Kitabı oku: «Das Wunder der Heilung»
Patric Pedrazzoli
Das Wunder der Heilung
Giger Verlag
1. Auflage 2015
© Giger Verlag GmbH, CH-8852 Altendorf
Telefon 0041 55 442 68 48
www.gigerverlag.ch
Lektorat: Monika Rohde
Foto: Stefan Maurer, www.maust.ch
Umschlaggestaltung:
Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich
Layout und Satz: Roland Poferl Print-Design, Köln
1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015
ISBN 978-3-905958-54-8
Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Vorwort von Pascal Voggenhuber
Einführung
TEIL I – ALLES IST MÖGLICH
Indien, ein Land voller Wunder!
Die Kumbh Mela in Haridwar
Naga Babas und Yogis
Versöhnung mit meiner Familie
Die Reise an die Quelle des Ganges
Meine Heimreise, Kulturschock Schweiz
Eine sehr schwierige Zeit
Reise zu den Meistern Indiens
Meine Eltern und mein Bruder besuchen mich in Indien
Das Regenbogenhaus
Die Buchhandlung Weyermann
Der Meister hat gerufen
Krankheit und Tod meiner Mutter
Die »Quelle«
Heilbehandlungen und Ausbildungen bei großen Heilern dieser Welt
Einige Erlebnisse
TEIL II – LEBENSPHILOSOPHIEN
Wunder geschehen im Hier und Jetzt
Kann Heilung ohne Heiler geschehen?
Negatives und positives Denken
Beruf und Berufung
Partnerschaft, Beziehungen und Familie
Rollen des Lebens
L(i)ebe
Angst und Sorgen, Hoffnung und Zweifel
Sorgen
Hoffnung und Zweifel
Stress
Gesundheit und Ernährung
Humor – glücklich – glückselig
Geld – Ruhm – Erfolg
Frei sein vom Wollen
Karma
Wie wirklich ist unsere Wirklichkeit?
Einfügen ins Schicksal und vertrauen
Zeit und Raum sind relativ
Bewusstseinsebenen
Verantwortung für dein Leben übernehmen
Brauchen wir einen Meister oder eine Meisterin?
Nachwort
Dank
Über den Autor
Weitere Bücher
Vorwort
von Pascal Voggenhuber
Als mich Patric fragte, ob ich das Vorwort für sein erstes Buch schreiben könnte, habe ich mich enorm gefreut und für mich war klar, dass ich das gern mache. Ich habe mir lange überlegt, was ich schreiben könnte, und worüber ich dem Leser von Patrics Buch berichten möchte. Doch bald habe ich alles verworfen und mir einfach vorgenommen, aus dem Herzen zu schreiben. Das passt aus meiner Sicht auch am besten zu Patric, denn er war anfangs hauptsächlich mein Veranstalter diverser Seminare, die ich bei ihm in Bern in der Quelle geben durfte.
Doch es dauerte nicht lange, da wurde aus dem Veranstalter ein wahrer Freund. Obschon ich der Referent war, habe ich immer Patrics Art bewundert, wie er mit Menschen umging. Für mich war erstaunlich, dass er trotz der Hektik und der vielen Arbeit immer ruhig und freundlich blieb, ich habe mich ein paarmal gefragt, wie er das wohl macht. Damals wusste ich noch nicht, dass er selber als Heiler tätig ist, und dank seiner bescheidenen Art hat es auch noch länger gedauert, bis ich das erfahren habe. Doch vom ersten Moment an fühlte ich mich einfach immer sehr wohl bei ihm und wir hatten eine Menge Spaß. Trotzdem spürte ich sofort die tiefe Weisheit Patrics.
Später haben wir angefangen, zusammen Heilerabende zu geben, diese waren immer ein besonderes Erlebnis; ich schätze seinen Humor, aber auch seine Ernsthaftigkeit bei der Sache. Ich durfte viele seiner Heilbehandlungen miterleben und war oft überrascht, wie schnell es den Menschen besser ging und wie bescheiden Patric dennoch blieb. Was mir an Patric besonders gefällt, ist, dass er dennoch ein Mensch geblieben ist, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Kein abgehobenes spirituelles Getue, wenn man ihn so anschaut, würde man nie darauf kommen, dass er Heiler ist und dass er viel Zeit zum Beispiel in Indien bei Meistern, Yogis und Heilern verbracht hat. Patric hat mir nicht nur beruflich viele Tore geöffnet und mir für meine mediale Arbeit bei ihm in der Quelle eine wunderbare Plattform gegeben, sondern ich habe auch privat sehr viel von ihm bekommen.
Ich habe große Achtung vor dir und wünsche dir so sehr, dass viele Menschen von dir erfahren, dass viele Menschen dein »Licht« erkennen können und dass du es weitergeben kannst. Ich habe ihm immer mal wieder gesagt, er sollte selbst mehr auftreten und weniger nur als Veranstalter fungieren, weil er wirklich eine ganz besondere Gabe hat. Ich hatte manchmal das Gefühl, allein ein Gespräch mit ihm, bei dem er nicht einmal viel gesagt hat, kann sehr heilend sein. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich 2014 im Krankenhaus war, weil ich meine Beine nicht mehr spürte. Als ich das Krankenhaus verließ, waren die Symptome noch da und ich rief Patric an, weil wir bald eine Veranstaltung zusammen hatten. Ich wusste nicht, ob ich sie halten konnte, weil mein Körper noch nicht so wollte wie ich. Sofort empfahl er mir einen Heiler in meiner Gegend, der mir auch half, durch dessen Hilfe die Symptome besser wurden.
Aber bereits die Gespräche mit ihm hatten auf mich eine heilende Wirkung. Das hört sich vielleicht verrückt an, doch ich kann es nicht anders erklären. Jedenfalls war ich an dem Abend des gemeinsamen Events mit ihm auf der Bühne und die Veranstaltung lief gut. Als er Klienten aus dem Publikum heilte und ich neben ihm stand, fühlte ich, wie auch ich Heilung bekam und meine Symptome fast verschwanden. Daraufhin bat ich ihn nochmals, mehr aus seiner Gabe zu machen und bin sehr dankbar, dass es heute dieses Buch gibt.
Ich bin mir sicher, dass dir das Buch eine neue Sichtweise zeigen kann oder vieles, was du selbst schon erkannt hast, bestätigen. Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und viel Spaß beim Lesen.
In Freundschaft
Pascal Voggenhuber
Einführung
Güte in den Worten erzeugt Vertrauen,
Güte beim Denken erzeugt Tiefe,
Güte beim Verschenken erzeugt Liebe.
LAOTSE
Liebe Leserin, lieber Leser. Danke, dass du mein Buch liest oder lesen möchtest. Gerne möchte ich mit dir einiges aus meinem Leben teilen, das mir beim Schreiben bereits mit großen und kleinen Wundern bereichert schien. Alles, was ich hier geschrieben habe, ist wahr, diese Wunder gibt es wirklich auf der Erde oder besser gesagt, dies ist nur ein kleiner Teil der Wunder, die es gibt, denn es gibt viel mehr auf dieser Welt, was wir nicht sehen und erklären können.
Ich nehme dich mit auf eine äußere und innere Reise in dich hinein und um dich herum. Tauche für einige Stunden in diese Welt mit mir ein und erlebe gleich selbst die Wunder in und um dich herum. Versuche, während du dieses Buch liest, für einige Stunden dein gesamtes angelerntes oder angelesenes Wissen loszulassen. Sei neu in jedem Moment und spüre während des Lesens, was mit dir passiert. Bleibe vollkommen bei dir und sei neutral, so können viele Wunder passieren, denn dann bist du nicht voreingenommen.
Am Schluss des Buches kannst du selbst entscheiden, was du für dich mitnehmen möchtest und was nicht. Ich freue mich, mit dir zusammen jetzt auf diese Reise und durch dieses Abenteuer zu gehen.
Der Reisende ins Innere findet alles,
was er sucht, in sich selbst,
das ist die höchste Form des Reisenden.
LAOTSE
Viel Freude dabei
Patric
TEIL I
Indien, ein Land voller Wunder!
Ich war im Flieger nach Bombay in Indien. Neben mir saß ein Mann, der mir von einem Meister in Indien berichtete, zu dem er für drei Wochen zum Meditieren fährt. Als er mir erzählte, wie er miterlebt hatte, dass Leute im Rollstuhl durch die Berührung des Meisters aufstanden und wieder laufen konnten, krebskranke Leute im Endstadium zu ihm kamen und nach einiger Zeit gesund wieder nach Hause gingen, dachte ich im ersten Augenblick: Gibt es das wirklich auf dieser Welt? Das ist unmöglich. Doch er schilderte mir weiter seine Erlebnisse, und berichtete mir auch von Materialisationen (etwas, das vorher nicht da war, kann ein Yogi aus dem Nichts holen) und vielem mehr. Mehr zu diesen Wundern erzähle ich später.
Ich war gerade 21 Jahre alt geworden und mit meiner Malerlehre fertig. Ich war allein unterwegs, mein guter Freund Rene, mit dem ich die Ausbildung gemacht hatte, hatte mich dazu überredet, mit ihm zusammen nach Indien, respektive nach Goa, zu reisen, um da unseren Abschluss zu feiern und Party zu machen. Acht Wochen vor unserer Abreise meinte er plötzlich, er möchte lieber nach Amerika und komme nicht mit nach Indien. Ich war ziemlich enttäuscht darüber und wusste nun nicht, was ich machen sollte. Weil ich mich aber so auf diese Reise gefreut hatte, erklärte mein Bruder Marco, er käme mit, wenn ich das möchte. Da ich das erste Mal geplant hatte, längere Zeit ins Ausland zu gehen und Angst hatte, allein diese Reise anzutreten, nahm ich sein Angebot gern an. Langsam aber spürte ich immer stärker, nachdem wir bereits unsere Impfungen gemacht hatten und nun die Flüge buchen wollten, dass mein Bruder nur wegen mir mitkommen würde, aber eigentlich überhaupt kein Interesse an Goa, geschweige denn an Indien hatte.
Da nahm ich all meinen Mut zusammen und meinte: »Marco, ich danke dir für deine große Hilfe, aber bitte bleibe hier. Wenn ich allein nicht klarkomme in Indien, kannst du ja sofort nachkommen und mit mir reisen.« Er zögerte ein wenig und fand schließlich, dass diese Idee eine gute Lösung für uns beide wäre. Indien rief mich zu sich, ich kann das nicht beschreiben, doch es wurde immer lauter in mir.
Fünf Dinge wollte ich auf dieser Reise finden und umsetzen. Erstens, ich wollte mich finden. Mein Vater meinte zwar: »Was willst du finden, du stehst doch vor mir?« Ich jedoch fühlte mich schon lange nicht mehr als das, was ich vorgab zu sein. Zweitens wollte ich bei einem indischen Guru, einem Heiler, einem Meister, eine Medizin finden für alle Krankheiten. Meine Großmutter war ein Museum an Krankheiten und musste jeden Tag viele verschiedene Medikamente nehmen (eines für Diabetes, eines gegen Rheuma, eines für den Magen, weil sie die Medikamente nicht so vertragen hat, eines zur Blutverdünnung usw.). Ich wollte ihr einfach helfen, wieder gesund zu werden. Drittens wollte ich Vegetarier werden, denn kurz vor meiner Abreise sah ich zwei, drei Dokumentationen über die katastrophalen Tiertransporte und die setzten mir arg zu. Ich war damals noch ein Fleischkannibale, ein Essen ohne Fleisch war für mich kein Essen. So konnte ich zum Beispiel schon um sieben Uhr morgens zu McDonalds gehen und einen Hamburger essen, das war für mich kein Problem. Ich dachte damals noch, wenn man kein Fleisch isst, wird man verhungern. Viertens wollte ich mich versöhnen mit all meinen schlechten Taten und Handlungen, und zwar sowohl mit denen, die ich je begangen hatte, als auch mit denen, die mir angetan worden waren. (Es klingt schlimmer als es war, jedoch ist es etwas sehr Wirkungsvolles.)
Die Erzählungen meines Flugnachbarn über diesen Meister in Indien klangen noch lange in mir nach. Schon in meiner Kindheit im Religionsunterricht haben mich alle Geschichten mit und über Jesus, vor allem die Heilungen – Blinde sehend gemacht, gelähmte Leute zum Laufen gebracht und Tote erweckt – sehr fasziniert. Aber auch die Auferstehung und die Geschichten, bei denen er übers Wasser lief, Fische, Brot und sonstige Dinge materialisiert hat, sowie Geschichten über die Propheten und Engel haben mich sehr berührt, obwohl ich nicht religiös aufgewachsen bin und wir auch nicht zur Kirche gingen oder sonst etwas mit der Bibel zu tun hatten.
Kaum in Bombay gelandet, flog ich gleich weiter nach Goa und nahm dort mit einem Pärchen aus Frankreich ein Taxi zu meinem Hotel. Dort angekommen, wusste ich nichts mit mir anzufangen. Da ich damals kaum Englisch sprach, konnte ich auch nicht so einfach Kontakt zu anderen Touristen knüpfen. Also ging ich ins Bett und schlief bald ein. In der Nacht erwachte ich und stellte plötzlich für mich fest, dass ich allein in Goa/Indien war. Bei dem Gedanken stiegen massive Ängste in mir hoch wie noch selten in meinem Leben. Was mache ich hier, was will ich hier, wem muss ich etwas beweisen? Ich hatte solche Ängste, dass ich beschloss, gleich am nächsten Morgen ein Taxi zum Flughafen zu nehmen, um von dort zurück in die Schweiz zu Mami und Papi zu fliegen, zurück in mein geborgenes Zuhause.
Am nächsten Morgen beim Frühstücken, es war ein sehr schöner strahlender Morgen, saß neben mir ein Slowake mit Namen Roland, der zu meinem Glück Deutsch sprach. Er erzählte mir sogleich, wie hier alles so läuft, was wie wo ist, und nahm mich auch gleich mit auf seinem Motorrad, einer Enfield, und zeigte mir ein wenig Goa. So verlor ich meine Angst und gewann einen guten Freund. Danke, Roland, an dieser Stelle, dank dir bin ich nicht gleich wieder nach Hause gereist.
In den nächsten fünf Wochen in Goa feierte ich ausgiebig meine bestandene Lehrabschlussprüfung. Während der ganzen Zeit dort hörte ich immer wieder sehr viele Leute über die Kumbh Mela reden, dem größten spirituellen Festival der Welt, das unmittelbar im Norden Indiens, in Haridwar (dem Tor zum Himmel), demnächst beginnen würde. Ich dachte mir, da fahren so viele hin, dann mache ich das doch auch. Doch ich fuhr nicht wegen dem Spirituellen dorthin, sondern weil bei den Zeremonien auch oft Gras konsumiert werden konnte. Damals hatte ich noch eher Angst vor allem Spirituellen und den Esoterikern. Obendrein hatten mich viele Leute vor meiner Indienreise gewarnt vor den dortigen Sekten, den Ashrams (klosterähnliche Institutionen, in denen oft ein Guru oder Meister lebt und dort seine Schüler unterrichtet), vor dem Meditieren und vor dem Yoga, das sei alles spiritueller Humbug. Ich kannte ja nur die üblichen Räubergeschichten über die Hare Krishnas, die Jugendliche verschleppen sollten (was eher Geschichten sind, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben, wie ich später herausfand).
Nun gut, ich reiste mit dem Flugzeug weiter in den Norden, nach Delhi und danach mit dem Zug nach Haridwar und Rishikesh, an den Fuß des Himalayas.
Die Kumbh Mela in Haridwar
In Rishikesh angekommen, schaute ich sofort nach einer Unterkunft. Leider war das Swiss Cottage schon ausgebucht, das wäre eine gute Adresse als Übernachtungsmöglichkeit gewesen. Ich suchte noch ein wenig weiter, jedoch war wegen der Kumbh Mela überall alles ausgebucht. Zur Kumbh Mela kamen in diesem Jahr (1998) etwa 25 bis 35 Millionen Pilger, verteilt auf circa drei Monate, aus allen Ländern dieser Welt sowie aus verschiedenen Kulturen und Religionen nach Haridwar, um während eines Bades an gewissen, astrologisch bestimmten Tagen im Heiligen Fluss Ganges die Seelen reinzuwaschen.
Ich entschloss mich daher, die nächsten Tage auf dem Dach des Swiss Cottage zu übernachten, bis ein Zimmer frei würde. Dort traf ich einen Spanier, der mir erzählte, dass er nicht weit weg seinen Schlafplatz hätte, in einem kleinen Ashram, und dort wäre noch ein Zimmer frei. Meine Alarmglocke bimmelte und ich dachte, dort haust bestimmt eine Sekte. Nun gut, auf dem Dach zu übernachten, bei einer Wetterlage, die nach Regen aussah, schien mir auch nicht gerade rosig zu sein. Der Spanier schien sehr freundlich und liebenswürdig, daher sagte ich ihm, dass ich mir gern das freie Zimmer bei ihm im Ashram unverbindlich anschauen möchte.
Vor dem Tor des kleinen Ashrams spürte ich in und um mich herum eine gewaltige Energie, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Eigenartig, dachte ich. Am Tor begrüßte mich freundlich ein kleiner Mann, er war der Hüter des Ashrams. Er gefiel mir auf Anhieb, er war mir sehr sympathisch und hatte ein schelmisches Lachen. Ja, er kam mir vor wie Yoda (er sah auch wirklich ein wenig so aus), der Jedi-Meister aus den Filmen Krieg der Sterne. Als ich diese Filme zum ersten Mal sah, wollte ich immer so einen Meister haben wie Yoda, den Meister von Luke. Der lehrte ihn die Kontrolle der Energie der Macht zu benutzen, z. B. um mit den Gedanken große Felsen vom Boden zu heben. Da ich den Namen des Ashram-Hüters nicht aussprechen konnte, sagte ich einfach Yogi zu ihm. Er zeigte mir das letzte freie Zimmer im Ashram, zufälligerweise war es ein Zimmer, das man nur durch den Yogaraum erreichen konnte. Als er mir dann sagte, dass das Zimmer ungefähr 50 Rappen pro Nacht kostete, sagte ich sofort zu, na, das war ja wohl ein Schnäppchen. Da ich immer noch etwas Angst vor dem ganzen Sektenzeugs hatte, nahm ich mir vor, dort nur zu schlafen und tagsüber mit den Leuten im Swiss Cottage herumzuhängen. Daher verließ ich in den ersten Tagen jeden Morgen, nachdem die Gruppe mit dem Yoga fertig war, mein Zimmer, ich wollte sie ja nicht stören und wusste eigentlich auch nicht, was die Sektenbrüder da im Yogaraum machten.
Tagsüber bis spät in die Nacht war ich dann bei den Leuten im Swiss Cottage. Dort wohnte ein Schweizer mit Namen Pati und ein Deutscher, dem ich den Namen Hanuman gab. Wir kochten oft zusammen indisches Essen, aßen gemeinsam und philosophierten den ganzen Tag über Gott und die Welt. Abends saßen wir bis spät in die Nacht hinein am Lagerfeuer und philosophierten weiter. Irgendetwas in diesen Gesprächen muss mich geweckt haben. Plötzlich euphorisch geworden, nahm ich alles auf wie ein völlig ausgetrockneter Schwamm. Immer tiefer gingen unsere Gespräche, immer mehr Themen kamen auf. Was ist der Sinn des Lebens? Was machen wir hier? Was kommt nach dem Tod? Und so weiter und so fort.
Eines Abends fragte mich dann ein spanisches Pärchen, ob ich am kommenden Morgen im Ashram mit zum Yoga kommen möchte, sie gingen seit einiger Zeit dorthin und es gefalle ihnen sehr gut. Yoga, dieses Sektenzeug? Ich war noch skeptisch, fand aber, dass sie ganz vernünftige Leute waren und ich doch keine Angst haben müsste, mit ihnen zu gehen.
Also sagte ich zu und am Morgen danach trat ich früh aus meinem Schlafzimmer direkt in den Yogaraum, um mitzumachen. Yogi gab das Yoga. Ich setzte mich und versuchte, die vorgegebenen Übungen zu machen. Alle anderen konnten es recht gut, nur ich fühlte mich wie eingerostet und konnte nicht einmal meine Zehen berühren. Vermutlich hatte ich wohl die letzten Jahre zu viel Zeit auf dem Sofa verbracht. Nach dem Yoga fühlte ich mich sehr gut, so, als ob ich Bäume ausreißen könnte. Ich beschloss daher, ab jetzt jeden Tag zum Yoga zu gehen, um mich zu entrosten, und erst danach mit Pati und Hanumann weiter zu philosophieren über das Leben und den Tod, über Gott und die Welt.
Eines Morgens blieb ich nach dem Yoga noch länger im Ashram und Yogi saß neben mir. Einer der Schüler hatte mir erzählt, das Yogi auch Handlesen könne, daher streckte ich ihm spontan meine Hand zu. Er schaute meine Linien an und erzählte mir dann einiges über mein Leben. Es war sehr spannend, was dieser kleine unscheinbare Mensch alles über mich wusste, nur dadurch, dass er sich meine Hand ansah. Er zeigte mir ein M in meiner Hand und sagte, das wäre ein magisches M. Ich fand das alles sehr spannend, wusste aber nicht, was das bedeutet und nahm daher spontan seine Hand und sah das gleiche M bei ihm. Plötzlich flossen aus meinem Mund die Worte: »O, you are my master«. (oh, du bist mein Meister). Sogleich antwortete er: »Yes, I am and I give you your spiritual name.«. (Ja, das bin ich und ich gebe dir deinen spirituellen Namen.) Ich hatte den Eindruck, als ob er das schon seit dem ersten Tag meiner Ankunft gewusst hätte und so lange geduldig gewartet hatte, bis ich ihn zu meinem Meister erkor. Nun hatte ich einen Meister (Yoda, meinen Jedi-Meister), wusste aber eigentlich noch gar nicht wofür.
In der kommenden Nacht wachte ich plötzlich halb auf und halb im Schlaf tanzten große farbige Mandalas vor meinen Augen, beschrieben mit Sanskritwörtern (Kraftbilder mit Inschriften indischer Yogis), das dauerte etwa eine Stunde und danach schlief ich wieder ein. Am nächsten Morgen konnte ich mich an keines der Bilder erinnern oder es verstehen, aber es kam mir wie eine Einweihung vor, nur in und für was? Ich entschloss mich dann, mit dem Meditieren anzufangen, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie das geht. Ich setzte mich einfach abends hin und dachte über Themen wie Freunde und Freundinnen, Lehrer, Verwandte, Erlebnisse usw. nach, schaute mir in Gedanken alles an, was war positiv, was konnte ich davon mitnehmen, und was war negativ und was konnte ich davon verzeihen und loslassen. Nach jedem Thema atmete ich tief ein und aus und es fühlte sich jedes Mal so an, als würde Ballast abgeworfen; mehr oder weniger Ballast je nach Thema. Ich nahm mir vor, sobald ich diese Themen abgeschlossen hätte, würde ich zum Abschluss ein heiliges Bad zur spirituellen Reinigung im Ganges nehmen.
Naga Babas und Yogis
Innerhalb der Kumbh Mela badeten an astrologisch bestimmten Tagen Hunderttausende oder Millionen Pilger im Heiligen Fluss Ganges. Heute war wieder so ein Tag und ich beschloss, nach Haridwar zu fahren, das circa 24 Kilometer von Rishikesh entfernt liegt. In Haridwar angekommen, lief ich lange durch die Straßen und nahm die verschiedensten Eindrücke von Pilgern auf. Da kamen ganze Familien in ihren schönsten Kleidern bis hin zu Bettlern, Familien mit Kranken, einige im Rollstuhl oder auf Liegen, ganz alte Leuten saßen auch auf dem Boden und das alles auf engstem Raum.
Auf einmal fühlte ich eine gewaltige Energie in mir und ich begann zu laufen, so viel Power auf einmal hatte ich noch nie gespürt. Ich lief parallel zu einer abgesperrten Zone, die mit einem Zaun und Tausenden von Polizisten vom normalen Publikum abgesperrt war. Plötzlich sah ich sie zu Tausenden: die Naga Babas (das heißt: mit nichts als einem Lendenschurz und heiliger Asche bekleidete Sadhus, heilige indische Mönche, die während der ganzen Kumbh Mela zugegen sind und aus den entlegensten Orten Indiens zusammenkommen), die Meister und Yogis, die zum Teil seit Jahrzehnten nicht aus ihren Höhlen oder aus dem Himalaya gekommen waren. Die seit Jahrzehnten am Meditieren waren, abgeschieden von allen Menschen und der Zivilisation, manche wie Tiere, manche ganz edel aussehend, doch ein Leuchten ging von ihnen allen aus. Einige hatten Rastahaare bis zum Boden, manche hatten zur Feier des speziellen Baderituals im Ganges die Haare geschnitten. Sie alle kamen, ohne dass man sie gerufen hätte, sie waren nur einem inneren Ruf gefolgt, an diesem Tag ihre Höhlen zu verlassen, um zu baden und sich spirituell zu reinigen, um danach wieder zurückzukehren. Das war ein wahnsinniges Erlebnis und ein gewaltiges Energiebeben in mir.
Manche Yogis waren absichtlich verkrüppelt, um symbolisch das Leid der Menschheit und der Erde zu tragen und manche aus anderen spirituellen Gründen. Wieder andere hatten ein Bein hochgebunden, und dies seit Jahrzehnten. Ich dachte noch, wie kann man sich so etwas antun und warum? Einige, so schien es, liefen gar nicht mehr auf dem Boden, sondern schwebten leicht darüber. Es gab alles, was man sich nur vorstellen kann, und auch was jenseits jeder Vorstellung ist. Doch da waren sie. Yogis mit unermesslichen Kräften und speziellen Fähigkeiten, den Siddhi (Fähigkeiten wie, sich an anderen Orten zu materialisieren, an verschiedenen Orten gleichzeitig zu sein, übers Wasser zu laufen, Knochenbrüche und unheilbare Krankheiten durch eine Berührung zu heilen und vieles Unglaubliche mehr). Da würden wir im Westen von Wundern sprechen und von Dingen, die unmöglich sind. Ich sage euch, diese Kräfte gibt es wirklich, auch wenn ich das damals noch nicht glauben konnte. Der Zug der Yogis hatte mich so in den Bann gezogen, ich war wie hypnotisiert, setzte mich nieder und schaute stundenlang zu, mich faszinierte dieser Anblick.
Am Abend fuhr ich, überflutet von Eindrücken, zurück nach Rishikesh in meinen kleinen Ashram, um alles Erlebte und Erfahrene zu verdauen. Die Eindrücke waren gigantisch für mich. So vieles, von dem ich geglaubt hatte, dass es nicht möglich sei, hatte ich heute gesehen und erlebt. Das Erlebte setzte wiederum eine gigantische Transformation bei mir in Gang. Es zerstörte mein bisheriges Bild vom Leben und der Welt. Es war sehr intensiv und gleichzeitig auch sehr sanft und liebevoll, trotzdem musste ich es erst einmal verarbeiten.
Versöhnung mit meiner Familie
Ich war nun bald einen Monat in Rishikesh und Ostern stand vor der Tür. Ich ging weiterhin morgens zu Yogi ins Yoga, tagsüber zum Philosophieren ins Swiss Cottage und abends vor dem Schlafen meditierte ich. Es kam der Gründonnerstag, ich meditierte über meine Mutter und versöhnte mich wie immer am Ende der Meditation mit ihr. Danach schlief ich ein. Am nächsten Morgen wachte ich auf und machte einen Spaziergang. Gegen Mittag überkam es mich dann, mir wurde schlecht und ich bekam Fieber. Irgendetwas musste raus und wurde innerlich verbrannt und aufgelöst. Am Abend ging es mir schon ein wenig besser und ich konnte im Bett über meinen Vater meditieren. Da hatte sich so einiges bei mir angestaut, da unser Verhältnis nicht immer das Beste war, eigentlich ganz normal bei einem pubertierenden Jungen, dass es da nicht einfach ist zwischen Vater und Sohn, aber ich konnte auch da viel loslassen.
Am nächsten Morgen erwachte ich wiederum ganz frisch, jedoch holte mich auch an diesem Tag die Meditation des Vorabends ein und ich bekam wieder hohes Fieber, so hoch, dass ich am Abend kaum im Sitzen meditieren konnte. Während ich also im Schneidersitz dasaß, kippte ich immer wieder seitlich auf meine Rippen. Ich meditierte an dem Abend über Gott, ihn hatte ich bisher vergessen. In der Schule hatte ich noch öfter an ihn gedacht, auch war er mir über die spannenden Geschichten von Jesus immer sehr nahe gewesen. Danach kamen die Zeiten, in denen die Mädchen und der Ausgang viel wichtiger wurden, sodass ich ihn nach und nach vergessen hatte. Auch mit ihm machte ich zum Schluss mein Versöhnungsritual, danach schlief ich ein.
In der Nacht erwachte ich mit den schlimmsten Bauchkrämpfen, die ich je hatte, und das über Stunden. Mein Körper litt Höllenquallen, doch innerlich fühlte ich mich immer freier und unberührter gegenüber meinem Körper. Ich spürte ihn zwar, merkte jedoch ganz genau, dass mein Wesen und der Körper nicht dasselbe sind, sondern dass ich in diesem Körper wohne, aber ansonsten vollkommen losgelöst von ihm bin.
Meine Freunde aus dem Swiss Cottage hörten von meinem Leid, machten sich Sorgen und kamen vorbei. Als sie mich sahen, wollten sie mich sofort ins Spital bringen, aber ich beruhigte sie und konnte sie davon überzeugen, dass dieser Zustand bald vorbei sein würde, das fühlte ich ganz stark. Hier ist anzufügen, dass sich in mir in diesem Monat in Indien sehr viel getan hatte. Ich war am Erwachen aus dem langen Schlaf der Unbewusstheit und der Illusionen. Meine Intuition erwachte, meine Hellsichtigkeit, mein Hellfühlen und auch mein Hellhören wurden langsam geweckt. Es war alles also vollkommen natürlich.
Es war Ostersonntag und am Ostermontag gab es wieder einen astrologisch vorbestimmten spirituellen Badetag mit rituellen Waschungen bei der Kumbh Mela. Dorthin wollte ich unbedingt, meine Meditationsreihe über meine Familie war fast abgeschlossen, es fehlte nur noch mein geliebter Bruder Marco, daher war ich bereit für die rituellen Waschungen und war bereit zur Reinigung von allen weltlichen Sünden. Ich ging in die Küche des Ashrams, dort saß der Yogi, er sah mich an und sagte, dass er mir nun meinen spirituellen Namen geben würde. Er machte eine Puja (ein indisches Ritual) mit mir und taufte mich auf den Namen Dev Bhavananda. Nun hatte ich zwei Namen und beide gefallen mir.
Am Sonntagabend konnte ich nicht einschlafen, ich war so voller Energie, dass ich mich entschloss loszulaufen, die ganze Nacht Richtung Harridwar zu laufen, um dort am Ostermontag in der Früh mein lang erwartetes spirituelles Bad im Ganges zu nehmen. Ich packte meine sieben Sachen und lief los. Per Zufall lief ich am Swiss Cottage vorbei, es war ungefähr 23 Uhr, da kamen Pati, Hanuman und der Italiener Paolo gerade heraus. Wir sahen uns kurz in die Augen, verstanden uns wortlos und liefen gemeinsam in Richtung Harridwar. Wir liefen stundenlang, ohne zu reden, jeder war versunken in seine Gedanken und seinem Wesen. Ich meditierte über meinen Bruder, mit dem ich die letzten fast 20 Jahre verbracht hatte, in denen wir viel zusammen erlebten. Ich schaute dem vor mir laufenden Pati auf die Fersen und war in einem tranceähnlichen Zustand der Meditation.
Gegen fünf Uhr morgens erreichten wir die Gates, die am Ganges aufgebaut waren. Es war wie in einem religiösen Film, Millionen von Menschen waren am Pilgern und Baden, überall standen Scheinwerfer, es fehlten nur die Kameras. Ich setzte mich irgendwo nieder und beendete meine Versöhnungsmeditation mit meinem Bruder. Ein Polizist wurde auf mich aufmerksam, trat zu mir und pfiff sehr laut auf seiner Trillerpfeife. Ich war so tief versunken, dass ich ihn zwar hörte, mich aber nicht bewegen konnte. Er kam mit der Pfeife fast direkt an mein Ohr und pfiff abermals; da er jedoch keine Regung bei mir sah, ließ er davon ab und ging weg.
Nachdem ich langsam zu mir kam, stand ich auf und ging über die Treppen in den Ganges. Ich tauchte dreimal in den Fluss und kam wieder heraus. Dann trocknete ich mich ab und wartete auf die anderen drei, die auch gebadet hatten. Nun, ich weiß nicht genau, was im Wasser passiert war, jedoch war es anschließend bei mir im Kopf sehr still und das dauerte fast fünf Monate an. Ich sah meine Umwelt plötzlich ganz anders, oder sagen wir besser ganz neu an. Alles leuchtete, jeder Baum, jede Pflanze, sogar die Steine am Boden hatten alle eine leuchtende Aura. Da es still war in meinem Kopf, war jeder Moment neu, ich war auf einmal im Jetzt angekommen, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft. Ich hatte mit meinem bisherigen Leben abgeschlossen, meinem Leben im Materialismus.
Wir liefen dann zu den Bussen und auf der Treppe gab es ein leichtes Gedränge. Plötzlich kamen ungefähr acht Polizisten und begannen, mit ihren Schlagstöcken wahllos auf die Leute – egal ob Kinder oder Erwachsene oder ältere Menschen – einzuschlagen. Ich stand gerade auf der obersten Treppenstufe, als die Polizisten loslegten. Ganz aus dem Nichts heraus nahm ich meine Finger in den Mund und begann so laut es ging zu pfeifen. Neben dem Ton kam auch so viel Energie aus mir heraus, dass alle Polizisten sofort aufhörten, auf die Leute einzuschlagen. Sie schauten mich verdutzt an, verweilten noch kurz und gingen dann weg. Ich war sehr erstaunt über mein Handeln und auch über das Geschehene, es kam mir vor, als hätte ich nicht selbst gehandelt, sondern als wäre aus mir heraus gehandelt worden.
Wir liefen weiter zu den Bussen und fuhren nach Rishikesch zurück. In meinem Zimmer angekommen, setzte ich mich aufs Bett und schaute zufällig auf meine Handflächen. Erschrocken sah ich genauer hin, hatte ich doch noch ein paar Tage zuvor meine Handlinien vom Yogi lesen lassen und meine Linien genau gesehen. Nun waren sie alle gelöscht. Meine Handlinien waren weg, es waren nur noch die drei Hauptlinien da. In den nächsten Monaten kamen dann neue Linien hinzu. Erschöpft und erstaunt legte ich mich hin und schlief ein. Ich schlief fast zwei Tage durch, so müde war ich. Na, das spirituelle Leben kann auch müde machen.
Ein Nachtrag, später erfuhr ich, dass an diesem Badetag am Ostermontag rund acht Millionen Menschen im Ganges waren. Es war ein ganz besonderer Tag: Alle Planeten standen in einer Linie und an diesem Tag fließt laut den Veden (Urschriften der indischen Weisen) der Nektar der Unsterblichkeit durch den Ganges. Na, wenn sich das nicht großartig und spirituell anhört, dann weiß ich auch nicht.
Die Reise an die Quelle des Ganges
Einige Tage nach unserem Bad im Ganges zog es mich hinauf in den Himalaya, an die Quelle des Ganges nach Kedernath, einem heiligen Platz Shivas, von da kann man den circa zehn Kilometer langen Bergweg hinauf zur Quelle laufen, zum Gletschertor Gaumukh, wo der Ganges aus dem Eis eines Gletschers entspringt. Meine drei Weggefährten – Paolo, Hanuman und auch Pati – kamen mit und wir fuhren zuerst mit einem Postjeep einige Stunden in den Himalaya. Schon die Fahrt diese engen Straßen hinauf war ein großes Abenteuer. Aufgrund der Kumbh Mela waren enorm viele Pilger in Bussen, Vans und Privatautos, mit dem Fahrrad und auch zu Fuß unterwegs. Unser Schlafplatz am Abend war eine kleine Pilgerpension mit einer warmen Quelle. Wir badeten noch ein wenig und gingen danach schlafen.
Mitten in der Nacht erwachte ich und hörte eine Stimme meinen Namen rufen. Ich hatte keine Angst, obwohl ich sie nicht kannte, war es eine mir sehr vertraute Stimme. Ich verließ mein Zimmer und ging zu der warmen Quelle, dort stand ein leuchtender Mann. Aus allen Poren seines Körpers floss Licht. Er sprach eine Weile mit mir und gab mir einige Unterweisungen und Aufgaben mit auf den Weg. Danach verschwand er vor meinen Augen, er löste sich einfach auf. Mein ganzer Körper zitterte vor Aufregung, Energie und von dem gerade Erlebten. Es sprengte mein bisheriges Bewusstsein, was möglich ist und was nicht. Alle meine Vorstellungen von dem, was real und nicht real war, relativierten sich in einem Augenblick. Liebe Leser, das alles gibt es wirklich, wir sind alle viel mehr als wir denken und viel mehr, als wir zu sein scheinen. Wir sind grenzenlose Energie und es ist nichts unmöglich. Es gibt in Indien ein Sprichwort »India: everything is possible«, Indien – alles ist möglich. Nun, heute weiß ich, dass das für überall auf der Welt gilt: Alles ist jederzeit möglich.
Am nächsten Morgen warteten wir auf eine Mitfahrgelegenheit weiter hoch Richtung Kedernath. Eine Familie in einem Kleinbus nahm uns dann schlussendlich mit. Wir fuhren wiederum einige Stunden hoch in den Himalaya. Als wir über eine schmale Brücke fahren wollten, kam uns ein Lastwagen in hohem Tempo entgegen, der ohne Rücksicht auf die kleineren Fahrzeuge fuhr. Unser Fahrer musste ausweichen, und, oh Schreck, das Auto wurde von einer Leitplanke der Brücke an der Seite regelrecht aufgeschlitzt. Wir hatten großes Glück, dass auf der Seite, wo die Leitplanke bis ins Innere des Kleinbusses drang, niemand saß. Nach dem Schock mussten wir kurz anhalten, die Chauffeure schrien sich an und jeder sagte jedem seine Meinung, wer da nun Schuld sei. In Indien ist das immer so eine Sache, da es keine Verkehrsregeln gibt, obwohl, besser gesagt, es gibt sie schon, doch keiner befolgt sie, gilt hier die Hupe und das stärkere und größere Fahrzeug hat Vorfahrt. Nun gut, ich weiß nicht mehr, wie es ausgegangen ist, jedoch fuhren wir dann mit einer offenen Autoseite mehrere Stunden weiter bis nach Kedernath.
Dort war es wieder einmal so, dass es fast keine Unterkünfte gab. Trotzdem fanden wir ziemlich rasch etwas in einem Hare Krishna Ashram. Alles war sehr einfach eingerichtet, und wer schon mal in Indien war, kennt sicherlich das Gefühl, wie es ist, wenn die Matratze und das Kissen leben. Am Abend saßen wir wieder beieinander und philosophierten wie so oft über Gott und die Welt. Ich schaute ganz verträumt Pati an, als ich plötzlich ein ganz altes Gesicht in ihm sah, es änderte sich dann rasch zu einem ganz jungen Gesicht, wurde wieder älter zu einem römischen Gesicht mit Helm und Lanze, danach zu einem chinesischen Greis, und das wiederholte sich mehrmals mit verschiedenen Personen in männlichen und weiblichen Formen. Ich sah auf einmal und in kürzester Zeit mehrere Reinkarnationen von Pati, und das alles im Hier und Jetzt. Das zeigte mir, dass wir, so wie wir sind, im Hier und Jetzt, Hunderte von verschiedenen Reinkarnationen gleichzeitig in uns tragen und dass sie von Zeit und Raum unabhängig sind. Diese Visionen verschwanden, so wie sie gekommen waren.
Am nächsten Morgen war es ziemlich neblig und noch sehr kalt, obwohl wir bereits April hatten. Die Wege hinauf in den Himalaya waren erst vor einigen Tagen wieder begehbar geworden. Pati und ich waren die Einzigen, die die Wanderung hinauf zur Quelle in Angriff nahmen, die anderen blieben zurück und warteten auf uns. Nach fast sechs Stunden Fußmarsch kamen wir oben in einem kleinen Ashram an, wo wir übernachteten, um am nächsten Morgen ganz in der Früh zum Gletscher weiterzulaufen. Ich war fast am Verhungern und der Hüter des Ashrams gab mir einen kleinen Teller mit kaltem Reis mit Wasser und etwas Ungesalzenem darin, es schmeckte widerlich, doch was isst man nicht alles, wenn man Hunger hat. Übrigens aß ich seit ungefähr zwei Monaten kein Fleisch mehr. Da es in Rishikes und Umgebung kaum Fleisch gab, wurde ich Zwangsvegetarier und behielt das dann gleich bei. In Indien gibt es sowieso fast 700 000 Vegetarier, nun sind es halt 700 000 und einer.
Am nächsten Morgen liefen Pati und ich los. Der Weg wurde immer schmaler, steil im Felsen überquerten wir oft Reste von Lawinen oder es kamen Steinschläge herunter. Ganz achtsam und aufmerksam nahmen wir Schritt für Schritt. Unglaublich, aber wahr, manchmal begegneten wir Pilgern, Babas, Sadhus und Yogis, die kaum bekleidet und barfuss durch Schnee, Eis und Felsen liefen. Plötzlich kam über uns ein Felsen ins Rutschen und schob eine Steinlawine mit, die direkt auf uns zu rollte. Pati schrie auf und ich sah schon unser Leben an uns vorbeirauschen. Plötzlich stand ein Yogi neben uns, nahm Pati und mich bei der Hand und wie durch ein Wunder standen wir plötzlich ein paar Hundert Meter weiter vorn in Sicherheit. Ohne mit der Wimper zu zucken, schaute uns der Yogi kurz an, nickte und ging seinen Pilgerweg weiter. Was war das nun? Pati und ich schauten uns an und konnten nicht begreifen, was gerade passiert war. Wie kamen wir hierhin? Vorhin standen wir noch weit weg von hier auf dem Weg, der gerade von einer Steinlawine überrollt wurde. Das ist doch nicht möglich! Doch, das ist es!
Nach einigen Minuten der Erholung und der Verarbeitung des unfassbaren Erlebnisses liefen wir weiter. Mein Leben war von diesem Moment an noch einmal umgekrempelt. Schon wieder war etwas geschehen, was nach meinem bisherigen Weltbild nicht möglich war und trotzdem passierte. Von nun an galt, dass alles möglich ist, und das Wort unmöglich habe ich aus meinem Verstand gestrichen. Wir liefen weiter bis zur Quelle des Ganges, die auf circa 4800 Metern über dem Meer liegt. Wir verweilten ein wenig an diesem heiligen Kraftplatz und liefen dann wieder zurück.
Unterwegs machten wir einen kleinen Abstecher zu einer Höhle, in der seit Jahrzehnten ein Yogi im Schnee sitzend meditiert, keiner weiß so genau, wie lange er da schon sitzt, es müssen aber sicherlich schon ein paar Jahrzehnte sein, da einige ihn als Kinder besuchten und später dann mit ihren Kinder wiederkamen. Schon verrückt, dass es so etwas gibt, und ich sage euch, es gibt in Indien Hunderte solcher Phänomene mit Yogis und Babas. (Übrigens gibt es sie auf der ganzen Welt, auch bei uns in der Schweiz.) Hier ist aber auch anzumerken, dass es auf diesem Gebiet viele Scharlatane gibt, die die Leute nur um ihr Geld bringen möchten und damit ihre Macht ausnützen. Es ist immer gut, auf seine Intuition zu hören und sich nicht von gewissen Äußerlichkeiten blenden zu lassen.
Zurück in Kedernath trafen wir unsere Freunde wieder. Wir übernachteten noch einmal im Hare Krishna Ashram und begaben uns am folgenden Morgen auf die Rückreise nach Rishikesh. Mittlerweile pilgerten von der Kumbh Mela Hunderttausende Leute durch den Himalaya zu vielen verschiedenen Kraftplätzen und heiligen Orten. Es war daher schwierig, eine Möglichkeit für die Rückfahrt zu finden, also entschlossen wir uns zu einem neuen großen Abenteuer: auf dem Dach eines Busses die schmalen Straßen hinunterzufahren. Wir mussten sehr aufpassen, da oft Leitungen oder sonstige Kabel quer über die Straße hingen. Zumeist legte ich mich einfach hin und genoss die frische Luft, die Aussicht und das gigantische Ambiente der kraftvollen und hohen Berge. Plötzlich flog ein riesiger Adler über unseren Bus und begleitete uns eine Weile. Seine Spannweite war sehr groß, es war ein prachtvolles Lebewesen, so etwas Schönes hatte ich noch nie gesehen. Seit dem Bad im Ganges in Haridwar vor einigen Tagen war die Welt für mich nicht mehr so wie vorher. Ich sah alles mit den Augen eines Kindes im Körper eines jungen Mannes. Jeder Moment war neu und alles sah so wunderbar aus, jede Pflanze und jeder Baum leuchtete. Ich spürte auch bei allem – seien es Pflanzen, Tiere oder Steine und auch bei Menschen, dass sie ein Teil von mir waren, ich spürte sie tief in meinem Herzen.
Am späten Abend kamen wir dann am Fuße des Himalayas in Rishikesh an. In meinem Zimmer fand ich eine kleine Kugel. Auch diese spürte ich tief in mir, das war irgendwie ein komisches Gefühl. So, als fühlte ich die Kugel als Teil von mir. Ich nahm sie in die Hand, sie hing an einem Faden. Ich hielt sie am Faden in die Luft und rein durchs Atmen oder durch die Verbundenheit mit mir, begann die Kugel zu schwingen, ohne dass ich meine Hand bewegte. Immer schneller drehte sie sich im Kreis, dann ließ ich die Schnur los und die Kugel schwebte und drehte sich weiter. Die Physik und alles in der Schule Gelernte, was möglich sei – auch in Bezug auf die Schwerkraft – löste sich in einem Moment auf. Ich erschrak und die Kugel fiel zu Boden. Kurz darauf versuchte ich es gleich noch einmal, aber es funktionierte nicht mehr. Gut, ich brachte die Kugel am Faden zum Schwingen, konnte sie jedoch nicht loslassen, ohne dass sie zu Boden fiel. Daher stellte ich fest, dass ich sie nicht mit meinem Willen steuern kann, sondern dieses Phänomen in einem Moment der Gedankenfreiheit und Willenlosigkeit geschieht. Es geschieht, weil es ganz einfach geschieht. Mit dieser Erkenntnis ließ ich mich todmüde in mein Bett fallen und schlief bald ein.
Meine Heimreise, Kulturschock Schweiz
Nach nunmehr dreieinhalb Monaten innerer und äußerer Reise durch Indien und durch mich selbst begab ich mich auf die Heimreise in die Schweiz. Im Flugzeug durchlief ich in Gedanken noch einmal meine Reise und stellte erstaunt fest, dass sich, ohne es zu wollen, meine in der Zwischenzeit längst vergessenen fünf Vorsätze für die Reise alle erfüllt hatten: Erstens hatte ich mich wiedergefunden, denn ich und Gott wurden wieder eins. Er war immer bei mir, ich hatte ihn jedoch vergessen und verdrängt. Zudem hatte ich eine Medizin gefunden für alle Krankheiten (mehr dazu später in diesem Buch und an meinen Abenden und Seminaren). Ich wurde Vegetarier und aß nichts mehr, was Augen hatte und mich ansehen konnte. Und ich versöhnte mich mit meinem Leben und meinem Umfeld. Obendrein sah und fühlte ich meine Aura um mich herum, sie war wie eine große Sonne mit einer riesigen Leuchtkraft. Ich nahm mir vor, zu Hause jedem ein Stück von dieser Sonne abzugeben. Mein Wesen war egofrei geworden, jedenfalls für eine gewisse Zeit.
Ich spürte Lippen auf meinem Herzen. Wenn ich sprach, dachte ich nicht nach, ob ich dieses oder jenes sagen darf, sollte oder müsste, sondern sprach ohne im Kopf zu filtern direkt aus meinem Herzen. Das war sehr ungewöhnlich in meiner Umgebung. Man sagt oft, dass Kinder ehrlich und direkt sind und kein Blatt vor den Mund nehmen; bei Kindern ist das nicht so schlimm, aber stell dir einmal vor, das macht ein Erwachsener.
Jeder erzählt einem, wie groß der Kulturschock sei, wenn man nach Indien fährt. Einen noch viel größeren Kulturschock spürte ich jedoch, als ich zurück in mein Land kam, das ich doch eigentlich so gut kannte. Kannte ich es wirklich so gut oder hatte ich vorher einfach eine rosarote Brille aufgehabt? Ich hatte niemandem gesagt, dass ich nach Hause kommen würde. Ich wollte alle damit überraschen, vor allem meine Mutter, da sie sich sicherlich am meisten Sorgen um mich machte. Ich freute mich sehr, nach Hause zu kommen und meinen Eltern, meinem Bruder und meinen Freunden zu zeigen, wie sehr ich mich verändert hatte, und dass ich den Sinn des Lebens gefunden habe.
Allerdings fanden meine Eltern und meine Freunde mein neues Ich nicht so toll, alle wollten am liebsten den alten Patric zurück. Heute kann ich das verstehen, doch damals verstand ich sie nicht, ich war viel zu glücklich über die Veränderungen. Ich verstand nicht, dass sie mich und meine Philosophie über Gott und die Welt nicht mit mir teilen wollten. Nun gut, auch äußerlich hatte ich mich ziemlich verändert in diesen dreieinhalb Monaten. Ich hatte in Indien Probleme mit meinem Magen gehabt und brachte Salmonellen und anderes Gewürm mit, dadurch hatte ich sehr viel Gewicht verloren, sodass sich meine Mutter und auch die Nonna große Sorgen um meine Gesundheit machten. Ich sah aus wie ein indischer Fakir, man sah jedes Rippchen und ich war eine dünne Bohnenstange geworden. Jedoch war das nur mein Körper, ich fühlte mich getrennt von ihm, ich bewohnte ihn, er war aber nicht ich und das fühlte sich energievoller und gesünder an, denn je.
Das erste, was alle Freunde, Verwandten und Bekannten zu mir sagten, war: »Bist du krank? Du siehst krank aus.« Nachdem ich das bereits fast tausend Mal gehört hatte, sagte ich zur tausendundeinten Person: »Nein, ich bin nicht krank, doch du und die anderen machen mich krank!« So fühlte es sich für mich auch an. Diese ganzen Worte und Gedanken der anderen saugten mir Energie ab. Heute muss ich dazu sagen, ich ließ es selbst zu. Ich schenkte diesen Worten Glauben, obwohl es für mich nicht so war, und je öfter ich es hörte, umso weniger hörte ich in mich hinein.
Bald wollten nicht nur meine besten Freunde, mit denen ich in den letzten Jahren sehr viel Zeit verbracht hatte, nichts mehr von mir wissen, auch mein erweiterter Freundeskreis zog sich von mir zurück. Überall galt ich als verrückt gewordener spiritueller Freak, der durch alle hindurchschaute, und das machte den Leuten Angst. Das war kein Hellsehen, ich fand mich nur in allen wieder, mit ihren Problemen und Knörzen, ich sah keinen Unterschied mehr zwischen mir und ihnen. Also wechselte ich meinen Freundeskreis und hing mit anderen Leuten ab, die mich ein bisschen verstanden oder zumindest so taten. Meine Eltern jedoch, vor allem mein Vater, hatten sehr große Mühe mit meinem neuen Verhalten und meinen Lebensphilosophien. Heute kann ich diese Mühe verstehen, an ihrer Stelle hätte ich wahrscheinlich ähnlich reagiert. Es ist alles menschlich und normal.
Kurz nachdem ich wieder zu Hause war, verliebte ich mich in eine Frau, die ich bereits aus Goa kannte und die eine ähnliche spirituelle Erfahrung gemacht hatte, wir konnten uns gut austauschen. Sie hatte eigentlich vorgehabt, mit ihrem langjährigen Freund zusammenzuziehen, sie hatten auch schon eine Wohnung, die sie in einigen Tagen beziehen wollten. Plötzlich kam alles anders, denn auf einmal wollte sie mit mir zusammen sein, machte Schluss mit ihrem Freund, und statt ihm zog ich mit ihr in die neue Wohnung. Das war damals alles sehr viel für meine Mutter, kaum war ich wieder zu Hause und schon wollte ich von einem Tag auf den anderen ausziehen. Gesagt, getan, ich packte meine sieben Sachen und zog zu Hause aus.
Als ich eines Tages mit einem Freund auf dem Weg zu einer Party war, schaute ich zum Himmel und sah plötzlich einen funkelnden Stern, es war die Venus, die wie eine rote Lampe leuchtete. Ich sagte zu meinem Kumpel: »Sieh doch mal da oben, da leuchtet ein roter Stern.« Er aber schaute mich ganz komisch an und meinte: »Welchen denn? Ich sehe keinen.« Ich versuchte, ihm zu beschreiben, welchen Stern ich meinte, bis ich merkte, für ihn war der Stern nicht rot. Ich möchte hier anmerken, dass ich vollkommen nüchtern war. Für mich leuchtete der Stern mehrere Tage in Rot, warum weiß ich nicht, danach verging das wieder und heute sehe ich ihn auch wieder weiß. Es sieht eben nicht immer alles so aus, wie es scheint. Und nicht jeder muss alles so sehen wie du. Es leben acht Milliarden Menschen auf dieser Erde und jeder hat das Gefühl, wir leben in derselben Welt. Doch ich glaube, wir wohnen in acht Milliarden verschiedenen Welten – manche sind sich sehr ähnlich und manche andere meilenweit voneinander entfernt.
Irgendwann musste ich wieder arbeiten und versuchte es bei meinem alten Lehrmeister nochmals als Maler. Als er nicht mehr genügend Arbeit hatte, lieh er mich an einen anderen Malerbetrieb aus. Eines Nachts träumte ich von einem Israeli, den ich in Goa flüchtig kennengelernt hatte. Der kam zu uns in die Wohnung und schlief vor meinen Augen mit meiner Freundin, besser gesagt, ich stand vor der gläsernen Schlafzimmertür und sah und hörte alles. Ich ging mit meinen Gefühlen durch die Hölle. Selbst am Morgen danach waren die Gefühle noch da und ich guckte meine Freundin etwas schräg an. Eigentlich eine ganz natürliche Reaktion, wenn deine Freundin gerade vor deinen Augen fremdging. Tagsüber konnte ich mich ein wenig fangen, es war ja nur ein Traum.
Nach einigen Tagen läutete eines Abends das Telefon. Ich ging ran, und ratet mal, wer auf der anderen Seite war? Ja es war Izik, der Israeli, den wir aus Goa kannten, der aus meinem (Alb-)Traum. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, den ich flüchtig kennengelernt hatte, weit weg von mir zu Hause in Indien, der weder meine Adresse noch meine Telefonnummer hatte, plötzlich anruft, nachdem ich ein paar Tage vorher diesen Traum hatte, war schon sehr, sehr gering. Doch es geschah, er sagte, er sei in der Schweiz und komme uns besuchen. Ich wollte das nicht, doch meine Freundin freute sich auf ihn. Nun, so kam er und wohnte zwei bis drei Wochen bei uns. Für mich war das vom Gefühl und den Emotionen her eine meiner schlimmsten Zeiten. Eines Tages kam ich von der Arbeit nach Hause und merkte sofort, dass meine Traumvision eingetroffen war. Meine Freundin schlief mit dem Israeli!
Eine sehr schwierige Zeit
Das war der letzte Tropfen, der meine Psyche zum Überlaufen brachte. Obwohl ich es erst viele Monate später bemerkte, rutschte ich in eine stark depressive Phase. Ich konnte nicht mehr schlafen, wollte aber auch nicht wach sein. Ich wusste nicht, was ich machen sollte, ich hatte keine Freunde mehr, meine Eltern wollten zu dem Zeitpunkt auch nichts mit mir zu tun haben, mit diesem Verrückten, der rote Sterne sah, und meine letzte Kontaktperson, meine Freundin, schlief mit dem Gast, den wir zu Hause beherbergten. Insofern war mein Zimmer der letzte Zufluchtsort, jedoch in dergleichen Wohnung wie meine Freundin und Izik.
Als ich das realisierte, konnte ich nicht mehr zur Arbeit gehen. Mein Arbeitgeber drohte mir irgendwann mit dem Arbeitsgericht, aber ich konnte mich zum Glück mit ihm darauf einigen, dass ich eine Woche noch fertig arbeitete, bevor unser Arbeitsverhältnis aufgelöst wurde. Meine positive und sonnige Aura, die ich aus Indien mitgebracht hatte, wich einer nebligen dunklen Aura. Über Wochen hatte ich Albträume mit Dämonen und Geistern, wurde dabei immer verfolgt, ohne zu wissen, vor wem ich weglief. Ich lief einfach immer weiter und weiter und war nach jeder Nacht völlig durchnässt. Fast wollte ich mich schon selbst in die geschlossene psychiatrische Klinik einweisen lassen, damit ich mit Medikamenten vollgepumpt werde, um alles zu vergessen und um endlich wieder Ruhe in meine düsteren Gedanken zu bekommen. Heute bin ich froh, dass ich das nie gemacht habe.
Tagsüber ging ich oft zu meiner Großmutter, Schäschi, die wegen ihrer Krankheiten ans Sofa beziehungsweise ans Bett gefesselt war. Sie war überglücklich, dass ich ihr Gesellschaft leistete, und ich wiederum war froh, dass jemand bei mir war. Sie war auch die Einzige, die mich immer bei meinen spirituellen Ansichten unterstützte, auch sie war hellsichtig, sah oft Verstorbene und hatte Vorahnungen. Mir ging in dieser Zeit immer wieder durch den Kopf, ob alles das, was ich in Indien erlebt und gesehen hatte, auch wirklich stimmte, oder ob meine Freunde und Verwandten mit der Annahme recht hätten, dass ich vollkommen verrückt aus Indien wiedergekommen sei.
Die depressive Phase dauerte bereits ein paar Monate an, da rief mich eines Tages mein alter Freund Rene an, mit dem ich damals ursprünglich nach Indien reisen wollte und erzählte mir, das er nun vorhabe, in einem Monat nach Indien zu reisen. Während des Telefonats fragte er, ob ich nicht mitkommen möchte. In meiner derzeitigen labilen psychischen Verfassung war ich jedoch nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen, ich konnte weder zu- noch absagen. Glücklicherweise ließ er nicht nach. Eines Tages holte er mich einfach ab, wir fuhren gemeinsam ins Reisebüro und buchten eine erneute Reise nach Indien für mich. Mein Bruder, der immer zu mir gehalten und an mich geglaubt hat, gab mir das Geld für die Reise. Ich hatte ja keines mehr, da ich nicht mehr arbeiten konnte. Meinem Bruder Marco und auch Rene danke ich sehr, dank ihrer Hilfe konnte ich die Hölle verlassen und kam zurück ins Leben.
Reise zu den Meistern Indiens
Fast genau ein Jahr nach meiner ersten Reise saß ich wieder im Flieger nach Indien, nun aber – wie beim ersten Mal eigentlich geplant – mit Rene. Er wollte etwas von Indien sehen und einige Zeit in Goa Party machen. Ich bat Rene, mich zu dem Meister zu begleiten, von dem mir damals im Flugzeug mein Sitznachbar erzählt hatte, und der so wunderbare Wunder vollbringen konnte. Rene zögerte etwas, sagte dann aber zu und wir flogen direkt nach Bangalore in die Nähe des Ashrams dieses Meisters. Als ich aus dem Flugzeug stieg und einen tiefen Atemzug nahm, erwachte sofort die Energie Indiens in mir, ich spürte mich wieder in meiner Kraft, wenn auch noch nicht so ganz wie bei meinem Abflug, jedoch schon ziemlich gut. Ich spürte auch, dass alles von meiner ersten Indienreise wahr war, jetzt zweifelte ich nicht mehr.
Am Flughafen begegneten wir einer größeren Gruppe aus Slowenien, deren Mitglieder ebenfalls den Meister aufsuchen wollten. Nachdem sie erfahren hatten, dass wir dasselbe Ziel haben, luden sie uns ein, mit ihnen zu fahren. Das nahmen wir sehr gern an, denn sie wussten, wie man da hinkommt. Es waren sehr liebevolle und hilfsbereite Leute. Nach einer mehrstündigen Autofahrt kamen wir an unser Ziel. Wir verabschiedeten uns von ihnen, da Rene nicht im Ashram schlafen wollte, und suchten uns ein nettes Zimmer nahe des Eingangs vom Ashram. Es begann eine sehr spannende Zeit, wir erfuhren von den Menschen im Hotel aus erster Hand von vielen wunderbaren Erlebnissen und Erfahrungen, die diese mit dem Meister des Ahrams gemacht hatten.
Rene, der selbst nach einigen Besuchen des Meisters immer noch große Zweifel hatte, witzelte mit mir über die Asche, die der Meister oft durch seine Hände oder die er auf seinen Bildern und Fotos materialisierte. Es handelte sich um heilige Asche, die eingenommen oder aufgetragen werden konnte und der man eine heilende Wirkung nachsagte. Eines Abends lagen wir auf dem Bett, da sah Rene plötzlich auf einem Regal über uns einen Umschlag liegen, der vorher noch nicht da lag. Rene öffnete ihn ganz langsam, und ratet mal, was er vorfand? Es war die heilige Asche des Meisters, in einem mit dem Namen des Meisters beschriebenen Umschlag. Rene wurde blass und fragte mehrmals nach, ob ich das Kuvert dort hingelegt hätte. Ich versicherte ihm, dass ich das nicht getan hatte, er aber vielleicht nicht mehr über den Meister witzeln sollte.
Am nächsten Tag gingen wir in den Ashram und saßen in einer Halle mit mehreren Tausend Leuten. Rene zweifelte immer noch ein wenig und wollte den Meister herausfordern. Als der Meister die Halle betrat und durch die Menge der Leute lief, dachte Rene: Wenn du ein richtiger Meister bist, dann siehst du mich an. In dem Moment drehte sich Meister um und blickte aus einiger Entfernung direkt in Renes Augen. Rene erstarrte, war aber noch nicht überzeugt und sagte sich, als der Meister weiter lief: Also wenn du wirklich ein Meister bist, dann schau mich noch einmal an. Auch dieses Mal drehte sich der Meister in der großen Menge der Leute um und blickte Rene direkt in die Augen. Und weil aller guten Dinge drei sind, versuchte es Rene noch ein drittes Mal, wieder hatte er diesen Gedanken, und prompt drehte sich der Meister zu ihm um und sah ihm direkt in die Augen. Nun war auch für ihn klar, dass das ein wahrer Meister ist.
Am nächsten Morgen spürte ich eine sehr enge Bindung zu diesem Meister, bedingt durch eine Begegnung am Vortag. Als ich in der Halle Platz genommen hatte, war der Meister direkt zu mir gekommen und hatte meinen Brief an ihn in Empfang genommen. Er hatte aus seinen Händen heilige Asche materialisiert und ging dann seinen Weg weiter. Das war für mich ein sehr schönes Erlebnis. Von nun an hatte ich eine innere Verbindung zu ihm, er ist mir immer sehr nahe geblieben und auch wenn ich nicht in Indien war, begleitete er mich ständig in meinem Herzen.
Ich hörte noch von vielen Geschichten über diesen Meister und seine Heilungen. Zwei möchte ich hier erzählen. Ein Mann erzählte mir, das er schon einige Jahre hier in der Nähe des Ashrams lebe, er hätte als Kind eine seltene Krankheit gehabt, die nicht heilbar war. Eines Nachts träumte er von einem Mann in einem orangefarbenen Kleid, der zu ihm kam und ihm die Hände auflegte, anschließend flüsterte er ihm zu, alles komme gut und verschwand dann wieder. Als er am anderen Morgen erwachte, war er vollkommen gesund. Seine Eltern und die Ärzte sprachen von einem seltenen Wunder und niemand konnte sich erklären, was passiert war. Einige Jahre später, als junger und sehr erfolgreicher Mann hatte er mit einem Sportwagen einen Unfall. Das Auto fing Feuer und er war im Auto eingeklemmt. Der Unfall war auf dem Land passiert und weit und breit war kein Mensch zu sehen. Als plötzlich wieder, diesmal jedoch im physischen Körper und nicht im Traum wie beim ersten Erlebnis, der gleiche Mann im orangefarbenen Kleid, der ihm schon als Kind im Traum erschienen war, kam und ihm das Leben rettete, in dem er ihn aus dem Auto befreite. Wiederum einige Jahre später sah er bei einer indischen Familie das Bild eines Mannes in einem orangefarbenen Kleid an der Wand hängen und erkannte ihn sofort, es war der Mann, der ihm schon zweimal das Leben gerettet hatte. Nun wusste er, wer das war und er entschloss sich, nach Indien zu reisen, um diesem Meister zu begegnen. Als er beim Meister zu einem ersten Gespräch eingeladen war, wollte der nun sehr reiche Mann dem Meister einige Tausend Schweizerfranken überreichen. Als er ihm das Geld geben wollte, machte der Meister eine Kreisbewegung mit der Hand und auf der Handoberfläche erschienen einige Zehntausend Schweizerfranken. Der Meister sagte ihm, dass Geld nicht alles sei im Leben und der Sinn des Lebens ganz woanders zu finden sei. Diese Belehrung fuhr dem Mann so in die Knochen, dass er nach Hause reiste, alle seine Geschäfte verkaufte und sich entschied, in Indien beim Meister zu leben, um den wahren Sinn des Lebens herauszufinden. Mit seinem ganzen Geld baute er dann vor Ort Spitäler, in denen die Leute kostenlos behandelt wurden.
Ein anderer Mann erzählte mir, dass er mit einem Freund, einem sehr kritischen Journalisten, der eigentlich nur mitkam, um diesen Meister als Scharlatan zu entlarven, zum Ashram reiste. Als beide zu einem Gespräch eingeladen wurden, wandte sich der Meister, als sie hereinkamen, gleich an den Journalisten und sagte: »Deine Uhr ist kaputt.« Zum Erstaunen des Journalisten war das tatsächlich so. Der dachte aber, dieser Trick ist ja nichts Besonderes. Der Meister bat, sie ihm zu geben. Er nahm sie und ging damit in einen Nebenraum. Nach einigen Minuten kam er zurück und gab dem Journalisten die Uhr repariert zurück. Im nächsten Moment überreichte er ihm die Quittung eines Uhrengeschäftes in London, mit Namen des Geschäftes, Adresse und Datum dieses Tages. Ganz erstaunt sah der Journalist die Quittung an. Nach ihrer Rückreise fuhren die beiden Freunde nach London, um dieses Geschäft zu finden. Sie gingen hinein und der Journalist fragte, ob jemand seine Uhr kenne. Der Mann im Geschäft erwiderte, dass vor einigen Tagen ein Mann in einem orangefarbenen Gewand hier ins Geschäft gekommen sei und diese Uhr reparieren ließ. Der Journalist zeigte ihm ein Bild des Meisters und daraufhin sagte der Mann: »Ja, genau das war er.« Von diesem Moment an wusste der Journalist, dass es wahre Meister gibt.
Wir blieben noch einige Tage in der Nähe des Ashrams und erlebten viele intensive Momente. Ich wollte eigentlich gern länger bleiben, doch Rene wollte mehr von Indien sehen und so begleitete ich ihn. Wir reisten dann noch ein paar Wochen gemeinsam durch Indien, anschließend flog Rene in die Schweiz zurück.
Meine Eltern und mein Bruder besuchen mich in Indien
Es war wieder kurz vor Ostern, ein Jahr war vergangen seit meinem Bad im Ganges an der Kumbh Mela. Es war vieles passiert in diesem Jahr. Vor meiner ersten Indienreise wollte ich berühmt und reich werden wie ein Superstar und nun wollte ich ein spiritueller Guru oder Meister werden. Ich hatte auf der ersten Reise mein Ego komplett verloren und nun baute sich, ohne dass ich es merkte, ein großes spirituelles Ego auf, das aber leider die Nächstenliebe verloren hatte, denn ich wusste alles besser, hatte überall den energetischen Durchblick und fühlte mich »besser« als andere, auch als die Gesellschaft, die Politiker oder meine Eltern.
Nun, die holte ich gerade in Delhi am Flughafen ab, sie und mein Bruder kamen mich in Indien besuchen. Mein Vater wollte vor allem sehen, wo und bei wem ich mich so verloren hatte und ob ich wohl irgendwo in eine Sekte geraten sei. In den ersten Tagen haben wir sehr viel diskutiert und uns gestritten, er wollte den alten Patric von damals wiederhaben und ich wollte ihm mit meinen Philosophien klarmachen, wie ich inzwischen die Welt sehe und wie viele diese Welt falsch sehen. Das kommt nie gut an. Wie bei jeder Diskussion wollte jeder den anderen von seinen Ansichten überzeugen und ließ somit dem anderen keinen Raum mehr. Meine Mutter und auch mein Bruder litten darunter. »Bitte lasst es und vertragt euch«, bat meine Mutter oft.
Meiner Mutter zuliebe ließen wir irgendwann das Diskutieren sein, konzentrierten uns stattdessen mehr auf das gemeinsame Reisen und entdeckten gemeinsam ein wenig Indien. Wir unternahmen eine kleine klassische Indienrundreise, fuhren zum Taj Mahal nach Agra, dann nach Varanasi und besichtigten noch einige andere Sehenswürdigkeiten. Zum Schluss fuhren wir für einige Tage nach Rishikes, der Ursache allen Übels meiner Wandlung. Wir suchten in Rishikesh ein Hotel für unsere Eltern. Mein Bruder und ich schliefen im gleichen Zimmer des Ashrams, wie ich vor einem Jahr. Meine Eltern besichtigten den Ashram und lernten dabei auch den bescheidenen Yogi kennen.
Für meinen Vater war das alles ein wenig rätselhaft, er suchte immer nach der Person, die mir eine Gehirnwäsche verpasst hatte, also einen Guru oder Sektenführer, der mir alles Spirituelle eingeimpft hatte. Aber er fand ihn nicht. Weder im Ashram noch beim Yogi. Schließlich ist alles aus mir selbst heraus entsprungen und es gab keinen äußerlichen Anlass. Nach einer Woche verabschiedeten sich meine Eltern und mein Bruder von mir und fuhren nach Delhi, um in den nächsten Tagen zurück in die Schweiz zu fliegen. Mein Rückflug war erst in einer Woche geplant.
Am nächsten Morgen ging ich zum Yogi und erzählte ihm, wie es mir in den letzten Monaten in der Schweiz ergangen war, dass mein Kopf wieder ganz laut geworden und nun vollgestopft mit Haufen von Müll sei. Er nickte und meinte: »Ich helfe dir, wir beginnen gleich mit einer Yogastunde.« Die folgende Woche meditierte ich intensiv mit Yogi, machte Yoga und reinigte mich körperlich und seelisch, sei es durch Ernährung oder durch Waschungen.
Nach einer Woche fühlte ich mich wieder wie eine Sonne, es war ziemlich still geworden in meinem Kopf, auch mein Herz hörte ich wieder sehr gut. Nach dieser Woche verabschiedete ich mich von Yogi und fuhr nach Hause. Oft frage ich mich, wie es ihm geht, wo er ist und ob er noch dort im Ashram lebt, denn seit dieser Abreise habe ich ihn nicht mehr gesehen. Danke dir, Yogi, an dieser Stelle vielmals für dein Sein und deine große Hilfe.
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