Kitabı oku: «Das grosse Ayurveda-Kochbuch»

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Autor und Verlag übernehmen keinerlei Haftung für eine unsachgemäße Anwendung von Heilpflanzen. Jeder Anwender handelt selbstverantwortlich und sollte gegebenenfalls fachlichen Rat einholen. Das Buch kann und will eine ärztliche Behandlung nicht ersetzen. Es soll im Gegenteil für gesunde Menschen eine Anleitung zur gesunden Lebensführung geben.

5. Auflage, 2010

© 2004

AT Verlag, Baden und München

Fotos: Karl Newedel, München, Produktfotos Seite 46, 56, 74, 90, 96: Lotti Bebie, Zürich

Lithos: AZ Grafische Betriebe AG, Aarau

ISBN(epub) 978-3-03800-636-7

www.at-verlag.ch

eBook-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

Inhalt

Vorwort

Die Grundlagen des Ayurveda

Ursprung und Grundprinzipien des Ayurveda

Die fünf Elemente

Die drei Doshas oder Lebensenergien

Die Hauptmerkmale der drei Doshas

Welcher Konstitutionstyp sind Sie?

Agni und Ama

Ayurveda-Ernährung

Die Geschmacksrichtungen

Die Wirkungen der verschiedenen Geschmacksrichtungen

Die drei Gunas

Die Lebensmitteltabellen für die verschiedenen Doshas

Vata

Pitta

Kapha

Vata-Pitta

Vata-Kapha

Pitta-Kapha

Vata-Pitta-Kapha

Einflüsse auf die Wirkung der Nahrung im Körper

Essenszeiten

Art der Zubereitung

Menge

Ort

Persönlicher Zustand

Essensregeln

Ayurvedisch kochen

Die Grundprinzipien

Küchenpraxis

Ayurvedisch kochen für die Familie

Ayurvedisch kochen und essen in Alltag und Beruf

Ghee

Die Herstellung von Gewürzmischungen

Gewürze und Kräuter zum Ausgleich der Doshas und als Heilmittel

Rezepte

Zu den Rezepten

Aperitifs und Tees

Vorspeisen, Snacks, Suppen

Vegetarische Hauptspeisen

Fisch und Fleisch

Getreide und Hülsenfrüchte

Beilagen, Salate und Brot

Chutneys, Dips und Aufstriche

Nachspeisen

Frühstücksgerichte

Anhang

Glossar

Literatur

Adressen

Danksagung

Zum Autor

Rezeptverzeichnis



Vorwort

»Alles ist einmalig. Nichts ist identisch. Kein Blatt, Kein Sandkorn, Kein Stern, Keine Blume, Kein Tier, Kein Mensch, Kein Engel.«

P. Albert Herold

Ich habe seit vielen Jahren das Glück, regelmäßig die köstlichen Speisen von Nicky Sitaram Sabnis genießen zu dürfen. Bei jedem Treffen überrascht er mich mit neuen Gerichten. Ständig arbeitet er daran, die Zutaten neu zusammenzustellen und zu kombinieren. Es ist immer ein Fest, seine neuen Kreationen zu kosten. Die Düfte, die Farben und die Gewürze vermischen sich harmonisch. Das ist der Schlüssel seines Erfolgs. Um diese Ausgewogenheit zu erreichen, braucht man Wissen, ein Savoir-faire, aber auch Inspiration. Das Geheimnis von Nicky Sitaram Sabnis ist, seinen Beruf und die Menschen zu lieben. Sein Essen ist nicht nur köstlich, sondern es tut auch gut. Sein siebtes Gewürz ist die Liebe, die er bei der Zubereitung den Gerichten beigibt. Was für einen Beruf wir auch immer ausüben, die Liebe verwandelt unsere Handlungen. Sie tut denjenigen Gutes, an die sie gerichtet ist.

Die ayurvedische Küche schafft Raum im Herzen, in der Seele, sie ist im Dialog mit der Natur. Sie fördert unser physisches und emotionales Gleichgewicht. Nicky Sitaram Sabnis ermutigt uns mit seinem Buch auch dazu, anderen in Liebe Gutes zu tun. Er möchte mit uns die Qualität seiner Rezepte teilen. Wir sollen lernen, daran zu glauben, dass wir fähig sind zu geben. Danke, Nicky. Wir werden in diesem Buch mit Begeisterung entdecken, wie man mit Freude im Herzen ausgezeichnet kocht.

Philippe Druelle

Montreal, Oktober 2003

Philippe Druelle D.O. ist Präsident des Collège d’Etudes Ostéopathiques de Montreal, des Canadian College of Osteopathy, des Deutschen Osteopathie-Kollegs, des Swiss International College of Osteopathy

Wenn ich Nicky bei seiner Arbeit in der Klosterküche der Abtei Frauenwörth im Chiemsee zuschaue, sehe ich immer wieder aufs Neue, was ich schon lange weiß: Hier ist ein Meister seines Fachs am Werk. Souverän, zügig, gelassen hantiert er mit Messern, Töpfen, Pfannen, mit Gemüse, Fleisch, Fisch und Gewürzen – es sieht aus wie ein Spiel: leicht, lustvoll, erfindungsreich, überraschend … Manchmal scheint er selbst neugierig darauf, was dabei herauskommt, er probiert, tüftelt und verändert, bis er zufrieden ist. Dazwischen ist er immer aufgelegt für einen kleinen Scherz, ein herzliches Lachen aus seinem freundlichen, intelligenten Gesicht mit den wachen, aufmerksamen Augen. So wie er sich seiner Arbeit widmet, so ist er auch im Kontakt: völlig präsent, sprühend vor Lebendigkeit, Geist und Witz, manchmal erschöpft von der Anstrengung des Tages, immer aber offen für sein Gegenüber, liebenswürdig, warmherzig, interessiert. Es ist eine Wohltat, mit ihm zu sein.

Wie könnte es anders sein: Seine Speisen sind wie er: harmonisch, voller Vielfalt und Überraschungen, von höchster Differenziertheit und Raffinesse und doch einfach und geradlinig – eine wunderbare Mischung. Wenn die Gerichte ihren verlockenden Duft verströmen, ahnt man die bevorstehende Lust, das Wasser läuft einem im Mund zusammen. Und dennoch: Die Gier schwindet und weicht einem respektvollen, neugierigen, auf Langsamkeit, Mäßigung und höchste Aufmerksamkeit bedachten Tempo, um nur ja keinen der Eindrücke zu verpassen. Es wird still, und plötzlich nehmen sich die Seminarteilnehmer Zeit, jeden einzelnen Bissen wirklich zu kosten und auf der Zunge zergehen zu lassen. Sogar manche Vielredner versinken in stillem Genuss und entspannen sich dabei – großes Behagen und zugleich Bewusstheit und Achtsamkeit im besten Sinn.

Dass Nicky durch seine Arbeit Bewusstheit und Achtsamkeit fördern kann, ist nur möglich, weil er sie selbst lebt und seine Arbeit davon durchdrungen ist. So ist er mehr als ein brillanter Koch. Das ist es auch, was jeder spürt, der mit ihm zu tun hat. Verwurzelt im tiefgründigen Wissen, der Menschenkenntnis und Weisheit einer altehrwürdigen Kultur und Heilkunde ist das wahre, aber offenbare Geheimnis seiner Kunst die Liebe, wie er selbst sagt. Das »siebte Gewürz« hat Frau Scholastica von der Abtei es einmal genannt. Eine seltene Qualität in unseren Zeiten. Es ist das einzige »Gewürz«, das man nicht kaufen kann und das nur im eigenen Inneren wächst. Deshalb ist es auch nicht so leicht zu finden.

Diese Anleitung zum Kochen köstlichster Speisen ist deshalb zugleich eine Anleitung und dauernde Erinnerung daran, nach dem »siebten Gewürz« im eigenen Inneren zu forschen, es wachsen und gedeihen zu lassen, um damit nicht nur diese wundervollen Mahlzeiten, sondern auch das eigene Leben und das der Menschen in unserer Umgebung zu vervollkommnen.

Seit mehr als fünf Jahren unterstützt und bereichert Nicky mit seinem Wissen und Können meine Seminare. Ich bin ihm dankbar für seine Kunst, seine Weisheit und seine Freundschaft.

Wolfgang Schmidtkunz

Psychotherapeut und Qi-Gong-Lehrer

Die Grundlagen des Ayurveda

»Gott ruht im Stein, schläft in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen.«

Rabindranath Tagore

Ursprung und Grundprinzipien des Ayurveda

Der altindische Sanskrit-Begriff »Ayurveda« bedeutet »Wissen vom Leben«. Ayu heißt Leben und Veda das Wissen oder die Wissenschaft. Ayurveda gilt als eines der umfassendsten Medizinsysteme der Welt, es ist ein Gesundheitssystem, das alle Aspekte des Lebens, sowohl die körperlich-materiellen wie auch die geistig-spirituellen, von der Zeugung bis zum Tod beinhaltet.

Der Ursprung des Ayurveda lässt sich zeitlich nicht genau fixieren. Es basiert auf den Veden, den ältesten heiligen Schriften des alten Indien. Im Rigveda (um 3000 v. Chr.) und im Atharvaveda (um 1200 v. Chr.) finden wir in Form von Hymnen und Anrufungen die ersten Beschreibungen von bestimmten Pflanzen, Mineralien und Heilkräften der Natur – zum Beispiel von Wasser, Wind oder Feuer. Zu dieser Zeit waren die Priester zugleich Ärzte, Ärzte für Körper, Geist und Seele.

Ayurveda ist ein Begriff aus der alten indischen Sprache Sanskrit und bedeutet »Wissen vom Leben«.

Über Jahrhunderte haben die Gelehrten und Ärzte des Ayurveda ein umfassendes Wissen über die Gesundheitsvorsorge, über die Erkennung und Heilung von Krankheiten und über die richtige Ernährungsweise gesammelt. Die traditionelle ayurvedische Medizin umfasst acht Bereiche: Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, Toxilogie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kinderheilkunde, Augenheilkunde und Chirurgie, die auch plastische Chirurgie und Methoden zur Verjüngung einschloss. Zur Ausbildung von ayurvedischen Ärzten gehört aber auch das Studium der Farbtheraphie, Psychiatrie, Psychologie, Heilkräuterkunde und Ernährungslehre.

Wir alle wissen, dass sich die Ernährung auf den Gesundheitszustand auswirkt. In der westlichen Diätetik werden bei Gesundheitsstörungen oder Krankheiten meist generelle Richtlinien gegeben, welche Nahrungsmittel erlaubt beziehungsweise zu vermeiden sind. Ayurveda hat einen anderen, vollkommen individuellen Ansatz.

Sich ayurvedisch ernähren ist vielmehr eine Lebensweise als eine Diät.

Der Schlüssel zum Verständnis der Zusammenhänge von Gesundheit und Krankheit ist das persönliche Gleichgewicht, das es aufrechtzuerhalten oder wiederzuerlangen gilt. Wir sind und bleiben gesund, wenn die Elemente und Kräfte in uns im Gleichgewicht sind und wenn wir ein Gleichgewicht schaffen zwischen uns und den äußeren Einflüssen, die ständig auf uns einwirken. Dazu gehören auch die Tages- und Jahreszeiten, Klima, Wohnort, Familie, Arbeitsbedingungen, soziale Beziehungen und nicht zuletzt die Nahrungsmittel.

Der Schlüssel zum Verständnis der Zusammenhänge von Gesundheit und Krankheit ist die Aufrechterhaltung oder Wiedererlangung des persönlichen Gleichgewichts.

Die fünf Elemente

Die Natur wird belebt und gesteuert von universellen schöpferischen Energien. Der Mensch als Teil der Schöpfung ist eingebunden in die Gesetzmäßigkeiten der Natur.

Grundlage der ayurvedischen Philosophie ist die Lehre von den fünf Elementen Äther (Raum), Luft, Feuer, Wasser und Erde. Aus ihnen ist die gesamte Schöpfung hervorgegangen. Zuerst war die unmanifestierte Materie (Mahat-Tattwa). Durch Prana, die Ur-Lebensenergie, kam Bewegung in die Materie, und es entstand das Äther- bzw. Raumelement (Akasha). Aus der Verdichtung des Äthers bildete sich das Luftelement (Vayu). Aus der Reibung der Luft entstand das Feuerelement (Tejas). Aus der Hitze des Feuers kondensierte sich das Wasserelement (Jala oder Ap). Aus der Dichte des Wassers schließlich entstand das Erdelement (Prithvi).

Aus den fünf Elementen sind nicht nur die Natur, die Pflanzen und Tiere hervorgegangen, sondern ebenso der Mensch. Dabei sind jedem Element im Körper bestimmte Strukturen und Funktionen zugeordnet. Das Element Erde manifestiert sich in den festen Strukturen der Knochen, Zähne, Nägel und Haare, das Element Wasser im Kreislauf des Blutes und der Säfte, das Feuer im Stoffwechsel und damit in der Verdauung, die Luft in Atmung und Bewegung, der Äther im Nervensystem.

Von Natur aus und von Geburt an verfügt der Mensch über eine ganz individuelle Zusammensetzung der Elemente, die Konstitution, Anlagen, Temperament und Charakter prägen. Diese mitgebrachte Grundkonstitution wird im Ayurveda Prakruti genannt.

Alle Veränderungen unserer Umgebung, die Tages- und Jahreszeiten, das Wetter, das wechselnde Nahrungsmittelangebot, wirken sich unterschiedlich auf unser Befinden aus, was eine ständige Änderung in der Zusammensetzung der Elemente in uns zur Folge hat.

Die drei Doshas oder Lebensenergien

Die fünf Elemente werden im Ayurveda drei vitalen Grundkräften zugeordnet. Diese drei Bioenergien werden Vata, Pitta und Kapha genannt. Jeweils zwei Elemente bilden ein Dosha: Äther und Luft ergeben das Vata-Dosha, Feuer und Wasser das Pitta-Dosha, Wasser und Erde das Kapha-Dosha. Diese drei Lebensenergien steuern sämtliche Abläufe auf körperlicher und geistiger Ebene.

Jedes der Doshas hat eine eigene Aufgabe. Sie ergänzen sich harmonisch in ihrem Zusammenspiel und sorgen für das individuelle Gleichgewicht. Alles, was auf körperlicher und geistiger Ebene mit Bewegung zu tun hat, unterliegt Vata. Umwandlungsprozesse, zum Beispiel der Stoffwechsel, werden von Pitta gesteuert. Und alles, was den Körper formt, ihn aufbaut und stabil erhält, ist Kapha zugeordnet.

Jedes Dosha ist in der kleinsten Körperzelle, in jedem Gewebe, Organ und Körperteil präsent, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung. Die Verteilung der Doshas ist individuell verschieden und macht den Konstitutionstyp eines Menschen aus. Jedes Dosha hat im Körper einen Hauptsitz. Dieses Zentrum kann bei Disharmonien oder Störungen durch therapeutische Maßnahmen ausgeglichen werden, um die Harmonie der Doshas wiederherzustellen.

Die Doshas sind keine festen und unveränderlichen Größen, sie bewegen und verändern sich vielmehr im Rhythmus von Tag und Nacht, im Wechsel der Jahreszeiten und im Lauf des Lebens. Zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten und je nach Alter ist jeweils eines der Doshas besonders aktiv. Dieses Wissen hilft uns bei der Auswahl der geeigneten Ernährung.

Die Doshas wirken im Übrigen nicht nur in unserem Körper, sondern in der gesamten Natur, in der Tierwelt, im Pflanzen- und Mineralreich und infolgedessen auch in den Lebensmitteln. In der Natur wirken die Bioenergien der Doshas zusammen, indem der Regen der Erde Feuchtigkeit (Kapha) spendet, die Sonne mit ihrer Wärme (Pitta) die Früchte zum Reifen bringt und der Wind (Vata) zur Befruchtung der Pflanzen beiträgt, woraus wieder neues Leben entstehen kann.

Die Zeiten der Hauptaktivität der einzelnen Doshas


DoshaTageszeitJahreszeitAlter
Vata2–6 und 14–18 UhrFrühjahr und Herbstab ca. 60 Jahre
Pitta10–14 und 22–02 UhrSommer25–60 Jahre
Kapha6–10 und 18–22 UhrWinterbis 25 Jahre

Die Hauptmerkmale der drei Doshas

Vata – das Prinzip der Bewegung

Vata unterliegt dem Katabolismus, dem Stoffabbau. In der Natur verkörpert der Wind die Vata-Energie.

Der Hauptsitz von Vata ist der Dickdarm.

Vata ist zuständig für Bewegung, Spontaneität, Atmung, Emotionen, Empfindung, Absorption der Nahrung im Darm und Ausscheidung. Vata ist außerdem an sämtlichen Nervenprozessen im Körper beteiligt.

• Eigenschaften von Vata sind: beweglich, schnell, leicht, kalt, subtil, trocken, rauh und locker, flinke, rasche Bewegungen, schnelle Sprechweise.

• Vata zeigt sich in körperlichen Merkmalen wie: schlanke, schmale Statur, Feingliedrigkeit, dünne, trockene und kühle Haut, Trockenheit im Darm, Neigung zu Blähungen und Verstopfung, wechselhafter Appetit, schlechtes Gedächtnis, leichter, oft unterbrochener Schlaf.

Pitta – das Prinzip der Umwandlung

Pitta steht für den Metabolismus, sorgt für Umwandlung und Stoffwechsel.

Der Hauptsitz von Pitta befindet sich im Zwölffingerdarm und in der Leber.

Pitta regelt den Stoffwechsel und steuert die Tätigkeiten des Verdauungssystems, der Köpertemperatur, der Hautpigmentierung, des Intellekts, der Abwehrkraft und Vitalität. Sehkraft, Glanz und Geschmeidigkeit der Haut werden ebenfalls von Pitta gesteuert.

• Eigenschaften von Pitta sind: heiß, scharf, leicht, ölig, durchdringend, subtil und flüssig.

• Pitta zeigt sich in körperlichen Merkmalen wie: athletische, kräftige Statur, mittlere Größe, frische Gesichtsfarbe, Neigung zu Sommersprossen und Leberflecken, gute Verdauung, Hautreizungen, Tendenz zu Durchfall, hohe Schweißabsonderung, stark ausgeprägter Appetit, scharfes und klares Gedächtnis.

Kapha – das Prinzip der Stabilität

Kapha steht für Anabolismus, Stoffaufbau, es ist das Prinzip von Ruhe und Stabilität.

Der Hauptsitz von Kapha befindet sind im Brust- und Bronchienbereich, in der Kehle und im Kopfbereich. Kapha ist für den Aufbau und die Erhaltung des Körpers zuständig, für die Stabilität von Muskel-, Fett- und Knochengewebe genauso wie für die Erhaltung der Gelenkschmiere und Feuchtigkeit der Schleimhäute.

• Eigenschaften von Kapha sind: schwer, langsam, stabil, fest, ölig, träge, kalt und klebrig.

• Kapha zeigt sich in körperlichen Merkmalen wie: schwerer, fester Körperbau, Neigung zu Fettleibigkeit, träge Verdauung, langsame Sprechweise, tiefer und schwerer Schlaf, oft geringer Appetit, gutes Langzeitgedächtnis.

Von Geburt an befinden sich die drei Doshas in jedem Menschen in einem charakteristischen individuellen Verhältnis. In jedem Konstitutionstyp sind alle drei Doshas vorhanden. Selten sind alle drei gleichmäßig vertreten, in der Regel herrschen ein oder zwei Doshas vor und prägen durch ihre Eigenschaften die körperlichen und geistigen Merkmale eines Menschen.

Aus den verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten ergeben sich folgende sieben Konstitutionstypen:

• Vata-Typ

• Pitta-Typ

• Kapha-Typ

• Vata-Kapha-Typ

• Vata-Pitta-Typ

• Pitta-Kapha-Typ

• Vata-Pitta-Kapha-Typ

Welcher Konstitutionstyp sind Sie?

Damit Sie sich nach Ayurveda Ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend ernähren können, müssen Sie zunächst Ihren Konstitutionstyp bestimmen. Sicher haben Sie sich bereits in einigen der oben beschriebenen Merkmale wiedergefunden. Zu einer genaueren Bestimmung verhilft Ihnen der nachfolgende Konstitutionstest (Seite 14/15).

Dabei ist zu unterscheiden zwischen Ihrer momentanen Verfassung und der bei der Geburt mitbekommenen Grundkonstitution mit dem gesamten Potenzial Ihrer Anlagen. Durch Erziehung, Lebenserfahrungen, Lebensumstände, Berufswahl, Gesundheitszustand kann sich die ursprüngliche Gewichtung der Doshas in Ihnen verschoben haben. Sie leben dann nicht entsprechend Ihren natürlichen Anlagen. In diesem Fall geht es zunächst darum, das herrschende Ungleichgewicht zu beseitigen. Sobald die Doshas wieder im Gleichgewicht sind, gilt es, Ihre individuellen Anlagen – immer mit Maß – auszuleben. Das heißt, ein Vata-betonter Mensch braucht viel körperliche und geistige Bewegung, Veränderung, Abwechslung, der Pitta-Typ muss sich in zielgerichteter Aktivität und Leistung beweisen, und der Kapha-Typ benötigt zu seiner Entfaltung ein von Sicherheit, Geborgenheit und Stabilität geprägtes Umfeld. Zugleich darf das vorherrschende Dosha aber nicht überreizt und übermäßig betont werden; die Berücksichtigung der anderen Doshas sorgt dabei für eine gesunde Balance.

Im Ayurveda geht es immer um Ausgleich und Harmonisierung der Gegensätze.

Da die meisten Menschen Mischtypen sind, hier einige Beispiele, wie sich dies konkret ausprägen könnte. Frauen mit einer Mischung von Kapha- und Vata-Anteilen, bei denen Kapha in den körperlichen Merkmalen dominiert, haben eine eher füllige Figur mit weiblichen Rundungen, weiche Gesichtszüge und große Augen, die Haare sind dünn und glatt (Vata-Einfluss). Sie sind gute Hausfrauen und fürsorgliche Mütter, basteln und handarbeiten gern (Kapha). Sie sind flink in allem, was sie tun, reden gern und schnell (Vata) und probieren gern Neues aus (Vata). Ihre Gesundheit ist normalerweise stabil, bei Belastungen und Stress neigen sie zu Erkältungen, Husten, Verdauungsstörungen.

Der Pitta-Vata-Typ ist meist von dünnem und drahtigem Körperbau. Er braucht die berufliche Herausforderung (Pitta); sein Geist ist ständig mit neuen Ideen beschäftigt (Vata), und auch in der Freizeit muss sich immer etwas »rühren«: Wandern, Klettern, Radsport gehören zu seinen Hobbys. Menschen dieses Typs sind manchmal launisch oder überreizt (Vata). Sie haben einen guten Appetit (Pitta); ein Dosha-Ungleichgewicht äußert sich in Schlafstörungen (Vata) oder Übersäuerung (Pitta). Kapha-Pitta-Menschen haben meist einen kräftigen Körperbau, der mit den Jahren mehr und mehr an Gewicht zusetzen kann. Sie sind Genussmenschen, die gerne essen, trinken und in geselliger Runde für Unterhaltung und Spaß sorgen (Kapha). Sie organisieren mit Begeisterung (Pitta), arbeiten zuverlässig und gewissenhaft (Kapha), haben viel Durchhaltekraft und ausdauernde Energie. Ernährungssünden können bei ihnen etwa zu Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes führen.

Zur Bestimmung Ihres Konstitutionstyps hilft Ihnen der folgende Fragebogen.

Beantworten Sie bei jedem Merkmal durch die entsprechende Punktzahl, was auf Ihre Persönlichkeit und Ihr Verhalten genau und für die meiste Zeit in Ihrem Leben zutreffend war, was weniger oder gar nicht. Das heißt, Sie geben in allen drei Spalten einen Wert von 3 bis 0 ein.


3Punkte=genau/immer zutreffend
2Punkte=meist zutreffend
1Punkt=manchmal/nur zum Teil zutreffend
0Punkte=gar nicht zutreffend

Am Schluss zählen Sie die Punkte für Vata, Pitta und Kapha jeweils getrennt zusammen.

• Wenn nun ein Dosha eine sehr hohe Punktzahl aufweist und die beiden anderen deutlich weniger, sind Sie hauptsächlich von diesem einen Dosha geprägt.

• Liegen die Punktwerte von zwei Doshas nahe beieinander, während sie beim dritten Dosha weit weniger Punkte erreichten, sind Sie ein Mischtyp aus diesen beiden Doshas. Dies ist der häufigste Fall.

• Bei einer annähernd gleichen Verteilung der Punktwerte sind Sie ein Tridosha-Typ, das heißt von allen drei Doshas gleichermaßen geprägt; dies ist allerdings sehr selten.

Vata


Gestalt als Kindschlank, dünn
Körperbauleicht, zierlich
Hauttrocken, dünn, rauh, bräunlich
Haarefein, dunkel, trocken
Proportionenungleichmäßig
Hände, Füßeschmal, feingliedrig, sehnig, Gelenke locker, Adern deutlich
Bewegungen, Gangrasch, leicht, locker
Gewichtnimmt leicht ab, schwer zu
Appetitveränderlich, je nach Umständen
Essgewohnheitenkühle, leichte, trockene Speisen
Verdauungwechselhaft, empfindlich, Blähungen, Stuhl hart/trocken
Schlafleichter Schlaf, Durchschlafstörungen
Sprechweiseschnell, sprunghaft, gewandt
Gedächtnislernt und vergisst schnell, schlechtes Langzeitgedächtnis
Bevorzugtes Klimawarm, feucht
Reaktion auf Stressnervös, ängstlich
Wenn Gesundheitsprobleme,nervöse Störungen, Verdauungsprobleme,
wie und wo zeigen sie sich?Schmerzen, Unbehagen, Rückzugsverhalten
Geistunstet umherschweifend, aktiv, ideenreich
Sinnegeräusch- und berührungsempfindlich, gutes Gehör
Arbeitmag keine Routine, möchte selbst einteilen
Freizeitgesellig mit Freunden, auch gern allein
Sportgerne aktiv, Sport je nach Laune, nicht extrem
Entschlusskraftunentschlossen, legt sich nicht gern fest
Geld, Besitzhängt nicht an Besitz, teilt gerne
Problemlösungschiebt Probleme vor sich her
Ansehen und Erfolgwechselnd, Auf und Ab, nicht lebenswichtig
Wichtige Lebensmotivation(geistige) Freiheit, Neues erleben

Pitta


mittel, kräftig
mittelschwer, athletisch
hell, leicht ölig, Neigung zu Sommersprossen, Leberflecken
blond, rötlich, schnell ergrauend
gut proportioniert
mittelgroß
dynamisch, lebendig
kann leicht zu- oder abnehmen
gut, oft stark, muss regelmäßig essen
scharf, heiß, würzig, ölig
intensiv, Neigung zu Durchfall, 1- bis 2-mal täglich Stuhlgang
Einschlafen schwer, dann meist guter Durchschlaf
energisch, laut, hart, bestimmend
speichert gut, starkes Erinnerungsvermögen
kühl, etwas windig
angespannt, verärgert, frustriert
Fieber, Ausschläge, Ekzeme, Sodbrennen, Übersäuerung, Entzündungen, Wut, Zorn
scharfer Verstand, Weitsicht, planend, zielgerichtet
scharfer Sehsinn (Adleraugen), starke Beobachtungsgabe
mag Planung, möchte Chef sein
mag Aktivität: Konzerte, Partys, Orte, wo etwas los ist
mag sportliche Herausforderung, Extremsport
schnell, stark impulsiv
gibt Geld zweckbestimmt aus
geht Probleme tatkräftig an, kämpferisch
ehrgeizig, leistungs- und erfolgsorientiert
gesteckte Ziele erreichen, Resultate sehen

Kapha


Babyspeck, (etwas) pummelig
rundlich, schwer, untersetzt
geschmeidig, dick, leicht bräunend
dick, gewellt, fettig, viel
kräftig
kräftig, groß, Gelenke fest
langsam, gesetzt, schwer
nimmt leicht zu, langsam ab
gut oder gering, kann Mahlzeiten ausfallen lassen
kalt, schwer, deftig
träge, langsam, regelmäßig, Stuhl schwer und dick
tiefer und langer Schlaf
ruhig, fest, melodisch, unsicher
langsame Auffassung, gutes Langzeitgedächtnis
sonniges Wetter ohne Schwüle
äußerlich ruhig, innerlich angestaut
Erkältungen, Verschleimung, Lymphstau, Sklerosen, Bedrücktheit
beständig, ruhig, gründlich, tief, langsam
sinnlich, mag leibliche Genüsse, Geruch, Geschmack gut entwickelt
mag gleichmäßige wiederkehrende Arbeitsabläufe
gerne zuhause (z.B. Spielabende), essen gehen mit Freunden
sportlich aktiv eher aus Vernunftgründen
zögert mit Entscheidungen, Angst vor Risiko, überlegt reiflich
Geld gibt Sicherheit, kann Geld zusammenhalten
möchte Probleme ignorieren, löst überlegt
wichtig in Verbindung mit Tradition und Normen, Besitzstreben
Werte sammeln und erhalten, Leben in Sicherheit

Entsprechend Ihrem Konstitutionstyp beziehungsweise dem bei Ihnen vorherrschenden Dosha können Sie nun die für Sie günstigen Lebensmittel (siehe Seite 21–28), Zubereitungsarten (siehe Seite 32–34) und Rezepte wählen. Bei den Rezepten ist jeweils vermerkt, welches Dosha das betreffende Gericht reduziert (beruhigt, ausgleicht, senkt) bzw. verstärkt (steigert, reizt, aktiviert).

Als Grundprinzip gilt: Im Einklang mit den natürlichen Anlagen zu leben, Ungleichgewichte aber zu vermeiden oder auszugleichen. Das heißt, geben Sie den Doshas das, was sie brauchen, aber immer mit Maß, und sorgen Sie für einen Ausgleich der Gegensätze.

Agni und Ama

Ein weiterer Aspekt, der von entscheidender Bedeutung für Gesundheit und Wohlbefinden ist, ist ein gesunder, einwandfrei funktionierender Stoffwechsel. Ayurveda spricht in diesem Zusammenhang von Agni, dem Verdauungsfeuer.

Agni können wir uns als eine Art Hitzeenergie vorstellen, die im Körper wirkt. Sie verleiht uns strahlende Augen, eine frische Gesichtsfarbe und warme, glänzende Haut. Zu Agni gehören aber auch der saure, zersetzende Magensaft und die enzymreiche Verdauungsflüssigkeit im Dünndarm. Das Verdauungsfeuer (Jatharagni) ist für die Umwandlung der Nahrung in Energie und die optimale Versorgung des Körpers mit Nährstoffen zuständig. Es ist von zentraler Bedeutung für Wärmeprozesse, Ausstrahlung, Stärke, Gesundheit, Immunität und die Lebensspanne eines Menschen. Ein gesundes Agni zeichnet sich durch zwei- bis dreimal täglich Hunger und eine regelmäßige Verdauung aus.

Ein intaktes Verdauungsfeuer ist die Basis vollkommener Gesundheit. Es ist unentbehrlich für ein ausgeglichenes Zusammenspiel der Doshas und damit für unser Wohlbefinden.

Bestimmte Lebensmittel haben die Fähigkeit, dieses Feuer in uns anzuheizen beziehungsweise zu erhöhen, zum Beispiel heißes Wasser und scharfe Gewürze. Neben der Ernährung wirken Konstitution, Lebenssituation sowie Tages- und Jahreszeit mit. Bei vorherrschendem Kapha ist die Verdauung langsam, ein starkes Pitta bewirkt eine intensive Verdauungstätigkeit, und Vata macht die Verdauung instabil und empfindlich.

Ist das Verdauungsfeuer geschwächt oder gestört, wird die Nahrung nicht vollständig verdaut und umgewandelt; es bleiben »Schlacken« (Ama, wörtlich »unreif«) im Körper zurück, die irgendwo im Organismus den Energiefluss blockieren können. Als Folge können Gesundheitsstörungen und Beschwerden entstehen.

Das Verdauungsfeuer (Agni) kann gestört werden durch:

• zu viel und zu häufiges Essen

• zu schweres und zu eiweißreiches Essen am Abend

• Ablenkung durch Lesen oder Fernsehen beim Essen

• unausgeglichene Lebensweise und Stressfaktoren

• chronische Krankheiten

• pyschische Faktoren wie Wut oder Trauer

• äußere Einflüsse, z.B. Klimaänderung, geänderte Essenszeiten

Zeichen für Schlackenansammlungen im Körper (Ama):

• schlechte Verdauung bzw. Ausscheidung

• belegte Zunge (weißlicher Belag)

• Müdigkeit, Mattigkeit

• schwacher Appetit

• Schmerzzustände

• Schweregefühl im Körper

• Mundgeruch

Ayurveda-Ernährung

»Tue Deinem Körper etwas Gutes, damit die Seele Lust bekommt, darin zu wohnen.«

Teresa von Avila

Unsere Nahrung gibt unserem Organismus die Kraft zum Leben. Die darin enthaltenen Nährstoffe Kohlehydrate, Eiweiß, Fett, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente sowie Wasser benötigen wir zum Aufbau und Erhalt des Körpers. Im Ayurveda werden den Nahrungsmitteln spezifische Eigenschaften und Qualitäten zugeschrieben, die auf den Zustand von Körper, Geist und Seele Einfluss haben. Je hochwertiger die Nahrung ist, desto wirksamer erfolgt die Umwandlung in unsere feine Lebensenergie Prana.

Nach Ayurveda gibt es nicht die richtige Ernährungsweise, wohl aber eine individuell richtige Ernährung. Um diese zu bestimmen, werden vielerlei Faktoren berücksichtigt. Das gelungene Zusammenspiel von geeigneten Nahrungsmitteln unter Beachtung unserer Grundkonstitution (Prakruti) und unserer momentanen Konstitution (Vikruti), von Verdauungskraft, Lebensstil, Beruf, Alter, Wohnort und Klima sowie unserer geistigen und psychischen Verfassung ergibt eine sehr individuelle Ernährungsweise, die die Einzigartigkeit eines jeden Menschen anerkennt.

Eine solche Ernährung erhält den gesamten Organismus im Gleichgewicht, sorgt für reibungsloses Funktionieren (Verdauung, Stoffwechsel, Gewebeaufbau, Ausscheidung) und unterstützt die Harmonisierung von Geist und Seele. Kurzum: Körperliche Gesundheit und psychische Kraft werden unterstützt und gestärkt, geistige Klarheit und spirituelles Wachstum gefördert.

Die Geschmacksrichtungen

Viele Eigenschaften eines Nahrungsmittels erfahren wir bereits über unsere Sinne, indem wir sie betrachten, an ihnen riechen oder sie befühlen. Die wichtigste Information gibt uns jedoch der Geschmack. Ayurveda unterscheidet sechs Geschmacksrichtungen (Rasas): süß, salzig, sauer, scharf, bitter und herb/zusammenziehend. Da auch den Elementen im Ayurveda bestimmte Geschmacksrichtungen zugeordnet sind, lässt sich ein Zusammenhang zwischen Nahrungsmitteln und Elementen beziehungsweise Doshas herstellen. Der Geschmack der Erde ist süß und sauer, Wasser ist salzig und süß, Feuer scharf, sauer, salzig, Luft ist bitter, scharf, herb, Äther ist bitter. Erde und Wasser sind die schwersten Elemente, Äther und Luft mit ihren feinstofflichen Qualitäten die leichtesten.

Da jedem Dosha wiederum zwei Elemente zugeordnet sind, ergibt sich ein Zusammenhang zwischen Geschmack und Dosha:


KaphaErde und Wassersüß, salzig und sauer
PittaFeuer und Wassersauer, scharf und salzig
VataÄther und Luftbitter, herb/zusammenziehend und scharf

Ayurveda empfiehlt eine ausgeglichene Ernährung, die alle sechs Geschmacksrichtungen in angemessener Menge enthält, um eine positive Wirkung zu erzielen. Werden zu viel Lebensmittel einer bestimmten Geschmacksrichtung gegessen, steigt das entsprechende Dosha im Körper übermäßig an. Die Folge: Es kann ein Ungleichgewicht entstehen oder verstärkt werden. Dann gilt es, wiederum für Ausgleich zu sorgen:


Zur Abschwächung von:Bevorzugter Geschmack:
Vatasüß, sauer, salzig
Pittasüß, bitter, herb
Kaphascharf, bitter, herb

Die meisten Nahrungsmittel haben einen vorherrschenden Geschmack und können auf diese Weise in Gruppen eingeteilt werden. Beispiele für die verschiedenen Geschmacksrichtungen:

• Süß: Brot, Teigwaren, Getreide, Reis, Zucker, Ghee, Butter, Milch, Sahne (Rahm), Süßkartoffeln, Datteln, süßes (reifes) Obst, Süßspeisen

• Salzig: alle Salzarten, Meeresfrüchte, Algen

• Sauer: Zitronen, Beerenfrüchte, Sauermilchprodukte, Tamarinde, Sauerampfer, Tomaten

• Scharf: Gewürze wie Chili, Pfeffer, Ingwer, Curry; Rettich

• Bitter: Gemüse wie Artischocke, Chicorée, asiatische Bittermelone; Salate wie Endivie, Radicchio, Rucola, Löwenzahn, Wildpflanzen; Kakao; Kurkuma

• Herb: Hülsenfrüchte, Linsen, Gemüse wie Spinat, Kohl, Brokkoli, Spargel, Aubergine, Wirsing; unreife Bananen, Granatapfel, manche Apfelsorten; schwarzer/grüner Tee und Pflanzen mit viel Gerbstoffen

Die Wirkungen der verschiedenen Geschmacksrichtungen

Jeder Geschmack hat eine bestimmte Wirkung auf die Doshas, er kann abschwächend oder verstärkend wirken und hat auf diese Weise einen therapeutischen Einfluss, den man bei Gesundheitsstörungen nutzen kann. Bei jedem Geschmack gibt es übrigens eine Ausnahme, die eine von der Norm abweichende Wirkung auf die Doshas hat.

Süß gibt Kraft und Zufriedenheit

Die meisten unserer Nahrungsmittel haben einen süßen Geschmack, so auch die Grundnahrungsmittel Getreide, Kartoffeln, Reis, Mais, Nudeln, Brot. Sie enthalten reichlich Kohlehydrate, die wiederum aus Zucker aufgebaut sind. Diese Nahrungsmittel sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung, denn Zucker – zu Glukose verstoffwechselt – ist unser größter Energielieferant. Zucker in reiner Form sollten Sie meiden, empfehlenswert ist er in Form der komplexen Kohlenhydrate – wie Vollkornbrot –, in der er nicht direkt in die Fettdepots wandert. Süß wirkt aufbauend, nährend und besänftigend. Es verstärkt also Kapha und reduziert Vata und Pitta. Kapha-Menschen brauchen wenig süßen Geschmack, weil sie von der Konstitution her schon genügend davon besitzen. Ausnahme: Honig ist zwar süß, wirkt jedoch erhitzend und verstärkt durch seinen herben Beigeschmack Vata. Daher ist Honig ein gutes Mittel, um Kapha zu reduzieren (z.B. beim Abnehmen).

Salzig macht durstig

Dieser Geschmack ist in konzentrierter Form im Tafelsalz enthalten. Salz sollten Sie vorsichtig verwenden, insbesondere da es bereits versteckt in vielen Lebensmitteln enthalten ist: Kleine Mengen genügen – denn Salziges macht durstig und regt den Appetit an. Es hat auch die Eigenschaft, Wasser im Körper zu binden. Verwenden Sie Meer- oder Steinsalz, das im Gegensatz zum Kochsalz noch wertvolle Mineralien enthält.

Der salzige Geschmack verstärkt Pitta und Kapha und reduziert Vata.

Ausnahme: Tamari (eine besonders würzige fermentierte Sojasauce ohne Getreidezusatz) erhitzt nicht, sondern kühlt und bindet auch kein Wasser im Körper.

Sauer regt den Appetit an

Der saure Geschmack ist dem Feuerelement Pitta zugeordnet, er regt den Appetit und die Verdauungskraft (Verdauungssäfte) an. Auch hier ist aber das richtige Maß entscheidend: Denn ein Zuviel an Saurem übersäuert und verschlackt den Organismus.

Viele Lebensmittel, die selbst nicht sauer schmecken, werden im Körper zu sauren Stoffwechselprodukten abgebaut. Zu viel Fleisch, Getreide- und Milchprodukte fördern die Säurebildung im Organismus.

Der saure Geschmack verstärkt Pitta und Kapha und reduziert Vata.

Ausnahme: Zitrone erhitzt nicht, sondern kühlt ab, denken wir an Zitronenlimonade oder Zitronenwasser im Sommer.

Scharf schürt das Verdauungsfeuer

Der scharfe Geschmack – vor allem vertreten in Gewürzen wie Chili oder Ingwer – ist wichtig, um das Verdauungsfeuer und damit den Stoffwechsel anzuregen. Scharfes hilft beim Fettabbau, wirkt entgiftend und entschlackend. Vorsicht bei Magenreizungen!

Der scharfe Geschmack verstärkt Pitta und Vata und reduziert Kapha.

Ausnahme: Ingwer verstärkt die Verdauungskraft, ohne jedoch Pitta zu vermehren.

Bitter entgiftet

Viele Salate, Gemüsesorten und Heilpflanzen sind dem bitteren Geschmack zugeordnet. Bitterstoffe regen Leber und Galle an, verhelfen zu einer besseren Verdauung und wirken insgesamt entgiftend und reinigend. Bitter wirkt austrocknend und verringert den Speichelfluss und damit auch den Appetit.

Beispiele bitterer Wildpflanzen und Heilkräuter sind: Löwenzahn, Brennnessel, Zinnkraut, Sonnenhut, Ringelblume, Rhabarber, Aloe vera, Berberitze, Kalmus, Galgant.

Der bittere Geschmack verstärkt Vata und reduziert Pitta und Kapha.

Ausnahme: Gelbwurz (Kurkuma) wirkt nicht kühlend, sondern erhitzt.

Herb trocknet aus

Der herbe, zusammenziehende Geschmack beruht hauptsächlich auf den enthaltenen Gerbstoffen. Die Wirkung: Beim Verzehr ziehen sich die Poren in der Mundschleimhaut zusammen. Herbe, zusammenziehende Lebensmittel wirken deshalb austrocknend und beugen Wassereinlagerungen im Gewebe entgegen. So helfen sie auch, Kapha zu reduzieren. Die herbe Geschmacksrichtung findet sich in vielen Heilkräutern (Salbei, Johanniskraut, Enzian, Brombeer- und Himbeerblätter, Eichenrinde, Schafgarbe), aber auch in Hülsenfrüchten, Kohl, Äpfeln, Beerensorten (Heidelbeeren, Schlehen) u. a. Ebenso wie der bittere verstärkt der herbe Geschmack Vata und reduziert Pitta und Kapha.

Ausnahme: Granatapfel wirkt nährend, vermehrt also Kapha.

Die einzelnen Konstitutionstypen zeigen bestimmte natürliche Vorlieben für die einzelnen Geschmacksrichtungen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Speisen, die das jeweilige Dosha stärken, das heißt vermehren, und solchen, die es ausgleichen, das heißt reduzieren, entlasten, verringern.

Dazu einige Beispiele: Vata-Menschen mögen oft leichte, warme, flüssige Speisen, womit sie ihr Dosha sanft ausgleichen. Andererseits essen sie auch gerne große Mengen an Salat, was zu einer Erhöhung, einer Reizung, des Doshas führen kann. Pitta-Menschen in ausgeglichenem Zustand lieben gut gewürzte Speisen, Obst und Süßigkeiten, auch sind ihnen pünktliche Essenszeiten wichtig. Ist Pitta überreizt (Stress, Überlastung), wird oft zu Kaffee, Alkohol, Nikotin im Übermaß gegriffen, wodurch das Dosha noch mehr belastet wird. Ein ausgeglichener Kapha-Mensch mag stärkende und schwere Speisen und genießt seine Mahlzeiten. In Maßen genossen, verträgt er dies gut; ist das Dosha jedoch im Ungleichgewicht, kann in der Folge der Stoffwechsel träger werden, was dann zu Gewichtszunahme und Verdauungsproblemen führen kann.

Wie wirken die Geschmacksrichtungen im Körper?

Die Nahrungsmittel erzeugen im Magen eine energetische Wirkung (Virya): Sie können entweder erhitzen und abkühlend wirken. Sauer, salzig und scharf wirkt erhitzend, süß, bitter und herb wirkt abkühlend.


Geschmack (Rasa)Energie (Virya)
süßabkühlend
sauererhitzend
salzigerhitzend
scharferhitzend
bitterabkühlend
herbabkühlend

Die drei Gunas

Neben den körperlichen und physiologischen Konstitutionsmerkmalen und den Qualitäten der Nahrungsmittel gilt es auch, die feinstofflichen, subtilen Qualitäten zu beachten. Die drei geistigen Grundqualitäten sind Sattva, Rajas und Tamas. Sie sind immerzu gegenwärtig und aktiv, selbst nicht wahrnehmbar; nur der Effekt ihres Wirkens kann von uns erkannt werden.

Sattva: Essenz, reine Geistigkeit, Licht, Klarheit, Wissen, Wonne, Liebe

Rajas: Aktivität, Inspiration, energievolle Kraft, Schmerz, Zweifel

Tamas: Bindung, Trägheit, Dunkelheit, Starre, Schlaf

Zum Leben und Überleben in dieser Welt benötigen wir die Eigenschaften aller drei Gunas. Ein Beispiel: Sattva bringt uns am Morgen dazu, aufzustehen und den Tag zu beginnen, mit Rajas bewältigen wir unsere täglichen Pflichten; Tamas hilft uns am Abend, den Schlaf zu finden. So wie alle Nahrungsmittel bestimmte Qualitäten und Eigenschaften aufweisen, können wir ihnen auch eine sattvische, rajasische oder tamasische Natur zuordnen.


SattvischGenerell: frische, naturbelassene, nahrhafte, leicht verdauliche, leicht ölige, nährstoffreiche, süße, biologische Nahrungsmittel alle süßen und reifen Obstsorten, frische Milch, Butter, Ghee, Sahne (Rahm), Joghurt, Getreide: Amaranth, Gerste, Hirse, Quinoa, Dinkel, Weizen, Reis, Hülsenfrüchte: Mungbohnen, gelbe Linsen, Pinienkerne, Walnüsse, Sesam, Honig, Rohrzucker, Ahornsirup, frische junge Gemüse
RajasischGenerell: bittere, saure, salzige, scharfe, heiße, trockene, verarbeitete Nahrungsmittel unreifes Obst, Dosenobst, verkochte Milch, Käse, saure Sahne (Sauerrahm), Hüttenkäse, Eier, Gewürze allgemein, sehr scharfe Gewürze, roter Pfeffer, Chilischoten, rote Linsen, Dosengemüse, Saft in Flaschen, Essig, fermentierte Nahrungsmittel, Erdnüsse, Knoblauch, Oliven, Tomaten, Rettich, Rhabarber, sehr kalte Speisen und Getränke
TamasischGenerell: Essensreste, alte oder zu lang gekochte Speisen, Schnellgerichte, Tiefkühl- und Mikrowellenprodukte, Dosenprodukte, tierische Produkte, alkoholische Getränke Margarine, Milchpulver, Fisch, Muscheln, Zwiebeln

Die Lebensmitteltabellen für die verschiedenen Doshas

Jedes Dosha beziehungsweise jede Kombination aus zwei dominierenden Doshas benötigt also entsprechende Nahrungsmittel, die helfen, ein Übermaß eines Doshas auszugleichen und das Gleichgewicht zu halten beziehungsweise wiederherzustellen.

Die Grundregel: Ist Vata, Pitta oder Kapha betont oder im Übermaß vorhanden, wird mit Nahrungsmitteln entgegengesetzter Geschmacksrichtungen oder Eigenschaften ausgeglichen.

So soll ein Mensch mit einer Vata-Konstitution (mit den Eigenschaften kalt, leicht, subtil, beweglich, trocken, rauh usw.) Nahrungsmittel mit entgegengesetzten Eigenschaften (warm, feucht, fest, ölig usw.) zu sich nehmen. Typische »Vata-Eigenschaften« haben zum Beispiel Salat, Chips, Popcorn, Knäckebrot. Bevorzugt ein Mensch mit Vata-Konstitution nun solche Lebensmittel, wird Vata im Körper angeregt, was zu einem Vata-Ungleichgewicht oder einer Vata-Disharmonie führen kann. »Vata-Menschen« mit einem Berufsalltag, der viel Aktivität und Mobilität erfordert, sollten in ihrer Freizeit unbedingt mit ruhigen, erdenden Tätigkeiten wie Yoga, autogenem Training, Meditation, Qi-Gong oder Lesen einen Ausgleich schaffen.

Im Folgenden werden die geeigneten Nahrungsmittel für die sieben Konstitutionen tabellarisch zusammengefasst. Wichtig: Die Tabellen enthalten die Nahrungsmittel, die zur Reduzierung beziehungsweise zum Ausbalancieren des jeweiligen Doshas geeignet sind.

Vata

Das Vata-Dosha korrespondiert mit den Elementen Raum und Luft. Um die trockenen, leichten und kalten Qualitäten dieses Doshas durch die Ernährung auszugleichen, sollten warme, befeuchtende und erdende Nahrungsmittel gewählt werden. Bestens geeignet sind zum Beispiel würzige Eintöpfe, kräftige Suppen oder Getreidegerichte mit Gemüse und Sauce. Die Geschmacksrichtungen süß, sauer und salzig sind zur Beruhigung von Vata wichtig. Scharfes, Bitteres und Herbes in größeren Mengen reizt das Vata-Dosha und sollte deshalb nicht zu häufig auf dem Speiseplan stehen. Wichtig ist auch, regelmäßige Essenszeiten einzuhalten und sich ganz auf die Mahlzeit zu konzentrieren. Die wichtigsten Nahrungsmittel zum Ausgleich von Vata sind:


GemüseArtischocke, Karotte, Kürbis, Lauch, Okraschote, Olive, Pastinake, Rote Bete (Rande), Schlangengurke, Spargel, Süßkartoffel, Tomate, Zucchini, Zuckererbse (Kefe), Zwiebel
GetreideBrot (ohne Hefe), Dinkel (eingeweicht und gekocht), Amaranth, Gerste, Hafer, Weizen
HülsenfrüchteAdzukibohnen, Linsen (rot), Mungbohnen, Soja. Alles gut eingeweicht und gekocht, in kleinen Mengen.
ObstAnanas, Apfel (süß-säuerlich), Avocado, Aprikose (frisch), Banane, Dattel, Erdbeere, Feige, Himbeere, Kiwi, Kokosnuss (frisch), Limone, Mandarine, Mango, Melone (süß), Orange, Papaya, Persimone, Pfirsich, Pflaume (frisch), Rhabarber, Traube
Nüsse und SamenAlle Nusssorten. Empfehlung: Nüsse in etwas Ghee rösten, vor dem Verzehr ca. 4 Stunden in etwas Wasser einweichen.
GewürzeAnis, Asafoetida, Basilikum, Bockshornkleesamen, Dill, Fenchel, Ingwer, Kardamom, Knoblauch (gebraten), Kreuzkümmel, Kümmel, Kurkuma, Lorbeerblätter, Majoran, Muskatnuss, Muskatblüten, Nelken, Oregano, Paprika, Pfefferminze, Piment, Senfkörner, Steinsalz
MilchprodukteButter , Buttermilch (gesalzen), Hartkäse, Joghurt, Kefir, Milch (warm mit 1 Msp. gemahlener Ingwer), Sahne (Rahm)
Tierische ProdukteEier, Ente, Süßwasser- oder Meeresfische, Huhn, Pute (Truthahn), Reh
SüßungsmittelMaximal 30 g pro Tag! Fruchtdicksaft, Palmzucker, Melasse
Öle und FetteGhee, Kokoscreme, Maisöl, Mandelöl, Sesamöl
GetränkeAnanassaft, Beerensaft, Fencheltee, Gemüsesaft, Kamillentee, Karottensaft, Mangosaft, Orangensaft, Pfefferminztee, warmes Wasser, Zitronensaft (frisch, mit Steinsalz)

Pitta

Das Pitta-Dosha korrespondiert mit dem Element Feuer, dementsprechend sind seine Qualitäten heiß, durchdringend und scharf. Pitta-Menschen brauchen eine Ernährung, die dämpfend und kühlend wirkt. Viele Pitta-betonte Menschen essen gern heiß und scharf, vertragen aber mäßig gewürzte Speisen wesentlich besser. Getränke sollten möglichst Zimmertemperatur haben. Die Geschmacksrichtungen süß, bitter und herb helfen, ein erhöhtes Pitta-Dosha auszugleichen. Besonders wichtig sind regelmäßige Mahlzeiten in ruhiger, heiterer Atmosphäre. Die wichtigsten Nahrungsmittel zum Ausgleich von Pitta sind:


GemüseArtischocke, Alfalfasprossen, Blattgemüse, Bohnen (grüne), Bockshornkleeblätter, Brokkoli, Erbse, Gurke, Karotte, Kartoffel, Kohlrabi, Kohlsorten, Koriander (frisch), Kürbis, Mais, Okraschote, Paprika (Peperoni, grün), Pastinake, Petersilie, Rote Bete (Rande), Salatsorten, Sellerieknolle, Spargel, Staudensellerie, Süßkartoffel, Tomate
GetreideBasmatireis, Dinkel, Gerste, Hafer, Hirse, Weizen
HülsenfrüchteAdzukibohnen, Kichererbsen, Kidneybohnen, Limabohnen, Linsen (gelb und rot), Mungbohnen, Sojabohnen (alle mit Asafoetida kochen)
ObstAnanas (süß), Apfel, Aprikose, Avocado, Beeren (süß), Birne, Dattel, Feige, Granatapfel, Kirsche (süß), Kokosnuss, Orange (süß), Pflaume, Rosine, Traube, Trockenobst
Nüsse und SamenKürbiskerne, Sesamsamen, Sonnenblumenkerne
GewürzeBasilikum, Curryblätter, Dill, Fenchel, Kardamom, Koriander, Kreuzkümmel, Kümmel, Kurkuma, Minze, Pfefferminze, Pfeffer (schwarz), Rosenwasser, Rosmarin, Safran, Zimt
MilchprodukteButter (ungesalzen), Buttermilch (süß), Frischkäse, Käse (mager), Kuhmilch (mager), Sojamilch, Ziegenmilch
Tierische ProdukteEiweiß, helles Geflügelfleisch, Kaninchen
SüßungsmittelAhornsirup, Fruchtdicksaft, Fruchtzucker, Honig (kaltgeschleudert), Reissirup
Öle und FetteGhee (sehr gut geeignet!), Kokosöl, Sonnenblumenöl, Sojaöl, Walnussöl
GetränkeApfelsaft, Fencheltee, Hibiskustee, Jasmintee, Kirschsaft, Mangosaft, Pflaumensaft, Süßholztee, Zitronengrastee. Alle Getränke lauwarm bis kühl!

Kapha

Das Kapha-Dosha korrespondiert mit den Elementen Erde und Wasser, deren Qualitäten schwer, kalt und feucht sind. Kohlenhydrate (Zucker beziehungsweise Stärke), Fett und Eiweißprodukte gehören in diesem Sinn zu den »schweren« Nahrungsmitteln. Um Kapha auszugleichen, werden leichte, warme und eher trockene Speisen benötigt. Die Geschmacksrichtungen scharf, bitter und herb/zusammenziehend tragen zudem zur Reduzierung des Kapha-Doshas bei. Besonders günstig wirken sich regelmäßig eingehaltene Fastentage aus. Die wichtigsten Nahrungsmittel zum Ausgleich von Kapha sind:


GemüseArtischocke, Aubergine, Bärlauch, Bambussprossen, Blattgemüse (alle), Bohnen (grün), Chilischoten, Gurke, Karotte, Knoblauch, Kohlsorten (alle), Kohlrabi, Okraschote, Pastinake, Paprika (Peperoni, rot), Rettich, Rote Bete (Rande), Salatsorten (alle), Sellerieknolle, Spargel, Sprossen, Staudensellerie, Zucchini, Zwiebel
GetreideAmaranth, Buchweizen, Dinkelflocken, Gerste, Haferflocken, Hirse, Reis (wenig)
HülsenfrüchteAdzukibohnen, Bohnen (schwarze), Erbsen, Kichererbsen, Kidneybohnen, Limabohnen, Linsen (gelb und rot), Mungbohnen
ObstApfel (herb), Granatapfel, Grapefruit, Johannisbeeren, Papaya, Persimone, Pfirsiche, Quitte, Trauben (blau)
Nüsse und SamenKürbiskerne, Pinienkerne, Sonnenblumenkerne
GewürzeAjwain, Anis, Bockshornkleesamen und -blätter, Cayennepfeffer, Chili, Curryblätter, Estragon, Ingwer (frisch und getrocknet), Kreuzkümmel, Kümmel, Kurkuma, Majoran, Muskatnuss, Nelken, Oregano, Paprika, Petersilie, Pfeffer (weiß und schwarz), Piment, Senfkörner, Sternanis, Thymian, Wacholderbeeren
MilchprodukteNur fettarme Kuh- oder Ziegenmilch
Tierische ProdukteFluss- oder Seefisch, mageres rotes Fleisch
SüßungsmittelPalmzucker, Honig (kaltgeschleudert)
Öle und FetteOlivenöl, Senföl, Sonnenblumenöl (nur geringe Mengen)
GetränkeHeiß: Wasser, Ingwerwasser, Kräutertee, Milch (heiß, mit etwas Pfeffer und Ingwer oder Kardamom)

Vata-Pitta

Der süße Geschmack hält das Vata-Pitta-Dosha in Balance, der bittere Geschmack lässt es steigen. Aus diesem Grund sollte bei der Auswahl der Nahrungsmittel und Getränke dem süßen Geschmack der Vorzug gegeben werden. Sehr gut sind beispielsweise reife, süße Früchte. So hilft etwa süßes Obst oder ein Stückchen Palmzucker vor dem Essen, Vata und Pitta gleichermaßen zu besänftigen. Entsprechend dem jahreszeitbedingten Vorherrschen bestimmter Doshas ist im Frühjahr und Herbst besonders auf eine Vata-reduzierende Ernährung (siehe Vata-Tabelle, Seite 22) und im Sommer auf eine Pitta-reduzierende Ernährung zu achten (siehe Pitta-Tabelle, Seite 23). Für Vata-Pitta-Naturen sind frisch zubereitete, nahrhafte und etwas ölige Speisen – und außerdem regelmäßige Essenszeiten – wichtig. Die wichtigsten Nahrungsmittel zum Ausgleich von Vata-Pitta sind:


GemüseEdelkastanie, Karotte, Kürbis, Lauch, Okraschote, Pastinake, Rote Bete (Rande), Schalotte, Süßkartoffel, Tomate
GetreideDinkel, Hafer, Vollkornreis, Vollweizen. Gekocht verzehren; kein Frischkornmüsli! Brot ohne Hefe
HülsenfrüchteLinsen (gelb), Mungbohnen, Sojabohnen, Tofu
ObstSüßes und reifes Obst! Apfel (süß), Aprikose, Avocado, Banane, Birne, Brombeere, Clementine, Dattel (frisch), Erdbeere, Feige (frisch), Himbeere, Kokosnuss, Mango, Orange, Persimone, Pfirsich, Pflaume, Traube
Nüsse und SamenWenig, mit Ghee angeröstet. Kürbiskern, Mandel, Sesam, Sonnenblumenkerne
GewürzeAnis, Basilikum, Bockshornklee, Dill, Fenchel, Ingwer (frisch), Kardamom, Knoblauchpulver oder -paste, Koriander, Kurkuma, Lorbeer, Majoran, Minze, Muskat, Nelken, Oregano, Pfeffer (schwarz), Pfefferminze, Rosmarin, Safran, Schwarzkümmel, Thymian, Zimt
MilchprodukteKäse, Kuhmilch (warm, mit Kardamom)
Tierische ProdukteEier, Ente, Huhn, Lamm, Meeresfisch, Pute (Truthahn), Reh
SüßungsmittelAhornsirup, Palmzucker, kaltgeschleuderter Honig, Melasse, Reissirup
Öle und FetteAvocadoöl, Ghee, Kokosöl, Leinöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl
GetränkeKamillentee, Pfefferminztee, Zimttee, Wasser (lauwarm), Kuhmilch (warm, mit Kardamom)

Vata-Kapha

Vata und Kapha haben eine Gemeinsamkeit: Beide brauchen es warm. Deshalb sollten unbedingt frisch gekochte warme Mahlzeiten bevorzugt werden. Sehr wirkungsvoll ist auch, schluckweise und über den Tag verteilt heißes Wasser zu trinken, da dadurch das Verdauungsfeuer (Agni) angeregt wird. Ein leichtes warmes Abendessen entlas tet die Verdauung und verhilft zu einem guten Schlaf. Um Vata auszubalancieren, ist die süße, saure und salzige Geschmacksrichtung zu bevorzugen, für Kapha Scharfes, Bitteres und Herbes. Deshalb gilt es hier, aufmerksam zu beobachten, welches Dosha gerade vorherrscht, und entsprechend die geeigneten Nahrungsmittel auszuwählen. Die wichtigsten Nahrungsmittel zum Ausgleich von Vata-Kapha sind:


GemüseAubergine, Blattgemüse (nur roh), Blumenkohl, Erbse, Gurke, Karotte, Kartoffel, Lauch, Mais, Meerrettich, Okraschote, Paprika (Peperoni), Radieschen, Rettich, Salat (mit Olivenöl-Senf-Sauce), Schalotte, Sellerie, Spinat, Tomate, Zucchini
GetreideBasmatireis, Gerste, Vollkornreis, Weizen
HülsenfrüchteMungbohnen, Tofu
ObstAnanas, Brombeere, Granatapfel, Grapefruit, Himbeere, Kirsche, Limette, Mango, Orange, Papaya, Persimone, Pfirsich, Traube. Trockenfrüchte: Apfel, Aprikose, Birne, Dattel, Feige, Pflaume
Nüsse und SamenKürbiskerne, Sesam, Sonnenblumenkerne
GewürzeAjwain, Anis, Basilikum, Cayennepfeffer, Dill, Galgant, Ingwer, Kardamom, Knoblauch, Koriander (frisch), Kreuzkümmel, Lorbeer, Muskat, Nelken, Rosmarin, Senf (scharf), Senfsamen, Thymian, Zimt, Quendelkraut
MilchprodukteMagermilch (warm), Magerkäse
Tierische ProdukteEier, Huhn, Pute (Truthahn), Seefisch
SüßungsmittelHonig (kaltgeschleudert)
Öle und FetteLeinsamenöl, Senföl, Sesamöl
GetränkeKräutertees. Warmes Wasser, warmes Ingwerwasser

Pitta-Kapha

Bei dieser Dosha-Kombination kann sich ein Übermaß an sauren und salzigen Nahrungsmitteln ungünstig auswirken, denn beiden Doshas sind diese Geschmacksrichtungen gemeinsam. Eine Folge kann Übersäuerung, Wasseransammlung im Gewebe oder Übergewicht sein. Um Pitta und Kapha zu entlasten, braucht es einen höheren Anteil an bitteren und herben Nahrungsmitteln, wie Hülsenfrüchte, Linsen, Salat und Gemüse. Im Sommer soll die Ernährung mehr Pitta-reduzierende, im Winter mehr Kapha-reduzierende Anteile enthalten. Die wichtigsten Nahrungsmittel zum Ausgleich von Pitta-Kapha sind:


GemüseAlfalfasprossen, Artischocke, Bittermelone, Blumenkohl, Brokkoli, Gurke, Karotte, Maiskölbchen, Mungsprossen, Paprika (Peperoni, rot und grün), Rosenkohl, Rote Bete (Rande), Selleriestange, Weißkohl
GetreideGerste, Hafer, Basmatireis, brauner Reis, Rundkornkreis, Weizen
HülsenfrüchteErbsen, Kichererbsen, Kidneybohnen, Linsen, Mungbohnen, Sojaprodukte, Tofu. Alle Hülsenfrüchte mit Asafoetida gewürzt.
ObstApfel (herb), Beeren (alle), Kirschen (alle), Mirabelle, Rosine, Trauben (alle), Trockenfrüchte (alle)
Nüsse und SamenEdelkastanie, Kürbiskerne, Pinienkerne, Sonnenblumenkerne, Walnüsse
GewürzeBärlauch (frisch), Dill, Eisenkraut, Estragon, Fenchel, Gewürzkardamom, Kardamom, Koriander (frisch), Kolonji (schwarze Zwiebelsamen), Kümmel, Kurkuma, Muskatblüte, Minze, Oregano, Rosmarin, Senfkörner, Zimt
MilchprodukteButter (ungesalzen), Frischkäse, Ghee, Magermilch (von Kuh, Ziege, Schaf), Sojamilch
Tierische ProdukteEiweiß, Huhn, Pute (Truthahn), Seefisch
SüßungsmittelApfeldicksaft, Honig (kaltgeschleudert), Reissirup
Öle und FetteMaiskeimöl, Olivenöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl
GetränkeHibiskustee, Gemüsesaft, Preiselbeersaft, Weizengrassaft, stilles Wasser (lauwarm)

Vata-Pitta-Kapha

Ein ausgeglichenes Verhältnis der drei Doshas kommt eher selten vor. Der Vorteil bei dieser ausgewogenen Kombination liegt im harmonischen Zusammenwirken aller fünf Elemente und besonders der drei Doshas. Um diese Harmonie zu erhalten, ist es für Menschen dieses Typs besonders wichtig, auf den Zustand von Geist und Psyche zu achten und sich in erster Linie auf dieser Ebene um Balance zu bemühen.

Im Rahmen der Ernährung geht es vor allem darum, bewusst auf den persönlichen Zustand und die persönlichen Nahrungsbedürfnisse zu achten. Grundsätzlich gilt: Vata-beruhigende Ernährung im Frühjahr und Herbst, Pitta-beruhigende Ernährung im späten Frühjahr und Sommer, Kapha-beruhigende Ernährung im Winter und beginnenden Frühjahr (siehe die Tabellen Seite 22, 23, 24).

Einflüsse auf die Wirkung der Nahrung im Körper

Im Ayurveda werden vielerlei Faktoren berücksichtigt, die einen Einfluss auf die Wirkung der aufgenommenen Nahrung haben. Zum einen sind dies unsere persönliche Grundkonstitution, das Verdauungsfeuer Agni und unsere Abwehrkraft (Immunsystem) und zum anderen Einflüsse, denen wir von außen ausgesetzt sind.

Essenszeiten

Die Doshas entfalten zu bestimmten Tageszeiten ihre Hauptaktivität (siehe Seite 11). Pitta – die Kraft des Feuers – ist besonders aktiv zwischen 10 und 14 Uhr. Daher ist es nach ayurvedischen Gesichtspunkten empfehlenswert, die Hauptmahlzeit am Mittag einzunehmen, was besonders den Vata- und Kapha-betonten, meist verdauungsschwachen Naturen zugute kommt.

Kapha, die Stoff aufbauende Kraft, ist am aktivsten in der Zeit zwischen 6 und 8 Uhr und zwischen 18 und 20 Uhr. In dieser Zeit werden Nahrungsmittel mit Kapha-Qualitäten nur langsam verdaut.

Eine Konstitution mit überwiegend Pitta-Qualitäten wird in der Regel problemlos zu fast jeder Tages- und Nachtzeit essen und verdauen können. Wer jedoch eine schwache Verdauungskraft besitzt, sollte auf den geeigneten Zeitpunkt für die Nahrungsaufnahme achten, um für Gesundheit und Wohlbefinden zu sorgen.

Art der Zubereitung

Der Verzehr roher Salate und Gemüse gilt allgemein als sehr gesund. Nach Ayurveda-Richtlinien sollten jedoch nur jene Konstitutionen, die dies gut vertragen, Rohes essen. Speisen in warmem und gegartem (reifem) Zustand sind für viele Menschen bekömmlicher und leichter verdaulich.

Tiefkühlkost, Konserven und Gerichte aus der Mikrowelle sind nach Ayurveda nicht empfehlenswert, da in diesen Speisen die Lebensenergie (Prana) nicht mehr vorhanden ist. Auch mehrmals aufgewärmte oder schon länger gelagerte Speisen können uns nicht mehr wirklich ernähren.

Die Art der Zubereitung – dünsten, grillen, rösten, frittieren, backen, mixen, einlegen, trocknen – verändert ein Nahrungsmittel. Ob etwa ein Apfel roh, gekocht oder getrocknet verzehrt wird, hat einen Einfluss auf die Doshas: Pitta-Naturen vertragen den Apfel roh, Vata-Menschen sollten ihn besser kochen, und für Kapha-Typen eignet er sich als Trockenfrucht. Dies hat einen erheblichen Einfluss auf die individuelle Verträglichkeit. Dasselbe gilt für die Menge und Temperatur von Getränken: Vata sollte bis 3 Liter pro Tag an warmen Getränken zu sich nehmen, Pitta bis 2 Liter kühle beziehungsweise lauwarme Getränke und Kapha bis 1½ Liter heiße Getränke.

Menge

Die Menge der eingenommenen Speisen orientiert sich an der Größe des Magens. Die ayurvedische Faustregel lautet: Ein Drittel seiner Größe soll sich mit fester Nahrung füllen, das zweite Drittel mit Flüssigem und das letzte Drittel bleibt der Luft vorbehalten, die es braucht, damit sich Festes und Flüssiges gut vermengen kann. Wenn Sie mit Ihren beiden Händen eine Schale bilden, wissen Sie ungefähr, wie viel Essen insgesamt Ihren Magen füllen sollte.

Ort

Die klimatischen Bedingungen eines Landes beeinflussen unseren Stoffwechsel und die Verdauungskraft. Je nach dem Ort, wo wir leben, wählen wir die entsprechenden Nahrungsmittel: Fleisch beispielsweise wirkt erhitzend, ist also ungeeignet bei heißem, trockenem Klima. Demgegenüber wirkt Salat kühlend und passt daher im Winter nicht in ein kaltes Land.

Wichtig ist auch der Ort, wo gekocht wird. Er sollte dem Koch oder der Köchin eine angenehme Atmosphäre bieten. Nach Vastu-Prinzipien sollte sich die Küche an der Südseite des Hauses befinden, weil hier die Feuerenergie am stärksten wirkt.

Persönlicher Zustand

Achten Sie darauf, in welcher körperlich-seelisch-geistigen Verfassung Sie sich befinden: Die Wirkung und Bekömmlichkeit der Nahrung steht damit in engem Zusammenhang.

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