Kitabı oku: «Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln»
Dr. Susan Blum
Titel der amerikanischen Originalausgabe:
THE IMMUNE SYSTEM RECOVERY PLAN,
A Doctor’s 4-Step Program To Treat Autoimmune Disease Copyright © 2013 by Susan Blum, M.D.
ISBN 978-1-4516-9497-0
First published in the US by Scribner, a division of Simon & Schuster, Inc, New York
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt; alle Angaben beziehen sich selbstverständlich auf Angehörige beider Geschlechter.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
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VAK Verlags GmbH
Eschbachstraße 5
79199 Kirchzarten
Deutschland
www.vakverlag.de
7. Auflage 2019
© VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2014
Übersetzung: Rotraud Oechsler
Lektorat: Frauke Bahle
Layout: Karl-Heinz Mundinger, VAK
Coverfoto: © Stauke – Fotolia.com
Umschlag: Kathrin Steigerwald, Hamburg
Satz & Druck: Friedrich Pustet GmbH & Co. KG, Regensburg
Printed in Germany
E-Book-Konvertierung: CPI books GmbH, Leck
ISBN 978-3-86731-160-1 (Paperback)
ISBN 978-3-95484-318-3 (ePub)
ISBN 978-3-95484-319-0 (Kindle)
ISBN 978-3-95484-320-6 (PDF)
Inhalt
Vorwort
Einführung
Kapitel 1: Grundlagen
Teil 1: Die Bedeutung der Ernährung
Kapitel 2: Nahrung als Medizin
Kapitel 3: Praxis: So wird Ihre Nahrung zu Medizin
Kapitel 4: Rezepte für eine gesunde Ernährung
Teil 2: Die Bedeutung von Stress
Kapitel 5: Die Bedeutung von Stress verstehen
Kapitel 6: Praxis: Stress erkennen und bewältigen
Kapitel 7: Rezepte gegen Stress
Teil 3: Der gesunde Darm
Kapitel 8: Unterstützen Sie den Darm
Kapitel 9: Praxis: Sorgen Sie für einen gesunden Darm
Kapitel 10: Rezepte für einen gesunden Darm
Teil 4: Die gesunde Leber
Kapitel 11: Unterstützen Sie Ihre Leber
Kapitel 12: Praxis: So stärken Sie Ihre Leber
Kapitel 13: Rezepte für eine gesunde Leber
Teil 5: Infektionen und Autoimmunerkrankungen
Kapitel 14: Die häufigsten Autoimmunerkrankungen und ihre Besonderheiten
Schlussbemerkung
Danksagung
Medien, die weiterhelfen
Literatur
Weiterführende Literatur
Rezeptverzeichnis
Stichwortverzeichnis
Über die Autorin
Dieses Buch
ist den vielen Millionen von Menschen gewidmet,
die an einer Autoimmunerkrankung leiden.
Es ist für sie die Botschaft der Hoffnung.
„Wenn du die Richtung nicht änderst, könntest du dort ankommen, wo es dich hintreibt.“ Laotse
Hinweise des Verlags
Dieses Buch dient der Information über Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge. Wer sie anwendet, tut dies in eigener Verantwortung. Autorin und Verlag beabsichtigen nicht, Diagnosen zu stellen oder Therapieempfehlungen zu geben. Die hier vorgestellten Vorgehensweisen sind nicht als Ersatz für professionelle Behandlung bei ernsthaften Beschwerden zu verstehen.
Die vorgestellten Rezepte sind genau zu befolgen. Autorin und Verlag übernehmen keine Verantwortung für besondere gesundheitliche oder allergiebedingte Bedürfnisse, die ärztlich überwacht werden müssen, oder für Nebenwirkungen, die durch diese Rezepte auftreten könnten.
VORWORT
Der Weg aus einem Leben mit Schmerzen und Leid
Wovon sind mehr Frauen betroffen als von Herzkrankheiten und Krebs zusammengenommen?
Woran leiden 24 Millionen der amerikanischen Bevölkerung, doch für die Erforschung der potenziellen Ursachen stehen nur 5,4 Prozent des Budgets der US-Gesundheitsbehörde zur Verfügung?
Es ist die Autoimmunerkrankung.
Sie ist im Bewusstsein meist nicht präsent, denn sie hat so viele Gesichter. Rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes, Multiple Sklerose, Darmentzündung (Colitis), Diabetes, Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddrüse) und Psoriasis – all das sind Autoimmunerkrankungen. Wir ordnen sie in verschiedene Schubladen, doch sie haben in Wirklichkeit eine gemeinsame Wurzel und je nach Alter, Geschlecht und genetischer Ausstattung ganz unterschiedliche Ausprägungen. Autoimmunerkrankungen ziehen nahezu jedes System des Körpers in Mitleidenschaft. Sie können das Nervensystem befallen – wie bei Autismus und möglicherweise auch bei Depressionen – oder die Gelenke und Muskeln, die Haut, die Hormondrüsen, das Herz und andere Organe. Zu einer Autoimmunerkrankung kommt es, wenn das Immunsystem die eigenen Gewebe angreift, anstatt fremde Substanzen, wie zum Beispiel Bakterien. Es gibt mehr als 100 Autoimmunerkrankungen und jeder, der an einer leidet, wird Ihnen sagen, dass das einen ungeheuren Einschnitt in Bezug auf die Lebensqualität bedeutet.
Die noch junge Wissenschaft – und ihre praktische Anwendung in der funktionellen Medizin – weist auf einige wenige grundlegende Ursachen autoimmuner Erkrankungen hin. Schulmediziner ignorieren jedoch die meisten und versuchen stattdessen, das Immunsystem mit schweren Medikamenten zu blockieren – den gefährlichen Nebenwirkungen zum Trotz.
Die Wahrheit ist jedoch, dass die grundlegenden Ursachen fast aller Autoimmunerkrankungen dieselben sind: Keime, Umweltgifte, Allergene, Stress und eine mangelhafte Ernährung. Beseitigt man diese grundlegenden Ursachen und unterstützt die optimale Funktionsfähigkeit des Körpers durch eine entsprechende Ernährung und Lebensweise, ist eine Genesung tatsächlich möglich.
Das hier vorliegende wegweisende Buch „Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln: Das 4-Schritte-Programm für ein gesundes Immunsystem“ von Dr. Susan Blum ist ein überzeugender Leitfaden zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Dr. Blum zeigt, wie Sie die grundlegenden Ursachen der Krankheit angehen und Ihr Immunsystem wieder ins Gleichgewicht bringen können. Sie weist Millionen von Menschen, die unnötig an einer Autoimmunerkrankung leiden, einen klaren und verständlichen Weg und bietet Lösungen bei der Ernährungsumstellung, bei Nahrungsergänzungen und Veränderungen in Bezug auf die Umgebung – Lösungen, die den Menschen helfen können, mit ihrer Erkrankung umzugehen und sie sogar zum Stillstand zu bringen. Dr. Blums Wunsch, auf diesem Gebiet Antworten zu finden, verstärkte sich, als sie selbst an einer Autoimmunkrankheit erkrankte – mit dem in diesem Buch beschriebenen Programm behandelte sie sich erfolgreich und ist inzwischen genesen.
Unser schulmedizinischer Behandlungsansatz bei Autoimmunerkrankungen besteht darin, die Immunreaktion mit hochwirksamen Medikamenten zu blockieren. Dazu gehören die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Advil® (Ibuprofen) oder Aleve®, Steroide wie Prednison, Krebsmedikamente wie Methotrexat und neue Arzneimittel wie Enbrel®, Humira® und Remicade®, die die Wirkungen von TNF-alpha, eines starken Entzündungsmediators, abblocken. Doch diese neuen Medikamente fahren das Immunsystem so weit herunter, dass es zu einem erhöhten Risiko für Krebs oder lebensbedrohliche Infektionen kommt. Zudem haben sie häufige und schwerwiegende Nebenwirkungen und schaffen nur teilweise Abhilfe. Über einen kurzen Zeitraum eingenommen, mögen sie für manche Menschen lebensrettend sein, doch bei langfristigem Gebrauch tun sie nichts gegen die Ursachen der Krankheit.
Dr. Blum und ich verfahren nach den Grundsätzen der funktionellen Medizin, und sie führt uns zu den Ursachen des Problems. Wir haben Hunderte von Patienten mit Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandelt, indem wir uns um diese Ursachen – wie Toxine, Infektionen, Allergene, mangelhafte Ernährung und Stress – kümmerten. Ich habe sogar selbst von diesen Methoden profitiert. Das chronische Müdigkeitssyndrom trägt autoimmune Züge, und meine Bluttests ergaben eindeutig, dass mein Körper sich selbst angriff. Mit der Beseitigung meiner Quecksilbervergiftung verschwanden auch die chronische Müdigkeit und die Autoimmunprobleme.
Und das hat sich bei so vielen Patienten bewahrheitet. Immer finden Ärzte wie Dr. Blum und ich die genannten Ursachen – noch mal zum Einprägen: Toxine, Allergene, Infektionen, mangelhafte Ernährung und Stress. Wir kümmern uns darum und sorgen gleichzeitig dafür, dass der Körper wieder bekommt, was er zu seiner optimalen Funktion braucht – vollwertige, saubere Nahrungsmittel, Nährstoffe, Bewegung, Stressbewältigung, sauberes Wasser und Sauerstoff, Gesellschaft, Verbundenheit und Bedeutung.
Folgende Genesungsberichte können auch für Sie möglich werden.
– Ein zehnjähriges Mädchen kam mit einer Mischkollagenose (das ist eine Erkrankung des Bindegewebes) in meine Sprechstunde – Haut, Gelenke, Leber und Blut waren von verheerenden Entzündungen befallen. Der Versuch der Ärzte, ihre Symptome mit Mega-Dosen intravenös verabreichter Steroide und immunsupprimierender chemotherapeutischer Medikamente unter Kontrolle zu bringen, schlugen fehl. Niemand fragte nach dem „Warum“. Warum hatte sie all diese Entzündungen? Wodurch wurde die Überreaktion ihres Immunsystems verursacht? Sie wollten es einfach nur blockieren. Nach zwei Monaten Ernährung ohne Gluten und Milchprodukte, der Beseitigung der Überwucherungen mit Hefepilzen in ihrem Darm und des Aufbaus einer Ernährung mit vollwertigen Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungen ging es ihr spürbar besser. Nach einem Jahr hatte sie keine Symptome mehr, konnte auf Medikamente verzichten und ihre Antikörper sanken auf normale Werte. Dass eine Krankheit auf diese Weise zum Stillstand kommt, sieht man in der schulmedizinischen Praxis nicht, aber es ist nun durch dieses Buch von Dr. Blum für jedermann möglich.
– Eine Frau hatte eine entstellende Psoriasis, verbunden mit einer Psoriasisarthritis. Sie war 42 Jahre alt und nicht in der Lage Treppen zu gehen oder selbst in die Badewanne zu steigen, noch konnte sie richtig für ihre Kinder sorgen. Neun Monate nach Behandlungsbeginn – dazu gehörte eine glutenfreie Ernährung und das Meiden anderer Nahrungsmittelallergene, die Entfernung bzw. Ausleitung der Schwermetalle in ihrem Körper sowie die Wiederherstellung des Gleichgewichts ihres Immunsystems – kehrte sie in ihr Büro zurück und war nicht nur um fast 14 kg leichter (Entzündungen führen zu starker Gewichtszunahme), sondern vollkommen frei von Schmerzen und Psoriasis.
– Ein Mann litt jahrelang unter den blutigen Durchfällen und Schmerzen einer Colitis ulcerosa (einer schubweise verlaufenden chronischen Darmentzündung). Ernährungsumstellungen und verschiedene Maßnahmen zur Unterstützung der Verdauung halfen zwar, aber es ging ihm nie wirklich besser, bis wir die pathogenen Bakterien aus seinem Darm entfernten und ihn auf eine glutenfreie Ernährung setzten.
– Eine Patientin mit lähmender Müdigkeit, Multipler Sklerose und entzündungsbedingten kleinen weißen Narben auf dem Gehirn, war kürzlich fast vollständig von ihren Symptomen befreit, nachdem sie ihre Amalgamfüllungen entfernen ließ und sich einem umfassenden Entgiftungsprogramm unterzog. Und in ihrem nächsten MRT (Kernspintomografie) war von den weißen MS-Narben nichts mehr zu sehen!
Die Praxen in den USA, in denen mit funktioneller Medizin gearbeitet wird, helfen zahllosen Patienten, sich von ihrer Autoimmunerkrankung zu erholen. Hinter einer dieser Praxen steht die Visionärin Dr. Susan Blum – in ihrem Gesundheitszentrum hat sie schon Tausenden von Menschen zu einem besseren Leben verholfen. Der Ansatz, die (bereits genannten) Krankheitsauslöser zu finden und zu beseitigen und den Körper mit Nährstoffen, Kräutern und Präparaten mit der Vorsilbe „Pro“ wie Probiotika zu versorgen, ist zu einer Bewegung geworden und wird nun von Behandlern praktiziert, die in der Medizin an vorderster Front stehen. Diesen Ansatz nennt man funktionelle Medizin, durch sie fanden Zehntausende von Patienten in aller Welt Hilfe. Die wertvollen Erkenntnisse der funktionellen Medizin werden in „Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln: Das 4-Schritte-Programm für ein gesundes Immunsystem“ deutlich und sorgfältig beschrieben. Wenn Sie sich nach diesem einfachen und doch revolutionären Programm richten, können auch Sie zu den Ursachen Ihrer Autoimmunerkrankung vordringen, sie zum Stillstand bringen und sich Gesundheit und Wohlbefinden selbst zum Geschenk machen.
Die funktionelle Medizin gibt uns das Wissen und die Methoden. Jetzt müssen Sie beides nur noch anwenden.
Dr. med. Mark Hyman
West Stockbridge, MA
September 2012
Einführung
Erste Schritte: Eine neue Partnerschaft
In den USA greift zunehmend eine Epidemie um sich. Sie bemächtigt sich weder der Schlagzeilen in den Zeitungen, noch findet sie Eingang in die Abendnachrichten, doch es gibt sie und sie ist kräftezehrend und potenziell tödlich. Sie heißt Autoimmunerkrankung. Autoimmunerkrankungen gehören zu den am weitesten verbreiteten chronischen Krankheiten in den Vereinigten Staaten, von denen zurzeit geschätzte 23,5 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner betroffen sind. (Anm. d. Übers.: In Deutschland geht man von etwa 4 Millionen Erkrankten aus, das entspricht etwa 5 Prozent der Bevölkerung.) Daran sind mehr Menschen erkrankt als an Krebs oder Herzkrankheiten, doch die meisten wissen nicht einmal, was das ist. Diese mangelnde Kenntnis tötet uns – im wahrsten Sinne des Wortes. Es kommt zu starken Schmerzen, Invalidität und sogar zum Tod. Und was noch schlimmer ist, die meisten Menschen mit einer Autoimmunerkrankung ertragen ihre Symptome, weil die Schulmediziner entweder nicht herausfinden, was ihnen fehlt, oder nicht zur Ursache des Problems vordringen können.
Die Antwort darauf ist die funktionelle Medizin, ein medizinisches Spezialgebiet, das in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt hat und sich darauf konzentriert, diesen chronischen Erkrankungen die Stirn zu bieten. Hier liegt die Hoffnung. Sie halten sie in Händen.
Warum ein Buch über Autoimmunerkrankungen?
Es gibt über 100 verschiedene Autoimmunerkrankungen und allen diesen ernsten chronischen Krankheiten liegt ein Problem im Immunsystem zugrunde. Dieses Buch soll wachrütteln: Autoimmunerkrankungen sind heilbar, wenn man sie rechtzeitig erkennt, bevor es zu einem Fortschreiten mit starken Schmerzen, Funktionseinschränkungen oder Invalidität kommt. Die ersten Symptome könnten eine diffuse Müdigkeit sein, Muskel- oder Gelenkschmerzen oder ein quälendes Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Mit einfachen Bluttests kann bereits in diesem frühen Stadium eine Diagnose gestellt werden, und wenn Sie sich dann nach den Schritten in diesem Buch richten, können Sie Ihr Immunsystem wieder ins Gleichgewicht bringen – bevor das Gehirn, die Gelenke, die Schilddrüse, die Blutgefäße oder andere lebenswichtige Organe dauerhaft geschädigt werden. Leiden Sie schon seit geraumer Zeit an einer Autoimmunerkrankung und ist es bereits zu Gewebeschäden gekommen, verhilft Ihnen dieses Buch zu einem besseren Allgemeinbefinden; es zeigt Ihnen, wie Sie die Krankheitsauswirkungen tatsächlich umkehren können, und verhindert, dass sich Ihre Gewebeschäden verschlimmern. Als Ärztin kenne ich Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow, rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Lupus erythematodes, Multiple Sklerose, Hashimoto-Thyreoiditis, Psoriasis, Alopecia areata, Vitiligo, Sjögren-Syndrom und Sklerodermie und andere schon lange. Doch als bei mir selbst eine davon diagnostiziert wurde, veränderte sich mein persönliches und berufliches Leben für immer.
Meine Geschichte
Zunächst möchte ich mich vorstellen: Ich bin Dr. Susan Blum, Fachärztin für Präventivmedizin und klinische Privatdozentin der Abteilung für Präventivmedizin an der medizinischen Fakultät Mount Sinai in New York City sowie die Gründerin des Blum-Gesundheitszentrums in Rye Brook, New York.
An der Universität wurde ich schulmedizinisch ausgebildet. Während meiner Facharztausbildung zur Internistin wurde mir jedoch schnell klar, dass ich mich nicht auf Krankheiten fokussieren wollte, ich wollte mich in erster Linie darauf konzentrieren, wie sie zu verhindern sind. Doch damals beschränkte sich die Präventivmedizin hauptsächlich auf Früherkennungstests und Programme im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Sie gehörte nicht zum ärztlichen Praxisalltag. Ärzte wurden einfach nicht darin ausgebildet, ihre Patienten bei Verhaltensänderungen zu unterstützen, zum Beispiel in Bezug auf eine gesündere Ernährung oder die Reduzierung von Stress. Ich wusste, dass ich als Ärztin einen anderen Weg einschlagen musste, also bemühte ich mich um Ausbildungsgänge bei Institutionen, die damals als „unkonventionell“ galten. Ganz besonders interessierte ich mich für die Beziehung zwischen Stress, Ernährung und Krankheit.
Ich wich vom etablierten schulmedizinischen Weg ab und wandte mich einer mehr ganzheitlichen Methode und einem sich abzeichnenden neuen Bereich zu, der als funktionelle Medizin bezeichnet wurde. Zuerst absolvierte ich ein Ausbildungsprogramm am Center for Mind-Body Medicine in Washington D. C., wo ich das Rüstzeug für dem Umgang mit Stress erhielt und lernte, den Auswirkungen von Stress auf den Körper gegenzusteuern. (Die Mind-Body-Medizin versteht den Menschen als eine Einheit aus Geist und Körper; Anm. d. Übers.) Am Institut für Funktionelle Medizin lernte ich, wie diese Prozesse durch die Nahrung beeinflusst werden – entweder in gesundheitsfördernder oder in krank machender Weise. Als ich damit begann, mein Wissen über Stressmanagement und Ernährung in der eigenen Praxis anzuwenden, sah ich selbst, wie diese Methoden den Menschen halfen, chronische Krankheiten zu verhindern und sie sogar zum Stillstand zu bringen. Diese beiden Konzepte – Prävention und Therapie chronischer Krankheiten – wurden zu meiner Leidenschaft und sind heute das Herzstück in meiner ärztlichen Praxis. Doch es gibt ein Gebiet, auf dem diese Methoden das Leben wirklich verändern: die Autoimmunerkrankungen.
Ich weiß das nicht nur deshalb, weil ich gesehen habe, wie meine Patienten davon profitierten, sondern auch, weil ich es am eigenen Leib erfuhr, als bei mir eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert wurde. Es begann vor mehr als zehn Jahren, als mich eine Freundin fragte, warum meine Hände so gelb seien. Das war mir bis dahin gar nicht aufgefallen, aber sie hatte Recht, und ich ließ sofort mein Blut untersuchen.
„Sie haben eine Hypothyreose“, sagte mein Arzt, als er die Laborergebnisse hatte. Ich? Ein Problem mit der Schilddrüse? Ich konnte es nicht glauben. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion bildet die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone. Diese braucht der Körper unter anderem, um den Nährstoff beta-Carotin aus gelben und orangefarbenen Obstund Gemüsesorten in Vitamin A umzuwandeln. Weil er das nicht konnte, wurde das ganze beta-Carotin aus meiner gesunden Ernährung nicht richtig verarbeitet. Stattdessen sammelte es sich in meinem Körper an, und eines der Symptome waren meine gelben Hände. Rückblickend erkannte ich, dass es nicht das einzige war. Ich musste mich zum Beispiel wirklich sehr anstrengen, um nicht zuzunehmen, und oft war ich sehr müde. Aber damals begriff ich nicht, dass es sich bei diesen Symptomen um Anzeichen eines ernsthaften Problems handelte. Sie hatten so lange zu meinem Leben gehört, dass ich sie für „normal“ hielt.
Weitere Tests brachten noch mehr schlechte Nachrichten. Ich hatte eine Autoimmunerkrankung, die Hashimoto-Thyreoiditis. Mit anderen Worten, mein Immunsystem, normalerweise die körpereigene Abwehr im täglichen Kampf gegen Infektionen und eindringende Erreger, schützte oder verteidigte mich nicht mehr. Meine Immunzellen hatten sich vielmehr gegen die Schilddrüse gewandt und attackierten und schädigten sie, bis ihrem Bemühen, genug Schilddrüsenhormone zu bilden, kein Erfolg mehr beschieden war. Ich war schockiert. Ich ernährte mich seit Jahren vegetarisch, trieb regelmäßig Sport, machte Yoga, meditierte und war in einem starken, spirituellen Glauben verankert. In der Psychotherapie war ich meinen Dämonen begegnet und mit meinem Leben war ich eigentlich zufrieden. Da ich bereits alles tat, was ich für das Richtige hielt, war es für mich erschreckend, mit der Diagnose einer Autoimmunerkrankung konfrontiert zu sein. Ich war schließlich Ärztin und konnte daher einfach nicht glauben, dass etwas in meinem Körper vor sich ging, wovon ich lange Zeit keine Ahnung gehabt hatte.
Doch mein Hausarzt nahm diese bestürzende Nachricht gelassen. „Das ist keine große Sache“, sagte er. „Sie nehmen einfach Schilddrüsenhormone und alles ist gut.“ Keine große Sache? Für ihn vielleicht nicht, aber meine Intuition sagte mir, dass da etwas nicht stimmte. Mein Körper war aus dem Gleichgewicht geraten und ich wollte Antworten. Warum hatte ich diese Erkrankung? Und warum gerade jetzt? Um sie zu verstehen, beschloss ich, sie als Chance zu nutzen, um alles zu erforschen, was die etablierte und die nicht etablierte Medizin mir zu bieten hatten. Ich wollte keine Tabletten nehmen, die das Problem nur kaschieren würden – ich wollte keine „Symptommanagerin“ sein. Ich wollte in erster Linie wissen, warum es zu diesen Symptomen gekommen war.
Wie mir die funktionelle Medizin half
Der Weg, auf den ich mich nach meiner Hashimoto-Diagnose begab, führte mich tiefer in das einzigartige und damals relativ neue Gebiet der funktionellen Medizin, einer Methode, die den ganzen Menschen und nicht nur seine Symptome betrachtet. Nach der Diagnosestellung begann ich die Grundsätze, die ich am Institut für Funktionelle Medizin erlernt hatte, auf mich selbst anzuwenden. Ich entdeckte dabei, dass ich aufgrund einer genetischen Disposition in Bezug auf Autoimmunerkrankungen zur Hochrisikogruppe gehöre. Ich fand auch heraus, dass mein Körper Schwierigkeiten damit hat, Quecksilber aus dem System zu entfernen. (Quecksilber ist ein Gift, das Gewebeschäden verursacht und eine potenzielle Ursache von Autoimmunerkrankungen darstellt). Ich stellte mich auf eine glutenfreie Ernährung um, mied fortan Fisch, der stark mit Quecksilber belastet ist (wie Thunfisch, Schwertfisch, Aal und Streifenbarsch) und ließ im Laufe von zwei Jahren meine zahlreichen Amalgamfüllungen entfernen. Ich begann Protein-Shakes zu trinken, die entzündungshemmend wirken und die Leberfunktion verbessern. (Da die Leber das Hauptentgiftungsorgan des Körpers ist, wird dadurch die Ausleitung von Quecksilber und anderen Toxinen aus dem Körper unterstützt.) Zwei Jahre nach der Diagnosestellung und der Behandlung meiner Autoimmunerkrankung mithilfe der funktionellen Medizin waren mein Antikörpertiter normal und meine Krankheit ausgeheilt. Ich nahm das Schilddrüsenhormon Levothyroxin (bei uns unter den Namen Eltroxin®, Euthyrox®, Tirosint® im Handel; Anm. d. Übers.) in einer geringen Dosierung, mein Energieniveau war großartig und ich konnte mein Gewicht leicht halten. Ich war begeistert und wollte meine Erkenntnisse unbedingt meinen Patienten zugutekommen lassen.
Das war der erste Schritt. Meine Schilddrüse war bereits geschädigt, als die Diagnose gestellt wurde, und so war mein erstes Ziel natürlich, selbst wieder gesund zu werden. Das kann bei jedem Menschen unterschiedlich lange dauern, je nachdem wie lange die Schilddrüse durch die Autoimmunerkrankung schon unter Beschuss steht. Da meine durch die Hashimoto-Krankheit stark lädiert war, nahm ich Schilddrüsenhormone ein und brauche sie auch weiterhin. Gleichwohl nehme ich jetzt die Hälfte der Dosis, die ich vor zehn Jahren nahm. Heute fühle ich mich gesünder und energiegeladener als je zuvor. Mein gesundheitlicher Weg hat mich gelehrt, was mein Körper braucht – und er hat mich gelehrt zu fragen und hinzuhören. Eine chronische Krankheit zum Stillstand zu bringen erfordert Zeit und Mühe, aber es ist möglich. Meine Geschichte ist der Beweis. Ich habe das für mich selbst getan und die berufliche Entscheidung getroffen, anderen Menschen mit einer Autoimmunerkrankung dabei zu helfen, es auch zu tun.
Vor Jahren hielt ich im Rahmen eines beruflichen Ausbildungsprogramms des Center for Mind-Body Medicine einen Vortrag vor lauter Fachleuten aus dem Gesundheitsbereich. Ich ging auch darauf ein, wie wichtig es ist, Nahrung als Medizin einzusetzen, und dass so einfache Dinge wie die Atmung und Entspannung zur Heilung einer Krankheit beitragen können. Verblüfft musste ich feststellen, dass diese wichtigen Prinzipien, die das Leben verändern können, für die meisten der 200 Menschen im Publikum neu waren. Und dabei waren sie Fachleute im Gesundheitsbereich! Ich konnte es nicht glauben. Wie sollten diese Ärzte in der Lage sein, ihren Patienten solche Dinge zu vermitteln, wenn sie sie selbst nicht verstanden und praktizierten? Damals erkannte ich, dass es an der Zeit war, mich in einem größeren Rahmen zu Wort zu melden als nur bei meinen Patienten und bei meinen Vorträgen.
Wie die funktionelle Medizin Ihnen helfen kann
Nach mehreren Jahren der Planung (und noch vielen weiteren, die ich damit verbrachte, von solch einer Möglichkeit zu träumen), eröffnete ich 2010 das Blum-Gesundheitszentrum in Rye Brook, New York, dessen Schwerpunkt eine umfassende Integration von funktioneller, Mind-Body- und Präventivmedizin ist. Zum Zentrum gehört auch eine Kochschule, in der Patienten und Klienten lernen können, sich gesund zu ernähren, sowie ein Zentrum für Körper, Geist und Seele, in dem eine breite Palette von Entspannungstechniken gelehrt wird – nicht nur, um chronischen Krankheiten vorzubeugen, sondern auch, um sie zum Stillstand zu bringen. In Kombination mit der Behandlung nach den Prinzipien der funktionellen Medizin, die ich als Ärztin anbiete, führt dies bei meinen Patienten zu außergewöhnlichen Ergebnissen, die ihr Leben verändern.
Ich bin nicht die Einzige, der gesagt wurde, man brauche einfach nur ein paar Tabletten einzuwerfen und wie bisher weiterzumachen. Und ich bin sicher nicht die Einzige, die dachte, dass es einen besseren Weg geben müsse. In meiner Praxis im Blum-Zentrum erzählen mir Patienten oft, was ihre schulmedizinischen Ärzte nach der Diagnose einer Autoimmunerkrankung zu ihnen gesagt haben: „Gewöhnen Sie sich an die Schmerzmittel. Sie werden sie für den Rest Ihres Lebens brauchen.“ Oder: „Wir wissen nicht, warum Menschen diese Krankheiten bekommen.“ Und: „Man kann Ihr Immunsystem nicht behandeln.“ Das sind nur ein paar Beispiele, doch der sich wiederholende Tenor zeugt von Hoffnungslosigkeit. Dahinter steckt der Gedanke, dass man seine Diagnose einfach akzeptieren sollte, ebenso wie den lebenslangen Kampf mit den Schmerzmitteln, den Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken und den Nebenwirkungen, die beide haben (von denen einige verheerend und nachhaltig sein können). Ich habe mich schlicht geweigert zu akzeptieren, dass ich nichts für mich und die anderen 23,5 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner, die mit einer Autoimmunerkrankung leben, tun konnte. Da diese Erkrankungen auf dem Vormarsch sind, weiß ich, dass sehr, sehr viele Betroffene es nie in meine Praxis schaffen werden. Also schrieb ich dieses Buch, damit ich meine Therapie – eine wirksame und gesunde Methode – einem breiteren Publikum anbieten konnte.
Viele Schulmediziner meinen, dass Sie sich mit der Krankheit abfinden müssen – was dazu führen wird, dass Sie sich völlig machtlos fühlen. Mehr noch, eine solche Haltung verschlimmert die Krankheit sogar, denn sie untergräbt den natürlichen Selbstheilungsprozess des Körpers. Die Verbindung zwischen Körper und Geist ist Realität und ein machtvolles Instrument. Viele Studien zeigen es: Je ausgeprägter das Gefühl ist, eine Situation im Griff zu haben, desto höher sind die Heilungsraten. Menschen kommen besser zurecht, sie fühlen sich besser und sie leben besser mit ihrer gesundheitlichen Situation, wenn sie das Gefühl haben, dass sie etwas für sich tun können. Und das können Sie! Das ist eines der Grundprinzipien der funktionellen Medizin und als Expertin auf diesem Gebiet ist es meine Aufgabe, Ihnen zu zeigen, wie viel Kontrolle Sie über Ihre eigene Gesundheit und Ihr Wohlergehen haben können.
Wer oder was genau ist ein Experte für funktionelle Medizin? Zuerst einmal möchte ich Ihnen sagen, wer keiner ist. Die meisten Schulmediziner nehmen Ihre Symptome zur Kenntnis und versuchen eine Diagnose zu stellen, unter der sie diese Symptome zusammenfassen können. Davon wird in der Regel Ihre Behandlung bestimmt. Wenn Sie und ein Freund oder eine Freundin dieselben Symptome haben, wird oft dieselbe Diagnose gestellt und Sie bekommen dieselbe Behandlung. Das funktioniert bei Verletzungen, bei einem gebrochenen Bein oder einer Blinddarmentzündung, also bei gesundheitlichen Problemen, bei denen zum Beispiel eine Operation die Dinge in Ordnung bringen kann. Leider funktioniert dieser Ansatz nicht, wenn man versucht, komplexe, chronische Krankheiten wie Autoimmunerkrankungen zu behandeln oder abzuwenden.
Ein Experte für funktionelle Medizin ist wie ein Medizindetektiv, der alle Hinweise aus Ihrer Vergangenheit (wo Sie aufgewachsen sind, Ihre familiäre Situation, traumatische Ereignisse, Ihre Krankengeschichte usw.) und aus der Gegenwart (potenzielle Toxinbelastung in Ihrer Umgebung, soziale Kontakte, Stresspegel, Beziehungen, Ernährung, Trainingsprogramm, Schlafgewohnheiten, Symptome usw.) zusammenträgt. Aufgrund dieser Informationen versucht ein Experte für funktionelle Medizin herauszufinden, in welcher Weise und warum Ihr Körper nicht richtig funktioniert. Diese Art von detektivischer Arbeit biete ich allen meinen Patienten im Blum-Gesundheitszentrum, und mit ihr habe ich mich auch von meiner schweren Autoimmunerkrankung befreit. Genau das biete ich Ihnen jetzt mit den interaktiven Elementen an, die sich durch das ganze Buch ziehen.
Dr. med. Sidney Baker, ein renommierter Spezialist für Präventionsmedizin, der oft als der Vater der funktionellen Medizin bezeichnet wird, hat einmal gesagt: „Wenn man auf einem Reißnagel sitzt, geht es nicht darum, die Schmerzen zu behandeln, sondern darum, den Reißnagel zu finden und zu entfernen.“ Mein Buch hilft Ihnen dabei, die „Reißnägel“ zu finden, die dafür verantwortlich sind, dass Ihr Immunsystem nicht richtig funktioniert, und sie Stück für Stück zu entfernen. Es führt Sie durch die vier entscheidenden Schritte, die all das aus Ihrem Körper verbannen, was schlecht für das Immunsystem ist, und dann sicherstellen, dass er genau das hat, was er braucht, um richtig zu funktionieren.
Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln
Ich habe dieses Buch geschrieben, um Ihnen eine wichtige Botschaft der Hoffnung und Heilung zu bringen. Es schockiert mich, dass es bisher noch kein Buch gibt, das dem Normalsterblichen erklärt, wie das Immunsystem funktioniert und wie man es in Ordnung bringt. Und genau das werde ich auf den folgenden Seiten ausführlich tun. Ich werde erklären, wie ich Hunderten von Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes, rheumatoider Arthritis, Sjögren-Syndrom, Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow geholfen habe, ihre Symptome zum Stillstand zu bringen und ihren Antikörperspiegel im Blut zu senken.
Antikörper werden normalerweise von Immunzellen gebildet, um Eindringlinge anzugreifen und zu zerstören, doch bei Autoimmunerkrankungen richten sich diese Antikörper gegen Ihr eigenes Gewebe. Viele dieser Leiden sind chronisch, quälend und potenziell lebensbedrohend. Faktisch gehören Autoimmunerkrankungen zu den zehn häufigsten Todesursachen bei Mädchen und Frauen bis zu einem Alter von 64 Jahren.
„Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln“ wird Ihnen helfen herauszufinden, was Sie fühlen, warum Sie bestimmte Symptome haben und wie Sie die Ursachen dieser Symptome behandeln können, damit Ihre Autoimmunerkrankung zum Stillstand kommen kann. Wie kann sich ein Buch mit Ihrer Autoimmunerkrankung befassen, egal welche es ist? Das liegt daran, dass den meisten dieser Leiden ähnliche Dysbalancen zugrunde liegen. Mithilfe der interaktiven Elemente wie Checklisten, Fragebögen und Selbstbeurteilungen werden Sie in der Lage sein, mit diesem Buch so zu arbeiten, wie meine Patienten es bei mir in der Praxis tun. Natürlich können Sie Ihre Blut- oder Stuhluntersuchungen nicht selbst durchführen, doch wenn Sie die vier Schritte anwenden, werden Sie lernen, wie mit Ihrer Autoimmunerkrankung umzugehen ist. Diese vier Schritte sind:
– Schritt 1: Nahrung als Medizin
– Schritt 2: Verstehen, welchen Stellenwert Stress hat
– Schritt 3: Den Darm in Ordnung bringen
– Schritt 4: Die Leber unterstützen
Ich schlage vor, dass Sie sich die vier Schritte der Reihe nach vornehmen, so werden Sie am meisten davon profitieren. Jeder einzelne ist jedoch auch für sich allein wirksam, sodass Sie sich jeweils ein Gebiet vornehmen können, wenn Ihnen das lieber ist. Den vier Schritten entsprechend besteht das Buch aus vier Teilen mit jeweils drei Kapiteln:
– Das erste Kapitel eines jeden Teils bietet eine verständliche Darstellung, wie das Immunsystem durch das jeweilige Thema beeinträchtigt wird – zum Beispiel, wie es auf Stress reagiert oder wie die Gesundheit des Verdauungssystems das Immunsystem beeinflusst.
– Das zweite Kapitel ist der Praxisteil mit Selbstbewertungen. Anhand der Ergebnisse finden Sie hier Ihre individuelle Vorgehensweise. Dieses Kapitel liefert alle Informationen, die Sie brauchen, um meine Methode umzusetzen, mit spezifischen Anweisungen, wie diese „Werkzeuge“ in den Alltag integriert und dauerhafte Veränderungen des Lebensstils möglich gemacht werden können.
– Das dritte Kapitel bietet Rezepte, die Ihnen zeigen, wie Sie Ihre Nahrung als Teil Ihres individuellen Plans einsetzen können. Jedes Rezept enthält Nahrungsmittel, die spezifisch auf jeden der vier Schritte ausgerichtet sind.
Im Laufe dieser vier Schritte erkläre ich Ihnen, warum jeder einzelne wichtig ist, und zeige Ihnen, wie schnell es gehen kann, dass Sie sich besser zu fühlen beginnen. Wenn Sie sich an diese vier Schritte halten, beginnt sich Ihr Immunsystem umgehend zu erholen. Die vier Schritte bilden die Basis des Behandlungsplans, den ich für jeden meiner Patienten aufstelle, und sie sind die einfachste und wirksamste „Medizin“.
Neben vielen anderen gibt „Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln“ Antwort auf folgende Fragen:
– Wie die fünf häufigsten Faktoren Sie krank machen (Antazida, Schmerzmittel, Antibiotika, Alkohol und tierische Nahrungsmittel).
– Warum Ihr Körper die meisten der üblichen Nahrungsmittel einer westlichen Standardernährung fälschlicherweise für Eindringlinge hält und warum das Ihr Immunsystem dazu verleitet, den eigenen Körper anzugreifen.
– Wie häufige Viren wie das Epstein-Barr-Virus, das Pfeiffersches Drüsenfieber verursacht, eine permanente Immunreaktion hervorrufen können, sodass Sie das Gefühl chronischer Schwellungen haben und sich steif, aufgedunsen und müde fühlen.
– Wie es kommt, dass schulmedizinische Behandlungen, die die Immunreaktion blockieren, zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Gewichtszunahme, Muskelschmerzen, Bluthochdruck und Depressionen führen.
– Wie der Ansatz der funktionellen Medizin mit konventionellen Behandlungsmethoden kombiniert werden kann, um große Vorzüge bei sehr geringem Risiko zu bieten.
– Wie von jedem Virus, das Sie jemals hatten – zum Beispiel Fieberbläschen (Herpes), Windpocken, Herpes Zoster (Gürtelrose), Hepatitis, Epstein-Barr und viele andere – Restpartikel in Ihrem Körper zurückbleiben, die sich zu einer Autoimmunerkrankung entwickeln können, und wie man gewährleisten kann, dass es dazu in Ihrem Körper nicht kommt.
– Warum 70 Prozent des Immunsystems in Ihrem Darm beheimatet sind und warum ein Gleichgewicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien in Ihrem Verdauungstrakt zu einer optimalen Funktion des Immunsystems führen kann.
– Wie die richtige Menge an Bakterien in Ihrem Darm dazu führt, dass die Häufigkeit von Allergien und Autoimmunerkrankungen verringert wird.
Hilfe für uns alle
Was ich noch anmerken möchte ist, dass dieses Buch, obwohl es die Autoimmunerkrankungen in den Vordergrund stellt, für jedermann eine Hilfe darstellt, der sich ein gesünderes, ausgeglicheneres Immunsystem wünscht. Die hier dargestellten Schritte haben meinen Asthma- und Allergiepatienten geholfen sowie Menschen, die das Gefühl haben, sich jede Erkältung einzufangen, mit der sie in Berührung kommen.
Heutzutage leiden mehr Menschen als jemals zuvor an Autoimmunerkrankungen, und diese geradezu epidemische Verbreitung ist zum Teil einer Umwelt geschuldet, die uns mit giftbelasteter Nahrung, Stress, chemischen Substanzen und Schwermetallen bombardiert. Und obwohl wir nicht unter einer Glasglocke leben können, können wir unsere Gesundheit schützen, indem wir bewusster werden und Veränderungen daran vornehmen, was Eingang in unser Heim, unsere Familie und unseren Körper findet. Jeder Einzelne von uns hat sowohl die Wahl als auch die Verantwortung, für sich zu sorgen.
Am wichtigsten ist es zu wissen, dass wir es sind, die bestimmen, was mit uns geschieht. Ja, die Diagnose Autoimmunerkrankung ist etwas, das man ernst nehmen muss. Aber sie bedeutet nicht „lebenslänglich“ und sollte auch nicht so behandelt werden. Sie brauchen nicht für den Rest Ihres Lebens Schmerzen zu haben oder kräftezehrende Medikamente zu nehmen. Sie können dafür sorgen, dass Ihr Immunsystem wieder gesund wird. Ich weiß das nicht nur, weil ich das bei vielen meiner Patienten gesehen, sondern auch, weil ich es selbst erlebt habe.
„Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln“ gibt Ihnen das Rüstzeug an die Hand, um einer Autoimmunerkrankung in erster Linie vorzubeugen, aber auch, um sie sogar rückgängig zu machen. Mein Ziel ist es, dass Sie beim Lesen dieses Buches erkennen: Autoimmunerkrankungen sind kein Schicksal und es gibt nachhaltige Lösungen jenseits einer lebenslangen Medikamenteneinnahme. Es gibt Hoffnung, und zwar derart, dass Sie – Sie selbst – für Ihre eigene Gesundung sorgen können. Und Sie sind dabei nicht allein. Ich bin hier und leite Sie auf diesem Weg an – also, worauf warten Sie noch?!
Laut der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde hat die „Grundlagenforschung der letzten zehn Jahre die Erforschung der Autoimmunität zu einem der vielversprechendsten neuen Gebiete für Entdeckungen“ gemacht.
Bevor Sie beginnen
Mir ist klar, dass dieses Buch eine ganze Menge fachlicher Informationen enthält, die überfordernd wirken können. Auch die Behandlungspläne verlangen viele Veränderungen von Ihnen, bezüglich Ihrer Ernährung und Ihres Lebens allgemein. Da kann schon mal das Gefühl aufkommen, dass Sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Holen Sie beim Lesen immer mal wieder tief Luft und schauen Sie zwischen den Bäumen hindurch – ich möchte nämlich, dass Sie den Wald sehen. Ich möchte, dass Sie wissen, dass es Alternativen ohne Medikamente gibt – Alternativen, die dazu beitragen können, dass Ihr Immunsystem wieder gesund wird. Und während Sie sich tatsächlich auf die „Bäume“ konzentrieren müssen – also auf die Einzelheiten eines jeden der vier Schritte in diesem Buch – verlieren Sie bitte nicht den Blick auf das Gesamtbild dessen, was wir zu erreichen versuchen: Ihren Körper von Grund auf gesund zu machen.
Ich verfolge mit diesem Buch drei Ziele. Erstens sollen Sie wissen, dass dieser Behandlungsansatz, der Ihr Immunsystem wieder ins Gleichgewicht bringt, von einer Fülle an wissenschaftlicher Literatur gestützt wird. Möglicherweise treffen Sie auf Ärzte, die mit der funktionellen Medizin und einigen der in diesem Buch angeführten Studien nicht vertraut sind. Doch bloß, weil Ihr Arzt diese Informationen nicht hat, heißt das nicht, dass sie falsch sind. Ich möchte Sie mit diesem Buch in die Lage versetzen, Ihre Gesundheit in die eigenen Hände zu nehmen. Ich möchte auch, dass Sie sich trauen, diese Informationen mit anderen zu teilen.
Zweitens möchte ich, dass Sie sich behandelt fühlen, als wären Sie ein Patient in meiner Praxis. Es gibt Millionen von Menschen wie Sie und natürlich können nicht alle zu mir in meine Praxis kommen. Daher habe ich ein Arbeitsbuch entwickelt. Es ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, sodass Sie es weglegen und später wieder aufnehmen können, um ganz in Ihrem eigenen Tempo damit zu arbeiten. Es gibt eine Menge zu tun, aber Sie brauchen das nicht alles in einer Woche oder einem Monat zu machen. Überfordern Sie sich nicht. Sie schaffen das. Und vergessen Sie nicht: Hilfe ist immer nahe. Sie können sich zum Beispiel um einen Arzt kümmern, der in funktioneller Medizin ausgebildet ist und Sie unterstützt, wenn das alles zu viel für Sie ist. Sie können – wenn Sie gut Englisch sprechen – aber auch Hilfe auf unserer Webseite bekommen. (Näheres finden Sie im Anhang.)
Drittens möchte ich Ihnen eine Botschaft der Hoffnung schicken. Es erfüllt mein Herz mit Freude Ihnen sagen zu können, dass Sie nicht kapitulieren und sich in ein Leben des chronischen Leidens und ständiger Medikamenteneinnahme ergeben müssen. Ich wünsche Ihnen allen aufrichtig, dass Sie sich auf einen Weg der Genesung begeben, wenn Sie alle die Veränderungen vornehmen, die – wie ich weiß – dazu beitragen werden, dass es Ihnen besser geht.
KAPITEL 1
Grundlagen
Ein gesundes Immunsystem
Zu Ihrem Immunsystem gehören verschiedene Gruppen von Zellen, die Sie vor Infektionen und Krankheiten schützen. Daher wird es oft als „Zellarmee“ bezeichnet. Jeden Tag tritt es in Aktion, wenn Sie Krankheitserregern wie Viren, Bakterien, Schimmelpilzen, Parasiten und Fremdproteinen in Nahrungsmitteln ausgesetzt sind. Dazu greift es auf viele verschiedene Arten von „Soldaten“ zurück, doch um eine Autoimmunerkrankung verstehen zu können, konzentrieren wir uns auf ein ganz bestimmtes „Bataillon“, die Lymphozyten. Sie gehören zu den Leukozyten (weißen Blutkörperchen), die verantwortlich dafür sind, Sie vor Erregern und damit zum Beispiel vor Infektionen zu schützen. Erledigen sie ihre Arbeit jedoch nicht richtig, sind die Lymphozyten diejenigen Zellen, die Autoimmunerkrankungen verursachen.
Es gibt zwei Arten von Lymphozyten. Da sind zum einen die T-Killerzellen, die alles direkt angreifen, was sie nicht kennen und als Eindringling wahrnehmen. Ich stelle mir diesen direkten Angriff wie einen Kampf von „Zellen gegen Zellen“ vor. Dann gibt es die B-Zellen. Sie bilden Antikörper, die auf alles zugreifen, das Ihr Immunsystem für fremd und gefährlich hält. Sobald sie den fremden Eindringling erwischt haben, leitet das Immunsystem eine größere Reaktion ein, die eine Entzündung verursacht. Hierbei werden neue Substanzen freigesetzt, die den Erreger angreifen, um ihn zu vernichten und aus dem Körper zu entfernen. Sie können sich die Antikörper als Kugeln vorstellen, die von den B-Zellen abgeschossen werden, um den Eindringling unschädlich zu machen. Beide Arten von „Soldaten“ des Immunsystems – die Antikörper produzierenden B-Zellen und die T-Killerzellen – setzen einen Prozess in Gang, der eine Entzündung im Körper zur Folge hat.
Obwohl dieser Prozess unterschiedlich beginnen kann, ist das Resultat, das Sie zu spüren bekommen, im Wesentlichen dasselbe. Ein kompetentes und gesundes Immunsystems zeigt sich vor allem dadurch, dass die T-Killerzellen und die Antikörper produzierenden B-Zellen im Gleichgewicht sind und es daher zu einer ausgeglichenen Immunreaktion kommt. Manchmal spüren Sie, dass etwas vor sich geht, wenn Ihr Immunsystem in Aktion tritt, und manchmal bemerken Sie es gar nicht, je nach Art des Erregers. Beispiele solcher Eindringlinge sind Bakterien und Viren. Bekommen Sie eine Nebenhöhlen- oder Ohrenentzündung, die bakteriell bedingt ist, dann merken Sie vielleicht an der verstopften Nase, den Ohrenschmerzen oder den Schmerzen im Bereich der Nebenhöhlen, dass Ihr Immunsystem arbeitet. Bei einem viral bedingten grippalen Infekt könnten Sie hohes Fieber haben. Diese Symptome kommen daher, dass Ihr Immunsystem versucht, die Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Es ist möglich, dass Sie stark reagieren und die Entzündung in den Muskeln spüren oder in den Gelenken wie bei einer Arthritis. All das sind Zeichen dafür, dass Ihr Immunsystem arbeitet, um die Infektion abzuwehren. Ist es stark, sollte dieser „Kampf“ nach einer oder höchstens zwei Wochen beendet sein. Ist die Sache erledigt, entspannt es sich wieder, kehrt zu seinem Status des Beobachtens und Wartens auf den nächsten Angreifer zurück, und die Entzündung klingt ab. Bei jemandem mit einem intakten Immunsystem ist das ein guter, normaler Prozess; wir brauchen dieser T-Killerzellen und die Antikörper, damit wir gesund bleiben.
Es gibt noch weitere Zellen, die wie die T-Killerzellen zu den T-Zellen gehören: Die T-Helferzellen und die regulatorischen T-Zellen leiten die Immunreaktion ein und beenden sie wieder – sie instruieren somit die T-Killerzellen und die B-Zellen für ihre Arbeit. Damit das Immunsystem nach der Erledigung der Aufgabe wieder richtig heruntergefahren werden kann, müssen die verschiedenen Arten der T-Zellen im Gleichgewicht sein. Auch dieses Gleichgewicht kennzeichnet ein gesundes Immunsystem.
Obwohl Ihr Immunsystem wachsam sein muss, um Sie vor Infektionen und Giftstoffen zu schützen, muss es ebenso sorgfältig darauf achten, die eigenen Gewebe nicht zu verletzen, indem es die körpereigenen Zellen irrtümlich für Eindringlinge hält. Im frühesten Stadium ihrer Entwicklung müssen die Immunzellen daher lernen, zwischen „körpereigen“, also einem natürlichen Bestandteil des Körpers, und „körperfremd“, einer nicht zum eigenen Körper gehörenden Substanz, zu unterscheiden. Diese Unterscheidungsfähigkeit bezeichnet man als Toleranz. Die Fähigkeit, nur Eindringliche anzugreifen und nicht die körpereigenen Strukturen, ist das dritte Kennzeichen eines gesunden Immunsystems.
Ein gesundes Immunsystem ist durch drei Dinge definiert:
1. Das Gleichgewicht zwischen T-Killerzellen und Antikörper produzierenden B-Zellen.
2. Das Gleichgewicht zwischen T-Helferzellen und regulatorischen T-Zellen, die das Immunsystem an- und abschalten.
3. Die Fähigkeit, zwischen Eindringlingen (wie Viren und Bakterien) und körpereigenen Strukturen (wie Zellen und Geweben) zu unterscheiden.
Wenn das Immunsystem aus den Fugen gerät
Ein Autoimmunproblem entsteht dann, wenn das Immunsystem in allen drei Bereichen scheitert. Dann beginnt der Körper, viel zu viele T-Killerzellen oder zu viele Antikörper zu bilden (das variiert je nach Autoimmunerkrankung und wird später eingehend besprochen) und kann dann nicht mehr abschalten, sodass die Immunreaktion nicht aufhört. Diese ersten beiden Probleme können auch bei Asthmatikern und Allergikern beobachtet werden, denn ihr Immunsystem zeigt eine Überreaktion auf Substanzen, die als Allergene bezeichnet werden: Symptome wie Giemen (Atemgeräusch, z. B. bei Asthma) und Schniefen sowie selbst das lebensbedrohliche Anschwellen der Zunge und die Enge im Hals werden durch die Immunreaktion, nicht durch das Allergen selbst verursacht. Doch was für diejenigen unter Ihnen, die von einer Autoimmunerkrankung betroffen sind, am wichtigsten ist: Die Immunzellen greifen Ihr eigenes Körpergewebe an, obwohl sie nur Eindringlinge von außen bekämpfen sollten. Nehmen Sie alle drei Probleme zusammen – und das Ergebnis ist eine Entzündung sowie eine Schädigung Ihrer Zellen und Organe.
Was versteht man unter Autoimmunerkrankungen?
Als „autoimmun“ bezeichnet man nicht eine (einzige) spezifische Krankheit, sondern eine ganze Gruppe von mindestens 100 Erkrankungen. Das mag verwirrend sein, zumal in Bezeichnungen wie Hashimoto-Thyreoiditis, rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom, Zöliakie und Multiple Sklerose, um nur einige zu nennen, das Wort „autoimmun“ gar nicht vorkommt. Das ist hier anders als bei den verschiedenen Krebserkrankungen, deren Namen sich immer zusammensetzt aus dem Wort „Krebs“ und dem Gebiet, in dem die malignen Tumoren zu finden sind (z. B. Brustkrebs oder Darmkrebs). Ohne das Wort „autoimmun“ im Namen hören sich die verschiedenen Autoimmunerkrankungen an, als wären sie ganz unterschiedliche Krankheiten. Das jedoch könnte gar nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein.
Ebenfalls verwirrend mag sein, dass die Namen der Autoimmunerkrankungen nichts darüber aussagen, wo sie im Körper lokalisiert sind. Viele autoimmune Zustände sind systemisch, das heißt, dass sie sich wie beispielsweise beim Lupus erythematodes über den ganzen Körper auf alle Gewebe ausbreiten können. Andere sind organspezifisch, hier richtet sich das Immunsystem gegen ein bestimmtes Gebiet oder Organ, zum Beispiel bei der Hashimoto-Thyreoiditis, die in der Schilddrüse auftritt. Auch der Morbus Basedow spielt sich in der Schilddrüse ab, die Multiple Sklerose hingegen im Gehirn und Rückenmark, die Weißfleckenkrankheit auf der Haut und die perniziöse Anämie in den Blutzellen. Die Namen sagen also meist wenig darüber aus, welches Organ erkrankt ist.
Obwohl die betroffenen Gebiete unterschiedlich sind, wissen wir jetzt, dass die zugrunde liegenden Probleme bei all diesen Erkrankungen sehr ähnlich sind. Tatsächlich hat sich der Fokus der neueren Forschung vom Blick auf die spezifischen, von der Erkrankung befallenen Organe hin zur Bestimmung der zugrunde liegenden Mechanismen ihrer Entstehung verlagert. Dieser Gedanke – dass alle diese Erkrankungen einen ähnlichen Ursprung haben – ist wichtig für unseren Ansatz, sie zu behandeln und zum Stillstand zu bringen. Mehr als 100 verschiedene Autoimmunerkrankungen haben ähnliche Merkmale. Sie alle sind schwerwiegende chronische Krankheiten, denen ein Problem im Immunsystem zugrunde liegt. Daneben haben sie auch die Entzündung gemeinsam, eine Reizung und Schwellung überall im Körper, auch im Gehirn. Die Entzündung kann zu einer breiten Palette von Symptomen führen, darunter Müdigkeit, Schwellungen, Muskel- oder Gelenkschmerzen, abdominale Beschwerden einschließlich Durchfall und Konzentrationsprobleme oder „Nebel im Gehirn“. Sie können aber auch einfach nur das vage, quälende Gefühl verursachen, dass irgendetwas nicht stimmt, selbst wenn Ihr Arzt nichts feststellen kann und der Meinung ist, dass Ihnen nichts fehlt.
Durch die Herangehensweise der funktionellen Medizin und die Konzentration auf die primäre Ursache der Fehlfunktion des Immunsystems ist es der Forschung gelungen, viele potenzielle Auslöser für diese Erkrankungen aufzudecken. (Ein Auslöser ist alles, was eine ungesunde Immunreaktion in Gang setzt.) Es hat sich gezeigt, dass viele Autoimmunerkrankungen durch ähnliche Dinge ausgelöst werden, zum Beispiel durch Gluten, Schwermetalle, Giftstoffe, Infektionen und Stress. Der Hauptunterschied zwischen den einzelnen Krankheitsbildern besteht darin, dass die Immunzellen Gewebe in verschiedenen Körperteilen ins Visier nehmen und angreifen. Im Wesentlichen gibt es zwischen den meisten Autoimmunerkrankungen aber mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Und noch etwas hat sich gezeigt: Die grundlegenden Systeme in Ordnung zu bringen – Ihre Ernährung, die Stresshormone, den Darm und die toxische Gesamtbelastung des Körpers – führt zu einer Gesundung des Immunsystems und hilft somit bei allen Autoimmunerkrankungen. Das ist der revolutionäre Ansatz, den ich in „Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln“ detailliert beschreibe, und der Grund dafür, warum das vorliegende Behandlungsprogramm alle Autoimmunerkrankungen zum Ziel hat und alle davon profitieren können.
Wie kommt es zu Autoimmunerkrankungen?
Nach Schätzungen der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde leiden bis zu 23,5 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner an einer Autoimmunerkrankung, Tendenz steigend. Infolge der jährlich steigenden Anzahl neuer Fälle haben sich viele Fachleute gefragt, wodurch Autoimmunerkrankungen verursacht werden. Herausgekommen sind viele Theorien, wie man eine Autoimmunerkrankung „bekommt“. Hier sind die Erklärungen, die durch die meisten Nachweise gestützt werden.
Potenzieller Auslöser: unsere moderne Ernährungsweise
Gluten
Die Landwirtschaft nutzt heute überwiegend gezüchtete Sorten von Mais, Soja, Weizen oder anderen Pflanzen, die besonders ertragreich sind. Nicht erst die Gentechnik, sondern auch die konventionelle Pflanzenzüchtung hat dabei die genetische Ausstattung unserer Nutzpflanzen über die Jahrzehnte mehr und mehr verändert. Ein Ergebnis solcher Veränderungen ist, dass der Gehalt an Proteinen (Eiweiße) deutlich gestiegen ist. Tierversuche haben ergeben, dass einige dieser Proteine für uns äußerst schwer verdaulich sind, wodurch es zu Symptomen kommt wie:
– Sodbrennen
– Refluxkrankheit
– Gasbildung
– Blähbauch nach dem Essen
Es gibt auch Nachweise dafür, dass diese Proteine Immunreaktionen im Darm verursachen, die die Entwicklung einer Autoimmunerkrankung fördern können. Das bedeutet, dass die Zellen Ihres Immunsystems geschädigt werden, sich dann fehlverhalten und das eigene Gewebe angreifen. Gluten ist ein Protein, das in Weizen, Gerste, Kamut und Dinkel (sowie in Roggen, Emmer, Einkorn und durch Verunreinigung unter Umständen in geringem Maße auch in Hafer; Anm. d. Übers.) vorkommt. Die genetische Veränderung hat zu einer höheren Konzentration von Gluten in den Getreiden geführt, die wir zu uns nehmen. Diese höhere Glutenkonzentration in unserer Nahrung wird mit einer Zunahme von Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten im Laufe der letzten Jahrzehnte in Verbindung gebracht. Warum ist das so? Weil Gluten ein relativ junger Bestandteil in unserer Ernährung ist.
Ursprünglich waren unsere Vorfahren Jäger und Sammler und ernährten sich von Tieren, Nüssen, Samen und Beeren und nicht von Getreide. Dann wurden sie – bezogen auf die gesamte Menschheitsgeschichte vor noch nicht allzu langer Zeit – sesshaft und begannen, Landwirtschaft zu betreiben, aßen, was zur jeweiligen Jahreszeit zur Verfügung stand. Der Vorteil dieser Ernährungsweise liegt darin, dass sich die Nahrungsmittel ständig abwechseln. Wenn Sie jedoch – wie heute üblich – ständig dasselbe essen, erhöht sich das Risiko einer allergischen Reaktion. Bei industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln, also solchen, die von der Nahrungsmittelindustrie so lange verändert werden, bis sie keine Ähnlichkeit mehr mit den natürlich gewachsenen haben, werden oft alle Ballaststoffe und viele Nährstoffe entfernt. Dieser Prozess dient der längeren Haltbarkeit und außerdem stehen auf diese Weise mehr Nahrungsmittel für mehr Menschen zur Verfügung; doch wir wissen inzwischen, dass diese Art der Ernährung nicht gesund ist. Heute essen viele Menschen zu den meisten Mahlzeiten Weißmehlprodukte und verzichten auf gesündere vollwertige Nahrungsmittel. Sinnvoller wäre es, sich von weitgehend naturbelassenen Vollwertprodukten zu ernähren.
Das Problem mit Gluten ist, dass es schwerverdaulich ist. Gelangen viele dieser relativ großen Partikel in den Blutstrom, schaltet das Immunsystem auf Alarm, es erkennt das Gluten als Fremdsubstanz und bildet Antikörper, um es abzuwehren. Diese Abwehr beschränkt sich aber nicht nur auf das Gluten, sondern betrifft fälschlicherweise auch unsere Gewebe. Das wird molekulare Mimikry genannt und ist einer der Gründe, warum man annimmt, dass Gluten Autoimmunerkrankungen verursacht. Diese molekulare Mimkry ist nicht glutenspezifisch, sie kann immer dann auftreten, wenn Ihr Immunsystem Ihr Gewebe irrtümlich für irgendeine Fremdsubstanz hält.
Der andere Grund, dass Nahrungsmittel Entzündungen und Autoimmunreaktionen auslösen können, wird Immunkomplexkrankheit genannt. Bleiben wir bei unserem Beispiel Gluten: Die Antikörper binden an das Gluten und bilden sogenannte Immunkomplexe, die im Körper umherwandern. Dies ist eine wichtige Methode des Körpers, mit Fremdsubstanzen umzugehen. Das Immunsystem braucht Immunkomplexe für seine normale Funktion und beseitigt sie normalerweise wieder aus dem Blut. Sind aber zu viele dieser Komplexe vorhanden, dann besiedeln sie verschiedene Organe und verursachen dort Entzündungen, Gewebeschäden und Autoimmunreaktionen. Es kann zu geschwollenen, schmerzhaften Gelenken kommen, und man nimmt an, dass das einer der Prozesse ist, durch den sich beispielsweise eine rheumatoide Arthritis entwickelt.
Heißt das, dass Gluten die Hauptursache für Ihre Autoimmunerkrankung ist? Bei manchen Menschen ja, bei anderen ist es ein wichtiges Teil des Puzzles. Ich mag den Vergleich mit einem Puzzle, denn Autoimmunerkrankung haben oft verschiedene Ursachen, und mein Ansatz ist es, mich immer nur mit einem Teil dieses Puzzles zu beschäftigen. Die vier Abschnitte dieses Buches entsprechen den größten und häufigsten Puzzleteilen. Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit der Ernährung, im zweiten kümmern Sie sich auch um Ihr Stressbewältigungssystem und im dritten sorgen sie für einen gesunden Darm (vergessen Sie nicht, dass dieser eine große Rolle spielt im Zusammenhang mit Gluten: Wäre Ihre Darmschranke in Ordnung, das heißt, hätten Sie keinen durchlässigen Darm, würde das Gluten allein Ihnen vielleicht gar keine Probleme bereiten). Der vierte Abschnitt des Buches schließlich soll sicherstellen, dass Sie nicht toxisch überbelastet sind. Wenn Sie sich mit allen diesen Teilen beschäftigen, ist Ihr Puzzle komplett und zeigt Ihnen ein Bild Ihres gesundheitlichen Zustands.
Ballaststoffe, Fett und Nährstoffe, die das Immunsystem unterstützen
Neben dem Gluten nehmen auch noch andere Bestandteile von Nahrungsmitteln Einfluss auf Ihr Immunsystem. So kann eine Ernährung mit einem hohen Anteil an tierischen Produkten wie Milchprodukte, Eier und Fleisch entzündungsfördernd wirken und die in Ihrem Verdauungstrakt beheimatete Flora aus dem Gleichgewicht bringen. Ballaststoffe und Gemüse hingegen sorgen für die bakterielle Balance im Darm und versorgen die Leber mit Nährstoffen, damit sie ihrer Aufgabe, Giftstoffe effektiv aus dem Körper zu entfernen, gerecht werden kann. (Wie Sie in Kapitel 11, dem Kapitel über die Leber, lesen werden, stellen Giftstoffe ebenfalls ein Risiko für Ihr Immunsystem dar.) Leider essen viele Menschen zu wenig Ballaststoffe und Gemüse, um von diesen Vorzügen zu profitieren.
Für ein gesundes Immunsystem muss Ihre Ernährung viele Nährstoffe enthalten, zum Beispiel Vitamin D, Vitamin A, Selen, Zink und gesunde Fette, um nur einige zu nennen. Leider sind sie in unseren heutigen Lebensmitteln oft nur unzureichend enthalten. Industriell verarbeitete Nahrungsmittel füllen uns zum Beispiel den Magen mit minderwertigen Fetten, die nicht nur dem Immunsystem schaden, sondern auch noch viele andere Probleme verursachen. Davon wird im nächsten Kapitel, dem Kapitel über Nahrung als Medizin, ausführlich die Rede sein.
Potenzieller Auslöser: chronischer Stress und Hormonschwankungen
Manche Menschen fühlen sich emotional nicht gestresst, aber sie lassen Mahlzeiten aus, schlafen zu wenig oder treiben exzessiv Sport. Solche Verhaltensweisen strapazieren Ihren Körper, der daraufhin das Stresshormon Cortisol aus den Nebennieren ausschüttet. Andere Menschen achten vielleicht gut auf ihren Körper, sind aber ängstlich, beunruhigt, aufgebracht oder deprimiert oder leiden unter einem schweren, dauerhaften emotionalen Trauma. Auch in diesen Fällen produzieren die Nebennieren Cortisol. Diese Organe sitzen wie kleine Kappen auf den Nieren und bilden die Stresshormone. Lassen Sie mich ganz deutlich sagen, dass nicht jeder Stress schlecht ist. In einer Notfallsituation sorgen Cortisol und Adrenalin dafür, dass Sie genügend Energie mobilisieren, um flüchten oder schnell Hilfe holen zu können. Vor einem wichtigen Gespräch erhalten Sie dadurch ebenfalls die Energie, um sich zu konzentrieren zu können.
Doch chronischer Stress bedeutet, dass Ihr Cortisolspiegel dauerhaft erhöht ist, und das kann Ihrem Immunsystem Schaden zufügen und eine Genesung verhindern. Chronischer Stress kann auch zur Ermüdung der Nebennieren führen; dann sind Ihre Nebennieren nicht mehr in der Lage, die für den „ordentlichen Betrieb“ des Körpers erforderlichen Hormone zu bilden, dazu gehören Adrenalin, DHEA (Dehydroepiandrosteron) und Testosteron. Die Folgen einer Nebennierenermüdung sind:
– unerklärliche Erschöpfung
– man ist morgens noch müde, obwohl man gut geschlafen hat
– Energieschub zwischen 16 und 18 Uhr
– Verlangen nach Süßem oder Salzigem
– niedriger Blutdruck
– niedriger Blutzuckerspiegel
– Reizbarkeit
Die Nebennierenermüdung (auch als Nebennierenerschöpfung oder adrenaler Burn-out bezeichnet) geht mit Entzündungen und Autoimmunerkrankungen einher, und gerade deshalb ist es wichtig, chronischen Stress in seinem Leben zu erkennen und besser damit umzugehen. Er kann sich nämlich auch negativ auf die Menge der „guten“ Darmbakterien auswirken, was wiederum die Ursache einer Autoimmunerkrankung sein kann. Stresshormone können auch dahinterstecken, wenn Sie ständig müde sind, oft krank werden, unter Arthritis leiden, eine unregelmäßige Menstruation haben, Ihre Wechseljahre als sehr schwierig erleben oder Probleme mit dem Abnehmen haben. Darum geht es ausführlich in Kapitel 5, dem Kapitel über Stress.
Potenzieller Auslöser: die gestörte Darmflora
Ihre Immunzellen, insbesondere die T-Killerzellen und die B-Zellen, stehen bei einem Autoimmunproblem im Zentrum des Geschehens. Denn wenn diese Zellen nicht richtig arbeiten, beginnt der Körper, sich selbst anzugreifen, und kann nicht mehr damit aufhören. Um diese Zellen in ihrer Funktion zu unterstützen, muss man wissen, wie sie sich entwickeln. Beim Erwachsenen werden sie im Knochenmark gebildet und wandern dann in den Thymus (ein kleines Organ hinter dem Brustbein), von dort in die Lymphknoten und in ein Gebiet, das als darmassoziiertes lymphatisches Gewebe bezeichnet wird (direkt unter der Darmschleimhaut, auch Darmimmunsystem genannt). Der Thymus war sehr aktiv, als Ihre Mutter noch mit Ihnen schwanger war, und als Sie zur Welt kamen, war er der „Hauptwohnsitz“ Ihrer Immunzellen. Während des Heranwachsens unterstützt der Thymus die Reifung und Entwicklung dieser Zellen immer noch, verliert jedoch nach und nach seine Aktivität.
Ihre Darmschleimhaut sollte „gute“ Bakterien enthalten (die bereits erwähnte Darmflora); sie sind wichtig, denn sie unterstützen die ordnungsgemäße Reifung Ihrer Immunzellen, da sie mit den Zellen in Ihrem Darmimmunsystem zusammenwirken. Gedeiht die Darmflora nicht gut, ist das Immunsystem störanfällig. Mehrere Faktoren können die (gesunde) Darmflora beeinflussen. Einer davon ist der bereits erwähnte Stress. Fünf weitere sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet: Antazida (das sind Mittel gegen die Übersäuerung des Magens), Schmerzmittel (mit dem Wirkstoff Ibuprofen), Antibiotika, Alkohol und tierische Nahrungsmittel. Diese Dinge verändern (zusammen mit Infektionen und etlichen Medikamenten) die Darmflora und schädigen die Barriere der Darmwand, sodass Nahrungspartikel die Darmschleimhaut und damit das Darmimmunsystem passieren und ins Blut gelangen. Dort erkennt sie das Immunsystem als Eindringlinge, entwickelt Antikörper und geht zum Angriff über. Infolgedessen kann es zu einer Reaktion auf ein Nahrungsmittel kommen, dass Sie Ihr Leben lang gegessen haben.
Die gesunde Darmflora hat eine weitere wichtige Aufgabe: Sie hilft den T-Killerzellen in der Darmschleimhaut sich zu entwickeln und „lehrt“ sie den Unterschied zwischen einer Fremdsubstanz (z. B. Bakterien oder Viren) und den körpereigenen Geweben. Daher gehört es zu den grundlegenden Dingen, für einen gesunden Darm zu sorgen, das heißt, die Darmflora so gesund wie nur irgend möglich zu erhalten, damit das Immunsystem intakt bleibt. Davon wird in Kapitel 8 noch ausführlich die Rede sein. Doch es ist bereits jetzt wichtig zu wissen, dass ein gesunder Darm entscheidend für ein ausgeglichenes und gut funktionierendes Immunsystem ist. Er kann dazu beitragen, Autoimmunerkrankungen vorzubeugen, und da das darmassoziierte Immunsystem eine so wichtige Rolle spielt, kann ein gesunder Darm auch potenziell dafür sorgen, dass Symptome zurückgehen und das Immunsystem ausheilt.
Potenzieller Auslöser: Giftstoffe
Ein Toxin oder Giftstoff ist jede Chemikalie aus der Umwelt, jedes Schwermetall oder jeder andere körperfremde Stoff, der eine schädliche Reaktion im Körper hervorruft. Dazu gehören beispielsweise auch die zum Teil gefährlichen Toxine, die viele Schimmelpilze bilden. Noch nie waren wir so vielen Umweltgiften ausgesetzt wie heute. Sie können sowohl unser Immunsystem als auch andere Körperzellen schädigen und zu Autoimmunerkrankungen führen. Tatsächlich ermittelte der Vierte Nationale Bericht der US-amerikanischen Seuchenschutzbehörde über die Einwirkung von Umweltchemikalien auf den Menschen 212 Chemikalien und stellte fest, dass alle im Blut und im Urin der meisten Amerikanerinnen und Amerikaner zu finden sind.1 Das überrascht nicht, da wir über unsere Nahrung, das Grundwasser und die Luft tagtäglich den Giftstoffen aus Industrie und Landwirtschaft ausgesetzt sind. In Bezug auf die Autoimmunerkrankungen haben wir es insbesondere mit jedem Toxin zu tun, das die chemische Struktur unserer DNS, ihrer genetischen Schwesterstruktur RNS (die unter anderem für die Übertragung genetischer Informationen und damit für die Proteinbildung zuständig ist; Anm. d. Übers.) sowie die Proteine in den Zellen verändert, denn dadurch kann eine Immunreaktion im Körper gefördert werden. Mit anderen Worten, das Toxin verändert die Gewebestruktur und bringt Ihren Körper dazu, das eigene Gewebe als Fremdsubstanz zu betrachten und anzugreifen.
Das in Bezug auf Autoimmunerkrankungen am besten untersuchte Toxin ist Quecksilber. (Bei den 212 im Bericht der Seuchenschutzbehörde vorgefundenen Toxinen rangierte es unter den Top Sechs). Quecksilber findet sich in den Amalgamfüllungen von Zähnen. Es wird aber auch als Nebenprodukt bei der Kohle- und Holzverbrennung zur Energiegewinnung sowie bei der Verbrennung von quecksilberhaltigem Material in die Atmosphäre freigesetzt. Da das schon seit vielen Jahrzehnten so geht, befindet sich das Quecksilber aus der Luft nun in unseren Böden, Flüssen und Meeren. Infolgedessen befindet es sich in vielen Fischen, die wir essen, zum Beispiel im Schwertfisch, Thunfisch und Streifenbarsch sowie in der Makrele. (Da die Quecksilberkonzentration innerhalb der Nahrungskette zunimmt, hat der größere Fisch, der den kleineren frisst, tendenziell den höchsten Quecksilbergehalt). In Studien wurde Quecksilber mit Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow, Lupus erythematodes und Multipler Sklerose in Verbindung gebracht. Es scheint, dass es zu den Toxinen gehört, die das Gewebe direkt schädigen, sodass dieses sich für das Immunsystem als Fremdsubstanz darstellt. Sie wissen bereits, dass das Immunsystem alles angreift, was es nicht erkennt. Daher ist es eins meiner wesentlichen Anliegen, dass Sie mithilfe dieses Buches Ihre potenzielle Toxinbelastung beurteilen und dann Maßnahmen ergreifen können, um möglichst viele Giftstoffe aus Ihrer Ernährung und Ihrer Umgebung zu vermeiden bzw. zu entfernen. Das ist Thema in Teil IV, „Unterstützen Sie Ihre Leber“.
Ein weiteres großes Problem bei einer zu hohen Toxinbelastung entsteht, wenn die Leber, unser Hauptentgiftungsorgan, mit ihrer Aufgabe, die Gifte zu entsorgen, nicht mehr fertig wird. Sie können sich das als Leberermüdung vorstellen. Die Leber verfügt über zahlreiche Entgiftungswege, das sind Enzymsysteme, die für die Ausleitung von Giftstoffen verantwortlich sind. Jedes davon erfordert spezifische Nährstoffe, und wenn es zu viele Toxine und nicht genügend Nährstoffe gibt, funktionieren die Enzyme nicht mehr, und die Toxine sammeln sich im Körper an. Die Leber ist auch für die Verarbeitung der vom Körper gebildeten Hormone zuständig. Ist sie aufgrund einer hohen Toxinbelastung erschöpft, tut sie sich auch mit der Verarbeitung der täglichen, im Stoffwechsel natürlich anfallenden Hormone und chemischen Substanzen schwer. Für den Abbau von Östrogen beispielsweise verfügt die Leber über spezielle Enzymsysteme. Sie sorgen normalerweise dafür, dass das Hormon verarbeitet und ordnungsgemäß aus dem Körper ausgeschieden wird. Steht die Leber jedoch unter Stress, sammelt sich das Östrogen an. Daraufhin bildet der Körper noch mehr Östrogen, das zu DNS-Schäden führen und eine Immunreaktion fördern kann. Tatsächlich nimmt man an, dass toxisches Östrogen eine wichtige Rolle bei Lupus erythematodes und rheumatoider Arthritis spielt. Wie Sie in Teil 4 erfahren werden, können spezielle Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel die Leber dabei unterstützen, Hormone, Toxine und andere chemische Substanzen effektiver abzubauen.
Potenzieller Auslöser: Infektionen
In etlichen Veröffentlichungen wird eine Verbindung zwischen Viren und Autoimmunerkrankungen hergestellt – diesen potenziellen Verknüpfungen werde ich mich später zuwenden. Die Lösung besteht in jedem Fall darin, nicht das Virus für das Problem verantwortlich zu machen. Wir alle haben Viren im Körper und es ist die Aufgabe unseres Immunsystems, sie in Schach zu halten. Damit meine ich, dass sie deaktiviert sein sollten, damit sie uns nicht krank machen können. Ist ein Virus jedoch aktiv, so bleibt das Immunsystem in erhöhter Alarmbereitschaft, und das bedeutet eine kontinuierliche Entzündung im Körper. In diesen Fällen sind die Symptome tendenziell sehr allgemein, man fühlt sich zum Beispiel aufgedunsen, steif und müde oder hat Schwierigkeiten beim Denken oder mit dem Erinnerungsvermögen. Sehr häufig kommt das beim Epstein-Barr-Virus vor, das das Pfeiffersche Drüsenfieber verursacht und mit einigen Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht wurde. Der Erreger persistiert lebenslang in Ihrem Körper, manchmal bleibt er unentdeckt, manchmal verursacht er Probleme. Viele meiner Patienten erzählen mir, dass sie sich seit der Erkrankung nie mehr so wie vorher gefühlt haben, und wenn ich dann einen Bluttest auf Epstein-Barr-Virus veranlasse, stelle ich oft fest, dass das Virus noch aktiv ist.
Es ist wichtig zu verstehen, warum es dem Immunsystem nicht gelungen ist, das Virus in Schach zu halten. Genau das werden wir mithilfe dieses Buches tun. Wir arbeiten daran, die Fundamente eines gesunden Immunsystems (Ernährung, Stressmanagement, Darmgesundheit und Reduzierung der Toxinbelastung) zu stärken und ins Gleichgewicht zu bringen. Das Ergebnis wird sein, dass Ihr Immunsystem in der Lage ist, Viren zu deaktivieren und somit zu verhindern, dass sie es ständig stimulieren.
Symptombehandlung versus Ursachenbekämpfung
Autoimmunerkrankungen sind in den Vereinigten Staaten inzwischen die am weitesten verbreiteten chronischen Krankheiten. Dennoch wird ihnen noch nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die ihnen zustehen würde. Ich glaube, dass sie deshalb als unterschiedliche Erkrankungen gelten. Der Endokrinologe bekommt die Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow zu Gesicht, der Rheumatologe diejenigen mit rheumatoider Arthritis und Lupus erythematodes, der Gastroenterologe die an Zöliakie Erkrankten und der Neurologe die MS-Patienten. Meiner Meinung nach verlangsamt sich dadurch auch der Fortschritt auf dem Gebiet der Ursachenforschung, infolgedessen gibt es keinen einheitlichen Therapieansatz und die Entwicklung von geeigneteren Methoden zur Behandlung der Ursachen kommt nicht voran.
Ein weiteres Problem ist, dass sich die meisten schulmedizinischen Behandlungen auf die medikamentöse Beherrschung der Symptome durch Blockade der Immunreaktion des Körpers konzentrieren. Das ist nicht immer erfolgreich und geht oft mit schwerwiegenden Nebenwirkungen einher. So können zum Beispiel Steroide wie Prednison zu Schlafstörungen, Gewichtszunahme, erhöhtem Blutdruck, Muskelschmerzen und Depressionen führen. Auch andere Medikamente werden zur Deaktivierung des Immunsystems eingesetzt und können sich noch schwerer auf den Verdauungstrakt auswirken und zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen verursachen, aber auch Fieber, Muskelschmerzen, Anämie (Blutarmut) und immer wiederkehrende Infektionen verursachen. Schäden an Leber, Lunge und Nieren können ebenfalls vorkommen. Da einige dieser Arzneimittel noch bis zu zwei Jahre nach ihrem Absetzen in Ihrem Körper verbleiben können, stellen sie ein Gefahrenpotenzial dar, wenn Sie in diesem Zeitraum schwanger werden. Dies ist ein ernsthaftes Problem, da in 75 Prozent der Fälle Frauen von Autoimmunerkrankungen betroffen werden. Diese Tatsache hat viele Forscher dazu bewogen, sich mit der Rolle der Geschlechtshormone bei der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen zu beschäftigen. Darüber wird noch ausführlich zu sprechen sein, wenn wir uns mit Stress und den Stresshormonen, der Entgiftung, dem Östrogenstoffwechsel in der Leber sowie mit dem Lupus erythematodes im letzten Kapitel beschäftigen.
Doch das größte Problem dieser Medikamente ist, dass sie nur die Symptome Ihrer Autoimmunerkrankung, nicht aber ihre Ursache behandeln. Die moderne Medizin bietet keine Erklärung dafür, warum Ihr Immunsystem nicht ordnungsgemäß arbeitet, und wenn Sie das nicht herausfinden, dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als sich mit den Symptomen zu arrangieren, anstatt die Krankheit vollständig auszuheilen.
Hat ein Schulmediziner den Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung, veranlasst er als Erstes einen Test auf antinukleäre, das heißt, gegen den Zellkern gerichtete Antikörper (ANA). Mit diesem Test wird nicht nach einer bestimmten Autoimmunerkrankung gesucht, er ist vielmehr ein allgemeiner Suchtest auf systemische Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes. Ihr Arzt könnte natürlich auch Tests auf verschiedene organspezifische Krankheiten wie Hashimoto oder Morbus Basedow machen lassen. Wie schon erwähnt, zielen die Antikörper in einem gesunden Immunsystem auf fremde Eindringlinge ab, die Infektionen und Krankheiten verursachen können, und greifen sie an. Entwickelt sich ein autoimmuner Zustand, richten sich die Antikörper gegen das eigene Gewebe und oft zeigen sich in den Labortests die antinukleären Antikörper als Erste. Ist der ANA-Test positiv, folgen spezifische Tests auf Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Sjögren-Syndrom, Sklerodermie, Mischkollagenose, Polymyositis (systemische entzündliche Erkrankung der Skelettmuskeln) oder Dermatomyositis (idiopathische Muskelerkrankung bzw. -entzündung mit Hautbeteiligung, idiopathisch bedeutet, dass keine klare Ursache erkennbar ist; Anm. d. Übers.). Fallen alle diese Tests negativ aus und lediglich Ihr ANA-Test ist positiv, wird die Diagnose Autoimmunerkrankung nicht gestellt. Zumindest noch nicht. Der schulmedizinische Ansatz ist hier, zu beobachten und zu warten, ob die Symptome schlechter werden und ein Test schließlich positiv ausfällt. Dies geschieht alles in der Erwartung, dass Sie eines Tages eine der spezifischen Erkrankungen entwickeln werden.
Dieses Beobachten, Abwarten und Nichtstun verstößt gegen alle Prinzipien sowohl der Präventivmedizin als auch der funktionellen Medizin, denn es gibt so vieles, was man tun kann, damit sich Autoimmunerkrankungen nicht voll ausprägen. Es zeigt sich, dass ein ANA-Test schon jahrelang positiv sein kann, bevor man eine dieser Erkrankungen entwickelt oder irgendwelche Symptome hat. Beispielsweise können Sie über viele Jahre hinweg Antikörper gegen die Schilddrüse haben, bevor Sie feststellen, dass es sich um ein Problem mit Ihrer Schilddrüsenfunktion handelt. Sie können viele Jahre eine Immunreaktion gegen Gluten haben, bevor Sie Anzeichen einer Zöliakie zeigen, wie beispielsweise eine Schädigung des Dünndarms. Mein Ziel und das der Präventiv- und der funktionellen Medizin ist es, die Antikörper früh abzufangen, herauszufinden, warum das Immunsystem nicht richtig funktioniert, und es dann in Ordnung zu bringen. So können wir die Aktivität der T-Killerzellen und der Antikörper herunterfahren und sie daran hindern, Gewebeschäden anzurichten und sich zu einem ausgeprägten Krankheitsbild zu entwickeln.
Sie wissen jetzt, dass Antikörper und T-Killerzellen wichtig sind im Einsatz gegen schädliche Bakterien, Viren oder Krebszellen. Sie sollen aber nicht unser eigenes, gesundes Gewebe angreifen, denn dadurch wird eine Kaskade von Schäden, Entzündungen und schließlich Funktionseinschränkungen in Gang gesetzt. Bei Menschen mit einer rheumatoiden Arthritis zum Beispiel können die Antikörper, die sich in den Gelenken ablagern, zu Deformationen in diesen Gelenken führen sowie Schmerzen und Funktionsstörungen verursachen. Beim Lupus erythematodes können die Antikörper die Endothelzellen, die die Blutgefäße auskleiden, angreifen und an diesen Stellen eine Störung der Blutzufuhr zu den Organen verursachen. (So kommt es bei Menschen mit einem Lupus erythematodes oft zu Nierenschäden.) Daher ist es von entscheidender Bedeutung, die Antikörper schon früh zu finden, bevor es Schäden in den Gelenken, den Blutgefäßen oder anderswo im Körper gibt. Es gibt Nachweise aus der Forschung, dass dies möglich ist, und ich weiß es ganz sicher, denn darin besteht mein Praxisalltag – und so habe ich mich selbst geheilt. Dieses Buch zeigt Ihnen wie.
Es gibt Hoffnung
Mit diesem Buch habe ich mir zum Ziel gesetzt, Ihnen eine Botschaft der Hoffnung zu bringen. Sie brauchen nicht dazusitzen und darauf zu warten, bis Sie eine Krankheit bekommen, die man verhindern kann. Und ebenso wenig brauchen Sie zu beobachten, wie sich Ihre Krankheit verschlechtert, und zu denken, dass man nichts dagegen tun kann. Auch wenn Ihre Diagnose bereits feststeht, ist es noch nicht zu spät. Es gibt sie, die Alternativen jenseits der lebenslangen verschreibungspflichtigen Medikamente. Und es ist mein Ziel, Ihnen zu helfen, dass Sie das erkennen. Mithilfe dieses Buches können Sie sich wieder gesund fühlen (Sie haben richtig gelesen, gesund!), und Ihre Krankheit kommt zum Stillstand.
Lassen Sie mich zuerst eines klarstellen. Ich bin nicht gegen Medikamente. Wenn Ihre Erkrankung wieder aufflackert, Ihre Symptome also schlechter werden, die Schmerzen zunehmen und Sie sich krank fühlen, können die schulmedizinischen Arzneimittel sehr hilfreich und notwendig sein. Ist die Krise aber überwunden, sollten Sie sich wieder auf die Ursache der Fehlsteuerung Ihres Immunsystems kümmern und dafür sorgen, dass es in Ordnung kommt. Die funktionelle Medizin ist keine Alternativbehandlung. Ich bin Ärztin, ich arbeite mit Schulmedizinern zusammen und behandle Patienten, auch wenn sie Medikamente einnehmen. Ich arbeite daran, das Fundament ihres Immunsystems in Ordnung zu bringen, sodass alle Symptome und Antikörper verschwinden. Wenn sie soweit sind, entscheiden ihr Arzt und ich gemeinsam, wie wir ihre Medikamente am besten ausschleichen können.
In diesem Buch stelle ich Ihnen meine vier Behandlungsprogramme zur Verfügung. Auch wenn Sie Arzneimittel für Ihre Autoimmunerkrankung einnehmen, können Sie diese Programme trotzdem umsetzen. Wenn Sie Bedenken haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Denken Sie immer daran, dass viele Vorschläge und Behandlungen in einer Veränderung der Lebensweise bestehen und nichts von Ihnen verlangt wird, was Ihnen oder Ihrem Arzt unangenehm sein könnte. Aber wenn Ihr Arzt mit einigen Dingen, die ich vorschlage, nicht vertraut ist, dann heißt das noch lange nicht, dass sie gefährlich sind und Ihnen schaden. Es heißt lediglich, dass er die Studien nicht gelesen und sich mit diesem Ansatz nicht beschäftigt hat. Lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen. Ich habe festgestellt, dass in meiner Umgebung viele Ärzte, die der funktionellen Medizin einmal skeptisch gegenüberstanden, mir nun bereitwillig Patienten schicken und mit mir zusammenarbeiten. Warum ist das so? Weil sie sehen, dass diese Methode große Vorzüge bei sehr geringem Risiko bietet. Ich vertrete sie leidenschaftlich, denn sie ist bezüglich der Ursache der Autoimmunproblematik wirklich ein logischer Behandlungsansatz. Sie geht über die bloße Symptomenbehandlung hinaus. Das bedeutet, dass es eine reale Hoffnung gibt, etwas, das wir tun können, um Ihnen zu helfen, Ihre Krankheit zu behandeln, zum Stillstand zu bringen oder zu verhindern.
Die häufigsten Autoimmunerkrankungen
Die häufigsten Autoimmunerkrankungen, die ich in meiner Praxis zu Gesicht bekomme, sind Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis, systemischer Lupus erythematodes (wie die formelle Bezeichnung lautet), Multiple Sklerose (MS), rheumatoide Arthritis, Sjögren-Syndrom und Zöliakie. Ich sehe auch andere Autoimmunerkrankungen wie die Glomerulonephritis (eine Nierenerkrankung), Diabetes mellitus Typ 1, perniziöse Anämie (Zerstörung der roten Blutkörperchen) und Vitiligo (Weißfleckenkrankheit der Haut). Für unseren Zweck konzentriere ich mich auf die sieben Autoimmunerkrankungen, die mir am häufigsten begegnen. Ich gebe Ihnen Informationen über Hintergründe, die Symptome und die wichtigsten Tests, die man bei einem Verdacht machen lassen sollte. Aber vergessen Sie nicht, dass es eigentlich keine Rolle spielt, ob Ihre Erkrankung auf dieser Liste steht oder nicht. Wenn Sie an einer Autoimmunerkrankung leiden, müssen Sie in jedem Fall Ihre grundlegenden Systeme in Ordnung bringen.
Zöliakie
Diese Krankheit – beim Erwachsenen auch Sprue genannt – wird durch eine Allergie auf Gluten verursacht und ist durch die Zerstörung der mikroskopisch kleinen, fingerartigen, Villi genannten Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut gekennzeichnet. Sie können einer Belastung durch Gluten schon viele Jahre ausgesetzt sein, bevor die Villi zerstört werden und ein Labor bestätigt, dass Sie an Zöliakie leiden, doch in der Zwischenzeit, also vor der Diagnosestellung, kann das Gluten noch andere verdauungsbedingte und autoimmune Probleme verursachen. Zöliakie wurde zur bekanntesten Autoimmunerkrankung, weil sehr viele Menschen glutenempfindlich geworden sind.
Symptome der Zöliakie
Gluten kann außer im Darm auch noch in anderen Organen eine Autoimmunerkrankung verursachen, daher gibt es eine breite Symptomenpalette von Taubheit und Kribbeln in den Extremitäten bis zu Müdigkeit durch eine Schilddrüsenunterfunktion. Einige häufige Symptome sind:
● Arthritis
● allgemeine, eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit, „Nebel im Gehirn“
● allgemeine Müdigkeit
● Verdauungsstörungen wie Durchfälle, Gasbildung und Blähbauch nach dem Essen sowie Sodbrennen
● Anämie
Tests, die Sie bei Ihrem Arzt oder Behandler anfordern sollten
Über die Art und Weise, wie eine Zöliakie zu diagnostizieren ist, herrscht eine Menge Verwirrung. Gastroenterologen stellen diese Diagnose nur nach einer Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe), die eine Schädigung der Villi im Dünndarm zeigt. Das ist sehr restriktiv, denn Sie könnten über Jahrzehnte hinweg eine stumme (oder asymptomatische) Zöliakie haben, bevor dieser Test positiv ist. Bitten Sie Ihren Arzt stattdessen, einen Anti-Gliadin-Antikörpertest und einen Test auf Antikörper gegen desaminiertes Gliadin zu veranlassen. Diese Tests sind empfindlicher beim Aufspüren einer Glutenallergie und können viele Jahre positiv sein, bevor Ihr Dünndarm geschädigt wird. Sind sie positiv, ist das ein Zeichen dafür, dass irgendwo in Ihrem Körper ein Autoimmunangriff stattfindet. In diesem Fall sollten Sie davon ausgehen, dass Sie eine Zöliakie in einem sehr frühen Stadium haben, die Ihren Darm noch nicht geschädigt hat, aber doch schon eine Menge Schaden in Ihrem Körper anrichtet und sich eventuell als Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow, Multiple Sklerose oder eine andere Autoimmunerkrankung zeigt.
Und um die Verwirrung noch ein bisschen größer zu machen: Wenn alle die obigen Tests negativ sind, kann bei Ihnen trotzdem eine Glutenempfindlichkeit vorliegen. Denn alle diese Tests sind nur für die Entdeckung der Zöliakie konzipiert, Gluten kann aber auch andere Autoimmunerkrankungen verursachen. Wenn Sie also eine Autoimmunerkrankung haben – egal welche und nicht unbedingt eine Zöliakie –, dann ist es gut, diese Tests machen zu lassen. Fallen sie aber negativ aus, sollten Sie aufgrund der Forschungsarbeiten, die eine Verbindung zwischen Gluten und vielen anderen Autoimmunerkrankungen zeigen, trotzdem glutenfrei leben.
Morbus Basedow
Zum Morbus Basedow kommt es, wenn Ihr Körper Antikörper bildet, die Ihre Schilddrüse stimulieren und sie zur Freisetzung einer großen Menge des Hormons Thyroxin (auch unter dem Namen T4 bekannt) veranlassen. Diesen Zustand nennt man Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion).
Symptome von Morbus Basedow
– Gewichtsabnahme
– hoher Puls
– hervortretende Augäpfel
– Schlafstörungen
– Wärmeempfindlichkeit bzw. Schwitzen
– Ruhelosigkeit
– Durchfälle
– Reizbarkeit
– Herzrasen
Tests, die Sie bei Ihrem Arzt oder Behandler anfordern sollten
– Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH)
– freies T4
– freies T3
– TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK)
Diese Testergebnisse würden Sie erwarten, wenn Sie an Morbus Basedow leiden:
– TSH ist niedrig, typischerweise unter 0,5 mlU/l, oft niedriger oder unter der Wahrnehmungsschwelle.
– Freies T4 ist erhöht, meist über 2,5 ng/dl.
– Freies T3 könnte normal sein, ist aber meist über 4,0 pg/ml.
– TSH-Rezeptor-Antikörper ist positiv; ist er negativ, haben Sie keinen Morbus Basedow.
Dieses Muster ist ein Beispiel dafür, wie die Werte bei einem klassischen Fall von Morbus Basedow aussehen. Manchmal liegt jedoch nur ein Wert außerhalb des Normbereichs, zum Beispiel ein hohes freies T4 bei normalem TSH. Das ist ein Zeichen, dass Sie das Problem früh erwischt haben und dies der perfekte Zeitpunkt für die vier Schritte in diesem Buch ist, um das Problem zu stoppen, bevor die Krankheit ausbricht.
Hashimoto-Thyreoiditis
Sie wird auch chronische Autoimmunthyreoiditis genannt und ist die häufigste Autoimmunerkrankung. Dabei dringen die Immunzellen in die Schilddrüse ein und verursachen eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion). In der Frühphase der Erkrankung funktioniert die Schilddrüse noch ziemlich gut, wenn Ihr Arzt also nur TSH überprüft und die Antikörper nicht bestimmt hat, könnten die Frühformen der Krankheit übersehen werden. Das ist bedauerlich, denn die Frühphase ist die perfekte Gelegenheit, die Antikörper zu stoppen und Schaden an der Schilddrüse zu vermeiden. Hält der Immunangriff zu lange an, kann die Schilddrüse dauerhaft geschädigt werden; dann ist eine lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormon erforderlich.
Symptome der Hashimoto Thyreoiditis
– Vergrößerte Schilddrüse (Kropf)
– bei aktiver Entzündung der Schilddrüse gelegentlich Halsschmerzen
– Müdigkeit
– Haarausfall
– Gewichtszunahme
Tests, die Sie bei Ihrem Arzt oder Behandler anfordern sollten
– TSH
– freies T4
– freies T3
– Antithyreoglobulin und antithyreoidale Peroxidase
Diese Testergebnisse würden Sie erwarten, wenn Sie an einer
Hashimoto-Thyreoiditis leiden:
– Einer Ihrer Antikörperspiegel ist erhöht, entweder die antithyreoidale Peroxidase oder das Antithyreoglobulin. Sind beide normal, haben Sie keine Hashimoto-Thyreoiditis.
– TSH, freies T4 und freies T3: Sind diese Werte normal, haben Sie keine Schilddrüsenunterfunktion. Bei der Frühform von Hashimoto können Sie jedoch die Autoimmunerkrankung haben und trotzdem die richtige Menge Hormone bilden. Das ist der perfekte Zeitpunkt für die vier Schritte in diesem Buch, denn Sie haben das Problem früh entdeckt, während es noch umkehrbar ist und die Schilddrüse vor Schaden bewahrt werden kann. Hier sind die Werte, die ich als Normwerte für die Suchtests vorschlage:
● TSH < 3,0 mU/l
● freies T4 > 1,0 ng/dl
● freies T3 > 2,6 pg/ml
– Ist TSH über 3,0 oder das freie T4 unter 1,0 und das freie T3 unter 2,6, könnten dies die ersten Zeichen einer Schädigung Ihrer Schilddrüse durch die Autoimmunerkrankung sein. Sie können mit Ihrem Arzt besprechen, ob es gut wäre, sich ein Schilddrüsenhormonpräparat verschreiben zu lassen.
In Kapitel 14 gehe ich näher auf die Behandlung der Hashimoto-Krankheit ein.
Lupus erythematodes
Der systemische Lupus erythematodes, so der offizielle Name, betrifft mehr Gewebe im Körper als andere Autoimmunerkrankungen, weil der Körper hier Antikörper gegen die eigene DNS bildet. Da jede Zelle unseres Körpers DNS enthält, kann diese Erkrankung letztendlich den ganzen Körper erfassen. Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen können die Folgen sein. Dabei können die Symptome kommen und gehen, denn die Krankheit verläuft oft zyklisch, das heißt, sie geht zeitweise in Remission und ist dann wieder aktiv. Leider erkranken viele Lupus-Patienten sehr schwer. Viele sterben, weil die kleinen Blutgefäße ebenfalls betroffen sind und die Krankheit in alle Organe tragen, auch in Nieren und Herz. An Lupus erythematodes erkranken mehr Frauen als Männer, insbesondere zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, was Forscher zu der Annahme führte, dass Östrogen bei der Verursachung oder Auslösung der Krankheit eine Rolle spielt. Mehr dazu erkläre ich in Kapitel 11.
Symptome von Lupus erythematodes
– Müdigkeit
– Muskelschmerzen und Schwächegefühl
– Fieber während des Schubs
– Symptome, die für das betroffene Organ spezifisch sind, wie zum Beispiel Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen und Atembeschwerden
– Schmetterlingsförmige Ausbreitung einer Rötung über Wangen und Nase, die nach Sonneneinstrahlung erscheint
– Haarausfall (aber keine Kahlheit)
– nicht schmerzhafte Geschwüre an Mund oder Nase
– kälte- oder emotional bedingter Wechsel der Hautfarbe an den Fingern und Füßen
Tests, die Sie bei Ihrem Arzt oder Behandler anfordern sollten
– antinukleäre Antikörper (ANA)
– Antiphospholipid-Antikörper
– Antikörper der doppelsträngigen DNS
– Antikörper gegen Smith-Antigene
Der ANA-Test ist der erste Suchtest für Lupus erythematodes. Wie bereits erklärt, bedeutet ein positiver Test nicht, dass Sie daran erkrankt sind, es sei denn, einer der anderen drei Tests ist ebenfalls positiv.
Multiple Sklerose
Alle Nerven Ihres Körpers sind von einer schützenden Hülle aus Myelin umgeben. Bei MS-Patienten ist das Myelin im Gehirn und im Rückenmark jedoch geschädigt. Diesen Schaden nennt man Sklerose. An MS erkranken vorwiegend Frauen nordeuropäischer Abstammung im gebärfähigen Alter. Meist kommt es zu Beginn zu einer Störung im Zentralnervensystem, zum Beispiel zu einer Entzündung des Sehnervs. Dabei kommt es zu Augenschmerzen, die bei Augenbewegungen, egal in welche Richtung, schlimmer werden. Manchmal verschwinden die Symptome von allein. Jedes Mal, wenn sie wiederkehren, spricht man von einem Schub oder Symptomenschub.
Symptome der Multiplen Sklerose
– Augenschmerzen
– Taubheit, Prickeln oder nadelstichartige Sensationen überall im Körper, die länger als zwei Wochen bestehen
– Schwellungen an den Gliedmaßen oder am Rumpf
– intensiver Juckreiz, insbesondere im Bereich des Nackens
Tests, die Sie bei Ihrem Arzt oder Behandler anfordern sollten
Für MS stehen keine Antikörpertests zur Verfügung. Die Diagnose wird aufgrund der im Magnetresonanztomogramm (MRT) sichtbaren Läsionen im Gehirn oder Rückenmark gestellt. Bitte beachten Sie, dass diese Diagnose nur dann gestellt wird, wenn es zweimal zu neurologischen Symptomen gekommen oder ein zweiter Schub aufgetreten ist, der im Gehirn oder Rückenmark eine zweite Läsion hinterlassen hat. Ein einmaliger Schub, der sich nie mehr wiederholt, wird nicht als MS betrachtet.
Rheumatoide Arthritis
Wenn Sie unter Arthritis leiden, ist die Unterscheidung zwischen den Symptomen einer rheumatoiden Arthritis (RA) und den häufigen Arthroseschmerzen und Schwellungen, die altersbedingt oder nach einer Verletzung auftreten können, oft schwer. Zu einer RA kommt es, wenn die Immunzellen die eigenen Gelenke befallen und Gewebeschäden, Entzündungen und Schmerzen verursachen. Sie ist eine ganz spezielle Form der Arthritis, und manchmal besteht die einzige Möglichkeit herauszufinden, welche Form der Arthritis man hat, darin, dass man sich den weiter unten folgenden Bluttests unterzieht.
Symptome der rheumatoiden Arthritis
– Muskelschmerzen
– Müdigkeit
– leichtes Fieber
– Gewichtsabnahme
– Depressionen
– Morgensteifigkeit, die über sechs Wochen hinweg mindestens eine Stunde lang anhält
– Schwellungen an drei oder mehr Gelenken über mindestens sechs Wochen
– symmetrische Gelenkschwellung
– Knoten oder Beulen unter der Haut und über einem betroffenen Gelenk
Tests, die Sie bei Ihrem Arzt oder Behandler anfordern sollten
– Röntgenbild der Hand
– Bluttests auf ANA, Rheumafaktor (RF) und auf Antikörper gegen das cyklische citrullinierte Peptid (Anti-CCP)
– Bluttests auf Entzündungen: Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und hochsensitives C-reaktives Protein (hs-CRP, auch Cardio-CRP genannt)
Diese Bluttests sollten Sie alle machen lassen, denn sie klären, ob Sie eine rheumatoide Arthritis haben. Es ist möglich, dass der ANA-Test positiv ist und alle anderen Tests negativ ausfallen. In diesem Fall leiden Sie nicht unter einer rheumatoiden Arthritis. Das Gegenteil kann aber auch der Fall sein: Sie können RA haben, weil Ihre Rheumafaktoren oder das Anti-CCP positiv sind, der ANA-Test aber negativ ist. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit und das hochsensitive CRP sind Indikatoren für die Anzahl der Entzündungsherde; sie helfen, das Aufflammen der Erkrankung zu überwachen.
Sjögren-Syndrom
Das Sjögren-Syndrom, das allein oder in Verbindung mit rheumatoider Arthritis auftreten kann, ist ein Angriff auf die Schleim produzierenden Drüsen, der eine verminderte Sekretion zur Folge hat. Oft wird das zum ersten Mal an den Speicheldrüsen im Mund und an den Tränendrüsen wahrgenommen. Neunzig Prozent der Patienten sind weiblich.
Symptome des Sjögren-Syndroms
– Trockener Mund und trockene Augen
– Scheidentrockenheit, Trockenheit der Haut, der Lunge, der Nebenhöhlen und des Verdauungstrakts
– Müdigkeit
– Gelenkschmerzen
– Muskelschmerzen
– Störung der geistigen Leistungsfähigkeit
Tests, die Sie bei Ihrem Arzt oder Behandler anfordern sollten
– ANA, SSA- und SSB(La)-Antikörper (SSA/B = Sjögren-Syndrom A/B)
Erhöhte Spiegel von SSA- oder SSB-Antikörpern sind Diagnosekriterien für das Sjögren-Syndrom.
Symptome, die man ernst nehmen muss
Es folgt eine Checkliste von Symptomen häufiger Autoimmunerkrankungen. Wenn Sie einige der schräggedruckten bei sich feststellen, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen und sich auf die von mir erwähnten Erkrankungen testen lassen. Die anderen Symptome (in Normaldruck) in den Listen sind nicht spezifisch, das heißt, sie können außer von Autoimmunerkrankungen von vielen anderen Dingen verursacht werden. Haben Sie vier oder mehr der nicht spezifischen Symptome und sie stimmen alle mit einem Krankheitsbild überein, dann sollten Sie den vorgeschlagenen Test oder einen ANA-Suchtest machen lassen. Passen alle Ihre Symptome zum Beispiel zu Lupus erythematodes, doch Sie haben keine spezifischen Lupus-Symptome, sollten Sie sich trotzdem testen lassen. Das ist sehr wichtig, denn bei vielen dieser Krankheitsbilder sind nicht die Symptome, sondern die Laborergebnisse für die Diagnose entscheidend. Ich habe dieser Checkliste noch weitere Autoimmunerkrankungen hinzugefügt, denn sie sind ziemlich leicht zu identifizieren und zu testen.
Allgemeine Symptome
– Müdigkeit: alle Autoimmunerkrankungen
– allgemeines Missbehagen, Unwohlsein oder Krankheitsgefühl: alle Autoimmunerkrankungen
– Schlafstörungen: Morbus Basedow
Fieber/Körpertemperatur
– Fieber ohne bestehende virale oder andere Infektion oder andauerndes Hitzegefühl: Lupus erythematodes, Morbus Basedow (Schilddrüsenüberfunktion), Zöliakie, Sjögren-Syndrom
– Hitzegefühl, wenn andere frieren: Morbus Basedow (Schilddrüsenüberfunktion)
– Frieren, wenn anderen heiß ist: Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenunterfunktion)
Haare
– Haarausfall, meist stellenweise oder kreisrund: Alopecia areata (die Bestätigung der Diagnose erfolgt durch die Untersuchung; einen Bluttest gibt es nicht)
– Verlust der gesamten Körperbehaarung: Alopecia universalis (die Bestätigung der Diagnose erfolgt durch die Untersuchung; einen Bluttest gibt es nicht)
– Ausdünnen des Haars oder allgemeiner Haarverlust: Zöliakie, Lupus erythematodes, Hashimoto-Thyreoiditis
Haut
– Trockene Haut: Hashimoto-Thyreoiditis
– Es kommt schnell zur Hämatombildung („blaue Flecken“): Zöliakie
– Hautjucken: Zöliakie
– Schmetterlingsförmiger Ausschlag über den Wangen und dem Nasenrücken, meist rot und von meist unebener Struktur (aber keine Pickel), der an der Sonne schlimmer wird: sehr konkret bei Lupus erythematodes
– Haut, die gegenüber der Sonne empfindlich ist: Lupus
– allgemeiner Ausschlag überall am Körper: Lupus
– Finger, die sich bei Kälte verfärben: Raynaud-Phänomen, Lupus
– Knoten oder Beulen unter der Haut, meist an den Händen oder Füßen: rheumatoide Arthritis
– Verdickung der Haut: Sklerodermie
– Verlust der Hautpigmentation in fleckigen Mustern überall am Körper: Vitiligo (Weißfleckenkrankheit; die Bestätigung der Diagnose erfolgt durch die Untersuchung; einen Bluttest gibt es nicht)
Augen
– Veränderungen des Sehvermögens: Lupus, MS
– trockene, juckende Augen oder das Gefühl, als ob etwas im Auge wäre: Sjögren-Syndrom, rheumatoide Arthritis
– Doppelbilder, Augenbeschwerden, Nystagmus (unkontrollierbare Augenbewegungen): MS
Hals, Nacken, Stimme und Mund
– Geschwollene Drüsen (Lymphknoten): Lupus, Sjögren-Syndrom
– Kropfbildung durch eine vergrößerte Schilddrüse: Hashimoto Thyreoiditis
– wunde Stellen im Mund oder Geschwüre: Lupus, Zöliakie, Sjögren-Syndrom
– Schluck- oder Sprechstörungen: Sjögren-Syndrom, MS
– Verlust des Geschmackssinns: Sjögren-Syndrom
– Heiserkeit: Sjögren-Syndrom
– trockener Mund: Sjögren-Syndrom, rheumatoide Arthritis
– übermäßiger Durst: Diabetes mellitus Typ 1
Muskeln, Gelenke und Sehnen
– Gelenkschmerzen oder Gelenkschwellungen: rheumatoide Arthritis, Sjögren-Syndrom
– Morgensteifigkeit, die länger als eine Stunde anhält: rheumatoide Arthritis
– Schmerzen und Empfindlichkeit des ganzen Körpers: Sjögren-Syndrom, Lupus
– Muskelschwäche: Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow, MS
– Muskelkrämpfe und Gelenkschmerzen: Zöliakie
– Muskelspasmen und Muskelzucken: MS
Veränderungen des Gewichts
– Unerklärliche Gewichtsabnahme: Morbus Basedow, Zöliakie, Lupus, Diabetes mellitus Typ 1
– unerklärliche Gewichtszunahme: Hashimoto-Thyreoiditis, Glutenempfindlichkeit (keine Zöliakie), Diabetes mellitus Typ 1
Verdauung
– Verstopfung: Hashimoto-Thyreoiditis, Zöliakie, MS
– Leibschmerzen: Zöliakie, Lupus
– Blähbauch, Gasbildung oder Verdauungsstörungen: Zöliakie
– Durchfälle, ständig oder wechselnd: Zöliakie
– Übelkeit und Erbrechen: Zöliakie, Lupus, Morbus Basedow
– Stühle, die „schwimmen“ und faulig riechen, blutig oder „fettig“ sind: Malabsorption durch Zöliakie
Stimmung und Denkweise
– Schwierigkeiten mit der Konzentration: Hashimoto-Thyreoiditis, MS, Morbus Basedow
– Depressionen: Zöliakie, MS
– Reizbarkeit oder Angstzustände: Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis
Gleichgewicht und neurologische Symptome
– Taubheit und/oder Kribbeln in den Extremitäten: Lupus, MS, Zöliakie, Diabetes mellitus Typ 1
– Kopfschmerzen: Lupus
– Krampfanfälle: Lupus, Zöliakie
– Probleme beim Laufen, Verlust des Gleichgewichts, der Koordination: MS
– Tremor (Zittern): MS, Morbus Basedow
– Benommenheit, Schwindel: MS
Das öffentliche Interesse an Autoimmunerkrankungen ist sehr groß, und die Menschen fordern mehr Informationen. Der Beweis dafür ist, dass die häufigsten Gesundheitsthemen der Menschen, die in der Abteilung für Gesundheit und Dienstleistungen des Nationalen Informationszentrums für die Gesundheit der Frau anrufen, Autoimmunerkrankungen und Störungen des Immunsystems sind.
Teil 1
KAPITEL 2
Nahrung als Medizin
Wussten Sie eigentlich, dass die in Ihrer Nahrung enthaltenen Substanzen Ihren Zellen „mitteilen“, wie sie sich zu verhalten haben? Sollen die Zellen eine Entzündung hervorrufen? Sollen die Immunzellen eine Infektion in Ihrem Körper abwehren? Dieser Prozess der Identifikation und Instruktion wird Nutrigenomik genannt und zeigt, wie eng die Ernährungsweise mit der Gesundheit zusammenhängen. Nahrung ist also Information, sie kommuniziert mit dem Körper auf der Zellebene und vermittelt ihm, was er ebenso gut oder besser kann als die Medizin. Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass verschreibungspflichtige Medikamente nur bei etwa 50–60 Prozent der Menschen optimal anschlagen. Obwohl wir gerade erst richtig zu verstehen beginnen, warum ein Arzneimittel bei einem Menschen wirkt und bei einem anderen nicht, ist uns natürlich klar, dass jeder Mensch biochemisch und genetisch unterschiedlich ausgestattet ist. Dies gilt auch für Nahrungsmittel und Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Deshalb reagieren wir auf das gleiche Nahrungsmittel nicht alle auf dieselbe Weise.
In diesem Kapitel werden Sie entdecken, warum es auf die Nahrung ankommt. Sie werden lernen, wie die Ursache Ihrer biochemischen Individualität zu bewerten und zu verstehen ist, und ich werde Ihnen zeigen, wie Sie diese Informationen nutzen können, um Ihren ganz persönlichen Ernährungsplan zu kreieren. Dazu werden wir Ihre Familiengeschichte und Ihre genetische Ausstattung erforschen und Nahrungsmittellisten erstellen, mit denen sich Ihre biochemischen Prozesse und die Gene positiv beeinflussen lassen. Wir werden feststellen, welche Nahrungsmittel eventuell Ihre Autoimmunerkrankung auslösen, und Möglichkeiten finden, sie aus dem Speiseplan zu streichen.
Dieses Prozedere hat in Bezug auf Autoimmunerkrankungen und auch hinsichtlich ihrer allgemeinen Gesundheit bei meinen Patienten eine Menge bewirkt. Durch eine Umstellung der Ernährung konnten wir zum Beispiel eine Patientin, Ilise, von ihrer rheumatoiden Arthritis befreien. Als erstes wurde Gluten aus ihrer Ernährung gestrichen. Sie werden feststellen, dass ich das bei den meisten meiner Patienten so mache, und zwar aus gutem Grund. Innerhalb von Tagen verschwanden dadurch Ilises Gelenk- und Muskelschmerzen; innerhalb von sechs Monaten nach Beginn der glutenfreien Ernährung waren alle ihre Laborwerte normal (d.h. sie hatte keine krankheitsspezifischen Rheumafaktoren mehr). Das Gluten war ganz klar der Übeltäter (oder zumindest der hauptsächliche), denn jedes Mal, wenn sie etwas Glutenhaltiges aß, konnte sie am nächsten Morgen kaum laufen.
Die meisten Menschen betrachten Nahrung entweder als „gut“ oder „schlecht“. Sätze wie „heute ging es mir gut“ oder „heute ging es mir schlecht“ haben Sie ganz sicher schon gehört oder im Zusammenhang mit etwas, das Sie gegessen haben, sogar selbst gesagt. Viele Menschen glauben, dass sich der Einfluss unserer Nahrung lediglich auf das Gewicht beschränkt, darauf, ob wir zu- oder abnehmen. Aber weiter von der Wahrheit entfernt könnte man gar nicht sein. Nahrung ist wesentlich mehr als die enthaltenen Kalorien. Was Sie essen, wirkt sich gewaltig auf Ihre Gesundheit aus und darauf, wie es Ihnen jeden Tag geht. Auch der Einfluss darauf, wie viele Entzündungsprozesses im Körper ablaufen, ist nicht zu unterschätzen.
Was ist eine Entzündung?
Diesen Begriff benutze ich in diesem Buch häufig, denn wir erkennen zunehmend wie eng Entzündungen und viele schwerwiegende Erkrankungen miteinander verbunden sind. Was also ist eine Entzündung? Hat sie einen Zweck? Irgendeinen Nutzen? Mit Entzündung wird die Freisetzung chemischer Stoffe und Botenstoffe im Körper beschrieben, die innerliche Reizungen und Schwellungen hervorrufen. Normalerweise ist das ein guter Prozess, der die Reaktion des Körpers auf einen Keim oder eine Verletzung unterstützt. Dauert er jedoch zu lange oder gerät durch einen sehr hohen Spiegel dieser sogenannten Entzündungsmediatoren außer Kontrolle, kann dadurch die normale Zellfunktion beeinträchtigt und Gewebe geschädigt werden. Solche Botenstoffe können beispielsweise Ihre Fettzellen davon abhalten, ihre Speicher zu leeren. Das ist ganz offenbar nicht gut und verhindert, dass Sie abnehmen. Entzündungsmediatoren können auch die Wände Ihrer Blutgefäße beschädigen und damit das Risiko von Plaques, Atherosklerose, Herzkrankheiten und Bluthochdruck erhöhen. Und sie können das Immunsystem stimulieren, sodass die Immunzellen immer mehr Substanzen ausschütten.
Das ist einer der Gründe, warum es so wichtig ist herauszufinden, welche Nahrungsmittel für Ihre individuellen biochemischen Prozesse am besten geeignet sind. Wir müssen sicherstellen, dass Sie nichts Entzündungsförderndes zu sich nehmen. Sobald Sie sich daran halten, geht es Ihnen besser und Sie stärken Ihr Immunsystem, Sie tun ihm also einen Gefallen. Es kommt zu weniger Entzündungsherden im Körper und das kann weniger Gelenkschmerzen, weniger Kopfschmerzen und die Befreiung von lästigen Magenproblemen bedeuten. Und auch wenn es in diesem Buch nicht ums Abnehmen geht, wenn Sie Ihre idealen Nahrungsmittel herausfinden, unterstützen Sie die optimale Funktion Ihres Stoffwechsels und werden wahrscheinlich ganz nebenbei einige Pfunde verlieren.
Nahrung hat eine Funktion
Diesen Ernährungsansatz nennt man „Nahrung als Medizin“. Und tatsächlich reicht die Funktion, die die Nahrung im Körper hat, weit über die reine Kalorienaufnahme hinaus. Zum Beispiel glauben manche Menschen, dass 100 Kalorien immer dieselbe Wirkung haben, egal von welchem Nahrungsmittel sie stammen. Doch 100 Kalorien eines Apfels und 100 Kalorien eines Gebäcks verhalten sich völlig unterschiedlich, sobald sie in Ihr System gelangen. Der Apfel enthält Nährstoffe, die Ihre Zellen zum Sprühen bringen, zum Beispiel viel Quercetin. Es gehört zu den Flavonoiden, die sich unter anderem als entzündungshemmend und antiallergisch erwiesen haben. Das Gebäck ist jedoch voller Zucker und Fett, die eine Kaskade an Reaktionen hervorrufen, an deren Ende eine Entzündung steht – und wenn Zucker in Ihrer Ernährung einen wesentlichen Stellenwert hat, können schwerwiegende Krankheiten die Folge sein. Wir haben also hier einen Apfel mit entzündungshemmendem Quercetin, dort ein Gebäck mit entzündungsförderndem Zucker. Wofür sollten Sie sich entscheiden? Auch wenn Sie die Antwort schon vorher kannten, hoffe ich, dass Sie verstehen, worauf ich hinaus will: Sie sollten Ihre Nahrung danach auswählen, welchen Einfluss sie auf Ihre Zellen ausübt und nicht nur danach, wie viele Kalorien sie hat.
In diesem Kapitel erkläre ich Ihnen die Gedanken und Konzepte, die hinter „Nahrung als Medizin“ stehen und was wir über den Zusammenhang zwischen Nahrung und Autoimmunerkrankungen wissen. In den beiden folgenden Kapiteln, dem Praxis- und dem Rezeptteil, helfe ich Ihnen zu entdecken, was die Einzigartigkeit Ihres Körpers ausmacht, und leite Sie bei der Auswahl der für Ihr Immunsystem richtigen Nahrungsmittel an.
Meine Patientin Ilise erwähnte ich schon. Nachdem sie Gluten von ihrem Speiseplan strich, konnte sie zum ersten Mal seit fünf Jahren jeden Morgen ohne Schmerzen aufstehen. Doch immer, wenn sie Glutenhaltiges aß, bekam sie extreme Schmerzen und konnte sich nicht bewegen. Zweifellos hat das Gluten in ihrem Körper etwas bewirkt, das weit über die Kalorien hinausgeht! Und nicht nur bei ihr. Empfindlichkeiten, Unverträglichkeiten und Allergien auf Gluten sind heutzutage mehr denn je auf dem Vormarsch. An dieser Stelle wäre eine sehr gute Gelegenheit, Ihnen eine entsprechende Statistik zu präsentieren, die diesen Vormarsch veranschaulicht, doch gegenwärtig gibt es keine anerkannten Verfahren, um solche Werte zu bestimmen. Dennoch sprechen die Regale der Lebensmittelgeschäfte eine eindeutige Sprache, denn immer mehr Produkte werden mit dem Hinweis „glutenfrei“ beworben. Tatsächlich wurden Schätzungen zufolge 2010 weltweit glutenfreie Produkte für mehr als 2,5 Milliarden Dollar (knapp 2 Milliarden Euro) verkauft.1
Entzündungsfördernde Nahrungsmittel
Es gibt viele Nahrungsmittel, die Entzündungen im Körper verursachen können. Im Laufe dieses Kapitels werden die Auswirkungen von Zucker und Fetten beschrieben und die Unverträglichkeiten gegenüber Nahrungsmitteln erklärt. Behalten Sie vorläufig bitte im Gedächtnis, dass jedes Nahrungsmittel, nicht nur Gluten, potenziell eine Immunreaktion auslösen kann, Gluten ist jedoch bei Autoimmunerkrankungen besonders wichtig. Es sind die einzelnen Bestandteile der Nahrungsmittel, die wie eine Information für den Körper fungieren und auf die er reagiert. Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist es das Protein, das im Nahrungsmittel enthaltene Eiweiß, das Ihrem Immunsystem die Informationen liefert. Wenn Sie die Produkte mit den problematischen Inhaltsstoffen aus Ihrem Speiseplan streichen, kann das oft schon zu einer Beruhigung mancher oder sogar aller Ihre Symptome führen, egal welche es sind. Ich beobachte das in meiner Praxis laufend und ein besseres Beispiel dafür, Nahrung (oder das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel) als Medizin zu nutzen, kann es gar nicht geben. Natürlich bietet die Nahrung dem Körper auch nützliche Informationen, zum Beispiel wie er seine Heil- und Reparaturkräfte einsetzen und wie er optimal funktionieren kann.
Im Praxiskapitel, das auf dieses Kapitel folgt, zeige ich Ihnen, wie Sie herausfinden, auf welche Nahrungsmittel Sie reagieren. Das ist der allererste Schritt, um eine Autoimmunerkrankung zum Stillstand zu bringen. Das Spannende daran ist, dass Sie das ganz einfach selbst tun können, der Einfluss auf Ihre Gesundheit und darauf, wie Sie sich fühlen, kann enorm sein.
„Diät“ ist ein Schimpfwort
Was das Abnehmen betrifft, so gibt es eine schier endlose Palette von Programmen und Diäten auf dem Markt. Manche klingen trendig und schick, funktionieren aber gar nicht, andere dagegen sind erfolgreich. In Bezug auf diese Programme müssen Sie sich unbedingt klarmachen, dass Sie zwar vielleicht abnehmen, dass sich dadurch aber Ihre biochemischen Prozesse nicht unbedingt ändern und auch die Entzündungen im Inneren nicht gehemmt werden. Verstehen Sie mich nicht falsch, Abnehmen hat enorm positive Auswirkungen und senkt Ihr Risiko für viele chronische Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herzkrankheiten erheblich. Es gibt auch einige Abnehmprogramme, die tatsächlich gut für Ihr Inneres sind, obwohl das gar nicht ihr eigentliches Ziel ist. Wenn Sie also eine Diät oder ein Ernährungsprogramm gefunden haben, das bei Ihnen funktioniert, dann ist das großartig. Sie können die Informationen, die Sie von mir bekommen, mit dem kombinieren, was Sie bereits tun.
Der dauerhafte Erfolg aller Diät- oder Ernährungsprogramme – und darin ähneln sie sich alle – hängt davon ab, wie aufmerksam Sie gegenüber der Wahl Ihrer täglichen Nahrungsmittel (und Ihres Bewegungsprogramms) werden. Die meisten Menschen essen gedankenlos, schütten literweise Limonade in sich hinein, knabbern bei Besprechungen an Donuts und besorgen sich eine komplette Mahlzeit beim Drive-in des nächsten Fast-Food-Restaurants, ohne aus dem Auto auszusteigen. Viele sind sich dessen überhaupt nicht bewusst, als litten sie unter Nahrungsmittelamnesie, und so essen Sie einfach den ganzen Tag immer irgendwas. Das führt nicht nur dazu, dass Sie zunehmen, das kann Sie auch krank machen. Sobald Sie darauf achten, werden Ihnen alle Ihre schlechten Angewohnheiten bewusst – und das ist der erste Schritt zu einer Änderung der Lebensweise. Wenn Sie zum Beispiel beginnen, sich zu beobachten, fällt es Ihnen vielleicht auf, dass Sie zu viel Zuckerhaltiges trinken, spät abends noch zu viel Gebäck essen und fast ins Brotkörbchen hineinfallen. Erst wenn Sie diese Gewohnheiten feststellen, können Sie etwas tun, um das zu ändern. (Eine hilfreiche Übung zum aufmerksamen Essen gibt es im Praxiskapitel.)
Ich bitte alle meine Patienten beim Erstbesuch, mir zu sagen, was sie am Tag zuvor gegessen haben. Ob Sie es glauben oder nicht, von allen Dingen, die wir während der ganzen Zeit besprechen, ist das in der Regel für die meisten Menschen die schwierigste Frage! Probieren Sie es selbst aus. Können Sie sich daran erinnern, was Sie gestern gegessen haben? Und vor zwei Tagen? Bewusstheit und achtsames Essen sind der erste Schritt eines jeden Ernährungsprogramms, ganz egal, was Sie erreichen wollen. Um abzunehmen, ist dieser Schritt wichtig, für Ihre Autoimmunerkrankung und für die Gesundheit im Allgemeinen ist er sogar von entscheidender Bedeutung.
Nahrung ist Information
Was meine ich damit, wenn ich sage, Nahrung sei Information? Wie bereits erwähnt, steuern die Nahrungsmittel, die Sie zu sich nehmen, das Verhalten Ihrer Zellen, indem sie die Art und Weise der Enzymtätigkeit in den Zellen verändern. Zucker zum Beispiel macht eine ganze Menge mehr als nur Kalorien zu liefern – und zwar leere Kalorien ohne jegliche Nährstoffe. Er lässt den Blutzuckerspiegel (die Blutglukose oder einfach nur Glukose), nach oben schießen. Das führt zu einem spürbaren Energiehoch – auf das aber ein heftiger Energieabfall folgt. Außerdem bindet sich der Zucker an die Körperzellen und leitet Veränderungen ein, die tief innen in diesen Zellen, im Zellkern, ihren Anfang nehmen. Dort werden nämlich die Gene zur Bildung von mehr entzündungsfördernden Enzymen aktiviert.
Ganz tief in jeder Zelle Ihres Körpers befindet sich das vollständige „Buch Ihres Lebens“, Ihr gesamter genetischer Code. In jeder einzelnen Zelle befindet sich ein kompletter Satz Ihrer Gene. Stellen Sie sich Ihre Gene als ein Buch mit sehr vielen Kapiteln vor, aus dem immer nur einige Kapitel gelesen werden. In Ihrer Leber wird das Leberkapitel gelesen, in Ihrer Zunge das Zungenkapitel und in Ihrem Herzen dasjenige über das Herz. Die Gene, die für diese Zellen codieren, werden aktiviert und steuern die gesamte Aktivität der entsprechenden Zellen, damit diese ihre Arbeit richtig machen. Während Sie sich noch im Mutterleib entwickeln, sind manche dieser Kapitel aktiviert, andere sind abgeschaltet, zum Beispiel damit eine bestimmte Zelle zu einer Leber- oder einer Herzzelle wird. Später gibt es viele Kapitel, die nicht derart festgelegt sind, sie können vielmehr geöffnet und gelesen oder geschlossen und ignoriert werden. Ein großartiges Beispiel ist, wie Ihre Zellen auf Resveratrol, einem Inhaltsstoff des Rotweins bzw. roter Trauben, reagieren. Studien haben ergeben, dass Resveratrol direkt in Ihre Zellen und zwar geradewegs in den Zellkern wandert, um dort ein sogenanntes „Langlebigkeitsgen“ anzuschalten. Daraufhin werden Enzyme gebildet, die das Leben der Zelle verlängern. Sie können sich dieses Gen als eines der Kapitel der Zelle vorstellen, das ohne Resveratrol ungelesen bliebe.
Daher ist Nahrung Information, die Ihr Immunsystem hochwirksam aktivieren kann – auf eine Weise, die seine Arbeit optimiert, oder auf eine Weise, die Autoimmunerkrankungen fördert. Kehren wir zu meinem Beispiel vom Zuckerkonsum zurück. Wenn Zucker an die Oberfläche einer beliebigen Körperzelle bindet, setzt er eine Kettenreaktion in Gang, die zu Enzymveränderungen in der Zelle führt und sie zur Bildung von allen möglichen Entzündungsmediatoren veranlasst. Passiert das täglich und über einen langen Zeitraum, kann Sie das krank machen, etwa wenn Sie jeden Tag zum Frühstück Donuts essen und zwei Teelöffel Zucker in Ihren Kaffee rühren. „Sündigen“ Sie nur gelegentlich auf diese Weise, verschwindet die Entzündung rasch wieder.
Dieses Konzept wird Nutrigenomik genannt. Inzwischen gibt es wissenschaftliche Fachzeitschriften, die sich ganz diesem Forschungsgebiet verschrieben haben. Wenn Sie den Begriff aufschlüsseln, können Sie sehen, dass er tatsächlich ein Kunstwort ist, um den Gedanken zu transportieren, dass die Nahrung, die Sie zu sich nehmen (Nutri-), die Aktivität Ihrer Gene (-genomik) beeinflusst. Die Nahrung nimmt demnach Einfluss darauf, welche Gene aktiviert werden, die Gene steuern die Enzymaktivität und die Enzyme wiederum bestimmen, wie eine Zelle, ein Gewebe oder ein Organ funktioniert. Ich bin jedes Mal frustriert, wenn mir jemand erklärt, er ernähre sich „gut“, weil er auf kalorienreduzierte Kekse in extra kleinen Packungen zurückgreift. Damit mag er tatsächlich weniger Kalorien zu sich nehmen, aber die Zutaten, einschließlich Zucker und trans-Fette, fordern die Zellen zu Entzündungen auf und lassen den Körper an Gewicht zulegen. Wenn Sie stattdessen eine Handvoll Mandeln essen, sorgen die enthaltenen nützlichen Fette dafür, dass Ihre Zellen die Entzündungen eindämmen. (Und wir wissen, dass Entzündungen die treibende Kraft hinter allen chronischen Krankheiten, auch den Autoimmunerkrankungen, sind.)
All das beweist eindrucksvoll, dass das Sprichwort „du bist, was du isst“ der Wahrheit sehr nahe kommt. Alles, was Sie essen, wird verdaut, resorbiert und mit dem Blut umhertransportiert, bis es schließlich sein Ziel, die Zellen zu ernähren, erreicht. Daher wird jede einzelne Körperzelle durch Ihre Art der Ernährung beeinflusst. Im Falle des Immunsystems haben dessen Zellen regelrecht die Aufgabe, mit allem in Kontakt zu treten, was in den Körper gelangt, daher hat die Ernährung einen so wichtigen Einfluss auf alle Menschen mit einer Immunstörung.
Befassen wir uns nun mit den Nahrungsmitteln, die aus Ihrem Speiseplan gestrichen werden müssen, weil sie Ihrem Immunsystem potenziell schaden. Danach sehen wir uns diejenigen an, die Ihnen wirklich guttun, bei denen es wissenschaftlich erwiesen ist, dass sie die Immunfunktion und das immunologische Gleichgewicht unterstützen, insbesondere bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen.
Vom Speiseplan zu streichende Nahrungsmittel
Welche Nahrungsmittelbestandteile verursachen Probleme?
Jedes Nahrungsmittel besteht aus Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten, dazu kommen Vitamine und Mineralstoffe in unterschiedlichen Mengen. Pflanzen enthalten zudem sogenannten Phytonährstoffe, das sind hochwirksame Stimulanzien der Zellfunktionen. Oft sind auch noch ein paar „böse Jungs“ per Anhalter in unserer Nahrung unterwegs, zum Beispiel Schimmel, Bakterien, Parasiten, Rückstände von Pestiziden im Obst und Gemüse sowie Antibiotika und Hormone in tierischen Nahrungsmitteln; davon wird in Kapitel 11 noch die Rede sein.
Befassen wir uns zuerst mit den Proteinen, denn die haben einen erheblichen Einfluss auf unser Immunsystem. Proteine kommen in jedem Nahrungsmittel vor, im Obst und Gemüse weniger, in tierischen Produkten wie Eiern und Fleisch mehr. Viele Ihrer Körpergewebe bestehen ebenfalls zum Großteil aus Proteinen, deshalb müssen Sie genügend mit der Nahrung aufnehmen, um das „Rohmaterial“ für die täglichen Reparaturarbeiten Ihres Körpers parat zu haben. (Eine Faustregel für die empfohlene tägliche Proteinmenge ist ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.)
Die Bausteine des Proteins sind die miteinander verknüpften Aminosäuren. Es gibt insgesamt 20 Aminosäuren, von denen neun als essenziell gelten, weil sie mit der Nahrung aufgenommen werden müssen – im Gegensatz zu denjenigen, die der Körper selbst bildet. Ein Protein wird aber nicht nur durch die Zusammensetzung seiner Aminosäuren charakterisiert, sondern auch durch die dreidimensionale Struktur, die diese Aminosäuren bilden. Anhand dieser Erkennungsmerkmale bemühen sich Ihre Immunzellen zu bestimmen, ob es sich bei einem Protein um „Freund oder Feind“ handelt. Mit anderen Worten, Ihre Immunzellen sind ständig damit beschäftigt, die Proteine zu analysieren, aus denen Ihre Körpergewebe bestehen und die Sie mit der Nahrung zu sich nehmen.
Jedes Bakterium, jedes Virus hat ein bestimmtes Aminosäuremuster auf seiner äußeren Oberfläche, das wie ein „Namensschild“ fungiert. Ihre Immunzellen lesen diese Namensschilder, speichern die Erinnerung daran und halten immer aufmerksam Ausschau nach bekannten Fremdlingen. Genau dieses Überwachungssystem hält uns gesund. Auch alle körpereigenen Gewebe haben solche Namensschilder, denn auch sie enthalten Proteine. Wie Sie bereits wissen, sollte Ihr Immunsystem das eigene Gewebe nicht angreifen, Bakterien, Pilze, Viren und andere Krankheitserreger aber erkennen und bekämpfen. Die Probleme beginnen, wenn Ihr Immunsystem einen Fehler macht und die Namensschilder falsch liest. Dann kann es passieren, dass ein an sich harmloses Nahrungsmittel als Eindringling bewertet wird und einen Fehlalarm auslöst. So entstehen Unverträglichkeiten oder gar Allergien.
Leiden Sie unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Normalerweise ist die Nahrung bereits gut verdaut, wenn sie den Abschnitt des Dünndarms erreicht, wo sie resorbiert wird. Bis dahin wurde sie in sehr kleine Partikel aufgespalten und auch die Namensschilder sind bereits gut verdaut, sodass sie nicht mehr zu erkennen sind. In diesem Fall kommt es nicht zu einer Immunreaktion. Sind die Stücke jedoch noch groß, können die Immunzellen die Namensschilder (also die Reihenfolge der Aminosäuren) lesen. Daher ist eine gute Verdauungsleistung so wichtig, und daher erhöht die Einnahme von Antazida (Medikamente, die die Magensäure neutralisieren) und Protonenpumpenhemmern (Medikamente, die die Magensäuresekretion hemmen) das Risiko, gegenüber Nahrungsmitteln empfindlich zu werden und eine Nahrungsmittelunverträglichkeit zu entwickeln. (Darum geht es ausführlich in Kapitel 8, „Unterstützen Sie den Darm“). Solange Ihre Darmschleimhaut stark und gesund ist, bildet sie eine Barriere, die die Immunzellen auf der einen Seite und die Nahrung auf der anderen voneinander getrennt hält. Die Probleme beginnen, wenn die Barriere nicht intakt ist, sodass große Nahrungspartikel mit unbekannten Namensschildern durchsickern können. Dann treffen sie auf die Immunzellen auf der anderen Seite. Die Immunzellen erkennen, dass es sich um „Eindringlinge“ handelt, und signalisieren Ihrem Körper, dass er reagieren soll. Dieses Phänomen nennt man Leaky-Gut-Syndrom (der Darm ist „leck“), Menschen jeden Alters können auf diese Weise Allergien und Unverträglichkeiten entwickeln. Das Prinzip und wie es in Ordnung zu bringen ist, besprechen wir in Kapitel 8. Ich erwähne es hier, weil ich einfach erklären möchte, wie Nahrungsproteine zu einem Problem für Ihr Immunsystem werden können.
Man nimmt an, dass Nahrungsmittel durch verschiedene Mechanismen überall im Körper Entzündungen verursachen können. Zum einen können Sie eine Nahrungsmittelallergie entwickeln, dabei bildet Ihr Immunsystem Antikörper gegen das Nahrungsmittel. Es gibt vier verschiedene Arten von Antikörpern, in unserem Zusammenhang sind zwei davon am wichtigsten. Wenn Sie zum Allergologen gehen, untersucht er Sie auf IgE-Antikörper, das sind diejenigen, die Nesselsucht, das Anschwellen der Zunge oder Atemnot verursachen. Manche Nahrungsmittelallergien verursachen aber eher die Bildung von IgG-Antikörper, die Ihr Arzt eventuell nicht testen wird. Sie spielen eine Rolle bei der Bildung von Immunkomplexerkrankungen. Dabei gelangen Nahrungspartikel in den Blutstrom, Ihr Immunsystem bildet daraufhin Antikörper, die sich daran anhängen und einen Antigen-Antikörper-Komplex bilden (siehe Kapitel 1). Da diese Komplexe groß sind, können sie sich in Ihren Geweben festsetzen und lokale Entzündungsreaktionen und andere Schäden anrichten, die in einen noch größeren Immunangriff auf das Gewebe münden. Ihre Gelenke sind für Ablagerungen von Immunkomplexen sehr anfällig, und man nimmt an, dass diese zu den hauptsächlichen Mechanismen bei der Entwicklung der rheumatoiden Arthritis gehören.
Empirische Daten lassen vermuten, dass alle Menschen mit einer Autoimmunerkrankung ein Leaky-Gut-Syndrom haben, daher besteht die Wahrscheinlichkeit, dass auch Sie auf Nahrungsmittel reagieren. Ich werde Ihnen dabei helfen, die diejenigen zu finden und auszusondern, die Probleme verursachen. Jede Art von Symptom aufgrund von Nahrungsmitteln wird als Empfindlichkeit oder Unverträglichkeit bezeichnet und so kann es durch Nahrungsmittel zu Entzündungen kommen. Unverträglichkeiten sind zwar keine „echten“ Allergien, da sie oft nicht durch einen Bluttest zu verifizieren sind, aber sie sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Ohne Bluttest richte ich mich danach, ob ein Nahrungsmittel Symptome verursacht wie Müdigkeit, das Gefühl des Aufgedunsenseins und der Steifigkeit im ganzen Körper, Konzentrationsprobleme, Gelenk- oder Muskelschmerzen und alle möglichen Verdauungsprobleme wie Sodbrennen, Gasbildung und einen Blähbauch nach dem Essen, Durchfälle oder Verstopfung. Der einfachste Weg herauszufinden, ob Sie auf ein bestimmtes Nahrungsmittel reagieren, ist, es drei Wochen lang zu meiden, es dann wieder zu sich zu nehmen und genau darauf zu achten, wie sich Ihr Körper verhält. Im Praxiskapitel helfe ich Ihnen dabei.
Im Fokus: Gluten
Es ist zwar möglich, dass für Ihre Symptome mehrere Nahrungsmittel verantwortlich sind; bei Autoimmunerkrankungen gilt jedoch: Das wichtigste, mit dem man sich befassen muss, ist das Gluten. Gluten ist ein Protein, das in Weizen, Roggen, Kamut und Dinkel vorkommt (aber auch in Grünkern, Gerste und den alten Weizensorten Emmer und Einkorn; Anm. d. Übers.). Hafer enthält normalerweise kein Gluten, kann jedoch verunreinigt sein und dann doch Gluten enthalten, es sei denn, auf dem Etikett steht ausdrücklich „glutenfrei“; Reis, Quinoa, Buchweizen, Hirse und Amaranth enthalten normalerweise ebenfalls kein Gluten. Gluten ist ein Gemisch aus mehreren Proteinen, hauptsächlich Gliadin und Glutenin. Diese Proteine tragen verschiedene „Namensschilder“, sodass Ihr Immunsystem sofort erkennt, was Sie zu sich nehmen.
Ich werde oft gefragt, warum heutzutage Gluten ein größeres Problem darstellt als je zuvor und warum es vielen Menschen so schlecht geht, wenn sie es zu sich nehmen. Darauf gibt es zwei Antworten. Erstens ist die Glutenmenge in unserer Nahrung heute größer denn je und zweitens – wenn es Ihnen geht wie den meisten Menschen – herrscht Chaos in Ihrem Verdauungssystem, dadurch gelangt nur teilweise verdautes Gluten durch die Darmwand und damit ins Blut, wo es in Ihrem Körper „Amok läuft“. (Darüber wird in Kapitel 8 noch ausführlich zu sprechen sein.) Warum gibt es heutzutage mehr Gluten? Wie in Kapitel 1 beschrieben habe, nimmt die Nutzung von hochgezüchtetem Weizen zu. Dabei ist ein hoher Glutengehalt sogar ein Züchtungsziel, denn dieses Klebereiweiß verbessert die Backeigenschaften. Hinzu kommt, dass wir täglich mehrere Portionen Weizenmehlprodukte zu uns nehmen, und damit jeden Tag auch hochkonzentriertes Gluten.
Ist Gluten etwas also Neues? In gewissen Sinne ja. In der Steinzeit, die den größten Anteil der Geschichte der Menschheit auf der Erde ausmacht, waren die Menschen Jäger und Sammler. Das bedeutet, sie aßen, was sie töten oder sammeln konnten, etwa Tiere, Nüsse, grüne Blätter, Samen und Beeren. Daran war der Körper gewöhnt. Als die Landwirtschaft aufkam, aßen die Menschen weiterhin, was es zur jeweiligen Jahreszeit gab, und wechselten mit Getreiden und Feldfrüchten ab. Doch die Landwirtschaft weitete sich aus, und die Menschen lernten, Feldfrüchte zu verarbeiten und zu lagern. Dadurch wurde es leichter, Weizen das ganze Jahr über und in großen Mengen zu essen. Damals aß man noch die alten Weizenarten (Einkorn und Emmer), deren Gene und Gluten sich vom heutigen Weizen unterschieden. Neulich las ich ein Buch von Dr. med. William Davis, „Die Weizenwampe – Warum Weizen dick und krank macht“. Es ist eine faszinierende und detaillierte Chronik, wie sich der Weizen im Laufe der Zeit veränderte. Laut Dr. Davis begann diese Veränderung schon 1943, als der Weizen in dem irrigen Bemühen, den Hunger auf der Welt zu besiegen, züchterisch verändert wurde, um den Ertrag zu steigern.2
Für unseren Zweck reicht es, wenn Sie erkennen, dass dieser „neue“ Weizen zur selben Zeit eingeführt wurde, als die Menschen begannen, mehr verarbeitete Nahrungsmittel zu essen. Damals wurde Amerika zur Fastfood-Nation, und jetzt leben wir in einer Fastfood-Welt. Es war niemals vorgesehen, dass wir mehrmals täglich an 365 Tagen im Jahr verarbeiteten Weizen mit hochkonzentriertem Gluten essen sollten. Und die Forschung zeigt ganz eindeutig, dass die übermäßige Belastung mit Nahrungsproteinen Immunreaktionen verursachen kann. Ich bin der Ansicht, dass diese in neuerer Zeit entwickelte Form des Weizens, der wir jetzt in hohem Maße ausgesetzt sind, der Grund für die steigende Häufigkeit und vermehrte Schwere der Reaktionen auf Gluten ist.
Zöliakie
Als Ärztin gehört es zu meiner Arbeit, mich über die aktuelle Forschung zu informieren, um über die neuesten Nachweise eines bestimmten Zustands oder einer Krankheit auf dem Laufenden zu sein. Im Rahmen dieser Veröffentlichungen sorgt Gluten definitiv für Schlagzeilen, es gibt viele Studien, die eine ganze Reihe von Krankheiten mit Gluten in Verbindung bringen.
Doch sehen wir uns zuerst die Zöliakie an. Sie ist eine Autoimmunerkrankung des Dünndarms, eine der häufigsten Störungen, von der, so nimmt man an, etwa ein Prozent der Menschen europäischer Abstammung betroffen sind, zum Beispiel in Europa, Nord- und Südamerika sowie Australien. Doch auch in anderen Regionen nimmt sie zu, so zum Beispiel in Nordafrika, in Nahost und in Teilen Asiens, denn die Ernährungsweise in diesen Ländern gleicht sich immer mehr an die der westlichen Länder an und die dort lebende Bevölkerung isst mehr Weizenprodukte als vorher. Zöliakie ist genetisch bedingt, wer eine Veranlagung für die Krankheit hat und einem umweltbedingten Auslöser ausgesetzt ist, bei dem bricht die Krankheit schließlich aus. Auslöser ist wahrscheinlich das Gluten, insbesondere das hochkonzentrierte, aus genetisch modifiziertem Getreide stammende Gluten.
Was geschieht, ist Folgendes: Die Immunzellen greifen die Villi, die kleinen fingerartigen Ausstülpungen der Darmwand, an und schädigen sie. Villi kann man sich als langflorigen Teppich vorstellen, der den Darm auskleidet. Sie sind von großer Bedeutung, denn sie vergrößern die Oberfläche (und damit die Resorptionsfläche) der Darmwand, sodass alle Nährstoffe, die Ihr Körper braucht, vom Körper resorbiert, sprich aufgenommen werden können. Greifen die Immunzellen die Villi ungehindert an, sind sie irgendwann zerstört und der „Teppichflor“ verschwindet, die Darmwand ist entzündet und glatt. Wie geht es Ihnen, wenn das passiert? Meist haben Menschen mit dieser Art von Glutenreaktion Verdauungssymptome wie Durchfälle, Gasbildung und einen Blähbauch. Außerdem resorbieren sie Nährstoffe wie Proteine, Fette, Vitamine und Mineralstoffe nicht gut, sodass sie anämisch, müde und häufig krank werden sowie Haarausfall bekommen, um nur einige häufige Symptome zu nennen. Bei Kindern kann es zur Wachstumshemmung kommen.
Die Schulmedizin behauptet, die einzige Diagnosemöglichkeit für die „echte“ Zöliakie sei ein Bluttest und eine Biopsie aus der Dünndarmschleimhaut. Der Bluttest ist speziell für die geschädigten Villi konzipiert. Studien haben jedoch ergeben, dass es möglich ist, eine „potenzielle Zöliakie“ zu haben, was bedeutet, dass der Körper im Begriff sein könnte, die Krankheit voll auszubilden, obwohl alle Tests noch im Normbereich sind. Diese latente oder stumme Form der Darmerkrankung ist jetzt eventuell noch nicht evident, könnte sich jedoch nach Jahren zeigen, wenn Sie weiterhin Gluten zu sich nehmen.
Auch möglich ist, dass Sie durch die Aufnahme von Gluten im Augenblick zwar keine Darmsymptome haben, aber in einem anderen Körperteil dadurch Reaktionen zeigen. Wir können nicht alles spüren, was Gluten anrichtet, und es kann tatsächlich oft Jahrzehnte dauern, bevor sich der Schaden in Ihrem Darm als Zöliakie entpuppt. So ist also das erste Anzeichen, die Sie bekommen könnten, ein veränderter Zustand Ihres Immunsystems. Das überrascht nicht, da Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, die rheumatoide Arthritis und die Multiple Sklerose alle mit der Zöliakie in Zusammenhang stehen. Die Schilddrüse, die Gelenke und das Nervensystem werden zuerst geschädigt, und das kann das erste Zeichen dafür sein, dass etwas nicht in Ordnung ist, bevor die Symptome der Zöliakie manifest werden. Mehrere Studien haben sogar ergeben, dass die genannten Krankheiten bei manchen Menschen Teil des Zöliakiespektrums sind.3
Glutenunverträglichkeit und Zöliakie im Vergleich
Bisher wurde die Zöliakie als die einzige schädliche Reaktion oder körperliche Erkrankung betrachtet, die durch Gluten verursacht wird. Doch 2010 wurden weltweit etwa 2 Milliarden Euro für glutenfreie Produkte ausgegeben. Diese Zahl zeigt, dass sich nicht nur die tatsächlich an Zöliakie Erkrankten glutenfrei ernähren. Was ist also los? Es hat sich eine relativ neue Erkrankung entwickelt, die Glutenunverträglichkeit.4 Abbildung 1 zeigt verschiedene Reaktionen auf den Genuss von Gluten. Zöliakie ist die eine, Glutenunverträglichkeit die andere Reaktion.
Glutenunverträglichkeit wird dadurch definiert, dass Ihre Labortests auf Zöliakie normal sind, die Symptome aber durch eine glutenfreie Ernährung verschwinden. Die Forschung kann die Mechanismen noch nicht ganz erklären und zuverlässige Labortests, die eine Unverträglichkeitsreaktion nachweisen, gibt es noch nicht. Aber man nimmt an, dass sie durch eine Immunreaktion verursacht wird, die sich von der Zöliakie unterscheidet. Zu den Symptomen gehören oft Bauchschmerzen, Blähbauch, Durchfälle, Verstopfung, Benommenheit, Abgespanntheit, Ekzeme oder andere Hautausschläge, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Taubheit von Beinen und Armen, Depressionen und Anämie zusammen mit einer normalen oder leicht veränderten Dünndarmschleimhaut. Die beste Möglichkeit herauszufinden, ob man davon betroffen ist, besteht darin, Gluten eine Zeitlang zu meiden und darauf zu achten, ob einige der Symptome verschwinden. Im Praxiskapitel erkläre ich Ihnen genau, wie Sie dabei vorgehen.
Mit meinen Patienten mache ich dieses Experiment ständig und bin immer wieder überrascht, wenn ich höre, wie hilfreich die glutenfreie Ernährung war. Die Patienten berichten nicht nur davon, dass die genannten Symptome verschwinden, sondern sie schlafen auch besser, die Stimmung ist besser und auch Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Nachtschweiß bessern sich. Es werden manchmal sogar Symptome gelindert, für die ein Zusammenhang mit Gluten bisher in der wissenschaftlichen Literatur noch nicht berichtet wurde. Ich bin davon überzeugt, dass Nahrungsmittel im Allgemeinen und Gluten im Besonderen eine wichtige Rolle bei der Verursachung und Verschlimmerung aller chronischen Krankheiten, auch der Autoimmunerkrankungen, spielen. Es ist zwar noch nicht erwiesen, dass eine Glutenunverträglichkeit eine Autoimmunerkrankung verursacht oder dazu beiträgt, diese Möglichkeit ist bisher jedoch auch nicht ausgeschlossen worden. Die glutenfreie Ernährung ist ein verbindlicher Teil aller meiner Behandlungsprogramme und Ihnen empfehle ich sie auch.

Wie löst Gluten eine Immunreaktion aus?
Nehmen wir an, Sie essen zum Frühstück ein köstliches Croissant oder einen Bagel voller Gluten. Ist Ihre Verdauungsleistung nicht so gut oder haben Sie eine geschwächte oder durchlässige Darmschleimhaut, ist das Risiko groß, dass ungenügend verdaute Glutenpartikel durch die Schleimhaut ins Blut gelangen. Dort treffen sie auf Ihre Immunzellen und werden als „fremd“ erkannt. (Nähere Erläuterungen und wie das in Ordnung gebracht werden kann, finden Sie ausführlich in Kapitel 8.)
Normalerweise ist Gluten verdaut und seine ursprüngliche Struktur nicht mehr zu erkennen, wenn Ihr Immunsystem es „zu Gesicht“ bekommt. Schlüpft jedoch ein größeres Stück durch die Darmbarriere und trifft auf Ihre Immunzellen, dann schlagen diese Alarm. Dadurch werden die Gene im Kern der Immunzelle aktiviert und es wird ein „Kapitel“ in dem in der Zelle befindlichen „Lebensbuch“ aufgeschlagen. Das entfesselt eine Kettenreaktion von Ereignissen, die die Zelle zum Angriff auf das Gluten veranlasst. Wenn Sie es weiterhin zu sich nehmen, kommen Ihre Immunzellen in einen Modus der Daueraktivierung und setzen alle möglichen Entzündungsmediatoren frei, um das Gluten loszuwerden. Die Aminosäurestruktur des Glutens, also sein „Namensschild“, ist vielen Geweben in unserem Körper sehr ähnlich, daher nimmt man an, dass das Protein auf diese Weise eine Autoimmunerkrankung auslösen könnte. Während Ihr Körper also damit beschäftigt ist, das Gluten anzugreifen, beginnt er auch, das eigene Dünndarmgewebe, die Schilddrüse, das Myelin (im Nervensystem) sowie Ihre Gelenke anzugreifen und sie und andere Gewebe zu schädigen. Diesen Prozess nennt man molekulare Mimikry.
Testen Sie Ihre Reaktion auf Gluten
Die Reaktion Ihres Immunsystems auf Gluten wird von Antikörpern gesteuert, und die Tests, mit denen wir diese Antikörper zurzeit bestimmen, sind der Test auf Anti-Gliadin-Antikörper (AGA) und der Test auf desaminierte Gliadin-Antikörper (DGA). Sie werden bei Zöliakiepatienten als Erste positiv, selbst bevor es Anzeichen einer Darmschädigung gibt. Ich nutze sie bei allen meinen Patienten als Suchtest und oft fallen sie positiv aus. Dieses Tests sollten sie tatsächlich als Erste bei Ihrem Arzt machen lassen.
Ich weiß nicht, wie oft ich von meinen Patienten schon gehört habe, dass ihr Gastroenterologe ihnen Gluten erlaubt hat, weil der AGA-Test positiv, aber die anderen Zöliakie-spezifischen Tests alle normal waren. Wenn ich das höre, werde ich richtig sauer! Es liegt auf der Hand, dass diese Kollegen die wissenschaftliche Literatur nicht lesen, aus der eindeutig hervorgeht, dass ein positiver AGA-Test das erste, früheste Anzeichen einer potenziellen Zöliakie sein könnte. Bevor es zu einer Schädigung der Darmwand kommt, können diese Antikörper andere Körpergewebe angreifen. Es geht mir wirklich über die Hutschnur, wenn mir der Patient dann erzählt, bei ihm sei schon eine Hashimoto-Thyreoiditis, eine Basedow-Hyperthyreose, Multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis diagnostiziert worden. Das sind die Autoimmunerkrankungen, die am häufigsten mit einer Zöliakie einher- oder ihrem Beginn vorausgehen. Ist Ihr AGA- oder der DGA-Test positiv, sollte das für Sie heißen, die Finger von Gluten zu lassen.
Bei den meisten meiner autoimmunerkrankten Patienten sind diese Tests nicht positiv, was mich allerdings nicht davon abhält, ihnen eine glutenfreie Ernährung zu empfehlen – das gilt für jeden Menschen, der an einer Autoimmunerkrankung leidet. Nur weil die moderne Medizin noch nicht über die richtigen Labortests für Sie verfügt, heißt das nicht, dass Gluten nicht verheerende Folgen für Ihr Immunsystem hat. Dafür gibt es genügend Nachweise, und ich sehe das immer wieder in meiner Praxis. Was haben Sie zu verlieren? Lesen Sie wenigstens das Praxiskapitel und machen Sie den Versuch, ob sich Ihre Symptome bessern, wenn Sie Gluten meiden.
Welche Nahrungsmittel schaden Ihrem Immunsystem?
Nahrungsmittel enthalten außer Gluten noch andere Substanzen, die eine Immunreaktion auslösen können. Meist wirken sie sich unterschwellig und sukzessive aus. Das erschwert es sehr, ein bestimmtes Nahrungsmittel mit Ihrem Befinden in Verbindung zu bringen. Zudem spielen sich diese Reaktionen oft außerhalb Ihres Verdauungssystems ab. Mit anderen Worten, Sie haben zwar keine Symptome wie Gasbildung, einen Blähbauch oder Magenschmerzen, aber eventuell andere wie Gelenk- oder Kopfschmerzen, die Sie gar nicht mit Ihrer Ernährung in Verbindung bringen. Ich habe aber festgestellt, dass Nahrungsmittel daran beteiligt sein könnten, wenn Sie an Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Gelenk- oder Muskelschmerzen oder anderen Beschwerden leiden.
Zucker
Gluten ist nicht die einzige potenzielle Bedrohung für Ihr Immunsystem, auch Kohlenhydrate müssen hier erwähnt werden. Ein wirklich gefährliches Kohlenhydrat ist der Zucker. Raffinierter Zucker geht mit vermehrten Entzündungen und einer gestörten Funktion der T- und B-Zellen des Immunsystems einher. Es gibt keine spezifischen Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Zuckerkonsum und Autoimmunerkrankungen untersuchen, aber über Zucker und die Immunfunktion wird sehr viel geforscht.5 Nahrungsmittel mit einem hohen glykämischen Index lassen den Blutzucker sehr schnell ansteigen, dazu gehören beispielsweise Nahrungsmittel mit viel Zucker und Weißmehl. Diese Art der Ernährung ist sehr ungesund und wird mit Herzerkrankungen, Krebs, Schlaganfällen und Diabetes in Verbindung gebracht. Im Grunde genommen besteht wohl ein Zusammenhang mit allen chronischen Krankheiten.
Ein Ziel dieses Buches ist eine Ernährung, die dazu beiträgt, dass Ihr Immunsystem gesund wird und ins Gleichgewicht kommt. Dazu müssen Sie alle Nahrungsmittel meiden, die Weißmehl oder weißen Zucker enthalten, zum Beispiel Bagels, Brot, Frühstückscerealien, Kuchen, Kekse, Cracker, sonstige Süßigkeiten und Limonaden. Davon abgesehen sollten Sie auch auf Nahrungsmittel mit versteckten Zuckern achten. Das ist zum Beispiel bei industriell hergestelltem Joghurt mit Fruchtaroma und fertigen Obst-Smoothies oft der Fall, denn sie enthalten meist Obstsirup. Ich gehe darauf noch im Praxiskapitel ein, vorläufig genügt es, wenn Sie sich merken, dass Weißmehl und weißer Zucker nicht zum Ernährungsprogramm dieses Buches gehören.
Fette
Lassen Sie uns jetzt über Fett sprechen, das ich für den am meisten missverstandenen Nährstoff überhaupt halte. Was das Fett anbelangt, so gehören die meisten meiner Patienten zu einer von zwei Gruppen: Entweder sie haben panische Angst davor und meiden jede Art von Fett oder sie sind Konsumenten der amerikanischen Standardernährung und nehmen infolgedessen große Mengen minderwertiger Fette zu sich (gesättigtes tierisches Fett und trans-Fette aus industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln). Beides ist problematisch. Wenn Sie Fett ganz meiden, entgehen Ihnen die entzündungshemmenden Vorzüge der guten Fette, die in Nahrungsmitteln wie Fisch, Leinsamen, Avocado, Kokosnuss, Ölsaaten und Olivenöl enthalten sind. Wenn Sie zu viele minderwertige Fette zu sich nehmen, fördern Sie Entzündungen und Funktionsstörungen Ihres Immunsystems. Sprechen wir erst einmal über das Meiden der minderwertigen Fette und konzentrieren wir uns im nächsten Abschnitt auf die Hinzunahme von Nahrungsmitteln, die sich bei Menschen mit einer Autoimmunerkrankung als hilfreich erwiesen haben.
Eine Art von minderwertigen gesättigten Fetten stammt von Rindern und kommt im Rindfleisch und in Milchprodukten vor. Unser Vieh wird schlecht gefüttert (meist mit Mais) und so bilden sich mehr gesättigte Fette im Fleisch. Essen Sie Rindfleisch und Milchprodukte von solchen Tieren, kommt es zu vermehrten Entzündungen in Ihrem Körper. Möchten Sie jedoch nicht auf Rindfleisch und Milchprodukte verzichten, sollten Sie sich wenn möglich für Produkte von Tieren aus Weidehaltung und biologischer Aufzucht entscheiden. Das Fleisch von Weidetieren enthält hochwertigeres Fett, das gut für Ihre Gesundheit ist.
Industriell verarbeitete Nahrungsmittel sind voller teilgehärteter Öle, die trans-Fette enthalten und in unserer Umwelt nicht natürlich vorkommen. Tatsächlich werden sie im Labor hergestellt und dienten ursprünglich dazu, die Haltbarkeit von Nahrungsmitteln zu erhöhen und Butter zu ersetzen. Butter ist ein gesättigtes Fett, das für den Anstieg von Herzerkrankungen in den 1970er- und 1980er-Jahren verantwortlich gemacht wurde. Es stellte sich jedoch heraus, dass trans-Fette in viel höherem Maße zu Krankheiten führen als das gesättigte Fett in der Butter. Das Streichen aller trans-Fette aus der Nahrung ist ein wichtiger Teil dieses Programms.
Nahrungsmittel, die das Immunsystem regulieren
Die entzündungshemmende Ernährung
Ich empfehle allen meinen Patienten, sich so zu ernähren, dass Entzündungen gelindert werden. Das hat nichts mit einem Menüplan zu tun, sondern es ist ein Lebensstil. Da Entzündungen die treibende Kraft aller chronischen Krankheiten sind, ist es einfach sinnvoll, den Anteil an Nahrungsmitteln zu erhöhen, die Entzündungen vermindern, und die entzündungsfördernden zu meiden, ganz egal, ob bei Ihnen bereits eine Krankheit diagnostiziert wurde oder ob Sie einfach Prävention betreiben wollen.
Wie Sie gesehen haben, kommt es sehr darauf an, welche Fette Sie zu sich nehmen. Minderwertige Fette fördern die Bildung von Arachidonsäure im Körper, die für die Entstehung bestimmter Entzündungsmarker, den Eicosanoiden, verantwortlich ist. Eine in Deutschland durchgeführte Studie ergab, dass sich bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, die mit Fischöl behandelt wurden, der Zustand noch deutlicher besserte, wenn sie sich gleichzeitig an eine entzündungshemmende Ernährung hielten und damit die Menge an Arachidonsäure in ihrem Körper senkten6. Die Sache ist die, dass es nicht viel bringt, wenn Sie Fischölkapseln nehmen und weiterhin entzündungsfördernde Nahrungsmittel essen; damit geht es Ihnen nicht besser. Das ist so, als würden Sie versuchen, den Tank Ihres Autos mit einem Benzin höherer Oktanzahl zu füllen, wenn er bereits mit einem Benzin niedriger Oktanzahl voll ist. Das Fazit? Füllen Sie Ihren „Tank“ mit entzündungshemmenden Nahrungsmitteln und es wird Ihnen besser gehen.
Die „guten Sachen“
Nachdem wir geklärt haben, was Sie meiden sollten, geht es jetzt darum, welche Nahrungsmittel und Nährstoffe Sie am besten zu sich nehmen. Phytonährstoffe sind die Substanzen, die für die Farben von Obst und Gemüse sorgen. Sie haben wahrscheinlich schon von Lutein, Lycopen und Resveratrol gehört, um nur ein paar zu nennen. Die Resveratrol-Forschung hat ganz deutlich gezeigt, dass dieser Pflanzenstoff das „Langlebigkeitsgen“ in den Zellen aktivieren kann, wodurch sie dann länger leben. Es wurden auch viele Studien über Nahrungsmittel und Nährstoffe durchgeführt, die die Behandlung von Autoimmunerkrankungen unterstützen könnten. Bisher gab es die besten Ergebnisse bei den essenziellen Fettsäuren (den hochwertigen Fetten), bei Vitamin D, Vitamin A, Zink, Selen und grünem Tee. Ich werde auch die Pilzextrakte kurz erwähnen, denn sie werden so häufig in Rezepturen zur Unterstützung des Immunsystems verwendet, und ich möchte, dass Sie verstehen, wie sie anzuwenden sind. Ziel dieses Buches ist es, Ihr Immunsystem von Grund auf in Ordnung zu bringen, sodass Sie vollständig genesen können. Allerdings werde ich all die verschiedenen Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel, die ganz allgemein das Immunsystem unterstützen, nicht im Einzelnen aufführen, sondern mich auf diejenigen konzentrieren, die nachweislich Ihr Immunsystem wieder ins Gleichgewicht bringen und zu einer Besserung Ihrer Symptome führen. Hier informiere ich Sie über die Ergebnisse aktueller Studien, und im nächsten Kapitel erfahren Sie detailliert, welche Arten von Nahrungsmitteln und welche Nahrungsergänzungsmittel Sie zu sich nehmen sollten.
Essenzielle Fettsäuren
Bleiben wir noch bei den hochwertigen und den minderwertigen Fetten. Es ist wichtig, nicht nur alle trans-Fette vom Speiseplan zu streichen und die Zufuhr von gesättigten tierischen Fetten zu verringern, sondern auch die Menge an guten, hochwertigen Fetten zu erhöhen. Manche Menschen halten den Begriff „gutes Fett“ für einen Widerspruch in sich, doch das stimmt einfach nicht. Zu den guten Fetten gehören essenzielle Fettsäuren, das sind solche, die unser Körper nicht selbst herstellen kann und die aus der Nahrung aufgenommen werden müssen (daher der Begriff „essenziell“, also lebensnotwendig). Beispiele sind die Omega-3- und Omega- 6-Fette, von denen Sie wahrscheinlich schon oft gehört haben. EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) sind wichtige Omega-3-Fette und meist in Fischöl-Supplementen enthalten. Das für das Immunsystem sehr wichtige Omega-6-Fett heißt GLA und kommt in Nahrungsergänzungsmitteln aus Nachkerzen, Schwarzen Johannisbeeren und Borretsch vor. Im nächsten Kapitel wird es ausführlich darum gehen, in welchen Nahrungsmitteln diese Nährstoffe enthalten sind, doch die besten Quellen sind Fische wie Wildlachs und Sardinen, Nüsse wie Mandeln und Walnüsse, Samen wie Sonnenblumen- und Kürbiskerne sowie grünes Blattgemüse wie Grünkohl und Mangold – alles Nahrungsmittel, die in der amerikanischen Standardernährung nicht zu finden sind.
Es gibt aber auch gesunde gesättigte Fette, zum Beispiel in Avocados, Kokosnüssen und geklärter Butter (Ghee). Leider kamen diese Nahrungsmittel während der Anti-Fett-Revolution in den 1980er-Jahren in Verruf und die Menschen hängen diesem Mythos immer noch an. Interessant finde ich, dass die chronischen Krankheiten seither enorm auf dem Vormarsch sind und für mich ist das kein Zufall.
Fette nehmen hauptsächlich auf zweierlei Weise Einfluss auf unser Immunsystem. Die Zellmembranen bestehen aus Fettsäuren. Wenn Sie große Mengen Omega-3- und Omega-6-Fette zu sich nehmen, sind die Membranen locker und flüssig und werden so ihren Aufgaben am besten gerecht. Wenn Sie andererseits viele gesättigte Fette und trans-Fette konsumieren, lagern diese sich in den Zellmembranen ab und machen sie starr, was sich negativ auf die Kommunikation der Zellen mit den Botenstoffen auswirkt, auf die sie ständig treffen. Tatsächlich ergab eine Studie am Medizinischen Zentrum der Universität von Massachusetts, dass sich bei Patienten, die Borretschöl mit der darin enthaltenen gamma-Linolensäure (GLA) einnahmen, die Symptome besserten. Es zeigte sich, dass GLA im Körper in DGLA (Dihomo-gamma-Linolensäure) umgewandelt und dann zu den Membranen der überaktiven Immunzellen transportiert wird, wo es deren Aktivität dämpft.7 Das bedeutet, dass sich GLA beruhigend auf die überstimulierten Immunzellen auswirkt. Da eine solche Überstimulierung bei allen Autoimmunerkrankungen ein Problem ist, sollten Sie sich gut überlegen, welche Nahrungsfette Sie zu sich nehmen.
Alle Fette werden im Körper in Prostaglandine umgewandelt, diese wichtigen Substanzen können Entzündungen in Ihrem Körper entweder erhöhen oder dämpfen. Durch GLA-haltige Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel erhöhen Sie die Menge an PGE1, eines sehr guten Prostaglandins. PGE1 wirkt bei Patienten mit rheumatoider Arthritis ganz wunderbar, es dämmt zum Beispiel die Entzündungen ein, reduziert die zirkulierenden Immunkomplexe und senkt die überaktiven T-Zellen. In Studien hat sich Fischöl dementsprechend als entzündungshemmend erwiesen, sowohl bei rheumatoider Arthritis als auch bei Lupus erythematodes; bei den meisten Patienten besserten sich die Symptome und die Erkrankung ging zurück.8 Viele Patienten stellten zudem fest, dass sie ihre symptomunterdrückenden Medikamente reduzieren konnten. Die Aufnahme dieser Fette in den Speiseplan ist sehr wichtig; das Praxiskapitel macht Ihnen dazu Angebote für entsprechende Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel.
Vitamin D
Im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen ist Vitamin D der am besten untersuchte Nährstoff. Wissenschaftler, die sich mit der Erforschung der Multiplen Sklerose beschäftigen, haben festgestellt, dass die Krankheit in den nördlichen Breiten, in denen die Sonneneinstrahlung am geringsten ist, sehr viel häufiger vorkommt. Da dieser Nährstoff durch die Sonne in der Haut gebildet wird, fanden die Forscher sehr schnell einen Zusammenhang zwischen dem niedrigen Vitamin-D-Spiegel im Blut und einem MS-Risiko. Es wurde nun festgestellt, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel nicht nur mit MS einhergeht, sondern auch mit anderen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Lupus erythematodes, insulinabhängigem Diabetes (Diabetes mellitus Typ 1) und entzündlichen Darmerkrankungen. Zwar hat bisher noch niemand bewiesen, dass ein Vitamin-D-Mangel eine dieser Autoimmunerkrankungen verursacht, er stellt jedoch ein Risiko für Sie dar. Und wenn man bei Menschen mit einem Vitamin-D-Mangel den Mangel ausgleicht, gehen die Symptome zurück und ihre Krankheit schreitet langsamer fort. In einer an der Staatlichen Universität von Ohio durchgeführten Studie wurde bei einer Gruppe von Lupus-Patienten regelmäßig der Vitamin-D-Spiegel bestimmt. Man stellte fest, dass es eher im Winter zu einem Aufflammen ihrer Erkrankung kam, wenn der Spiegel abfiel.9
Trotz seines Namens wird Vitamin D eigentlich als Hormon und nicht als Vitamin betrachtet. Denn es bindet gemäß der Definition eines Hormons an viele Zellrezeptoren im ganzen Körper und sorgt für Veränderungen der Zellfunktion. Vitamine binden nicht an Zellrezeptoren, sie unterstützen stattdessen Enzymreaktionen als Cofaktoren. Die aktive Form von Vitamin D ist Cholecalciferol oder D3, aber es gibt noch eine andere Form, das Ergocalciferol oder D2, das in manchen Pflanzen vorkommt. Der Körper tut sich schwer damit, die pflanzliche Form D2 in die aktive Form D3 umzuwandeln, daher empfehlen wir als Nahrungsergänzungsmittel immer D3. Unabhängig davon, ob Sie D3 mithilfe des Sonnenlichts in der Haut bilden oder ein Supplement einnehmen, der erste Weg führt in jedem Fall in die Leber, wo es zu 25-Hydroxy-Vitamin D umgewandelt wird, die Form, die Sie im Blut bestimmen lassen sollten, denn das ist der zuverlässigste Weg, um herauszufinden, wie hoch Ihr Vitamin-D-Spiegel tatsächlich ist. Aus 25-Hydroxy-Vitamin D (Calcidiol) wird 1,25-Dihydroxy-Vitamin D (Calcitriol) gebildet. Das ist die wirksamste Form des Hormons, da es in dieser Form in die Zelle, genauer in den Zellkern, wandert. Dort aktiviert es den genetischen Code und schlägt dabei ein Kapitel in besagtem Buch auf, in dem es um Ihr Immunsystem geht.
Vitamin D und Ihr Immunsystem
1,25-Dihydroxy-Vitamin D hat eine Reihe guter Eigenschaften:10
– Es bindet an dendritische Zellen im Körper und an Astrozyten im Gehirn, sie stellen die vorderste Front der Immunzellen dar, die auf die Fremdstoffe treffen und Alarm auslösen. Durch das Vitamin D reagieren sie weniger auf eigene Antigene, das bedeutet, dass sie gegenüber den körpereigenen Geweben toleranter sind und sie mit geringerer Wahrscheinlichkeit angreifen.
– Es regt T-Zellen dazu an, zur gesündesten Zellart, den regulatorischen T-Zellen, heranzureifen, anstatt zu Th1, Th2 oder Th17, die Immunerkrankungen forcieren können.
– Es hemmt die Th1-Lymphozyten direkt. Das bedeutet, dass Vitamin D beruhigend auf diese überdrehten Killerzellen einwirkt. Sie erinnern sich, dass es bei Autoimmunerkrankungen zu einer einseitigen Zunahme dieser Zellen kommen kann; Vitamin D sorgt dafür, dass das Gleichgewicht wiederhergestellt wird.
– Es senkt die Antikörperbildung in den aktivierten B-Zellen, hier gibt es ein weiteres Missverhältnis, das wir bei Autoimmunerkrankungen beobachten.
Ist also Ihr 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel in Ordnung (über 50 nm/l ist das Ziel; einige Studien plädieren für 75 nm/l), so trägt das dazu bei, Ihre T-Zellen zu regulieren, damit sie sich gegenüber den körpereigenen Geweben toleranter verhalten, nicht unnötig aktiviert werden und dann außer Kontrolle geraten. Wenn Sie bereits eine Autoimmunerkrankung und einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben, kann ein entsprechendes Nahrungsergänzungsmittel die Deaktivierung der Killerzellen unterstützen und die Bildung von weiteren verhindern, wodurch die von diesen Zellen verursachten Entzündungen und Zerstörungen verringert werden.
Wie viel Vitamin D sollten Sie nehmen? Studien haben ergeben, dass die Einnahme von bis zu 4.000 IE täglich gefahrlos möglich ist, doch Ihr 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel sollte alle drei Monate kontrolliert werden.11 Haben Sie den gewünschten Spiegel erreicht (50–75 nm/l), können Sie die Einnahme auf 1.000–2.000 IE pro Tag reduzieren. Lassen Sie später erneut Ihren Blutspiegel ärztlich überprüfen, um die für Sie richtige Erhaltungsdosis zu finden.
Übrigens ist Vitamin A zur Resorption von Vitamin D notwendig und trägt ebenfalls zur Regulierung und Unterstützung der gesunden Entwicklung Ihrer Immunzellen bei. Vitamin A ist ein Antioxidans, im Praxiskapitel finden Sie Empfehlungen für Nahrungsmittel und Supplemente, um die Zufuhr dieser beiden Substanzen zu erhöhen.
Selen und Zink
Selen und Zink sind zwei wichtige Mineralstoffe, die die Funktion Ihres Immunsystems gut unterstützen. Mehrere Studien legen nahe, dass ein Mangel an Selen ein Auslöser für eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse sein könnte. Die Argumentation geht in etwa in folgende Richtung: Selen ist ein für die optimale Funktion der Schilddrüse notwendiger Mineralstoff. Er ist ein erforderliches Element für die Schilddrüsenhormonbildenden Enzyme sowie für das Enzym Glutathion-Peroxidase, das eine wichtige antioxidative Rolle spielt und Schäden an den Schilddrüsenfollikeln verhindert. Ohne Selen kann die Schilddrüse keine Hormone bilden und die Zellen können durch sogenannte freie Radikale geschädigt werden. Diese freien Radikale werden in jeder Zelle durch die normalen biochemischen Reaktionen gebildet und können Schaden anrichten, wenn sie nicht deaktiviert werden. Man nimmt an, dass eine Autoimmunerkrankung zum Beispiel auch dadurch entstehen kann, dass die Zellen der Schilddrüse geschädigt werden und ihr normales Aussehen verändern; daraufhin geraten sie ins Visier der Immunzellen und werden angegriffen, wodurch es zu weiteren Schäden und zu Entzündungen kommt.
Eine Studie ergab, dass durch 200 μg Selen täglich einer der wichtigsten Antikörper bei der Hashimoto-Thyreoiditis gesenkt wird.12 Es gibt auch eine enge Verbindung zwischen Selenmangel und Zöliakie. Bei Menschen mit Zöliakie besteht eine Malabsorption; sie können viele Nährstoffe nicht aufnehmen, Selen ist einer davon. Manchmal kommt es zuerst zu einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und Sie bemerken nicht einmal, dass Sie außerdem eine Zöliakie haben, bis sie später entdeckt wird. Im nächsten Kapitel gebe ich Ihnen ausführliche Empfehlungen, wie Sie Selen mit der Ernährung aufnehmen können, um sicherzustellen, dass es nicht zu einem Mangel und einem erhöhten Risiko für eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse kommt.
Zink ist im Hinblick auf Autoimmunität zwar weniger gut untersucht als Selen, Studien über Multiple Sklerose bei Mäusen haben jedoch ergeben, dass es eine wichtige Rolle dabei spielt, wie aktiv die T-Zellen sind und wie aktiv die Krankheit ist. Zink ist ein essenzielles Spurenelement und entscheidend an der normalen Entwicklung des Immunsystems und dem Erhalt seines Gleichgewichts beteiligt. Ein Zinkmangel schwächt das Immunsystem, doch eine Zinksupplementation kann das wieder in Ordnung bringen. Eine an der Universität von Connecticut durchgeführte Studie ergab, dass 30 μg Zink pro Tag den Schweregrad der Multiplen Sklerose bei Mäusen senkt.13 Das heißt zwar nicht, dass man von demselben Einfluss auf den Menschen ausgehen kann, doch ich glaube, es ist ein vielversprechendes Puzzleteil. Warum soll man nicht dafür sorgen, dass das Immunsystem optimal arbeitet? Ich denke, Zink ist wichtig, und ich nehme es immer mit in meine Behandlungskonzepte auf, denn man kann es leicht mit der Nahrung aufnehmen, zum Beispiel durch Tahin (Sesampaste), Kürbiskerne und dunkle Schokolade sowie als Bestandteil eines Multivitamin- und Mineralstoffsupplements.
Grüner Tee
Der aktive Bestandteil im grünen Tee ist das Epigallocatechingallat (EGCG), das seit Kurzem Aufmerksamkeit erregt. Es erwies sich unter anderem bei der Behandlung und Prävention von Krebs und kardiovaskulären Erkrankungen, zur Gewichtsabnahme und bei neurodegenerativen Krankheiten als hilfreich. Eine neuere Studie der staatlichen Universität von Oregon ergab nun, dass sich EGCG als sehr leistungsstark bei der Erhöhung der regulatorischen T-Zellen erweist, die, wie Sie bereits wissen, für die Aufrechterhaltung der Toleranz gegenüber den körpereigenen Geweben und die Verhinderung eines Autoimmunprozesses von entscheidender Bedeutung sind.14, 15 Diese Studie wurde zwar an Mäusen durchgeführt, doch sie weist darauf hin, dass grüner Tee ein hilfreicher Bestandteil eines auf spezifische Weise für Autoimmunpatienten maßgeschneiderten Ernährungsansatzes zur Unterstützung des Immunsystems sein könnte.
In diesem Kapitel haben Sie erfahren, dass Ihre Nahrung den Zellen Informationen darüber liefert, wie sie sich zu verhalten haben. Nun verstehen Sie, dass Nahrung Ihre Medizin sein kann, denn die Wahl von entzündungshemmenden Nahrungsmitteln (z. B. hochwertige Fette) und das Meiden von entzündungsauslösenden Nahrungsmitteln (z. B. Zucker und minderwertige Fette) können Balsam für Ihr Immunsystem sein. Nun ist es an der Zeit, mit dem Praxiskapitel weiterzumachen, damit Sie herausfinden, welche Nahrungsmittel Sie nicht vertragen und welche Ihnen guttun. Und natürlich werde ich Sie dabei unterstützen, all die positiven Nähr- und Pflanzenstoffe zu finden, über die Sie nun so viel gelesen haben – ob in Nahrungsmitteln oder in Nahrungsergänzungsmitteln, je nachdem, was Sie bevorzugen.
KAPITEL 3
Praxis:
So wird Ihre Nahrung zu Medizin
Wie die meisten meiner neuen Patienten kam Amy, eine 48-jährige weiße Frau, mit einer dicken Akte unter ihrem Arm zu ihrem ersten Termin in meinem Gesundheitszentrum. Zum Vorschein kamen unter anderem etliche Labortests, sowohl von Ärzten, die mit funktioneller Medizin arbeiten, als auch von Schulmedizinern, die sie im Laufe der vorangegangenen beiden Jahre aufgesucht hatte. An erster Stelle ihrer Beschwerden standen schmerzhafte, unregelmäßige Menstruationen mit starken Blutungen, Schlafstörungen, Hitzewallungen und extreme Angstzustände. Zum damaligen Zeitpunkt litt sie bereits seit drei Jahren unter diesen Symptomen. Andere gesundheitliche Probleme außer diesen ergaben sich aus der Anamnese nicht. Sie war in der Tat bis dahin sogar ausgesprochen gesund gewesen, deshalb machte sie sich wegen ihres schlechten Befindens große Sorgen. Dazu kam die frustrierende Tatsache, dass es keinem der Ärzte oder Experten, die sie aufgesucht hatte, gelungen war herauszufinden, was ihr fehlte und was sie dagegen tun konnte. Zuerst hatte sie eine Progesteroncreme bekommen, damit ihre Menstruation wieder regelmäßig kam, und als das nichts brachte, wurde ihr die „Pille“ verschrieben.
Sie nahm sie noch, also sie zu mir kam, und sie half ihr auch, doch Amy hatte fast fünf Kilo zugenommen und ihre Libido war in den Keller gerutscht. Bei unserem ersten Termin sagte sie, sie hoffe, ich könne ihr helfen, die Pille abzusetzen. Tatsächlich riet ich ihr gleich als Erstes dazu, damit ihre Symptome nicht länger verschleiert wurden und ich sehen konnte, was wirklich in ihrem Körper vor sich ging. Sie befand sich ganz eindeutig im Anfangsstadium der Wechseljahre, in der sogenannten Prämenopause, aber niemand hatte sich die Mühe gemacht nachzusehen, was außer den Veränderungen bei ihrem Östrogen- und Progesteronspiegel noch vorliegen könnte.
Die Hormone der Frau bilden eine Art „endokrines Orchester“: Jedes Hormon spielt mit den anderen zusammen und muss selbst im Gleichgewicht sein, damit das gesamte System des Körpers gut funktioniert. Während der Wechseljahre gerät dieses Orchester aber manchmal aus dem Takt. Oft stelle ich bei Frauen in dieser Lebensphase fest, dass die Schilddrüsenhormone ein wenig zu niedrig oder zu hoch oder dass die Nebennieren erschöpft sind (über die Nebennieren wird in Kapitel 5 ausführlich die Rede sein). Ich hatte das Gefühl, dass eines dieser Hormonsysteme auch bei Amy aus dem Gleichgewicht geraten war, was erklären würde, warum sich der Übergang in die Menopause so schwierig gestaltete. Als Nächstes überprüfte ich ihre Schilddrüse mit einem Blut- und ihre Nebennieren mit einem Speicheltest. Die Ergebnisse überraschten mich, ihre Nebennierenhormone waren alle im Gleichgewicht und arbeiteten gut. Nicht überraschend fand ich, dass der Spiegel der Schilddrüsenhormone freies T3 und freies T4 ganz im oberen Normbereich lag und das im Gehirn gebildete Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) etwas niedrig war.
Im Rahmen meiner ersten Untersuchungen suche ich auch routinemäßig nach Antikörpern gegen die Schilddrüse, die das Kennzeichen für die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis sind; es freute mich, dass bei Amy keine vorlagen. Der niedrige TSH-Wert und der hohe Spiegel von freiem T3 und freiem T4 zeigten mir jedoch, dass Amys Schilddrüse überaktiv war. Manche Ärzte mögen diese Ergebnisse vielleicht normal nennen, doch ich folgte meiner Intuition und schickte sie wieder ins Labor, um sich auf die Basedow-Krankheit testen zu lassen. Amys Ergebnisse waren positiv. Bei dieser Autoimmunerkrankung bildet der Körper Antikörper, die die Schilddrüse zur Produktion von zu vielen Hormonen stimulieren, was zu einem Ungleichgewicht führt. Amys Test fiel speziell für Thyreotropin-Rezeptor-Antikörper (TRAK) positiv aus. Das war eine unerwartete, aber spannende Neuigkeit, denn schließlich wusste ich jetzt, was mit ihr los war und wie ich ihr helfen konnte. Und ich war nicht die einzige, die die Dinge so sah. Auch Amy war erleichtert. Schließlich hatte sie ein paar Antworten bekommen.
Im nächsten Schritt setzte ich sie auf eine glutenfreie Ernährung, obwohl keiner ihrer Tests auf Zöliakie positiv ausfiel (davon war im letzten Kapitel ausführlich die Rede). Warum tat ich das? Weil ich weiß, dass bei einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse die Wahrscheinlichkeit einer Zöliakie größer ist (und umgekehrt), selbst wenn die Labortests negativ sind. Daher sagte ich Amy, sie solle nichts Glutenhaltiges mehr zu sich nehmen.
Zusätzlich ließ ich eine Stuhluntersuchung machen und einen Schwermetalltest auf im Körper gespeichertes Quecksilber und Blei. (Die Ausleitung dieser Toxine aus dem Körper steht bei Autoimmunerkrankungen auf meiner Checkliste ganz oben; daher ist das der vierte Schritt in diesem Buch.) Die Ergebnisse erbrachten Parasiten im Stuhl und einen mittelgradig erhöhten Quecksilberspiegel im Körper, doch als wir mit der entsprechenden Behandlung begannen, verschwanden die Basedow-Antikörper allein aufgrund der glutenfreien Ernährung. Auch ihre Hitzewallungen, die Schlafstörungen und die Angstzustände besserten sich, ihre Menstruation kam regelmäßiger und machte keine Probleme mehr. Für diese Besserung gibt es zwei mögliche Gründe: Zum einen könnten sich die aufgrund der Basedow-Krankheit zusätzlich gebildeten Schilddrüsenhormone und ihr Östrogen sich gegenseitig gestört haben, sodass die Symptome verschwanden, weil wir das in Ordnung gebracht hatten. Zum anderen könnte die Zufuhr von Gluten direkt auf das Gehirn und das Steuerungszentrum für die Körpertemperatur eingewirkt und die Hitzewallungen und andere hormonelle Symptome verursacht haben. Wie auch immer, wir waren beide begeistert, dass diese Symptome und die Antikörper verschwanden. Leider hatten sich ihre Angstzustände zwar deutlich gemindert, sie lösten sich aber erst vollständig auf, nachdem ich die Parasiten behandelt hatte und ihr zusätzlich Vitamin B12, Folsäure und SAM (S-Adenosylmethionin) als Nahrungsergänzungsmittel gab. Ich entschied mich für diese speziellen Vitamine, weil sie zur Nährstoffgruppe der Methyldonatoren gehören, die zur Unterstützung der an den Angstzuständen beteiligten Stoffwechselwege im Gehirn wichtig sind.
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