Kitabı oku: «Schlittschuhläufer - Norwegen-Krimi»

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Paul Rosenhayn

Schlittschuhläufer - Norwegen-Krimi

Detektivroman

20. Tausend

Saga

Schlittschuhläufer - Norwegen-KrimiCoverbild/Illustration: Shutterstock Copyright © 1921, 2020 Paul Rosenhayn und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726629316

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von SAGA Egmont gestattet.

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I.

Ein paar dumpfe Nebelhorntöne grollten vom Hafen herüber in die Karl Johansgade. Die Augustnacht war mit trübem Dunst gesättigt, der wie eine rötliche Wolke das schlafende Christiania einhüllte.

Über den Asphalt des Eidsvoldsplatzes glitt noch ein spätes Auto: ein Signal brüllte. Der Schutzmann drüben an der Ecke der Rosenkrantzgade sah einen Augenblick neugierig hinüber. Das Auto hielt vor dem Hotel Belvédère.

Der Schutzmann winkte mit einer Kopfbewegung den Kollegen Nummer 17 heran und sagte, unter dem Schirmrand hinüberblickend:

„Das ist doch der Herr, der alle vierzehn Tage bei Nobel absteigt. Mir scheint, der irrt sich ein bisschen!“

Nummer 17 lachte.

„Der wird irgendwo auf Umwegen eine Alkoholkarte gekauft haben — und nun weiss er nicht mehr, wo er hingehört. Ja, ja, diese Leute haben’s gut!“

„Wohnt bei Nobel und geht um halb zwölf ins Belvédère“, beharrte der Kollege eigensinnig auf seinem Gedankengang. „Und so was kommt dann zu uns aufs Kommissariat und meldet: Beraubung und so. Ein paar liebenswürdige Damen im Yachtklub kennengelernt . . . Na, ja. Dann die übliche Reise durch das Tivoli, das Cafè Français und die Windsor-Bar . . . und schliesslich das Aufwachen in irgendeinem Auto; keine Spur von Erinnerung, wie er da hineingekommen ist.“

Ein paar feste Schritte kamen über den Fahrdamm; die beiden salutierten: der diensttuende Kontrollbeamte erschien mit seinem Notizbuch, um den Nachtbericht abzufordern.

Der Gegenstand dieser Unterhaltung: der Herr, der eben vor dem Hotel Belvédère vorgefahren war rechtfertigte in nichts diese spöttischen Verdächtigungen. Sein Gang war aufrecht und sicher, seine Augen klar und scharf — höchstens dass sich in ihnen eine gewisse finstere Unruhe bemerkbar machte. Eben kam der Boy, den er mit der Karte hinaufgeschickt hatte, zurück.

„Mr. Joe Jenkins hat eine lange Fahrt hinter sich und ist sehr müde. Er lässt fragen, ob es Ihnen vielleicht möglich wäre, Ihren Besuch morgen zu wiederholen?“

Der Gefragte zog die Uhr. „Es geht auf Mitternacht“ sagte er nickend; „ich gebe zu, es ist ein bisschen viel verlangt. Dennoch muss ich Mr. Jenkins bitten, mit mir eine Ausnahme zu machen. Was ich ihm zu sagen habe, wird auch ihn ausserordentlich interessieren; vor allem aber ist es für mich von Wichtigkeit. Ja — sagen Sie Mr. Jenkins, dass es sich vielleicht um mein Leben handelt.“

Der Junge glitt mit dem Fahrstuhl wieder in die oberen Stockwerke empor.

Das Vestibül des Hotels war leer. Eine fast vollkommene Ruhe lag über dem Hause, und die teppichbelegte Treppe führte wie ein dunkler stiller Schacht nach oben: dorthin, wo eine einsame Lampe von den abzweigenden Korridoren her ein spärliches Licht auf den Plafond warf.

Auch in der Halle wuchs das Dunkel. Von aussen kamen dumpf und zerrissen die Hupensignale eines fernen Autos, das irgendwo in die Nacht hinausrasen mochte, nach Hegdehaugen oder Homansby.

Ein surrender Ton klang auf, der sich verstärkte: der Fahrstuhl landete wieder im Parterre.

„Mr. Jenkins lässt bitten.“ — — —

Das Zimmer, das der späte Ankömmling betrat, war leer. Zwischen den beiden hohen Fenstern, deren geschlossene Vorhänge bis auf den Boden herabfielen, stand ein grosser dunkler Schreibtisch, dessen brauner Leberbezug mit Briefen und Telegrammen bedeckt war. Alle uneröffnet, wie der Besucher unschwer feststellen konnte — ein Beweis, dass dieses Zimmer noch nicht lange die Ehre hatte, seinen Besucher zu beherbergen. Darauf deutete auch der gleichfalls geschlossene Koffer, der schräg in einer Ecke lehnte, und die achtlos auf das Sofa geworfenen Gegenstände: Hut und Mantel und ein langer Shawl.

Die Tür zum Nebenzimmer öffnete sich; ein Herr trat ein, der den Besucher um Haupteslänge überragte. Sein frisches Gesicht glänzte in leuchtender Bräune, und die grauen Augen blickten ruhig und verbindlich auf den Fremden.

„Ich bitte um Entschuldigung, mein Herr, dass ich Sie habe warten lassen. Aber ich komme geradenwegs von Stavanger, und da habe ich mir vor allem ein Bad geleistet. Sie sehen“ — er deutete auf den Schreibtisch — „ich bin noch nicht einmal dazu gekommen, meine Post zu öffnen.“

„Es tut mir leid, Mr. Jenkins, dass ich Ihnen nun noch obendrein dazwischen platze. Es ist im höchsten Grade ungehörig, ich weiss es. Um so ungehöriger, als Mitternacht vorüber ist.“

Der Amerikaner machte eine abwehrende Handbewegung. „Ich kann mir denken, dass es etwas Ungewöhnliches ist, was Sie zu mir führt. Bitte machen Sie es sich bequem — legen Sie ab.“

Der andere öffnete den Paletot; darunter kam ein tadelloser Frack zum Vorschein. Die beiden Herren setzten sich.

„Mein Name ist Hjalmar Waggeryd. Ich bin der Inhaber der Porphyrwerke Sollihögda.“

„Sollihögda? Ist das in der Nähe?“

„Es liegt westlich von Christiania — in der Luftlinie sind es fünfundzwanzig Kilometer. Aber das Terrain ist bergig, und die Strecke ist daher in Wirklichkeit länger.“

„Wollen Sie heute nacht noch zurück?“

„Ja,“

„Wann geht Ihr Zug?“

„Ich bin mit meinem Auto hier.“

„Ah — Sie sind also nicht an eine bestimmte Zeit gebunden.“

„Wir hatten heute Verbandstag — mit wir meine ich den Verband der Steinbruchbesitzer der Drei Königreiche. Es waren wichtige Beschlüsse zu fassen. Aus diesem Grunde habe ich meinen Schwiegersohn Doktor Brinjulf Jarl nach Christiania mitgenommen.“

„Versteht Herr Jarl etwas von Ihren Geschäften?“

„Er ist mein Geschäftsführer.“

„Hängt das, was Sie mir mitzuteilen haben, mit dieser Konferenz zusammen?“

„Nein. Mit einem späteren Ereignis.“

„Warum hat Ihr Herr Schwiegersohn Sie nicht zu mir begleitet?“

„Er ist mit dem Halbeinuhr-Zug zurückgefahren. Von dem Erlebnis, das ich Ihnen berichten will, weiss er nichts, denn ich war allein, als es sich abspielte.“

„Sie haben Ihren Schwiegersohn also im Laufe des Abends verlassen?“

„Die Konferenz dauerte nicht lange. Ich war schon kurz nach zehn Uhr im Boulevard-Restaurant, um dort Abendbrot zu essen.“

„Boulevard-Restaurant? Das ist in der Nähe, nicht wahr? Ich entsinne mich, den Namen gelesen zu haben.“

„Es liegt drüben am Eidsvoldsplatz.“

„Wo steht Ihr Auto?“

„In der Garage des Hotel Nobel.“

„Das ist nebenan in der Karl Johansgade?“

„Ja. Das zweite Haus von Ihrem Hotel, Mr. Jenkins.“

„Waren Sie in Gesellschaft, als Sie ins Boulevard-Restaurant gingen?“

„Nein. Ich ging ganz allein.“

„Wie kommt das? Man sollte meinen, da Sie sich mit Ihren Herren Kollegen aus ganz Skandinavien doch wahrscheinlich nur selten treffen, so liegt eigentlich der Gedanke nahe, dass . . .“

„Um die Wahrheit zu sagen: ich hatte mich über verschiedene Dinge, die sich in der Konferenz ergaben, geärgert.“

„Aber Ihr Schwiegersohn . . .“

Der Besucher lächelte. „Jarl wollte die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, seine Kenntnisse von dem nächtlichen Christiania ein wenig aufzufrischen. Nun — ich bin ein vernünftiger Schwiegervater und werde meiner Tochter nichts davon verraten. Die Hauptsache ist, dass er rechtzeitig den letzten Zug erreicht, denn wir haben morgen früh grosse Sprengungen in Sollihögda und müssen beide um halb sieben auf dem Posten sein.“

„Sie sagen also, die Konferenz verlief ein wenig ungemütlich. Aus diesem Grunde verliessen Sie sie?

„Mir knurrte ausserdem der Magen. Also kurz und gut, ich ging allein, nahm mir im Boulevard-Restaurant eine gemütliche Ecke in der Nähe der Tür und bestellte ein gutes norwegisches Abendessen: ein paar horsd’oeuvres mit Austern und Hummern und Aquavit — getrüffelten Fasan — Tournedos — dazu Marnier und Mokka und eine Flasche Sekt.“

„Sie machen mir Appetit, Herr Waggeryd“, lachte Joe Jenkins. „Ich habe seit heute früh nichts gegessen.“

„Halte ich Sie etwa vom Abendessen — — — ?“

„Nicht im geringsten. Würde ich jetzt anfangen, so würde mein Appetit mit dem Essen wachsen. Und das wäre gegen alle Gesundheitsregeln der Welt. Nun muss ich’s schon bis morgen früh aushalten. Fahren Sie nur fort.“

„Man isst im Boulevard-Restaurant einfach klassisch — so gut wie bei Delmonico oder im Café de la Paix. Jedenfalls — als ich so beim dritten, vierten Glase Sekt angelangt war und mich, noch mit herzinniger Freude über den herrlichen Fasan, an die Ananasbaisers machte — da erschien mir die ganze Welt wieder in rosigem Licht. Ich sah ein, dass ich ein Dickkopf gewesen war — sowohl die Angestelltenversicherung als auch die Ausfuhrzölle waren schliesslich Dinge, über die sich reden liess. Man konnte sich eben auf halbem Wege entgegenkommen — schliesslich: die Geschichte der Menschheit besteht aus lauter Kompromissen. Ich würde morgen ein Zirkularschreiben an die Mitglieder ergehen lassen, meinen Standpunkt nochmals begründen — versteht sich — aber dabei durchblicken lassen, dass ich eventuell nicht abgeneigt sein würde — — — Und während sich mir so das vierte oder fünfte Glas einschenkte, bemerkte ich plötzlich zu meinem Erstaunen, dass ein Herr mir gegenüber Platz genommen hatte.“

„Ist das so auffällig?“ fragte der Detektiv lächelnd.

„Wenn Sie diesem Herrn gegenüber gesessen hätten, so würden Sie diese Frage nicht stellen, Mr. Jenkins. Der Herr, der mir gegenüberfass, war kein anderer als ich selbst.“

„Oho!“

„In jedem Zuge mein Ebenbild. Derselbe etwas grau melierte Spitzbart. Dieselbe Art, mit den Fingern der linken Hand auf den Tisch zu klopfen. Derselbe Brillantring am Ringfinger der rechten Hand. Dieselbe Chatelaine-Uhrkette wie ich — und dazu das auffällige Benehmen: er blickte mir unverwandt ins Gesicht. Ich rieb mir die Augen, denn offen gestanden, Mr. Jenkins, ich glaubte zunächst, ich hätte über den Durst . . .“

„Der Gedanke liegt nahe.“

„Nicht wahr? Aber ich war vollkommen nüchtern, das dürfen Sie mir glauben.“

„Redeten Sie ihn an?“

„Ich wollte es eben tun, als sich mein Erstaunen steigerte: er fasste plötzlich in den Eiskübel, nahm die Sektflasche heraus — meine Sektflasche — und schenkte sich ein. Etwa ein halbes Glas.“

„Stellten Sie ihn nicht zur Rede?“

„In jedem anderen Falle hätte ich das getan. Ich bin wahrlich der erste, wenn es gilt, einen frechen Witzbold in seine Schranken zu verweisen. Hier brachte ich kein Wort über die Lippen. Ich starrte ihn nur unentwegt an.

Und nun kommt das Seltsamste, was mir in meinem Leben widerfahren ist. Mein Vis-à-vis fasste, immer seine Augen in die meinen gesenkt, in seine Tasche, zog eine Nummer der Aftenposten hervor und schob sie mir langsam zu. Ich warf einen Blick auf das Blatt und sah ihm wieder ins Gesicht. Er deutete mit einer gebieterischen Handbewegung auf eine bestimmte Stelle. Unwillkürlich folgte mein Auge seiner Bewegung, und ich sah zu meinem Erstaunen ein Inserat, das meinen Namen in Fettdruck aufwies. Ich konnte ihn deutlich lesen, obwohl das Blatt verkehrtherum lag. Wie unter einem hypnotischen Zwang griff ich nach der Zeitung und drehte sie herum. Und was ich jetzt erblickte, ist das Unglaublichste, was Ihnen je ein Klient berichtet haben mag: das Inserat war meine eigene Todesanzeige.“

„Das klingt fast wie ein Traum“, sagte Joe Jenkins, indem er nachdenklich das Etui zog und eine Zigarette herausnahm.

„Nicht wahr? Und denken Sie sich: als ich den Kopf wieder hob, war mein Tischnachbar verschwunden.“

„Gingen Sie ihm nicht nach?“

„Selbstverständlich. Ich sprang auf und rannte nach dem Ausgang. Vergeblich.“

„Wäre es möglich, dass Sie einen Augenblick eingenickt wären und dass das alles, was Sie mir hier erzählen, der Gegenstand eines blitzschnellen Traumes gewesen wäre?“

„Aber die Zeitung, Mr. Jenkins!“

„Nun — auch die Zeitung könnte ein Produkt Ihres Traumes gewesen sein. War sie noch zur Stelle als Sie zurückkehrten?“

„Nein.“

Der Detektiv erhob sich und nahm eine Schachtel Streichhölzer vom Schreibtisch. „Sie war verschwunden“, nickte er lächelnd. „Das sieht fast aus, als ob meine Vermutung . . .“

„Nein, nein, Mr. Jenkins! Glauben Sie mir um Gotteswillen, jedes Wort ist volle und reine Wahrheit. Er hat mir gegenübergesessen — er hat mir meine Todesanzeige gezeigt — und er hat genau ausgesehen wie ich — — Wenn Sie mir das nicht aufs Wort glauben, ist natürlich jede Intervention, die ich von Ihnen erhoffe, sinnlos und aussichtslos.“

„Was geschah weiter?“

„Als ich zurückehrte, räumte der Kellner gerade den Tisch ab.“

„Hatten Sie denn schon bezahlt?“

„Nein. Das ist es ja eben. So stellte den Kellner zur Rede. ,Ich glaubte, Sie würden nicht mehr wiederkommen‘, sagte er. ,Ich pflege ein Lokal nicht zu verlassen, bevor ich bezahlt habe‘, antwortete ich mit gebührender Schärfe im Ton. Darauf sagte er zu meinem Erstaunen, indem er lächelte: ,Aber, mein Herr, die Fünfzig Kronen lagen doch unter der Serviette?“

Joe Jenkins schüttelte den Kopf. „Das ist allerdings fast der Gipfel der Seltsamkeiten.“

„Ich fragte nach der Aftenposten. Der Kellner hatte sie mit fortgeräumt.“

„Er musste schliesslich wissen, wohin.“

„Ich habe mit ihm gesucht. Die Zeitung war nicht mehr zu finden. Und nun sagen Sie mir, Mr. Jenkins — was bedeutet das?“

„Darauf kann ich Ihnen natürlich im Augenblick nicht die Spur einer Antwort geben, mein lieber Herr Waggeryd. Ein solcher Hexenmeister bin ich nun doch nicht. Ich kann nur Schritt für Schritt vorgehen wie ein guter Rechner, der höchstens ein bisschen schneller rechnet als andere. Zunächst sagen Sie mir einmal: haben Sie versucht, eine neue Nummer der Aftenposten zu bekommen?“

„Natürlich. Sofort. Und Pech, wie ich nun einmal heut habe: kein Händler mehr zu sehen. Die wenigen, die ich treffe, haben alle Zeitungen ausverkauft.“

Der Detektiv steckte die Hände in die Taschen und ging ein paarmal im Zimmer schweigend auf und ab. Er zog einen der Fenstervorhänge rasselnd zurück; draussen lag brodelnder, warmer Nebel über der stillen Strasse, durch die gelb und fahl das Licht der Bogenlampe schimmerte. Schweigend wandte sich der Amerikaner um, schweigend sah er seinem Besucher ins Gesicht. Dann riss er das Fenster auf, schleuderte die Zigarette in den wallenden Nebel hinaus, den sie in einem leuchtenden Bogen zerschnitt, und schloss das Fenster wieder mit einem krachenden Ruck. Dann, indem er sich plötzlich seinem Besucher zuwandte, sagte er:

„Mein lieber Herr Waggeryd, die Tatsache, dass Sie sich an mich wenden, nachdem Ihnen das widerfahren ist, was Sie mir da erzählen, lässt bereits einige ganz bestimmte Schlüsse zu. A priori ist nämlich Ihr Erlebnis viel eher Sache eines Nervenarztes als eines Detektivs. Das wissen Sie natürlich genau so gut wie ich. Wenn Sie trotzdem zu mir kommen, anstatt einen Arzt aufzusuchen, so geht daraus hervor, dass Sie sich im Grunde Ihrer Seele bereits eine Art von Kommentar gebildet haben, den Versuch einer Erklärung für das von Ihnen Gesehene. Diese Erklärung, an die Sie vielleicht selbst nicht glauben, die sich Ihnen aber doch, je mehr Sie sie überlegen, als Wahrscheinlichkeit aufdrängt, ist eine Drohung, die Sie herausfühlen.“ Und indem der Detektiv seinem Besucher die Hand auf die Schulter legte, fragte er in verändertem Tonfall: „Habe ich recht?“

Der Steinbruchbesitzer blickte zu Boden: „Es ist möglich, dass Sie recht haben.“

„Es ist gewiss“, sagte der Amerikaner. „Die Erscheinung dieses Mannes, der Ihnen aufs Haar ähnlich sieht — so ähnlich sieht, dass Sie ihn als Ihr zweites Ich bezeichnen — hat in Ihnen bestimmte Kombinationen erweckt. Sie müssten kein Norweger sein, Herr Waggeryd, wenn es nicht so wäre. Wäre es nicht so, so wären Sie — ich wiederhole es — nicht zu mir gekommen; denn zu mir kommen, heisst: meinen Schuss wünschen.“

Der Besucher nickte. Nun ja, Mr. Jenkins, Sie haben wohl recht. Sie haben Dinge in mir mit Worten benannt, die ich vielleicht nur erfühlt habe, über die ich mir selbst keine Rechenschaft gegeben habe. Es ist wohl in der Tat so: ich empfinde die Erscheinung dieses meines zweiten Ichs als den Vorboten eines Unglücks. Sie hatten nur zu recht, als Sie meine Nationalität betonten. Wir Norweger neigen zum Grübeln. Unser Land ist zerklüftet und verschneit, den grössten Teil des Jahres in einen undurchdringlichen Winter gehüllt; an unseren Küsten rast ein erbarmungsloses Meer und durch die Lüfte zieht heulend der Tross des Wilden Jägers. In unseren Fjorden spukt es und in unseren Königsschlössern gehen nächtliche Stimmen als Künder des Unheils um; und unsere Seeleute, wenn sie heimkehren von China und vom Kap Horn, erzählen uns tausend Dinge von Sturm und Not und vom Fliegenden Holländer. In der Tat, Mr. Jenkins, wir sind ein abergläubisches Volk.“

„Ich glaube,“ sagte der Amerikaner, „an die Erscheinung des zweiten Ichs knüpft sich ein ganz bestimmter Aberglaube? Der sich übrigens nicht nur in Skandinavien findet.“

„Man sagt,“ nickte der Fremde fast flüsternd, „dass es den baldigen Tod bedeute, wenn man sich selbst begegne.“

Der Detektiv zog die Uhr. „Es geht auf eins. Vielleicht bleiben Sie diese Nacht im Hotel Nobel?“

„Das ist leider unmöglich. Wir haben morgen früh wichtige Sprengungen — ich sagte es Ihnen schon. Ich muss um halb sieben auf dem Platze sein. Der früheste Zug aber läuft erst um sieben in Sollihögda ein.“

„Ist The Chauffeur zuverlässig? Ich meine, falls er sich inzwischen vielleicht ebenfalls ein wenig in Christiania umgetan hätte . . . Auge und Hand pflegen unter dem Einfluss des Alkohols nicht eben sicherer zu werden . . .“

Der Besucher lachte: „Ich steuere mein Auto selbst.“

„Ah!“

„Ich kann auch nicht eigentlich sagen, dass es etwas Körperliches ist, wovon ich mich bedroht fühle. Ich bin von Natur nichts weniger als ängstlich.“ Er streckte mit einer kräftigen Geste den Arm. „Ich stehe meinen Mann.“

„Dann also glückliche Fahrt — und sollte sich irgend etwas ereignen, so rufen Sie das Hotel Belvédère an.“

Der Steinbruchbesitzer reichte dem Detektiv die Hand. „Die Unterredung mit Ihnen hat mich mehr beruhigt, als Sie glauben, Mr. Jenkins. Es tut wohl, einem Manne zu begegnen, der auch dem Ungewöhnlichen gegenüber den Kopf oben behält und der einen daran erinnert, dass in der ganzen Welt mit Wasser gekocht wird. Ich danke Ihnen — und gute Nacht.“

Der Amerikaner behielt einen Augenblick die Hand seines Besuchers in der seinen. „Sie sind Witwer, Herr Waggeryd?“

„Ja. Seit achtzehn Jahren.“

„Ist Ihre Tochter, die mit Herrn Doktor Jarl verheiratet ist, Ihr einziges Kind?“

„Ja. Thora ist vor kurzem zweiundzwanzig geworden. Ich selbst gehe ins fünfzigste Lebensjahr.“

„Warum haben Sie nicht wieder geheiratet?“

Waggeryd sah dem Fragenden ins Gesicht und einen Moment lang schien es, als ob eine flüchtige Röte über seine Züge ging. Dann, indem er die Hand auf die Klinke letzte, sagte er:

„Leben Sie wohl, Mr. Jenkins.“

Der Detektiv trat ans Fenster und blickte in die Nacht hinaus. Der Nebel hatte sich ein wenig verzogen. Ein leichter Wind kam vom Fjord her, der feuchte Tropfen von dem dunklen Grün der Bäume gegen die Scheiben schleuderte.

Joe Jenkins nahm Hut und Paletot von der Chaiselongue, warf einen schuldbewussten Blick auf den von Briefschaften und Telegrammen bedeckten Schreibtisch und verliess das Zimmer.

* * *

Die Kellner, die eben mit unfreundlicher Geschäftigkeit die Tische und Stühle aufeinander stapelten, blickten erstaunt auf den späten Gast.

Es war keine ganz leichte Arbeit, den Übermüdeten, die feindselig dreinblickten, weil sie ihren Feierabend gefährdet sahen, klar zu machen, um was es sich handle. Volle zehn Minuten währte es, bis Joe Jenkins den richtigen Kellner gefunden hatte.

Ja. Er erinnerte sich jenes Gastes. Er hatte am Ecktisch in unmittelbarer Nähe der Tür gesessen und ein Souper eingenommen. Dazu Sekt. Gesamtbetrag fünfundvierzig Kronen; fünf Kronen Trinkgeld.

„Stimmt. Weiter: ist Ihnen eine Ähnlichkeit mit dem zweiten Herrn aufgefallen, der am gleichen Tische sass?“

„Mit was für einem zweiten Herrn?“

„Mit dem zweiten Herrn mit graumeliertem Spitzbart, einem Brillantring an der rechten Hand — er hat sich aus der Flasche des ersten Herrn ein halbes Glas Sekt eingeschenkt und es ausgetrunken. Darauf ist er gegangen.“

Der Kellner hatte bei diesen Worten immer er stauntes dreingeblickt. „Ein zweiter Herr? Der genau so ausgesehen haben soll wie der andere?“ Und, indem sich in sein Gesicht ein breites Lächeln eingrub, sagte er mit einer energischen Kopfbewegung: „Nein, mein Herr. Ich habe keinen zweiten Herrn gesehen.“

„So. Nun sagen Sie mir, was für einen Eindruck machte denn der eine Herr? Wäre es möglich, dass er vielleicht ein bisschen . . .“

Der Kellner spitzte die Lippen, als ob er pfeifen wollte. „Das wäre durchaus nicht unmöglich, mein Herr. Er war ziemlich rot im Gesicht. Und einmal, da war er plötzlich verschwunden — er muss blitzartig schnell hinausgelaufen sein. Ich glaube, das tut man nur, wenn Not am Mann ist.“

„Fürchteten Sie für Ihre Zeche?“

„Offen gestanden — einen Augenblick. Ich wollte ihm schon nacheilen, da — zum Glück — kam mir der Gedanke, den Tisch erst gründlich abzusuchen. Als ich die Serviette aufhob, lagen die Fünfzig Kronen darunter.“

„Er kam aber wieder zurück?“

„Ja — und er machte mir Vorwürfe, dass ich schon abgeräumt hatte. Ich erklärte ihm, da das Geld auf dem Tisch läge, hätte ich natürlich angenommen, er käme nicht mehr wieder. Darauf gab er mir eine ganz komische Antwort: er hätte kein Geld hingelegt. Nun, mein Herr, wenn ich bisher gezweifelt hatte — jetzt war es mir ziemlich klar, dass er mehr getrunken hatte, als er vertragen konnte.“

„Fragte er nach einer Zeitung?“

„Richtig. Nach der Aftenposten.“

„Wie kam es, dass sie nicht mehr vorhanden war?

„Du lieber Gott — die Gäste lassen haufenweise Zeitungen und Journale zurück. Wir werfen sie einfach durch das Korridorfenster auf den Hof hinunter. Das konnte ich ihm natürlich nicht sagen. Ich habe dann so getan, als ob ich die Zeitung suche, sie aber natürlich nichr mehr gefunden. Er kann sich doch für zwei Öre eine neue kaufen.“

„Haben Sie in die Zeitung hineingeblickt?“

„Nein, mein Herr.“

„Ich danke Ihnen. Nehmen Sie das für den Zeitverlust.“

„Ergebensten Dank.“

Die Karl Johansgade war jetzt vollkommen menschenleer. Der Südwind trug jenen seltsamen Duft herüber, der die Hafenstädte der ganzen Welt kennzeichnet: ein Gemisch von Rauch, Teer und salziger Frische.

Dort drüben ging ein alter Zeitungshändler mit seinem Korb, der nun verschlossen und verschnürt war. „Haben Sie noch die Aftenposten?“

„Nein, mein Herr. Ausverkauft.“

„Wo kann ich sie noch bekommen?“

„Heute nacht noch?“ Der Händler sah den Fragenden zweifelnd an: „Muss es denn gerade die Aftenposten sein?“

„Es muss“, sagte dieser lächelnd.

„Dann müssen Sie schon in die Druckerei gehen — die arbeitet die Nacht durch.“

„Wollen Sie mich hinführen?“

„Gott . . . warum nicht . . .“

„Wie wär’s mit Zehn Kronen?“

„Zehn Kronen? Mein Herr, ich führe Sie bis Skillebaek, wenn Sie es wünschen.“

Die beiden gingen durch die nächtliche Stadt. Der Zeitungshändler plauderte unaufhörlich in seinem von Hafenplatt durchsetzten Norwegisch, von dem der Fremde kaum ein Wort verstand. Überdies war er intensiv mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Die ganze Sache sah mehr und mehr nach den Faseleien eines halb Betrunkenen aus. Zugegeben — Herr Waggeryd machte einen guten Eindruck. Den denkbar besten, konnte man wohl sagen. Sicher hatte er nicht mit Absicht und nicht mit Bewusstsein Märchen erzählt. Aber das machte das Unwahre nicht wahr. Herr Waggeryd hatte sich geärgert. Seine Nerven, vielleicht sein Herz waren in Aufruhr gewesen, das hatte seine Empfänglichkeit für die Wirkung des Alkohols erheblich gesteigert. Die Flasche Sekt hatte ihn „umgeschmissen“. Vielleicht war er gar einen Augenblick eingenickt. Die Erscheinung des zweiten Gastes an seinem Tische und diese ganze Geschichte mit seiner eigenen Todesanzeige in der Aftenposten war einfach ein Traum gewesen. Ja — so war’s. —

„Da wären wir“, sagte eine tiefe, ein wenig beleidigte Stimme. Es war der Zeitungshändler, der seine Konversationsversuche seit einiger Zeit schmollend aufgegeben hatte. „Soll ich Ihnen eine herausholen?“

„Tun Sie das.“

Der Händler kam nach wenig Sekunden zurück, das Blatt wie eine Fahne schwenkend. Er erhielt seinen Zehnkronenschein, den er mit dem Ausdruck einer leisen Ungläubigkeit betrachtete; dann lüftete er respektvoll die Mütze und verschwand im Dunkel.

Der Detektiv trat in den Torbogen, der auf den Hof der Druckerei führte. Er überflog die Zeitung, wandte sie um — dort hinten standen die Familienanzeigen. Und hier — — —

Die Mitte der vierten Seite bildete ein schwarzgerändertes Inserat:

Durch einen unerklärlichen Unglücksfall

verschied heute

Herr Hjalmar Waggeryd.

Er ertrank im See von Sollihögda.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Der Detektiv las das Inserat zweimal nachdenklich durch. Dann rief er ein Auto an, das im Schlendertempo durch die holprige Strasse rumpelte.

„Zum Hotel Belvédère — — —“

Der Nachtportier öffnete mit einer Verbeugung. „Ich muss Sie schon bitten, die Treppe zu benutzen, Mr. Jenkins. Wir stellen den Betrieb des Fahrstuhls um ein Uhr nachts ein.“

Als der Detektiv sein Zimmer betrat, läutete zu seiner Verwunderung die Telephonglocke.

„Halloh!“

„Eine Fernverbindung. Sie werden aus Sollihögda verlangt.“

Ein Surren setzte ein. Von irgendwoher kam ein ratterndes Drehen. Dann, mit einem Schlage, war alles still. Gleich darauf erhob sich wieder ein schwirrendes Summen und eine Stimme fragte:

„Ist dort Mr. Jenkins?“

„Ja. Sind sie es, Herr Waggeryd?“

„Ja, Mr. Jenkins.“

„Was wünschen Sie? Gibt es etwas Neues?“

„Ja. Bitte nehmen Sie sofort ein Auto und kommen Sie hierher.“

„Mitten in der Nacht?“

„Ich habe ihn eben wiedergesehen.“

„Ihr Ebenbild?“

„Ja. Mich selbst.“

„Wo?“

„Am See von Sollihögda.“

„Was tat er?“

„Er stand mitten auf der Landstrasse, als ich mit meinem Auto heransauste.“

„Konnten Sie ihn denn in der Nacht sehen?“

„Ich sah ihn deutlich im Licht der Scheinwerfer. Ich hielt auf ihn zu. Um es offen zu sagen — mir war es ganz einerlei — ich wäre geradenwegs über ihn weggefahren. Aber mit einem Schlage war er verschwunden.“

„Fiel Ihnen irgend etwas auf an ihm?“

„Er blickte mir entgegen, die Augen unverwandt auf mich gerichtet. Und mit der linken Hand . . .“

„Nun?“

„Wies er nach dem See.“

Der Detektiv sah auf die Uhr. „Es ist halb vier. Wie lange braucht das Auto?“

„Knappe Fünfviertelstunde.“

„Es ist gut. Ich komme.“

II.

Das Auto kletterte die felsige Strasse herauf. Ein paar letzte Sterne verglommen am Himmel; fern drüben über dem Wenersee lag ein funkelnder Streifen, der sich in einer langen, rötlich flimmernden Linie nach Osten zog — bis dorthin, wo tief unter dem Horizont der Bottnische Meerbusen blaute.

Die schweren Schatten wichen zurück. Langsam trat das ernste Grün der Tannen aus dem Dunkel, das sich löste und hellte, und das silbrige Licht der beiden Scheinwerfer trat nun in einen scharfen Wettbewerb mit dem jungen Tag, der sich über die nordischen Lande erhob. Ein paar Lichter blitzten auf, schossen vorüber. Für eine Spanne zeigte sich schroffer Abhang der jäh und steil zum Fjord abglitt.

Die Strasse wurde breiter; die Bäume traten zurück. Der Himmel, der nun hell und blau geworden war, weitete sich über einer Hochebene. Dann schob sich langsam wieder Wald heran, öffnete sich zu einer schmalen Gasse, die in einer einzigen geraden Linie durch das Grün geschlagen war. Eine Holzkirche tauchte auf, flog vorüber.

Dann hörte der Wald auf. Die Strasse verbreiterte sich wieder, machte plötzlich eine Biegung nach Osten. Irgend etwas Helles tauchte auf; eine glitzernde Fläche schob sich heran.

Der Chauffeur wandte sich um: „Das ist der See von Sollihögda.“

Der Detektiv warf einen langen Blick auf das stille Wasser. Das Auto glitt weiter. Ein paar Blockhäuser tauchten auf. Hundegebell grüsste das Fahrzeug. Strassen teilten sich ab. Von links her — dort, wo hinten Häuserreihen schimmerten, kamen keine Trupps von Arbeitern, den blauen Kaffeetank über den Rücken gehängt.

Der Chauffeur rief einem von ihnen etwas zu, was der Amerikaner nicht verstand. Der Gefragte gab Auskunft, indem er mit der Hand nach vorn deutete.

Das Fahrzeug bog in eine Querstrasse ein. Saubere Drahtgitter zäunten ein paar Zimmerplätze ab, von denen der Geruch des frischen, feuchten Holzes kam. Ein paar Männer mit Zollstöcken in der Brusttasche, die qualmende Pfeife im Munde, die Hände in den Taschen, wandten sich kurz nach dem Auto um und musterten es mit ihren hellen fühlen Augen. Dann zog der Chauffeur die Bremse und das Auto hielt.

Das efeubesponnene Haus blickte hell und freundlich in den jungen Morgen. Die Fenster waren mit grünen, sauber gestrichenen Jalousien verschlossen; rechts lief ein langer Spalierweg, von Heckenrosen überspannt; dazwischen rechts und links in verschwenderischer Behäbigkeit standen Kirschbäume und Moltebeersträucher.

Joe Jenkins entlohnte den Chauffeur und ging langsam den Spalierweg entlang.

Hinten lag das Bureauhäuschen, ein sauberer kleiner Fachwerkbau.

Porphyrwerke Sollihögda

Hjalmar Waggeryd

stand auf dem breiten blitzenden Zinkschild, das kein Fleckchen trübte. Eben kam ein junger, gut gekleideter Herr aus dem Bureauhause, der den Fremden neugierig musterte und langsam, wie auf eine Anrede wartend, an ihm vorüberschritt. Da jener keine Miene machte, sein Hiersein zu erklären, wandte er sich um und sagte in der ruhigen Art des Nordländers mit dem unverkennbar hochmütigen Unterton:

„Mein Name ist Doktor Brinjulf Jarl. Womit kann ich Ihnen dienen?“

„Ich suche Herrn Waggeryd, mein Herr. Mein Name ist Joe Jenkins.“

Doktor Jarl zuckte die Achseln wie zum Zeichen, dass ihm der Name unbekannt sei. Dann sagte er, indem er nach vorn deutete: „Mein Schwiegervater steht so früh nicht auf. Ich fürchte auch, offen gestanden, dass ein so zeitiger Besuch ihn stören wird. Immerhin — ich könnte ja versuchen Sie anzumelden.“

Der Amerikaner machte eine dankende Handbewegung. „Herr Waggeryd erwartet mich.“

* * *

Die Klingel ging laut und gellend durch das Haus. Das verschlafene Gesicht eines Dieners erschien in der sich spannweit öffnenden Tür.

„Ich möchte Herrn Waggeryd sprechen.“

„Herr Waggeryd schläft noch.“

„Das macht nichts.“ Der Detektiv schob mit leichter Mühe die Tür auf und drängte an dem verdutzt und mürrisch Widerstand leistenden Diener vorüber.

„Führen Sie mich in sein Schlafzimmer.“

„Ich weiss wirklich nicht . . .“

„Es ist gleichgültig, was Sie wissen oder nicht“, sagte der Detektiv lachend, indem er jenem auf die Schulter schlug. „Nun, halten Sie mich nicht auf und führen Sie mich in Herrn Waggeryds Zimmer.“

Der Diener machte ein halb resigniertes, halb beleidigtes Gesicht und ging brummend die Treppe hinauf mit sichtlich betonter, misslauniger Langsamkeit. Endlich blieb er an einer der drei Türen stehen, die auf den Korridor des ersten Stocks mündeten und klopfte leise an.

Keine Antwort kam.

Der Detektiv pochte dreimal laut und kräftig — zum Entsetzen des Dieners, der erschrocken zusammenfuhr.

Keine Antwort.

Joe Jenkins letzte die Hand auf die Klinke. Die Tür war unverschlossen.

Die beiden traten ein. Hell und scharf flutete das Morgenlicht in den kleinen vornehm ausgestatteten Raum. Er war leer. Zur Rechten stand das Bett. Es war unbenutzt.

Aus dem Gesicht des Dieners war mit einem Schlage der mürrische, verschlafene Zug verschwunden. Er blickte mit weit aufgerissenen Augen im Zimmer herum, sah dann den Besucher an und sagte kopfschüttelnd: „Meiner Seel, das begreife ich nicht. Ich habe ihn doch selbst heimkommen hören.“

„Wann war das?“

„Ein paar Minuten vor halb vier.“

„Haben Sie ihn gesehen?“

„Als ich herunterkam — ich schlafe im zweiten Stock — war er schon auf seinem Zimmer.“

„Darauf gingen Sie wieder schlafen?“

„Nein. Ich klopfte an und fragte ihn, ob er noch Wünsche hätte.“

„Womit war er beschäftigt, als Sie ins Zimmer blickten?“

„Er sass am Schreibtisch und hatte den Kopf in die Hände gestützt. Fast schien es mir, als ob er schwere Sorgen hätte — ja einen Moment lang glaubte ich, dass er weinte.“

„Warum kamen Sie herunter, als Sie ihn kommen hörten?“

„Er wünscht manchmal noch ein Glas Grog, wenn er spät heimkommt; ich koche ihm dann etwas Wasser auf dem kleinen elektrischen Kocher in der Küche.“

„Sie sind ein guter Diener. — Hatte er heute nacht derartige Wünsche?“

„Nein. Er schüttelte nur den Kopf und seufzte.“

„Darauf gingen Sie wieder schlafen?“

„Ja. Ich ging auf mein Zimmer.“

„Nun hörten Sie nichts mehr?“

„Doch. Etwas, was mich ein wenig in Erstaunen setzte . . .“

„Nun?“

„Ich hörte ihn telephonieren.“

„Ist das Haus so hellhörig?“

„Je nun — mitten in der Nacht — ich hörte, dass die Glocke anschlug, als er den Hörer abnahm. Dann hörte ich ihn etwas in den Apparat rufen.“

„Konnten Sie verstehen, was er sagte?“

„Nein. Dann nach ungefähr fünf Minuten klingelte das Läutewerk — es scheint sich also um eine Fernverbindung gehandelt zu haben.“

„Sehr gut. — Konnten Sie irgend etwas verstehen?“

„Nein. Ich hörte nur, dass er sehr schnelt sprach. Er muss wohl sehr aufgeregt gewesen sein.“

Joe Jenkins nahm den Hörer des Telephons ab. „Bitte können Sie mir sagen, wohin heute nacht um halb vier von diesem Apparat aus gesprochen worden ist?“

„Einen Moment.“

„Und nun kam das Seltsamste“, fuhr der Diener fort. „Ungefähr eine Viertelstunde später . . .“

Aus dem Apparat kam eine kühle, amtliche Stimme: „Heute nacht um halb vier ist von dort aus ein Gespräch mit Christiania geführt worden — mit dem Hotel Belvédère.“

„Ich danke“, sagte der Detektiv und letzte kopfnickend den Hörer auf die Sabel. „Sie sagen, es hat sich noch etwas weiteres ereignet?“

„Ja. Eine Viertelstunde später hat Herr Waggeryd das Haus wieder verlassen. Das hat er noch nie in seinem Leben getan. Sie können sich vorstellen, wie ich mich darüber wunderte.“

„Hörten Sie ihn oder sahen Sie ihn fortgehen?“

„Ich hörte ihn und sah ihn. Er hatte den Kragen aufgeklappt und ging quer hinten über Asmussens Hof.“

„Welchen Eindruck hatten Sie — wohin ging er?“

Der Diener zuckte die Achseln, als ob er etwas ausspräche, was ihm selbst nicht in den Kopf wollte: „Er ging in der Richtung nach dem See zu.“

„Hörten Sie ihn zurückkommen?“

„Nein. Ich habe etwa eine Stunde gewacht, denn ich hatte natürlich geglaubt, er müsse jede Minute wiederkommen.“

„Haben Sie sich irgendeine Meinung darüber gebildet, was dieser nächtliche Gang zu bedeuten haben könnte?“

„Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, aber mit dem besten Willen habe ich mir keine Antwort darauf geben können. Einen Augenblick habe ich gedacht, er wolle vielleicht einen Brief einstecken; aber das Postamt liegt gegenüber dem Bahnhof, und dieser Hinterweg ist also viel mehr ,um‘ als der Weg über die Lillegade.“

„Demnach kann es Sie doch nicht einmal so sehr überrascht haben, dass jetzt das Bett leer ist.“

„Der Diener machte ein etwas hilfloses Gesicht, dann sagte er: „Mein Herr — ich habe schliesslich geglaubt, ich hätte das alles geträumt — warum in aller Welt sollte der Herr mitten in der Nacht sein Haus verlassen? Als ich heute morgen aufwachte — ich hörte Ihr Auto vorfahren — da hatte ich ein paar Stunden tief und fest geschlafen und die ganzen Dinge der letzten Nacht sahen nun völlig anders aus.“

Der Detektiv blickte auf die Uhr. Sie zeigte auf halb sechs. „Das lässt sich hören“, sagte er. „Könnte es etwa sein, dass Herr Waggeryd schon vorm Morgengrauen nach dem Porphyrbruch hinausgegangen wäre?“

„Das ist ganz unmöglich. Er hatte seinen grauen Stadtanzug an; der würde im Steinbruch in einer halben Stunde schön aussehen!“ Der Diener wies auf den englischen Lederkoffer, der auf einem kleinen zusammenklappbaren Bock stand. „Den hat er gestern abend mitgenommen; ich hatte ihm den Frack hineingelegt. Nein — nein, mein Herr, hier ist ein Unglück geschehen.“

„Wo wohnt sein Schwiegersohn, Herr Doktor Jarl?“

„Drüben, Frydenlunds-Gade 1.“

„Wann pflegen Sie Herrn Waggeryd zu wecken?“

„Gewöhnlich steht er um halb sieben Uhr auf. Heute sollte ich ihn eine halbe Stunde früher wecken; denn um halb sieben Uhr beginnen die grossen Versuchssprengungen.“

„Ziehn Sie sich an und fragen Sie einmal unauffällig im Ort herum; vielleicht finden Sie eine Spur von Herrn Waggeryd — vielleicht klärt sich alles harmlos auf. Sollten Sie mir etwas zu melden haben: Sie treffen mich bei Herrn Jarl in der Frydenlunds-Gade.“

* * *

Doktor Jarl selbst öffnete. In seinem hellen, regelmässigen Gesicht lag eine leise Unruhe. „Was ist mit meinem Schwiegervater?“ fragte er in besorgtem Ton. „Mir ist jetzt eingefallen: ich kenne Jhren Namen, Mr. Jenkins. Ich glaube, dass er für bürgerliche Begriffe sozusagen nichts Gutes bedeutet. Hat sich etwas ereignet, was Ihre Anwesenheit erforderlich macht?“

Der Detektiv trat langsam ein und letzte unter Assistenz Jarls Hut und Mantel ab. „Ihr Schwiegervater ist verschwunden“, sagte er endlich.

„Mein Gott — ich hörte doch heute Nacht das Auto durch unsere Strasse fahren.“

„Das Gleiche sagt der Diener. Er ist auch richtig auf sein Zimmer gegangen, hat es aber eine Viertelstunde später wieder verlassen. Seltsamerweise hat er nicht den Weg über die Lillegade benutzt, sondern ist hinten über das Gehöft des Nachbarn gegangen.“

„Zum See?“ fragte Jarl erstaunt.

„Ja. Nicht wahr, Sie waren mit ihm in Chriftiania?“

„Gewiss.“

„Die Versammlung war ziemlich erregt?“

Jarl sah den Fragenden erstaunt an. „Sie war in der Tat erregt. Aber darf ich fragen, Mr. Jenkins: woher wissen Sie das?“

Die beiden traten eben in das behagliche Wohnzimmer ein. Ein paar mächtige Lärchenbäume grünten, friedlichen Schatten spendend, vor den hoben, blinkenden Fenstern. Drüben von den sanft anschwellenden Wiesen leuchteten Löwenzahn und Königskerze. Ein goldenes Ringelspiel von Sonnenlicht zitterte im Reflex der Blätter auf dem braunlackierten Fussboden. In der Luft stand der appetitliche Duft von frischem Kaffee und warmem weissen Gebäck.

Jarl wies auf einen der Polstersessel. Der Detektiv nickte dankend und blieb stehen. „Sie fragen, Herr Doktor, woher ich von den stürmischen Debatten weiss. Nun — es ist nichts dabei, wenn ich es Ihnen sage: Ihr Herr Schwiegervater war gestern abend nocy bei mir im Hotel.“

Doktor Jarl machte eine hilflose Handbewegung und sah den Sprechenden mit unverändert erstauntem Gesicht an. „Das erklärt nicht das geringste, Mr. Jenkins“, sagte er. Wieder klang jener fühle hochmütige Ton in seiner Stimme auf. „Sie sagen, mein Schwiegervater hätte Sie gestern besucht. Nun, woher weiss denn mein Schwiegervater von dem stürmischen Verlauf der gestrigen Versammlung? Er war ja gar nicht da.“

Der Amerikaner wandte den Kopf in überrascht zu dem Sprechenden: „Herr Waggeryd war nicht auf der Versammlung?“ wiederholte er. „Dann hätte er mir die Unwahrheit gesagt. Ich nehme doch an, dass er mit Ihnen zusammen nach Christiania gefahren ist zu dem ausgesprochenen Zwecke, die Versammlung zu besuchen?“

„Gewiss. Um so erstaunter waren wir, als er nicht kam.“

„Unternahmen Sie irgend etwas . . . versuchten Sie, ihn zu holen?“

„Gewiss. Die Versammlung war im Kunstverein in der Universitäts-Gade. Nachdem wir etwa eine Stunde gewartet hatten, ging ich ans Telephon und rief meinen Schwiegervater an: im Hotel Nobel. Da hörte ich, dass er das Hotel schon vor längerer Zeit verlassen hatte, und zwar in einer Autodroschke. Er hätte also längst bei uns sein müssen; dass er nicht kam, konnte nur eine einzige Erklärung haben: ihm musste irgendeine andere wichtige Angelegenheit dazwischengekommen sein. Und doch — so konnte es auch nicht sein. Ich hörte nämlich von dem Telephonisten des Hotels etwas, was mich in Erstaunen setzte: mein Schwiegervater war im Frack, als er das Hotel verliess.“

„Das stimmt“, nickte der Detektiv. „Ich kann es bezeugen.“

„Er muss also den Frack eigens mit nach Christiania genommen haben, muss also schon in Sollihögda eine ganz bestimmte Absicht mit seiner Christianiaer Reise verbunden haben, von der er mir nichts gesagt hat, und die auch mit der Steinbruchsbesitzerkonferenz nichts zu tun hatte.“

Ein leichter Schritt kam über den Korridor. Es klopfte. Herein trat eine junge dunkelblonde Dame.

„Meine Frau“, sagte Brinjulf Jarl, „und dies ist Mr. Jenkins.“

Auf den schönen jungen Gesicht lag ein Ausdruck der Niedergeschlagenheit, der seltsam mit den reinen, frischen Zügen kontrastierte. Sie ging auf den Detektiv zu und reichte ihm die Hand. „Ich weiss, warum Sie hier sind, Mr. Jenkins; Papas Diener hat es mir gesagt. Grosser Gott — ich bin ja ganz fassungslos. Meinen Sie, dass ihm irgend etwas geschehen sein könnte? Noch nie in seinem Leben ist er später als zwei Uhr nachts nach Hause gekommen.“

„Ich muss gestehen“, fiel Doktor Jarl ein, „auch ich fühle mich mehr als beunruhigt. Haben Sie noch etwas Wichtiges zu fragen, Mr. Jenkins? Sonst möchte ich doch auf alle Fälle ein paar Leute ausschicken — denn irgendwo muss er doch schliesslich zu finden sein.“

„Tun Sie das, Herr Doktor. Ich werde Sie begleiten und einen Blick in die Garage werfen.“

„Ich gehe mit“ entschied Frau Thora.

* * *

Die kleine Garage lag am Ende der Lillegade — dort, wo die letzten Ausläufer des Föhrenwaldes den Ort säumten.

Doktor Jarl schloss auf. „Da ist das Auto“, sagte er.

Der kleine, leichte Wagen trug alle Spuren einer langen Fahrt. Räder und Kühler waren mit einer grauen Kruste bedeckt, und selbst auf der Stirnscheibe sassen ein paar erstarrte Spritzer.

Doktor Jarl winkte einen Burschen, der eben mit Eimer und Besen anrückte, heran und gab ihm ein paar eindringliche Aufträge, dann ging er, indem er sich kurz verabschiedete, mit jenem die Lillegade hinunter.

„Sagen Sie mir, Frau Jarl“, begann der Detektiv nach einer Pause, indem er den beiden Davonschreitenden gedankenvoll nachsah, „können Sie sich für das Verschwinden Thres Vaters irgendeine Erklärung geben?“

Die junge Frau sah ihn an und schüttelte den Kopf.

„Es ist da nämlich etwas, was die ganze Geschichte merkwürdig kompliziert. Ihr Herr Vater war gestern abend bei mir . . .“

Sie fuhr zurück: „Was Sie sagen . . .“

„Er erzählte mir von einer Versammlung der Steinbruchsbesitzer der Drei Königreiche — einer wichtigen Konferenz, der er gemeinschaftlich mit seinem Schwiegersohn — Threm Gatten — beigewohnt hätte.“

„Das stimmt.“

„Und nun erfahre ich zu meinem Erstaunen von Herrn Doktor Jarl: Ihr Vater hat mir die Unwahrheit gesagt. Er ist gar nicht auf der Versammlung gewesen.“

„Das begreife ich nicht.“

Er hat vielmehr im Frack, den er aus Sollihögda mitgenommen hatte, das Hotel verlassen; in demselben Frack hat er mich besucht. — Sind diese Angaben geeignet, Sie auf irgendeine Vermutung zu bringen?“

Die junge Frau sah den Amerikaner verständnislos an.

„Dieser Frack lässt auf einen Reisezweck schliessen, der mit geschäftlichen Dingen nichts zu tun hat.“

Ein Schatten wie ein leichtes Erröten ging über das Gesicht Thora Jarls. „Sie denken an eine Frau, Mr. Jenkins?“

„Vielleicht.“

„Ich habe nie gehört oder gesehen, dass mein Vater auch nur den Schatten einer Absicht hatte, sich wieder zu verheiraten.“

„Nun nun“ — begütigte der Detektiv — „man muss ja nicht immer gleich das Schlimmste denken. Wäre es nicht möglich, dass Ihr Herr Vater . . . schliesslich — er ist ein Mann in den besten Jahren — reich — unabhängig — niemandem Rechenschaft schuldig — warum sollte er nicht wie so viele Leute in Christiania eine kleine Liaison unterhalten?“

„Mr. Jenkins!“ In das Gesicht der jungen Frau trat ein abweisender Ausdruck. „Mein Vater ist ein gläubiger Protestant. Er hat sich nie in seinem Leben mit derartigen Damen abgegeben.“

„Um Gotteswillen“, besänftigte der Detektiv die Erzürnte. „Ich wollte Ihren Herrn Vater nicht beleidigen. Ich sehe, dass es Grenzen gibt, über die hinaus man mit einer Norwegerin nicht geben kann, ohne es mit ihr zu verderben.“

„Ich bin gewiss nicht prüde. Aber es ist geradezu absurd, meinen Vater in derartige illegitime Beziehungen zu einer Frau zu bringen.“

„Weiter wollte ich nichts wissen. — Ihr Herr Gemahl kam mit dem letzten Zuge, nicht wahr?“

„Ja.“

„Der um halb eins den Westbahnhof verlässt und um halb zwei in Sollihögda ist?“

„Ganz recht. Ich freute mich sehr auf die Rückkehr meines Mannes, denn er hatte mir versprochen, Verschiedenes für mich in Christiania einzukaufen: Seife, Parfums und dergleichen.“

„Sie wachten noch, als er kam?“

„Ja.“

„Wann war das?“

„Gegen dreiviertel zwei. Er brachte einen ganzen Arm voll mit: nicht nur Seife und Parfums und Seide — auch ein ganzes Pfund Konfekt und kandierte Früchte, die ich für mein Leben gern esse. Dann erzählte er mir von dem luftigen Nachtleben in Tostrupgaardens Café; dabei kamen wir in vergnügte Stimmung und er holte eine Flasche Sekt aus dem Keller. Dann plauderten und tranken wir. Brinjulf erzählte ein paar lustige Geschichten, die er in Christiania gehört hatte — denn Sie können sich denken, wenn so ein Rudel Herren aus aller Welt zusammen, kommt . . .“

„Hörten oder sahen Sie in dieser Nacht noch irgend etwas Ungewöhnliches?“

„In dieser Nacht? Nein, Mr. Jenkins. In dieser Nacht habe ich so fest geschlafen wie seit langem nicht. Das macht wohl der ungewohnte Sekt. Ich weiss nicht, wann ich eingeschlafen bin und ich wäre auch sicher noch nicht erwacht, wenn nicht der Diener mir die Botschaft vom Verschwinden meines Vaters gebracht hätte.“

Die beiden gingen langsam die Lillegade hinunter, dem Waggerydschen Herrenhause zu.

Brinjulf Jarl kam ihnen entgegen. „Nichts“, sagte er niedergeschlagen. „Ich habe überall gefragt, kein Mensch hat ihn gesehen.

Die drei gingen in die Villa Waggeryd. Mit unruhig flackernden Augen kam ihnen der Diener entgegen. „Es ist alles wie verhext“, sagte er. „Niemand weiss etwas — ich habe nach verschiedenen Stellen telephoniert.“

In diesem Augenblick kamen stampfende Schritte über den Kies des Sartenweges. Die Entréeglocke ging; der Diener öffnete.

Zwei Arbeiter standen in der Tür. Ihre Gesichter waren starr und ernst. Der ältere von beiden sagte, indem er die Mütze abnahm und sie in der Hand drehte:

„Wir haben ihn gefunden. Er liegt tot im See.“

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