Kitabı oku: «Das Buch vom Räuchern»
DAS BUCH VOM
RÄUCHERN
Susanne Fischer-Rizzi
DAS BUCH VOM
RÄUCHERN
Illustrationen von
Peter Ebenhoch
AT Verlag

Inhalt
Vorwort
Einführung
Vom Räuchern
Was ist Räuchern?
In unserer Zeit
Die Muse des Dufts
Geruchssinn und Räuchern
Wann und wozu räuchern?
Räuchern und Ritual
Praktische Anwendung von Räucherwerk
Notwendiges zum Räuchern
Wissenswertes für den Einkauf von Räucherwaren
Wie man räuchert
Geschichte und Anwendung von Räucherwerk in verschiedenen Kulturen und Zeiten
| 1. Am Feuer sitzen | Wie alles begann |
| 2. Nordeuropa | Rauchnächte und Kräuterbüschel |
| 3. Mesopotamien | Im Paradies der Düfte |
| 4. Ägypten | Göttliche Wohlgerüche |
| 5. Kreta | Ariadnes Kräuterwiesen |
| 6. Griechenland | Von der Wissenschaft der Düfte |
| 7. Arabien | Weihrauch und Wüste |
| 8. Israel | Was die Heiligen Drei Könige brachten |
| 9. Amerika | Nordamerika: Pflanzen der Kraft Südamerika: In Reich der Jaguarsonne |
| 10. Indien | Mutter der Düfte |
| 11. Himalaya | Wohlgerüche aus Shangri-la |
| 12. Japan | Den Düften lauschen |
Inhaltsstoffe
Botanische Zuordnung
Literatur
Fotonachweis
Stichwortverzeichnis
Danksagung
vorwort
von der steinzeit nach Frankfurt City
Wichtige Dinge verschwinden nicht. Sie schlummern scheinbar in der Tiefe. Doch wenn ihre Zeit wieder gekommen ist, erwachen sie und erscheinen wie neu. So ist es mit dem Räuchern. Jahrtausendelang war das Räuchern ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Unglaubliche Reichtümer wurden für Räucherwaren ausgegeben, Welthandelsstraßen errichtet, um sie zu befördern, und zu fast allen Zeiten war das Räuchern eine Zeremonie, so alltäglich und wichtig wie Zähneputzen. Erst in diesem Jahrhundert ist das Wissen um das Räuchern in unserem Kulturkreis wie eine Quelle versiegt. Lebendig lebt es jedoch weiter in anderen Kulturen, vor allem in denen des Ostens. Dort ist das Räuchern für Millionen von Menschen eine essentielle Zeremonie des Alltags.
Die Ursprünge des Räucherns, das heißt des Verbrennens oder Verglimmens von aromatischen Substanzen liegen in der frühesten Menschheitsepoche, irgendwo vor oder in der Steinzeit. Doch was hat dies mit unseren modernen Zeiten zu tun?
Vor vielen Jahren habe ich das Räuchern von den Indianern gelernt. Für die Medizinfrauen und -manner, die mir etwas über ihre Heilpflanzen vermittelten, war eine Räucherzeremonie ein Teil ihrer achtsamen Art, mit Himmel und Erde umzugehen. Auch in östlichen Ländern, die ich bereiste, entdeckte ich die Freude am Räuchern. So haben über lange Zeit Räucherungen als hilfreiche kleine Rituale mein Leben begleitet. Daß sich dafür einmal viele Menschen interessieren würden, kam mir nicht in den Sinn.
Ausgerechnet in Frankfurt City begriff ich, daß nun die Zeit gekommen war, in der das alte Wissen von der Kraft und dem Heilwert des Räucherns wieder aus der Tiefe auftauchen müßte. Ich leitete dort ein Seminar für Manager, bei dem wir Aroma-Massagen und Atemübungen zur schnellen Entspannung bei starkem Streß praktizierten. Zufällig hatte ich in meinem Gepäck meine Räucherutensilien dabei. Ein Seminarteilnehmer fragte mich, was dies denn sei? Ich erklärte ein bißchen und er überredete mich, mit der gesamten Gruppe eine Räucherung vorzunehmen. Ich war skeptisch. Was hatte das Räuchern auf einem Managerseminar zu suchen? Doch ich wollte keine Spielverderberin sein und packte meine besten Räuchersubstanzen aus.
Nach der Räucherung konnte ich es selbst sehen. Die Gesichter waren entspannt, in dem ungemütlich, sehr kühl eingerichteten Seminarraum war eine Atmosphäre der Weite, Wärme und der meditativen Stimmung entstanden. Das war es, was Menschen, die unter starkem Leistungsdruck stehen, schnell entspannen kann! Wir räucherten an diesem Wochenende noch öfter und ich verteilte als Abschiedsgeschenk meine Weihrauch-Harzbrocken. Von da an nahm ich meine Räucherutensilien zu Konferenzen, Vorträgen und Seminaren mit. Ich spürte, das uralte Wissen um das Räuchern kann genau in unserer Zeit der Hektik und Streßbelastung hilfreich sein, kann uns unterstützen, manchmal innezuhalten.
Auch mein Interesse an der Geschichte des Räucherns war geweckt. Vom alten Räucherwissen ist nur wenig übriggeblieben. Was wußte man früher darüber? Ich begann eine Studienreise durch die Zeit, von den Ursprüngen des Räucherns durch viele Kulturen, suchte alte Quellen in Bibliotheken, bei Heilerinnen und Heilem, Medizinfrauen und -männern. Ich sammelte Pflanzen zum Räuchern und versuchte, alte Rezepturen zu rekonstruieren.
Ich freue mich, daß ich mit diesem Buch vielleicht etwas dazu beitragen kann, die wertvolle und hilfreiche Weisheit des Räucherns gerade in unserer Zeit wieder aufleben zu lassen. Es begann in der Steinzeit und fand seinen Weg bis in die moderne Großstadt…
Sulzberg, Ostern 1996
Einführung
vom räuchern
was ist räuchern?
Für das Räuchern läßt man aromatische Substanzen, hauptsächlich aus dem Pflanzenreich, über einer Wärmequelle wie Räucherkohle oder Kerzen langsam verglühen. Der aufsteigende Rauch trägt die Duftstoffe nach oben und verteilt sie im Raum. Er enthält die psychoaktiven, körperlich und seelisch wirksamen Inhaltsstoffe des Räucherwerks, die über die Nase oder den Mund aufgenommen werden. In allen alten Kulturen wurde geräuchert, und es war ein reichhaltiges und differenziertes Wissen darüber vorhanden. Beim Räuchern sind unsere Sinne auf verschiedene Weise angesprochen: Die Nase riecht, nimmt auf, und mit den Augen können wir den feinen Rauch verfolgen und beobachten, wie er in unendlichen Formen Figuren, Spiralen, Bänder usw. bildet. Wir erleben die Wärme des Feuers beim Anzünden der Kerze und sehen, wenn die rote Glut langsam das Schwarz der Kohle verschwinden läßt. Sand, Tongefäß, Räucherwaren und Mörser sprechen den Tastsinn an.

Adlerholz
Das Räuchern ist eine unmittelbare Erfahrung. Es ist die Wurzel der heutigen Aromatherapie und Parfümerie. Das Wort Parfüm leitet sich ab vom lateinischen per fumum, durch den Rauch. Für unsere Vorfahren war das Räuchern aus dem Leben nicht wegzudenken und fehlte in keiner Kultur. Es diente sakralen Zwecken als Botschaft an den Himmel, um Gebete zu den Göttern zu tragen. Auch heute noch vertieft und unterstützt es Gebet und Meditation bei allen großen Religionen. Man desinfizierte mit Hilfe des Räucherns die Wohnräume, Krankenlager und Ställe, heilte Kranke, parfümierte Kleider und Gegenstände, beeinflußte das Träumen, erzeugte Visionen, verbesserte die Akustik in Kirchen und vieles mehr. In unserer Zeit wissen nur noch wenige Näheres über das Räuchern. Vielen kommt bei der Frage danach eine unangenehme Erinnerung aus ihrer Kindheit in den Sinn. Mit dem Weihrauchduft zum Beispiel sind Erinnerungen und Gefühle, wie erzwungene und unbequeme Kirchgänge in der Jugendzeit, verbunden.
Daß es viele verschiedene Räucherstoffe mit jeweils anderen Wirkungen gibt, ist nur noch wenigen bekannt. Die alte Kunst des Räucherns wäre beinahe verlorengegangen.
In unserer zeit
Das Räuchern war in früheren Zeiten eine sakrale Botschaft an den Himmel. Angenehme Düfte stiegen wie eine Säule nach oben. Die Nasen der dabei anwesenden Irdischen wurden so nebenbei auch erfreut und eine allgemeine Wohl-Stimmung verbreitete sich. Wenn wir diesen Faden weiterspinnen bis in unsere Zeit und uns fragen, welche Wohl-Gerüche wir heute gen Himmel schicken, so stellen wir fest, daß sowohl die Nasen der Götter als auch die der Anwesenden arg strapaziert werden. Schornsteine, Autos, Industrieanlagen schleudern dem Himmel einen unangenehmen Gestank entgegen. Die Menschen der antiken Kulturen hätten dies als Frevel an den Göttern gesehen. Wir können dies nicht beurteilen, doch es ist ganz sicher, daß wir als Anwesende bei den Räucherungen unserer Industriegesellschaft gen Himmel nicht wohlgestimmt werden, sondern ganz im Gegenteil davon krank werden.
Auch im häuslichen Bereich sind wir von verfälschten Gerüchen betroffen, meist in Form von künstlichen Aromastoffen. Doch wir haben ganz instinktiv nach natürlichen Düften gesucht, mit denen wir uns umgeben können. In den letzten zehn Jahren hat die Aromatherapie ein stetig wachsendes Interesse gefunden. Die ätherischen Öle, die flüssigen und flüchtigen Inhaltsstoffe der Pflanzen, sind inzwischen in fast jedem Haushalt zu finden und erfreuen sich großer Beliebtheit. Unser lange vernachlässigter und von üblen Industriegerüchen mißhandelter Geruchssinn ist aus einem Dornröschenschlaf erwacht. Erst jetzt entdeckt die Wissenschaft, welche immense Bedeutung das Riechen auf das menschliche Leben hat. In vielen Menschen, die sich in den letzten Jahren mit den ätherischen Ölen beschäftigt haben, ist nun ein wachsendes Interesse an Räucherwerk entstanden. Sie sind interessiert, die Wurzeln der Aromatherapie kennenzulernen.

Cistrose
Die Rückbesinnung auf fast verlorengegangene, spirituelle Weisheit und religiöse Werte hat das Interesse am Räuchern ebenfalls geweckt. In den alten Hochkulturen wurde Räucherwerk zur Unterstützung von geistigen und seelischen Praktiken und Erfahrungen verwendet. In unserer extrem auf das Äußere ausgerichteten Kultur wächst das Verlangen nach Dingen, die uns jenseits von Leistung und Konsum mit inneren spirituellen Werten verbinden.
Wir suchen nach einer neuen Verbundenheit zur Natur. Unser eindimensionales Denken, das auf reine Ausbeutung der Natur ausgerichtet war, wird unseren Lebensraum zerstören. Das Räuchern wurde in alten Kulturen eingesetzt, um mit den feinstofflichen Kräften der uns umgebenden Natur in Verbindung zu treten, um Botschaften zu erhalten und Zusammenhänge zu begreifen. Beim Räuchern offenbart sich die Kraft und Seele einer Pflanze und sie teilt ihre Weisheit mit. So wußten es die Menschen früherer Zeiten. Wenn wir beim Räuchern aufmerksam den Duft wahrnehmen, können wir uns von ihm in das Reich der Natur, in die Geheimnisse der Pflanzen, in die Mysterien der feinstofflichen Pflanzenenergien einweihen lassen und erfahren eine seelische Bereicherung. Mit dem ursprünglichen Ritual des Räucherns erschließen! wir uns die alte Weisheit von der Verbindung von Mensch und Pflanze neu.
Die Muse des Dufts
Zeit für sich selbst haben und der Hektik des Alltäglichen entfliehen, die Seele baumeln lassen in der köstlichen Zeitspanne von Versenkung und Genuß! Verweilen, unser Leben leben. Wer hat nicht Sehnsucht danach in unserer hektischen Leistungsgesellschaft, wo es immer weniger Möglichkeiten des seelischen Verweilens gibt? Fast sind wir unfähig geworden zur Muße in den Zeiten restloser Getriebenheit. Vielleicht ist deshalb das Räuchern gerade jetzt neu entdeckt worden. Das Räuchern braucht Zeit, wir müssen sie ihm geben und bekommen diese verstärkt zurück. Bei der Verwendung einer Duftlampe brauchen wir kaum innezuhalten in unseren Aktivitäten: Wir tröpfeln ätherisches Öl in das Wasser der Lampe und können uns entfernen. Nicht so beim Räuchern. Wir entzünden Kerze und Kohle, legen Räucherwerk auf, fächeln, bis die Kohle glüht, bleiben sitzen, versunken in das unmittelbare Erlebnis von Duft und Rauch, und schon entkommen wir unserer Hektik und machen eine Reise zu den Quellen unserer eigenen Kraft. Im Verbrennen des Räucherwerkes, im Aufsteigen des Rauches erkennen wir ein Symbol für die Vergänglichkeit des Materiellen. Gleichzeitig läßt der Rauch uns das Zeitlose spüren. Im nach oben steigenden Rauch der spirituellen Räucherungen sahen die Menschen früherer Zeiten ein Auflösen der Grenzen von Raum und Zeit. Dieser Frei-Raum bot Inspiration für ein Innehalten und eine Betrachtung des eigenen Seins. Das lateinische Wort inspirare leitet sich ab von einatmen und weist auf die feine Weise hin, wie Düfte uns über das Einatmen beeinflussen und inspirieren. Das Räuchern ist ein Zeitgeschenk an unsere Seele.

Eine Priesterin des Bachus räuchert auf dem Altar des Jupiter
Geruchssinn und räuchern
Der Geruchssinn ist entwicklungsgeschichtlich einer unserer ältesten Sinne. Aus dem ursprünglichen Riechhirn hat sich das Denkhirn, das heißt die Großhirnrinde entwickelt. Beim Räuchern werden die Duftmoleküle, die im Pflanzengewebe eingelagert sind, befreit und steigen mit dem Rauch in die Raumluft, wo sie sich verteilen. Über die Atemluft gelangen die Duftmoleküle in Berührung mit unserer Riechschleimhaut an der Nasenwurzel. Die Reize werden auf direktem Wege in das Zentrum des Gehirns weitergeleitet. Dort beeinflussen sie die Zentren unserer Gefühle, die Regulation der Hormone und das vegetative Nervensystem. Das Räuchern wirkt direkt auf unsere Wahrnehmung. So ist die starke Wirkung des duftenden Rauchs auf unsere Gefühle, Stimmungen und unser Befinden zu erklären, die Resonanz unserer Psyche beim Räuchern.
wann und wozu räuchern?
Aus der Fülle der Gelegenheiten zum Räuchern möchte ich hier die wichtigsten anführen.
Zum atmosphärischen Reinigen
Das Räuchern kann energetisch auf die Umgebung einwirken. Es ist, als verbreite der duftende Rauch eine ganz eigene Schwingung, als schaffe er ein neues morphogenetisches Feld im Raum. Sicher kennen Sie das Phänomen der dicken Luft in Räumen. Stimmungen, Gedanken und Handlungen beeinflussen die Energie in einem Raum – sie bleiben in der Luft hängen. Man tritt ein und spürt: Hier ist dicke Luft. Der Geruch von Angst, Streit, Trauer usw. hängt in Räumen, aber auch die Schwingung solcher Gefühle.
Kaum etwas kann die Schwingung so neutralisieren und verändern wie das Räuchern. Aus diesem Grunde setzt man seit Jahrtausenden Räucherungen ein, um Plätze, wo viele Menschen Zusammenkommen, atmosphärisch zu reinigen und neutral oder positiv aufzuladen. Deshalb wurde und wird noch immer besonders in Tempeln, Heiligtümern und Kirchen geräuchert.

Räucherschale aus Stein
Auch Gegenstände, die für Zeremonien oder zum Heilen verwendet werden, wie zum Beispiel Heilsteine, Statuen, Heiligenbilder, können im aufsteigenden Rauch energetisch gereinigt werden. Manchmal sind alte Schmuckstücke oder Antiquitäten mit Belastendem, Negativem beladen. Durch das Räuchern können sie neutralisiert werden. Die atmosphärisch reinigende Kraft des Räucherwerkes können Sie hilfreich einsetzen, für
– Räume, in denen viel gestritten oder getrauert wird,
– für ein Haus oder eine Wohnung, die Sie neu beziehen wollen,
– für Schulungsräume, Warteräume, Prüfungsräume, jede Art von öffenlichen Räumen,
– für Kranken- und Sterbezimmer.
So wird‘s gemacht:
Beim atmosphärischen Reinigen von Räumen sollten Sie die Fenster geschlossen halten. Gehen Sie mit der Räucherschale durch den Raum oder von Raum zu Raum und fächeln Sie den aufsteigenden Rauch in alle Richtungen. Verlassen Sie danach den Raum und schließen Sie die Tür. Falls Sie am Abend räuchern, sollte die Räucherschale im Raum verbleiben und erst am nächsten Morgen gut gelüftet werden. Ansonsten sollten die Räume etwa drei Stunden bei geschlossenen Fenstern und Türen nicht betreten werden. Danach wird gründlich gelüftet.
Besonders geeignete Räuchenvaren zum atmosphärischen Reinigen von Räumen:
Weihrauch, Sandarak, Salbei, Wacholder, Wüstenbeifuß, Tanne
Fertige Mischungen:
Reinigung, Oraibi
Zwölf-Heilige-Nächte
Schutzgeister
Lawudo
Räucherungen zum Beruhigen, Entspannen, bei Nervosität, Streß und Angst
Düfte beeinflussen unser seelischgeistiges Gestimmtsein. Sie können anregen, beruhigen, harmonisieren. Hierfür verwenden wir Räucherstoffe, die einen direkten, entspannenden Einfluß auf unsere Psyche haben. Zelebrieren können wir diese Räucherungen am Abend, eventuell mit etwas entspannender Hintergrundmusik und Kerzenschein. Lassen Sie Ihre Verspannungen und Sorgen mit dem duftenden Rauch davonfliegen. Sie können Räucherungen aber auch einfach nur zum Genießen vornehmen.
Besonders geeignete Räuchenvaren zum Entspannen:
Zimt, Benzoe, Sandelholz, Goldcopal, Sandarak, Styrax, Anis, Kostus, Safran, Bernsteinkiefer, Galbanum, Propolis
Mischungen:
Gulistan, Atem der Seele, Blaue Libelle auf dem Lotosblatt, Nachmittag eines Faun, Harmonia, Lugal Banda, Busamé, Kyphi, Ägyptium, Griechischer Tempelweihrauch, Insel der Seligen
Räucherungen zum Vitalisieren, Anregen und Kraft finden
Manche Räucherwerke wirken anregend sowie revitalisierend und können uns helfen, zu unserem eigenen Kraftpotential zu finden, wenn wir kraftlos oder entmutigt sind und uns erschöpft fühlen. Besonders eignen sich hier die indianischen Kräuter und solche, die dem Element Feuer zugeordnet sind. Beim Räuchern können wir uns vorstellen, wie unsere innere Kraft mit dem aufsteigenden Rauch zunimmt.
Stärkende Räuchenvaren
Wüstenbeifuß, Tanne, Himalaya- Rhododendron, Zeder, Wacholder, Ingwerlilie, Galgant, Drachenblut, Kalmus, Nelke, Kampfer, Kiefer
Mischungen
Lawudo, Kailash, Ayla, Maneton Kraft, Oraibi, Gilgamesch, Götterweihrauch, Avalon, Ischtar, Shiva
Räucherungen als Hilfe bei Schlafstörungen
Manche Räucherpflanzen wirken so ausgleichend und beruhigend, daß sie uns eine Hilfe bei Schlafstörungen sein können. Sie entspannen seelisch wie körperlich. Räuchern Sie damit am Abend vor dem Schlafengehen und spüren Sie dabei, wie der Rauch Ihren Körper entspannt und die Gedanken beruhigt.
Räucherpflanzen für einen guten Schlaf
Sandelholz, Bernsteinkiefer, Asant, Zimt, Safran, Narde, Aloe, Gal- banum, Traumkraut, Adlerholz, Sumpfpforst
Mischungen
Kyphi, Busamé, Insel der Seligen, Nachtlaub, Jaguar der Nacht
Räucherungen für die Träume
Seit Jahrtausenden verwendeten die Menschen die Räucherungen für das Träumen. Sie konnten damit Wahr- Träume erzeugen. Traum-Räuche- rungen können auch heute noch eine Unterstützung von therapeutischer Traumarbeit sein oder helfen, damit wir uns Träume besser merken können. Wie erst in den letzten Jahren in wissenschaftlichen Traumlabors festgestellt wurde, haben Düfte eine starke Wirkung auf unsere Traumtätigkeit. Weiteres zur Anwendung in den jeweiligen Kapiteln.
Traum-Räucherkräuter
Traumkraut, Wahrsagesalbei, Lorbeer, Mastix, Hopfendrüsen, Mistel, Beifuß, Elemi, Labdanum, weißer Copal, Holundermark, Eisenkraut.
Mischungen
Traumkolibri, Phytia, Naturgeister, Der Blaue Vogel, Elfenspiel, Mondgöttin
Räuchern zu Gebet, Meditation und Innenschau
Vom Anbeginn der Räucherkultur haben die Menschen festgestellt, daß das Räuchern mit seinen speziellen Düften die Kraft hat, spirituelle Energien zu verstärken. Räucherungen können uns für subtile Ebenen jenseits unserer Alltagswelt öffnen.

Räuchern während eines Rituals
Das Räuchern verbindet den menschlichen Geist mit kosmischer Energie. Gebete sind viel wirkungsvoller, wenn sie von Räucherungen begleitet sind. Das Räuchern ist ein tiefes Symbol für die Wandlung, für den alchemistischen Prozeß der Transformation. Das Verbrennen von Räucherwerk hat die Menschen schon immer inspiriert, über die Transformation des Irdischen in das Göttliche zu kontemplieren. Der duftende Rauch schafft eine Atmosphäre der Andacht, Würde und Besinnung, die unsere Gebete oder Meditationen unterstützt. Der aufsteigende Rauch ist ein Symbol für unsere Seele, die ihre Verbindung zum Göttlichen sucht. Religiöse Handlungen sind deshalb fast immer mit dem Räuchern verbunden. Räuchern Sie zu Beginn einer Meditation, begleiten Sie Ihre Gebete mit duftendem Rauch oder lassen Sie sich von ihm zur Innenschau inspirieren. Stellen Sie sich dabei vor, wie sich Ihre Gedanken und Gebete durch den Rauch mit der göttlichen Energie verbinden.
Räucherstoffe zum Beten und Meditieren
Weihrauch, Balsam, Mastix, San- darak, Dammar, Guggul, Zeder, Myrte, Elemi, Kampfer.
Mischungen
Schutzengel, Reich der Engel, Oraibi, Kraft, Isis und Osiris, Kailash, Shangri-La, Meditation am Morgen, Rosa mystica, Flug der Seele, Griechischer Tempelweihrauch, Der Unwissenheit entfliehen, Götterweihrauch, Erste Schneeflocken im Kiefernhain.
Räuchern zu jahreszeitlichen Festen
Die Jahreszeiten sind die Stimmungen der Natur. Wenn wir diese bewußt wahrnehmen, uns einschwingen, trägt dies zu unserem eigenen Wohlbefinden bei und stellt für uns eine innere Bereicherung dar. Feste und Räucherungen können uns in Einklang mit den Jahreszeiten bringen, unser Erleben und Erfahren verstärken. Die Zeiten der Mondrhythmen wurden mit Festen, Ritualen und Räucherungen begleitet und bewußt mitempfunden. Vollmond- und Neumondphasen wurden in früheren Zeiten mit Ritualen besonders hervorgehoben. So konnten die Impulse dieser wichtigen Zeiten bewußt aufgenommen werden. Begleiten Sie einmal ein Jahreszeitenfest wie Weihnachten, Ostern oder die Sommersonnenwende ganz bewußt mit einer entsprechenden Räucherung.

Räuchern am offenen Feuer
Räuchermischungen für Jahreszeiten-Feste
Zwölf-Heilige-Nächte, Avalon, Duir, Druid, Lugal Banda, Rosa mystica, Ischtar, Weihrauch,
Vollmond: Elemi, Kampfer, Mastix, Myrte, Kostus, Guggul
Neumond: Labdanum, Adlerholz, Narde, Myrrhe, Copal schwarz
Räucherungen für die Liebe
Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, ähneln die Düfte der klassischen Räucherstoffe den menschlichen Pheromonen, d.h. jenen Duftbotschaften, die einen starken Einfluß auf die menschliche Sexualität haben. Daß Räucherungen die Liebesfähigkeit anregen, die Erotik stimulieren können, haben die Menschen schon lange gewußt. Lassen Sie sich von sinnlich duftendem Rauch verführen; genießen Sie eine Räucherung zu zweit.
Räucherstoffe, die sinnlich stimulierend wirken
Sandelholz, Vetiver, Benzoe, Adlerholz, Labdanum, Patchouli, Rose.
Mischungen
König Davids Verführung, Lugal Banda, Der Geheime Garten, Shakti, Nachmittag eines Faun.
Räucherungen für die Kreativität
Viele Künstler und Künstlerinnen haben sich von Düften inspirieren lassen oder mit dem duftenden Rauch ihre Phantasie und kreative Arbeit unterstützt. Lassen Sie sich von einer Räucherung zum Musizieren, Malen, Schreiben oder zu kreativer Arbeit inspirieren. Beginnen Sie den Tag im Atelier mit einer Räucherung, räuchern Sie vor einem Konzert oder einfach beim Musizieren.
Räucherstoffe, die unsere Kreativität anregen
Zimtblüte, Weihrauch, Benzoe, Tolu, Tonka, Sternanis, Labdanum, Traumkraut, Hopfendrüsen
Mischungen
Atem der Seele, Blaue Libelle auf dem Lotosblatt, Gulistan, Ägyptium, Vergnügung des Herzens, Shakti

Räuchern in Räumen
Räucherheilkunde
Die therapeutische Räucherung hat ihren Ursprung in archaischer Zeit und hat sich über Jahrtausende erhalten. Bis ins Mittelalter waren bei uns Räucherungen Bestandteil der täglichen Raum- und Körperpflege. Noch in den siebziger Jahren unseres Jahrhunderts finden sich in der Roten Liste, einer Auflistung gängiger Arzneimittel, mehrere Räucherpulver, die hauptsächlich bei asthmatischen Beschwerden eingesetzt werden. Beim Räuchern können die frei werdenden, duftenden Substanzen pharmakologisch wirksam werden. Heilende Räucherungen werden eingesetzt zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Muskelverspannungen, Rheuma, in der Geburtshilfe, bei Schlafstörungen, bei Schmerzen, zur Desinfektion und für vieles mehr. Räucherungen können heute sehr unterstützend wirken als Vorbereitung, Begleitung oder Ausklang von Heilanwendungen wie Reiki, Massagen, Farblichtbehandlungen und jeglicher feinstofflicher oder psychotherapeutischer Therapie.
räuchern und ritual
Seit Beginn der Räucherkultur in archaischer Zeit ist das Räuchern mit Ritualen verbunden. Es verstärkt diese und verleiht ihnen eine weitere Dimension. Ein Ritual wirkt wie ein Brennglas, das Energie bündelt und verstärkt. Rituale dienen religiösen wie sozialen Zwecken. Wir moderne Menschen fühlen keine Notwendigkeit mehr für Rituale. Und doch praktizieren wir noch immer in unserem täglichen Leben unzählige kleine Rituale. Unser tiefes, doch meist unbewußtes Bedürfnis nach Ritualen wird in unserer Zeit vom Konsumverhalten und der Werbung mißbraucht. Rituale sind ein zeitloser Weg, die innere Entwicklung zu unterstützen und bewußt zu erleben. Sie sind kraftvoll und können uns helfen, das Leben besser zu meistern, Lebenskrisen zu bewältigen, Weisheit zu erlangen und die eigene seelische Welt zu erweitern. Räucherungen können geistige Erfahrungen unterstützen und spirituelles Wachstum beschleunigen. Wir sollten wieder zu den Ritualen zurückfinden. Das Räuchern kann dabei eine große Hilfe sein. Rituale können einzeln, aber auch in der Gruppe durchgeführt werden. Sie werden besonders dann praktiziert, wenn einschneidende Ereignisse des Lebenswegs bewußt begleitet werden sollten, wie Geburt, Initiation, Heirat und Tod. Diese Rituale, rites des passages, Übergangsriten, sollten den Menschen helfen, heil und bewußt von einer Lebensphase in die nächste zu treten. Sie unterstützen, um sich in Frieden von Altem zu trennen und sich dem Neuen positiv zuzuwenden. Rituale helfen uns, etwas bewußt abzuschließen. Weiterhin begleiten Rituale schmerzvolle Situationen in Lebenskrisen. Sie dienen auch dazu, mit der Energie der Erde, den Engeln oder anderen feinstofflichen Wesen in Verbindung zu treten. Räucherungen können Rituale wie das Befragen von I Ging, Tarot, Engelskarten usw. hilfreich begleiten. Auch indianische Rituale wie Medizinrad, Visionssuche und Schwitzhütte, die bei uns im Westen immer mehr praktiziert werden, können durch gezielte Räucherungen unterstützt und bereichert werden.
Wenn Sie das Räuchern als Ritual begehen möchten, sollten Sie achtsam vorgehen. Legen Sie vorher fest, welchem Zweck die Räucherung dienen soll und wie genau Sie dies erreichen möchten. Ein kleiner Altar, schöne Tücher, Kerzen, Statuen, Bilder können die Wirkung unterstützen. Konzentrieren Sie sich ganz auf Ihre Handlungen und auf deren Zweck.
Im folgenden möchte ich Ihnen einige Beispiele geben, wie das Räuchern in einfachen Ritualen im Alltag verwendet werden kann.
Problemlösungen
Setzen Sie sich vor die Räucherschale und konzentrieren Sie sich auf das anstehende Problem. Stellen Sie sich vor, daß der duftende, aufsteigende Rauch das Problem in die Sphäre des Göttlichen trägt. Im Betrachten des aufsteigenden Rauches spüren Sie, wie das Problem sich von Ihnen löst. Dort oben wird es sich mit einer Lösung verbinden und neutralisiert zu Ihnen zurückkehren. Offnen Sie Ihre Seele dafür, und in den nächsten Tagen oder im Traum wird sich eine neue Lösungsmöglichkeit einfinden.
Räucherwaren, die sich hierfür besonders eignen:
Weihrauch, Mastix, Sandarak, Wüstenbeifuß, Weißer Salbei
Neujahrsritual
Das alte Jahr liegt hinter uns. Um die Räucherschale sitzend überdenken wir den Verlauf des vergangenen Jahres. Es gibt Dinge an uns, die wir ablegen wollen, Eigenschaften, die uns nicht länger im neuen Jahr behindern sollen. Wir schreiben sie einzeln auf kleine Papierstückchen, rollen diese ein und legen sie auf die glühende Kohle zum Räucherwerk. Wir stellen uns dabei vor, daß diese negativen Eigenschaften sich beim Verbrennen des Papiers auch in Wirklichkeit auflösen, und daß sie in uns, durch den aufsteigenden Rauch gereinigt, in Positives verwandelt werden.
Abendstern-Meditation
Jeden Abend für eine bestimmte Zeitspanne von drei, neun oder zwölf Abenden, sobald der Abendstern aufgegangen ist, entzünden wir Räucherwerk. Vielleicht sitzen wir im Meditationssitz vor einem kleinen Altar oder, falls das nicht möglich ist, auf einem Stuhl. Verbrennen Sie jeden Abend ein anderes Räucherwerk, das mit seinem jeweiligen Duft stets eine andere Schwingung erzeugt. Schließen Sie dabei die Augen und öffnen Sie Ihre Wahrnehmung für die Weisheit dieses besonderen Dufts. Bereichern und öffnen Sie damit Ihre Seele. Beschließen Sie in Dankbarkeit dieses Ritual, notieren und überdenken Sie das Erlebte.
praktische Anwendung von räucherwerk
notwendiges zum räuchern
Zum Räuchern benötigt man
- ein Räuchergefäß
- Räucherwerk
- Räucherkohle, Räuchertabletten
- eine Kerze oder Teelicht für Räucherstövchen
- eine Feder oder ein Stück festes Papier zum Fächeln
- Streichhölzer oder Feuerzeug
- Sand
- eine Pinzette
- einen Mörser
Räuchergefäß
Für den Anfang reicht eine einfache Räucherschale, die Sie dort, wo es Räucherwaren zu kaufen gibt, finden können. Die Räucherschalen sind meistens aus Ton und stehen auf einem dicken Fuß oder auf mehreren Füßchen. Dies verhindert, daß beim Räuchern die Hitze der Kohle die Unterlage versengt. Es gibt auch Räucherpokale auf hohem Fuß. Traditionellerweise hat ein Räuchergefäß drei Beine, welche die heilige Zahl Drei und die Dreiheit von Körper, Seele und Geist symbolisieren. Räucherschalen sollten mindestens einen Durchmesser von circa neun bis zehn Zentimeter haben; er kann jedoch auch bedeutend größer sein. Für Gruppen oder bei Räucherungen in Seminaren eignet sich eine große Räucherschale. Ich besitze die Kopie einer minoischen Räucherschale aus Ton, die auf drei Beinen steht und einen Durchmesser von 35 Zentimetern hat. Bei Seminaren können sich viele um diese Räucherschale setzen, um so gemeinsam das Räucherwerk zu genießen.
Sie können aber auch jede Schale aus Ton, Porzellan, Stein oder Metall verwenden, die Sie auf eine feuerfeste Unterlage stellen. Räucherschalen gibt es in allen Preisklassen und Ausführungen. Aus arabischen Ländern kommen metallene Schalen, die fein ziseliert sind, aus Japan Schalen mit wunderschönem Raku-Farbbrand, aus Somalia Räuchergefäße aus Meerschaum geschnitzt. Für indianische Räucherungen kann man eine große Abalone-Muschel- schale verwenden.
Vielleicht haben Sie Lust, sich Ihre Räucherschale selbst zu töpfern oder nach Ihren Vorstellungen bei einer Töpferin oder einem Töpfer eine besondere Schale anfertigen zu lassen. Die Räucherschalen, mit Sand oder Holzasche gefüllt, können auch zum Verglimmen von Räucherstäbchen verwendet werden, welche man am oberen Ende entzündet und mit dem unteren Ende in den Sand steckt.

Minoische Räucherschale
Falls Sie nicht mit Kohle räuchern möchten, können Sie ein Räucherstövchen verwenden. Dabei verglimmen die Räuchersubstanzen langsamer und feiner als auf der Kohle und es entsteht wenig Rauch. Besonders edle und teure Substanzen können so langsam ihren Duft ausströmen. Das Räucherstövchen besteht aus einem Fuß aus Metall oder Steingut, in dem ein brennendes Teelicht Platz hat. Es handelt sich dabei um die gleiche Konstruktion wie bei einem Stövchen, mit dem man eine Teekanne warm halten kann. Oben liegt eine Schale aus Kupfer auf, die die Wärme besonders gut leitet. Das Stövchen sollte etwa zehn Zentimeter hoch sein. In die Schale werden die Räuchersubstanzen gelegt, die durch das brennende Teelicht im Stövchen erwärmt werden. Nach dem Räuchern wird die Schale eventuell mit hochprozentigem Alkohol gereinigt.
Bei einer anderen Art von Räucherstövchen liegt in der Öffnung über der Kerze ein feines Metallsieb. Darauf können die Räuchersubstanzen zum Verglimmen gelegt werden. Falls Sie wachsartiges oder feuchtes Räucherwerk verräuchern wollen, müssen Sie dieses auf ein Aluminiumpapier geben und dann auf das Metallnetz legen, da sonst die sich verflüssigenden Substanzen das Metallsieb des Stövchens verkleben. Für Naturräucherungen im Freien geben Sie die Räuchersubstanzen am besten auf flache, heiße Steine an der Feuerstelle. Wenn die Räucherwaren direkt in die Flammen geworfen werden, verbrennen sie zu schnell, ohne viel Duft zu erzeugen.

Räucherstövchen

Kinder räuchern gerne
Für eine Räucherung am offenen Kamin können Sie die Substanzen auf ein glühendes Holzscheit legen oder einen flachen Stein an oder in das Feuer legen, um darauf die Räuchersubstanzen zu verglimmen.
Vielleicht haben Sie kein Räuchergefäß und keine Kohle zur Hand und möchten trotzdem gerne etwas verräuchern. Für solch ein spontanes Räuchern genügt ein einfaches Metall-Teesieb, das die Räucherwaren aufnimmt. Halten Sie dies nun über eine Kerze. Auch aus Alufolie läßt sich ein Räuchergefäß formen. Falten Sie ein längeres Stück Folie dreifach. Am oberen Ende wird nun eine Räucherschale geformt, am unteren Ende eine Schale, in die ein Teelicht hineinpaßt.
Räucherkohle
Im Handel werden Räucherkohlen in Form von Kohletabletten angeboten. Sie werden in Rollen, meist zu jeweils zehn Stück verkauft. Die Größe variiert im Durchmesser von drei bis fünf Zentimeter. Wenn Sie eine kurze Räucherung vornehmen wollen, sollten Sie eine kleinere Größe verwenden. Die selbstzündenden Kohlen sind mit Magnesiumsulfat oder Salpeter getränkt. Dadurch entzünden sie sich schnell und glühen bald. Sie verströmen jedoch zuerst einen leichten Eigengeruch.
Halten Sie die Kohlen in Stanniolpapier gut verschlossen oder bewahren Sie sie in einem luftdicht schließenden Gefäß auf. Falls die Kohle nicht gut anbrennt, kann dies daran liegen, daß sie feucht geworden ist. Auf der Heizung oder im Backofen können Sie die Kohle trocknen. Geruchsneutral und sehr viel feiner sind die Räucherkohlen aus Japan, die Sie über den Fachhandel beziehen können. Im Preis liegen sie allerdings höher.
Die Räucherkohlen werden immer in ein Sandbett gelegt, da sie so länger glimmen und das Räuchergefäß durch die starke Hitze nicht springen kann. Die Kohle sollte auf Sand, der mindestens zwei bis drei Zentimeter Höhe hat, liegen.
Feder
Die Feder dient traditionell zum Fächeln der eben angezündeten Kohle. So wird die Glut gleichmäßig entfacht. Besorgen Sie sich dazu eine schöne große Feder. Man bekommt sie in Falknereien. Bei einem Spazier- gang im Wald finden sich manchmal Habichtfedern, am See lange Schwanenfedern. Statt der Feder können Sie zum Anfang auch ein Stück festes Papier, zum Beispiel eine Postkarte verwenden. Durch das Fächeln wird der Kohle Sauerstoff zugeführt, damit sie gut anbrennt und die Glut sich schnell ausbreitet.

Adlerfedern
Sand
Der Sand wird in die Räucherschale gefüllt. (Für die Räucherstövchen benötigt man keinen Sand.) Für eine normal große Räucherschale brauchen Sie etwa eine Tasse Sand. Sie können diesen in kleinen Mengen als Vogelsand im Zoo- oder Gartengeschäft beziehen. In Säcken gibt es Quarzsand bei Baumärkten erheblich billiger. Sie können aber auch Sandkastensand oder ein Sand- Mitbringsel von einer Reise ans Meer verwenden.
Statt Sand kann man auch, wie in Japan, feingesiebte Asche in die Schale legen. Die Kohle verglüht dadurch noch gleichmäßiger. Allerdings kann beim Fächeln oder Atmen über dem Räuchergefäß die Asche aufwirbeln. Feine Reisstrohasche zum Räuchern gibt es bei japanischen Räucherwarenherstellern, die auch in Deutschland ausliefern. Für das Räuchern in einem japanischen Räucherstövchen aus Porzellan liegt die Kohle in einem kleinen Schamotteinsatz. Sand oder Asche werden nicht gebraucht.
Das Element des Feuers spielt eine große Rolle beim Vorgang des Räucherns. Deshalb sollten Sie keine elektrisch betriebenen Räucherstövchen verwenden, welche das Element Feuer beim Räuchern aussparen.
Pinzette
Mit der Pinzette oder einer kleinen Feuerzange halten Sie die Räucherkohle über die Flamme der Kerze, bis sie sich entzündet hat, und legen sie dann in die Schale. Verwenden Sie dazu eine besonders lange Pinzette, die Sie im Sanitätshaus oder Laborbedarfhandel finden. Im edlen Besteckset zum japanischen Räuchern finden sich Metallstäbchen und Pinzette zum Halten der Kohle. Nach dem Räuchern kann die Kohle mit der Pinzette aus der Schale ent- nommen werden, um sie im Wasser zu löschen.

Räucherkohle, Pinzette und Räucherwerk
Mörser
Mit den Räuchersubstanzen ist es wie mit dem Kaffee. Frisch gemahlen sind sie am besten. Feines Pulver verliert früher Duft und Aroma. Wenn Sie Räucherstoffe, zum Beispiel Harze, Holzstücke, Samen usw. im Stück kaufen und im Mörser selbst zermahlen, entfalten diese ihr volles Aroma. Sie können außerdem sicher sein, daß im Räucherpulver keine Streckmittel sind. Mörser gibt es aus Porzellan, Apothekermörser genannt. Sie werden in vielen verschiedenen Größen angeboten. Noch besser ist ein Mörser aus Granit oder anderem Stein, worin Holzstücke, Harze, Samen problemlos zu Pulver zerstampft oder zerrieben werden können.

Granit-Mörser
Räucherwerk
Wenn Sie mit Ihrer Entdeckungsreise ins Reich des Räucherns beginnen und vom Lesen ins Erleben treten möchten, besorgen Sie sich für den Anfang einige Räucherstoffe, die einen harmonischen Duft verströmen und sich leicht miteinander mischen lassen. Ale Räucherwaren wie Harze, Blätter, Rinde usw. werden immer in gut getrocknetem Zustand verwendet.

Räucherstoffe…auch schön fürs Auge
Manche Räuchersubstanzen sind von fester Konsistenz wie Harze, Samen und Nadeln, andere Räucherstoffe sind wachsartig, zäh oder dickflüssig und müssen dann dem Gefäß mit einem Löffel oder Spatel entnommen werden. Die fertigen Mischungen sind oft als feines oder grobes Pulver zu verwenden. Es gibt auch Räucherkugeln, die erbsengroß und von wachsartiger Konsistenz sind und einzeln verräuchert werden.
Falls Sie die kleinen Räucherkegel, die man zur Weihnachtszeit verwendet und in Räuchermännchen stellt, gerne mögen, können Sie sich diese leicht mit den Rezepturen im Buch selbst herstellen. Die gekauften Räucherkegel enthalten oft Farbstoffe oder synthetische Duftstoffe. Vermörsern Sie die Zutaten einer Mischung zu feinem Pulver. Lösen Sie Gummi arabicum (Akazien-Harzpulver) aus der Apotheke fein pulverisiert in der doppelten Menge Wasser auf und lassen Sie es drei Stunden einweichen. Diese zähe Flüssigkeit wird nun mit dem Räucherpulver vermischt, so daß diese knetbar wird. Formen Sie kleine Duftkegel und trocknen Sie diese gut an einem warmen Ort.
Räucherstäbchen
Die meisten Räucherstäbchen, die im Handel erhältlich sind, sind mit synthetischen Duftstoffen beduftet, die krebserzeugend sein können. Deshalb ist es sinnvoll, Räucherstäbchen selbst herzustellen.
Mischen Sie dazu fein pulverisierte Kräuter und Harze nach einem Rezept aus dem vorliegenden Buch oder nach einer selbst zusammengestellten Komposition; selbstverständlich können Sie für Raucher-stäbchen auch Einzelräucherstoffe verwenden. Die Räuchermischung wird anschließend durch ein feines Sieb gestrichen, so dass ein ganz feines Pulver entsteht. Als Konsistenzgeber und Brennmaterial fügt man mindestens 10 Prozent des Gewichts der Kräutermischung an Makko- pulver hinzu. Makkopulver wird aus der Rinde eines Baumes (Machillus thunbergii) hergestellt. Es glimmt geruchlos. Das Makkopulver wird mit wenig Wasser zu einem festen Brei verrührt und mit der Räuchermischung verknetet. Anschließend kann man daraus längliche dünne Rollen formen, in die man ein Holzstäbchen steckt. Die Räucherstäbchen werden dann ein bis drei Tage an einem warmen Ort getrocknet. Zum Räuchern werden Sie an der Spitze angezündet und wieder ausgeblasen. Sie verglimmen dann langsam und verströmen ihren Duft.
Makkopulver ist über Bestellshops im Internet und bei manchen Räucherwarenlieferanten erhältlich.
wissenswertes für den Einkauf von räucherwaren
Räucherwaren sind in Duftläden, Apotheken, Naturkostläden, Kräuterhäusern, Läden für Devotionalien und im Spezial-Versandhandel erhältlich. In den einzelnen Kapiteln sind die Räucherstoffe von Aussehen, Konsistenz und Geruch beschrieben. Dies kann Ihnen zur Feststellung der Qualität des Räucherstoffes dienen.
Wenn Sie die Räuchermischungen selbst herstellen, können Sie sicher sein, daß die Mischung nur reine Zutaten enthält. Beim Kauf von Fertigmischungen sollten Sie auf Qualität achten. Es gibt Räuchermischungen, die Füllstoffe enthalten, die teilweise beim Verbrennen gesundheitsschädlich sind. In einer gekauften Räuchermischung habe ich Glas- und Pappestücke und sogar Plastik entdeckt.
Oft werden einer Mischung zur Intensivierung des Duftes noch Duftstoffe zugefügt wie ätherische Öle oder synthetische Duftöle. In der traditionellen Kunst des Zubereitens von Räuchermischungen gilt dies als Qualitätsminderung. Die Mischung soll so gute Räucherstoffe enthalten, daß sie selbst ihren Duft entfaltet. Das Verbrennen von synthetischen Duftstoffen verursacht Kopfschmerzen, Augenbrennen und Husten und ist sicher gesundheitsschädlich.
wie man räuchert
Nehmen Sie sich etwas Zeit und schaffen Sie so Raum, damit Sie das Räuchern wie ein kleines Ritual genießen können. Bereiten Sie Räucherschale, Kerze, Feder, Räucherkohle und Streichhölzer vor. Vielleicht haben Sie Lust, dabei einer passenden Hintergrundmusik zu lauschen. Entzünden Sie zuerst die Räucherkohle mit einer Kerze oder einem Feuerzeug an einer Seite. Sie beginnt zu knistern und an einem Ende zu glühen. Legen Sie die Kohle mit der Pinzette oder einer Metallzange auf das Sandbett, pusten Sie leicht darauf oder fächeln Sie Luft zu. Erst wenn die Kohle ganz glüht und nicht mehr knistert, wird das Räucherwerk in die Vertiefung der Kohletablette gelegt. Meist reicht es, von einem Räucherpulver messerspitzenweise etwas auf die Kohle zu geben. Dies kann wiederholt werden. Wenn zuviel Räucherwerk aufgelegt wird, kann die Glut ersticken.
Beim Räuchern sollten Sie immer darauf achten, daß sich keine leicht entzündbaren Gegenstände, wie flatternde Vorhänge, Tücher, Zeitungen usw., in der Nähe befinden. Beim Pusten auf die Kohle können Funken sprühen. Stellen Sie die Räucherschale eventuell auf ein Metalltablett. Kinder haben großen Spaß am Räuchern. Achten Sie dabei jedoch besonders auf die Feuergefahr. Die Kohlen können bis zu zwei Stunden glühen. Werfen Sie diese deshalb nicht einfach in den Abfall. Lassen Sie die Kohlen unter Aufsicht ganz verglühen oder heben Sie sie mit einer Pinzette aus der Räucherschale und löschen Sie die noch glühende Kohle unter Wasser. Vorsicht, die Kohle nicht in einer Keramikschale mit Wasser löschen. Die Schale kann dabei springen.
so wird s gemacht
1. Räucherutensilien vorbereiten
2. Räucherkohle mit Rinzette über Kerzenflamme anzünden
3. Kohle glühend fächeln; Räucherwerk auf Kohle legen



| 1 | Am Feuer sitzenWIE ALLES BEGANN |

„… wird es zu kalt, zünde ich ein Feuer an, denn ich habe eine Feuerstelle; der Mensch braucht das Feuer. Die Menschen in Europa sehen nur dann ein Feuer, wenn ihr Haus brennt. Ihre Seelen verkümmern, weil sie kein Feuer sehen. Wie oft brennt schon ein Haus, und wer nimmt sich dann die Zeit, friedlich in die Flammen zu schauen?“
Janosch,
aus Merian >>Kanarische Inseln<<
Das Fell am Höhleneingang bebte vom Schneesturm, der draußen durch die Bäume fegte. Wir rückten näher um die Feuerstelle, spürten die wohltuende Wärme. Unsere Nasen wurden warm, doch noch lange spürten wir die Kälte am Rücken. Wir waren durch die Nacht geirrt. Die Alten und Kinder unseres Clans hätten nicht mehr lange durchgehalten. Urak, unsere Heilerin, hatte ihren Medizinbeutel geholt. Er enthielt die duftenden Kräuter, Harze und Samen, die sie im Sommer sorgfältig gesammelt hatte. Sie murmelte Gebete für die Ahnen und die Geister dieser Höhle. Dann warf sie eine Handvoll der Mischung auf die heißen Steine am Feuer. Der Rauch stieg auf und erfüllte die Höhle mit geheimnisvollem Duft. Er breitete sich aus und wir spürten alle, daß wir froh waren, hier zu sein. Die Anspannung wich einem wohligen Gefühl. Mit dem duftenden Rauch waren wir angekommen. Jetzt wurde die Höhle unser Besitz, die Geister waren gnädig gestimmt worden. Urak war zufrieden.
vom Geruch am Feuer
Die Geschichte des Räucherns beginnt mit der Geschichte des Feuers. Schon vor Millionen von Jahren saßen die Menschen am Feuer. Es wärmte, schützte und spendete Licht. In der Höhle, im Zelt oder in der Hütte schenkte es Ruhe und Wärme nach anstrengenden Tagen in oft gefährlichen Zeiten. Zahllose Geschichten wurden am Feuer erzählt, unzählige Lieder gesungen und Tänze getanzt. Das Feuer brachte den Menschen Nähe, da es sie miteinander verband. Wenn ein harzreiches Rindenstück oder eine aromatische Pflanze aufs Feuer geworfen wurde, veränderte sich die Stimmung: Die Menschen bemerkten, daß der duftende Rauch wohltuend war. Er diente auch der Begleitung von Ritualen. Die Bitte für erfolgreiche Jagd, gefälliges Wetter und Gesundheit trug der duftende Rauch als Botschafter zu den Wesen der anderen Welt.
Schon die afrikanischen Frühmenschen scheinen das Feuer für sich entdeckt zu haben. Funde in einer Höhle in der Nähe von Johannesburg zeigen, daß vor ein bis eineinhalb Millionen Jahren der Homo erectus das Feuer für sich nutzte. Damals konnten es die Menschen jedoch noch nicht selbst entfachen und beherrschen. Erst vor etwa 400 000 Jahren lernten sie, mit Steinen Funken zu schlagen oder durch das Reiben von Hölzern ein Feuer zu entfachen. Vielleicht war dies die größte Entdeckung, die wir Menschen je machen sollten. Sie war eng verbunden mit unserer uralten Liebe für das Räuchern.


Auf den Spuren des Beginns der Räucherkultur werden wir an diese alten Feuerstellen der Urzeit der Menschheit geführt. Dort liegen unsere ersten bewußten Dufterfahrungen. Die Nasen waren damals noch sensibler, denn vom Geruchssinn hing das Überleben ab. Man kannte den Geruch vom Wetterwechsel, vom Herannahen wilder Tiere, von Gefahr und Sicherheit, von guten und giftigen Nahrungsmitteln. Mit der sensiblen Nase der Frühmenschen, mit deren Hilfe überlebenswichtige Entscheidungen getroffen werden konnten, sogen sie den Duft am Feuer ein. Sie speicherten ihn in ihrem Erfahrungsschatz, so daß er bis heute auch in uns mit archetypischem Erleben verbunden ist.
Die Menschen begannen, Pflanzen nach ihren Düften zu sammeln. Irgendwann hatten sie entdeckt, daß bestimmte Pflanzenteile ganz eigene Düfte verströmen, der Duft von verbrennenden Wacholderästen eine angenehme Atmosphäre schafft, Tannen-Harz die Luft reinigt, Samen von Datura Visionen auslösen. Vielleicht hatten die damaligen Menschen dies durch Zufall entdeckt. Oder haben die Pflanzen damals noch zu den Menschen gesprochen und ihnen ihre inneren Kräften mitgeteilt? Ob vielleicht in dem damals größeren Gehirn der Neandertaler, die in der Zeit zwischen 90 000 und 35 000 v. Chr. lebten, mehr Bereiche für Dufterfahrungen vorgesehen waren? Wie paläonthologische Forschungen zeigten, kannten die Neandertaler bereits rituelle Handlungen, die in Verbindung mit Pflanzen standen. Im heutigen Irak, in Skanidar, wurden Ausgrabungen in Wohnhöhlen aus der Neandertalerzeit gemacht, die etwa 60 000 Jahre vor unserer Zeit bewohnt wurden. Die Gräber im Höhlenboden waren mit vielen verschiedenen Pflanzen ausgelegt, die den Toten wahrscheinlich auf ihrer Seelenreise helfen sollten. Einige dieser Pflanzenarten werden noch heute zum Räuchern verwendet.
schamanen-wissen
Damals, als die Menschen noch in steinzeitlichen Höhlen oder Zelten an Feuern lebten, entstand die schamanistische Kultur. Die Medizinfrauen und -manner haben die Dufterfahrungen mit aromatischen Räucherpflanzen gesammelt und sie genau spezifiziert. Ein uraltes Wissen entstand und verbreitete sich. Zum ersten Mal wurde eine ganz eigene Lebenskultur entwickelt. Man konnte den Geruch der Höhle, eines Zelts, auch den eigenen ganz bewußt bestimmen und verändern. Das Feuer wurde als ein Geschenk der Götter betrachtet. Sein Rauch stieg sichtbar in himmlische Bereiche und wurde dazu benutzt, um den Göttern Botschaften zu überbringen, ihnen Dankbarkeit zu erweisen, Gebete und Bitten an sie zu richten. Das Unfaßbare wurde mit Rauch und Duft verehrt. Schamaninnen und Schamanen hüteten ihr Wissen darüber, welches Räucherwerk für welche göttlichen Wesen bestimmt sei. Rituelle Handlungen sollten helfen, die Gebete mit dem Rauch hinauf in den Himmel zu den Göttern steigen zu lassen. Die Menschen hatten gelernt, mit verschiedenen Harzen und Pflanzenteilen Duftmischungen zu komponieren und verbanden Räucherungen mit Ritualen als Botschaft an den Himmel. Von Generation zu Generation wurden die Räucherweisheiten weitergegeben bis zu den Zeiten, von denen wir eindeutigere Funde besitzen.
Einer der ältesten Funde, der auf eine noch differenziertere Räucherkultur hinweist, läßt sich auf die Zeit 7200 v. Chr. datieren. In Dänemark und Südschweden wurden Räucherkuchen entdeckt, die beim Verbrennen an den Duft von Weihrauch und Myrrhe erinnern.
In den Händen der Wissenden der früheren Zeit lag auch das Geheimnis der Pflanzen, die den Menschen die Pforten des Bewußtseins öffnen können und die Wahrnehmung für andere Welten schärfen. In frühzeitlicher, schamanistischer Zeit wurde die Kraft halluzinogener Pflanzen entdeckt, die man als Geschenke der Götter verehrte. Sie dienten für Reisen in andere Wirklichkeiten und als Brücke in einen mystischen Raum jenseits der Zeit. Die Schamaninnen und Schamanen gebrauchten den aufsteigenden Rauch bestimmter Pflanzen wie Stechapfel (Datura), Alraune, Bilsenkraut, Mohn usw., um sich in Trance zu versetzen und so die Götter in Visionen durch sich sprechen zu lassen oder Heilzeremonien auszuführen. Wahrscheinlich fanden die ersten gemeinsamen Gottesdienste der Menschen um den aufsteigenden Rauch heiliger, magischer Pflanzen statt. Mit dem Räuchern verbindet sich ein Urwissen der Menschen, das in jedem von uns schlummert.

Feuerholzbogen zum Entfachen von Feuer
Eng mit dem Räuchern verbunden entwickelten sich Heilungszeremonien. Sicher haben schon die frühesten Menschen ein schmerzendes rheumatisches Glied über heilsamen Rauch gehalten oder eine Erkältung mit Harzräucherungen gelindert. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wurden dazu Harze der Nadelbäume, wie auch Zweige von Wacholder, Zeder oder Thymian verwendet.
vom rhythmus der natur
Auch heute, nach Tausenden von Jahren, fasziniert uns das Feuer. Noch immer ist damit das Wahrnehmen von Gerüchen verbunden. Kein Sinn berührt uns so tief wie das Riechen. Es könnte stimmen, was Janosch uns über die Feuerstelle sagt: Unsere Seelen verkümmern ohne das Erleben der Elemente.
Wir sitzen auch heute noch nach getaner Arbeit vor einer Lichtquelle. Doch es ist kein prasselndes, duftendes Feuer mehr, sondern das fahle, elektronische, geruchlose Licht des Fernsehers. Die heilsame Verbindung zum Feuer, zu der uns umgebenden Natur, ist abgebrochen. Räucherungen mit dem Harz der Bäume, mit getrockneten aromatischen Pflanzen, so, wie es unsere ersten Vorfahren machten, können uns mit den Schwingungen der uns umgebenden Natur wieder verbinden. Es ermöglicht uns, den Wechsel der Jahreszeiten, der Vegetationsphasen, der Schwingungen, der uns umgebenden Natur, bewußt nachzuvollziehen und in uns selbst zu erleben. Dieses Orientieren am Kreislauf der Natur kann eine innere Balance in uns stärken und uns dabei helfen, die Orientierungslosigkeit und Anonymität des modernen Lebens aufzuheben. Es kann also heilsam sein, sich den Rhythmus der Natur zu vergegenwärtigen.
Die archaischen Räucherungen, sei es mit Einzelpflanzen, Harzen oder Tannenzweigen, Wacholderzweigen, getrocknetem Salbei, Thymian, Beifuß oder als Mischungen, eignen sich ganz besonders gut als Räucherung im Freien. Um duftende Zweige zu verbrennen, brauchen wir ein wärmendes, prasselndes Feuer, das allein schon einen heilenden Effekt auf unsere oft naturfernen Seelen hat. Wir fühlen die Steine, die die Feuerstelle umgeben, ertasten das Holz, das aufgeschichtet wird, nehmen das Licht der ersten Funken in uns auf. Züngelnde, tanzende Flammen in orange-gelben-blau-roten Farben lodern auf. Wir werfen getrocknete Wacholderzweige ins Feuer oder legen Harz auf die heißen Steine. Der Duft uralter Wälder und der Atem der Natur dringen in unsere Seele und inspirieren uns wieder zu Geschichten, Tänzen und Liedern, die schon seit Urzeiten mit dem Feuer und dem duftenden Rauch verbunden sind.

Höhlenmalerei aus Altamira
Aromatische Harze der nadelbäume
Die balsamisch duftenden Harze der Nadelbäume wurden in der Frühzeit zum Räuchern verwendet, denn ihr Holz ist harzreicher als jenes der Laubbäume. Wie diese Düfte genau zu rituellen und heilerischen Zwekken eingesetzt wurden, wissen wir nicht mehr. Doch es ist anzunehmen, daß die Menschen damals über die Heilkraft dieser Harze Bescheid wußten. Die Harze der einheimischen Bäume haben desinfizierende und wundheilende Wirkungen. Sie waren deshalb Bestandteil der ersten von den Menschen zubereiteten heilkundlichen Mittel. Heutige Naturvölker verwenden noch immer Harzsalben, um Wunden zu bestreichen. Dieser Brauch hat sich bei uns bis Anfang des Jahrhunderts erhalten und verschwand dann. Nur noch in der Tierheilkunde verwendet man heute Harzsalben.
Vom Duft der Nadelholz-Harze können wir uns in diese frühen Zeiten entführen lassen, als Europa von einem geschlossenen Wald bedeckt war und unsere Vorfahren noch die Sprache der heilenden Bäume verstanden. Die Harze von Kiefern, Fichten, Tannen, Lärchen und Wacholder unterscheiden sich durch leicht variierende Düfte. Es ist nicht schwer, sich mit Räucherharzen, wie sie in der Frühzeit verwendet wurden, zu versorgen. Bei einem Spaziergang durch einen Nadelbaumwald wird man sicher auf Bäume stoßen, an deren Rinde Harz austritt. Der Baum reagiert mit Harzfluß auf Verletzungen der Rinde und des Holzes. Der antike Philosoph und Naturforscher Theophrast empfiehlt, die Harze der Bäume um die Zeit des Aufgangs des Sirius (Hundsgestirn) zu sammeln. Dies ist bekanntlich die Zeit der sogenannten Hundstage, den heißesten Tagen des Jahres. Es lohnt sich, das Harz im Sommer zu sammeln, da durch die höhere Verdunstung der Wassergehalt im Harz besonders niedrig ist. Je weniger Wasser im Harz der Nadelbäume enthalten ist, um so feiner riecht die Räucherung. Mit einem Messer oder Spatel kann man das ausgetretene Harz leicht abkratzen und am besten in etwas Alufolie eingewickelt mit nach Hause nehmen. Für ein gutes Räucherharz sollten die Harzstücke etwa ein Jahr lang getrocknet werden. Erst dann verströmen sie ihren balsamischen Duft. Naturharze entwickeln beim Räuchern viel Rauch. Sie eignen sich deshalb eher für ein Räuchern im Freien oder bei geöffnetem Fenster. Zum Räuchern werden kleine Harzstückchen auf die glühende Räucherkohle oder auf einen heißen Stein am Feuer gelegt.

Tanne
wirksame räucherstoffe der Frühzeit
TANNA
Abies alba Mill.

Bis in unsere Zeit hinein reichen die Bräuche, die sich mit der majestätischen Tanne verbinden. Wir können annehmen, daß bereits in der Steinzeit die Menschen die Heilkräfte der Tanne kannten und sie als Heil- und Lebensbaum verwendeten und achteten. Noch heute dient ein Tannenbaum in der christlichen Welt als Symbol für Licht und Leben. Die Tanne war für unsere keltischen und germanischen Vorfahren ein Schutzbaum, der vor dem krankmachenden Einfluß dämonischer Kräfte schützte. Die Abtissin Hildegard von Bingen schreibt in ihrer Naturkunde, die sie vor 800 Jahren verfaßt hat:
Die Tanne ist mehr warm als kalt und enthält viele Kräfte. Sie ist ein Sinnbild der Stärke. Geister hassen Tannenholz und vermeiden Orte, an denen sich solches befindet.
Auch heute können wir die Tanne für eine Schutzräucherung verwenden. Ganz bewußt sollten wir dabei die hilfreichen höheren Mächte um ihren Schutz bitten und uns vorstellen, daß wir von einem Schutzschild aus Licht umgeben sind.
Das Tannen-Harz hat einen balsamisch-grünen Duft. Es reinigt und verbessert die Luft. Räucherungen mit Tannen-Harz, so hieß es noch in alten Kräuterbüchern, stärken die Nerven, machen kräftig, mutig und psychisch widerstandsfähig. Man räucherte damit in Krankenzimmern, um die Kraft zur Gesundung der Kranken zu stärken. In den frühgeschichtlichen Funden von Räucherwerk war auch Tannen-Harz enthalten. Wir können uns vorstellen, daß die Menschen damals dieses Räucherharz ebenfalls zur Stärkung gebrauchten. Die Indianer Kanadas räuchern mit dem Harz der dort einheimischen Tannen. Dieses Harz wird seit langem auch nach Europa eingeführt und noch heute als Kanadabalsam gehandelt (Balsamum canadese). In der Rinde der Balsamtannen Nordamerikas sammelt sich Harz an. Mit einer schnabelartigen Kanne wird die Schwellung angestrichen und das austretende Harz aufgefangen. Diese honigartige, gelbliche, klare Flüssigkeit erstarrt an der Luft zu einer durchsichtigen Harzmasse, die zum Räuchern verwendet werden kann. Sie verbreitet einen angenehmen, waldig-grünen Duft. Das Harz der Balsamtanne (Abies balsamea L. Mill.) wird bei den Indianern Kanadas bei Halsentzündung gekaut, aber auch zur Behandlung von Schnittverletzungen, Prellungen und Quetschungen gebraucht. Der aufsteigende Rauch galt als Heilmittel bei Arthritis. Heute findet das Balsamharz außerdem in der Industrie Verwendung als Einbettungsmittel bei der Mikroskopie, als Feinlack und als Kitt für Linsensysteme.
In Europa ist seit Jahrhunderten das Elsässer Terpentin oder auch Straßburger Terpentin von der Weißtanne als Wund- und Rheumamittel bekannt. Dieses gereinigte Tannen-Harz, das einen besonders feinen, zitrusartigen Duft verströmt, wirkt antiseptisch, schleimlösend und wurde früher in der Räucherheilkunde zum Räuchern bei Husten und Verschleimung verwendet sowie als gutes Rheumamittel. Es ist noch heute erhältlich.
Statt des Harzes kann man auch getrocknete Nadeln benützen. Für eine Räuchermischung werden die frischen Nadeln von den Ästen gezupft und auf einem Tuch etwa zwei Wochen getrocknet, zerkleinert und mit Weihrauch- oder Mastix-Harz vermischt. Die getrockneten Nadeln sollten stets gut verschlossen aufbewahrt werden. Sie können auch in einem Steinmörser zermahlen werden und so als Pulver einer Räuchermischung beigefügt werden.
Lärche
Larix decidua Mill.

Die Lärche, die auch in früher Vorzeit gedieh, macht in einem Nadelwald besonders auf sich aufmerksam. Sie ist unser einziger einheimischer Nadelbaum, der im Herbst seine Nadeln abwirft. Dieser Baum war für die Menschen deshalb seit Urzeiten ein Symbol für Neuanfang, Spontanität, Wagemut und Erneuerung. Räucherungen mit Holz, Harz und Nadeln wurden für rituelle Zwecke, speziell für Frühlingszeremonien oder Erneuerungsfeste verwendet, wo Altes verabschiedet und das Neue begrüßt wird. Es heißt, daß der Duft der Lärche die Kräfte der Erneuerung in uns anregt und hilft, gestaute Energien wieder zum Fließen zu bringen. Wenn wir eine Lärche draußen im Wald betrachten, so sehen wir, daß sie eine reiche Bodenflora umgibt. Ihre abgeworfenen Nadeln wandeln sich zu nahrhaftem Dünger für viele Gewächse. Das leichte Astwerk gewährt genügend Licht zum Wachsen. Im Gegensatz dazu läßt der saure Boden unter den schattenspendenden Tannen und Fichten eine reichhaltige Flora erst gar nicht aufkommen.
Wenn wir die Lärche im Vergleich mit anderen Nadelbäumen betrachten, fällt auf, daß sie einen sehr feingliedrigen, sensiblen Ausdruck hat. Sie strahlt Schönheit aus, wenn im Frühjahr das hellgrüne Nadelkleid aus den zarten Zweigen bricht und wenn es im Herbst tiefgelb an den Ästen zu glühen scheint. Durch unzählige Antennen scheint sie mit feinstofflicher Energie zu kommunizieren. Wahrscheinlich ist unseren Vorfahren schon in steinzeitlicher Vorzeit diese spezielle Ausstrahlung aufgefallen. Bis in unsere Zeit hinein sind die alten Gebräuche und Geschichten zur Lärche erhalten geblieben. Wie die Sagen berichten, leben bei den Lärchen die Säligen, das sind die Waldelfen und weisen Zauberfeen, die den Menschen wohlgesonnen sind. Es sind die guten Feen, die immer dann in den Geschichten (manchmal auch im richtigen Leben) erscheinen, wenn wir dringend Hilfe brauchen. So wurden Räucherungen mit Lärchen-Harz als Glücksräucherungen verstanden, die eine Atmosphäre des Gelingens, des Wohlstands und des Glücks schaffen sollten. Es sind viele Rezepte von sogenannten das Glück herbeiziehenden Räuchermischungen erhalten.
Der Lärchenbaum am Berghof galt in früheren Zeiten als Sitz des guten Geistes eines Hauses. Wenn sich in einem Haus viel Unglück ereignete, räucherte man jeden Abend mit Lärchen-Harz. Aber es hieß auch, daß der Duft bei den Menschen jene Wahrnehmung öffnet und schärft, mit der wir Kontakt zu der Welt der Elfen und Naturwesen aufnehmen können. Bestimmte Räucherungen mit Lärchen-Harz und anderen Zutaten sollen hellsichtig machen. Doch das Harz dieses uns so wohlgesonnenen Baums hat auch große heilende Wirkung und wurde deshalb schon immer hoch geschätzt. Lärchenharz wirkt entkrampfend und erwärmend und stärkt die Atmungsorgane. Es löst festsitzenden Schleim bei Erkältungen und chronischem Schnupfen sowie bei Nebenhöhlenkatarrhen. Lärchen-Harz wurde in der Kräuterheilkunde zur Behandlung von chronischen Erkrankungen der Atemwege benutzt. Gereinigtes Lärchen-Harz kann man im Handel beziehen. Es wird als Venetianisches Terpentin geführt. Die meiste Ware kam früher über Venedig in den Handel. Das Lärchenterpentin kommt heute zum großen Teil aus Tirol, wo die Bäume angebohrt werden und man die Öffnungen nach der Harzernte wieder mit Holzstopfen verschließt. In bestimmten Abständen läßt man dann das Lärchenterpentin ausfließen. Es kommt als gelbliche, klare Flüssigkeit in den Handel und hat einen feinen, balsamischen Duft.
Kiefer
Pinus sylvestris L.- Waldkiefer Pinus mugo Turra - Latschenkiefer Pinus cembra L. - Zirbelkiefer

Am Ende der Altsteinzeit bis zum Ende der Mittelsteinzeit (85000 – 12000 v. Chr.) bestanden die Wälder Nordeuropas hauptsächlich aus Kiefern, die von Birken und Haselnußsträuchern umgeben waren. In dieser Zeit haben die Menschen sicher das balsamisch-warm duftende Harz der Kiefern entdeckt und verwendet. Auch die Borke dieser Bäume ist von rötlichem Harz durchdrungen und verbreitet, aufs Feuer gelegt, einen angenehmen harzigen Duft. Zum Räuchern wurde daher früher die Rinde mit ihrem Harz kleingeraspelt oder in Form von Pulver verwendet. In Japan wird auch heute pulverisierte Kiefernrinde als Basisduft in Räucherstäbchen gegeben. In Marokko bezeichnet man das Harz der Aleppokiefer als Mutter der Menschen und verwendet es für vielerlei medizinische und magische Räucherungen. Der Duft des Kiefern-Harzes, auch Kolophonium genannt, soll vor magischen krankmachenden Praktiken schützen. Der Rauch gilt als herzstärkendes Mittel. Wir kennen Kolophonium in unserer Kultur heute nur noch als ein Mittel, um Violinbögen zu bestreichen und nennen es Geigenharz. Kolophonium wird im Harzhandel in verschiedenen Qualitäten von hell bis dunkel angeboten. Der größte Teil stammt heute aus Portugal. Es hat seinen Namen von der alten Stadt Kolophon in Libyen, wo besonders gutes Kiefern-Harz hergestellt wurde. Kolophonium ist ein hellgelbes bis hellbraunes Harz, das im Bruch glasartig glänzt. Es wird heute durch Destillation der Kiefernbalsame hergestellt. Die Destillationsrückstände werden so lange erhitzt, bis alles Wasser verdampft ist und eine harzartige Masse übrigbleibt.
Kiefern-Räucherungen wirken wärmend und stärkend. Die Dämpfe des Kiefern-Harzes wurden verwendet, um die Lungen zu stärken und um schwächliche Kinder energetisch aufzuladen. Der Rauch wirkt antiseptisch und durchblutungsfördernd. Falls Sie einen offenen Kamin haben oder gelegentlich am Lagerfeuer sitzen, können Sie eine Handvoll kleingeschnittener Kiefernrinde für eine Räucherung verwenden.

Kiefernharz
Fichte
Picea abies (L.) Karst.

Das Harz der Fichte wurde noch im letzten Jahrhundert als billiger Ersatz für den sehr teuren Weihrauch gebraucht. Für diesen gemeinen Weihrauch verwendete man nur die reinsten und trockensten Stücke des ausgeflossenen Harzes. Wie in alten Kräuterbüchern berichtet wird, wurde das Fichten-Harz verfeinert, indem man es einige Zeit in einen Ameisenhaufen legte. Die Ameisensäure bewirkt im Harz einen chemischen Umwandlungsprozeß. Räucherungen mit Fichten-Harz wurden gegen Verschleimung der Lungen, zur Behandlung von Ausschlägen und bei Rheuma empfohlen. Fichten-Harz wirkt keimtötend und kann so die Raumluft desinfizieren. Es duftet kräftiger als das Harz der Tanne, allerdings fehlt ihm die frische, oft zitronenartige Note des Tannen-Harzes.
Fichten-Harzräucherungen dienen der Reinigung von Räumen. In alten Zeiten, lange bevor es Weihrauch gab, sollte der Rauch des Harzes als Schutz vor störenden Einflüssen dienen und helfen, innere Ruhe zu finden. Fichten-Harz ist leicht zu finden; es sollte wie alle Harze gut abgelagert sein, bevor es zum Räuchern verwendet wird. Im Harzhandel wird das Burgunder-Harz, Pix burgundica oder Resina Pini burgundica, angeboten, eine besonders gute Qualität des Fichten-Harzes, das durch einen Schmelzprozeß aus gewöhnlichem Fichten-Harz gewonnen wird. Es verströmt beim Räuchern einen kräftigen, grünen, waldigen Duft. Burgunder-Harz wirkt kräftigend, stärkend, aufbauend. Da es viel Rauch entwickelt, eignet es sich eher für Räucherungen im Freien. Das hellgelbe Harz wurde in der mittelalterlichen Heilkunde viel zur Herstellung von Heilsalben und auch für Heil-Räucherungen verwendet. Das einfache gereinigte Fichten-Harz war als Scharrharz ebenfalls in der mittelalterlichen Heilkunde bekannt. Im Harzhandel wurden gelegentlich beide Qualitäten geführt.
Wacholder
Juniperus communis L.
In allen frühzeitlichen schamanistischen Kulturen, in deren Lebensraum der Wacholder vorkommt, wurde dieser Baum oder Strauch als heilig verehrt. Dem Wacholder werden bestimmte magische Kräfte zugeschrieben, die ihn als Schutz- und Lebensbaum auszeichnen. Baum des Lebens wird er heute noch von den letzten Schamanen Sibiriens genannt. Sein Holz, die Zweige oder die Beeren, werden seit prähistorischer Zeit für kultische und medizinische Räucherungen verwendet. Besonders krankmachende Dämonen, so hieß es später im Mittelalter, werden von seinem Rauch ferngehalten. Aus den frühesten Zeiten der Menschheit hat sich bis in unsere Zeit hinein der Ruf des Wacholders als Schutzbaum erhalten. Wenn wir in alten Kräuterbüchern über den Wacholder lesen, finden wir viele Angaben, bei denen sich kultische, magische und medizinische Anwendungen des Wacholders verbunden haben.

Wacholder
Wo es nach Wacholder riecht, hält sich der Teufel nicht auf, hieß es in alten Aufzeichnungen. Mit Wacholder- Räucherungen wollte man sich krankmachende und schädigende Einflüsse fernhalten.
Wacholder-Harz ist allerdings selten, denn der Baum sondert nicht so schnell und meist auch nicht besonders viel Harz ab. Dafür muß man dieses Harz jedoch nur etwa ein halbes Jahr trocknen, und es riecht besonders fein.
Das Harz hat eine desinfizierende Wirkung und wurde wegen der reinigenden Qualität des Rauches an Krankenlagern gebraucht. Es erwärmt und löst Verschleimungen. Wacholder-Harz-Räucherungen wurden später im Mittelalter vor allem zur Behandlung von rheumatischen Schmerzen, Quetschungen, Lähmungen und Geschwülsten verwendet. Sicher waren diese Maßnahmen auch schon in der Frühzeit bekannt. Die betreffenden Körperteile werden dabei über den aufsteigenden Wacholderrauch gehalten.
In einem Kräuterbuch aus dem Jahre 1874 wird berichtet, daß Räucherungen mit Wacholderbeeren und – holz bei Geschwüren und rheumatischen Beschwerden helfen. Ein Flanellappen wird dazu in den aufsteigenden Rauch gehängt, danach wird mit diesem über die betreffenden Körperteile gerieben.
Wacholder-Räucherungen galten seit frühesten Zeiten als Schutzmittel gegen Ansteckungen. So wurden zur Zeit der großen Pestepidemien in den Städten Wacholderfeuer entzündet. Im antiken Griechenland hieß es, der Rauch von Wacholder verleihe die Gabe zu Prophezeiungen. Schon seit der frühesten Zeit wird dem Wacholder eine ganz besonders lebensstärkende Energie zugesprochen, die bei Räucherungen auf den Menschen wie auch auf die Räumlichkeiten übergehen soll. Wacholder-Räucherungen eignen sich besonders gut für die Rekonvaleszenz, um Menschen und Räume mit neuer Lebensenergie aufzuladen. Wacholder soll unsere Achtsamkeit stärken, er macht wie sein Name sagt wach. Für Räucherungen mischt man die Wacholdernadeln und -beeren mit Räucherharzen wie Fichten-Harz oder Sandarak. Auch getrockneter Salbei verbindet sich in einer Mischung gut mit der Wirkung und dem Duft des Wacholders.
Wacholderbeeren

Die kleinen blauschwarzen Beeren wurden an alten steinzeitlichen Feuerstellen gefunden. Sie dienten als Nahrung, zum Würzen und auch als Räucherung. Vermutlich wurde auch mit getrockneten Wacholderzweigen geräuchert. Die Beeren sollten etwa drei Wochen getrocknet sein, bevor sie geräuchert werden.
Sumpfporst
Ledum palustre L.
Der Sumpfporst ist eine immergrüne Pflanze, die strauchähnlich wächst und je nach Standort zwischen 20 cm und 1,5 m groß wird. Sie ist eine archaische Schamanenpflanze des Nordens und gedeiht in moorigen Gegenden Mittel-, Nord- und Ostasiens, Nordamerikas und in der Alpenregion. Besonders die Schamanen Sibiriens gebrauchten den Sumpfporst zum Einreiben bei Gelenkschmerzen oder beim Räuchern zur Tranceerzeugung. Oft wurde er mit Wacholder vermischt. Die Pflanze ähnelt dem Rosmarin, ist jedoch weicher und feiner. Sie wird deshalb auch Wilder Rosmarin genannt. Der Sumpfporst ist nicht mit dem Rosmarin verwandt, sondern gehört einer ganz anderen Familie an. Er ist ein Heidekrautgewächs. In Deutschland steht der Sumpfporst unter Naturschutz. Noch im Mittelalter galt er auch als magische Pflanze. Von seinen inneren, feinstofflichen Kräften ist heute nicht mehr viel bekannt. In unserer Zeit wird diese Pflanze hauptsächlich in der Homöopathie verwendet. Das Sumpfporstkraut, auch Labradortee genannt, wird bei Rheuma und Keuchhusten verwendet und wirkt nierenanregend und schweißtreibend. Früher wurde das Kraut für Abtreibungen verwendet, wobei es häufig zu Vergiftungen kam. Schwangere sollten mit Sumpfporst nicht räuchern.

Sumpfporst

Sumpfporst
In der Räucherheilkunde verwendet man den Sumpfporst zur Behandlung von Husten und Keuchhusten (hier zusammen mit Salbeiblättern) und als schlafförderndes Mittel am Abend. Experimentell wurde in unserer Zeit festgestellt, daß der Sumpfporst die Schlafzeit verlängert. Beim abendlichen Räuchern für besseren Schlaf und innere Ruhe wird er mit anderen Kräutern wie Salbei, Kiefernrinde und Hopfendrüsen vermischt. In alten Zeiten galt der Sumpfporst als magisches Mittel, um in Kontakt mit den feinstofflichen Wirkkräften der Natur zu kommen. In noch bestehenden schamanistischen Kulturen wird diese alte Heilpflanze weiterhin eingesetzt, und wir können davon ausgehen, daß er bereits in der Steinzeit von den Menschen für visionäre und andere schamanistische Praktiken verwendet wurde.
rezepte für archaische naturräucherungen
Die folgenden Rezepturen eignen sich besonders für Räucherungen in der freien Natur.
Ayla
| Tannen-Harz | 1 Teil |
| Tannennadeln | 2 Teile |
| Wacholderbeeren | 1 Teil |
| Mastixharz | 3 Teile |
Das trockene Harz und die Rinde im Mörser fein zerstoßen oder mit dem Messer zerschneiden. Trockene Tannennadeln mit dem Wiegemesser zerkleinern. Wacholderbeeren mit dem Mörser zerquetschen. Alle Zutaten gut miteinander vermischen. Im Feuer, auf heißen Steinen oder auf Räucherkohle verbrennen.
Elementarwesen
| Salbeiblätter | 3 Teile |
| Sumpfporstblätter | 1 Teil |
| Wacholdernadeln | 1 Teil |
| Waldbingelkraut | 1/2 Teil |
| Pappelknospen | 2 Teile |
Die getrockneten Salbeiblätter zwischen den Händen kleinreiben. Die Sumpfporstblätter von den getrockneten Zweigen zupfen. Trockenes Waldbingelkraut kleinzupfen. Alle Teile gut vermischen. Prisenweise im Feuer, auf heißen Steinen oder auf Räucherkohle verräuchern.
Diese Mischung wirkt öffnend für die feinen Energien der Natur.
Sie ist hilfreich und unterstützend für Menschen, die mit Pflanzen heilen. Diese schamanistische Räuchermischung nicht verschwenden, mit Bedacht, Sparsamkeit und Dankbarkeit verwenden. Richtig angewendet, kann sie, so heißt es, Heilträume hervorbringen, in denen man von einem dringend benötigten Heilmittel aus dem Pflanzenreich träumt.
Schutzgeister
| Tannenholz | 1 Teil |
| Kiefernrinde | 1 Teil |
| Wacholderholz | 1 Teil |
| Nelkenwurz | 1 Teil |
| Weihrauch-Harz | 4 Teile |
Die trockenen Hölzer werden mit einer Feile fein geraspelt oder bereits fein geschnitten gekauft. Die getrocknete Nelkenwurz, Geum urbanum, fein raspeln. Alle Teile gut miteinander mischen. Prisenweise auf Feuer, Steinen oder Räucherkohle verräuchern. Der duftende Rauch dieser Mischung bildet die Schwingung für eine Art feinstofflichen unsichtbarer Schutzschild, der vor negativen Einflüssen schützt. Die Mischung hat außerdem eine innerlich stärkende und reinigende Wirkung. Sie soll mit den positiven Kräften eines Ortes verbinden.
Lupuleda
| Sumpfporst | 1 Teil |
| Kiefernrinde und -Harz | 4 Teile |
| Hopfendrüsen | 1/2 Teil |
| Wacholderbeeren | 1 Teil |
| Weihrauch | 2 Teile |
Getrocknetes Sumpfporstkraut mit der Schere kleinschneiden. Kierfernrinde und -Harz im Mörser fein zerstampfen. Weihrauch in feine Stücke klopfen. Hopfendrüsen (siehe Kapitel Nordeuropa) und Wacholderbeeren zugeben.
Eine Mischung mit archaischem, balsamisch-harzigem Naturduft. Sie wirkt innerlich ausgleichend und beruhigend und kann einen gesunden Schlaf verleihen. Sie hilft besonders in Zeiten von innerer Unruhe und Streßbelastung mit Schlafstörungen. Gleichzeitig kann uns diese Mischung mit den heilenden Kräften der Natur verbinden, die die Kommunikation mit den feinstofflichen Energien unterstützen.
Festweihrauch zur Rückkehr der Zugvögel
Nach einem alten Rezept
| Mariengras | 2 Teile |
| Lärchenharz | 2 Teile |
| Schlehdornblüten | 1 Teil |
| Veilchenblüten | 1 Teil |
Das getrocknete Mariengras mit einer Schere fein schneiden. Mariengras kann auch durch Lemongrass oder indianisches Süßgras (Sweetgrass) ersetzt werden. Die trockenen Schlehen- und Veilchenblüten fein wiegen. Trockenes Lärchenharz im Mörser pulverisieren. Alle Zutaten gut miteinander mischen. Messerspitzweise auf Räucherkohle räuchern.
Für unsere Vorfahren war es eine ganz besondere Freude, wenn die Zugvögel aus ihrem Winterquartier zurückkehrten. Dann wussten sie, dass der Winter vorbei ist. Dies wurde mit verschiedenen Festen gefeiert, bei denen manchmal auch die Vögel speziell geehrt und willkommen geheißen wurden. Auch in der heutigen Zeit freuen wir uns, wenn die ersten Stare, Schwalben und Störche wieder bei uns eintreffen.
Warum nicht einmal dieses Ereignis mit der Familie und mit Freunden mit einem Fest begehen? Dazu können Sie dieses Räucherwerk entzünden, die bereits zurückgekehrten gefiederten Freunde begrüßen, sie beobachten und studieren und einander vielleicht Geschichten über Vögel erzählen.
| 2 | NordeuropaRAUCHNÄCHTE UND KRÄUTERBÜSCHEL |

Ich bin ein Hirsch: mit sieben Sprossen, Ich bin eine Flut: über einer Ebene, Ich bin ein Wind: auf einem tiefen See, Ich bin eine Träne: die von der Sonne fiel, Ich bin ein Falke: über der Klippe, Ich bin ein Dorn: unter dem Nagel, Ich bin ein Wunder: zwischen Blumen, Ich bin ein Zauberer, wer außer mir Entzündet den kühlen Kopf mit Rauch?
Song of Amergin
altkeltisch
aus: Robert von Ranke-Graves: >>Die weiße Göttin<<
Am ersten Abend nach Weihnachten holte Großvater die große eiserne Pfanne aus der Küche. Uber einer Kerze entzündete er die Scheiben des Baumpilzes, den er im Sommer getrocknet hatte. Er blies so lange, bis sie rot glühten. Dann streute er eine Handvoll der Kräutermischung aus dem Beutel darauf. Dicker Rauch stieg jetzt aus der Pfanne. Ein Duft von Kräutern und Harzen, aromatisch und warm, begann sich im Raum auszubreiten. Mit kreisenden Bewegungen schritt Großvater durch die Räume des Hauses, er murmelte Gebete dabei. Jeder Raum empfing uns mit seiner eigenen Atmosphäre und einem eigenen Geruch. Alle Dinge, die hier das Jahr über geschahen, lagen wie unsichtbare Schleier im Raum. Wenn wir mit der Räucherpfanne die Räume durchquerten, schien es, als löse der aufsteigende Rauch die feinen Schleier der Räume auf. Etwas hatte sich dadurch verändert.
steinkreise
Die steinzeitlichen Feuerstätten der frühen Nomaden Nordeuropas sind nie erloschen. Ihre mystische Kraft, der Duft aufsteigenden Rauches und damit verbundenes, uraltes Schamanenwissen ist tief in der Seele der Menschen bewahrt und im verborgenen wirksam. Bis in unsere moderne europäische Zeit, wo scheinbar die alten Mythen, Symbole und Riten verschwunden sind, haben sich Reste alter Räucherkulte bewahrt. Auf einer Reise, die den Spuren des Räucherns von der schamanistischen Steinzeit über prähistorische keltische und germanische Siedlungen und alte Volksbräuche bis in die heutige Zeit nach Nordeuropa folgt, streifen wir vorbei an riesigen Steinkreisen wie in Stonehenge, Felsenheiligtümern wie den Externsteinen im Teutoburger Wald oder Dolmengräbern und Feenhäusern in Irland.

Der Mensch in Nordeuropa erfährt und empfindet besonders eindrücklich den Wechsel der Jahreszeiten: den eiskalten, früher oft tödlichen Winter, den hoffnungsvollen, lebenserweckenden Frühling, den fruchtbaren, warmen Sommer und den farbigen und früchtespendenden Herbst. Die Verwendung von Räucherungen und der Zeitpunkt der damit verbundenen Rituale in Nordeuropa ist von diesem Empfinden stark geprägt. Viele der alten Heiligtümer wie Steinkreise und Dolmenreihen waren nach den Jahreszeiten und kosmischen Rhythmen ausgerichtet. Das Wissen von der Wechselwirkung zwischen Himmel und Erde bildete eine Grundlage für die alten Kulturstätten. Die Menschen sahen sich eingebunden in die Rhythmen des Kosmos. Sicher wurde an diesen uralten, heiligen Plätzen europäischer Frühkulturen aufsteigender Opferrauch als Verbindung und Botschaft zum Himmel verwendet. An einem jahreszeitlich bedeutsamen Tag wie der Sommersonnenwende fiel zum Beispiel im Heiligtum der Externsteine der erste Strahl der Morgensonne durch eine runde Öffnung im Fels direkt auf den dahintergelegenen Altar. Das Alter dieses ur-europäischen Heiligtums wird auf etwa 10000 Jahre geschätzt. Eine innige Naturverbundenheit der damaligen Menschen drückt sich in diesen Kulten aus. Die uralten Mysterienkulte und geheimnisvollen Riten jener Zeit waren sicher mit Räucherungen verbunden. Die genauen Ausführungen und Rezepturen haben sich im Dunkel der Geschichte verloren, doch einiges hat sich bis in unsere Zeit erhalten oder läßt sich rekonstruieren. Räucherungen mit einheimischen Räucherpflanzen verbinden uns also mit einer uralten europäischen Pflanzenweisheit.

Altar in den Externsteinen

Externsteine
Der Alte wald
Die nach Westeuropa eindringenden Kelten setzten 4000 bis 5000 v. Chr. die Tradition des magischen Naturbewußtseins der Ureinwohner Nordeuropas fort. Die riesigen Granitaltarsteine der Neolithischen Kultur wurden später zu keltischen Weiheplätzen. Doch bevor sich der Kult und das Bewußtsein der ursprünglich einheimischen Bevölkerung mit dem Keltischen vermischte, waren die eindringenden Kelten gezwungen, sich auf die Magie und Kraft der Bäume einzulassen. Ursprünglich aus fast baumloser Steppe stammend, standen sie nun vor der Wand des ungeheuer dichten, mächtigen und undurchdringlichen Waldes. Es heißt, die Kelten hätten sich durch Neugierde, Wanderfreudigkeit und Mut ausgezeichnet. Diese drei Eigenschaften scheinen sie in ihrem Vordringen unterstützt zu haben. Sie fanden nicht nur einen Weg durch den Wald, der zu ihrer Zeit fast alles Land Nordeuropas bedeckte, sondern sie wurden große Verehrer der mythischen Urkraft und Weisheit der Bäume. Sie legten sogar ihrem Kalender die Namen und Eigenschaften der Bäume zugrunde. Der Baum, verwurzelt in der Erde, aufstrebend gen Himmel, wurde das keltische Lebenssymbol. Die bizarr geformten, kräftigen Eichen und die hochgewachsenen Eschen haben Kelten und Germanen besonders beeindruckt und die Eichenmistel galt als heilige, mystische Pflanze. Aufgrund der religiösen Bedeutung von Bäumen hielten diese Völker sogar ihre Gottesdienste unter den Bäumen ab.
Die hohe Kenntnis der Kelten auf dem Gebiet von Heilpflanzen ist bis heute überliefert. Für sie war das Pflanzenreich eine Quelle der Weisheit. Immer wurde eine Pflanze auch in ihrem mystischen, ja spirituellen Umfeld und ihrer Wirkungsweise gesehen. Den Geist einer Pflanze verehrte man als Pflanzenelfe. Sie war Ausdruck der Beseelung ihrer heilsamen Pflanzenwelt und sie verfügte über geheimnisvolle Kräfte, die sie den Menschen zur Verfügung stellen konnte. Druiden und Seherinnen hatten einen direkten Zugang zu den Kräften der Pflanzen. Über mediale Kommunikation traten sie mit den Pflanzenwesen in Verbindung und entdeckten die Geheimnisse der Natur. Die geheimen Pflanzenbotschaften, durch das Räuchern befreit, teilen sich den Menschen mit. Daß die Natur von Pflanzenwesen und hilfreichen Geistern bewohnt ist, hat sich bis heute in vielen Märchen und Sagen erhalten. Elfen, Gnome, Zwerge und Nixen treten dort als Helfer der Menschen in schwierigen Situationen auf. Die beliebten deutschen Gartenzwerge sind ein letzter, wenn auch oft kitschiger Rest des alten Naturglaubens.

Felsformation in altem Keltengebiet
Druidenwissen
Geistige Führung lag bei den Kelten in den Händen der Druiden, die als besonders heilkundig galten. Die Druiden oder Priesterinnen halfen den Menschen in ihrem Bestreben, in Harmonie mit den kosmischen Kräften zu leben. Dazu bedurfte es einer Verbindung mit einer anderen Welt, um von dort Botschaften und Ratschläge zu erhalten. Orakel, wie die Runen, wurden befragt. Oder die Druiden und Priesterinnen träumten Wahrträume, in denen sie sich in einer anderen Welt, der Feenwelt, aufhielten. Zugang dazu konnten ihnen unter anderem Feen-, Elfenpflanzen und Elementarwesen verschaffen, die in Form von Räucherungen oder Zaubertränken ihre Wirkung entfalteten.
Die seßhaft gewordenen Kelten lebten in großen Einzelhöfen, Inseln inmitten des riesigen Wald-Meeres. Oft gehörte zu dem bis zu 200 Bewohnern umfassenden Gehöft ein Druide oder eine Priesterin, dem bzw. der die Verbindung zu den geistigen Kräften der Erde und des Himmels oblag. Die Höfe besaßen einen Hausaltar, auf dem geopfert und geräuchert wurde, wobei Räuchermischungen in kleinen Tongefäßen verbrannt wurden. In den Höfen der seßhaft gewordenen Kelten brannte so das alte Feuer aus Neolithischer Zeit weiter.
Im Zentrum jedes Hauses lag die offene Feuerstelle. Der aufsteigende Rauch der Siedlung war Zeichen einer friedlichen Herdstätte, des Schutzes, der Nahrung, des Zentrums des menschlichen Alltags. Auch hier wurden bestimmte Pflanzen rituell ins Feuer geworfen. Die Kelten bauten keine Tempel oder Gotteshäuser, sondern traten mit ihren Göttern am liebsten in heiligen Hainen in Verbindung. Mit bestimmten Hölzern wurden Opferfeuer errichtet. Auch fand man Dufthölzer und Harze als Grabbeigaben. Funde aus Grabhügeln der Zeit der Besetzung keltischer Gebiete durch die Römer zeigen, daß die Kelten ihren Toten geschätzte Duftgaben für das Leben im Jenseits mitgaben. Man fand Weihrauch, Harze und kleine Räuchergefäße aus Ton. Durch den Kontakt mit anderen Völkern wie den Etruskern, Römern und Griechen, übernahmen die Kelten verschiedene Räucherstoffe.
Die Seßhaftigkeit führte zum intensiven Erleben der Jahreszeiten, der unterschiedlichen Qualitäten der einzelnen Tage des Jahres und ihrer Beziehung zum Alltag. Der darauf zurückzuführende keltische Baumkalender, wie ihn Robert von Ranke-Graves in seinem Buch Die weiße Göttin rekonstruiert, besteht aus dreizehn Monaten, d.h. Monden zu je 28 Tagen. Jeder Monat trägt den Namen eines Baumes. Dieser steht gleichzeitig für einen Konsonanten des keltischen Baumalphabets. Den Sonnwendnächten und jenen der Tag- und Nachtgleichen wurden ebenfalls besondere Pflanzennamen zugeordnet:
| Silbertannennacht | 21. Dezember |
| Stechginsternacht | 21. März |
| Heidekrautnacht | 21.Juni |
| Weißpappelnacht | 23. September |
So war jedes Jahresfest mit bestimmten Pflanzen verbunden, die für die verschiedensten Zwecke eingesetzt wurden.
räucherkultur in nord-europäischer steppe
Bei unserer Spurensuche nach Räucherbräuchen im gegenwärtigen Nordeuropa müssen wir den Schutz des großen Waldes, so wie er ursprünglich bestanden hat, verlassen. Wir befinden uns heute wieder, ähnlich wie die Kelten, in einer Art baumlosen Steppe der westlichen In-dustrielandschaft Nordeuropas. Der alte Wald ist verschwunden. Doch wir sollten jetzt weiter suchen, wo sich noch etwas vom alten Wissen in übriggebliebenen Waldlandschaften oder im Gebirge bewahrt hat. In der Alpenlandschaft Deutschlands, Österreichs und der Schweiz finden wir auch heute lebendige Räucherbräuche.
In katholischen, ländlichen Gegenden kennt man noch die zwölf Lostage, jene Tage zwischen Weihnachten und Dreikönige. In den zwölf Rauh- oder Rauchnächten werden noch heute das Haus und der Stall ausgeräuchert. In eine Eisenpfanne legt man glühende Kohle. Ursprünglich verwendete man als Glut für das Räucherwerk den Zunderpilz. Dieser Baumpilz, Polyporus fomentarius, der wie ein großer Teller am Stamm von Rotbuchen oder Birken, seltener auch auf anderen Bäumen gedeiht, kann im getrockneten Zustand lange ohne Funken zu versprühen glühen. So sagt man noch heute: Das brennt wie Zunder. Das Räucherwerk wird großzügig auf die Glut gestreut, und mit der Pfanne geht man durch das Haus und den Stall. In früherer Zeit sprach man dazu besondere Gebete. Die dazu verwendete Räuchermischung hat eine besonders starke, reinigende Wirkung. Sie enthält vor allem Weihrauch und Wacholder. Spezielle Räucherpfannen mit durchlöchertem Deckel gibt es heute noch in Österreich zu kaufen.

Zunderpilz
Den Kelten war, im Gegensatz zur ursprünglichen Bevölkerung Europas vor den Einwanderungswellen, das Weihrauch-Harz bekannt. Im Gefolge Alexanders des Großen befanden sich viele Kelten, die ihn bis Persien begleiteten, wo reiche Beute an Weihrauch und Myrrhe gemacht wurde.
Der ursprünglich keltische Brauch, zur Zeit der Wintersonnenwende Zeremonien der Reinigung zu vollziehen, beruht auf der Erfahrung, daß zu dieser Zeit ein wichtiger Umschaltpunkt im kosmischen Erdenjahr stattfindet. Denn das natürliche Jahr beginnt zur Wintersonnenwende, die längste Nacht und der kürzeste Tag sind durchlebt. Der Tiefpunkt der Sonnenbahn ist erreicht, jetzt steigt die Sonne wieder nach oben, die Kräfte des Lichtes haben gesiegt und werden langsam stärker und die Tage werden länger. Doch Zeiten des Wandels können für den Menschen auch gefährlich sein, wenn sie Chaos und Orientierungslosigkeit hervorrufen. Zur Zeit der längsten Nächte und kürzesten Tage können, wie wir heute wissen, Depressionen besonders stark zutage treten. Auch heute weiß man, daß Krankheiten sich um die Weihnachtszeit, den Jahreswechsel herum oft verschlimmern. Um sich auf eine neue Situation einzupendeln, das alte Jahr hinter sich zu lassen und sich auf das neue einzustellen, braucht es nach alter Tradition zwölf Nächte. In der Nacht öffnet und ordnet sich das Unbewußte, die innere Uhr stellt sich um. Um sie mit dem kosmischen Geschehen in einen harmonischen Einklang zu bringen, wurde dieser wichtige Umschaltpunkt bei den Kelten mit Fasten begleitet. Dies dient der Sensibilisierung für die Kraft der Räucherungen. Träume galten in jenen Nächten als besonders bedeutungsvoll. Noch heute heißt es im Alpenraum, daß die Träume der zwölf Nächte über die bevorstehenden zwölf Monate Auskunft geben.
zwölf nächte zum Bereinigen
Warum sollten wir heute nicht die zwölf mystischen Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönige (6. Januar) nützen, um unsere innere Uhr auf den Rhythmus der kosmischen Erde einzustimmen? Wir können ganz bewußt Räucherungen einsetzen, um das Vergangene des letzten Jahres zu be-reinigen. Unterstützt von einer stark wirksamen, atmosphärisch reinigenden Räuchermischung können wir durchs Haus, die Wohnung oder durch das Zimmer gehen, und uns dabei vorstellen, daß sich Belastendes und Ungutes, das sich im vergangenen Jahr ereignet hat, auflöst. In den ersten sechs Abenden oder Nächten sollten wir das alte Jahr noch einmal gedanklich durchwandern, es ordnen, überdenken und abschließen. Während der Räucherung der letzten sechs Nächte können wir uns auf das kommende Jahr positiv einstellen. Während wir durch die Räume gehen oder vor der Räucherschale sitzen, können wir Wünsche, Visionen und Bilder, die mit dem neuen Jahr in Verbindung stehen, hochkommen lassen. Die Räucherung schafft ein neues, neutrales und positives Energiefeld, in dem die Dinge beginnen können. Gebete dabei zu sprechen oder zu singen, kann den Vorgang außerdem unterstützen.
Das Räuchern kann die Wahrnehmung der Träume verstärken. In allen alten Kulturen setzte man dafür Räucherstoffe ein. Achten Sie in dieser Zeit auf Ihre Träume. Schreiben Sie diese auf. Das Unbewußte möchte sich in Zeiten des Wandels melden, um Hinweise aus der Tiefe der Seele zu geben.
Am Ende der zwölf Rauchnächte steht wieder ein ritueller Räucherbrauch, der sich bis heute erhalten hat. In ländlichen Gegenden, besonders in Bayern, ziehen Kinder, verkleidet als die Heiligen Drei Könige, von Tür zu Tür. Sie schwenken ein dampfendes Räuchergefäß und gehen damit durchs Haus. Der klare Weihrauchduft be-reinigt abschließend die Zeit der Einkehr und des Neuordnens. Jetzt kann das neue Jahr wirklich beginnen.
vom kräuterbüschel
In den Rauchnächten, aber besonders auch zu Zeiten von Krankheitsfällen der Hausbewohner, räuchert man noch heute in ländlichen Gebieten Süddeutschlands, besonders in Bayern, mit den Kräutern des heiligen Kräuterbüschels. Im Allgäu werden am 15. August, an Maria Himmelfahrt, besondere Kräuter, meist sind es 9, 15 oder gar 77, gesammelt. Es sind alles ursprünglich rituell verwendete Heilpflanzen, deren Gebrauch sich bis in die keltisch/germanische Zeit zurückverfolgen läßt. Sie werden zu einem Strauß auf besondere Weise zusammengebunden und mit Bändern geschmückt (siehe mein Buch Medizin der Erde). Nachdem das Büschel oder der Strauß in der Kirche geweiht wurde, hängt man ihn im Herrgottswinkel auf. Vom Büschel zupft man einige Kräuter, zerreibt sie, mischt sie manchmal mit etwas Weihrauch und räuchert alles zusammen. Diese Mischung soll besonders heilkräftig sein, weshalb man damit auch im Krankenzimmer räuchert, denn sie kann, so sagt man noch heute, die Genesung von Kranken beschleunigen. An Dreikönig, dem 6. Januar, wurde ebenfalls mit dieser Mischung geräuchert.
Einige der Kräuter aus dem Kräuterstrauß sind Wetterkräuter, also Pflanzen, die in früherer Zeit zum Wettermachen verwendet wurden. Wenn ein Gewitter aufzog, hat man noch Anfang dieses Jahrhunderts in ländlichen Gegenden vom Kräuterbüschel etwas ins Herdfeuer geworfen, um das Haus vor Blitz zu schützen. Dieser Wetterbrauch kann bis in frühe schamanistische Zeit zurückverfolgt werden. Auch die Druiden, heißt es, konnten Wettermachen, wozu sie wahrscheinlich ähnliche Kräuter verwendet haben. Die Kräuterbüschel-Mischung eignet sich gut zum Räuchern im Winter. Sie vermittelt die Kraft vieler Heilpflanzen des Sommers. In der dunklen Zeit zwischen November und Februar können Räucherungen mit diesen Kräutern helfen, eine depressive Stimmung aufzuhellen. Stellen Sie sich während der Räucherung die sonnendurchfluteten Sommerwiesen vor, auf denen diese Pflanzen gewachsen sind und nehmen Sie bewußt diese Energie in sich auf.

Kräuterbüschel
wo Elfen mit Gnomen tanzen
Wo sind die Pflanzenelfen und Gnome der Kelten geblieben? Halten sie sich versteckt oben im hohen Norden, in den Wäldern Schwedens und Norwegens? Oder leben sie noch in den Mooren und Bergen der Voralpen? Der alte keltische Glaube an Pflanzengeister lebt tief verborgen weiter und taucht manchmal wieder an die Oberfläche. In Island zum Beispiel gibt es eine ganz offizielle Elfenkarte, auf der Wohnstätten von Naturwesen eingezeichnet sind. Auch in Schottland, in Findhorn, scheinen die Naturgeister noch einen Platz zum Überleben gefunden zu haben. Im Garten der spirituellen Findhorn-Gemeinschaft sollen sie gesehen worden sein, um die Menschen bei der Gartenarbeit zu beraten.
Die Sichtweise, Pflanzen als kleine Persönlichkeiten wie Elfen, Gnome und Elementarwesen zu betrachten, hat sich bis weit in unsere Zeit erhalten. In der volkstümlichen Kräuterheilkunde finden wir ihre Spuren. Noch heute verwendete Pflanzennamen belegen das Geheimnis von hilfreichen Pflanzenwesen: Allermännchen, Elfenblumenkraut, Elfenrauch, Elfrank und Feenweibkraut.

Die Anwendung bestimmter Pflanzen, so hieß es bei den Kelten, kann den Menschen helfen, mit den Pflanzenelfen in Verbindung zu treten. Ob dieser Brauch noch heute wirkt? Räuchern Sie doch einmal mit Feenkräutern…
seherinnen und weise Frauen
Zur Zeit der Verfolgung der Kelten unter dem römischen Kaiser Tiberius wurden die Druiden erbarmungslos verfolgt. Für einige Zeit übernahmen keltische Seherinnen die Aufgabe der geistigen Führung. Diese Tradition lebte weiter im germanischen Raum. Auch hier waren es weise Frauen, Seherinnen und Prophetinnen, die Pflanzenräucherungen für Rituale, Wahrsagen und Beten verwendeten. Von der keltischen Zeit floß das uralte Wissen um Heilkräfte der Pflanzen in germanische Bräuche, vermischte sich und lebte weiter im Wissen der heilkräftigen Frauen des frühen Mittelalters. Oft als Hebamme arbeitend, verwendeten sie Räucherungen, um die Geburt zu erleichtern, zu beschleunigen oder um Schmerzen zu mildern. Es gab Räucherungen, die die Fruchtbarkeit der Frauen stärkten oder als Antikonzeptiva dienten. In der Edda wird eine Räucherung mit bestimmten Baumfrüchten beschrieben, die Frauen zur Fruchtbarkeit verhelfen soll. Räucherungen wurden verwendet, um schmerzhafte Menstruation, Gebärmuttervorfall, zu starke oder zu schwache Blutungen zu regulieren. Das Wissen der weisen Frauen wurde von Generation zu Generation weitergegeben. In einem Arzneibuch aus dem 13. Jahrhundert ist ein Räucherrezept zur Behandlung von zu schwacher und ausbleibender Menstruation überliefert. Mit Myrrhe, Beifuß und Hirschhorn wurde eine Mischung zubereitet und in einem Räuchergefäß verräuchert. Die Patientin stellte sich über das Räuchergefäß. Ein hohes Wissen um die Räucherheilkunde war zu dieser Zeit noch lebendig. Doch die Inquisition hat vieles von dieser Weisheit zerstört. Die weisen Frauen wurden als Hexen verbrannt und nur wenig schrift- liehe Zeugnisse sind erhalten geblieben. Die Naturkunde der Abtissin Hildegard von Bingen, die sich ebenfalls gegen die Anschuldigungen der Kirche, eine Hexe zu sein, recht- fertigen mußte, ist ein letztes Zeugnis eines alten Wissens um die Magie und Heilkraft der Pflanzen.
rauch und Magie
Einige Jahrhunderte später beschäftigten sich in Europa Ärzte, Philosophen und Achemisten eingehend mit Räucherpflanzen. Sie waren jedoch vorwiegend an der okkulten und magischen Wirkung der Räucherungen interessiert. Vieles war geprägt von der Suche nach Macht. Im Buch von Agrippa von Nettesheim (1486–1535) De occulta philosophia werden Rezepturen zu Räuchermischungen angegeben. Sie beinhalten Pflanzen wie Bilsenkraut und Schierling, die starke Halluzinationen hervorrufen können und deren Gebrauch gefährlich, ja tödlich sein kann. Beim Räuchern können giftige Dämpfe entstehen. Im Buch Magische Aufschlüsse des Gelehrten Carl Eckhartshausen (1752–1803) werden magisch wirkende Räucherungen beschrieben. Geister sollen beschworen werden, Tote herbeigerufen, Unsichtbares sichtbar gemacht werden. Ich halte es für nicht ratsam, diese Rezepte auszuprobieren, denn es könnte dabei so geschehen wie beim berühmten Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr unter Kontrolle halten konnte. Viele der angegebenen Räucherkräuter haben starke halluzinogene Wirkungen und können erhebliche Nebenwirkungen verursachen. In unserem vorliegenden Buch werden deshalb nur Räucherkräuter und -mischungen vorgestellt, die keinerlei Nebenwirkungen auf körperlicher, psychischer und feinstofflicher Ebene erzeugen können.
was heute noch ist
Nun sind wir in der nordeuropäischen Gegenwart angelangt und wollen auch hier forschen, ob es ein Räucherwissen gibt. Sie werden staunen: Fast alle hier im Buch beschriebenen Räucherpflanzen waren noch vor einigen Jahren im deutschen Apothekerbuch aufgeführt und sind in jeder Apotheke, meist auf Bestellung, erhältlich. Der Apothekengroßhandel führt fast alle Räucherharze und viele Räucherpflanzen. Bis vor kurzem waren in der Roten Liste mehrere Räucherpulver zu finden. Meist waren sie zum Gebrauch bei Asthma empfohlen. Reste von der uralten Kunst der Räucherheilkunde haben sich also bis in unsere Zeit erhalten.
Gerade jetzt kann hier ein wachsendes Interesse an der uralten Kunst des Räucherns beobachtet werden, da immer mehr Menschen die heilende und ausgleichende Kraft der Räucherungen entdecken.

Mistel
wirksame räucherstoffe nordeuropas
Die im vorherigen Kapitel über Räucherungen der Frühzeit beschriebenen Stoffe wurden auch bei Kelten, Germanen und in der volkstümlichen Medizin verwendet und werden deshalb hier nicht nochmals aufgeführt.
Alant
Inula helenium L.
Der echte Alant gehört zur Familie der Korbblütler, Asteraceae. Er ist ursprünglich in Zentralasien heimisch, kommt in Europa, Japan und Nordamerika nur verwildert vor. Man nimmt an, daß der Alant von keltischen Einwanderern aus Zentralasien nach Europa gebracht wurde. Der Alant kann leicht im Garten gezogen werden. Er ist eine stattliche, weit ausladende Pflanze, die bis zu 130 Zentimeter hoch wird. Über dem kräftigen Stengel und den großen Blättern thronen von Juni bis Oktober sonnenförmige, goldgelbe Blüten. Volkstümliche, heute noch gebräuchliche Namen wie Edelherzwurm, Sonnenwurz, Weihrauchwurz, Odinskopf, Elfenampfer verraten noch etwas über ihre besondere Heilkraft und frühere rituelle Verwendung. Der Alant gehört zu den ältesten Heilpflanzen in Europa, schon die Hippokratiker nannten ihn Helenion. Im Mittelalter spielte die Alantwurzel eine große Rolle, sie wurde zum berühmten Alantwein verarbeitet, der als Allheilmittel galt. Alant wirkt stark schleimlösend, lungenstärkend, hustenreizmildernd und wurde deshalb als Heilmittel bei Bronchialkatarrh und Lungentuber-kulose verwendet. Alant kann, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, Tuberkulosebazillen im Wachstum hemmen dies noch in einer Verdünnung von 1:10 000. Die frische Wurzel, das Rhizom, riecht nach Banane und wurde früher roh oder gekocht gegessen. Sie ist außen braunrot und hat innen ein helles Mark. Getrocknet verströmt sie einen feinen, weihrauchartigen und schwach veilchenähnlichen, kampferigen Duft, was auf den Gehalt an Alantkampfer zurückzuführen ist. Als Räucherpflanze wurde die Wurzel schon in alter Zeit verwendet. Sie war Bestandteil von Mischungen für das Sonnwendfest zur Zeit der Sommersonnenwende. Sie symbolisierte die Kraft der Sonne. Es heißt, durch das Räuchern gebe die Pflanze diese angesammelte Kraft frei. Alant eigne sich daher besonders auch zum Räuchern zur Zeit der Dunkelheit, wenn die Sonne nicht scheint. Alanträucherungen helfen in Zeiten von Traurigkeit, Melancholie und depressiver Stimmung oder wenn man sich einfach etwas niedergeschlagen fühlt. Der Duft beruhigt bei Anspannung und Streß. Die Alantwurzel wurde früher vom fahrenden Volk verwendet, um die Zugpferde zu beruhigen, denn man wußte von der harmonisierenden Kraft der Wurzel. Von Alanträucherungen heißt es, daß sie ein wirksames Schutzmittel gegen krankheitserzeugende Einflüsse sind und innere Kräfte aktivieren. In den alten Schriften wird Alant als dämonenabwehrendes Zaubermittel beschrieben. Wir würden diese Dämonen heute als Depression, Trübsinn oder Krankheit bezeichnen. Alant schafft eine Atmosphäre des Beschütztseins und galt deshalb als Schutzräucherung, die besonders in der dunklen Winterzeit verwendet wurde. Übrigens wird der Alant auch in der indischen Räucherkultur geschätzt. Der dort einheimischen Art, Inula race- mosa, wird in Form von reinigenden, harmonisierenden und heilenden Räuchermischungen zugesprochen.

Alant
Eisenkraut
Verbena officinalis L.

Das Eisenkraut gedeiht überall in Europa. Es gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse, Verbenaceae, und erreicht eine Höhe von 50 cm, trägt eichblattähnliche Blätter und kleine, weißlich-blaue bis blaue Blüten. Die volkstümlichen Namen, die noch heute verwendet werden, deuten auf seine keltische Vergangenheit: Druidenkraut, Sagenkraut, Traumkraut. Das Eisenkraut war eine der beliebtesten keltischen Räucherpflanzen. Es wurde für Weissagungen und verschiedene sakrale Feierlichkeiten als segnende Weihpflanze verwendet. Eisenkraut wurde von Druiden und Priesterinnen gebraucht, um Wahrträume zu empfangen. Plinius berichtet in seiner Naturgeschichte, daß die Druiden diese Pflanze zum Wahrsagen und Prophezeien verwendeten. Noch bis in unsere Zeit hinein weiß man im Volksglauben, daß Eisenkraut Träume beeinflussen kann. Es soll helfen, diese besser zu erinnern. Außerdem glaubt man, daß Eisenkraut als Räucherung oder übers Bett gehängt vor Alpträumen bewahrt. In früheren Zeiten war es Bestandteil eines magischen Rezeptes für einen Zaubertrank. (Ja, jenen, gebraut von Miraculix aus den bekannten Asterix–und–Obelix–Geschichten.) Eisenkraut soll Mut machen und Menschen, die viel Angst haben, eine Hilfe sein. Räucherungen mit Eisenkraut eignen sich, um innere Stärke wiederzufinden oder neu zu entwickeln. Es hilft in Zeiten von großer Erschöpfung, wenn man sich wie ausgelaugt fühlt. Es wirkt stärkend und zentrierend, wenn man von Gefühlen überschwemmt wird. Als Räucherung ist es ein gutes Mittel, um einen Schock zu mildern. Es soll einen guten Schlaf und Träume zur Lösung von Problemen hervorbringen.
propolis

Das Kittharz der Bienen ist eine dunkelbraune, zähe und feste Masse. In der Naturheilkunde wird Propolis in Form einer Tinktur zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte, besonders bei Infektionskrankheiten eingesetzt. Propolis-Harz ist im Kräuterhaus, Reformhaus oder Naturkostladen erhältlich. Zum Räuchern schabt man feine Stücke mit einem Messer vom Harzklumpen ab. Das Harz verströmt beim Verglimmen einen warmen, balsamischen, honigartigen Duft, der entspannende Wirkung hat. Propolis ist Bestandteil von Räucherungen, die uns mit den heilenden Kräften der Natur in Verbindung bringen können.
Beifuss
Artemisia vulgaris L.

Der Beifuß gehört zur Familie der Korbblütler, Asteraceae. Er ist eine ausdauernde Staude und erreicht eine Höhe von 150 cm. Die Pflanze gedeiht in Europa, Nordamerika und Asien. Er gilt als wichtige magische Pflanze in Europa wie Asien. Volkstümliche Namen weisen auf seine einstige kultische und magische Rolle hin: Sonnwendgürtel, Johannisgürtel, Mugwurz, Schutzkraut. In einem angelsächsischen Zaubersegen, Lacnunga, in dem neun heilige Pflanzen gepriesen werden, steht Beifuß an erster Stelle:
Erinnere dich, Beifuß, was du verkündetest,
Was du anordnetest in feierlicher Kundgebung
Una heißest du, das älteste der Kräuter;
Du hast Macht gegen drei und gegen dreißig,
Du hast Macht gegen Gift und Ansteckung,
Du hast Macht über das Übel, das über das Land dahinfährt.
In diesem Text wird weiter berichtet, daß ein Gürtel, aus Beifußwurzeln geflochten, der Johannisgürtel, ins Feuer geworfen, die Leiden des Kranken auf das Feuer überträgt. Beifuß wurde also für Übertragungszauber verwendet. Ihm wird eine stark reinigende Kraft zugesprochen. Beifußräucherungen eignen sich deshalb sehr gut für Situationen im Leben, die eine Entscheidung erfordern, die einen Wendepunkt darstellen. Er kann helfen, das Alte zurück- und loszulassen. Deshalb hat man in alten Zeiten die rituelle Beifußräucherung an Sonnenwende vollzogen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht und zieht sich langsam zurück. Beifuß kann helfen, an Wendepunkten des Lebens nach innen zu schauen, um innere Ressourcen zu entdecken, Hinweise aus dem Unbewußten zu erhalten. Traditionell wurden Beifußräucherungen verwendet, um einen Wechsel im Lebenslauf der Frauen zu begleiten und ausgleichend zu wirken. Als traditionelles Frauenkraut sollte es bei Pubertät, Geburt und in den Wechseljahren hilfreich bei-Fuß stehen. Es ist Bestandteil des traditionellen Kräuterbüschels und gehört so zu den Schutz-Räucherkräutern. Eine Bei- fuß-Räucherung hat außerdem eine entspannende, wärmende und beruhigende Wirkung. Zusammen mit weiteren, ähnlich wirksamen Kräutern eignet er sich für Räucherungen am Abend, die einen guten Schlaf bewirken sollen. Beifuß, auch Mutter der Kräuter genannt, kann helfen, eigene heilende Kräfte zu aktivieren. Diese können helfen, um sich selbst zu heilen, wenn man krank an Körper oder Seele ist. Aber auch Menschen, die in heilenden Berufen stehen, können mit einer Beifußräucherung ihre Heilkräfte stärken. Nach einer alten Tradition haben Heilerinnen und Heiler sich mit bestimmten Pflanzen gestärkt, zu denen Beifuß, Salbei und Waldbingelkraut gehören.
Getrocknete Beifußblätter kann man auch ohne Kohle räuchern. Dazu werden sie zu einer kleinen Kugel gepresst und in eine Räucherschale oder ein feuerfestes Gefäß gelegt. Man zündet sie an, bläst sie wieder aus und lässt sie sanft verglimmen.

Hopfen
Hopfendrüsen
Humulus lupulus L.
Die Hopfenpflanze ist uns meist als traditioneller Bestandteil des Bieres bekannt. Der dafür verwendete Hopfen stammt aus Kulturen. Ursprünglich ist der Hopfen eine Wildpflanze, die in Mittel- und Osteuropa gedeiht. Die Schlingpflanze kann bis sechs Meter hoch werden. Die weiblichen Pflanzen tragen ihre Blüten in Form von Hopfenzapfen, die aus dachziegelartig angeordneten Schuppen bestehen. Auf der Innenseite befinden sich kleine Drüsen, sogenannte Hopfendrüsen (Glandulae Lupuli). Beim Ausklopfen der Zapfen fällt aus den Drüsen ein feines, gelbes Pulver, Lupulin. Es hat einen würzigen, baldrianähnlichen Duft. In der Naturheilkunde wird es seit langem als Nervinum, das heißt auf die Nerven heilend wirkendes Mittel gebraucht. Es beruhigt und ist mild schlaffördernd. So eignet sich Lupulin als Zutat in Räucherungen, die einen guten Schlaf schenken sollen. In der Pflanzenmagie verwendete man Hopfen, um sich mit den feinstofflichen Energien in der Natur zu verbinden.
Duftgras
Hierochloe odorata (L.) P. Beauv. – Mariengras Anthoxantum odoratum L. – Ruchgras

Das süß-duftende europäische Duftgras gedeiht in Nordeuropa auf Wildwiesen. Es riecht nach Kumarin, das uns unverwechselbar an frisch geschnittenes Heu erinnert. Erst beim Trocknen entwickelt sich dieser intensive Duft. Das getrocknete Gras kann kleingeschnitten Räuchermischungen zugefügt werden. Statt dessen kann man auch das noch intensiver duftende Süßgras, auch Sweetgrass genannt, verwenden. Dieses gedeiht in Nordamerika (siehe das Kapitel Nordamerika). Beide Gräser sind in Duftgärtnereien als Topfpflanze zu beziehen und eignen sich besonders für eine Wildblumenwiese.
Weitere Räucherpflanzen, die in keltischer und germanischer Zeit verwendet wurden, sind: Ackersteinsame, Bachnelkenwurz, Eschensamen, Bartflechten, Goldnessel, Mistel, Holundermark, Steppenraute.
rezepte für keltische, germanische und volkstümliche räucherungen aus nordeuropa
Zwölf Heilige Nächte
| Weihrauch-Harz | 3 Teile |
| Mastix | 1 Teil |
| Kräuterbüschel-Mischung | 2 Teile |
bestehend aus den getrockneten Kräutern:
Beifußkraut, Eisenkraut, Salbeiblätter, Königskerzenblüten, Melissenblätter, Alantwurzel (kleingeschnitten), Johanniskraut, Schafgarbenkraut, Minze, Kamillenblüten.
Die Kräuter für diese Mischung werden traditionell in der Zeit des Frauendreißiger, zwischen 15. August (Mariä Himmelfahrt) und 8. September (Mariä Geburt) gesammelt. Sie haben dann ihre optimale Heil- und Duftkraft. Die Pflanzen um die Mittagszeit sammeln und auf einem Tuch zum Trocknen auslegen. Sie können auch in Büscheln zum Trocknen aufgehängt werden. Die Wurzel ausgraben, kleinschneiden und zum Trocknen auslegen. Nach circa drei Wochen, wenn die Pflanzen gut getrocknet sind, alles fein zerreiben. Mit den feinzerstoßenen Harzen mischen. Trocken aufbewahren. Eine Mischung mit kräuterigem und balsamischem Duft. Zum Räuchern zwischen den Jahren, um Haus und Räume zu reinigen und zu klären. Die Mischung eignet sich auch für Räucherungen zur Begleitung von Zeremonien und jahreszeitlichen Festen.

Johanniskraut
Avalon
| Weihrauch | 5 Teile |
| Mastix | 5 Teile |
| Weißtannennadeln | 1 Teil |
| Wacholderbeeren | 1 Teil |
| Mistelblätter oder -holz | 1 Teil |
| Eisenkraut | 1 Teil |
Die Harze im Mörser fein zerstampfen. Getrocknete Weißtannennadeln mit dem Wiegemesser kleinschneiden. Getrocknete Wacholderbeeren im Mörser leicht ausstampfen. Alles gut mischen. Diese Mischung verströmt einen herb-aromatischen Duft. Sie erweckt den Geist keltischer Druidenzeit und erzählt von Avalon, der paradiesischen Insel der Kelten, von Merlin, dem Zauberer, von König Artus und den keltischen Seherinnen. Sie kräftigt, stärkt und hilft uns, mit den Kräften der Natur in Verbindung zu treten und unsere innere Stabilität und Quellen der Kraft zu finden.
Elfenspiel
| Mastix | 5 Teile |
| Propolis | 2 Teile |
| Holundermark | 1/2 Teil |
| Duftgras | 1 Teil |
| Hopfendrüsen | 1 Teil |
Propolis hat eine harzartige Konsistenz. Man kann es mit einem Messer abschaben. Holundermark befindet sich im Inneren von Holunderzweigen, ist weißlich und leicht. Es wird mit dem Messer ausgeschabt und kleingeschnitten. Das Duftgras muß gut getrocknet sein und wird ebenfalls fein geschnitten. Statt dessen kann man auch Lemongrass verwenden. Getrocknet und geschnitten ist es im Handel erhältlich. Hopfenmehl, Glandulae lupuli, auch Hopfendrüsen oder Lupulin genannt, ist in Apotheken erhältlich. Mastix-Harz wird im Mörser fein zerstoßen. Propolis zugeben, gut miteinander verbinden. Danach die anderen Zutaten untermischen. Die Mischung hat einen feinen, zarten und warmen Duft. Der Duft inspiriert zur Kreativität und Muße, stimmt heiter und gelassen. Er ist ein Tor zu den feinen Lichtkräften und den geheimen Pflanzenkräften der Natur. Die Mischung lädt zum Träumen und Phantasieren ein.
Duir
Sommersonnenwende
| Alantwurzel | 1 Teil |
| Myrrhe | 1 Teil |
| Beifuß | 1/2 Teil |
| Weihrauch | 4 Teile |
| Salbei | 3 Teile |
Alantwurzel ist im Kräuterhandel oder der Apotheke erhältlich. Die Wurzel mit dem Wiegemesser kleinschneiden. Beifuß selbst gesammelt, im Kräuterhaus oder in der Apotheke gekauft, fein zerkleinert verwenden. Salbeiblätter fein zerschneiden. Sehr gut für diese Mischung eignet sich der weiße Salbei der Indianer (siehe das Kapitel Nordamerika), der im Räucherfachhandel erhältlich ist. Die Harze im Mörser zerstampfen und die Kräuter zugeben. Die Mischung hat einen vollen, warmen, balsamischen und kräuterigen Duft. Da sie viel Rauch erzeugt, sollte sie nur prisenweise auf Räucherkohle oder Stövchen verräuchert werden. Sie eignet sich gut für eine Räucherung im Freien. Traditionell werden diese Räucherkräuter für das Sonnwendfest am 21. Juni verwendet. Der Duft stimmt uns auf den Höhepunkt des Erdenjahres ein, verbindet uns mit den besonderen Energien dieses Zeitpunktes. Die Räuchermischung verbindet uns mit der Fülle der Natur, sie regt uns an, unseren inneren Reichtum zu entdecken, unseren Körper als Geschenk zu sehen, ihn zu genießen. Weibliches und Männliches in uns verbinden sich.

Beifuß-Strauch
Druid
Wintersonnenwende
| Weihrauch | 3 Teile |
| Mastix | 3 Teile |
| Zimtblüte | 1 Teil |
| Tannennadeln | 1/2 Teil |
| Nelken | 1/2 Teil |
| Sandarak | 2 Teile |
| Eschensamen | 1/2 Teil |
Die getrockneten Weißtannennadeln und Eschensamen mit dem Messer kleinschneiden. Harze, Zimtblüte (eventuell auch Zimtrinde) und Nelken im Mörser pulverisieren. Alles gut miteinander mischen. Ein feiner, ätherischer, weihevoller Duft, der uns auf die besondere Energie der Wintersonnenwende und der Weih-nacht einstimmt. Er lädt zur Innenschau, Meditation und zum Gebet ein. Er hilft, zuviel Erdenschwere abzustreifen und eignet sich zum inneren Ausgleich bei zu starken und belastenden Emotionen. Eine Räuchermischung mit starker, atmosphärisch reinigender Kraft.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.