Kitabı oku: «Larry Lauch zerstört alles (Band 3)»

Inhalt
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32

KAPITEL 1
Das ist mein bester Freund: Lauch, Larry Lauch. Und er steckt in einer tiefen, dunklen und obergruseligen Höhle. Tief unter unserer Schule, der Craglands South. Die gute Nachricht: Er ist nicht allein. Die schlechte: Ich stecke auch in dieser tiefen, dunklen und obergruseligen Höhle. Genauso wie all unsere Klassenkameraden der 6a.


Klar, zugegeben: Wir haben schon echt übel in der Klemme gesteckt.

Aber diese war die übelste. Glaubt ihr nicht? Keine Bange, werdet ihr.
Wir hatten nicht vor, in einer tiefen, dunklen und obergruseligen Höhle festzusitzen. Sondern sind durch völlig unkontrollierbare, extremste Extremumstände hier gelandet.
Alles begann, als unsere Lehrerin Ms Triggelty meinte sie hätte eine Spezialankündigung.


KAPITEL 2
Hinter Ms Triggeltys Spezialankündigungen steckt immer was Spitzenmäßiges. Sie ist eine HAMMER-Lehrerin – die beste, die wir je hatten. Und nicht nur, weil sie Vizedirex Hackface nach dessen Degradierung zum Schulhausmeister abgelöst hat – einen 110% bösen Typen.

Ms Triggelty heckt dauernd schräge Unterrichtsstunden, Experimente oder Ausflüge aus. Einmal in Ernährungskunde brachte sie einen Fast-Food-Burger in einem Glas mit. Um zu sehen, wie schnell das Teil vergammelt. (Ist es immer noch nicht.)

Ein anderes Mal versprach sie, sich das Bild vom Besten des Matheabschlusstests tätowieren zu lassen. Prompt erzielten alle Bestnote. Also ließ sie sich ein Tattoo von all unseren Gesichtern stechen und wir durften bei einer Exkursion ins Tattoostudio dabei zugucken.

Ms Triggelty meinte sogar, wir könnten ihr bei der Namenssuche für ihr Baby helfen, das bald zur Welt kommt. Topvorschläge bisher: Pommes, Schnitzel und Mini-T.
Das Allerbeste an Ms Triggelty aber ist, dass sie Larry genauso sehr LlEBT, wie sie Hackface HASST. Das, womit Larry Hackface immer zum Ausrasten bringt, lässt sie völlig kalt. So zum Beispiel die Mega-Rülpser, die er raushaut, wenn jemand Krach macht. Oder wenn Larry sich aus Versehen zum Ballon aufbläht und in Sport über den Schulhof prallt.

Ms Triggelty denkt einfach nur daran, dass Larry eben nicht wie andere Kinder ist. Und dass er einen Mörderhaufen Krankheiten hat – wie Bungee-Knochen und Marshmallow-Muskeln –, wodurch sein Körper völlig durchgeknallt auf Sachen um ihn herum reagiert.

Egal, kaum war also das mit der Spezialankündigung raus, rieten alle prompt wie die Irren los.
»Ich darf wieder Farbe futtern, richtig?«, meinte Nathan Kobissi und riss schon den Kunst-Farbschrank auf. Nathan ist süchtig nach Farbe – ist wie Schokolade für ihn.
»Sorry, Nathan«, kicherte Ms Triggelty und nahm ihm sanft eine frisch gemopste Farbtube wieder ab. »Okay, das wäre echt ’ne Spezialankündigung wert. Aber trotzdem darfst du nicht wieder blau werden.«
»Die Schule kriegt ’ne Skate-Rampe, oder?«, haute Daniel Yoon raus und hatte schon sein Lieblingsskateboard in der Hand.
»Es gibt einen Dance Battle, stimmt’s?!«, japste Abby Takani, exte ein Zuckertütchen und war schon im Headspin.
»Oder einen Streiche-Battle«, flüsterten die Prankman-Zwillinge und zwinkerten sich schelmisch zu.
»Vielleicht gibt’s einen Erfinderwettbewerb«, raunte Larry neben mir.
Larry ist ein saugenialer Erfinder. Nachmittags hängen wir meist in Dads Werkstatt ab und basteln Sachen aus Schrott, während wir übrig gebliebene Curryportionen vernichten. Na ja, Larry vernichtet sie. Dad hat nämlich für seinen (erfolglosen) Lieferservice etwa eine Million davon produziert. Und die reichen jetzt bis zur nächsten Eiszeit.

Alle hirnten weiter wie die Weltmeister an dieser Spezialankündigung herum.
»Suchen wir etwa nach dem verschollenen, unterirdischen Craglands-Geheimbunker?«, fragte ich.
»So was gibt’s nicht«, meinte Christoph Grubber höhnisch grinsend.
»Doch, gibt’s!«, rief Lena King. »Meine Oma hat als kleines Mädchen gesehen, wie er gebaut wurde.«
»ES. GIBT. KEINEN. UNTERIRDISCHEN. BUNKER!«, machte Christoph auf stur.
»Mann«, stöhnte Daniel Yoon genervt. »Und warum hört man dann dauernd davon?«
Christoph runzelte die Stirn. »Na, weil ihr Vollpfosten eben alles glaubt!«

Boah! Christoph ist so ein Nervspacken. Da würde auch der Hinweis nichts bringen, dass mein Dad hundertpro wusste, dass es irgendwo unter der Stadt einen Bunker gab. Obwohl das mit den Hundertpro bei Dad zugegeben manchmal so ’ne Sache ist. Zum Beispiel, als er meinte, er hätte mal eine einäugige Katze mit drei Schwänzen gehabt.
»Könnt ihr mal AUFHÖREN von Geheimbunkern zu faseln, die NlCHT EXlSTlEREN?«, plärrte Christoph. »Ich will endlich was über die SPEZIALANKÜNDIGUNG wissen!«

Ms Triggelty hob beschwichtigend die Hand. »Trommelwirbel, bitte!«
Alle trommelten mit ihren Stiften auf den Pulten. Lenny Battisto hämmerte so drauflos, dass ihm das Ding glatt aus der Hand flog, von Christophs Kopf abprallte und mit lautem PLOPP! im Fischglas unseres Klassenmaskottchens Bubble O’Blubb landete.
»Ups«, sagte Lenny verlegen.
Ms Triggelty drückte eine Taste auf dem Whiteboard. »Und hier nun … die Spezialankündigung!«
»Woah!«, ertönte es im Chor.
»Aber Talentwettbewerbe sind VERBOTEN!« Christoph mal wieder …
Alles stöhnte.

»Super, Christoph!«, sagte Lena King. »Mal wieder profimäßig die Stimmung gekillt.«
Trotzdem: Er hatte recht. Der jährliche Talentwettbewerb der Sechsten war schon ewig Tradition an unserer Schule. Bis man ihn letztes Jahr verboten hatte, weil ein Kind namens Jana Hicks bei ihrer Zaubernummer ein Gummihuhn verschluckt hatte.

»Das war die krasseste Show aller Zeiten«, meinte Daniel Yoon wehmütig.
Ms Triggelty fand es unfair, dass wir keine Chance kriegen sollten, unsere Talente zu zeigen, nur weil früher mal was schiefgelaufen war. Also hatte sie ihre Idee Direktorin Brüllsäge vorgeschlagen (echter Name: Brünlmowdtnmirth, aber selbst die Lehrer haben es aufgegeben, den auszusprechen). Und die hatte tatsächlich Ja gesagt! (Sagte ich schon, was für eine HAMMER-Lehrerin Ms Triggelty ist?)
Direktorin Brüllsäge war scharf darauf, mit dem Talentwettbewerb Spenden einzusacken. Denn die Erträge der Schulkantine gingen schon seit Monaten zurück. Doch laut Ms T. hatte die Brüllsäge zwei Bedingungen.
»Was für Bedingungen?«, fragte ich.
»Erstens: keine Gummihühner mehr verschlucken«, antwortete Ms Triggelty.
»Und lebende?«, fragte Daniel Yoon hoffnungsvoll.
Ms Triggelty bedachte ihn mit einem Kopfschütteln und fuhr fort: »Und zweitens: Ihr könnt performen, was ihr wollt, solange es nicht gefährlich ist.«
Dummerweise hat die Gefahr es immer geschafft, die 6a zu finden. Im Nachhinein schätze ich, dass Ms Triggelty hoffte, es würde diesmal anders laufen.
Tat es aber nicht. Nicht im Geringsten.


KAPITEL 3
Die Sache mit der 6a ist die: Wir haben UNSERE FÄHlGKElTEN … nur eben keine normalen. Als zwei Wochen später endlich der Tag des Talentwettbewerbs kam, brodelte die Aula vor Erwartung. Alle Eltern waren da. Nicht nur unsere – sondern aus der ganzen Schule! Alle Erwachsenen hofften wohl heimlich, dass jemand wieder ein Gummihuhn verschluckte.
Wie sich zeigen sollte, würden sie Zeuge von etwas werden, das dem Frosch die Locken wegfetzte.
In Nonstop-Hirnerei hatten Larry und ich eine Nummer ausgeheckt, die von Larrys Spezialtalenten profitierte. Wir konnten sogar Rebecca Peters zum Mitmachen überreden.
Es war das größte Ding seit Beethoven! Vor allem, weil Rebecca als Musikgenie wohl ganz allein hätte gewinnen können. Aber kaum war sie eingeweiht, trat sie alle Pläne für eine Drei-Stunden-Soloperformance eines selbst komponierten Rockmusicals in die Tonne. »Ich schreibe lieber Musikgeschichte mit dir und Larry«, sagte sie.
Während wir im Backstagebereich der Aula warteten, stapfte Christoph grinsend herum. »Ihr Deppen braucht gar nicht erst auf die Bühne. ICH gewinne nämlich!«

Was seinem Kostüm nach eher unwahrscheinlich schien.

»Okay, ihr Hirnis«, flüsterte Ms Triggelty vom Bühnenrand aus. »Macht mich stolz!«
»Viel Glück euch allen!«, flüsterte ich.
»Brauch ich nicht«, feixte Christoph.
Auf der Bühne hieß Direktorin Brüllsäge alle zur Wiederkehr des Craglands-Talentwettbewerbs der Sechsten willkommen. Dann übergab sie das Mikro Ms Triggelty, die die Show moderierte. Das Publikum jubelte stürmisch. Ich linste durch die Vorhänge.
»Guck mal, Larry!«, flüsterte ich und zeigte zur letzten Reihe, in der unsere Eltern zusammensaßen – genau neben Craglands Bürgermeisterin, die Gastjurorin war.

Sie da draußen so zu sehen, machte mich schlagartig nervös. Prompt fragte ich mich, ob es Larry wohl genauso ging und was dann passieren würde. Wie sich herausstellte, passierte das:

Öfter mal was Neues! Aber zum Glück bekam Larry seine Ohrrülpser noch unter Kontrolle, bevor der Vorhang aufging.

KAPITEL 4
Ms Triggelty stellte den ersten Performer vor: René Grossman. Er zog eine Schlangenbeschwörungs-Nummer mit seiner neuen Haustiernatter ab – was alles in allem ganz okay lief.

Als Nächstes war Abby Takani dran. Als Streetdance-Champion trat sie einen SAGENHAFTEN Breakdance-Battle los. Da keiner von uns die Eier hatte, es mit ihr aufzunehmen, sprang Ms Triggelty ein. Die sich als echter Pop-and-Lock-Boss erwies.

Der Battle lief super – bis zu Abbys Stagedive ins Publikum. Bei dem sie sich so verschätzte, dass sie im Basketballring landete, der an der Wand hing.

Ich schätze, es gibt wohl wirklich so was wie ’ne Zuckerüberdosis.
Als Nächstes kündigte Ms Triggelty die Prankmans an. Als unumstrittene Troublemaker-Queens wollten sie Direktorin Brüllsäge hypnotisieren. Aber bei der bissen sie auf Granit.

Also knöpften sie sich unseren Sportlehrer Mr Pot vor, dem sie weismachten, dass seine Haare ’ne Katze wären. War schon lustig. Jedenfalls bis er versuchte, sie zu füttern.

Dann kam Daniel Yoon dran. Obwohl seine Beine nach dem letzten Crash im Skatepark noch in Gips waren, kam er mit dem Skateboard auf die Bühne gerauscht. In seiner Hand: eine mysteriöse, mit Blitzen verzierte Box.
»Kumpels, Kumpletten, Lehrer-Bots und Eltern-Einheiten«, sagte er nach einer Schlidderbremsung vor dem Mikro. »Macht eure Schwachmatenhirne darauf gefasst, von der megageilen Stuntshow meines Hundes desintegriert zu werden.«

Er hob einen Welpen aus der Box. »Applaus für den fantastischen Poo-shi der Shih-Poo … 50% Pudel, 50% Shih Tzu und 100% HAMMER!
»Ahhh!!!!!«, raunte das Publikum.
»Rampe, bitte!«, befahl Daniel mit einer Geste Richtung Backstage-Bereich.
Lenny Battisto und Steven Lippman zerrten eine Riesenrampe auf die Bühne und richteten sie auf die Zuschauer aus.

»Bitte NICHT zu Hause nachmachen!«, warnte Daniel. »Poo-shi ist ein Profi.«
Er platzierte Poo-shi vor der Rampe, schnallte die Pfoten auf ein Paar Mini-Skier und flüsterte: »Standby für Start, Poo-shi.«
Dann kletterte Daniel von der Bühne und trottete lässig zur letzten Publikumsreihe.
»Ziel, bitte!«, rief Daniel.
Lenny und Steven schoben einen Korb mitten ins Publikum.
»Ruhe, bitte!«, befahl Daniel und hielt eine Fernbedienung hoch. »Bei Knopfdruck werden die Turbo-Pfoten-Skier Poo-shi direkt in diesen Korb befördern.«
»Ooooooohhh!«, raunte die Menge.
»Sind Sie sich da auch sicher, Mr Yoon?«, fragte die Brüllsäge. Besorgt blickte sie auf den Welpen, der vor der Rampe hockte.
»Direktorin B.!«, sagte Daniel. »Bitte. Poo-shi ist 100% Helden-Fell und 0% Angst!«
Poo-shi bellte zustimmend.

»Was meinst du?«, flüsterte ich Larry zu, während ich von Backstage aus zusah. »Schafft Poo-shi das?«
Larry starrte zur Rampe, dann zum Ziel und schließlich wieder zurück zur Rampe. Grimmig schüttelte er den Kopf.
Daniel drückte auf die Fernbedienung. Genau in dem Moment flogen die Aulatüren auf und Daniels Vater platzte herein.
»DANIEL!«, schrie er wütend. »Wo ist Tante Yoons Shih-poo?!«
»Öhm«, nuschelte Daniel und musste vor Schuldbewusstsein schlucken. »Da … drüben.«

Er zeigte zur Bühne, wo Poo-shi auf seinen Turbo-Skiern im Kreis herumwirbelte.
»DANIEL!«, schrie sein Vater wieder. Er riss ihm die Fernbedienung aus der Hand und drückte das, was er für die STOPP-Taste hielt. War sie aber nicht. Sondern die vom TURBO-BOOSTER.
Poo-shi flog die Rampe hoch und segelte über die Menge weg. Plötzlich fingen die Vorschulkids in der ersten Reihe an zu kreischen.
»Oh, oh«, kicherte Larry, der alles verfolgte. »Poo-shi muss mal Pipi!«


KAPITEL 5
Als man die Vorschüler wieder trocken hatte, war Christoph an der Reihe.
»Blicket auf und staunet!«, brüllte er und stürmte auf die Bühne. »Ich bin der Lord of OHOGENCE!« Er wirbelte herum und krachte dabei fast gegen das Rednerpult. »›Und was ist OHOGENCE?‹, höre ich euch schon sagen«, rief er. »Ganz einfach! Eine neue Kunstform, und zwar: Ohne-Hosen-Gedicht-Dance!« Er riss sich die Hosenbeine ab, die nur mit Klett befestigt waren.
»Ihhhhhh!«, kreischten die Vorschulkids, plötzlich grün wie Schimmel vor Ekel.
»Das kam jetzt … äh, irgendwie ziemlich unerwartet«, meinte Lena King, während wir alles voller Horror verfolgten.
Christoph fing an, ein Gedicht zu kreischen. Ziellos hüpfte er dabei auf der Bühne herum und fuchtelte mit seinen Pompons.
»Mein Name ist Christoph, ich bin schrecklos! Lehnt euch zurück, Kämpfen ist zwecklos! Denn ich tanze bis zum Letzten, lass sogar meine Hosen fetzen!
Oh yeah, ich bin ein knallharter Crack, weil ich meine Konkurrenten erschreck! Meine Tanzmoves sind so geil, da geht das Publikum voll steil!
Yeah, ich bin Christoph – werd eine Legende sein!
Geh in die Geschichtsbücher ein! Fang an zu tanzen wie im Wahn, bin der mächtigste Titan!«

»Wow«, staunten die Prankman-Zwillinge. »Das Gedicht stinkt ja übler als ein Fischfurz.«
»Boah, reim dich oder ich hau dich«, stöhnte Daniel Yoon.
Inzwischen war die Hälfte des Publikums am Flennen, während die andere skandierte: »Wir wollen Poo-shi wieder! Wir wollen Poo-shi wieder!«
Christophs Nummer fand ein jähes Ende, als er in einer von Poo-shis Pipi-Pfützen ausrutschte, von der Bühne schlitterte und geradewegs auf dem Schoß unserer Bibliothekarin Ms Sander landete.
»Äh, ja … das war also Christoph Grubber, selbst ernannter Lord of Ohogence«, verkündete Ms Triggelty, als Christoph von Mr Pot weggetragen wurde. »Jetzt kommen Padman O’Donnell und Larry Lauch mit spezieller Begleitung von Craglands Souths großer Musikvirtuosin: Rebecca Peters.«
Erwartungsvolle Aufregung machte sich im Publikum breit.
»Bereit, Lay?«, flüsterte ich.
»Nie bereiter gewesen, Pod«, kiekste Larry.
»Nervös?«, flüsterte ich.
»Nie nervöser gewesen«, kicherte Larry und gab einen seiner Nervöser-Magen-Rülpser von sich.
»Ich auch«, flüsterte ich.
»DANN LASS uNS DAS DAcH WeGfeTzeN!«
So im Nachhinein hätte mir natürlich so was von klar sein sollen, dass Larry das womöglich wortwörtlich meinte …


KAPITEL 6
Wenn ich eins gelernt habe, seit Larry damals urplötzlich vor unserem Klassenzimmerfenster im zweiten Stock aufgetaucht ist, dann das: Gerade wenn man denkt, er könnte einen nicht mehr überraschen, macht er was völlig Unerwartetes.
Es ist nicht nur, dass er automatisch rülpst, wenn er von Krach überrascht wird. Oder dass er sich beim Zusammenprall mit festen Objekten wie ein Riesenhüpfball aufbläht. Oder beim Eintauchen in Wasser auf Blauwalgröße anschwillt.
All das kannte ich schon seit Larrys erstem Tag an unserer Schule … und durch die ganzen Atteste, die er stets in seiner kleinen Aktentasche dabeihat. Neu für mich war, dass seine Elastokräfte – wir nennen sie so, weil es wirklich SUPERKRÄFTE sind – sich ständig weiterentwickelten.
Als wir also an einer Nummer tüftelten, mit der sich der Wettbewerb vielleicht gewinnen ließ, zeigte Larry ein neues musikalisches Talent, das er erst kürzlich entdeckt hatte – und weswegen Rebecca Peters unbedingt bei uns mitmachen wollte.
Wir gingen auf die Bühne. Rebecca saß schon lässig am Piano.
Ich holte tief Luft und stellte das Mikro auf die richtige Höhe ein. Larry stand neben mir und blinzelte ins Publikum. Ich entdeckte unsere Eltern in der letzten Reihe … und die Bürgermeisterin mit einem Klemmbrett in den Händen – bereit, unseren Auftritt zu bewerten.

»Äh … hi …«, sagte ich, überrascht, wie laut meine Stimme durch die Aula echote. »Willkommen zur Symphonie in Larry-Dur.«
Das Licht erlosch. Ein Scheinwerfer richtete sich auf uns. Ich nickte Rebecca zu. Sie hob die Hände, ließ sie dramatisch in der Luft kreisen – und hämmerte dann auf die Pianotasten ein.
»Akkord G7sus4«, flüsterte sie. »Mann, wie fett!«
Laut hallte die Tonfolge durch die Aula. Larrys Körper blähte sich auf. Er streckte den linken Arm aus. Ich packte den Arm mit beiden Händen und begann, ihn auf- und abzuschwenken.

Eine Melodie trötete aus Larrys Mund. Es klang wie eine Mischung aus Nebelhorn und Engelschor.
Allen klappte der Unterkiefer bis zum Boden. Ein Chor aus »Ooooohs!« kam aus dem Publikum. Mit jedem Armheben und -senken wurden die Töne lauter, süßer und bezaubernder.
Währenddessen spielte Rebecca die ganze Zeit denselben Akkord auf dem Piano.
Das Ganze hatte Larry nämlich zufällig entdeckt, als er diese ganz bestimmte Notenkombi hörte und sich sein Körper mit Luft füllte. Aber nicht nur das: Durch die leiseste Bewegung des linken Armes konnte er auf sich wie auf einem Dudelsack spielen. Uns war sofort klar: Damit hatten wir unsere Nummer für den Wettbewerb.
Das Publikum summte, wiegte sich und wollte immer mehr hören.
»Als hätte ich den Paarungsruf tausend männlicher Seejungfrauen im Kopf«, seufzte die Brüllsäge verzückt.

Leider wusste ich da noch nicht, dass eine »Symphonie in Larry-Dur« nie länger als ’ne Minute dauern sollte. Bei den Proben waren wir immer nur bis dreißig Sekunden gekommen, weil wir uns vor Lachen fast nass gemacht hatten. Doch unter dem Ansporn der Menge haute Rebecca einfach weiter in die Tasten.
Ich hätte vielleicht merken sollen, dass Larry die Farbe wechselte. Und dass der Klang, der aus ihm kam, sich definitiv änderte. Was sich aber nicht irgnorieren ließ, war der Gestank.
»Alles okay, Lay?«, flüsterte ich aus dem Mundwinkel.
Bevor er antworten konnte, hämmerte Rebecca erneut auf die Pianotasten. Larry blähte sich auf Dreifachgröße.

Die Menge schnappte nach Luft.
Ich schluckte. »Oh, oh.«
Alle dachten, es gehöre zur Nummer. Tat’s aber nicht.
Ein unheilvolles Gerumpel kollerte aus Larrys Tiefen hervor. Er presste sich die Hand auf den Mund. Aber irgendwo musste die Luft ja hin. Also schoss sie eben aus dem anderen Ende heraus.

Mit ohrenbetäubendem PRRRRFFTTTTT!!!! zischte Larry Richtung Auladecke – getrieben von einem grünen Gasstrahl.
Der Gestank traf das Publikum und Larry die Decke – zeitgleich.
»Kackaaaaaaaaaaa!!!!«, heulten die Vorschulkids.
»OH, SHIIIIIIIIIIT!«, kreischten alle anderen.

Staub regnete von oben herab, als Larry durch die Decke BRETTERTE.
Er schoss weiter in den Himmel, während die Dachtrümmer in alle Richtungen flogen und sich eine grüne Staubwolke auf das Publikum legte. Wo eben noch vergnügt gesummt und geschunkelt worden war, husteten, spuckten und würgten jetzt alle, was das Zeug hielt.
Sekunden später stürzte Larry durch das Monsterloch im Dach zurück. Er hopste wie ein Riesengummiball auf der Bühne herum, wo er dann in sich zusammenfiel und mit schrägem KLONG! auf dem Piano landete. Schließlich flitschte er auf Normalgestalt zurück und äugte mit Spiralaugen ins Publikum.
»Und das, Leute«, sprach Rebecca durch die Trümmerstaubwolke, »heißt, den Saal zum Beben bringen!«


KAPITEL 7
Die 6a steckte in Riesenschwierigkeiten. Wieder mal.
Unser Talentwettbewerb war zum Volldesaster mutiert. Ein verschlucktes Gummihuhn war ein Kindergeburtstag gegen die Verwüstung, die wir angerichtet hatten.
Nicht nur, dass Daniel Yoon die Vorschulkiddies mit Hundepipi eingesprüht hatte.
Oder dass Abby Takani den Basketballkorb geschrottet hatte.
Oder dass unser Sportlehrer wegen der Prankmans seine Haare für eine Katze hielt.
Oder dass Christoph unsere Bibliothekarin fast zerquetscht hatte.
Oder dass Larry das Auladach komplett weggefetzt hatte.
Sondern wegen dem, was dann kam.
Kaum hatte sich der Trümmerstaub auf das Publikum gelegt, fingen alle an, sich zu kratzen. Und ich meine, richtig kratzen.
Die Brüllsäge erkannte die Symptome sofort. Und rastete endgamemäßig aus. Dem Gemunkel nach hausten in der Deckenisolierung in einem Riesennest wohl schon seit Jahrzehnten Kopfläuse. Der größte Horror aller Direxe! Ganze Schulen hatte man deswegen schon dichtgemacht.

Anscheinend war Larry geradewegs durch ihr Nest geschossen, was sie so sauer gemacht hatte, dass sie zum Gegenangriff auf die Zuschauerköpfe übergingen.
Es juckte nicht nur einfach wegen der Läuse.
Es juckte wie verrückt. Verrückt wie hemmungslos durchgeknallt verrückt. Eine halbe Stunde nach Wettbewerbsbeginn erklärte die Brüllsäge den Schulnotstand und verhängte den Shutdown, bis der Ausbruch wieder unter Kontrolle wäre. Alle durften erst wieder in die Schule, wenn der Schädel nicht mehr juckte.
Das Allerschrägste aber war, dass die Läuse eine Klasse komplett in Ruhe ließen: uns! Jeden Einzelnen aus der 6a.
Schwein gehabt, dachten wir. Bis wir am nächsten Tag in die Schule kamen und feststellten, dass es dort nur noch einen Lehrer gab.
Den einzigen Lehrer ohne Haare.


KAPITEL 8
»So sieht man sich wieder, 6a«, gluckste Hackface … und feilte sich die Nägel mit Schmirgelpapier, als wir uns auf dem Schulhof aufstellten. »Jetzt heißt es: nur noch ihr und ich.« Er schleckte sich den Feilstaub von den Fingerspitzen.
»Wirklich ein Glück«, fuhr er fort, »dass diese garstigen Läuse euch nicht wollten. Bestimmt war euer Geruch zu abstoßend für ihre Geschmacksknospen.«

Ich hatte mir schon die ganze Zeit das Hirn zermartert, warum wir davongekommen waren. Meiner Einschätzung nach wohl, weil Larry, Rebecca und ich auf der Bühne waren und die anderen dahinter, als der Läusestaub auf das Publikum prasselte. Eine andere logische Erklärung gab es nicht.
»Ich habe soooo lange auf diesen Moment gewartet«, sagte Hackface höhnisch grinsend. »Dachtet wohl, eure geliebte Ms Triggelty wäre ewig hier, um euch zu beschützen. Aber wo ist sie jetzt?«
»Zu Hause, wo sie sich von den Saltos erholt, die ihr Baby in ihrem Bauch gemacht hat«, sagte Steven.
Was hundertpro stimmte, so abgedreht das auch klang.

Ich hatte es während unserer Nummer nicht bemerkt, aber die »Symphonie in Larry-Dur« hatte eine überraschende Wirkung auf das Triggelty-Baby gehabt. Es hatte die Musik geliebt! Bei jeder Note aus Larrys Mund hatte Ms Triggeltys Bauch gehüpft, als wäre er voller Ninjas.
Leider ist Ms T. durch das Achterbahngehopse in ihrem Bauch so übel geworden, als hätte sie ein Stück Gammelkäse verputzt. Sie hatte es nicht einmal bis zum Ende unserer Nummer geschafft, sondern war in ihr Auto gehechtet und direkt zum Arzt gefahren.
Somit hatte sie nicht mitbekommen, wie Larry das Dach terminierte und anschließend das Chaos ausbrach. Andernfalls hätte sie Hackface nie mit dem davonkommen lassen, was er als Nächstes abzog.
Mit Wharpspeed schnappte er sich seinen Besen und fegte Steven von den Beinen.
»HAB ICH WAS GEFRAGT?«, bellte Hackface.

»Öhm«, druckste Steven herum.
»HAB ICH DIR EIN ›ÖHM‹ ERLAUBT?«, bellte Hackface.
»Ähh …«, antwortete Steven.
»ODER EIN ›ÄHH‹?«, schnauzte Hackface.
Steven sagte nichts.
»WIE KANNST DU ES WAGEN, NICHT ZU ANTWORTEN, WENN DU WAS GEFRAGT WIRST!«, keifte Hackface.
Steven saß mit rollenden Augen auf dem Asphalt.
Wir wussten, dass wir es gut bei Ms Triggelty gehabt hatten. Aber wir würden nie vergessen, wie übel es mit Hackface als Klassenlehrer gewesen war. Und nun hatte er wieder das Sagen, bis sich die anderen Lehrer von der Läuseplage erholt hatten.
So wie sich meine Eltern verzweifelt die ganze Nacht die Köpfe gekratzt hatten, konnte das Wochen dauern. Ach was, Wochen – Monate!
Langsam stolzierte er über den Schulhof und grinste der Reihe nach fies auf uns hinab. Mehr denn je stank er wie ein in Billigrasierwasser gekochter Kohlkopf.
»Das ist jetzt meine Schule«, kicherte Hackface. »Und ihr werdet die Sauerei beseitigen, die ihr angerichtet habt!«
Ich wünschte, ich könnte sagen, Hackface hätte sich während seiner Hausmeisterzeit eingekriegt. Ich hatte wohl die Hoffnung, all das Kehren und die Gartenarbeit hätten ihn etwas weniger schrecklich gemacht. Aber es war so was von klar, dass er noch übler geworden war. VlEL ÜBLER sogar.
Er zeigte zur Ruine des Auladachs hoch.
»Ich habe mir einen Preis für eure Elendsauftritte beim sogenannten ›Talentwettbewerb‹ ausgedacht«, gluckste er. »Und zwar BAUT IHR DIESES DACH WIEDER AUF! Ziegel für Ziegel. Stein für Stein. Splitter für Splitter.«
Wir schnappten fassungslos nach Luft.
Wir wussten schon immer, dass Hackface durchgeknallt war. Das hatte er etliche Male bewiesen.
Zum Beispiel, als er uns in einem Pool voller Drecksbrühe hatte schwimmen lassen.

Oder als er Larry aus dem Fenster geworfen hatte.

Oder bei seinem Versuch, uns zu ertränken, indem er unsere außer Kontrolle geratene Rakete ins Meer der Haie stürzen ließ.

Aber jetzt benutzte er uns als Sklaven, um ein Dach zu bauen. Ohne Hilfe! Gab es nicht Gesetze gegen Kinderarbeit auf dem Bau? Wie würde er damit durchkommen?
Wir hätten dankbar sein sollen, dass wir der Läuseplage entronnen waren. Aber ein Kopf voll juckender, beißwütiger Miniinsekten wäre das Paradies gewesen, verglichen mit Hackface’ neuer Horrorherrschaft.
Wie sich herausstellte, hatte er seit seiner Degradierung zum Hausmeister still und leise über einem Plan gebrütet. Und das hier war erst der Anfang. Ein noch fieserer Plan, als wir uns je hätten vorstellen können – wie wir nur zu bald erfahren sollten.

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