Kitabı oku: «Histaminarm kochen - vegetarisch»

Yazı tipi:

Nadja Schäfers

Histaminarm kochen – vegetarisch

Köstliche Rezepte und Praxistipps bei Histaminintoleranz


Widmung

Ich widme dieses Buch meiner Nichte Lisa – Danke auch für die tolle Kochschürze. Ein besonderer Dank gilt zudem meiner gesamten Familie und meinen Freunden, die mir für Kochexperimente zur Verfügung standen und mich während einer persönlich schwierigen Zeit jederzeit unterstützt haben. Vielen Dank!

Wichtiger Hinweis

Alle in diesem Buch enthaltenen Ratschläge und Rezepte sind sorgfältig geprüft. Dennoch muss jegliche Haftung seitens der Autorin oder des Verlags für Sach- und Personenschäden ausgeschlossen werden.

Die Informationen in diesem Buch können die Diagnose und Behandlung durch Ärzte oder Heilpraktiker nicht ersetzen. Bei ernsten Erkrankungen und Beschwerden sollte immer individueller fachlicher Rat eingeholt werden.

Magengrimmen nach Schokolade, Parmesan oder Rotwein?

Eine Histaminintoleranz könnte Ursache dieser unliebsamen Beschwerden sein.

Histamin ist in vielen Lebensmitteln enthalten und kann bei Histaminintoleranz Probleme machen. Doch Magenschmerzen, verstopfte Nase oder quälender Hautausschlag verschwinden, wenn die problematischen Lebensmittel gemieden werden.

Dieses Buch liefert verlässliche Informationen zu Histamin, Symptomen und Diagnosemethoden der Unverträglichkeit. Ausführlich erklärt es, welche Lebensmittel verträglich sind und wo Probleme lauern.

Rund 85 ausgewählte vegetarische Köstlichkeiten erleichtern den Schritt in die Praxis. Kräuterschaumsuppe, Dinkelpizza überbackener Kürbis, sahniges Gemüsecurry, Apfelkuchen oder Kirschsorbet versprechen unbeschwerten Genuss.

Die Rezepte im zweiten Teil des Buches spiegeln das Interesse der Autorin an feiner Küche wider und sprühen vor Lebens- und Genussfreude. Es ist ein Leitfaden, da jeder Betroffene ganz individuell auf Histamin reagiert.

Claudia Tritschel, Ernährungsrundbrief, Arbeitskreis für Ernährungsforschung e.V.


Inhalt

Cover

Titel

Meine Geschichte

Hintergründe zur Unverträglichkeit

Histamin

Histaminintoleranz

Symptome der Histaminintoleranz

Histamin freisetzende und Diaminoxidase hemmende Medikamente

Diagnose der Histaminintoleranz

Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel bei Histaminintoleranz

Neustart nach der Diagnose

Histamin auf der Spur

Mit Vorsicht zu genießen

Gruppe 1: Lebensmittel mit hohem Histamingehalt

Gruppe 2: Histaminliberatoren

Gruppe 3: Lebensmittel, reich an anderen biogenen Aminen

Histamin, Glutamat und Lebensmittelzusatzstoffe

Alles, was ich darf

Histaminarme Lebensmittel

Als Vegetarier und Veganer mit Eiweiß gut versorgt

Histaminarm kochen

Hinweise zu den Rezepten

Basics selbst gemacht

Salate und Gemüsesnacks

Aufstriche, Dressings und Dips

Suppen

Pikantes aus dem Ofen

Gemüse aus Pfanne und Wok

Nudeln, Reis und Knödel

Gebratenes aus der Pfanne

Desserts und Kuchen

Die Autorin

Histamin auf der Spur – Ernährungstagebuch

Adressen

Meine persönlichen »Top-10-Todsünden«

Meine persönlichen »All-time-Favourites«

Rezeptindex

Impressum

Meine Geschichte

Gut zehn Jahre lang klagte ich über Bauchschmerzen, anfangs alle paar Tage, zuletzt täglich. Während ich größtenteils bis spät nachmittags beschwerdefrei blieb, kamen die krampfartigen Bauchschmerzen meist abends ein bis zwei Stunden nach dem Abendessen. Lust, noch auszugehen, hatte ich dann meist keine mehr: Mein aufgeblähter Bauch sah nicht nur äußerst unschön aus, ich konnte mich an schlimmen Tagen kaum aufrecht halten. Am liebsten blieb ich also zuhause und kuschelte mich in Embryonalstellung und mit meiner heiß geliebten Wärmflasche auf dem Bauch auf das Sofa oder ins Bett. Morgens waren die Schmerzen dann weg – und der Tag verlief ähnlich wie der vergangene Tag.

Diesen Ablauf versuchte ich mehrmals zu durchbrechen, besuchte zahlreiche Ärzte: Allgemeinmediziner, Internisten, Gynäkologen, Hautärzte – keiner konnte mir weiterhelfen. Alle Blut- und Stuhluntersuchungen verliefen ohne auffälligen Befund, auf eine Laktose- und Fruktose-Unverträglichkeit wurde ich untersucht, ebenfalls mit negativem Ergebnis. Auch eine grundlegende Darmsanierung mit Milchsäurebakterien hatte ich schon hinter mir – mit keinerlei positiven Effekten, zeitweise hatte ich sogar das Gefühl, dass sich die Beschwerden verstärken würden. Letztendlich lautete die Diagnose RDS: »Sie leiden am Reizdarmsyndrom, da kann man nichts machen. Da werden Sie mit leben müssen, ich kann Ihnen höchstens etwas gegen die Schmerzen verschreiben …«. Immer hörte ich Ähnliches. Da ich stets sehr sportlich war und mich gesund ernährt habe, schoben es die Ärzte auf den Stress, doch auch in ruhigen Zeiten, im Urlaub, stellte ich nur gelegentlich Besserung fest.

Ich entschied mich für einen vegetarischen Lebensstil, der mir anfangs sehr gut zu bekommen schien, mein Versuch, auf vegane Ernährung umzusteigen, scheiterte jedoch daran, dass ich feststellte, Soja – und besonders Sojadrink – nicht zu vertragen, zumindest nicht in großen Mengen – ich blieb Vegetarierin. Und ich führte Tagebuch: Bei Rohkost am Abend waren meine Bauchschmerzen schlimmer, nach Alkohol am Vortag auch. Ich ernährte mich streng nach Ayurveda – warme Gewürze, viel Curry und Kurkuma – und stellte fest, dass mir das nicht nur schmeckte, sondern auch sehr gut bekam.

Doch so sehr ich auch versuchte, herauszufinden, welche Nahrungsmittel ich nicht vertrage und welche schon, so ganz dahinter kam ich jahrelang nicht – es gab einfach gute und schlechte Zeiten.

Eines Tages kam dann die Erleuchtung: Kein Arzt hatte mir geholfen, ich selbst hatte einmal mehr auf meinen Körper gehört. Im achten Jahr machte ich nach dem immer gleichen Programm in der Fastenzeit vor Ostern Heilfasten – am fünften Tag, nachdem ich bereits vier Tage lang nichts gegessen hatte, waren die Schmerzen plötzlich wieder da – stärker denn je. Ich hatte die Nase voll, schnappte mir meinen Laptop und verzog mich – natürlich mit meiner Lieblingsbegleiterin, der Wärmflasche, – auf mein Sofa im Büro.

Fünf Stunden später war es mir sonnenklar: Ich litt schon seit Jahren an einer Histamin-Unverträglichkeit. Alle Informationen, Beschreibungen von Krankheitsbildern und Symptomen hatte ich eins plus eins zusammengezählt und besorgte mir noch am selben Tag einen Termin bei meinem Hausarzt für einen Histamin-Bluttest. Die zuständige Ärztin war anfangs von meiner »Selbstdiagnose« keineswegs begeistert und versuchte mir klarzumachen, dass Histaminintoleranz sehr selten sei, – zwei Wochen später und fünfzig Euro leichter hatte ich es schwarz auf weiß: Mir »fehlt« ein Enzym, um Histamin aus Lebensmitteln vollständig im Darm abzubauen. Meine Histamin-Unverträglichkeit wurde mir damit bestätigt: Ich verfüge nicht über ausreichende Mengen des Enzyms Diaminoxidase (DAO).

Da meine Nichte bereits im jungen Alter von sieben Jahren über erste ähnliche Symptome klagte, ließen wir sie ebenfalls überprüfen und unser Verdacht bestätigte sich entgegen der anfänglichen Meinung eines erfahrenen Homöopathen: Auch sie ist von einer leichten Unverträglichkeit gegenüber Histamin betroffen, sodass wir bei ihr schon jetzt rechtzeitig mit einer diätetischen Lebensweise mit wenig Histamin versuchen können, die Beschwerden zu verringern und einer möglichen Verschlimmerung vorzubeugen.

In der Zwischenzeit habe ich gelernt, damit umzugehen, dass ich eine Vielzahl von Lebensmitteln nicht essen darf oder den Verzehr teuer mit Schmerzen bezahlen muss. Anfangs habe ich Stunden im Supermarkt damit verbracht, Inhaltsangaben zu studieren, und mir vor jedem Essen überlegt, was ich wie jetzt überhaupt noch kochen kann. Eine eingehende Beratung seitens meiner Ärztin hatte ich im Anschluss an die Diagnose nicht bekommen. Da mir persönlich aber sowohl das Kochen als auch das Essen stets sehr viel Freude bereitet haben, entschied ich mich dazu, diesen Ratgeber zu schreiben mit dem Wunsch, anderen Betroffenen nach der Diagnose etwas helfen und ihnen Hoffnung geben zu können, und um aufzuzeigen, dass man trotz Histaminintoleranz gesund und vegetarisch essen und Spaß am Kochen haben kann … und es zudem auch allen anderen schmeckt.

Viel Spaß beim Nachkochen und Weiterentwickeln,

Ihre


Hintergründe zur Unverträglichkeit
Histamin

Histamin (2-(4-Imidazolyl)-ethylamin) ist ein biogenes Amin. Biogene Amine entstehen im Stoffwechsel von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen durch den Umbau von Eiweißbausteinen, den Aminosäuren. Der Zusatz »biogen« bedeutet, dass diese Substanz im lebendigen Stoffwechsel entsteht. Ein bestimmtes biogenes Amin geht dabei durch enzymatische Abspaltung einer Molekülgruppe aus seiner ursprünglichen Aminosäure hervor. So wird Histamin aus der Aminosäure Histidin gebildet. Die hierfür nötigen Enzyme sind in tierischen und pflanzlichen Geweben und auch in Mikroorganismen wie Bakterien weit verbreitet.

Histamin, das unser Körper selbst produziert, wirkt als Gewebshormon und Botenstoff. Beim Menschen und vielen anderen Säugetieren spielt dieser körpereigene Naturstoff eine zentrale Rolle bei Allergien, er ist an Reaktionen des Immunsystems, also an der Abwehr körperfremder Stoffe, an Entzündungsreaktionen und der Wundheilung beteiligt. Auch im Magen-Darm-Trakt, bei der Regulation der Magensäureproduktion und der Magen- und Darmbewegung, sowie im Zentralnervensystem, bei der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus, wirkt Histamin als wichtiger Botenstoff.

Histamin wird im Körper insbesondere in den körperabwehraktiven Mastzellen, in basophilen Granulozyten, die zu den weißen Blutkörperchen zählen, in Thrombozyten und in einigen Nervenzellen gespeichert. Aus diesen Zellen wird Histamin bei Stimulation freigesetzt. So sind zum Beispiel die körperlichen Reaktionen nach dem Kontakt mit Brennnesseln oder nach einem Bienenstich durch Histamin bedingt. Das Histamin kann in Augen und Nase zu Juckreiz und vermehrter Schleimbildung führen, die Bronchien können sich zusammenziehen, sodass die Atmung behindert ist, und Magen und Darm können mit Krämpfen und Durchfall reagieren.

Neben Histamin, das unser Körper selbst produziert, nehmen wir Histamin auch mit der Nahrung auf. In Lebensmitteln entsteht Histamin im Verlauf mikrobieller Tätigkeit, also durch gewünschte Reife-, Gärungs- und Fermentationsprozesse und durch (unsachgemäße) Lagerung, deshalb gilt: Je länger ein Produkt gereift ist, desto mehr Histamin enthält es.

Mit der Nahrung zugeführtes Histamin wird normalerweise größtenteils im Darm abgebaut, sodass Nahrungshistamin nur in kleinsten und gesundheitlich unproblematischen Mengen ins Blut gelangt. Erst bei hohen Zufuhrmengen oder wenn das Histamin ungenügend abgebaut wird, kann es zu Problemen und sogar Vergiftungen kommen. Eine Einzeldosis von etwa 10 mg Histamin gilt beim Erwachsenen als durchschnittlich gerade noch verträglich. Bei Menschen mit Histaminintoleranz kann die Verträglichkeitsgrenze jedoch deutlich herabgesetzt sein. Mehr als 10 mg Histamin können unabhängig von einer Intoleranz zu einer Histaminvergiftung mit akuten Beschwerden wie Atemnot, Blutdruckabfall, plötzlichem Hautausschlag und heißer, roter Haut, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Kopfschmerzen führen. Die individuelle Empfindlichkeit ist dabei sehr unterschiedlich. Ab 100 mg Histamin – eine Menge, die beispielsweise mit einer belasteten Fischmahlzeit aufgenommen werden kann – kann es zu deutlichen Vergiftungssymptomen kommen – auch bei Menschen ohne Histaminintoleranz.

Im Durchschnitt nehmen wir etwa 4 mg Histamin täglich durch Nahrung zu uns. Bei Histaminintoleranz kann diese Menge bereits große Probleme machen.

Histaminintoleranz

Unter Histaminintoleranz, auch Histaminose genannt, versteht man die Unverträglichkeit von mit der Nahrung aufgenommenem Histamin. Als Ursachen für die Unverträglichkeit gelten der permanente oder vorübergehende Mangel des Histamin abbauenden Enzyms Diaminoxidase (DAO) im Darm, die Hemmung des Enzyms oder das Missverhältnis zwischen aufgenommenem Histamin und Enzym.

Das Enzym DAO wird zwar regulär in den Schleimhautzellen des Dünndarms, in der Leber, den Nieren, Nervenzellen, Hautzellen und Blutzellen gebildet und von der Darmschleimhaut kontinuierlich in den Darm abgegeben, bei Histaminintoleranz aber entweder in zu geringer Menge oder mit verringerter Aktivität. Auch eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmwand gegenüber Histamin – beispielsweise aufgrund einer chronischen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa – kann Ursache der Histaminintoleranz sein. Der Mangel des Enzyms und das Übermaß an Histamin führen zu hohen Histaminkonzentrationen im Darm und zum Übergang von Histamin ins Blut, wodurch es zu den Beschwerden der Histaminintoleranz kommt.

Zu einem Missverhältnis im Darm und den entsprechenden Symptomen kann es auch bei Menschen ohne Histaminintoleranz und DAO-Mangel kommen, wenn die aufgenommene Histaminmenge die Leistungsfähigkeit des Enzyms übersteigt. Das kann der Fall sein, wenn die aufgenommenen Nahrungsmittel, beispielsweise verdorbener Fisch, insbesondere verdorbener Thunfisch oder verdorbene Makrele, extrem viel Histamin enthalten. Dann handelt es sich um eine akute Nahrungsmittelvergiftung und nicht um eine Intoleranz.

Neben dem Enzym DAO verfügt der Körper über einen weiteren Abbaumechanismus für Histamin: Mit Hilfe des Enzyms Histamin-N-Methyltransferase wird insbesondere körpereigenes Histamin abgebaut. Dieser Aspekt kann bei der Betrachtung der Histaminintoleranz durch Nahrungshistamin jedoch vernachlässigt werden.

Bis heute gibt es keine eindeutigen Forschungsergebnisse darüber, warum ein Mensch von Histamin-Unverträglichkeit betroffen ist. Einige Mediziner sind in der Vergangenheit davon ausgegangen, dass die Histaminintoleranz vererbt wird, da bei einigen bekannten Krankheiten der verursachende Enzymmangel vererbt wird und auch bei Histaminintoleranz meist ein Enzymmangel Ursache ist. Diese Annahme ist heute jedoch weitestgehend widerlegt. Viel wahrscheinlicher ist es, dass es sich bei der Histaminintoleranz um eine erworbene Krankheit handelt, das heißt, die Erkrankung wird durch hohen Verzehr histaminhaltiger Nahrung oder das Nachlassen der Enzymaktivität erworben. Manchmal kann es auch zu einer vorübergehenden Unverträglichkeit kommen, beispielsweise nach einer Darmerkrankung oder der Einnahme bestimmter Medikamente. Inzwischen unterscheidet man in der Medizin zwei Formen der Histaminintoleranz: die primäre Histaminintoleranz als angeborene und sehr seltene Form und die sekundäre Histaminintoleranz, die erworbene Form.

Bislang wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen knapp über eine Million Fälle von Histaminintoleranz festgestellt, das entspricht rund einem Prozent der Bevölkerung. Die Dunkelziffer ist jedoch vermutlich deutlich höher: Nach jüngsten Hochrechnungen und Studien sollen in Europa zehn bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung von Histaminintoleranz betroffen sein. Dies entspricht rund hundert Millionen Menschen. Weit über die Hälfte der Betroffenen sind Frauen mittleren Alters. Als eine Ursache hierfür vermutet man einen verringerten Histaminabbau durch den im mittleren Alter veränderten Hormonhaushalt.

Ursachen für ein Ungleichgewicht zwischen Histamin und Diaminoxidase

Ein Ungleichgewicht zwischen Histamin und dem abbauenden Enzym Diaminoxidase (DAO) im Darm – wie es für Histaminintoleranz typisch ist – kann folgende Ursachen haben:

 individuell zu hoher Verzehr histaminreicher Lebensmittel,

 Verzehr von Lebensmitteln, die das körpereigene Histamin freisetzen (Histaminliberatoren),

 Einnahme enzymhemmender Faktoren (Medikamente, Alkohol),

 Verzehr von Lebensmitteln, die einen hohen Gehalt an anderen biogenen Aminen wie Putrescin, Cadaverin, Spermin oder Spermidin haben, die vom gleichen Enzym DAO bevorzugt abgebaut werden, wodurch sich der Abbau von Histamin verzögert, sowie von Lebensmitteln mit hohen Gehalten der biogenen Amine Serotonin, Tyramin oder Phenylethylamin, die bei empfindlichen Personen ebenfalls Beschwerden verursachen können,

 Magen-Darm-Infektion, bei der die Aktivität des Enzyms vorübergehend verringert ist (bei Magen-Darm-Infektionen ist meist die Dünndarmschleimhaut, von der das Enzym vor allem produziert wird, in Mitleidenschaft gezogen),

 Enzymdefekt (angeboren – sehr selten).

Dieses Buch geht auf die vier erstgenannten und wesentlichen Aspekte für eine Histaminintoleranz ein, denn in diesen Fällen kann eine diätetische Lebensweise erfolgreich greifen und histaminbedingte Beschwerden lindern, sogar ein Leben vollständig frei von histaminbedingten Beschwerden ermöglichen.

Die Symptome der Histaminintoleranz ähneln zwar denen einer Allergie, die Histaminintoleranz ist jedoch keine Allergie, sondern eine nichtimmunologische Nahrungsmittelunverträglichkeit. »Nichtimmunologisch« meint, dass der Körper keine Antikörper gegen das Histamin bildet. Histaminintoleranz kann auch Folge oder Begleiterin anderer Unverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz und Fruktosemalabsorption oder Allergien sein.

Histaminintoleranz und Allergien

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem empfindlich gegenüber bestimmten Eiweißbestandteilen, beispielsweise von Nahrungsmitteln oder Blütenpollen, und bildet Antikörper gegen diese als Fremdkörper wahrgenommenen Bestandteile. Diese Antikörper lösen dann bei Kontakt oder Aufnahme die Beschwerden aus und lassen sich im Blut der Betroffenen nachweisen.

Ursachen für eine Unverträglichkeit wie Histaminintoleranz sind hingegen ein Enzymdefekt oder Enzymmangel, die es dem Körper unmöglich machen, bestimmte Nahrungsmittel vollständig zu verdauen. Bei Histaminintoleranz handelt es sich also nicht um eine Allergie, sondern um eine Unverträglichkeit mit einem allergieähnlichen Beschwerdebild – eine sogenannte »Pseudoallergie«. Bei einer Allergie können bereits kleinste Mengen des Allergens Beschwerden auslösen – theoretisch reichen hierfür einige Moleküle aus. Im Unterschied dazu hängt der Schweregrad der Reaktion bei einer Pseudoallergie oder Unverträglichkeit, also auch bei Histaminintoleranz, von der individuell verträglichen Dosis der unverträglichen Substanz, beispielsweise Histamin, ab. Diese Schwelle muss jeder Betroffene selbst für sich herausfinden. So verursacht der Parmesan auf dem Nudelgericht bei dem einen Betroffenen möglicherweise keinerlei Probleme, bei einem anderen Betroffenen kann er jedoch zu großen Beschwerden führen.

Histamin kann auch bei Allergikern zu (zusätzlichen) Unverträglichkeitssymptomen führen, daher sollte jeder Nahrungsmittel-, Pollen- oder Hausstauballergiker daran denken, wenn er (weitere) Unverträglichkeiten auf Nahrungsmittel feststellt, und sich auf eine mögliche Histamin-Unverträglichkeit untersuchen lassen.

Symptome der Histaminintoleranz

Viele kennen bis heute nur die Symptome, nicht aber die Krankheit: Häufig leben die Betroffenen mehrere Jahre mit den Beschwerden des sogenannten »Reizdarmsyndroms« und dem Glauben, daran könne man nichts ändern. Als Reizdarmsyndrom (RDS) werden Magen-Darm-Beschwerden bezeichnet, denen keine organische Erkrankung zugrunde liegt. Es kommt nicht selten vor, dass fälschlicherweise RDS diagnostiziert wird, weil die tatsächliche Ursache nicht erkannt wird.

Wenn keine chronische Krankheit wie Morbus Crohn vorliegt, ist meist eine Lebensmittelunverträglichkeit oder Lebensmittelallergie Ursache der zunächst unerklärlichen Probleme bei fälschlich diagnostiziertem Reizdarmsyndrom. Ob Fruktose-, Laktose- oder eben Histamin-Unverträglichkeit – sobald die Ursache erkannt ist, kann auch ein Weg aus den Beschwerden gefunden werden. Dabei hilft eine spezielle diätetische Lebensweise, zu der in diesem Buch Hilfestellung gegeben werden soll.

Besonders typische Symptome einer Histaminintoleranz sind – je nach aufgenommener Histaminmenge und Empfindlichkeit – Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Blähungen, Bauchschmerzen oder Magenstechen. Ebenfalls häufig stellen Betroffene das Anschwellen der Nasenschleimhäute fest. Mögliche weitere Symptome reichen von Schwellungen der Augenlider, Halsschmerzen, Hautrötungen, Hitzewallungen und Juckreiz über leichte Kopfschmerzen und Zyklusstörungen bis hin zu Schwindel (oft jedoch mit stabilem Blutdruck), Migräne- und Asthmaanfällen, Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Wassereinlagerungen, Schleimhautreizungen der weiblichen Geschlechtsorgane und allgemeinen Erschöpfungszuständen.

Auch der Sekundenschlaf beim Autofahren und Apnoe in der Nacht können manchmal auf eine Histaminintoleranz zurückzuführen sein, da sie Folgen einer Nasenschleimhautschwellung sein können. Nicht abgebautes Histamin im Magen-Darm-Trakt kann auch zu einem scharf brennenden Geschmack auf der Zunge führen, den viele Partner von Betroffenen als eigenartigen Mundgeruch wahrnehmen.

Auch die Seekrankheit könnte nach Meinung einiger Wissenschaftler durch Histamin-Unverträglichkeit verstärkt oder ausgelöst werden, da die Seekrankheit mit einer erhöhten Histaminausschüttung im Gehirn einhergeht, die bei Histaminintoleranz Probleme bereiten kann. Wem auf See, im Auto oder im Flugzeug leicht übel wird, kann demnach durch den Verzehr histaminarmer Nahrung vorbeugen. Auch Vitamin-C-reiche Nahrung kann in diesen Fällen hilfreich sein, da Vitamin C den Histaminabbau fördern soll (siehe Seite 37).

Da sich die Histaminabbaustörung meist in den mittleren Darmabschnitten (Duodenum, Jejunum und Ileum) manifestiert, können die Symptome häufig nur schwer mit dem zeitnah verzehrten Essen in Verbindung gebracht werden. Die Probleme können oft auch erst mehrere Stunden nach dem Essen auftreten. Die Frage, wann nach einer Mahlzeit typischerweise Beschwerden auftreten und wann sie wieder abklingen, lässt sich nicht so leicht beantworten. Dies hängt beispielsweise von der individuellen Verträglichkeitsschwelle und »Tagesform«, von den verzehrten Lebensmitteln, den Mengen und Kombinationen der Lebensmittel ab. Es empfiehlt sich, ein Ernährungstagebuch zu führen, um herauszufinden, was wann in welchen Mengen und Kombinationen Probleme verursacht (siehe Seite 26).

Auch die Esssituation und das Lebensumfeld sollten Sie im Hinblick auf die Verträglichkeit der verzehrten Lebensmittel nicht außer Acht lassen: Stress und rasch im Gehen heruntergeschlungenes Essen können den Verarbeitungsvorgang im Darm stören und zusätzlich die Verträglichkeit der Nahrung erschweren. Entspannung und eine gute Einspeichelung der Nahrung durch gründliches Kauen entlasten den Darm und können sich positiv auf die Verdauung auswirken.

Histamin freisetzende und Diaminoxidase hemmende Medikamente

Wer von Histaminintoleranz betroffen ist, reagiert auf den Konsum histaminreicher Lebensmittel, aber auch nach Einnahme Histamin freisetzender und Diaminoxidase (DAO) hemmender Arzneimittel mit den typischen Symptomen einer Histaminose.

Zahlreiche, zum Teil auch frei verkäufliche Wirkstoffe hemmen das Enzym DAO oder setzen vermehrt Histamin aus den Körperzellen frei, wodurch es zu erhöhten Histaminwerten in Blut und Gewebe kommt.

Weiß man also nicht über seine Intoleranz Bescheid, kann man durch die Einnahme entsprechender Medikamente in der Hoffnung auf Schmerzfreiheit oder Besserung einen gegenteiligen Effekt erzielen – die Beschwerden werden nur noch schlimmer.

Wenn Schmerzmittel Schmerzen bereiten

Bevor ich über meine Intoleranz Bescheid wusste, habe ich nach Alkoholkonsum am Vorabend häufig (Kopf-)Schmerztabletten zur Reduktion meiner Beschwerden eingenommen – ein großer Fehler: Wie mir meine Ärztin mitteilte, sind die verschiedenen gängigen Schmerzmittel aus der Apotheke für Menschen mit Histaminintoleranz gänzlich ungeeignet. Auch wurde mir dringend geraten, meinen Hausarzt über die Unverträglichkeit zu informieren, da beispielsweise auch das bei einer Schilddrüsenuntersuchung notwendige Röntgenkontrastmittel, verschiedene Antibiotika oder bei Operationen eingesetzte Narkotika, Muskelrelaxantien oder Blutplasmaersatzmittel bei Betroffenen mit Histaminintoleranz erhebliche Beschwerden auslösen können.

Der Einfluss von Histamin auf das zentrale Nervensystem wird kontinuierlich erforscht, auch im Hinblick auf Krankheiten wie die Alzheimerkrankheit. Versuchen Sie also stets, auch selbst auf dem aktuellen Wissensstand zu sein, indem Sie sich in Internetforen mit anderen Betroffenen austauschen und Ihren Facharzt befragen. Einige Internetadressen zum Thema finden Sie auf Seite 152 in diesem Buch.

Tipp: Informieren Sie Ihre Ärzte – auch Ihren Zahnarzt – beim nächsten Besuch in jedem Fall über Ihre Histaminintoleranz. Auf Ihre Unverträglichkeit sollte bei der Verschreibung von Medikamenten geachtet werden, denn auch Hustenmittel (Wirkstoff Codein), Schlafmittel (Wirkstoff Barbitursäure), Psychopharmaka und Antibiotika können die Aktivität der Diaminoxidase hemmen und so den Abbau von Histamin behindern oder vermehrt Histamin aus den Körperzellen freisetzen! Die meisten Wirkstoffe gibt es für Betroffene auch in Form verträglicher Präparate.

Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht verschiedener medizinisch eingesetzter Substanzen und Wirkstoffe, die in Medikamenten zum Einsatz kommen und vermehrt Histamin aus den Körperzellen freisetzen oder den Histaminabbau durch das Enzym DAO hemmen können. Diese Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer von Histaminintoleranz betroffen ist, sollte beim Einsatz von Medikamenten generell vorsichtig sein, sich von Arzt und Apotheker beraten lassen und alle behandelnden Personen über seine Histamin-Unverträglichkeit in Kenntnis setzen.

Histamin freisetzende oder Diaminoxidase hemmende Wirkstoffe


Substanzklasse Wirkstoffe
Analgetika (Schmerzmittel) Acetylsalicylsäure (ASS), Metamizol*, Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR, zum Beispiel Diclofenac), Morphin, Pethidin
Antiarrhythmika (Herz-Kreislauf-Mittel) Propanfenon*
Antibiotika Cefotiam, Cefuroxim, Clavulansäure, Cycloserin*, Isoniazid*
Antidepressiva Amitriptylin*
Antiemetika (Magen-Darm-Mittel) Metoclopramid*
Antihypertensiva (Blutdrucksenker) Alprenolol, Dihydralazin*, Verapamil*
Antihypotonika (Herz-Kreislauf-Mittel) Dobutamin
Antiprotozoika (Anti-Protozoen-Mittel) Chloroquin*, Pentamidin*
Broncholytika (Asthmamittel) Aminophyllin*, Theophyllin*
Diuretika (zur Wasserausscheidung) Amilorid
H2-Rezeptorantagonisten (Antihistaminika) Cimetidin
Lokalanästhetika (Betäubungsmittel) Prilocain
Mukolytika (Schleimlöser) Acetylcystein*, Ambroxol*
Muskelrelaxantien (zur Muskelentspannung) Alcuroniumchlorid, D-Tubocurarin, Pancuronium
Narkotika (Betäubungsmittel) Propanidid*, Thiopental
Röntgenkontrastmittel iodhaltige Wirkstoffe wie Amidotrizoesäure
Zytostatika (Zellwachstumshemmer) Cyclophosphamid

* = diese Wirkstoffe hemmen die Diaminoxidase

Mehr körpereigenes Histamin bei Stress

Bei körperlicher Anstrengung (zum Beispiel Joggen, Radfahren) oder psychischer Erregung (zum Beispiel Prüfungsnervosität, Stress) schütten die Körperzellen vermehrt Histamin aus. Das Ergebnis bei histaminintoleranten Personen: Die Beschwerden sind ausgeprägter.

Auch bei Infektionskrankheiten ist das Immunsystem geschwächt und der Körper reagiert beim Verzehr histaminreicher Nahrung noch empfindlicher als sonst.

Diagnose der Histaminintoleranz

Bisher gibt es noch keine standardisierten Diagnoseverfahren für die Histaminintoleranz. Natürlich sollten ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch zu Beschwerden und Essgewohnheiten sowie Untersuchungen zum Ausschluss organischer Erkrankungen und anderer Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien an erster Stelle jeder Diagnostik stehen, gekoppelt mit späteren Ausschlussdiäten und Laboruntersuchungen.

Bevor Sie einen Arzt aufsuchen, sollten Sie einige Zeit lang ein Ernährungstagebuch führen (siehe Seite 26). Auf Grundlage der hierbei gewonnenen Erkenntnisse wenden Sie sich dann an Ihren Hausarzt, der Sie gegebenenfalls an einen Allergologen verweist. Ich habe meinen Test bei einer Hautärztin gemacht, echte Spezialisten für Histaminintoleranz gibt es kaum, am ehesten noch unter Homöopathen und Naturheilpraktikern.

Da meine Erfahrungen mit vielen Ärzten in der Vergangenheit nicht allzu positiv verliefen, war es für mich persönlich ein sehr langer Weg bis zur Diagnose – ein Weg, den ich weitestgehend allein gegangen bin. Bislang ist selbst vielen Ärzten die Erkrankung Histamin-Unverträglichkeit noch relativ unbekannt und sie wissen nicht, wie sie die Symptome einordnen sollen. Inzwischen weiß ich, dass viele Betroffene ähnliche Erfahrungen gemacht haben und machen, oft jahrelang die Ursache für ihre Beschwerden suchen. Man rennt von Arzt zu Arzt, von Homöopath zu Ökotrophologin – die Beschwerden bleiben. Ich persönlich wurde auch auf eine Laktose- und Fruktose-Unverträglichkeit getestet. Jahrelang lebte ich mit der Diagnose »Reizdarmsyndrom«, bis ich zufällig im Internet von einem DAO-Test, einem Labortest, der die Aktivität des Histamin abbauenden Enzyms Diaminoxidase (DAO) bestimmt, erfahren habe. Meine Ärztin teilte mir mit, nur sehr wenige Menschen seien von Histaminintoleranz betroffen und ich solle mir schon einmal Gedanken machen, ob ich zu einem weiteren teuren Allergietest bereit sei. Zuvor müsse ich in jedem Fall einen klassischen Pricktest machen. Mein Hinweis, dass dieser Test bei mir sicherlich negativ ausfallen würde, was ich zuvor gelesen hatte, erzürnte sie etwas. Letztendlich hatte ich recht: Ich machte den klassischen Pricktest und er fiel, typisch für Menschen mit Histaminintoleranz, negativ aus.

Pricktest und RAST-Test bei Histaminintoleranz?

Der klassische Pricktest, bei dem einige Tropfen hochprozentiger Lösungen verschiedener Lebensmittel vor leichtem Einritzen der Haut auf selbiger aufgetragen werden, ist wenig geeignet, um eine Histaminintoleranz festzustellen. Dies liegt auch an der Wirkweise des Tests. So kann der Test fälschlicherweise negativ ausfallen, wenn Sie vorher Antihistaminika eingenommen haben oder wenn sich Ihre Beschwerden nur im Magen-Darm-Trakt äußern – und nicht als Hautreaktion, die beim Pricktest ausschließlich getestet wird. Ein Pricktest kann andererseits fälschlicherweise auf eine Unverträglichkeit hindeuten, wenn Sie zuvor Histamin freisetzende Lebensmittel wie Tomaten oder Erdbeeren verzehrt haben.

Neben dem klassischen Pricktest fällt auch der üblicherweise zur Ermittlung von Lebensmittelallergien eingesetzte RAST-Test bei Histaminintoleranz negativ aus. Der RAST-Test (Radio-Allergo-Sorbens-Test) weist ausschließlich die bei Allergien im Blut vorhandenen Antikörper nach. Weil der Körper bei Histaminintoleranz keine Antikörper bildet, ergibt sich bei diesem Test ein negatives Ergebnis.

Wichtig: Bitte beachten Sie, dass übliche Allergie- und Unverträglichkeitstests wie Pricktest, RAST-Test, Laktose- oder Fruktose-Unverträglichkeitstest hilfreich sind, um bestimmte Allergene, Laktose, Fruktose oder andere Substanzen als Ursachen für Ihre Beschwerden auszuschließen!

Wenn Sie sicher wissen wollen, ob Sie von Histaminose betroffen sind, hilft nur das Führen eines Ernährungstagebuches, eine Eliminationsdiät mit histaminarmer Kost über mehrere Wochen und eventuell eine an die Diät anschließende Provokation (siehe auch Seite 26).

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit eines enzymatischen Bluttests – den sogenannten Diaminoxidase-Test (DAO-Test) – zum möglichen Nachweis der Histamin-Unverträglichkeit. Dieser Test misst die Aktivität des Enzyms DAO im Blut. Allerdings sind weder das Messverfahren noch die Bewertung des Ergebnisses bisher standardisiert, sodass der Test nur einen – sicherlich sinnvollen – Anhaltswert zusätzlich zur Auslassdiät geben kann.

Leider kann der DAO-Test in einigen Fällen von Histaminose negativ ausfallen, obwohl eine Histamin-Unverträglichkeit vorliegt. Sinnvoll kann es daher sein, gleichzeitig den Vitamin-B6-Status bestimmen zu lassen, da nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Mangel an Vitamin B6 eine Fehlfunktion der DAO verstärken könnte, weil das Vitamin als Cofaktor für das Enzym im Stoffwechsel fungiert (siehe auch Seite 37).

Auch die Bestimmung des Histaminspiegels im Blut kann hilfreich bei der Diagnose sein, sie ist jedoch wie der DAO-Test bisher noch nicht standardisiert.

Sicherlich werden in den nächsten Jahren weitere diagnostische Verfahren getestet und eingeführt – eventuell lassen sich hieraus auch Ansätze für die Therapie entwickeln. Versuchen Sie also, stets auf dem neuesten Stand zu sein.

Wichtige Diagnosemethoden im Überblick

1 Ernährungstagebuch und Eliminationsdiät mit anschließender Provokation

2 Bestimmung der Diaminoxidase-Aktivität im Blut

3 Bestimmung des Vitamin-B6-Gehalts im Blut

4 Bestimmung des Histaminspiegels im Blut

Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel bei Histaminintoleranz

Bislang gibt es nicht viel, was man neben einer histaminarmen Ernährung bei Histaminintoleranz tun kann.

Einige Mediziner verschreiben Vitaminpräparate mit Vitamin C und Vitamin B6, allerdings ist deren langfristiger Erfolg nicht nachgewiesen. Persönlich bin ich bislang ohne Vitaminpräparate ausgekommen, da ich mich ausgewogen ernähre. Vitamin C soll den Abbau von Histamin im Körper begünstigen. Vitamin B6 soll nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen als Coenzym – Coenzyme sind wichtige Hilfsfaktoren bei Enzymreaktionen – für die Diaminoxidase (DAO) fungieren und den Darm dabei unterstützen, mit dem Histaminaufkommen besser umzugehen. Es kann deshalb hilfreich sein, auch die ausreichende Zufuhr von Vitamin B6 zu beachten (siehe auch Seite 37).

Häufig werden prophylaktisch oder zur Behandlung auch Antihistaminika eingesetzt. Das sind sogenannte Histaminrezeptorblocker, welche die Wirkung des körpereigenen Histamins abschwächen, indem sie die Bindungsstellen für körpereigenes Histamin an den Zellen blockieren. Es werden entsprechend ihrer Selektivität vier verschiedene Histaminrezeptoren – H1-, H2-, H3- und H4-Rezeptoren – und entsprechende Antihistaminika unterschieden. Lediglich H1- und H2-Antihistaminika besitzen derzeit eine therapeutische Bedeutung zur symptomatischen Behandlung von Histaminintoleranz und Allergien.

Cromoglicinsäure reduziert ebenfalls den Histamingehalt im Gewebe, indem sie unter anderem die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen hemmt. Ihre optimale Wirkung erreicht Cromoglicinsäure erst nach zwei bis vier Wochen und täglich viermaliger Einnahme. Deshalb kommt sie vor allem bei der Prophylaxe allergischer Erkrankungen und nicht im Akutfall zum Einsatz. Da auch Nebenwirkungen auftreten können, stellen nicht Medikamente wie dieses, sondern nur eine diätische Lebensweise für mich eine dauerhafte Lösung dar.

Lassen Sie sich bezüglich der genannten Möglichkeiten auch von ärztlicher Seite und in der Apotheke individuell beraten.

Für den Notfall

Für alle Betroffenen mit starken und lebensbedrohlichen Symptomen gibt es sogenannte Notfallsets, die man für alle Fälle bei sich tragen kann. Diese bestehen aus einem oralen Antihistaminikum, einem oralen Kortison, eventuell einem Betasympathomimetikum und einer Adrenalinfertigspritze. Das Adrenalin hilft gegen einen eventuellen Blutdruckabfall, einhergehend mit einem allergischen Schock. Es ist aber kein spezifisches Mittel gegen einen allergischen oder pseudoallergischen Schock. Weitere Informationen und individuellen Rat hierzu erhalten Sie bei Ihrem Arzt.

Hilfreich sind nach meiner persönlichen Erfahrung Nahrungsergänzungsmittel, welche dem menschlichen Körper zusätzlich DAO zuführen, die das Ungleichgewicht zwischen körpereigener DAO und Nahrungshistamin temporär ausgleicht. Für diese Präparate wird das Enzym derzeit aus Schweineniere gewonnen. Laut Packungsbeilage und Informationsbroschüre der Hersteller können diese Präparate keinesfalls eine angepasste Ernährung sowie gesunde Lebensweise ersetzen, sie erleichtern lediglich den Alltag.

Ein bis zwei Kapseln des Nahrungsergänzungsmittels können zu den Mahlzeiten eingenommen werden, und das Nahrungshistamin kann abgebaut werden. Zwar sind diese Präparate bei Histaminintoleranz keine dauerhafte Lösung, um jederzeit alles essen zu können, aber als »Notfallmittel« zur Einnahme vor dem Essen bei gesellschaftlichen Anlässen wie Hochzeiten, Geschäftsterminen oder sonstigen Feierlichkeiten, bei denen man keinen Einfluss auf den Speiseplan hat, ein wahrer Segen. Man sticht damit in Gesellschaft nicht heraus, muss sich nicht jederzeit rechtfertigen, erklären oder lustlos im Essen herumstochern. Und ab und zu kann man sich damit auch einfach mal etwas gönnen – eine Wohltat für die eigene Psyche.

Ich nutze das Nahrungsergänzungsmittel neben einer ausgewogenen histaminarmen Ernährung im Privaten möglichst selten, habe aber immer und überall eine »Notfallration« dabei. Es erleichtert mir bei Geschäftsterminen und in der Öffentlichkeit mein tägliches Leben. Ansonsten achte ich auf eine vitaminreiche und histaminarme, ausgewogene Ernährung – und mir geht es gut damit!

Histaminintoleranz und der weibliche Zyklus

Bei Frauen mit Histaminintoleranz können auch die zyklischen Schwankungen der Hormone histaminbedingte Beschwerden auslösen oder verstärken. Vor allem in östrogenarmen Zyklusphasen vor der Periode und vor dem Eisprung kann es vermehrt zu Problemen kommen. Vielfach sind Frauen auch in der Menopause verstärkt von Histaminintoleranz betroffen. Eine mögliche Ursache hierfür könnte die Abnahme des Östrogenspiegels in dieser Lebensphase sein.

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die körpereigenes Histamin freisetzen oder das abbauende Enzym Diaminoxidase (DAO) blockieren und dadurch eine erhöhte Histaminbelastung für den Körper bewirken (siehe Seite 18). Dazu zählen auch Schmerzmittel und Blutverdünner, die gerne von Frauen mit starken Regelschmerzen eingenommen werden. So weit nicht unbedingt notwendig, sollten Sie auf die Einnahme solcher Medikamente verzichten. Wenn Sie von prämenstruellen Beschwerden betroffen sind und an Histaminintoleranz leiden, sollten Sie besser auf alternative Entspannungsmethoden (zum Beispiel Hormon-Yoga) und Schmerzlinderung durch Wärmebehandlung (zum Beispiel ein heißes Bad, Wärmflasche oder Kirschkernkissen) umsteigen.

Interessant zu wissen: Häufig verschwinden die Krankheitssymptome der Histaminintoleranz in der Schwangerschaft, da der DAO-Spiegel dann um das Dreihundert- bis Fünfhundertfache ansteigt – ein Schutz des Körpers vor histaminbedingten Kontraktionen der Gebärmutter –, die Beschwerden treten jedoch nach der Schwangerschaft unverändert wieder auf.

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Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
18+
Litres'teki yayın tarihi:
25 mayıs 2021
Hacim:
187 s. 96 illüstrasyon
ISBN:
9783895668067
Yayıncı:
Sanatçı:
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