ein Damespiel, der Optionshandel hingegen wie ein Schachspiel. Wenn dies Ihr erstes Buch über Optionen ist, dann ist es mir eine Ehre, der Erste zu sein, der Ihnen etwas über dieses faszinierende Produkt beibringt. Nachdem Sie mein Buch gelesen haben, werden Sie andere Bücher über Optionen viel besser verstehen.

Schätzungsweise verstehen nur fünf Prozent der Bevölkerung wirklich, wie Optionen funktionieren. Verständlich, denn schließlich braucht man Geschick, Wissen, Erfahrung und Beharrlichkeit, um ein erfolgreicher Optionshändler zu sein. Wenn Sie das Buch zu Ende gelesen haben, werden Sie zu dieser kleinen Gruppe sachkundiger Trader gehören.

Nochmals danke, dass Sie dieses Buch lesen. Ich habe mich sehr bemüht, es zum nützlichsten Buch über Optionen zu machen, das Sie je gelesen haben. Es kann trotzdem sein, dass Sie es mehrmals lesen müssen, bevor Sie Optionen wirklich verstehen.

Und schließlich, wenn Sie Fragen zu meinem Buch haben oder darin Fehler finden, schreiben Sie mir gern eine E-Mail an msincere@gmail.com oder besuchen Sie meine Website www.michaelsincere.com. Ich freue mich immer, von Ihnen zu hören.

TEIL 1

1
WILLKOMMEN AUF DEM OPTIONSMARKT

Ich freue mich, dass Sie sich entschieden haben, gemeinsam mit mir mehr über Optionen und den Optionshandel zu erfahren. Optionen können tückisch sein – etwa so, wie wenn man durch Treibsand läuft. Am Anfang kann es einem einfach und unkompliziert vorkommen. Aber wenn man tiefer hineinkommt, kann es trüber werden und schon bald merkt man, dass man unter der Last der Optionsterminologie versinkt.

Sobald man besser mit der Strategie vertraut ist, wird es allerdings leichter. Aber verstehen Sie mich nicht falsch: Etwas über Optionen zu lernen, ist wie eine neue Sprache zu lernen. Das Gute ist, dass man kein Mathematikstudium braucht, um erfolgreich mit Optionen zu handeln. Die meisten Berechnungen sind einfach. Wenn anspruchsvolle Berechnungen nötig sind, finden Sie die Lösungen auf Ihrem Computer oder in Ihrem Smartphone.

Am besten erlernt man den Optionshandel in kleinen Schritten und genau so präsentiere ich die Informationen. Wenn Sie so sind wie meine spekulierenden Freunde, dann möchten Sie sich sofort in den Optionshandel stürzen. Ich rate Ihnen aber dringend, sich die Zeit zu nehmen, um den Sinn und Zweck von Optionen sowie ihren Einsatz zu verstehen, bevor Sie zum ersten Mal richtiges Geld in diesen Markt stecken.

Empfehlung: Bevor Sie mit Optionen handeln, sollten Sie außerdem ausreichende Kenntnisse des Aktienmarkts besitzen. Da Aktien und Optionen miteinander zusammenhängen, sollten Sie wissen, wie man Aktien kauft und verkauft, bevor Sie mit Optionen handeln. Wenn Sie neu am Aktienmarkt sind, empfehle ich Ihnen mein vorheriges Buch, „Understanding Stocks“ (McGraw-Hill, 2. Aufl.), das schnell und leicht abhandelt, was man über den Aktienmarkt wissen muss. Bei Ihrem örtlichen Buchhändler oder online gibt es noch weitere Bücher zu diesem Thema.

DIE VORTEILE DES OPTIONSHANDELS

Bevor wir die Optionen detailliert besprechen, lassen Sie uns einen genaueren Blick auf die Gründe werfen, aus denen Sie daran teilhaben wollen. Wussten Sie, dass die Optionen schon vor Tausenden von Jahren erfunden wurden? Und dass sie bereits populär waren, lange bevor die erste Aktienbörse gegründet wurde? Vielleicht überrascht es Sie auch, zu erfahren, dass sich Optionen fast in jedermanns Portfolio integrieren lassen, vom defensiven, risikoscheuen Anleger bis zum Spekulanten. Viele Trader lieben den Optionshandel, weil Optionen so flexibel und so billig sind. Egal, welche Gründe Sie haben, Sie können eine Möglichkeit finden, Optionen einzusetzen – um Einkommen zu generieren, als Versicherung, als Absicherung oder als Spekulation.

Einkommen

In Teil 2 befasse ich mich ausführlich mit Einkommensstrategien, erinnere jetzt aber nur daran, dass man Optionen sehr effizient einsetzen kann, um Einkommen oder einen Cashflow zu generieren. Im Prinzip kauft man dafür keine Optionen, sondern man verkauft Optionen auf Aktien, die man bereits besitzt. Dadurch vermietet man gewissermaßen seine Aktien an andere Menschen (die Optionskäufer) und diese bezahlen einen für dieses Privileg. Das kann eine profitable Einsatzmöglichkeit von Optionen sein, so ähnlich wie eine Rente, bei der man monatliche Zahlungen erhält, nur weil man die Aktien besitzt.

Schutz

Ein weiterer wirksamer Einsatz von Optionen ist der Schutz beziehungsweise die Versicherung von Geldanlagen. Nehmen wir einmal an, Sie haben eine ziemlich große Position in einer Aktie. Wenn Sie Ihr Risiko senken möchten, können Sie Optionen einsetzen, um Ihre Aktienposition im Falle einer Katastrophe zu schützen. Ebenso wie bei einer Versicherungspolice hoffen Sie dabei natürlich, dass Sie sie nicht brauchen. Ursprünglich wurden Optionen für genau diesen Zweck erfunden. Die Verwendung von Optionen, um seine Aktien zu schützen, ist eine der eher konservativen Arten, den Optionsmarkt zu nutzen.

Absicherung/Hedging

Ähnlich wie beim Kauf einer Aktienversicherung kann man sich auch gegen Risiken absichern. Nehmen wir an, Sie befürchten, dass der Markt im Laufe des nächsten Jahres abstürzen und so ein Loch in Ihre Gewinne aus Aktien und aus Investmentfonds reißen könnte. Sie können Ihr gesamtes Portfolio dadurch absichern, dass Sie Optionen auf börsennotierte Fonds (ETFs) kaufen, die bedeutende Indizes wie den S&P 500, den Dow Jones Industrial Average, den Nasdaq 100 oder den Russell 2000 nachbilden. Wenn der Markt fällt, legt der Wert der Optionen zu. Profis verwenden routinemäßig Optionen, um ihre Aktienportfolios abzusichern, und Sie können das auch tun.

Spekulation

Optionen stehen in dem Ruf, eine Art Casino für schnelles Geld zu sein, weil Spekulanten von den Medien so viel Aufmerksamkeit bekommen. Gegen eine geringe Anzahlung kann man seine Investments hebeln und hat die Chance, ein Vielfaches dessen zu gewinnen, was man investiert hat. Bei dieser Strategie kontrolliert man für wenig Geld eine große Anzahl von Aktien. Das Beste an solchen Optionsstrategien ist, dass man immer von vornherein weiß, wie viel man verlieren kann.

Ein weiterer Vorteil des Optionshandels ist, dass man damit in allen Marktumfeldern Geld verdienen kann. Man kann Optionsstrategien erstellen, die von Haussen, Baissen oder Seitwärtsmärkten profitieren.

MÖGLICHST EINFACH

Vielleicht meinen Sie, die einzigen Menschen, die mit Optionen Geld verdienen, seien diejenigen, die fortgeschrittenere Strategien verwenden. Das stimmt aber nicht! Für private Optionshändler gilt, dass sie manchmal umso mehr Geld verdienen, je einfacher die Strategie ist. Und die komplizierteren Strategien bergen größere Risiken. Halten Sie sich einfach an Strategien, mit denen Sie sich wohlfühlen – solche, die Ihnen keine schlaflosen Nächte bereiten. Für den Aktienmarkt gilt das genauso wie für Optionen.

Mit größter Wahrscheinlichkeit ist es noch zu früh, um zu wissen, auf welche Weise Sie Optionen am besten einsetzen sollten. Viele Optionshändler kombinieren verschiedene Strategien: Sie setzen Optionen ein, um ein regelmäßiges Einkommen oder einen Cashflow zu erzielen und auch als Absicherung gegen mögliche Katastrophen. Und natürlich fühlen sich viele Menschen deshalb zu Optionen hingezogen, weil sie damit ein Vielfaches ihrer anfänglichen Investition verdienen können.

EINE OPTION AUF EIN HAUS KAUFEN

Die nun folgende kurze Geschichte soll Ihnen besser verständlich machen, wie Optionen funktionieren.

Nehmen wir an, Sie denken daran, ein bestimmtes Haus mit zwei Schlafzimmern zu kaufen, das für 100.000 Dollar angeboten wird. Ihnen gefällt das Haus richtig gut und der Preis ist gerechtfertigt. Sie möchten sich den Preis von 100.000 Dollar für den Fall sichern, dass der Preis steigt. Wenn Sie sich den Preis sichern können, haben Sie Zeit, sich nach anderen Häusern umzusehen, und auch die Zeit, etwas zu unternehmen, falls Sie beschließen, das Haus zu kaufen.

Deshalb treten Sie an die Besitzerin des Hauses heran und fragen sie, ob sie eine Vereinbarung über eine Kaufoption unterschreibt. Ist sie einverstanden, setzen Sie sich zusammen und handeln die Konditionen aus. Nach einem kurzen Gespräch ist die Eigentümerin bereit, das Haus drei Monate lang für Sie zurückzuhalten. Während dieser Zeit darf niemand anders das Haus kaufen. Das heißt auch, dass Sie unabhängig davon, wie hoch etwaige andere Gebote sein mögen, das Haus für 100.000 Dollar kaufen können. Selbst wenn ein Immobilienmakler das Haus innerhalb der nächsten drei Monate für 120.000 Dollar anbietet, können Sie – und nur Sie – es für 100.000 Dollar kaufen. Die Besitzerin bezahlt weiterhin die Rechnungen, aber Sie haben es in der Hand, wann, ob und für wie viel das Haus verkauft wird. Ein tolles Geschäft!

Aber was ist, wenn der Wert des Hauses auf 90.000 Dollar sinkt? Gemäß den Regeln des Optionskontrakts, den Sie unterzeichnet haben, können Sie es dann einfach sausen lassen. Sie haben also das Recht, das Haus für 100.000 Dollar zu kaufen, nicht aber die Pflicht. Das bedeutet, dass Sie unabhängig davon, ob das Haus weniger oder mehr wert sein wird, es für 100.000 Dollar kaufen oder es lassen können. (Das Wort „Recht“ werden Sie übrigens noch oft lesen, denn Optionen geben einem das Recht, zu kaufen oder zu verkaufen.)

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was wohl die Hausbesitzerin von diesem Geschäft hat. Das ist eine gute Frage. Da die Besitzerin das Haus für Sie zurückhält und es vorläufig an keinen anderen verkaufen kann, will sie eine Entschädigung haben – also Geld. Normalerweise verlangt die Hausbesitzerin dafür einen kleinen prozentualen Anteil des Kaufpreises, beispielsweise zwei Prozent, in diesem Fall also 2.000 Dollar. Im Austausch gegen 2.000 Dollar hält sie also das Haus drei Monate lang für Sie zurück. (Anmerkung: Die 2.000 Dollar, die Sie der Hauseigentümerin bezahlen, bezeichnet man als „Prämie“.)

Die Besitzerin freut sich, weil sie 2.000 Dollar bekommt, mit denen sie machen kann, was sie will. Sie freuen sich, weil Sie für drei Monate wissen, dass Sie nicht mehr als 100.000 Dollar für das Haus bezahlen müssen. Ihrer Meinung nach sind 2.000 Dollar ein geringer Preis für das Recht, das Haus zu bekommen. Und wenn Sie in den nächsten drei Monaten Ihre Meinung ändern, verlieren Sie zwar die Prämie, die Sie an die Besitzerin bezahlt haben, aber es steht Ihnen frei, sich ein anderes Haus zu suchen.

Schauen wir uns an, was im wirklichen Leben passieren könnte. Wenn der Wert des Hauses auf 120.000 Dollar klettert, beschließen Sie, das Haus wie zuvor vereinbart für 100.000 Dollar zu kaufen. Dann haben Sie einen Buchgewinn von 18.000 Dollar erzielt.

Wenn Sie Ihre Meinung ändern oder der Preis des Hauses unter 100.000 Dollar fällt, sind Sie weder verpflichtet noch gezwungen, es zu kaufen. Sie lassen das Geschäft unter 2.000 Dollar Verlust sausen, aber das ist besser, als ein Haus zu besitzen, dessen Wert gefallen ist. Und wie ergeht es der Besitzerin? Ihr ist es egal, ob Sie das Haus kaufen, sie freut sich über die 2.000 Dollar. Und wenn Sie nach Ablauf der drei Monate das Haus nicht kaufen, kann sie mit jemand anderem eine neue Optionsvereinbarung treffen. Auf diese Weise erhält sie weiterhin hübsche kleine Prämienschecks von potenziellen Käufern.

Anmerkung: Wenn der Preis des Hauses steigt, haben Sie noch eine weitere Möglichkeit: Sie können den profitablen Optionskontrakt jemand anderem verkaufen. In diesem Fall stecken Sie die 18.000 Dollar Gewinn ein und gehen aus dem Geschäft, ohne das Haus zu besitzen. Wieso 18.000 Dollar? Die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem Verkaufspreis (abzüglich 2.000 Dollar Prämie) ist Ihr Gewinn.

DER KAUF VON OPTIONEN AUF SCHNEESCHAUFELN IN CHICAGO

Um Ihnen ein weiteres Beispiel dafür zu geben, wie die Menschen im richtigen Leben Optionen einsetzen, habe ich noch eine Geschichte zu bieten. Nehmen wir an, Sie haben einen Eisenwarenladen in Chicago. Sie wissen, dass Sie im Dezember wahrscheinlich Schneeschaufeln brauchen werden. Schließlich gab es im Dezember letzten Jahres einen schweren Schneesturm. Schon nach Wochen waren Ihre Schneeschaufeln ausverkauft, wodurch Ihnen Gewinne entgingen und die Kunden sich ärgerten. In diesem Jahr treffen Sie im August eine Optionsvereinbarung mit demselben Schaufelhersteller namens Shovels, Inc.

Die Optionsvereinbarung legt fest, dass Ihnen Shovels, Inc. 100 Schaufeln à 15 Dollar liefern wird, obwohl das Unternehmen normalerweise viel mehr dafür verlangt. Außerdem legt die Optionsvereinbarung fest, dass Sie bis zum dritten Freitag im Dezember das Recht haben, die Schneeschaufeln zu kaufen. Sie müssen die Schaufeln nicht kaufen, aber Sie können es, wenn Sie wollen.

Wenn es bis zum dritten Freitag im Dezember nicht schneit, kaufen Sie die Schneeschaufeln wahrscheinlich nicht. Erinnern Sie sich an die Prämie aus der ersten Geschichte? Der Hersteller verlangt von Ihnen dafür, dass er die 100 Schneeschaufeln zu je 15 Dollar zurückhält, eine Prämie von 300 Dollar. Egal, was passiert – ob Sie sich die Schneeschaufeln liefern lassen oder nicht –, Sie bezahlen diese 300 Dollar.

Warum sollte Ihnen Shovels, Inc. eine Option auf Schneeschaufeln verkaufen? Erstens bekommt das Unternehmen von Ihnen 300 Dollar Prämie. Zweitens weiß es, dass die Möglichkeit besteht, dass Sie die Schaufeln vielleicht nicht kaufen, und deshalb ist eine Kaufoption besser als nichts.

Schauen wir einmal, was im richtigen Leben passiert. Kommt im November ein brutaler Schneesturm und alle brauchen Schneeschaufeln, dann steigt der Preis für Schneeschaufeln. Sie freuen sich, weil Sie das Recht haben, die Schneeschaufeln für 15 Dollar das Stück zu kaufen. Sie lassen sich die Schneeschaufeln liefern und verkaufen sie Ihren Kunden für einen höheren als den üblichen Preis. Das bringt Ihnen viel Gewinn.

Nehmen wir an, der Winter fällt in Chicago sehr mild aus. In diesem Fall möchten Sie die Schneeschaufeln überhaupt nicht kaufen. Sie lassen sich die Schaufeln nicht liefern und der Optionskontrakt verfällt. In diesem Worst-Case-Szenario haben Sie 300 Dollar verloren, aber zumindest sitzen Sie nicht auf einer Lieferung von 100 unnötigen Schneeschaufeln. Der Optionskontrakt war gewissermaßen eine Versicherungspolice.

Wenn der Winter mild ist, behält Shovels, Inc. Ihre 300 Dollar und die 100 Schaufeln. Tatsächlich wird das Unternehmen versuchen, jemand anderem eine ähnliche Option zu verkaufen, sobald Sie die Lieferung der 100 Schaufeln nicht annehmen. Das Geld, das der Hersteller durch diese Optionskontrakte einnimmt, wird ihm helfen, durch den milden Winter zu kommen.

Vielleicht ist es Ihnen nicht klar, aber es werden Optionskontrakte auf Tausende Produkte ausgestellt, von Mais über Sojabohnen, Öl, Häuser und Schneeschaufeln bis hin zu Aktien.

EINE SEHR WICHTIGE FRAGE

Denken Sie einmal über folgende Frage nach: Wären Sie lieber der Optionskäufer oder der Optionsverkäufer? Der Käufer hat die Kontrolle darüber, wann (oder ob) das Eigentum oder Produkt gekauft oder verkauft wird. Aber der Verkäufer bekommt die Prämie und muss sich an die Vertragsbedingungen halten. Während wir uns ausführlicher mit Optionen befassen, werden Sie Strategien sowohl für Käufer als auch für Verkäufer lernen. Überlegen Sie sich zwischenzeitlich, was Sie lieber sein wollen – der Optionskäufer oder der Optionsverkäufer.

Die Frühzeit

Das erste verzeichnete Optionsgeschäft findet sich in der Bibel (im Buch Genesis). Dabei geht es um die Vereinbarung über die Heirat von Jakob und Rahel, einer der Töchter Labans. Der Zeitpunkt dieser Transaktion wird auf 1700 v. Chr. geschätzt. Gemäß den Bedingungen dieses Optionsvertrags hatte Jakob das Recht, Rahel zu heiraten, dies aber nur, wenn er sieben Jahre für Laban arbeiten würde. Offenkundig änderte Laban die Vertragsbedingungen und bestand darauf, dass Jakob stattdessen die ältere Tochter heiratete. Jakob war derart entschlossen, Rahel zu heiraten, dass er eine weitere Optionsvereinbarung über weitere sieben Jahre Dienst annahm. Am Ende durfte Jakob, nachdem er die Vertragsbedingungen erfüllt hatte, Rahel heiraten.

Viele Jahre später schrieb Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) eine Geschichte über Thales von Milet, einen armen griechischen Astronom, Mathematiker und Philosophen, und das ist die erste schriftliche Aufzeichnung über eine Optionsspekulation.

Laut Aristoteles beobachtete Thales die Sterne, um daraus ungewöhnlich zutreffende Wettervorhersagen abzuleiten. Er kam zu dem Schluss, es werde eine reiche Olivenernte geben, also einen ausgezeichneten Herbst. Thales war schlau genug, aus dieser Vorhersage Nutzen zu ziehen. Er hatte zwar nicht viel Geld, aber er trat in aller Stille an die Besitzer der Olivenpressen (mit denen aus Oliven Öl erzeugt wurde) heran und machte ihnen ein Angebot.

Er hinterlegte bei jedem Besitzer eine Anzahlung (oder Prämie), um sich die Olivenpressen in der Erntezeit zu reservieren. Gegen diese Anzahlung hielten die Besitzer die Pressen im Herbst ausschließlich für Thales bereit. Da niemand glaubte, dass Thales das Wetter auf neun Monate vorhersagen konnte, hielt niemand mit höheren Geboten dagegen. Daher bezahlte Thales für das Recht, die Olivenpressen zu reservieren, sehr wenig.

Es stellte sich heraus, das Thales’ Prognose zutreffend gewesen war. Es war ein hervorragendes Olivenjahr und die Nachfrage nach Olivenpressen war enorm. Thales verkaufte seinen Optionskontrakt (der das Recht darstellte, die Olivenpressen zu nutzen) mit einem riesigen Gewinn an die Olivenbauern.

Die Moral von der Geschichte: Thales bewies der Welt (und sich selbst), dass Philosophen oder Spekulanten reich werden können, wenn sie klug genug sind, herauszufinden, wie man Optionen im richtigen Leben einsetzt. (Dabei ist es auch sinnvoll, Nachforschungen anzustellen, bevor man investiert.)

Das 18. Jahrhundert

Der erste Optionsmarkt der Vereinigten Staaten entstand 1791, als die New York Stock Exchange (NYSE) eröffnete. Da Optionen damals noch nicht als Teil des regulären Marktes galten, wurden entsprechende Transaktionen im weniger angesehenen Freiverkehr (auch OTC-Markt genannt, „over the counter“, „über den Ladentisch“) abgewickelt. Natürlich war es damals nicht leicht, Käufer und Verkäufer zusammenzubringen, vor allem da es noch keine Computer und keine Telefone gab. Es gab keinen zentralen Ort, an dem sich Käufer und Verkäufer treffen konnten, um mit Optionen zu handeln. Damit Käufer und Verkäufer zusammengebracht werden konnten, trafen sich Makler und Händler auf einem Freiverkehrsmarkt. Manchmal schalteten Makler und Händler Anzeigen in Finanzzeitungen, um das Interesse an einem bestimmten Optionskontrakt zu wecken.

Das 19. Jahrhundert

Um die Jahrhundertwende wurden Aktienoptionen über eine lockere Organisation von Freiverkehrshändlern gehandelt, die „Put and Call Broker Dealers Association“. Dabei bestand unter anderem das Problem, dass niemand wusste, was als angemessener Preis für eine Option zu betrachten sei. Deshalb passierte es leicht, dass man ein schlechtes Geschäft machte und Geld verlor. Außerdem waren die Händler, da niemand für den Optionskontrakt bürgte, prinzipiell auf sich gestellt. Und schließlich war es schwierig, einen Optionskontrakt auszuhandeln, weil die Bedingungen jedes Kontrakts einzigartig waren. Leider mussten die Händler noch weitere 100 Jahre warten, bevor die erste organisierte Optionsbörse geschaffen wurde.

Nun, da Sie eine allgemeine Vorstellung davon haben, wie man Optionen verwendet, werden Sie im nächsten Kapitel erfahren, wie man ein Optionsdepot eröffnet.

2
WIE MAN EIN OPTIONSDEPOT ERÖFFNET

Die beiden häufigsten Fragen, die Menschen stellen, wenn sie sich für Optionen interessieren, sind „Wie eröffnet man ein Depot?“ und „Wie viel Geld brauche ich am Anfang?“ Beide Fragen werden in diesem kurzen, aber wichtigen Kapitel beantwortet.

Inzwischen sind Sie vielleicht schon begierig darauf, Ihr erstes Optionsgeschäft zu tätigen. Kluge Trader warten jedoch geduldig auf die besten Anlage- oder Trading-Chancen. Wenn man sich ohne Wissen oder Erfahrung auf Optionen einlässt, kann man damit Geld verlieren. Nehmen Sie sich die Zeit, sich gründlich mit Optionen zu befassen, bevor Sie Ihre erste Order platzieren. Fangen wir mit diesen Gedanken im Kopf nun an, zu lernen, was man braucht, um ein Optionsdepot zu eröffnen.

DIE FÜNF SCHRITTE ZUR ERÖFFNUNG EINES OPTIONSDEPOTS

Da Ihre Brokerfirma alle Ihre Options-Trades abwickelt, brauchen Sie als Erstes ein Maklerdepot. Nachdem Sie ein Maklerdepot eröffnet haben, können Sie ein Optionsdepot eröffnen. Sie können die Formulare online ausfüllen oder sie sich per Post schicken lassen. Wie bereits eingangs erwähnt, um erfolgreich mit Optionen zu handeln, brauchen Sie zumindest Grundkenntnisse des Aktienmarkts.

Nachdem Sie Ihr Maklerdepot mit der erforderlichen Mindestsumme eröffnet haben (der konkrete Betrag ist bei jedem Broker anders, aber normalerweise braucht man mindestens 2.500 Dollar), ermittelt die Brokerfirma, welchen exakten Geldbetrag Sie brauchen, um ein Optionsdepot zu eröffnen.

Schritt 1: Die Brokerfirma

In früheren Zeiten brauchte man einen Börsenmakler, der die Optionsgeschäfte für einen abwickelte, aber dafür bezahlte man viel Geld. Aufgrund des Internets ist es fast schon Pflicht, dass man seine Trades selbst tätigt. Das ist einer der Gründe, weshalb die Optionskommissionen in den letzten Jahren so dramatisch gefallen sind, teils auf zehn Dollar pro Trade (oder noch weniger).

Es ist allerdings nichts dagegen einzuwenden, wenn man als Optionsanfänger seine Trades von einem Vertreter der Brokerfirma (der nicht mehr als Börsenmakler, sondern als Broker bezeichnet wird) platzieren lässt. Der Broker bestätigt auch die Trades, die Sie tätigen. (Wenn ein Broker die Trades tätigt, kostet es ein bisschen mehr.)

Zwar sollten Sie bei der Wahl eines Onlinebrokers die Höhe der Gebühren berücksichtigen, aber Sie wollen ja auch kompetente Kundendienstmitarbeiter haben, die Ihnen bei den Trades helfen und mit Ihnen Optionsstrategien besprechen. Auch wollen Sie eine Brokerfirma haben, die ausgefeilte Software und Tools anbietet, die Ihre Trades schnell sowie zu den besten Geld- und Briefkursen an den Markt leitet. Außerdem wollen Sie Zugang zu Online-Schulungsmaterialien wie Webinaren und Artikeln haben. Auch ist es nützlich, wenn die Kundenservice-Mitarbeiter mindestens zwölf Stunden am Tag zur Verfügung stehen, um Fragen zu beantworten.

Wählen Sie einen Broker, der alles Erwähnte bietet. Allgemein bekannte Brokerhäuser haben Optionsfachleute, die Ihnen gerne dabei helfen, Ihr Optionskonto einzurichten und zu verwalten.

Schritt 2: Der Einschusskredit

Wenn man sich von einer Brokerfirma Geld leiht, um Aktien zu kaufen, dann kauft man „auf Margin“ beziehungsweise nutzt einen „Einschusskredit“ und dafür braucht man ein Einschusskonto.

Wenn Sie beschließen, bei Ihrem Broker ein Einschusskonto zu eröffnen, müssen Sie zuvor einen Einschuss-Kreditvertrag abschließen. Das geht ähnlich wie bei einem üblichen Kreditantrag. Die Brokerfirma nimmt eine Bonitätsprüfung vor und verlangt, dass Sie einen ausführlichen Fragebogen wahrheitsgemäß ausfüllen. Das Brokerhaus will wissen, ob Sie die nötigen Finanzmittel und das nötige Wissen haben, um mit Einschüssen umzugehen. Es möchte auch, dass Sie die möglichen Risiken kennen. Bei guter Bonität dürfte es kein Problem sein, den Antrag genehmigt zu bekommen.

Wenn Sie Optionsstrategien der Stufen 1 und 2 einsetzen (wird unten erläutert), brauchen Sie keinen Einschusskredit zu beantragen. Beim Optionskauf ist kein Einschuss im Spiel, denn man muss den vollen Kaufpreis bezahlen. Wenn Sie hingegen fortgeschrittenere Strategien einsetzen wollen, brauchen Sie ein Einschusskonto (das werden Sie verstehen, wenn wir zu diesen fortgeschrittenen Strategien kommen). Wenn Sie Optionsneuling sind, brauchen Sie eigentlich kein Einschusskonto zu eröffnen.

Ein weiterer interessanter Punkt: Einschussverträge sind normalerweise für Individual Retirement Accounts (IRAs), steuerbegünstigte 401(k)s oder Treuhandkonten nicht zulässig (dafür braucht man ein sogenanntes Kassakonto). Manche Firmen lassen es allerdings zu. Es ist hingegen zulässig, im Rahmen eines IRA oder eines steuerbegünstigten Kontos ein Optionsdepot zu führen. Der einzige Haken daran ist, dass man dabei möglicherweise auf einfache Optionsstrategien beschränkt ist. Später werden Sie noch erfahren, dass das nicht unbedingt ein Nachteil ist. Ein guter Rat: Sehen Sie sich die Einschuss-Richtlinien Ihrer Brokerfirma an.

Anmerkung: Die Tatsache, dass man mit einem Konto für die Altersvorsorge Optionen handeln darf, heißt noch nicht, dass man es auch tun sollte. Es gibt defensive Optionsstrategien, die sinnvoll sein können. Spekulieren Sie allerdings nicht mit Geld, dessen Verlust Sie sich nicht leisten können.

Schritt 3: Die Optionsvereinbarung

Die Optionsvereinbarung muss ausgefüllt werden, wenn man mit Optionen handeln will. Zweck der Optionsvereinbarung ist es, herauszufinden, wie viel Wissen und Erfahrung Sie besitzen. (Nachdem Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie damit kein Problem haben.)

Die Brokerfirma will wissen, ob Sie die Risiken des Optionshandels vollständig verstanden haben und ob Sie die finanziellen Kapazitäten haben, etwaige Verluste aufzufangen. Sie wird Ihnen Fragen zu Ihrem Vermögen stellen, zu Ihrer Bank, Ihrem Arbeitgeber, Ihren Erfahrungen und Kenntnissen des Aktien- und Optionshandels und wie viel Risiko Sie einzugehen bereit sind.

Wenn Sie noch nie mit Optionen gehandelt haben, werden Sie nur für die Stufen 1 und 2 des Optionshandels zugelassen. Bevor ich Ihnen sage, warum das so ist, gehen wir kurz die Stufen des Optionshandels durch, die je nach Brokerfirma anders aussehen können:

•Stufe 1: Gedeckte Kaufoption

•Stufe 2: Kauf von Calls und Puts, Kauf von Straddles und Strangles, Collars, Verkauf bar besicherter Puts, Kauf von Optionen auf ETFs und Indizes

•Stufe 3: Credit Spreads und Debit Spreads

•Stufe 4: Verkauf ungedeckter Puts, Verkauf von Straddles und Strangles

•Stufe 5: Verkauf ungedeckter Indizes und Index Spreads

Wie bereits erwähnt, wird die Brokerfirma sorgfältig darauf achten, Anfänger höchstens für Level 2 zuzulassen. Sie will sich vergewissern, dass Sie ausreichend Erfahrung und Finanzmittel haben, um fortgeschrittene Strategien einzusetzen.

Am Ende der Vereinbarung müssen Sie das Formular unterzeichnen und datieren. Ich weiß nicht, warum, aber die meisten Menschen unterzeichnen Verträge, ohne sie gründlich zu lesen. Sie sollten das Formular lesen, bevor Sie es unterzeichnen.

Schritt 4: Die Broschüre

Jede Brokerfirma ist verpflichtet, Ihnen ein Exemplar der langweiligen und technischen Broschüre „Characteristics and Risks of Standardized Options“ (auch als „Offenlegungsdokument“ bezeichnet, das man herunterladen kann) zu überreichen. Das ist keine leichte Kost, aber sie enthält viele nützliche Informationen und Berechnungen. Ich glaube, obwohl jeder einwilligt, die Broschüre zu lesen, lesen sie nur wenige wirklich. Aber wenn man die Broschüre gewissenhaft liest, erfährt man alles über die Risiken, die mit dem Optionshandel verbunden sind. Es könnte sein, dass Sie, nachdem Sie von all den potenziellen Risiken gelesen haben, Ihre Meinung über den Optionshandel ändern!

Empfehlung: Ich empfehle Ihnen nachdrücklich, zuerst das ganze vorliegende Buch zu lesen, bevor Sie die Broschüre lesen. Nach der Lektüre des Buches werden Sie die Broschüre besser verstehen.

Stufe 5: Der standardisierte Optionskontrakt

Alle Optionskontrakte sind standardisiert, das heißt, dass die Bedingungen aller Kontrakte gleich sind. In früheren Zeiten wurden Optionskontrakte individuell erstellt, sodass alle Personen auf sich gestellt waren. Doch sobald die Vertragsbedingungen standardisiert waren, wurde das Spielfeld relativ eben.

Wenn man eine Option kauft oder verkauft, schließt man einen gesetzlichen Vertrag. Im Grunde sind Aktien-Optionskontrakte Verträge, die bei der OCC (Options Clearing Corporation) versichert sind. Diese Organisation garantiert, dass der Optionskontrakt erfüllt wird. Wenn man die Vorschriften kennt (Rechte und Pflichten), dürfte man kaum Probleme haben. Das ist einer der Gründe, weshalb Sie mein Buch lesen.

Ein befleckter Ruf

In den Vereinigten Staaten wurden Optionen von Systemen genutzt, die das mangelnde Wissen von Anlegern ausnutzten. Damals gab es kaum oder gar keine Regulierungen. Laut dem Buch „Options“ vom Options Institute empfahlen Broker arglosen Kunden „faule“ Aktien.

Die Optionsspekulanten belohnten Börsenmakler, die an solchen Systemen teilnahmen, durch große Mengen an Call-Optionen. Als immer mehr Kunden die zugrunde liegenden Aktien kauften, stiegen sowohl die Optionen als auch die zugrunde liegenden Aktien (die „Underlyings“ oder Basiswerte) im Preis.

Wie bei solchen Kurstreibereien üblich, schlossen die Spekulanten und Börsenmakler ihre Positionen und ließen die Kunden auf den bald wertlosen Aktien sitzen.

Bei einem anderen System wurde ein „Optionspool“ geschaffen. Inhaber großer Aktienmengen kauften zahlreiche Optionen auf eine zugrunde liegende Aktie. Mit den Optionen konnten sie den Aktienkurs manipulieren und kontrollieren. Daher stieg oder fiel der Preis einer Option mehr aufgrund von Gerüchten darüber, was die Optionspools gerade kauften oder verkauften, als aufgrund der finanziellen Aussichten des Unternehmens.

Nach dem Börsencrash 1929 wurden viele derartige Systeme aufgedeckt. Zunächst verbot der wütende Kongress Optionen vollständig, weil viele Anleger alles verloren hatten. In der Ermittlungsphase nach dem Crash schickte die Optionsbranche den erfahrenen Trader Herbert Filer als Vertreter, der vor dem Kongress aussagen sollte.

Filer erklärte dem verwirrten Kongress, Optionen seien etwas Ähnliches wie Versicherungsverträge, die gegen Marktschwankungen schützen. Damals verfielen zwar fast die meisten Optionen wertlos, aber wenn man eine Option kaufte, war das so ähnlich, wie wenn man eine Versicherungsprämie für sein Haus bezahlt. „Wenn man eine Brandversicherung für sein Haus abgeschlossen hat und es brennt nicht nieder, dann würde man ja nicht sagen, man habe die Versicherungsprämie aus dem Fenster geworfen“, sagte Filer aus.

Aufgrund von Filers überzeugenden Argumenten stimmte der Kongress zu, dass nicht der gesamte Optionshandel manipuliert sei und bei richtigem Einsatz sogar ein nützliches Werkzeug sein könne. Der Investment Act von 1934 legalisierte den Optionshandel und 1935 verlieh die frisch gegründete Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) dem Chicago Board of Trade (CBOT) die Lizenz, den Optionshandel als Wertpapierbörse registrieren zu lassen. Die Securities and Exchange Commission reguliert die Optionsbranche bis heute. Ironischerweise nutzte die CBOT diese Lizenz zur Registrierung als Optionsbörse erst 1968.

Nachdem Sie nun gelernt haben, wie man ein Optionsdepot eröffnet, werden Sie gleich mehr über die faszinierenden Eigenschaften von Optionen erfahren.

3
DIE FASZINIERENDEN EIGENSCHAFTEN VON OPTIONEN

Wissen Sie noch, dass ich geschrieben habe, etwas über Optionen zu lernen sei so, wie wenn man eine neue Sprache lernt? Wenn Sie dieses wichtige Kapitel gelesen haben, werden Sie verstehen, was ich damit meine. Stellen Sie sich das so vor: Wie wäre es, wenn Sie noch nie ein Auto gesehen oder ein Auto gefahren hätten, aber alles über das Lenkrad gelesen hätten? Egal, wie viel Sie über diese wichtige und leistungsfähige Vorrichtung auch gelesen hätten, Sie wüssten erst dann, wie es ist, ein Lenkrad zu bedienen, wenn Sie anfangen würden zu fahren. Beim Erlernen von Optionen ist es ähnlich.

In diesem Kapitel werden Sie feststellen, dass Optionen wirklich ihre eigene Sprache haben, die einem zumindest anfangs ungewohnt vorkommt. Sobald Sie die Sprache der Optionen beherrschen und mit dem Trading anfangen, wird alles einen Sinn ergeben. Machen Sie sich also auf ein einzigartiges Erlebnis gefasst, wenn ich Sie mit den faszinierenden Eigenschaften eines extrem flexiblen und leistungsfähigen Finanzinstruments – der Aktienoption – bekannt mache.

DIE OFFIZIELLE DEFINITION VON AKTIENOPTIONEN

Die offizielle Definition einer Aktienoption, die von einer Optionsbörse stammt, ist ziemlich technisch. Eine Aktienoption ist demnach „ein Vertrag, der dem Besitzer das Recht, nicht aber die Pflicht gibt, einen bestimmten Vermögenswert (die zugrunde liegende Aktie) innerhalb eines bestimmten Zeitraums (bis zum Ausübungs-, Fälligkeits- beziehungsweise Verfallsdatum) zu einem festgelegten Preis (dem Ausübungspreis, Strike oder Basispreis) zu kaufen oder zu verkaufen. Außerdem verpflichtet der Kontrakt den Aussteller (oder Stillhalter), die Lieferbedingungen zu erfüllen, wenn er vom Besitzer ausgeübt wird.“

Da ist es kein Wunder, dass die Menschen Optionen für kompliziert halten. Eine einfachere Definition wäre, dass eine Aktienoption „das Recht [ist], eine bestimmte Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen“. Das ist eine viel bessere Definition, aber wenn Sie immer noch verwirrt sind, machen Sie sich keine Sorgen. Nach dem Lesen dieses Kapitels werden Sie eine ziemlich gute Vorstellung davon haben, worum es sich bei Optionen handelt.

AKTIENOPTIONEN KURZ ERKLÄRT

Sie wissen bereits, dass Aktienoptionen Verträge – Kontrakte – sind. Erinnern Sie sich noch an die Geschichten über Häuser und Schneeschaufeln? Man hatte das Recht, das Haus zu kaufen, man musste es aber nicht kaufen. Mit anderen Worten: Man hatte das Recht, nicht aber die Pflicht, das Haus zu kaufen. Genauso war es bei den Schneeschaufeln. Gemäß dem Optionskontrakt hatte man das Recht, die Schneeschaufeln zu kaufen, aber man war dazu weder verpflichtet noch gezwungen. Man konnte den Vertrag einfach verfallen lassen.

Aktienoptionen sind dem sehr ähnlich. Zum Beispiel gibt einem ein Optionskontrakt das Recht, eine Aktie zu kaufen, aber man ist nicht dazu verpflichtet. Tatsächlich kaufen viele Menschen die Aktie überhaupt nicht. Sie kaufen und verkaufen bloß die Optionskontrakte. Auch ist ein Optionskontrakt im Unterschied zu einer Aktie, die ja einen realen Besitz darstellt, etwas Immaterielles.

Dies wird Ihnen besser einleuchten, wenn Sie mich eine weitere Geschichte erzählen lassen.

Nehmen wir an, Sie interessieren sich für eine Aktie – die der YYY Manufacturing Company –, von der Sie glauben, sie werde steigen. Sie wird derzeit für zehn Dollar gehandelt. Sie sind sicher, dass sie in ein paar Monaten wesentlich höher stehen wird. Sie beschließen, einen Optionskontrakt zu kaufen.

Laut Optionskontrakt haben Sie das Recht, zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb der nächsten drei Monate 100 Aktien von YYY für jeweils zehn Dollar zu kaufen. Wenn YYY auf elf, zwölf oder gar 15 Dollar steigt, können Sie die Aktien von YYY trotzdem für zehn Dollar kaufen.

Und wenn Sie sich irren und YYY fällt? Wenn YYY unter zehn Dollar steht, wollen Sie sie natürlich nicht kaufen. Sie kaufen die Aktie nur, wenn sie zu dem Zeitpunkt, zu dem der Optionskontrakt ausläuft, über zehn Dollar steht. Wie bei dem Haus und bei den Schneeschaufeln sieht das nach einem sehr guten Geschäft aus. Der Aktieninhaber besitzt die YYY-Aktien nach wie vor, aber Sie haben sie unter Kontrolle.

Und was bekommt der Verkäufer der Option? Er bekommt von Ihnen Geld. Erinnern Sie sich noch, wie man das Geld nennt, das der Besitzer bekommt? (Falls Sie es vergessen haben: Man bezeichnet es als Prämie.) Im Falle dieser Aktienoption ist die Prämie ziemlich günstig, vielleicht nicht mehr als 50 Dollar.

Man bekommt also für nur 50 Dollar das Recht, innerhalb der nächsten drei Monate 100 Aktien von YYY für zehn Dollar das Stück zu kaufen. Man ist nicht verpflichtet, sie zu kaufen, aber man kann es tun, wenn man es möchte. Würde man Aktien statt Optionen kaufen, würde einen das viel mehr kosten.

Schauen wir, was im richtigen Leben passiert: YYY gibt plötzlich bekannt, dass es ein neues Produkt entwickelt, ein GPS-Gerät, und die Aktie zieht an. Innerhalb eines Tages steigt YYY von zehn auf 18 Dollar. Hervorragend! Laut Optionskontrakt können Sie YYY für zehn Dollar kaufen, auch wenn die Aktie in Wirklichkeit 18 Dollar wert ist. Das ist ein nicht realisierter Gewinn (Buchgewinn) von 750 Dollar. Die Anlage, die Sie gekauft haben, ist mehr wert, als Sie dafür bezahlt haben, aber Sie haben sie noch nicht wieder verkauft.

Nun etwas zum Nachdenken: Die Prämie für die Aktienoption betrug 50 Dollar, als die Aktie zehn Dollar kostete. Nun, da die Aktie 18 Dollar kostet, ist die Prämie um 750 Dollar gestiegen und beträgt 800 Dollar. Der Besitzer von YYY sollte zufrieden sein, weil er die ursprüngliche Prämie von 50 Dollar behalten darf, auch wenn er sich wahrscheinlich ein bisschen ärgert, weil er die Option zu früh und zu billig verkauft hat.

Sie haben noch eine weitere Möglichkeit und die macht Optionen so faszinierend. Man kann als Optionskäufer auch eine Wende vollziehen und jemandem den Optionskontrakt für 800 Dollar verkaufen. In diesem Fall erspart man sich den Aufwand, die Aktie zu kaufen. Innerhalb weniger Wochen haben Sie 750 Dollar Gewinn erzielt, ohne die Aktie je besessen zu haben.

Vielleicht halten Sie es für unmöglich, so schnell Geld zu verdienen. Es ist zwar nicht wahrscheinlich, dass das passiert, aber möglich ist es durchaus. Ein Freund von mir hat innerhalb von drei Tagen über 130.000 Dollar verdient, indem er Optionen eines Biomedizin-Unternehmens gekauft hat. Er hatte gelesen, das Unternehmen werde vielleicht die Zulassung für ein neues Arzneimittel erhalten. Allein auf das Gerücht hin stieg die Optionsprämie um mehr als 400 Prozent. (Was mit seinem Geld passiert ist, erzähle ich Ihnen später im Buch.)

DIE EINZIGARTIGEN EIGENSCHAFTEN VON OPTIONEN

Nun, da Sie eine grundsätzliche Vorstellung davon haben, wie Optionen funktionieren, werfen wir einen Blick auf einige sehr ungewöhnliche Eigenschaften von Optionen. Erinnern Sie sich an das, was ich geschrieben habe. Manchmal wird etwas umso verwirrender, je intensiver man sich damit beschäftigt. Aber um Optionen wirklich zu verstehen, muss man ihre hoch spezialisierte Sprache lernen. Ich kann Ihnen zwar garantieren, dass der nächste Abschnitt lehrreich sein wird, aber es wird schwierig, ihn unterhaltsam zu gestalten. Allerdings verspreche ich Ihnen, mein Bestes zu tun.

Optionen haben einzigartige Eigenschaften, die man unbedingt verstehen muss. Nachdem wir diese Eigenschaften besprochen haben, werde ich Ihnen zeigen, dass die verschiedenen Teile wie ein fein abgestimmtes Finanzinstrument zusammenwirken.

DER BASISWERT: „OHNE MICH BIST DU NICHTS!“

Ohne die zugrunde liegende Aktie – also das Underlying oder den Basiswert – gäbe es keinen Optionskontrakt. Viele Menschen unterschätzen die Bedeutung des Basiswerts. Tatsächlich gehört es zu den entscheidenden Schlüsseln zum Erfolg am Optionsmarkt, die richtige Aktie auszuwählen.

Für sich genommen ist eine Option überhaupt nichts wert. Wenn man darüber nachdenkt, sind Aktienoptionen lediglich papierne Verträge, die einem das Recht geben, etwas zu kaufen oder zu verkaufen. Stellen Sie sich das so vor: Jede Option ist an eine Aktie gebunden oder geknüpft, die man als Basiswert, Underlying oder zugrunde liegende Aktie bezeichnet. (Man bezeichnet Optionen auch als Derivate, weil sie von einem anderen Finanzinstrument abgeleitet sind beziehungsweise darauf basieren. Im Falle von Aktienoptionen leitet sich der Wert von einer Aktie ab.)

Vielleicht fragen Sie sich, bei welchen Aktien es zugelassen ist, dass Optionen auf sie an einer Optionsbörse gehandelt werden. Tatsächlich gibt es über 3.600 Aktien, die an zwölf Optionsbörsen gehandelt werden (und die Liste der Aktien und Börsen wächst weiter). Es gibt Optionen auf die bekanntesten Aktien, zum Beispiel General Electric, IBM, Apple, Google, Home Depot, McDonald’s, um nur ein paar zu nennen. Die teilnehmenden Börsen, die Optionshandel erlauben, haben sehr strenge Regelungen, von welchen Aktien Optionen gelistet werden dürfen. Bedenken Sie, dass es nicht auf alle Aktien Optionen gibt, aber jede Option an eine zugrunde liegende Aktie geknüpft ist.

Auch auf Pennystocks, also Aktien, die unter drei Dollar je Aktie gehandelt werden, gibt es manchmal gelistete Optionen, aber für keinen Leser dieses Buches gibt es Gründe, sie zu handeln. Sie wissen vom Aktienmarkt her, dass bei Aktien, die unter drei Dollar gehandelt werden, keine große Liquidität besteht. Genauso ist es bei den Optionen. Normalerweise dürfte man, wenn man sich an bekannte Unternehmen hält, viele Trading-Chancen bekommen.

Es gibt noch etwas, das man über einen Basiswert wissen sollte. Ich habe es zwar schon bei früheren Gelegenheiten erwähnt, aber jetzt müssen Sie aufpassen, denn es ist wichtig. Die nun folgende Formel veranschaulicht, wie Optionen und Aktien miteinander zusammenhängen:

1 Optionskontrakt = 100 Aktien

Sie sehen an dieser Formel, dass ein Optionskontrakt und die zugrunde liegende Aktie in einer Beziehung (Bezugsverhältnis) stehen. Das ist wichtig, wenn man berechnet, welche Prämie man bezahlt oder erhält. Technisch ausgedrückt gibt einem (dem Besitzer der Option) ein Optionskontrakt das Recht, 100 Aktien zu kaufen. Man muss sie nicht kaufen, aber man kann es tun, wenn man will. (Ein Hinweis: Sie werden später noch erfahren, dass die meisten Trader die Aktien nicht kaufen. Das besprechen wir später im Buch noch ausführlicher.)

Das heißt, wenn man zwei Kontrakte kaufen oder verkaufen würde, hätte man das Recht, 200 Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Fünf Kontrakte entsprechen 500 Aktien. Wenn man zehn Kontrakte kaufen oder verkaufen würde, dann entspräche das 1.000 Aktien. Denken Sie immer daran, dass Sie mit dem Faktor 100 multiplizieren müssen, wenn Sie berechnen, wie viele Optionen Sie kaufen oder verkaufen sollen.

Ein Fehler, den viele Anfänger begehen, besteht darin, dass sie Kontrakte und Aktien verwechseln. Wenn es dann darangeht, eine Optionsorder aufzugeben, gehen sie nicht etwa einen Kontrakt ein, sondern kommen durcheinander und gehen 100 Kontrakte ein. Ist Ihnen klar, was das bedeutet? Damit versuchen sie (wenn sie genug Geld im Depot haben), das Recht auf den Kauf oder Verkauf von 10.000 Stücken des Basiswerts zu kaufen! Ich tue mein Bestes, um dafür zu sorgen, dass Sie diesen Fehler nicht machen, wenn wir die Aufgabe von Orders besprechen.

Wenn Sie gerade erst anfangen, werden Sie üben, indem Sie mit nur einem Optionskontrakt (100 Aktien) handeln. Das heißt, wenn etwas schiefgeht, verlieren Sie nicht sehr viel. Sie verdienen zwar auch nicht viel, aber das ist ein geringer Preis für das Sammeln von Erfahrungen.

Anmerkung für Fortgeschrittene: Man kann nicht nur Optionen auf einzelne Aktien handeln, sondern auch auf börsennotierte Fonds (ETFs) wie etwa den SPY (S&P 500), den QQQ (Nasdaq 100), den DIA (Dow Jones Industrial Average) oder den IWM (Russell 2000). Diese besprechen wir in Kapitel 23 ausführlicher.

Anmerkung: Auf manche teuren Aktien kann man auch Mini-Kontrakte handeln. Bei Mini-Optionen entspricht ein Optionskontrakt zehn Aktien. Auch die Mini-Optionen besprechen wir in Kapitel 23.

DAS GEHEIMNIS DER OPTIONEN WIRD ENTHÜLLT

Es gibt noch etwas, das Sie über den Basiswert einer Option wissen sollten. Wenn der Basiswert steigt, dann steigt auch die Option. Jetzt kennen Sie das Geheimnis der Optionen. Anders gesagt: Wenn Sie sich einen Basiswert aussuchen, der steigt, dann wird gewöhnlich auch Ihre Option wertvoller. Wenn die Aktie weit genug steigt, dann bewegen sich irgendwann Aktie und Option im Verhältnis eins zu eins gemeinsam. Etwas Schöneres gibt es für Optionsbesitzer nicht.

Anmerkung für Fortgeschrittene: Das obige Beispiel bezieht sich auf Call-Optionen oder Kaufoptionen, von denen Sie gleich noch hören werden. Und es gibt auch Fälle, in denen die Aktie steigt, aber die Call-Option nicht.

Egal, ob man Optionen kauft oder verkauft, der Schlüssel zum Erfolg mit Optionen liegt darin, den richtigen Basiswert zu wählen. Dahin, wohin sich die Aktie bewegt, folgt ihr die Option fast immer nach. Das ist das Geheimnis der Optionen, das viele Menschen vergessen.

DAS FÄLLIGKEITSDATUM

Kurz vor Schlag Mitternacht (New Yorker Zeit) am Samstag nach dem dritten Freitag des Monats verschwinde ich für immer.

Ein weiteres einzigartiges Merkmal von Optionen ist, dass sie immer verfallen. Ab einem bestimmten Datum zu einer bestimmten Uhrzeit, dem Fälligkeitsdatum (Verfallsdatum), sind Optionen nur noch ein wertloses Stück elektronisches Papier. Optionen sind verderbliche Vermögenswerte, denn sie verlieren im Laufe der Zeit an Wert und existieren irgendwann nicht mehr. Sobald man einen Optionskontrakt kauft oder verkauft, beginnt die Uhr zu ticken – wie bei einem Sporttaucher, der nur noch eine bestimmte Menge Pressluft in der Flasche hat.

Das Fälligkeitsdatum ist in jedem Optionskontrakt angegeben. Wann ist das Fälligkeitsdatum? Offiziell ist es um 23:59 Uhr ET (Eastern Time = New Yorker Zeit) am Tag der Fälligkeit (normalerweise, aber nicht immer, ein Freitag). Bei den meisten Optionen endet der Handel am dritten Freitag des Monats um 16:00 Uhr ET, also zum Börsenschluss. Manche Optionen, vor allem solche auf bar glattgestellte Indizes und manche ETFs, werden bis 16:15 Uhr gehandelt (insbesondere der SPY). Falls Sie den Aktienmarkt verfolgen, werden Sie hören, dass Fernsehberichterstatter vom Verfallstag der Optionen sprechen. [Auch der Begriff „Ausübungsdatum“ ist hierzulande üblich, aber da es in diesem Buch um amerikanische Optionen geht, die man im Unterschied zu europäischen nicht nur zum Ausübungsdatum ausüben kann, sondern bereits vorher, wird hier vorwiegend „Fälligkeitsdatum“ verwendet; Anm. d. Ü.].

Eine weitere interessante Tatsache ist, dass der dritte Freitag jedes Quartals als „dreifacher Hexensabbat“ bezeichnet wird, weil dann Tausende von Aktienoptionen, Indexoptionen und Future-Optionen gleichzeitig ablaufen. An diesem Tag schwankt der Aktienmarkt oft stark.

Anders als Aktien, die ewig existieren (außer wenn das Unternehmen bankrottgeht oder fusioniert), verfällt jeder Optionskontrakt, manchmal nach einem Monat, manchmal später. Da alle Optionskontrakte irgendwann verfallen, sind sie übrigens auch ein bisschen riskanter als Aktienbesitz. Da man von vornherein weiß, dass die Option verfallen wird, muss man seinen Gewinn schnell erzielen. In Teil 2 des Buches bespreche ich, wie man diesen Zeitdruck zu seinem Vorteil nutzt.

Ein Geheimnis zum Fälligkeitsdatum: Je länger die Restlaufzeit eines Optionskontrakts, umso volatiler ist er.

ART/TYP: CALL, PUT, KAUF, VERKAUF (MEHR BRAUCHEN SIE NICHT ZU WISSEN)

Ob Sie es glauben oder nicht, es gibt nur zwei Arten von Optionen, nämlich Call und Put. Und mit diesen zwei Arten von Optionen kann man nur zwei Dinge tun: kaufen oder verkaufen. So ist das. Alle Optionsstrategien basieren darauf, dass man Calls oder Puts kauft oder verkauft. Es gibt zwar Dutzende Optionsstrategien mit ausgefallenen Namen, aber alle beruhen auf dem Kauf oder Verkauf von Calls oder Puts. Call, Put, Kauf, Verkauf – diese vier Wörter sollten Sie nicht vergessen.

Auch wenn das gesamte Buch dem Kaufen oder Verkaufen von Calls oder Puts gewidmet ist, hier zum Einstieg eine kurze Erläuterung.

Call (Kaufoption)

Eine Call-Option oder Kaufoption ist so ähnlich, wie wenn man auf eine Aktie „long geht“ (das heißt, man glaubt, dass die Aktie steigen wird). Wenn man glaubt, dass die einer Option zugrunde liegende Aktie steigen wird, kauft man einen Call. Erinnern Sie sich noch an das Geheimnis der Optionen? Wenn der Basiswert steigt, folgt ihm die Kaufoption gewöhnlich nach. Das Attraktive an Call-Optionen ist, dass man mit ihnen an der Aufwärtsbewegung einer Aktie teilhaben kann, ohne sie überhaupt zu besitzen – und das für viel weniger Geld.

Put (Verkaufsoption)

Der Kauf einer Put-Option entspricht der Einnahme einer Short-Position auf eine Aktie (das heißt, man glaubt, dass die Aktie fallen wird). Anders gesagt: Wenn man glaubt, dass der Kurs der zugrunde liegenden Aktie fallen wird, oder wenn man seine Aktie gegen eine Abwärtsbewegung schützen will, kauft man einen Put. Wenn der Basiswert fällt, steigt gewöhnlich die Put-Option. Ein enormer Vorteil des Kaufs von Put-Optionen besteht darin, dass sie weniger riskant sind als der Leerverkauf von Aktien – und weniger kosten.

DER BASISPREIS/AUSÜBUNGSPREIS: FESTSTEHEND

Hoffentlich wissen Sie schon, dass Optionen einem das Recht geben, etwas zu kaufen oder zu verkaufen (zum Beispiel Häuser, Schaufeln oder Aktien). Wenn man über Aktienoptionen spricht, bedeutet „Basispreis“ oder „Ausübungspreis“ den festgelegten Preis, zu dem man die zugrunde liegende Aktie kaufen oder verkaufen kann. Denken Sie daran: Wenn man eine Kaufoption kauft, kauft man in Wirklichkeit das Anrecht auf die zugrunde liegende Aktie zu einem bestimmten Preis – dem Ausübungspreis, Strike(-Preis) oder Basispreis. Wenn man eine Kaufoption verkauft, verkauft man in Wirklichkeit das Anrecht auf die zugrunde liegende Aktie zu einem bestimmten Preis – dem Ausübungspreis, Strike(-Preis) oder Basispreis. Glauben Sie mir, der Basispreis ist eine sehr wichtige Information. Das werden Sie merken, wenn Sie zum ersten Mal traden und wenn Sie weiterlesen.

Damit Sie den Basispreis verstehen, gehen wir noch einmal unsere Beispiele durch. Erinnern Sie sich noch, wie Sie eine Option auf das Haus gekauft haben? Der Basispreis betrug 100.000 Dollar (auch wenn Sie hofften, der Preis des Hauses würde steigen). Und erinnern Sie sich noch, wie Sie die Schneeschaufeln zum festgelegten Preis von 15 Dollar gekauft haben, egal wie weit der Preis der Schaufeln stieg? Der Basispreis betrug 15 Dollar. Und erinnern Sie sich noch, wie Sie bereit waren, die Aktie von YYY für zehn Dollar pro Stück zu kaufen? Der Basispreis betrug zehn Dollar.

Für sich genommen ist der Basispreis einfach eine Zahl. Man hat die Wahl unter vielen verschiedenen Basispreisen. Zum Beispiel kann man, obwohl YYY derzeit zehn Dollar kostet, unter Strikes von fünf bis 25 Dollar wählen (im Falle dieser Aktie in Abständen von einem Punkt oder zweieinhalb Punkten).

Erster Hinweis für Fortgeschrittene: Wenn eine Aktie für zehn Dollar gehandelt wird und man sich entscheidet, eine Option mit dem hohen Basispreis von 20 Dollar zu kaufen, muss man mutig sein oder etwas wissen, was die anderen nicht wissen. Das heißt nämlich, dass man erwartet, dass sich der Kurs von YYY bis zu dem Zeitpunkt in wenigen Monaten, zu dem die Option verfällt, mindestens auf 20 Dollar verdoppeln wird. Wenn das stimmt, kann man damit ein kleines Vermögen verdienen. Hat man sich geirrt, verliert man das investierte Geld. Empfehlung: Kaufen Sie keine Optionen, die eine Kursverdopplung der Aktie erfordern.

Zweiter Hinweis für Fortgeschrittene: Je höher der Basispreis einer Call-Option, umso weniger kostet die Option. Wenn eine Aktie für zehn Dollar gehandelt wird und man entscheidet sich für einen Basispreis von zehn Dollar, dann wird das vergleichsweise teuer. Ein Basispreis von zwölf Dollar kostet weniger und ein Basispreis von 15 Dollar noch weniger.

Abschließender Hinweis: Vergessen Sie nicht, auf den Basispreis zu achten.

PRÄMIE = PREIS

Wie Sie inzwischen wissen, ist die Prämie für Options-Trader überaus wichtig. Wenn man Käufer ist, ist sie der Preis, den man für die Option bezahlt. Wenn man Verkäufer ist, ist sie der Preis, den man dafür bekommt. Wie bei einer Auktion verändert sich die Prämie ständig. Sie steigt oder fällt je nach Angebot und Nachfrage auf dem Markt. Wenn Sie sich mit dem Aktienmarkt auskennen, werden Sie verstehen, dass es auch am Optionsmarkt Geldkurse und Briefkurse gibt. Der endgültige Transaktionspreis ist die Prämie. Stellen Sie sich die Prämie als den Preis vor, den Sie für den Kontrakt bezahlt oder bekommen haben.

EINFACHE OPTIONSNOTIERUNG

Da Optionsanleger wissen müssen, welche Optionen sie kaufen oder verkaufen, werden vier Merkmale einer Option zu einer Kurzbeschreibung zusammengefasst. Zum Beispiel:

MSFT December 13, 2019 25 Put

Basiswert: Microsoft

Optionstyp: Put

Letzter Handelstag: dritter Freitag im Dezember 2019

Basispreis: 25 US-Dollar

YYY January 15, 2019 15 Call

Basiswert: YYY

Optionstyp: Call

Letzter Handelstag: dritter Freitag im Januar 2019

Basispreis: 15 US-Dollar

AUSFÜHRLICHE OPTIONSNOTIERUNG

Bevor es das Internet gab, war es nicht leicht, an Angaben zu Optionen zu kommen. Man musste auf die Zeitung des nächsten Tages warten, zu einem Broker vor Ort gehen oder seinen Börsenmakler anrufen. Heute kann man Optionsnotierungen augenblicklich auf einem Computer, einem Smartphone oder einem sonstigen mobilen Gerät abrufen.

Außerdem musste man, bevor es Computer gab, die Buchstaben- und Zahlencodes der Optionen kennen. Heutzutage sind die Angaben so benutzerfreundlich, dass man problemlos findet, was man braucht.

Die Option Chain

Fangen wir damit an, dass wir uns die detaillierte Optionsnotierung in Abbildung 3.1 anschauen. Übrigens bezeichnet man diese Notation als Option Chain – zu Deutsch „Optionskette“ –, weil sie eine Reihe von Optionen mit unterschiedlichen Basispreisen zeigt, in diesem Fall Optionen auf Boeing. Auch enthält die Option Chain unterschiedliche Fälligkeitsdaten.

Die Option Chain enthält äußerst wichtige Informationen. Auf allen Websites, die Aktienkurse anbieten, gibt es auch Option Chains, die man sich auf dem Computer oder dem Handy ansehen kann. Die Option Chain ist Ihre Straßenkarte und Sie werden viel Zeit damit verbringen, sie zu studieren. Sie enthält alle Informationen, die man braucht, um mit Optionen zu handeln.

Es ist wichtig, dass Sie lernen, wie man die Option Chain liest. Denn wenn Sie verwirrt sind, könnten Sie ja am Ende die falsche Option kaufen oder verkaufen. So passieren oft verlustbringende Fehler, weil man den falschen Basispreis oder das falsche Fälligkeitsdatum wählt.

Anmerkung: Machen Sie sich mit der Option Chain vertraut, denn Sie werden sie nutzen, um die aktuellen Optionspreise und die richtigen Fälligkeitsdaten zu finden – Dinge, die Sie wissen müssen, wenn Sie eine Order aufgeben. Sie brauchen Erfahrung, um Optionen mit Fälligkeitsdaten zu finden, die Ihren Bedürfnissen entsprechen. Auch braucht man Geschick, um Basispreise zu finden, die einem eine ausreichende Prämie (wenn man verkauft) oder einen guten Wert (wenn man kauft) einbringen.

Es kann zwar sein, dass verschiedene Broker die Option Chain ein bisschen unterschiedlich darstellen, aber Abbildung 3.1 ist ein Beispiel für die Option Chain der Boeing Company.

Sie finden die Option Chain auf der Website Ihres Brokers. Wenn Sie keinen Broker haben, können Sie mehrere Websites besuchen, die Option Chains anzeigen. Die bekanntesten sind die der Chicago Board Options Exchange (CBOE, cboe.com), des Options Industry Council (OIC, optionseducation.org), von Google (google.com/finance) und Yahoo! (finance.yahoo.com). Und es gibt noch Dutzende weitere Finanz-Websites mit kostenlosen Informationen.

Um eine kostenlose Optionsnotierung abzurufen, geben Sie das Aktiensymbol ein, beispielsweise AAPL, GOOG oder IBM. Wählen Sie links „Options“ aus, dann sollte eigentlich die Option Chain angezeigt werden. Die Optionen werden in der Reihenfolge der Fälligkeitsdaten angezeigt.

Anmerkung: Die CBOE bietet auch eine ausgezeichnete Option-Chain-App an, die Sie auf dem Handy oder einem sonstigen mobilen Gerät unterwegs nutzen können. Ihre Brokerfirma bietet vielleicht ebenfalls eine App an.

Abbildung 3.1 ist ein Beispiel für eine Option Chain der Boeing Company.

Das Optionssymbol

Vor einigen Jahren modernisierte die Options Clearing Corporation (OCC) die Symbole in der Option Chain. Alle Optionssymbole beinhalten folgende Informationen:


Abbildung 3.1: Option Chain von Boeing: a) Call-Option, b) Put-Option

Quelle: Fidelity Investments. © 2002 FMR LLC. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung mit freundlicher Genehmigung.

Fasst man das alles zusammen, sieht die Notierung so aus: YYY20072055C. Dieses lange Symbol bedeutet, dass die Call-Option auf YYY einen Basispreis von 55 Dollar hat und am 20. Juli fällig wird.

Zum Glück braucht man sich heute keine Optionssymbole mehr zu merken, denn die meisten Brokerfirmen blenden in ihren Menüs die Optionssymbole aus.

Nachdem Sie nun einen allgemeinen Überblick über den Optionsmarkt bekommen haben, werden Sie lernen, wie man dort handelt. In Teil 2 werden Sie fast alles lernen, was Sie über eine beliebte Strategie wissen müssen: dem Verkauf einer gedeckten Kaufoption. Für manche Leser wird dies die einzige Optionsstrategie sein, die sie je einsetzen werden.

TEIL 2

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DAS VERGNÜGEN, GEDECKTE CALLS ZU VERKAUFEN (ZU SCHREIBEN)

Sie warten nun schon eine Weile, um all die einzelnen Wissenselemente, die wir besprochen haben, anzuwenden, damit Sie endlich mit dem Handel beginnen können. Die Schwierigkeit liegt darin, dass man bei jeder Strategie zahlreiche Wahlmöglichkeiten hat. Am Aktienmarkt hat man im Grunde drei Entscheidungsmöglichkeiten: kaufen, halten oder verkaufen. Doch bei Optionen hat man mehr Wahlmöglichkeiten (sie heißen ja nicht umsonst Optionen).

In Teil 2 besprechen wir fast alles, was Sie über die gedeckte Kaufoption wissen müssen. Sie ist nicht unbedingt leicht zu erlernen, auch wenn sie als konservative Optionsstrategie gilt. Die gedeckte Kaufoption wird meistens eingesetzt, um Einkommen oder Cashflow zu generieren, und deshalb ist sie bei Profis und Privatanlegern gleichermaßen beliebt.

Das ist die Strategie, die meine risikoscheuen Freunde zu schätzen wissen werden (auch wenn sie Risiken birgt, wenn der Markt fällt) – das besprechen wir in Kapitel 6. Wenn man mit manchen Spekulanten spricht, behaupten sie womöglich, gedeckte Kaufoptionen seien langweilig. Sie bevorzugen andere Optionsstrategien, bei denen sie größere Hebelwirkungen einsetzen können. Ich entgegne ihnen dann: „Seit wann ist es denn langweilig, Geld zu verdienen?“ Um einen Vergleich aus dem Baseball zu ziehen: Warum sollte man beim Warten auf den Homerun nicht ein paar Singles schlagen?

Ich will es Ihnen ganz offen sagen: Teil 2 ist der vielleicht wichtigste Teil dieses Buches. Wieso? Weil Sie so vieles, was Sie über Optionen wissen wollten, durch die Nutzung gedeckter Kaufoptionen lernen können. Wenn man diese Strategie versteht und lernt, sie richtig einzusetzen, fallen einem die anderen Optionsstrategien relativ leicht.

Trotzdem wird dieses Kapitel schwierig. Vielleicht müssen Sie es mehrmals lesen, bevor Sie es wirklich verstanden haben, auch wenn wir eine sogenannte einfache Strategie wie die gedeckte Kaufoption verwenden.

WAS ES BEDEUTET, EINEN GEDECKTEN CALL ZU VERKAUFEN

Erinnern Sie sich daran, dass ich Sie zu einem früheren Zeitpunkt gefragt habe, ob Sie Käufer oder Verkäufer sein wollen? Wenn Sie die gedeckte Kaufoption einsetzen, sind Sie Verkäufer. Sie werden Optionen an Menschen wie meinen spekulierenden Freund verkaufen. Und selbst wenn Sie sich nicht für die gedeckte Kaufoption interessieren, ist es wichtig, zu verstehen, wie ein Verkäufer denkt. Diese Information kann unabhängig davon, welche Seite des Optionskontrakts man einnimmt – Käufer oder Verkäufer –, nützlich sein.

In der Optionssprache bedeutet „eine Option schreiben“ oder „Stillhalter einer Option sein“ das Gleiche wie „eine Option verkaufen“. In der Zeit, bevor Optionen an Börsen gehandelt wurden, mussten Call-Verkäufer die Orders in bestimmte Formulare hineinschreiben, sodass sich der Ausdruck „einen Call schreiben“ bei vielen Älteren festgesetzt hat. Am Optionsmarkt gebrauchen die Menschen beide Begriffe synonym und sprechen davon, dass sie eine Kaufoption schreiben oder verkaufen. In diesem Buch spreche ich eher davon, Optionen zu verkaufen, als davon, sie zu schreiben, weil dieses Wort häufiger verwendet wird.

Und noch etwas sollten Sie über den Verkauf von Kaufoptionen wissen. Wenn man eine Kaufoption auf eine Aktie verkauft, die man besitzt, bezeichnet man das als gedeckte Kaufoption. Das Wort „gedeckt“ bedeutet, dass man die Aktie besitzt, auf die man Optionen verkauft. Deshalb spreche ich in diesem Abschnitt nur über den Verkauf von Optionen auf Aktien, die man bereits gekauft hat und daher besitzt.

Die offizielle Definition der gedeckten Kaufoption, die vom Options Industry Council (OIC) stammt, lautet: „Eine Optionsstrategie, bei der eine Call-Option gegen eine entsprechende Anzahl von Long-Aktien geschrieben wird.“ Das ist eine gute Definition.

Meine Erklärung dauert ein bisschen länger. Bei der gedeckten Kaufoption verkaufen Sie dem Käufer das Recht, Ihre Aktie zu kaufen. Für viele Menschen hört es sich unheimlich an, ein Recht zu verkaufen. Anders als bei der Anlage in Aktien erhält man kein Zertifikat oder einen Unternehmensanteil. Der einzige Beleg dafür, dass man eine Option gekauft oder verkauft hat, ist das, was in Ihrem Depotauszug oder auf Ihrem Computerbildschirm erscheint.

Bedenken Sie zunächst, dass Sie für eine gedeckte Kaufoption eine Aktie (100 Stücke) besitzen müssen. Im Prinzip übergeben Sie dabei das Recht auf Ihre Aktien bis zum Fälligkeitsdatum an den Käufer der Kaufoption. Wenn Sie es technisch haben wollen: Sie übergeben das Recht, Ihre Aktien zu kaufen, an eine zufällige Person, die genau die Kaufoption besitzt, die Sie verkaufen. Sie sind vom ursprünglichen Käufer entkoppelt.

Es gibt einen Hauptgrund, weshalb man gedeckte Calls verkaufen möchte: Man erhält dafür eine Entlohnung, also Geld. Erinnern Sie sich noch, wie das Geld heißt, das man vom Käufer bekommt? Die Entlohnung, die man vom Käufer bekommt, nennt man Prämie. Der Hauptgrund, weshalb man gedeckte Kaufoptionen verkaufen möchte, besteht darin, dieses Geld zu kassieren.

Vielen Verkäufern gedeckter Calls geht es darum, ein monatliches oder vierteljährliches Einkommen zu beziehen. Die Prämie ist ihre Entlohnung für den Verkauf einer gedeckten Kaufoption an jemand anders. Später, wenn wir die Schritte einer gedeckten Kaufoption durchgehen, werden Sie in der Lage sein, genau zu berechnen, wie viel Prämie Sie einstreichen können.

Und was muss man opfern, um dieses Geld zu bekommen? Wenn man gedeckte Kaufoptionen verkauft, nimmt man die Prämie (Bargeld) im Austausch für die Bereitschaft entgegen, seine Aktien zu verkaufen. Das ist Ihre hauptsächliche Verpflichtung.

Zur Erinnerung: Den Preis, zu dem Sie die Aktien verkaufen werden, nennt man Basispreis. Sie können sich einen aus einem Sortiment von Basispreisen herauspicken. Und hier einer der wichtigsten Punkte, wenn man erfolgreich Calls verkaufen will: Wählen Sie den richtigen Basispreis, dann können Sie einen ordentlichen Profit erzielen. Über die Wahl von Basispreisen reden wir später in diesem Kapitel noch mehr.

DIE VORTEILE DES VERKAUFS GEDECKTER KAUFOPTIONEN

Eigentlich gibt es zwei wesentliche Gründe für den Verkauf gedeckter Kaufoptionen:

1. Einkommen beziehen oder den Cashflow erhöhen.

2. Eine Methode, um Aktien zu verkaufen, die man besitzt.

Wenn die Rede davon ist, sein Einkommen zu steigern, dann heißt das, dass man gedeckte Kaufoptionen an Käufer verkauft, um dafür Geld zu bekommen. Anstatt dass Sie für Geld arbeiten, arbeitet Ihr Geld für Sie. Wenn Sie Glück haben, finden Sie Möglichkeiten, die ein vergleichsweise beständiges Einkommen einbringen.

Das hat noch andere Vorteile. Dann bekommen Sie nämlich nicht nur die Prämie, sondern Sie besitzen auch die Aktie. Das heißt, dass Sie Kapitalerträge erzielen können, wenn die Aktie steigt (je nach dem von Ihnen gewählten Basispreis). Zusätzlich erhalten Sie aus dem Aktienbesitz Dividenden (falls das Unternehmen Dividenden ausschüttet).

Auch ist die Strategie der gedeckten Kaufoption eine sehr kluge Nutzung des Optionsmarkts, wenn man eine Aktie verkauft, die man ohnehin verkaufen will. Da kann man doch gern noch ein paar Dollar extra kassieren.

Der Verkauf gedeckter Kaufoptionen ist so ähnlich, wie wenn man ein Haus kauft und es jemandem vermietet. Nur dass man nicht sein Haus vermietet, sondern seine Aktien. Man muss denken wie ein Verkäufer – ganz ähnlich wie die Frau, die eine Option auf das Haus verkauft hat, das sie besaß, und wie der Hersteller, der eine Option auf Schneeschaufeln verkauft hat.

Es gibt noch andere gute Gründe, gedeckte Kaufoptionen zu verkaufen. Es ist nämlich eine der wenigen Strategien, die man im Rahmen eines IRA oder eines steuerbegünstigten Depots wie einem 401(k) verwenden darf. Der vielleicht beste Grund, gedeckte Calls im Rahmen eines IRA oder 401(k) zu verkaufen, ist die Tatsache, dass man dann die Einkünfte erst versteuern muss (in Abhängigkeit von den Bedingungen des Plans), wenn man das Geld im Ruhestand entnimmt. Wenden Sie sich auf jeden Fall an einen Steuerberater, um zu klären, ob das für Sie gilt.

Vielleicht meinen Sie, die gedeckte Kaufoption sei zu schön, um wahr zu sein. Natürlich hat diese Strategie auch Nachteile und wir werden die mit dem Verkauf von Calls verbundenen Risiken in Kapitel 6 noch ausführlich besprechen. Deshalb nehme ich mir in den nächsten drei Kapiteln so viel Zeit, um Ihre verschiedenen Optionen zu besprechen (kleiner Scherz am Rande).

Einstweilen können Sie vieles von dem, was Sie über Optionen wissen müssen, anhand von gedeckten Kaufoptionen lernen. Und jetzt werfen wir einen genaueren Blick auf den Verkauf gedeckter Kaufoptionen – eine faszinierende Strategie, die Ihnen bestimmt Spaß machen wird.

Der Hintergrund

Das aktuelle Datum ist der 10. April. Abbildung 4.1 zeigt die aktivsten April-Call-Optionen auf die Boeing Company (NYSE: BA). Der aktuelle Aktienkurs von Boeing beträgt 88,10 Dollar. Sie besitzen 100 Aktien.

So funktioniert die Kaufoption

Sie melden sich beim Account Ihrer Brokerfirma an und geben das Symbol des Basiswerts an – in diesem Fall BA. Sobald Sie es eingegeben haben, erscheint die Option Chain von Boeing auf Ihrem Bildschirm (siehe Abbildung 4.1). Sie finden die Option Chain auf der Website Ihrer Brokerfirma oder auf Websites wie OIC, CBOE, Google oder Yahoo!

Abbildung 4.1: Option Chain: Boeing-Calls

Quelle: Fidelity Investments. © 2002 FMR LLC. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung mit freundlicher Genehmigung.

Die Prämie

Die Option Chain enthält eine Menge Informationen. Als Erstes schauen wir uns die Prämie an, die in Form eines Geld- und eines Briefkurses angegeben ist. Als Verkäufer richten wir uns nach der Prämie, die wir erhalten (dem Geldkurs). Der Geldkurs gibt einfach das derzeit höchste bekannt gegebene Gebot an. Betrachten Sie ihn als Anhaltspunkt und erwarten Sie nicht, dass das der Geldbetrag ist, den Sie für Ihre gedeckten Calls bekommen. Ebenso wie am Aktienmarkt schwanken auch hier die Geld- und Briefkurse ständig, vor allem bei aktiv gehandelten Optionen.

Die Mindestprämie, mit der Sie rechnen (Geldkurs), wird je Aktie angegeben – in diesem Beispiel von 0,36 bis 5,95 Dollar, aber sie reicht in Abhängigkeit von vielen Faktoren von Centbeträgen bis hin zu Hunderten von Dollar. Vielleicht fragen Sie sich, wieso die Spanne der Prämien so groß ist. Willkommen im Optionsmarkt! Zu verstehen, wie die Prämien ermittelt werden, gehört zu den Schlüsselfaktoren, um ein erfolgreicher Optionsverkäufer (oder Optionskäufer) zu werden.

Erinnern Sie sich daran, dass der aktuelle Preis des Basiswerts Boeing 88,10 Dollar beträgt. Wir wählen den Juni-Call mit Basispreis 90 Dollar, weil er leicht über dem aktuellen Kurs von Boeing liegt. Wenn Sie sich Abbildung 4.1 ansehen, dann sehen Sie, dass die entsprechende Prämie derzeit mit 2,30 Dollar pro Aktie angegeben wird. So viel bekommen Sie, wenn Sie zum Geldkurs verkaufen.

Finden wir nun heraus, wie viel Sie bekommen, wenn Sie den Call verkaufen. Bedenken Sie dabei, dass ein Optionskontrakt 100 Aktien entspricht.

Die Berechnung der Prämie (Juni-Call 90)

2,30 Dollar Prämie je Aktie (Juni-Call 90)

x 100 Boeing-Aktien (ein Optionskontrakt)

Ergibt: 230 Dollar Prämie

Erläuterung: Da die Prämie 2,30 Dollar je Aktie beträgt und ein Kontrakt 100 Aktien entspricht, beträgt die Prämie 230 Dollar. Würde man zwei Kontrakte verkaufen, bekäme man 460 Dollar. Würde man fünf Kontrakte verkaufen, bekäme man 1.150 Dollar. Würde man zehn Kontrakte verkaufen, bekäme man 2.300 Dollar. Bedenken Sie dabei, dass Sie 1.000 Boeing-Aktien besitzen müssen, um zehn Kontrakte zu verkaufen.

Nehmen wir an, Sie wollen gedeckte Calls verkaufen, die in einem späteren Monat fällig werden. Schauen Sie sich einmal die 90er-August-Calls auf Boeing an. Ihre Prämie ist höher als die der 90er-Juni-Calls – 3,25 Dollar je Aktie. Wissen Sie, warum die Prämie höher ist?

Zur Erinnerung: Je später der Fälligkeitsmonat, umso höher die Prämie.

Die Berechnung der Prämie (August-Call 90)

3,25 Dollar Prämie je Aktie (August-Call 90)

x 100 Boeing-Aktien (ein Optionskontrakt)

Ergibt: 325 Dollar Prämie

Bedenken Sie, dass die Berechnung, wie viel Geld man potenziell verdienen kann, nicht das Gleiche ist wie Geld zu verdienen. Trotzdem fließt einen Tag, nachdem Sie den gedeckten Call verkauft haben, das Geld (die Prämie) als Gutschrift auf Ihr Brokerage-Konto.

Wenn man zum ersten Mal so eine saftige Prämie erhält, ist man begeistert. Ein Leser schrieb mir einmal: „Es kommt mir vor, als würde ich dafür bezahlt, dass ich eine Aktie besitze.“ Aber wie bei allen Strategien gibt es hier neben dem Nutzen auch Risiken.

ES GEHT NUR UMS GELD

Vor ein paar Jahren entdeckte ich, wie schön es ist, gedeckte Kaufoptionen zu verkaufen. Ich setzte mich an meinen Computer, schaute mir die Prämien von Dutzenden Optionen an und berechnete, wie viel Geld ich damit verdienen würde. Das erschien mir als eine sehr leichte Art, Extrageld zu verdienen (und das auch noch bequem von zu Hause aus).

Ich stellte mir vor, ich könnte alle paar Monate ein paar Tausender zusätzlich einnehmen, indem ich gedeckte Calls auf Aktien verkaufte, die ich besaß. Aber nachdem ich mich ein bisschen zu schnell hineingestürzt hatte, begriff ich, dass am Verkauf von gedeckten Calls doch ein bisschen mehr dranhängt, als ich anfangs gedacht hatte. Ich verdiente zwar alle paar Monate Geld, aber leicht war das nicht. Leider waren die Bücher, die es damals gab, entweder zu technisch oder zu unrealistisch. Ich bin entschlossen, Sie davon abzuhalten, die gleichen Fehler zu begehen wie ich damals.

Und jetzt werde ich Ihnen ein paar wichtige Begriffe vorstellen.

AM GELD, AUS DEM GELD UND IM GELD

Es ist wichtig, dass Sie die Ausdrücke „am Geld“, „aus dem Geld“ und „im Geld“ lernen. Zum Glück werden Sie, wenn Sie das Buch zu Ende gelesen haben, mit diesen Begriffen gut vertraut sein. Wenn man mit dem Trading anfängt, gehört zu den Faktoren, die bestimmen, welche Option Sie kaufen oder verkaufen, die Frage, ob sie im, am oder aus dem Geld ist.

Damit diese Begriffe leichter verständlich sind, zeige ich noch einmal die Option Chain von Boeing. Siehe Abbildung 4.2.

Abbildung 4.2: Option Chain: Boeing-Calls

Quelle: Fidelity Investments. © 2002 FMR LLC. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung mit freundlicher Genehmigung.

Optionen am Geld (ATM = At The Money)

Regel: Entspricht der aktuelle Aktienkurs dem Basispreis, sagt man von einer Option, sie sei „am Geld“. Auch wenn der Preis um ein paar Cent abweicht, ist sie noch am Geld.

Sehen Sie sich die Option Chain in Abbildung 4.2 an. Stünde Boeing bei 87,50 Dollar, wären die Optionen mit Basispreis 87,50 mit den Fälligkeiten Mai, Juni und August am Geld. Und noch ein Beispiel: Wenn der Aktienkurs von General Electric (GE) derzeit 35 Dollar beträgt, welcher Strike-Preis ist dann am Geld? Wenn Sie „35 Dollar“ geantwortet haben, liegen Sie richtig. Das können die im Februar, im März oder im April fälligen Optionen mit Strike 35 sein, auf jeden Fall sind 35 Dollar am Geld.

Optionen aus dem Geld (OTM = Out of The Money)

Regel: Wenn der Basispreis der Call-Option über dem Kurs des Basiswerts liegt, ist die Option aus dem Geld.

Nehmen wir Boeing (dessen Aktie bei 88,10 Dollar steht) als Beispiel, ist der nächste Basispreis über 88,10 Dollar, der am nächsten am Aktienkurs liegt, bezüglich Kaufoptionen aus dem Geld. (Man sagt auch, die Option ist „einen Strike drüber“.) Somit ist der 90er-Mai-Call aus dem Geld, ebenso der 90er-Juni-Call. Tatsächlich sind alle Call-Optionen mit Basispreisen ab 90 Dollar aus dem Geld. Der 92,5er-Mai-Call ist vier Punkte aus dem Geld. Der 95er-Mai-Call ist sieben Punkte aus dem Geld. Und was ist mit dem 95er-August-Call? Der ist auch sieben Punkte aus dem Geld.

Hinweis: Je weiter eine Kaufoption aus dem Geld ist, also je höher der Basispreis, desto niedriger ist die Prämie. Beispielsweise beträgt die Prämie des 90er-Mai-Calls 1,55 Dollar, während die Prämie des 95er-Mai-Calls nur 0,36 Dollar beträgt. Der 90er-Mai-Call ist mehr wert.

Optionen im Geld (ITM = In The Money)

Regel: Wenn der Basispreis einer Call-Option unter dem Preis des Basiswerts liegt, ist die Call-Option im Geld.

In dem Beispiel in Abbildung 4.2 ist der nächstgelegene Basispreis unter 88,10 Dollar für Call-Optionen im Geld. Somit ist der 85er-Mai-Call im Geld, ebenso der 85er-Juni-Call. Der 85er-Mai-Call ist drei Punkte im Geld. Der 80er-August-Call (nicht gezeigt) ist acht Punkte im Geld.

Hinweis: Je mehr eine Option im Geld ist, also je niedriger der Basispreis, umso höher ist die Prämie. Zum Beispiel ist der 85er-Juni-Call mehr wert als der 90er-Juni-Call.

Welche Option sollte man wählen?

Nehmen wir an, die zugrunde liegende Aktie steht bei 40 Dollar. Man entscheidet sich, ob man eine Option will, die im Geld, aus dem Geld oder am Geld ist. Für jede Wahl gibt es Gründe.

Die unten stehende Tabelle zeigt einige Optionen auf eine Aktie, die einen Monat vor Fälligkeit bei 40 Dollar steht. Denken Sie daran, dass wir Call-Optionen verkaufen.


Ich weiß, was manche von Ihnen denken. Warum nicht die Option mit der saftigsten Prämie verkaufen? Würde man sich für einen Basispreis von 30 oder 35 Dollar entscheiden, dann wäre es ja schön, wenn man für jeden Kontrakt eine Prämie von 6,80 beziehungsweise 9,90 Dollar bekäme.

Tatsächlich ist es für Anfänger nicht empfehlenswert, einen Call zu wählen, der tief im Geld ist, denn dann ist der Gewinn minimal. Warum sollte man seine 40-Dollar-Aktie für 30 oder 35 Dollar verkaufen, nur weil der Optionspreis hoch ist? (Es stimmt allerdings, dass manche erfahrenen Trader Calls im Geld verkaufen und von dieser Strategie überzeugt sind.)

Fazit: Im obigen Beispiel ist der mit 42 Dollar aus dem Geld befindliche Basispreis bei einer Prämie von 1,30 Dollar die geeignete Wahl (wenn Sie Erfahrung sammeln, haben Sie vielleicht andere Vorstellungen davon, was für Sie geeignet ist). Wenn Sie sich für den Basispreis von 42 Dollar entscheiden, sind Sie vielleicht gezwungen, die Aktie für 42 Dollar zu verkaufen, und darauf hoffen Sie ja. Außerdem bekommen Sie für den Verkauf eines gedeckten Calls 130 Dollar.

Wichtige Anmerkung: Viele meinen, wenn man eine Option besitzt, die im Geld ist, dann bedeute dies, dass man (als Optionskäufer) Gewinn erzielt habe. Manche erinnern sich vielleicht noch an den alten Song „We’re in the Money“. In der Welt der Optionen bedeutet die Tatsache, dass eine Option im Geld ist, nicht unbedingt, dass man damit Gewinn macht.

Der einzige Faktor, der darüber entscheidet, ob man Gewinn macht, ist die Frage, ob der derzeitige Preis höher ist als der Preis, den man für die Option bezahlt hat. Der Begriff „im Geld“ bezieht sich lediglich auf die Beziehung zwischen dem Basispreis und dem Aktienkurs. Mit Gewinnen und Verlusten hat das nichts zu tun.

Bevor wir zum nächsten Kapitel kommen, möchte ich Sie noch mit einem sehr wichtigen Begriff vertraut machen: Zuteilung. Sie werden diesen Begriff noch oft hören, wenn Sie sich mit den verschiedenen Optionsstrategien befassen.

DIE ZUTEILUNG VERSTEHEN

Als Verkäufer einer gedeckten Kaufoption hat man eine wichtige Verpflichtung. Steht der Basiswert bei Fälligkeit über dem Basispreis (sodass die Option im Geld ist), ist man verpflichtet, den Basiswert zum Basispreis zu verkaufen. Das passiert, wenn Optionsbesitzer ihre Rechte ausüben. Ihnen (als Verkäufer der Option) wird eine Ausübungsanzeige zugeteilt.

Es gibt einen offiziellen Begriff für das, was mit Ihrer Aktie passiert, wenn der Käufer die Kaufoption ausübt. Ihr Depot wird zugeteilt oder die Aktie wird „abgerufen“. Das bedeutet, dass man die Aktie zum Basispreis verkauft. Da „abrufen“ so schön beschreibt, was mit Ihren Aktien passiert, verwende ich diesen Ausdruck.

Noch einmal: Zu welchem Preis kann der Besitzer der Kaufoption Ihre Aktien kaufen? Wenn Sie gesagt haben „zum Basispreis“, ist das richtig. Wenn der Käufer beschließt, die Option auszuüben, erfolgt die Aktientransaktion stets zum Basispreis (Ausübungspreis). Dies entspricht den Regeln des Optionskontrakts.

Als Verkäufer einer Kaufoption kann es einem theoretisch jederzeit passieren, dass die Aktien vom Käufer der Kaufoption abgerufen werden, allerdings geschieht dies meistens erst zum Fälligkeitsdatum. Rechnen Sie nicht damit, dass Ihre Aktien vor der Fälligkeit abgerufen (von Ihnen zum Basispreis verkauft) werden, auch wenn es manchmal vorkommen kann. Für den Verkäufer einer Kaufoption ist die Zuteilung ein gutes Ergebnis. Sie bedeutet, dass die Strategie funktioniert hat.

Der wichtigste Punkt ist folgender: Wenn man gedeckte Kaufoptionen verkaufen will, sollte man darauf gefasst sein, seine Aktien zum Basispreis zu verkaufen. Das ist einer der Gründe, weshalb es so wichtig ist, den richtigen Basispreis zu wählen.

Wenn Sie es nicht ertragen können, dass Ihre Aktien zum Fälligkeitsdatum zum Basispreis verkauft werden, sollten Sie sich eine andere Strategie suchen. Viele Menschen verkaufen gedeckte Calls auf Aktien, die sie ohnehin verkaufen wollen. Die Aktien werden verkauft und man erzielt ein Einkommen. Genau deshalb ist diese Strategie mitunter so beliebt bei Verkäufern.

Wichtig: Technisch gesehen können die Aktien jederzeit abgerufen werden, auch wenn dies fast immer zur Fälligkeit geschieht. Wenn Ihre Aktien abgerufen werden, teilt Ihnen Ihr Broker (spätestens zu Handelsbeginn am nächsten Handelstag) mit, dass Ihr Depot zugeteilt wurde und Ihnen die Aktien nicht mehr gehören.

Anmerkung: Sie können die Aktien jederzeit erneut kaufen und wieder gedeckte Calls für den nächsten Monat verkaufen.

Anmerkung: Damit es zu einer Zuteilung kommt, muss der Käufer (oder Inhaber) des Calls zuerst die Option ausüben. Zunächst übermittelt der Käufer seinem Broker eine Ausübungsmitteilung. Dann teilt der Broker dies der OCC (Options Clearing Corporation) mit, die dann die Mitteilung einer zufällig ausgewählten Person zuteilt. Wenn eine Ausübungsmitteilung zufällig Ihrem Depot zugeteilt wird, werden Ihre Aktien abgerufen. Bedenken Sie, dass Sie mit dem Verkauf eines Calls auf das Recht verzichten, darüber zu entscheiden, ob die Aktien verkauft werden; somit kann der Besitzer der Option jederzeit beschließen, auf Ihre Aktien zuzugreifen.

Wenn der Optionsinhaber Ihnen die Aktien abkauft, übt er die Option aus. Wenn der Optionsinhaber die Option ausübt und Ihrem Depot eine Ausübungsanzeige zugeteilt wird, sind Sie verpflichtet, die Aktien zu liefern, auf die Sie Calls verkauft haben. Keine Sorge – das wird alles automatisch von der OCC und Ihrem Broker abgewickelt und Sie brauchen überhaupt nichts zu tun. Falls Sie noch nicht recht verstanden haben, wie die Zuteilung funktioniert: In Kapitel 8 erkläre ich sie noch ausführlicher.

Endlich wird dem Optionsmarkt Respekt gezollt

Es dauerte fast 100 Jahre, bis auf der Grundlage der erfolgreichen Handelsplattform des Futures-Markts endlich ein organisierter Optionsmarkt geschaffen wurde. Hier folgt nun ein knapper Bericht darüber, wie der Optionsmarkt nach dornigen Anfängen endlich den Respekt erhielt, den er verdient.

Die 1960er-Jahre

Während des größten Teils des 20. Jahrhunderts ging der Freiverkehrshandel mit Optionen ziemlich langsam und mühsam vonstatten. Da es keine geregelte Optionsbörse gab, wurden die Trades telefonisch abgewickelt. Ein Optionshändler arrangierte das Geschäft zwischen Käufer und Verkäufer. Leider gab es keine Organisation, die für die Optionskontrakte bürgte. Auch kannten die Händler den angemessenen („fairen“) Preis von Optionen nicht wirklich. Aufgrund dieser Beschränkungen interessierte sich die Allgemeinheit kaum für den Optionshandel.

Eine der unangenehmsten damaligen Regelungen war die Verpflichtung, dass die Ausübung eines Optionskontrakts persönlich erfolgen musste. Das heißt, wenn man die Ausübungsfrist einer Option verpasst hatte, wurde die Option auch dann annulliert, wenn sie profitabel war.

Im Jahr 1968 sah sich das Chicago Board of Trade (CBOT) den Freiverkehrs-Optionsmarkt an und kam zu dem Schluss, es seien Änderungen nötig. Ihm war klar, dass zumindest alle Optionskontrakte standardisiert werden mussten, dass also die Bedingungen aller Kontrakte gleich sein mussten. Auch wurde die Regel der persönlichen Ausübung abgeschafft.

Seit den 1970er-Jahren

Im Jahr 1973 stellte die CBOT nach vier Jahren Prüfung und Planung bei der Börsenaufsicht SEC den Antrag, die erste Optionsbörse der Welt zu gründen, die Chicago Board Options Exchange (CBOE). Die CBOE und die American Stock Exchange (die den Optionshandel auf ihrem Parkett zugelassen hatte) gründeten eine Organisation, die die Kontrakte emittieren und die „Abrechnung und Erfüllung“ der Kontrakte verbürgen sollte. Und so wurde die Options Clearing Corporation (OCC) geschaffen, um Optionskontrakte zu emittieren, abzurechnen und zu garantieren. Offiziell ist die OCC ein Unternehmen im Besitz mehrerer US-amerikanischer Börsen, an denen gelistete Aktienoptionen gehandelt werden.

Nachdem der Papierkram und die Politik abgehakt waren, nahm die CBOE am 26. April 1973 den Geschäftsbetrieb auf. Der erste Options-Handelssaal war der Rauchsalon der CBOT-Mitglieder. Laut den Autoren von „Options“ (vom Options Institute) fragten sich Kritiker, wieso eine Meute von „Getreidehändlern aus Chicago dachte, sie könne ein neues Handelsinstrument vermarkten, das nach dem Urteil der New York Stock Exchange zu komplex für die Anlegeröffentlichkeit ist“.

Es wurden Kaufoptionen auf 16 der bekanntesten US-amerikanischen Unternehmen gelistet. Es sollte weitere vier Jahre dauern, bis Put-Optionen eingeführt wurden. Am ersten Tag belief sich das gesamte Handelsvolumen auf 911 Optionskontrakte. Im Jahr danach belief sich das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen auf 6.000 Kontrakte und das Jahresvolumen auf eine Million Kontrakte.

Ende 1974 – nachdem Banken und Versicherungen Optionen in ihre Portfolios aufgenommen hatten – kletterte das durchschnittliche tägliche Options-Handelsvolumen auf mehr als 200.000 Kontrakte. Schon bald begannen auch andere Aktienbörsen, mit gelisteten Optionen zu handeln. Und als die Tageszeitungen anfingen, Optionskurse zu veröffentlichen, vervielfachte sich das Volumen noch weiter.

Mit der Einführung von Computern, mobilen Geräten und zusätzlichen Optionsprodukten wie Indexoptionen, LEAPS, Wochenoptionen, Mini-Optionen und Optionen auf ETFs stieg das durchschnittliche Handelsvolumen an den Optionsbörsen auf mehr als 16 Millionen Kontrakte und es wächst weiter. Der Jahresumsatz beträgt nun über vier Milliarden Kontrakte. Allein das Handelsvolumen in der ersten halben Stunde ist manchmal größer als im gesamten Jahr 1974.

Nachdem Sie nun die Strategie der gedeckten Kaufoption kennengelernt haben, werden Sie gleich lernen, wie man die richtigen gedeckten Kaufoptionen auswählt.

5
WIE MAN DIE RICHTIGE GEDECKTE KAUFOPTION AUSWÄHLT

Vielleicht fühlen Sie sich inzwischen schon recht wohl mit der Vorstellung, gedeckte Kaufoptionen zu verkaufen. Vielleicht meinen Sie, die Kunst, den richtigen Call auszuwählen, bestehe lediglich darin, die Option mit der höchsten Prämie auszusuchen und diese zu verkaufen. Unglücklicherweise tun dies manche Menschen, aber es ist nicht die beste Methode. Manche Menschen meinen, der schwierigste Teil bestehe darin, zu entscheiden, wie viel Geld sie verdienen wollen!

Vielleicht ist Ihnen nicht klar, dass es eine Kunst ist, die richtige gedeckte Kaufoption auszuwählen, und dass die Prämie nur ein Teil der Gleichung ist. In diesem Kapitel sehen wir uns alle Faktoren, die uns dazu bringen, den richtigen gedeckten Call auszusuchen, genauer an.

Bis jetzt haben wir uns größtenteils mit Definitionen befasst. Aber in diesem Kapitel geht es um das Nachdenken und Analysieren. Deshalb sind Optionen eine so große Herausforderung. Der Verkauf von gedeckten Kaufoptionen ähnelt ebenso wie andere Optionsstrategien einem Schachspiel. Warum das so ist, werden Sie sehen, wenn wir die wichtigsten Faktoren betrachten, die sich auf die gedeckte Kaufoption auswirken:

Marktumfeld

Basiswert

Basispreis

Prämie

Fälligkeitsdatum

Zinsen*

Dividenden*

*Anmerkung für Fortgeschrittene: Zinsen und Dividenden sind weniger wichtig. Sie werden in Kapitel 11 besprochen.

Wenn Sie verstehen, wie sich jeder dieser Faktoren auf die gedeckte Kaufoption auswirkt, sind Sie auf dem besten Weg, kompetent mit gedeckten Kaufoptionen zu handeln.

DAS IDEALE MARKTUMFELD FÜR DEN VERKAUF GEDECKTER CALLS

Wenn man mit Aktien handelt oder am Aktienmarkt Geld anlegt, möchte man, dass der Markt steigt – und zwar nicht nur ein bisschen, sondern kräftig. Das Marktumfeld hingegen, das die meisten hassen, ist ein flach verlaufender, leicht steigender Markt, der sich im Kreis zu drehen scheint. In einem solchen Marktumfeld scheinen die Aktien lustlos und erschöpft zu sein und es scheint, als verdiene niemand Geld. Der Aktienmarkt wirkt einschläfernd.

Es gibt aber eine Gruppe von Menschen, die einen seitwärts verlaufenden, gewissermaßen langsamen Markt begrüßen. Wissen Sie, wer das ist? Wenn Sie geraten haben, dass es die Verkäufer gedeckter Kaufoptionen sind, haben Sie recht. Das ideale Marktumfeld für den Verkauf von Calls herrscht dann, wenn der Markt langsam zu steigen scheint. Bei einem derartigen Marktumfeld ist die Gefahr geringer, dass der Markt oder Ihre zugrunde liegenden Aktien fallen werden. Natürlich gibt es dafür keine Garantie, aber Ihr Trade könnte erfolgreicher sein, wenn der Markt ein wenig langsam ist. Während sich andere Leute beklagen, sie könnten an der Börse kein Geld verdienen, könnten Sie vielleicht abräumen.

Frage: Wenn der Verkäufer eines gedeckten Calls einen langsam steigenden Markt bevorzugt, dann gehen Sie zu Recht davon aus, dass er auch Aktien mag, die sich so verhalten. Wissen Sie, warum? Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, so werden Sie es am Ende dieses Kapitels sein.

DIE SUCHE NACH DEM RICHTIGEN BASISWERT

An diesem Punkt besitzen Sie entweder bereits Aktien oder denken darüber nach, eine Aktie zu kaufen, die es Ihnen ermöglicht, Kaufoptionen zu verkaufen. Sie wissen bereits, dass die zugrunde liegende Aktie – der Basiswert oder das Underlying – wichtig ist, aber viele Menschen unterschätzen, wie wichtig das ist. Tatsächlich liegt der Schlüssel zum Finden der richtigen gedeckten Kaufoption darin, einen geeigneten Basiswert zu finden.

Und tatsächlich ist die zugrunde liegende Aktie von wesentlicher Bedeutung – unabhängig von der eingesetzten Optionsstrategie. Die meisten Menschen sehen das fälschlicherweise andersherum. Sie schauen sich zuerst die Option an, dann die Aktie. Sie lassen sich zu der Überzeugung verleiten, es gebe eine gewinnbringende Option, die auf ihre Entdeckung wartet wie ein Lotterielos. Leider suchen sie dabei am falschen Ort. Der richtige Ort ist natürlich die zugrunde liegende Aktie.

Und welche zugrunde liegenden Aktien haben nun die richtigen Merkmale für den Verkauf von Kaufoptionen? Viele Jahre lang verkauften Anleger und Institutionen gedeckte Calls auf Unternehmen wie General Electric, Microsoft, Coca-Cola, IBM und Home Depot. Diese Aktien passten in das Profil für gedeckte Kaufoptionen. Auch viele der im Dow Jones Industrial Average (DJIA) enthaltenen Aktien waren perfekt für diese Strategie geeignet. Doch auch wenn diese Aktien in der Vergangenheit gut funktioniert haben, so gibt es doch keine Garantie, dass sie auch in Zukunft funktionieren werden.

Um den idealen Basiswert zu finden, muss man Nachforschungen anstellen. Und wenn man die ideale Aktie gefunden hat, kann man Monat für Monat, Quartal für Quartal gedeckte Kaufoptionen auf sie verkaufen. Vielleicht haben Sie schon eine solche Aktie. Falls ja, dann erspart Ihnen das die Mühe, nach einer anderen zu suchen.

Wie findet man solche idealen Aktien? Bei den meisten Brokerfirmen gibt es Suchfunktionen, die einem helfen, bestimmte Eigenschaften zu finden. Mit wachsender Erfahrung können Sie auch die Instrumente des Aktienmarkts verwenden, also die Fundamentalanalyse und die Technische Analyse, um Aktien zu finden, die Ihren Kriterien entsprechen.

Vielleicht ist Ihnen noch nicht so recht klar, weshalb es bei dieser Strategie so wichtig ist, dass der Markt stagniert oder leicht steigt und dass man leicht steigende Aktien braucht. Werfen wir im Zuge der Erklärung erst einmal einen Blick darauf, welche Arten von Aktien man bei einer Strategie der gedeckten Kaufoption nicht einsetzen will.

DER FALSCHE BASISWERT

Diejenigen Aktien, die man meiden will, wenn man gedeckte Calls verkauft, sind solche, die um große Beträge steigen oder fallen und zu sehr schwanken. Anders gesagt bewegen sie sich zu schnell in die eine oder die andere Richtung.

Beispielsweise ist es zu riskant, Calls auf Achterbahn-Technologie-Aktien wie Apple zu verkaufen. Dass Apple nicht unseren Kriterien für einen Kandidaten für gedeckte Kaufoptionen entspricht, hat allerdings nichts mit dem Wert des Unternehmens zu tun.

Aber was ist nun das Problem mit volatilen Aktien? Optionen auf Aktien mit hohem Handelsvolumen und hoher Volatilität wie Apple haben hohe Prämien. Die Menschen bezahlen mehr für Optionen auf ein Unternehmen, dessen Aktie volatil ist. Doch als Verkäufer gedeckter Calls will man ja gar keine Aktien, die riesige prozentuale Bewegungen in die eine oder andere Richtung vollführen – die Sorte Aktien, die einen womöglich am Montagmorgen überrascht.

Volatile Aktien bringen zwar üppige Prämien, aber als Verkäufer gedeckter Calls sollte man solche Aktien grundsätzlich meiden. Der Grund dafür ist, dass ihr Verlustrisiko zu hoch ist. Wenn man zum Beispiel Calls auf eine wilde Aktie wie Apple verkauft (zumindest war sie in der Vergangenheit wild), dann könnte die Aktie um mehrere Prozentpunkte fallen.

(Anmerkung: Es gibt auch eine Strategie mit gedeckten Calls, die bewusst volatile Aktien im Austausch gegen kleine Gewinne wählt. Ich bespreche diese Strategie weiter hinten in diesem Kapitel.)

Somit besteht die größte Gefahr beim Verkauf von gedeckten Kaufoptionen darin, dass der Basiswert zu weit fällt und man Verlust macht, obwohl man die Prämie behalten darf, weil die Aktie so tief fällt. Darum lässt man lieber die Finger von Aktien, deren Wert fällt, zum Beispiel von solchen, die ihre gleitenden Durchschnitte durchbrechen und andere technische Schwächen aufweisen.

Wenn hingegen ein Basiswert wie Apple zu schnell steigt, verdient man zwar Geld, aber es entgehen einem alle Gewinne, die über den Basispreis hinausgehen.

Hinweis: Grundsätzlich muss man bei der Entscheidung, ob eine Option ein guter Kauf (oder ein guter Kandidat für die gedeckte Kaufoption) ist, viele Faktoren berücksichtigen und die werde ich jetzt besprechen.

EIGENSCHAFTEN DES RICHTIGEN BASISWERTS

Sie wissen ja bereits, dass man, um den richtigen gedeckten Call zu finden, nach der richtigen zugrunde liegenden Aktie suchen muss. Nehmen wir an, Sie verwenden die Technische Analyse und die Fundamentalanalyse (oder einen Aktienfilter), um eine solche Aktie zu finden.

Dann müssen Sie etwas tiefer nachbohren und sich bestimmte Faktoren ansehen, unter anderem eine ausreichende Prämie, einen sinnvollen Basispreis und wo die Aktie Ihrer Meinung nach zur Fälligkeit stehen wird. Alle diese Faktoren müssen abgewogen und untersucht werden, bevor Sie die richtige Entscheidung treffen können, die Ihnen möglichst viel Gewinn einbringt, ohne dass Sie zu viel Kapital riskieren oder Ihre Aktien zu lange binden.

DER BASISPREIS

Ich ziehe noch einmal die Option Chain von Boeing heran (Abbildung 5.1), damit Sie alle Merkmale analysieren können, nach denen Sie suchen müssen, um den richtigen gedeckten Call zu finden.

Bei der Auswahl eines Basispreises muss man viele Faktoren berücksichtigen. Anfangs könnte man daran denken, den Basispreis mit der höchsten Prämie zu wählen. Aber wie Sie wissen, ist das nicht unbedingt die beste Wahl.

In Abbildung 5.1 steht Boeing immer noch bei 88,10 Dollar. Wenn man eine gedeckte Kaufoption auf diese Aktie verkaufen will, hat man die Wahl unter vielen Basispreisen. Man muss im Voraus entscheiden, welcher Basispreis für das, was man zu erreichen versucht, ideal ist.

Abbildung 5.1: Die Option Chain: Calls auf Boeing

Quelle: Fidelity Investments. © 2002 FMR LLC. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung mit freundlicher Genehmigung.

Wenn man eine Option wählt, die aus dem Geld oder gar weit aus dem Geld ist, weiß man, dass man etwas Spielraum nach oben hat, bevor die Aktie abgerufen wird (falls sie überhaupt abgerufen wird). Der Vorteil der Auswahl von Calls aus dem Geld besteht somit darin, dass man weiß, dass dann die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass die Aktie zum Fälligkeitsdatum abgerufen (zum Basispreis verkauft) wird.

Andererseits bekommt man eine umso niedrigere Prämie, je höher der Basispreis und je weiter die Option aus dem Geld ist. Beispielsweise sieht man bei einem Blick auf die Option Chain in Abbildung 5.1, dass der aus dem Geld befindliche Mai-Call auf Boeing mit Basispreis 92,50 Dollar eine Prämie von 0,77 Dollar hat. (Für viele Anleger ist das eine vernünftige Prämie, denn sie bietet ihnen einen akzeptablen Gewinn im Austausch gegen das Verlustrisiko, das der Besitz von 100 Aktien mit sich bringt.)

Die 95er-Mai-Option auf Boeing ist schlechter. Auch sie ist aus dem Geld, aber aufgrund des Basispreises von 95 Dollar beträgt die Prämie nur magere 0,36 Dollar. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie den Basispreis erreicht, ist gering, und diese Chancen schlagen sich in der Prämie nieder. Nur Sie können entscheiden, ob die Prämie hoch genug ist.

Anmerkung: Bedenken Sie, dass Sie die Calls nicht nur verkaufen, um die „geschenkte“ Prämie zu kassieren. Aktienbesitz bringt ein Verlustrisiko mit sich und für dieses Risiko will man angemessen entschädigt werden.

Schauen wir, was passiert, wenn man eine Option wählt, die nur leicht aus dem Geld ist, beispielsweise die 90er-Mai-Kaufoption auf Boeing. Die Prämie des 90er-Mai-Calls beträgt 1,55 Dollar. Steht Boeing zum Fälligkeitsdatum tatsächlich bei 90 Dollar oder höher, wird die Aktie abgerufen. Selbst wenn Boeing auf 92 oder 95 Dollar steigt, wird die Aktie zum Basispreis von 90 Dollar verkauft.

Aber was passiert, wenn Boeing nicht steigt, sondern fällt? Zunächst einmal fällt dann auch der Wert des Optionskontrakts. Zum Glück lindert die Prämie, die man erhält, den Schmerz des Verlusts bei der zugrunde liegenden Aktie.

Wenn jedoch Boeing weiter fällt, wird der Wert des von Ihnen verkauften Calls weiter sinken. Anmerkung: In einer Notsituation (also wenn die Aktie schnell zu fallen beginnt) könnten Sie den Kontrakt zurückkaufen (diese Strategie wird in Kapitel 7 besprochen). Der Rückkauf der Option ermöglicht den Verkauf der Aktie oder eines anderen Calls.

Welcher Basispreis ist nun der beste? Der beste Ausübungspreis ist derjenige, mit dem sich der Anleger am wohlsten fühlt. Der Komfortbereich wird durch das Fälligkeitsdatum, die Prämie und die Volatilität (besprochen in Kapitel 11) bestimmt. Auch hängt der Basispreis von Ihrem Ausblick auf die Aktie und auf den Markt sowie davon ab, welches Risiko Sie eingehen wollen.

Wie Sie sehen, hängt an der Wahl des richtigen gedeckten Calls mehr, als vielen Menschen klar ist. Viele Menschen unterschätzen, wie viel Denkarbeit mit dem Einsatz dieser Strategie verbunden ist. Deshalb ist die Wahl eines Basispreises eine wichtige Entscheidung, die Sie nicht leichthin treffen sollten.

Anmerkung für Fortgeschrittene: Sie sollten keine Pauschalaussage treffen, ob es am besten ist, Kaufoptionen zu verkaufen, die im, am oder aus dem Geld sind. Für jede Strategie lassen sich leicht Argumente finden, je nachdem, ob man den Basiswert bullish oder bearish sieht.

Zum Beispiel mögen manche Trader den Basispreis am Geld. Verbleibt die Aktie innerhalb einer engen Spanne, bringt der am Geld befindliche Basispreis den höchsten Gewinn. Defensive Stillhalter gedeckter Calls ziehen vielleicht den im Geld befindlichen Basispreis vor, weil er gleich eine höhere Prämie einbringt. Andererseits wird die Aktie abgerufen, wenn der Call zur Fälligkeit immer noch im Geld ist. Auch könnte der Gewinn zu gering sein. Und schließlich kann einem ein Basispreis aus dem Geld zwar eine niedrigere Prämie bescheren, dafür birgt sie mehr Gewinnpotenzial.

Wie Sie sehen, haben Sie je nach Ihrer Strategie viele Wahlmöglichkeiten. Wenn Sie mehr Erfahrungen im Handeln mit gedeckten Calls sammeln, werden Sie lernen, welcher Basispreis für Sie sinnvoll ist.

Fazit: Viele Anleger halten Basispreise aus dem Geld für am wünschenswertesten, weil dann die Option wahrscheinlich wertlos verfällt und sie sowohl die Prämie als auch die Aktie behalten können.

DIE PRÄMIE

Die Prämie sollte zwar nicht der einzige Faktor sein, den man berücksichtigt, wenn man ermittelt, welche Optionen man verkaufen sollte, aber sie ist definitiv ein wichtiger Faktor. Schließlich ist sie die Bezahlung, die man bekommt. Deshalb muss man die Prämie stets berücksichtigen, wenn man sich die Eigenschaften von Optionen anschaut. Ihre Aufgabe ist es, gedeckte Calls zu verkaufen, um damit bei möglichst geringem Risiko so viel Geld wie möglich zu verdienen.

Manche Anleger wollen eine Prämie von 0,50 Dollar oder mehr. Das hat einen einfachen Grund. Nehmen wir an, Sie verkaufen einen Call mit 0,50 Dollar Prämie. Wenn Sie nur einen Call verkaufen, bekommen Sie dafür 50 Dollar. Wenn man davon die zehn Dollar Gebühren abzieht, hat man 20 Prozent des potenziellen Gewinns abgegeben und es bleibt nicht mehr viel zu verdienen. (Anmerkung: Nur Sie können entscheiden, ob 0,50 Dollar Prämie zu wenig oder genau richtig sind. Während Sie Erfahrung sammeln, bekommen Sie ein Gefühl dafür, welche Mindestprämie Ihren finanziellen Bedürfnissen entspricht.)

Anmerkung: Vergessen Sie nicht, dass Sie es auch vermeiden wollen, saftige Prämien auf fallende Aktien zu kassieren – das ist keine empfehlenswerte Strategie. Warum? Weil kaum zu ermitteln ist, wann sich diese Aktien einem Boden nähern. Dann würde man zwar eine hübsche Prämie einstreichen, aber das bringt ein zusätzliches Risiko mit sich. Manche Aktien fallen weiter (vor allem in Baissen).

DAS FÄLLIGKEITSDATUM

Es gibt einen alten Song der Rolling Stones mit dem Titel „Time is on My Side“. Wenn Sie gedeckte Calls verkaufen, ist die Zeit tatsächlich auf Ihrer Seite und die tickende Uhr ist Ihr Freund. Wenn die Aktie den Basispreis nicht vor dem Fälligkeitsdatum erreicht, verfällt die Option wertlos. Sie behalten die Prämie und die Aktie.

Wenn Sie sich die Option Chain von Boeing in Abbildung 5.1 anschauen, wird Ihnen auffallen, dass der 90er-Mai-Call 1,55 Dollar wert ist, der 90er-Juni-Call 2,30 Dollar und der 90er-August-Call 3,25 Dollar. Sie können daraus schließen, dass die vereinnahmte Prämie umso höher ist, je weiter das Fälligkeitsdatum noch entfernt ist, aber umso länger ist auch die Aktie (und Ihr Geld) in dieser Position gebunden. Alle diese Faktoren müssen bei der Suche nach einem guten gedeckten Call bedacht werden.

Was ist also das ideale Fälligkeitsdatum? Wie gesagt, das hängt von Ihrer Strategie ab. Viele Anleger halten eine Mindestrestlaufzeit von einem Monat beim Verkauf gedeckter Kaufoptionen für am besten, wobei drei Monate noch besser sind. Je ferner das Fälligkeitsdatum, umso mehr Prämie erhält man. Doch dabei muss man bereit sein, sein angelegtes Geld so lange gebunden zu lassen. Wenn Sie Erfahrungen sammeln (und weiterlesen), werden Sie merken, welche Fälligkeitsdaten für Sie am besten funktionieren.

FAZIT: WELCHE GEDECKTE KAUFOPTION IST DIE RICHTIGE?

Welcher gedeckte Call ist der richtige? Eigentlich kann man einen beliebigen Call wählen. Eine Möglichkeit ist eine Option aus dem Geld, die einen Strike vom Aktienkurs entfernt ist. Wenn man sich für zwei Strikes entscheidet, ist die Prämie geringer und vielleicht nicht ausreichend attraktiv.

Zudem ist eine Mindestrestlaufzeit von einem Monat eine gute Idee. Ein späteres Fälligkeitsdatum bringt eine höhere Prämie und bietet einen besseren Schutz gegen Verluste. Vielleicht wollen Sie Ihr Geld nicht so lange festlegen. Und schließlich: Geben Sie sich nicht mit weniger als mit der für Sie akzeptablen Mindestprämie zufrieden und streben Sie nach Möglichkeit mehr an.

Irgendwann werden Sie einen gedeckten Call finden, der Ihren Maßstäben genügt. Um gute Aktienkandidaten zu finden, muss man Untersuchungen und Nachforschungen anstellen. Es gibt Softwareprogramme, die einem Ideen verschaffen, aber keine magischen Lösungen. Es liegt wirklich an Ihnen, Aktien (und Optionen) zu finden, die zu den Kriterien passen, nach denen Sie suchen.

Vorbehalt: Wenn Sie professioneller Trader sind, haben Sie daran, was als der richtige gedeckte Call gilt, womöglich etwas auszusetzen. Denn schließlich gibt es ja eine Anzahl fortgeschrittener Strategien, die diesen Bedingungen widersprechen. Aber irgendwo muss man ja anfangen. Wenn Sie Trader-Neuling sind, fangen Sie mit den oben genannten Kriterien an.

Mit zunehmender Erfahrung können Sie die Kriterien abwandeln, zum Beispiel das Fälligkeitsdatum hinausschieben oder einen Basispreis am oder im Geld wählen. Wie gesagt, Sie sollten Ihre eigenen Kriterien für den idealen Basispreis herausfinden.

Durchdenken Sie jeden Trade sorgfältig, dann sind Sie auf dem besten Weg, zum erfolgreichen Optionshändler zu werden. Ihr Endziel ist Eigenständigkeit. Dann brauchen Sie sich nicht mehr auf Autoren, Referenten oder andere Trader zu verlassen, die Ihnen sagen, mit welchen Optionen Sie handeln und welche Strategie Sie einsetzen sollten.

Bevor Sie dieses Buch weglegen und Ihren Computer anwerfen, bedenken Sie Folgendes: Es ist ein großer Unterschied, ob man weiß, was ein idealer gedeckter Call ist, und ob man einen findet. Leider hat das, was man schwarz auf weiß liest, wenig mit Aktiengeschäften im richtigen Leben zu tun.

Nachdem Sie nun die Faktoren kennengelernt haben, die Sie brauchen, um die richtigen gedeckten Calls zu finden, werden Sie gleich die Funktionsweise des Verkaufens gedeckter Calls erlernen. Das wird der spaßige Teil!

6
SCHRITT FÜR SCHRITT: SO VERKAUFT MAN GEDECKTE KAUFOPTIONEN

In diesem Kapitel gehen wir die konkreten Schritte beim Verkauf gedeckter Calls durch. Ob Sie es glauben oder nicht, das ist der leichteste Teil beim Verkauf eines Calls. Die Brokerfirmen haben Millionen Dollar dafür ausgegeben, das Kaufen und Verkaufen von Optionen so einfach wie möglich zu machen – manche würden gar sagen, es unterhaltsam zu machen.

Sie haben bereits die Optionsvereinbarung mit Ihrer Brokerfirma unterzeichnet. Ich nehme auch an, Sie haben bereits eine Aktie und wollen Calls darauf verkaufen.

Doch bevor wir loslegen, lassen Sie uns über einige Risiken, die mit dem Verkauf gedeckter Calls verbunden sind, sprechen. Keine Sorge, ich möchte Ihnen das Traden nicht ausreden. Der Verkauf gedeckter Kaufoptionen gilt zwar als konservative Strategie, aber auch sie kann riskant sein. Leider ist keine Optionsstrategie todsicher, auch nicht der Verkauf gedeckter Calls.

Jeder Profitrader wird Ihnen sagen, dass eine der wichtigsten Maßnahmen, die man treffen kann, bevor man einen Trade platziert, die Planung für ein Worst-Case-Szenario ist. Wenn man einen Trade eingeht und einem dabei Visionen von Gewinnen im Kopf herumtanzen, man aber keine klare Vorstellung von den potenziellen Risiken hat, kann man dabei Geld verlieren. Achten Sie deshalb genau auf alles, was beim Einsatz dieser Strategie schiefgehen könnte.

DIE NACHTEILE DES VERKAUFS GEDECKTER KAUFOPTIONEN

Mit dem Verkauf gedeckter Calls sind genauso Risiken verbunden wie mit allem, was mit den Finanzmärkten zu tun hat. Wenn Sie jegliches Risiko vermeiden wollen, legen Sie Ihr Geld in Einlagezertifikaten (CD = Certificates of Deposit) oder in Schatzwechseln an. Da Sie dieses Buch lesen, nehme ich an, dass Sie bereit sind, ein gewisses Risiko einzugehen. Lesen Sie darum nun, was schiefgehen kann, und planen Sie dementsprechend. Auch wenn Sie das Risiko niemals vollständig beseitigen können, so können Sie doch lernen, es zu managen.

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