Kitabı oku: «Fast kein Land»

Yazı tipi:

Ocke Bandixen
Fast kein Land

Roman

Saga

1.

Wir fühlten uns wohl in der blauweißen Gemütlichkeit der Küche. Ich saß wieder neben Irene. Die Kartoffelstücke platschten von Zeit zu Zeit in die weiße Emaillewanne. Ludwig hockte auf der weißen Bank gegenüber am Tisch und erzählte, wie er das immer tat: langsam, fast stockend, aber melodisch. Heute denke ich, er wusste, dass er es konnte: erzählen.

Mir öffnete er die Welt.

Ich saß neben Irene, nicht neben Ludwig, weil ich ihm so besser zusehen konnte, wie er sprach, mein Freund. Und weil ich, dann und wann unbemerkt, wie ich am Anfang dachte, oder zumindest geduldet, wie ich später vermutete, von Irenes Kaffee trinken konnte.

Ludwig fuhr, segelte noch einmal um die Welt. Um Kap Horn, durch die Südsee. Er war bestimmt ein guter Pirat gewesen. Davon war ich als kleiner Junge überzeugt – und später davon, dass er zumindest ein guter Seemann gewesen war.

Seine Geschichten wehten und schaukelten, sie stürmten und wirbelten, sie sprühten mir die Gischt an den Küchentisch, auf meinen Platz, mitten ins Gesicht. Ich konnte nicht genug davon bekommen, dabei war er eigentlich etwas anderes. Geologen-Assistent oder so.

Ich liebte so sehr seine Seegeschichten, die er aus jener Zeit erzählte, als er in Afrika die Eisenbahn mitgebaut hatte – oder zumindest den Weg für sie vermessen. Und ich wusste dann, eher instinktiv als durch das Gewicht seiner Worte, dass es ihm ernst war. Er erzählte eine wahre Geschichte. Diese Erzählung konnte mich noch mehr gefangen nehmen als seine anderen, gerade weil sie so besonders war. Auch sie schien fantastisch und kaum zu glauben. Die grauen Augen und das dann und wann zum Unterstreichen des Gesagten eingesetzte Nicken Ludwigs, verbunden mit seinem heiseren, bekräftigenden Brummen, waren noch öfter zu beobachten als sonst, sie scheuchten alle Zweifel in die Marschenfelder vor unserem Haus. Was blieb, war das Wundern, das Staunen, dass es so etwas geben konnte.

Eine Stadt im Sand, mitten in der Wüste, wie aus dem Nichts entstanden. Erbaut, gewachsen allein durch die Sehnsucht und die Gier der Menschen: Ballsäle, Salons, Promenaden, Hotels.

Sie lag an der Strecke, die Ludwig damals gebaut hatte. Natürlich nicht allein. Er war nur ein Helfer, wie er das nannte. Die Verantwortung hatten andere, zum Beispiel der Mann, für den er arbeitete.

Die Stadt hieß Kolmannskuppe. Und sie lag in Deutsch-Südwest. Eine afrikanische Goldgräberstadt. Besser: eine Diamantengräberstadt. Man sprach vornehmlich deutsch. Aber hier lebten Händler, Diamantensucher, Glücksritter aus aller Herren- und Sklavenländer.

Sie stand und trotzte der Wüste, der Sonne, der Hitze, dem Sand wie der Fiebertraum eines Durstenden, der wahr wurde. Eine Fata Morgana aus Holz und Stein.

Ich hatte heimlich im großen Atlas meines Vaters versucht, diesen geheimnisvollen Ort zu finden. Bisher vergeblich. Die Lücke im Regal war gewaltig, wenn der Atlas fehlte, also machte ich, so schnell ich konnte. Mehrere Versuche, die ich jeweils aus Angst abgebrochen hatte, waren erfolglos geblieben. Ich stellte mir mehr und mehr die Frage, die ich im Angesicht Ludwigs nicht einmal zu denken gewagt hätte: Gab es diese Stadt?

Ludwig hatte einen Strich auf dem Arm, dem linken. Ich wollte nur zu gern glauben, dass es eine Tätowierung war. Es hätte so gut gepasst. Und er ließ mich in dieser Fantasie.

»Mir ist das Geld ausgegangen«, knurrte er und lachte unter dem Rost in seinem Gesicht, den Ringen und Falten, den roten Flecken und den schweren Linien um die Augen. Der Strich war violett, tatsächlich wohl ein alter Schnitt. Ein Strich wie ein großes I. Für Irene, da war ich mir sicher. Für mehr Geld hätte er auch mehr Buchstaben bekommen.

Irene lachte leise, wie nur sie es konnte, still, fast schweigend, nur für sich. Ihre Augen, die kugeligen, die sonst alle einluden, festhielten, beisammen sein lassen wollten, diese Augen waren dann immer ganz schmal, wenn sie lachte, hatten die Herrschaft verloren über ihr Gesicht. Irene kicherte nur für sich, weil sie es dann vielleicht besser bewahren konnte, ihr kleines Gelächter, die hellen Momente, als wenn sie laut alles heraus und fort gelacht hätte.

Irene hatte schmale Schultern, einen runden, breiten Rücken und hochgesteckte Haare. Man konnte ihren Nacken sehen. Ein, zwei graue Haare fielen zwischen den braunen aus dem Knoten herunter. Die hellblau-weiße war ihre Lieblingsschürze. Irene war schon lange bei meinen Eltern, länger als ich.

»Wir fingen an im Dezember 05«, begann Ludwig stets seine Geschichte. Es klang für mich immer wie eine Ansage am Bahnhof. Achtung, der Zug fährt ein, Dezember 05!

»Sechs Fuß, drei Zoll, sollte später an das südafrikanische Eisenbahnnetz angeschlossen werden. Geld lief, Wasser nicht. Das hatten wir nicht. Keines da. Hottentotten-Aufstand, die Soldaten, die Seuchen, ach, alles nicht so schlimm. Aber der Durst war niederträchtig.«

»Dann trink man noch«, brummte Irene stets gutmütig an dieser Stelle. Ludwig stürzte jedes Mal, auch aus Schau, die Tasse hinunter. Ich brannte auf eine Fortsetzung. Das Beste, das wusste ich schließlich, würde gleich kommen: Diamanten!

Ludwig wusste, dass ich es wusste, und so ließ er sich Zeit. Berichtete ausführlich von Spurbreiten der Gleise, den Trinkwasserproblemen und den Nama, die immer wieder Vorposten angegriffen hatten, und so weiter.

»Ludwig?«

»Ja?«

»Na?«

»Was?«

»Die Diamanten!«

»Ach, ja.« Er lächelte und tat, was er immer an dieser Stelle der Geschichte tat. Er krempelte seine Ärmel hoch. Und wenn er es schon getan hatte, dann tat er so, als täte er es noch einmal.

»Der Zacharias, fixer Junge, sollte was holen, weiß bei Gott nicht mehr, was.«

Ludwig sprach es schnell wie eine tausendmal gesagte Zauberformel, hektisch, doch voller Melodie. Die Pause und dann das »bei Gott«. Ludwig war, zumindest nach meiner Beobachtung, wenig bis gar nicht gläubig. Die Worte fielen wie von selbst in der immer gleichen Reihenfolge und Betonung aus seinem Mund.

»War erst bei Kilometer 16. Noch fast gar nichts also. Lüderitzbucht konnte man noch riechen. Er, der Zacharias, war auf jeden Fall mit einer Schaufel los. Und kam dann wieder. Moj Klip! Moj Klip!«

Ludwig hielt uns die Hand offen hin. Und wir guckten wie jedesmal auf seinen Handteller, als sähen auch wir den ersten gefundenen Rohdiamanten. Wie er damals. Den Diamanten, der alles verändert hatte.

2.

Mein zwölfter Geburtstag sollte etwas ganz Besonderes bringen, das war klar. Nicht nur ein Jahr mehr, das ich natürlich auch schon sehnsüchtig erwartete, um ja doch von den Großen noch ernster genommen zu werden.

Meine Mutter war schwanger. Der Arzt hatte erst voriges Mal gefragt, ob sie denn auch zwei Kinderbetten auftreiben könne. Der liebe Gott meine es eventuell mit ihr doppelt gut. Ich hatte gelauscht.

Es sollte noch ein wenig dauern mit der Geburt, hatte Irene mir am Tag darauf zugeraunt. Sie war die Vertraute meiner Mutter. Selbst hätte die mir so etwas doch nie erzählt. Dass sie in anderen Umständen war, das hatte sie mir von Irene quasi überbringen lassen. Wohl hatte sie Angst, sie müsste mir erklären, wo die Kinder herkommen. Dabei wusste ich natürlich längst Bescheid.

Ludwig hatte einen Kompass und eine Pfeife. Den Kompass trug er an einer Uhrkette, zog ihn dann und wann aus der Tasche und guckte ihn an, als sei er eine Uhr. Manchmal, wenn ich oder jemand anderes, den er mochte, guckte, tat er so, als ziehe er den Kompass auf und höre dann, ob er auch wieder ticke.

Die Pfeife hatte eine langen, schwarzen Stiel und ein graues, weil zerbissenes Mundstück. Als ich neun war, hatte er mir auch eine gemacht, massiv aus Holz, ebenfalls schwarz, nur ein bisschen kleiner als seine. »Darfste nur Madame nicht zeigen«, hatte er gesagt und auf die oberen Fenster des Hauses gewiesen.

»Nur auf dem Wagen, wenn wir alleine fahren, einverstanden?«, hatte ich gefragt und ein rostiges Lächeln, wie nur Ludwig es konnte, zur Antwort bekommen.

Und mein Vater? Nun, er hatte zu tun. Und ich natürlich auch. Ich hatte Sommerferien, und das bedeutete für mich, dass ich mithalf. Ich machte alles, wobei mich Ludwig, unser Knecht, gebrauchen konnte. Und das war eine Menge: Tiere, Hof, Feld. Besorgungen machten wir auch. Mit dem Wagen, denn alles andere war ja zu weit.

Unser Hof lag draußen, weit vor den anderen. Das Land war gut, es war wohl das fruchtbarste in ganz Nordfriesland. Es war gerade erst eingedeicht worden. Der mächtige Wall, der vom Wasser her flach anstieg und dann doch eine beachtliche Höhe erreichte, schützte uns. Unserer und die anderen Pachthöfe neben uns standen in der ersten Reihe dahinter.

»Moj Klip!«, das sagte Ludwig oft. Immer dann, wenn ihm etwas einfiel, etwas gutes Neues unterkam, wie vielleicht eine neue Sorte Tau, die mein Vater aus der Stadt mitgebracht hatte, oder eine schöne Feder, die ich aufgesammelt hatte und ihm unter die Nase hielt. »Moj Klip!« Und ich sagte es dann auch. Moj Klip!

Erst durch die Jahre, das Älterwerden und das zunehmende Verstehen, denke ich, erkannte ich langsam, wie besonders wir wohnten. Mir muss es bei einer der Fahrten mit Ludwig aufgegangen sein: Weiße, große Häuser. Farmhäuser, lernte ich später, gebaut nach dem üblichen Kolonialstil in Deutsch-Südwest, standen hier. Sieben an der Zahl, mehr oder weniger nebeneinander. Schwer und breit, auf jedem Hof eines.

»Woher kommst Du eigentlich, Ludwig?«

»Woher?« Ludwig schlürfte Kaffee in der Küche und versenkte sein Gesicht lange in der Tasse.

»Na, von da.« Er zeigt unbestimmt in Richtung Südwest.

»Woher genau?«

»Genauer kann ich das gar nicht mehr sagen.«

Er lachte kurz sein rostiges Lachen und suchte beim Umherblicken nach etwas, das mich ablenken könnte.

»Doch, Du willst nur nicht.« Das hatte ich unserem Knecht noch nie gesagt. Er war mir vertraut und ich wagte schon, ein wenig respektloser mit ihm zu reden als beispielsweise mit meinem Vater.

»Habe ich Dir schon einmal erzählt von dem Vorposten, als ich angegriffen wurde? Vor Seeheim war das. In Südwest.«

»Nein.«

Ludwig kniff die braunen Augen zusammen, lächelte schief und nickte, sodass sich eine graue Strähne aus seinen nachlässig nach hinten gekämmten Haaren löste.

»Das war auch nicht so schön.«

»Was ist da passiert?«

»Erzähle ich lieber nicht. Verstehst Du?«

Ich bewegte meinen Kopf und wusste selbst nicht, ob ich nickte oder ihn schüttelte.

3.

Unser Land war etwas Besonderes. Die Straßen waren breit und gerade, sie waren so gebaut, wie sie einst auf einem Reißbrett gezogen worden waren. Die Möwen waren bei uns öfter als anderswo. Sie kamen – wie immer – an Land, wenn draußen das Wetter schlecht war, aber auch sonst kamen sie öfter zu uns als zu den anderen Bauern, deren Höfe und Land weiter drinnen waren, man kann fast sagen, weiter auf dem Festland.

Und der Wind war immer da. Nicht dass das etwas wirklich so Außergewöhnliches gewesen wäre. Denn der Westwind war hier zu Hause. Zu uns kam er aber beinahe ungeschützt, ungebremst.

Er war an manchen Tagen und Abenden so hart und nass, dass man glauben konnte, er habe auf dem letzten bisschen Meer vor unserem Land noch Salz und Gischt aufgesammelt, die er uns quer in die Gesichter trieb und auf die Felder warf. Die Deiche waren die Sicherung des Landes. Nicht immer schon, aber seit vielen großen Fluten erprobt. Einer größer als der andere, einer von See her flacher ansteigend als die anderen. Es gab drei Deiche: Den alten, er lag gerade einmal kurz hinter den Ortschaften, eine erste, alte Grenze zum Meer, wie eine Falte, die sich in das Land gelegt hatte.

Der zweite war der Schlafdeich. Er war höher und lief flacher an als der alte, war damit breiter. Er wurde auch besser gepflegt von Schafen und Menschen. Er hatte noch Dienst, wenn der Außendeich brechen sollte. Und der lag vor unserem Hof. Die Grenze, die ich sah, wenn ich von unserem Haus auf das Meer blicken wollte.

Es war, als hielte er nicht nur die Flut auf der Seeseite zurück. Er ließ auch die Blicke von der anderen Seite, also unserer, nicht zu, die sehnsüchtig zum Meer gerichtet wurden. Er schaffte Ordnung in unserem Leben. Das Meer zog die Menschen hier dennoch ständig an, auch mich, aber der Deich verhinderte das Schlimmste. Über den Deich wachte der Graf, wie bekannt, Herr mehr über Land und Schafe, denn über Untertanen. Die Schafe fraßen, traten fest, trampelten Mäuse- und Karnickellöcher zu. Wie Wolken, langsam sich immer wieder teilend und zu neuen Mustern und Formen zusammenfindend.

Zwischen den Deichen lagen die Köge, benannt nach ihren Erbauern oder Planern, junges Land mit alten Namen und Geschichten versehen, wie es gut in die Landschaft passte. Denn das Land hatte ein gutes Gedächtnis, hier wurde nichts vergessen, schon gar nichts, das mit dem Meer zu tun hatte.

Das Land war gut, die Felder waren groß. Das Korn stand jeden Sommer hoch, höher noch als anderswo. Der Neid der anderen war uns eigen wie der Stolz, hier zu sein.

Mein Vater empfand es als Privileg, hier Pächter zu sein. Als junger Mann hatte er, ich konnte es aus manch betrunkener Rede heraushören, die er mehr für sich als für mich brabbelte, von Amerika geträumt. Amerika und immer wieder Amerika. Hier nun waren seine Träume gelandet, nicht ganz Amerika, aber in einem Land vor der anderen Welt. Vorland nannte man bezeichnenderweise das Land vor dem Deich, das noch ungeschützt war.

Einmal war es, als wir Besuch von einem Onkel hatten, der unser neues Zuhause noch nicht kannte, da gingen wir zusammen auf den Deich und guckten. Das taten wir oft, nur meistens schweigend. Nun aber hob der Onkel seinen Stock und krächzte in den feuchten Abendhimmel: »Wer kann England sehen? Da hinten ist England!«

Mein Vater wandte sich verächtlich zur Seite und sprach zu mir, der ich der einzige Begleiter war, an den er solche Rede richten konnte: »Wir können viel weiter sehen als England. Viel weiter, was?«

Im Nachbarkoog, im nächsten Dorf, die Straße immer weiter, da sahen die Häuser anders aus, schon immer: geduckt, rote Ziegel, manche weiß angemalt, die meisten mit Reetdach, wie üblich im Land. Die Straßen in den Dörfern verliefen rund, gebeugt, wie immer, als mache sie der ewig gleiche Gang so, um die Kirchen, um die Warften, um die Erhöhungen, auf denen die alten Häuser standen.

Und hier? Verbargen sich in den Häusern die Geschichten, die Ludwig als Zeugen mitgebracht zu haben schienen?

Unser Koog, so nennt man den Abschnitt des neu eingedeichten Landes, wurde nach seinem Finanzier, dem Eisenbahnbauer und Millionär Sönke Nissen, benannt.

Er stammte ursprünglich aus einem Nachbardorf. Er war Eisenbahningenieur geworden und hatte nach einiger Erfahrung im Bau von Bahnstrecken den Auftrag bekommen, in den deutschen Kolonien in Afrika die Schienenwege zu bauen.

Zuerst baute er die Usambara-Bahn in Deutsch-Ostafrika. Da hatte Ludwig ihn auch kennengelernt. »Sie zahlten mir einfach besser an Land als auf dem Meer«, sagte er immer wieder, immer im gleichen Singsang der gleiche Satz, immer wenn er davon erzählte.

Und dann hatte Nissen als Oberingenieur auch noch in Deutsch-Südwest eine Strecke bauen sollen. 1905 ging es los, kurz nach dem Hottentotten-Aufstand, den ich auch in der Schule hatte. Sie bauten über eine Strecke zwischen Lüderitz und Keetmannshoop. »Sand, Staub, so wenig Wasser, kann sich kein Mensch ausdenken«, pflegte Ludwig zu sagen und dann noch einmal nach seiner Tasse zu greifen, als wolle er den Durst von damals immer noch tilgen.

»140 Kilometer, auf 1400 Höhe rauf, Lüderitz, Burenkamp, Kolmannskuppe, Grasplatz, Haalenberg, Schkalskuppe und weiter bis nach Seeheim. Dann, der Ausbau«, Ludwig zeichnete meist mit dem Pfeifenstiel auf dem Küchentisch die Strecke, »weiter nach Keetmannshoop, Hoolog, Grabwasser, Grünau und nach Kalkfontein. Als sie dann den Stein, den Klippie, gesehen hatten, haben sie erstmal die Schnute gehalten«, sagte Ludwig immer über Nissen und seine Kollegen.

»Sie sicherten sich die Schürfrechte, wurden enorm reich und lösten einen Diamantenrausch in der Kolonie aus. Diamanten, die wurden auf den Knien eingesammelt, in Marmeladengläsern«, sagte Ludwig, und es klang nach Ekel, nicht nach Freude. »Diamanten, die liebte man dort nicht, man hasste sie. Oder vergötterte sie. Viele Männer blieben. Nissen nicht.«

Den Rest wusste ich aus der Schule und von meiner Mutter. Sönke Nissen bezahlte den neuen Deich und bekam das Recht, dem Koog seinen Namen zu geben, sowie sieben Höfe samt fruchtbarstem Land.

Er brachte ein Stück seiner neuen Heimat zurück in die alte. Er ließ sieben Gutshäuser im Stil der Farmen Namibias bauen, weiß und breit, und gab den Höfen Namen von Bahnstationen aus Deutsch-Südwest, die ihm soviel Glück gebracht hatten. Und da sind sie, wie Perlen auf einer Schnur, wie Stationen einer weiteren Bahn, die er gebaut haben könnte. Nur ins Wasser, das zu Land wurde, nicht durch den Sand, der zum Weg wurde: Elisabethbay, Lüderitzbucht, Kolmannskuppe, Seeheim, Grasplatz, Keetmannshoop, Kalkfontain.

Und eine weitere Laune des Herrn Nissen sollte weithin leuchten und tut dies bis heute: Die Dächer, verfügte er, die Dächer sollten alle in der Farbe des Dachs des Hamburger Michels gestrichen werden, in hellem Grün. Ludwig erzählte, dass zwei Handwerksmeister, der eine Maler, der andere Tischler, von dem noch zu sprechen sein wird, eigens nach Hamburg fuhren und auf den Kirchturm des Michels stiegen, um den richtigen Farbton des angelaufenen Kupferdaches zu bekommen.

Bevor noch der Koog fertig eingedeicht worden war, vor gut 20 Jahren, war Herr Nissen gestorben. Ludwig hatte er uns dagelassen. Ob mein Vater wohl einen guten Knecht brauchen könne? »Arbeit gibt’s genug«, hatte mein Vater geantwortet.

Wir lebten auf unserem Hof wie auf unserem eigenen. Die Pacht wurde pünktlich bezahlt. Die Besitzerin, die Witwe Sönke Nissens, ließ sich nur selten sehen. Sie hatte wohl noch anderswo Besitz.

Immer wenn ich Angst bekam, hatte ich das Gefühl, meine Ohren wüchsen. Als ob mein Kopf ein wenig schrumpfte und die Ohren weiter ausgefahren würden. Wenn ich dann ganz stillhielt, konnte ich sie gut spüren, die Angst. Wenn es dunkel war, das machte mir nichts aus. Wenn der Sturm kam, die Flut hoch stieg, das schreckte mich nicht. Es war eher ein Sonntagmittagsgefühl von Einsamkeit. Wenn alle, auch Irene und Ludwig, meine Eltern, meine große Schwester, als sie noch bei uns lebte, zu Mittag schliefen. Wenn die Sonne die gute Stube warm machte, der Wind die Gardinen bewegte, dann konnte ich Angst kriegen. War ich als Einziger übrig? Waren die anderen tot?

Ich summte, singen wäre zu laut gewesen. Ich summte, schaffte es aber nicht, ein Lied oder nur eine Melodie zu fangen. Bis ich eine der drei Katzen sah, die auf ihrem Rundgang vorbeikam. Oder Scharik, den Hund, hörte, der sich von Fliegen ärgern ließ.

Manchmal träumte ich davon, dass ein Zug bei uns hielt. Ein dampfendes, rauchendes, rasselndes Ding, das am besten auch noch wahnwitzig laut pfiff. Es holte mich ab und fuhr auf gerader Strecke parallel zum Meer zum nächsten Hof, zur nächsten Station. Nach der siebten, Kalkfontain, pfiff der Zug erneut, ich beugte mich zum Fenster hinaus und hielt meinen Kopf in den Wind, sah drei, vier der Höfe noch hinter uns. Vor der Lokomotive aber lag leere, sandig-gelbe Strecke, von grauen Steinen bekörntes Land, die Luft war heiß, sie flimmerte. Und dann fuhr die Eisenbahn an.

Unser Koogsland war grün. Ich stellte mir manchmal vor, wie es von einem Flugzeug aus aussehen müsste. Grün, entschied ich. Natürlich. Auch die Dächer. Sie sollten wahrscheinlich wie Kupfer aussehen, das schon viele Jahre auf den wuchtigen weißen Häusern lag.

Sönke Nissen hatte diesem Ort nicht nur seine Erlebnisse mitgeben wollen durch die Bauweise der Häuser und die Namen, die in großen, schwarzen Buchstaben über den Eingangstüren standen. Er hatte ihnen auch eine Vergangenheit geben wollen. Ein bisschen Patina und Grünspan.

Und noch etwas ging mir mit den Jahren auf. Wir wohnten an einem Ort, der kein Punkt, sei er noch so groß, sondern eine Fläche war. Sönke-Nissen-Koog, das war unsere Adresse, aber es war eben doch nur die Summe der Höfe an den Feldern, ab und zu ein Haus an geradem Weg. Wie eine Gruppe von Inseln, die einen gemeinsamen Namen hatten.

Meine Schwester war erst im vergangenen Jahr ausgezogen. Ihr Mann, ein deutliches Hochdeutsch sprechender Düngemittelvertreter für den nördlichen Abschnitt, war mit ihr nach Elmshorn gezogen. Ich hatte mich, weil wir uns oft gestritten hatten, erst gefreut, dass sie ausgezogen war. Doch schon während der Hochzeitsfeier, die hier auf Elisabethbay gefeiert worden war, wurde mir der Triumph sauer.

Es war noch ein bisschen einsamer hier ohne sie. Zu ihr hatte ich gehen können, wenn ich abends noch etwas erzählen wollte. Sie konnte ich – neben Irene und Ludwig – etwas fragen, das ich meine Eltern nicht fragen wollte.

Sie schrieb regelmäßig. So regelmäßig, dass es uns allen auffiel, als die Briefe seltener kamen. Ich sollte sie, so war es an Weihnachten allgemein beschlossen worden, in den Sommerferien einmal besuchen. »Da hat der Junge doch Zeit, das kann er doch gut! Das ist doch auch für ihn interessant! Da wird er aber Augen machen, Euer Hannes, wirst Du doch sicher, was?«

Auf die konkrete Einladung wartete ich nicht mehr. Meine Mutter hatte das geplante und von allen Beteiligten für gut befundene Vorhaben bereits zweimal in ihren jüngsten Briefen angesprochen, aber keine Reaktion bekommen. Jeder Tag, an dem kein Brief mit einer Bestätigung kam, war mir deshalb recht. Meine Mutter dagegen, schon von beachtlichem körperlichen Umfang, hoffte immer noch, dass bald Post kam. Ebenso verabredet wie mein Besuch im großen Elmshorn war – Irene teilte mir auch das mit –, dass meine Schwester die Wochen vor und nach der Geburt hier bei uns sein sollte zur Unterstützung meiner Mutter.

4.

Ich hatte nichts verstanden. Besuch, ja gut, das kam vor. Ich fegte den Hof gemeinsam mit Ludwig, der aber nichts erzählen wollte, nicht einmal andeuten.

»Nun sag schon. Wer?«

Ludwig wandte sich mit seinem Besen immer wieder ab. Fand immer wieder neue Ecken und Kurven, die er fegen wollte. Ich hinterher.

»Ludwig, nun sag schon.«

Er räusperte sich: »Die Madame.«

Ich sah ihn fragend an. Er machte wieder ein paar Schwünge, sah sich dann um, ob mein Vater, der nicht nur mit mir streng war, uns nicht schwatzen sehen könnte.

»Die Madame, die Nissensche.«

Er fegte weiter, als wolle er die Zeit, die er mit den paar Worten vergeudet hatte, wieder einholen.

»Und was ist daran so besonders? Die kommt doch immer.«

»Im Herbst, nach der Ernte«, brummte Ludwig und wies mit dem Kopf auf das hochgelbe Feld gegenüber unserer Einfahrt.

»Und was ist jetzt?«

»Jetzt?«

»Sommer.«

Ich fegte ebenfalls ein paar Schwünge weiter, rätselnd, was seine Worte bedeuten könnten. Ludwig fegte sich an mich heran.

»Sie kommt nicht allein.« Er sah wieder zum Stall und zum Haus hinüber. »Bringt ihren Neuen mit. Den Schweden.«

Er sah mir ins Gesicht, nickte, als wolle er mein Begreifen damit anschubsen.

Und dann wurde er noch deutlicher: »Das heißt nichts Gutes, wenn die mit dem jetzt kommt. Die ist nett, ich kenn’ die noch von früher, von Nissen. Aber ihren Neuen nicht. Wenn die man nicht alles verkaufen will!«

Mehr sagte er nicht. Doch bei jedem Besenstrich wuchs nun auch in mir die Sorge.

Mein Vater war ebenfalls zunehmend nervös, je näher der Tag rückte, an dem der hohe Besuch kommen sollte.

Mein Geburtstag rückte auch immer näher. Ich argwöhnte an manchem Abend, an dem ich in meiner Dachkammer nicht einschlafen konnte, dass die Babys oder der kommende Besuch mir vielleicht meinen 12. Geburtstag verderben könnten. Oder alles zusammen, man konnte schließlich nie wissen, wie lange so ein Besuch blieb. Die Madame war immer nur ein paar Tage geblieben, manchmal hatte sie ihren erwachsenen Sohn mitgebracht, der wie sein Vater auch Sönke hieß. Richtig viel hatte der nicht geredet, aber es war ihm anzumerken, dass er einen richtigen Bauernhof nicht so oft sah.

Er trug eine gerade, steife Mütze mit glänzendem Schirm. Kein Vergleich zu der schiefen, gekniffenen, die ich auf dem Kopf trug.

Beim zweiten Mal, als er mitkam, hatte er mich angelächelt. Ich konnte merken, wie sehr er sich freute, mich zu sehen. Vielleicht nur, weil ich auch ein Sohn war, noch ein Junge, und er sich mir verbundener fühlte als den anderen Großen.

Als ich noch ein wenig kleiner war, kriegte ich manches durcheinander, wie das so ist. Dass er nun hieß wie sein Vater, beeindruckte mich noch nicht weiter, dergleichen kam auch bei uns häufiger vor. Aber, dass Sönke Nissen hieß wie das Land, auf dem wir wohnten, war für mich schon schwerer zu begreifen. Wie ein Prinz oder der Sohn eines Edelmannes, der sein Reich, dass er verloren hatte, ab und zu besuchte.

Ich überlegte, ob er vielleicht, wenn er noch größer wäre, uns vertreiben und seinen Hof wieder in Besitz nehmen würde. Dazu aber sah er zu nett aus.

An dem Nachmittag, es mag vielleicht eine halbe Stunde lang gewesen sein, dass er bei mir draußen vor der Tür gewesen war, während seine Mutter drinnen mit meinem Vater sprach, kamen wir nicht recht zueinander. Er sagte ab und zu etwas, fragte. Ich antwortete mit ein, zwei Worten. So hatten wir nicht unglücklich, aber meistenteils ohne zu sprechen beieinander gesessen.

5.

Mein Vater ließ Ludwig eine Flagge am Mast hissen. Der stand vor dem Haus zwischen den Ulmen, überragte die noch jungen Bäume aber deutlich. Es war eigentlich eine Gardinenstange. Wir hatten auch einen richtigen Fahnenmast, aber den hatte noch niemand in die Erde gebracht in den Jahren, die wir hier wohnten. Die Gardinenstange war auch weiß, und solange die Ulmen sie noch nicht vollkommen verdeckten oder ihre Höhe erreicht hatten, dachte wohl auch niemand an den langen Mast an der Scheunenseite, der dort, damit er nicht vermoderte, auf drei Stapeln von inzwischen schon grün bewachsenen Backsteinen lag.

»Nicht unsere, Lud’n«, hatte mein Vater gesagt, nicht streng, fast kumpelig. »Die schwedische. Hat Irene aufgebügelt.«

Ludwig taperte die zwei Stufen zur Tür und kam mit der sorgsam gefalteten blauen Fahne mit dem gelben Kreuz wieder.

»Gut, und nun: Rauf damit! Höher rauf!«

Sie kamen am späten Vormittag. Piekfeine Limousine, Fähnchen vorne, wie unsere, nur viel kleiner.

Meine Eltern empfingen, Irene bediente, trug auf und lächelte aus ihrer weiß gestärkten Schürze. Überhaupt schien sie die Einzige zu sein, die bester Laune war und in keiner Weise aufgeregt. Die Madame und ihr Neuer waren da. Der Sohn, auf den ich mich schon gefreut hatte, fehlte.

Karlsson, der Chauffeur, aß bei uns in der Küche. Er lächelte höflich in die Runde.

Erst der Kaffee nach dem Essen, ein Glas Weinbrand, das Irene ihm einschenkte, und eine Zigarette, die Ludwig wo auch immer hergezaubert hatte, brachten ihn zum Reden.

»Sind seit Wochen unterwegs. London, Hamburg, Berlin, wieder Schweden. Fliegen, Schiff und Auto.« Er war, wie sich herausstellte, nicht nur der Chauffeur von Birger Dahlerus, des neuen Mannes der Nissenschen, sondern auch dessen ständiger Begleiter. Sein Herr war Industrieller. Hatte Kontakte in vielen Ländern, sprach mehrere Sprachen, wie Karlsson auch. Hatte Geld. Und wie sich herausstellte, hatte er einen Plan.

Ich verstand nichts von Politik. Ich hatte in der Schule die anderen Zigarettenbildchen tauschen sehen mit Panzern und Flugzeugen. Und ich hatte so manches Mal Irenes und Ludwigs Zwiegespräch mitbekommen, was nun werden würde. Krieg oder nicht? Aber was wusste ich? Nichts.

Herr Dahlerus wollte Großes erreichen. Im Nachhinein kommt es mir noch irrsinniger und vergeblicher vor, als es damals war. Er wollte nichts weniger als den Krieg verhindern, der vor uns aufzog.

6.

Hitlers Politik der Einverleibung verschiedener Gebiete, im Allgemeinen Salamitaktik genannt, hatte, wie bekannt, ganz Europa empört und erstaunt, mit Ausnahme einiger Deutscher. Karlsson erzählte, Dahlerus sei im Frühjahr auf Reisen in England gewesen.

Er war ein Mann von fünfzig Jahren und hatte, so erzählte es uns Karlsson, in mehreren Ländern gelebt. In Deutschland, in England. Er war dort Direktor mehrerer Fabriken gewesen. »Kugellager und so.« Karlsson lächelte aus seinem blassen, schmalen Gesicht. »Jetzt hat er aber eine eigene Fabrik in Schweden.«

Er habe Freunde in England besucht und über Geschäfte geredet, wie immer. Als er dann aber nach Deutschland zurückkehrte, wunderte er sich, dass man hier offenbar nicht recht von der Entschlossenheit der Briten wüsste: Krieg, wenn es so weiterginge, mit den Deutschen.

Wieder in Berlin, hatte Dahlerus, plauderte Karlsson im muntersten Deutsch, dem man nur manchmal das Angelernte anmerkte, den Kontakt zu Göring gesucht.

»Den kannte der Herr Dahlerus schon«, sagte Karlsson fast stolz. Er sprach immer, wenn er von seinem Herrn sprach von dem »Herrn Dahlerus«, voller Respekt und Zuneigung.

»Als die Frau Dahlerus noch Frau Nissen war ...«, er wartete, schaute nacheinander in unsere Gesichter, wohl um zu sehen, ob wir folgen konnten. »Es gab Probleme mit der Heirat und dem Geld. Frau Nissen sollte durch die Heirat alles Geld verlieren. Weil der Herr Dahlerus Schwede ist. Und da hat er sich an Göring gewandt.«

Später habe Göring Dahlerus wohl ebenso um einen Gefallen gebeten. Sein Stiefsohn Thomas arbeitete in Schweden, sei überhaupt Schwede, wie Görings verstorbene Frau auch. Der nun habe Hilfe benötigt bei einer Anstellung, und die habe der Herr Dahlerus gerne gewährt.

Karlsson war nett, ich mochte ihn. Wer ein bisschen verschlossener war, das war sein Chauffeurskollege Johansson, den ich wenig später auch noch kennenlernen durfte. Noch höher gewachsen, hatte immer Zigaretten, türkische, sagte er zumindest, knapp und kühl lächelnd, als ich ihn danach fragte. Rauchte sie mit schwarzer Spitze, was ihn noch länger zu machen schien.

Herr Dahlerus war ein grauer Mann, Anzug, Weste, goldene Uhr. Er trug seine Haare pomadisiert, wie das bei uns sonst nur der Mann von der Brandkasse tat. Oben war es noch schwarz, an den Seiten aber ebenfalls grau. Er trug rote Wangen zur Schau, blickte aus messenden Augen in die Welt und hatte ein angenehme Stimme.

»Der ist jedenfalls kein Bauer«, hatte Ludwig mir zugeraunt, als die Nissensche und er aus Karlssons Limousine gestiegen waren.

7.

Es dauerte lange, bis mein Vater mit unseren Gästen wieder auftauchte. Ausgerechnet in der Küche, was lautstarkes Kratzen und Knarzen von Schemel-, Bank- und Stuhlbeinen über den Steinfußboden zur Folge hatte. Alle waren aufgestanden.

Mein Vater hob beschwichtigend die Hände.

Herr Dahlerus und seine Frau standen erwartungsvoll hinter ihm. Sie nickte Ludwig zu, dem alten Bekannten.

»Irene, sag, wieviele Gäste könnten wir hier ohne Hilfe bewirten und unterbringen?«

Meinem Vater musste die Antwort klar gewesen sein. Nicht nur, weil er Irene nun einmal kannte und noch mehr unseren Hof.

Die Falschheit lag schon in seiner Frage, ich konnte es hören. So sprach er sonst nie, auch nicht mit Irene, die zweifellos von allen Bediensteten seine größte Achtung hatte.

»Zehn Gäste doch wohl, sicher auch mehr, wenn wir ein paar Tage zur Vorbereitung haben«, sagte Irene mit fester Stimme, die ein bisschen höher klang als sonst.

Mein Vater wandte sich um. »Wie ich schon sagte, hier finden Sie die allerbesten Voraussetzungen für ein Treffen vor. Wir können hier sogar weit mehr Gäste auf das Beste versorgen und bedienen. Dafür bürge ich!«

Mein Vater streckte mit ausladender Geste seine Hand zu Irene hin aus und machte in Richtung von Herrn Dahlerus eine kurze Verbeugung.

»Danke, Herr Bahnsen, das ist sehr wichtig. Wir wollen noch einmal mit uns überlegen.«

Wie Karlsson sprach auch Herr Dahlerus manchmal nicht mit falschen, aber in ungebräuchlichen Wortverbindungen, die sich umso mehr einprägten.

Sie verließen die Küche langsam. Gemurmel. Meine Mutter kam, als sie alle in der guten Stube verschwunden waren. Sie war ganz aufgeregt.

»Irene, Kaffee, Cognac, Zigarren, unverzüglich und vom Besten. Hier geht es um etwas ganz Großes. Los.«

Meine Mutter, die sonst gar nicht unpraktisch war und Arbeit in der Küche nicht nur vom Zuschauen kannte, lief ziellos einmal um den langen Tisch, um die Küche dann, ohne weiter etwas zu tun, wieder zu verlassen.

8.

Es sollte ein Treffen auf unserem Hof stattfinden. Ich durfte nichts wissen und war doch beteiligt bei all den Vorbereitungen. Mein Vater stockte mehrfach, wenn er mit meiner Mutter über das bevorstehende Ereignis sprach. Er brach ab und murmelte entweder »besprechen wir später«, oder er nickte meiner Mutter zu, die mir eine Bitte zuhauchte, ich möge ihr doch bitte, bitte ihre Stola, ihr kleines Adressbuch oder sonst etwas suchen oder holen, ich wäre doch so nett? Ich ging und versuchte, die Demütigung nicht zu sehr in mein Inneres sickern zu lassen.

Ich bekam dennoch genug mit. Ich hatte Irene und Ludwig und ich konnte gut zuhören. Was ich aber noch besser konnte, war, mich am Küchentisch unsichtbar zu machen. Ich konnte mit dem Küchenmesser noch und noch kleine und kleinere Stückchen aus den Kartoffelschalen schnitzen, aus den abgenippelten Bohnen kleine Türmchen stapeln, die alsbald wieder einstürzten.

Irene war aufgeregt, das gab es nicht so oft. Sie glich sich sonst in ihrer Ruhe dem Dampf des Kaffees an, der morgens von ihrer Tasse aufstieg. Für gewöhnlich. Nun aber war sie unruhig.

Ludwig strich ihr, was er sich und ihnen beiden nur selten am Tage und vor anderen, auch vor mir, kaum gestattete, sanft über den Arm und den Rücken. Er brummte dazu aufmunternd.

Mein Vater hatte nach einigen Tagen wohl eingesehen, dass er mich zumindest teilweise einweihen musste. Soviel wusste ich: Es sollten Herrschaften kommen. Aus dem Ausland.

»Schweden?«, fragte ich.

»Nein, von woanders«, war seine Antwort.

Ich wurde daraus nicht schlau. Aber sei’s drum. Möbel wurden benötigt, denn sie sollten über Nacht bleiben.

»Zehn bis zwölf Gäste, Herren«, sagte mein Vater.

Betten, Stühle und ein großer Tisch, der in unserer Wohnstube aufgestellt werden sollte.

Karlsson würde in einigen Tagen noch einmal kommen, um uns zu helfen. Und wohl auch, um ein waches Auge darauf zu haben, ob alles im Sinne des Herrn Dahlerus lief. Ich sollte ihm keine unnötigen Fragen stellen und nicht durch Frechheiten die Lage erschweren. Dieser Zusatz kam von meiner Mutter, was mich besonders empörte. Denn sie formulierte es nicht, wie ich es angemessen gefunden hätte, wie eine Warnung, sondern wie eine Herzensbitte, die ich ihr nicht abschlagen könne.

Ihr Bauch war rund und ragte weit nach vorn.

9.

Karlsson kam an einem Freitag. Meinem Vater war telegrafiert worden.

Ob nun wieder die Flagge am kleinen Mast aufgezogen werden solle? Nein, entgegnete mein Vater, das sei wohl nicht nötig. Er hatte seinen schnarrenden, scharfen Tonfall abgelegt und sprach nachdenklich und gedämpft wie zu Komplizen.

Karlsson war lange ohne Pause gefahren, er sah müde aus. Er bedankte sich fast nach jedem Satz, den mein Vater oder Irene an ihn richteten. Er konnte in einem unserer Gästezimmer schlafen, das im Erdgeschoss lag.

Was er mit meinem Vater besprach, weiß ich nicht im Einzelnen. Es wird um bestimmte Voraussetzungen und Verabredungen gegangen sein, um Maßnahmen zur Vorsicht, um den Ablauf und was weiß ich noch.

An seinem zweiten Abend bei uns ging ich nach dem Abendbrot in die Küche. Ich hatte noch ein paar Minuten, bis mich jemand ins Bett schicken würde. Ich nutzte die Zeit sonst oft und ging zu Scharik nach draußen. Aber in diesen Tagen versuchte ich noch öfter, als ich es sonst schon tat, in der Küche etwas mitzukriegen von dem, was die Erwachsenen sprachen. Meine Eltern duldeten mich bei solchen Gesprächen nicht in ihrer Nähe. Meine Mutter, die stets um ein gutes Wort bemüht war, drückte mir sogar einmal das dicke Wilhelm-Busch-Hausbuch in die Hand, das ich so gern hatte, und flüsterte mir zu, ich könne es mit in meine Kammer nehmen, ausnahmsweise.

Heute Abend ging ich in die Küche. Irene setzte ein Lächeln von den Augenbrauen bis zum Kinn in ihr Mondgesicht und nickte mir zu, Ludwig paffte, ich spürte es genau, eine Wolke in meine Richtung.

Karlsson saß wie schon bei seinem ersten Besuch mit Herrn Dahlerus mit den anderen zusammen. Er hatte seine blaue Uniformjacke abgelegt und rauchte eine Zigarette. Er deutete an, sich zu erheben, als er mich sah. Irene hob aber beruhigend die flache Hand und zog, ohne ein weiteres Wort zu sagen, den blauen Wollfaden nach, den sie mit zwei langen Nadeln verstrickte.

Ich holte mir den Hocker, stellte ihn neben den Armlehnstuhl, auf dem Ludwig saß, und nahm Platz.

»Ja, dieses Land ist gewonnen. Dem Meer abgetrotzt, über Jahrhunderte. Darauf, Herr Karlsson, sind die Menschen hier auch bannig stolz, nicht wahr, Hannes?«

Ich nickte mich in die laufende Unterhaltung hinein.

»Ein gewonnenes Land, das klingt, als habe man bei einem Glücksspiel gewonnen.« Karlsson hob den Bierhumpen zu einem Prosit in die Luft, wartete auf Ludwig, der es ihm nachtat, und suchte den Kontakt zu Irene, die ihre Nadeln wie mit gefesselten Händen mit einem Auflachen hob.

»Gewonnen. Ja, vielleicht ist das gar nicht so ein guter Begriff. Es war sicher ein Glück, aber ein Spiel war es nicht.«

Ludwig setzte sich ein wenig vor. »Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen, wenn Sie erlauben.«

Karlsson nickte zustimmend.

»Das Land, in dem ich früher gearbeitet habe, das war in diesem Sinne wirklich gewonnen, wie in einem Glücksspiel.« Ludwig genoss die fragenden Blicke Karlssons.

»Ich habe früher beim Eisenbahnbau in Deutsch-Südwest gearbeitet, müssen Sie wissen.«

Irene pustete hörbar in ihren Teebecher. Sie mochte es nicht, wenn sich Ludwig so spreizte. Schon gar nicht vor Fremden.

Karlsson fragte nach, wie es sich Ludwig gewünscht hatte. Der versenkte seinen Stopfer in der Pfeife und erzählte von früher. Diesmal nicht von den Diamanten, wie ich zunächst erwartet hatte.

»Der alte Lüderitz ist wenigstens dann noch ertrunken, haben die immer erzählt. Offiziell heißt es natürlich verschollen. Der war es, der das Gebiet Südwest für Deutschland ergaunerte.«

»Sie müssten mir, ich möchte Sie bitten, die Geschichte ganz erzählen, sonst bleiben Ihre Worte wie ein Rätsel.« Karlsson lachte ein warmes Lachen. Ludwig guckte einen Moment lang gespielt erstaunt, deutete eine Verbeugung an als Zeichen, dass es ihm recht sei. Karlsson wiederum zeigte seine Handflächen, als Zeichen, dass er bereit sei. Ich machte mich so unsichtbar wie möglich, denn ich fürchtete, bemerkt und weggeschickt zu werden.

»Die Deutschen hatten ja lange keine Kolonien gewollt. Aber Geschäfte machen, dass wollten sie dann doch. Da war also dieser tüchtige Geschäftsmann aus Bremen, Adolf Lüderitz mit Namen ...« Ludwig machte eine Pause, um zu sehen, ob wir, besonders Karlsson, noch folgten. Taten wir.

»Der kriegte einen Tipp, dass da unten noch ein Stück Land quasi ohne Besitzer war. Oder nur bewohnt von den Hottentotten.«

»Und das war das spätere Deutsch-Südwest-Afrika.« Es war aus mir herausgeplatzt. Nichts, das ich beabsichtigt hätte. Ich wollte nur, dass Ludwig endlich weitererzählte.

»Ja, pass auf. Lüderitz machte einen Vertrag mit den Hottentotten. Mit dem Häuptling. Dass er ihnen soundso viele Meilen abkaufte. Für ein paar hundert Kröten und ein paar hundert Gewehre. Dazu schenkte er den Hottentotten noch ein paar bunte Gardeuniformen. Nicht viele, nur für die Häuptlinge und Unterhäuptlinge. Und jetzt kommt es.« Ludwig beugte sich noch ein wenig vor, damit wir auch alle zuhörten, was wir längst gespannt taten.

»Der Trick an der Sache war: Er ließ offen, ob er mit den im Vertrag gemeinten Meilen nun deutsche oder englische meinte.«

»Wo liegt der Unterschied?«, fragte Karlsson.

»Die englische bedeutet eintausendachthundert Meter, die deutsche siebentausendfünfhundert.«

»Er hat ihn getäuscht.«

»Ja, er hat ihn über’s Ohr gehauen.«

»Über’s Ohr?«

In der Tür stand meine Mutter. »Hannes!«

10.

Es war wiederum zwei Tage später, da gestand ich mir ein, dass Karlsson mich störte. Er war da, das genügte. Ich merkte seine Anwesenheit jede Stunde. Nicht nur, weil ich dann und wann das Zimmer verlassen musste, weil sich die Erwachsenen unterhalten wollten, ohne dass ich zuhören durfte. Damit kam ich zurecht.

Aber er war einfach überall. Bei meiner Mutter, höflich, zurückhaltend, zuvorkommend, bei meinem Vater, höflich, aber bestimmt. Die beiden maßen sich. Meinem Vater konnte ich es an der Stirnfalte ablesen, dass er sich seine Freundlichkeit manches Mal abrang. Und Ludwig und Irene waren auch mit Beschlag belegt. Zumindest so oft, dass es mich störte.

Ich ging mehr und mehr allein hinaus. Zu den Ziegen. Fütterte die Hühner aus Zeitvertreib, obwohl Irene das schon gemacht hatte. Ärgerte Scharik, dass er bellend an seiner Kette zog.

Ich setzte mich öfter als sonst hinter das Haus. Hier liefen manchmal die Schafe, wenn das Gras aber kurz genug war, war hier der Wäscheplatz.

Ganz am Rand, vor dem Graben, der unser Grundstück zum Kornfeld dahinter begrenzte, war mein Platz. Ein schmaler Tisch, auf zwei wacklige Beine genagelt. Die hielten die Platte auf der einen Seite, ein hüfthoch stehener Baumstumpf auf der anderen. Ludwig hatte den Tisch einmal gebaut. Ihn habe der abgeschlagene Baum gereizt, hatte er mir erklärt.

Meinen Vater interessierte nicht, was in diesem Teil des Grundstücks geschah, meine Mutter übersah das Tischchen ebenfalls. Und Irene? Die hängte, wann immer sich eine Gelegenheit dazu bot, große Laken, Bettbezüge, Tischdecken oder etwas ähnlich Großes auf die Leine, was das Tischchen zum Haus hin abschirmte. Hier konnte man allein sein.

Ich hatte mich oft an diesen Platz gesetzt und mein Notizbuch herausgenommen. Es war ein Taschenkalender meines Vaters. Zwölf Jahre alt, fast unbeschrieben. Nur der Name meines Vaters stand in kleiner, schöner Schrift vorn drin. Dazu einige Nummern und Abkürzungen in den ersten drei Monaten. Der Rest war freigeblieben.

Ich arbeitete das nach. Ich malte, skizzierte. Pauste Umrisse einer Muschel ab, machte Bleistiftzeichnungen von seltenen Federn, die ich am Spülsaum gefunden hatte. Wie ein Südseeforscher, der einer neu entdeckten oder seltenen Spezies auf der Spur ist.

Ich schrieb auch dann und wann etwas hinein, vermerkte, wann ich auf dem Michaelimarkt gewesen war und was für ein Glück ich an der Losbude gehabt hatte: ein kleines Modellschiff!

Und auch sonst war das Notizbuch unverzichtbar und wunderbar.

Ich holte es mir manchmal schon vor dem Mittagessen aus meiner Kammer, dazu den kleinen Bleistift mit der silbernen Kappe, die die Spitze schonen sollte. Sie war aus Blech, glänzte aber silbern. Das war ein Geschenk meiner großen Schwester gewesen, als ich ein Jahr in der Schule war. Sie war der Meinung, nun sei ich alt genug für so ein Geschenk.

Während des Essens verbarg ich das kleine, biegsame Notizbuch in meinem Strumpf. Niemand hatte je etwas gemerkt.

Und wenn sich dann alle, vor allem am Sonntag, zur Mittagsstunde hinlegten, verschwand ich nach einer angemessenen Wartezeit auf meinen Platz.

Sieben Bäume standen vor ihm. Sieben noch schmale, sich im Westwind biegende Stämme, grüne Kronen, nur einige ein bisschen höher als ich. Auch die Bäume waren noch jung, so jung wie das Land.

Heute saß er dort. Karlsson. Er hockte breit mit den Beinen auf verschiedenen Seiten, bemerkte mich sofort und winkte mir freundlich zu. Alle hatten sich zurückgezogen. Ich war erst am Vormittag hier gewesen, ich wollte zurückkehren an meinen Arbeitsplatz.

Karlsson hatte sich einen gläsernen Aschenbecher mit nach draußen genommen. Er fuhr sich mit der Hand über seine kurzen, blonden Haare. Er rauchte und winkte mir lächelnd zu, dass ich zu ihm kommen solle. Ich stand noch immer wie angenagelt vor der Hintertür.

Dann ging ich und spürte mein Notizbuch an meiner Wade schlackern.

»Hast Du vielleicht einen Bleistift?«

»Wie bitte?«

»Kannst Du mir vielleicht einen Bleistift besorgen. Ich möchte gern hier«, er wies auf einen großen Bogen Papier, der vor ihm lag, »ein paar Aufschreibungen machen.«

Das Papier war breiter als der Tisch und hing vorn und hinten hinunter.

»Kannst Du?«

»Ja, ich habe einen.«

»Gut.« Karlsson blies den Rauch in sein grinsendes Gesicht, der Wind fegte ihn sogleich wieder fort.

Ich trat an ihn heran, nahm mein Notizbuch aus dem Strumpf, dann den mittellangen Bleistift aus der Lasche des Buchumschlages.

»Danke. Gutes Versteck.«

Eine Antwort schaffte ich nicht, nahm aber mein Entgegenkommen als selbsterteilte Erlaubnis, Karlsson zuzuschauen, was er nun machen würde.

Mit kurzen, geschickten Strichen zeichnete er. Grundrisse, verstand ich später. Die verschiedenen Räume unseres Hauses, die Stockwerke mit den Kammern, die große Diele unten, die gute Stube.

Auch meine Kammer zeichnete er ein. Und dann schrieb er mit leichter Hand und dem Bleistift zwischen den Fingern Nummern in die Zimmer und Kammern. Gast 1, Gast 2 und so weiter.

Er zeichnete eine lange Tafel in die Diele. Stühle. Machte einen Pfeil an die Seite, um eine Art Legende anzulegen, schrieb Zahlen und an manchen Stellen Fragezeichen dahinter.

Das war sein Arbeitsplan. Wer immer sich bei uns treffen sollte, so würde es aussehen.

Karlsson wandte sich an mich. »Dürfen wir Dein Zimmer ausleihen?«

Ich musste grinsen und nickte dann.

»Das ist gut. Das ist sehr gut.«

Karlsson arbeite konzentriert weiter und richtete dann und wann eine Frage an mich. Freundlich, aber ernst, warm im Tonfall, aber konzentriert: »Habt Ihr noch Stühle woanders?« – »Gibt es einen Vorratskeller?« – »Mögen die Deutschen eigentlich schwedisches Essen?« – und manche mehr.

Ich antwortete, so gut ich konnte. Meist juckte es mich, ihm gleichfalls eine Frage zu stellen, und manches Mal hielt ich mich nicht zurück.

»Wer trifft sich bei uns?«

»Das ist geheim.«

»Und Sie, Sie sind auch im Geheimen hier?«

»Ja. Gewissermaßen. Das bin ich wohl.«

»Nicht für mich.«

»Das stimmt, bist ein kluger Junge.« Karlsson nahm noch eine Zigarette aus seiner schwedischen Packung und steckte sie routiniert mit einem Streichholz an.

»Darf ich die mal sehen?«

»Die Streichhölzer oder die Zigaretten?«

»Beides, bitte.« Ich wurde ein wenig rot. »Ich will mir nur die Packungen ansehen. Sind doch aus Schweden.«

Karlsson lachte, kriegte sich aber taktvoll zügig wieder in den Griff und reichte mir beides aus seiner Jackentasche.

»Kennst Du den Göring?«

»Wen?«

»Hermann Göring.«

»Ja, schon.«

»Sprecht Ihr zu Hause oft über ihn. Oder über Hitler?«

»Nicht so oft.« Ich fühlte mich ein wenig in den Nebel geführt. Mehr würde ich nicht sagen.

Aber Karlsson wollte mich gar nicht in erster Linie aushorchen. »Das ist so geheim, dass es nicht einmal die wichtigsten Menschen wissen, die ich kenne.«

»Was?«

»Das, was ich Dir jetzt erzählen werde. Aber nur, wenn Du es nicht weitererzählst.«

Ich schwieg. Was war hier los? Ein Treffen? Was meinte dieser grinsende, blonde Chauffeur? Karlsson schien meine Verwirrung zu bemerken.

»Ich will jemanden um Rat fragen, weißt Du. Ich habe eine wichtige und ernste Sache zu erledigen. Und mir wäre wohler, wenn ich manches einmal erzählen könnte.«

Ich nickte, war mir aber immer noch nicht sicher, ob ich ihm vertrauen konnte.

Karlsson tippte mit meinem Bleistift auf den Plan. »Meinst Du, Göring könnte hier sitzen. Oder ist es besser, er sitzt mit dem Rücken zum Fenster?«

»Kommt er alleine?«

»Nein, er wird sicher ein paar seine Adjutanten mitbringen. Wahrscheinlich zwei. Sonst niemanden. Sie werden aber nicht direkt mit an der Tafel sitzen. Das würde bei den anderen Gästen sicher nicht positiv ankommen.«

»Nicht gut. Nicht gut ankommen.«

Karlsson blickte fragend, dann begriff er. »Gut ankommen. Richtig!«

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