Kitabı oku: «Irlands Göttinnen und Götter»


MORGAN DAIMLER
IRLANDS
GÖTTINNEN
& GÖTTER
Alles über die Tuatha Dé Danann
und andere Gottheiten
der Grünen Insel
Aus dem Amerikanischen
von Thomas Görden

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Amerikanische Originalausgabe:
Gods and Goddesses of Irland.
A Guide to Irish Deities
Deutsche Erstausgabe im AMRA Verlag
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| Herausgeber & Lektor | Michael Nagula |
| Einbandgestaltung | Guter Punkt |
| Layout & Satz | Birgit Letsch |
| Druck | CPI books GmbH |
ISBN Printausgabe 978-3-95447-435-6
ISBN eBook 978-3-95447-436-3
Copyright der britischen Vorlage © 2019 by Morgan Daimler
Originally published in the UK by John Hunt Publishing Ltd., Laurel House, Station Approach, Alresford, Hants, SO24 9JH Published in 2020 under licence from John Hunt Publishing Ltd.
Alle hier vorgestellten Informationen, Ratschläge und Übungen sind natürlich subjektiv. Sie wurden zwar nach bestem Wissen und Gewissen geprüft, dennoch übernehmen Verfasser und Verlag keinerlei Haftung für Schäden gleich welcher Art, die sich direkt oder indirekt aus dem Gebrauch der Informationen, Ratschläge oder Übungen ergeben.
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Inhalt
Einige Worte vorab
Einführung: Wer sind die irischen Götter?
1Die Túatha Dé Danann: Götter
2Die Túatha Dé Danann: Göttinnen
3Andere irische Götter
4Die Verehrung der irischen Götter
Schlussbemerkung
Danksagung
Bibliografie
Stimmen zum Buch
Über die Autorin

Dieses Buch widme ich Maya, die mich immer ermutigt hat … Danke, Mo Chara.
Und Lora O’Brien, der ich die Anregung verdanke, Medb von Connacht in dieses Buch aufzunehmen.
Einige Worte vorab
Es gibt viele Bücher über die keltischen Götter im Allgemeinen, aber wenige speziell über die Götter Irlands. Und so weit ich weiß gab es bisher keines, das leistet, was ich hier anbieten möchte – eine kurze und prägnante Beschreibung der zahlreichen irischen Götter in einem kleinen, praktischen Nachschlagewerk. Es geht mir darum, denjenigen, die sich für die irische Götterwelt interessieren, einfach zugängliche Informationen zu diesem Thema verfügbar zu machen. Im vorliegenden Buch finden Suchende deshalb jetzt erstmals umfassendes akademisches Material und Hinweise auf weiterführende Literatur, in einem Format, das handlich und gut lesbar ist. Auf keinen Fall handelt es sich um eine vollständige, ausführliche Beschreibung jeder einzelnen irischen Gottheit. Das Buch ist vielmehr dazu gedacht, solides Grundwissen zu liefern, die zum Verständnis der jeweiligen Götter und Göttinnen wichtigsten Informationen. Die Natur der irischen Götter ist komplex, und es sind viele ineinander verwobene, nuancenreiche Mythen mit ihnen verknüpft.
Beim Schreiben dieses Buches stützte ich mich auf zahlreiche Quellen, die ich am Ende der Artikel über die einzelnen Götter jeweils nenne. Dieses Buch kann durchaus für sich allein genutzt werden, denn es bietet einen guten Überblick. Doch ich hoffe, dass es in den Leserinnen und Lesern den Wunsch weckt, tiefer in die Materie einzudringen und die Suche fortzusetzen. Um sie dabei zu unterstützen, gibt es im Anhang eine Bibliografie, in der die von mir verwendeten Werke ebenso aufgeführt sind wie empfehlenswerte weiterführende Literatur. Hierfür habe ich Bücher ausgewählt, die unterschiedliche Sichtweisen und Ansätze zur Beschäftigung mit den irischen Göttern bieten, sodass sie uns helfen, besser zu verstehen, wer diese Götter waren und sind.
Ich bin seit 1991 irische Heidin und praktiziere die Verehrung der irischen Götter seit über fünfundzwanzig Jahren. Ich bin Priesterin der Göttin Macha, der Schutzgottheit von Ulster. Ich habe festgestellt, wie spirituell wertvoll es für mich ist, diese Götter anzubeten, ihre Geschichte und Mythologie zu studieren und zu lernen, sie in einen modernen Kontext einzubinden. Für manche mag dieses Buch der Einstieg zu einer spirituellen Verehrung der irischen Götter und einer lebenslangen Beschäftigung mit ihnen sein. Andere werden diesen Ruf vielleicht nicht so intensiv verspüren. Trotzdem kann das Buch auch ihnen wertvolle Einsichten vermitteln. Letztlich ist kein Wissen jemals vergeudet.
Einführung Wer sind die irischen Götter?
Die Götter Irlands sind tief in der Vergangenheit verwurzelt, und doch spielen sie auch in der heutigen Welt eine aktive Rolle. Sie waren immer schon machtvolle Kräfte, die uns Segen spenden, aber uns auch zur großen Herausforderung werden können. Dabei besteht die größte Schwierigkeit oft darin, überhaupt Informationen über sie zu finden. Dieses kleine Buch ermöglicht es Ihnen, sich nach Art eines Lexikons in kurzen Artikeln über die einzelnen Götter zu informieren, von ihren Ursprüngen bis zur modernen spirituellen Praxis.
Bei den modernen Neuheiden erfreuen sich die irischen Götter großer Beliebtheit, und trotzdem kann es schwierig sein, gute Informationen über sie zu finden. Oft werden sie mit den anderen keltischen Göttern in einen Topf geworfen, was zu dem falschen Eindruck führt, es gäbe ein gemeinsames pan-keltisches Pantheon. Doch ein solches hat historisch nie existiert. Dieser Ansatz verursacht noch ein weiteres verbreitetes Problem: In der populären, leicht verfügbaren heidnischen Literatur wird nur über die beliebtesten Götter geschrieben oder über die, zu denen es die meisten Informationen gibt, während weniger beliebte oder bekannte Gottheiten einfach weggelassen werden. Und das verfügbare Material ist leider nicht immer sehr verlässlich. In vielen Büchern werden großzügig Fakten und Fiktion vermischt, in einer Art und Weise, die für die Leser ziemlich verwirrend sein kann. Das führt dazu, dass Menschen, die sich für das irische Heidentum interessieren, besonders wenn sie noch ganz am Anfang stehen, oft Schwierigkeiten haben, die Informationen zu finden, nach denen sie suchen, oder solide Informationen von Erfundenem zu unterscheiden.
In diesem Buch finden Sie, wie in einem kleinen Lexikon, kurz und knapp die wichtigen Informationen zu zahlreichen irischen Gottheiten, unter anderem die Bedeutung ihres Namens, ihre Verwandtschaftsbeziehungen, die Aspekte, mit denen sie assoziiert werden, und die mit ihnen verknüpften Mythen. Um den Gebrauch des Buches zu vereinfachen, habe ich es in drei Hauptkapitel unterteilt: Túatha-Dé-Danann-Götter, Túatha-Dé-Danann-Göttinnen und Andere irische Götter. Diese Unterteilung beruht darauf, dass die Túatha Dé Danann als die Hauptgötter Irlands gelten, aber es gibt auch wichtige Götter, die nicht zu den Túatha Dé Danann gerechnet werden. Allerdings ist es in einem so kleinen Buch nicht möglich, jede einzelne irische Gottheit ausführlich zu behandeln. Also werde ich stattdessen eine größere Auswahl an Gottheiten vorstellen, als man sie normalerweise in den meisten anderen Büchern findet, und die Leserinnen und Leser mit so vielen Informationen wie möglich zu jeder Gottheit versorgen.
Denen, die Informationen zu einer Gottheit suchen, die in diesem kleinen Buch nicht aufgeführt ist, empfehle ich die Bücher, die ich als Quellen benutzt habe, vor allem Daithi Ó hÓgáins Lore of Ireland und MacKillops Dictionary of Celtic Mythology. Bedenken Sie aber, dass auch die besten akademischen Texte oft Gottheiten unerwähnt lassen, zu denen nur wenige Informationen vorliegen. Also bleibt uns in manchen Fällen kaum etwas anderes übrig, als direkt die Originalquellen zurate zu ziehen und darin nach Hinweisen zu suchen, wobei dies in vielen Fällen kaum mehr als ein einziger Satz in einer Sage sein wird. Zum Beispiel gibt es in der ursprünglichen Mythologie scheinbar keine irische Mondgöttin, es finden sich aber Andeutungen und Hinweise auf mehrere potenzielle Kandidatinnen.
Die irischen Götter überlebten in einer Mythologie, die nach der Bekehrung zum Christentum aufgeschrieben wurde, und später dann in der Folklore, meist eng mit bestimmten Orten verbunden. Sie sind eingewoben in die Landschaft Irlands, in seine Geschichte und seinen Geist, in die Hügel und heiligen Stätten. Sie sind die Götter der Heiden, und, so sagen manche Leute, die Feen (»Gentry«) der Christen. Sie verändern sich, wie die Welt um sie herum sich verändert, und doch bleiben sie immer Teil des Pulsschlags des Landes selbst, und der Fantasie der Menschen.

1
AENGUS
Auch Aongus, Aonghus, Angus oder im Altirischen Oengus genannt, mit dem Beinamen Mac ind Og (der junge Sohn), Mac Dá Oc (Sohn der zwei Jungen) oder Aonghus an Bhroga (Angus vom Brú). Sein Name ist aus den altirischen Wörtern óen, ›einzigartig und unvergleichlich‹, und gus, ›Kraft oder Stärke‹1 zusammengesetzt und bedeutet demnach ›einzigartige Kraft‹ oder ›unvergleichliche Stärke‹.
Sein Vater ist der Dagda, seine Mutter die Göttin Bóinn, namengebende Gottheit des Flusses Boyne. Aengus entstammt einer Affäre zwischen diesen beiden, was der Dagda vor Boinns Ehemann Elcmar verbarg, indem er bewirkte, dass ein einziger Tag und eine einzige Nacht neun Monate dauerten.2 Deshalb wurde Aengus scheinbar an dem Tag geboren, an dem er gezeugt wurde, was seinen Beinamen ›der junge Sohn‹ erklärt. Väterlicherseits hat er viele Geschwister, unter anderem die Göttin Brighid. Es heißt, dass er mindestens eine Tochter hatte, Maga. Durch sie gehört er zu den Vorfahren des Hauses Ulster.3
Smyth vermutet, dass Aengus an Samhain gezeugt und, weil seine Geburt heimlich erfolgte, auch an Samhain geboren wurde.4 Das Fest Samhain ist auch noch auf andere Weise mit Aengus verbunden, denn an diesem Tag gelingt es ihm schließlich auch, die Frau zu erobern, die er am meisten begehrt. Davon wird in der Erzählung Aislinge Oenguso berichtet. Dort heißt es, dass Aengus von einer geheimnisvollen Frau namens Caer Iobharmheith (altirisch: Caer Ibormeith) träumte und daraufhin krank vor Liebe wurde. Nachdem seine Eltern die Identität der Frau herausgefunden hatten, spürte er sie an Samhain auf, warb um sie, und die beiden verwandelten sich in Schwäne und flogen davon.5
Aengus wohnt im wohl berühmtesten aller Feenhügel, im Brú na Bóinne, den er durch eine List in seinen Besitz brachte. Von der Geschichte, wie ihm das gelang, existieren unterschiedliche Versionen. In einer wird berichtet, Aengus habe mit der Hilfe seines Vaters, des Dagda, den Brú Elcmar abgenommen. In einer anderen gehört der Brú na Bóinne dem Dagda. Dank seiner eigenen List oder mit der Hilfe eines seiner Stiefväter gewinnt Aengus den Brú für sich. Dabei ist der Kern der Geschichte immer gleich: Aengus kommt zum Brú und bittet den Besitzer, ihm den Palast für die Zeit eines Tages und einer Nacht zu überlassen. Diese Bitte wird ihm gewährt, doch als der bisherige Besitzer den Palast nach vierundzwanzig Stunden zurückfordert, sagt Aengus, der Palast gehöre jetzt ihm, da ja alle Zeit aus Tag und Nacht bestehe, die aufeinander folgen. So gewinnt er jenen Ort, der seitdem als seine Wohnstätte bekannt ist.
Aengus gilt als der Gott von Jugend, Schönheit und Liebe. In den Sagen und Geschichten hilft er oft den Liebenden. Besonders berühmt ist die Geschichte von Diarmuid und Gráinne im Finn-Zyklus.6 Er ist auch als ein listenreicher Gott bekannt, was sich daran zeigt, wie er den Brú na Bóinne in Besitz nahm, und an einer Begebenheit in Cath Maige Tuired, wo er seinem Vater, dem Dagda, den Rat gibt, den unredlichen König Bres durch eine List dazu zu bewegen, ihm seinen gerechten Lohn zu zahlen.
Aengus besitzt ein kostbares Zauberpferd. Es ist so groß, dass es einen ganzen Haushalt tragen kann. Einmal urinierte es so gewaltig, dass daraus Lough Neagh entstand. Auch gehört ihm ein vielfarbiger Mantel, der für die Augen eines Menschen, der todgeweiht ist, so aussieht, als hätte er nur eine Farbe.7 Es heißt, dass vier weiße Vögel Aengus’ Kopf umkreisen. Dabei soll es sich entweder um Schwäne handeln oder um vier seiner Küsse, die er in Vögel verwandelt hat.
Wenn Neuheiden Verbindung zu Aengus aufnehmen möchten, kann das viele Gründe haben, doch oft wird er als eine Liebesgottheit verehrt. Typische Opfergaben für Aengus sind Milch, Bier oder köstliche Speisen, aber auch alles andere, was die Praktizierenden angemessen finden.
Quellenverweise
1eDIL
2Smyth, 1988
3MacKillop, 1998
4Smyth, 1988
5Shaw, 1934
6MacKillop, 1998
7Ó hÓgáin, 2006
CREDNE
Credne oder Credine im Altirischen, im modernen Irisch Creidhne. Sein Beiname ›Cerd‹ bedeutet Kunstschmied. Die Materialien, mit denen Credne arbeitet, sind Bronze, Messing und Gold.1 Er gilt als der ›Meister-Handwerker‹ unter den Göttern und tritt oft zusammen mit seinen zwei Brüdern in Erscheinung: dem Schmied Goibniu und dem Tischler Luchta. Diese drei werden die Götter der Handwerkskunst unter den Túatha Dé Danann genannt. Nachdem Nuada, der Hochkönig der Túatha Dé Danann, in der ersten Schlacht von Maige Tuired seinen Arm verloren hatte, half Credne dem Heilgott Dian Cécht, eine Armprothese aus Silber für den König anzufertigen.2 Während des Kampfes gegen die Formoren halfen Credne und seine Brüder den Túatha Dé Danann, indem sie die Götter mit Waffen ausrüsteten. Crednes besonderer Beitrag hierzu waren Nietköpfe für die Speere, Griffe für die Schwerter und Buckel und Ränder für die Schilde.3
Zu seinen Symbolen gehören die Werkzeuge des Schmieds: zum Beispiel ein kleiner Hammer, eine Ahle oder ein Ankörner. Als Opfergaben für Credne eignen sich Wasser, Ale oder ein edles oder halbedles Metall.
Quellenverweise
1MacKillop, 1998
2Macalister, 1941
3MacKillop, 1998
DER DAGBA
Einer der bekanntesten Túatha Dé Danann ist der Dagda. Es gibt viele Variationen seines Namens und er hat viele Beinamen. Unter anderem nennt man ihn Daghdae, Dagdai, Daghdo, Daghdou, Dagdae, Dagdhua, Daghdae, Dagda Mor, Dagda Donn und Eochaid Ollathair, Ruad Rofessa, Aedh Alainn, Aodh Ruadh Ro-fessa. Meistens wird ihm der bestimmte Artikel ›der‹ vorangestellt.1 Das Wort Dagda selbst ist ein Beiname, der ›guter Gott‹ bedeutet, womit ein Gott gemeint ist, der alles kann, und zwar sehr gut kann. Diesen Namen gewinnt er in der zweiten Schlacht von Maige Tuired, als er verspricht, im Kampf so viel zu leisten wie alle anderen Túatha Dé zusammen.2 Auch seine Beinamen verraten uns eine Menge über ihn: Eochaid Ollathair – ›Vater der Vielen‹, Ruad Rofessa – ›Roter Mann des Wissens‹ (womit druidisches oder okkultes Wissen gemeint ist), Aedh Alainn – ›der feurig Leuchtende‹.3
Wer dazu neigt, sich den Dagda als eine Art neuheidnischen Vatergott vorzustellen, sollte bedenken, was ›guter Gott‹ hier wirklich bedeutet und Ollathair im engeren Sinne. Es gibt nämlich keinen eindeutigen Beweis, dass der Dagda wörtlich als Vater der Götter betrachtet wurde. Man hielt ihn wohl eher für sehr fruchtbar und sexuell aktiv. Andererseits vertritt aber Ó hÓgáin die Auffassung, dass es sich bei dem Dagda um den Dis Pater handeln könnte, die Vatergottheit, von der, jedenfalls laut Julius Cäsar, die Gallier ihre Abstammung herleiteten.4
Im Cath Maige Tuired gibt es eine lange Aufzählung der vielen Namen des Dagda. Er soll einer Formoren-Prinzessin eine Bitte gewähren, entgegnet aber, er hätte ein Gelübde abgelegt und dürfe ihren Wunsch nur erfüllen, wenn sie ihn bei seinem vollen Namen nennen könne. Daraufhin fragt sie ihn drei Mal nach seinem Namen, und beim dritten Mal antwortet er: »Fer Benn Bruach Brogaill Broumide Cerbad Caic Rolaig Builc Labair Cerrce Di Brig Oldathair Boith Athgen mBethai Brightere Tri Carboid Roth Rimaire Riog Scotbe Obthe Olaithbe.«5 Ó hÓgáin zufolge lässt sich der Name Dagda von der Wurzel Dago-Dewios herleiten und ist verwandt mit anderen indoeuropäischen Himmelsgöttern wie Zeus und dem gallischen Gott Sucellus, dessen Aussehen zudem ähnlich beschrieben wird.6
In manchen Quellen wird der Dagda als Sohn des Elatha bezeichnet, und es heißt, die Morrígan wäre seine Frau. Allerdings soll er auch mindestens ein Kind mit Boinn gezeugt haben. Je nach Text finden sich unterschiedliche Angaben zu seinen Kindern, aber für gewöhnlich werden folgende genannt: Aengus Mac Og, Cearmait, Aodh Caomh, Conan, Midir, Bodhbh Dearg, Ainge und Brighid. In einem späteren Text wird außerdem Dian Cécht als sein Sohn bezeichnet.7 Seine Söhne sterben oft, nachdem sie versuchten, eine Frau zu erobern, die für sie unerreichbar ist. Nur Aengus gelingt es, Caer Iobharmheith zu heiraten, die ganz buchstäblich die Frau seiner Träume ist. Das verbindet den Dagda vermutlich mit der sexuellen Leidenschaft und auch dem Sexualneid, da er Aengus mit der Ehefrau eines anderen zeugte. Manchmal wird er außerdem als Bruder von Nuada und Ogma bezeichnet.8
Der Dagda wird gewöhnlich als sehr großer, schwerer Mann beschrieben, manchmal auf komisch überzeichnete Art – mit gewaltigem Appetit. So soll sein tägliches Porridge aus dreihundert Litern Milch gekocht worden sein, mit ganzen Schafen, Schweinen und Ziegen als Zutaten. Die Schöpfkelle, mit der er diese Mahlzeit aß, war so groß, dass zwei Männer darin ausgestreckt liegen konnten.9 Manche modernen Quellen beschreiben ihn als rothaarig – was sich vielleicht auf seinen Namen Ruad Rofessa bezieht – und bekleidet mit einer kurzen Tunika, manchmal obszön kurz. Er gilt als großzügig, weise und sein Appetit, auch in sexueller Hinsicht, als überlebensgroß.10 Es werden ihm ungeheure Körperkräfte zugeschrieben. Angeblich konnte er allein eine ganze Burg bauen und in einer einzigen Nacht zwölf große Flachlandgebiete roden.
Im Book of Lecan heißt es, der Dagda hätte nach dem Tod Lughs achtzig Jahre lang als König der Götter geherrscht. Anderen Quellen zufolge fiel er dagegen in der zweiten Schlacht von Maige Tuired.11 Später wird das so erklärt, dass er in der Schlacht eine Verwundung davontrug, an deren Folgen er achtzig Jahre später starb, aber das ist offensichtlich ein Versuch, die sehr widersprüchlichen Berichte zu einem zusammenhängenden Ganzen zu vereinen.12
Der Dagda soll ein Meister der druidischen Magie und im Besitz mehrerer magischer Gegenstände gewesen sein. So verwahrte er einen der vier Schätze der Túatha Dé Danann, nämlich den aus Murias mitgebrachten Kessel der Fülle. Außerdem besaß er eine Keule, die so groß war, dass sie auf Rädern gezogen werden musste. Es heißt, mit dem einen Ende dieser Keule konnte er neun Männer auf einen Schlag töten, während ihr anderes Ende heilkräftig war.13
Sein Pferd hieß Acein (Ozean) und er besaß eine Harfe, durch deren Spiel der Wechsel der Jahreszeiten ausgelöst wurde. Diese Harfe wurde ihm von den Formoren gestohlen und der Dagda musste mit Nuada und Ogma eine weite Reise unternehmen, um sie zurückzuholen, was vermutlich darauf hinweist, wie wichtig es ist, dass die Zeit und der Wechsel der Jahreszeiten nicht in Unordnung geraten.
Der Dagda wird mit Brú na Bóinne in Verbindung gebracht und auch mit Grianan Ailigh, einer Kultstätte in Donegal, sowie mit Leighead Lachtmhaighe in Clare, Cnoc Baine in Tyrone und O Chualann in Wicklow.14 Nach ihrer Niederlage gegen die Milesier soll der Dagda den Túatha Dé Danann ihre Sidhe (Feenhügel) zugewiesen haben, möglicherweise auf Vorschlag von Manannán mac Lir.15 Der ursprüngliche Wohnsitz des Dagda war Newgrange (Brú na Bóinne), doch sein Sohn Aengus vertrieb ihn mit Hilfe einer List von dort.
Der Dagda wird besonders stark mit Samhain assoziiert, weil er eine Verbindung mit der Morrígan einging, um sie als Verbündete der Túatha Dé Danann für die Schlacht von Maige Tuired zu gewinnen. Deswegen ließ er sich auch mit der Formoren-Prinzessin ein. Sie sollte ihr Volk verraten und den Túatha in der Schlacht helfen.
Allgemein können wir den Dagda mit Druidenmagie, Weisheit, Führungsstärke, Fruchtbarkeit, Großzügigkeit, Fülle und vielseitiger Geschicklichkeit und Tüchtigkeit assoziieren. Ó hÓgáin stellt einen Bezug zur Sonne und solarer Symbolik her. Und er sagt, dass die Beschreibung des Dagda als ›schnell‹ darauf hinweist, dass er denen, die sich im Gebet an ihn wandten, schnell antwortete.15 Für manche moderne Praktizierende und Gelehrte ist er gleichen Ursprungs wie entweder Thor oder Odin, wobei es gute Argumente für beides gibt. Andere assoziieren den Dagda eher mit dem Dis Pater der Römer oder dem gallischen Gott Sucellus. Viele moderne Druiden betrachten den Dagda als den Gott der Druiden, und zweifellos besteht bei ihm eine starke Verbindung zur Druidenmagie.
Als Opfergaben für den Dagda bieten sich dunkle Biersorten sowie Porridge an. Letzterer sollte mit Butter und Zutaten wie Speck verfeinert werden. Symbole des Dagda können die Keule, der Stab oder der Kessel sein.
Quellenverweise
1Gray, 1983; Ó hÓgáin, 2006
2Gray, 1983
3Ó hÓgáin, 2006
4Ebd.
5Gray, 1983
6Ó hÓgáin, 2006
7Ebd.
8Ebd.
9Berresford Ellis, 1987
10Ó hÓgáin, 2006
11Smyth, 1988
12Ó hÓgáin, 2006
13Berresford Ellis, 1987; Ó hÓgáin, 2006
14Smyth, 1988; Ó hÓgáin, 2006
15Ó hÓgáin, 2006
DIAN CÉCHT
Auch Dían Cécht, Diancécht, Dian Céacht geschrieben, später Mac Cécht.1 Dieser irische Gott gilt als zuständig für die Heilkunde und die Wiederherstellung des Körpers. Sein Name bedeutet offenbar ›schneller Reisender‹. Er gehört zu den Túatha Dé Danann und wird in den überlieferten mythologischen Texten explizit als Gott bezeichnet.2 Dian Cécht war der oberste Arzt der Götter. Ihm gehörte der Slaine, ein Brunnen oder Kessel, in den die Verwundeten stiegen, um geheilt wieder daraus aufzutauchen. Die irischen Texte, die von ihm erzählen, preisen seine Heilkünste. Er wird ›der weise Heiler Irlands‹ und ›Gott der Gesundheit‹ genannt.3
Im Lebor Gabala Erenn wird erzählt, er sei der Sohn des Esarg und habe drei Brüder: die ›Götter des Handwerks‹ Credne, Goibniu und Luchta.4 Derselben Quelle zufolge ist er der Vater zweier anderer irischer Heilgottheiten, Miach und Airmed, sowie von Cú und Cethan. Auch soll er der Vater zweier weiterer Heiler sein, bei denen es sich vermutlich um Ormiach und Ochtriuil handelt. Zu seinen Kindern zählen außerdem die Dichterin Etain, Cian und der Großvater des Lugh.5
Dian Cécht ist nicht nur ein Gott der praktischen Heilkunde, sondern auch des Wissens über die heilenden Künste und die Heilmagie. Es heißt, dass er mit jeder Heilmethode Wunderbares bewirken kann. Es gibt nur wenige Sagen, in denen Dian Cécht auftritt, aber in diesen spielen seine Heilkünste eine zentrale Rolle. Er schuf einen wunderbaren Heilbrunnen, indem er ein Exemplar einer jeden Heilpflanze hineingab, und in der Mythologie ist er als der Heiler schrecklicher Verletzungen bekannt. So ersetzte er Nuadas abgetrennten Arm durch eine voll funktionsfähige Prothese aus Silber, heilte Midirs verletztes Auge und beseitigte Schlangenplagen.6 In den Sankt-Gallus-Zaubersprüchen wird eine Heilsalbe des Dian Cécht erwähnt. Noch bis ins achte Jahrhundert wurde Dian Cécht in heilmagischen Beschwörungen angerufen, und selbst in der modernen Volksheilkunde gibt es eine mit ihm assoziierte Haferbrei-Rezeptur.7
Ein Kessel oder Brunnen kann als Symbol für Dian Cécht verwendet werden, vielleicht mit Heilkräutern darin. Als Opfergaben kommen zum Beispiel Wasser, Kräutertee oder auch Heilpflanzen infrage.
Quellenverweise
1MacKillop, 1998
2Ó hÓgáin, 2006
3Ebd.
4Macalister, 1941
5MacKillop, 1998
6Ó hÓgáin, 2006
7MacKillop, 1998
GOIBNIU
Goibniu ist der irische Gott des Schmiedehandwerks, entsprechend dem walisischen Gafannon. Sein Name ist von dem irischen Wort für Schmied abgeleitet: altirisch ›gobha‹, ›gabha‹ im modernen Irisch.1 Von Goibniu heißt es, dass er mit nur drei Schlägen seines Hammers eine Waffe schmieden konnte.2 Mit seinen Brüdern Credne, dem Kunstschmied, und Luchta (oder Luchtar), dem Tischler, bildet er das irische ›Trio‹ der Handwerksgötter. Bei der Anfertigung der Waffen der Götter arbeiten diese drei oft zusammen, jeder trägt seinen Teil bei.
Laut dem Lebor Gabala Erenn war auch Dian Cécht ein Bruder des Goibniu. Der Vater der vier Brüder war Esarg.3 Sie werden dort immer wieder zusammen erwähnt, zum Beispiel hier: »In seiner [Nuadas] Gefolgschaft befanden sich die Handwerker: Goibniu, der Schmied, Credne, der Kunstschmied, Luchta, der Tischler, und Dien Cécht, der Heiler.«4
Goibniu war der Meister-Schmied der Túatha Dé Danann und die Waffenherstellung war sein Spezialgebiet. Vor der Schlacht von Maige Tuired wird Goibniu gefragt, was er zum Gelingen beitragen will.
Und er [Lugh] fragte seinen Schmied Goibniu, welche Waffen er für sie anfertigen werde.
»Das ist leicht zu sagen«, sprach dieser. »Mag der Kampf der Männer von Erin auch sieben Jahre dauern, so will ich doch für jeden Speer, der von seinem Schaft abgetrennt wird, und für jedes zerbrochene Schwert eine neue Waffe bereitstellen. Keine Speerspitze, die von meiner Hand geschmiedet wird«, sprach Goibniu, »soll ihr Ziel verfehlen. Niemand, dessen Haut sie durchbohrt, wird am Leben bleiben. Das vermag Dolb, der Schmied der Formoren, nicht. Ich bereite mich jetzt auf die Schlacht von Magh Tuired vor.«5
Während des Krieges gegen die Formoren fertigte Goibniu Speere von unerreichter Qualität, die nie ihr Ziel verfehlten und jeden töteten, der von ihnen getroffen wurde, mit Ausnahme von Goibniu selbst. Letzteres wissen wir, weil Ruadan, Sohn von Brighid und Bres, zur Schmiede geht, einen von Goibnius Speeren nimmt und den Schmied damit verwundet. Doch Goibniu entwindet dem Angreifer den Speer und tötet ihn damit. Anschließend wird der Schmied zu Dian Céchts Gesundbrunnen gebracht, wo er völlig wiederhergestellt wird.
Die Túatha Dé Danann verdanken Goibniu ihre Unsterblichkeit und ewige Jugend, denn der Schmied besaß einen speziellen Trank namens ›Fled Goibnenn‹, den er eigens für sie herstellte.6 Dieses Gebräu wird meistens als Bier oder Met beschrieben, manchmal auch als eine Art Festmahl – eine weitere Bedeutung des altirischen Wortes fled –, und konnte, so heißt es, Krankheiten heilen.7
Außer dem Zaubertrank besaß Goibniu eine magische Kuh, die in der Lage war, unendlich viel Milch zu geben.8
In den Sankt-Gallus-Zaubersprüchen wird auch Goibniu angerufen, was auf seine heilkräftigen Fähigkeiten hinweist. Er wird dort angerufen, um einen Dorn zu entfernen, was eine Metapher für die Behandlung einer im Kampf erlittenen Verwundung sein könnte: »… rogarg fiss goibnen aird goibnenn renaird goibnenn ceingeth ass«,9 übersetzt: »Goibnius gewaltiges Wissen, Goibnius Aufmerksamkeit, Goibnius machtvolle Aufmerksamkeit überwindet es!«
Es gibt mehrere frühe irische Zaubersprüche, in denen Goibniu um Heilung gebeten wird.10 Das könnte mit der Vorstellung zusammenhängen, dass ein Wesen, das eine Verletzung verursachte oder eine Waffe schuf, Macht über diese Verletzung hat, was sich auch in Zaubersprüchen zeigt, bei denen es um den bösen Blick und den Elfenschuss geht.
Goibniu wird eine besondere Verbindung zu Cork zugeschrieben, und zwar vor allem zu Aolbach (Crow Island) auf der Beara-Halbinsel.11 Man sagt, dort hätte sich seine Schmiede befunden und in dem Gebiet hätte seine magische Kuh gegrast. In anderen Erzählungen wird er mit dem County Cavan und den dortigen Iron Mountains assoziiert.12 In der späteren irischen Mythologie wurde Goibniu zu Gobhan Saer, einem Schmied und Baumeister der Feen.13
Ein Grund für moderne Heiden, Goibniu anzurufen, kann eine Beschäftigung mit der Schmiedekunst oder anderen Formen der Metallverarbeitung sein oder der Wunsch, eine durch Klingen oder andere geschmiedete Waffen verursachte Verletzung zu heilen. Auch können wir ihn bitten, Waffen zu segnen.
Als Opfergaben für Goibniu kommen Waffen, Metalle, Bier oder Met in Frage, aber auch alles andere, das für diesen Gott angemessen erscheint. Seine Symbole können zum Beispiel Amboss und Schmiedehammer sein.
Quellenverweise
1Ó hÓgáin, 2006
2Ellis, 1987
3Macalister, 1941
4Ebd.
5Stokes, 1926
6Ó hÓgáin, 2006
7Monaghan, 2004
8Ó hÓgáin, 2006
9Stokes, 1901
10Ó hÓgáin, 2006
11Ebd.
12Monaghan, 2004
13Ellis, 1987
LUCHTA
Auch Luchtain, Luchtaine, Luchtine oder Luchtar genannt. Er ist der Meister-Tischler der Túatha Dé Danann. Mit seinen Brüdern Goibniu und Credne bildet er die Gruppe der drei Handwerks-Götter. Er ist besonders für seine Speerschäfte und Schilde berühmt.1 In der Mythologie ist uns über Luchta nur wenig überliefert. Meistens tritt er zusammen mit einem seiner Brüder oder auch beiden Brüdern auf, wenn sie die Götter für eine Schlacht mit Waffen ausrüsten.
Zu seinen Symbolen gehören Tischlerwerkzeuge und die Arbeitsmaterialien dieses Handwerks. Als Opfergaben bieten sich Milch, Bier und aus Holz gefertigte Gegenstände an.
Quellenverweis
1MacKillop, 1998
LUGH
Lugh, altirisch Lug, ist einer der bekanntesten irischen Götter. Zu seinen Beinamen zählen Lamhfada (langer Arm), Ildanach (der Vielbegabte) und Samildanach (viele sich ergänzende Fähigkeiten). Manchmal wird er auch Mac Céin, Sohn des Cian, oder Mac Ethlenn, Sohn des Eithne, genannt.1 Lugh war einer der Hochkönige der Túatha Dé Danann und herrschte nach Nuada. Ihm gelang es ganz allein, in der zweiten Schlacht von Maige Tuired seinen Großvater, den Formoren Balor, zu besiegen. In dieser Schlacht sehen wir, wie Lugh seinem Beinamen Samildanach alle Ehre macht, denn er verschafft sich Zutritt zum Thronsaal des Hochkönigs, indem er unter Beweis stellt, dass er über mehr Fähigkeiten als alle anderen Götter verfügt. Auch setzt er aktiv seine magischen Künste ein, als es gilt, seine Krieger um sich zu scharen und vor der Schlacht den Gegner zu verfluchen.2
Lugh war der Sohn des Dé Danann Cian und der Formorin Eithne. Sein Großvater väterlicherseits war der Heilgott Dian Cécht und sein Großvater mütterlicherseits der gefährliche Formore Balor, der mit einem Blick seines bösen Auges jeden töten konnte, den er anschaute. Es gab eine Prophezeiung, wonach Balor von seinem Enkel getötet werden würde. Also hielt Balor seine Tochter in einem Turm gefangen. Doch Cian schlich sich in den Turm und schwängerte Eithne, die bald darauf Drillinge gebar. Als Balor die Säuglinge entdeckte, warf er sie ins Meer. Zwei von ihnen ertranken oder wurden in Robben verwandelt. Lugh aber wurde gerettet und entweder von Manannán oder Tailtiu großgezogen.3
Im Ulster-Zyklus heißt es, er sei der Vater des Helden Cú Chulainn, dessen Mutter eine Sterbliche war. Doch hat Cú Chulainn gleichzeitig auch einen sterblichen Vater. Im Táin Bó Cúailnge kommt Lugh Cú Chulainn zu Hilfe, als der Held schwer verletzt ist. Lugh bringt ihn in den Síd, in die Anderswelt, damit Cú dort geheilt wird.
Der Sage nach hatte Lugh vier Ehefrauen: Buí (besser bekannt als die Cailleach Bhéirre), Nás, Echtach und Englic.4 Eine dieser Frauen war untreu und hatte eine Affäre mit Cermait, einem Sohn des Dagda. Aus Rache wurde Cermait daraufhin von Lugh ermordet, was dazu führte, dass Cermaits drei Söhne den Tod des Vaters rächten und Lugh töteten.
Lugh hat eine besonders starke Verbindung zum Fest Lúnasa, das seinen Namen trägt, obgleich es eher dem Gedenken an seine Ziehmutter Tailtiu gewidmet ist. Im Altirischen lautet der Name des Festes Lughnasadh, ›Beisetzungsfeier des Lugh‹, während die moderne Bezeichnung Lúnasa ›Fest des Lugh‹ bedeutet. Im Lebor Gabala Erenn wird berichtet, dass Lugh das Fest zum Gedenken an seine Ziehmutter begründete, nachdem sie bei der Urbarmachung der Ebene gestorben war, die ihren Namen trug.5 Das Fest selbst konzentriert sich auf die Feier des Erntebeginns mit einem Schmücken der heiligen Quellen, Pferderennen, Sportwettkämpfen und der Zubereitung spezieller Speisen. Heute kreisen viele Lúnasa-Feiern um Saint Patrick als göttlichem Beschützer der Ernte, aber sehr wahrscheinlich kam ursprünglich Lugh diese Rolle zu. Erst nach der Christianisierung wurde er durch den Heiligen ersetzt.6
Lugh kann als einer der Könige der Anderswelt angesehen werden, wobei er besonders mit Teamhair (Tara) verbunden ist, wie in der Geschichte Baile in Scáil dargestellt.7 Auch hat er offenbar beim Ursprung mehrerer sterblicher Adelsgeschlechter eine Rolle gespielt, und einige Stämme sind nach ihm benannt.8 Für einige Zeit regierte Lugh als König der Götter. Dass er eine wichtige Rolle gespielt haben muss, kann man an der großen Zahl von Geschichten und Sagen ablesen, in denen er in Erscheinung tritt.
Manche Forscher vertreten die Auffassung, Lugh sei im irischen Pantheon ein Eindringling, der erst später hinzugefügt wurde. Das spiegele sich in seiner Mythologie wider, wo er mitten in der Auseinandersetzung zwischen Túatha Dé Danann und Formoren den bisherigen König Nuada ablöst.9 Wie dem auch sei, handelt es sich bei Lugh in jedem Fall um eine pankeltische Gottheit, die unter ähnlichen Namen in mehreren verwandten Kulturen auftaucht. Bei den Walisern hieß er Llew Llaw Gyffes und bei den Galliern Lugos. Der Name lässt sich aus der proto-indogermanischen Wurzel ›leug(h)‹ herleiten, die höchstwahrscheinlich ›einen Eid schwören‹ bedeutet.10
Lugh besaß einen der vier Schätze der Túatha Dé Danann, bei dem es sich den Mythen zufolge entweder um ein Schwert oder einen Speer handelte, wobei aber weitaus häufiger von einem Speer die Rede ist.11 In der Geschichte Tuath De Danand na Set soim wird erzählt, dass Lugh diese Schätze in einer Stadt erhielt, ehe die Götter nach Irland kamen. Diese Version wird mit eher wenigen Details im Lebor Gabala Erenn wiedergegeben. In einer anderen Geschichte erfahren wir, wie Lugh an den Speer kam. Nachdem die Kinder Tuireanns Lughs Vater Cian getötet hatten, so wird im Oidheadh Chloinne Tuirean erzählt, stellte Lugh ihnen eine Reihe von undurchführbaren Aufgaben, wodurch der berühmte Speer in seinen Besitz gelangte. Einer seiner Beinamen im Lebor Gabala Erenn lautet ›Rindagach‹, was Macalister mit ›hinschlachtender Speer‹12 übersetzt, wobei aber ›kämpferischer Speer‹ die genauere Übersetzung ist. Es hieß, wer mit dem Speer des Lugh in die Schlacht ziehe, sei unbesiegbar.
Für moderne Heiden gibt es zahlreiche Gründe, Lugh zu ehren, da er ein überaus vielseitiger Gott ist. Besonders wichtig sind bei ihm Kampfeskunst, Führungsstärke und magische Fähigkeiten. Häufig wird Lugh an Lúnasa geehrt, denn da kämpfte er, wie es heißt, gegen Crom um die Ernte. Als Opfergaben für Lugh bieten sich Getreide und Milch an, oder Sie opfern ihm etwas, das Sie durch Anwendung Ihrer persönlichen Fähigkeiten geschaffen haben.
Quellenverweise
1MacKillop, 1998
2Gray, 1983
3MacKillop, 1998
4Ebd.
5Macalister, 1941
6MacNeil, 1962
7Smyth, 1988
8Ebd.
9Ó hÓgáin, 2006
10Ebd.
11Daimler, 2015
12Macalister, 1944
MIACH
Dieser irische Gott stellte den Arm des Hochkönigs Nuada wieder her. Im Cath Maige Tuired wird erzählt, dass Miach die Heilung durchführte, indem er Nuadas abgetrennten Arm drei Tage an seiner Seite trug, dann drei Tage auf seiner Brust. Zum Abschluss bewarf er den Arm drei Tage lang mit Binsen.1 Hinterher erhielt er den Arm als Lohn.
In der Geschichte Oidheadh Chloinne Tuirean wird erzählt, wie Miach und sein Bruder Ormiach in Tara eintreffen. Dort heilt Miach den Torwächter, der ein Auge verloren hat. Miach ersetzt das fehlende Auge durch das Auge einer Katze, was bei dem Torwächter für einige unangenehme Nebenwirkungen sorgt.2
Das Lebor Gabala Erenn enthält mehrere Versionen der Geschichte, in der Miach König Nuada heilt. Miachs Vater Dian Cécht war so neidisch auf Miachs Fähigkeiten als Heiler, dass er ihn mit vier Schwerthieben verwundete. Die ersten drei Hiebe konnte Miach heilen, doch durch den vierten starb er. Auf seinem Grab wuchsen sämtliche Heilkräuter der Welt. Miachs Schwester Airmed sammelte und ordnete sie, doch Dian Cécht zerstörte Airmeds Ordnung und zerstreute die Kräuter, sodass ihre Heilkräfte verlorengingen (jedoch gibt es auch Versionen der Geschichte, in denen Miach nicht stirbt).3 Darin spiegelt sich der Glaube wider, dass die Pflanzen die auf dem Grab eines Menschen wachsen, etwas von seinem Geist enthalten. Und so wuchsen auf dem Grab des Heilung spendenden Gottes sämtliche Heilpflanzen der Welt. Da aber Miach ein Gott ist, war sein Tod nur vorübergehend, und später, bei der Schlacht gegen die Formoren, ist er wieder lebendig. Seite an Seite mit seinem Vater und seinen Geschwistern heilt er die verwundeten Túatha Dé Danann in dem berühmten Gesundbrunnen seines Vaters.
Neben Ormiach und Airmed hat Miach weitere heilkundige Geschwister, unter anderem Ochtriuil.
Miach kann heute angerufen werden, wenn aufwändige und langwierige medizinische Behandlungen notwendig sind, oder bei Heilungsprozessen, die längere Zeit in Anspruch nehmen. Als Opfergaben für diesen Gott eignen sich Heilkräuter-Aufgüsse, die Heilkräuter selbst oder reines Wasser.
Quellenverweise
1Gray, 1982
2Ebd.
3Macalister, 1944
MIDIR
Der Túatha Dé Danann Midir, auch als Midhir bekannt, ist Besitzer des Síd (Feenhügel) von Bri Léithe im County Longford. Ó hÓgáin schreibt, im modernen Irisch müsse sein Name Mír lauten, und vermutet, dass dieser Name ursprünglich ›der Maßnehmer‹ bedeutete.1
Midir ist eine eher obskure Gottheit, über die nur wenig bekannt ist, obwohl er in der Geschichte Tochmarc Étaín eine wichtige Rolle spielt. In dieser Geschichte erfahren wir, dass Midir einst durch einen Schlag mit einem Stechpalmenast ein Auge verlor. Das geschah, als er versuchte, einen Streit zwischen Aengus und Elcmar zu schlichten. Doch Dian Cécht heilte die Wunde und stellte Midirs Auge wieder her.2 Er wird mit Kranichen und Schwänen assoziiert, und in wenigstens einer Geschichte verwandelt er sich in einen Schwan.3
Midir ist Ziehvater von Aengus mac Og, dem Sohn des Dagda. Er hatte zwei Frauen: die Zauberin Fuamnach und die Königstochter Etain. Die Rivalität zwischen diesen beiden Frauen steht im Zentrum der Erzählung Tochmarc Étaín. Midir hat zwei Töchter, Ailbe und Doirind.4
Der bekannteste mit ihm assoziierte Ort ist Brí Leith (der graue Hügel) im County Longford.
Manche moderne Praktizierende bringen Midir mit dem Mond in Verbindung, was aber als unsicher gilt. Man kann ihn auch als Gott der Kompromisse und Verhandlungen, des Gleichgewichts und der Hingabe sehen. Als Opfergaben kommen Milch, Wasser und frische Kräuter in Frage.
Quellenverweise
1Ó hÓgáin, 2006
2Leahy, 1906
3Smyth, 1988
4MacKillop, 1998
NECHTAN
Auch als Neachthan bekannt, war dieser Gott der Besitzer oder Hüter von Connla’s Well, einer heiligen Quelle der Weisheit, aus der nur er selbst und seine drei Mundschenke Wasser schöpfen durften. Manche moderne Forscher glauben, dass Nechtan ein anderer Name für Nuada Airgetlamh ist, da beide ursprünglich Wassergötter waren.1 Generell gilt Nechtan als ein Gott der Flüsse und anderen Gewässer.2
Nechtan war mit der Flussgöttin Boann verheiratet, die auch als Frau des Elcmar bezeichnet wird, was vermuten lässt, dass Nechtan und Elcmar ein- und derselbe Gott sein könnten. Nach dieser Logik könnte man hier noch Nuada mit hinzuzählen. Der Síd des Nechtan soll der Carberry Hill in Kildare sein.3
Quellenverweise
1MacKillop, 1998
2Sjoestedt, 2000
3MacKillop, 1998
NUADA AIRGETLAMH
Als die Túatha Dé Danann nach Irland kamen, war Nuada ihr König. Im Lebor Gabala Erenn heißt es, dass er bei ihrer Ankunft in Irland schon seit sieben Jahren regierte. Er wurde abgelöst, als er in der Schlacht seinen Arm verlor. Nachdem sein Arm wiederhergestellt war, regierte er weitere zwanzig Jahre.1
Green vermutet, dass Nuadas Name ›Wolkenmacher‹ bedeutet und dass ihm der gallische Gott Nodens, der walisische Nudd/Ludd und möglicherweise der germanische Tyr entsprechen.2 Die Argumente für die etymologische Verbindung zwischen diesen Gottheiten erscheinen vernünftigt. Sie werden auf die rekonstruierten indogermanischen Wurzeln ›noudont‹ oder ›noudent‹ zurückgeführt, was ›fangen‹ bedeutet, und auf die proto-indogermanische Wurzel ›neu-d‹, was ›erwerben‹ und ›nutzen‹ bedeutet.3 Doch, wie stets bei rekonstruierten Sprachen, ist das Ganze nur Theorie. Es scheint außerdem eine ziemlich starke mythologische Verbindung zwischen diesen Gottheiten zu bestehen, besonders was den Verlust eines Armes und dessen Ersatz durch eine silberne Prothese betrifft. Ó hÓgáin schlägt für den Namen Nuada die Übersetzung ›Fänger‹ vor und stellt die Theorie auf, dass er mit Nechtan und Elcmar identisch ist.4 Das schließt er daraus, dass einer der Beinamen Nuadas Necht lautet, was Ó hÓgáin zufolge eine frühere Form von Nechtan ist. Demnach wäre dann Nuada der ursprüngliche Besitzer des Brú na Bóinne. Auch würde ihm dann die Quelle des Flusses Boyne gehören, die geheime Quelle des Nechtan. Zwar lässt sich das nur schwer beweisen, es würde aber die starke Verbindung zum Wasser erklären, die sich bei der verwandten britischen Gottheit Nodens zeigt. Andere Quellen legen ebenfalls nahe, dass der Gott Nuada mit Nechtan und Elcmar identisch ist. Das macht ihn zum Ehemann der Bóinn (altirisch Bóand), die vom Dagda verführt wird. Und später bringen der Dagda und Aengus, sein Sohn aus dieser Affäre, ihn durch eine List um den Besitz des Brú na Bóinne.5
Nuadas bekanntester Beiname lautet Airgetlamh – Silberhand oder Silberarm. Varianten seines Namens lauten Nuadha, Nuadae, Nuadai und Nuodai. Sein Beiname wird alternativ auch Aircetlaum buchstabiert.6 In der Erzählung Cath Maige Tuired heißt es, dass Nuada seinen Arm in der Schlacht verlor. Dian Cécht fertigte mit Hilfe des Schmiedes Credne einen neuen Arm aus Silber für Nuada an, der wie ein echter Arm aussah und auch genauso beweglich war.7 Im Personenverzeichnis von Cath Maige Tuired hat Gray eine Geschichte angeführt, wonach Nuadas abgetrennter Arm nach der Schlacht von einem Falken davongetragen wird.8
Wegen dieser Verletzung verlor Nuada seine Königswürde, denn nach dem Gesetz der Túatha Dé Danann durfte nur ein körperlich unversehrter König regieren.9 Ó hÓgáin schreibt in seinem Buch The Lore of Ireland, dass in der ursprünglichen Geschichte Nuada seinen Arm durch einen Unfall mit dem eigenen Schwert verlor oder dass es sich gar um ein absichtliches Opfer handelte. Es soll eine Verbindung zu heilkräftigem Wasser bestanden haben, aber möglicherweise stand Nuadas verlorener Arm auch symbolisch für einen Fluss.10 Im Mittelalter wurde die Erzählung erweitert und enthielt mehr Details. Nun wird berichtet, dass Nuada im Kampf gegen Streang, einen Krieger der Fir Bolg, seinen rechten Arm verlor.11 Man trug Nuada vom Schlachtfeld, doch schon am nächsten Tag kehrte er zurück und forderte Streang auf, sich den rechten Arm zu binden, damit ein fairer Kampf gewährleistet sei. Als Streang sich weigerte, boten die anderen Túatha Dé Danann Nuada eine eigene Provinz an, um ihn davon abzubringen, sein Leben in einem unfairen Kampf aufs Spiel zu setzen.12 Bres wurde König, aber nach sieben Jahren fertigte Dian Cécht den silbernen Arm an. Später ersetzte Dian Céchts Sohn Miach, möglicherweise in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Ormiach, die Prothese durch einen Arm aus Fleisch.
Nuada erhielt seine Königswürde zurück, und die zweite Schlacht von Maige Tuired begann.13 Während der zweiten Schlacht übergab Nuada die Königswürde an Lugh, der dann die Túatha anführte und gegen den furchterregenden Formoren Balor kämpfte, seinen eigenen Großvater.14 Manchen Texten zufolge regierte Nuada nach seiner Heilung zwanzig Jahre lang, während es in anderen heißt, dass er und Macha in der zweiten Schlacht von Maige Tuired durch die Hand des Formoren-Königs Balor fielen.15
Nuadas Vater war Echtach. Er selbst hatte vier Söhne: Tadg, Caither, Cúcharn und den Dichter Etaram sowie eine Tochter, Echtge. Wer seine Mutter war, wird nicht erwähnt.16 Laut manchen Quellen war er mit Macha verheiratet, eine der beiden Schwestern der Morrígan. Er war im Besitz eines der vier Schätze, die von den Túatha Dé Danann nach Irland mitgebracht wurden, einem Schwert, dessen Hiebe stets den Tod brachten und dem, wenn es einmal aus der Scheide gezogen war, kein Feind entkommen konnte.17
Wenn es zutrifft, dass Nuada der ursprüngliche Besitzer des Brú na Bóinne war, ist zu vermuten, dass Nuada, nachdem Aengus den Brú an sich gebracht hatte, in den Síd Chleitigh übersiedelte. In anderen Geschichten heißt es dagegen, er hätte später den Síd Almhu oder Slievenamon als Wohnsitz genommen.18
Nuada ist ein Gott des Krieges, der Gerechtigkeit, der Führerschaft, der Jagd, und wenn wir seine Verbindung zu Nechtan und Elcmar anerkennen, können wir in ihm auch einen Gott der Heilung und der Flüsse sehen.19 Für moderne Praktizierende bietet sich an, Nuada mit Falken oder Habichten, Hunden und Lachsen zu verbinden. Oft wird das Schwert als sein Symbol betrachtet, weil er das magische Schwert besaß, einen der vier Schätze der Túatha Dé Danann.
Als Opfergaben für Nuada eignen sich zum Beispiel Fische sowie Guinness und andere dunkle Biersorten.
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