Kitabı oku: «Heilende Metalle - eBook»

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HEILENDE METALLE

Olaf Rippe

HEILENDE METALLE

Rezepte und Therapie im Geist des Paracelsus


Für Max

Wichtiger Hinweis

Trotz sorgfältiger Überprüfung sind die in diesem Buch aufgeführten Hinweise, Rezepte, Dosierungsangaben und Applikationsformen ohne Gewähr; weder Verlag noch Autor können dafür eine Garantie bzw. Haftung übernehmen. Die Benutzer sind angehalten, bei den verwendeten Handelspräparaten den Beipackzettel zu prüfen und bei Abweichungen der empfohlenen Dosierungen oder der angeführten Kontraindikationen gegenüber den Angaben in diesem Buch gegebenenfalls Rücksprache mit einem Arzt/einer Ärztin oder einem Heilpraktiker/einer Heilpraktikerin zu halten. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr und muss in jedem Fall individuell abgewogen werden. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) sind nicht gesondert kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Sämtliche vorgeschlagenen Therapiehinweise und Rezepte haben ausschließlich modellhaften Charakter. Nicht medizinisch oder heilpraktisch ausgebildete Personen sollten bei einer Selbstmedikation bedenken, dass hierfür ausreichende Kenntnisse der Heilkunst erforderlich sind.

© 2020

AT Verlag, Aarau und München

Lektorat: Petra Holzmann

Fotos: Olaf Rippe, sofern nicht anders erwähnt

Grafische Gestaltung und Satz: Giorgio Chiappa, Zürich

E-Book-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

E-Book ISBN 978-3-03902-126-0

www.at-verlag.ch

Der AT Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt.

Inhalt

Vorwort

Der Spiegel der Erleuchtung

Die kosmische Natur der Metalle

Makrokosmos – Mikrokosmos

Im Rhythmus der Wochentage

Polarität der Planetenmetalle

Mensch und Natur als Abbild des Kosmos

Metalle in der Alchemie

Metalle und Kulturgeschichte

Alchemie – die Mutter der Wissenschaften

Von der Trinität und dem Hermaphroditen

Alchimia practica

Der Baum der Metalle

Vom Stoff zur Arznei

Philosophische Grundbetrachtungen zur Arzneiherstellung

Der wässrige Weg, die Via humida

Lösungen

Flüssige Potenzierung

Kohobation (Phönix Laboratorium, Soluna)

Kolloide

Chemische Verbindungen

Chymiatrie oder Iatrochemie

Vegetabilisierte Metalle (Weleda)

Feuchte Spiegel (Weleda)

Der trockene Weg, die Via sicca

Homöopathie und Verreibung

Neue Stoffe durch Alchymiam

Metallspiegel durch Destillation (Weleda)

Quinta Essentia (Aurora Pharma)

Mondmetall Silber

Eine Reise in den inneren Kosmos

Das lunare Metall

Sol und Luna – Vater und Mutter des Lebens

Silber und Silberverbindungen in der Therapie

Silbertherapie bei Kinderwunsch

Silberpräparate für Gynäkologie und Fruchtbarkeit

Urvertrauen – Silber in der Kinderheilkunde

Die Häutung der Seele – Silber bei Haut- und Schleimhautentzündungen

Silberpräparate für Haut und Immunsystem

Spiegel der Seele – Silber in der Psychosomatik

Silber für den nervösen Magen und den empfindlichen Darm

Silberpräparate für Magen und Darm, Stoffwechsel und zur Entgiftung

Im Reich von Hypnos und Morpheus – Silber als Erste Hilfe bei Schlafstörungen

Silberpräparate für Psyche und Schlaf

Balsam für das Nervenkostüm – Silber in der Psychotherapie

Das Merkurmetall Quecksilber

Beweglichkeit, Gleichgewicht und Rhythmus

Mercurius – das Metall des Götterboten

Quecksilber und Quecksilberverbindungen in der Therapie

Lebensgeist Mercurius

Zinnober – die Hochzeit von Sulphur und Mercurius

Quecksilberpräparate mit Bezug zu den HNO- und Atmungsorganen

Geistträger Atem

Therapie an den Grenzflächen

Quecksilberpräparate mit Bezug zur Lymphe, zum Immunsystem und zum Stoffwechsel

Quecksilber als Gift

Die Ausleitung von Schwermetallen

Vom Zappelphilipp zu ADHS

Venusmetall Kupfer

Ausgleich, Harmonie und Lebensfreude

Das Metall der Liebesgöttin

Kupfer und Kupferverbindungen in der Therapie

Kalte Füße und die Kundalinischlange

Kupfer als Metall der Entkrampfung

Kupferpräparate mit Bezug zu Krampfleiden, zum Darm, zu den Venen und zur Muskulatur

Kupferpräparate mit Bezug zur Lunge

Kupfer als Schilddrüsenmittel

Wenn einem etwas an die Nieren geht

Kupferpräparate mit Bezug zur Niere und zum Hormonsystem

Zeitgeist Stress

Kupferpräparate mit Bezug zu den Hormonen, zum Herz, zu den Nerven und zur Psyche

Sonnenmetall Gold

König der Metalle

Das Geschenk der Götter

Gold und Goldverbindungen in der Therapie

Gold als Lebenselixier und Immunstimulans

Präparate mit Gold zur Entgiftung und bei Stoffwechselerkrankungen

Die Sonne im Menschen

Im Rhythmus schwingen

Herzkrankheiten in der Praxis

Herzpräparate mit Gold

Die goldene Mitte – zwischen Depression und Größenwahn

Präparate für Seele und Geist mit Gold

Gold – Weihrauch – Myrrhe

Goldpräparate mit Weihrauch und Myrrhe

Marsmetall Eisen

Inkarnationsmetall und Lebenselixier

In der Schmiede des Vulcanos

Eisen und Eisenverbindungen in der Therapie

Dämonenbanner und Abwehrzauber – Eisen in der Magie

Das Geschenk der Himmelsgötter – Meteoreisen

Sine ferro – ohne Eisen

Mit eiserner Rüstung gefeit gegen Krankheit – Eisen in der Immuntherapie

Eisenpräparate mit Wirkung auf das Immunsystem und die Gelenke

Die Galle – der Mars und die innere Alchemie

Eisenpräparate mit Wirkung auf Blut, Kreislauf und Stoffwechsel

Blut ist ein besonderer Saft – Eisen bei Anämie

Zu schwach für diese Welt – Eisen als Tonikum

Eisenpräparate mit Wirkung auf das Seelisch-Geistige

Eisen in der Kinderheilkunde

Jupitermetall Zinn

Lebenselixier für den inneren Alchemisten

Die Leber – das Organ der Lebenskraft

Zinn und Zinnverbindungen in der Therapie

Die Leber und ihre Bedeutung in der Humoralmedizin

Zinnpräparate mit Bezug zur Leber

Die Leber als Entgiftungsorgan

Zinnpräparate mit Bezug zu Geweben und Stoffwechsel

Zinn als Bildhauer im Menschen – Gelenke und Gewebe

Zinnpräparate mit Bezug zu Knochen und Gelenken

Die Laus auf der Leber

Saturnmetall Blei

Hüter der Schwelle, Herr über die Zeit

Saturn – die Schwelle zur geistigen Welt

Blei und Bleiverbindungen in der Therapie

Alle sieben Jahre

Bleipräparate mit Bezug zum Stoffwechsel

Die Kunst des langen Lebens

Bleipräparate mit Bezug zu Herz und Kreislauf

Vergiftung – Entgiftung

Tartarus der Gefäße – die Sklerose

Eine goldene Kette saturnaler Arzneien – Metaginkgo S/W

Die Melancholie

Bleipräparate mit Bezug zum Nervensystem

Antimon – das Metall der Erde

Das Metall des ganzen Menschen

Der Mensch ist Antimon

Der Wolf unter den Metallen

Antimon und Antimonverbindungen in der Therapie

Antimon und Wein

Vom Brechweinstein (Tartarus stibiatus) und Goldschwefel

Die Quintessenz des Weins – Kalium aceticum comp. (Weleda)

Dyskrasie und Tartarus – der Ursprung chronischer Krankheiten

Antimonpräparate mit Bezug zu Stoffwechsel und Gelenken

Der Stein im Magen

Antimonpräparate mit Bezug zu Verdauungsorganen

Wenn die Grenzen verschwimmen – Antimon in der Hauttherapie

Antimonpräparate mit Bezug zur Haut und Schleimhaut

Lungenkraft ist Lebenskraft

Antimonpräparate mit Bezug zu Atmungsorganen und zum Immunsystem

Lebenskrisen meistern

Anhang

Zum Umgang mit den im Buch aufgeführten Arzneimitteln und Praxistipps

Wichtiges zu den Bezugsquellen

Zur Lieferbarkeit von Arzneimitteln

Veranstaltungen zum Thema

Literatur

Internetadressen

Stichwortverzeichnis

Danksagung

Autoren

»Metalle haben eine große Übereinstimmung mit dem menschlichen Körper. Denn Kräfte, die im Metall verborgen ruhen, sind auch im Menschen.«

PARACELSUS, BD. III: 46

Vorwort

Von allen Themen der Naturheilkunde faszinieren mich die Metalle am meisten. Meine Begeisterung zeigte sich schon früh mit meiner Mineraliensammlung – inzwischen bin ich im wahrsten Sinne des Wortes »steinreich« geworden –, doch so richtig entfachte sich mein Interesse erst mit der Entdeckung der Metalle als Heilmittel.

Als ich meine Ausbildung zum Heilpraktiker anfing, gehörte neben den medizinischen Themen auch die Heilkunde dazu. Dazu gab es ein vielseitiges Angebot, doch letztendlich blieb es oberflächlich. Mir fehlte etwas, was man »als Einweihung« bezeichnen könnte. Das Schicksal hatte ein Einsehen und führte mich zu Max Amann. Als Chemiker, Alchemiker und als grandioser Therapeut wurde er für viele Jahre mein Lehrer – ich hätte keinen besseren finden können.

Max hat eine großartige Bibliothek, und unter den Büchern, die ich bei ihm entdeckte, waren vier, die mein ganzes berufliches Leben beeinflussen sollten: die Einweihungsschrift Kybalion, die magischen Werke des Agrippa von Nettesheim, die Werke des Paracelsus in der Aschner-Ausgabe und das Buch Metall-Funktionstypen in Psychologie und Medizin von der anthroposophischen Ärztin Alla Selawry. Jedes dieser Werke empfinde ich als Meilenstein der Medizingeschichte und Hermetik, und ich kann sie nur jedem empfehlen, der hinter die Kulissen der Phänomene schauen will. Alle vier bilden die wesentliche Grundlage dieses Buches.

Doch warum widme ich eigentlich ein ganzes Buch den Metallen, noch dazu in einer »hermetischen« Ordnung nach den Planeten?

Metalle sind besondere Stoffe. Sie fallen auf durch ihren Glanz, ihre Formbarkeit sowie durch viele weitere Eigenschaften, die sie von allen anderen Stoffen abheben. Metalle begleiten inzwischen nahezu jeden Bereich unseres Alltags – und das schon sehr lange. Nicht ohne Grund sprechen wir von der »Bronzezeit« oder der »Eisenzeit«. – Metalle prägen unsere Kultur.

Spätestens seit der Antike nutzt man Metalle auch heilkundlich, obwohl es bis in die Neuzeit dauern sollte, bevor sich ihr tatsächliches Heilpotenzial entfalten konnte. In der Renaissance entwickelte sich die Iatrochemie, also die Neuschöpfung von Substanzen aus Naturstoffen durch Laborprozesse, was besonders bei Metallen oft notwendig ist, um ihre Heilkraft zu nutzen. Unter den Iatrochemikern dürfte Paracelsus der wohl bedeutendste gewesen sein; sein Werk ist daher auch die wichtigste Quelle zum Thema.

Unter den Metallen nehmen sieben sowie Antimon als achtes Metall eine Sonderstellung ein. Paracelsus schrieb hierzu (Bd. IV: 335): »Also haben die alten Philosophen die sieben Metalle mit den sieben Planeten verglichen (…) und das haben sie der Magie nach recht getroffen, deshalb wird es noch auf diesen Tag so gehalten.« Die sieben Planetenmetalle und das Antimon stehen im Mittelpunkt dieses Buches.1

Wesentliches Einsatzgebiet der Metalle in der Praxis ist die Konstitutionstherapie und vor allem die Behandlung chronischer Erkrankungen, aber auch die damit verbundene »geistige« Prägung eines Menschen. In der Paracelsusmedizin bilden Metalle die Basis der Therapie.

Da man Metalle möglichst mit Substanzen aus den anderen Naturreichen kombinieren sollte, um ihre Wirkung zu lenken und zu entfalten, sind Komplexmittel durchaus eine logische Konsequenz. Dabei ist jedoch auf das »geistige« Band zwischen den Substanzen zu achten. Metall, Pflanze oder Tier sollten sich gegenseitig synergistisch befruchten, indem sie der gleichen kosmischen Idee unterstehen, beziehungsweise durch besondere Signaturen miteinander in Beziehung stehen. Aus solchen Rezepten spricht das alte Wissen über die Zusammenhänge von Kosmos und Natur. Die in diesem Buch vorgestellten Präparate beruhen weitgehend auf dieser Weltanschauung.

Als Therapeut begleiten mich die Metalle seit nunmehr über dreißig Jahren täglich in der Praxis, und aus der positiven Erfahrung heraus entstand dieses Buch, von dem ich hoffe, dass es Ihnen Freude macht.

Olaf Rippe, Beltane 2020

1 In der hermetischen Literatur spricht man immer von sieben kosmischen Kräften oder einfacher von den sieben Planetenkräften, obwohl es sich eigentlich um die Sonne als Fixstern, den Erdtrabanten Mond und um die fünf Wandelplaneten handelt, die schon in alter Zeit bekannt waren. In der Hermetik denkt man dabei an Prinzipien und weniger an astronomische Gegebenheiten. Unter den Zahlen hat die Sieben immer einen Bezug zu diesen kosmischen Prinzipien.

Der Spiegel der Erleuchtung

Wenn die Inder von der Göttin Durgha sprechen, dann nur mit der höchsten Verehrung. Sie verkörpert die Vollkommenheit, das absolute Wissen, die höchste Weisheit. Es heißt, sie habe unendlich Shakti, also unendliche Macht. Allein ihr Blick würde jeden Suchenden vernichten, würde sie in Menschengestalt unter uns wandeln.

Um in ihr Antlitz zu schauen, kennt man seit Urzeiten in Indien den Brauch eines ganz besonderen Spiegels, der nur von wenigen auf sehr komplizierte Weise hergestellt werden darf und den man im Allerheiligsten im Tempel aufbewahrt. In einem traditionellen Verfahren und in einem genau festgelegten Ritual, für das man zuvor die Sterne befragt hat, wird eine Legierung aus Kupfer, Silber, Gold, Zinn und Zink erzeugt. Ordnet man die Metalle den Planeten zu, dann ist es eine Mischung aus Venus, Mond, Sonne, Jupiter und Merkur2, das sind die »glückverheißenden« Planeten. Nur Mars und Saturn fehlen scheinbar; den Mars finden wir jedoch im Feuer und im Schmelzprozess, und den Saturn im Ritus selbst, der als die höchste Form der Verehrung gilt. Alle Götter sind also anwesend, wenn der Alchemist die Form herstellt und die Legierung hineingießt.

Die Spiegelmonstranz, die an einen menschlichen Körper erinnert, ist ein augenloses magisches Objekt. Durch ein Weiheritual erhält es Augen und Seherkraft. Schaut der Gläubige nun bei der Anbetung in den Spiegel, kann er in seiner Selbstbetrachtung die Göttin schauen und dabei in sich hineinsehen und seine eigene göttliche Identität als formlose Natur jenseits des Materiellen wahrnehmen.3


Die höchste Göttin als Spiegelidol. Der Spiegel besteht aus Kupfer, Silber, Gold, Zinn und Zink. Wer in Verehrung hineinschaut, sieht seine göttliche Natur. (Spiegelidol, Indien, Kerala)

1 Gold auf einem amethystischen und smaragdischen Quarz, 2 dendritisches Silber, 3 Baumsilber, 4 Kupfererz, mit Berggrün überzogen, 5 blaues Kupfer: Lasurkupfer, 6 Malachit – Schreckstein!, 7, 8, 9 Zinn: 7 Zwitterstufe, 8 Zinngraupe, 9 Zinnsand, kommt nur vererzt vor, nicht gediegen.

1 Blei, immer vererzt, Bleiglanz, 2, 3, 4 Eisen: 2 Brauneisenerz, 3 körniges Eisenerz, 4 Blutstein, Hämatit, 5 und 6 Quecksilber: 5 Jungfern-Quecksilber, 6 Zinnober, 7 Wismut, dem Zinn ähnlich, 8 Antimon, Spießglanz. »Das Eisen ist das nützlichste und unentbehrlichste von allen Metallen, und die Natur hat dem Menschen damit ein sehr wichtiges Geschenk gemacht. Eisen ist nützlicher und unentbehrlicher als Gold und Silber, denn ohne Eisen hätten unsere Künstler und Handwerker keine Instrumente und Maschinen, und wir müssten noch als Wilde leben. Als Metall, als Farbe, als Arzney ist uns das Eisen nützlich (…). Eisentheilchen findet man mit den Bestandteilen fast aller Körper vermischt, ja sogar unser Blut enthält Eisen.«

(Aus: Friedrich Justin Bertuch, Bilderbuch für Kinder, um 1800)

2 Paracelsus ordnet Zink der Venus zu; heute wird es auch Merkur und Uranus zugeordnet.

3 Vgl. Museum Rietberg, S. 125: Harsha Vinay; Spiegel in der indischen Kultur und Kunst

In Wahrheit, gewiss und ohne Zweifel: Das Untere ist gleich dem Oberen und das Obere gleich dem Unteren, zu wirken die Wunder eines Dinges.«

HERMES TRISMEGISTOS

Die kosmische Natur der Metalle

Makrokosmos – Mikrokosmos

Vielleicht ist es uns nicht jeden Augenblick bewusst, aber wir leben auf einem sehr kleinen Planeten am Rand einer Spiralgalaxie, die wiederum nur einen winzigen Teil unendlicher Galaxiesysteme darstellt – und dennoch halten wir uns für den Nabel der Welt.

Diese schier unendliche Größe an Raum, aus dem jeden Augenblick das Leben aufs Neue entsteht, lässt sich eigentlich nur mit Ehrfurcht und Staunen betrachten. Das Universum ist in allen Facetten ein Wunder und ohne schöpferische Intelligenz kaum vorstellbar. Da unsere Erkenntnisfähigkeit aber scheinbar wenig über das uns Verwandte hinausgehen kann, fällt es uns sichtbar schwer, das Geistige hinter den Gesetzen der Schöpfung zu begreifen; und weil dem so ist, klammert die Wissenschaft diese Frage heute am liebsten aus und reduziert das Lebendige auf Maß, Zahl und Gewicht. Es hat jedoch schon immer einen anderen Weg der Welterkenntnis gegeben, auf den wir auch heute nicht verzichten sollten – die Mystik und mit ihr die Metaphysik. Ein anderer Begriff wäre Hermetik, abgeleitet von Hermes, dem Götterboten.

Der rationale Mensch wird im Denken immer auf sich selbst zurückgeworfen, während sich der Mystiker vom Göttlichen berühren lässt. Mystik und Wissenschaft müssen sich keineswegs ausschließen – ein Miteinander ist denkbar, erfordert jedoch Aufgeschlossenheit und geistige Flexibilität statt Dogmatismus. Eine Buchempfehlung hierzu ist das Werk des Schweizer Astrophysikers Bruno Binggeli Primum mobile, in dem der Autor das alte Weltbild eines Dante und seiner Göttlichen Komödie dem astrophysikalischen Weltbild unserer Zeit gegenüberstellt und dabei verblüffende Parallelen entdeckt.


Im alten Ägypten wurden besonders die Metalle kultisch verehrt; so galt das Gold als das Fleisch der Götter, und Silber als deren Knochen. (Vergoldeter Sarg einer Königstochter, 17. Dynastie um 1575 v. Chr.)

Die genauen Ursprünge der Hermetik bleiben im Nebel der Geschichte verborgen, aber sie führen uns zur Wiege der Hochkulturen nach Babylon und Ägypten, aus denen sich später unsere abendländische Kultur entwickeln sollte. Mit dem Beginn der Hochkulturen sind auch die Metalle verbunden – nicht ohne Grund sprechen wir von »Steinzeit«, die von der »Kupfer-«, »Bronze-« und »Eisenzeit« abgelöst wurde und sich nunmehr zum »Siliziumzeitalter« gewandelt hat.

Der ibisköpfige Gott Thot, der im alten Ägypten als Initiationsgottheit verehrt wurde, offenbarte dem Menschen die Kunst der Magie, Astrologie, Schrift und Zahl und auch das Geheimnis der Metallurgie – dies war die Geburtsstunde der Alchemie, der Kunst des Schwarzen Landes am Nil, der Veredelung der Metalle.

Aus der Zeit der Pharaonen sollen auch die Lehrsätze des Eingeweihten Hermes Trismegistos stammen, die Tabula smaragdina. Seine Gedanken bilden die geistige Grundlage von Magie, Astrologie und Alchemie, der Mutter aller Wissenschaften, wie der Alchemist Kunkel meinte: »Die Chymie (Alchemie) ist ohnstreitig eine der vornehmsten und nöthigsten Künste in der Welt und nicht unbillig eine Mutter und Ernährerin aller anderen Künste zu nennen (…) so ist wohl einem vernünftigen Menschen, nebst der Gottesgelahrtheit und Sorge vor seiner Seele, nichts nötiger und nützlicher, als die Erkänntnis der Natur, welche durch die Chymie einzig und allein erlernet wird. Daher ist es auch kommen, dass diese Kunst alsbald nach Erschaffung der Welt ihren Anfang genommen.« (Kunkel, 1716, zit. nach Gebelein 1991: 13).

Nach hermetischer Vorstellung ist die sinnlich wahrnehmbare Welt ein Spiegelbild des Makrokosmos. Im Mineralreich zeigen sich die kosmischen Kräfte als geometrisches Prinzip, im Pflanzenreich als vegetative Kraft, im Tierreich als Empfindung und im Menschen als Vernunft (vgl. Paracelsus-Werke Bd. 1: LIV). Neben diesen Grundprinzipien stehen sämtliche weiteren Phänomene in Beziehung zu den Sternen, so etwa unsere unterschiedliche Wesensnatur, die Organe sowie alle Organfunktionen (und damit auch sämtliche Fehlfunktionen und Krankheiten), aber auch alle Natursubstanzen und deren Heilkräfte. Zahlreiche Bilder in der alchemistischen Literatur stellen diesen Gedanken dar, und immer wieder sind es die Metalle, die dabei die Hauptrolle spielen.

Unser Blick in den Kosmos geht immer von der Erde aus, schließlich ist sie unsere Heimat. Die Vorstellung von der Erde als Mittelpunkt des Universums haben wir zwar hinter uns gelassen, jedoch ist sie immer noch die Grundlage einer hermetischen Betrachtungsweise, allerdings nicht als geozentrisches Weltbild, sondern als anthropozentrische Weltsicht, mit dem Menschen als zentralen Bezugspunkt.

Das Sonnensystem ist wie ein großer Organismus, und in Analogie zum Menschen gleichen die Planeten unseren Organen. »Das Planetensystem ist nicht eine (…) beliebige Anhäufung von Himmelskörpern um die Sonne, sondern eine Art von Organismus, in dem eine Vielfalt von Wechselwirkungen herrscht. (…) Wie man in einem Organismus nicht ein Organ für sich isoliert betrachten kann, ohne den Zusammenhang des Lebens zu verlieren, so kann man eben auch nicht die Venus oder den Mond losgelöst von der Sonne und den übrigen Planeten verstehen. Das Planetensystem erweist sich als eine nach geistigen Gesetzen geordnete Ganzheit.« (Kranich 1976: 26/31) Einatmen und Ausatmen, Systole und Diastole des Herzens, entsprechen den Rhythmen der Gestirne, sei es der Lauf von Sonne und Mond oder die Venus als Morgen- und Abendstern. Alles folgt einem unsichtbaren Band geistiger Verwandtschaft.


Der Bamberger Reiter stellt die Naturreiche und Elemente symbolisch dar: Das »unbelebte« Mineralreich ist der unbehauene Sockel (Erde), das Gesicht im Blatt als Grüner Mann ist das »belebte« Pflanzenreich (Wasser), das Pferd steht für das Tierreich und die Empfindungsqualitäten von Sympathie und Antipathie (Luft), der Mensch hält als Reiter die Zügel in der Hand, als Ausdruck seiner Vernunft (Feuer). Über ihm schwebt die Kirche als Quintessenz und Ausdruck des Göttlichen auf Erden.

Unter den kosmischen Phänomenen beeindrucken sicher am meisten die zwei Lichter Sonne und Mond, die »rein zufällig« von der Erde aus gesehen gleich groß sind. In der Hermetik sind dies König und Königin, Vater und Mutter des Lebens: »Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter ist der Mond«, heißt es bei Hermes Trismegistos.4 Sie entsprechen auch der Polarität von Links- und Rechtshirnhemisphären, linker und rechter Körperhälfte.

Ihnen zur Seite stehen die fünf Wandelplaneten, die man mit bloßem Auge sehen kann: Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn – nicht ohne Grund haben sie alle Götternamen, die ihre okkulten Qualitäten umschreiben. Merkur hat hierbei eine Sonderrolle: Er ist das göttliche Kind, das Verbindende zwischen den Polen Kosmos und Erde. Saturn gilt als Hüter der Schwelle zu den Fixsternen (Sternbilder) und damit zur Sphäre des Göttlichen. Aus hermetischer Sicht empfängt Saturn zum einen die Seele bei der Inkarnation, und zum anderen ist er die letzte Hürde nach dem Tod, der als Transmutation oder Wandlung begriffen wird, bevor sich das Lebensrad erneut dreht und eine Wiedergeburt erfolgen kann.

Die rhythmisch gegliederten Lebensabschnitte des Menschen entsprechen den kosmischen Prinzipien. Die Geburt und die ersten sieben Lebensjahre unterstehen dem Mond, gefolgt von Merkur bis zur Pubertät, die der Venus untersteht – in diesen drei Abschnitten bauen wir unsere Persönlichkeit auf. Vom 21. bis zum 42. Lebensjahr unterstehen die drei mal sieben Jahre der Sonne, in der wir unsere Persönlichkeit entfalten. Es folgen die Siebenjahresabschnitte von Mars und Jupiter, die bereits die Lebensreife verkörpern, in der wir uns in den Dienst der Allgemeinheit stellen sollten; und schließlich folgt ab dem 56. Lebensjahr die Zeit des Saturn, der den Menschen bis zu seinem Tod begleitet und eigentlich zur Altersweisheit führen soll – was bekanntlich bei vielen so eine Sache ist.

In der hermetischen Tradition verkörpern sich nun die sieben kosmischen Prinzipien jeweils in einem Metall, und das auf besonders intensive Weise. Paracelsus schrieb hierzu: »Also haben nun auch die alten Philosophen die sieben Metalle mit den sieben Planeten verglichen und diese in Figuren, Bildern und Schriften für jene gesetzt, so für das Gold die Sonne, für das Silber den Mond, für das Blei den Saturn, für das Zinn den Jupiter, für das Kupfer die Venus, für das Quecksilber den Merkur, für das Eisen den Mars, und das haben sie der Magie nach recht getroffen, deshalb wird es noch auf diesen Tag so gehalten.« (Paracelsus IV: 335)

Die Metalle sind die Wegbegleiter in den entsprechenden Lebenszyklen – das Metall der Kindheit wäre demnach das Mondmetall Silber, das Metall des alternden Menschen das Saturnmetall Blei.

Dieses Prinzip der Analogieketten wendet man ebenso auf Organe und Organprozesse an, sodass man in der gemeinsamen Zuordnung den Schlüssel zur passenden Arznei bei entsprechenden Erkrankungen findet, wie wir später noch sehen werden.5

Okkulte Entsprechungen


KosmosOrganErzengelMetallLebensalter (in Jahren)
Saturn ♄Milz (Splen)OriphielBlei (Plumbum) Pb56 bis Tod
Jupiter ♃Leber (Hepar)ZacharielZinn (Stannum) Sn49 bis 56
Mars ♂Galle (Fel)SamuelEisen (Ferrum) Fe42 bis 49
Sonne (Sol) ☉Herz (Cor)MichaelGold (Aurum) Au21 bis 42
Venus ♀Niere (Renes)AnaelKupfer (Cuprum) Cu14 bis 21
Merkur ☿Lunge (Pulmo)RaphaelQuecksilber (Argentum vivum) Hg7 bis 14
Mond ☾ (Luna)Gehirn (Cerebrum)GabrielSilber (Argentum) AgGeburt bis 7
Erde ♁Blut (Sanguis)LuziferAntimon (Stibium) SbGanze Lebensspanne

Im Rhythmus der Wochentage

Die Wochentage sind den Planetentagen zugeordnet: Montag (Mond), Dienstag (Mars), Mittwoch (Merkur), Donnerstag (Jupiter), Freitag (Venus), Samstag (Saturn) und Sonntag (Sonne).

Für eine Konstitutionstherapie mit höheren Potenzen, die man prinzipiell eher selten verabreicht (ab D30), oder auch für die Wahl eines wöchentlichen Injektionstages hat es sich bewährt, wenn man das entsprechende Metall an seinem Planetentag anwendet, also beispielsweise Aurum metallicum D30 oder auch eine Injektionstherapie am Herzen mit Goldpräparaten am Sonntag.

Polarität der Planetenmetalle

Nach hermetischer Tradition sind die Planetenideen in polare Gruppen unterteilt: Mond – Saturn, Merkur – Jupiter, Mars – Venus. Die Planetenprinzipien regulieren sich gegenseitig, immer bedingt ein Zuviel einer Kraft, ein Zuwenig der anderen; in solchen Fällen wird mit Tiefpotenzen des einen Metalls der Mangelzustand gewissermaßen »substituiert« und mit höheren Potenzen des anderen das Zuviel »reguliert«. Die Sonne, und mit ihr das Gold, wirken auf alle gleichermaßen ausgleichend.

Weitere Polaritäten, die man ähnlich therapeutisch nutzen kann, sind zum Beispiel Sonne – Mond, Sonne – Saturn, Jupiter – Saturn. Im weiteren Text wird dies an therapeutischen Beispielen verdeutlicht.

Der ganze Kosmos – aus dem Werk des Malachias Geiger, Microcosmus hypochondriacus sive de melancholia hypochondriaca von 1651.

Mensch und Natur als Abbild des Kosmos

Bei Paracelsus lesen wir: »Alle Planeten haben im Menschen ihr Abbild und Zeichen und ihre Kinder, und der Himmel ist ihr Vater, denn der Mensch ist nach Himmel und Erde gemacht. (…) Darum folgt daraus, dass der Arzt das wissen soll, dass im Menschen Sonne, Mond, Saturn, Mars, Merkur, Venus und alle Zeichen sind, der Polus Arcticus und Antarcticus, der Wagen und alle Viertel im Zodiakus (Quadranten des Tierkreises). Das muss der Arzt wissen, wenn er vom Grund der Arznei wissen will. Wo nicht, so ist er ein reiner Betrüger und übt die Arznei wie ein Bauer, der Coloquinthen in den Wein hängt und alle Menschen damit behandelt.« (Paracelsus, Bd. I: 439)

Bemerkenswert ist hierzu die Darstellung aus dem Werk des Malachias Geiger (siehe Seite 19). Das Bild ist zweigeteilt im Sinne einer Acht, dem Symbol der Unendlichkeit und geistigen Welt. Der obere Kreis umfasst die göttliche Sphäre mit der Idee »Es werde Mensch«. Ein Tetraeder zerfällt aus seiner Einheit in zwei Dreiecke – das Dreieck nach oben symbolisiert das Männliche/Feuer/Sonne und das Dreieck nach unten das Weibliche/Wasser/Mond – zusammen vereinigen sie sich im Hexagramm, Symbol für die Quinta essentia, das göttliche Wesen, das Kind/Merkur. Umgeben ist die geistige Welt von den Heerscharen der Engel, und alles ist in strahlendes Licht getaucht. Im alten Ägypten wurde diese Trinität mit Isis (Wasser), Osiris (Feuer) und Horus (Hexagramm) beschrieben.

Wolken trennen die obere von der unteren Welt, und wir sehen die zwölf Sternbilder, die aus dem Atem der vier Elemente entstehen (Feuer, Luft, Wasser, Erde sind die geistigen Urprinzipien des Lebens – daher sind auch die Sternzeichen den Elementen zugeordnet). Die Sternzeichen bilden die Bühne für das Leben, das sich als Kind im Mittelpunkt manifestiert, umgeben von zwei Engeln (leibliche Eltern, Licht und Schatten) – sie stehen gemeinsam auf der »physischen« Erde, die als Amme des Lebens verstanden wird. Das Hexagramm des geistigen Kosmos hat sich aufgelöst und in sieben konzentrische Schalen gewandelt, in denen wir die Namen der Planeten finden, sowie Bezeichnungen für Organe, Metalle und Erzengel, die jeweils miteinander korrespondieren (siehe Tabelle Seite 18).

Den kosmischen Prinzipien direkt gegenüber finden wir sieben Organe, die im Menschen den inneren Kosmos verkörpern. Auch im Ayurveda begegnet uns diese Idee als die »Sieben Chakren«, was natürlich kein Zufall ist. In dem Werk des Rosenkreuzers Johan Georg Gichtel, Theosophia Practica, aus dem Jahr 1696 gibt es eine bemerkenswerte Darstellung einer Planetenspirale im Menschen, die dem Bild der Chakrendarstellungen verblüffend ähnlich ist; ob Gichtel dies wusste, darf bezweifelt werden, vielmehr ist es wohl Ausdruck einer universellen Weisheit (siehe Abbildung auf S. 21).


Die göttliche Trinität als Osiris, Isis und deren Sohn Horus, den die Muttergöttin auf ihrem Schoß hält.

Das korrespondierende Metall kann man als Kardinalmittel für Leiden des zugeordneten Organsystems verstehen, das beste Mittel für das Herz wäre demnach das Gold, das Beste für die Niere wäre das Kupfer. Man sollte sich jedoch nicht von dem Gedanken leiten lassen, dass die Metalle nur für spezifische Leiden der Organe zuständig wären. Vielmehr umfasst nach den Vorstellungen der hermetischen Medizin ein Planetenprinzip auch organübergreifende Funktionen, man könnte sie am besten als Funktionskreise bezeichnen, die sich gleichermaßen auf Körper, Seele und Geist beziehen.

In den »reinen« Metallen ist die entsprechende kosmische Kraft besonders intensiv präsent. Schon die Verbindung mit Schwefel oder Arsen kann die Zuordnung modifizieren. Pflanzen hingegen sind fast immer mehreren Kräften unterstellt und dies in unterschiedlicher Intensität. Meistens ist ein Prinzip dominant, selten zwei in gleicher Intensität. Beispielsweise zeigt die Eiche Mars und Jupiter und etwas Saturn; die Birke Venus und auch Mond, der Weißdorn Venus und Mars. Es gibt bei den »alten« Autoren wie Nicholas Culpeper oder Leonhard Thurneysser sogar unterschiedliche Zuordnungen je nach Pflanzenteil. Die Zuordnungen ergeben sich aus der Betrachtung der Signaturen und den Wirkprofilen. Pflanzen sind nach diesen Vorstellungen Begleitmittel der Metalle. Da Metalle immer auf den ganzen Menschen wirken, modifizieren die Pflanzen die metallische Wirkung in Richtung auf ein bestimmtes Organ oder auf Organfunktionen. So wirken Kupfer und Melisse eher auf seelische Prozesse im Herzbereich, während Kupfer und Kamille mehr auf den Bauchraum entspannend wirken.


Der dunkle Mensch in seinen Untugenden, die durch die spirituelle Reifung in Tugenden gewandelt werden. – Die Metalle sind hierbei Spiegelbild und Hilfsmittel. Mit der Wandlung wird sich auch die Gestik ändern – der dunkle Mensch zeigt noch mit der linken Hand nach oben und rechts nach unten, als Sinnbild für die Gebundenheit an die Materie. Dies dreht sich beim lichten Menschen um, und er wird damit zur Brücke zwischen Kosmos und Erde. (Gichtel, 1696)

Nicht bezeichnet auf dem Bild von Malachias Geiger ist die Erde selbst, doch sind die Korrespondenzen zum grundlegenden Verständnis wichtig. Das Organ in Analogie zur Erde ist das Blut, das Metall ist das Antimon und der Erzengel ist Luzifer, der Erste unter den Engeln, der den Fall in die Materie versinnbildlicht. – Dies wird uns noch im Kapitel über Antimon beschäftigen.

Die Zuordnung der Metalle zu den Erzengeln, die sich im Bild von Malachias Geiger gegenüberliegen, macht deutlich, woher eigentlich die Heilkraft der Metalle kommt. Sie sind ihrem wahren Wesen nach kosmischen Ursprungs, gasförmig, ätherisch engelhaft, rein geistig, aus der göttlichen Sphäre über verschiedene Stufen inkarniert, ganz wie der Mensch auch. Diese Qualitäten sind in der Substanz in einer Art Dornröschenschlaf und müssen durch alchemistische Verfahren »wachgeküsst« werden.

Die Kunstgriffe der Alchemie, die ebenfalls auf dem Bild dargestellt sind, geben dem Metall etwas von seiner kosmischen Natur zurück. Hierzu gehört die Metalldestillation oder auch die Potenzierung im Sinne der Homöopathie. Allein schon das Schmelzen und Lösen der Metalle, zum Beispiel von Gold in Königswasser, oder die Herstellung kolloidaler Metalle schafft die Voraussetzungen für Heilmittel, die der kosmischen Natur der Metalle entsprechen – siehe hierzu das Kapitel zur Herstellung (Seite 31–53).

Alchemistisch zubereitet sind die Metalle die Kardinalmittel bei allen körperlichen Gebrechen, und sie sind Inkarnationshelfer und Seelenbegleiter auf dem spirituellen Lebensweg.

4 In der Hermetik wird die Sonne als männlich gesehen und der Mond als weiblich, auch wenn die deutsche Sprache dies umgekehrt darstellt, im Lateinischen und in den romanischen Sprachen wird dies jedenfalls »hermetisch« richtig formuliert. Vielleicht kommt es daher, dass im Germanischen die Sonne als Göttin Sunna gesehen wurde.

5 Man mag sich fragen, warum eigentlich in der gesamten hermetisch alchemistischen Literatur die kosmische Leiter immer auf dieselbe Weise dargestellt wird – beginnend mit Mond, gefolgt von Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und schließlich Saturn. Diese Abfolge bezeichnet man als »chaldäische Reihe«, die sich aus der durchschnittlichen Geschwindigkeit der »Sieben« beim Durchlauf durch den Tierkreis ergibt, wenn man das Ganze von der Erde aus betrachtet. Der Mond ist hierbei am schnellsten, der Saturn am langsamsten.

»Mercurius mineralis mercurius vegetabilis mercurius animalis unum est.« 6

HOFMEIER, ROSARIUM PHILOSOPHORUM, MERCURIUS-BRUNNEN, S. 17

Metalle in der Alchemie

Thomas Hofmeier

Metalle und Kulturgeschichte

Metalle spielten nicht nur in der Alchemie, sondern in der Menschheitsgeschichte eine zentrale Rolle. Mit der Hilfe von und durch die Gier nach Gold wurden Reiche gleichermaßen geschaffen und zerstört – das pharaonische Ägypten, die spanischen Konquistadoren oder der Goldstandard sind nur einige Beispiele.

Die großen Phasen der Archäologie sind nach Materialien benannt: Auf die »Steinzeit« folgte die »Kupferzeit«, die »Bronzezeit« und schließlich die »Eisenzeit«. Die Tatsache, dass Kupfer und Zinn, im Verhältnis von 9 zu 1 Bestandteile der Bronze, nirgendwo gemeinsam vorkamen, hat den Fernhandel ebenso wie den Kampf um Ressourcen und Fachwissen angefacht. Als Faustregel kann gelten, dass die Besitzer der jeweils neuesten Materialien und der für ihre Beherrschung notwendigen Technologien kriegerisch und/oder wirtschaftlich Macht über ihre weniger glücklichen Nachbarn ausüben konnten.

Das erste von Menschen bearbeitete, nämlich kalt gehämmerte Metall war das weltweit vorkommende Gold. Dank seiner Eigenschaften konnte man es leicht zu Schmuck verarbeiten, und es verlieh dem Besitzer ein hohes Ansehen. Die Mächtigen nutzten Gold, um ihre Herrschaft buchstäblich glanzvoll erscheinen zu lassen. In gleicher Manier wird Gold im kultischen Kontext bis heute gerne und oft zum Ruhm des Göttlichen verwendet. Ob Tempel, Kirche, Stupa oder Moschee: Eine goldene Kuppel, ein goldener Altar und vieles mehr gehören global zur Inszenierung des Allerhöchsten.

Die alten Ägypter hielten Gold für das Fleisch der Götter, aus Silber waren ihre Knochen und aus Lapislazuli ihre Haare (vgl. Brunner-Traut 1989: 101). In einer Art kollektiven Überzeugung von »früher war alles besser« gründeten kulturelle Strömungen wie die Renaissance auf der Sehnsucht nach einem vergangenen, im übertragenen Sinne »Goldenen« Zeitalter.

Unter diesen Voraussetzungen ist es nicht verwunderlich, dass sich schon die frühesten Alchemisten in ihrer Theorie und Praxis auf die Metalle konzentrierten. Wer mit Metallen umzugehen wusste, war sich der Aufmerksamkeit der Mächtigen gewiss. Auch physikalisch macht die Konzentration auf Metalle Sinn: Welche anderen Materialien können mit ihren extremen Eigenschaften mithalten? Metalle sind – für den, der sie beherrscht – formbar, sie können hart wie Stein, aber auch flüssig sein, sie sind in reiner Form glatt und glänzend, doch als Erze pulverig und spröde; vor allem aber waren sie kostbar und gefragt. In der Beschaffenheit der Metalle ist angelegt, was die Alchemie im Innersten antreibt, nämlich die Umwandlung von Materie hin zu etwas Besserem. Die legendäre Transmutation von Blei zu Gold ist bloß die Spitze des Eisbergs. Der Wandel vom Erz zum eigentlichen Metall, die Legierung von Metallen und die unmittelbare Nützlichkeit metallischer Produkte in Wirtschaft und Kult, gepaart mit der Sphäre des geheimen Fachwissens, bilden den Nährboden für die Alchemie – ganz im Sinne von Eliades Schmiede und Alchemisten (vgl. Eliade 1992).

Abgesehen davon: wenn nicht Metalle, was sonst? Im modernen Periodensystem sind gut 75 Prozent der rund 120 Elemente Metalle, der Rest besteht überwiegend aus Gasen. Einige der größten Umwälzungen, die der Menschheit widerfuhren, basieren auf »alchemischen« Manipulationen von Metallen (vgl. Morrisson 2007, Kean 2016). Ob Elektrizität, Kommunikation, Computer oder Internet, Mobilität – mit Eisenbahn, Automobil, Flugzeug und Schiff – und Kriegsführung mit Stahlgewitter oder Atombombe – immer stehen Metalle im Mittelpunkt des Phänomens. Ob hochgelobte alternative Energien oder umstrittene Atomkraft – Metalle beherrschen unsere Welt! Aber beherrschen wir die Metalle?

Die Alchemie jedenfalls bemühte sich seit jeher um ein Verständnis und eine Beherrschung der Materie, vorrangig der Metalle, immer zum Wohle der Menschheit. Eingedenk der Tatsache, dass es so viele Alchemien wie Alchemisten gibt, sei der Versuch unternommen, die grundlegenden Theoreme der Alchemie hinsichtlich der Metalle zu umreißen – mit Schwerpunkt auf der Blütezeit der neuzeitlichen Alchemie (15. bis 17. Jahrhundert).

Alchemie – die Mutter der Wissenschaften

Seit der Antike bildeten die vier Elemente und ihre Eigenschaften – Feuer warm, Erde trocken, Wasser kalt, Luft feucht – die Grundlage der alchemischen Theorie; sie entsprechen nicht den konkreten Dingen gleichen Namens (vgl. Böhme/Böhme 1996).

Im Zentrum der Schöpfung, deren Grundpfeiler die vier Elemente sind, steht der Brunnen der drei Naturreiche: mineralisch, pflanzlich und tierisch. Die drei Reiche entsprechen dem Dreigestirn Sonne/ Tiere, Mond/Pflanzen und Mercurius/Mineralien, wobei Letzterer zugleich das fünfte Element (Quintessenz) und der Urquell der drei Naturreiche ist. Somit bilden die Mineralien, Pflanzen und Tiere, samt Menschen, je einen von drei Strömen des Mercurius-Brunnens: »Der mineralische Mercurius, der pflanzliche Mercurius, der tierische Mercurius ist eins.« (Hofmeier 2014: 17)

Die vier Elemente mit ihren vier Eigenschaften. Im Schema und in den alchemischen Zeichen werden Gegensatzpaare deutlich. (Hofmeier 2014: 79)

Ein weiterer grundlegender Baustein des alchemischen Theoriengebäudes sind die sieben Metalle analog zu den sieben Planeten, die wiederum griechisch-römischen Gottheiten entsprechen. Aus der beschränkten Anzahl in der Antike bekannter Metalle hat sich erst allmählich die geläufige Reihe der sieben Metalle herausgebildet, die entsprechend ihrer kosmischen Parallele aufsteigend von Blei zu Gold aufgezählt wurden. Das Paar Gold/Sonne bestand durchgängig und von Anfang an, wie auch Silber/Mond und Blei/Saturn konsistent als Analogien auftraten; für die Planeten Jupiter, Mars, Venus und sogar Merkur kamen teilweise unterschiedliche Metalle als Entsprechung zum Einsatz. Darunter befanden sich auch vermeintliche Metalle, die später als Legierungen erkannt (wie Bronze, Messing oder Elektron, eine Gold-Silber-Legierung, die im pharaonischen Ägypten beliebt war) und durch die Metalle Eisen, Kupfer und Zinn ersetzt wurden.


Der Mercurius-Brunnen im Zentrum der Schöpfung als Urquell der drei Naturreiche: In den Ecken die vier Elemente (Sterne); Mercurius als doppelköpfiger Drache und fünfter Stern/Quintessenz krönt zusammen mit Sonne und Mond den Brunnen.

Am auffälligsten ist das Quecksilber, das bis ins 14. Jahrhundert wegen seiner merkwürdigen Eigenschaften oft nicht als Metall galt. Zosimos von Panopolis nannte es »kein Metall, kein ständig bewegtes Wasser und auch kein Körper, da man es nicht fassen kann« (Mertens 1995: 21). Unter den byzantinischen Alchemisten nahm es einzig Stephanos in die Reihe der sieben Metalle auf. (Vgl. dazu Gamper/Hofmeier 2002: 62–67; Lippmann 1919: 217, 517–646.)

Es ist nicht geklärt, wann und warum genau diese Metalle und Planeten/Götter einander in Beziehung gesetzt worden sind (vgl. Karpenko 1998, Karpenko 2003), doch die eingangs gemachten Bemerkungen zur fundamentalen Rolle der Metalle in der Geschichte machen den Vorgang nachvollziehbar. Im alchemischen Reigen der Analogien – die von der modernen Forschung gelegentlich als willkürlich und sinnlos bezeichnet werden – konnten sich Farbe, Mythologie und vieles mehr entsprechen.

Die sieben Metalle der Alchemie als reale Metalle in historischen Gefäßen: Gold, Silber, Quecksilber, Kupfer, Eisen, Zinn und Blei.7

So ist es unmittelbar einleuchtend, dass Eisen mit Mars gleichzusetzen ist. Man erinnere sich an die Eisenzeit, die archäologisch in verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich angesetzt wird – die für die Alchemie formative griechisch-römische Epoche gehört jedenfalls dazu. Zudem ist Eisenerz rot, und Eisen rostet in rostroter Farbe, ganz so, wie der Planet Mars am Himmel erscheint.

Die Alchemie ist wie angedeutet kein Feld für unverrückbare, ewig gültige Gleichungen nach dem Muster: Gold = Sonne, Quecksilber = Merkur oder durchaus auch möglich Gold = Mercurius. Jede Gleichung ist aus ihrem eigenen Zusammenhang zu verstehen, gilt bei diesem Autor, in jener bestimmten Epoche und sogar nur an einer bewussten Stelle innerhalb eines Textes, der wenige Zeilen daneben das Gegenteil verkündet. Widerspruchsfrei zu sein, war nie der Anspruch der Alchemie. Unter anderem, weil nach Möglichkeit kein altes Wissen aufgegeben werden sollte.

Die Alchemie war aber, wie ihre lange Geschichte zeigt, sehr wohl für Neuerungen offen – ohne sich jedoch ständig in der Pflicht zu sehen, alte Vorstellungen zugunsten neuerer Entdeckungen aufzugeben. Die Alchemie pflegte grundlegend ein additives und nicht ein substitutives Denkmuster und hat – dem aristotelischen »tertium non datur« (es gibt kein Drittes) radikal entgegengesetzt – zwischen Ja und Nein sehr wohl ein Vielleicht als Drittes zugelassen. Die Alchemie huldigte einer eigenen Logik der Grau- Zwischentöne, ohne vor Widersprüchen zurückzuschrecken, die mit der geläufigen modernen Logik nicht kompatibel sind. Der Alchemist zog das kräftige Sowohl-als-Auch zwangsläufig, aber gerne, dem laschen Entweder-Oder der Standardlogik vor.

Von der Trinität und dem Hermaphroditen

Nur weil beispielsweise ein Alchemist wie der unbekannte Autor des Rosarium Philosophorum die reine Quecksilber-Theorie bevorzugte, musste er noch lange nicht das althergebrachte Gegensatzpaar Schwefel und Quecksilber aus seinem wissenschaftlichen Weltbild streichen. Vielmehr suchte er nach einem die beiden vereinenden Dritten und kam fast zwangsläufig auf die Figur des Hermaphroditen. Er schuf ein Werk zur Metalltransmutation, bestehend aus 337 lateinischen Zitaten von 88 Autoritäten aus etwa zweitausend Jahren, einem darin eingebetteten deutschen Bildgedicht von 136 Versen und einem Zyklus von zwanzig atemberaubend allegorischen Bildern (vgl. Hofmeier 2014).

Der Hermaphrodit steht im Rosarium für den Mercurius, für reales und philosophisches Quecksilber gleichermaßen, sowie für das mercuriale Prinzip, dessen Manipulation über verschiedene Stufen des alchemischen Prozesses schließlich zum ebenfalls androgynen Stein der Weisen führt. Die sexuelle Allegorie des alchemischen Werks kulminiert im Rosarium im Hermaphroditen, dem Symbol der vereinigten Gegensätze schlechthin, und wird in der Schöpfungskraft der Natur verdichtet. Unterscheidbar werden die zehn Hermaphroditen in den Bildern des Rosariums durch die sie umgebende Szenerie, ihre Position, durch ihre Attribute wie Kleidung oder Flügel sowie die Ausrichtung ihrer beiden Geschlechterhälften.

Nur ein Motiv ist im Rosarium noch dominanter als der Hermaphrodit, nämlich der oft mit ihm identifizierte Mercurius. Beinahe alle Tiersymbole der Alchemie, welche für je verschiedene Prozessphasen stehen, werden auch Mercurius zugewiesen. In menschliche Gestalt schlüpft er als nacktes Weib und Luna, auch Königin oder Kaiserin genannt, sowie als Hermaphrodit. In der Zahlensymbolik steht Mercurius für 1, 2, 3, 4 und 5. Mercurius ist die Einheit am Anfang, aus ihm entsteht die Zweiheit, die er vereint. Aus den Zweien wird die Drei(ein)heit, triunus oder terunus. Er ist die Basis der vier Elemente und er ist deren fünftes, die Quinta Essentia. Dadurch ist er mehr oder weniger alle Einheiten, Paare und Trinitäten in Wort und Bild im Rosarium.

Um alle schillernden und funkelnden, dunklen und verborgenen Facetten des philosophischen Mercurius darzustellen, reicht das Monströse knapp aus. Einen beachtlichen Versuch, mercurius philosophorum in einem Wesen zusammenzufassen, unternahm Giovanni Battista Nazari, dessen dreiköpfigen, viergesichtigen, verschlungenen Mercurius-Drachen man als Meisterleistung der symbolischen Synthese bewundern muss (vgl. Nazari 1572).

Dem Einzelbild mangelt die Dynamik, welche der Bilderzyklus des Rosariums zu vermitteln vermag, in dem der Mercurius-Hermaphrodit in immer neuen Variationen gezeigt wird – dafür ist die Gefährlichkeit des Mercurius bei Nazari umso eindringlicher vor Augen geführt.


Erscheinungsformen des Hermaphroditen im Rosarium, weibliche Hälfte markiert. In den Originalbildern sind nur RosPhil 10 und 17 stehend, die anderen liegend, um neunzig Grad im Gegenuhrzeigersinn gedreht. (Hofmeier 2014: 111)

Mehrköpfiges Mercurius-Monster mit Flügelschuhen und Fledermausflügeln. (Nazari, Della tramutiatione, 1599)

Wie wenig inspiriert wirkt dagegen die Darstellungsweise der modernen Chemie, die ihre Elemente zwar noch immer mit den lateinischen (alchemischen) Namen versieht, ihre Eigenschaften jedoch durch nüchterne Zahlen ausdrückt.

Aber ist es Zufall, dass Gold und Blei, als Anfang und Ende der alchemischen Metallreifung im Periodensystem der Chemie nebeneinander stehen? Trotz geradezu allergischer Abwehr gegen sie kann die Chemie ihre Herkunft von der Alchemie nicht leugnen.

Mercurius ist auch reales Quecksilber, dessen auffällige chemisch-physikalischen Eigenschaften Anlass für manches alchemische Symbol und letztlich für die Wahl dieses Metalls als grundlegenden Werkstoff im Laboratorium, ja gar als Bezeichnung eines alles durchdringenden Prinzips gaben. Seit den Tagen, als Zosimos die Theorie vom Körper und Geist der Metalle in die Alchemie einbrachte, wonach allen Metallen ein identischer Körper eigen ist, während der Geist ihnen unterschiedliche Eigenschaften wie Farbe, Härte und so weiter verleiht, kommt Quecksilber eine Sonderrolle zu. Schwer wie Blei, flüchtiger als Wasser und äußerst verbindungsfreudig ist Quecksilber das perfekte Beispiel für die Theorie des Zosimos, der auch erstmals die Bezeichnung Hermaphrodit für Quecksilber oder wohl eher »mercurius philosophorum«, »unser Quecksilber« verwendet (vgl. Hofmeier 2014: 112).


Elemente Gold und Quecksilber nach der Periodentabelle der modernen Chemie. (Hofmeier 2014: 112)

Alchimia practica

Nach dem gleichen Muster der additiven statt substitutiven Theoriebildung (reine Quecksilber- versus Quecksilber-Schwefel-Theorie) brach die alchemische Tradition der sieben Metalle nicht ab, als neue Metalle, wie zum Beispiel das Antimon, auf den Plan traten (vgl. Hofmeier 2008). Im Gegenteil, es waren Alchemisten, die fortan Bücher zum Antimon schrieben – allen voran der geheimnisvolle Basilius Valentinus. Das Sowohl-als-Auch anstelle des Entweder-Oder, welches die alchemische Theorie prägt, galt in gleichem Maß für ihre Ausdrucksweise in Wort und Bild. Landläufig wird der Arkancharakter der alchemischen Kommunikation, die sich ungezählter Decknamen, verwirrender Metaphern und Allegorien bediente, um ihr Wissen vor Unbefugten geheim zu halten, betont. Dies wird der Tatsache nicht gerecht, dass die alchemische Art und Weise, sprachlich und visuell schwer nachvollziehbare Phänomene darzustellen, auch eine Verständnishilfe sein kann. Dabei soll die gezielte Geheimhaltung keineswegs geleugnet werden, die die Alchemisten immer wieder ausdrücklich forderten und überzeugend demonstrierten, aber auch bereits im 12. Jahrhundert als Hemmnis beklagten (vgl. Hofmeier 2014: 80–81; Bachmann/Hofmeier 1999: 9–13; Hofmeier 2017: 23–25).

Zuweilen liegt aber gerade in der Komplexität einer alchemischen Schilderung der Schlüssel zum Verständnis eines Sachverhalts. Bis vor Kurzem hielt man die Zwölf Schlüssel von Basilius Valentinus oder das Rosarium, beides Werke voller Allegorien in Wort und Bild, für im besten Fall unverständlich, im schlimmsten Fall Nonsens. Beim Versuch, Basilius’ Anleitungen im Laboratorium nachzuvollziehen, stellte der Alchemiehistoriker Lawrence Principe allerdings fest, dass seine Resultate umso besser wurden, je exakter er sich an die skurrilen Anweisungen des pseudonymen Alchemisten hielt, und je unreiner die Ausgangsstoffe waren. Mit reinen Substanzen und handelsüblichen Apparaten aus dem Angebot des modernen Chemikalienhandels war Principe kein Erfolg vergönnt. Erst als er getreu den Angaben in den Zwölf Schlüsseln des Basilius »ungarisches Antimon« statt chemisch reines Antimon verarbeitete, traten die vom Alchemisten beschriebenen Effekte auf (vgl. Principe, S. 137–157).

Metalle dominieren die Alchemie von den Urgründen im alten Orient und Ägypten, über die Schriften des Zosimos, zum metallurgischen Grundlagenwerk Gebers Summa perfectionis magisterii in sua natura … – das ein veritables Handbuch der experimentellen Metallurgie ist – bis hin zum noch von Newton hochgeschätzten Rosarium – dem Musterbeispiel transmutatorisch-philosophischer Spitzenalchemie für Fortgeschrittene. Alchemie der Metalle kann nüchtern praktisch daherkommen, wie bei Geber – weshalb er von manchen modernen Alchemiekritikern nicht zu den Alchemisten gezählt wird, weil seine Anleitungen im Labor nachvollziehbar sind – oder allegorisch derart verklausuliert wie das Rosarium, dass ein einhelliges Verständnis von Inhalt, Zweck und Deutung in weiter Ferne liegt.

Was die praktische Anwendung angeht, darf Paracelsus nicht ausgelassen werden. Er hat metallische Pharmazie zwar nicht erfunden, sie aber wortgewaltig und lautstark propagiert. Paracelsus wies den Weg von der reinen Kräutermedizin der Mönche hin zur alchemischen Breitband-Pharmazie unter Einsatz aller Mittel – auch und gerade der Metalle.

Ob reales Gold in der Retorte zu aurum potabile verkocht wird; ob philosophisches Gold in spekulativ philosophischen Übungen mehr Symbol als Materie ist; oder nicht zuletzt, ob die berüchtigte Goldmacherei durch Transmutation Reichtum verspricht und oft Ruin bedeutet: Alchemie förderte auf vielfältige Weise den wissenschaftlichen Fortschritt. Praktisch durch konkrete materielle, technische und chemische Errungenschaften, theoretisch durch den Anreiz, Grenzen auszuloten, und ganz allgemein durch das stete Streben nach Verbesserung der Welt. Alchemie war und ist getrieben vom Drang, den Aufbau der Welt, die Funktionsweise der Natur und das Zusammenspiel von Oben und Unten zu verstehen und basierend auf diesem Verständnis zu manipulieren. Dazu muss der wahre Alchemist sich spirituell läutern, wie das Gold im Feuer.

»Der Baum aller Metallen« (aus: Martin Sturtz, De humido radicali, 1597). Auffallend sind die Zahlen 10, 100, 1000 am unteren Bildrand, die ein Hinweis auf eine schrittweise Vergeistigung sind, wie sie später Samuel Hahnemann in der Potenzierungsidee der Homöopathie weiter ausführte.

Der Baum der Metalle

Der Bergmann und Alchemist Martin Sturtz vom Geyer hat eine Reihe atemberaubender Illustrationen geschaffen, die das Wesen der Metalle nach alchemischer Theorie darstellen (vgl. Bachmann/Hofmeier 1999: 126– 139). Obwohl er durch seine Tätigkeit im Bergbau sehr praktisch und buchstäblich an der Quelle der Metalle tätig war, hat sich Sturtz intensiv mit den kosmologischen und theologischen Voraussetzungen der Metalle beschäftigt. Sein Schema »Baum aller Metalle« irritiert auf den ersten Blick, weil die namensgebenden Metallbäume in der unteren Bildhälfte kopfüber nach unten wachsen, während die im Erdinnern zu verortenden Metalllagen gekreuzt im oberen Bildbereich auftreten (Fig. 6/7). Nur scheinbar ist oben und unten verkehrt worden, wie der Bildtext im Schema deutlich macht (Orthografie modernisiert):

»Der Baum der Metalle kommt vom Einfluss des Himmels, kehrt seine Wurzeln zu Tage gegen den Himmel, sein Himmelstau befeuchtet die Flores (Blumen) aus dem Meer. Da werden die Metalle gekocht mit ihrer eigenen Sonne, Mond und Gestirnen.

Nach der Trinität und dem Heiligen Kreuz ist alles beschaffen.

Die Erde ist stratiert (geschichtet) nach dem Himmel geschaffen, ihre Vollkommenheit in der Mitte: Minera.«

Das Hauptanliegen des Bildes ist es aufzuzeigen, wie die himmlischen Einflüsse der »Trinität« – was auf die Göttliche Dreifaltigkeit sowie die drei Prinzipien Sal, Sulphur und Mercurius anspielt – durch drei als Katharakte bezeichnete Röhren die Wurzeln der sieben Metalle speisen. Die sieben Metallbäume sind, wie auch die zweimal sieben gekreuzten Lagen der Metalle, jeweils mit ihren Symbolen gekennzeichnet. Sturtz setzt das Gold respektive die Sonne ins Zentrum der Siebenergruppe und lässt die Metallbäume in verschiedene Höhen wachsen.

Die Bildtexte, welche im Rahmen und im Innern in vier Richtungen stehen, geben einen grafischen Hinweis auf den theoretischen Inhalt, der sich durch eine allmähliche Drehung der Darstellung erschließen lässt. Kopfüber betrachtet, stehen die Metallbäume »richtig« und die Metallschichten sind unten in der Erde – wie oben so unten.

6 »Der mineralische Mercurius, der pflanzliche Mercurius, der tierische Mercurius ist eins.«

7 Quelle: Pharmaziemuseum Basel; aus Bachmann/Hofmeier 1999, S. 90, Bild 41

»Die Natur liefert nichts, was vollendet ist (…) Sondern der Mensch muss es durch spagyrische Bereitung dahin bringen, wozu es von der Natur bestimmt wurde.«

PARACELSUS, BD. III: 321

Vom Stoff zur Arznei

Markus Giesder

Philosophische Grundbetrachtungen zur Arzneiherstellung

In der Alchemie gibt es zwei grundlegende Wege vom Stoff zur Arznei, »den sogenannten kurzen, trockenen Weg und den sogenannten langen, nassen Weg. Aber die Bezeichnung nasser und trockener Weg ist eigentlich nur sehr bedingt richtig, denn (…) das, was zuerst bereitet werden muss, ist das Salzfeuer8, was nicht ohne Zuhilfenahme von Wasser möglich ist.« (Bernus, S. 232)

Alexander von Bernus führt zwei grundlegende Gegebenheiten auf, die auch heute noch gültig sind. Einerseits nennt er zwei grundsätzlich unterschiedliche Aufschlussarten mineralischer Ausgangsstoffe, die aber auch ineinander übergehen können; und andererseits weist er darauf hin, dass ein anorganischer Stoff aufbereitet werden muss, bevor ihn der menschliche Körper überhaupt aufnehmen kann; und da der menschliche Organismus zu 90 Prozent aus Wasser besteht, muss dieser »Mercurius«9 wasserlöslich sein.

Der Meister wird von seinem Meister beraten: Hermes offenbart dem Alchemisten das Geheimnis des Elixiers. (Oedipus chimicus, 1664)


Der Großmeister der alchemistischen Kunst, Paracelsus, in einer Darstellung aus dem 17. Jahrhundert, mit diversen Gerätschaften im Hintergrund. (Kupferstich, Pharmaziehistorisches Museum, Basel)

Folgt man der Substanzbildung naturphilosophisch, bildet sich die Substanz10 aus dem Geistigen, der Essenz, dem Wesen eines Dinges. Man könnte es auch den Begriff11 nennen. Es gibt einen Weg von der Kraft zur Form oder Substanz; der Weg dazu geht über die vier Elemente, die mit den Qualitäten Wärme, Kälte, Trockenheit und Feuchtigkeit verbunden sind. Der Weg führt von der reinen Wärme des Feuers, dem eigentlich geistigen Prinzip, zur ebenfalls warmen Luft, dem Gasigen, welches noch komprimierbar ist, hin zum Wasser, dem wässrigen und kühlen Element, in dem noch das Bewegliche vorherrscht, das aber schon nicht mehr komprimierbar ist, um dann in der Kälte und Trockenheit der Erde anzukommen; der Weg geht also von einem geistigen dynamischen Prinzip hin zum Stofflichen. – Fest und unbeweglich stellt sich die heutige Materie12 dar. Wir haben in der uns umgebenden Natur somit einen Dreiklang aus Kraft, Form und Substanz. Unter Abgabe von Wärme kristallisiert die Kraft aus der Form in die Substanz.

Jede alchemistische Aufarbeitungsart, auch die Potenzierung, geht nun diesen Weg zurück vom Stoff zur Essenz. Dazu darf keines der Elemente oder Stufen ausgelassen werden. Wärmeprozesse sind dabei besonders wichtig – die Arznei muss durch das Feuer gehen, um geboren zu werden.

Das Erdelement wird zerbrochen. Es wird pulverisiert. In der Alchemie benutzt man dazu die im Text beschriebenen Aufschlussverfahren, wie beispielsweise die Calcination13. Ein Pulver entspricht in der naturphilosophischen Anschauung bereits dem Element Wasser, denn es hat keine Eigenform mehr, sondern nimmt die Form des Lagergefäßes an und bildet eine horizontale Oberfläche, man kann es durch Rohre leiten usw. Dann muss ein Aufschluss erfolgen, um den festen Stoff ins Flüssige zu überführen. Das Problem ist dabei, die Essenz zu halten, während der Corpus zurückgedrängt wird. Die Alchemie hat dazu viele unterschiedliche Kunstgriffe entwickelt, während die Homöopathie dazu die Potenzierung verwendet.

Bei den alten Alchemisten wurde ein Stoff nicht aus einzelnen Molekülen zusammengesetzt gedacht, ungeachtet ihrer Herkunft und der durchgeführten Prozesse. Vielmehr ging es um die »Biografie der Substanz«. Alles wurde in einen prozessualen Zusammenhang gestellt.

Iatrochemiker in der Tradition des Paracelsus sahen die Metalle als noch mit dem Kosmos verbunden. Rudolf Steiner nennt sie »Luftgeborene« und »Erdbezwungene«14. Er verweist darauf, dass früher noch alle Metalle flüssig waren wie das Quecksilber heute noch, sie waren also alle Merkur.15 Es gilt also, diesen lebendigen Zustand wieder zu erzeugen.


Die vier Elemente umgeben die Szenerie, die in eine dunkle (Wasser/Erde) und lichte Hälfte (Luft/Feuer) unterteilt ist. Die zwei Lichter und die fünf Wandelplaneten sind in beiden Hälften zu finden. In der lichten Hälfte sitzen die drei Jungfrauen und halten die Symbole für Feuer und Wasser in der Hand. Dem Feuer zugeneigt, hält die mittlere Figur ein Hexagramm, Symbol für die chymische Hochzeit und das große Werk. In der dunklen Hälfte sehen wir in einem Berg sieben Figuren sitzen. Sie verkörpern die Metalle mit Apollon in ihrer Mitte als Gold. Davor sieht man einen Brunnen – er soll darstellen, dass man nur durch das »Lösen« (Element Wasser) und durch seine Kunstfertigkeit (fehlender Seilzug und Eimer) die göttliche Kraft aus der Substanz freisetzen kann. (Musaeum hermeticum, 1625)

Seit ungefähr zwei Jahrhunderten denken und beschreiben wir die Welt stofflich, Jahrtausende vorher hat man die Welt (hypothesen- und modellfrei) prozessual beschrieben. Die konkrete Ausführung der Beschreibung von Prozessen und Qualitäten sind die Vier-Elemente-Lehre und die Tria Principia.16 Der Begriff der Qualität, wie er heute verwendet wird, entspricht dem Quantitätsbegriff. Die eigentliche Bedeutung des Qualitätsbegriffes beschreibt Garvin17 und schildert damit auch genau das Problem. Wir leben heute in einer Welt von Maß, Zahl und Gewicht. Durch diese Brille schauen wir auf die Welt und setzen gleich, was nur vergleichbar ist, in Bezug auf den Corpus – wir beschreiben damit die äußere Form, nicht aber den Inhalt, und gehen dabei aber davon aus, dass die Form den Inhalt definiert. – Aber selbst eine noch so genaue Analyse des Papiers und des Buchformats wird nie den geschriebenen Textinhalt und noch weniger die Gedanken zwischen den Zeilen exakt beschreiben.

»Wie ihr es nun vom Golde gehört habet, in der gleichen Weise sollet ihr es auch von den allen anderen Metallen verstehen, dass ihr kein metallisches Arcanum oder eine metallische Arznei in den Körper bringen sollet, es sei denn, dass es vorher flüchtig gemacht wurde und nicht mehr ein Metall werden kann.«

PARACELSUS, BD. III: 255

Steffan Michelspacher, Cabala, 1616.

Das Bild stellt den alchemistischen Prozess der Metallaufschließung dar. Sieben Stufen führen zum Palast mit sieben Fenstern von Königin (Mond) und König (Sonne), der eine Blume mit drei Blüten in der Hand hält (Trinität). Die Planetenprinzipien stehen links und rechts auf dem Berg, ganz oben ist Hermes auf seinem sechseckigen Sockel. Die Elemente und Sternzeichen bilden den Himmel.

Im unteren Bildteil sieht man eine Figur mit verbundenen Augen (der Ignorant), während ein anderer die Hasen beobachtet, die ins Innere der Erde schlüpfen (Wissender). Paracelsus hierzu: »Wer nun diese sieben Staffeln und Stiegen geht, der kommt an einen so wunderbaren Ort, wo er viele Geheimnisse bei der Verwandlung aller natürlichen Dinge sieht und erfährt.« (Paracelsus, Bd. III: 259ff.)

• Calcination, auch Reverberation und Zementation: Durch starkes Feuer werden die körperlichen Dinge zu Kalk und Asche. Alle Oxidationsvorgänge bilden Aschen. Die Form ist dann zerstört, es ist aber noch lange nicht subtil. Beim Verkohlen bleibt die Form erhalten, beim Veraschen geht sie verloren.

• Sublimation, auch Exaltation, Elevation und Fixation: Der Destillation nicht ungleich; scheidet das Geistige vom Körperlichen, das Flüchtige vom Festen, das Reine vom Unreinen.

• Solution/Lösung, auch Dissolution, Resolution: eine in der Kälte, eine in der Wärme (durch Feuer). Dieser Grad folgt oft auf die Sublimation und Destillation der Materie, welche am Boden liegen bleibt. Hier hat die Alchemie eine Vielzahl von Prozessen und Lösungsmitteln entwickelt, die man sich mit heutigem naturwissenschaftlichem Denken nur schwer bis gar nicht erklären kann.

• Putrefaction/Fäulnis, auch Digestion und Zirkulation: Die Fäulnis hat so große Wirkung, dass sie die alte Natur verzehrt und alle Dinge in eine neue und andere Natur verwandelt. Putrifikation wird für praktisch jede Form von Auszug (heute eher Mazeration) oder Vergärung verwendet.

• Destillation, auch Aszendieren, Lavieren, Imhibieren, Kohobieren, Fixieren: Durch die Destillation werden alle Wässer, Flüssigkeiten und Öle subtil – es verändert das Wesen. Hier wird die Reinigung der Salze beschrieben. Bei der Destillation geht es zum einen um die Trennung in die Tria principia, aber auch um die Trennung von Ethanol, Methanol und Wasser. Es geht jedoch auch darum, den Stoff subtiler (geistiger) zu machen und ihn zu energetisieren.

• Koagulation (heißer oder kalter Weg), Anreicherung

• Tinctur/Färben, Tingieren – Veredelung, auch Multiplicatio (Anreicherung). Eigentlich ist eine pflanzliche Urtinktur gefärbt und damit nicht destilliert. Hier ist der Begriff aber als 7. Stufe in einem etwas anderen Sinne gebraucht. Siehe Quinta Essentia unter Aurorapharma.

Der wässrige Weg, die Via humida

Lösungen

Die einfachste Form, ein aufnahmefähiges Arzneimittel herzustellen, ist eine »Lösung«. Als Lösung bezeichnet man ein homogenes Gemisch aus mindestens zwei Stoffen. Das Auflösen selbst ist ein physikalischer Vorgang.

Eine Lösung besteht aus mindestens einem gelösten festen, flüssigen oder gasförmigen Stoff (Solvat) und aus dem den größten Teil der Lösung ausmachenden, in der Regel flüssigen Lösungsmittel (Solvens), das seinerseits wiederum eine Lösung sein kann. Jeder Pflanzenauszug (Tinkturen, Sirupe, Elixiere), aber auch Auflösungen von wasserlöslichen Salzen in Wasser stellen schlussendlich eine Lösung dar.

Bei Metallen gibt es keine Lösungen, es sei denn, die Natur hat die Lösungsvorgänge schon vollzogen. Als Beispiel kann man das »Levico stark«-Wasser sehen. Das ist Wasser aus einer Quelle in der Nähe von Trento in Südtirol, die in einem ehemaligen Bergwerk entspringt. Durch die Zusammensetzung des Gesteins schließt das Wasser das Gestein auf, und es entsteht ein komplexes Metallgemisch mit den Hauptanteilen Eisen, Kupfer und Arsen. In Levico Terme werden Bäderkuren angeboten, als Arzneimittel ist das Wasser in potenzierter Form bei Wala und Weleda erhältlich (vergleiche das Kapitel zu Eisen, Seite 169).


Herstellung einer Potenz im flüssigen Medium.

Flüssige Potenzierung

In erster Linie könnte man vermuten, dass die flüssige Potenzierung eine einfache Lösung darstellt, weshalb sie oft auch Verdünnung genannt wird. Samuel Hahnemann18 lehnte diesen Begriff aber ab, er schreibt im Organon § 269: »Man hört noch täglich, dass die homöopathischen Arznei-Potenzen bloß Verdünnungen genannt werden, dabei sind sie doch genau das Gegenteil derselben. Sie sind wahre Aufschließung der Natur-Stoffe und Zu-Tage-Förderung und Offenbarung der in ihrem inneren Wesen verborgen gelegenen, spezifischen Arzneikräfte. Dies wird durch Reiben und Schütteln bewirkt, wobei ein zu Hilfe genommenes, unarzneiliches Verdünnungs-Medium bloß als Neben-Bedingung hinzutritt. Verdünnung allein, zum Beispiel die der Auflösung eines Grans Kochsalz, wird schier zu bloßem Wasser; das Gran Kochsalz verschwindet in der Verdünnung mit vielem Wasser und wird nie dadurch zur Kochsalz-Arznei, die sich doch zur bewundernswürdigsten Stärke durch unsere wohlbereiteten Dynamisationen erhöht.«

Hahnemann verweist hier auf die wichtigsten Kriterien des Potenzierens. Schrittweise Verdünnung und kräftiges Schütteln oder Reiben in einem Medium. Aber warum muss das so erfolgen?

Durch die stufenweise Verdünnung des Stoffes und der Fixierung der Kraftfreisetzung durch das Schütteln der Potenz verliert sich die Kraft nicht, sondern wird vielmehr gesteigert. Es entspricht also dem alchemistischen Weg aus den kalten Elementen hin zu den warmen.

Damit man Feststoffe wie Metalle in einem flüssigen Medium potenzieren kann, muss man diese in einen anderen Aggregatszustand überführen. Hierzu dienen verschiedene Methoden, wie die Verreibung bis zur D6 in Milchzucker – ab dieser Potenzstufe kann man in einem flüssigen Medium weiterpotenzieren –, oder man nimmt beispielsweise Säuren als Lösungsmittel, wie weiter unten noch aufgeführt wird.

Kohobation (Phönix Laboratorium, Soluna)

Conrad Johann Glückselig19, der Gründer der Phönix Laboratorien, schloss Metallsalze über Kohobation auf. Dieses Verfahren ist im HAB20 beschrieben und trägt die Zusatzbezeichnung »spag. Glückselig«.

Kohobieren (von lat. cohobare) ist ein Prozess der wiederholten Destillation. Dabei destilliert man eine Flüssigkeit in einem Destillierkolben von einem Feststoff ab und gießt diese anschließend wieder in den Kolben zurück, um erneut abzudestillieren. Dieser Prozess wird viele Male wiederholt. Ziel ist es, den Rückstand immer weiter aufzuschließen, subtil zu machen und das Destillat zu energetisieren. Die Mineralsalzdestillate sind zu beziehen über Phönix Laboratorien oder Heidak.

Beide Firmen benutzen dieses Verfahren der Kohobation aber auch bei echten Lösungen. Im Ferrum spag. setzt die Firma Phönix das Ferrum chloratum solutum21 in Dil. D3 ein. Die Firma Heidak verwendet wiederum unter anderem das Argentum colloidale und verarbeitet es mittels mehrfacher rhythmischer Kohobation und vorhergehender Rhythmisierung22 zu Argentum colloidale spag. Glückselig in D6.


Herstellung von Antimonpräparaten mittels Kohobation in der Firma Soluna.

Eine vereinfachte Kohobation lässt sich durchführen, indem der Destillierkolben mit einem Rückflusskühler versehen wird, durch den ein Teil der abgedampften Flüssigkeit wieder kondensiert und in den Kolben zurückfließt. Dieser Prozess wird Zirkulation genannt. Ein spezielles Gefäß dafür ist der Pelikan.


Übertragung einer Flüssigkeit (hier Methylenblau) auf Globuli.

Die Firma Soluna verwendet noch ein ganz eigenes Aufschlussverfahren beim Antimonit in den Solunaten Nr. 3 Azinat, Nr. 6 Dyscrasin, Nr. 7 Epidemik und Nr. 18 Splenetik. Dieses Verfahren ist ebenfalls im HAB (Vorschrift 56) beschrieben und trägt den Zusatz »spag. von Bernus« (vergleiche das Kapitel zu Antimon S. 259).

Beim Antimondestillat A gibt man Antimonit (Antimonsulfid) und Natriumnitrat (Chilesalpeter) in Wasser und destilliert, beim Antimondestillat B wird dagegen Antimonit in Ethanol gegeben und destilliert. Ist der Destillationsvorgang abgeschlossen, wird der Rückstand jeweils mit neuem Medium aufgegossen. Das Übergießen des Rückstandes zeigt das Bild einer klassischen Kohobation, die Verwendung eines neuen Mediums entspricht jedoch einer Perkolation23. Dieser Vorgang wird zwölfmal durchgeführt. Danach werden die zwölf Fraktionen (das heißt die entstandenen Destillate) jeweils vereinigt.

Diese beiden Antimondestillate bilden sowohl ein tingiertes24 Auszugsmedium als auch einen Wirkstoff für andere mineralische Bestandteile oder homöopathische Dilutionen. Die jeweiligen Mischungen werden 7 Tage bei 37 Grad Celsius digeriert25 und rhythmisiert.

Kolloide

Der Hauptunterschied zwischen einer Lösung und einem Kolloid besteht darin, dass die Teilchen in einem Kolloid oft größer sind als die gelösten Teilchen in einer Lösung. Darüber hinaus sind Lösungen im Vergleich zu Kolloiden, die auch als heterogenes Gemisch vorliegen können, völlig homogen.

Kolloide kann man auf unterschiedliche Arten herstellen. Entweder man reduziert beispielsweise ein Goldsalz mittels Natriumcitrat. Die sich bildenden Goldteilchen sind so klein, dass ihr Durchmesser in einer Größenordnung von etwa 13–150 Nanometern liegt. Die Oberfläche des Goldkolloids ist positiv polarisiert. Um die positive polarisierte Oberfläche zu stabilisieren, umgibt sich das Kolloid mit Citrat-Molekülen und ist dadurch stabil, oder man benutzt Eiweißstoffe26 als Schutzkolloid. Diese Verfahren finden sich in alten Arzneibüchern und alchemistischen Darstellungen als Aurum potabile27. Allerdings in einer weniger chemisch anmutenden, aber doch sehr identischen Beschreibung.


Kolloidales Gold (Bild links). Die Farbe erinnert an Blut und zeigt die Verbindung zu roten Pflanzenauszügen wie Johanniskraut (Bild rechts).

Diese Art der Darstellung des Aurum potabile findet sich heute im HAB als Auri solutio colloidalis und wird unter anderem von der Firma Remedia vertrieben. Auch die Firma Hevert setzt Aurum colloidale im Gingko biloba comp. ein – zur Behandlung von Herzleiden.

Die Firma Soluna verwendet Argentum colloidale in Solunat Nr. 4 (Cerebretik), zusammen mit Silbercitrat und kolloidalem Kupfer nach einer Rezeptur von Alexander von Bernus in Solunat Nr. 16 (= Renalin).

Mit der heute gängigen Herstellung kolloidaler Silber- und Goldlösungen mittels eines elektrochemischen Verfahrens haben die alchemistischen Aufschlüsse aber nicht viel zu tun. Sie stellen im naturphilosophischen Sinn keinen wirklichen Aufschluss im Sinne der Elementenlehre dar, sie sind einfach nur Corpus. Diese Kolloidlösungen stellt man mittels Elektrolyse her. Durch zwei Elektroden, die aus dem herzustellenden Element bestehen, wird ein elektrischer Gleichstrom in eine leitfähige Flüssigkeit geführt. Am besten eignet sich dafür destilliertes Wasser (die Leitfähigkeit wird durch Erhitzung erreicht). Dabei entstehen Metallpartikel und Metallionen. Diese sind bei zu häufiger Einnahme toxisch und führen zu Argyrie28.

Die im HAB ausgeführten Kolloide werden aber auch noch potenziert und sind daher ungiftig. Monografien im HAB gibt es heute nur noch zu Aurum colloidale und Argentum colloidale. In den alten Arzneimittellehren von Mezger und Boericke29 finden sich aber noch viel mehr Metalle in kolloidaler Form. Plumbum colloidale ist bei Arcana noch erhältlich.

Chemische Verbindungen

Ein weiterer mineralischer Bestandteil, den beispielsweise die Soluna im Solnat Nr. 5 Cordiak einsetzt, ist Aurum chloratum, auch Tetrachlorogoldsäure genannt. Es ist eine chemische Verbindung von Gold und Chlor. Die einfachste und wichtigste Gewinnungsart von Tetrachlorogoldsäure ist die Auflösung von elementarem Gold in Königswasser30, einer Mischung aus Salz- und Salpetersäure. Ein anderes Beispiel ist die Auflösung von Silber in Salpetersäure zu Silbernitrat (Argentum nitricum).31

Hierbei ist zum Verständnis wichtig, dass die Auflösung eines Metalls in einer Säure kein wie bisher beschriebener Lösungsvorgang ist, da hierbei eine chemische Reaktion auftritt.

Wir haben also bisher vier Aufschlussarten beschrieben: die Kohobation, die echte Lösung, die Kolloide und die chemische Umwandlung durch Lösen in Säuren. Diese Aufschlussarten können einzeln oder in Kombinationen, mit und ohne rhythmischen Prozess durchgeführt werden.

Chymiatrie oder Iatrochemie

Hier finden wir den Übergang der früheren Alchemie zur heutigen Chemie. Viele der heute noch gängigen chemischen Verbindungen wie Silbernitrat gibt es schon sehr lange, sie sind aus den Forschungen der Alchemisten hervorgegangen, deshalb sehen heute Chemiker die Alchemie als reine Vorstufe der Chemie und Paracelsus als ihren Stammvater. Dabei war sie weit mehr als das. Wie in der Einführung beschrieben, mussten alle Naturreiche in einer Stufenfolge durchschritten werden. Der tote Stoff, das Mineral, ist dem menschlichen Körper nicht mehr verwandt. Es muss erst mittels der vier Elemente und der drei Prinzipien dem Körper wieder angenähert und bioverfügbar gemacht werden.


Goldchlorid, Firma Soluna.

Um den Übergang vom Mineralreich ins Lebendige zu schaffen, schließt man in der Naturphilosophie beispielsweise den Stein mit der Pflanze auf. – Es ist für jeden beobachtbar, wie Moose und Flechten Steine zersetzen; man hat erkannt, wie Pflanzenwurzeln Säuren ausscheiden, um Mineralstoffe aus umgebenden Gesteinen für ihre Erhaltung aufzunehmen. – Durch Erwärmung, Rhythmisierung und Bindung an einen lebendigen Träger wie die Pflanze wird das Mineral verlebendigt.


Gewinnung von Kupferacetat durch die Aufschließung von Malachit mit Essig. Firma Weleda.

Deshalb haben Alchemisten Aufschlüsse von Metallen mit pflanzlichen Lösemitteln durchgeführt – Beispiele sind Cuprum aceticum oder Ferrum hydroxydatum32. Beides sind Aufschlüsse mit Essig. Schon Samuel Hahnemann33 erwähnt Auszüge von Eisen in Apfelsaft, heute noch als Ferrum pomatum bei Weleda erhältlich, einem Heilmittel zur Anämiebehandlung. Dazu werden 50 Teile saure Äpfel in einen Brei verwandelt und ausgepresst. Der abgepressten Flüssigkeit wird 1 Teil gepulvertes Eisen zugesetzt und so lange digeriert, bis die Gasbildung aufhört. Dann wird mit Wasser auf 50 Teile ergänzt. Die Pflanze schließt das Eisen auf, um es dem menschlichen Körper anzunähern und damit aufnahmefähiger zu machen. Zu dieser Gruppe gehören Präparate wie Ferrum citricum (Eisen in Zitronensäure), Ferrum phosphoricum (Eisen in Phosphorsäure aus Tierknochen) und Zincum valerianicum (Zink und Säure aus Baldrianwurzel).

Liegt das Wirkprinzip nun einfach nur darin, statt eines mineralischen Ausgangsstoffes einen natürlicheren zu nehmen, oder liegt noch ein anderer Gedankengang zugrunde? Paracelsus forderte: »Der Arzt müsse durch der Natur Examen gehen.« – Und genau hier liegt der Schlüssel zum Verständnis der Unterscheidung eines wahrhaft spagirischen Aufschlusses und einer chemischen Verbindung, selbst wenn diese aus natürlichen Ausgangsstoffen erzeugt wurde. Dem spagirischen Aufschluss liegt immer eine naturphilosophische Betrachtung der uns umgebenden Natur oder der innermenschlichen Natur zugrunde, wobei sich diese Prozesse ja wie der Mikrokosmos zum Makrokosmos verhalten. Es kann an dieser Stelle nur fragmentarisch darauf eingegangen werden, dies fordert ein weitreichendes Studium.34

Vegetabilisierte Metalle (Weleda)35

Als Beispiel für diesen Arzneityp dient das Präparat Urtica dioica Ferro culta der Firma Weleda, ein Sonderpräparat aus Eisen und Brennnessel.


Vegetabilisiertes Metall. Brennnessel wird in einem besonderen Prozess mit Eisen in Beziehung gebracht. Hier ist es die dritte Generation, die zur Weiterverarbeitung dient; das Präparat heißt dann Urtica dioica Ferro culta.

Die Grundlage ist ein möglichst ideal ausgebildetes, reines Mineral, das von nur einem Metall gebildet wird, beispielsweise dem Pyrit, einem Eisensulfid. Dieses wird mit Königswasser (Aqua regis) übergossen, was eine heftige Erwärmung und Gasbildung hervorruft. Dann erfolgt eine Destillation aller flüchtigen Bestandteile, die einen festen Rückstand im Ansatzgefäß hinterlässt.

In einer zweiten Stufe wird dieser eisenhaltige Destillationsrückstand mit Schwefelsäure versetzt. Dadurch entsteht ein stabiles, wasserlösliches Eisensulfat. Nach einer weiteren Destillation bis zur Trockenheit ist das Eisen zu einem Salz auskristallisiert.

Im dritten Schritt wird dem Destillationsrückstand destillierter Rotweinessig zugegeben und wieder bis zur Trockenheit destilliert.

Der vierte Schritt erfolgt dann unter Zugabe von Ammoniumnitrat mit anschließender Destillation. Der metallisch glänzende, feste Pyrit ist nun zu einer luftig aufgeblähten, amorphen, bröckeligen Substanz von braunroter Farbe verwandelt. Sie ist hygroskopisch36 und dem Boden, dem Erdelement, angenähert. Auch bei diesem Aufschluss kann man wieder eine Stufenabfolge erkennen. Zuerst erfolgt ein oxidativer Aufschluss. Als Oxidation im ursprünglichen Sinn bezeichnete man früher die chemische Reaktion eines Stoffes mit Sauerstoff. Oxidationen unter Flammenerscheinung werden als Verbrennung oder Feuer bezeichnet.

Andersherum ist eine Verbrennung eine Redoxreaktion, die unter Abgabe von Energie in Form von Wärme und Licht abläuft, also exotherm ist.

Man könnte diese Behandlung mit Salzsäure, bzw. mit Säuren im Allgemeinen, die zur Oxidation führen, als Verbrennung bezeichnen. Dies erinnert an das »Salzfeuer«, das von Bernus eingangs zitiert wurde. Die Oxidation macht einen Stoff erdenhafter, salinischer. Darunter fallen die ganzen »Crocuse« der Alchemie.

Wie schon zuvor im Kapitel Chymiatrie beschrieben, schließt man durch das Vitriolöl37 das Mineralreich auf, dann erfolgt der Aufschluss durch das Pflanzenreich (Belebung) mit Rotweinessig und zum Schluss mit dem Tierreich (Beseelung) durch das Ammoniumnitrat, das aus Hirschhorn und Chilesalpeter hergestellt wird.

Dieser Dünger wird dann benutzt, um eine erste Heilpflanzengeneration zu düngen. Die Auswahl der Pflanze erfolgt entsprechend der Wesensverwandtschaft zum Metall. In unserem Beispiel ist dies Urtica dioica, die Brennnessel, mit ihrem Bezug zu Eisen; kosmologisch unterstehen beide dem Mars. Möchte man beispielsweise irgendwo Brennnessel züchten, reicht es aus, ein Stück rostiges Metall an den Platz zu legen und man kann sich sicher sein, dass dort im nächsten Jahr Brennnesseln wachsen.

Nach einer Wachstumsperiode werden die Pflanzen geerntet und kompostiert. Mit dem daraus entstandenen Kompost düngt man dann im Folgejahr die zweite Pflanzengeneration. Diese wird wiederum geerntet und kompostiert und bildet den Dünger für die dritte Pflanzengeneration. Erst diese wird dann zur Tinktur und zu den entsprechenden Darreichungsformen verwandelt.

Die Präparate tragen die Bezeichnung der verwendeten Pflanze mit dem Anhang »culta« oder »cultum«, in unserem Beispiel Urtica dioica Ferro culta.

Es sind alle sieben klassischen Metalle lieferbar, zum Teil in mehreren Trägerpflanzen, da durchaus mehrere Pflanzen eine Verbindung zu dem jeweiligen Planeten bzw. Metall haben. – Zur Therapie siehe die jeweiligen Kapitel zu den Metallen.

Außerdem gibt es noch Quarz mit Schachtelhalm; Antimon ist nicht lieferbar – hier wäre aber eine Verbindung zum Wein denkbar (vergleiche Antimon und Kalium aceticum comp.).

Die Idee der vegetabilisierten Metalle ist eine »Potenzierung«, bzw. »Verlebendigung« des Mineralischen durch das Pflanzliche, wodurch sich die Bioverfügbarkeit verbessert, besonders in der Behandlung von Kindern.

Viele Pflanzen zeigen eine eigentümliche Affinität zu einem bestimmten Metall, es ließen sich somit sicher noch mehr Präparate dieser Art denken. Versuche gab es bei Weleda zum Beispiel mit Pulsatilla und Silber. Ein mögliches weiteres Beispiel wäre das Gänsefingerkraut und sein Bezug zu Kupfer. Im alten Bergbau waren bestimmte Pflanzen auch Anzeiger für bestimmte Erze, am bekanntesten ist das Galmei-Veilchen38.

Vegetabilisierte Metalle


MetallPflanze – MetallIndikation
Ag (Silber)Bryophyllum Argento cultum (Folium)Oenothera Argento culta (Herba)Thuja occidentalis Argento culta (Summitates)Zur Beruhigung und SchlafförderungTrockene HautleidenEntzündung; Anregung der Schleimhauttätigkeit und der Ausscheidung
Hg (Quecksilber)Bryophyllum Mercurio cultum (Folium)Nasturtium Mercurio cultum (Herba)Zur Beruhigung, nervöse StörungenDysbiose
Cu (Kupfer)Chamomilla Cupro culta, RadixMelissa Cupro culta (Herba)Tabacum Cupro cultum (Folium)Krampfleiden, Magen-Darm-Krämpfe, ZahnungskrämpfeSeelische VerkrampfungenAsthma, Suchtstörungen
Au (Gold)Hypericum Auro cultum (Herba)Primula Auro culta (Flos)MelancholieSeelische Erschöpfung
Fe (Eisen)Chelidonium Ferro cultum, Radix (Wurzelstock)Urtica dioica Ferro culta (Herba)Urtica dioica Ferro culta, RadixAnregung der GallentätigkeitAnämie, HypotonieAnregung der Willensbildung
Sn (Zinn)Cichorium Stanno cultum (Planta tota)Cichorium Stanno cultum, RadixTaraxacum Stanno cultum (Planta tota)Anregung der Lebertätigkeit, besonders bei chronischem VerlaufChronische Leberstörungen, DepressionAnregung der Stoffwechselleistung der Leber
Pb (Blei)Aconitum napellus Plumbo cultum (Planta tota)Cichorium Plumbo cultum (Planta tota)NervenleidenAnregung der Milztätigkeit
QuarzEquisetum arvense Silicea cultum (Herba)Entzündungen; Strukturanomalien von Geweben

Feuchte Spiegel (Weleda)

Silber wird in Salpetersäure gelöst – unter Bildung nitroser Gase, dem Niter39 der Alchemisten. Aus der so entstandenen Silbernitratlösung wird Silber im Marienbad40 mittels Seignettesalz41 zu seiner reinen Form, elementarem Silber, reduziert. Dieses lagert sich an der Gefäßwand an und bildet somit einen Spiegel. Durch diesen Vorgang verliert das Silber seine Dreidimensionalität. Es verliert den Raum und nimmt einen zweidimensionalen Zustand ein. (Derartige Spiegel kann man aus Gold, Silber und Kupfer herstellen.42) Es wird nun von der Gefäßwand geschabt und mittels homöopathischer Verreibung potenziert. Die Präparate tragen den Zusatz »praeparatum«. Diese Art der Spiegelbildung entspricht im Prinzip der Spiegelbildung auf dem trockenen Weg, verbleibt aber im wässrigen Element.

Da diese Spiegelbildung nur bei sehr edlen Metallen funktioniert, sind diese Spiegel ausschließlich für die Gold-, Silber-, und Kupfersalben von Weleda erhältlich. Für die innere Anwendung werden die destillierten Spiegel eingesetzt.


Silberspiegel, den man auf dem feuchten Weg gewinnt; bei Weleda werden diese zur Salbenherstellung verwendet.

Der trockene Weg, die Via sicca

Homöopathie und Verreibung

Die Homöopathie nutzt als »trockenen« Weg die Verreibung oder Trituration. Man verreibt 1 Teil einer pulverisierten Substanz mit 9 Teilen Milchzucker in einer Porzellanreibschale eine Stunde lang. Dabei gliedert sich die Stunde in drei 20-minütige Zeitanteile, bei denen jeweils 3 Teile Milchzucker (Lactose) zugefügt werden. Man beginnt also mit 1 Teil Substanz und drei Teilen Milchzucker, nach 20 Minuten erfolgt die nächste Gabe Milchzucker und nach weiteren 20 Minuten der 3. Anteil. Die 20 Minuten gliedern sich jeweils wiederum in 6 Minuten Reiben und 4 Minuten Auflockern und Abschaben der Mischung. Dabei erfolgt ein stufenweiser Aufschluss der Substanz. Eigentlich beginnt der Aufschluss, wie oben schon beschrieben, bereits bei der Zerkleinerung der Substanz. In der alchemistischen Aufbereitungsart wird zusätzlich zum Zerkleinern und Verreiben noch calciniert, das heißt erhitzt und abgeschreckt, um das harte Gestein mürbe zu machen, oder um beim Metall einen Kalk (calx) zu erzeugen, ein Oxid. Das Gestein soll subtil werden.

Bei der homöopathischen Verreibung handelt es sich nicht um eine Mischung von Milchzucker mit Substanz, genauso wenig wie es sich bei der Potenzstufe um eine reine Verdünnung handelt. Der Stoff muss unter Beigabe eines Verreibemediums (Lactose) zerrieben werden. Durch die Formzerstörung kommt es zur Kraftfreisetzung43. Das anliegende Trägermedium hat die Aufgabe, diese in dem Moment aufzufangen und zu fixieren.


Zinnober als Trituration (Verreibung eines Feststoffes in Milchzucker). Mit fortlaufender Potenzierung verliert die Trituration ihre Farbigkeit.

Ein Potenziermedium muss möglichst wenig Eigenwirkung besitzen, aber die Fähigkeit haben, die Kraft der Substanz aufzunehmen und weiterzugeben: mit anderen Worten: Es muss ein idealer Merkur (Vermittler) sein. Den idealsten Merkur stellt das Wasser dar, aber auch Milchzucker (Lactose-Monohydrat) ist aufgrund seines Kristallwassers44 dazu ideal geeignet.

Diese trockene Form der Potenzierung wird von den meisten Firmen heutzutage nur bei nicht-löslichen Stoffen angewandt. Möchte man den Übergang ins Flüssige vollziehen, muss man bis zur D6 verreiben; erst dann fällt kein Corpus mehr aus.

Die Verreibung ist ein einfaches, aber aufwendiges Verfahren, weshalb nur noch wenige Firmen wie Wala, Weleda (teilweise), Gudjons, Dr. Zinsser dies von Hand ausführen, meistens werden Verreibemaschinen oder Kugelmühlen zum Einsatz gebracht.

Die Einfachheit des Verfahrens hat zum einen den Vorteil, dass keine aufwendigen Lösemittel gesucht werden müssen, die wiederum den eigentlichen Wirkstoff beeinflussen. Verreibe ich ein Gold bis zur D6, habe ich eine relativ unbeeinflusste Wirkung des Goldes. Löse ich das Gold vorher in Königswasser, also in einer Säure, und potenziere dann im Flüssigen bis zur D6, habe ich eine Tingierung der Säure mit dem eigentlichen Wirkstoff. Die Wirkung verschiebt sich in Richtung der Astralität45 der Säuren.

Neue Stoffe durch Alchymiam

Am Anfang stehen hier diverse Legierungen wie Elektron (Gold, Silber und Kupfer), das Cupro Stibium (Kupfer und Antimon von Weleda; alchemistisch auch der Regulus der Venus genannt) und Aurum amalgamum (Gold und Quecksilber von Weleda). Einen ähnlichen Weg, auch wenn es sich nicht um eine Legierung handelt, beschreitet die Herstellung von Plumbum silicicum (Weleda), eine Zusammenschmelzung von Cerrusit (Bleikarbonat) mit Quarz, die eine Art grünliches Glas bildet und die Wirkungsausrichtung des saturnalen Bleis in den Nerven-Sinnes-Bereich bringen soll (zum Beispiel bei Pollinose).

Eine weitere dieser ungewöhnlichen »Kompositionen« stellt das sogenannte Honigblei (Plumbum mellitum von Wala und Weleda) dar. Hier wird Blei in eine Wabenform gegossen. In diese Wabe werden Bohrlöcher eingebracht und mit Honig gefüllt, die Wabe wird verdeckelt und geraspelt und danach mittels Verreibung potenziert. Aus diesem Honigblei wird eine weitere Wabe gegossen, mit Rohrzucker gefüllt, verdeckelt und geraspelt. Somit wird den seelischen Kräften (Honig) und dem Ich (Rohrzucker) der Weg gewiesen, wie sie mit den saturnalen Alterungskräften (Blei) umzugehen haben – mit anderen Worten ist es ein ideales Mittel, um Alterungserscheinungen vorzubeugen und um degenerative Stoffwechselprozesse zu behandeln.


Herstellung von Plumbum silicicum aus einem Schmelzprozess von Cerussit und Quarz. (Fotos: Wolfram Engel)46

Denselben Vorgang kann man auch mit dem Zinn (Stannum) durchführen. Bei Stannum mellitum (Honigzinn von Weleda) ändert sich die Wirkrichtung in Richtung Multipler Sklerose und Arthrose.

Kephalodoron

Ein weiteres interessantes Mittel aus der Gruppe der Aufarbeitungen auf dem »trockenen Weg« stellt das Kephalodoron von Rudolf Steiner dar. Die Originalangabe lautet: 2 Teile Vitriol47, 1 Teil Honig, ½ Teil calcinierter48 Kieselstein, Wein heiß gemacht und abgekühlt, stoßen, erwärmen und abdestillieren; dann den Rückstand verwenden.

Weleda geht heute so vor, dass sie die Schwefelsäure aus dem Pyrit FeS2 gewinnt und damit das Eisen aus dem Siderit FeCO3 zu Eisensulfat (Vitriol) reagieren lässt. Dieses wird mit Honig gründlich vermischt, und anschließend wird der erwärmte und abgekühlte Wein zugegeben. Danach folgt der pulverisierte, geglühte Quarz. Diese Masse wird mehrere Stunden bei 37 Grad Celsius digeriert und danach alles Flüchtige abdestilliert. Die übrig gebliebene Masse, das Sal, wird entweder weiter potenziert oder mit Lactose auf eine entsprechende Konzentration eingestellt und in Kapseln abgefüllt. Ferrum/Quarz-Kapseln stellen ein tiefgreifend wirksames Mittel bei stoffwechselbedingter Migräne dar. Der Schwefel in Verbindung mit dem Kiesel und dem Honig verweisen auf diese Indikation.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass man heute weiß, dass der Quarz bei Erwärmung eine andere Struktur annimmt. Er wandelt sich vom Tiefquarz in den Hochquarz um und bei weiterem Erhitzen zum Hoch-Tridymit und weiter zum Hoch-Cristobalit; dabei wandelt er mehrfach sein Kristallsystem von trigonal zu kubisch. Interessanterweise nimmt dabei seine Dichte ab. Dieser Vorgang ist prinzipiell reversibel. Kühlt man hingegen den Hoch-Trydimit schnell ab, kann keine Rückverwandlung über den Hochquarz in den Tiefquarz stattfinden. Es entsteht ein sogenannter Tief-Tridymit. Dieser hat dann eine pseudohexagonale Gestalt, aber ein rhombisches Kristallgitter.49


In der Schmiede des Alchemisten. Glühen gehört zu den wesentlichen Schritten der Metallaufschließung. (Kupferstich, 17. Jahrhundert)

Man steht nur immer wieder staunend vor der Tatsache, dass viele Dinge, die heute genauestens untersucht werden können, schon seit vielen Jahrhunderten gängige Praxis waren, denn das Calcinieren ist ein üblicher Vorgang in der Alchemie und ganz besonders in der Alchemie Indiens, dem Rasa shastra.

Crocuse (Oxidverbindungen)

Das »luftige« Pendant zu den Aufschlüssen der Metalle in Essig (wässriger Weg) sind die sogenannten Crocuse. Sie haben ihren Namen von der rötlich-gelben Farbgebung des Safrans50, weshalb man sie manchmal auch Safrane nannte. Im Prinzip handelt es sich um Oxide, die durch Oxidation an der Luft erzeugt werden. Oxide wirken auf die Wärmeprozesse aktivierend und regen die Lebensenergie an; Eisenhammerschlag eignet sich beispielsweise zur Therapie bei Anämie und Willensschwäche. Es gibt auch natürliche Oxide, beispielsweise Cuprit, zur Anregung der Wärmebildung als Salbe auf Körperzonen und als anregendes Mittel bei Hypothyreose, einer Unterfunktion der Nebenniere und Energiearmut. Minium wird unter anderem in der Suchttherapie eingesetzt.

Beispiele für Crocuse


CrocusMethodePräparat
Crocus martisDurch Glühen und Schmieden von EisenFerrum oxydatum rubrum; erhitzt man länger über 1200 Grad Celsius, erhält man Eisenhammerschlag Ferrum oxydatum nigrum (schwarz) (Wala) Ferrum ustum (Weleda)
Crocus venerisDurch Glühen von KupferspänenCuprum oxydatum rubrum
Minium (Mennige)Beim Schmelzen von Blei entsteht eine Oxidschicht, die Asche des Bleis, bei weiterer Erhitzung desselben wird es erst gelb, dann orangeMinium (Weleda)

»Das ist Alchemie, das zum Ende zu bringen, was nicht zu seinem Ende gekommen ist, das Blei vom Erz zum Blei zu bringen und das Blei zu verarbeiten, wozu es dient. Lerne erkennen, was die Alchemie ist, dass sie nur das ist, was das Unreine durch das Feuer zum Reinen macht.«

PARACELSUS, BD. I: 513

Herstellung eines Metallspiegels von Antimon durch Destillation, man sieht noch den letzten Tropfen vor seiner Verflüchtigung (Bild: Weleda).

Metallspiegel durch Destillation (Weleda)

Eine weitere Aufarbeitungsart, die direkt auf Angaben Rudolf Steiners zurückgeht und die ausschließlich von Weleda vertrieben wird, sind die sogenannten Metallspiegel. Die trockene, feurige Variante ist die Urform, auf die Rudolf Steiner hingewiesen hat.

Um diese Metalldestillation durchführen zu können, benötigt man sehr temperaturbeständige Materialien, ein Hochvakuum und Hochleistungsbrenner. Das Metall verdampft und scheidet sich zweidimensional in der Kolonne ab, aus der es dann herausgekratzt und potenziert wird.

Durch Kondensation von Metalldämpfen51 an einer gekühlten, glatten Oberfläche werden Metallspiegel gewonnen. Indem das Metall durch diesen Destillationsprozess dem geistigen Prinzip der kosmischen Planetenwirkung angenähert wird, steigert sich die Heilwirkung der Metalle.

Wie kann man sich nun die gesteigerte Heilwirkung der Spiegelpräparate verständlich machen? Aus der Naturphilosophie wissen wir, dass die Entwicklung unseres Kosmos aus dem Urelement der Wärme durch stufenweise Verdichtungsprozesse bis zum festen Erdzustand geführt hat. Die irdische Wärme selbst ist ein Relikt, eine Erinnerung an diesen Urzustand. Wenn wir die feste irdische Substanz mit Hilfe der Wärme verflüssigen und verdampfen, so führen wir sie gewissermaßen in frühere Erdzustände zurück. Auf dem Hintergrund der Ausführungen kann man sich vorstellen, dass sich das Metall aus seinem dreidimensionalen Erdzustand mit Hilfe der Wärmeeinwirkung über Schmelzen und Verdampfen dem Ursprungszustand des Wärmewesens annähert. Es wird der Erde gewissermaßen entzogen und den Umkreiskräften exponiert, in seiner kosmischen Natur verstärkt. Durch den Abschreckungsvorgang wird der Dampf als vorwiegend zweidimensionaler Spiegel niedergeschlagen und kann sich nicht so vollständig dem Irdischen einfügen, wie das im Laufe der Evolution vor sich gegangen ist. Das Metall wird gewissermaßen verjüngt und gesteigert in seiner kosmischen Qualität. Die Kristallstruktur hat sich dabei gegenüber der Ausgangssubstanz von einem kristallinen Zustand in einen amorphen verändert.

Alle Metallspiegel tragen die Bezeichnung »praeparatum«. Weleda liefert alle »klassischen« Planetenmetalle sowie Stibium metallicum – nicht jedoch Quecksilber. Da Quecksilber flüssig bleibt, kann man aus ihm keinen Spiegel herstellen.


Gereinigter Weinstein als Ausgangssubstanz zur Aufschließung von Metallen. (Foto oben: Wolfram Engel)


Im letzten Stadium der Herstellung erfolgt die Zirkulation und Multiplicatio in einem monatelangen Prozess, in diesem Fall die Multiplicatio der Kupferessenz im Labor der Firma Aurora Pharma.

Metallspiegel sind die idealen Präparate zur Behandlung konstitutioneller und chronischer Erkrankungen.

Quinta Essentia (Aurora Pharma)

Die Schweizer Firma Aurora Pharma verwendet zum Aufschluss der Metalle den gereinigten Weinstein, das Sal Tartari. Bei der Erzeugung von Wein fällt ein Gemisch von Kalium- und Kalksalzen im Fass aus und bildet zum Teil große, harte Kristallkrusten. Dieser Weinstein wird Tartarus crudus genannt. Um ihn einsetzen zu können, muss er mehrfach umkristallisiert52 und dadurch gereinigt werden. In alten Schriften findet sich der Hinweis: »Schon nach 30 Durchgängen erhält man ein schönes Produkt.« (Jetzt nennt man dieses Tartarus depuratus.) Der Weinstein muss dann noch verbrannt werden, um zum Sal Tartari53 zu werden.


Schmelzen von Kupfer als erster Schritt zur Herstellung. (Foto: Aurora Pharma)

Verkürzt dargestellt, wird mit diesem gereinigten Sal Tartari das entsprechende Metall in einen Porzellantiegel geschichtet – »stratum super stratum54« – und mehrfach calciniert.

Dieser Vorgang nennt sich Philosophische Kalzination. Es ist ein komplexer Prozess auf unterschiedlichen Temperaturniveaus. Dabei zerfrisst der Weinstein das Metall und schließt es auf. Der Prozess soll dazu dienen, das Metall für die chymische Hochzeit vorzubereiten. Im weitesten Sinne handelt es sich hier um einen beschleunigten Verwitterungsprozess – in alten Büchern als »Marter der Metalle« bezeichnet.

Die so vorbereitete Substanz wird dann mit einem Archäus in Lösung gebracht; Paracelsus verwendete den Begriff als »Träger des Lebendigen«. Der Archäus wird ebenfalls aus Wein hergestellt: durch eine komplexe Abfolge von zwölf Destillationen, die erst getrennt und dann in einer bestimmten Reihenfolge wieder vereint werden. Das Zusammenbringen mit dem Archäus ist die chymische Hochzeit und dauert mehrere Monate. Anschließend wird die Substanz noch in einem umfangreichen Prozess zirkuliert. Josef Lüthi, Begründer der Firma, ist es durch seinen unermüdlichen Forschergeist gelungen, den Weinstein flüchtig zu machen, das heißt, ihn zu destillieren. Auch dieses Verfahren folgt dem Prinzip: Die Pflanze schließt das Mineralreich auf. Aurora Pharma liefert die spagirisch zubereiteten Metalle von Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Zink und Antimon.

8 Alexander von Bernus, Spagyriker und Gründer der Soluna, nennt als erste Stufe auf dem Weg zum Alchemisten »Die Bereitung des geheimen Salzfeuers«, ohne zu beschreiben, was es wirklich damit auf sich hat. Es muss sich um irgendeine Form einer starken Säure handeln.

9 Wie der Götterbote Merkur die Botschaften der Götter zu den Menschen bringt, transportiert das Wasser in unserem Körper in seinen Vertretern Blut und Lymphe die Wirkstoffe oder deren »Essenz« zu den einzelnen Organen.

10 Die Substanz: lateinisch »sub stare«, »darunter stehen«

11 Ein Begriff ist ein übergeordnetes geistiges Prinzip. Sollte man beispielsweise einen Tisch definieren wollen, fällt das schon schwer, da es unendlich viele unterschiedliche Tische gibt. Selbst eine Kiste kann in einer bestimmten Situation ein Tisch sein.

12 Materie (von lateinisch »materia« = »Stoff«, verwandt mit lateinisch »mater«, »Mutter«, und »matrix«) ist eine Bezeichnung für die Substanz, aus der alle Dinge der Welt bestehen, unabhängig von ihrer Erscheinungsform.

13 Die Calcination ist eine Verbrennung bei hoher Temperatur, bei der die Asche durchgeglüht wird, um sämtliche Kohlenstoffanteile zu verbrennen.

14 Vgl. Rudolf Steiner, GA 232, S. 176

15 Vgl. Rudolf Steiner, GA 93a: »So wie das Wasser jetzt, so bildeten einstmals auch das Gold und das Silber Tropfen. Es hängt mit dem ganzen Prozess der Erdenentwickelung zusammen, dass das Merkur jetzt noch flüssig ist.«

16 Vgl. dazu AnthroWiki: »Die Tria Principia (lat. die drei Prinzipien), gelegentlich auch als die drei philosophischen Elemente bezeichnet, sind ein wichtiges Grundkonzept der spätmittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen Alchemie, das ergänzend und erweiternd aus der Vier-Elemente-Lehre abgeleitet wurde, und in eindeutiger, ausgereifter Form erst bei Paracelsus (1493–1541) zu finden ist. Die drei philosophischen Prinzipen oder Substanzen sind: Sulphur (Feuer und Luft umfassend und daher von den Alchemisten auch »Feuerluft« genannt), Mercurius (Wasser) und Sal (Erdelement). Sulphur steht für das brennbare, Mercurius für das flüchtig-flüssige und Sal für das feste, formgebende, stabile Prinzip. Genau besehen, handelt es sich bei den Tria Principia nicht um Stoffe, sondern um Prozesse, also um den Schwefelprozess, den Quecksilberprozess und den Salzprozess, deren materielle Träger verschiedene Stoffe sein können.«

17 David Alan Garvin (1952–2017) war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler an der Harvard Business School in Boston, Massachusetts; vgl. Garvin: »Managing Quality: The Strategic and Competitive Edge«, 1988

18 Samuel Hahnemann, 1755–1843, Begründer der Homöopathie

19 Conrad Johann Glückselig, Spagyriker, 1864–1934, arbeitete mit Alexander von Bernus ab 1914 bei der Soluna und gründete 1922 die Phönix Laboratorien.

20 Hömöopathisches Arzneibuch, Vorschrift 54b

21 Vgl. Quelle: Phönix Lab. Herstellung: Die für die Herstellung der PHÖNIX-Spagyrika verwendete Zubereitung besteht aus in Salzsäure aufgelöstem und anschließend mit Wasser verdünntem elementarem Eisen. Der Aufschluss des Eisens erfolgt hierbei in Nachahmung des natürlichen Prozesses im Magen.

22 Vgl. https://heidak.ch/spagyrik/herstellung/glueckselig-verfahren/ (abgerufen März 2020): Um etwas Anorganisches dem Organischen näherzubringen, sind zum Beispiel rhythmisierende Methoden angebracht. Der Ansatz wird tagsüber im geschlossenen Gefäß erhitzt, während er über Nacht kühl gestellt wird. Der Temperaturunterschied zwischen Tag- und Nachtphase kann dabei kontinuierlich steigen, das heißt, die Erhitzung wird von Tag zu Tag bis kurz vor den Siedepunkt verstärkt, ehe sie schließlich in die Destillation mündet.

23 Sinngemäß aus dem Lexikon der Pharmatechnologie: Die Perkolation extrahiert deutlich erschöpfender als die Mazeration. Bei der Perkolation wird das zerkleinerte Extraktionsmaterial mit Extraktionsflüssigkeit übergossen und in einen Perkolator überführt. Um die Droge erschöpfend zu extrahieren, wird kontinuierlich Extraktionsmedium abgelassen und oben im Perkolator neue Extraktionsflüssigkeit aufgegeben. Auf diesem Weg wird eine Verbesserung des Diffusionskoeffizienten und damit eine höhere Ausnutzung der Droge erreicht.

24 Aus dem Lateinischen: »tingere« heißt benetzen, befeuchten, färben; hier im Sinne von »durch den Stoff vorbeeinflusst«.

25 Bei der Digestion wird in der Regel milde Wärme angewandt, in der Regel 37 Grad Celsius. Ein beseelter Organismus trägt Eigenwärme in sich, in der Regel um 37 Grad Celsius. Die Digestion kann als Lösungs- oder Extraktionsverfahren angewandt werden.

26 Vgl. Hunnius: Pharmazeutisches Wörterbuch: »Argentum colloidale: Kolloidales Silber, fein verteiltes Silber mit Eiweißstoffen als Schutzkolloid«

27 Hunnius: Pharmazeutisches Wörterbuch: »Aurum potabile: Trinkbares Gold, ein von Magie und Mystik umwittertes Präparat, dessen Herstellung schon zu Zeiten der Scholastiker (12. Jahrhundert) versucht wurde und anscheinend Paracelsus gelungen ist. Die Alchemisten betrachten Moses als Erfinder.« (Anm.: Der Autor bezieht sich vermutlich auf Exodus 32 Dtn 9,15–19.)

28 Argyrie (von griechisch »argyros«, Silber) ist eine irreversible Verfärbung von Haut und Schleimhäuten, die durch Einnahme von Silber (als metallisches Silber, Silberstaub, kolloidales Silber, in silberhaltigen Medikamenten oder Silbersalzen) hervorgerufen wird.

29 Julius Mezger: Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre; William Boericke: Handbuch der homöopatischen Arzneimittellehre

30 Königswasser nannten es die Alchemisten, weil es als Einziges den König der Metalle, das Gold, löste.

31 Schon im Mittelalter war es unter dem volkstümlichen Namen »Höllenstein» (lateinisch: »Lapis infernalis«) bekannt. Es wird bei Weleda mit gediegenem Silber und Salpetersäure aus Chilesalpeter hergestellt.

32 Cuprum aceticum aus Malachit, Weleda. Ferrum hydroxydatum, Eisenpulver, mit Rotweinessig übergießen, einen halben Monat bei 37 Grad Celsius digerieren, Weleda.

33 Siehe Hahnemann: Apothekerlexikon: Extr. martis pomatum

34 Besonders dazu geeignet sind Folgende: Anton Joseph Kirchweger: Annulus Platonis oder Physikalisch-Chymische Erklärung der Natur. Dr. Eugen Berthold: Das Antimon im Lichte alchymistischer Naturerkenntnis, in: Natura, Band 7, S. 341, wieder abgedruckt in der Zeitschrift »Beiträge zu einer Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen«, 1954, 5–6/Mai/Juni; es beschreibt in einzigartiger Weise den Bezug zum Wettergeschehen. Michael Faraday/Peter Buck: Naturgeschichte einer Kerze: Photomechanische Wiedergabe einer Ausgabe aus dem 19. Jahrhundert (reprinta historica didactica). Edmund Husserl: Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie, 1913. Hermann Schmitz: Neue Phänomenologie, Bouvier, Bonn 1980

35 Eine ausführliche Darstellung findet sich im Merkurstab, 1/2013, Themenheft »Vegetabilisierte Metalle«; unter anderem mit einem Beitrag von Wolfram Engel: Vegetabilisierte Metalle – Pharmazeutische Grundlagen und Zubereitung der Metall-Dünger, Seite 4–17.

36 Luftfeuchtigkeit bindend, Wasser anziehend

37 Vitriol ist ein Begriff in der Alchemie, der immer nur aus dem Zusammenhang erfasst werden kann. Er bedeutet entweder Schwefelsäure oder ein Sulfat von Eisen, Kupfer oder Zink.

38 »Galmei-Veilchen« stammt von dem bergmännischen Ausdruck Galmei für spezielle Zinkerze.

39 Der geheimnisvolle Niter der Alchemisten ist der Stickstoff in der Luft, er tritt vermehrt im Mai und bei Gewitter auf, weshalb zu diesen Zeiten Wasser gesammelt werden sollte. Heute verwendet man im biologischen Landbau Gründüngung, weil die Pflanzen das alchemistische Geheimnis kennen, den Stickstoff aus der Luft in den Boden zu bringen, wo er dann lebenspendend wirkt.

40 Wasserbad; da sich das Silber langsam abscheiden soll, muss das Gefäß warmgehalten werden.

41 Seignettesalz ist ein Salz der Weinsäure. Der französische Apotheker, nach dem es benannt wurde, Elie Seignette (1632–1698), entdeckte es zwischen 1648 und 1660.

42 Für Goldspiegel verwendet man Tetrachlorogoldsäure und für Kupferspiegel Kupfersulfat.

43 Ein Beispiel ist die Tribolumineszenz. Tribolumineszenz ist das Auftreten einer »kalten Lichtemission« bei starker mechanischer Beanspruchung von Festkörpern; reibt man in einem völlig dunklen Raum, mit gut an das Dunkle angepassten Augen, zwei Stücke Würfelzucker aneinander, so kann man ein schwaches bläuliches Licht erkennen. Diese Beobachtung geht noch auf Francis Bacon zurück und ist die ursprüngliche Form der Tribolumineszenz: Licht, das beim Zerbrechen von Kristallen entsteht.

44 Kristallwasser oder auch Hydratwasser ist die Bezeichnung für Wasser, das im kristallinen Festkörper gebunden vorkommt.

45 Gesundheit ist der Ausgleich der Pole Sulfur und Sal im Merkur, anders gesagt: ein Fließgleichgewicht. Während der Ätherleib von innen quellend, also zentrifugal wirkt, greift der Astralleib formend von außen (zentripetal) ein. Greift der Astralleib zu stark in den Ätherleib ein, kommt es zu einem Ungleichgewicht, der Entzündung. Säuren helfen immer, den Astralleib besser in den Ätherleib eingreifen zu lassen.

46 Aus: Wolfram Engel/Karl-Reinhard Kummer: Plumbum silcicum – ein feuriges durchsichtiges Blei aus dem Schmelztiegel. In: Der Merkurstab 2/2012, S. 130–135

47 Vitriol ist der Trivialname für die kristallwasserhaltigen Sulfate (Salze der Schwefelsäure), in dem Fall Eisen(II)-sulfat

48 Das heißt erhitzt und abgeschreckt, um das Gestein mürbe zu machen.

49 Siehe Manfred Kohlhase: Biodoron/Kephalodoron. Persephone Reihe Nr. 12, Verlag am Goetheanum, S. 60 ff.

50 Safran, wissenschaftlicher Name: Crocus sativus

51 Rudolf Steiner GA 128, S. 167: »Wenn wir dem Organismus metallische Substanzen zuführen wollen, so müssen wir sie erhitzen, so dass sie in eine Art Metalldampf übergehen. Dabei entwickelt sich etwas wie dampfförmige Körperchen, und in dieser Form kann die Metallität auf die inneren Organe wirken.«

52 Umkristallisation ist ein Stofftrennverfahren, das als Reinigungsverfahren eingesetzt wird. Dabei wird eine heiße, gesättigte Lösung eines verunreinigten Stoffes hergestellt, nötigenfalls heiß filtriert, um unlösliche Verunreinigungen abzutrennen, und die Substanz durch Abkühlen der Lösung zur erneuten Kristallisation gebracht.


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Mondmetall Silber

Argentum metallicum Ag

Eine Reise in den inneren Kosmos

»Silber ist das beste Heilmittel für das Gehirn.«

PARACELSUS, BD. III: 404

Das lunare Metall

In der hermetischen Medizinphilosophie wird das Silber mit der wandelbaren Natur des Mondes gleichgesetzt. Der Mond hat viele Gesichter, das Silber hat entsprechend ebenso eine ausgeprägte Formvielfalt, die oft an Farnblätter erinnert – und beide leuchten auf ähnlich geheimnisvolle Weise.

Mond und Silber ordnet man dem Element Wasser zu, dem Träger des Lebendigen – nicht ohne Grund spricht man von einem Jungbrunnen oder der Quelle des Lebens. Ebbe und Flut oder das Pulsieren einer Quelle gleichen den Rhythmen, die das Leben tragen.

Die vegetativen, unbewusst ablaufenden Lebensfunktionen sind lunar geprägt. Sie sind nachts am stärksten wirksam und sorgen für die notwendige Regeneration. Mit geschlossenen Augen geht der Geist im Schlaf auf eine Reise in das Innere seines Kosmos, um das Erlebte des Tages zu verarbeiten und um sich aus der astralen Welt neue Impulse zu holen. Der Mond ist ein Spiegel der Seele – was die Sonne, die im Herzen ihren Sitz hat, wahrnimmt, wird auf der lunaren, unbewussten Ebene der Gefühle verarbeitet, und das prägt die Muster unserer Bedürfnisse und Handlungen.

Das Mondmetall Silber wirkt daher besonders in das Unbewusste hinein, es öffnet die Tore der Seele, beflügelt die Fantasie und, gleich einem Foto, bringt es Verdrängtes in Erinnerung; nicht ohne Grund verwendete man Silber früher in der analogen Fotografie. Als magisches Mittel schützt es auch die empfindsame Natur des Menschen vor den Dämonen der Nacht. Es steht im Dienste von Hypnos und Morpheus, zeigt einem im Traum verborgene Sehnsüchte und Ängste, und regt im Schlaf die regenerativen Kräfte des Lebensleibes an. Silber bewirkt eine erhöhte Zeugungs- und Empfängnisfähigkeit, und es begleitet den Menschen in seiner frühen Kindheit. Silber ist ein Lebenselixier, ein Erneuerer, ein Jungbrunnen für Seele, Körper und Geist.

Sol und Luna – Vater und Mutter des Lebens

Sonne und Mond, sol und luna, sind König und Königin, die zusammen das Leben erschaffen. Die Sonne verkörpert das Väterliche, das Geistige, den Himmel. Der Mond hingegen entspricht dem Bild der Urmutter, der Materie (von mater = Mutter) und damit der Erde als Ernährerin des Lebens. Beide sind gleichwertige Kräfte, die nur zusammen vollkommen sind. Paracelsus schrieb: »Das Gold ist das Männlein und hat männliche Kraft an sich, das Silber ist das Weiblein und hat weibliche Kraft und Eigenschaft an sich. (…) Gold und Silber sind von einer ersten Materie, doch sie unterscheiden sich wie Mann und Weib.« (Paracelsus, Bd. III: 1049)

Viele Bilder der Hermetik zeigen die okkulte Beziehung der zwei Lichter, so auch das Bild aus der alchemistischen Handschrift Aurora Consurgens aus dem 15. Jahrhundert (siehe nächste Seite): Luna reitet als nackte Göttin auf einem Greif, einer fantastischen Mischung aus Adler und Löwe – lunar ist die Natur an sich, das Reich der Fantasie, des Irrationalen, des Fantastischen, das Reich der Kreativität und der unbestimmten Möglichkeiten, daher hat Luna auch kein Gesicht. Die Sonne reitet dagegen auf einem Löwen, dem Sonnentier – solar ist das Rationale, das erwachte Bewusstsein (daher mit Gesicht), die Kultur, dargestellt durch die Rüstung, die wir der Schmiedekunst verdanken. Das Sonnenwesen hält jedoch einen Mondschild in der Hand und das Mondwesen einen Sonnenschild. Ähnlich der Idee von Yin und Yang will dieses Bild ausdrücken, dass es sich um zwei Seiten einer Medaille handelt, die nur zusammen den ganzen Menschen ausmachen. Man kann damit auch die zwei unterschiedlichen Gehirnhälften assoziieren: Die linke Hälfte entspricht der »Ratio« der Sonne, die man der rechten Körperhälfte und dem männlichen, zeigenden Prinzip zuordnet. Die rechte Gehirnhälfte entspricht dagegen der »Intuitio« des Mondes, der linken Körperseite des Menschen, die mit dem weiblichen, gebärenden Prinzip korrespondiert.

Die Beziehung von Sonne und Mond zeigt sich auch auf therapeutischer Ebene in der Verwendung von Gold und Silber. Während sich Silber zur Eröffnung einer Psychotherapie eignet, ist Gold eher ein Mittel zur Nachbehandlung, um erreichte Therapieziele zu stabilisieren. Die Polarität von Gold und Silber lässt sich auf alle Gegensätze erweitern, zum Beispiel Sonne– Mond, Tag–Nacht, Bewusstes–Unbewusstes, Rechts–Links, Oben–Unten, Ratio– Intuitio, Anspannung–Entspannung usw. Die Störung eines Pols betrifft immer auch den Gegenpol. Die Kombination beider Metalle hat sich zur Regulationstherapie psychischer Leiden bewährt, allerdings eher in getrennten Rezepten, zum Beispiel das Sonnenrezept morgens und mittags, das Mondrezept eher abends. Als Handelspräparate zur Regulationstherapie eignen sich beispielsweise morgens das Goldpräparat Solunat 5 (= Cordiak) und abends das Silberpräparat Solunat 4 (= Cerebretik); beide Mittel sind von Soluna.


Gleich einem Spiegel schaut man durch Silber in sein Inneres. Silber hilft, Verborgenes in Erinnerung zu bringen. (Frau im Spiegel von Paul Delvaux, 1936)

Silberschmuck hat eine kühlende Wirkung auf den Träger – hier ein Kropfband aus Silber mit Perlen und Granat mit einer ausgleichenden Wirkung auf die Schilddrüse.


Sol und Luna gelten in der Hermetik als Vater und Mutter des Lebens – sie kämpfen hier nicht miteinander, sondern geben sich gegenseitig Impulse –, dargestellt durch die drei Monde im Schild55 von Sol und die Sonne im Schild von Luna. (Handschrift Aurora Consurgens aus dem 15. Jh.)

Paracelsus assoziierte die Sonne mit dem Herzen, dem Sitz der Seele oder unseres Ich-Bewusstseins. Das Sonnenhafte dient dazu, unsere Willensvorstellungen und die Anforderungen des Alltags effektiv und sozial verträglich zu gestalten. Paracelsus führte weiter aus, dass das Herz, also die Seele, einzig und allein mit dem lunaren Gehirn kommuniziert. Durch die Hirnfunktionen können wir über unser Selbst reflektieren, ebenso wie der Mond das Licht der Sonne widerspiegelt. Durch eine rhythmisch orientierte Therapie mit Gold und Silber lassen sich Regulationsprozesse auf unterschiedlicher Ebene durchführen, je nachdem, welche Präparate man dazu verwendet.

Silber und Silberverbindungen in der Therapie

Argentum metallicum – metallisches Silber

• Stofflich: Zum Beispiel bei Verbrennungen als Wundauflagen; zur Desinfektion, bei Entzündungen (z. B. als Vaginaltabletten 0,4 % von Weleda).

• Tiefpotenzen (D4/D6), als kolloidales Silber; spagirisches Silber von Aurora Pharma; Metallspiegel, Argentum metallicum praeparatum, von Weleda; auch als Salbe oder Gel): Organotrope, anregende Wirkung auf lunare Prozesse; bei Asthenie (Schwäche, Kraftlosigkeit); zu starker Abmagerung (Essstörungen); allgemeiner Erschöpfung – Status nach Schlafmangel und Überanstrengung; bei Ausscheidungsschwäche und Entzündungen von Haut und Schleimhaut (Neurodermitis, Gastritis, Zystitis, Prostatitis, Mastitis, Endometritis, Fluor albus); bei subfebrilen Temperaturen zur Fieberintensivierung; zur Wundheilung und Narbenpflege; zur Anregung der Fruchtbarkeit und Keimdrüsentätigkeit; zur Förderung der Ausscheidungsprozesse, z. B. von Umweltgiften; auch zur Beruhigung bei seelischen Spannungen; bei Organneurosen.

Zur Injektion in Organnähe; im Unterbauch zur Fruchtbarkeitssteigerung.

• Mittlere Potenzen D10/12; Metallspiegel, Argentum metallicum praeparatum, von Weleda oder als spagirisches Silber von Aurora Pharma; homöopathisch: Wirkt allgemein ausgleichend auf seelische Prozesse – psychosomatische Erkrankungen; bei Herzneurose, Magenneurose, nervöse Impotenz, Ejaculatio praecox, Reizblase, nervösem Durchfall, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn; bei funktioneller Dyspepsie; wirkt betont auf Körperrhythmen, z. B. auf den Schlaf-Wach-Rhythmus – wirksam bei jeder Form von Schlafstörung; bei Symptomen in Bezug auf den weiblichen Zyklus, z. B. Mastopathie und seelische Stimmungsschwankungen (PMS); bei degenerativen Nervenleiden wie Multipler Sklerose; Anfallsleiden; Migräne; Schwindel; Potenzstufe der Wahl, besonders zu Beginn einer Silbertherapie.

Zur Injektion an Nervenpunkten, im Nacken für psychische Leiden, bei nervösen Magen-Darm-Störungen im Bereich Solarplexus, am Magenmeridian.

• Höhere Potenzen D20/D30; homöopathisch; Metallspiegel, Argentum metallicum praeparatum, von Weleda: Zur Psychotherapie; Traumatherapie; bei neurotischer Erregung; Nervenzerrüttung; Depression; Burn-out; massiven alptraumhaften Schlafstörungen; Mondempfindlichkeit; Migräne; in der Suchttherapie; bei hohem Fieber, oft auch mit Delir; bei Epilepsie; bei Impffolgen mit neurologischer Beteiligung; bei Neurodermitis in Verbindung mit seelischem Trauma.

Zur Injektion im Nacken bei psychischen Leiden.

Argentum nitricum – Silbernitrat (Labor-Produkt)

• Tiefpotenzen D6/D10: Bei Entzündungen innerer Organe, Genitalorganen, Magen und Darm; bei Gastritis; eitrigen Entzündungen; Augenentzündungen (Augentropfen D4 von Weleda).

• Mittlere und höhere Potenzen (D12 bis D30): Bei psychosomatischen Leiden; Organneurosen; Schmerzsyndrom (zum Verrücktwerden); Magen-Migräne; Schwindel; Epilepsie; bei seelischen Erregungszuständen mit schwacher Gedächtnisleitung; bei Reizbarkeit; Schlafneurose; Angstneurose, Erwartungsangst mit Neigung zum Nichtstun aus Unsicherheit; bei Phobien.

Argentum phosphoricum – Silberphosphat (Labor-Produkt)

Silber und Phosphor haben beide einen Bezug zum Medialen. Irrationale Angstzustände lassen sich gut mit einer Kombination behandeln (zum Beispiel Angst vor Gewitter, Fallangst); am besten mit höheren Potenzen im täglichen Wechsel. Der Handel liefert mit »Argentum phosphoricum« eine Arznei zur Vernetzung der beiden Gehirnhälften (D12 bis D30); vergessen geglaubtes Wissen wird aktiviert; es hat schon so manchen Prüfungskandidaten vor einer Katastrophe gerettet. Bei Angst vor einem Black-out sollte man zusätzlich »Strychninum phosphoricum« D12 verwenden.

Argentum sulfuricum (Silbersulfat)/Argentit (Silbersulfid)

Mit Argentit liefert Weleda eine natürliche Silber-Schwefelverbindung, die man in Tiefpotenzen zur Regeneration und Entgiftung einsetzt. Schwefel treibt den Krankheitsreiz immer von innen nach außen. Argentit wirkt verjüngend, regenerierend, ausleitend und saturnalen Prozessen entgegen; bei Abmagerung, Marasmus; im Sinne des Paracelsus zur Behandlung tartarischer Erkrankungen (Ablagerungen, Steine, Sklerose, chronische Hautleiden).

Von Weleda als D6 Trituration oder D6 Ampullen; in Infusionen zur Ausleitungstherapie.

• Ähnlich wirkt Argentum sulfuricum.


Argentit, Silbersulfid, hat durch die Schwefelkomponente eine anregende Wirkung auf den Stoffwechsel, aber auch eine ausleitende und auflösende Wirkung.

Dyskrasit – Silber-Antimonerz

Der Name des Minerals deutet auf eine Entartung des Säftehaushalts hin, der Dyskrasie, der Mutter aller Krankheiten. Daher wird es auch bei Entartung der Darmflora, Ulcera und Karzinose eingesetzt.56

• Tiefpotenzen von Dyskrasit zur Behandlung chronischer Entzündungen, vor allem im Magen und Darm, von Ulcera und zur Ausleitung von Umweltgiften.

Es erhöht die Belastbarkeit in Stresssituationen.

Von Weleda als Trituration (D4/D6) und als Ampulle (D6) zur Injektion am Solarplexus.

• Hochpotenzen D20: Ampullen von Weleda bei Hysterie und chronischen Magen-Darm-Leiden zur Injektion am Solarplexus.


Dyskrasit ist eine Verbindung aus Silber und Antimon. Der Name zeigt die Affinität zur Dyskrasie im Sinne der Humoralmedizin. Darunter versteht man die falsche Mischung als Ursache von Krankheit.

Silberamalgam

• Der Handel liefert mit Silberamalgam (Spagyra, DHU) eine Verbindung der zwei Metalle Silber und Quecksilber. Es eignet sich besonders zur Behandlung eitriger Entzündungen (D12), aber auch bei Nervosität und Aufmerksamkeitsstörungen (D30). Bei nervösen Symptomen sollte man an eine Kombination mit Zink und Kupfer denken.

Mondprozesse im Menschen und ihre Analogie zu Silber


Zonen des Mondes für eine Silbertherapie


Silbertherapie bei Kinderwunsch

»Vom Mond rührt alles sprießende, sprossende, alles geborenwerdende Leben her«, schreibt Rudolf Steiner (zit. nach Selawry, S. 124). Der Erzengel, den man mit dem Mond assoziiert, ist Gabriel – er verkündet Maria ihre Schwangerschaft. Als Symbol hält er eine Madonnenlilie in der Hand, die in ihren Signaturen von Farbe und Geruch den Mond widerspiegelt. Betrachtet man den Blütenaufbau, sieht man die perfekte Darstellung eines Hexagramms, der Vereinigung des männlichen Dreiecks (nach oben weisend) mit dem weiblichen (nach unten weisend). Maria ist eben nicht nur Mutter, sie ist die Große Alchemistin, in der sich das Wunder des Lebens vollzieht. Maria wird traditionell auf einer Mondsichel stehend oder sitzend dargestellt. Die Erklärung liefert uns die Reihenfolge der Planetenkräfte. Während der Inkarnation durch die Sphären der Planeten, die mit Saturn beginnt, ist der Mond die letzte Stufe vor der eigentlichen Geburt auf der Erde, und lunar geprägt sind auch die ersten sieben Lebensjahre.

Den Bezug zwischen Mond und Mutterprinzip und damit zur Fruchtbarkeit, finden wir in der Anwendung von Silber wieder. In der Kinderwunschbehandlung ist das Mondmetall unverzichtbar, sei es zur Anregung der Spermiogenese oder zur Anregung der Eizellreifung und des Eisprungs. Das Prinzip der Zellproliferation entspricht dem lunaren Wachstumsprinzip in der Natur.

Die Firma Wala liefert mit Testes comp. und Ovaria comp. zwei silberhaltige Arzneien zur Stimulation der Keimdrüsentätigkeit, die sich bei unerfülltem Kinderwunsch bewährt haben. Zusätzlich zur innerlichen Einnahme eignen sich intrakutane Injektionen zur Anregung der Fruchtbarkeit: Die Injektionen erfolgen bei Frau und Mann mittig, zwei Querfinger unterhalb des Nabels – dort liegt ein Akupunkturpunkt mit dem bezeichnenden Namen »Palast des Kindes«; bei der Frau zusätzlich seitlich im Bereich der Eierstöcke. Die Injektionen sollten bei der Frau am besten zwischen dem Ende der Regelblutung und dem Eisprung etwa alle drei Tage erfolgen. An den injektionsfreien Tagen verabreicht man die Globuli; zusätzlich kann man den Unterleib und auch die Hoden mit einer Silbersalbe einreiben (Argentum metallicum praeparatum Salbe 0,4 % von Weleda).57

Sollte eine Fehlgeburtsneigung gegeben sein, hat sich die Kombination von Silber mit Bryophyllum (Keimzumpe) bewährt. Hebammen empfehlen hier Bryophyllum 50 % (Trituration von Weleda), mehrmals täglich eine haselnussgroße Menge. Weleda liefert mit Bryophyllum Argento cultum auch ein vegetabilisiertes Metall mit Silber, das sich ebenso als Ergänzung zu einer Psychotherapie zum Thema eignet.

Die Keimzumpe ist das Sinnbild der Mütterlichkeit schlechthin – am Rand der »Mutterblätter« bilden sich Tochterpflanzen, die sogar Wurzeln ausbilden und nur noch abfallen müssen, um ein eigenes Leben zu führen. Es ist aber eben auch ein Bild des »Sich Fallenlassens«, des Urvertrauens, der Geborgenheit. Für Unruhe- und Erregungszustände, Stimmungslabilität, zum Beispiel rund um die Menstruation (PMS), liefert Wala das Silberpräparat Bryophyllum comp. zur innerlichen Einnahme und äußerlich zur Injektion (wieder am »Palast des Kindes«, zwei Querfinger unterhalb des Nabels und mittig oberhalb des Schamhaars, zusätzlich eventuell noch im Nacken und am Angstpunkt KG 22). – Es hat schon seine Gründe, dass man die Keimzumpe auch das »pflanzliche Valium« nennt, denn eines der wesentlichen Probleme bei Kinderwunsch ist die mangelnde Entspannung dem Thema gegenüber und die sensible, hochemotionale Gefühlslage. Beides sind für den Homöopathen Hinweise auf Pulsatilla oder Sepia als seelische Begleitmittel, wenn die Tränen unvermeidlich sind.


Die Keimzumpe (Bryophyllum) zeigt mit ihren voll ausgebildeten Tochterpflanzen eine lunare und rhythmische Signatur; sie wird zur Fruchtbarkeitssteigerung eingesetzt, aber auch zur Beruhigung und bei Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus. Bei Weleda wird die Pflanze für diese Indikationen auch mit einer Silberlösung behandelt, um das Lunare zu verstärken.

Pulsatilla harmonisiert die hormonelle Achse und fördert die Empfängnisfähigkeit. Versuche einer Vegetabilisierung mit Silber bei Weleda blieben leider ohne Handelsprodukt. Zur Zyklusregulierung bei Kinderwunsch und zur Anregung des Eisprungs empfiehlt sich die Kombination von Silber mit Melissa/Phosphorus comp. Tropfen von Weleda (siehe Praxistipp), die auch Pulsatilla enthalten.

Praxistipp:

Was tun bei Kinderwunsch?

Das Thema ist komplex, und entsprechend vielseitig kann die Therapie ausfallen – je nach Grundproblem. Dieses Konzept hier ist als Basistherapie zu verstehen: beim Mann bei schlechter Spermiogenese, und bei der Frau, um die Eizellenbildung und den Eisprung zu stimulieren und um die Einnistung der Eizelle zu optimieren. Empfohlen ist eine kurmäßige Anwendung über 3 Monate und länger. Die jeweiligen Mittel sind zusammen anzuwenden.

Für den Mann

• Testes comp. Globuli, 3-mal täglich 15 Globuli auf der Zunge zergehen lassen; auch zur Injektion (KG6)

• Glandula M Gastreu, 3-mal täglich 20 Tropfen; Drüsencocktail von Reckeweg

• Brennnesselsamen; täglich 1 Teelöffel in Müsli oder Joghurt

• Ginseng von Florafarm, morgens 2 Kapseln

Für die Frau

• Ovaria comp. Globuli, 3-mal täglich 10 bis 12 Globuli auf der Zunge zergehen lassen; auch zur Injektion (KG6 und seitlich über den Eierstöcken)

• Glandula F Gastreu, 3-mal täglich 20 Tropfen; Drüsencocktail von Reckeweg

• Alchemilla Urtinktur von Ceres, 3-mal täglich 5 Tropfen von Ceres

• Melissa/Phosphorus comp. Tropfen von Weleda; erste Zyklushälfte 3-mal 10, zweite Hälfte 3-mal 20; bei Blutung aussetzen

Silberpräparate für Gynäkologie und Fruchtbarkeit


PräparatZusammensetzungIndikation/ Anwendungsempfehlungen
Bryophyllum comp. (Globuli und Ampullen von Wala)Argentum met. D5, Bryophyllum D3, Uterus bovis D5Unruhe und Spannungszustände, nervöse Störungen; bei Kinderwunsch, PMS
Cimicifuga Similiaplex R (Tropfen, Pascoe)Cimicifuga D2, Aletris farinosa D3, Pulsatilla D4, China D3, Hydrastis D4, Ambra D4, Secale cornutum D4, Argentum colloidale D6, Cocculus D4, Zincum met. D8Hormonelle Schwankungen, Zyklusanomalien, Stimmungslabilität, Migräne und Menses, PMS
Endometrium comp. (Globuli und Ampullen von Wala)Argentum met. D29, Echinacea pallida D2, Endometrium bovis D16, Quarz D29Endometriose, Empfängnisschwäche bei Endometriose
Fluor-Zäpfchen S (Zäpfchen, Cosmochema/Heel)Agnus castus D3, Echinacea D2, Thuja D2, Lilium lancifolium D4, Kreosotum D6, Hepar sulfuris D10, Hydrastis D6, Mezereum D4, Acidum carbolicum D8, Argentum nitricum D6Verbesserung der gynäkologischen Beschwerden bei Scheidenausfluss
Majorana Vaginal Gel (Wala)Acidum lacticum D4, Argentum colloidale D4, Calendula Ø, Echinacea pallida Ø, Eucalypti aeth., Kreosotum D4, Lilium lancifolium D1, Origanum majorana Ø, Rosmarini aeth., Salviae aeth., Thuja D1, Thymi aeth.Unspezifische Vaginalentzündungen, Fluor albus, Entzündungen im Genitalbereich (Kolpitis) und der Schamlippen (Vulvitis)
Ovaria comp. (Globuli und Ampullen von Wala)Apis regina D4, Argentum met. D5, Ovaria bovis D4Anregung der Keimdrüsen, bei Ovulationsschwäche
Testes comp. (Globuli und Ampullen von Wala)Apis regina D4, Argentum met. D5, Testes bovis D4Anregung der Spermiogenese
Vulpur spag. Peka N (Tropfen, Pekana)Calendula off. D8, Kreosotum D6, Achillea millefolium D8, Argentum nitricum D6, Armoracia rusticana D4, Cinnamomum D12, Capsella bursa pastoris spag D4, Salvia off. D8Regel- und Blutungsanomalien; bei Ausfluss und zur Begleitung bei entzündlichen und degenerativen Prozessen

Urvertrauen – Silber in der Kinderheilkunde

Entsprechend dem Bild der Urmutter unterstehen die Geburt und die ersten sieben Lebensjahre dem Mond – das Silber ist hier das ideale Begleitmittel. Neugeborenen schenkt man heute noch traditionell einen Silberlöffel als Schutzzauber, der gegen alle möglichen Krankheiten gefeit machen soll. Wer es sich leisten konnte, gab dem Kind früher eine Rassel aus Silber, oft mit einem Schnuller aus Roter Koralle, um die Dämonen zu vertreiben und um den bösen Blick zu bannen. Selbst Paracelsus empfahl Koralle schon gegen das Erschrecken der Kinder (vgl. Bd. I: 673) und um sie vor der »fallenden Krankheit« zu schützen, wie man die zerebralen Krampfanfälle früher nannte, die Kinder manchmal beim Zahnen und Fiebern bekommen können. Hiervor sollten auch Ketten aus Silber mit diversen Amuletten als Anhängsel helfen, sogenannte »Fraisenketten«.

Wie immer verbirgt sich hinter solchem Glauben auch ein Fünkchen Wahrheit. Kinder fiebern schnell und intensiv und keineswegs nur bei Infektionen, sondern auch bei seelischem Stress oder schockartigen Eindrücken. Psyche und Immunsystem sind in steter Wechselwirkung, und da ein kleines Kind ja noch nicht konkret ausdrücken kann, was ihm genau wehtut, produziert es eben Fieber oder Bauchweh, um auf sich aufmerksam zu machen und um die Überlebensfaktoren auf Hochtouren zu bringen. Denn sein Immunsystem arbeitet am optimalsten bei einer Körpertemperatur um die 40 Grad. – Kein Grund also, gleich in Panik zu verfallen, wobei Nichtstun auch keine Option ist.

Weleda liefert mit den silberhaltigen Fieber- und Zahnungszäpfchen ein Notfallmittel für solche Fälle. Es sollte in jedem Haushalt vorrätig sein, denn wenn man es wirklich braucht, sind die Apotheken meistens geschlossen, und guter Rat ist teuer. Es besteht gleich aus einer Reihe von bewährten Klassikern gegen Infektionen, die auch seelisch sehr entspannen, wie beispielsweise das Fiebermittel Atropa Belladonna (Tollkirsche), das Zahnungsmittel Chamomilla recutita radix (Kamillenwurzel), Echinacea purpurea (Sonnenhut zur Abwehrsteigerung), Papaver somniferum (Schlafmohn) zur Entspannung und eben Silber, das in höheren Potenzen fiebersenkend wirkt und bei Fieberdelirium die Seele vor den Fieberdämonen schützt. Die Zäpfchen verabreicht man ein- bis mehrmals täglich rektal – bei Säuglingen nimmt man eventuell nur ein halbes Zäpfchen, bei größeren Kindern auch schon einmal zwei hintereinander. Die Wirkung könnte man am besten als Heilschlaf bezeichnen.

Eines der Hauptmittel in der Kinderheilkunde ist auch Muschelkalk (Conchae/Calcium carbonicum Hahnemanni). Es hat ebenfalls einen Bezug zum Mond und zum Element Wasser und ist in vielerlei Hinsicht dem Silber ähnlich, weshalb sich beide Mittel auch gut ergänzen. Im Zweifelsfall ist es immer in mittleren Potenzen (D12) bei fieberhaften Infekten von Kindern angezeigt. In tieferen Potenzen verwendet man Calcium carbonicum als Stärkungsmittel für das Immun- und Knochensystem. Höhere Potenzen (D30) fördern dagegen frühkindliche Entwicklungsprozesse und die geistige Reifung, und die Kinder lösen sich leichter vom Rockzipfel der Mutter. Auch typische Kinderängste vor der Dunkelheit oder beim Alleinsein scheinen sich leichter zu lösen; hierzu ergänzt man es mit Bryophyllum Argento cultum Rh D2 Tropfen von Weleda.


Kinderrassel aus Silber mit roter Koralle als Hilfe beim Zahnen und zur Abwehr von Krankheitsdämonen. (Sammlung Pharmaziehistorisches Museum, Basel)

Die Perle untersteht dem Mond. Paracelsus verwendete sie als Verjüngungsmittel, aber auch als universelle Arznei bei seelischen Problemen und Infektionen. Aus der Austernschale wird Calcium carbonicum Hahnemanni gewonnen, eines der wichtigsten Kinderheilmittel und eine ideale Ergänzung zu Silber.

Wie oben schon erwähnt, passt hier auch die Rote Koralle, die wie die Auster selbst nahezu ganz aus Calciumcarbonat besteht, jedoch zusätzlich Eisen enthält, das wir noch als wichtiges Mittel gegen die Angst und zur Immunstärkung kennenlernen werden. In vielen Fällen kann man alternativ also auch Corallium rubrum in den entsprechenden Potenzen einsetzen, besonders wenn man das Gefühl hat, dass ein »magischer Schutz« nötig sei.

Rund um Impfungen ist dies sicher nötig. Impfungen fordern das Immunsystem heraus, und entsprechend fit sollte das Kind für eine Impfung sein. Es ist hier nicht der Ort, um über das Für und Wider von Impfungen zu streiten. Wenn man sich jedoch dafür entscheidet, oder gesetzlich dazu gezwungen wird, sollte man die Kinder wenigstens mit Mitteln begleiten, um mögliche Nebenwirkungen oder Folgeschäden abzuwenden. Neben Corallium rubrum D12 und Argentum metallicum D12 haben sich hier vor allem Meteoreisen Globuli von Wala zur Immunstärkung bewährt. Einige Tage vor und mindestens bis eine Woche nach einer Impfung gibt man mehrmals täglich einige Globuli, am besten aufgelöst in etwas Wasser (immer lange Zeit im Mund gut einspeicheln). Bei Säuglingen kann man notfalls auch die Brustwarze mit der Flüssigkeit benetzen. Ein Lebenselixier für Kinder mit Koralle und Eisen finden Sie auf Seite 197 im Kapitel über Eisen.

Den besten Schutz vor Infektionen bietet allerdings immer noch die Muttermilch selbst, die man natürlich ebenfalls dem Mond zuordnet. Ungestillte oder zu früh abgestillte Kinder sind jedenfalls wesentlich anfälliger, außerdem sind Muttermilch und das Stillen das perfekte Schlafmittel.

Das Stillen ist etwas ganz Besonderes. Die tiefe Ruhe, die Nähe und Geborgenheit sind durch nichts zu ersetzen. Fürsorge, Hingabe, sich an die Hand nehmen lassen, sind wie das Stillen Aspekte des Mondes. Die ersten sieben Lebensjahre sind eine Phase des Werdens, Wachsens und des langsamen geistigen Erwachens. Es geht in dieser Lebensphase um die Ausbildung des Urvertrauens. Frühkindliche Traumen, Schockerlebnisse, Trennungen von der Mutter, schwere Krankheiten, Abgewiesen-Werden, Scheidung etc. können das Urvertrauen stören oder gleich ganz zerstören und eine tiefsitzende Lebensangst erzeugen. Hier hat sich in der Praxis eine Kombination bewährt von Calcium carbonicum Hahnemanni D12 bis D30, Natrium muriaticum D12 bis D30 (Kummermittel der Homöopathie) und Argentum metallicum praeparatum D12 bis D30. Alternativ zu Silber als Einzelmittel kann man auch an das silberhaltige Präparat Argentum/Rohrzucker Globuli von Wala denken – es eignet sich bei frühkindlichen Störungen, um die seelische Geschlossenheit zu fördern, besonders bei gleichzeitigen Schlafstörungen. In hartnäckigen Fällen ergänzt man es mit dem »Vegetabilisierten Metall« von Weleda, Bryophyllum Argento cultum Rh D2, einer wässrigen Zubereitung aus Silber und Keimzumpe, die oben beim Thema Schwangerschaft bereits erwähnt wurde.

Die Häutung der Seele – Silber bei Haut- und Schleimhautentzündungen

Silber hat eine starke entzündungshemmende und keimtötende Wirkung, die man sich auch in der Schulmedizin zunutze macht. Bis 1992 war es Vorschrift, Neugeborenen eine 1-prozentige Silbernitratlösung (Argentum nitricum) ins Auge zu träufeln, um einer möglichen Gonokokkeninfektion und einer möglichen Erblindung vorzubeugen. Obwohl dies nicht mehr Vorschrift ist, ist es immer noch weit verbreitet – zum Leidwesen der Kinder, denn die Augentropfen brennen derart höllisch, dass Silbernitrat auch den Beinamen »Höllenstein« trägt.

Als Homöopathikum hat sich Silbernitrat ebenfalls bei Augenentzündungen bewährt. Bei eitriger Bindehautentzündung, besonders mit einem Sandkorngefühl im Auge, oder auch bei einem Gerstenkorn sollte man an die Augentropfen von Weleda Argentum nitricum D4 denken. Selbst in der Veterinärmedizin leisten sie Großartiges, zum Beispiel bei der »Mondkrankheit« von Pferden; das ist eine äußerst unangenehme Entzündung der Augen, verursacht beispielsweise durch Staub und Fliegen.


Wenn die Nachtkerze kurz nach Sonnenuntergang ihre Blüten öffnet, ist das ein faszinierendes Schauspiel – es zeigt deutlich eine lunare Signatur. In der Hauttherapie hat sich die Kombination von Nachtkerze und Silber bewährt.

Die bakteriostatische Wirkung von Silber nutzt man sogar in der Gerätemedizin, indem man beispielsweise Endoskopie-Geräte mit Silber beschichtet.

Auch in der Wundpflege, vor allem bei Verbrennungen, spielt es eine wichtige Rolle. Das Wund- und Brandgel von Wala enthält unter anderem kolloidales Silber in D5, dem generell eine entzündungswidrige Wirkung nachgesagt wird (siehe hierzu auch das Buch von Kühni/von Holst, 2005). Die Salbe ist auf jeden Fall ein Notfallmittel, das in keinem Haushalt fehlen sollte. Es hilft auch bei Insektenstichen.

Bei chronischen Entzündungen, Fissuren, zur Narbenpflege und bei Keloid liefert Wala das silberhaltige Mittel Echinacea/ Viscum comp. Gelatum.

Zur Behandlung trockener Hautleiden, auch mit allergischem Hintergrund, liefert Weleda die Nachtkerze in besonderer Zubereitung mit Silber (Oenothera Argento cultum D3 und D4; innerlich mehrmals täglich 5 bis 10 Tropfen oder in Salbenmischungen; siehe Praxistipp).

Silber wirkt kühlend und lindert den Wundschmerz. Bei Halsentzündungen hat sich die Kombination von Silber und Eisen bewährt, man findet sie in dem Präparat Archangelica comp., Globuli und Ampullen von Wala. Enthalten ist hier neben Silber der Pyrit (Eisensulfid), ein Kardinalmittel bei HNO-Erkrankungen und Bronchitis (siehe auch Eisen).

Auch bei entzündlichen Störungen der Genitalorgane, die zum Teil erheblich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, sollte man an eine Silbertherapie denken. Wala liefert mit dem Majorana Vaginalgel ein bewährtes Mittel für Vaginalentzündungen und unspezifischen Ausfluss (enthält Argentum colloidale D4) und mit Endometrium comp. ein Silberpräparat, das man bei Endometriose anwendet, ebenfalls innerlich und an lunaren Reflexzonen zur Injektion. Hier empfehlen sich die gleichen Punkte wie zuvor zur Fruchtbarkeit erwähnt. Weleda liefert für Entzündungen der Sexualorgane Vaginaltabletten mit Silber (Arg. met. praep. 0,4 % Vaginaltabletten, abends eine Tablette in die Scheide einführen).


Silber auf Arsen – beide Metalle haben einen Bezug zur Haut. Genauso wie man Pflanzen bevorzugt kombiniert, die gerne nebeneinander wachsen, sollte man dies auch mit Mineralien und Metallen machen.

Silber wird auch zur Anregung der Ausscheidungsprozesse und zur Entgiftung eingesetzt. Umweltgifte, aber auch Immuntoxine während und nach Infektionen können das Immunsystem erheblich belasten und sind ebenso ursächlich für Autoimmunleiden – bis hin zum Krebs. Haut- und Schleimhautentzündungen, aber auch Fieber und Tumorbildungen sind nicht selten körpereigene Versuche, mit einer solchen Überlastung fertig zu werden.

Zur Anregung der Ausscheidung mit Wirkung auf das Immunsystem sollte man an das »vegetabilisierte« Metall Thuja Argento culta von Weleda denken und an eine Kombination mit Derivatio von Pflüger, besonders zur Ausleitung von Umweltgiften. Es enthält neben Silber auch das Sonnenmetall Gold und das Jupitermetall Zinn und wirkt betont auf die Säfte, Leber und Herz. Auch das Präparat Toex spag. als Globuli und Tropfen von Pekana ist ein Basismittel zusammen mit Silber zur Ausleitung, vor allem von Immuntoxinen mit allergenem Potenzial; hier empfiehlt sich die Kombination mit Calcium carbonicum Hahnemanni D12 und Proal. spag. Globuli und Tropfen, ebenfalls von Pekana, und zur Hautpflege die Eigenrezeptur »Silbersalbe« (siehe Praxistipp).

Bei allergenen Hautleiden sollte man an die Kombination von Silber und Arsenicum album (beide in mittleren Potenzen D12) denken. Beide Arzneien gebraucht man bei dem Symptom »Jucken, Brennen und Kratzen bis zum Bluten«, was bei Neurodermitis durchaus typisch ist; sinnigerweise findet man Silber in der Natur gerne zusammen mit Arsen (siehe Abbildung Seite 69).

Praxistipp: Silber-Salbe für die sensible Haut

Indikationen: Hautentzündungen, Verbrennungen, Sonnenbrand, Insektenstiche, Neurodermitis, atopische Ekzeme und zur Wund- und Narbenpflege.

Das Rezept besteht aus

• Nachtkerze; einmal als Öl und einmal als vegetabilisiertes Metall (Weleda), mit einer wunderbaren Wirkung bei trocken entzündlicher Haut.

• Stiefmütterchen; es enthält wundheilende Saponine und gilt als Antidyskratikum bei Hautleiden.

• Dachwurz zeigt mit den Signaturen »trockener Standort, starke fleischige Blätter mit viel Flüssigkeit« einen Bezug zur Haut und hat eine kühlende Wirkung, die man auch bei Verbrennungen nutzen kann.

• Kolloidales Silber wirkt entzündungswidrig und kühlend.

• Rosenöl wirkt konservierend, aber auch die Haut pflegend, und schenkt der Salbe ihren venusischen Duft.

• Jojobaöl, Bienenwachs und Wollfett dienen als Salbengrundlage.

Man mische:


• Argentum colloidale D63,0 ml
• Oenothera argento culta D43,2 ml
• Viola tricolora spag. Urt7,3 ml
• Tectorium sempervivum Ø7,3 ml
• Adeps lanae15,0 ml
• Cera flava12,0 ml
• Oleum buxus chinensis44,0 ml
• Oleum oenotherae8,2 ml
• Oleum rosae verum10 Tropfen

Die fertige Salbe liefert die Lindenapotheke in Pfaffenhofen (www.lindenapo-paf.de). Anwendung: Die Salbe mehrmals täglich auf die betroffenen Hautstellen auftragen.

Silberpräparate für Haut und Immunsystem


PräparatZusammensetzungIndikation/ Anwendungsempfehlungen
Archangelica comp. (Globuli und Ampullen von Wala)Angelica archangelica D2, Argentum nitricum D14, Hyoscyamus D3, Pyrit D2, Salvia off. ØEntzündungen von Kehlkopf, Stimmbändern und Luftröhre, Heiserkeit, auch psychosomatisch
Argentum nitricum Augentropfen D4 (Weleda)Argentum nitricum D4Augenentzündungen, Heuschnupfen mit Bindehautentzündung
Argentum nitricum comp. (Globuli und Ampullen von Wala)Argentum nitricum D19, Chlorophyceae D2, Echinacea pallida D1, Eucalyptus Ø, Thuja D2Entzündungen im Schleimhautbereich, urogenital; Hals und Kehlkopf; Hautentzündungen
Arum Nasentropfen (Nestmann)Arum maculatum D2, Arum triphyllum D2, Arsenicum album D10, Argentum met. D10, Zingiber D4Schnupfen, Heuschnupfen, Sinusitis
Conjunctiva comp. (Globuli und Ampullen von Wala)Argentum met. D29, Belladonna D14, Conjunctiva bovis D16, Echinacea pallida D2, Quarz D19Konjunktivitis auch im chronischen Verlauf
Dalektro NR (Tropfen, Pekana)Selenium D8, Argentum nitricum D6, Cobaltum nitricum D12, Cuprum aceticum D4, Ferrum met. D8, Manganum sulfuricum D6Spurenelementmangel, Immundefizite, Erschöpfungssyndrom
Echinacea Mund- und Rachenspray (Wala)Argentum nitricum D13, Calendula Ø, Echinacea pallida Ø, Eucalyptus D1, Gingiva bovis D4/D8, Salvia off. Ø, Tonsillae palatinae bovis D4/D8Entzündungen im Mund- und Rachenraum
Echinacea Viscum comp. Gelatum (Wala)Argentum met. D10, Calendula Ø, Cuprum aceticum D6, Cutis feti bovis D4, Echinacea D4, Funiculus umbilicalis bovis D4, Placenta bovis D4, Rosmarini aeth., Terebinthinae laricina, Viscum album (Mali) D2Narbenpflege und chronisch degenerative Hautleiden, nach Bestrahlung und Sonnenbrand, Hautulcera, Fissuren
Fepyr spag. Peka (Tropfen, Pekana)Eupatorium perfoliatum D2, Acidum arsenicosum D6, Aconitum D4, Argentum nitricum D4, Bryonia D4, China D3, Vincetoxicum D2, Lachesis D7Fieberhafte Infekte, auch mit Zerschlagenheit und Erschöpfung
Fieber- und Zahnungszäpfchen (Weleda)Belladonna D3, Chamomilla Radix D2, Echinacea Ø, Papaver somniferum D3, Argentum met. praep. D19Fieber- und Zahnungskrämpfe, Infektionen mit Fieber, bei seelischer Unruhe von Kindern, auch bei Schlafstörungen
Infragil spag. (Tropfen und Globuli von Pekana)Ailanthus altissima D3, Vincetoxicum hirundinaria D6, Nasturtium officinale D6, China D8, Marrubium vulgare D6, Echinacea D12 Lachesis D12, Argentum nitricum D6Zur Abwehrsteigerung bei fieberhaften Entzündungen, speziell mit Lungenbeteiligung

Viele Menschen bezeichnen sich als mondempfindlich: Paracelsus nannte sie »Lunatici«. (Mondfinsternis, fotografiert von Detlev Hoppenrath)


Ratanhia comp. (Lösung, Weleda)Myrrha Ø, Ratanhia Ø, Aesculus D19, Argentum nitricum D14, Fluorit D9, Kieserit D19, Caryophylli floris aeth., Eucalypti aeth., Lavandulae aeth., Menthae piperitae aeth., Salviae off. Aeth.Zahnfleischentzündungen, Entzündungen im Rachenraum, Aphthen
Silicea comp. (Globuli, Ampullen und Zäpfchen, auch speziell für Kinder, von Wala)Globuli: Argentum met. D20, Belladonna D14, Quarz D21 (Ampullen und Zäpfchen sind etwas anders dosiert.)Fieberhafte Erkrankungen und Entzündungen im Kopfbereich (Auge, Ohr, Nase, Hals, Zähne)
Sinudoron (Tropfen, Weleda)Argentum met. praep. D20, Berbers Fructus D3, Quarz D12Entzündungen, auch fieberhaft und eitrig; Sinusitis
Thuja occidentalis Argento culta (Tropfen und Ampullen von Weleda)Vegetabilisiertes Silber mit Thuja als Tropfen Rh D3 oder Ampullen D3Schleimhautentzündungen, Fluor albus, Warzen
Thuja comp. N (Trituration, Weleda)Argentum met. D3, Mercurius vivus D6, Thuja D6Akute und subakute Harnwegsinfekte
To-Ex spag. Peka N (Tropfen und Globuli von Pekana)Argentum nitricum D4, Bryonia spag. D4, Clematis recta D3, Hydrastis canadensis D4, Echinacea spag. D12, Galium aparine D6, Glechoma hederacea spag. D6, Ledum palustre D6Zur Anregung der Ausscheidung von Umweltgiften und Immuntoxinen
Wund- und Brandgel (Wala)Argentum colloidale D5, Arnica Ø, Calendula Ø, Cantharis D5, Symphytum Ø, Thuja Ø, Urtica urens ØHausmittel bei Verbrennungen und Insektenstichen

Spiegel der Seele – Silber in der Psychosomatik

Diejenigen, die heute gerne unter Hypochondrie, vegetativer Dystonie oder Krankheitsneurosen leiden, nannte Paracelsus »Lunatici«, die Mondsüchtigen (Bd. II: 51). Sie spüren jeden Mondwechsel und sind auch sonst sehr empfindsame Gemüter. »Die Lunatici werden vom Mond beherrscht. Weil die Anziehungskraft des Vollmondes am stärksten ist, wirkt sie zu dieser Zeit am meisten, und diese Menschen leiden besonders stark. In gleicher Weise bei Neumond, weil der Neumond in der neuen Empfängnis neue Fähigkeiten und Veränderung gewinnt, wovon auch die Vernunft der Kranken geringer oder größer wird.«

Tatsächlich sagen viele Patienten, dass sich ihre Leiden bei Vollmond oder Neumond verschlimmern. Der Mondsüchtige reagiert auf seelische Erschütterungen mit bestimmten Mustern, aber ähnlich wie kleine Kinder kann er sich nicht konkret ausdrücken, sondern nur somatisch, zum Beispiel mit Bauchmerzen oder seelischem Fieber. Dieser Zustand kann sich völlig verselbstständigen und im Zustand der Hysterie bis zum Organversagen gehen. Eine kritische Selbstreflexion ist dabei meistens nicht möglich.

Bei jeder Form von psychosomatischer Symptomatik sollte man an eine Silbertherapie denken (mittlere und höhere Potenzen von Argentum metallicum oder Argentum nitricum).

Unübertroffen ist die Wirkung bei Unruhe, Schlafstörungen, geistiger Verwirrung und bei Angstzuständen – angefangen von Beklemmungszuständen am Herzen, Stressmagen mit nervösem Durchfall, Reflux und Sodbrennen oder nervöser Aufgeregtheit wie Lampenfieber bis hin zu einer ausgeprägten Angststörung. Betroffene spüren ihre Angst vor allem am Herzen und im Magen. Sprichwörtlich rutscht ihnen das Herz in die Hose. Der Silber-Patient ist »dünnhäutig«, jede Form von Erregung verschlimmert seinen Zustand. Er ist müde, apathisch, ohne Selbstvertrauen, einfache geistige Tätigkeiten fallen ihm schwer, sein Gedächtnis ist schwach, die Libido lässt stark nach.

Silber ist zudem eines der besten Mittel zur Behandlung eines »Burn-out-Syndroms«, besonders nach großer geistiger Überanstrengung. Auch Kopfschmerzen und Migräne nach seelischer Erregung und viel »Kopfzerbrechen« gehören zu den Indikationen. Kein anderes Arzneimittel wirkt besser bei Neurasthenie.

Sehr empfehlenswert ist eine Kombination mit Arsen: Böse Folgen von Furcht, Schreck, Sorgen sowie Unruhe, Verzweiflung und Angst sind als Anwendungsgebiete für beide Mittel kennzeichnend. Auch wirken beide betont auf Haut und Schleimhaut, also auf die Grenzflächen des Körpers (Abgrenzungsprobleme). Die Tatsache, dass sich alle Symptome nachts verschlimmern und brennen, sowie Erschöpfung, Abmagerung und Kachexie finden sich ebenfalls in beiden Arzneimittelbildern. Der Patient spürt eine große Schwäche in der Lunge, dem Organ der Lebenskraft. Er hat große Angst vor Krankheit und Ansteckung; unter anderem deswegen wurde Arsen von indischen Homöopathen als Mittel während der Corona-Pandemie empfohlen. Nicht nur auf dem Rezeptblock vertragen sich Silber und Arsen vorzüglich, sie kommen auch in der Natur häufig gemeinsam vor.

Silber für den nervösen Magen und den empfindlichen Darm

Besonders empfindlich reagiert die Seele bei Dauerstress im Magen – dieser ist nicht ohne Grund dem Sternzeichen Krebs zugeordnet, in dem der Mond wiederum der Herrscher ist. Hier wirkt in akuten Fällen besonders gut Argentum nitricum, und bei Chronifizierung die Antimonverbindung mit Silber »Dyskrasit« (D6 als Trituration und als D6/D20 auch zur Injektion im Bereich des Solarplexus). Auch bei Infektionen, die mit Durchfall einhergehen, sollte man an Argentum nitricum denken.


Die weißliche Blüte der Robinie. Ihr filigraner Aufbau und ihr abendlicher Duft zeigt eine Beziehung zu Mond und Merkur. Man verwendet sie bei Entzündungen der Verdauungsorgane.

Gediegenes Silber erinnert in seiner Struktur an Farnblätter, und tatsächlich ergänzen sich Farne und Silber in einer Therapie der Verdauungsorgane sehr gut. Weleda liefert mit Digestodoron Tabletten und Tropfen ein Präparat mit Farnen und Weiden für eine Kombination mit Argentum nitricum bei Dysbiose des Darms; zum Beispiel beim Status nach Antibiotika, bei funktioneller Dyspepsie, Durchfallneigung oder entzündlichen Leiden von Magen und Darm.

Bei nervösem Magen, funktioneller Dyspepsie, Stressgastritis, Sodbrennen und nervösem Durchfall, bis hin zu Colitis sollte man an das Silberpräparat Metanuxvomica von meta Fackler denken; man nimmt etwa 3- bis 5-mal täglich 10 Tropfen zu den Mahlzeiten. Es enthält zusätzlich zu Argentum nitricum die Nachtschattengewächse Belladonna und Mandragora sowie das Pfeilgiftgewächs Nux vomica, drei Kardinalmittel zur Behandlung einer funktionellen Dyspepsie mit krampfhaften Schmerzen und Gastritis; ferner enthält es das Bittermittel Wermut und die Gewürzpflanze Basilikum, die dank ihrer ätherischen Öle entspannend auf die Magenfunktionen einwirkt. Basilikum ist ein regelrechtes Wundermittel bei nervösen Magenbeschwerden wie Sodbrennen und psychisch bedingten Durchfällen (Stressgastritis). Es fördert auch die Hingabefähigkeit und steigert die Lebens- und Liebeslust; und es hilft zudem bei Angst, die man am Herzen spürt: »Es dienet für alle Mängel und Gebrechen des Herzens, wehret den schwären Gedanken, Schwärmuth von Melancholie verursacht, leget das Herzzittern und erwecket im Menschen Freud und Muth«, heißt es im Kräuterbuch des Tabernaemontanus.

Bei Sodbrennen und Gastritis hat sich die Kombination mit Argentum N Oligoplex Tabletten von Meda Pharma bewährt (2 Tabletten zu den Hauptmahlzeiten, mehrmals täglich).

Da Alkohol bei nervösem Magen oft nicht gut vertragen wird, ist Robinia comp. als Globulipräparat von Wala eine sinnvolle Alternative (wirkt in Wasser aufgelöst oft besser). Als Ampullenpräparat eignet es sich zur gezielten Injektion in Akupunkturpunkte mit Bezug zu Magen und Psyche, zum Beispiel Magen 36 an der Außenseite des Knies mit dem bezeichnenden Namen »Göttlicher Gleichmut«, sowie im Bereich der Angstzone des Magens, unterhalb des Brustbeins. – Hier spürt man am stärksten den Sorgenstein im Magen. Am besten ist die Kombination mit silberhaltigen Präparaten für die Psyche wie Metakavernit N oder Solunat Nr. 4, mit Wirkung auf Nerven und Gemüt, die wir weiter unten noch kennenlernen.

Silberpräparate für Magen und Darm, Stoffwechsel und zur Entgiftung


PräparatZusammensetzungIndikation/ Anwendungsempfehlungen
Argentum N Oligoplex (Tabletten, Meda Pharma)Argentum colloidale D4, Atropinum sulfuricum D4, Calendula D2, Condurango D2, Sanicula europaea D2Stressgastritis, Dysbakterie, Sodbrennen, Reflux
Cartilago/Mandragora comp. (Globuli, Ampullen und Salbe von Wala)Dosierung von Ampullen und Salbe etwas unterschiedlich; Globuli: Antimonit D5, Argentum met. D7, Betula pendula D4, Cartilago articularis bovis D7, Mandragora D4Entzündungsprozesse im Gelenksbereich, Polyarthritis, auch bei Arthrose im Entzündungsschub
Derivatio (Tabletten und Ampullen von Pflüger)Anagallis arvensis D4, Argentum met. D30, Arnica D15, Aurum met. D15, Bryonia D4, Carbo vegetabilis D30, Chelidonium D6, Colocynthis D5, Cytisus scoparius D6, Digitalis D5, Cactus grandiflorus D4, Carduus marianus D3, Sarsaparilla D6, Stannum met. D8, Strophanthus D6, Taraxacum off. D6, Leptandra D4, Viscum album D4Ausleitung von Umweltgiften, Adjuvans in der Tumortherapie, Vergiftungen mit Herzbeteiligung, Herzerschöpfung, Missempfindungen am Herzen, auch mit Tendenz zu rheumatischen Erscheinungen
Diarrheel SN (Tabletten, Heel)Argentum nitricum D8, Acidum arsenicosum D8, Colchicum D6, Colocynthis D6, Hydrargyrum bichloratum D8, Podophyllum D8, Veratrum album D4Enteritis, Durchfallerkrankungen
Duodenoheel (Tabletten, Heel)Anacardium D4, Argentum nitricum D6, Ipecacuanha D4, Jodum D6, Lachesis D12, Petroleum D6, Robinia pseudoacacia D4Entzündungen und Geschwüre im Duodenum
Fedon spag. Peka N (Tropfen, Pekana)China D12, Phosphorus D10, Argentum nitricum D6, Calcium phos. D9, Pulsatilla D6, Lamium album D6, Urtica urens D6Erschöpfungssyndrom, vegetative Dystonie
Gastro-Pasc Similiaplex (Tropfen, Pascoe)Argentum nitricum D6, Belladonna D4, Hydrastis D4, Nux vomica D4, Phosphorus D6Gastritis, Bauchkrämpfe, Appetitlosigkeit, Magenschwäche, Blähungen
Juve-Cal spag. Peka NR Mischung (Saft, Pekana)Lycopodium D12, China D8, Calcium hypophosphoricum D4, Acidum phos. D4, Argentum nitricum D4, Abrotanum D8, Barium carbonicum D12, Staphisagria D4, CorrigentienAppetitlosigkeit, Anregung der Verdauungsleistung und Lebertätigkeit, Stressgastritis
Robinia comp. (Globuli und Ampullen von Wala)Argentum nitricum D5, Natrium phosphoricum D9, Nicotiana tabacum D5, Robinia pseudoacacia D3, Nux vomica D9Nervöser Magen, Stressdurchfall, Gastritis, Reflux, Sodbrennen
Absinthium D1, Argentum nitricum D5, Basilicum D1, Belladonna D4, Mandragora D6, Nux vomica D4Funktionelle Dyspepsie, Blähungen, Gastritis, Sodbrennen – gut in Kombination mit Bittermitteln
To-Ex spag. Peka (Tropfen, Pekana)Echinacea spag. D12, Argentum nitricum D4, Bryonia spag. D4, Clematis recta D3, Ledum palustre D6, Hydrastis canadensis D4, Galium aparine D6, Glechoma hederacea spag. D6Anregung der Ausscheidung von Umwelt- und Immuntoxinen; silent inflamations mit Neigung zu Rezidiven; Status nach Infektionen, auch mit allergischen Reaktionen

Praxistipp: Mondtropfen für die innere Ruhe und Silbersalbe zur Innenschau

Das Therapiekonzept wirkt angstlösend, für den Blick ins Innere der Seele und zur Begleitung einer Psychotherapie.

Für die Mondtropfen mischt man:

• Ambra D6

• Argentum metallicum D12

• Arsenicum album D12

• Piper meythysticum D5

• Valeriana off. Ø

Jeweils 20 Milliliter von Spagyra; man kann die Tropfen auch über eine Apotheke mischen lassen (siehe Seite 292).

Mehrmals täglich, vorzugsweise abends, 20 Tropfen einnehmen.

Für die Silbersalbe zur Innenschau mischt man als Ergänzung:


• Argentum coll. D62,5 ml
• Argentum met. praep. D122,5 ml
• Opal D8 Wala1,0 ml
• Aqua dest.32,0 ml
• Sheabutter8,0 ml
• Glycerinmonostearat4,0 ml
• Oleum Patchouli1 Tropfen
• Oleum Nardostachidis2 Tropfen

Die Salbe liefert auch die Lindenapotheke in Pfaffenhofen (siehe Seite 293). Sie wird auf der Stirn und im Nacken aufgetragen.

Zusätzlich bei Schlafstörungen und Unruhe:

• Solunat Nr. 14 zur Beruhigung abends und bei Bedarf 10 Tropfen

• Tee aus Melisse, Passionsblume und Johanniskraut; mehrmals täglich 1 Tasse trinken

Im Reich von Hypnos und Morpheus – Silber als Erste Hilfe bei Schlafstörungen

Lunar geprägt und damit für eine Silbertherapie besonders zugänglich sind unser Gehirn und die Steuerung der vegetativen Funktionen, darunter besonders der Schlaf-Wach-Rhythmus. Circa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend. Ein kleines Kind braucht dabei erheblich mehr Schlaf als ein alter Mensch, doch ohne Schlaf kommt kein Mensch aus. In Abhängigkeit von Licht und Dunkelheit reagiert unser Hormonsystem. Hormone wie Melatonin sorgen abends für eine gesunde Müdigkeit und eine ansteigende Cortisolkurve morgens für ein erfrischtes Erwachen. Atem- und Herzfrequenz senken sich in der Nacht, und es ist die Zeit der Leber, die nun ihre Stoffwechselaktivität entfaltet und für die notwendige Regeneration sorgt. Schon hier zeigen sich mögliche Ursachen von Schlafstörungen, unter denen schätzungsweise 25 Prozent der Bevölkerung zumindest phasenweise leiden; denken wir nur an zu schweres Essen und Alkohol am Abend oder an künstliches Licht oder Bildschirme, die uns wach halten, oder an andere technische Störer wie WLAN, die unser Nervensystem stetig in Atem halten.

Einschlafen ist ein Sich-Fallenlassen. – Wer dies nicht kann, wird vielleicht auch von den Dämonen des Alltags daran gehindert; Gedankenandrang, Sorgen oder auch freudvolle Erinnerungen und Erwartungen an den morgigen Tag hindern die Seele, sich aus dem Körper zu lösen.

Der Schlaf selbst ist in sich rhythmisch gegliedert durch Traumphasen und Tiefschlafphasen, die möglichst ungestört ablaufen sollten. Im Tiefschlaf löst sich das Seelisch-Geistige besonders intensiv aus dem Körperlichen, bleibt aber immer durch einen silbernen Faden miteinander verbunden, der erst im Sterben endgültig zerreißt. – Nicht ohne Grund sagt man vom Schlaf, er sei der kleine Bruder des Todes. In der Traumphase, in der wir oft auch kurz aufwachen, ohne dass wir uns immer daran erinnern, verbindet sich das Seelische wieder tiefer mit dem Körperlichen; und schließlich so intensiv, dass wir morgens wieder aufwachen.

Der Schlaf ist eine Reise in die astrale, lunare Welt des Fantastischen. – Zu keiner anderen Zeit ist unser Geist kreativer und lebendiger. Im Schlaf sind wir alle Künstler und Magier. Sogar Fliegen ist kein Problem. Wir verarbeiten die Alltagsereignisse, durchleben die ganze Palette von Gefühlen, Erotik, Leidenschaft, Ängsten, Hoffnungen, Freude, lassen uns von Geistern und Göttern inspirieren, und oft haben wir im Traum Visionen von der »wahren« Wirklichkeit.


Der märchenhafte Schlaf von Dornröschen. (Edward Burne-Jones, um 1875)

Wenn jemand sagt: »Einschlafen ist kein Problem, aber nach kurzer Zeit wache ich wieder auf und das war’s«, dann sind die Probleme tief im Unbewussten zu suchen, was uns nicht selten in das Reich der Dämonen der Seele führt. Auslöser können traumatische Ereignisse sein, ungelöste Konflikte oder auch tief sitzende Ängste, das Leben nicht mehr meistern zu können. In hartnäckigen Fällen kann eine Schlafstörung auch auf manifeste Organstörungen hinweisen, bis hin zum Krebs; man sollte sie also unbedingt als Botschaft ernst nehmen.

Als Metall des Mondes ist Silber das Kardinalmittel bei jeglicher Form von Schlafstörungen – als Einzelmittel am besten als Argentum metallicum praeparatum D12 Trituration von Weleda (abendliche Einnahme). Eine gute Ergänzung ist wiederum die Keimzumpe, die wir beim Thema Kinderwunsch bereits kennengelernt haben.

Während des Schlafs lösen sich die bewussten Anteile des Menschen vom Körper und gehen in astralen Welten auf Reisen. Zurück bleibt nur der unbewusste Körper, der sich in der Zwischenzeit von den Strapazen des Alltags erholt. Bei Schlafstörungen gelingt diese Loslösung nicht, oder nur unvollständig; daher die Verwendung der Keimzumpe als Schlafmittel nach den Regeln der Sympathie (die sich aus der Signaturenlehre ergibt; Bryophyllum Argento cultum von Weleda Rh D3, die rein wässrige Lösung ist auch für Kinder geeignet). Bryophyllum eignet sich auch zur Behandlung von Angst, von Hysterie sowie von Ablösungsproblemen im zwischenmenschlichen Bereich (zum Beispiel bei einer gestörten Eltern-Kind-Beziehung). Ein empfehlenswertes Präparat wäre Bryophyllum comp. von Wala, anzuwenden mehrmals täglich, vorzugsweise abends 10 Globuli und Injektionen im Nackenbereich und am Angstpunkt oberhalb des Brustbeins.

Bewährt hat sich ansonsten bei Einschlafstörungen mit vegetativen Symptomen wie Herzklopfen Somcupin spag. Tropfen von Pekana – neben Silber sind vor allem »Nervina« wie Zincum valerianicum, Eschscholtzia und Avena sativa enthalten und »Sedativa« wie Coffea und Lactuca virosa. Präparate, die eine Schlafbereitschaft erhöhen, nimmt man bereits in den frühen Abendstunden ein und wiederholt die Einnahme kurz vor dem Zubettgehen, und, falls nötig, nochmals während der Nachtstunden. Wesentlich ist dabei auch, dass es am nächsten Tag keine Beeinträchtigungen oder Katergefühle geben sollte, was bei Naturheilmitteln eben nie der Fall ist.


Schon im Namen zeigt sich bei der Silberkerze (Cimicifuga racemosa) ein Bezug zum Mondmetall. Wir verwenden die filigrane Pflanze bei Stimmungsschwankungen, nervösen Schlafproblemen und bei hormoneller Dysbalance.

Sehr beruhigend wirkt auch Ambra in Ergänzung zu Silber. Das stark duftende Sekret des Pottwals ist das Hauptmittel, wenn die Nerven zerrüttet sind und blank liegen. Bei Boericke (Boericke, S. 42) werden für Ambra folgende Anwendungsgebiete angegeben: »Mangel an Lebensmut (…) Vergräbt sich in unangenehme Dinge (…) Schüchternheit (…) Kann nicht schlafen wegen Sorgen.« Wie die Meister der Vergangenheit sollte man auch heute Ambra als Seelenbalsam gebrauchen, früher war es in praktisch jedem Rezept für Nerven und Gehirn enthalten, gerne zusammen mit Moschus. Es ist ein vielfach bewährter Notfallschirm für seelische Extremzustände (ab D6 bis D30).

In diese Richtung wirkt auch die »Silber«kerze, Cimicifuga racemosa. Die Pflanze mit ihren zarten weißen Blütenrispen erweist sich als ein ausgezeichnetes Psychotherapeutikum, nicht nur im Klimakterium. Allein schon im Namen deutet sich ihre Beziehung zum Mondmetall an. Ihre beruhigende Wirkung bei agitierten Depressionen und nächtlichen Angstzuständen mit Schlaflosigkeit ist ausgezeichnet. Pascoe liefert mit Cimicifuga Similiaplex ein bewährtes Silberpräparat bei seelischen Problemen rund um die Menstruation.

Ebenfalls sehr entspannend und mehr in die seelische Tiefe wirkend, ist das spagirische Mittel Solunat Nr. 4, das früher unter dem Namen Cerebretik im Handel war. Hier ist es die entspannende Wirkung der Kombination von Silber und Tabak, der als Nachtschattengewächs ein ideales Begleitmittel darstellt. In hartnäckigen Fällen, besonders von Durchschlafstörungen, empfiehlt sich die Kombination mit Solunat Nr. 14, einer Kombination aus Nervenmitteln wie Pfingstrose, Mistel und Beifuß, denen man auch eine schutzmagische Wirkung nachsagt, zusammen mit gleich mehreren, stark sedierenden Bromverbindungen. – Ein Patient beschrieb die Wirkung einmal treffend mit dem Satz: »Das zieht mir den Stecker raus und finster wird’s.«

Praxistipp: Im Rhythmus von Sonne und Mond

Nächtliche Schlafstörungen und Antriebsschwäche am Tag sind typische Themen in der Praxis, die gerne gemeinsam auftreten. Wer sich nachts nicht regenerieren kann, der ist tagsüber erschöpft. – Eine Binsenwahrheit, die aber gelöst werden will, denn schon nach kurzer Zeit kann sich dieser Zustand zu einer echten Lebenskrise auswachsen. Am besten ist hier eine rhythmische Therapie, die sich am Tag-Nacht-Rhythmus und am Sonnen- und Mondlauf orientiert. Das Therapiekonzept ist als Ganzes gedacht, es sind alle Präparate einzunehmen, man sollte jedoch immer individuell abwägen.

Sonne: Morgens und zur Tagesmitte ist die beste Zeit für eine Goldtherapie:

• Neurodoron von Weleda (morgens 3 und mittags 2 Tabletten auf der Zunge zergehen lassen)

• Solunat Nr. 2 (= Aquavit von Soluna), morgens 5 und mittags 10 Tropfen nach dem Essen.

Mond: Die lunare Zeit beginnt einige Stunden vor dem Zubettgehen. Tabu sind die Nutzung technischer Geräte ab spätestens einer Stunde vor dem Schlaf. Zudem sollte der Schlafplatz von technischen Störern frei sein (WLAN aus und Netzabschaltung für den Strom). Kein schweres Essen am Abend, kein Alkohol ab 3 Stunden vor dem Zubettgehen – die Leber dankt es Ihnen.

• Solunat Nr. 4 (= Cerebretik Tropfen von Soluna), bei zunehmendem Mond 1-mal abends 5 Tropfen und bei abnehmendem Mond abends 2-mal 5 Tropfen; die drei Tage um Neumond und Vollmond selbst sind ohne Einnahme. Bei längeren nächtlichen Wachphasen nachts nochmals eine Dosis von 5 Tropfen.

• Avena comp. Globuli von Wala, circa 1 Stunde vor dem Zubettgehen und bei nächtlichem Erwachen 10 Globuli auf der Zunge zergehen lassen – über alle Mondphasen hinweg; die Bestandteile Sulfur und Phosphor helfen bei »Katzenschlaf«.

• Solunat Nr. 8 (= Hepatik Tropfen von Soluna), nach dem Abendessen 10 Tropfen in etwas Wasser zur Entlastung der Leber geben, die von spätabends bis in die frühen Morgenstunden am meisten zu leisten hat und deren Funktionen wesentlich für die Regeneration sind.

Silberpräparate für Psyche und Schlaf


PräparatZusammensetzungIndikation/ Anwendungsempfehlungen
Agaricus Komplex Nr. 127 (Tropfen, Nestmann)Agaricus D4, Lupulinum D4, Cobaltum met. D8, Conium D4, Zincum cyanatum D8, Secale D4, Oleander D3, Aesculus D3, Veratrum viride D4, Argentum nitricum D4, Kalium carb. D4, Sepia D8, Tabacum D4, Phosphorus D6Zittern, nervöse Koordinationsstörungen, Schwindelattacken mit Nervosität, nervöse Kreislaufstörungen mit Übelkeit und Ohnmachtsneigung
Argentum Rohrzucker (Globuli und Ampullen von Wala)Argentum met. D5, Saccharum Sacchari D9Status nach Schock; Geburtstrauma; nervöse Schlafstörungen; auch für Kleinkinder geeignet
Bryophyllum Argento cultum (Tropfen und Ampullen von Weleda)Vegetabilisiertes Silber mit Keimzumpe; als Tropfen Rh D3, Dil D2/D3 oder Ampullen Rh D2/D3Schlafstörungen, Unruhe- und Angstzustände, seelische Erregung
Metakavernit (Tropfen, meta Fackler)Argentum nitricum D5, Mandragora D6, Piper methysticum D6, Sumbulus moschatus D4Unruhe- und Angstzustände
Metakaveron (Globuli, meta Fackler)Argentum nitricum D5, Mandragora D6, Piper methysticum D2, Sumbulus moschatus D2Unruhezustände, Angstsyndrom; auch bei Schulangst
Neureg spag. Peka (Tropfen, Pekana)Avena sativa Ø, China spag. D4, Argentum nitricum D6, Piper methysticum D8, Staphisagria spag. D6, Ginseng Ø, Conium D4, Nux vomica spag. D4, LikörweinVegetative Dystonie, nervöse Erschöpfung, Kreislaufschwindel, Schlafstörungen, seelische Gereiztheit
Phönix Argentum spag. (Tropfen, Phönix Laboratorium)Argentum nitricum D5, Cuprum sulfuricum et Sulfur et Tartarus depuratus spag.Ø, Zincum met. D8Bei seelischen Störungen und abendlicher Unruhe
Solunat Nr. 4 (= Cerebretik, Tropfen, Soluna)Spagirische Zubereitung aus Argentum citricum, Argentum colloidale, Tabacum D4Allgemein zur Psychotherapie und zur Entspannung
Somcupin spag. Peka (Tropfen, Pekana)Eschscholzia californica D12, Zincum valerianicum D5, Coffea arabica D10, Avena sativa spag. Ø, Argentum nitricum D4, Lactuca virosa D4, Delphinium staphisagria spag. D4, Aurum chloratum D6Schlafstörungen mit innerer Unruhe
Trieno spag. Peka (Tropfen, Pekana)Rhus aromatica D4, Plantago major spag. Ø, Sabal serrulatum D2, Causticum D4, Argentum nitricum D4, Arsenum jodatum D6, Hypericum D2, Zincum valerianicum D5Psychosomatische Blasenstörungen, nervöse Reizblase, Bettnässen, Nierenschwäche bei Status nach Trauma; gut zusammen mit Dioptas (siehe Kupfer)

Balsam für das Nervenkostüm – Silber in der Psychotherapie

Von Hypnos und Morpheus, den Göttern für Schlaf und Traum, ist es nur ein kleiner Schritt ins Reich der Psyche. Psyche war eine wunderschöne Prinzessin, die mit ihrer Schönheit die Eifersucht Aphrodites entfachte. Die Liebesgöttin belegte sie mit einem Fluch, der Psyche in viele unliebsame Abenteuer verwickelte und sogar ins Reich der Toten führte. Unsterblich wurde Psyche schließlich durch ihre Liebe zu Amor.

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574 s. 207 illüstrasyon
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9783039021260
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