Kitabı oku: «Nährstoffwunder Kollagen - Für Gelenke, Haut und Darm»

Yazı tipi:

Pamela Schoenfeld

Titel der amerikanischen Originalausgabe:

The Collagen Diet

Text copyright © 2018 Pamela Schoenfeld

Design and concept copyright © 2018 Ulysses Press and its licensors ISBN der amerikanischen Originalausgabe: 9781612438320

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt; alle Angaben beziehen sich selbstverständlich auf Angehörige aller Geschlechter.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

VAK Verlags GmbH

Eschbachstraße 5

79199 Kirchzarten

Deutschland

www.vakverlag.de

© VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2020

Übersetzung: Beate Brandt

Lektorat: Nadine Britsch

Layout: Ulrich Schmid, de·te·pe, Aalen

Umschlag: Guter Punkt, München

Druck: Friedrich Pustet GmbH & Co. KG, Regensburg

Printed in Germany

E-Book-Konvertierung: CPI books GmbH, Leck

ISBN 978-3-86731-231-8 (Printausgabe)

ISBN 978-3-95484-381-7 (ePub)

ISBN 978-3-95484-382-4 (kindle)

ISBN 978-3-95484-383-1 (PDF)

Inhaltsverzeichnis

Rezeptverzeichnis

TEIL 1 Was ist so besonders an Kollagen?

Einleitung

Kapitel 1 Kollagen – Baustoff des Lebens

Kapitel 2 Kollagen im Laufe der Geschichte

Kapitel 3 Warum sollte Kollagen ein Teil unserer heutigen Ernährung sein?

Kapitel 4 Schönheit von innen

Kapitel 5 In Bewegung bleiben mit Kollagen

Kapitel 6 Kollagen für die Verdauung

Kapitel 7 Ist Kollagen auch gut fürs Herz?

Kapitel 8 Kollagen und Wunschgewicht

Kapitel 9 Kollagen zur Blutzuckeroptimierung

Kapitel 10 Aminosäuren und Kollagen

Kapitel 11 Kollagen – geeignet für jede Lebensphase

Kapitel 12 Wie viel Kollagenprotein benötigen Sie?

Kapitel 13 Häufig gestellte Fragen zu Kollagen als Nahrungsergänzung

Kapitel 14 Kollagenprotein und seine Nebendarsteller

TEIL 2 Rezepte

Kapitel 15 Einfache und köstliche Rezepte für mehr Kollagen im Speiseplan

Abschließende Bemerkungen

Danksagung

Ausgewählte Referenzen

Fußnoten

Index

Über die Autorin

Rezeptverzeichnis

Frühstück

Omelett mit Süßkartoffelspiralen

Haferflockenauflauf mit Beeren

Kürbis-Protein-Pancakes

Honig-Bananen-Protein-Pancakes

Blaubeer-Protein-Pancakes

Vorspeisen

Guacamole

Bloody-Mary-Sülze mit Shrimps

Shrimps-Sülze

Warmer Dip aus schwarzen Bohnen

Suppen

Geflügel-Knochenbrühe

Rinder-Knochenbrühe

Einfache Hühnersuppe

Italienische Hochzeitssuppe

Gemüsecremesuppe

Beilagen und Salate

Lachshautsalat

Zitronen-Tahini-Salatdressing /-Dip

Linsen-Petersilie-Salat

Kartoffelbrei

Röstgemüse

Hauptgerichte

Ingwer-Hühnchen-Curry

Hähnchenflügel mit Sesam-Glasur

Rindfleisch-Eintopf

Italienische Hackbällchen

Kabeljau auf kreolische Art

Einfaches Lachsfilet aus der Pfanne

Gebackene Falafel

Kokos-Kichererbsen-Curry

Snacks und Desserts

Kürbiskern-Schoko-Proteinriegel

Schokoladen-Kokos-Chia-Pudding

Schokoladen-Avocado-Toffee

Kokos-Kollagen-Kekse

Kokos-Pekan-Toffee mit Proteinpower

Fruchtgummis aus Kräutertee oder Fruchtsaft

Saure Fruchtgummis

Smoothies

Molke-Kollagenprotein-Smoothie

Ananas-Kokos-Smoothie

Blaubeer-Kollagen-Smoothie

Grüner Smoothie

Erdbeer-Kollagen-Smoothie

Hinweise des Verlags

Dieses Buch dient der Information über Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge. Wer diese Informationen anwendet, tut dies in eigener Verantwortung. Autorin und Verlag beabsichtigen nicht, Diagnosen zu stellen, Therapieempfehlungen zu geben oder für den gesundheitsfördernden Nutzen einzelner Produkte zu werben.

Autorin und Verlag haben keinerlei wirtschaftliche Verflechtungen mit den erwähnten Herstellern. Es sind zahlreiche Kollagen-Produkte für Endverbraucher erhältlich, die unterschiedliche Wirkspektren haben, je nach Art des verwendeten Kollagens und eventuell zusätzlich enthaltenen weiteren Wirkstoffen.

Die vorgestellten Vorgehensweisen sind nicht als Ersatz für eine professionelle Behandlung bei ernsthaften Beschwerden zu verstehen. Im Zweifelsfall sollte immer der Rat eines qualifizierten Behandlers eingeholt werden.

TEIL 1
Was ist so besonders
an Kollagen?


Einleitung

Hähnchenbrustfilet ohne Haut, Fischfilet ohne Haut und mageres Fleisch stellen seit mehr als drei Jahrzehnten die „gesunde Wahl“ ernährungsbewusster Menschen dar. Die meisten Patienten, die zu mir in die Ernährungsberatung kommen, berichten stolz, sie äßen Geflügel nur ohne Haut und entfernten diese sogar vom fertigen Grillhähnchen – natürlich in der Erwartung, dass ich sie für ihr Gesundheitsbewusstsein lobe.

Wenn ich ihnen dann sage, dass die Haut, die sie in den Mülleimer geworfen (oder dem Hund gegeben) haben, einen wertvollen Nährstoff enthält, der sich über andere Nahrungsmittel nur schwer dem Körper zuführen lässt, schauen sie meist ziemlich verdutzt. Schließlich haben sie gelernt, dass das Entfernen der Haut sie vor ungeliebtem Fett und überflüssigen Kalorien schützt. Nun lässt sich dies zwar nicht ganz von der Hand weisen, aber die Haut des Hähnchens enthält eben auch reichlich Kollagen, ein Protein, das die Gesundheit von Haut, Knochen und Gelenken fördern kann. Und das nackte Hühnerbrustfilet enthält, wie alle hautlosen Fleischsorten, nur einen sehr kleinen Anteil Kollagen.

Häufig bekomme ich zu hören, dass Patienten es schwierig finden, die Haut mitzuessen, weil sie sie einfach nicht mögen. Ich gebe gerne zu, dass es zu Beginn schwierig sein kann, etwas mit Appetit zu essen, das man nie zuvor probiert hat – schließlich wird bei vielen Geflügelgerichten, etwa den bei Kindern so beliebten Hähnchen-Nuggets, die Haut entfernt. Ich schlage dann meist vor, sie sollten es einmal mit einem marinierten gegrillten Hähnchenflügel versuchen oder mit einer leckeren selbst gemachten Suppe aus den Überresten des gekauften Grillhähnchens. Und wenn ich sie erst einmal darüber aufgeklärt habe, auf welch mannigfaltige Weise der Körper von dem Kollagenprotein profitiert, das in den zuvor weggeworfenen Hühnerteilen steckt, sind sie in der Regel begierig zu erfahren, auf welche Weise sie zusätzliches Kollagen in ihren Speiseplan einbauen können.

Warum ich meine Patienten auffordere, zusätzlich zum Hühnchenfleisch auch die Haut zu essen? Viele sachkundige Ernährungsberater wissen mittlerweile, dass es sinnvoll ist, die Haut zu essen, die Brust, Flügel, Schenkel und Keulen überzieht, ebenso wie alle anderen Teile eines Huhns. Ich esse beispielsweise immer zuerst die knusprige Haut eines frisch gegrillten Hähnchens (nachdem ich das meiste Fett, das in die Pfanne getropft ist, entfernt habe), gefolgt von einer Keule. Gibt es eine bessere Art, eine leckere Mahlzeit zu genießen und gleichzeitig von der gesunden Wirkung des Kollagenproteins zu profitieren, das sich nahezu ausschließlich in der Haut, den Knochen und dem Bindegewebe des Hühnchens – und aller anderen Tiere – befindet?

Sicherlich fragen Sie sich jetzt, warum Kollagen für ihre Ernährung überhaupt so wichtig ist. Die einfachste Antwort lautet: weil unser Körper eine Menge davon enthält! Kollagen ist ein Strukturprotein, das nahezu ein Drittel unseres Gewebes ausmacht, sodass es ein wichtiger Faktor im menschlichen Körper ist. Besonders wichtig ist es für Gelenke, Knorpelgewebe, Sehnen, Knochen, Haut, Haare, Nägel und Zähne, aber zum Beispiel auch für Blutgefäße und Augen. Alle diese Gewebe enthalten einen oder mehrere Typen Kollagen. Die Kollagensynthese, also die Bildung von neuem Kollagen, ist eine notwendige Voraussetzung für die Funktion all dieser lebenswichtigen Gewebe, speziell während des Wachstums sowie den Heilungs- und Regenerationsphasen, die auf Krankheiten folgen.

Fast noch wichtiger ist, dass Kollagen diesen Geweben die Elastizität, Flexibilität und Stärke verleiht, die Abbau und Zerfall aufhalten. Weniger Abbau und mehr Regeneration sorgen dafür, dass die Haut jugendlicher bleibt, Haare weniger brüchig und Knochen stärker sind, Gelenke weniger schnell verschleißen und Nägel länger und fester wachsen. Das richtige, hochwertige Kollagen – oft auch als der „Klebstoff“ bezeichnet, der den Körper zusammenhält – verhindert, dass wir erschlaffen, die Haut an Feuchtigkeit verliert und unsere Gelenke steif werden. Über die Nahrung Kollagen aufzunehmen, stellt eine wichtige Ergänzung zur körpereigenen Kollagenproduktion dar.

Wenn wir Kollagenprotein aufnehmen, werden wir auch besser mit Aminosäuren versorgt, den Proteinbausteinen, die unser Körper benötigt, um mit Umweltgiften umzugehen und wichtige Antioxidanzien herzustellen. Neuere Forschungergebnisse deuten darauf hin, dass Kollagenprotein hilfreich sein kann bei der Gewichtsregulierung, bei Schlafp roblemen, Diabetes, Bluthochdruck, Entzündungen und Verdauungsproblemen. Als Nahrungsergänzungsmittel scheint Kollagenprotein zudem das Muskelwachstum zu fördern, Schmerzen und Entzündungen zu lindern und die Gelenkgesundheit zu fördern, was alle Leistungs- und Freizeitsportler freuen dürfte. Es ist tatsächlich eine bemerkenswert vielfältige Substanz, die zahlreiche häufig auftretende Gesundheitsprobleme lindern sowie Wohlbefinden und Vitalität steigern kann.

Da unser Körper Kollagen auch mithilfe der Aminosäuren herstellen kann, die sich in anderen Proteinen befinden, die wir mit der Nahrung zu uns nehmen, ist die Einnahme von Kollagenprotein rein technisch betrachtet nicht zwingend erforderlich. Dennoch bietet es als Nahrungsergänzung eine Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen, weil es den Körper unter anderem anregt, mehr eigenes Kollagen herzustellen, was wiederum Falten, Arthritis, Muskel- und Knochenabbau und allgemeinem Verschleiß vorbeugt.

Meine eigenen Erfahrungen mit Kollagen

Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an Kollagenprotein denken? Vielleicht geht es Ihnen so wie mir damals und Sie denken vor allem an festere Fingernägel und jugendlichere Haut. Aber das ist nur der Anfang. Mein eigenes Verständnis von Kollagen und seiner Wirkung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig weiterentwickelt, ebenso wie die Erkenntnisse führender Forscher, die immer neue Vorteile entdecken, welche die Einnahme von Kollagenprotein mit sich bringt.

Als Teenager glaubte ich Anzeigen für Gelatine, die in den 1970er-Jahren damit warben, dass man festere, längere Fingernägel bekäme, wenn man pro Tag ein Päckchen eines gelatinehaltigen Mixgetränks zu sich nähme. Gelatine wird aus der Haut und den Knochen von Tieren hergestellt und besteht nahezu vollständig aus Kollagenprotein. Sie ist auch ein Hauptbestandteil von Produkten wie Götterspeise oder Wackelpudding. Meine Fingernägel waren immer brüchig gewesen und die verschiedenen Nagelpflegeprodukte, die ich auftrug, brachten keinerlei Besserung. Das Gelatineprodukt schien die Lösung zu sein, wenn ich die langen und festen Fingernägel haben wollte, um die ich meine Freundinnen beneidete. Also führte ich mein eigenes Ernährungsexperiment durch und hoffte, schnelle und messbare Ergebnisse zu erzielen. Leider konnte ich nach einigen Wochen keinen großen Unterschied feststellen und so verwarf ich das Ganze als Modeerscheinung und fand mich damit ab, langsam wachsende und brüchige Fingernägel zu haben. (Außerdem hatten diese speziellen Gelatinepackungen ganz schöne Löcher in mein damaliges Budget gefressen!) Wäre ich konsequent gewesen und länger dabeigeblieben, hätte ich sicherlich Fortschritte gesehen, wie dies heute der Fall ist. Näheres darüber, was Gelatine für Ihre Fingernägel tun kann, finden Sie in Kapitel 4.

In meinem ersten Semester am College belegte ich einen Kurs über Anatomie und Physiologie. Dabei faszinierte mich vor allem, auf welche Weise die Nährstoffe, die wir zu uns nehmen, die biochemische Funktionsweise unseres Körpers beeinflussen. Tatsächlich zog mich das Thema so in seinen Bann, dass ich prompt von der Medizin zu den Ernährungswissenschaften umschwenkte. Ich weiß noch genau, dass ich in meinem Einführungsbuch zur Ernährungslehre las, dass das Protein im Kollagen „unvollständig“ ist und ihm per Definition eine oder mehrere der neun essenziellen Aminosäuren fehlen. Kollagen fehlt die essenzielle Aminosäure Tryptophan, und Isoleucin, Threonin und Methionin sind nur in geringen Mengen enthalten. Kollagen kann daher den Proteinbedarf des menschlichen Körpers nicht alleine decken. Nun glaubte ich zu wissen, woran mein Nagelexperiment gescheitert war! Meine damalige Schlussfolgerung lautete, dass Gelatine eine Form von Kollagen war und folglich ein unvollständiges Protein, das für sich allein genommen keinen Nährwert bietet – ein Irrtum, wie sich später herausstellen sollte!

Nachdem ich die Dreißig überschritten hatte, begann ich nach Gesichtscremes Ausschau zu halten, die helfen konnten, den ersten Alterungserscheinungen entgegenzuwirken. Es war mir wichtig, mich jung zu fühlen und auch so auszusehen, vor allem, weil ich mich als Teenager und in meinen Zwanzigern viel in der Sonne aufgehalten hatte. Außerdem hatte ich mittlerweile drei Kinder und bekam definitiv zu wenig Schlaf. Ich wurde auf Produkte aufmerksam, die Kollagen als aktiven Inhaltsstoff anpriesen. Da ich wusste, dass unsere Haut größtenteils aus Kollagen besteht, dachte ich, die Cremes stellten eine Möglichkeit dar, sie mit Nährstoffen zu versorgen und aufzufrischen. Ich probierte verschiedene Produkte aus, in der Hoffnung, dass sie sich als wirksam erweisen würden.

Schon kurz nachdem diese kollagenhaltigen Gesichtscremes und Lotionen auf den Markt kamen, erschienen in Frauenzeitschriften die ersten Artikel, die die Wirksamkeit des Auftragens von Kollagen auf die Haut anzweifelten. Tatsächlich ist Kollagen ein sehr großes Molekül, sodass es – äußerlich aufgetragen – von der Haut unmöglich aufgenommen und genutzt werden kann. Die Produkte waren also bestenfalls überteuerte Feuchtigkeitscremes und nach Meinung der damaligen Dermatologen taten es die guten alten Vaselineprodukte ebenso gut. Seit den 1980er-Jahren hat die Hautpflege allerdings große Fortschritte gemacht und bietet nun eine Vielzahl an Produkten, die aktive Inhaltsstoffe enthalten, beispielsweise Kollagenpeptide (Kollagen, das in kleinere Stücke heruntergebrochen wurde), die in die Haut eindringen können. Doch auch wenn viele dieser Produkte Auswirkungen auf den Hautalterungsprozess haben, wird zunehmend deutlich, dass wahre Gesundheit und Schönheit ihren Ursprung tatsächlich im Körperinneren haben.

Nachdem ich meinen Master-Abschluss in Ernährungswissenschaften machte und nun seit einem Jahrzehnt als Ernährungsberaterin tätig bin, weiß ich heute, dass vieles, was ich in den späten 1970er-Jahren über Ernährung gelernt habe, der neueren wissenschaftlichen Forschung nicht standhalten konnte. So war es beispielsweise falsch, die wichtige Rolle abzutun, die Kollagen in der menschlichen Ernährung spielt. Tatsächlich erweist sich nach und nach, dass Kollagenprotein zu den wichtigsten Bestandteilen einer ausgewogenen Ernährung zählt!

Es enthält zwar tatsächlich nicht alle Aminosäuren, die für den Aufbau der meisten Strukturproteine im Körper erforderlich sind, und es kann auch nicht allein für Wachstumsund Reparaturprozesse im menschlichen Körper sorgen. Dennoch bietet es einen enormen Nutzen, wenn es Teil einer ausgewogenen Ernährung ist. Dieser Nutzen kann schon vor unserer Geburt beginnen und ein Leben lang anhalten.

Was dieses Buch Ihnen bietet

Wenn es Ihnen so geht wie vielen meiner Patienten, dann fällt es Ihnen sicherlich schwer, beim großen Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln den Überblick zu behalten. Jede Woche kommt irgendein neues Mittel auf den Markt, dessen Werbung verspricht, dass es das Risiko für bestimmte Krankheiten senkt, den Alterungsprozess verlangsamt oder Ihnen einen schlankeren und gesünderen Körper beschert. Auch wenn in diesen Aussagen ein Körnchen Wahrheit stecken mag, so sind sie doch meist hoffnungslos übertrieben. Da trägt es auch nicht gerade zur Klärung bei, wenn selbst führende Ernährungswissenschaftler und Ärzte sich uneins darüber sind, welche Nahrungsergänzungen sinnvoll und welche reine Geldverschwendung oder sogar potenziell gesundheitsschädlich sind. Daher sollten Sie vor allem darauf achten, dass das, was Sie Ihrem Körper zuführen, sicher ist, die gewünschten Ergebnisse bringt und in seiner Wirkung durch klinische Untersuchungen und Erfahrungsberichte gestützt wird.

Als staatlich anerkannte Ernährungsberaterin habe ich in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Nutzen von Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungen aus nächster Nähe beobachtet und untersucht und kann daher voller Überzeugung Kollagenprotein zum Testsieger küren. Kollagenprotein ist kein Hype, es hilft tatsächlich.

Genau wie bei meinen Patienten liegt mir auch bei Ihnen daran, dass Sie verstehen, was Kollagenprotein für Sie tun kann, welche Nahrungsmittel es von Natur aus enthalten und wie Sie auf unkomplizierte Weise mehr davon in Ihre tägliche Ernährung integrieren können, indem Sie schmackhafte Mahlzeiten zubereiten, die auch andere gesunde Stoffe enthalten. Im zweiten Teil dieses Buches finden Sie dazu einige Rezepte, die es ganz einfach machen, Ihre tägliche Dosis Kollagenprotein zu bekommen.

In Kapitel 1 zeige ich, was für ein erstaunlich vielseitiges Protein Kollagen ist und was es für unseren Körper tut. In Kapitel 2 blicken wir zurück in die Geschichte und lernen, auf welche Weise Menschen Kollagenprotein schon seit Jahrtausenden zu schätzen und zu nutzen wussten. Warum genau Kollagenprotein so wichtig für unsere Ernährung ist, erfahren Sie in Kapitel 3. sIn den darauffolgenden vier Kapiteln zeige ich Ihnen, in welch vielfältiger Weise Kollagen Gesundheit, Schönheit und Leistungsfähigkeit fördern kann – von Haut, Knochen, Gelenken und Muskeln bis hin zum Herz-Kreislauf- und Verdauungssystem. In den Kapiteln 8 und 9 erfahren Sie, auf welche Weise Kollagen aus der Nahrung sich als hilfreich für die Gewichts- und Blutzuckerregulierung erweisen kann. Kapitel 10 beschäftigt sich mit den wichtigen Aminosäuren Glycin, Prolin und Arginin und der Frage, warum Kollagenprotein potenziell Entgiftungsprozesse fördert und wichtig für die geistige Gesundheit ist. Welchen Nutzen Kollagenprotein Ihnen im Laufe Ihres Lebens bringen kann, zeige ich in Kapitel 11 auf. In den Kapiteln 12 und 13 geht es darum, wie Sie Ihre optimale Tagesdosis bestimmen, welche Nahrungsmittel von Natur aus reich an Kollagen sind und worin sich die vielen Nahrungsergänzungsmittel, die Kollagenprotein enthalten, unterscheiden. Und da Kollagen nicht alleine wirkt, enthält Kapitel 14 einen Überblick über andere Nährstoffe, die für eine gesunde Kollagenproduktion des Körpers förderlich sind.

Kollagenprotein ist tatsächlich ein Superfood, von dem jeder Mensch in jedem Alter profitieren kann – versäumen Sie also keinen weiteren Tag!

KAPITEL 1
Kollagen – Baustoff des Lebens

Kollagen ist nicht nur erstaunlich vielseitig, es ist auch mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent das im Körper am reichlichsten vorhandene Protein. Als Hauptbestandteil des Bindegewebes verleiht Kollagen unserem Körper Festigkeit und sorgt für die strukturelle Stabilität von Gewebe und Organen. Kollagen ist in vielerlei Hinsicht ein einzigartiges Protein. So ist es beispielsweise reich an Glycin, Prolin und Hydroxyprolin – drei Aminosäuren, die in anderen Proteinen unseres Körpers eher selten vorkommen, wobei Hydroxyprolin tatsächlich nur in Kollagen zu finden ist. Aminosäuren – die Bausteine, aus denen sich alle Proteine im menschlichen Körper zusammensetzen – werden in essenzielle und nicht essenzielle Aminosäuren unterteilt. Essenzielle Aminosäuren müssen dem Körper zugeführt werden über all das, was wir essen und trinken, wohingegen nicht essenzielle Aminosäuren vom Körper selbst hergestellt werden können, auch wenn sie nicht in unserer Nahrung enthalten sind.

Zwar zählen Glycin und Prolin nicht zur Gruppe der neun essenziellen Aminosäuren, aber es wird zunehmend deutlich, dass diese beiden „nicht essenziellen“ Aminosäuren verschiedene wichtige Aufgaben im menschlichen Körper übernehmen. Sie gelten als zwei von neun „bedingt essenziellen“ Aminosäuren – also solchen, die zwar nicht Teil einer gesunden Ernährung sein müssen, aber in Zeiten von Krankheit und Stress essenziell sein können. Stress bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Körper eine Herausforderung zu meistern hat, die ihn aus der Homöostase oder Selbstregulation herausbringt, sodass er „Überstunden schieben“ muss, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir und Ihr Leben ist nicht immer in Balance – Sie bekommen zu wenig Schlaf, essen schnell etwas unterwegs, bekommen zu viel oder zu wenig Bewegung oder werden ganz einfach älter. All diese Dinge können den Körper unter Stress setzen. Mögliche Anzeichen dafür, dass Ihr Körper daran arbeitet, wieder ins Gleichgewicht zu kommen, reichen von Müdigkeit, Schmerzen und Schlafproblemen bis hin zu Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme.

Die verschiedenen Arten von Kollagen

Im menschlichen Körper konnten bislang 28 verschiedene Arten von Kollagen nachgewiesen werden, wobei allerdings etwa 90 Prozent des gesamten Kollagens zu einem der vier Typen I, II, III und IV zählen. Diese vier Typen unterscheiden sich sowohl durch ihre biologische Funktion als auch dadurch, welche Gene sie programmieren. Gemeinsam haben die drei vorherrschenden Typen I, II und III, dass sie eine ähnliche molekulare Struktur besitzen: die Tripelhelix. Diese können Sie sich vorstellen wie ein gedrehtes Seil, das aus drei Strängen von Aminosäureketten besteht, die durch lose Bindungen zusammenhängen. Genau diesem Aufbau verdankt Kollagen seine einzigartige Fähigkeit, zugleich flexibel und unglaublich belastbar zu sein. Das „Seil“ kann aus drei identischen, zwei identischen plus einem anderen oder auch aus drei unterschiedlichen Aminosäureketten bestehen, wodurch letztendlich der Kollagentyp bestimmt wird.

Am häufigsten findet sich in unserem Körper Typ-I-Kollagen. Es kommt als Einziges in Sehnen und Knochen vor, die jeweils zu 80 Prozent beziehungsweise zu 30 Prozent aus Kollagen bestehen. Sehnen verbinden einen Muskel entweder mit einem Knochen oder mit einem anderen Muskel und müssen in der Lage sein, enorme Belastungen auszuhalten, ohne zu reißen. Kollagen des Typs I eignet sich hierfür hervorragend, denn es ist belastbarer als Stahl! Auch in unserer Haut (mit einem Kollagenanteil von 75 Prozent) ist vor allem Typ I vertreten. Es findet sich in den Hautzellschichten, die unter der Oberhaut liegen. Die sichtbare Haut hingegen besteht größtenteils aus Keratin, einem Protein mit einer anderen Aminosäurensequenz. Kollagen des Typs I findet sich auch in der Hornhaut des Auges, im Dentin der Zähne und in einem Großteil des Bindegewebes.

Die Gewebe, die Typ-I-Kollagen enthalten, können sehr unterschiedlich sein. Einige sind elastisch und flexibel, während andere relativ steif und fest sind. Kollagen ist ein unglaublich vielseitiger Baustoff und seine mechanischen Qualitäten werden größtenteils durch die Modifizierung seiner Struktur bestimmt, auch wenn die grundlegende chemische Zusammensetzung gleich bleibt. Bei Knochen und Dentin wird die Festigkeit des Kollagens beispielsweise durch den Zusatz von Mineralien erhöht, darunter Kalzium und Magnesium.

Kollagen vom Typ II findet sich ausschließlich im Knorpelgewebe, das die Oberflächen von Gelenken überzieht, damit unsere Knochen nicht aneinander reiben. Es findet sich zudem in Luftröhre, Kehlkopf und den Luftwegen der Lunge, wodurch diese ihre Form behalten und gleichzeitig geschmeidig sein können. Typ-II-Kollagen findet sich auch noch an einigen anderen Stellen im Körper, wie in der Hornhaut des Auges und an den Ohren.

Typ-III-Kollagen findet man überall dort, wo auch Typ I zu finden ist, mit der Ausnahme von Knochen, Sehnen und speziellem Gewebe wie der Hornhaut im Auge. Typ III und – zu einem geringen Grad – auch Typ I bilden die wichtigsten Bauteile der Blutgefäße (die zu 40 Prozent aus Kollagen bestehen). Bei Neugeborenen besteht die Haut etwa zu 50 Prozent aus Kollagen vom Typ III und ansonsten hauptsächlich aus Typ I. Im Erwachsenenalter befinden sich nur noch 10 bis 20 Prozent Typ-III-Kollagen in der Haut. Genau wie die Blutgefäße enthalten auch die Eingeweide ein wenig mehr Typ III als Typ I. Typ-III-Kollagen findet sich zudem noch in der Gebärmutterwand.

Typ-IV-Kollagen unterscheidet sich von den ersten drei Typen dadurch, dass es nicht über die gleiche Tripelhelix verfügt. Stattdessen bildet es ein netzähnliches Muster, das als Hauptbestandteil der sogenannten Basalmembran fungiert. Die Basalmembran ist im Grunde genommen eine Gewebeschicht, die die Grenzen von Haut, Muskeln und Fett festlegt und als Funktionsgewebe in Organen dient, einschließlich der Nieren und im Verdauungstrakt.

Die Aminosäureketten, aus denen die Kollagentypen I, II und III bestehen, sind zusätzlich durch ein Verfahren miteinander verbunden, das als „Quervernetzung“ bezeichnet wird und die Molekularstruktur der Kollagenproteine verstärkt. Dadurch wird das Kollagen fester und weniger flexibel. Diese Quervernetzung nimmt mit zunehmendem Alter zu und bewirkt, dass die Proteine starrer und weniger geschmeidig werden. Eine exzessive Quervernetzung kann zu einer anormalen Starre führen, die häufig eine Eintrübung der Hornhaut, Verhärtung der Arterien und verminderte Mobilität und Flexibilität in Muskeln und Gelenken nach sich zieht. Zwar werden diese Prozesse in der Regel mit dem Alterungsprozess in Verbindung gebracht, doch wie rapide sie verlaufen, liegt zumindest in Teilen in unserer Hand. Medizinische Forschungen haben ergeben, dass Faktoren wie übermäßige Sonneneinstrahlung, Rauchen und erhöhte Blutzuckerwerte, von denen wir sowieso schon wissen, dass sie ungesund sind, allesamt eine unerwünschte Beschleunigung der Quervernetzung nach sich ziehen.

Wie Kollagen im Körper entsteht

Die Bildung von Kollagen, auch als Kollagensynthese bezeichnet, läuft erheblich anders ab als dies bei anderen im Körper hergestellten Proteinen der Fall ist. Im ersten Schritt produziert der Körper Vorläuferproteine, die als Prokollagene bezeichnet werden. Von den 20 verschiedenen Aminosäuren, die zur Herstellung dieser Prokollagene dienen, werden Glycin, Prolin und Lysin als die wichtigsten angesehen, und zwar sowohl für die Produktion von Prokollagen als auch für die unverwechselbaren Eigenschaften des Kollagens. Die Synthese von Prokollagen findet in einem von drei Zelltypen statt: in den Fibroblasten (Zellen, die Bindegewebe herstellen), den Osteoblasten (Zellen, die Knochen herstellen) oder den Chondroblasten (Zellen, von denen die Knorpelbildung ausgeht).

Nachdem es sich in Dreiergruppen zusammengefunden hat, um die typische Tripelhelix zu bilden, verlässt das Prokollagen die Zelle, um zu reifem Kollagen umgebaut zu werden. Im extrazellulären Raum gehen sogenannte Hydroxygruppen mit einem Großteil des Lysins und Prolins Verbindungen ein – ein Prozess, der auch als Hydroxylierung bezeichnet wird –, wodurch die für ein stabiles funktionstüchtiges Kollagenprotein notwendigen Verbindungen entstehen. Glycin zeichnet für rund ein Drittel der verwendeten Aminosäuren verantwortlich und dank seiner geringen Größe finden auch die größeren Aminosäuren im inneren Teil des fertigen Kollagenmoleküls Platz.

Es ist lebenswichtig, dass unser Körper reichliche Mengen an qualitativ hochwertigem Kollagen herstellen kann, denn es bildet die Grundlage für die Stärke und Struktur unseres Körpers sowie für die Intaktheit von Haut, Haaren und Fingernägeln, die uns vor Bedrohungen von außen schützen, beispielsweise widrigem Wetter und Mikroorganismen. Auch die grundlegende Funktion von Organen und Blutgefäßen erfordert hochwertiges Kollagen. Eine gesunde Ernährung ist die Grundlage für die Produktion solch hochwertigen Kollagens, und dafür müssen wir nicht nur verschiedene Proteinquellen zu uns nehmen, sondern auch Vitamine, Mineralien und essenzielle Fettsäuren.

Die Zellen, die Prokollagen herstellen und freisetzen, benötigen hierfür Zink und Vitamin A. Während der Bildung des Prokollagens wiederum sind Eisen und Vitamin C eine wichtige Voraussetzung für die Hydroxylierung von Prolin und Lysin. Die Bildung der Verbindungen zwischen den Lysin-Molekülen, die sich quervernetzen und das Kollagenmolekül zusätzlich verstärken, erfordert Kupfer. Zink wird auch von den Enzymen benötigt, die Kollagen abbauen und umbilden – ein normaler Vorgang, der vor allem für die Wundheilung wichtig ist. Die Aktivierung eines Enzyms, das der Körper benötigt, um Prolin herzustellen, erfordert Mangan. Obwohl uns in der westlichen Welt Lebensmittel im Überfluss zur Verfügung stehen, kommt es nicht selten vor, dass Menschen unter einem Mangel an dem einen oder anderen Nährstoff leiden, was sich dann wiederum auf eine gesunde Kollagenproduktion auswirkt.

Wenn die Kollagenherstellung unterbrochen ist

Damit Sie besser verstehen, was passiert, wenn die normale Kollagenproduktion des Körpers unterbrochen wird, werfen wir einmal einen kurzen Blick auf Krankheiten, die auch als Kollagen- oder Bindegewebserkrankungen bezeichnet werden.

Heutzutage zum Glück kaum noch anzutreffen ist Skorbut, eine Bindegewebserkrankung, die durch einen Mangel an Vitamin C ausgelöst wird. Weil dieses Vitamin für die Kollagensynthese benötigt wird, kann ein Speiseplan, auf dem frisches Obst und Gemüse fehlen, zu diesem schweren, aber meist umkehrbaren Leiden führen. Zu den ersten Symptomen zählen Zahnfleischbluten und eine schlechte Wundheilung, im weiteren Verlauf kann es zu inneren Blutungen kommen und letztendlich zum Tode, wenn diese nicht rechtzeitig entdeckt werden. Weil Vitamin C durch Erhitzen unwirksam wird, gehören frisches oder nur leicht gegartes Obst und Gemüse zu jeder ausgewogenen Ernährung.

Eine andere Form der Bindegewebserkrankung ist das Ehlers-Danlos-Syndrom, von dem in etwa eine Person von fünftausend betroffen ist. Diese Erbkrankheit beruht auf einem Defekt in der Synthese und Struktur von Kollagen und Bindegewebe. Menschen, die unter dem Ehlers-Danlos-Syndrom leiden, entwickeln häufig neben einer Überbeweglichkeit der Gelenke auch eine Überdehnbarkeit der Haut, die zudem leicht einreißt, und eine verstärkte Neigung zu Blutergüssen, wobei das individuelle Krankheitsbild sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Bei einigen Autoimmunerkrankungen geht man davon aus, dass sie dadurch verursacht werden, dass das Immunsystem die Fibroblasten attackiert – einen der drei Zelltypen, die Kollagen produzieren. Gelenkrheumatismus, der zu schmerzhaft angeschwollenen Gelenken führt, und Sklerodermie, zu deren Symptomen gespannte Haut und ein begrenztes Bewegungsspektrum der Gelenke zählen, sind Bindegewebserkrankungen, die in diese Kategorie fallen.

Der normale Alterungsprozess zeichnet sich dadurch aus, dass die Kollagensynthese in jedem Jahr um rund ein Prozent abnimmt. Dadurch sinkt die Fähigkeit der Haut, sich selbst zu reparieren, wodurch sie dünner und empfindlicher wird. Die Faltenbildung, die sich mit zunehmendem Alter einstellt, wird beschleunigt, wenn die Quervernetzung von Kollagen über das normale Maß hinausgeht. Eine erhöhte Quervernetzung ist auch für die steifen Gelenke verantwortlich, die viele von uns plagen, wenn wir erst einmal die 60 überschritten haben.

Die gute Nachricht ist, dass der Zahn der Zeit aufgehalten und diese sogar ein Stück weit zurückgedreht werden kann, wenn wir uns gesunde Gewohnheiten zulegen, indem wir beispielsweise direkte Sonneneinstrahlung weitestgehend meiden, uns ausreichend bewegen, für genügend erholsamen Schlaf sorgen und uns optimal ernähren – und damit meine ich eine kollagenreiche Ernährung. Die Zeit steht nicht still, aber wenn Sie vorausschauend handeln, bleiben Sie länger jung und aktiv. Ich selbst bin gerade 60 geworden, aber ich fühle mich, als befände ich mich in den Vierzigern. Viele Menschen glauben mir mein Alter erst, wenn ich ihnen die Fotos meines süßen Enkels zeige!

Eines jedenfalls habe ich selbst erlebt – dass es nie zu spät ist, sich eine Ernährung und einen Lebensstil zuzulegen, die alterslos sind. Aus diesem Grund habe ich dieses Buch geschrieben, denn auch Sie können Ihre Lebensqualität verbessern!

KAPITEL 2
Kollagen im Laufe der Geschichte

Wenn Sie bereits begierig darauf sind, zu erfahren, was Kollagen für Sie tun kann, dann sollten Sie zu Kapitel 4 vorblättern, denn sowohl dieses Kapitel als auch das dritte Kapitel liefern zwar äußerst interessante Hintergrundinformationen, gehen aber weniger detailliert auf die gesundheitlichen Vorzüge von Kollagenprotein ein. Ich empfehle Ihnen trotzdem, später zu diesen beiden kurzen Kapiteln zurückzukehren, um noch mehr Gründe kennenzulernen, warum Kollagenprotein auf Ihren Speiseplan gehört.

Von Anbeginn der Geschichte haben Menschen Kollagenprotein aus verschiedenen Gründen geschätzt. Das Wort Kollagen leitet sich vom griechischen kolla ab, das so viel wie „Leim“ bedeutet. Doch auch wenn die ersten dokumentierten Einsatzbereiche von Kollagen tatsächlich die Nutzung als Klebstoff in der Güterproduktion betrafen, wurde es schon bald aufgrund seiner medizinischen und gesundheitsfördernden Eigenschaften geschätzt.

In früheren Zeiten gewannen Menschen Kollagen durch das langsame und schonende Auskochen von Häuten, Fellen, Schuppen, Knochen und Gelenken sowie des Knorpel- und Bindegewebes von Land- und Meerestieren. Vor dem Auskochen wurden die Gewebe in der Regel mit einer Säure oder Lauge behandelt, um die Menge des gewonnenen Kollagens zu steigern. Im medizinischen Bereich wurde Kollagen zuerst in Form von Gelatine genutzt, die durch das Garen von Kollagenquellen knapp unter dem Siedepunkt gewonnen wurde. Durch die Verwendung einer niedrigeren Temperatur lösen sich einige, aber nicht alle Tripelhelix-Strukturen auf, sodass sich beim Abkühlen die charakteristische Gelstruktur bildet.

Wenn Sie schon einmal Wackelpudding mit einer Fertigmischung hergestellt haben, wissen Sie, dass Gelatine getrocknet und in einer heißen Flüssigkeit rehydriert werden kann, um dann wieder ein Gel zu bilden. Gelatine unterscheidet sich von einer kürzlich entwickelten Form von Kollagenprotein, die als hydrolysiertes Kollagen bezeichnet wird und bei der es sich um Gelatine handelt, die mithilfe von Enzymen in Proteinfragmente aufgespalten wurde, sogenannte Peptide. Hydrolysiertes Kollagen geliert im Gegensatz zu Gelatine beim Abkühlen nicht und lässt sich leichter in kalter Flüssigkeit auflösen als getrocknete Gelatine.

In China ist aus Eselshaut gewonnene Gelatine, die unter dem Namen Ejiao bekannt ist, allein oder in Kombination mit anderen Heilkräutern der traditionellen chinesischen Medizin ein sehr beliebtes Heilmittel. Der erste schriftlich belegte Einsatz von Ejiao fand vor rund 2000 Jahren statt und es wird auch heute noch hoch geschätzt. Die Einnahme soll gesundheitliche Vorteile bringen, beispielsweise mehr Energie und eine bessere Durchblutung. Außerdem wird es zur Behandlung von Husten und Schlaflosigkeit eingesetzt. Unglücklicherweise hat die Beliebtheit des Mittels zusammen mit der Herausforderung, genügend Esel zu züchten, um der Nachfrage gerecht zu werden, in den vergangenen Jahren nahezu zu einer Halbierung des Eselbestands in China geführt. Bitte denken Sie nun nicht, dass ich Ihnen Ejiao empfehlen würde. Beim Weiterlesen werden Sie feststellen, dass andere Arten von Kollagenprotein und Gelatine sich für Menschen mit gesundheitlichen Problemen als ebenso hilfreich erweisen.

Bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde Gelatine in China und Japan als blutungsstillendes Mittel eingesetzt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts brachte Paul Carnot, ein junger Arzt, der in einem Pariser Krankenhaus arbeitete, die westliche Medizin in Berührung mit Gelatine zur Blutstillung. In den 1940er-Jahren wurde in modernen Krankenhäusern zu diesem Zweck Gelatineschaum verwendet, gefolgt von Mikrofaserkollagen in den 1970er-Jahren – beide Verfahren sind heute noch in Gebrauch. Wissenschaftler forschen weiterhin an neuen Formen von Gelatine- und Kollagenprodukten, um den Blutfluss effektiv zu stoppen, und es gibt Überlegungen zu neuen medizinischen Anwendungen, beispielsweise im Bereich der Gewebetransplantation.

Gelatine findet außerdem seit Langem Verwendung bei der Behandlung verschiedener Verdauungsstörungen. Sie bildet ein sogenanntes hydrophiles Kolloid, also eine wasseranziehende Substanz, die in einer Flüssigkeit suspendiert oder schwebend bleibt. Es scheint diese Eigenschaft zu sein, die sie so förderlich für Magen und Darm macht. Francis Pottenger Jr., ein Pionier auf dem Gebiet der Ernährungswissenschaft des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, berichtete, dass Gelatine zusammen mit einer geeigneten Ernährungsumstellung bei der Verdauung von Nahrung helfe, und dies auch bei Nahrungsmitteln, die Patienten zuvor Probleme bereitet hatten. Er empfahl Mahlzeiten auf Gelatinebasis bei einem weiten Spektrum an Verdauungsproblemen, einschließlich Sodbrennen, Magengeschwür, Reizdarm und bei einem Leiden, das damals als „nervöse Verdauung“ bezeichnet und von häufigem Erbrechen begleitet wurde.

Pottengers Zeitgenossen bestätigten seine Erkenntnisse, obwohl einige diese eher der Fähigkeit von Gelatine zuschrieben, die Innenwände der Eingeweide mit einem Film zu überziehen oder der Tatsache, dass Gelatine im Darm keinerlei Fermentationsprozessen unterliegt, die häufig die Grundlage für eine übermäßige Besiedelung mit schädlichen Bakterien sind. Heute raten sowohl ganzheitlich orientierte Ärzte als auch Ernährungswissenschaftler Patienten mit Magen-Darm-Problemen zu einer gelatinereichen Brühe. Auch reift allgemein die Erkenntnis, dass den meisten Verdauungsproblemen eine „Darm-Dysbiose“ zugrunde liegt – eine Überbesiedelung mit pathogenen, krankheitserzeugenden Bakterien und Pilzen im Verhältnis zu den „guten“ Darmbakterien, die normalerweise unseren Verdauungstrakt an erster Stelle bevölkern. Auch wenn dies nicht wissenschaftlich belegt ist, kann Gelatine eventuell diese Fehlbesiedelung zum Teil beheben und gleichzeitig den Verdauungsprozess fördern.

Noch bevor Kollagen und Gelatine in der Medizin zum Einsatz kamen, waren sie ein wichtiger Bestandteil der Ernährung unserer frühen Vorfahren. Diese „primitiven“ Menschen waren aus der Not heraus sehr einfallsreich, wenn es um Essensvorräte ging. Kein Teil eines auf der Jagd erlegten oder gehaltenen Tieres blieb ungenutzt. Knochen und zähes Bindegewebe wurden zu Brühe verarbeitet, die nicht nur reich an Geschmack war, sondern auch einen hohen Nährwert aufwies. Nachdem die Knochen für die Brühe ausgekocht worden waren, wurden sie mithilfe von Steinwerkzeugen zermahlen und dann verzehrt. Heute wissen wir, dass sie nicht nur hervorragende Lieferanten von Kalzium und anderen lebenswichtigen Mineralien sind, sondern auch reichlich Kollagenprotein beinhalten. Unsere Vorfahren wussten zwar nicht, woraus sich ihre Nahrung genau zusammensetzte, aber sie erkannten auf jeden Fall ihren gesundheitlichen Nutzen.

Traditionelle Gerichte aus aller Welt enthalten reichlich Kollagen und andere wichtige Nährstoffe. Bei den Inuit in den nördlichen Regionen der Arktis zählt das sogenannte Muktuk, das aus der Haut und dem Speck von Walen hergestellt wird, zu den Grundnahrungsmitteln. Muktuk ist ausgesprochen nahrhaft und liefert nicht nur Kollagen, sondern auch Vitamin D und essenzielle Fettsäuren. In Südamerika werden Fischköpfe, die reich an Kollagen und anderen Nährstoffen wie Vitamin A und Jod sind, zusammen mit Gemüse und Kräutern gegart. So entsteht die Basis für eine Suppe namens Caldillo de congrio, Spanisch für „Meeraalsuppe“. Ein überall auf der Welt verbreitetes Gericht, das auf das Mittelalter zurückgeht, ist Schweinssülze. Die Grundlage ist ein Schweinekopf, der mit Zunge, Pfoten und Herz gekocht wird, um einen gelierten Aufschnitt herzustellen.

Ochsenschwanzsuppe ist eine weitere kollagenreiche Spezialität, die wahrscheinlich von französischen Auswanderern stammt, die im 17. Jahrhundert in England lebten. Später wurde sie in abgewandelter Form zum landestypischen Gericht in Südamerika und ist heute noch sehr verbreitet in der asiatischen Küche. Ein traditionelles vietnamesisches Gericht ist Pho, eine Suppe auf der Grundlage einer kollagenreichen Knochenbrühe, der verschiedene Fleisch- und Gemüsesorten hinzugefügt werden. Einer der beliebtesten Zusätze in Pho sind Rindfleischsehnen, die so lange gekocht werden, bis sie kaum mehr gekaut werden müssen. Sie sind nicht nur schmackhaft, sondern bestehen auch zu rund 80 Prozent aus Kollagenprotein.

Im späten 17. Jahrhundert entwickelte der französische Physiker Denis Papin eine Frühform des Dampfkochtopfes, den er als „Fermenter“ bezeichnete und von dem er hoffte, dass er der ärmeren Bevölkerung helfen würde, mehr Nährstoffe aus Knochen zu ziehen. Leider erwies sich der Topf als zu kostspielig für das Zielpublikum. Kurz darauf wurde Papins Erfindung in größerem Maßstab zur effizienten Gewinnung von Gelatine eingesetzt, die als besonders nahrhaftes Lebensmittel galt, in dem Versuch, die ständig wachsende Bevölkerung Frankreichs zu ernähren, speziell die große Anzahl an Krankenhauspatienten und Kindern in Waisenhäusern. Philanthropen in Deutschland und England richteten später Küchen ein, in denen Suppen auf Gelatinebasis ausgegeben wurden. Wie es wohl bei den meisten Ernährungstrends der Fall ist, wurde auch hier ein wenig zu weit gegangen. Man begann zu untersuchen, ob Mahlzeiten, die aus nichts weiter als Brot und Gelatine bestanden, ausreichend waren, um Menschen und Tiere zu ernähren. Dabei zeigte sich schnell, dass diese Art der Ernährung nicht ausreichte, um einen Menschen bei Gesundheit zu halten. In der Folge kam Gelatine aus der Mode.

Heute wissen wir, dass zwar weder Gelatine noch Kollagenprotein für sich allein genommen ausreichende Eiweißquellen darstellen, die ihnen zugrunde liegenden Aminosäuren aber gut sind für eine ausgewogene Ernährung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts machte der Wissenschaftler Carl Voit darauf aufmerksam, dass Gelatine über „proteinsparende“ Eigenschaften verfüge und meinte damit, dass es im Rahmen einer Mischkost helfen könne, den Abbau des Körperproteins zu verhindern.

Heutzutage werden traditionelle Gerichte wie die erwähnten zunehmend geschätzt, und zwar sowohl wegen ihres Nährwerts, als auch aufgrund des wachsenden Interesses daran, tatsächlich alle Teile eines Tieres zu verwerten. Knochenbrühe und Suppenfonds, die aus ansonsten nicht verwerteten Tierteilen hergestellt werden, gelten schon als neues „Superfood“, unter anderem aufgrund der großen Menge an Kollagenprotein, die sie enthalten.

In meiner Ernährungsberatung ermuntere ich die Patienten dazu, das komplette Spektrum an Tierprodukten in ihre Ernährung einzubauen, insbesondere Innereien (Organe), Haut und Knochenbrühe. Wenn Sie – wie die meisten meiner Patienten unter 40 – damit aufgewachsen sind, Fleisch, Geflügel und Fisch ohne Haut und Knochen aufgetischt zu bekommen, dann ist Ihnen vielleicht schon beim Gedanken daran, die „anderen Teile“ eines Tieres zu essen, ein wenig mulmig zumute. Sollte dies der Fall sein, dann wird es Sie sicherlich freuen zu hören, dass Sie die in Kollagen enthaltenen Nährstoffe auch zu sich nehmen können, ohne Ihren Gaumen zu überfordern. (Auch wenn Pho-Suppe mit Rindersehnen eines meiner Lieblingsgerichte ist und Ochsenschwanzsuppe ebenfalls zu meinem Speiseplan gehört, habe selbst ich mich bislang nicht an Schweinskopfsülze gewagt!) Neben einer kollagenreichen Ernährung sind Nahrungsergänzungsmittel eine praktische Möglichkeit, um Kollagenprotein zu sich zu nehmen. Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, erkläre ich in Kapitel 13.

Produkte aus Kollagen oder auf Kollagenbasis finden aufgrund ihres praktischen Nutzens und Nährwerts immer häufiger Verwendung in den Bereichen von Medizin und Pharmazie sowie in der Kosmetik- und Lebensmittelindustrie. Jüngste Forschungsergebnisse stützen das, was unsere „primitiven“ Vorfahren instinktiv wussten und die ersten Ernährungswissenschaftler vermuteten.

KAPITEL 3
Warum sollte Kollagen ein Teil unserer heutigen Ernährung sein?

Wir essen aus vielerlei Gründen, aber rein körperlich gesehen besteht der Hauptgrund darin, den nahezu 40 Billionen Zellen, aus denen unser Körper besteht, wichtige Nährstoffe zuzuführen (ganz zu schweigen von den hungrigen Bakterien in unseren Eingeweiden, von denen es etwa zehnmal so viele gibt). Lebende Zellen benötigen eine ständige Zufuhr an Energie (Kalorien) und Rohmaterial (Nährstoffen) für die unzähligen biologischen Prozesse, die rund um die Uhr ablaufen – und zwar so lange, bis eine Zelle für den Körper nicht mehr nützlich und ihre Zeit abgelaufen ist. Es folgt die Apoptose oder der programmierte Zelltod. Ist ein Mensch rundum gesund, werden abgestorbene Zellen sofort durch identische ersetzt, die dieselben Funktionen erfüllen.

Von den folgenden Nährstoffen müssen wir regelmäßig ausreichende Mengen zu uns nehmen, um das Funktionieren unserer Zellen und in der Folge unseres Körpers sicherzustellen: Kohlenhydrate und Fett für die Energiezufuhr, 13 verschiedene Vitamine, mehr als 16 Mineralstoffe, bestimmte Arten von essenziellen Fettsäuren und Wasser. Fehlt nur ein einziger dieser Nährstoffe oder ist er nur in unzureichender Menge vorhanden, kann die normale Funktionsweise des Körpers gestört sein. Beispiele dafür sehe ich täglich in meiner Praxis. Menschen glauben beispielsweise, sich gesund zu ernähren, nur weil sie auf bestimmte Lebensmittel verzichten, von denen sie gehört haben, sie seien schlecht für die Gesundheit. Sie wissen aber nicht, dass sie ihrem Körper dadurch eventuell wichtige Nährstoffe vorenthalten, die er unbedingt benötigt. In Kapitel 14 erfahren Sie mehr darüber, auf welche Nährstoffe sie achten sollten, wenn Ihnen Ihr Körper und die Kollagenversorgung am Herzen liegen.

Wer bei einem Treffen von Ernährungsberatern das Thema Protein anschneidet, muss sich auf viele widersprüchliche Meinungen gefasst machen: „In den Industriestaaten essen die meisten Menschen zu viel Protein.“ „Viele Menschen essen viel zu wenig Protein.“ „Zu viel Protein schadet den Knochen.“ „Zu wenig Protein führt zum allmählichen Abbau von Muskeln und Knochen.“ „Wir können das gesamte Protein, das wir benötigen, aus pflanzlichen Quellen beziehen.“ „Die optimale Proteinquelle ist tierisch.“ Wen wundert es da noch, dass die Öffentlichkeit komplett verunsichert ist, was sie wem glauben soll?

Auch die anderen beiden Hauptnährstoffe, Fett und Kohlenhydrate, sind nicht unumstritten. Wenn ich gefragt werde, was ich von Ernährungsweisen halte, die nahezu komplett auf Fett und Kohlenhydrate verzichten und dafür auf einen hohen Proteinanteil setzen, dann antworte ich meist, dass es keinen universellen Ernährungsplan gibt, der für alle geeignet ist. Das mag so wirken, als wollte ich der Frage aus dem Weg gehen, aber es ist tatsächlich die Wahrheit – und im Übrigen der Grund, warum ich für alle meine Patienten in Bezug auf die Hauptnährstoffe maßgeschneiderte Empfehlungen erstelle. Ich glaube, dass in Zukunft alle Diätassistenten und Ernährungsberater so vorgehen werden, vor allem wenn uns mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um umfangreichere Untersuchungen zu veranlassen.

Was Protein angeht, können wir uns dennoch auf einige Fakten verlassen: Sicherlich essen manche Menschen zu viel Protein, aber die meisten von uns sollten definitiv mehr davon zu sich nehmen. Tierisches Protein – Fleisch, Geflügel, Meerestiere, Eier und Milchprodukte – ist tatsächlich das Protein mit der höchsten „biologischen Wertigkeit“ und wir sollten jeden Tag zumindest eine kleine Portion davon essen, und zwar auch dann, wenn unsere Ernährung ausreichend pflanzliches Protein umfasst. Die biologische Wertigkeit wird daran gemessen, in welcher Menge ein bestimmtes Protein für sich allein genommen in die Proteine eines lebenden Organismus integriert wird, beziehungsweise wie effizient es zur Bildung von körpereigenem Protein genutzt werden kann. Bei Eiweiß aus tierischen Quellen liegt dieser Wert in der Regel zwischen 75 und 96 Prozent, wobei Eier und Molkeneiweiß an der Spitze der Tabelle stehen.

Den biologischen Wert von Nahrungseiweiß erkennt man auch daran, wie sehr es dem Profil des Körpers an essenziellen Aminosäuren entspricht. Es gibt neun essenzielle Aminosäuren – Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan und Valin –, die wir im Verlauf eines Tages in ausreichender Menge zu uns nehmen müssen. Sollte nur eine davon fehlen oder in zu geringer Menge zugeführt werden, kann der Körper nicht das ganze Spektrum an Proteinen erzeugen, das er für sein Funktionieren benötigt. Alle neun müssen im richtigen Verhältnis vorhanden sein, um die charakteristischen Aminosäureketten bilden zu können, aus denen die körpereigenen Proteine bestehen. Interessanterweise hat Kollagen für sich alleine genommen aufgrund des fehlenden Tryptophans eine biologische Wertigkeit von Null. Bitte lesen Sie dennoch weiter – das Kollagen wird seinen Wert noch unter Beweis stellen!

Die biologische Wertigkeit der meisten pflanzlichen Proteinquellen, wie Hülsenfrüchte und Getreide, liegt unterhalb von 70 Prozent, wenn sie ohne Beilagen gegessen werden. Sojabohnen und Quinoa zählen zu den wenigen Ausnahmen, die eine höhere Wertigkeit haben. Diese niedrigen Werte hängen damit zusammen, dass sie im Vergleich zu tierischem Eiweiß eine geringere Menge an mindestens einer essenziellen Aminosäure aufweisen. Da wir jedoch praktisch nie ein einzelnes Eiweißprodukt essen, hat die biologische Wertigkeit nur einen begrenzten Nutzen, vor allem da pflanzliche Proteine eine ergänzende Funktion haben können. Getreide verfügt beispielsweise nur über einen geringen Lysin-Gehalt, dafür aber über einen hohen Anteil an Methionin. Hülsenfrüchte hingegen liefern viel Lysin und wenig Methionin. Wenn ich nun Hülsenfrüchte und Getreide kombiniere (zum Beispiel Bohnen und Reis), kann ich solch eine Lücken fülle und die Proteinqualität von pflanzlichen Eiweißquellen steigern.

Wie wir wissen, gibt es auch nicht essenzielle Aminosäuren, die der Körper ebenfalls benötigt, aber selbst herstellen kann. Zu diesen zählen Alanin, Asparagin, Asparaginsäure und Glutaminsäure. Normalerweise hat Ihr Körper kein Problem damit, diese Arten von Aminosäuren zu produzieren, sofern Sie nicht eine strenge Diät einhalten, bei der der Anteil an Kalorien und Protein sehr niedrig liegt.

Es gibt noch eine dritte Kategorie von Aminosäuren, die als bedingt essenzielle Aminosäuren bezeichnet werden. In diese Kategorie fallen Arginin, Cystein, Glutamin, Tyrosin, Glycin, Ornithin, Prolin und Serin. Sie können vom Körper hergestellt werden, aber – je nach Gesundheitszustand und Nährstoffbedarf des Körpers – nicht immer in ausreichenden Mengen. Wenn wir krank sind oder gestresst, werden sie daher manchmal essenziell, das heißt, wir müssen sie über die Nahrung zu uns nehmen, damit der Körper wieder gesunden kann.

Diese Tatsache macht zusätzlich deutlich, warum der Verzehr von Kollagen so wichtig für uns ist. Kollagenprotein ist reich an Glycin, das in den anderen Proteinen, die wir zu uns nehmen, nur in geringem Maße vorkommt. Wenn wir gesund sind, sollte unser Körper ausreichend Glycin aus anderen Aminosäuren herstellen können. Wie wir noch sehen werden, ist dies aber selbst unter optimalen Bedingungen nicht immer der Fall.

Glycin, die kleinste aller Aminosäuren, spielt viele wichtige Rollen. Eine der wichtigsten ist der gesunde Umsatz von Kollagen in unserem Körper. (Umsatz bedeutet hier nichts anderes als das Ersetzen alter Moleküle durch neu gebildete.) Früher nahm man an, dass der Kollagenumsatz ein extrem langsamer Prozess ist und Kollagenmoleküle eine Lebensdauer von mehreren Jahren haben.1 In den letzten Jahren wurde diese Annahme durch zwei Untersuchungen infrage gestellt, die herausfanden, dass der Kollagenumsatz einen signifikanten Anteil des täglichen Gesamtumsatzes an Proteinen im Körper ausmacht, nämlich ungefähr ein Drittel des durchschnittlichen Tagesumsatzes von 300 Gramm.2 Außerdem wissen wir nun, dass die Rate der Kollagenerneuerung keineswegs statisch ist, sondern durch die Aufnahme von Nährstoffen über den Minimalbedarf hinaus erhöht werden kann.

Doch warum ist es so erstrebenswert, dass unser Kollagenumsatz steigt? Ein Grund dafür ist, dass ein Kollagenmolekül mit zunehmendem Alter umso mehr Gelegenheit hat, unerwünschte chemische Veränderungen zu durchlaufen. Je länger es im Körper ist, ohne ausgetauscht zu werden, desto mehr Probleme gibt es durch Oxidation (Schädigung durch Sauerstoff) und Glykierung (Anbindung an Blutzucker) und umso mehr Quervernetzungen entstehen. Diese Prozesse bewirken, dass unser Kollagen steifer wird und an Flexibilität verliert. Im Laufe der Zeit wird dadurch die „Alterung“ unseres Körpers beschleunigt.

Was können wir also tun, um die Geschwindigkeit des Kollagenumsatzes zu erhöhen? Natürlich müssen wir zunächst einmal eine ausreichende Menge an Proteinen zu uns nehmen, da dies den Umsatz aller Proteine im Körper beeinflusst. Wenn wir nur wenig Nahrungseiweiß zu uns nehmen, passt sich unser Körper daran an und senkt den gesamten Proteinumsatz. Strenge Vegetarier erleben dies am ehesten, weil sie häufig weniger Nahrungseiweiß zu sich nehmen, und die Proteine, die sie essen, meist eine geringere biologische Wertigkeit haben. Der reduzierte Proteinumsatz findet natürlich größtenteils unbemerkt statt, kann aber zu einem Verlust an Muskelmasse und geringerer Knochenfestigkeit führen sowie anfälliger machen für Krankheiten.

Ein guter Anfang ist, jeden Tag rund ein Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich zu nehmen. Falls Sie sehr muskulös sind, viel Sport treiben, die 50 überschritten haben oder sich von einer Krankheit oder einem Unfall erholen, benötigen Sie mehr. Eine gesunde Frau mit einem Körpergewicht von 75 Kilogramm sollte gemäß dieser Empfehlung also 75 Gramm Protein oder mehr zu sich zu nehmen, bei einem gesunden Mann von 100 Kilogramm Gewicht wären es mindestens 100 Gramm Protein. Das bedeutet nicht, dass Sie große Mengen Fleisch essen müssen. So enthalten beispielsweise rund 120 Gramm Rindfleisch, Hühnchen oder Fisch etwa 30 Gramm Protein, eine Tasse gekochte Hülsenfrüchte etwa 15 Gramm und nahezu jedes vollwertige Lebensmittel, das wir essen, enthält pro Portion mindestens ein bis zwei Gramm Protein.

Obwohl die täglichen Mindestmengen gar nicht so schwer zu erzielen sind, kommen viele Patienten zu mir, deren Proteinaufnahme keineswegs optimal ist. Sie sollten sich Ihre eigene Bilanz einmal anschauen, um zu sehen, wo Sie stehen. Hilfreich sind beispielsweise Smartphone-Apps und Computerprogramme, die Sie im Internet unter den Stichworten „Nährwertrechner“ oder „Kalorienzähler“ leicht finden können.

Neben dem Gesamtbedarf an Proteinen, die es dem Körper zuzuführen gilt, ist es vor allem wichtig, den Bedarf an Glycin zu stillen. Womöglich denken Sie nun, dass Sie doch sicher schon einmal davon gehört hätten, wenn so viele Menschen an einem Glycinmangel litten. Nun, auch wenn diese Tatsache vielleicht nicht gerade Schlagzeilen macht, wären Sie wahrscheinlich überrascht zu erfahren, dass die meisten Menschen sehr stark von mehr Glycin in ihrer Nahrung profitieren würden. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Spanien und Frankreich ist genau zu diesem Schluss gekommen und hat ihn in der folgenden Aussage zusammengefasst: „Ernährungs- und klinische Studien aus den vergangenen zwanzig Jahren deuten darauf hin, dass die Menge an Glycin beim Menschen nicht ausreicht, um die Stoffwechselanforderungen zu erfüllen, und dass eine Nahrungsergänzung angebracht zu sein scheint.“ (Hervorhebung durch die Autorin)

Zu dieser Schlussfolgerung gelangten die Wissenschaftler, indem sie zunächst von der belegten Tatsache ausgingen, dass wir im Rahmen einer typischen Ernährungsweise täglich zwischen 1,5 und 3 Gramm Glycin zu uns nehmen. Der Spielraum ergibt sich aus der Menge und Qualität des konsumierten Glycins. Eine weitere Messung ergab, dass der menschliche Körper rund 3 Gramm Glycin pro Tag selbst herstellt, größtenteils aus der Aminosäure Serin. Insgesamt kommen wir so auf eine Glycinzufuhr von 4,5 bis 6 Gramm pro Tag. Als Nächstes galt es herauszufinden, wie viel Glycin der Körper täglich benötigt, vor allem für die Synthese von Kollagen, für das Antioxidans Glutathion, für Galle für die Fettverdauung, für die Hämgruppe im Hämoglobin (das den Sauerstoff transportiert) sowie einige andere biologische Prozesse. Hier kamen die Wissenschaftler auf einen Wert von rund 14,5 Gramm pro Tag. Der bei Weitem größte Teil davon bezog sich auf die Kollagensynthese, die für einen maximalen Umsatz rund 12 Gramm am Tag benötigt.

Beim Errechnen der Differenz stellte sich heraus, dass beim täglichen Angebot und Bedarf an Glycin eine gewaltige Lücke von 8,5 bis 10 Gramm klafft. Wie bedeutsam ist dieses Defizit und welche Probleme können sich daraus im Zeitverlauf ergeben?

Zu den kritischen Zeiträumen, in denen sich ein Glycinmangel besonders schädlich auswirkt, zählen die Schwangerschaft und das Alter. Ich werde in Kapitel 11 noch näher auf diese Lebensabschnitte eingehen. Für den Durchschnittsbürger unter 60 ist ein Mangel nicht ganz so gravierend, aber dennoch problematisch. Wie bereits erwähnt, sinkt der Umsatz unseres eigenen Kollagens proportional zum Mangel an Glycin, wodurch in jedem Gewebe, das reich an Kollagen ist, die Anzahl der Schäden zunimmt. Wie Studien zeigen, auf die ich in späteren Kapiteln noch zu sprechen komme, können wir durch die Zufuhr von Kollagenprotein all jene Teile unseres Körpers auffrischen, die einen hohen Anteil davon enthalten. Das Auffüllen unseres Glycinvorrats ist ein wichtiger Grund, warum die Einnahme von Kollagenprotein die Kollagenproduktion unterstützt.

Neben den rund 12 Gramm Glycin, die eine optimale Kollagensynthese erfordert, benötigt der Körper die relativ klein wirkende Menge von 2,5 Gramm Glycin, um weitere wichtige Funktionen zu unterstützen. Ohne eine ausreichende Menge an Glycin kann beispielsweise die Produktion von Glutathion sinken. Glutathion gilt als der wichtigste antioxidativ wirkende Stoff im Körper. Studien deuten darauf hin, dass Glycinmangel den oxidativen Stress im Körper erhöht. Auf diese und andere wichtige Rollen, die Glycin im Körper übernimmt, gehe ich in Kapitel 10 noch genauer ein.

Prolin ist nahezu ebenso wichtig wie Glycin, denn es stellt zusammen mit einer modifizierten Form, dem Hydroxyprolin, etwa ein Viertel der Aminosäuren in Kollagen. Auch für die Proteinsynthese im gesamten Körper ist es wichtig, denn wir benötigen mehr Prolin als andere Aminosäuren.

Prolin ist auch ein wichtiger Ausgangsstoff für die Argininsynthese. Arginin ist ebenfalls eine Aminosäure, die wir zur Bildung des wichtigen Moleküls Stickoxid benötigen. Stickoxid spielt unter anderem eine Rolle bei der Regulierung des Blutflusses, der Kontraktion der Muskeln und dem Transport von Nährstoffen. Es agiert als natürlicher Vasodilatator, was bedeutet, dass es die Blutgefäße erweitert, damit das Blut ungehindert in alle Teile des Körpers fließen kann. Wenn Sie viel Sport treiben, dann ist Ihnen Stickoxid womöglich bereits als Mittel zur Leistungssteigerung bekannt. Und da Arginin auch noch 9 Prozent des Kollagenproteins ausmacht, gibt es für Sportler tatsächlich mehr als einen Grund es zu schätzen!

Genau wie Glycin stellt unser Körper Prolin ebenfalls aus anderen Aminosäuren her, auch aus über die Nahrung aufgenommenem Arginin (Prolin und Arginin werden je nach Bedarf zum jeweils anderen umgebaut). In Experimenten, bei denen Testpersonen eine prolinfreie Ernährung erhielten, sank der Prolin-Spiegel im Blut um 20 bis 30 Prozent, was belegt, dass Prolin aus Nahrungsmitteln zur Optimierung der Prolin-Menge im Körper benötigt wird, auch wenn der genaue Bedarf noch nicht bestimmt werden konnte.

Anders als bei Glycin sind nahezu alle eiweißreichen Lebensmittel auch gute Prolin-Quellen, wobei Kollagenprotein (23 Prozent Prolin und Hydroxyprolin) und Milcheiweiß (12 Prozent Prolin) am besten abschneiden. Die Tatsache, dass Milch reich an Prolin ist, erscheint durchaus verständlich – Neugeborene benötigen sehr viel Prolin und die Menge übersteigt zunächst ihre Fähigkeit, es selbst zu synthetisieren. Wenn Sie streng vegan leben, kann es womöglich schwierig sein, ausreichend Prolin über die Nahrung zu sich zu nehmen, da tierisches Eiweiß in der Regel drei bis sechs Mal so hohe Mengen an Prolin enthält wie pflanzliches Protein.

Bei einer Ernährung, die eine ausreichende Menge an Eiweiß umfasst, wird in der Regel eher ein Mangel an Hydroxyprolin eintreten als an Prolin. Zur Herstellung von Hydroxyprolin benötigt der Körper Prolin aus der Nahrung, ebenso wie Vitamin C und Eisen. Hydroxyprolin wird gemeinsam mit einer zweiten „hydroxylierten“ Aminosäure benötigt, um Prokollagen zu bilden, den Vorläufer des körpereigenen Kollagens. Wir sollten also stets ausreichend Vitamin C zu uns nehmen, um diesen fortlaufenden Prozess zu unterstützen.

Speziell für die Wundheilung ist es wichtig, prolinreiche Lebensmittel zu sich zu nehmen, da der Körper zur Reparatur des geschädigten Gewebes zusätzliches Prolin benötigt. Welche wichtigen Rollen Prolin genau übernimmt, erzähle ich Ihnen in Kapitel 10.

Kollagenprotein: Mehr als die Summe seiner Teile

Kollagenprotein arbeitet auf eine Weise, die die Wirkung der einzelnen Aminosäuren, aus denen es besteht, erheblich übersteigt. Jedes Kapitel in diesem Buch ist einem anderen Bereich gewidmet, in dem Sie von der Einnahme von Kollagenprotein profitieren können.

Bevor wir uns jedoch damit beschäftigen, was Kollagen so spannend macht, möchte ich auf einige wichtige Begriffe hinweisen, denen Sie im Verlauf dieses Buchs immer wieder begegnen werden. Zunächst einmal fasse ich alle Formen von Kollagenprotein, die wir uns zuführen können (zum Beispiel gereinigte Gelatine, Geflügelhaut, Rindersehnen und Kollagenpeptide) unter dem Oberbegriff „Kollagenprotein“ zusammen. Wenn ich das einzelne Wort „Kollagen“ benutze, bezieht es sich auf das Kollagen, das wir in unserem Körper haben.

Als Nächstes gilt es, den grundlegenden Unterschied zwischen Kollagenprotein in Form von Gelatine und Kollagenprotein in Form von Kollagenpeptiden zu verstehen:

Gelatine ist eine teilweise aufgespaltene Form von Kollagenprotein. Man erhält sie, indem man zunächst eine Quelle tierischen Kollagenproteins (Haut, Knochen, Schuppen usw.) entweder mit einer Säure oder Lauge behandelt und dann erhitzt, bis die einzelnen Stränge tierischen Kollagenproteins sich voneinander trennen. Die ersten wissenschaftlichen Studien zu Kollagenprotein verwendeten Gelatine, weil hydrolysiertes Kollagenprotein, das wir uns als Nächstes anschauen, erst seit rund einem Jahrzehnt verfügbar ist. Gelatine kommt besonders Fingernägeln und einer gesunden Verdauung zugute, genauso wie eine Knochenbrühe, die Gelatine und andere Nährstoffe enthält. Gelatine verfügt über die besondere Eigenschaft, beim Erkalten zu einem Gel zu erstarren, da sie nur zum Teil aufgespalten ist und Wasserstoffatome enthält, die für die Anziehung von Wasser verantwortlich sind.

Was Sie allerdings im Ladenregal und im Internet vorwiegend finden werden, ist das, was ich durchgängig als „Kollagenpeptide“ bezeichnen werde, sofern ich nicht die Einzelheiten einer Studie bespreche und mich dabei an die Terminologie der Autoren halte. Die Begriffe „Kollagenpeptide“, „hydrolysiertes Kollagen“ und „Kollagenhydrolysat“ – ebenso wie das seltener verwendete „hydrolysierte Gelatine“ – beziehen sich alle auf das gleiche Produkt: Kollagenprotein, das durch den Einsatz spezieller Eiweiß spaltender Enzyme in noch kleinere Teile aufgebrochen wurde. Manchmal wird auch der Begriff „hydrolysierte Kollagenpeptide“ verwendet, der jedoch „doppelt gemoppelt“ ist, da jegliches Kollagen in Peptidform hydrolysiert wurde.

Auch wenn die Unterschiede verwirrend erscheinen, so gibt es doch nur einige wenige Dinge, die Sie sich merken müssen: Zum einen stehen Kollagenpeptide im Mittelpunkt nahezu aller heutigen Untersuchungen und das mit gutem Grund, wie Sie noch feststellen werden. Zum Zweiten geht man davon aus, dass das Vorhandensein von „bioaktiven“ Dipeptiden und Tripeptiden (aus zwei beziehungsweise drei Aminosäure-Resten aufgebaute Peptide) der Grund für viele der gesundheitlichen Vorteile von Kollagenpeptid-Produkten sind. Und zum Dritten können Grad und Form der Hydrolyse oder wie viele aktive Dipeptide und Tripeptide ein Kollagenprodukt enthält, abweichen.

Was also macht Kollagenpeptide so besonders? Während man früher davon ausging, dass alle Proteine und Peptide im Verdauungstrakt restlos in die Aminosäuren aufgespalten werden, aus denen sie bestehen (beispielsweise Glycin und Prolin), wissen wir heute, dass dies nicht der Fall ist. Es gibt mehrere Kollagendipeptide und -tripeptide, die nicht vollständig verdaut werden, sodass bis zu 10 Prozent noch intakt sind, wenn sie in den Blutstrom gelangen. Diese bioaktiven Peptide zirkulieren dort mehrere Stunden lang und gelangen über das Blut an viele Orte, etwa zur Haut und zu den Gelenken, wo sie ihre wohltuende Wirkung bis zu zwei Wochen lang entfalten können. Die meisten dieser bioaktiven Peptide enthalten Hydroxyprolin, das hauptsächlich mit Prolin verbunden ist, aber auch mit anderen Aminosäuren.

Unser eigener Magen-Darm-Trakt kann ebenfalls bioaktive Peptide erzeugen. Der Grund hierfür ist, dass intaktes Kollagenprotein – ähnlich wie andere Nahrungseiweiße – nicht komplett verdaut wird. Allerdings gibt es keine Untersuchungen über die produzierte Menge und ob diese die gleichen nützlichen Wirkungen hat wie die Kollagenpeptide, die wir als Nahrungsergänzungsmittel zu uns nehmen können. Die Fachliteratur ist sich weitestgehend einig, dass die von Nahrungsmittelquellen mit intaktem Kollagenprotein (im Gegensatz zu Kollagenpeptiden) stammende Menge zu klein ist, um sichtbare Auswirkungen zu haben. Andererseits berichten Menschen, die regelmäßig Nahrung zu sich nehmen, die reich an Kollagenprotein ist, dass ihre Haut und Gelenke positiv darauf reagieren. Es ist durchaus vorstellbar, dass das schonende Auskochen von Knochen in einer Brühe über einen längeren Zeitraum hinweg zusätzlich zu intakter Gelatine auch einige aktive Kollagenpeptide erzeugt.

In den folgenden Kapiteln werde ich Ihnen einige wichtige Forschungsergebnisse vorstellen, damit Sie entscheiden können, welche Methode der Kollagenproteinaufnahme für Sie am geeignetesten ist. Beginnen werden wir mit einer Frage, die viele Frauen und Männer beschäftigt: Liefert Kollagenprotein wirklich die Schönheitseffekte, die es verspricht?

KAPITEL 4
Schönheit von innen

Glatte, strahlende, ebenmäßige und jugendliche Haut – gibt es ein Körpermerkmal, das noch begehrter ist? Menschen jeglichen Alters, jeglicher Herkunft und jeglichen Geschlechts streben danach und dementsprechend boomt der Markt für Anti-Aging-Hautpflege. Allein in den USA lag der Umsatz im Jahr 2016 bei über einer Milliarde US-Dollar. Mittlerweile nutzen bereits viele Menschen unter 30 diese Produkte, in der Hoffnung, den Zeichen der Zeit in Form von Falten, Altersflecken und mangelnder Spannkraft Paroli bieten zu können. Gleich nach unserer kollektiven Liebe zu Hautpflegeprodukten kommt unser Wunsch nach vollem, glänzendem Haar und langen, festen Fingernägeln.

Gutes Aussehen hilft uns dabei, einen vorteilhaften ersten Eindruck zu machen, und kann unser Selbstbewusstsein fördern. Und wenn wir gut auf uns achten, kann unser Aussehen unser Alter Lügen strafen. Ein jugendliches Erscheinungsbild ist mehr als nur ein attraktives Äußeres – es ist ein Zeichen von Gesundheit und Vitalität. Cremes und Lotionen können zwar eine Hilfe sein, aber einer der besten Wege, um jung auszusehen, ist es, im Inneren jung zu bleiben!

In diesem Kapitel erfahren Sie, wie Kollagen, das wir über die Nahrung zu uns nehmen, die Gesundheit der äußeren Körperhülle, des sogenannten Integuments, fördern kann. Medizinisch gesehen bezeichnet das Integument das Organsystem, das aus der Haut – dem größten Einzelorgan unseres Körpers – und zwei weiteren Strukturen besteht, nämlich Nägeln und Haaren. Zusammen errichtet dieses Trio eine Barriere gegenüber der Außenwelt und schützt uns vor physischen, chemischen und mikrobiellen Angriffen sowie der Belastung durch Strahlen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Regelung von Körpertemperatur und Feuchtigkeit, indem das System sich ständig an die wechselnden Umstände anpasst.

Unser größtes Organ

Als größtes Organ unseres Körpers enthält unsere Haut rund 40 Prozent des körpereigenen Kollagenproteins. Daher lässt sich an ihr der Gesamtzustand des Körperkollagens auch am einfachsten beurteilen, speziell in Bereichen, die der Sonne weniger stark ausgesetzt waren. Nehmen Sie die Haut einmal genau unter die Lupe. Ist sie fahl oder strahlend frisch? Ist der Hautton warm oder eher gräulich? Ist die Haut relativ straff oder ist sie um Augen und Kinnpartie schon ein wenig erschlafft? Haben Sie das Gefühl, mehr oder weniger Falten und Altersflecken zu haben als andere in Ihrem Alter? Wie sieht es mit Dehnungsstreifen oder Cellulite aus (relativ wahrscheinlich, wenn Sie weiblich sind)? All diese Veränderungen sind bis zu einem gewissen Maß normal, doch wenn Sie das Gefühl haben, schneller zu altern, als es eigentlich der Fall sein sollte, dann ist es niemals zu spät, aktiv zu werden!

Viele Faktoren bestimmen, auf welche Weise unsere Haut reift und altert, beispielsweise unsere Gene. Dennoch kennen wir wohl alle Familien, in denen ein älteres Geschwister wesentlich jünger aussieht als die nachfolgenden. Ultraviolettes Licht, Rauchen, Bewegungsmangel, Luftverschmutzung und andere Giftstoffe, zu wenig Schlaf und schwankendes Gewicht tragen alle zu einem schnelleren Niedergang des jugendlichen Aussehens der Haut bei. Sonneneinstrahlung ist der Hauptgrund für ultraviolettbedingte Lichtalterung und zugleich der einflussreichste Faktor, den wir selbst steuern können. Unter Lichtalterung versteht man eine Beschleunigung der normalen Hautalterung durch das Eindringen von ultraviolettem Licht in die tieferen Schichten der Haut. Dadurch wird das Kollagen in der Haut zersetzt und der Wiederaufbau von beschädigtem Kollagen behindert. Neben einem vernünftigen Umgang mit Sonnenlicht steht eine Ernährung, die reich an Kollagenproteinen ist, ganz oben auf der Liste dessen, was wir selbst für unsere Haut tun können.

Bevor wir uns näher mit den Studien befassen, die zeigen, welche Auswirkungen eine kollagenreiche Ernährung auf die Haut hat, wollen wir noch einmal einen kurzen Blick auf die Anatomie und Physiologie unserer Haut werfen. Diese besteht aus drei miteinander verbundenen Schichten: der Epidermis (die dünnste und äußere Schicht), der Dermis (die dickere Innenschicht, die der Haut ihre Festigkeit und Elastizität gibt) und der Hypodermis (der gepolsterten, fettreichen Gewebeschicht unterhalb der Dermis).

Die Epidermis besteht aus vier oder fünf Zellschichten, von denen 90 Prozent reich an dem Protein Keratin sind, weshalb die Zellen auch als Keratinozyten bezeichnet werden. Keratin unterscheidet sich in mehrerlei Weise von Kollagen, wie ich gegen Ende dieses Kapitels noch näher erläutern werde. Die äußerste Schicht der Keratinozyten ist so weit von der darunter liegenden Dermis entfernt, dass diese Zellen ständig aufgrund von Nährstoffmangel absterben, mit einer Rate von etwa 40.000 Zellen pro Minute. Wenn Sie sich jemals gefragt haben, wo der ganze Staub in Ihrer Wohnung herkommt – nun, ein nicht geringer Teil sind einfach tote Hautzellen! Die abgestoßenen Zellen werden ständig durch neue Keratinozyten ersetzt, die aus den darunter liegenden Schichten stammen. Zu den weiteren Zellen, die in der Epidermis zu finden sind, zählen Melanozyten, die das Hautpigment Melanin produzieren, und Langerhans-Zellen, die krankheitserregende Mikroben bekämpfen.

Die Dermis liegt gleich unterhalb der Epidermis und besteht aus zwei Schichten. Die eine Schicht grenzt an die Epidermis an und reicht in Form von fingerähnlichen Erhebungen in sie hinein. Diese Erhebungen versorgen die Epidermis nicht nur mit Nährstoffen und Sauerstoff, sondern enthalten auch Nerven, die es uns ermöglichen, über die Hautoberfläche Berührungen, Kälte, Wärme und Schmerz wahrzunehmen. Die zweite, tiefere Schicht der Dermis besteht größtenteils aus Kollagenfasern, die in Bündeln geordnet und mit elastinhaltigen Fasern überzogen sind. Zusammen bilden sie das Bindegewebe, aus dem unsere Haut größtenteils besteht. Im Gegensatz zur Epidermis wird die Dermis nicht ständig komplett ersetzt, weshalb die Farbe unserer Haut und das Hautbild im Allgemeinen unser Leben lang gleich bleiben.

In der Dermis finden wir vor allem Typ-I-Kollagen, organisiert in Fibrillen, die durch Vernetzung größere Kollagenfasern bilden. Die mechanischen und physischen Eigenschaften der Haut werden durch die Größe und Anordnung dieser Kollagenfibrillen bestimmt. Die Basalmembran, die dünne Schicht zwischen Epidermis und Dermis, besteht zu etwa 50 Prozent aus Typ-IV-Kollagen, das ein Netz bildet und für Stabilität sorgt.

Unterhalb der Dermis befindet sich eine Schicht aus lockerem Bindegewebe, das als Hypodermis bezeichnet wird. Hier finden wir unser „subkutanes Fettgewebe“, also das Fett unter unserer Haut, das uns warm hält, ein Polster für Muskeln und Knochen bildet und unsere Körperkonturen formt. Dabei ist das Unterhautfettgewebe durchaus kein statischer Bereich, denn es ist an Stoffwechselprozessen beteiligt und spielt beispielsweise eine Rolle bei der Blutzucker- und Cholesterinregulierung. Im Vergleich zum Bauchfett (dem sogenannten Viszeralfett), wird das Unterhautfettgewebe zunehmend als positive Form der Fettablagerung angesehen.

Was passiert mit der Haut, wenn wir älter werden?

Mit zunehmendem Alter durchläuft unsere Haut einige Veränderungen. Sie wird dünner, verliert Unterhautfettgewebe und sieht insgesamt weniger prall und glatt aus als in unserer Jugend. Kratzer, Schnitte und Verbrennungen benötigen mehr Zeit, um zu heilen. Kollagen ist in hohem Maße für den Zustand und das Erscheinungsbild der Haut verantwortlich, doch leider nimmt seine Menge und Dichte mit dem Alter und durch den Einfluss von schädlichem ultraviolettem Licht ab.

Zusätzlich verliert das normalerweise straff organisierte Kollagennetz in unserer Dermis mit zunehmendem Alter an Zusammenhalt. Bei diesem Prozess, der auch als Fragmentierung bezeichnet wird, lockern sich die Kollagenfibrillenbündel und werden zudem dünner und kürzer, was zu einer Verminderung der Hautdicke führt. Durch die Abtrennung dieser desorganisierten Kollagenfibrillen von den sie umgebenden Fibroblasten entsteht noch mehr Fragmentierung. Dieser Teufelskreis ist nicht allein auf die chronologische Alterung begrenzt, sondern wird in ähnlicher Form auch durch exzessive Sonneneinstrahlung verursacht.

Auf molekularer Ebene ist eine Gruppe von Enzymen, die als „Matrix-Metalloproteasen“ bekannt sind, für einen rapiden Kollagenabbau verantwortlich. Stark vereinfacht kann man sagen, dass die steigende Aktivität der Metalloproteasen dazu führt, dass die Kollagenfibrillen immer stärker fragmentieren. In der Folge verlieren die Fibroblasten ihre Verbindungsstelle zum Kollagen. Durch den Verlust dieser Bindungsstelle bleiben die Fibroblasten nicht länger in ihrem natürlichen gestreckten Zustand, was die Bildung von Metallo proteasen weiter steigert und die Kollagenproduktion sinken lässt.

Ungünstigerweise findet das nicht nur in der Haut statt, sondern überall dort, wo es viel Kollagen gibt – in Knochen, Knorpel, Sehnen und Bändern. Und obwohl man diesem Prozess nicht vorbeugen kann, bewirkt eine hohe Sonneneinstrahlung zweierlei: Sie beschleunigt die Metalloprotease und unterdrückt zusätzlich die Kollagensynthese. Im Grunde genommen ist also im Laufe der Zeit Ihr gesamter Körper betroffen, aber Ihre Haut ist besonders anfällig für diesen Prozess. Tatsächlich ist exzessives Sonnenbaden der Hauptgrund für die Alterung der Haut.

Diese Alterungsprozesse beschleunigen sich mit jedem Lebensjahrzehnt und sorgen dafür, dass langsam aber sicher zunächst feine Fältchen auftauchen, die dann zu oberflächlichen und schließlich tieferen Falten und erschlaffter Haut werden, speziell rund um Mund, Kinnpartie und Augen. Bei Frauen werden diese Veränderungen vor allem nach der Meno pause sichtbar, und zwar nicht nur im Gesicht, sondern auch an Stellen des Körpers, die häufiger der Sonne ausgesetzt sind, wie Hals und Dekolleté. Bei Männern geht die Hautalterung meist weniger sprunghaft vor sich.

Wenn wir älter werden, kommt zum Kollagenabbau noch eine langsame und stetige Abnahme der Menge an Hyaluronsäure in Dermis und Epidermis hinzu. Hyaluronsäure ist der natürliche Befeuchter der Haut und kann nahezu das Tausendfache ihres Eigengewichts an Wasser halten. Der schleichende Verlust an Hyaluronsäure zeigt sich in der verminderten Fähigkeit der Haut, Feuchtigkeit zu speichern, sodass die Haut im Alter trockener wird. Fältchen und Falten werden so stärker sichtbar und die Haut erscheint zunehmend rau. Trockenheit ist ein weiteres Problem, weil sie die Schutzfunktion der Epidermis untergräbt.

Wie Kollagen helfen kann

Ein guter Sonnenschutz ist Ihr bester Freund und Helfer, wenn es darum geht, Ihre Haut jugendlich zu halten. Zusätzlich können sie zwischen verschiedenen Seren und Cremes wählen. Ich werde jetzt nicht näher darauf eingehen, welche Inhaltsstoffe empfehlenswert sind oder nicht, denn auch darüber ließe sich ein ganzes Buch schreiben! Wo wir jedoch schon beim Thema sind, werfen wir einen kurzen Blick auf die Frage, ob die Haut Kollagen überhaupt aufnehmen kann. Kollagenprotein findet sich in vielen kosmetischen Gesichtscremes und Lotionen, obwohl es nur begrenzte Belege dafür gibt, dass es tatsächlich eine Wirkung hat. Die einzige Kollagenform, die äußerlich aufgetragen möglicherweise einen Nutzen bringen kann, ist eine, bei der das Kollagen in sehr kleine Peptide hydrolysiert wurde, was allerdings bei einigen Menschen zu einer allergischen Dermatitis führen kann. Eine Studie ergab, dass das vierwöchige Auftragen eines synthetischen, dem Kollagen lediglich ähnlichen Peptids die Faltenbildung rund um die Augen bei Frauen zwischen 40 und 62 Jahren vermindern kann. Ich habe nur einen Hersteller gefunden, der Kollagenpeptide für kosmetische Anwendungen anbietet, die sowohl sicher als auch effektiv waren, wobei es jedoch noch keine entsprechenden Produkte gibt, die für Endverbraucher erhältlich sind.

Für eine optimale Gesundheit der Haut ist eine gute Ernährung unumgänglich, wie Untersuchungen zu einer Vielzahl von Nährstoffen und Lebensmitteln wiederholt gezeigt haben. Eine kollagenreiche Ernährung ist dabei eine der besten Möglichkeiten, um die Haut zu nähren und dafür zu sorgen, dass sie feuchter, straffer, glatter und weniger anfällig für Umwelteinflüsse ist.

Bevor wir uns einige dieser Untersuchungen näher ansehen, interessiert es Sie vielleicht zu erfahren, wie der Konsum von Kollagenprotein dazu beiträgt, die Haut jugendlicher zu erhalten. Aus Kapitel 3 wissen Sie bereits, auf welche Weise hydrolysierte Kollagenpeptide verdaut werden, und dass eine signifikante Menge den Darm passiert, ohne aufgespalten zu werden, und somit intakt in den Blutkreislauf gerät. Davon wiederum wird ein Teil in Geweben wie Knorpel und Haut eingelagert. Doch was dann geschieht, wird Sie womöglich ebenso überraschen wie mich, als ich es zum ersten Mal hörte.

Eine aktuelle Theorie besagt, dass diese zirkulierenden Peptide das falsche Signal aussenden, sodass bestehendes Kollagen aktiv zerstört wird, wodurch ein Anstieg der Synthese von neuen, stärkeren Kollagenfibrillen ausgelöst wird. Gleichzeitig regen die Kollagenpeptide die Synthese von Hyaluronsäure an, die dafür verantwortlich ist, die Feuchtigkeit in der Haut zu halten. Kollagenpeptide senken auch die Überaktivität der Matrix-Metalloprotease, die für den Abbau von Kollagen im Körper verantwortlich ist.

Mithilfe von präklinischen Studien an isoliertem Gewebe und Tieren sowie klinischen Humanstudien haben Wissenschaftler untersucht, was passiert, wenn dem Nährmedium des Gewebes beziehungsweise der Nahrung Kollagenprotein zugesetzt wird. Ein Hauptziel war herauszufinden, wie die Hautfeuchtigkeit erhöht und zugleich Fältchen, Falten, schlaffe und raue Haut sowie Hautverfärbungen gemindert werden können. Da Sie das sicher ebenso interessant finden wie ich, schauen wir uns die Ergebnisse gleich einmal näher an.

Beginnen möchte ich mit dem spannendsten Teil, nämlich den klinischen Studien. Hier wird geprüft, was passiert, wenn Menschen wie Sie und ich jeden Tag Kollagenprotein zu sich nehmen. Die Mehrzahl der Hautuntersuchungen wurden bei Frauen vorgenommen, wahrscheinlich weil Frauen das Erscheinungsbild ihrer Haut in der Regel wichtiger ist als Männern (Frauen können sich schließlich nicht hinter einem Bart verstecken!). Das bedeutet jedoch nicht, dass die Ergebnisse nicht auch auf Männer zutreffen.

Hautfeuchtigkeit erhalten

Im Rahmen einer dreiteiligen Studie, die im Jahr 2015 im Journal of Cosmetic Dermatology veröffentlicht wurde, führte eine Gruppe von Forschern zwei klinische Versuchsreihen mit Kollagenpeptiden durch – die erste mit japanischen, die zweite mit französischen Frauen. Im dritten Teil der Studie maßen die Wissenschaftler, welche Veränderungen sich an kleinen Hautproben zeigten, auf die man Kollagenpeptide hatte einwirken lassen.

An der ersten klinischen Studie nahmen 33 gesunde Japanerinnen im Alter zwischen 40 und 59 Jahren teil, die aufgrund des geringen Wassergehalts ihrer Haut ausgewählt wurden. Die Teilnehmerinnen wurden in drei parallele Gruppen aufgeteilt, in denen die Verteilung nach Feuchtigkeitsgehalt jeweils gleich war, und sie erhielten ein Getränk, das entweder 10 Gramm eines Placebos (Dextrin) enthielt oder 10 Gramm von einem von zwei Kollagenpeptiden – das eine auf mariner (aus dem Meer stammender), das andere auf porziner (vom Schwein stammender) Basis (Peptan F oder Peptan P). Die Frauen wurden angewiesen, das Getränk vor dem Zubettgehen zu sich zu nehmen. Es gab keine zusätzlichen Instruktionen zur Hautpflege. Nach jeweils vier und acht Wochen Behandlung wurde das Gesicht der Frauen mithilfe spezieller elektronischer Geräte auf seinen Feuchtigkeitsgehalt und die Rate des Feuchtigkeitsverlusts geprüft.

Die Peptan-F-Gruppe wies nach dem vollen Zeitraum von acht Wochen einen Anstieg der Hautfeuchtigkeit um 12 Prozent auf. Die Ergebnisse der Peptan-P-Gruppe waren allerdings noch beeindruckender, denn hier zeigte sich schon nach den ersten vier Wochen ein Feuchtigkeitszuwachs von 16 Prozent und ein Anstieg von bis zu 28 Prozent nach acht Wochen! Die Rate des Feuchtigkeitsverlustes blieb innerhalb aller drei Gruppen stabil, was bedeutet, dass die gesamte zusätzliche Feuchtigkeit innerhalb der Haut gebildet wurde. (Was das genau bedeutet, erkläre ich, wenn ich auf die dritte Studie der Reihe eingehe.)

Trockene Haut mit Feuchtigkeit versorgen – kennen wir nicht alle Lotionen, Cremes und verschiedene Serum-Varianten, die genau das versprechen? Sicherlich gibt es einige äußerlich anzuwendende Produkte, die besser als andere dafür sorgen, dass die Haut weniger Feuchtigkeit verliert. Entscheidend jedoch ist der Wassergehalt, der in der Haut selbst erzeugt wird, und diese Studie zeigt, dass Kollagenprotein als Nahrungsergänzung genau das bewirkt! Es ist noch zu früh, um behaupten zu können, dass Kollagenpeptide, die aus Schweinen gewonnen werden (so genanntes porzines Kollagenprotein) das höchste Hydrationspotenzial haben, aber es könnte durchaus der Fall sein. Schweinehaut wird beispielsweise verwendet, um schwere Verbrennungen und Verletzungen zu behandeln und hartnäckige Hautgeschwüre zu heilen, weil die Haut von Schweinen der menschlichen Haut am ähnlichsten ist. (An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass eine Luftfeuchtigkeit von mehr als 30 Prozent in Ihrem Zuhause, kürzere und kühlere Duschen und das Trinken von viel Flüssigkeit ebenfalls wirkungsvolle Strategien sind, um ein Austrocknen der Haut zu vermeiden.)

Beim zweiten klinischen Versuch teilten die Forscher eine Gruppe von 99 französischen Frauen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen auf. Sie erhielten ein Getränkepulver, das entweder 10 Gramm eines Placebos enthielt (Maltodextrin, also Speisestärke) oder 10 Gramm Fischkollagenpeptide (Peptan F). Die Frauen nahmen das Getränk jeden Morgen vor dem Frühstück zu sich. Sie erhielten die Anweisung, für die Dauer der 12-wöchigen Studie keinerlei Schönheitspflegeprodukte zu benutzen und sich jeweils nur kurze Zeit in der Sonne aufzuhalten. Nach Ablauf der 12 Wochen zeigten mithilfe von hochfrequentem Ultraschall an den Unterarmen vorgenommene Messungen bei der Peptan-F-Gruppe einen Anstieg von 9 Prozent in der Kollagendichte und eine um 31 Prozent geringere Fragmentierung des Kollagens in der Dermis.

Erste Verbesserungen zeigten sich bereits vier Wochen nach der Einnahme von Peptan F und waren auch 12 Wochen nach Absetzen des Präparats noch sichtbar. Nach nur drei Monaten täglicher Einnahme von Kollagenpeptiden fand sich bei den Frauen in diesem zweiten Versuch ein signifikanter Anstieg der Kollagensynthese in der Haut. Noch spannender ist vielleicht, dass dies die erste klinische Studie ist, die nachweisen konnte, dass der negative Prozess der Kollagenfragmentierung durch die Einnahme von Kollagenpeptiden umgekehrt werden kann.

Die Dauer der Studie reichte nicht aus, um die Veränderungen im Aussehen der beiden Gruppen über einen längeren Zeitraum zu vergleichen, da das Durchführen einer solchen Untersuchung zu viele Gelder verschlingen würde. Dennoch ist der Schluss nicht unzulässig, dass die langfristige tägliche Einnahme von Kollagenprotein die Fähigkeit der Haut, Alterserscheinungen zu bekämpfen, auch weiterhin fördern würde.

Die dritte Untersuchung unterschied sich leicht von den anderen beiden, da sie mithilfe von kleinen Hautgewebeproben durchgeführt wurde, die von den Oberschenkeln einer 49 Jahre alten Frau stammten. Die Proben wurden in ein Flüssigmedium gegeben, dem wachsende Mengen an Fischkollagenpeptiden (Peptan F) zugegeben wurden. Nach einem Zeitraum von neun Tagen wurden die Gewebeproben entfernt und unter einem Mikroskop untersucht. Die Wissenschaftler stellten einen Anstieg im Kollagengehalt fest, der einen maximalen Wert von 9 Prozent erreichte. Zusätzlich konstatierten sie einen Anstieg um das Siebzehnfache beim Glykosaminoglykan-Gehalt der Haut.

Glykosaminoglykane sind eine vielseitige Molekülklasse und bestehen aus langen Ketten von Kohlenhydraten. Sie ziehen Wasser an und binden es sowohl in der Haut als auch an anderen Orten wie den Gelenken und den Schleimhäuten des Darms. Einen wichtigen Vertreter der Glykosaminoglykane haben Sie bereits kennengelernt – die Hyaluronsäure, die Wasser anzieht und in der Haut hält. Ein siebzehnfacher Anstieg, der an einer Gewebeprobe gemessen wurde, lässt sich vielleicht nicht eins zu eins auf die Haut einer lebenden Person übertragen, aber ein Anstieg des Glykosaminoglykangehalts könnte die Ergebnisse der ersten Studie erklären – schließlich kam es bei den Frauen, die die Kollagenpeptide zu sich genommen hatten, zu einem Anstieg des Feuchtigkeitsgehalts der Haut von 12 bis 28 Prozent in weniger als zwei Monaten.

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