Kitabı oku: «Aerial Passion Trainerguide»

Yazı tipi:

Aerial Passion

Trainerguide

Nadine Rebel

Aerial Passion

Trainerguide

Das Handbuch für

Poledance- und Aerial Hoop-Trainer

Tipps, Tricks und Anleitungen

zur Kursgestaltung


Trainingsprogramme und Empfehlungen stellen die Meinung und Erfahrung der Autorin dar. Sie können eine individuelle Trainingsberatung und -betreuung, sowie eine fundierte Trainerausbildung nicht ersetzen. Eine medizinische Beratung vor dem Beginn intensiver sportlicher Betätigung wird dringend empfohlen. Weder Autorin noch Verlag können für eventuelle Schäden, die aus den gegebenen Empfehlungen hervorgehen könnten, in Haftung genommen werden.

Das Buch richtet sich an Trainer und Trainerinnen. Es gilt jeweils für alle Geschlechter ohne Einschränkung. Es soll sich im Buch jeder gleichermaßen angesprochen fühlen. Die ausschließliche Abbildung weiblicher Personen in den Bildern des Buches stellt dabei keine Diskriminierung des männlichen Geschlechts dar. Für das Buch fungierten die Trainerinnen Nadine und Sophie Rebel als Models. Dies mag bitte berücksichtigt werden. Vielen Dank.

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Copress Verlag erschienenen Printausgabe (ISBN 978-3-7679-1234-2).

Umschlaggestaltung: Verlagsservice Peter Schneider unter Verwendung eines Fotos von Bärbl Kypke

DTP-Produktion und Layout (Printausgabe): Verlagsservice Peter Schneider / Satzwerk Huber, Germering

Lektorat: Jürgen Rudwill (Dipl. Pädagoge, Studienrat a.D.)

Wir produzieren unsere Bücher mit großer Sorgfalt und Genauigkeit.

Trotzdem lässt es sich nicht ausschließen, dass uns in Einzelfällen Fehler passieren.

Sollten Sie in diesem Buch einen Fehler finden, so bitten wir um einen Hinweis an verlag@stiebner.com. Für solche Hinweise sind wir sehr dankbar, denn sie helfen uns, unsere Bücher zu verbessern.

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2018 Copress Verlag in der Stiebner Verlag GmbH, Grünwald

Alle Rechte vorbehalten.

Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags.

Gesamtherstellung: Stiebner, Grünwald

ISBN 978-3-7679-2065-1

www.copress.de

Inhaltsverzeichnis

Vorwort


Der Trainer

Trainerrolle

Checkliste Trainerfähigkeiten

Verhaltenskodex für Trainer

Checkliste Verhaltenskodex für Trainer

Work-Life-Balance für Trainer

Der kranke Trainer


Poledance und Aerial Hoop

Zwei Seiten derselben Herausforderung?

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Mobilität des Trainingsgeräts

Static Pole versus Hoop

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

In luftigen Höhen

Gefahren

Die Höhe der Aufhängung

Freiraum

Die Area um die Pole

Die Stockwerke beim Hoop

Der Reifen

Getapt oder nicht getapt?

Die Pole

Fixierung an der Decke

Polerinas und Hooperellas

Der Unterricht

Vorurteile und gedankliche Verbindungen

Zusammenfassung


Grundlagen der Anatomie

Sehnen und Bänder

Knochen

Gelenke

Die Richtungen der Bewegungen

Muskeln

Knie, Schulter und Halswirbelsäule – Hier ist besondere Vorsicht geboten

Knie

Schulter

Halswirbelsäule

Eine aufreibende Angelegenheit

Gelenkschonendes Training

Zusammenspiel

Mehrwert des Trainings an Hoop und Pole

Kraft und Rumpfstabilität

Rückgrat beweisen

Flexibilität

Koordination

Selbstwertgefühl

Gefahren

Gefahr 1 – zu wenig trinken

Gefahr 2 – zu wenig Muskeltraining

Gefahr 3 – ruckartige und schnelle Bewegungen, Kreuzschritte

Gefahr 4 – mehr auf Beweglichkeit und weniger auf Muskulatur setzen

Kontorsion


Fehler von Trainern

Häufige Fehler von Trainern und Teilnehmern

… zu wenig loben

… zu viel loben

… keine klaren Regeln

Warm-Up und Cool-Down unpassend gestalten

Einseitiges Üben

Falsche / keine Hilfestellung

Take a picture (Kraftbemessung)


Kurse und Kursgestaltung

Kursvorbereitung

Vor Kursbeginn – Aufgaben des Trainers / Studioinhabers

Vorbereitungsmaßnahmen beim Eintreffen der Teilnehmer

Haftungsausschluss

Direkt vor Stundenbeginn

Der Kurs beginnt

Warm-Up

Wann Teilnehmer vom Kurs ausgeschlossen werden können

Die ersten Kursstunden: Höhe des Hoops – Static Modus der Pole

Der Hoop

Die Pole

Grundhaltung der Teilnehmer

Zeit lassen

Downgrades und Alternativen

Inversion Readiness

Kurse selbst gestalten

Zeitmanagement

Einfache Moves mit Bodenkontakt zu Beginn

Warme Stangen / warme Hoops bieten mehr Halt

Mosaikarbeit versus Flow

Vier Bereiche (Spins / Pirouetten, Floorwork, Climbs und Lifts, Haltefiguren)

Hauptaugenmerk auf einen oder zwei Bereiche versus Allround-Stunden

Zeitfresser

Der Handstand und der Unterarm-Stand

Side Spin und Cradle Spin (Pole) und Kombinationsdrehungen

Inversion Readiness

Hilfestellung

Zeitfüller

Dance and Flow

Wiederholungen

Vermehrtes Üben auf der »anderen« Seite

Neue Kombinationen bekannter Spins oder Übungen

Floorwork

Kursdurchführung

Warm-Up

Auf was man im Warm-Up verzichten sollte

Dauer

Unterschiedliche Arten des Warm-Ups

Übungen für das Warm-Up

Hauptteil

Floorwork

Spins an der Pole/Pirouetten am Hoop

Lifts and Climbs

Haltefiguren / Tricks

Moderationssätze zu Beginn und für das Ende

Welche Inhalte für Kursstunden?

Grundhaltung und Griffe

Basic Grip – Grundhaltung Vorwärtsdrehungen

Grundhaltung Rückwärtsdrehungen

Cup Grip

Push Down Grip

Elbow Hold

Twisted Grip

Strong Hold Grip

Sicherheitsvorkehrungen bei Inverts

Richtig erklären

Die magische »4« beim Kuchen backen

Die Reihenfolge des Erklärens – erneut die magische »4«

Verschiedene Lerntypen und metaphorische Umschreibungen

Metaphern für alle

Ansagen und Kommandos

Richtig vorzeigen

Bewegungen stückeln

Bewegungen in Zeitlupe ausführen

Bewegungen einfrieren

Großen Muskelgruppen den Vorzug geben

Beispielanleitung Basic Climb (Pole)

Beispielanleitung Pull-Up Lift Back (Aerial Hoop)

Das Invertieren

Grundregeln für das Erlernen von Inverts

Upgrades, Downgrades, Add-ons

Downgrades von Spins

Upgrades von Spins

Downgrades von Haltefiguren

Upgrades von Haltefiguren

Add-ons

Achtung: Häufige Missverständnisse

Hilfestellung richtig lehren und lernen

Um Erlaubnis bitten

Fest zugreifen

Bestimmt sein

Klare Ansagen abwarten

Niemals denken, der Teilnehmer sei sicher

Hilfestellung von anderen Teilnehmern überprüfen

Beispiele für Kursinhalte

Rahmenbedingungen für Poledance- und Aerial Hoop-Kurse

Gestaltung von Kursen

Kursstunde für Newbies

Kursstunde für erfahrene Neulinge

Kursstunde für Neulinge im Intermediate Level

Kursstunde für den Intermediate Level

Kursstunde für Profis

Cool-Down

Saubere Überleitung zum Cool-Down

Vorgehensweise im Cool-Down

Anleitungen zur Dehnung des Nackens

Anleitungen zur Dehnung der Beine

Anleitungen zur Lockerung der Hüfte

Anleitungen zur Lockerung des Rückens

Zusammengefasst


Umgang mit schwierigen Teilnehmern und Verhalten bei Unfällen

Umgang mit schwierigen Teilnehmern

Akademische Viertelstündler

Lotusteilnehmer

Co-Trainer und karitative Teilnehmer

Zwangsverpflichtete

Jammerer

Übermütige Helden

Besserwisser und Machtkämpfer

Coaching-Klienten und Verantwortungsverschieber

Zusammengefasst

Umgang mit Unfällen und Verletzungen

Kollateralschäden

Zerrungen und stärkere Prellungen

Stürze

Zusammengefasst


Zusatztraining und Tipps fürs Studio

Zusatztraining

Yoga

Pilates

Krafttraining

Funktionales Training

Stretching und Flexibilitätstraining

Tipps und Tricks fürs Studio

Eingangsbereich

Sauberkeit und Wärme

Glasflaschen und Getränke

Zusatzmaterialien


Portfolio Poledance und Aerial Hoop

Portfolio Übersicht Poledance

Floorwork (Newbies)

Floorwork (Intermediate)

Floorwork (Profi)

Spins (Newbies)

Spins (Intermediate)

Spins (Profis)

Lifts and Climbs (Newbies)

Lifts and Climbs (Intermediate)

Lifts and Climbs (Profi)

Haltefiguren / Tricks (Newbies)

Haltefiguren / Tricks (Intermediate)

Haltefiguren / Tricks (Profis)

Portfolio Übersicht Aerial Hoop

Floorwork (Newbies)

Spins (Newbies)

Spins (Intermediate)

Lifts and Climbs (Newbies)

Lifts and Climbs (Intermediate)

Lifts and Climbs (Profis)

Haltefiguren / Tricks (Newbies)

Haltefiguren / Tricks (Intermediate)

Haltefiguren / Tricks (Profis)

Checklisten

Checkliste: Trainerfähigkeiten

Checkliste: Kursgestaltung

Checkliste: Vor dem Kurs

Checkliste: Warm-Up

Checkliste: Während des Kurses

Checkliste: Hilfestellung

Checkliste: Umgang mit schwierigen Teilnehmern

Checkliste: Verletzungen und Unfälle

Checkliste: Musik

Checkliste: Studio und Hardware

Checkliste: Kommandos

Checkliste: Cool-Down und Verabschiedung

Checkliste: Vorbereitungsübungen


Anhang

Schlusswort

Trainerausbildungen

Danksagung

Über die Personen in diesem Buch

Bildnachweise und Models

Literaturliste und Links

Sponsoren

Herstellernachweise – Polebekleidung

Vorwort

»Ein Lehrer ist besser als zwei Bücher« – so lautet ein deutsches Sprichwort. Wieso also überhaupt ein Buch? Warum ein Trainerguide, also ein Buch über das Dasein als Trainer?


Niemals aufgeben. Das gilt gleichermaßen für Trainer und für teilnehmende Personen.

Ein Trainer im Sportbereich hat zahlreiche Aufgaben und übernimmt bis zu einem gewissen Grad Verantwortung für die Teilnehmer.

Der Bereich der Luftakrobatik, zu denen auch der Polesport und das Trainieren mit dem Aerial Hoop gehören, nimmt dabei eine Sonderrolle ein. In jedem Fitnesskurs ist es wünschenswert, dass die teilnehmenden Personen die Übungen möglichst korrekt ausführen, doch Fehler in der Haltung oder der Technik führen in klassischen Fitnessstunden oder auch bei Yoga und Pilates selten zu akuten Problemen. Anders beim Unterrichten von Poledance und Aerial Hoop. Ein ungesicherter Teilnehmer, eine falsche Handhaltung, ein falsches Landen nach einer Drehung, all das kann zu Verletzungen führen, deren Ausmaß im Einzelfall nicht benannt werden kann. Insofern macht es Sinn, sich die Trainerrolle für diese Sportarten näher zu Gemüte zu führen.

Die Erfahrungen haben gezeigt, dass es eklatante Unterschiede in Bezug der Qualitätsstandards von Trainern gibt. Ein guter Trainer bemüht sich, jede auftretende Frage in einer Kursstunde zu beantworten. Er vermittelt sowohl Wissen als auch Fähigkeiten und Selbstvertrauen. Er kümmert sich um die gute Stimmung und ist auf Sicherheit bedacht. Ganz nebenbei darf der Spaß ja auch nicht zu kurz kommen, denn immerhin sprechen wir hier von Trainern, die Sportler betreuen, die in der Buchung einer Kursstunde einen Ausgleich zum beruflichen Alltag suchen, bzw. den Sport als Freizeitbeschäftigung ansehen.

Der Trainerguide bietet Antworten auf Fragen, enthält Checklisten, Anleitungen und weiterführende Hinweise sowie Literaturtipps.

Aufgrund der vielen Gemeinsamkeiten, sowohl der Sportart Poledance als auch der Sportart Aerial Hoop, dient dieses Buch Trainern beider Sportarten als Nachschlagewerk und Anleitung für die Gestaltung von Kursstunden.

Wie baue ich Kurseinheiten sinnvoll auf?

Was ist wichtig bei der Hilfestellung?

Wie kann ich ein Warm-Up modifizieren, so dass es zu jeder Witterungslage passt bzw. die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bestens auf die Inhalte der Kursstunde vorbereitet?

Wie stelle ich sicher, dass die Gelenke während des Trainings geschützt sind?

Wie geht man mit unterschiedlichen Teilnehmertypen um?

Wie geht man auf die diversen Lerntypen bestmöglich ein?

Wie vermeidet man typische Fehler?

Welche Kursregeln sind sinnvoll?

Wo muss man Grenzen setzen?

Welche Rolle spielt die Kleidung für Warm-Up und Cool-Down und eben noch vieles mehr?


Der Trainer

Trainerrolle

Die meisten Kursstunden geben einem Trainer genau das, was er von seinem Job erwartet: Glückselige Gesichter; Teilnehmer, die über sich hinauswachsen; Zeit, die verfliegt; Figuren und Tricks, die aufgrund der richtigen Erklärung auf einmal klappen; Personen, die sich mit der Hilfestellung des Trainers trauen, etwas zu wagen, was sie sich alleine nicht zutrauen würden und eine Gruppe von Kunden, die zufrieden und mit guter Laune das Studio wieder verlässt.


Die Anforderungen an Trainer sind vielfältig, wollen diese kompetent lehren und unterrichten.

Und dann gibt es noch die anderen Kursstunden, die genauso normal sind und durch die ein Trainer auch durch muss: Teilnehmer, die nicht ganz so konzentriert bei der Sache sind; Moves und Tricks, die auch nach der gefühlten 100sten anders gewählten Erklärung seitens des Trainers oder der Tainerin dem Kunden oder der Kundin wie ein Buch mit sieben Siegeln erscheinen; eine Stimmung, die wie das in die Köpfe gezogene Novemberwetter erscheint und die sich niemand so richtig erklären kann.

Oder aber man hat es als Trainer selbst nicht ganz einfach, weil es einem nur schwer gelingt, den beruflichen und familiären Alltag vor der Studiotür zu lassen, um ganz für seine Kunden und Kundinnen da zu sein. Die To-Do-Liste der Dinge, die nach den Kursstunden noch erledigt werden sollen, ploppt immer wieder auf, die Sorgen und Gedanken sind wie dumpf wimmernde Stimmen, die ihren Tribut zollen.


Für derartige Divenanwandlungen ist kein Platz in einer Kursstunde. Ein Trainer ist Dienstleister, seine Aufgabe ist es zu dienen und zu leisten und für die Zeit des Kurses oder der Kurse komplett in der doch meist freiwillig gewählten Aufgabe aufzugehen.

Normale Kollateralschäden, die einen Trainer eben auch betreffen, gilt es auszublenden. Man kann keine schlechtere Leistung bringen, nur weil einem von der letzten Fortbildung noch alles weh tut, im Bauch eine Messerstecherei herrscht oder man müde ist und sich der Körper gerade überlegt, ob er eine Erkältung ausbrüten soll oder nicht.

Die Gründe, die eine Person dazu bewegen, Trainer zu werden, oder Trainer sein zu wollen, sind unterschiedlich. In vielen Fällen geht diesem Beruf eine Berufung voran. Es ist der Wunsch, das was man selbst als wertvoll erachtet, auch an andere weitergeben zu wollen.

Die positiven Empfindungen, die man selbst in der Ausübung der Sportart erlebt, möchte man auch anderen zukommen lassen, um und dabei zusehen zu können, wie diese Personen wachsen, über sich hinaus wachsen, eigene Denkzäune einreißen, die eigenen Grenzen überwinden und immer besser werden.

Die in diesem Falle einsetzende Dankbarkeit dem Trainer oder der Trainerin gegenüber nimmt man dabei natürlich gerne mit.

Dabei sind die anfänglichen Vorstellungen oftmals romantisch verzerrt. Trainer sein bedeutet viel mehr als eine Handvoll Moves und Tricks, Spins und Haltefiguren erklären zu können und soweit wie möglich sicherzustellen, dass alle Teilnehmer den Kursraum ohne größere Schäden an Leib und Seele wieder verlassen.

Seit Mitte Oktober 2017 gilt Poledance als anerkannte Sportart. Aerial Hoop, Silks (Tuchakrobatik) und andere Luftsportarten folgen vielleicht in den nächsten Jahren oder hatten nie das Problem, welches Poledance hatte, da man letztere immer schon eher mit Zirkusakrobatik als mit irgendetwas anderem assoziiert hatte.

Somit wachsen auch die Anforderungen an den Trainer. Bisher waren viele Personen der Meinung, es reiche aus, sich einen Raum zu mieten, ein bis x Stangen dort aufzustellen, sich Trainer zu nennen und Kunden zu bekommen. Mit der wachsenden Anerkennung wachsen die Aufgaben und auch die Ansprüche, die an Trainer dieser Sportarten gestellt werden.

Etwas selbst zu können bedeutet nicht gleichermaßen, es einer anderen Person auch vermitteln oder lehren zu können. Empathie, didaktische Grundkenntnisse, soziologisches Wissen sind fundamentale Bestandteile eines Trainerdaseins und werden häufig vernachlässigt oder in vielen Fällen gar nicht als notwendig angesehen.


Neben sportlichen Fähigkeiten sind auch didaktische und psychologische Kenntnisse notwendig.

Immer wieder fällt auf, dass die Kompetenz, einen Move auszuführen oder einen Spin besonders lange zu halten, mit der Fähigkeit dieses Können als Wissen weitergeben zu können gleichgesetzt oder verwechselt wird.

Die Rolle eines Trainers ist dabei vielschichtig. In vielen Fällen ist der Trainer auch Koordinator oder gar Studioinhaber. Seine Aufgaben umfassen nicht nur die Betreuung der Teilnehmer in einer Kursstunde.

In der Rolle eines Trainers ist man Zuhörer, Motivator, Kümmerer, Empath, Tröster, Diskjockey, Choreograph, Teammanager und manchmal ein bisschen Psychotherapeut.

Das Trainerdasein auf das Fundament der eigenen sportlichen Fähigkeiten aufzubauen, reicht nicht aus.

Ein Trainer ist Förderer und Forderer, Entertainer und Mädchen für alles. Wer bereit ist, die eigenen sportlichen Fortschritte zugunsten des Fortschritts der Kursteilnehmer in den Hintergrund zu stellen und die Vielschichtigkeit des Trainerdaseins als gegeben hinzunehmen, der hat gute Voraussetzungen, mehr als ein paar Monate in diesem Beruf tätig sein zu können.

Sind die Grundvoraussetzungen gegeben, kann das Fachwissen jederzeit erworben werden.

Fehlen die Grundvoraussetzungen, die klare Linie, die Bereitschaft zu einem klaren »Ja« zum Beruf, aber auch die Fähigkeit an den richtigen Punkten »Nein« sagen zu können, so sollte man auf alle Fälle weiterhin seinem geliebten Sport treu bleiben, den Wunsch, Trainer zu werden aber gegebenenfalls nochmals überdenken.

Checkliste Trainerfähigkeiten

Nice to have – aber leider nicht ausreichend:

beherrscht den Sport sehr gut

verfügt über ein ansprechendes Äußeres

kann ein Repertoire an Fähigkeiten vorweisen, welches das Maß der Fähigkeiten vieler anderer übersteigt

Was ein guter Trainer benötigt:

Präsenz im Auftreten

natürliche Autorität

eine gut verständliche Stimme

Geduld

die Bereitschaft, mehrere Rollen annehmen zu können

Fähigkeiten als Coach

Fähigkeiten als Choreograph

Fähigkeiten als Teammanager

Organisationstalent

Improvisationstalent

Fähigkeit, zuhören zu können

ein wachsames Auge (besser zwei)

Bereitschaft, den eigenen Fortschritt hinter den der Kunden stellen zu können

eine hohe Frustrationstoleranz

am besten ein soziales Umfeld, welches für die Tätigkeit Verständnis zeigt

Verhaltenskodex für Trainer

Ein Trainer ist Vorbild, das bringt die Natur der Sache mit sich. Diese Vorbildfunktion beschränkt sich allerdings nicht auf die ausgeführten Moves und Tricks, sondern geht weiter als man zunächst vermuten mag.

Ein Trainer repräsentiert den Sport im Allgemeinen und das Studio in welchem er oder sie tätig ist. Es ist also nicht allein die Verantwortung während der Kursstunden, die ein Trainer zu tragen bereit sein sollte. Als Aushängeschild für die Sportlergemeinschaft und Repräsentant hat er oder sie mehr immanente Aufgaben als der Person zunächst bewusst sein mag.

Wie in jedem anderen Unternehmen auch, sollte klar sein, dass betriebsinterne Informationen weder Dritten zugänglich gemacht werden dürfen, noch dass freimütig über betriebsinterne Abstimmungsprozesse während, vor oder nach den Kurseinheiten gesprochen werden sollte.

Eine regelmäßige Auffrischung des Wissens um aktuelle und hoffentlich nie notwendig werdende Erste-Hilfe-Maßnahmen gehört ebenfalls zu den Pflichten eines Trainers.

Im Kurs selbst spielt die Wahl der Kleidung eine nicht unerhebliche Rolle. Möchten wir als Repräsentant einer Sportart erscheinen, so sollten wir auch auf Sportbekleidung zurückgreifen. Niemand soll sich hier in irgendeiner Form gegängelt fühlen, dennoch muss der Gedankengang gestattet sein, inwiefern ein authentisches Gesamtbild einer anerkennenswerten Sportart entstehen kann, wenn der Trainer in den knappsten Brazilshorts und Oberteilen erscheint, die spätestens bei Überkopf-Figuren die Oberweite nicht mehr dort halten, wo sie während der sportlichen Aktivitäten zu bleiben hat.

Die Geduld eines Trainers wird häufig strapaziert, ja manchmal überstrapaziert. Dennoch darf man sich das nicht anmerken lassen.

Ein guter Trainer erkennt auch das Ende der eigenen Kompetenzfahnenstange. Offenheit im Umgang mit fehlendem Wissen und die Bereitschaft, Antworten auf offene Fragen in Erfahrung zu bringen gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben. Spätestens hier zeigt sich, dass die Arbeitszeit eines Trainers eben nicht auf die reine Nettozeit einer Kursstunde beschränkt ist, sondern weit darüber hinaus ausgedehnt wird oder werden kann.

Im Small-Talk vor und nach den Kursstunden ist ein Trainer darum bemüht, politische und religiöse Themen auszuklammern. Sollte man als Trainer Geschichten über andere Studios oder Trainer zu Ohren bekommen, hat man diplomatisch zu schweigen oder neutral zu reagieren. Was sich auf dem Papier sehr einfach liest, ist in der Realität manchmal mit erheblichen Bissen auf die Unterlippe verbunden.

Es gehört schlichtweg zum guten Ton und souveränen Auftreten von Trainern, Wissen über andere Studios und gegebenenfalls divergierende Ansichten über Training, Trainingsgestaltung, Trainerkompetenz und Ähnliches nicht mit oder vor den Kunden zu thematisieren.

Hier kann es durchaus die ersten Widersprüche geben. Ein Kunde fragt den Trainer beispielsweise, ob dieser oder jener Trick, den er durch einen anderen Trainer eines anderen Studios so zu Gesicht bekommen hat, richtig ist? Was tun, wenn man hier komplett anderer Ansicht sein sollte?

Greift nun der Punkt, der oben erwähnt wurde, dass Fragen auf alle Fälle zu beantworten sind, oder verweigert man die Aussage, weil es in die Kategorie »Lästern über andere Studios« fällt?

Man darf sich hier gerne jederzeit auf den eigenen Stil berufen. Es gibt nicht die allumfassende Wahrheit, wissenschaftlich erforscht und bewiesen, die nur eine Art des Lehrens und Weitergebens als richtig erachtet. Jeder Trainer, jedes Studio hat seinen eigenen Stil. Und hier hat man immer Möglichkeiten, sich elegant auf dünnem Eis zu bewegen.

Für Kunden ist es wichtig zu wissen, warum es in einem Studio so gelehrt wird, wie es gelehrt wird. Hier sollten auf alle Fälle Argumente vorhanden sein, die vom Kunden auch nachvollzogen werden können (sicherer für die Gelenke, leichter auszuführen, benötigt ein geringeres Maß an Grundflexibilität, minimiert die Verletzungsgefahren oder Ähnliches).


Man kann nur das Maß an Respekt von anderen erwarten, was man ihnen auch selbst entgegenbringt.

Ein Trainer sollte den »Show-off-Modus«, also Angeberei in jeder Form vermeiden. Auch dieser Punkt erscheint plausibel und nachvollziehbar, allzu oft kann man allerdings feststellen, dass die Pferde mit einem durchzugehen scheinen. Man hängt in einer Figur und plötzlich verspürt man den inneren Drang hier noch eine Figur anzuhängen, einen halsbrecherischen Übergang einzufügen, zu zeigen, was man aus dieser Figur noch so alles machen kann.

Im Wissen, dass die anderen Teilnehmer gerade zugucken, erscheint die Möglichkeit, die eigene Eitelkeit streicheln lassen zu können, doch oftmals sehr verlockend. Wann immer es geht, sollte man dies vermeiden. Es bringt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht weiter. Im Normalfall hat man sich als Trainer bereits vorher seinen Stand und seine Anerkennung bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen verdient, so dass es nicht notwendig ist zu beweisen, dass man auch wirklich etwas kann. Wohl aber läuft man Gefahr, Teilnehmer zu demotivieren oder schlicht angeberisch zu wirken.

Ein Trainer übernimmt Verantwortung für seine Kunden und Kundinnen und hat deren Wohl stets im Auge. Kein Kunde wird je zu etwas gezwungen noch verleitet. Selbst wenn man als Trainer das unerschütterliche Wissen hat, dass ein Teilnehmer einen Trick sehr wohl ausführen könnte, dieser aber mental einfach noch nicht dazu bereit ist, so bietet man ihm oder ihr Hilfestellung an, überlässt aber die Entscheidung, den Move vollkommen frei und selbständig auszuführen, immer dem Kunden oder der Kundin.

Hat es der Trainer geschafft, ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen, so wenden sich die Kunden und Teilnehmer mit vielen Fragen an ihn. Als Trainer hat man allerdings immer zu bedenken, dass man keinerlei ärztliche Ratschläge zu geben hat, noch irgendwelche Therapievorschläge unterbreitet. Im Zweifel und bei schwierigen Fragestellungen verweist man immer auf die Kompetenz eines Arztes. Medikamente werden im Training nicht ausgegeben. Wenn ein Teilnehmer eine Kopfschmerztablette von einem anderen Teilnehmer annimmt, so ist das in Ordnung. Als Trainer sollte man allerdings stets vermeiden, selbst Medikamente in irgendeiner Form auszugeben.

Natürlich lehnt ein guter Trainer auch Doping in jeglicher Form ab. Ein Traubenzucker zur Nervenberuhigung, ein Müsliriegel bei einem akut einsetzenden Hungerast oder das Angebot, Magnesium gegen Krämpfe zu nehmen, bleibt davon natürlich unberührt.

Checkliste Verhaltenskodex für Trainer

Der Trainer ist Vorbild.

Der Trainer übernimmt Verantwortung.

Der Trainer ist sich seiner repräsentativen Funktion für den Sport im Allgemeinen bewusst.

Betriebsinterne Informationen werden Dritten nicht zugänglich gemacht.

Der Trainer verfügt über aktuelles Wissen in Bezug auf Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Der Trainer trägt angemessene Kleidung im Unterricht.

Der Trainer übt sich in Geduld, ist bereit auftretende Fragen zu beantworten und erkennt die Grenzen der eigenen Kompetenz an.

Der Trainer vermeidet es, seine Meinung über Mitbewerber kundzutun.

Der Trainer vermeidet es, mit Können anzugeben.

Der Trainer verweist bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die über das Normalmaß hinausgehen, stets auf die Notwendigkeit, diese Fragen ärztlich klären zu lassen.

Der Trainer gibt keinerlei Medikamente aus und lehnt Doping in jeder Form ab.

Work-Life-Balance für Trainer

Inflationär in Gebrauch. Da hätte man ja auch gleich das Wort »Burn-Out« in den Mund nehmen können. Wer sich dazu entschließt, Trainer zu werden, der fasst diesen Entschluss sicherlich nicht, um sich zusätzliches Stresspotential zu schaffen, sondern sieht in dieser Tätigkeit – ob nun haupt- oder nebenberuflich ausgeübt – sicherlich (zunächst) einen Gewinn für die Work-Life-Balance und eine Senkung des Stressniveaus. Man tut schließlich, was man liebt und hat noch dazu die Möglichkeit, damit etwas zu verdienen oder das eigene Einkommen zu verbessern. Ist also das Thema nicht einfach nur fehl am Platze?

Ein Trainer ist Vorbild- und Vertrauensperson zugleich. Diese Kombination kann unter Umständen dazu führen, dass hohe Erwartungen an den Trainer gestellt werden, gepaart mit der immanenten Erwartung, dass diese auch immer (sofort) erfüllt werden.

Die Beantwortung von Fragen, die anders geartete Erklärung eines bestimmten Tricks oder Moves, damit dieser nun doch klappt, die persönliche Büroassistenz und vieles mehr. Schafft man es als Trainer, ein Vertrauensverhältnis zu seinen Teilnehmern und Teilnehmerinnen aufzubauen, so ist das zunächst als absolut positiv zu bewerten. Gerade in den Bereichen der Akrobatik (Poledance, Aerial Hoop) die ein solcher Trainer unterrichtet, geht es ohne Vertrauensverhältnis nicht.

Das Vertrauen bezieht sich hierbei auf die geistige, aber auch auf die körperliche Ebene. Ein Teilnehmer sollte dem Trainer Glauben schenken, ihm zuhören und ihn (oder sie) nicht permanent in Frage stellen. Das wären nicht die besten Voraussetzungen für Fortschritte im Sport. Ein Teilnehmer vertraut dem Trainer aber auch im körperlichen Bereich. Da gerade in der Hilfestellung eine gewisse körperliche Nähe sein muss, ist auch dies zunächst eine durchaus wünschenswerte Entwicklung. In der Hilfestellung kann dieses Vertrauen allerdings dazu führen, dass der Teilnehmer sich in vollem Vertrauen im wahrsten Sinne des Wortes fallen lässt. Der Trainer muss allein schon hier die körperliche Stabilität aufweisen, um Verletzungen auf beiden Seiten zu vermeiden. All das darf den Trainer nicht aus der Bahn werfen, er/sie ist der Fels in der Brandung. Und hier schließt sich der Kreis.


Auch ein Trainer sollte darauf achten, das Gleichgewicht zu halten. Nicht nur im Hoop oder an der Pole.

Zieht ein Trainer (selbst in einer nebenberuflichen Tätigkeit) nicht klare und unmissverständliche Grenzen, so wird aus dem Vertrauensverhältnis ohne böse Absicht ein energieübergriffiges Verhältnis. Die Offenbarung persönlicher Probleme gepaart mit dem stumm formulierten Wunsch auch hier Ratschläge zu erhalten, die WhatsApp Nachrichten am Wochenende kurz vor Mitternacht, weil der Teilnehmer nicht mehr weiß, welchen Workshop er am Sonntag gebucht hat, die Erwartung, dass der Trainer an alles denkt (Gripmittel, Anziehsachen zum Leihen, das Rundum-Sorglos-Paket im »Spa-Bereich«, die Leihstulpen, die Leihleggings, die Erwartung, den Sport doch etwas weniger anstrengend gestalten zu können und vieles mehr).

In dieser Kombination kommt das natürlich selten vor, aber klare Grenzen sind nicht nur für die körperliche Regeneration eines Trainers wichtig.

Zur Work-Life-Balance gehören feste persönliche Trainingszeiten. Trainingszeiten, in denen man keinen Kurs vorbereitet, keine neue Choreographie einstudiert, um diese an Kunden und Kundinnen weiterzugeben, sich nicht auf einen Auftritt vorbereitet. Ein Trainer sollte sich in regelmäßigen Abständen Zeit für das nehmen, was einem (einst) so viel positive Energie, so viel persönliches Wachstum, so viel Selbstvertrauen geschenkt hat. Das mag gerade für Personen, die sich mit dem Gedanken tragen, als Trainer tätig zu werden oder für Personen, die erst seit kurzem Trainer sind, zunächst vollkommen unsinnig und auch unnötig erscheinen. Allein vom hoffentlich andauernden Zuspruch der Kunden und Kundinnen lässt sich allerdings auf Dauer keine Work-Life-Balance aufrechterhalten. Eine geliebte Sportart, die in der Rolle eines Trainers an Teilnehmer und Teilnehmerinnen weitergegeben werden soll, kann zu einem Zeit-, aber auch zu einem Energiefresser werden. Keine Kursstunde ist je gut genug vorbereitet, nie schafft man es alle Tipps und Tricks zu generieren, sich alle im Umlauf befindlichen Tutorials anzusehen und selbst auszuprobieren, die Playlist stets aktuell und auf die Wünsche der Kunden zugeschnitten zu halten. Setzt man als Trainer keine klaren Grenzen, kann sich schnell das Gefühl der Unzulänglichkeit einschleichen und das Gebäude des Trainerdaseins auf ein wackeliges Fundament stellen.



Spätestens, wenn ein Trainer nicht mehr konzentriert arbeiten kann, weil er sich auf »Arbeitsniveau« gedopt hat, sollte er / sollte sie auch den Teilnehmern zuliebe eine Pause einlegen und gegebenenfalls auch Kurse absagen.

Der kranke Trainer

Wenn ein Trainer liebt, was er oder sie tut, dann will er darauf nicht verzichten. Gepaart mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein kann dies eine ungünstige Konstellation ergeben.

Als Trainer sagen wir immer wieder, dass es unverantwortlich ist, wenn Kunden halbkrank zum Training kommen: Unverantwortlich der eigenen Gesundheit gegenüber, unverantwortlich den anderen Teilnehmern gegenüber und letztlich auch unverantwortlich dem Trainer gegenüber. Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben und dem Körper Ruhe gönnen, damit dieser wieder genesen kann.

Und wir Trainer? Unser Körper ist unser Kapital und er wird oftmals sehr strapaziert. Ein kleiner Schnupfen, Regelbeschwerden oder ein verzwickter Wirbel werfen uns so leicht nicht aus der Bahn. Oftmals steht ein Trainer vor dem Kurs und wenn er sich objektiv die Frage stellen würde, dann müsste er gestehen, dass er selbst nicht ganz auf der Höhe ist. Das bringt der Beruf mit sich.

Umso wichtiger ist es, auch hier Grenzen zu setzen, immerhin sollten wir ja noch Vorbild für unsere Teilnehmer sein. Wenn der Körper eine Auszeit verlangt, dann muss man diese ihm geben. Davon wird die Welt nicht untergehen und wir werden auch nicht morgen unseren Job verlieren oder das Studio für immer schließen müssen.


Poledance und Aerial Hoop

Poledance und Aerial Hoop – Zwei Seiten derselben Herausforderung?

Poledance und Aerial Hoop sind artistische Turn- oder Tanzrichtungen und immer mehr Pole-Studios erweitern ihr Angebot um Aerial Hoop-Kurse. Dabei ist es interessant zu sehen, dass kaum jemand weiß, was man mit diesem Reifen macht.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Poledance und Aerial Hoop weisen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede auf: Bei beiden Sportarten handelt es sich um Formen der Akrobatik. Diese können turnerisch oder tänzerisch interpretiert werden. Sowohl bei Poledance wie auch bei Aerial Hoop ist die Rumpfstabilität wie auch die Körperspannung Grundvoraussetzung dafür, dass man die eigenen Bewegungen kontrollieren kann. Man arbeitet bei beiden Sportarten mit dem eigenen Körpergewicht, welches es zu halten, zu heben und zu bewegen gilt und man versucht bei beiden Akrobatik-Spielarten gegen die Schwerkraft anzukämpfen.

Die Tiefenmuskulatur wird gestärkt, durch das Arbeiten mit dem eigenen Körpergewicht können muskuläre Dysbalancen ausgeglichen werden.

Mobilität des Trainingsgeräts

Einer der bedeutendsten Unterschiede liegt wohl in der weitaus größeren Mobilität des Reifens. Während die Pole eine feste Verbindung zwischen Boden und Decke aufweist, Boden und Decke die Fixpunkte sind, zwischen denen die Pole gespannt wird, so dass man sich als Teilnehmer darauf verlassen kann, dass die Stange am Anfang einer Übungseinheit senkrecht steht und am Ende (hoffentlich) auch noch, ist der Reifen viel unberechenbarer. Er hängt einfach in der Luft und man selbst mit ihm – mehr oder weniger kontrolliert ...

Es macht zwar einen kleinen Unterschied, ob man mit einem Single Point Hoop (eine Aufhängung in der Mitte des Reifens) oder einem Double Point Hoop (zwei Aufhängungen des Reifens auf ca. 10:00 und 14:00 Uhr – wenn man sich den Reifen als Zifferblatt einer Uhr vorstellt, wobei die Mitte oben 12:00 Uhr darstellt) arbeitet, aber die permanente Ausgleichsbewegung des Reifens bleibt ein Moment, welches stets mit einberechnet werden muss.

Static Pole versus Hoop

Beginnt man bei Poledance häufig mit einer statischen Stange und wechselt in vielen Kurssystemen erst dann zu einer Spinning-Stange, wenn man schon ein Gefühl für die Rumpfstabilität hat und eventuell auch schon ein wenig mehr Muskulatur aufgebaut hat, so dass man gegen die Fliehkraft erfolgreich ankämpfen kann, so ist der Reifen immer in Bewegung.


Pole und Hoop. Beide Trainingsgeräte weisen sowohl Ähnlichkeiten wie Unterschiede auf.

Zusätzlich zu den Seitbewegungen des Reifens (nach vorne und hinten, nach rechts und links) kommt das Drehmoment dazu, welches durch den sogenannten Wirbel entsteht, der ein Verdrehen der Bandschlingen, an welchen der Reifen aufgehängt ist, verhindert. Je besser die qualitative Beschaffenheit des Wirbels, desto gleichmäßiger, aber auch schneller wird die Rotation des Reifens.

Da kann einem schon schnell mal schwindelig werden.

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Der größte Unterschied zwischen Pole und Hoop ist allerdings im Verlassen des Bodens zu sehen. Während man die ersten Kletterversuche an der Pole mit der Unterstützung von Händen und Beinen macht, dabei meist aufrecht bleibt und es auch zunächst einmal nicht wichtig ist, ob man sich 5 oder 50 cm vom Boden hebt, so ist der Hoop etwas unerbittlicher: Entweder man möchte aufrecht bleiben und nicht gleich kopfüber gehen, dann muss man definitiv einen Klimmzug beherrschen, um sich in den Reifen setzen zu können, oder aber man wählt den etwas weniger kraftintensiven Aufgang, bei welchem man das Bein seitlich einhängt und sich dann zum Sitzen hochzieht (Delilah), was allerdings bedeutet, dass man dazu für einen kurzen Moment nahezu in einer invertierten Position (kopfüber) hängt. Für Neulinge in der Akrobatik stellt das bereits eine große Überwindung dar, und angstfrei war ich beim ersten Mal auch nicht.

Und wie beim Poledance auch kommen viele Personen, die Aerial Hoop (oder auch Lyra genannt) ausprobieren wollen, mit der Vorstellung, bereits in den ersten Einheiten die verrücktesten Sachen machen zu können.

In luftigen Höhen

Die Mühen, den Reifen zu erklimmen, werden allerdings mit einer echten Verschnaufpause belohnt. Klettert man die Pole hinauf, so muss man sich an der Stange mit der Klemmkraft der Beine halten können. Die Anspannung bleibt, die Anstrengung auch. Hat man es beim Hoop geschafft, den Reifen zu erklimmen, sitzt man relativ bequem wie in einer Schaukel. Man kann durchatmen und die Bauart des Reifens bietet die Möglichkeit, sich rechts UND links festzuhalten. Im Unterricht hört man dann oft den Vergleich: »Ui, das ist wie Spielplatz. Wie früher beim Schaukeln.« – und die beseelt lächelnden Gesichter, in die man blickt, belohnen sowohl den Trainer als auch die Trainierenden für die Mühen.


Hat man den Hoop erklommen, wird man mit einer relativ gemütlichen Sitzposition belohnt, die Kindheitserinnerungen weckt.

Bevor man allerdings sprichwörtlich in die Luft geht, beginnt man mit den Füßen am Boden und gibt die vertraute Bodenhaftung langsam Stück für Stück auf. Die Möglichkeiten an der Pole sind hier scheinbar vielfältiger als beim Hoop. Man kann um die Pole herumlaufen, sich an der Pole festhalten, ein Bein um die Pole schlingen, sich an der Pole zu Boden gleiten lassen, mit Hilfe der Pole wieder aufstehen und vieles mehr. Klappen die ersten Drehungen an der Pole noch nicht so gut, weil man einfach noch nicht weiß, wie und woher man den Schwung nehmen soll, so kann man dennoch üben und sich Stück für Stück verbessern. Im Gegensatz dazu sind die Möglichkeiten am Hoop etwas eingeschränkter. Auch bei den einfachsten Übungen (Plank mit dem Brustkorb zur Decke gerichtet, die Hände befinden sich am Hoop) wird ein größeres Maß an Körperspannung gefordert.

Pirouetten mit oder ohne Bodenhaftung erfordern Bauchspannung und Rumpfstabilität. Nahezu gleich ist bei den Übungen mit Bodenhaftung die Belastung der Schultern und Arme, wobei der Hoop den Vorteil der Gleichmäßigkeit aufweist, während man an der Pole immer auf die Notwendigkeit, beide Seiten zu trainieren hinweisen muss, um den oben beschriebenen muskulären Dysbalancen entgegenzuwirken.

Gefahren

Durch die Mobilität des Reifens und das Drehmoment, welches auf den Körper wirkt, weisen Hoop und Pole ähnliche Gefahren auf. Landet man nach einer Drehung falsch, so kann das für das Knie böse enden. Da der Hoop sich in alle Richtungen drehen kann, darf die Gefahr der Patellaluxation (umgangssprachlich eine herausgesprungene Kniescheibe) unter keinen Umständen unterschätzt werden. Eine saubere Körperhaltung und ein Landen auf Zehenspitzen stellt die beste Vorbeugung dar. »Point your toes« – gilt also auch beim Hoop – nicht nur aus ästhetischen Gesichtspunkten.

Während die Pole einen festen Fixpunkt darstellt, gilt es beim Hoop zusätzlich abzuschätzen, in welche Richtung (nach vorne oder hinten, zu den Seiten, in sich wirbelnd) dieser sich bei welchem Impuls bewegen wird. Schiebt man den Hoop von sich weg, wird dieser wieder zurückkommen, zieht man den Hoop zu sich, so wird dieser sich entfernen, sobald man die Bodenhaftung aufgibt.

Kann man sich bei der Pole darauf verlassen, dass sich der »Tanzpartner« immer an der gleichen Stelle befindet und diese auch nicht verlassen wird, egal mit welcher Gewalt man ihn malträtiert, so ist der Hoop etwas weniger verlässlich.


Auf Gefahren sollte man immer gefasst sein, auch wenn sie zunächst unwirklich erscheinen mögen.

Hinzu kommen die Gefahren des Abrutschens und Fallens, die bei der Pole ebenso gegeben sind, allerdings – je nach Trainingsmethode – meist zu einem späteren Zeitpunkt einsetzen, dann, wenn die Trainierenden schon etwas mehr Erfahrung im Umgang mit dem Trainingsgerät haben.

Eine gute Didaktik wie auch eine saubere und sichere Hilfestellung sind unabdingbar. Eine kleine und willkommene Hilfe stellt meist schon das Fixieren des Reifens durch den Trainer dar.

Bei jeder Art von Hilfestellung ist der Trainer dafür verantwortlich, den Teilnehmer sicher wieder zu Boden zu geleiten und ihm durch die Sicherung dort Kraft und Spannung zu geben, wo der Teilnehmer unter Umständen (noch) nicht selbst die notwendige Spannung aufbauen kann.

Die Höhe der Aufhängung

Die beschriebenen Gefahren lassen sich durch eine Veränderung der Aufhängungshöhe des Hoops ein wenig steuern. Im Normalfall geht man davon aus, dass der untere Rand des Hoops sich auf Brusthöhe befinden sollte, wenn sich der Trainierende auf Zehenspitzen stellt. Durch diese Höhe kann man nahezu alle Ebenen nutzen und der sichere Boden ist nicht so weit entfernt. Später kann diese Höhe des Hoops allerdings zu niedrig werden, weshalb ein flexibles Aufhängungssystem Sinn macht.

Lehren wir Figuren des 2. Stockwerks (oberer Rand des Hoops als Ausgangposition), hängen wir den Reifen für diese Unterrichtseinheiten gerne tiefer, so dass die eventuelle Fallhöhe minimiert wird. Für den Teilnehmer ist es wichtig, die Angst vor dem nächsten Stockwerk zu überwinden, dabei ist es sekundär, ob sich das 2. Stockwerk in 2 m Höhe über dem Boden befindet, oder »nur« in 1 m Höhe. Sicherheitsvorkehrungen wie Hilfestellung und Crash-Mat sind selbstverständlich.


Befindet sich der untere Rand des Hoops ungefähr auf Brusthöhe, so kann man im Unterricht nahezu alle Figuren gleichermaßen trainieren.



Bei einer Aufhängung des Hoops ca. auf Brusthöhe der Teilnehmer lassen sich sowohl Figuren in der Luft als auch Figuren, bei welchen man sich nach unten hängen lässt, gut trainieren.

Freiraum

Das Training an Pole und Hoop erfordert Platz. Aus Sicherheitsgründen muss ein Mindestabstand zwischen den Trainingsgeräten gewährleistet sein. Die einzelnen Poles und Hoops sollten mindestens 150 cm Abstand voneinander haben. Bewegungen sind mitunter ausladend, bei geringerem Abstand erhöht sich die Gefahr, dass sich die Teilnehmer gegenseitig verletzen.

Die Area um die Pole

Zunächst dient die Stange als Fix- und Haltepunkt. Für Anfänger ist es nicht nur mental wichtig, den Boden unter den Füßen nicht zu früh zu verlieren. Erst wenn die notwendigen Grundlagen vorhanden sind, kann man sich in luftige Höhen begeben. Der Raum um die Pole herum darf vom Teilnehmer dreidimensional eingenommen werden. Gerade Größe und Spannung erleichtern viele Übungen. Alles, was der Teilnehmer an Raum bereits vom Boden aus einnehmen kann, steht ihm oder ihr zu.

Im Verlauf der Kurse, die einen immer höheren Schwierigkeitsgrad aufweisen, entfernt man sich mehr und mehr vom Boden.

Da die Pole ein durchgängiges Stück Metall darstellt, kann man »hoch« und »niedrig« nicht gut definieren. Für einen Trainer ist es wichtig zu wissen, dass die potentielle Fallhöhe nicht gleichbedeutend mit der damit möglicherweise verbundenen Gefahr steht. Auch Stürze aus geringer Höhe können fatale Folgen haben. Grundsätzlich gilt, dass der sichere Rückweg zum Boden immer im Vordergrund steht. Für viele Teilnehmer kann es hilfreich sein, neue Haltefiguren zunächst vom Boden aus zu üben, bevor man diese in luftigen Höhen ausführt.

Die Stockwerke beim Hoop

Im Hoop-Unterricht kann man die Area um das Turngerät metaphorisch gut mit Stockwerken umschreiben.

•Im Erdgeschoss befinden wir uns bei allen Übungen, die vom Boden aus und mit Bodenkontakt der Füße zu bewerkstelligen sind.

•Den 1. Stock erklimmen wir, wenn wir ohne Bodenkontakt den unteren Rand des Hoops nutzen, oder im Hoop sitzen, da sich hier ebenfalls der Schwerpunkt auf dem unteren Rand des Hoops befindet.

•Der 2. Stock bezeichnet Übungen, bei welchen wir den oberen Rand des Hoops nutzen und hier unser Hauptaugenmerk liegt.

•Der 3. Stock oder auch die Dachterrasse bezieht sich dann schließlich auf Übungen, bei welchen die Aufhängungen (eine beim Single Point Hoop, zwei beim Double Point Hoop) für die fertige Figur eine wesentliche Rolle spielen.

Für viele Personen – vor allem Personen ohne vorherige Pole-Erfahrung – ist das Verlassen des Bodens, das Schwingen des Reifens, das sprichwörtliche in der Luft hängen mit einer nicht unerheblichen psychischen Überwindung verbunden.

Es ist wie beim Balancieren: Obwohl die Anforderungen an Körperspannung und Balance gleich bleiben, fällt es vielen Personen doch leichter auf einem Balken zu balancieren, der sich nur 10 cm über dem Boden befindet, als sich sofort in luftige Höhen zu begeben.

Der Reifen

Welcher Reifen soll es sein? Dünn? Dick? Welche Größe? Welche Oberfläche? Tapes? Eine Aufhängung oder zwei? Welche Karabiner und Bandschlingen?

Sicherheit hat oberste Priorität. Die Dreh- und Hebelwirkungen und deren Kräfte, die selbst bei leichtem Training auf den Reifen, die Aufhängungen und die trainierende Person wirken, dürfen auf gar keinen Fall unterschätzt werden. Schwerlastaufhängungen sind Standard. Die Qualität der Schrauben, Aufhängungen, Wirbel und Karabiner muss von A bis Z gegeben sein (was die Anschaffung nicht ganz billig macht, auch wenn der Reifen an sich vielleicht gar nicht den teuersten Bestandteil darstellt).

Etwas dickere Reifen sind nicht ganz so unangenehm für den Körper und die Haut wie dünne Reifen, deren Auflagepunkte schmerzhaft sein können. Die Größe des Reifens berechnet man, indem man zur Sitzhöhe in cm (aufrechter Sitz vom Steißbein bis zur Scheitelkrone) 10 cm addiert.

Standard sind meist 90 cm Durchmesser. Doch Menschen sind unterschiedlich und so passt selten eine Standardgröße für alle Personen. Für Studios bietet es sich demnach an, mindestens zwei Größen der Hoops im Angebot zu haben.

Getapt oder nicht getapt?

Getapte Hoops bieten mehr Grip. Die Hygiene ist allerdings nicht mehr gegeben, da getapte Hoops nicht ordentlich gesäubert werden können. Ohne Tapes bietet der Hoop weniger Grip, das Training wird schwieriger.

Die Pole

Und für welche Pole sollte sich ein Trainer / ein Studio entscheiden? Mittlerweile gibt es einige Hersteller professioneller Sportstangen und man hat die Wahl zwischen verschiedenen Durchmessern und Oberflächen.

Am häufigsten findet man Poles mit 45 mm Durchmesser und einem Chromfinish. Sehr zierliche Personen kommen häufig mit Poles, die einen Durchmesser von 40 mm haben besser zurecht. Poles sollten die Wahlmöglichkeit zwischen dem Static- und dem Spinning-Modus bieten.

Neben dem klassischen Chromfinish, welches sich bei Dauergebrauch gerne abreibt und für Allergiker aufgrund des hohen Nickelgehalts nicht so gut geeignet ist, findet man auch pulverbeschichtete Poles, sowie Stangen aus poliertem Edelstahl und Poles, die eine Silikonhülle aufweisen.

Pulverbeschichtete Poles kann man in unterschiedlichen Farben erwerben und sie bieten besseren Halt. Stangen aus Edelstahl kommen, was die Haptik betrifft, den klassischen Chromstangen sehr nahe. Die Vorteile der etwas teureren Edelstahlpoles sind im geringeren Nickelgehalt und der Oberfläche zu sehen, die sich nicht abnutzen kann. Silikonpoles bieten eine fast klebrige Oberfläche. Drehungen im Static-Modus aus eigener Kraft sind an diesen Poles nicht möglich, zudem kann und muss man an diesen Poles mit Kleidung trainieren, um schmerzhafte Reibungen und Hautabschürfungen zu vermeiden.

Fixierung an der Decke

Poles können zwischen Boden und Decke geklemmt werden, was sich besonders für den privaten Einsatz in den eigenen vier Wänden einer Mietwohnung anbietet. Für den professionellen Einsatz im Studio sollten die Poles mittels einer fest verschraubten Deckenhalterung gegen eventuelles Verschieben gesichert werden.

Polerinas und Hooperellas

Vergleicht man Personen, die mit Aerial Hoop beginnen und schon Poleerfahrung haben, kann man feststellen, dass diesen Personen der Einstieg in den Hoop-Sport etwas leichter fällt. Sie kennen im Normalfall die Anforderungen an die Rumpfstabilität, wissen, was es bedeutet, Spannung aufrecht zu erhalten und können etwas leichter die geforderten Muskelpartien ansprechen.

Dafür fällt es Pole-Hoopern teilweise schwerer, sich auf die neuen Griffvarianten einzustellen. Der Reifen ist dünner, die Griffe anders, ein Klemmen der Beine hilft nicht beim Hochkommen.


Pole oder Hoop oder doch beide Sportgeräte?

Und dann ist man ja auch noch bekleidet! Anders als bei der Pole ist das Training am Reifen mit Kleidung (auch mit langen Ärmeln) angenehmer. Man kann Aerial Hoop auch mit klassischer Pole-Bekleidung machen, empfehlenswert ist es für den Anfang allerdings nicht.

Somit fällt für viele Poler der Grippunkt »Haut« flach. Mit dem neuen (bewussten) Rutschmoment zurechtzukommen, ist für Personen mit Poleerfahrung neu.

Wer ohne jegliche Vorerfahrung kommt, kämpft meist in den ersten Stunden mit sich, der Enttäuschung, der Kraftlosigkeit und dem Reifen – und das in größerem Ausmaß als in den ersten Stunden eines Polekurses. Sind die ersten Einheiten durchgestanden, hat man die Technik begriffen und antwortet der Körper auf das, was man ihm sagen möchte, dann kommt auch Freude auf.

Der Unterricht

Ein Trainer muss die Personen dort abholen, wo sie stehen. Vom Einfachen zum Komplexen, vom Bekannten zum Unbekannten – mit diesen Grundsätzen kann man gut arbeiten und sie gelten sowohl für die Gestaltung des Pole- wie auch des Hoop-Trainings.


Der Trainer begleitet seine Teilnehmer und Teilnehmerinnen und gestaltet den Weg nach »oben« so komfortabel wie möglich.

Der Kunde wird entscheiden, ob ihm die Sportart Spaß macht, das Pole- oder Hoop-Studio entscheidet über den angebotenen Stil. Ob man Aerial Hoop als Tanz unterrichtet oder als Akrobatik, bleibt dabei jedem selbst überlassen.

Vorurteile und gedankliche Verbindungen

Gerade weil man beim Aerial Hoop-Training Kleidung tragen darf und soll, fällt es einigen Personen leichter, diesen Sport anzugehen. Die knappen Höschen und Tops, die spätestens beim Klettern an der Pole notwendig werden, schrecken mehr Personen von der Sportart ab, als man denken würde. Zum Aerial Hoop-Kurs kann man sogar in Schlabberklamotten kommen. Für den Trainer wird es zwar dann etwas schwieriger, die Körperlinien zu sehen und zu korrigieren (Brustspannung, langer Hals, gestreckte Beine, Becken nach vorne drücken), aber man muss sich als Teilnehmer eben weder in hautenge noch in knappe Kleidung zwingen.

Interessant ist auch, dass die meisten vollkommen vorurteilsfrei der akrobatischen Richtung des Aerial Hoop gegenüberstehen. Die Assoziationen die man hört sind »Zirkus«, »Spielplatz«, »Abenteuerspielplatz« und »Kindheit«.


Am häufigsten verbindet man das Sportgerät des Aerial Hoops mit Erinnerungen an Zirkusvorführungen.


Zusammenfassung

•Poledance und Aerial Hoop sind akrobatische Sportarten.

•Das Training erfordert Kraft, Körperspannung und Rumpfstabilität.

•Während die Pole fest im Raum steht, bewegt sich der Hoop.

•Vorteile und Gefahren sind bei beiden Sportarten nahezu identisch.

•Die Gestaltung von Kursstunden weist viele Gemeinsamkeiten auf (Warm-Up, Cool-Down, Sicherheitsvorkehrungen, Hilfestellung, Arbeiten mit den verschiedenen Ebenen).


Grundlagen der Anatomie

Grundlagen der Anatomie

Ein Sporttrainer arbeitet körperlich und geistig. Beziehen wir uns nun auf die körperliche Ebene und legen den Fokus auf die Anatomie und die Herausforderungen im richtigen und verantwortungsvollen Umgang des Trainers mit dem eigenen Körper, aber auch mit den Körpern der Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

Sehnen und Bänder

Sehnen und Bänder können wir uns wie elastische Schnüre vorstellen, die sich an unseren Knochen befinden. Sie dienen dazu, den Körper zu stabilisieren, aber auch dazu, Bewegungen zu übertragen. Sehnen und Bänder gehören zum Stütz- und Bewegungsapparat und haben unterschiedliche Aufgaben.

Sehnen verbinden die Knochen mit den Muskeln, Bänder sichern unsere Gelenke.

Sehnen dienen der Kraftübertragung der Muskeln auf den Knochen, um eine Veränderung der Körperposition zu bewirken. An einem Ende sind die Sehnen mit den Muskeln innerlich verwachsen, am anderen Ende mit dem Knochen. Zusammengesetzt aus sehr stabilen Kollagenfasern werden sie von einer schützenden Ummantelung, dem Sehnengleitgewebe umfasst. Einige Sehnen sind von Natur aus hohen Belastungen und Dauerbelastungen ausgesetzt, wie beispielsweise am Handgelenk, hier kommt die Sehnenscheide als zusätzlicher Schutz zum Einsatz, die wir alle kennen, wenn wir schon einmal mit einer Entzündung derselben zu tun hatten. In der Sehnenscheide befindet sich Flüssigkeit. Sie verringert die Reibung zwischen Sehne und Knochen. Bei Überbelastung bzw. zu starker Dauerbelastung kann es hier relativ schnell zu Entzündungen kommen, weshalb Maß und Ziel vor allem auch beim Aufbau des Trainings sinnvoll sind. Die Kontraktion des Muskels bei Anspannung bewirkt einen weitergeleiteten Zug auf die Sehne. So werden mittels der Sehnen dann die Bewegungen an die Knochen übertragen. Die stärkste Sehne im Körper ist die Achillessehne, die mehr als eine Tonne Zugbelastung absorbieren kann.


Der Körper ist nicht nur das Kapital, sondern auch die Arbeitsgrundlage. Grundlegende Kenntnisse der Anatomie sind unabdingbar.

Ein Trainer sollte wissen, welche Übungen eine extreme Belastung darstellen und die Anzahl der Wiederholungen verringern bzw. derartige Übungen erst in eine Kursstunde aufnehmen, wenn ausreichend Muskelmasse vorhanden ist. Als Beispiel sind hier alle Übungen im Push Down Grip zu nennen (Boomerang Hold, Diamond Spin, Cradle Push, Cradle Spin).


Zusammengefasst: Sehnen

•Sehnen verbinden die Muskeln mit den Knochen.

•Sehnen bestehen aus festen Kollagenfasern.

•Die Erneuerung der Kollagenfasern verlangsamt sich mit zunehmenden Altern.

•Sehnen werden teilweise von einer Sehnenscheide geschützt.

•Die Sehnenscheide kann sich entzünden.

•Sehnen können bei falscher Belastung Schaden nehmen.

Auch sollte ein Trainer sich bewusst sein, dass die Erneuerung der Kollagenfasern mit zunehmendem Alter langsamer vonstatten geht. Schäden und Überbelastungen sind immer zu vermeiden, haben mit zunehmendem Alter der Teilnehmer und Teilnehmerinnen aber größere Auswirkungen.

Bänder: Unsere Bänder stabilisieren unsere Gelenke und sie helfen, diese zu bewegen. Beweglichkeit wird häufig auch gleichbedeutend als Gelenkigkeit verstanden. Diese Bezeichnung hilft dabei, sich vor Augen zu führen, welche Rolle die Bänder beim Training von Tricks und Spins, Figuren und Positionen übernehmen müssen, in welchen wir mit Flexibilität glänzen wollen.

Bänder verbinden Knochen mit Knochen und dienen im Grunde dazu, den Spielraum zwischen zwei Knochen auf ein sinnvolles Maß zu beschränken. Was dabei sinnvoll ist und was nicht, hier scheinen Körper und Besitzer desselben manchmal geteilter Meinung zu sein. Bänder sind minimal elastisch, reagieren schnell beleidigt, können ebenso schnell überdehnt werden und wenn sie mit den Wünschen des Besitzers gar nicht mehr zurechtkommen, bzw. sich dieser nicht die Zeit nimmt, es den Bändern langsam und mit Geduld zu »erklären«, dann reißen sie. Je kürzer unser Geduldsfaden, desto schneller reißen unsere Bänder. Je ruckartiger und stärker eine Bewegung ist, desto höher die Gefahr, dass unsere Bänder nicht mitspielen. Das Fatale: Bänderdehnungen und Bänderrisse sind langwierig.


Zusammengefasst: Bänder

•Bänder verbinden Knochen mit Knochen.

•Bänder sind weniger elastisch als Sehnen.

•Sie sollen unseren Bewegungsspielraum beschränken.

•Ruckartige Bewegungen mit zu großer Kraft müssen zum Schutz der Bänder vermieden werden.


Wird der Boomerang Hold im Push Down Grip ausgeführt, so sollte sich der Trainer bewusst sein, dass hier der Unterarm der stützenden Hand belastet wird.

Die Kommunikation zwischen Sehnen, Bändern, Muskeln und Knochen ist sehr wichtig. Um unsere Sehnen zu schützen, muss ausreichend Muskulatur vorhanden sein oder aufgebaut werden. Aus diesem Grunde beziehen wir uns hier auch zunächst auf diese scheinbaren Nebensächlichkeiten und beginnen nicht mit der Erörterung von Knochen und Muskeln, da der Wunsch nach »mehr« Beweglichkeit häufig verfrüht einsetzt und es genug Teilnehmer und Teilnehmerinnen gibt, die der Meinung sind, dass Beweglichkeit vor Muskelmasse steht und es ausreicht, die Beweglichkeit zu trainieren. Dazu später mehr.

Jedes Training setzt Reize im Körper. Im Grunde kann man sagen, dass der Körper im Nachgang, also in der Ruhephase, Revue passieren lässt, was wir gerade während des Trainings von ihm wollten und sich eingesteht, dass er mit diesen Anforderungen (noch) nicht zurechtkam. Muskelkater ist immer ein Zeichen eines einsetzenden Heilungsprozesses, der davon zeugt, dass wir uns während des Trainings minimale interne Verletzungen des Halteapparats zugezogen haben, die nun repariert werden. Unser Körper zieht dann das Fazit, dass derartiges nicht noch einmal passieren sollte und beginnt, neue Muskelbestandteile aufzubauen, um das nächste Mal mit den Herausforderungen besser umgehen zu können. Passen die (auch durch den Trainer) gesetzten Trainingsreize mit der Regenerationsfähigkeit der Körper der Teilnehmer zusammen, verbuchen wir das auf beiden Seiten als Erfolgserlebnis.


Zusammengefasst:

Nur ein ausreichendes Maß an Muskeln schützt unsere Sehnen und Bänder vor Überbelastung. Wer Krafttraining zu gering erachtet, geht fahrlässig mit dem passiven Bewegungsapparat um.

Knochen

Unsere Knochen können ganz schön viel aushalten. Der größte Knochen des Menschen ist der des Oberschenkels. Er kann bis zu 1,5 Tonnen tragen und manchmal haben wir das Gefühl, er müsse es auch, wenn wir uns fühlen, wie ein nasser Sack, der an der Stange hängt oder sich in den Hoop schwingen möchte.


Während des Trainings an der Pole oder am Aerial Hoop können auch Knochen stark beansprucht werden.

Unser Körper verfügt über ca. 260 Knochen, auch hier kann es tatsächlich individuelle Unterschiede geben. Die Knochen dienen der Stabilität und bestimmen auch unser Erscheinungsbild (Größe, Körperbau). Streng genommen gehören die Knochen zum Bindegewebe. Unser Körper weist Röhrenknochen auf (Ober- und Unterarm, Oberschenkel, Wade) und verfügt über platte Knochen (Schulterblatt, Schädeldecke). Es gibt kurze Knochen (Handwurzelknochen), kleine runde Knochen, luftgefüllte Knochen (Stirnbein) und unregelmäßige Knochen (unsere Wirbel). Die Knochenhaut schützt unsere Knochen, im Inneren der Knochen findet sich das Knochenmark.

Die unterschiedlichen Aufbauten unserer Knochen befähigen uns auch mit den unterschiedlichen Anforderungen umgehen zu können. Knochen sollen unsere Bewegungen abfangen. Je heftiger die Bewegungen, je schneller, je ausladender, je ruckartiger, desto größer sind auch die Belastungen für unsere Knochen.


Zusammengefasst: Knochen

•Knochen gehören zum Bindegewebe.

•Ihr Mineraliengehalt macht sie hart und stabil.

•Der menschliche Körper verfügt über verschiedene Arten von Knochen.

•Der größte Knochen des Menschen ist der Oberschenkelknochen.

•Einige Knochenstrukturen schützen dahinter liegende Organe (Brustkorb, Schädeldecke).

Gelenke

260 Knochen. 360 Gelenke. 100 davon mobil. Okay, wir denken manchmal, wir hätten maximal vier mobile Gelenke, aber das grundsätzliche Vorhandensein der Mobilität sagt ja noch nichts über den Bewegungsradius aus.

Gelenke sind die Verbindungsstücke zwischen Knochen oder knorpeligen Strukturen. Es gibt unterschiedliche Arten von Gelenken, prinzipiell ist uns aber der Aufbau eines Gelenkkopfes, der in einer Pfanne liegt, bekannt. Damit nicht Knochen auf Knochen reibt, was zu erheblichen Schmerzen führen würde, ist der Hohlraum zwischen Gelenkkopf und Pfanne mit der Gelenksflüssigkeit gefüllt. Das Gelenk wird außen von der Kapsel geschützt. Auch die Kapsel gehört zum Bindegewebe. Im Knie und im Ellenbogen finden wir noch die Schleimbeutel, ebenfalls gefüllt mit Flüssigkeit als Puffer. Die Belastungen, die unsere Gelenke aushalten müssen, sind enorm und erhöhen sich noch, je stärker die Anforderungen werden, die wir an sie stellen, bzw. je härter der Sport ist, den wir ausüben.


Verschiedene Gelenke ermöglichen verschiedene Arten der Bewegung. Gelenkschonendes Training sollte immer Priorität haben.

Bei Sprüngen kann eine Belastung auf das Knie ausgeübt werden, die das 24fache des eigenen Körpergewichts beträgt. Ein Sprung aus dem Hoop, ein Sprung von dem oberen Ende der Stange, Flips und Rotationssprünge sind also mit äußerster Vorsicht zu genießen und setzen viel Vorarbeit voraus, um die Verletzungsgefahr zu minimieren.

Einige Gelenke verfügen von Haus aus über einen größeren Bewegungsspielraum, andere Gelenke weisen hier einen geringeren Radius auf. Oftmals werden die Gelenke mit den geringeren Radien als »unechte« Gelenke bezeichnet.

Die Richtungen der Bewegungen

Unsere Hüfte hat im Grunde den größten (möglichen) Bewegungsspielraum (theoretisch) aufzuweisen. Das Kugelgelenk kann Bewegungen in sechs Richtungen ermöglichen. Wenn wir Front- oder Mittelspagat trainieren, dann versuchen wir das unserer Hüfte auch mitzuteilen, aber auch hier spielt die weiter oben erwähnte Geduld eine große Rolle, denn neben dem Gelenk spielen ja, wie wir jetzt wissen, auch Sehnen und Bänder eine große Rolle.

Eigelenke finden sich beispielsweise am Handgelenk, sie ermöglichen ein Strecken, Beugen, seitliches Drehen und Rotation.


Zusammengefasst: Gelenke

•Unser Körper verfügt über 100 mobile Gelenke.

•Gelenke sind Verbindungsstücke zwischen Knochen oder knorpeligen Strukturen.

•Der Hohlraum zwischen den Knochen ist mit Gelenksflüssigkeit gefüllt.

•Das Gelenk wird von einer Kapsel geschützt.

•In einigen Gelenken sind für den zusätzlichen Schutz Schleimbeutel vorhanden.

•Gelenke müssen extreme Belastungen aushalten.

•Wir verfügen über unterschiedliche Gelenkarten, die einen unterschiedlichen Bewegungsspielraum ermöglichen.

Sattelgelenke finden wir in unseren Daumen, hier ist eine Bewegung in vier Richtungen möglich, so können wir den Daumen kreisen.

Scharniergelenke machen ihrem Namen alle Ehre: Auf oder zu! Hier sind zwei Bewegungsrichtungen möglich (Ellenbogen).

Die Runde wird mit den sogenannten Zapfen- oder Radgelenken geschlossen. Hier sind nur Drehbewegungen möglich (Elle und Speiche).

Muskeln

Die Zahl an sich ist beeindruckend. Wir verfügen über mehr als 650 Muskeln. Die 50 Muskeln, die sich allein im Gesicht befinden, trainieren wir in jeder Einheit unbewusst mit, ob wir uns freuen oder frustriert das Gesicht verziehen.

Die grundsätzliche Aufgabe der Muskeln ist es, Teile des Körpers zu bewegen. Es gibt Muskulatur, die an den Knochen ansetzt und von uns (relativ) bewusst angesteuert werden kann und es gibt Muskulatur in den Organen, die wir nicht bewusst ansteuern können.

Die quergestreifte Muskulatur finden wir in der Skelett- und Herzmuskulatur, die glatte Muskulatur dient beispielsweise der Verdauung. Allein die Hände, die uns an der Pole oder im Hoop festhalten und damit Großartiges leisten, verfügen über je ca. 30 Muskeln, deren Zusammenspiel koordiniert werden will.

Unser Po verfügt über den größten Muskel und macht im Training auch oft den Schwerpunkt aus. Ein Muskel besteht aus mehreren Bündeln, die ihrerseits aus Muskelfasern und -zellen aufgebaut sind. Ein männlicher Körper besteht rein rechnerisch aus ca. 40% bis 60% Muskulatur, ein weiblicher muss sich mit einem Prozentsatz von ca. 30 bis 40% begnügen.


Das Zusammenspiel der Muskeln und deren zur Verfügung gestellte Kraft ermöglichen es, die verschiedenen Positionen im Reifen oder an der Stange ausführen und halten zu können.

Wie komplex die Arbeit der Muskulatur ist, machen wir uns dabei selten bewusst. Muskeln arbeiten meistens als Paar. Wir haben den Spieler (Agonisten) und den Gegenspieler (Antagonisten). Eine Entspannung des einen ist nur durch eine Anspannung des anderen möglich: Spannen wir den Bizeps an, ist der Trizeps gelockert. Um den Bizeps zu lockern, müssen wir den Trizeps wieder anspannen.

Diese Muskelarbeit frisst Energie. Die verbrauchte Energie wird zu ca. 25% für die mechanische Bewegung eingesetzt, die übrigen Prozente dienen der Erwärmung. Dadurch erschließt sich auch, warum gut trainierte Menschen weniger frieren.

Folgt man den wissenschaftlichen Aussagen, so passt sich angeblich unsere Muskulatur schnell an neue Belastungssituationen an und reagiert nach kurzer Zeit. Trainern und Trainierenden muss man dabei nicht sagen, dass »kurz« dabei ein sehr relativer Begriff ist, der zudem eng mit der eigenen Geduld und Frustrationstoleranz zusammenhängt.

Interessant ist, dass beim Training im Hoop oder an der Pole vor allem die Muskeln beansprucht werden, die im modernen Alltag leicht verkümmern. Die meisten der teilnehmenden Personen werden bei richtiger Ausführung des Trainings schnell berichten, dass Rückenbeschwerden abgenommen haben oder sogar komplett verschwunden sind. Da wir im Training stark mit der Tiefenmuskulatur arbeiten und eine Grundspannung für nahezu jede Bewegung vonnöten ist, trainieren wir den Stützapparat und bauen sowohl Bauch- als auch Rückenmuskulatur auf, die nun als Team von Spieler und Gegenspieler unsere Wirbelsäule stützen und aufrecht halten können.

Dabei funktioniert Training im Prinzip in einer relativ strengen und drastischen Weise: Der Körper stellt fest, dass er das, was sein Besitzer mit ihm tun möchte, nicht kann. Der Muskel wird in kleinen Teilen geschädigt.

Wie ein geschlagener Hund leckt der Körper in der sich nach dem Training anschließenden Ruhephase seine Wunden und beginnt, die Schäden zu beheben. Da unser Körper diese Erfahrung lieber kein zweites Mal machen möchte, beginnt er, neue Muskelbestandteile aufzubauen, um für das nächste Mal besser vorbereitet zu sein. Mehr Muskelbestandteile einsetzen zu können, bedeutet mehr Leistungsfähigkeit und mehr Energie zu haben, die für das Training verwendet werden kann.

Muskeln reagieren schnell, Sehnen, Bänder und Knochen sind etwas schwerfälliger und passen sich nur langsam an.

Als Trainer müssen wir eine Kursstunde so kreieren, dass wir die richtige Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche finden, nicht nur verbal, sondern auch was die Leistungsfähigkeit unserer eigenen Körper, aber vor allem auch der Körper der teilnehmenden Personen betrifft.

Während des Trainings befinden sich nahezu alle Muskeln in permanenter Dauerspannung. Die Körperspannung ist es, die es uns ermöglicht, gegen die Schwerkraft anzukämpfen und ihr Herr zu werden. Es lässt sich demnach nur schwer sagen, welche Muskeln mehr und welche Muskeln weniger leisten müssen.

Umso wichtiger ist es, am Ende des Trainings auf jeden Fall ein ordentliches Cool-Down durchzuführen. Wie dies zu gestalten ist, dazu später mehr.

Knie, Schulter und Halswirbelsäule – Hier ist besondere Vorsicht geboten

Das Training so gelenkschonend wie möglich zu gestalten, ist Pflicht eines Trainers, die nicht weiter erläutert werden muss. Warum dies allerdings für die Schulter, das Knie und die Halswirbelsäule besonders wichtig ist, darauf lohnt es sich noch ein wenig näher einzugehen.

Knie

Unser Knie stellt das größte Gelenk dar. Es besteht aus zwei Einzelgelenken (Kniescheibengelenk und Kniekehlengelenk).

Wird das Training korrekt angeleitet und von den Teilnehmern ordnungsgemäß durchgeführt, besteht keinerlei Gefahr für das Knie oder die Kniescheibe. Im Normalfall.

Das Landen und Starten auf Zehenspitzen vor den jeweiligen Bewegungen ist nicht nur optional, sondern stellt die größte Sicherheitsvorkehrung zum Schutz des Knies dar. An der Pole und auch im Hoop arbeiten wir permanent mit Drehbewegungen. Landen wir nach einer Drehung oder beim Herabgleiten aus dem Hoop auf flachem Fuß und haben noch Restschwung im Körper, so wird dieser Restschwung direkt von der Kniescheibe abgefangen. Das kann in leichten Fällen unangenehm sein, ist der Restschwung im Körper zu groß, kann diese falsche Landung zu massiven Schädigungen des Knies führen. Die Kniescheibe springt heraus. Hat der Teilnehmer Glück, so springt die Kniescheibe sofort wieder zurück. Dann sind »nur« alle Sehnen und Bänder massiv überdehnt. In diesem Fall ist eine Regenerationszeit von mindestens acht Wochen, in welchen häufig auch eine Stützschiene getragen werden muss, normal. Hat der Teilnehmer Pech, so war die Krafteinwirkung so stark, dass alle Sehnen und Bänder reißen können.


Die Knie können bei Drehbewegungen des Körpers stark belastet werden. Hier sind einige Sicherheitsvorkehrungen zu beachten.


Für die Gesundheit der Knie ist das Starten und Landen auf Zehenspitzen ein Muss.

Es mag für die Teilnehmer am Anfang des Trainings mehr als nervtötend sein, sich den Hinweis auf die gestreckten Zehen, das Landen und Starten auf den Zehenspitzen immer und immer wieder anhören zu müssen, aber als verantwortungsvolle Trainer haben wir die Pflicht, diesen Bestandteil des Trainings nicht nur als ästhetische Kosmetik zu betrachten, sondern als absolutes Muss.

Schulter

Unsere Schultern können viel, sind aber dennoch schnell beleidigt, wenn wir sie falsch behandeln. Das Schultergelenk wird vor allem durch die Muskulatur gesichert. Unsere Bewegungsfreiheit der Schulter rührt daher, dass die Schulter ein Gelenk ist, welches den Namen nicht ganz zu Recht trägt. Die Schulter ist das beweglichste Kugelgelenk in unserem Körper. Damit diese Beweglichkeit nicht zu Lasten unserer Gesundheit geht, sind Vorkehrungsmaßnahmen notwendig. Die wichtigste Vorkehrungsmaßnahme stellt dabei das sinnvolle Warm-Up und ein Krafttraining der Schultermuskulatur dar. Schon bei der einfachsten Drehung, beim Halten im Hoop, bei vielen Bewegungen, die uns von Anfang an im Training begleiten, hängen wir streng genommen mit unserem Körpergewicht an einem, maximal an beiden Schultern. Durch die Beweglichkeit der Schulter kann es relativ leicht zu Ausrenkungen (Luxationen) und zu Sehnen- und Bänderrissen im Bereich der Rotatorenmanschette kommen. Ein sicher angeleitetes Training kann dies verhindern. Als Trainer müssen wir wissen, dass der Bandapparat des Schultergelenks im Vergleich zu seiner Beanspruchung vergleichsweise schwach ausgeprägt ist. Es sind genau vier Bänder, die das Gelenk stabilisieren und diese befinden sich noch dazu relativ führungslos innerhalb unseres Schultergelenks. Die Sicherung und Führung erfolgt durch die Muskulatur. Die Muskeln der Rotatorenmanschette umschließen das Gelenk. Die Stabilität der Schulter ist direkt proportional zum Ausprägungsgrad der Muskulatur. Neben der Muskulatur sind es die Sehnen, welche die Schulter stabilisieren.


Bereits einfache Drehungen setzen voraus, dass unsere Schultern unser Körpergewicht tragen und stabilisieren können.

So wie es gilt, das Kniegelenk vor Verletzungen zu schützen, so ist es auch wichtig, Schulterverletzungen zu vermeiden. Niemand legt gesteigerten Wert auf eine ausgekugelte Schulter und auch ein Riss der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur) sollte am besten niemals vorkommen. Was bei dieser Art der Verletzung reißt, sind die Muskeln und Sehnen. Es kann dazu führen, dass das Schultergelenk nicht mehr funktionsfähig ist. In jedem Fall ist es eine sehr schmerzhafte Angelegenheit und der Heilungsprozess (in welchem keinerlei Pole- oder Hoop-Training erfolgen kann und darf) kann bis zu mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Elastizität der Sehnen und Bänder der Manschette ist so hoch, dass nicht einmal eine ausgekugelte Schulter zu einem Riss der Strukturen der Rotatorenmanschette führen muss. Wird allerdings ein plötzlicher und unerwarteter Zug oder Druck auf die Struktur unserer Schulter ausgeübt, während sich die Bizepssehne bereits in voller Anspannung befindet, kann dies zu einer Verletzung eines Teils des Gelenks (Pfannenlippe am oberen Rand der Gelenkpfanne) und nachfolgend zu einer Ruptur führen. Versagt uns die Rotatorenmanschette den Dienst, so hat das im Normalfall häufiger mit chronischen Schäden des Schultergelenks zu tun als mit einer plötzlichen Ruptur. Als Trainer wollen wir es nie erleben. Nicht bei uns, nicht bei unseren Teilnehmern.


Die Rotatorenmanschette. Ein komplexes und absolut schützenswertes Gebilde in unserem Körper. Das Schultergelenk wird von den Muskeln und Sehnen umfasst. Die Sehnen bilden zusammen mit der Bandverbindung die Sehnenkappe. Für dieses Gebilde hat sich der Begriff Rotatorenmanschette eingebürgert.

Die Gefahren für die Schulter sind insbesondere dann besonders hoch,

•wenn wir gezwungen werden die Schulter über das gesunde Maß hinaus zu rotieren, während der Arm weit abgespreizt oder enganliegend ist (falsche Hilfestellung beim Dehnen, ein Hineindrücken in bestimmte Figuren),

•wenn wir Übungen ausführen, für welche die Muskulatur noch nicht ausreichend vorhanden ist (Handspring Twisted Grip, einarmige Haltefiguren mit Aufdrehungen der Schulter),

•wenn wir zu früh und ohne (ausreichendes) Warm-Up belastungsintensive Übungen durchführen.

Halswirbelsäule

Die HWS bezeichnet zusammenfassend die Wirbel zwischen Kopf und Brustwirbelsäule. Auch hier, ähnlich wie bei der Schulter, haben wir die Besonderheit, dass es sich um den beweglichsten Abschnitt der Wirbelsäule handelt. Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln und weist einen Bogen nach vorne auf, der normal ist und die natürliche Lordose (Krümmung) der Wirbelsäule beschreibt. Auch die Halswirbelsäule, die den doch recht schweren Kopf trägt, wird von den Muskeln unterstützt (Nacken- und Rückenmuskulatur) und von mehreren Bändern gehalten. Im Bereich der HWS sind zahlreiche Nervenstränge (auf jeder Seite acht) vorhanden, die unter anderem dafür verantwortlich sind, dass wir selbständig atmen können.

Die am häufigsten auftretende Verletzung wird meist durch Verkehrsunfälle verursacht (Schleudertrauma). Normalerweise sind Bandscheibenvorfälle der HWS eher selten und hier steuern wir nun langsam auf die Besonderheiten und besonderen Gefahren beim Aerial Hoop- und Poledance-Training zu. Unsere Halswirbelsäule hat schon genug damit zu tun, unseren schweren Kopf tragen zu können. Plagen uns Sorgen und machen wir uns viele Gedanken, so scheint der Kopf manchmal tonnenschwer zu werden. Auch das muss unser Hals ertragen. Unsere HWS ist nicht dazu gedacht, das Gewicht des gesamten Körpers zu tragen. Zudem sind die Abstände der Wirbel der HWS eher gering, die Bandscheiben müssen hier dennoch extreme Pufferarbeit leisten. Beim klassischen Training im Reifen oder an der Pole sind die Belastungen für die HWS gut steuerbar und bei richtig angeleitetem Training vermeidbar. Meint man als Trainer allerdings, die wildesten Figuren beim Floorwork oder bei der Schlingenarbeit im Hoop einbauen zu müssen, so können die Belastungen für die HWS enorm werden. Ein Trainer sollte sich stets vor Augen führen, dass es sich bei den Teilnehmern zum großen Teil um Freizeitsportler handelt, die keine Ambitionen hegen, im Zirkus aufzutreten oder gar damit in Zukunft ihren Lebensunterhalt verdienen zu wollen. Überdehnungen der HWS, Belastungen mit hohem Gewicht und ruckartige Bewegungen sollten demnach stets vermieden werden.


Die Halswirbelsäule ist nicht dazu gedacht, das Gewicht des Körpers zu tragen. Fehlbelastungen sind zu vermeiden.


Konkret sollte man als Trainer beim Aufbau der Kursstunden folgendes überdenken bzw. auf folgende Übungen ganz verzichten:

•Kopfstand mit Gewicht auf dem Kopf.

•Chest-Stand (aus der Bauchlage werden die Beine rücklings in einer Brückenbewegung über den Kopf gezogen. Die Stauchung der HWS ist enorm).

•Nach jeder Rückbeuge sollte stets eine Vorbeuge erfolgen, um sofort durch die entsprechende Gegenbewegung den Ausgleich schaffen zu können, denn eine Rückbeuge kommt immer einer leichten Stauchung der Wirbelsäule gleich.

•Kopfkreisen: Es sollten nur Halbkreise nach vorne über die Brust erfolgen, die gerne bis zur rechten und linken Schulter ausgeführt werden können, die Überdehnung des Nackens (Kopf in den Nacken legen) sollte vermieden werden.

•Beim Anleiten von rückwärtigen Rollbewegungen (Shoulderroll) sollte vermehrt darauf hingewiesen werden, dass die Bewegung nicht umsonst »Schulterrolle« heißt, denn man rollt über die Schultern nach hinten, nicht über den Nacken.

•Schlingenarbeit im Hoop (bei welcher man sich mit dem Hals in einer Schlinge einhängt, um mit dem Körper Pirouetten auszuführen) hat in Kursstunden nichts verloren.


Selbst wenn die Bilder in den sozialen Netzwerken noch so faszinierend sein sollten, auf einige Punkte sollte man zugunsten der Gesundheit verzichten.

Die Schädigung der HWS ist selten, dafür aber umso schmerzvoller. Zudem zieht sie starke Beeinträchtigungen nach sich. Folgen von Schädigungen und Überlastungen der HWS können sein:

•Schwindel und Benommenheit

•Brennende und stechende Kopfschmerzen und Tinnitus

•Hör-, Seh- und Wahrnehmungsstörungen

•Schmerzen und Missempfindungen im Gesicht und in den Armen

•Muskelfunktionsstörungen und Krämpfe

•Übelkeit, Erbrechen, Ängste und Herzrasen

•Stress- und Lärmempfindlichkeiten

•und vieles mehr


Es gibt so viele schöne Übungen im Hoop und an der Pole und auch im Floorwork, so dass ein verantwortungsvoller Trainer auf die beschriebenen Übungen getrost verzichten kann und sollte.

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Türler ve etiketler

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336 s. 178 illüstrasyon
ISBN:
9783767920651
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