Kitabı oku: «30 Minuten Transformationales Führen»

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Olaf Kortmann

30 Minuten

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Umschlaggestaltung: die imprimatur, Hainburg

Umschlagkonzept: Martin Zech Design, Bremen

Lektorat: Eva Gößwein, Berlin

Illustration: Christian Thamm, Hamburg

Grafik: Nicole Arndt, Hamburg

© 2016 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

Das E-Book basiert auf dem 2016 erschienenen Buchtitel »30 Minuten Transformationales Führen« von Olaf Kortmann, ©2016 GABAL Verlag GmbH, Offenbach

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Hinweis:

Das Buch ist sorgfältig erarbeitet worden. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autor noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gemachten Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-739-2

ISBN epub 978-3-95623-425-5

In 30 Minuten wissen Sie mehr!

Dieses Buch ist so konzipiert, dass Sie in kurzer Zeit prägnante und fundierte Informationen aufnehmen können. Mithilfe eines Leitsystems werden Sie durch das Buch geführt. Es erlaubt Ihnen, innerhalb Ihres persönlichen Zeitkontingents (von 10 bis 30 Minuten) das Wesentliche zu erfassen.

Kurze Lesezeit

In 30 Minuten können Sie das ganze Buch lesen. Wenn Sie weniger Zeit haben, lesen Sie gezielt nur die Stellen, die für Sie wichtige Informationen beinhalten.

Alle wichtigen Informationen sind blau gedruckt.


Zahlreiche Zusammenfassungen innerhalb der Kapitel erlauben das schnelle Querlesen.

Ein Fast Reader am Ende des Buches fasst alle wichtigen Aspekte zusammen.

Inhalt

Vorwort

1. Gesellschaft und Führung im Wandel

Veränderung als Konstante

Der demografische Wandel

Wertedynamik

Management von Vielfalt

Neue Kommunikationstechnologien

Unsere Zukunft: Industrie 4.0

2. Transaktionale Führung

Vom Manager zum Leader

Der transaktionale Regelkreis

Die sieben transaktionalen Führungswerkzeuge

Grenzen transaktionaler Führung

3. Transformationale Führung

Einfluss durch Vorbildwirkung

Motivation durch Inspiration

Anregung von Eigenverantwortung

Individuelle Unterstützung und Förderung

Reflexion des eigenen Führungsverständnisses

Grenzen transformationaler Führung

4. Transaktional-transformational: Die Mischung macht’s!

Der Führungsbaum

Die Stellhebel wirksamer Führung

Führung ist gegenseitige Beeinflussung

Erste Schritte zur Umsetzung

Transformationale Führung hält gesund

Fast Reader

Der Autor

Weiterführende Literatur

Vorwort

Häufig stellen mir Führungskräfte in Seminaren die Frage: „Wie motiviere ich denn am effektivsten?“ Sie glauben, dass es eine bestimmte Methode gäbe, um ihre Mitarbeiter oder ihr Team „so richtig in Schwung zu bringen“. Schon durch das Interesse an dieser Frage wird klar, dass es für erfolgreiche „Leader“ heute längst nicht mehr ausreicht, fachlich und technisch kompetent zu sein.

Dennoch übernehmen die meisten der heutigen Führungskräfte vorrangig aufgrund ihrer eigenen fachlichen Kompetenz und ihrer Erfahrungen eine Leitungsfunktion. Ausgestattet mit erstklassigem fachlichem Know-how haben sie jedoch selten gelernt, „sozial kompetent“ Fähigkeiten und Wissen an Dritte weiterzugeben. So hoffen sie immer noch auf ein fertiges Patentrezept für den Umgang mit Menschen.

Während der Seminare zeigt sich dann, dass viele Führungskräfte zur Leistungssteigerung bereits ein persönliches System entwickelt haben, das irgendwo zwischen Belohnung und Strafe liegt. Aber irgendwie will es nicht so richtig gelingen. Immer wieder treten Situationen ein, in denen den Mitarbeitern die Begeisterung fehlt, weil ein Zwischenziel nicht erreicht werden konnte oder ein routiniertes, lang antrainiertes Muster nicht abrufbar ist.

Solche Situationen erfordern von jeder Führungskraft, sich über herkömmliche Qualitätsanforderungen hinaus mit dem transformationalen Führen zu beschäftigen.

Ich möchte der umfangreichen Führungsliteratur nun kein neues theoretisches Modell hinzufügen, sondern Ihnen eine Wegbegleitung zum transformationalen Leader an die Hand geben. Meine Erfahrungen aus Kulturentwicklungsprozessen, Seminaren und Workshops machen deutlich: Ideal ist eine Synthese aus maximaler transformationaler Führung und moderater transaktionaler Führung. Was das ist, wie man damit umgeht und was das letztendlich für den Führungs-Praktiker bedeutet, erfahren Sie in diesem Buch.

Es geht mir nicht darum, Führung zu vereinheitlichen. Vielmehr sollten schon bestehende Ansätze transformationaler Prinzipien im Führungsverhalten entdeckt und weiterentwickelt werden. Es braucht sich niemand neu zu erfinden. Führungs-Persönlichkeiten sollten aber bereit sein, neue Möglichkeiten zu erkunden und ihre Ressourcen zu erweitern.

Ich danke allen Freunden, Trainerkollegen, Personalern und Führungskräften, die mich in vielen Diskussionen bereichert, mich zum Schreiben ermutigt haben und deren Gedanken in dieses Buch eingegangen sind. Und Christian Thamm, der die Worte mit seinen schönen Illustrationen bebildert hat.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen

Ihr Olaf Kortmann

1. Gesellschaft und Führung im Wandel

Die Wirksamkeit des Konzeptes der transformationalen Führung ist darauf zurückzuführen, dass es Führungskräften ermöglicht, auch in schwierigen Situationen, die von Veränderungen, Wandel und neuen Anforderungen geprägt sind, Mitarbeiter zu begeistern und hervorragende Leistungen zu erzielen.

Transformationale Führung zielt darauf ab, Werte und Einstellungen von Mitarbeitern zu „transformieren“ (lateinisch transformare = umformen, umgestalten) und dadurch deren intrinsische Motivation zu steigern. Denn in Zukunft werden Führungskräfte auch daran gemessen werden, inwieweit sich ihr Führungsverhalten vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Trends und Entwicklungen als effektiv erweist. Doch welche gesellschaftlichen Themen und Einflussfaktoren werden für Führungskräfte besonders relevant sein?

1.1 Veränderung als Konstante

Das gesellschaftliche Umfeld von Unternehmen ist einem stetigen Wandel unterworfen. Unternehmen müssen sich deshalb an vielfältige Bedingungen anpassen. Globale Konkurrenzkämpfe und ein erhöhter Wettbewerbsdruck, Machtverschiebungen in der Weltwirtschaft, Markteinbrüche und technologische Entwicklungen erfordern eine permanente Neuausrichtung und ein hohes Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Organisationen und den in ihnen arbeitenden Menschen. Und das Veränderungstempo hat radikal zugenommen.

Auch die Arbeitswelt verändert sich rasant – technologisch, ökonomisch und sozial. Beide Kompetenzen – Flexibilität und Anpassungsfähigkeit – helfen, mit der wachsenden Komplexität und der damit verbundenen Unsicherheit besser umgehen zu können. Sie haben aber auch Auswirkungen auf die organisationale Struktur eines Unternehmens.

Führungskräfte als Veränderungs-Coaches

Führungskräften kommt immer mehr die besondere Rolle des „Veränderungs-Coaches“ zu. Sie sollen Mitarbeiter dabei unterstützen, ihre Kompetenzen auszubauen, um oben beschriebene Veränderungs- und Innovationsprozesse erfolgreich bewältigen zu können. Veränderungsorientierte transformationale Führung nimmt so Einfluss auf die Struktur und Kultur einer Organisation und unterstützt diese bei der Anpassung an veränderte Umweltbedingungen.


Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind heutzutage angesichts des hohen Veränderungstempos wichtiger denn je. Transformationale Führung ermöglicht es, Veränderungs- und Innovationsprozesse erfolgreich zu begleiten.

1.2 Der demografische Wandel

Die Altersstruktur in der Bundesrepublik stellt Unternehmen vor große Herausforderungen bei der Personalplanung und -beschaffung. Deutschland erwartet einen Mangel an Fachkräften und einen immer höheren Anteil an älteren Beschäftigten. So wird es für gut ausgebildete Mitarbeiter viele berufliche Wahlmöglichkeiten geben.

Im Vergleich zu früheren Zeiten bleibt heute fast niemand mehr sein Leben lang in ein und demselben Unternehmen. Eine große Bedeutung kommt im Wettbewerb um Fachkräfte somit der Attraktivität und dem Image von Unternehmen zu. Um Mitarbeiter zu gewinnen, langfristig zu binden und sich gegen Wettbewerber durchzusetzen, muss ein Unternehmen deshalb auch verstärkt in seine sozialen Initiativen investieren.

Führungskräfte als Vermittler

Und hier kommt den Führungskräften eine besondere Rolle zu. In ihrer Vermittlerrolle zwischen den Anforderungen der Organisation und den Wünschen der Mitarbeiter müssen sie sich um mehr persönliche Bindung bemühen, um die Mitarbeiter zu halten und zu integrieren. Denn die Wahlmöglichkeiten geben den Mitarbeitern mehr Unabhängigkeit und haben somit Auswirkungen auf die soziale Beziehungsgestaltung zwischen Führungskräften und Mitarbeitern.

Da die Bevölkerung schrumpft und altert, wird es immer wichtiger, auch die Beschäftigungsfähigkeit einer alternden Belegschaft sicherzustellen. Die Unternehmen müssen sehen, wie sie ältere Mitarbeiter besser integrieren, gesund halten und vorhandene Arbeitskraftpotenziale sowie stille Reserven besser nutzen.

Führungskräfte müssen den vorhandenen Grad der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der älteren Mitarbeiter richtig erkennen, einschätzen und geschickt mit den Fähigkeiten der jüngeren Teammitglieder verknüpfen. Dazu benötigen sie hohes Einfühlungsvermögen und neben der reinen Führungsintelligenz auch die kommunikative Intelligenz, mit den diversen „Playern“ in den verschiedenen Teams verbal adäquat in Kontakt zu treten.

Aktive und effektive transformationale Führung stellt sich für Organisationen als wichtiger Schlüssel dar, um mit diesen Herausforderungen umzugehen und sie in Stärken zu verwandeln.


Unternehmen müssen sich zukünftig verstärkt bemühen, für Fachkräfte attraktiv zu bleiben. Zudem gilt es, auch die Potenziale älterer Mitarbeiter zu nutzen. Führungskräften kommt angesichts dieser Herausforderungen eine Vermittlerrolle zu.

1.3 Wertedynamik

Jede Generation von Arbeitskräften verfügt über eigene Werte und Lebenseinstellungen. Und gerade unsere junge Nachwuchsgeneration stellt Selbstverständliches im Arbeitsleben infrage und leitet einen Wertewandel ein.

Waren Status und Geld für die Anschaffung des ersten Kleinwagens Antreiber für eine hohe Arbeitsleistung früherer Generationen und unterstützten Werte wie Gehorsam und Disziplin in Form von Stempeluhren diesen Arbeitsethos, so fragen Nachwuchskräfte heute verstärkt nach der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit sowie von Abläufen und Strukturen. Perspektiven, Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit und individuelle Lebenslust haben eine hohe Priorität.

Themen und Begriffe wie Life-Balance, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Unterstützung bei der Kinderbetreuung, Teilzeit, Lebensarbeitszeitmodelle, Elternzeit, Sabbatical und Homeoffice sind aus der heutigen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken und werden in ihrer Bedeutsamkeit noch weiter wachsen.

Neben den vielfältigen Teilzeit-Modellen etablieren sich immer mehr an der direkten Nachfrage orientierte Arbeitsverträge, die sogenannten Job-on-Demand-Modelle (Arbeit auf Abruf). Das wiederum fördert den sozialen Pragmatismus und nicht die gewünschte Loyalität. Die Fluktuation steigt. Die Leistungsträger von morgen sind nicht nur anspruchsvoller als ihre Vorgänger, sie sind auch unabhängiger. Erfüllt ein Arbeitgeber oder ein Arbeitsfeld ihre Erwartungen nicht, wechseln sie zu einem Wettbewerber.

Führungskräfte als Lernende

Obwohl die dazugehörigen Konzepte immer noch nicht voll akzeptiert und ausgereift sind, verlangen diese neuen Anforderungen der Mitarbeiter Veränderungen in den Arbeitsbedingungen und insbesondere ein völlig anderes Verständnis von Mitarbeiterführung. Um langfristig Zufriedenheit und Identifikation mit dem Unternehmen zu gewährleisten, sollte der Mitarbeiter nicht nur als Befehlsempfänger gesehen werden. Der Rückgang betriebsbezogener Bindungen verlangt nach Ausgleich durch personale transformationale Führung. Führungskräfte werden Mitarbeitern mehr Freiraum geben, sie aktiv in die Organisation einbinden und die intrinsisch motivierenden Aspekte einer Arbeitsaufgabe betonen müssen. Zudem müssen sie bereit sein, ihr eigenes (Führungs-)Verhalten zu hinterfragen. Oder anders formuliert: Die Führungskräfte müssen sich auch selbst als Lernende begreifen.


Nachwuchskräfte hinterfragen zunehmend die klassischen Arbeitsbedingungen und Strukturen, zudem wechseln sie immer öfter den Arbeitgeber. Um die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen zu stärken, ist ein neues Führungsverständnis nötig, nach dem Mitarbeiter nicht mehr nur als Befehlsempfänger gesehen werden.

1.4 Management von Vielfalt

Bisher waren es die Modelle zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte, jetzt sind es Versuche, Flüchtlinge und Neubürger mit Migrationshintergrund zu integrieren: Das Management von Vielfalt (Diversity Management) ist Herausforderung und Chance zugleich.

Die Herkunft der Mitarbeiter und kulturelle Unterschiede müssen berücksichtigt und die betrieblichen Möglichkeiten überdacht werden. Eine Führungskraft muss einem interkulturellen Team vor allem zu Beginn der Arbeit viel mehr Zeit zur Verfügung stellen. Unterschiede müssen von ihr thematisiert, gemeinsame Konsequenzen daraus abgeleitet und verbindliche Normen festgelegt werden.

Eine stärkere Auseinandersetzung mit anderen, unterschiedlichen Kulturen dürfte auch aus einem anderen Grund an Bedeutung gewinnen: Die stärkere Internationalisierung führt dazu, dass Unternehmen an vielen Standorten vertreten sind. Sie erobern neue Märkte, dehnen ihre Geschäfte ins Ausland aus oder fusionieren mit ausländischen Unternehmen. Mit der Globalisierung der Märkte geht eine Globalisierung der menschlichen Beziehungen einher.

Führung von interkulturellen Teams

Als positiv wird ein Unternehmen zukünftig dann gesehen werden, wenn es die Diversität fördert, eine kulturelle Vielfalt ermöglicht und sich durch eine vorbildliche, innovative Personalpolitik auszeichnet. Die Rolle der Führungskraft ist es deshalb, auf die unterschiedlichen Erwartungen, Wünsche und Vorstellungen bezüglich Führung und Zusammenarbeit ihrer Mitarbeiter einzugehen. Wie Führungskräfte damit umgehen, bestimmt den Erfolg interkultureller Teamarbeit.


Sowohl Zuwanderung als auch die Internationalisierung von Unternehmen machen ein Management von Vielfalt erforderlich. Führungskräfte müssen kulturelle Unterschiede berücksichtigen, um erfolgreiche interkulturelle Teamarbeit zu fördern.

1.5 Neue Kommunikationstechnologien

Die durch fortschreitende Internationalisierung und Flexibilisierung forcierten größeren und komplexeren Organisationseinheiten stellen Unternehmen und Führungskräfte vor immer neue Herausforderungen. Sie führen häufig zu einer Dezentralisierung von Arbeitsplätzen. Fachlich kompetente, räumlich entfernte Mitarbeiter sollen via technologiebasierter Kooperationstechniken erfolgreich zusammenarbeiten, Höchstleistungen erbringen und Ziele in kürzester Zeit erreichen. Virtuelle Teams – ortsunabhängig und standortverteilt – werden informationstechnisch vernetzt. Die Kommunikation über digitale Medien wird zu einem zentralen Bestandteil der Arbeit. Doch tiefes Vertrauen, die Grundlage für funktionierende Teams, baut sich eher in persönlichen Kontakten auf und nicht rein digital. Durch die fehlende Face-to-Face-Interaktion kann es zu Missverständnissen, Misstrauen und mangelnder Identifikation mit dem Unternehmen kommen.

Aufgrund der räumlichen Distanz werden Konflikte meist erst erkannt, wenn es schon zu spät ist und Mitarbeiter das Arbeiten einstellen oder gar das Team verlassen.

Führung von virtuellen Teams

Die Führungskräfte müssen auf diese Strukturveränderungen reagieren und durch Transparenz, Vertrauen und gemeinsame Verhaltensregeln präventiv vorbeugen. Virtuelle transformationale Führung benötigt einen strukturierten, aber wenig kontrolllastigen Führungsstil, bei dem soziale Kontakte aufrechterhalten werden, der Einsatz der zu nutzenden Kommunikationsmittel definiert wird und gemeinsame Teamnormen und -regeln moderiert werden.

Die „entgrenzte“ Arbeitssituation betrifft Führungskräfte, Mitarbeiter und Teams gleichermaßen und erfordert die aktive Auseinandersetzung mit den individuellen Präferenzen. So steht die Führungskraft vor der Herausforderung, mehr Selbstmanagement zuzulassen und einzufordern, aber auch die Mitarbeiter mitzunehmen, die nach wie vor die persönliche Ansprache der Führungskraft und Orientierung brauchen, um motiviert zu sein.


Moderne Kommunikationsmedien ermöglichen eine ortsunabhängige Zusammenarbeit in sogenannten virtuellen Teams. Aufgabe der Führungskraft ist es dabei, Selbstmanagement zu fördern, aber auch das Fehlen des persönlichen Kontakts auszugleichen.

1.6 Unsere Zukunft: Industrie 4.0

Nach Wasser- und Dampfkraft, der Elektrifizierung und Massenfertigung, der Automatisierung durch Elektronik und IT stehen wir vor einer vierten industriellen Revolution, genannt „Industrie 4.0“ oder der zweite digitale Wandel. Digitale Technik wird noch mehr manuelle Prozesse ersetzen, das Internet hält Einzug in die Produktion. Es geht darum, Prozesse als Daten zu verstehen und diese zu vernetzen.

Ein Beispiel:

Stellen Sie sich vor, Ihr Dienstwagen meldet kurz vor der Inspektion über elektronische Identifikationsteile per Internet an den Hersteller den Abnutzungsgrad einzelner Bauteile und errechnet sofort das Gefährdungspotenzial. Der Hersteller leitet die Daten und Warenströme an Ihre heimische Werkstatt. Wenn Sie dann vorfahren, liegen just in time alle Teile bereit, die sofort installiert werden. Die Dauer der Reparatur wurde schon berechnet und zu Ihnen nach Hause übermittelt, damit Sie sorglos und ohne überflüssige Wartezeiten weiterfahren können. Es kommt zu einer Vernetzung, die Maschinen „reden“ miteinander. Industrie 4.0 wird es ermöglichen, den Menschen Informationen zur Verfügung zu stellen und Entscheidungen vorzubereiten. Fabriken werden „intelligent“, die Produktion wird von Software gesteuert. Bei aller Vorsicht vor der Beschreibung von Zukunftsszenarien: Es ist augenscheinlich, dass Industrie 4.0, Big Data und Digitalisierung auch unsere Arbeitswelt radikal verändern werden. Die Technologie erlaubt uns heute schon eine völlig andere Organisation der Arbeit, und sie wird sich noch weiter entwickeln. Know-how-Träger werden vernetzt in virtuellen Teams zusammenarbeiten. Arbeitsaufträge können dank der Technologien ebenso von zu Hause oder unterwegs – schnell und selbstbestimmt – ohne Kontrolle und Präsenzpflicht erledigt werden. Die Flexibilisierung der Produktion hat auch eine Flexibilisierung der Arbeitseinsätze zur Folge. Es existiert eine neue Form virtueller Leiharbeit, in der Menschen Unternehmen mit ihrer Leistung „beliefern“ und keinen Regelarbeitszeitvertrag mehr erhalten.

Führungskräfte als „Brückenbauer“

Welche Art von Führung wird gebraucht, wenn Maschinen das rationale Denken übernehmen und Menschen als Vermittler immer mehr in dezentral organisierten Netzwerken arbeiten? Vielleicht wird die Führungskraft der Zukunft eine Art ethisches Korrektiv zu einer digitalen Welt sein. Sie kann mit ihrem Vorteil als „Mensch“ im Rahmen der technischen Neuerungen die sozialen Bindungen herstellen, individuelle Gefühle der Mit-Arbeiter wahrnehmen, beachten und bedienen und sich dabei als transformationaler „Brückenbauer“ zwischen der digitalen und menschlichen Ebene verstehen.


Die Arbeitswelt verändert sich rasant – technologisch, ökonomisch und sozial. Zusätzlich erhöhen der demografische Wandel und die Forderungen der jungen und nachwachsenden Generationen den Druck auf die Unternehmen, sich diesen Anforderungen zu stellen. Die Veränderungen in der Arbeitswelt erfordern Führungskräfte, die in der Lage sind, auf kontinuierliche Veränderungen flexibel zu reagieren.
Um einerseits strategische Herausforderungen zu meistern, andererseits den Wünschen und Werten der Mitarbeiter gerecht zu werden, wird Führungskräften mit dem transformationalen Führungsverständnis ein Modell mit konkreten Handlungsempfehlungen an die Hand gegeben.

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