Kitabı oku: «Was nun?»

Die Vorlage zu diesem Buch ist das gesprochene Wort Oshos. Der Diskurs „God is Dead“ ist, wie alle seine „Talks“, aus dem Stegreif vor einer großen Zuhörerschaft gehalten, und wurde vom Tonband übersetzt. Die Redaktion der deutschen Übersetzung folgt der englischen Buchausgabe und gibt, wie diese, so genau wie möglich den spontanen Redefluss Oshos wieder. Alle Osho Diskurse sind als Originale publiziert worden und als Original-Audios erhältlich. Audios und das vollständige Text-Archiv finden sie unter der Onlinebibliothek „Osho Library“ bei www.osho.com
Titel der Originalausgabe:
THE BOOK OF UNDERSTANDING – Creating Your Own Path to Freedom erschienen bei Harmony Books, an imprint of Random House, a division of Penguin Random House LLC
Ebookausgabe 2020
Umschlaggestaltung: Bunda S. Watermeier, www.watermeier.net
Übersetzung: Rajmani H. Müller
Copyright © der Originalausgabe 2006 by Osho International Foundation, Switzerland, www.osho.com/copyrights
Copyright © 2020 Innenwelt Verlag GmbH, Köln
www.innenwelt-verlag.de
Alle Rechte vorbehalten
OSHO® ist eine registrierte Handelsmarke der Osho International Foundation, Schweiz, lizensiert durch diese. www.osho.com/trademarks
eISBN 978-3-947508-79-2
WAS
NUN?
Über Freiheit und Verantwortung

„Ich glaube nicht daran, zu glauben.
Mein Weg ist zu erkennen –
und Erkenntnis ist eine völlig andere Dimension.
Sie beginnt mit dem Zweifel, nicht mit dem Glauben.
Sobald du etwas glaubst, hörst du auf, es selbst zu erforschen.
Der Glaube ist eines der zerstörerischsten Gifte
für die menschliche Intelligenz.
Sämtliche Religionen beruhen auf dem Glauben,
nur die Wissenschaft beruht auf dem Zweifel.
Ich plädiere dafür, auch die religiöse Erforschung
auf die wissenschaftliche Basis des Zweifels zu stellen.
Dann brauchen wir nichts zu glauben,
aber wir können eines Tages die Wahrheit erkennen –
die Wahrheit unseres Seins und
die Wahrheit des ganzen Universums.”
INHALT
Vorwort
Die Spiritualität der Zukunft – eine Rebellion des Individuums
Kapitel 1
Diesseits und Jenseits – zum Verständnis der großen Spaltung
Sorbas der Buddha – die Verbindung von Erde und Himmel
Körper und Seele – eine kurze Geschichte der Religion
Arm und Reich – die Wurzeln von Armut und Habgier
Kapitel 2
Glaube und Erfahrung – zum Verständnis des Unterschieds zwischen Wissen und Erkenntnis
Gelehrter und Kind – wie man seine kindliche Unschuld wieder erlangt
Außen und Innen – wo die beiden Welten zusammentreffen
Cleverness und Weisheit – wie man sein verknotetes Denken entwirrt
Kapitel 3
Führer und Gefolgsleute – zum Verständnis der Verantwortung, die in der Freiheit liegt
Hirte und Schafe – die Marionette durchschneidet die Fäden des Puppenspielers
Macht und Korruption – die Wurzeln der Politik im Innen und Außen
Verloren und wieder gefunden – das Wiedererlangen der Einfachheit
Kapitel 4
Gewissen und Bewusstsein – zum Verständnis der Freiheit, die in der Verantwortung liegt
Gut und Böse – Leben nach den eigenen Geboten
Regeln und Verantwortung – die Gratwanderung der Freiheit
Reagieren und spontanes Antworten – die Fähigkeit des weichen Parierens
Kapitel 5
Sinn und Bedeutung – vom Bekannten zum Unbekannten zum Unkennbaren
Energie und Verstehen – der Weg von der Lust zur Liebe
Kamel, Löwe und Kind – der Weg zur Menschwerdung
Vertikale und Horizontale – der Weg in die Tiefen des Jetzt
Nachwort
Über den Autor
VORWORT
Die Spiritualität der Zukunft – eine Rebellion des Individuums
Der Revolutionär gehört zur Welt der Politik, seine Vorgehensweise ist politisch. Nach seinem Verständnis genügt es, die Gesellschaftsstruktur zu verändern, um den Menschen zu verändern.
Der Rebell hingegen, so wie ich diesen Begriff verwende, ist ein spirituelles Phänomen. Seine Vorgehensweise ist absolut individuell. Seine Vision besagt: Wenn wir die Gesellschaft verändern wollen, müssen wir den einzelnen Menschen verändern.
Die Gesellschaft an sich existiert nicht – es ist nur ein Wort, wie „Menge“: Wenn du nach ihr suchst, findest du sie nirgends. Du begegnest immer nur einem einzelnen Menschen, einem Individuum. „Gesellschaft“ ist nur eine kollektive Bezeichnung, ein Begriff ohne jegliche Realität, völlig substanzlos. Das Individuum hat eine Seele; es hat die Möglichkeit zur Evolution, zur Veränderung, zur Transformation. Das macht einen riesigen Unterschied.
Der Rebell ist die Essenz aller Religion. Er bringt der Welt eine Bewusstseinsveränderung. Und wenn das Bewusstsein sich verändert, wird sich zwangsläufig auch die Gesellschaftsstruktur verändern. Aber umgekehrt geht das nicht. Das haben sämtliche Revolutionen bewiesen, denn sie sind alle gescheitert.
Keine einzige Revolution hat es bisher geschafft, die Menschen zu verändern. Aber wir scheinen diese Tatsache völlig zu ignorieren. Wir halten immer noch an dem Gedanken fest, dass sich durch eine Revolution etwas verändern ließe, durch eine gesellschaftliche Veränderung, einen Regierungswechsel, eine bürokratische Wende, Gesetzesänderungen, einen Wechsel des politischen Systems. Der Feudalismus, der Kapitalismus, der Kommunismus, der Sozialismus, der Faschismus – sie alle waren auf ihre Art revolutionär, aber sie sind alle gescheitert, völlig gescheitert, denn sie haben den Menschen nicht verändert.
Ein Gautama Buddha, ein Zarathustra, ein Jesus – sie sind Rebellen. Sie setzen ihr ganzes Vertrauen in das Individuum. Auch sie waren bisher erfolglos, aber ihr Scheitern hatte völlig andere Gründe als das der Revolutionäre. Die Revolutionäre haben ihre Methoden in vielen Ländern, auf vielfältige Weise ausprobiert – und sind gescheitert. Die Vorgehensweise eines Gautama Buddha hingegen war bisher erfolglos, weil sie noch gar nicht ausprobiert wurde. Jesus war erfolglos, weil die Juden ihn gekreuzigt und die Christen ihn zu Grabe getragen haben. Man hat ihn noch gar nicht ausprobiert – er hatte noch keine Chance!
Der Rebell ist eine noch unerforschte Dimension.
Wir müssen Rebellen sein, nicht Revolutionäre. Der Revolutionär gehört einer sehr profanen Sphäre an. Der Rebell und sein rebellischer Geist sind etwas Heiliges. Der Revolutionär kann nicht für sich alleine stehen; er braucht die Menge, eine politische Partei, eine Regierung. Er braucht die Macht, und Macht korrumpiert. Und absolute Macht korrumpiert absolut.
Alle Revolutionäre, denen es gelang, an die Macht zu kommen, wurden durch die Macht korrumpiert. Sie schafften es nicht, das Wesen der Macht und ihrer Institutionen zu verändern, aber durch die Macht wurden sie selbst und ihr Denken verändert – sie wurden korrupt. Nur die Namen haben sich geändert, doch die Gesellschaft blieb unverändert.
Das menschliche Bewusstsein hat sich seit Jahrhunderten nicht weiterentwickelt. Nur sehr vereinzelt ist ein Mensch zur Blüte gelangt. Unter Millionen von Menschen ist das Erblühen eines Einzelnen nicht die Regel, sondern eine Ausnahme geblieben. Und weil ein solcher Mensch für sich alleine steht, kann ihn die Menge nicht dulden. Sein bloßes Dasein erweist sich als eine Art Demütigung. Seine bloße Anwesenheit fühlt sich wie eine Beleidigung an, denn er öffnet euch die Augen. Er erinnert euch an euer eigenes Potenzial, an eure eigene Zukunft.
Das verletzt euer Ego, denn ihr habt nichts dazu getan, um euch weiterzuentwickeln, um bewusster zu werden, liebevoller zu werden, ekstatischer, kreativer, stiller zu werden und eine schöne Welt um euch herum zu erschaffen. Ihr habt keinen Beitrag für die Welt geleistet. Euer Dasein erweist sich nicht als Segen, sondern als Fluch für die Welt. Euer Beitrag zur Welt sind eure Aggression und Gewalttätigkeit, eure Gefühllosigkeit, euer Neid, euer Konkurrenzdenken, euer Machthunger. Ihr habt die Welt zu einem Schlachtfeld gemacht. Ihr seid blutrünstig und verleitet auch andere dazu. Ihr nehmt der Menschheit ihre ganze Menschlichkeit. Ihr tragt dazu bei, dass die Menschen tiefer fallen, als es die Menschenwürde erlaubt, manchmal tiefer als die Tiere.
Deshalb empfindet ihr das Dasein eines Gautama Buddha oder eines Tschuangtse als Beleidigung, denn sie sind zur Blüte gelangt, während ihr immer nur auf der Stelle tretet. Ein Frühling nach dem anderen kommt und geht, aber in euch gelangt nichts zur Blüte. Keine Vögel kommen, um ihre Nester bei euch zu bauen und ihre Lieder in eurer Nähe zu singen. Es ist besser, einen Jesus zu kreuzigen und einen Sokrates zu vergiften – nur um sie loszuwerden! Dann braucht ihr euch in keiner Weise spirituell unterlegen zu fühlen.
Die Welt kannte bisher nur ganz wenige Rebellen. Doch nun ist die Zeit gekommen: Wenn es der Menschheit nicht gelingt, Rebellen in großer Zahl und einen rebellischen Geist hervorzubringen, dann sind unsere Tage auf dieser Erde gezählt. Dann könnten die kommenden Jahrzehnte zu unserem Grab werden. Wir nähern uns sehr schnell diesem Punkt.
Unser Bewusstsein muss sich verändern. Wir müssen mehr meditative Energie auf dieser Welt generieren, mehr liebevolle Energie. Wir müssen das Alte über Bord werfen – mit seiner ganzen Hässlichkeit, all den morschen Ideologien, den stupiden Diskriminierungen, dem ganzen idiotischen Aberglauben! Wir müssen einen neuen Menschen hervorbringen, der frische Augen und neue Werte mitbringt. Eine völlige Abkehr von der Vergangenheit – das bedeutet es, rebellisch zu sein.
Drei Begriffe sollen helfen, das zu verstehen: Reform – Revolution – Rebellion.
Reform bedeutet eine Modifizierung: Das Alte bleibt bestehen, aber man gibt ihm eine neue Form, ein neues Aussehen – ähnlich wie bei der Renovierung eines alten Gebäudes. Die ursprüngliche Baustruktur bleibt erhalten, aber das Gebäude bekommt einen neuen Fassadenanstrich, eine gründliche Reinigung, ein paar neue Fenster, neue Türen.
Revolution geht tiefer als Reform: Das Alte bleibt bestehen, aber es werden noch mehr Veränderungen vorgenommen, auch Veränderungen an der Grundstruktur. Es wird nicht nur der Anstrich verändert, ein paar neue Fenster- und Türöffnungen werden eingesetzt, vielleicht einige neue Stockwerke hinzugebaut, die das Gebäude höher in den Himmel wachsen lassen. Aber das Alte wird nicht demoliert, es bleibt bestehen, verborgen hinter dem Neuen. Im Grunde bleibt das Alte als Fundament des Neuen bestehen. Revolution bedeutet Kontinuität, den Fortbestand des Alten.
Rebellion bedeutet Diskontinuität des Alten. Rebellion ist weder Reform noch Revolution. Rebellion bedeutet, sich von allem Alten loszusagen: von den alten Religionen, den alten politischen Ideologien, dem alten Menschen. Es ist eine Absage an alles Alte. Das Leben wird noch einmal ganz von vorne begonnen, völlig frisch.
Während der Revolutionär versucht, das Alte zu verändern, lässt der Rebell das Alte einfach hinter sich – so wie eine Schlange aus ihrer alten Haut herausschlüpft und nicht einmal zurückblickt.
Wenn es uns nicht gelingt, solche rebellischen Menschen rund um die Welt hervorzubringen, hat die Menschheit keine Zukunft. Der alte Mensch hat uns alle an den Rand des Todes gebracht. Das alte Bewusstsein, das ganze alte Denken, die alten Ideologien, die alten Religionen – alles das zusammen hat uns die Situation des drohenden globalen Selbstmordes beschert. Nur eine völlig neue Art von Mensch kann diese Menschheit, diesen Planeten und das wundervolle Leben auf diesem Planeten noch retten!
Ich lehre die Rebellion, und keine Revolution. Für mich ist der rebellische Geist die Essenz eines religiösen Menschen. Rebellisch zu sein bedeutet Spiritualität in ihrer reinsten Form.
Die Tage der Revolutionen sind vorbei: Die Französische Revolution, die Russische Revolution, die Chinesische Revolution – sie alle sind gescheitert. Auch die Gandhi-Revolution in Indien ist gescheitert, und sie scheiterte vor Gandhis eigenen Augen. Sein Leben lang hatte er Gewaltlosigkeit gepredigt, doch nun wurde vor seinen eigenen Augen das Land geteilt, wurden Millionen von Menschen getötet, bei lebendigem Leibe verbrannt, wurden Millionen von Frauen vergewaltigt, und Gandhi selbst wurde erschossen. Was für ein sonderbares Ende für einen gewaltlosen Heiligen!
Und im Verlauf der Ereignisse hatte Gandhi selbst vergessen, was er all die Jahre zuvor gepredigt hatte. Bevor die Revolution gesichert war, hatte Louis Fischer, ein amerikanischer Denker, Gandhi einmal gefragt: „Was werden Sie mit den Waffen machen, mit der Armee und der ganzen Rüstung, wenn Indien seine Unabhängigkeit erlangt?“
Gandhi sagte: „Ich werde alle Waffen ins Meer werfen, und die Soldaten werde ich zur Arbeit auf die Felder und in die Gärten schicken.“
Und Louis Fischer fragte: „Haben Sie denn vergessen? Ihr Land könnte angegriffen werden.“
Gandhi sagte: „Dann werden wir sie willkommen heißen. Wenn jemand unser Land angreift, werden wir ihn als Gast empfangen und ihm sagen: ‚Du kannst auch hier leben, genau wie wir. Es ist nicht nötig, zu kämpfen.‘“
Aber dann hat er seine ganze schöne Philosophie vergessen. – Und so scheitern Revolutionen. Über diese Dinge zu reden, ist eine schöne Sache, aber wenn man erst einmal an der Macht ist … Mahatma Gandhi hat übrigens nie einen Posten in der Regierung übernommen. Er hatte wohl Angst davor, denn wie hätte er der Welt Rede stehen sollen, wenn man ihn gefragt hätte, ob die Waffen nun ins Meer geworfen werden sollten? Und wie war das mit den Soldaten, die zur Arbeit auf die Felder geschickt werden sollten? Vor dieser Verantwortung hat er sich gedrückt, obwohl er sein ganzes Leben lang dafür gekämpft hatte. Er konnte wohl sehen, dass es ihm enorme Schwierigkeiten bereiten würde. Eine Funktion in der Regierung zu übernehmen hätte bedeutet, seiner eigenen Philosophie zuwiderhandeln zu müssen.
Die Regierung wurde von seinen Schülern gebildet – von Leuten, die er selbst auswählte. Er verlangte nicht von ihnen, dass sie die Armee auflösten. Und als Indien von Pakistan angegriffen wurde, sagte er nicht zur indischen Regierung: „Jetzt geht an die Grenze und empfangt die Angreifer als unsere Gäste.“
Stattdessen gab er den ersten drei Flugzeugen, die Bomben auf Pakistan werfen sollten, seinen Segen. Die Flugzeuge kamen über die Villa in Delhi geflogen, in der Gandhi wohnte, und er trat hinaus in den Garten, um sie zu segnen. Mit seinem Segen flogen sie davon, um sein eigenes Volk zu vernichten, das er noch wenige Tage zuvor „unsere Brüder und unsere Schwestern“ genannt hatte. Ohne jeden Skrupel in Anbetracht dieses Widerspruchs …
Die Russische Revolution scheiterte vor Lenins Augen. Im Sinne von Karl Marx hatte er gepredigt: „Wenn die Revolution kommt, werden wir die Ehe auflösen, denn die Ehe gehört zum Privateigentum. Mit dem Privateigentum verschwindet auch die Ehe. Die Menschen können sich lieben und einfach zusammen leben. Die Gesellschaft wird sich um die Kinder kümmern.“ Als dann aber die Kommunistische Partei an die Macht kam und Lenin ihr Führer wurde, änderte sich alles. Wenn sie erst einmal an der Macht sind, ändern die Menschen ihre Gesinnung. Nun dachte Lenin, dass es gefährlich sein könnte, den Menschen diese Verantwortung abzunehmen; sie könnten zu individualistisch werden. Es war besser, ihnen die Bürde der Familie zu lassen. Und er verschwendete keinen Gedanken mehr daran, die Familie aufzulösen.
Es ist schon sonderbar, wie sämtliche Revolutionen gescheitert sind. Sie scheiterten durch die Revolutionäre selbst, denn sobald sie die Macht in Händen halten, ändert sich ihr Denken. Dann liegt ihnen in erster Linie daran, an der Macht zu bleiben. Dann unternehmen sie alle Anstrengungen, um die Macht für immer zu sichern und die Kontrolle über die Menschen zu behalten.
Die Zukunft braucht keine weiteren Revolutionen.
Die Zukunft braucht ein neues Experiment, das noch nie versucht wurde. Obwohl es im Laufe der Jahrtausende immer wieder Rebellen gab, blieben es doch nur vereinzelte Individuen. Vielleicht war die Zeit für sie noch nicht reif. Aber jetzt ist die Zeit nicht nur reif … Wenn wir uns nicht beeilen, wird es das Ende der Zeit bedeuten! In den kommenden Jahrzehnten wird entweder die Menschheit verschwinden – oder ein neuer Mensch erscheint auf dieser Erde, mit einer neuen Vision. Dieser neue Mensch wird ein Rebell sein.
1. KAPITEL
Diesseits und Jenseits – zum Verständnis der großen Spaltung
Ich propagiere eine neue Religiosität, die weder christlich noch jüdisch noch hinduistisch sein wird. Es ist eine Religiosität, die keinerlei Attribute hat, nur eine ganzheitliche Seinsqualität.
Die Religionen haben versagt, die Wissenschaft hat versagt. Der Osten hat versagt, der Westen hat versagt. Jetzt ist eine Synthese auf höherer Ebene nötig, in der Osten und Westen, Religion und Wissenschaft zusammenkommen können.
Der Mensch gleicht einem Baum mit tief in die Erde reichenden Wurzeln und der Möglichkeit zum vollen Erblühen. Die Religion hat versagt – sie redete immer nur von den Blüten. Das Erblühen blieb philosophisch und abstrakt; die Blüten manifestierten sich nie. Die Blüten konnten sich nicht manifestieren, weil sie nicht in der Erde verwurzelt waren. Die Wissenschaft hat versagt – sie schenkte nur den Wurzeln Beachtung. Doch die Wurzeln an sich sind unansehnlich und können nicht zur Blüte gelangen.
Die Religion hat versagt – sie war nur auf das Jenseits ausgerichtet und hat das Diesseits vernachlässigt. Aber die diesseitige Welt lässt sich nicht vernachlässigen. Die diesseitige Welt zu vernachlässigen bedeutet, seine eigenen Wurzeln zu vernachlässigen.
Die Wissenschaft hat versagt, denn sie hat die andere Welt, die Innenwelt, vernachlässigt – und die Blüten lassen sich nicht vernachlässigen. Wenn wir die Blüten vernachlässigen, das Allerinnerste unseres Seins, verliert unser Leben jeden Sinn.
So wie der Baum Wurzeln braucht, braucht auch der Mensch Wurzeln – und diese Wurzeln können nur in der Erde sein. Der Baum braucht einen freien Himmel, in den er hineinwachsen kann, um ein großes Laubdach und Tausende von Blüten zu entwickeln. Nur dann kommt der Baum zur Erfüllung, nur dann kann er ein Gefühl von Sinn und Bedeutung gewinnen, und das Leben wird sinnvoll.
Der Westen leidet, weil die Wissenschaft das Übergewicht bekommen hat. Und der Osten leidet, weil die Religion immer das Übergewicht hatte. Jetzt brauchen wir eine neue Art von Menschsein, das Religion und Wissenschaft als die beiden Aspekte ein und derselben Menschheit miteinander verbindet. Ist der neue Mensch einmal zum Leben erwacht, kann diese Erde endlich das werden, wozu sie bestimmt ist: Sie kann zum Paradies werden.
Dieser Körper ist der Buddha. Diese Erde ist das Paradies.
Sorbas der Buddha – die Verbindung von Erde und Himmel
Meine Vision des neuen Menschen ist eine Verbindung von Sorbas dem Griechen und Gautama dem Buddha. Dieser neue Mensch ist „Sorbas der Buddha“ – sinnenfreudig und spirituell zugleich. Durch und durch in der Materie beheimatet, im Körper und in den Sinnen verwurzelt, ein Genießer des Körpers und alles dessen, was durch den Körper ermöglicht wird. Und zugleich ein Mensch von hohem Bewusstsein und großem Gewahrsein. Sorbas und Buddha in einem – das hat es noch nie gegeben! Davon spreche ich, wenn ich über das Zusammenkommen von Ost und West, die Verbindung von Materialismus und Spiritualität rede. Darin besteht meine Vision von Sorbas dem Buddha: Himmel und Erde werden eins.
Ich will nicht mehr diese Schizophrenie, diese Trennung zwischen Materie und Geist, zwischen dem Profanen und dem Heiligen, zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Ich will jegliche Spaltung beseitigen, denn jede Spaltung bedeutet eine Spaltung im Innern des Menschen. Ein in sich selbst gespaltener Mensch, eine gespaltene Menschheit kann nur verrückt und krank sein. Wir leben in einer verrückten und kranken Welt. Sie kann nur gesund und heil werden, wenn wir diese Spaltung überwinden.
Bisher lebten die Menschen entweder im Glauben an die Wirklichkeit der Seele und die Unwirklichkeit der Materie – oder im Glauben an die Wirklichkeit der Materie und die Unwirklichkeit der Seele.
Die Vergangenheit kannte nur zwei Kategorien von Menschen: die Spirituellen und die Materialisten. Niemand hatte sich darum bemüht, den Menschen als Ganzes, in seiner Wirklichkeit zu sehen – er ist beides! Weder reine Spiritualität – also nur Bewusstsein – noch ausschließlich Materie. Er ist eine wunderbare, harmonische Verbindung von Materie und Bewusstsein.
Vielleicht sind Materie und Bewusstsein gar nicht zwei verschiedene Dinge, sondern nur zwei Aspekte ein und derselben Wirklichkeit – Materie der äußere Aspekt von Bewusstsein, und Bewusstsein der innere Aspekt von Materie. Aber kein einziger Philosoph, kein Weiser oder religiöser Mystiker der Vergangenheit hat auf diese Einheit hingewiesen! Sie alle propagierten die Spaltung des Menschen, da sie die eine Seite als wirklich und die andere als unwirklich bezeichneten. So ist auf der ganzen Welt ein Klima von Schizophrenie entstanden.
Ihr könnt nicht nur als Körper leben. Das meint Jesus, wenn er sagt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ – aber es ist nur die halbe Wahrheit. Auch Bewusstheit ist nötig. Vom Brot allein könnt ihr nicht leben, das ist klar – aber ihr könnt auch nicht ohne Brot leben. Unser Dasein hat beide Dimensionen, und beide Dimensionen müssen befriedigt werden. Beide Seiten müssen die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten haben. Die Vergangenheit war entweder für das eine und gegen das andere – oder gegen das eine und für das andere.
Der Mensch ist nie in seiner Ganzheit akzeptiert worden. Das hat viel Unglück und Leid gebracht, eine große Finsternis, eine seit Jahrtausenden währende dunkle Nacht, die kein Ende zu nehmen scheint. Wenn der Mensch nur auf den Körper hört, ist sein Dasein zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Wenn er nicht auf den Körper hört, ist er zum Leiden verurteilt – zu Hunger, Durst und Armut. Wenn er nur auf das Bewusstsein hört, verläuft sein Wachstum sehr einseitig – das Bewusstsein wächst, aber der Körper verkümmert. Das Gleichgewicht geht verloren. Aber nur im Gleichgewicht liegt eure Gesundheit, im Gleichgewicht liegt eure Ganzheit, im Gleichgewicht liegt eure Freude, euer Singen und Tanzen.
Der Westen hat sich dafür entschieden, auf den Körper zu hören. Und er hat sich vollkommen taub gestellt, was die Wirklichkeit des Bewusstseins angeht. Das Ergebnis ist eine hoch entwickelte Wissenschaft, eine hoch entwickelte Technik, eine wohlhabende Gesellschaft mit einem Reichtum an allen weltlichen, profanen Dingen. Und inmitten des ganzen Überflusses steht der arme Mensch – völlig verloren, ohne Seele, nicht wissend, wer er ist, nicht wissend, wozu er da ist. Er fühlt sich beinahe als Zufallsprodukt, als bloße Laune der Natur.
Wenn nicht parallel zu eurem materiellen Reichtum euer Bewusstsein ebenfalls wächst, wird die materielle Seite, der Körper, zu einseitig betont und die Seele geschwächt. Dann werden eure eigenen Erfindungen, eure eigenen Entdeckungen für euch zu einer Belastung. Statt euch ein schöneres Leben zu ermöglichen, haben all diese Dinge eine Situation geschaffen, die von den intelligenten Menschen des Westens als nicht mehr lebenswert empfunden wird.
Der Osten verlegte sich auf das Bewusstsein und verurteilte die Materie und alles Materielle, den Körper eingeschlossen, als Maya, als trügerischen Schein, als Fata Morgana in der Wüste, als Illusion ohne Wirklichkeit. Der Osten hat eine lange Kette von Menschen des höchsten Bewusstseins hervorgebracht: Gautama Buddha, Mahavira, Patanjali, Kabir, Farid, Raidas. Aber er hat auch millionenfach die Ärmsten der Armen hervorgebracht, die hungern und wie die Hunde sterben – aus Mangel an Nahrung, sauberem Trinkwasser, ausreichender Kleidung und Obdach.
Es ist eine perverse Situation … Im Westen müssen alle sechs Monate Milchprodukte und andere Nahrungsmittel in Milliardendollarhöhe ins Meer gekippt werden, um den Überschuss zu beseitigen. Man will die Lagerhäuser nicht überfüllen, aber man will auch nicht die Preise senken, um die Wirtschaftsstruktur nicht zu ruinieren. Zur gleichen Zeit, als in Äthiopien tagtäglich Tausende starben, vernichtete der Europäische Markt so viele Lebensmittel, dass sich allein die Kosten für ihre Entsorgung auf Millionen Dollar beliefen. Nicht die Kosten für die Lebensmittel, sondern die Kosten für den Transport und die Verklappung ins Meer! Wer ist für diese Situation verantwortlich?
Im Westen sind die Reichsten auf der Suche nach ihrer Seele und finden nur ihre innere Leere. Sie kennen keine Liebe, nur Lust. Sie kennen keine Andacht, nur ein papageienhaftes Nachplappern von Worten, die sie im Religionsunterricht gelernt haben. Sie kennen keine Spiritualität, kein Mitgefühl für andere, keine Ehrfurcht vor dem Leben – den Vögeln, den Bäumen, all den Tieren. Es ist so einfach, zu zerstören!
Hiroshima und Nagasaki hätten sich niemals ereignet, wenn man die Menschen nicht nur als Materie ansähe und wie Dinge behandelte. Niemals gäbe es ein solches Arsenal an Nuklearwaffen, wenn der im Menschen verborgene Gott, seine verborgene Göttlichkeit, erkannt würde – nicht als etwas, das es zu vernichten, sondern zu entdecken gilt. Nicht als etwas, das es zu zerstören, sondern ans Licht zu bringen gilt. Der Körper ist der Tempel des Göttlichen. Wenn aber der Mensch nur als Materie, als Chemie und Physik, als ein von Haut überzogenes Knochenskelett angesehen wird, muss bei seinem Tode zwangsläufig alles zugrunde gehen. Dann bleibt nichts von ihm übrig. Nur so war es möglich, dass ein Adolf Hitler, ohne mit der Wimper zu zucken, sechs Millionen Menschen ermordete. Wenn die Menschen nur Materie sind, braucht man keinen zweiten Gedanken daran zu verschwenden! In seinem Streben nach materiellem Überfluss hat der Westen seine Seele verloren, seine Innerlichkeit. In einem Umfeld von Sinnlosigkeit, Langeweile und Seelennot können die Menschen nicht zu sich selbst finden. Sämtliche Erfolge der Wissenschaft erweisen sich als nutzlos. Das Haus ist voll von allen Dingen, aber der Herr des Hauses ist nicht anwesend.
Im Osten, wo die Materie seit vielen Jahrhunderten als illusorisch und das Bewusstsein als einzige Realität angesehen wurde, ist der Herr anwesend, aber das Haus ist leer. Mit leerem Magen, einem kranken Körper und dem Tod ringsumher lässt sich schwerlich Lebensfreude empfinden. Unter diesen Umständen ist es unmöglich zu meditieren.
So sind wir alle unnötig auf der Verliererseite gewesen. Und alle unsere Heiligen, alle unsere Philosophen – die Spiritualisten ebenso wie die Materialisten – sind für dieses ungeheure Verbrechen an der Menschheit verantwortlich!
Sorbas der Buddha ist die Lösung. Er stellt die Synthese von Materie und Seele dar. Er ist ein Manifest dafür, dass zwischen Materie und Bewusstsein kein Konflikt herrschen muss und dass wir den Reichtum beider Welten genießen können. Wir können alles haben, was die äußere Welt zu bieten hat, alles was Wissenschaft und Technik hervorgebracht haben – und gleichzeitig können wir alles haben, was Buddha, Kabir, Nanak in ihrem innersten Sein gefunden haben – die Blumen der Ekstase, den Duft der Göttlichkeit, die Flügel der absoluten Freiheit.
Sorbas der Buddha ist der neue Mensch, ein Rebell. Seine Rebellion besteht darin, dass er die menschliche Schizophrenie aufhebt. Er überwindet die Spaltung, diese enorme Kluft – die gegenseitige Feindschaft zwischen Spiritualität und Materialismus.
Sorbas der Buddha ist ein Manifest dafür, dass Körper und Seele eine Einheit bilden. Die ganze Schöpfung ist erfüllt von Spiritualität – selbst die Berge sind lebendig, selbst die Bäume sind empfindsam. Er ist eine Deklaration dafür, dass diese ganze Existenz beides ist: materiell und spirituell. Vielleicht ist sie ein und dieselbe Energie, die sich auf zwei Arten manifestiert – als Materie und als Bewusstsein. Diese Energie drückt sich in geläuterter Form als Bewusstsein aus und in roher, ungeläuterter, grobstofflicher Form erscheint sie uns als Materie. Doch die ganze Existenz ist ein einziges Energiefeld.
Das ist keine Philosophie, das ist meine eigene Erfahrung. Und das hat auch die moderne Physik mit ihren Forschungsergebnissen bestätigt: Die ganze Existenz ist Energie.
Wir können es uns zugestehen, beide Welten gleichzeitig zu haben. Wir müssen nicht mehr auf die diesseitige Welt verzichten, um in die jenseitige Welt zu gelangen, noch müssen wir die jenseitige Welt verleugnen, um uns an der diesseitigen Welt erfreuen zu können. Im Gegenteil, sich auf eine der beiden Welten zu beschränken, wenn man beide haben kann, bedeutet nur, sich unnötig ärmer zu machen.
Sorbas der Buddha stellt die reichste aller Möglichkeiten dar. Wir können unser natürliches Wesen ausleben und die Lieder dieser Erde singen. Wir wollen die Erde nicht verraten – und auch den Himmel wollen wir nicht verraten. Wir können alles für uns in Anspruch nehmen, was diese Erde zu bieten hat – all ihre Blumen, all ihre Freuden – und wir können auch alle Sterne des Himmels für uns beanspruchen. Wir können die gesamte Schöpfung als unser Zuhause beanspruchen.
Alles, was diese Existenz enthält, steht uns zur Verfügung. Wir sollten es auf jede erdenkliche Weise nutzen – ohne Schuld, ohne inneren Konflikt und ohne irgendetwas zu bevorzugen. Genießt alles, was die Materie zu bieten hat, erfreut euch an allem, was das Bewusstsein zu bieten hat, ohne dem einen gegenüber dem anderen den Vorzug zu geben.
Es gibt eine sehr alte Geschichte … In einem Wald nahe einer Stadt lebten einst zwei Bettler. Natürlich waren sie einander spinnefeind – wie alle Freiberufler, ob Ärzte, Professoren oder Heilige. Der eine war blind und der andere lahm, und sie waren erbitterte Konkurrenten. Den ganzen Tag machten sie sich in der Stadt gegenseitig Konkurrenz. Doch eines Nachts fingen ihre Hütten Feuer; der ganze Wald stand in Flammen. Der Blinde hätte weglaufen können, aber er konnte nicht sehen wohin; er konnte nicht sehen, wo sich das Feuer noch nicht ausgebreitet hatte. Der Lahme konnte sehen, dass es noch möglich war, sich aus dem Feuer zu retten, aber er konnte nicht weglaufen. Das Feuer näherte sich rasend schnell, und der Lahme sah nur noch seinen nahenden Tod.
Da erkannten beide, dass sie aufeinander angewiesen waren. Der Lahme hatte plötzlich die Erkenntnis: „Der andere, der Blinde, kann ja laufen, und ich kann sehen!“ Sie vergaßen ihre Rivalität. In diesem kritischen Moment, als sie beide mit dem Tod konfrontiert waren, vergaßen sie ihre dumme Feindseligkeit.
Sie fanden zu einer großen Synthese. Sie einigten sich, dass der Blinde den Lahmen auf die Schultern nehmen sollte. So konnten sie als Einheit funktionieren: Der Lahme konnte sehen, und der Blinde konnte laufen. Das rettete ihnen das Leben. Und weil sie sich gegenseitig das Leben verdankten, wurden sie Freunde. Zum ersten Mal gaben sie ihre Feindschaft auf.
Sorbas ist blind – er kann nicht sehen, aber er kann tanzen, er kann singen, er kann genießen. Buddha kann sehen, aber nur sehen. Er ist ganz Auge, absoluter Durchblick und Klarheit – aber er kann nicht tanzen. Er ist verkrüppelt; er kann nicht singen und er kann nicht genießen.
Es ist höchste Zeit: Die Welt steht in Flammen, und unser aller Leben ist in Gefahr. Nur die Verbindung von Sorbas und Buddha kann die Menschheit retten. Ihr Zusammenkommen ist unsere einzige Hoffnung. Der Buddha kann seine Bewusstheit einbringen, seine Klarheit, seine Augen, die über das Diesseitige hinaus sehen und das nahezu Unsichtbare wahrnehmen können. Und der Sorbas kann zur Vision des Buddhas sein ganzes lebendiges Wesen beitragen und dafür sorgen, dass es keine trockene Vision bleibt, sondern zu einem Tanz voller Lebensfreude und ekstatischem Leben wird.
Ist diese Verbindung von Sorbas und Buddha eine reale Möglichkeit? Und wenn ja, warum sind nicht andere religiöse Führer schon darauf gekommen?
Zuerst muss man eines verstehen: Ich bin kein religiöser Führer. Ein religiöser Führer ist nicht imstande, über die Dinge so zu denken und die Dinge so zu sehen, wie ich es tue. Dazu hat er zu viel in seine Religion investiert. Das habe ich nicht.
Alle Religionen, ohne Ausnahme, spalten den Menschen und erzeugen einen Zwiespalt im menschlichen Geist. Das ist ihre Methode, wie sie euch ausbeuten. Wäret ihr heil und ganz, dann hätten sie keine Kontrolle über euch. In Bruchstücke gespalten, seid ihr all eurer Stärke beraubt. So nehmen sie euch all eure Kraft und Würde. Nur so ist es möglich, dass ihr Christen oder Hindus oder Muslime seid. Wenn ihr so sein dürftet, wie die Natur euch gemacht hat – ursprünglich und unberührt vom Einfluss eurer sogenannten religiösen Führer –, dann besäßet ihr große Freiheit, Unabhängigkeit, Integrität. Dann könnte niemand euch versklaven. Sämtliche alten Religionen tun aber nichts anderes, als euch zu versklaven.
Um einen Menschen zu versklaven, muss man nur einen Konflikt in seinem Inneren erzeugen. Dann fängt er an, gegen sich selbst zu kämpfen. Sobald du gegen dich selbst kämpfst, geschehen zwangsläufig zwei Dinge: Erstens, du bist unglücklich, weil kein Teil von dir je gewinnen kann. Du bist immer der Verlierer. Zweitens, es erzeugt Schuldgefühle in dir – das Gefühl, wertlos zu sein, kein echter, authentischer, integrer Mensch. Aber genau das wollen die religiösen Führer. Ein tiefes Gefühl von Wertlosigkeit in euch macht sie zu euren Führern. Ihr habt kein Selbstvertrauen, weil ihr wisst, dass ihr ohnmächtig seid. Ihr könnt nicht tun, was eure Natur von euch verlangt, weil die Religionen es euch verbieten. Ihr könnt aber auch nicht tun, was eure Religionen von euch verlangen, weil es gegen eure Natur geht. Dadurch befindet ihr euch in einer Situation, dass ihr gar nichts mehr tun könnt. Ihr braucht jemanden, der euch die Verantwortung abnimmt.
Euer physisches Alter nimmt zu, aber in eurem psychischen Alter seid ihr zurückgeblieben, etwa bei dreizehn Jahren. Zurückgebliebene Menschen haben ein großes Bedürfnis nach einem Führer, der ihnen sagt, wo es lang geht und wie sie das Ziel des Lebens, den Sinn des Lebens erreichen können. Allein sind sie dazu nicht fähig.
An die Verbindung von Sorbas und Buddha hätten die religiösen Führer niemals denken können, denn das würde das Ende ihrer Führung bedeuten, das Ende ihrer sogenannten Religionen. Sorbas der Buddha bedeutet das Ende aller Religionen. Es ist der Anfang einer neuen Art von Religiosität, die keiner Attribute bedarf – weder christlich noch jüdisch noch buddhistisch …
Du genießt einfach dein Dasein und erfreust dich an diesem unendlichen Universum. Du tanzt mit den Bäumen, spielst mit den Wellen am Strand, sammelst Muscheln – einfach aus reiner Freude daran. Die salzige Luft, der kühle Sand, die aufgehende Sonne, ein schneller Lauf – was willst du mehr? Das ist für mich Religion – die Luft zu genießen, das Meer, den Sand, die Sonne. Weil es keinen anderen Gott gibt als die Schöpfung selbst.
Einerseits bedeutet Sorbas der Buddha das Ende des alten Menschen – der alten Religionen, der Politik, der Nationen, der Rassendiskriminierung und aller möglichen unsinnigen Dinge. Andererseits bedeutet Sorbas der Buddha den Anfang eines neuen Menschen – absolut frei, er selbst zu sein und seine wahre Natur zum Blühen zu bringen. Zwischen Sorbas und Buddha gibt es keinen Konflikt. Der Konflikt wurde nur von den sogenannten Religionen geschaffen. Gibt es etwa einen Konflikt zwischen deinem Körper und deiner Seele? Gibt es einen Konflikt zwischen deinem Leben und deinem Bewusstsein? Gibt es einen Konflikt zwischen deiner rechten und deiner linken Hand? Sie sind alle eins, eine organische Einheit.
Dein Körper ist nicht etwas, das verdammt werden müsste, sondern etwas, für das du dankbar sein kannst – er ist die großartigste Sache in dieser Schöpfung, das größte Wunder. Seine Funktionsweise ist einfach unglaublich. Sämtliche Teile deines Körpers spielen zusammen, wie ein Orchester. Deine Augen, deine Hände, deine Beine – alles funktioniert in einem inneren Einklang. Es ist nicht so, dass deine Augen nach Osten gehen wollen und deine Beine nach Westen laufen. Oder du bist hungrig, und dein Mund lehnt es ab zu essen: „Der Hunger kommt vom Magen. Was hat das denn mit mir zu tun?“, und der Mund streikt – nein. Der Körper kennt keine Konflikte. Er folgt einer inneren Synchronizität; alles ist immer zusammen. Und deine Seele ist deinem Körper nicht Feind. Der Körper ist das Haus und die Seele der Gast. Es ist unnötig, dass Gast und Gastgeber ständig im Streit miteinander liegen. Aber ohne diesen inneren Konflikt im Menschen könnten die Religionen nicht existieren.
Meine Betonung eurer organischen Ganzheit, in der Materialismus und Spiritualität sich nicht gegenseitig ausschließen, hat zum Ziel, alle organisierten Religionen dieser Welt zum Verschwinden zu bringen. Wenn Körper und Seele in Harmonie kommen und miteinander zu tanzen beginnen, wirst du Sorbas der Buddha. Dann kannst du das ganze Leben genießen – alles was es an äußeren und inneren Freuden bringt.
Tatsächlich wirken das Innere und das Äußere in völlig verschiedenen Dimensionen; sie kommen gar nicht miteinander in Konflikt. Nur diese jahrtausendealte Konditionierung, die besagt, dass man dem Äußeren entsagen muss, wenn man das Innere erlangen will … Diese Konditionierung ist so tief in euch verwurzelt. Dabei ist dieser Gedanke wirklich absurd. Wenn ihr das Innere genießen dürft, wo liegt das Problem, auch das Äußere zu genießen? Die Freude des Genießens ist die gleiche. Diese Freude ist das Bindeglied zwischen dem Inneren und dem Äußeren.
Wenn du schöne Musik hörst, ein wunderbares Gemälde betrachtest oder einem Tänzer wie Nijinsky zuschaust – das ist alles außerhalb von dir, aber es schränkt deine innere Freude in keiner Weise ein! Im Gegenteil, es ist eine große Hilfe. Der Tanz eines Nijinsky vermag eine Qualität deiner Seele in dir zu erwecken, die sie zum Tanzen bringt. Die Musik eines Ravi Shankar vermag die Saiten deines Herzens in dir zum Schwingen zu bringen. Außen und innen sind nicht getrennt. Es ist eine Energie – die zwei Aspekte ein und derselben Existenz.
Ein Sorbas kann leichter zu einem Buddha werden als jeder Papst. Ein Papst hat keine Chance, eure sogenannten Heiligen haben keine Chance, wirklich spirituell zu werden. Da sie nicht einmal die Freuden des Körpers kennen, wie sollten sie jemals die subtilen Freuden der Seele kennen? Der Körper ist die Schule, in der du lernst, im seichten Wasser zu schwimmen. Wenn du erst einmal schwimmen gelernt hast, spielt es keine Rolle, wie tief das Wasser ist. Dann kannst du es auch an der tiefsten Stelle des Sees; es macht keinen Unterschied.
Ich will euch Buddhas Leben in Erinnerung rufen: Bis zu seinem neunundzwanzigsten Lebensjahr war er ein reiner Sorbas. Ihm lagen die schönsten jungen Mädchen seines Königreiches zu Füßen, zu Dutzenden. Seinen ganzen Palast erfüllten Musik und Tanz. Er genoss das beste Essen, kleidete sich in die besten Gewänder, wohnte in den schönsten Palästen, den wundervollsten Gärten. Er lebte viel intensiver als Sorbas der Grieche, der ein armer Mann war. Sorbas der Grieche hatte nur eine einzige Freundin – eine etwas verblichene, alternde Prostituierte, der all ihre Freier davongelaufen waren. Sie hatte falsche Zähne und falsche Haare. Sorbas war ihr Liebhaber, weil er sich einfach keine andere Frau leisten konnte. Sorbas gilt als Materialist, als Hedonist. Es wird aber völlig übersehen, wie Buddha seine ersten neunundzwanzig Jahre verbrachte, in welchem Reichtum. Tagein, tagaus lebte dieser Prinz namens Siddhartha in größtem Luxus, von allem umgeben, was sein Herz begehrte. Er lebte im Schlaraffenland. Und genau diese Erfahrung war es, die ihn schließlich zu einem Buddha machte!
Normalerweise ist das nicht auf diese Art analysiert worden. Den ersten Teil seines Lebens hat man geflissentlich übersehen – aber das war die Grundlage: Siddhartha war seines Lebens überdrüssig geworden. Er hatte sämtliche Genüsse der äußeren Welt kennen gelernt. Er sehnte sich nach etwas Größerem, Tieferem, was in der Außenwelt nicht zu finden war. Um zur Tiefe zu gelangen, muss man den Sprung nach innen wagen. Mit neunundzwanzig Jahren verließ Siddhartha mitten in der Nacht seinen Palast und machte sich auf die Suche nach dem Inneren. Er war ein Sorbas, als er anfing, den Buddha zu suchen.
Aus Sorbas dem Griechen wurde nie ein Buddha, weil sein Dasein als Sorbas nie zur Vollendung gelangte. Er war ein wunderbarer Mann voller Lebenslust, aber arm. Er hätte das Leben gerne in seiner ganzen Intensität gelebt, doch dazu fehlten ihm die Möglichkeiten. Er tanzte, er sang, doch die erhabeneren Nuancen der Musik waren ihm nicht zugänglich. Er wusste nicht, dass der Tänzer im Tanz völlig aufgehen und verschwinden kann.
Der Sorbas in Gautama Buddha kannte die höchsten Gipfel und die tiefsten Täler der äußeren Welt. Und als er alles kennen gelernt hatte, war er bereit für die innere Suche. Diese Welt war großartig, aber nicht großartig genug – er wollte noch mehr. Sie hatte ihm vorübergehende, flüchtige Glücksmomente beschert, aber Buddha wollte etwas finden, das ewig währt. Allen weltlichen Genüssen würde der Tod ein Ende bereiten, aber er wollte etwas erfahren, das mit dem Tode nicht zu Ende war.
Wenn ich Buddhas Lebensgeschichte schreiben sollte, würde ich mit dem Sorbas beginnen. Als ihm die äußere Welt und alles, was sie ihm liefern konnte, völlig vertraut war und er noch immer keinen Sinn darin gefunden hatte, machte er sich auf die Suche nach dem Inneren – denn das war die einzige Richtung, die er noch nicht erforscht hatte. Er schaute nie zurück. Es gab keinen Grund zurückzuschauen, er hatte alles gelebt! Er war keiner von jenen „religiösen Suchern“, die die äußere Welt gar nicht richtig kennen gelernt haben. Er war ein Sorbas. Und er wandte sich der inneren Welt mit der gleichen Lebenslust und Intensität, mit der gleichen Stärke und Kraft zu. Und nur deshalb fand er in seinem Allerinnersten die Zufriedenheit, die Erfüllung, den Sinn, die Seligkeit, nach denen er gesucht hatte.
Es ist möglich, dass du ein Sorbas bist und dabei stehen bleibst. Es ist auch möglich, dass du kein Sorbas bist und anfängst, den Buddha zu suchen – du wirst ihn aber nicht finden. Nur ein Sorbas kann den Buddha finden. Ein anderer hat nicht die Kraft dazu; er hat nicht in der äußeren Welt gelebt, hat sie vermieden, hat sich ihr entzogen – er ist ein Weltflüchtiger.
Für mich steht Sorbas am Beginn der Reise, und Buddha ist an ihrem Ziel angekommen. Und das kann ein und demselben Menschen geschehen. Tatsächlich kann es nur ein und demselben Menschen geschehen. Darum betone ich immer wieder: Erzeuge keine Spaltung in deinem Leben. Verurteile nichts, was zum Körper gehört. Lebe es, nicht widerstrebend, lebe es total und intensiv. Indem du es lebst, wirst du reif für die Suche in einer neuen Dimension. Du musst kein Asket werden, musst deine Frau, deinen Mann, deine Kinder nicht verlassen. Diesen ganzen Unsinn hat man jahrhundertelang gepredigt. Aber wie viele Menschen – unter den Millionen von Mönchen und Nonnen – wie viele Menschen sind tatsächlich zur Blüte gelangt? Nicht ein einziger.
Lebe dein Leben ohne Spaltung. Und zuerst kommt der Körper, zuerst kommt die äußere Welt. Wenn ein Kind geboren wird und zum ersten Mal die Augen öffnet, sieht es als Erstes das ganze Panorama des Daseins um sich herum. Das Kind nimmt alles wahr – außer sich selbst. Das geschieht erst, wenn der Mensch viele Erfahrungen gesammelt hat. Das geschieht erst, wenn er in der Außenwelt alles gesehen und alles erlebt hat und davon frei geworden ist.
Die Freiheit von der äußeren Welt kann sich nicht einstellen, wenn man sie meidet. Die Freiheit von der äußeren Welt stellt sich ein, wenn man total gelebt hat. Dann gibt es im Außen nichts mehr zu erreichen. Dann bleibt nur noch eine Dimension unerforscht. Dann liegt es nahe, auch diese letzte Dimension zu erforschen. Und dort wartet deine Buddhaschaft, deine Erleuchtung.
Du hast gefragt: „Ist die Verbindung von Sorbas und Buddha möglich?“ Es ist die einzige Möglichkeit. Ohne Sorbas gibt es keinen Buddha. Selbstverständlich ist Sorbas nicht das Ziel – er ist die Vorbereitung für den Buddha. Sorbas ist die Wurzel, Buddha ist die Blüte. Mache nicht die Wurzeln kaputt, sonst kann es keine Blüten geben. Die Wurzeln liefern ständig den Saft für die Blüten. Die ganze Farbenpracht der Blüten kommt aus den Wurzeln, der ganze Duft der Blüten kommt aus den Wurzeln. Der ganze Tanz der Blüten im Wind kommt aus den Wurzeln.
Mache keine Trennung. Wurzeln und Blüten sind zwei Aspekte desselben Phänomens.
Die beiden Aspekte des Lebens miteinander zu verbinden, erscheint so schwierig. Es widerspricht unserer ganzen Konditionierung. Wo sollen wir anfangen?
Sei bei allem, was du tust, mit ganzem Herzen dabei, mit der größtmöglichen Intensität, zu der du fähig bist. Alles, was du halbherzig tust, bringt dir keine Freude im Leben. Es bringt dir nur Stress, Kummer, Sorgen, Unzufriedenheit und Angst. Wenn du etwas halbherzig tust, spaltest du dich in zwei Teile. Und das ist das größte Unglück, das über die Menschen gekommen ist – sie sind alle gespalten. Kein Wunder, dass auf dieser Welt so viel Unglück herrscht. Es ist das natürliche Ergebnis eines halbherzigen Lebens. Das ist die Folge, wenn man alles nur mit einem Bruchteil seines Wesens tut, während der Rest sich verweigert, sich zurückhält und Widerstand leistet.
Alles, was du nur mit halbem Herzen tust, bringt dir Reue, Unzufriedenheit und Zweifel: Vielleicht hatte der andere Teil Recht, dass er nicht kooperieren wollte? Vielleicht bist du nur deshalb in diesem unglücklichen Zustand, weil du auf den anderen Teil gehört hast? Aber ich sage dir: Hättest du auf den anderen Teil gehört, wäre das Ergebnis genau das gleiche gewesen. Es geht nicht darum, auf welchen Teil du hörst. Es geht nur darum, inwieweit du etwas total machst oder nicht. In deinen Handlungen total zu sein – das bringt Freude. Selbst eine ganz gewöhnliche, unbedeutende Handlung, die mit totaler Intensität getan wird, bringt ein Strahlen in dein Dasein, ein Gefühl von Vollständigkeit und Erfüllung, eine tiefe Zufriedenheit. Doch alles, was du halbherzig tust, wie gut es auch sein mag, bringt dir Leiden.
Weder die Ursache des Leidens noch die Ursache der Freude kommt aus dem, was du tust. Die Freude kommt, wenn du total bist. Die Handlung an sich spielt keine Rolle. Wenn du nur lauwarm dabei bist, ist das Ergebnis Leiden. Wenn du ein halbherziges Leben führst, kreierst du dir in jedem Augenblick selbst die Hölle – und diese Hölle wird immer größer. Die Leute fragen: „Gibt es irgendwo die Hölle? Gibt es irgendwo den Himmel?“ – denn sämtliche Religionen haben von Hölle und Himmel geredet, als wären sie ein Teil der Geografie des Universums. Es sind aber keine geografischen Orte; es sind psychische Zustände. Wenn sich dein Kopf und dein Herz und dein ganzes Sein gleichzeitig in verschiedene Richtungen gezogen fühlen, hast du dir die Hölle kreiert. Sobald du jedoch total bist, eine organische Einheit … In dieser Ganzheit beginnen die Blumen des Himmels in dir aufzublühen.
Die Menschen machen sich immer Gedanken über ihre Taten: Welche Tat ist richtig und welche Tat ist falsch? Was ist gut und was ist schlecht? So wie ich es verstehe, geht es nicht um eine bestimmte Handlung. Es geht um deine psychische Einstellung. Sei total, dann ist es gut! Wenn du gespalten bist, ist es schlecht. Wenn du gespalten bist, leidest du. Wenn du im Einklang mit dir selbst bist, wirst du tanzen, singen und feiern.
Kannst du mehr über die Kunst sagen, diese Gegensätze in die Balance zu bringen? Mein Leben pendelt häufig zwischen Extremen, und der Weg der Mitte lässt sich offenbar über längere Zeit nur schwer aufrechterhalten.
Das Leben besteht aus Extremen. Leben ist die Spannung zwischen den Gegensätzen. Ständig genau in der Mitte zu sein wäre der Tod. Die Mitte ist nur eine theoretische Möglichkeit. Nur ab und zu befindest du dich in der Mitte, als vorübergehende Phase. Es ist wie Seiltanzen: Du kannst nicht lange genau in der Mitte sein. Wenn du das versuchst, stürzt du ab.
In der Mitte zu sein ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamisches Phänomen. Balance ist kein Hauptwort, sondern ein Zeitwort – eigentlich ist es ein Balancieren. Der Seiltänzer bewegt sich ständig von links nach rechts, von rechts nach links. Wenn er spürt, dass er sich zu sehr nach einer Seite gelehnt hat und Gefahr läuft abzustürzen, gleicht er es sofort aus und lehnt sich nach der anderen Seite. Beim Übergang von links nach rechts, von rechts nach links, genau in diesem Augenblick, ist der Seiltänzer in der Mitte. Wenn er sich aber zu sehr nach einer Seite gelehnt hat und Angst haben muss, zu fallen und das Gleichgewicht zu verlieren, verlagert er sein Gewicht nach der anderen Seite, und dabei ist er wieder für einen kurzen Augenblick in der Mitte.
Das ist gemeint, wenn ich sage, Balance ist kein Hauptwort, sondern ein Zeitwort. Es geht um ein Balancieren, einen dynamischen Prozess. Du kannst nicht exakt in der Mitte bleiben. Du bewegst dich ständig von links nach rechts und von rechts nach links – das ist die einzige Möglichkeit, in der Mitte zu bleiben.
Vermeide nicht die Extreme. Und wähle keines der Extreme. Bleibe offen für beide Pole – darin besteht die Kunst, das Geheimnis des Balancierens. Ja, manchmal bist du total glücklich, und manchmal bist du total traurig – und beides hat seine Schönheit.
Der Verstand wählt ständig. Dadurch entsteht das Problem. Bleibe wahlfrei. Egal was geschieht, egal wo du bist – rechts oder links, in der Mitte oder nicht in der Mitte: Genieße diesen Augenblick in seiner Totalität. Wenn du glücklich bist und tanzt und singst und Musik machst – sei einfach glücklich! Und wenn die Traurigkeit kommt – und sie wird kommen und muss kommen, das ist unvermeidlich, das kannst du nicht verhindern … Sobald du versuchst, es zu verhindern, machst du damit die ganze Möglichkeit zunichte, glücklich zu sein.
Der Tag kann nicht ohne die Nacht existieren, der Sommer kann nicht ohne den Winter existieren. Das Leben kann nicht ohne den Tod sein. Nimm diese Tatsache der Polarität tief in dein Wesen auf. Es gibt keine Möglichkeit, ihr zu entgehen. Die einzige Möglichkeit wäre, sich immer mehr abzutöten – nur ein Toter kann in einer statischen Mitte sein. Ein lebendiger Mensch ist stets in Bewegung – vom Zorn zum Mitgefühl, vom Mitgefühl zum Zorn … Und er akzeptiert beides, er identifiziert sich weder mit dem einen noch mit dem anderen. Er bleibt distanziert, aber dennoch involviert, nicht identifiziert und dennoch engagiert. Ein lebendiger Mensch genießt alles und verweilt darin wie eine Lotusblüte – im Wasser lebend, aber vom Wasser dennoch unberührt.
Dein Bemühen, in der Mitte zu sein und für immer und ewig in der Mitte zu bleiben, erzeugt dir nur unnötigen Stress. Eigentlich ist dieser Wunsch, immer in der Mitte zu sein, ebenfalls ein Extrem, das schlimmste überhaupt, weil es in die Kategorie des Unmöglichen fällt. Es lässt sich einfach nicht bewerkstelligen. Stell dir mal eine dieser Großvateruhren vor: Wenn du das Pendel genau in der Mitte festhältst, bleibt sie stehen. Eine solche Uhr funktioniert nur, wenn sich das Pendel ständig von links nach rechts und von rechts nach links bewegen kann. Natürlich geht es dabei jedes Mal durch die Mitte, und für einen Augenblick ist es völlig zentriert, aber nur für einen kurzen Augenblick.
Und das ist schön so! Beim Übergang vom Glücklichsein zum Traurigsein, vom Traurigsein zum Glücklichsein gibt es einen Augenblick der absoluten Ruhe – genau in der Mitte. Das kannst du genießen. Das Leben muss in all seinen Dimensionen gelebt werden, nur dann wird es ein reiches Leben sein. Wer nur auf der linken Seite bleibt, ist arm, wer nur auf der rechten Seite bleibt, ist arm, und wer sich nur in der Mitte aufhält, ist tot! Ein lebendiger Mensch ist weder ein Linker noch ein Rechter, noch ist er ein Anhänger des Zentrums. Er bleibt ständig in Bewegung, er ist im Fluss.
Warum willst du überhaupt in der Mitte sein? Weil du Angst hast vor den Schattenseiten des Lebens. Du willst nicht unglücklich, willst nicht verzweifelt sein. Aber das ist nur möglich, wenn du bereit bist, auch auf die Ekstase zu verzichten. Einige Menschen entscheiden sich dafür – es ist der Weg des Mönchs. Seit vielen Jahrhunderten ist das der Weg des Mönchs: Er ist bereit, jede Möglichkeit für Ekstase zu opfern, nur um der Seelenpein zu entgehen. Er ist bereit, sämtliche Rosen zu vernichten, nur um den Dornen zu entgehen. Aber das macht sein Leben schal und eintönig, ein ödes Dasein voller Stagnation und Langeweile. Er lebt nicht wirklich. Er hat Angst vor dem Leben.
Das Leben enthält beides: Es bringt großen Schmerz und es bringt auch große Lust. Schmerz und Lust sind die zwei Seiten einer Münze. Wenn du das eine ausschließt, musst du auch das andere ausschließen. Das war seit jeher eines der grundlegenden Missverständnisse: zu meinen, man könne den Schmerz loswerden und die Lust behalten, man könne der Hölle entgehen und den Himmel erlangen, man könne das Negative vermeiden und nur das Positive wählen. Das ist ein großer Irrtum. Es ist unmöglich. Es liegt nicht in der Natur der Sache. Das Positive und das Negative gehören zusammen, unvermeidlich und unteilbar zusammen. Es sind die beiden Aspekte ein und derselben Energie. Wir müssen beides akzeptieren. Schließe alles mit ein, sei alles. Wenn du auf der linken Seite bist, lass dir nichts entgehen – genieße es! Auf der linken Seite zu sein hat seine eigene Schönheit, und diese Schönheit entgeht dir, wenn du auf der rechten Seite bist. Dort sieht es ganz anders aus. Und in der Mitte zu sein hat eine Stille und einen Frieden, den du bei keinem der Extreme finden wirst. Darum genieße alles. Bereichere dadurch ständig dein Leben.
Kannst du nicht auch in der Traurigkeit eine Schönheit sehen? Meditiere darüber. Wenn du das nächste Mal traurig bist, kämpfe nicht dagegen an. Verschwende keine Zeit damit, dich dagegen zu wehren. Akzeptiere sie, heiße sie willkommen, lass sie ein willkommener Gast sein. Schau sie dir an, voller Liebe und Wohlwollen, in ihrer ganzen Tiefe. Sei ihr ein guter Gastgeber. Du wirst dich wundern! Du wirst eine unbegreifliche Überraschung erleben: Die Traurigkeit hat ein paar schöne Seiten, wie sie die Fröhlichkeit nie haben kann. Die Traurigkeit hat eine Tiefe – dagegen ist die Fröhlichkeit nur oberflächlich. Die Traurigkeit bringt Tränen, die viel tiefer gehen als jedes Lachen. Die Traurigkeit hat ihre eigene Stille, ihre eigene Melodie, die die Fröhlichkeit niemals haben kann. Die Fröhlichkeit hat auch ihre Musik, aber sie ist lauter, nicht so still.
Ich sage nicht, dass du die Traurigkeit wählen sollst. Ich sage nur, dass du auch sie genießen kannst. Wenn du fröhlich bist, genieße die Fröhlichkeit. Schwimme an der Oberfläche, aber manchmal tauche im Fluss ganz tief hinunter. Es ist derselbe Fluss! An der Oberfläche genießt du das Spiel der Wellen und die Schaumkronen, die Sonnenstrahlen und den Wind – sie haben ihre eigene Schönheit! Aber tief ins Wasser hinabzutauchen hat seine eigene Qualität, sein eigenes Abenteuer, seine eigenen Risiken.
Und halte nichts fest. Manche Menschen halten zu sehr an ihrer Traurigkeit fest. Die Psychologen kennen das und bezeichnen solche Leute als Masochisten: Sie kreieren sich ständig Situationen, in denen sie permanent unglücklich sein können. Unglücklich zu sein ist das Einzige, was sie genießen können. Sie haben Angst davor, glücklich zu sein. Im Unglück fühlen sie sich zu Hause. Viele Masochisten werden fromm, weil die Religion für ihre psychische Verfassung einen wunderbaren Deckmantel bereitstellt. Die Religion liefert eine großartige Rationalisierung für Masochismus.
Ohne religiöse Verbrämung fühlt sich ein Masochist schnell verurteilt und unbehaglich – ihm ist nicht wohl in seiner Haut, er fühlt sich krank. Irgendwie weiß er, dass er nicht normal ist. Er fühlt sich schuldig für die Art, wie er sein Leben lebt, und trachtet es zu verbergen. Wird ein Masochist aber religiös, so kann er seinen Masochismus stolz zur Schau stellen. Dann ist er kein Masochist mehr – er ist ein Asket! Er lebt ein frommes, enthaltsames Leben. Das nennt sich dann „Selbstdisziplin“, nicht Selbstquälerei. Geändert hat sich aber nur die Bezeichnung.
Einen solchen Menschen wird niemand als abnorm bezeichnen – er ist ja ein Heiliger! Niemand wird ihn als Psychopathen bezeichnen, denn er ist fromm geworden, ein Heiliger. Die Masochisten haben sich schon immer zur Religion hingezogen gefühlt. Für sie besitzt die Religion eine große Anziehungskraft. Tatsächlich sind im Lauf der Jahrtausende so viele Masochisten bei der Religion gelandet – was natürlich und verständlich ist –, dass alle Religionen schließlich nur noch von Masochisten beherrscht waren. Darum findet sich in den Religionen so viel Lebensverneinendes und Lebensverachtendes. Sie sind nicht für das Leben, für die Liebe, für die Freude. Sie betonen ständig, welch ein Jammertal dieses Leben sei! Aber durch diese ständige Behauptung, dass Leben Leiden bedeute, rationalisieren die Religionen nur ihr eigenes Festhalten am Leiden.
Ich habe eine schöne Geschichte gehört … Ob sie wahr ist, weiß ich nicht. Ich kann für nichts garantieren.
Eines Nachmittags im Paradies treffen sich an einem Tisch im bekanntesten Szenecafé Laotse, Konfuzius und Buddha zu einem Schwätzchen. Der Kellner bringt drei Gläser „Lebenssaft“ auf einem Tablett und offeriert jedem von ihnen ein Glas. Buddha schließt sofort die Augen und macht eine abwehrende Geste mit den Worten: „Leben ist Leiden.“
Konfuzius – wie man weiß, ein Anhänger der Mitte, der immer den goldenen Mittelweg predigte – betrachtet das Glas mit halb geöffneten Augen und bittet den Kellner, ihm ein Glas hinzustellen. Er möchte es gerne probieren – aber nur ein Schlückchen! Schließlich sollte man davon gekostet haben, bevor man sagen kann, ob das Leben Leiden ist oder nicht. Konfuzius war ein wissenschaftlicher Denker, nicht gerade ein Mystiker. Er hatte einen ganz pragmatischen, weltlichen Verstand – er muss der erste Verhaltensforscher der Welt gewesen sein, total logisch. Und was er sagt, macht Sinn: „Zuerst muss ich einen Schluck probieren, dann kann ich sagen, was ich davon halte.“ Er nimmt einen Schluck, und dann sagt er: „Buddha hat Recht. Leben ist Leiden.“
Laotse stellt alle drei Gläser vor sich hin und sagt: „Wie kann man irgendetwas sagen, ohne es völlig ausgekostet zu haben?“ Er leert alle drei Gläser in einem Zug und fängt an zu tanzen.
Buddha und Konfuzius fragen ihn: „Willst du nichts dazu sagen?“ Und Laotse sagt: „Tue ich doch schon. Spricht nicht mein Tanzen und Singen für mich?“ Wenn man es nicht völlig ausgekostet hat, kann man gar nichts sagen. Und wenn man es total ausgekostet hat, kann man erst recht nichts sagen – weil das, was man erfahren hat, sich nicht in Worte fassen lässt.
Buddha repräsentiert das eine Extrem, Konfuzius die Mitte. Laotse leert alle drei Gläser – das für Buddha bestimmte, das für Konfuzius bestimmte und sein eigenes Glas. Er trinkt alles bis zur Neige – er lebt das Leben in seiner Dreidimensionalität.
Meine Vorgehensweise ist die von Laotse: Lebe das Leben auf jede erdenkliche Weise. Bevorzuge keine Sache gegenüber einer anderen und versuche nicht, in der Mitte zu bleiben. Versuche nicht, dich in der Balance zu halten. Die Balance ist nicht etwas, das sich kultivieren ließe. Die Balance stellt sich als Summe deiner Erfahrungen sämtlicher Lebensdimensionen von selbst ein. Die Balance geschieht– sie kann nicht durch deine Bemühungen herbeigeführt werden. Wenn du dich darum bemühst, ist sie unecht und erzwungen. Du wirst dich dabei verkrampfen, wirst nicht entspannt sein. Wie kannst du entspannt sein, wenn du dich ständig bemühst, die Balance in der Mitte zu halten? Du wirst immer Angst haben, dass du zu weit nach links oder nach rechts gerätst, wenn du dich entspannst. Dann wirst du ständig kontrolliert und angespannt sein. Aber so verpasst du die Gelegenheit – dieses ganze wunderbare Geschenk des Lebens!
Sei nicht kontrolliert. Lebe das Leben nicht nach bestimmten Prinzipien. Erlebe das Leben in seiner Ganzheit, trinke das Leben in seiner Ganzheit! Natürlich schmeckt es manchmal bitter – na und? Nur wenn du den Geschmack des Bitteren kennst, kannst du auch die Süße schmecken. Du kannst die Süße des Lebens erst wertschätzen, wenn du von seiner Bitterkeit gekostet hast. Wer nicht weinen kann, der kann auch nicht lachen. Wer nicht ein tiefes Lachen, ein Lachen aus dem Bauch, genießen kann, wird nur Krokodilstränen vergießen können. Seine Tränen werden nicht authentisch und echt sein.
Ich befürworte nicht den Mittelweg, ich befürworte den totalen Weg. Dann wird sich eine Balance ganz von selbst einstellen, und diese Balance wird von immenser Schönheit und Anmut sein. Sie ist nicht erzwungen, sie kommt von allein. Wenn du dich anmutig nach links und nach rechts und durch die Mitte bewegst, wird sich allmählich eine Balance einstellen, weil du mit nichts identifiziert bist. Wenn Traurigkeit kommt, weißt du, dass sie vorübergeht. Wenn Fröhlichkeit kommt, weißt du, dass auch sie vorübergeht. Nichts bleibt, wie es war. Alles geht vorüber. Das Einzige, was bleibt, ist dein wahrnehmendes Bewusstsein, dein Zeugesein. Dieses Zeugesein bringt die Balance. Dieses Zeugesein ist die Balance.
Körper und Seele – eine kurze Geschichte der Religion
Die Religion ist durch viele Entwicklungsphasen gegangen. Am Anfang stand die magische Religion, und sie hat bis heute überlebt. Viele Naturvölker auf der Welt befinden sich auf dieser ersten religiösen Stufe, die aus magischen Opferritualen an die Götter besteht. Es ist eine Art Bestechung: „Mögen die Götter uns helfen und uns beschützen!“ Alles was als wertvoll gilt – Lebensmittel, Kleider, Schmuck, alles Mögliche – wird den Gottheiten geopfert. Selbstverständlich wird es nicht von einem Gott in Empfang genommen, sondern von einem Priester. Er ist der Vermittler, und er ist derjenige, der davon profitiert.
Und das Eigenartige ist, dass das Bewusstsein der Menschheit seit mindestens zehntausend Jahren in dieser magischen, ritualistischen Religion gefangen ist – obwohl es sich erwiesen hat, dass die Bestechung meistens erfolglos bleibt. Zu neunundneunzig Prozent scheitern die Versuche! Wenn zum Beispiel der große Regen ausbleibt, wird ein magisches Opferritual vollzogen, um die Götter günstig zu stimmen, damit sie den Regen schicken. Und manchmal kommt er tatsächlich. Aber er kommt auch zu all jenen, die nicht den Göttern gehuldigt und das Ritual vollzogen haben. Er kommt genauso zu den Feinden der Menschen, die darum gebetet haben.
Der Regen hat nichts mit den Ritualen zu tun, aber der Regen wird als Beweis dafür genommen, dass das Ritual erfolgreich war. In neunundneunzig von hundert Fällen ist das Ritual erfolglos. Es kann keinen Erfolg haben, weil es nichts mit dem Wetter zu tun hat. Es gibt keinen wissenschaftlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Ritual – der Feuerzeremonie, den Mantras – und den Regenwolken.
Die Priester sind mit Sicherheit schlauer als die Menschen, die von ihnen ausgebeutet werden. Sie wissen ganz genau, was in Wirklichkeit vor sich geht. Die Priester haben noch nie an Gott geglaubt, vergesst das nicht. Sie können nicht an Gott glauben, geben sich aber den Anschein, als glaubten sie an ihn, mehr als jeder andere. Sie müssen so tun; es ist ja ihr Beruf. Je stärker ihr Glaube, umso größere Menschenmassen werden sie anziehen – deswegen legen sie sich mächtig ins Zeug. Mir ist aber noch nie ein Priester begegnet, der wirklich geglaubt hat, dass Gott existiert. Wie kann er es glauben, wenn er doch tagtäglich miterlebt, dass kaum ein Ritual oder ein Gebet jemals den gewünschten Erfolg bringt. Und wenn, dann ist es reiner Zufall. Meistens ist es erfolglos. Aber er liefert sogleich eine Erklärung für die armen Leute: „Ihr habt das Ritual nicht richtig gemacht. Ihr wart dabei nicht von reinen Gedanken erfüllt.“
Nun, wer ist schon erfüllt von reinen Gedanken? Was ist überhaupt ein reiner Gedanke? Bei einem Ritual des Jainismus, zum Beispiel, müssen die Leute fasten. Während sie das Ritual ausführen, denken sie dauernd ans Essen – und das ist ein unreiner Gedanke. Ein hungriger Mensch, der ans Essen denkt … Ich finde nicht, dass das ein unreiner Gedanke ist. Es ist genau der richtige Gedanke! Eigentlich ist es ein Fehltritt, wenn jemand in einem solchen Moment das Ritual fortsetzt. Er sollte schnurstracks in ein Restaurant gehen!
Doch der Priester liefert ihm eine einfache Erklärung, warum das Ritual nicht funktionierte: Gott lässt euch nie im Stich – er ist immer bereit, euch zu beschützen. Er ist der Schöpfer, der Erhalter, der Lieferant – er lässt euch nie im Stich. Aber ihr habt ihn im Stich gelassen! Während ihr eure Gebete sprecht oder dem Ritual folgt, seid ihr voller unreiner Gedanken. Und die Leute wissen natürlich, dass der Priester Recht hat, denn sie haben an Essen gedacht. Oder an eine schöne Frau, die gerade vorüberging und das Verlangen in ihnen weckte, sie zu besitzen. Diese Gedanken haben sie natürlich weggedrängt – aber es war schon zu spät! Es war schon passiert. Alle wissen, dass sie unreine Gedanken haben.
Ich kann darin überhaupt nichts Unreines sehen. Wenn eine schöne Frau an einem Spiegel vorbeikommt, wird er die schöne Frau reflektieren. Ist der Spiegel deshalb „unrein“? Dein Bewusstsein ist ein Spiegel – er reflektiert einfach. Dein Bewusstsein nimmt alles wahr, was um dich herum geschieht. Und dein Verstand kommentiert alles; er liefert ständig seine Kommentare dazu. Wenn du es beobachtest, wirst du dich wundern: Einen besseren Kommentator findest du nicht. Dein Verstand wird dir sagen: „Diese Frau ist schön.“ Und wenn du das Verlangen nach Schönheit hast, sehe ich darin nichts Verkehrtes. Wenn du das Verlangen nach Hässlichkeit hättest, wäre etwas verkehrt; dann wärest du krank. Schönheit verlangt nach Bewunderung. Wenn du ein schönes Gemälde siehst, möchtest du es besitzen. Wenn du irgendetwas Schönes siehst, folgt wie ein Schatten der Gedanke: „Wenn diese schöne Sache doch mir gehören könnte …“ Solche Gedanken sind ganz natürlich. Doch der Priester wird sagen: „Der Regen ist nur ausgeblieben, weil ihr unreine Gedanken hattet!“ – und ihr seid absolut wehrlos. Ihr wisst, dass er Recht hat, und ihr schämt euch dafür.
Gott hat immer Recht. Aber selbst wenn der Regen sich einstellt, werden euch genau die gleichen Gedanken durch den Kopf gegangen sein, denn ihr wart dieselben. Wenn ihr Hunger hattet, dachtet ihr an Essen. Wenn ihr durstig wart, dachtet ihr an Wasser. Solche Gedanken waren genauso vorhanden. Nur, wenn der Regen kommt, interessiert sich keiner für eure schlechten Gedanken. Dann wird der Priester euch loben, eure Disziplin und eure Frömmigkeit: „Gott hat euch erhört.“ Und dann fühlt sich das Ego befriedigt und man fragt nicht: „Was ist mit den unreinen Gedanken?“ Wer wird die unreinen Gedanken erwähnen, wenn der Erfolg sich einstellte und Gott euch erhört hat? Aber meistens erhört euch niemand. Der Himmel bleibt leer und es kommt keine Antwort. Das hindert aber die magische Religion nicht an ihrem Weiterbestehen.
Die magische Phase ist die primitivste Stufe der Religion. Zum Teil besteht sie noch in der zweiten Phase weiter, es gibt keine klare Trennlinie. Die zweite Phase ist die der Pseudoreligionen: Hinduismus, Christentum, Islam, Judaismus, Jainismus, Buddhismus, Sikhismus – insgesamt mehr als dreihundert solcher „Ismen“. Sie alle sind Pseudoreligionen. Sie haben sich ein bisschen weiter entwickelt als die magische Religion. Die Religion auf der magischen Stufe ist grundsätzlich ritualistisch. Sie stellt den Versuch dar, Gott um Unterstützung zu bitten. Wenn der Feind Anstalten macht, das Land zu überfallen, wenn die Regenzeit ausbleibt oder wenn es zu viel Regen gab und die Flüsse über die Ufer treten und die ganze Ernte zu vernichten drohen … Jedes Mal, wenn irgendeine Katastrophe bevorzustehen scheint, wird Gott um Hilfe gebeten. Die magische Religion verlangt keine Disziplin von euch, darum unterdrückt sie nichts. Sie ist noch nicht an eurer Transformation interessiert; sie will euch nicht verändern.
Die Pseudoreligionen verlagern die Aufmerksamkeit von Gott auf den Menschen. Gott bleibt zwar im Spiel, aber er tritt in den Hintergrund. Für den magisch-religiösen Menschen war Gott ganz nahe – er konnte mit ihm reden, konnte versuchen, ihn zu überzeugen. Die Pseudoreligionen haben das Konzept von Gott zwar beibehalten, aber ihr Gott ist weit weg – sehr weit, ganz weit weg. Die einzige Möglichkeit, ihn zu erreichen, besteht nicht mehr in Ritualen, sondern nur in einer wesentlichen Veränderung des eigenen Lebensstils. Mit den Pseudoreligionen beginnt der Versuch, die Menschen zu formen und zu verändern.
Die magischen Religionen lassen den Menschen, wie er ist. Deshalb sind die Gläubigen der magischen Religionen natürlicher und weniger scheinheilig, aber urwüchsiger, primitiver, unzivilisierter. Die Anhänger der Pseudoreligionen sind gekünstelter, kultivierter, gebildeter. Für sie bedeutet Religion nicht bloß ein Ritual; Religion wird für sie zur Lebensphilosophie.
In der zweiten Phase der Religion beginnt die Anwendung der Unterdrückung. Warum haben sämtliche Religionen die Unterdrückung als Hauptstrategie eingesetzt, und zu welchem Zweck? Das Phänomen der Unterdrückung zu verstehen, ist ungeheuer wichtig. In allen anderen Punkten unterscheiden sich die Religionen voneinander, in allen anderen Aspekten sind sie einander entgegengesetzt. Die Religionen stimmen in keinem einzigen Punkt überein – außer, was die Unterdrückung betrifft. Demnach scheint die Unterdrückung ihr wichtigstes Werkzeug zu sein. Was tun sie damit?
Unterdrückung ist der Mechanismus, mit dem die Religionen euch versklaven. Damit bringen sie die Menschheit in eine psychische und spirituelle Sklaverei. Lange bevor Sigmund Freud das Phänomen der Unterdrückung entdeckte, hatten die Religionen es schon seit fünftausend Jahren angewandt, und mit Erfolg.
Die Methode ist einfach. Sie besteht darin, dich dir selbst zum Feind zu machen. Aber sie wirkt Wunder. Wenn du erst einmal anfängst, dich selbst zu unterdrücken, ändert sich vieles, ganz zwangsläufig. Erstens wirst du dadurch geschwächt. Du wirst nie mehr die gleiche Stärke haben wie vorher. Vorher warst du eins mit dir selbst; jetzt bist du nicht nur zwei, sondern viele. Vorher warst du eine einzige, integre Einheit; jetzt bist du eine ganze Horde. In dir redet die Stimme deines Vaters aus einem Teil von dir, die Stimme deiner Mutter aus einem anderen Teil, und in deinem Inneren streiten sie sich immer noch, obwohl sie vielleicht längst nicht mehr auf der Welt sind! Alle deine Lehrer haben ihre Nischen in dir, alle Priester, die dir je begegnet sind, sämtliche Heiligen, Weltverbesserer und Moralprediger – sie alle haben sich in dir eingenistet, haben ihre Bastionen in dir errichtet.
Jeder, der irgendwann Eindruck auf dich gemacht hat, ist zu einem Teil von dir geworden. Nun bestehst du aus vielen Leuten – Toten und Lebenden, Romanfiguren aus Büchern, die du gelesen hast, oder aus heiligen Schriften, die nichts anderes sind als religiöse Fantasy-Romane. Wenn du nach innen schaust, wirst du dich in dieser riesigen Menschenmenge nicht wieder finden können. Du wirst dich gar nicht erkennen können. Wer bist du inmitten dieser Menge? Welches ist dein ursprüngliches Gesicht? Alle diese Leute tun so, als wären sie du. Sie sehen alle aus wie du, sie sprechen deine Sprache. Und ständig liegen sie miteinander im Streit. Du bist zu einem Schlachtfeld geworden.
Die ungeteilte Stärke des Individuums ist verloren gegangen. Dein Haus ist in sich geteilt. Du bist nicht mehr fähig, aus deiner Ganzheit heraus zu handeln. Manche Teile in dir sind immer dagegen, andere Teile sind dafür, und manchen Teilen ist es völlig egal. Sobald du etwas tust, versuchen die Teile, die dagegen sind, dir einzureden, dass du das Falsche tust, und erzeugen Schuldgefühle in dir. Die Teile, denen es egal war, gebärden sich wie Heilige und sagen dir, du solltest nicht so dumm sein, auf irgendwelche Leute zu hören, die keine Ahnung haben. Egal, ob du etwas tust oder nicht – du wirst auf jeden Fall verurteilt. Du befindest dich ständig in einem Dilemma. Ganz egal, wie du vorgehst, du bist immer der Verlierer. Ein größerer Teil von dir wird dich immer verurteilen. Bei allem, was du tust, kannst du immer nur mit der Unterstützung der Minderheit rechnen. Die Mehrheit wird sich mit Sicherheit auf dich stürzen und sich revanchieren. Sie wird sagen: „Wenn du das nicht so gemacht hättest, hättest du es anders machen können. Wenn du dich nicht für die eine Sache entschieden hättest, hättest du dich für die andere entscheiden können. Aber du bist ein Idiot. Du hörst ja nie auf mich! Jetzt musst du eben leiden. Du sollst es bereuen.“
Das Problem ist, dass du nicht in der Lage bist, irgendetwas so hundertprozentig zu tun, dass später keine dieser Stimmen dich verurteilen und als dumm und unintelligent bezeichnen wird.
Die Integrität des Menschen, seine Ganzheit und Stärke, wurden von den Pseudoreligionen als Erstes zunichte gemacht. Das ist notwendig, wenn man die Menschen versklaven will. Starke Menschen können nicht zu Sklaven gemacht werden. Und es ist eine ganz subtile Sklaverei, eine psychologische und spirituelle Sklaverei. Man braucht dafür keine Handschellen, keine Fesseln und keine Kerkerzellen, nein. Die Pseudoreligionen haben viel raffiniertere Arrangements getroffen. Ihre Arbeit setzt schon im Augenblick eurer Geburt ein. Sie lassen sich keinen einzigen Augenblick entgehen.
Die Religionen haben den Sex verurteilt, sie haben eure Liebe zum Essen verurteilt, sie haben alles verurteilt, was Freude macht: Musik, Kunst, Singen, Tanzen. Wenn du dich auf der Welt umschaust und alle Verurteilungen durch die Religionen sammelst, wirst du sehen: In der Summe haben die Religionen den Menschen total verurteilt.
Die Religionen haben kein gutes Haar am Menschen gelassen. Zwar hat jede Religion nur ihren jeweiligen Teil dazu beigetragen – denn wenn man den Menschen allzu sehr verdammt, dreht er vielleicht durch. Ein gewisser Sinn für Proportionen muss gewahrt bleiben. Man verurteilt ihn nur insoweit, dass er sich schuldig fühlt und den Wunsch hat, seine Schuldgefühle loszuwerden. Dann ist er bereit, die Hilfe der Religionen zu akzeptieren. Aber man darf ihn nicht zu sehr verurteilen, sonst entwischt er, oder er springt ins Meer und setzt seinem Leben ein Ende. Das wäre kein gutes Geschäft.
Es ist wie mit den Sklaven in früheren Zeiten: Sie bekamen gerade so viel zu essen, dass sie nicht zu stark wurden und revoltierten, aber auch nicht so wenig, dass sie starben, sonst wäre es ein Verlustgeschäft gewesen. Man gab ihnen nur eine bestimmte Menge zu essen, damit sie gerade so zwischen Leben und Tod schwebten und überleben konnten und weiter für ihre Herren arbeiteten. Gerade so viel bekamen sie zu essen, nicht mehr – sonst wäre ihnen nach der Arbeit noch zu viel Energie übrig geblieben, mit der sie eine Revolution hätten anzetteln können. Sie hätten sich zusammentun können, wenn sie dahinter kamen, was mit ihnen geschah.
Genauso haben es die Religionen gemacht. Jede Religion nahm sich eine andere Seite des Menschen vor und verurteilte sie. Auf diese Weise wurden Schuldgefühle in ihm erzeugt. Sobald Schuldgefühle in euch erzeugt werden, seid ihr dem Priester ausgeliefert. Dann könnt ihr ihm nicht entkommen. Nur er kann euch von all den schamvollen Anteilen in euch befreien. Nur er kann bewirken, dass ihr ohne Scham vor Gott hintreten könnt.
Zuerst erfindet der Priester die Lüge von Gott. Dann erfindet er die Lüge von Schuld. Er erfindet die Lüge, dass ihr eines Tages vor Gott hintreten müsst, und dafür solltet ihr rein und lauter sein. Ihr müsst einen Zustand erreichen, in dem ihr ohne Scham und Furcht vor Gottes Angesicht treten könnt.
Das Ganze ist reine Erfindung. Aber man darf nicht vergessen, dass es auf alle Pseudoreligionen zutrifft. Und jedes Mal, wenn ich „alle Religionen“ sage, meine ich diese Pseudoreligionen, in der Pluralform – das ist immer der Hinweis auf die Pseudoreligionen.
Eine Religion, die auf wissenschaftliche Weise gelebt wird, hat keine Pluralform. Sie ist die wahre Religion, und ihre Aufgabe ist das genaue Gegenteil von den Pseudoreligionen. Die Aufgabe der wahren Religion wird es sein, dich von Gott zu befreien, von Himmel und Hölle zu befreien, vom Konzept der Erbsünde zu befreien und von der Vorstellung, dass du von der Natur getrennt seiest. Die wahre Religion wird dich von jeglicher Form von Unterdrückung befreien.
Mit einer so umfassenden Freiheit kannst du lernen, dein natürliches Wesen auszudrücken – wie auch immer dies aussehen mag. Es ist unnötig, sich wegen irgendetwas zu schämen. Das Universum will dich genau so, wie du bist. Deshalb bist du so, wie du bist. Das Universum braucht dich genau so – sonst hätte es jemand anderen erschaffen und nicht dich. Das Einzige, was ich unreligiös nennen würde, ist, nicht du selbst zu sein. Sei du selbst – bedingungslos, ohne Vorbehalte. Sei einfach du selbst, dann bist du religiös, denn dann bist du gesund, dann bist du heil. Du brauchst keinen Priester, keinen Psychoanalytiker, brauchst von niemandem Hilfe, denn du bist nicht krank, nicht verkrüppelt und nicht gelähmt. In dem Augenblick, da du deine Freiheit gewinnst, verschwindet die ganze Lähmung und Verkrüppelung.
In einem einzigen Satz zusammengefasst: Religion ist die völlige Freiheit, du selbst du sein. Drücke dich aus – auf so vielfältige Weise wie nur möglich, ohne Angst. Es gibt nichts zu befürchten. Da ist keiner, der dich bestrafen oder belohnen wird. Wenn du dich ausdrückst, nach deinem ureigensten Wesen, in deinem natürlichen Fluss, wirst du unmittelbar dafür belohnt – nicht erst morgen, sondern sofort, hier und jetzt.
Bestraft wirst du nur, wenn du deiner Natur zuwider handelst. Aber diese „Bestrafung“ ist einfach ein Hinweis, eine Unterstützung, dass du dich von deiner Natur entfernt hast und du von deinem Weg, von der rechten Straße ein wenig abgewichen bist. Komm zurück! Diese Bestrafung ist keine Rache, nein. Sie dient nur dazu, dich aufzuwecken: „Was tust du da?“ Irgendetwas stimmt nicht, irgendetwas läuft nicht in deinem Sinne. Darum der Schmerz, die Seelenpein, der Stress.
Wenn du natürlich bist und dich ausdrückst, wie die Bäume und die Vögel es tun … Sie haben es besser, denn kein Vogel wollte je Priester werden, kein Baum versuchte je, Psychoanalytiker zu werden …
Sei wie die Bäume, die Vögel, die Wolken, dann wirst du dich in der Existenz geborgen und zu Hause fühlen. Und darin besteht das wahre Anliegen der Religion: sich geborgen und zu Hause zu fühlen.
Siehst du bei diesen Pseudoreligionen, wie du sie nennst, einen wesentlichen Unterschied zwischen den Religionen des Ostens und denen, die im westlichen Kontext entstanden sind?
In den letzten zweitausend Jahren hat von allen Religionen keine der Menschheit einen größeren Schaden zugefügt als das Christentum. Die islamische Religion hat versucht, damit zu konkurrieren, aber ohne Erfolg. Sie trachtete der christlichen Religion den Rang abzulaufen, aber das Christentum hält immer noch den Spitzenplatz. Es hat so viele Menschen ermordet, so viele Menschen bei lebendigem Leib verbrannt! Im Namen Gottes, im Namen der Wahrheit und der Religion hat das Christentum unzählige Menschen getötet und niedergemetzelt – und angeblich zu deren eigenem Wohl, um deren eigenen Seligkeit willen! Und wenn der Mörder dich zu deinem eigenen Wohl tötet, fühlt er sich nicht schuldig. Im Gegenteil, er meint sogar, er habe eine gute Tat vollbracht! Er meint, er habe der Menschheit einen guten Dienst erwiesen – im Namen Gottes, im Namen aller wichtigen Werte, wie Liebe, Wahrheit, Freiheit. Er fühlt sich erhaben. Er glaubt, dadurch ein besserer Mensch geworden zu sein.
Wenn Verbrechen dazu benutzt werden, dass Menschen sich dadurch erhaben dünken, ist es das Schlimmste, was irgendjemandem widerfahren kann. Dann tun diese Menschen Böses und halten es für das Gute. Sie vernichten das Gute und halten das für gut.
Das ist die schlimmste Art von Indoktrination, die das Christentum den Menschen in die Köpfe gepflanzt hat. Der Gedanke des Kreuzzugs, des religiösen Krieges, ist ein wesentlicher Beitrag des Christentums. Die Muslime lernten es von den Christen. Sie können sich nicht als Urheber dieses Gedankens wähnen. Sie nannten es Jihad, den heiligen Krieg, aber sie traten damit erst fünfhundert Jahre nach Jesus auf den Plan. Das Christentum hatte bereits die Idee in den Köpfen der Menschen erzeugt, dass auch ein Krieg religiös sein könne.
Aber der Krieg an sich ist unreligiös. Einen heiligen Krieg, einen Kreuzzug kann es niemals geben. Wenn man den Krieg heilig nennt, was bleibt dann noch, was unheilig genannt werden könnte?
Es ist eine Strategie, um das Denken der Menschen zu verderben. Sobald die Menschen an einen „Kreuzzug“ denken, sehen sie nichts Falsches mehr darin – sie kämpfen ja für Gott, gegen den Teufel! Es gibt aber weder Gott noch Teufel. Ihr kämpft nur gegen andere Menschen und tötet sie! Und wie kommt ihr darauf, dass dies eure Angelegenheit ist? Glaubt ihr etwa, wenn nicht einmal Gott mit dem Teufel fertig wird, dass ihr es könnt? Wenn Gott so machtlos ist, dass er den Teufel nicht fertig machen kann, wie sollte der Papst es zustande bringen? Wie sollten irgendwelche Christen es zustande bringen? Wie sollte Jesus es zustande bringen? Schließlich lebt Gott doch schon seit ewigen Zeiten mit dem Teufel!
Bis heute sind die Kräfte des Bösen viel mächtiger als die Kräfte des Guten, einfach weil die Kräfte des Guten sich in den Händen der Kräfte des Bösen befinden. Den Krieg religiös und heilig zu nennen, ist die Ursache für den Krieg. Der Erste Weltkrieg entstand im christlichen Kontext, der Zweite Weltkrieg entstand im christlichen Kontext. Und der Dritte Weltkrieg wird ebenfalls im christlichen Kontext sein!
Ungeachtet aller anderen Religionen, warum entstanden diese zwei großen Kriege ausgerechnet im christlichen Kontext? Von dieser Verantwortung ist das Christentum nicht freizusprechen. Wer die Vorstellung erzeugt, dass der Krieg heilig sein kann, hat kein Monopol darauf.
Adolf Hitler sagte zu seinen Leuten: „Dies ist ein heiliger Krieg!“ Es war ein Kreuzzug. Er hat einfach diese christliche Idee für sich benutzt. Er war ein Christ und hielt sich für die Reinkarnation des Propheten Elias. Er hielt sich für ebenbürtig mit Jesus Christus, vielleicht sogar für besser. Was Jesus nicht geschafft hatte, versuchte er zu schaffen. Jesus hatte nur geschafft, dass er gekreuzigt wurde. Aber Adolf Hitler hat es beinahe geschafft. Hätte er es geschafft – was zu neunundneunzig Prozent möglich war, es fehlte ihm höchstens ein Prozent –, dann wäre die Welt von allen jüdischen Elementen, von allem, was nicht christlich war, gesäubert worden. Was wäre dann noch übrig geblieben?
Und wisst ihr was? Adolf Hitler hatte den Segen der deutschen Bischöfe. Sie sagten zu ihm: „Du wirst gewinnen, denn Christus ist auf deiner Seite, Gott ist auf deiner Seite.“ Und genau die gleichen Narren segneten auch Winston Churchill und sagten zu ihm: „Gott ist auf deiner Seite, Christus ist auf deiner Seite – der Sieg ist dir gewiss!“ Und die gleichen Narren, wenn nicht noch größere, gab es im Vatikan, der ja ein Teil von Rom ist. Dort wurde Mussolini vom Papst gesegnet – dem Vertreter, dem unfehlbaren Stellvertreter Jesu Christi!
Man könnte nun denken: Der deutsche Erzbischof war nicht unfehlbar, der Erzbischof von England war nicht unfehlbar – solchen fehlbaren Menschen könnte man verzeihen. Aber was ist mit dem Papst, den die Christen seit Jahrhunderten für unfehlbar halten? Aber auch dieser unfehlbare Papst gab Mussolini seinen Segen für den Sieg, weil er „für Jesus Christus und für Gott kämpft“. Dabei steckten Mussolini und Adolf Hitler unter einer Decke! Gemeinsam wollten sie die ganze Welt erobern. Vielleicht hatte der Papst die Hoffnung, wenn Mussolini den Sieg davontrüge, würde das Christentum zur Universalreligion werden. Seit zweitausend Jahren versuchen diese Leute, das Christentum zur Universalreligion zu machen und alle anderen Religionen aus dem Weg zu räumen.
Der Jainismus kennt keinen „heiligen Krieg“. Jeder Krieg ist unheilig. Selbst wenn im Namen von Religion gekämpft würde – zu kämpfen an sich ist unreligiös. Auch dem Buddhismus fehlt jede Vorstellung eines heiligen Krieges. So haben Jainismus und Buddhismus in ihrer langen Geschichte niemals dazu beigetragen, dass irgendwo ein Krieg entflammte. Der Jainismus existiert schon seit mindestens zehntausend Jahren, aber er hat keinen einzigen Krieg angezettelt, weder heilig noch unheilig. Auch der Buddhismus ist älter als das Christentum, fünfhundert Jahre älter, und hat eine ebenso große Gefolgschaft wie das Christentum – mit Ausnahme von Indien ist fast ganz Asien buddhistisch –, aber er hat keinen einzigen Krieg begonnen.
Den Krieg, die absolut hässlichste Sache im menschlichen Leben, für heilig zu erklären, geht ausschließlich auf das Konto des Christentums. Im Namen eines Kreuzzugs lässt sich alles machen: Man kann Frauen vergewaltigen, Menschen lebendig verbrennen, unschuldige Kinder und alte Menschen töten – alles ist erlaubt. Es ist ein Freibrief – ein Begriff, der alles deckt: ein „heiliger Krieg“, ein „Kreuzzug“. Aber unter diesem Deckmantel ereignen sich in Wirklichkeit andere Dinge.
Sämtliche Atombomben und Kernwaffen sind im christlichen Kontext produziert worden. Nicht, dass es der übrigen Welt an Intelligenz fehlte … Wenn China einen Konfuzius, Laotse, Tschuangtse, Menzius, Liätse hervorbringen konnte, besteht kein Grund, warum es nicht auch einen Albert Einstein, einen Lord Rutherford hätte hervorbringen können. Schließlich war es China, das als Erstes die Druckerpresse entwickelte, und sie existiert nun schon seit dreitausend Jahren.
Wenn Indien Menschen wie Patanjali hervorbringen konnte, der im Alleingang das ganze Yoga-System entwickelte, oder Gautama Buddha oder Mahavira, den Begründer des Jainismus, und viele große Philosophen und Mystiker …
Vor dreitausend Jahren lebte in Indien Sushrut, ein großer Arzt und Chirurg, in dessen Schriften bereits einige der kompliziertesten heutigen Operationen beschrieben wurden, sogar Gehirnoperationen, mit allen dazugehörigen Instrumenten.
Wenn diese Länder solche Menschen hervorbringen konnten, woran lag es, dass sie nicht ebenfalls versuchten, Atombomben herzustellen? Indien brachte die Mathematik hervor, ohne die es die heutige Wissenschaft nicht gäbe. Vor siebentausend Jahren wurden in Indien die Grundlagen der Mathematik geschaffen, doch das mathematische Wissen wurde von den Indern nie für destruktive Zwecke eingesetzt. Sie verwendeten es für kreative Zwecke, weil keine der dortigen Religionen ihnen einen Anreiz für Krieg gab. Sämtliche Religionen bezeichneten den Krieg als hässlich. Es stand überhaupt nicht zur Debatte. Diese Länder waren nicht bereit, irgendein Programm, irgendein Projekt, irgendeine Forschung zu unterstützen, die zum Krieg führen würden.
Ich sage dies, um es ganz klar zu machen: Das Christentum ist dafür verantwortlich, dass die Wissenschaft den Anreiz zum Krieg bekam. Hätte das Christentum ein Klima der Gewaltlosigkeit geschaffen und nicht den Krieg geheiligt, dann hätten wir diese beiden Weltkriege vermeiden können. Und ohne den Ersten und Zweiten Weltkrieg wäre ein Dritter Weltkrieg mit Sicherheit nicht möglich. Die beiden Kriege waren absolute Voraussetzungen für einen dritten Krieg – dahin haben sie euch bereits gebracht. Ihr seid schon dafür gerüstet und eine Möglichkeit zur Rückkehr, zur Umkehr, scheint es nicht mehr zu geben.
Nicht nur die Wissenschaft wurde vom Christentum korrumpiert. Das Christentum selbst hat eigenartige Ideologien hervorgebracht, entweder direkt oder als Reaktion. Und für beides ist es verantwortlich. Schon seit Jahrtausenden gibt es die Armut auf dieser Welt, aber der Kommunismus ist eine Errungenschaft des Christentums. Lasst euch von der Tatsache nicht täuschen, dass Karl Marx ein Jude war – Jesus war auch ein Jude. Wenn ein Jude das Christentum hervorbringen konnte … Karl Marx gehört zu einem christlichen Kontext, nicht zu einem jüdischen. Seine Grundidee stammte von Jesus Christus. Als dieser sagte: „Selig sind die Armen, denn sie werden das Königreich Gottes erben“, säte er den Samen des Kommunismus.
Darüber hat noch niemand so unverblümt gesprochen. Um darüber so unverblümt sprechen zu können, braucht es einen Verrückten wie mich, der die Dinge nicht nur beim Namen nennt, sondern auch keine Hemmungen hat, sie bei ihrem bescheuerten Namen zu nennen! Sie einfach nur beim Namen zu nennen, kann doch jeder!
Nachdem Jesus diesen Gedanken in die Welt gesetzt hatte: „Selig sind die Armen, denn sie werden das Königreich Gottes erben“, war es nur ein Kinderspiel, diese Idee für den eher praktischen und pragmatischen Kommunismus abzuwandeln. Was Marx im Wesentlichen sagt, ist: „Selig sind die Armen, denn ihnen gehört die Erde.“ Er macht einfach aus ein paar spirituellen Begriffen eine praktizierbare Politik.
„Königreich Gottes“ – wer weiß denn, ob es überhaupt existiert? Warum sollte man sich die Gelegenheit entgehen lassen, das Königreich der Erde zu erlangen? Der ganze Kommunismus baut auf diesem einen Satz von Jesus auf. Es bedurfte nur einer kleinen Wendung, den esoterischen Unsinn loszuwerden und den politischen Pragmatismus hereinzubringen. Ja, selig sind die Armen, denn ihnen gehört das ganze Königreich dieser Erde – das ist es, was Karl Marx wirklich sagt.
Seltsamerweise taucht der Kommunismus sonst nirgendwo auf – weder im Kontext des Buddhismus, Hinduismus, Jainismus, Sikhismus, Taoismus oder Konfuzianismus. Er taucht nur im christlichen Kontext auf. Das kann kein Zufall sein, denn wie es sich zeigt, taucht auch der Faschismus im Kontext des Christentums auf. Der Sozialismus, der Fabianismus, der Nazismus – das sind alles christliche Kinder, Sprösslinge von Jesus Christus. Entweder direkt von ihm beeinflusst… Denn er ist der Mann, der sagt: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt.“
Was ist von diesem Mann zu halten? Ist er nicht ein Kommunist? Wenn Jesus kein Kommunist ist, wer sonst? Weder Marx noch Engels, Lenin, Stalin oder Mao-Tsetung haben eine so starke Äußerung gemacht: „Ein Reicher kann nicht in das Reich Gottes kommen.“ Und seht, welchen Vergleich er hernimmt: Eher ist es möglich – und es ist völlig unmöglich! –, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Das sei eher möglich, sagt er, aber der Eintritt eines Reichen in das Reich Gottes sei unmöglich. Wenn es aber im Reich Gottes unmöglich ist, warum sollte es hier auf Erden möglich sein? Man muss es auch hier unmöglich machen – und das hat Marx getan.
Was Jesus in der Theorie lieferte, erhielt von Marx eine praktische Wendung. Doch der ursprüngliche Theoretiker war Jesus. Vielleicht ist Karl Marx selbst nicht darauf gekommen, aber der Kommunismus ist in keinem anderen Kontext möglich. In keinem anderen Kontext ist Adolf Hitler möglich.
Wer sich in Indien als Mann Gottes erklärt, kann nicht wie Adolf Hitler sein. Er kann nicht einmal an der Politik teilnehmen, kann nicht einmal ein Wähler sein. Es wäre völlig undenkbar, dass jemand Millionen von Juden oder Millionen Menschen anderer Religionszugehörigkeit vernichtet und gleichzeitig behauptet, eine Reinkarnation des alten Propheten Elias zu sein. In Indien gab es Tausende von Menschen, die sich als Inkarnationen bezeichnet haben, als Propheten und Tirthankaras, aber sie mussten es immer durch ihr Leben unter Beweis stellen. Vielleicht sind es Scheinheilige – was für die meisten wohl zutrifft –, aber selbst dann: Keiner kann sich wie Adolf Hitler aufführen und gleichzeitig behaupten, er sei ein Prophet, ein religiöser Mann.
Einmal erhielt ich einen Brief vom Präsidenten der amerikanischen Nazi-Partei, in dem stand: „Wir haben gehört, dass Sie sich gegen Adolf Hitler äußern. Das verletzt unsere religiösen Gefühle.“ Ich bin selten perplex, aber ich war perplex. Ihre religiösen Gefühle! „Adolf Hitler ist für uns der Prophet Elias, und wir hoffen, dass Sie es in Zukunft unterlassen werden, sich negativ über ihn zu äußern.“
Unvorstellbar, dass so etwas in Indien oder China oder Japan geschehen könnte – unmöglich! Aber in einem christlichen Kontext ist es möglich. Und nicht nur möglich – es ist wirklich passiert! Hätte Hitler den Krieg gewonnen, dann wäre verkündet worden, er habe das Böse auf der Welt besiegt und die ganze Menschheit zum Christentum bekehrt. Und das hätte er auch geschafft – er hatte die Macht dazu. Ich gebe dem Christentum keine besondere Aufmerksamkeit, aber im Grunde verdient es sie. Es hat so viel Schaden angerichtet, so viel Unheil verursacht! Es ist kaum zu glauben, dass die Menschen das Christentum immer noch am Leben erhalten. Man sollte die Kirchen abreißen, sollte den Vatikan abschaffen. Es besteht kein Bedarf an diesen Leuten! Was auch immer sie vollbrachten, war Unrecht. Andere Religionen haben auch Unrecht begangen, aber proportional ist es nichts im Vergleich zum Christentum.
Das Christentum beutet die Armut der Menschen aus, um sie zu seiner Religion zu bekehren. Es stimmt zwar, dass auch der Buddhismus Menschen bekehrt hat, aber nicht, weil sie hungrig waren und man ihnen etwas zu essen gab und die Leute sich deswegen verpflichtet fühlten. Wenn man den Menschen Kleidung gibt und ihnen bestimmte Einrichtungen, wie Schulen für die Kinder, Krankenhäuser für die Kranken, gibt, müssen sie sich natürlich verpflichtet fühlen. Und dann werden sie gefragt: „Was hat denn der Hinduismus für euch getan? Was hat der Buddhismus für euch getan?“
Klar, der Buddhismus, der Hinduismus, der Jainismus haben keine Krankenhäuser oder Schulen errichtet; auf solche Dienste haben sie nie Wert gelegt. Das ist aber das einzige Argument. Und weil diese armen Menschen so dankbar sind, denken sie natürlich, dass keine andere Religion ihnen so sehr geholfen hat – und nur darum werden sie Christen. Das ist keine ehrliche Art, das ist Bestechung. Das ist keine Bekehrung. So kauft man sich die Leute, weil sie arm sind. So beutet man ihre Armut aus.
Der Buddhismus hat Millionen von Menschen bekehrt, doch stets über die intelligente Schicht. Die Bekehrung erfolgte von der Spitze her – durch die Könige, die Herrscher, die Meister, die großen Schriftsteller, Dichter und Maler. Und als die anderen sahen, dass die Intelligentesten des Landes zum Buddhismus übertraten, taten sie es ihnen nach. Die Jainas bekehrten zuerst die Herrscher. Sie bemühten sich, zuerst die Oberschicht zu bekehren, die höchste Ebene, denn das vereinfachte die Sache. Wenn die Intelligentesten Jainas wurden, verstanden sogar die einfachen Leute, dass die alte Religion überholt war und ihre Lehren und Standpunkte nicht mehr verteidigen konnte. Dann war die Zeit für etwas Besseres gekommen – eine überlegene Sichtweise, die logischer und rationaler war.
Aber die Christen haben sich überall auf der Welt zuerst an die unterste Schicht herangemacht. Arme hat es schon immer gegeben, doch ihre Armut auszubeuten, um die Zahl der eigenen Anhänger zu erhöhen, ist reine Politik – hässlich und gemein. Politik ist ein Spiel mit Zahlen. Wie viele Christen es auf der Welt gibt – darin liegt ihre Macht. Je mehr Christen es gibt, desto mehr Macht liegt in den Händen der christlichen Priesterschaft. In Wirklichkeit ist keiner daran interessiert, irgendjemanden zu retten. Es geht lediglich um die Erhöhung der Anhängerzahl.
Das Christentum praktiziert das so: Der Vatikan erlässt ständig Richtlinien gegen die Geburtenkontrolle, in denen darauf hingewiesen wird, dass es eine Sünde ist, Methoden der Empfängnisverhütung zu verwenden. Es wurde zur Sünde erklärt, den Schwangerschaftsabbruch zu betreiben und die Abtreibung zu propagieren oder zu legalisieren.
Glaubt ihr wirklich, dass diese Leute an den ungeborenen Kindern interessiert sind? Sie haben null Interesse. Mit diesen ungeborenen Kindern haben sie nichts zu tun. Sie verfolgen nur ihre eigenen Interessen, obwohl sie genau wissen, dass die Menschheit dem globalen Selbstmord entgegengeht, wenn keine Methoden der Geburtenkontrolle durchgesetzt werden. Und es ist nicht mehr so weit weg, dass man die Situation nicht abschätzen könnte. In wenigen Jahrzehnten wird die Weltbevölkerung so angewachsen sein, dass Überleben unmöglich wird. Dann brauchen wir entweder einen Dritten Weltkrieg – was die die sicherste Methode wäre, um das Problem zu lösen … Menschen sterben schneller, leichter, problemloser durch Nuklearwaffen als durch den Hunger! Ein Hungernder kann etwa neunzig Tage am Leben bleiben, aber diese neunzig Tage sind eine wahre Tortur. Ich weiß über den Hunger in Indien. Mütter haben ihre Kinder verkauft – für eine Rupie! Mütter haben ihre eigenen Kinder gegessen. Ihr habt keine Vorstellung, wohin der Hunger einen Menschen treiben kann!
Dennoch bleibt der Vatikan bei seiner immer gleichen Botschaft an die Menschheit: „Abtreibung ist Sünde, Geburtenkontrolle ist Sünde.“ Doch in der Bibel steht es nirgendwo, dass Abtreibung Sünde ist. Nirgendwo in der Bibel steht, dass Geburtenkontrolle Sünde ist – denn damals war Geburtenkontrolle noch nicht erforderlich. Neun von zehn Kindern starben ohnehin. Das war die Proportion, und diese Proportion war in Indien noch vor wenigen Jahrzehnten die Regel. Von zehn Kindern überlebte nur eines. Damals war die Bevölkerung noch nicht so groß; die Belastung war noch nicht so groß für die Ressourcen der Erde. Jetzt ist es sogar in Indien soweit, dass von zehn Kindern nur noch eines stirbt. Die Medizin hilft den Menschen zu überleben, das Christentum eröffnet Spitäler und verteilt Medikamente. Und Mutter Teresa ist auch noch da und spendet euch Lob. Und der Papst gibt euch seinen Segen, wenn ihr keine Geburtenkontrolle praktiziert!
In den Entwicklungsländern sind alle möglichen Vereinigungen tätig, die die Bibel verteilen und diese idiotische Idee verbreiten, Geburtenkontrolle sei Sünde. Ihr einziges Interesse besteht darin, dass noch mehr Kinder und Waisen auf die Welt kommen. Offenbar soll die ganze Erde so übervölkert und so arm werden, dass das Christentum zur Universalreligion wird. Seit zweitausend Jahren hat das Christentum diese Ambitionen. Das muss einmal ganz offen gesagt werden. Diese Ambitionen sind unmenschlich. Wenn ich also ständig das Christentum kritisiere, geschieht das nicht ohne Grund.
Arm und Reich – die Wurzeln von Armut und Habgier
Einfach indem man behauptet: „Selig sind die Armen, denn ihrer ist das Königreich Gottes“, ändert man nichts an der Armut. Sonst hätte das Christentum in diesen zweitausend Jahren die Armut zum Verschwinden gebracht. Die Armut nimmt weiter zu, die Zahl der Seligen nimmt weiter zu. In der Tat wird es bald so viele Selige geben, dass all die Seligen, die am Reich Gottes Anteil haben wollen, auch dort wieder nur arm sein werden. Jeder Einzelne von ihnen wird keinen allzu großen Anteil abbekommen. Mit so vielen Aktionären im Reich Gottes muss sogar Gott arm werden! Es wird eine Gesellschaft von verarmten Aktionären sein. Und das wird seit zweitausend Jahren gepredigt! Hat es das Wesen der Armut verändert? Nein. Es hat nur eines bewirkt: Der rebellische Geist der Armen wurde getötet. Und die Armut nimmt weiter sprunghaft zu.
Ein Notar bahnt sich den Weg zum Rand einer Baugrube, die von einem Arbeitstrupp ausgehoben wird. „Ist dort ein Mister Timothy O’Toole?“, ruft er in die Grube.
„Wer will was von mir?“, dröhnt es dumpf nach oben.
„Mister O’Toole“, fragt der Notar, „kommen Sie aus Castlebar in der Grafschaft Mayo?“
„Exakt.“
„Und Ihre Mutter heißt Bridget und ihr Vater Michael?“
„Stimmt genau.“
„Dann ist es meine Pflicht, Ihnen mitzuteilen, Mister O’Toole, dass Ihre Tante Mary in Iowa gestorben ist und Ihnen eine Erbschaft von 150 000 Dollar hinterlassen hat.“
Für einen Moment ist es ganz still in der Grube, dann gibt es plötzlich ein Riesengetöse.
„Kommen Sie nach oben, Mister O’Toole?“, ruft der Notar runter.
„Eine Minute!“, schallt es zurück. „Bevor ich abhaue, muss ich dem Vormann noch eins über die Rübe geben!“
Nach sechs Monaten ausschweifenden Lebens hat O’Toole die 150 000 Dollar verprasst. In dieser Zeit besteht seine Haupttätigkeit darin, den enormen Durst zu stillen, den er geerbt hat. Dann ist er wieder zurück in seinem Job. Kurz darauf macht ihn der Notar erneut ausfindig.
„Diesmal ist es Ihr Onkel Patrick, Mister O’Toole“, erklärt der Notar. „Er ist in Texas gestorben und hat Ihnen 80 000 Dollar vermacht.“
O’Toole lehnt sich schwer auf seinen Pickel und schüttelt müde und verdrossen den Kopf. „Ich glaube, das pack’ ich nicht“, sagt er. „Ich bin nicht mehr so fit, wie ich mal war. Ich glaube nicht, dass ich dieses ganze Geld lebend überstehe!“
Genau das ist im Westen passiert: Die Menschen im Westen haben es geschafft, all den Reichtum zu erlangen, von dem die Menschheit seit ewigen Zeiten geträumt hat. Der Westen hat es geschafft, materiell reich zu werden – und jetzt ist er dessen überdrüssig und müde geworden. In dieser Entwicklung hat der Westen seine ganze Seele verloren. Äußerlich ist alles vorhanden, doch der Kontakt mit dem Inneren ist verloren gegangen. Heute ist alles verfügbar, was ein Mensch benötigt – nur der Mensch selbst ist nicht mehr verfügbar. Die Besitztümer sind vorhanden, aber der Besitzer ist abhanden gekommen. Das Gleichgewicht ist völlig gestört. Der Reichtum ist da, aber die Menschen fühlen sich überhaupt nicht reich. Im Gegenteil, sie fühlen sich sehr verarmt, bettelarm.
Seht, wie paradox das ist: Erst wenn du äußerlich reich bist, wird dir im Kontrast dazu deine innere Armut bewusst. Wenn du äußerlich arm bist, wird dir deine innere Armut nie bewusst, weil der Kontrast fehlt. Man schreibt mit weißer Kreide auf eine schwarze Tafel, nicht auf eine weiße Tafel. Warum? Weil man es nur auf einer schwarzen Tafel sehen kann. Der Kontrast ist nötig.
Wenn du äußerlich reich bist, kommt dir plötzlich eine große Erkenntnis: „Ich fühle mich innerlich arm wie ein Bettler!“ Und wie ein Schatten folgt darauf die Hoffnungslosigkeit: „Wir haben alles erreicht, was wir uns erträumt hatten. Alle Vorstellungen und Fantasien sind erfüllt, aber es hat uns nichts gebracht, weder Zufriedenheit noch Glück.“ Das verwirrt die Menschen. Aber gerade diese Verwirrung lässt ein starkes Verlangen entstehen: Wie kann ich wieder mit mir selbst in Kontakt kommen?
Meditation ist nichts anderes, als dich wieder mit deiner inneren Welt zu verbinden, dich wieder in dir selbst zu verwurzeln. Deshalb ist der Westen heute so stark an Meditation und an den meditativen Traditionen des Ostens interessiert.
Als der Osten noch reich war, interessierten sich die Menschen auch dort für Meditation. Diesen Zusammenhang müsst ihr verstehen. Darum bin ich nicht gegen den Reichtum. Ich bin der Auffassung, dass Armut mit Spiritualität überhaupt nichts zu tun hat. Ich bin ganz und gar gegen die Armut. Immer wenn ein Land arm wird, verliert es seine Verbindung zur Meditation, zu allem spirituellen Streben. Wenn ein Land äußerlich arm wird, verliert es das Bewusstsein für die innere Armut. Darum könnt ihr bei den armen Leuten Indiens eine gewisse Zufriedenheit sehen, die im Westen nicht zu finden ist. Es ist jedoch keine wirkliche Zufriedenheit, nur ein fehlendes Bewusstsein für die innere Armut. Ich habe Tausende von armen Menschen im Osten beobachtet – sie sind nicht wirklich zufrieden, aber eines ist deutlich: Sie sind sich ihrer Unzufriedenheit nicht bewusst. Man muss äußerlich reich sein, um überhaupt zu bemerken, dass man unzufrieden ist. Ohne äußeren Reichtum spürt man seine innere Unzufriedenheit nicht. Dafür gibt es genug Beweise.
Sämtliche Mystiker und Avatare der Hindus waren Könige oder Söhne von Königen. Sämtliche Meister der Jainas entstammten königlichen Familien. Das gilt auch für Buddha. Alle drei großen Traditionen Indiens liefern genügend Beweise dafür. Weshalb war Buddha unzufrieden geworden? Weshalb begann er seine Suche nach Meditation? Weil er reich war. Er lebte im Überfluss. Er lebte im größtmöglichen Luxus, er hatte alles materielle Spielzeug. Plötzlich wurde ihm das bewusst. Er war erst neunundzwanzig, als ihm das schwarze Loch in seinem Inneren bewusst wurde. Wenn außen Licht ist, wird die Dunkelheit im Inneren erkennbar. Nur ein kleiner Schmutzfleck auf einem weißen Hemd, und du siehst ihn. So geschah es mit Buddha, und er floh aus dem Palast. Dasselbe geschah mit Mahavira, dem Meister der Jainas. Auch er floh aus einem Palast. Einem Bettler hätte das nicht passieren können. Auch zu Buddhas Zeiten gab es Bettler, aber sie gaben nichts auf, um nach der Wahrheit zu suchen. Sie hatten nichts aufzugeben; sie waren zufrieden. Buddha jedoch wurde unzufrieden.
Als Indien noch reich war, interessierten sich viele Menschen für Meditation. Eigentlich interessierte sich das ganze Volk für Meditation. Aber dann wurde das Land arm – so arm, dass der Kontrast zwischen innen und außen nicht mehr gegeben war. Die Armut herrschte innerlich wie äußerlich. Innen und Außen waren in vollkommener Harmonie – beide waren arm geworden.
Doch die Menschen haben sich daran gewöhnt zu denken, dass Armut einen spirituellen Wert hätte. Ich bin überhaupt nicht für die Armut, egal welcher Art. Armut ist nicht spirituell. Armut bewirkt, dass die Spiritualität zwangsläufig verschwindet.
Ich möchte, dass die ganze Welt so reich wie nur möglich wird. Je mehr die Menschen reich sind, desto eher werden sie spirituell werden. Sie müssen es werden, sie können nicht umhin, es zu werden. Erst dann entsteht wahre Zufriedenheit.
Wenn äußerer Reichtum auf inneren Reichtum trifft, entsteht eine neue Art von Harmonie – dann gibt es wahre Zufriedenheit. Wenn äußere Armut auf innere Armut trifft, entsteht falsche Zufriedenheit. Auf beide Arten ist eine Harmonie möglich. Innen und Außen sind im Gleichgewicht, und man ist zufrieden.
Die Armen in Indien wirken zufrieden, weil auf beiden Seiten des Zauns Armut herrscht. Die Harmonie ist perfekt. Innen und Außen stimmen überein, aber es ist eine hässliche Zufriedenheit. In Wirklichkeit mangelt es an Lebenskraft, an Vitalität.
Der reiche Westen muss sich zwangsläufig für Meditation interessieren; das ist unvermeidlich geworden. Deshalb verliert das Christentum in der westlichen Welt an Boden – es hat in keiner Form die Wissenschaft der Meditation gefördert. Das Christentum ist eine sehr mittelmäßige Religion geblieben, ebenso das Judentum. Der Westen war in der Vergangenheit arm; das ist der Grund, weshalb diese Religionen mittelmäßig blieben. Bis vor kurzem lebte der überwiegende Teil des Westens in Armut. Als der Osten reich war, war der Westen arm. Die jüdische, die christliche und die muslimische Religion, alle drei nichtindischen Religionen, sind in der Armut geboren. Sie konnten keine Meditationstechniken entwickelten; es bestand gar kein Bedarf. Sie sind überwiegend die Religionen der Armen geblieben.
Jetzt ist der Westen reich geworden, und deshalb gibt es eine Diskrepanz. Diese drei Religionen sind in der Armut geboren. Sie haben einem reichen Menschen nichts zu bieten. Einem reichen, gebildeten Menschen erscheinen diese Religionen kindisch; sie befriedigen ihn nicht. Sie können ihn nicht befriedigen. Die östlichen Religionen wurden im Reichtum geboren. Deshalb interessiert man sich im Westen immer mehr für die östlichen Religionen.
Ja, die Religion Buddhas hat starken Einfluss gewonnen. Zen verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Warum? Es ist aus dem Reichtum entsprungen. Es gibt erstaunliche Ähnlichkeiten zwischen der Psychologie des heutigen, wohlhabenden Menschen und der Psychologie des Buddhismus. Der Westen ist in dem Zustand, in dem Buddha war, als er anfing, sich für Meditation zu interessieren. Es war die Suche eines reichen Mannes. Dasselbe gilt für den Hinduismus und den Jainismus. Diese drei großen indischen Religionen sind aus dem Überfluss geboren. Deshalb muss sich der Westen davon angezogen fühlen.
Der Osten verliert die Verbindung mit seinen eigenen Religionen. Indien kann es sich nicht leisten, Buddha zu verstehen. Das Land ist zu arm. Viele arme Inder sind nun schon zum Christentum bekehrt worden. Reiche Amerikaner bekehren sich zum Buddhismus, zum Hinduismus, zur Vedanta, und die Unberührbaren, die Ärmsten der Armen in Indien, werden Christen. Seht ihr, worum es geht?
Das Christentum übt eine Anziehungskraft auf die Armen aus. Diese Menschen leben fast völlig unbewusst. Sie sind zu hungrig, um zu meditieren. Man interessiert sich für das tägliche Brot, ein Dach über dem Kopf, etwas zum Anziehen. Und wenn die christlichen Missionare kommen und ein Krankenhaus oder eine Schule eröffnen, sind die Inder sehr beeindruckt. Das ist wahre Spiritualität! Wenn ich hingegen von Meditation spreche, haben sie kein Interesse. Nicht nur das, sie sind sogar dagegen: „Was soll denn daran spirituell sein? Was tust du denn, um den Armen zu helfen?“ Und ich kann es verstehen: Sie brauchen Essen, Unterkunft und Kleidung.
Aber es liegt an ihrer Einstellung, dass sie so leiden. Einerseits brauchen sie Essen, Unterkunft und Kleidung, bessere Häuser und Straßen, andererseits verherrlichen sie die Armut als etwas „Spirituelles“. Sie sind in einer Sackgasse. Der Osten kann noch nicht meditieren. Er braucht zuerst die wissenschaftliche Technik, um die materiellen Zustände etwas zu verbessern. Der Westen braucht religiöse Technologie, und der Osten braucht wissenschaftliche Technologie.
Ich bin ganz für eine Welt, in der der Westen die Bedürfnisse des Ostens erfüllen kann, und der Osten die Bedürfnisse des Westens. Ost und West haben zu lange getrennt gelebt, das brauchen sie heute nicht mehr. Wir sind an dem kritischen Punkt angelangt, wo diese ganze Erde eins werden kann und auch eins werden sollte – denn sie wird nur überleben, wenn sie eins wird.
Die Zeit der Nationen ist vorbei, die Zeit der Teilung ist vorbei, die Tage der Politiker sind gezählt. Wir treten in eine völlig neue Welt ein, in eine neue Phase der Menschheit. Und das bedeutet, dass es heute nur eine Welt geben kann und nur eine Menschheit. Dann können ungeheure schöpferische Energien freigesetzt werden.
Der Osten hat seine Schätze, die spirituellen Techniken, und der Westen hat seine Schätze, die wissenschaftlichen Techniken. Wenn sie zusammenkommen, kann diese Welt zum Paradies werden. Dann ist es nicht mehr nötig, sich nach einer besseren Welt im Paradies zu sehnen. Wir sind zum ersten Mal in der Lage, hier auf dieser Erde das Paradies zu erschaffen. Und wenn wir es nicht tun, dann liegt es nur an uns. Kein anderer ist dafür verantwortlich.
Ich bin für eine Welt, eine Menschheit, und letztendlich eine Wissenschaft, die beides umfassen kann – die Verbindung von Religion und Wissenschaft. Eine Wissenschaft, die sich mit der äußeren ebenso wie mit der inneren Welt beschäftigt.
Ist nicht die menschliche Tendenz, Dinge anzuhäufen und zu horten ein Hindernis für dieses Zusammenkommen von Ost und West, wie du es voraussiehst? Könnte möglicherweise ein System wie der Kommunismus dazu beitragen, den Reichtum gerechter auf der ganzen Welt zu verteilen?
Die Armen und die Reichen sind voneinander abhängig. Die Reichen können ohne die Armen nicht existieren. Es wäre eine einfache humanitäre Geste – und die technischen Voraussetzungen sind heute dafür gegeben –, genug Reichtum hervorzubringen, dass kein Mensch mehr arm sein und hungern muss. Aber wir tun weiter genau das Gegenteil.
In den Vereinigten Staaten, dem reichsten Land der Welt, sind dreißig Millionen Menschen unterernährt. Und erstaunlicherweise sind dort auch dreißig Millionen Menschen überernährt. Sie halten Diät und unternehmen alles, um ihr Gewicht zu reduzieren. In Amerika leben einige von den dicksten Menschen auf der ganzen Welt. Das ist doch eine einfache Rechnung: Die dreißig Millionen Dicken essen den dreißig Millionen Unterernährten ihr Essen weg!
Wir könnten genug produzieren, mehr als nötig, sodass überhaupt keine Notwendigkeit mehr bestünde, etwas zu horten. Luft muss auch nicht gehortet werden, außer auf dem Mond natürlich. Dort muss man sich einen Behälter mit Sauerstoff über die Schulter hängen, weil kein Sauerstoff vorhanden ist. In der Wüste muss man Wasser horten. In der Wüste kämpfen die Menschen um jede kleine Oase; wegen des Wassers würden sie sich sogar gegenseitig umbringen. Doch außerhalb der Wüste muss nicht um Wasser gekämpft werden; es ist ausreichend vorhanden. Ich habe von der Gesellschaft eine andere Sicht als der Kommunismus und der Kapitalismus. Die Gesellschaft braucht ein super-kapitalistisches System, dann wird sie automatisch kommunistisch werden. Dann wird eine Revolution überflüssig. Was gebraucht wird, ist eine Evolution, keine Revolution. Eine Revolution macht die Dinge niemals besser. Nur durch Evolution, durch Wachstum werden die Dinge besser.
Wenn viele Menschen arm und einige wenige reich sind, bedeutet das nur, dass noch nicht genug Reichtum vorhanden ist. Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um mehr Reichtum zu kreieren. Das lässt sich erreichen. Es besteht kein Grund, warum sich das nicht erreichen ließe. Und wenn genug Reichtum da ist, und von allem mehr als genug – wer würde sich dann noch die Mühe machen, ihn zu horten?
Manche Dinge, die in der Gesellschaft noch nicht zum Verschwinden gebracht worden sind, würden ganz von selbst verschwinden: Die Armen würden verschwinden, Diebstahl würde verschwinden. Vielleicht bräuchte man dann gar keine Polizei mehr, und die Richter könnten für etwas Besseres eingesetzt werden. Und Tausende von Anwälten, die heute ihre Zeit und das Geld der Leute verschwenden, würden dann nicht mehr gebraucht.
Wir schauen den Dingen nicht auf den Grund. Wir beseitigen nur die Symptome, und dann kommen sie wieder zurück. Wir sollten direkt auf die Ursachen schauen. In Amerika gibt es so viele Verbrechen – warum? Es muss Verlockungen für das Verbrechen geben. Diese Verlockungen ließen sich leicht beseitigen.
Seht ihr meine Armbanduhr? Findet ihr sie verlockend oder nicht? Ihr müsst sie verlockend finden, denn ihr habt keine Ahnung, dass sie nicht aus Diamanten besteht, sondern nur aus Glassteinen. Sie ist nicht wertvoll. Wenn Glassteine den gleichen Effekt haben wie Diamanten, werden nur die Narren hinter den Diamanten her sein. Könnt ihr einen Unterschied sehen? Wenn das hier Diamanten wären, würde die Uhr eine Viertelmillion Dollar kosten – genau die gleiche Uhr. Meine Freunde haben sie gemacht, und sie haben einfach Glassteine dafür genommen. Sie geht genauso präzise wie jede andere Uhr – nur eine Sekunde Abweichung pro Jahr. Eine solche Präzision lässt sich heute leicht erzielen. Egal, ob du eine Millionen-Dollar-Uhr oder eine Zehn-Dollar-Uhr kaufst, beide haben die gleichen Batterien. Elektronik und Batterien haben das ganze Konzept der Uhr verändert.
Wenn aber Glassteine – und es sind echte, authentische Steine – wie Diamanten aussehen können, warum sollte man unnötig die Leute in Versuchung führen? Produziert einfach mehr Uhren und Schmuck mit schönen Steinen, und die Verlockung der Diamanten wird aufhören. Die Preise der Diamanten werden sinken. Tatsächlich sind Diamanten ja auch nur Steine! Wir schaffen Verlockungen für Verbrechen, und dann wird der Verbrecher bestraft, aber nicht derjenige, der die Verlockung geschaffen hat. Beide sollten bestraft werden!
Aber es werden nur Symptome angegangen, nicht die Ursachen. Und die Ursachen bringen immer neue Symptome hervor. Das Ganze ist so unwissenschaftlich! Statt mehr Reichtum hervorzubringen, produzieren alle Nationen noch mehr Waffen – Raketen, Fernlenkwaffen, Atombomben – und rüsten auf. Wofür? Wollt ihr einen globalen Selbstmord begehen? Warum verschwendet ihr so viel Geld und Zeit darauf? Wenn die Menschheit beschlossen hat, Selbstmord zu begehen, gäbe es viel einfachere Methoden.
Fünfundsiebzig Prozent unserer Energie auf der ganzen Welt geht in Kriegsvorbereitungen. Sind wir Diener des Todes und der Zerstörung? Diese fünfundsiebzig Prozent der Energie könnten ins Leben fließen, in den Dienst am Leben – dann gäbe es Lachen, dann gäbe es mehr Gesundheit und es gäbe mehr Reichtum, mehr zu essen für alle. Dann gäbe es keine Armut mehr.
Es müsste überhaupt keine Armut geben.
Du kritisierst die Religionen, aber spielen nicht gerade sie eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Armut? Es gibt so viele religiöse Organisationen, die den Armen auf selbstlose Weise dienen.
Alle Religionen auf dieser Welt predigen den Dienst am Nächsten und die Selbstlosigkeit. Für mich ist aber die Selbstsucht, die „Selbsthaftigkeit“, etwas vollkommen Natürliches. Selbstlosigkeit ist etwas Aufgesetztes, während Selbstsucht zu unserem natürlichen Wesen gehört. Solange du nicht an den Punkt kommst, wo sich dein „Selbst“ in das Kosmische auflöst, kannst du nicht wirklich selbstlos sein.
Du kannst es vortäuschen, aber dann wirst du zum Heuchler, und ich möchte nicht, dass ihr Heuchler seid. Es ist also ein bisschen kompliziert, aber es ist verstehbar.
Erstens gehört Selbstsucht zu eurer Natur. Das müsst ihr akzeptieren. Und wenn es zu eurer Natur gehört, selbstsüchtig zu sein, muss es einem wesentlichen Zweck dienen, sonst wäre es nicht da. Nur aufgrund eurer Selbstsucht habt ihr überlebt und für euch gesorgt – sonst wäre die Menschheit längst ausgestorben. Stell dir mal ein Kind vor, das nicht selbstsüchtig wäre, das ohne Selbstsucht geboren wäre. Es könnte nicht überleben, es würde sterben – denn sogar Atmen ist selbstsüchtig, Essen ist selbstsüchtig. Es gibt Millionen von Menschen, die hungern – und du isst? Es gibt Millionen von Menschen, die krank und gebrechlich sind und im Sterben liegen – und du bist gesund?
Würde ein Kind ohne die natürliche Mitgift der Selbstsucht geboren, könnte es nicht überleben. Warum solltest du einer Schlange ausweichen, die dir zu nahe kommt? Soll sie dich doch beißen! Aber deine Selbstsucht beschützt dich, sonst wärest du der Schlange ausgeliefert. Wenn ein Löwe dich anspringt, um dich zu töten, lass dich ruhig töten! Das ist wahre Selbstlosigkeit. Der Löwe ist hungrig, und du lieferst ihm sein Fressen. Wer bist du, dich dagegen zu wehren? Du solltest dich nicht schützen, solltest nicht kämpfen. Am besten präsentierst du dich dem Löwen gleich auf einem Teller – das ist wahre Selbstlosigkeit! Alle diese Religionen haben Dinge gelehrt, die völlig unnatürlich sind. Das ist ein Aspekt davon.
Ich lehre das Natürliche. Ich lehre euch, natürlich zu sein, absolut natürlich, auf schamlose Weise natürlich. Ja, ich lehre die Selbstsucht. Das hat noch keiner vor mir gesagt; dazu hatte noch keiner den Mut.
Aber das Erstaunliche an der ganzen Geschichte ist, dass sie alle selbstsüchtig sind. Weshalb quält sich denn ein Jaina-Mönch so sehr? Er verfolgt eine Absicht: Er möchte die höchste Befreiung erlangen, mit all ihren Freuden. Es ist überhaupt kein Opfer, nur ein Kuhhandel. Er ist ein Geschäftsmann, denn seine Schriften verheißen ihm: „Du wirst es tausendfach zurückbekommen.“ Und dieses Leben ist im Grunde sehr kurz – nur siebzig, achtzig Jahre, das ist gar nicht so lang. Wenn man siebzig Jahre an Freuden opfert für eine ganze Ewigkeit an Freuden, ist es ein guter Tausch! – Ich halte das nicht für selbstlos. Und weshalb haben die Religionen euch gelehrt, der Menschheit zu dienen? Was ist das Motiv, was ist das Ziel? Was ist der Gewinn? Vielleicht hast du dich das noch nie gefragt. Es geht gar nicht ums Dienen.
Es gibt eine alte Geschichte aus China, die ich sehr liebe:
Ein Mann fiel in einen Brunnen. Es war ein großes Fest, eine riesige Menschenmenge hatte sich versammelt, und es gab einen ein Höllenlärm. Die Leute vergnügten sich und tanzten und sangen, und alles Mögliche passierte – darum hörte keiner den Mann hineinfallen. Damals waren die Brunnen in China nicht durch eine Mauer abgeschirmt; sie lagen ungeschützt und offen da. Im Dunkeln konnte man leicht einen falschen Schritt tun und unversehens in einen Brunnen fallen.
Der Mann fing an zu schreien: „Hilfe!“ Da kam ein buddhistischer Mönch vorbei. Eigentlich ist ein buddhistischer Mönch an einem solchen Fest gar nicht interessiert – oder zumindest sollte er es nicht sein. Ich weiß nicht, was ihn dort hintrieb. Schon allein die Tatsache, dass er dort war, lässt auf eine unbewusste Sehnsucht schließen, etwas zu erleben und zu sehen, wie die Leute ihren Spaß hatten: „Alle diese Leute werden zur Hölle fahren, aber ich komme als Einziger in den Himmel!“
Als der Mönch an dem Brunnen vorbei kam und den Mann schreien hörte, blickte er hinunter. Der Mann rief: „Gut, dass du mich gehört hast! Alle sind so beschäftigt und keiner hört mich bei diesem Lärm. Ich habe schon befürchtet, ich müsste sterben.“
Der buddhistische Mönch sagte: „Du wirst immer noch sterben, denn dies ist geschehen, weil du in einem früheren Leben eine böse Tat vollbracht hast. Jetzt bekommst du die Strafe dafür. Akzeptiere sie und bereite dich auf dein Ende vor. Es ist gut – im nächsten Leben kannst du ganz rein anfangen. Dann wird es nicht mehr notwenig sein, noch einmal in einen Brunnen zu fallen.“
Der Mann sagte: „Lass mich zufrieden mit deinen Weisheiten und philosophischen Sprüchen …“ Aber der Mönch war schon weitergegangen.
Als nächstes kam ein alter Taoist vorbei. Er war durstig, und so schaute er in den Brunnen. Der Mann rief immer noch um Hilfe. Der Taoist sagte: „So benimmt sich kein Mann! Sei tapfer! Ein Mann sollte alles nehmen, wie es kommt – das hat der große Laotse gesagt. Akzeptiere es! Genieße es! Du heulst ja wie ein Weib. Sei ein Mann!“ Der Mann sagte: „Ich habe kein Problem damit, dass du mich ‚Weib‘ nennst, aber zuerst rette mich, bitte! Ich bin nicht tapfer, und nachher kannst du mir sagen, was du willst, aber zuerst zieh mich raus!“
Doch der Taoist sagte: „Wir mischen uns nicht in fremde Angelegenheiten. Wir glauben an das Individuum und seine Freiheit. Du bist frei, in den Brunnen zu fallen, und du bist frei, im Brunnen zu sterben. Ich kann dir höchstens einen Vorschlag machen: Du kannst mit Weinen und Klagen sterben – was sehr töricht wäre! – oder du kannst wie ein Weiser sterben. Akzeptiere es, genieße es, sing ein Lied und geh! Wir müssen ohnehin alle sterben, warum sollte ich dich also retten? Auch ich werde sterben, alle werden wir sterben – vielleicht schon morgen, vielleicht übermorgen. Warum sollte ich mir die Mühe machen, dich zu retten?“ Und er ging weiter.
Ein Anhänger des Konfuzius kam vorbei, und der Mann schöpfte wieder Hoffnung. Die Konfuzianer waren eher weltliche, praktische Leute. Er sagte: „Welch ein Glück, dass du vorbeigekommen bist, ein konfuzianischer Gelehrter! Ich kenne dich, ich habe deinen Namen schon gehört. Bitte tu jetzt etwas für mich, denn Konfuzius sagt doch: ‚Helft anderen.’“
Nachdem er erlebt hatte, wie der Buddhist und der Taoist reagiert hatten, dachte er: „Wenn ich die Leute überzeugen will, mich zu retten, ist es besser, ein bisschen philosophisch zu reden.“ Darum sagte er: „Konfuzius sagt: ‚Helft anderen‘.“
Der konfuzianisch Mönch sagte: „Richtig. Und ich werde helfen. Ich werde von Stadt zu Stadt ziehen und protestieren und die Regierung zwingen, eine Schutzmauer um jeden Brunnen im Lande zu errichten. Mach dir keine Sorgen.“
Der Mann sagte: „Bis die Schutzmauern errichtet sind und deine Revolution Erfolg hat, bin ich längst gestorben.“
Der Konfuzianer sagte: „Du bist nicht wichtig; ich bin nicht wichtig; der Einzelne ist nicht wichtig – es geht um die Gesellschaft! Durch deinen Sturz in den Brunnen hast du ein sehr wichtiges Thema angerührt. Dafür werden wir jetzt kämpfen. Sei einfach ruhig und reg dich nicht auf. Wir werden dafür sorgen, dass jeder Brunnen eine Schutzmauer bekommt, damit keiner mehr hineinfällt. Aber wenn wir nur dich retten, was wäre dadurch gewonnen? Es gibt Millionen von Brunnen im ganzen Land, und Millionen von Menschen könnten hineinfallen. Nimm dich nicht so wichtig. Du musst diese selbstsüchtige Haltung überwinden. Und ich will der Menschheit dienen. Du hast uns einen großen Dienst erwiesen, dass du in diesen Brunnen gefallen bist. Mein Dienst besteht darin, die Regierung zu zwingen, dass sie Schutzmauern errichtet.“
Und der Konfuzianer ging weiter. Der Konfuzianer hatte aber einen wichtigen Punkt angeschnitten: „Du bist selbstsüchtig. Du willst einfach nur gerettet werden und raubst mir meine Zeit, die ich in den Dienst der ganzen Menschheit stellen könnte.“
Wer weiß, ob „die Menschheit“ überhaupt existiert? Ob „die Gesellschaft“ irgendwo existiert? Das sind lediglich Worte. Nur einzelne Menschen existieren.
Der vierte Mann war ein christlicher Missionar, und er trug einen Sack bei sich. Er öffnete sofort den Sack, holte ein Seil heraus und warf das Seil hinunter. Bevor der andere irgendetwas sagen konnte, hatte er schon das Seil hinuntergeworfen. Der Mann im Brunnen war überrascht. Er sagte: „Deine Religion scheint mir die aufrichtigste zu sein.“
Der Missionar sagte: „Selbstverständlich. Wir sind für alle Notfälle gerüstet. Da ich nun mal weiß, dass Leute in Brunnen fallen, trage ich immer dieses Seil bei mir, um sie zu retten. Denn nur, wenn ich andere rette, kann ich mich selbst retten. Aber ich mache mir Gedanken über das, was ich den Konfuzianer habe sagen hören. Man sollte keine Schutzmauern um die Brunnen bauen, denn wie können wir sonst der Menschheit dienen? Wie können wir Menschen retten, die hineingefallen sind? Zuerst müssen sie hineinfallen, damit wir sie retten können. Wir sind da, um zu dienen, aber dazu brauchen wir die Gelegenheit. Wie können wir dienen, wenn wir nicht die Gelegenheit dazu haben?“
Alle diese Religionen, die vom „Dienst“ am Nächsten reden, haben zweifellos ein Interesse, dass die Menschheit arm bleibt, dass die Menschen ihren Dienst nötig haben, dass es Waisenkinder und Witwen und alte Leute gibt, um die sich niemand kümmert, und Bettler. Diese Leute werden gebraucht, absolut gebraucht. Was würde sonst mit all diesen großartigen Dienern der Menschheit passieren? Was würde mit all den Religionen und ihren Lehren passieren? Und wie könnte man sich die Berechtigung verdienen, ins Königreich Gottes zu kommen? Die Armen und Notleidenden werden dafür als Trittleiter benutzt.
Nennst du das Selbstlosigkeit? Ist dieser Missionar selbstlos? Er rettet den Mann, aber nicht um des Mannes willen. Er rettet ihn nur um seiner selbst willen. Im Grunde ist es die gleiche Selbstsucht, nur mit schönen Worten wie „Selbstlosigkeit“ und „Dienen“ verbrämt.
Warum besteht denn überhaupt eine Notwendigkeit zu dienen? Warum sollte es überhaupt eine solche Notwendigkeit geben? Können wir diese „Gelegenheiten zum Dienen“ nicht einfach aus der Welt schaffen? Wir könnten es, aber dann wären uns die Religionen sehr böse. Sie würden völlig an Boden verlieren, wenn es keine Armen, keine Hungernden, keine Notleidenden und keine Kranken mehr gäbe. Damit machen sie ja ihr ganzes Geschäft.
Die Wissenschaft kann es möglich machen. Heute haben wir es absolut in der Hand. Es hätte schon vor langer Zeit passieren können, wenn die Religionen nicht alles unternommen hätten, um jeden daran zu hindern, der zu dem Wissen beitragen könnte, durch das alle diese „Gelegenheiten zum Dienen“ aus der Welt geschafft werden. Die Religionen haben sich jedoch jedem wissenschaftlichen Fortschritt widersetzt. Für sie ist es notwendig, dass alle diese Probleme weiter bestehen. Diese Notwendigkeit ist absolut selbstsüchtig, mit einem Hintergedanken. Es gibt ein Ziel zu erreichen.
„Dienen“ ist ein schmutziges Wort, eine Beleidigung. Du solltest es nicht verwenden. Natürlich kannst du mit anderen etwas teilen, aber du solltest nie jemanden erniedrigen, indem du ihm „dienst“. Das ist eine Form von Erniedrigung. Wenn du jemandem dienst und dich selber großartig dabei fühlst, degradierst du den anderen und machst ihn zum Untermenschen. Dann fühlst du eine solche Überlegenheit, dass du sogar deine eigenen Interessen zurückstellst, um „den Armen zu dienen“. Aber eigentlich erniedrigst du sie damit.
Wenn du etwas hast, das dir selber Freude, Frieden und Ekstase bringt, dann teile es mit anderen. Und denke daran: Wenn du etwas teilst, dann geschieht es ohne Hintergedanken. Ich sage nicht, dass du in den Himmel kommen wirst, wenn du mit anderen teilst. Ich gebe dir kein Ziel. Ich sage nur, dass es dir eine enorme Befriedigung geben wird, wenn du mit anderen teilst.
Die Befriedigung liegt im Teilen selbst, ohne Hintergedanken. Teilen ist nicht an einem Ziel orientiert; es ist sich selbst genug. Du bist dem anderen dankbar, weil er bereit war, mit dir zu teilen, aber du hast nie das Gefühl, der andere müsse dir dankbar sein. Du hast ihm keinen „Dienst“ erwiesen.
Nur Menschen, die an das Teilen statt an das Dienen glauben, werden all die hässlichen Gelegenheiten zum Dienen, die es rund um die Welt gibt, beseitigen können. Alle Religionen haben diese Gelegenheiten für sich ausgebeutet und haben dabei ihrem Tun schöne Namen gegeben. Im Laufe der Jahrtausende sind sie sehr effizient darin geworden, hässlichen Realitäten einen schönen Namen zu geben. Sobald aber jemand anfängt, einer hässlichen Sache einen schönen Namen zu geben, vergisst er selbst nur allzu leicht, dass es nur ein Deckmantel ist. Die innere Realität bleibt genau die gleiche.
Alle diese Probleme können gelöst werden. Es besteht kein Bedarf an Dienern der Öffentlichkeit, an Missionaren und dergleichen. Was wir brauchen, ist, dass die Probleme und ihre Lösungsmöglichkeiten mit mehr Intelligenz angegangen werden.
Darum propagiere ich die Selbstsucht. Ich möchte, dass jeder von euch in erster Linie zu seinem eigenen Erblühen kommt. Gewiss, das wird den Anschein haben, als wäret ihr selbstsüchtig. Gegen diesen Anschein habe ich nichts; für mich ist das in Ordnung. Ist denn die Rose selbstsüchtig, wenn sie erblüht? Ist der Lotus selbstsüchtig, wenn er erblüht? Ist die Sonne selbstsüchtig, wenn sie scheint? Weshalb solltest du dir über Selbstsucht den Kopf zerbrechen?
Du bist auf diese Welt gekommen – deine Geburt ist nur eine Chance, ein Potenzial, erst der Anfang, aber nicht das Ziel. Du sollst zum Blühen kommen. Verschwende dein Leben nicht mit dummen Diensten irgendwelcher Art. Deine erste und allerwichtigste Verantwortung besteht darin, zu erblühen und vollkommen wach, achtsam und bewusst zu werden. In diesem Bewusstsein wirst du fähig sein, zu sehen, was du mit anderen teilen und wie du die anstehenden Probleme lösen kannst.
Neunundneunzig Prozent aller Probleme dieser Welt lassen sich lösen. Vielleicht ein Prozent der Probleme lässt sich nicht lösen. Du kannst mit diesen Menschen teilen, was immer du teilen kannst – aber zuerst musst du etwas zu teilen haben.
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