Kitabı oku: «Ballengang», sayfa 2

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Der Mensch ist ein Ballengänger
Erfahrungen als Arzt

Bei meiner Arbeit an Schmerzsymptomen des Muskel- und Skelettsystems fiel mir bereits zu Beginn meiner ärztlichen Tätigkeit (Anfang der Siebzigerjahre) auf, dass sich der Mensch möglicherweise durch sein Gangverhalten unnötig belastet.

Die Entdeckung, dass der Mensch eigentlich ein Ballengänger ist, begann mit einer zufälligen Beobachtung, die mich vermuten ließ, dass die Medizin, die ich gelernt hatte, sich im wahrsten Sinne des Wortes auf einer Art »Holzweg« befand. Mich befielen große Zweifel, und nur gründliche Forschung und hartnäckiges Festhalten an meiner Entdeckung machten dieses Buch möglich. Zu guter Letzt hat mir mein inzwischen rund 45 Jahre langer Selbstversuch, im Ballengang durchs Leben zu gehen, Mut gemacht, Ihnen das Gleiche zu empfehlen.

Wie bin ich erstmals auf diese Erkenntnisse gestoßen? In meiner ersten Praxis gab es einen riesigen Barockspiegel, der in die Wand dieses sechzig Quadratmeter großen Sprechzimmers eingebaut war. Davor befand sich die Behandlungsliege. Nachdem ich die Krankengeschichte aufgeschrieben hatte, begleitete ich meine Patienten quer durch den Raum auf den Spiegel zu. Um die statischen Beschwerden meiner Patienten besser beurteilen zu können, beobachtete ich die Symmetrien ihrer Bewegungsabläufe. Dabei glitt meine Hand über ihren Rücken, um eventuelle Verspannungen, die sich durch Temperaturunterschiede zeigen, zu entdecken.

Um besser zu fühlen, legte ich meine Schuhe ab. Dadurch konnte ich mich so leise bewegen, dass ich die feinsten Erschütterungen und ausgleichenden Muskelkontraktionen bei den Patienten spürte. So verschieden die Zeichen auch waren, die auf die einzelnen Leiden hinwiesen, so klar war ein mehr oder weniger starkes »Tock-tock« bei allen zu fühlen. Dieses »Tocken« kam aus dem Fersenstoß, mit dem wir alle als Hackengänger die Erde bei jedem Schritt betreten. Besonders gut kann man das fühlen, wenn man die Hand auf das Kreuzbein des zu Untersuchenden legt, während er ganz normal geht. Versuchen Sie das ruhig einmal mit einem Mitmenschen. Dieses gilt als …

ZWEITER WISSENSCHAFTLICHER BEWEIS:

Um leise und achtsam nebenhergehen zu können, ging ich selbst zunächst unbewusst über den Vorfuß. Erst nach einigen Monaten hörte ich nachts auf dem Nachhauseweg meine eigenen Hackengangschritte, das »Tock-tock-tock«, als Echo von den Hauswänden erschallen. Ich erschrak. Durch den Schock aufgeweckt, begann ich zu vermuten, dass der Ballengang die Gangart ist, die unserer Natur entspricht.

Nachdem ich die Achtsamkeit und Leichtigkeit des Ballenganges bewusst wahrgenommen hatte, erschien mir der Hackengang als eine sehr grobe Art der Fortbewegung. Ich begann zu realisieren, dass der Hackengang der Auslöser für die meisten Fehlhaltungen und die daraus folgenden Schmerzen im Muskel- und Skelettsystem sein könnte.

Ich fragte mich, warum wir im täglichen Leben nicht gefühlter, also ballenbetont schreitend gehen. Unsere ästhetischen Ideale fordern das doch geradezu heraus! Man denke nur an Stöckelschuhe, Tanz, Ballett, Gangschulung für Models, die Fußstellung von Schaufensterpuppen und das »Schreiten im königlichen Gang«. Selbst der allgemeine Sprachgebrauch zeigt ein Gefühl dafür, dass Grenzen zwar überSCHRITTEN, aber nie überGANGEN werden sollten.

Außerdem hüpfen wir auf dem federnden Fuß, wenn wir uns freuen, während wir zum Ausdruck von Ärger mit der Ferse aufstampfen. Und wer im Sport nicht die Federkraft des Fußes benutzt, bringt keine Leistung und wirkt unelegant, ja unbeholfen.

Darüber hinaus fiel mir auf, dass Menschen, die viel und bewegt z.B. frei in der Disco tanzen, selten in meine Praxis kamen. Dagegen musste ich häufig professionelle Tänzer mit ihren typischen Verschleißerscheinungen und Sportverletzungen behandeln, die, wie mir mit der Zeit klar wurde, zumeist nur die Folgen der künstlich trainierten und übertriebenen, vom Fersenstoß erzeugten Fehlhaltungen sind.

Ich fragte mich also:

Warum GEHEN wir über die Fersen?

Warum SCHREITEN wir nicht über die Ballen?

Der Schreitreflex

Damit begann ich mich für die Entstehung des menschlichen Bewegungsverhaltens auf eine neue Weise zu interessieren und wandte mich dem Ursprung unserer Gangentwicklung zu. Zunächst beobachtete ich Kinder vom Moment ihrer Geburt an. Dabei fiel mir als Erstes der sogenannte Schreitreflex bei Neugeborenen auf. Er wird »Schreit-Reflex« und nicht »Gang-Reflex« genannt, weil es sich um eine ausdrücklich ballenbetonte Bewegung handelt. Diesen Reflex kann man gewöhnlich nur in einem begrenzten Zeitraum, nämlich vom Zeitpunkt der Geburt bis zum Alter von vier bis sechs Wochen, bei allen Babys beobachten. Übrigens erhält sich dieser Reflex bei Wassergeborenen bis zu deren sehr frühem Gehenlernen im sechsten Monat (mehr dazu im Kapitel »Schwangerschaft, Geburt und ›sensible Phase‹«).

Jeder, der sitzend ein Kind von unter einem Jahr in den Händen hält, merkt, dass es sich mit den Fußspitzen gegen den Bauch stemmt. Es ist ganz natürlich, dass es dies mit dem fühlenden Vorfuß und nicht mit der Ferse tut. Weiterhin fiel mir auf, wie kleinflächig die Ferse der Neugeborenen ist.



Sehen Sie selbst, wie ungeeignet die Ferse für den Hackengang ist.

Die ersten Schritte

Als Nächstes nahm ich wahr, dass alle Kinder bei ihren ersten Schritten offensichtlich noch deutlich Ballengänger sind. Jeder Vater und jede Mutter wird das bestätigen. Das kann uns nur entgehen, wenn wir dem Kind von Anfang an Schuhe mit steifen Sohlen anziehen und es zu selten barfuß laufen lassen.

Ich beobachtete, dass Kinder unter drei Jahren wieder zu Ballengängern werden, wenn sie sich sehr interessiert auf etwas zubewegen. In solchen Momenten fühlen sie sich unbeobachtet. Solange sie sich jedoch beobachtet fühlen, versuchen sie den Hackengang so gut wie möglich zu imitieren. Ich stellte mir also die Frage: Werden Kinder zu Fersengängern, weil sie genau so gehen wollen wie ihre Eltern?


Das Nachahmungsverhalten

Die Psychologie lehrt zum Nachahmungsverhalten von Kindern, dass sie gerade in den ersten drei Lebensjahren fast ausschließlich durch Imitation (Nachahmung) lernen. Da alle Erwachsenen über die Hacken gehen, gibt es nur ein einheitliches Vorbild, das imitiert wird. Die Erwachsenen waren auch mal Kinder. Auch sie haben durch Imitation gehen/marschieren gelernt. Dieses Beispiel des Hackenganges wird so konsequent vor- und nachgemacht, dass es rein statistisch als das Normale gelten muss.

Die Erkenntnis, dass der Mensch eigentlich ein Ballengänger und kein Hackengänger ist, war für mich von solcher Klarheit und Einfachheit, dass ich glaubte, sie mit einem Satz der ganzen Welt verkünden zu können. Orthopäden und andere Mediziner reagierten aber nicht entsprechend.

Zu allen Zeiten hat es allerdings auch vernünftige Orthopäden gegeben, die bei Fußverformungen und postoperativ zur Kräftigung der Fußmuskulatur den Vorfußgang empfehlen, statt Einlagen zu verschreiben. Dennoch konnten sie sich offenbar nie klar genug vom medizinischen Dogma des anständigen Abrollens distanzieren, um selbst auf die Idee zu kommen, dass der Mensch ein genetisch angelegter Vorfußgänger ist. Scheinbar verdrängen wir alle den Ballengang hinter der erlernten Anpassung an den Hackengang so sehr, dass wir uns noch nicht einmal mehr theoretisch für das Gangverhalten des Menschen interessieren. Der Mensch scheint also ein »Mitläufer« vom ersten Schritt an zu sein.

Übrigens lernen wir durch Nachahmung nicht nur das Gehen, sondern auch die Sprache. Die Phase der ausschließlichen Nachahmung endet mit dem dritten Lebensjahr. Die Nachahmungsphase ist ein Bewusstseinsraum, der von dem nachfolgenden Bewusstseinsraum derartig ersetzt wird, dass er in Vergessenheit gerät. Könnte es sein, dass wir uns – angesprochen auf unser Gangverhalten – im Unbewussten daran erinnern, wie schwer es uns eigentlich fiel, unserem kindlichen Körper den Hackengang anzutrainieren? Fürchten wir deshalb vielleicht, dass alles, was mit Lernen zu tun hat, uns nur mit neuem Stress belasten würde? Und eine nächste etwas weiter greifende Frage drängt sich mir auf: Haben wir vielleicht wegen dieses ganzkörper- übergreifenden Erlernens eines muskulären Fehlverhaltens auch solche Schwierigkeiten mit der Entwicklung menschenwürdiger Schulsysteme?



Das Gehverhalten des Menschen

»Das wahre Wunder besteht nicht darin,

auf dem Wasser zu wandeln,

sondern auf der Erde zu gehen.«

Thich Nhat Hanh: Ich pflanze ein Lächeln

Die platonischen Seelenkräfte und GODO

Platon beschrieb die Seele in den folgenden drei Teilen: Wollen – Denken – Fühlen. Goethe verinnerlichte diese Erkenntnis in seinem zum Volkslied gewordenen Gedicht: »Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn …« Er ließ sich von seiner Seele spazieren führen.

Nach einem dreißigjährigen Studium des Goethe-Nachlasses in Weimar erkannte Rudolf Steiner, der spätere Begründer der Anthroposophie und der Waldorfschulen, dass Wollen, Denken und Fühlen die drei Tätigkeiten unserer Seele sind. Er nannte sie explizit: SEELENTATEN. Dabei wird der Körper zum Instrument des Ausdruckes dieser drei Seelentaten. Somit ist auch unser Gang deren Ausdruck; sie können in jedem Schritt gesondert erfahren werden.

Bisher macht man sich das nur in der Heileurythmie zunutze. Durch das sogenannte dreigliedrige Schreiten »Heben – Tragen – Stellen« (Wollen – Denken – Fühlen) wirkt sie heilend auf Körper-, Sprach- und Wahrnehmungsstörungen ein.

Beim Stotterer drücken sich Wollen – Denken – Fühlen gleichzeitig aus. Es bildet sich ein Sprachknoten, der durch bewusstes Schreiten, das heißt durch die Entschleunigung der einzelnen Seelentaten, entwirrt werden kann (Heileurythmie).

Die platonischen Seelenkräfte werden heileurythmisch, also lediglich therapeutisch, oder in der Eurythmie als Kunstform genutzt. Ich habe nur ganz wenige Menschen getroffen, die aus einer solchen Erziehung als Ballengänger hervorgegangen sind. Dazu gehören einige ehemalige Mitglieder der Loheland-Schule in Hessen, die nach anthroposophischen Grundsätzen geführt wird. Auch die israelische Künstlerin Ruth Arion (1912–1988) war in ihrer Jugend mit dieser Bewegung in Berührung gekommen. Sie erinnerte sich, zwischen 1926 und 1936 im »königlichen Gang« geschritten zu sein. Während unseres Gespräches wurde ihr plötzlich klar, dass sie erst nach ihrer Flucht vor den Nazis bei der Arbeit am Fließband im Kibbuz den »königlichen Gang« vergessen habe. Viele Jahre später durfte ich sie wieder daran erinnern.

Jeder Schritt lässt sich als eine Folge von Gesten begreifen. Diese Gesten sind, wie wir erfahren haben, Ausdruck unserer Seelentaten. Ihr Sinngehalt und ihre Aufeinanderfolge unterscheiden sich je nach unserer Gangart, also je nachdem, ob wir uns als Hackengänger oder als Ballengänger bewegen.

Das Ruhen und das Wollen, die beiden ersten Phasen jeden Schrittes, sind bei Hackengängern wie bei Ballengängern gleich:

Ruhen

Vor aller Bewegung ist Ruhe. Wenn wir stehen, können wir sagen: »Ich ruhe.« Durch diesen kleinen, bewusst gesprochenen oder gedachten Satz machen wir uns die Geste des Ruhens innerlich real und fühlbar. Legen Sie das Buch für eine oder zwei Minuten beiseite, stellen Sie sich aufrecht und mit schulterbreit parallel gestellten Füßen hin, schließen Sie die Augen, atmen Sie dabei tief und ruhig aus und ein und denken Sie: »Ich ruhe.«

Wollen

Um aus der Ruheposition, aus dem Stand in die Bewegung zu kommen, bedarf es eines Willensimpulses. Dazu können wir uns selbst sagen: »Ich will.« In diesem Moment löst sich die Ferse von der Erde. Das Abheben ist Ausdruck eines umgesetzten Impulses der Seele und geschieht zeitgleich mit der »Ich will«-Geste als Lösung der Ferse von der Erde. Damit Sie das wirklich fühlen, bitte ich Sie erneut, das Buch wegzulegen und mehrere Schritte zu machen. Konzentrieren Sie sich dabei auf den Moment, in dem das Heben der Ferse gleichzeitig mit einem laut gesprochenen »Ich will!« wahrgenommen wird.

Der japanische Meister Ha ku yushi sagte: »Der Atem des rechten Menschen ist ein Atmen mit den Fersen.« Bei der GODO-Meditation, die ich auch gerne »dynamisches GODO-Yoga« nenne, entspricht das Lösen der Ferse dem Moment der beginnenden Einatmung. Probieren Sie es doch gleich einmal aus.

Denken

Der freie, gelöste Fuß, das sogenannte Spielbein, durchmisst den Raum, wobei die äußere Welt an uns vorübergleitet, wir uns durch sie hindurchschieben, etwa so, wie die Gedanken sich immer neu bildend und wieder verblassend unsere Köpfe durchziehen. Hier können wir uns bewusst werden, dass die Seele sagt: »Ich denke.« Dabei schwebt das Spielbein frei wie ein Gedanke über der Erde.

Bei diesem Bewegungsabschnitt scheiden sich die Geister. Der Hackengänger hebt nämlich seine Fußspitze hoch, bevor er die Erde mit der Ferse betritt, während der Ballengänger seinen Fuß locker hängen lässt und deshalb der Erde mit Ge(h)fühl begegnet.

Was hier geschieht, bedarf einer besonderen Betrachtung, denn es handelt sich um die Kernproblematik des Hackenganges.

Ganganalyse



Die Gestik des Hackenganges

Da wir bisher selber in jedem Schritt die Erde mit der Ferse zuerst berühren, ist uns der Anblick unserer Mitmenschen, die mit der Ferse voran die Erde betreten, derart vertraut, dass wir zunächst nichts Auffälliges wahrnehmen. Aber schauen wir einmal ganz genau hin! Es bedarf einer besonderen Konzentration, wenn man ein gewohntes Bild mit frischem Blick erfassen möchte. Nehmen Sie sich dafür wirklich etwas Zeit …


Bisher galt uns ein solcher Anblick als normal und natürlich

Erst wenn wir den Hackengang analysieren, begreifen wir, dass er nicht nur eine mechanische Fortbewegungsart darstellt, sondern dass sein Ablauf eine Folge bedeutsamer Gesten enthält, mit denen wir der Welt begegnen und für die wir auf eine ungeahnte Weise verantwortlich sind.

In der erhobenen Fußspitze offenbart sich die Geste der Abwehr und der Zurückhaltung im Gefühl. Dieser Ausdruck besagt: »Ich will nicht fühlen, ich habe kein Vertrauen.«

Es gibt eine Möglichkeit, uns das, was wir mit den Füßen unbewusst und ungefühlt ausdrücken, über unsere Hände spürbar zu machen. Dazu bitten wir eine Person, die völlig unvorbereitet ist, uns die Hand zu reichen. Wir strecken unsere Hand so aus, als wollten wir ihre Hand empfangen, ziehen die unsere jedoch gleich wieder mit der Geste der Abwehr (einem Heben der Finger und Vorschieben der Handwurzel) zurück.

Beiden tut diese paradox abwehrende Geste »weh«: dem, der sie erzeugt, und dem, gegen den sie sich wendet.



Genau das ist es, was jeder Hackengänger mit jedem Schritt sich selbst, seinem Nächsten und der Erde antut. Ob sich die Erde wohl ebenso schlecht fühlt, wenn wir ihr bei zurückgehaltener Fußspitze »zwangs-läufig« mit der Hacke begegnen? Und wie fühlen wir uns selbst dabei – bisher ohne es deutlich und bewusst zu merken? Könnte das der Grund dafür sein, dass wir der Erde so wenig Liebe und Achtsamkeit entgegenbringen? Diese Geste macht uns zu Fremden auf dieser Erde. Dementsprechend denken, fühlen und handeln wir.


Die gestische Bedeutung der aufstampfenden Ferse heißt Wut und »Ich will nicht« oder »Ich will nicht wollen«. So zart und leichtfüßig Einzelne auch über die Hacke abrollend gehen mögen – ein gewisses Stampfen, eine Erschütterung können wir nicht unterdrücken. Marschierende Soldaten können durch ihren Fersenauftritt im Gleichschritt die Statik einer Brücke gefährden. (Deshalb gab es im Zweiten Weltkrieg entsprechende Verbotsschilder.) In den höchsten Gebäuden unserer Städte ist das Vibrieren der Fußböden ein Problem, das durch den Auftritt mit High Heels erzeugt wird.

Prüfen Sie es selbst noch einmal: Halten Sie sich mit je einem Finger die Ohren zu und gehen Sie schnellen Schrittes auf Ihre gewohnte Weise. Lauschen Sie dabei in sich hinein. So können Sie über die Knochenleitung ein »Tock-tock-tock« wahrnehmen, das von den Fersen bis zu ihrem Schädel hinauf echot. Der Fersenstoß erschüttert nicht nur die Wirbelsäule und Gelenke und damit die Muskulatur, sondern auch alle Organe und vermittelt unserer Körpervorstellung unnötig erhöhte Schwerkraftwerte. Außerdem drücken wir gestisch mit jedem Hackengangschritt immer wieder »Ich will (zwar losgehen) – Ich will nicht (fühlen/wollen)« aus. Das begründet einen Zwiespalt des reinen Willens. Fühlen Sie doch mal in sich hinein, wenn Sie sagen: »Ich will – – – nicht.« Ist das nicht superparadox, also der Widerspruch in sich? So landen wir zwar genau da, wo wir hinwollten, aber wir drücken aus, dass wir gar nichts wollen, weder fühlen noch wollen. Es ist offensichtlich, dass wir diese gefühlsverneinende Geste mit jedem Hackengangschritt aktiv erzeugen, und es ist folgerichtig, anzunehmen, dass wir im Gehirn und in der gesellschaftlichen Begegnung damit ein Programm der Abwehr installieren.


In der Kinesiologie hat sich gezeigt, dass eine ablehnende, verweigernde mentale Haltung und die dazugehörigen Gesten zu einem schwachen Muskeltest führen. Das sollte unter anderem der Allergieforschung zu denken geben, da Allergien sehr häufig durch Überforderungen ausgelöst werden können.

Das sogenannte Marschieren auf der Stelle und das militärische Marschieren

Das militärische Marschieren ist eine besonders ausgeprägte Form des Hackenganges, bei der im Gleichschritt über die Hacke gegangen wird. Ganz anders verhält es sich beim sogenannten Marschieren auf der Stelle, bei dem man mit den Armen kräftig mitschwingt und die Schultern derart mitbewegt, dass die gesamte Wirbelsäule eine spiralige Bewegung um ihre zentrale Achse ausführt. Probieren Sie es aus! Denn wenn Sie genau hinsehen und in sich hineinfühlen, erkennen Sie sofort, dass es sich um eine ausgeprägte Ballengangbewegung handelt. Tatsächlich ist es schier unmöglich, beim »Auf-der-Stelle-Marschieren« mit der Hacke zuerst aufzusetzen.

Wie im Kapitel »Forschung und Erkenntnisse durch Beobachtung« beschrieben, hat das Gehen auf der Stelle eine ausgesprochen harmonisierende Wirkung auf Geist und Körper, das heißt, die Hirnhälften werden synchronisiert. Kinesiologen nutzen das, weil sichere Testungen nur in diesem Zustand möglich sind. Vor Jahren, als ich der Kinesiologen-Vereinigung auf ihrem Kongress in Kirchzarten die Zusammenhänge erklären konnte, rief dies großes Erstaunen hervor. Seitdem wissen sie, dass ein Ballengänger schon synchronisiert zu ihnen kommt.

Sobald wir uns allerdings vom »Marschieren auf der Stelle« in den Raum bewegen, verfallen wir unwillkürlich in den gewohnten Hackengang, das wirkliche Marschieren, das offensichtlich das Gegenteil einer Harmonisierung bewirkt. Beim Marschieren werden die Arme zwar gegensinnig vorwärts und rückwärts geschwungen, die Schultern aber gerade auf der steifen Wirbelsäule festgehalten. Es wird vermieden, die Körpermitte als Ursprung für einen spiraligen Bewegungsimpuls gegenläufig mitschwingen zu lassen. Auch die Bewegung der Hüften wird unterdrückt.

Eine besondere Art des Marschierens war der preußische Stechschritt, der heute noch von der russischen Armee praktiziert wird, bis die Fußgelenke schmerzen. Dabei exerziert man mit gestrecktem Bein und steif gestrecktem Fußgelenk und knallt mit den Vorfußballen voran auf die Erde auf. Ein solch expressives Marschieren über die Ballen muss gelernt werden und eignet sich besonders zum Paradieren.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beherrschten nur die Gardeoffiziere Preußens einen derart tadellosen »Stechschritt«, dass er allem Volk imponierte. Die jungen Männer im Lande wollten gerne auch so sein wie diese schmucken und bis in die Zehenspitzen erweckten Kadetten und Offiziere Preußens. Sie hatten allerdings nicht den Paradestechschritt gelernt, sodass aus »normalen« Hackengängern ein großes Heer von marschierenden Soldaten aus den Schulbänken herausrannte. Da das militärische Marschieren eine Verstärkung des schlichten Hackenganges darstellt, erhöhten sich mit jedem Hackenstoß die Schwerkraft-Empfindung und die Aggression in jedem einzelnen Soldaten – natürlich unbewusst. Die »Vermehrung« der eigenen Masse floss zusammen mit der großen Masse und schien von ihr getragen zu werden. Was bisher unbewusst blieb, wird durch GODO plötzlich fühlbar.

GODO zeigt: Wer einmal schreitet, marschiert nie wieder.



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