Kitabı oku: «Die 50 bekanntesten archäologischen Stätten in Österreich»

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Peter Scherrer

Die 50 bekanntesten archäologischen Stätten in

Österreich


168 Seiten mit 105 Abbildungen, einer Tabelle und einer Karte

Titelabbildung: © oben und Mitte: Peter Scherrer; Kultwagen: Universalmuseum

Joanneum, Graz, unten: © Wolfram Letzner.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2016 by Nünnerich-Asmus Verlag & Media, Mainz am Rhein

ISBN 978-3-945751-61-9

Lektorat: Natalia Thoben, Danilo Blaeser

Gestaltung des Titelbildes: Sebastian Ristow

Gestaltung: Bild1Druck GmbH, Berlin

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2016

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet, dieses Buch oder Teile daraus auf fotomechanischem Wege (Fotokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen oder unter Verwendung elektronischer Systeme zu verarbeiten und zu verbreiten.

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Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Vorarlberg

01 Bregenz – Brigantium: Roms erste und letzte Bastion in der Provinz Raetia

02 Rankweil-Brederis, römische Villa – zwei Bäder für ein Bauernhaus?

03 Göfis, die Heidenburg – ein fester Ort von der Bronzezeit bis in das Mittelalter

Tirol

04 Fliess und der Piller Sattel – Heiliger Rauch und verborgene Opfergaben

05 Birgitz – Die Raetersiedlung auf der hohen Birga

06 Volders–Wattens – Das Himmelreich

07 Dölsach – Aguntum: Ein Hauch Italien in den Alpen

08 Lavant, der Kirchbichl – Kupferbergbau vom Neolithikum bis in die Spätantike

Kärnten

09 St. Peter in Holz – Teurnia: Die Stiftung eines gotischen Statthalters

10 Spittal an der Drau-Molzbichl – Das Kloster und der heilige Nonnosus

11 Dellach – Gurina: Etrusker, Veneter, Kelten und Römer auf der Alm

12 Keutschacher See: Die Pfahlbauinsel

13 Maria Saal – Virunum: Die Römerstadt auf dem Zollfeld

14 Maria Saal – Die Karnburg und der Herzogstuhl im Fokus der Geschichte Kärntens

15 Magdalensberg – Republikanischer Handelsplatz und kaiserliche Goldschmelze

16 Globasnitz-Hemmaberg – Wallfahrtsort für Katholiken und Arrianer?

Salzburg

17 Der Dürrnberg bei Hallein – Der Reichtum der Salzherren

18 Salzburg – Erzabtei auf römischen Häusern

19 Obertauern – Vom Radstädter Tauern zum Leissnitzgraben: Entschleunigen auf römischen Alpenstrassen

20 Uttendorf – Alpine Handwerkstradition im Keltendorf

Oberösterreich

21 See – Steinzeitbauten im Mondsee

22 Weyregg am Attersee – Römische Villa mit Fischzucht

23 Altheim-Weirading – Das römische Badegebäude

24 Wels – Vom Municipium Ovilavis zur Burg Oueles

25 Linz: Die Martinskirche – Graf Gerolds Vermächtnis

26 Enns-Lorch – Legionen und Heilige

27 Wurzeralm (Spital am Pyhrn) – (prä)historische Zeichen im Fels

28 Hallstatt – Der Salzberg und seine Herren

Steiermark

29 Sölkpass – Reisende opfern den Göttern

30 Strettweg-Judenburg – Ein Kultwagen der Hallstattzeit auf großer Fahrt

31 Mixnitz-Röthelstein – Die Drachenhöhle: immer ein sicherer Ort

32 Grossklein – Die Maske des toten Fürsten: die Hallstattsiedlung und ihre Nekropole

33 Frauenberg-Seggauberg bei Leibnitz – Götterberg und Bischofssitz

34 Semriach – Das römische Hügelgrab

35 Hartberg-Ringkogel – Keltischer Wall und römisches Heiligtum?

36 Hartberg-Löffelbach – Die spätantike Villa

Burgenland

37 Bruckneudorf – Vom keltischen Fürstensitz zur spätantiken Kaiserresidenz?

38 Unterrrabnitz – Das Frühmittelalterdorf: leben in einer Umbruchzeit

39 St. Martin an der Raab – Keltische Tradition oder römischer Einfluss? Spuren einer Gräberstrasse

Niederösterreich

40 Asparn an der Zaya – Das Mamuz: Urgeschichte im Experiment

41 Oberleis – Ein germanischer Fürst baut ein römisches Haus

42 Wachau – Die ältesten Österreicherinnen

43 Heldenberg – Die neolithische Kreisgrabenanlage: Ein Kalenderbau?

44 Petronell-Carnuntum – Pompeji vor den Toren Wiens

45 Zeiselmauer – Spaziergang durch das Römerlager

46 Tulln – Das Kastell syrischer Reiter

47 Traismauer – Ein karolingischer Graf befehligt ein ehemaliges Römerlager

48 Mautern – Die Stadt des heiligen Severin

49 Schwarzenbach – Vom Keltenwall zum Keltendorf

Wien

50 Wien, Innere Stadt – Vom Legionslager Vindobona zur Babenbergerresidenz

Zeittafel

Abbildungsnachweis

VORWORT

Archäologische Stätten, seien es Ausgrabungen und daraus resultierende Freilichtmuseen bzw. Archäologische Parks, seien es die wenigen ober Tag erhalten gebliebenen und in späteren Zeiten weiter verwendeten Baudenkmäler der Römerzeit, seien es als Geländemerkmale bis heute sichtbare Grabhügel oder Befestigungswerke, spielen im sog. sanften Tourismus eine zunehmende Rolle. Aber auch für Schulausflüge und Gruppenreisen gehören Bodendenkmäler zum festen Zielrepertoire. Dabei stimmt die gefühlte Bedeutung, resultierend aus der Bekanntheit aus Schulunterricht, Heimatliteratur und Kulturführern sowie der Zugänglichkeit, häufig nicht mit dem tatsächlichen Erhaltungszustand überein.

Das Buch bietet natürlich eine letztlich subjektive Auswahl des Autors. Mir schien es wichtig die gesamte Bandbreite der Epochen von der Altsteinzeit bis in das frühe Mittelalter, von den Anfängen des mitteleuropäischen Menschen bis zum Ende des 1. Jts. n. Chr., einzuarbeiten. Andererseits sollte die Reichhaltigkeit der österreichischen Landschaft mit ihren Klimazonen mit dem relativ offenen Alpenvorland samt dem Donautal und der böhmischen Masse, mit den von Seen und Flusstälern durchzogenen Hoch- und Mittelgebirgen der Ostalpen, mit der fruchtbaren pannonischen Ebene, auch in ihrer archäologischen Vielfalt zur Geltung gebracht werden. Nicht zuletzt galt es, einigermaßen Ausgewogenheit zwischen den Bundesländern herzustellen. Vor allem aber mussten die unterschiedlichen Typen der Siedlungen, Fluchtpunkte in Steinzeithöhlen, in Seen versunkene Pfahlbauten, metallzeitliche Höhensiedlungen, römische Städte, spätantike Wallfahrtsorte und mittelalterliche Pfalzen und Klöster sowie die damit verbundenen Kult- und Wehranlagen, Gräber, Villen, Wirtschafts- und Technikbauten, Bergwerke, Straßen und Herrschaftsplätze dargestellt werden.

Darum möge man verzeihen, wenn irgendjemandes Lieblingsplatz fehlt, dafür mag so manch Neues zu entdecken sein. Und ebenso möge man mir nachsehen, wenn ich mir in manchen Fällen aus dem Erfahrungsschatz meiner Berufslaufbahn als Archäologe erlaubte, die in der Fachliteratur gegebenen Interpretationen und im Lokalbewusstsein verankerten Deutungen zu hinterfragen und Alternativen anzubieten.


Abb. 1 Nachbau eines neolithischen Langhauses im Urgeschichtepark MAMUZ in Asparn/​Zaya.


Westösterreich

Vorarlberg

01 Bregenz

02 Rankweil-Brederis

03 Göfis

Tirol

04 Fliess und Piller Sattel

05 Birgitz

06 Volders – Wattens

07 Dölsach – Aguntum

08 Lavant

Kärnten

09 St. Peter in Holz – Teurnia

10 Spittal an der Drau

11 Dellach – Gurina

12 Keutschacher See

13 Maria Saal – Virunum

14 Maria Saal

15 Magdalensberg

16 Globasnitz-Hemmaberg

Salzburg

17 Dürrnberg bei Hallein

18 Salzburg

19 Obertauern

20 Uttendorf

Ostösterreich

Oberösterreich

21 See

22 Weyregg am Attersee

23 Altheim-Weirading

24 Wels

25 Linz

26 Enns-Lorch

27 Wurzeralm

28 Hallstatt

Steiermark

29 Sölkpass

30 Strettweg-Judenburg

31 Mixnitz-Röthelstein

32 Grossklein

33 Frauenberg-Seggauberg

34 Semriach

35 Hartberg-Ringkogel

36 Hartberg-Löffelbach

Burgenland

37 Bruckneudorf

38 Unterrabnitz

39 St. Martin an der Raab

Niederösterreich

40 Asparn an der Zaya

41 Oberleis

42 Wachau

43 Heldenberg

44 Petronell-Carnuntum

45 Zeiselmauer

46 Tulln

47 Traismauer

48 Mautern

49 Schwarzenbach

Wien

50 Wien, Innere Stadt

Schon von Drusus, dem Stiefsohn des Augustus, beim Alpenfeldzug 15 v. Chr. als Etappenort gegründet, erlangte der Ort in der Spätantike erneut als Militärplatz Bedeutung. Jetzt mussten die Römer schrittweise vor den Alamannen zurückweichen.

01BREGENZ – BRIGANTIUM: ROMS ERSTE UND LETZTE BASTION IN DER PROVINZ RAETIA

Vorarlberg

Erste Ausgrabungen in der Bregenzer Innenstadt fanden schon seit der Mitte des 19. Jhs. durch den reichen Stofffabrikanten Samuel Jenny statt. Die Siedlungsschwerpunkte des römischen Brigantium lagen am sog. Ölrainplateau und in der sog. Oberstadt sowie am Bodenseehafen. Die Ergebnisse der intensiven Grabungstätigkeit sind teilweise in ihrer Interpretation sehr umstritten, die Befunde sind großteils durch moderne Bautätigkeit verschwunden oder mussten wieder zugeschüttet werden.

Um 15 v. Chr. wurde das Gebiet infolge des Alpenfeldzugs unter Drusus, dem jüngeren Stiefsohn des Kaisers Augustus, von den Römern erobert. Zunächst entstand ein Militärlager auf dem Ölrain, etwa im Bereich der ehemaligen Krankenhausgründe südwestlich der Josef-Huter-Straße. Es diente einer 500 Mann starken Truppe (Ausmaße ca. 196 × 140 m) und war in Holz-Erde-Technik mit zwei umgebenden Spitzgräben errichtet. Hier fanden bis 2012 erneut großflächige, noch nicht umfangreich publizierte Ausgrabungen statt. Eventuell gab es bereits auch ein frühes Hafenkastell. Mit dem Vorschieben der rätischen Provinzgrenze an die Donau entstand im 2. Jh. n. Chr. eine reine Zivilsiedlung, die sich aus dem Lagerdorf am Ölrain entlang einer Durchzugsstraße entwickelte. Ungefähr beim heutigen Grundstück Ölrain 13 lag ein ausgedehntes, heute wieder verschüttetes Forum (96,5 × 54,6 m). Die öffentlichen Thermen befanden sich südwestlich des Forums, direkt an der Hauptstraße, auf dem Areal des heutigen evangelischen Friedhofs. Die evangelische Kirche wurde nach den Ausgrabungen Samuel Jennys über einem besonders großen Saal der Thermen (Raum mit dem Kaltwasserbecken oder Eingangshalle?) errichtet. Abgesehen vom Grundriss ist nur wenig von dieser Anlage bekannt. Auch die Datierung des Bauwerks ist unklar. Das Hauptgebäude (20 × 20 m) bestand aus neun teilweise beheizbaren Räumen.

Der einzige sichtbare und zugängliche Befund der römischen Zeit in Bregenz ist die sog. Villa am Steinbühel, die in ihrem erhaltenen Grundriss um 80 n. Chr. errichtet worden sein dürfte und bis in das 2. Jh. n. Chr. genutzt wurde. Die Mauerreste wurden erstmals 1884 von Samuel Jenny untersucht und zwischen 1980 und 1990 beim Bau des City-Tunnels erneut freigelegt und konserviert. Die älteren Deutungen reichen von einer Funktion als Hafenkaserne oder einem Lagerhospital bis zu einem Zentrallager für importiertes Olivenöl und andere Waren. Der äußerst luxuriös ausgestattete, 2.600 m2 große Komplex ist typologisch als Villa suburbana zu bezeichnen und bestand aus 24 Zimmern, die sich um einen 10 × 20,8 m großen Hof gruppierten. Vermutlich war das Hauptgebäude einstöckig und mit einem Satteldach abgedeckt. In einem der Räume fanden sich Reste einer Toilettenanlage. Der Innenhof selbst war zusätzlich an allen Seiten von pfeilergestützten Wandelhallen (porticus) umgeben, die von einem Pultdach abgedeckt waren. Zum Seeufer hin erstreckte sich noch eine Gartenanlage, die ebenfalls von einer porticus mit 2,8 m hohen Säulen umgeben war. Die Eingangshalle im Osten zur Stadt hin wies hingegen 18 Säulen mit wahrscheinlich 5,6 m Höhe auf. Die Wirtschaftsräume befanden sich im Nordflügel des Gebäudes. Knapp nordwestlich stand eine Thermenanlage, die mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls zum Gebäudekomplex der Stadtvilla gehörte. Die Größe und Lage deuten darauf hin, dass der Baukomplex als regionaler Sitz der Provinzialverwaltung diente und hier die zentralen Warentransporte für das Militär ebenso wie die Steuerleistungen der Provinzialbevölkerung gelagert worden sein dürften.


Abb. 2 Bregenz, Steinbühel (Cityknoten), konservierte Grundmauern eines ausgedehnten römischen Baukomplexes mit zentralem Säulenhof.

Vom Hafenkastell am Leutbühel, im Bereich der Fußgängerzone im Zentrum von Bregenz, wurden zwar mehrere, bis zu 31 m lange Mauerstücke ausgegraben, doch heute ist davon im Stadtbild nichts direkt sichtbar. Im Straßenpflaster markieren aber farbige Bereiche die bekannten Mauerabschnitte. Dieses Hafenkastell, Brecantia, das zur Kastellkette des Donau-Iller-Rhein-Limes gehörte und den Abschnitt der Reichsgrenze an Oberrhein und Bodensee sichern sollte, wurde unter Valentinian I. (364–375 n. Chr.) errichtet. Das Fälldatum der Bäume, die für den Fundamentrost als Piloten in den Boden geschlagen wurden, liegt nach Jahresringuntersuchungen im Bereich um die Jahre 362–382 n. Chr. Die Ausmaße des Kastells dürften etwa 70 × 50 m betragen haben, die Stärke der Wehrmauern betrug nach Ausgrabungsergebnissen bis zu 4 m. Vermutlich wurde die Anlage an den Ecken noch durch vier große, vorkragende Türme verstärkt. Die Tore lagen im Nordwesten und Südosten der Mauer. Die meisten Kasernen und Zweckbauten im Inneren dürften mit ihrer Rückwand an die Kastellmauer angebaut gewesen sein. Die hier stationierte Truppe wird in der notitia dignitatum (occ 35. 32) als numerus barcariorum bezeichnet; der zu dem damals Brecantia genannten Kastell gehörende primitive Hafen bot etwa 10 Schnellbooten (naves lusoriae) Platz.

Die zugehörige spätantike Zivilsiedlung lag in der Oberstadt von Bregenz, wo von vielen Archäologen auch ein Kastell vermutet wurde. Da im 3. Jh. n. Chr. die Einfälle der Alamannen zu unruhigen Zeiten für Raetien führten, wurde die Siedlung am Ölrainplateau aufgegeben. Die Bevölkerung zog sich in die Oberstadt zurück, die aufgrund ihrer Lage viel besser zu verteidigen war. Aufgrund der späteren mittelalterlichen Überbauung sind archäologische Befunde jedoch rar. Immerhin wurde an drei Stellen eine 1,5 m dicke Mauer (eines Kastells?) angeschnitten. In der Nähe des späteren Martinsturms wurde eine kleine Badeanlage festgestellt.

Ein Modell des antiken Ortsbildes, die Funde aus der Siedlung und dem gut erforschten Gräberfeld am Ölrain, einige wichtige Inschriften wie eine Ehrung des jüngeren Drusus, Sohns des Tiberius, oder der Nachweis eines Vereins der italischen Händler, sind im Vorarlberg Museum ausgestellt.

Adresse

voralberg museum -

Kornmarktplatz 1

6900 Bregenz

http://www.vorarlbergmuseum.at/

Literatur

S. Deschler-Erb – Ch. Ertel – V. Hasenbach, Kaiserkultbezirk und Hafenkastell in Brigantium. Ein Gebäudekomplex der frühen und mittleren Kaiserzeit, Konstanz 2011; J. Kopf, Indizien für Militärpräsenz im frühkaiserzeitlichen Fundmaterial Brigantiums, in: U. Lohner-Urban – P. Scherrer (Hg.), Der obere Donauraum 50 v. bis 50 n. Chr, Berlin 2015, S. 199–216.

Ein römisches landwirtschaftliches Anwesen mit zahlreichen Gebäuden, die in der Spätantike und im Mittelalter phasenweise als Schmiede fungierten. Wozu aber dienten die einzelnen Gebäude ursprünglich? – Antworten auf eine archäologische Spurensuche.

02RANKWEIL-BREDERIS, RÖMISCHE VILLA – ZWEI BÄDER FÜR EIN BAUERNHAUS?

Vorarlberg

Inmitten einer immer noch vor allem der Landwirtschaft dienenden Ebene im Westen von Rankweil, im Ortsteil Brederis, wurde bereits 1954 ein römisches Gebäude ausgegraben und seine Grundmauern konserviert. Es handelt sich im erhaltenen spätantiken Bauzustand um ein für die römische Kaiserzeit typisches Mittelflurhaus mit zwei Zweiraumgruppen, von denen die südliche beheizt werden konnte und mit einer nach Süden vorspringenden Apsis ausgestattet war. Mitsamt einer heute im konservierten Befund nicht nachvollziehbaren Vorhalle an der Ostseite wies das Gebäude eine Grundfläche von etwa 18 × 20 m auf. Lange Zeit dachte man, das Wohngebäude eines antiken Bauernhofs gefunden zu haben. Im 8./​9. Jh. wurde in den Ruinen ein einzelner erwachsener Mann bestattet, im ausgehenden Spätmittelalter diente das immer noch nutzbare Gemäuer einem Grobschmied; das Haus stand also etwa 1.400 Jahre irgendwie und mit Unterbrechungen in Verwendung.

Erst von 1997 an wurde über zehn Jahre lang ein direkt nördlich benachbartes Gebäude erforscht, das sich bald als der eigentliche Bauernhof vom weit verbreiteten Typ der Porticus-Eckrisalit-Villa herausstellte. Im Vollausbau des 2./​3. Jhs. n. Chr. lag eine repräsentative, nach außen offene Säulenhalle (porticus) zwischen zwei annähernd quadratischen Wohntürmen (Risaliten) mit jeweils ca. 25 m2 Innenraum. Diese dürften nach Parallelen mindestens ein, eher zwei Obergeschosse besessen haben, der südliche war außerdem im Erdgeschoss beheizt. Zur Vergrößerung des Wohnraums wurde in der Südostecke des Hofes ein weiterer beheizbarer Raum eingebaut. Wie bei vielen solcher Villen gab es auch hier im älteren Bestand des 1./​2. Jhs. n. Chr. nur einen unbeheizten Risalit. Der Einbau von Fußbodenheizungen in Wohnräume ab dem späten 2. Jh. n. Chr. hängt mit einer deutlichen Klimaverschlechterung zusammen, die von der Forschung mit Vulkanausbrüchen ungeheurer Ausmaße bald nach 180 n. Chr. in Neuseeland und Südamerika in Zusammenhang gebracht werden.


Abb. 3 Rankweil-Brederis, römische Villa: Im Vordergrund das Nebengebäude mit Apsis, in der Bildmitte der auch als Blickfang dienende turmartige Schutzbau über dem Haupthaus.

Den größten Teil des Gebäudes nahm der ummauerte Hof ein, der in der Spätantike gepflastert und mit einer großen Feuerstelle ausgestattet worden war, und in dessen Umgebung Eisenschlacken auf Schmiedetätigkeiten hinweisen. In früheren Phasen wies der Hof einen Lehmboden auf, was etwa mit einer Funktion als Tenne, zum Trennen von Spreu und Getreidekörnern, in Einklang stünde. Entlang der Hofwände deuten Pfostenstellungen eine innen umlaufende Hallenstruktur an, wohl um Gerätschaften, Vorräte und Brennholz trocken und windgeschützt zu lagern bzw. Kleintierhaltung zu betreiben.

Im 4. Jh. n. Chr. scheint das südliche Bauwerk die Funktion als Wohnhaus von den Risaliten im Haupthaus übernommen zu haben, es könnte aber auch schon vorher als Wohnraum gedient haben, etwa für das Verwalterehepaar. Dieses bewirtschaftete den Hof, da vornehme Römer dies nicht selbst taten. Dafür liegt es aber unüblich nahe am Haupthaus, von der Lage her würde man hier eher ein Bad erwarten. Tatsächlich ähnelt das Gebäude im Grundriss auch einer solchen Anlage mit zwei beheizten Räumen, insbesondere die nach Süden vorspringende Apsis wäre ein typischer Ort für ein Warmwasserbecken. Vielleicht gab es aber auch Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung oder Probleme mit dem verfügbaren Wohnraum.

Tatsächlich wurde im Jahre 2006 in einer Entfernung von etwa 200 m im Osten vom Haupthaus bei der Anlage des Golfplatzes ein Badegebäude entdeckt. Der unüblich große Abstand vom Haupthaus wird von den Ausgräbern damit erklärt, dass dies die wasserreichste Stelle des Grundstücks gewesen sei. Das Bad weist die üblichen fünf Räume in zwei parallelen Raumreihen (Blocktypus) auf, drei davon mit Fußbodenheizungen. Der Umkleideraum (apodyterium) und der Raum mit dem Kaltwasserbecken (frigidarium) lagen im Westen, dann ging man weiter zu einem beheizten Aufenthaltsraum (tepidarium), darauf zum Raum mit der wegen der Temperaturausnutzung nach Süden ausgerichteten Warmwasserwanne und gelangte schließlich in einen kleinen Heißluftraum ähnlich einer modernen Sauna (laconicum).

Der Bauernhof liegt im Einzugsbereich auf der sog. Tabula Peutingeriana, einer auf die Antike zurückgehenden Landkarte, in dieser Gegend verzeichneten Ortschaft Clunia. Diese ist wahrscheinlich im heutigen Feldkirch, 1,5 km weiter im Süden anzusiedeln, wie etwa der ausgedehnte römerzeitliche Baukomplex „Uf der Studa“ in Feldkirch-Altenstadt nahelegt.

Ein kleiner Teil im Südost-Eckbereich des Hofgebäudes wurde mit einem turmartig in die Landschaft ragenden Schutzbau (implantierte, begehbare Skulptur aus COR-TEN-Stahl von Marte. Marte Architekten ZT GmbH) versehen, um Originalbausubstanz zeigen zu können. In einer „Vitrine“ daneben werden Nachbildungen von Funden aus der Villa gezeigt. Alle übrigen Mauern der drei römischen Bauten wurden winterfest neu aufgemauert und solcherart sichtbar konserviert.


Abb. 4 Blick auf die implantierte, begehbare Skulptur aus COR-TEN-Stahl von „Marte. Marte Architekten ZT Gmbh“ über der Villa in Rankweil-Brederis.

Adresse

6830 Rankweil

Kirchstraße,

beim Sportplatz Brederis und auf dem Gelände des Golfplatzes

http://www.rankweil.at/​nexus4/​Web Objects/​xCMS4.woa/​wa/​article?id=45944 &rubricid=68&menu id=1326.

Literatur

J. Pöll (Hg.), Archäologische Forschungen bei der Römervilla in Rankweil-Brederis, Grabung 2004, Rankweil 2008 (= Dokumente Rankweil, Bd. 6); J. Kopf, Wohngebäude, Begräbnisstätte oder Schmiede? – Ein Nebengebäude der villa rustica von Brederis/​Rankweil (Vorarlberg) im Wandel der Zeit, in: Akten des 13. Österreichischen Archäologentages, Wien 2012, S. 339–344.

Versteckte Hochplateaus boten zu allen Zeiten guten Schutz vor Feinden. Mit einer Siedlungsgeschichte seit der frühen Bronzezeit ist die Heidenburg ein typischer Vertreter prähistorischer und frühgeschichtlicher Rückzugs- und Kultplätze.

03GÖFIS, DIE HEIDENBURG – EIN FESTER ORT VON DER BRONZEZEIT BIS IN DAS MITTELALTER

Vorarlberg

Die Heidenburg darf als Prototyp einer bereits früh, aber schlecht erforschten, nicht touristisch hergerichteten und nicht ohne weiteres zugänglichen, wildromantischen archäologischen Landschaft bezeichnet werden. Sie liegt auf dem durch einen Graben zweigeteilten Plateau eines langgestreckten Felsriegels (724 m ü. M.), mit senkrechten Felswandabbrüchen im Südwesten und im Nordosten nach Göfis hin. Hier befindet sich eine gut getarnte, seit der Bronzezeit mehrfach befestigte Siedlungsfläche, in der bereits von 1826 bis 1947 verschiedentliche Ausgrabungen stattfanden.

Bereits in der frühen Bronzezeit (3./​2. Jt. v. Chr.) dürfte auf dem Südteil die Anlage eines Ringwalles erfolgt sein, der bis in die Latènezeit (4.–1. Jh. v. Chr.) benutzt und immer wieder instand gesetzt wurde. In der Urnenfelderzeit, am Ende des 2. Jts. v. Chr., wurde ein Brandopferplatz angelegt: Eine quadratische Steinsetzung auf ca. 16 m2 Fläche bildete die Basis für einen 0,4 m hohen, aus ungefähr 1.000 Gefäßen gebildeten Scherbenhaufen. Der Typ des Brandopferplatzes gleicht Anlagen in Südtirol, die Keramik weist jedoch Beziehungen zur süddeutschen und ostschweizerischen Urnenfelderkultur auf.

Ab etwa 260 n. Chr. diente die Heidenburg wegen der zunehmenden Gefahr durch die Alamannen als befestigte Fluchtburg der römischen Landbevölkerung und wurde bis in das 5. Jh. n. Chr. hinein besiedelt. Von der Wehranlage hat sich im Süden vor allem ein mächtiger, sehr schlampig und offensichtlich eilig gebauter Turm (Plan: D; 12 × 8 m Außenmaße mit 2,5–2,7 m dicken Mauern) erhalten, an den im Osten eine aus Quadern gebildete Ringmauer ansetzt. Der Turm dürfte, nach starken Brandspuren im Torbereich zu urteilen, in einem Schadfeuer zugrunde gegangen sein. Ungeklärt ist bisher die Funktion von drei etwa 0,4 × 0,5 × 0,5 m großen Aussparungen in der Außenseite der Turmwestmauer geblieben.

Unmittelbar nördlich des Turms wurde ein nur im Fundament erhaltenes Gebäude (Plan: E; Länge 31,5 m) mit vier in einer Flucht liegenden Räumen ausgegraben, wie es vom Typ her an militärische Mannschaftsbaracken erinnert, aber auch in römischen Zivilsiedlungen vorkommt und in der Spätantike besonders häufig anzutreffen ist. Drei Räume wiesen dieselbe Breite von knapp 10 m auf, der vierte sprang um 2 m aus der Flucht nach Süden vor. Pfostenlöcher weisen darauf hin, dass vor den drei schmäleren Räumen ein geschützter Bereich mit Vordach lag.


Abb. 5 Übersichtsplan zu den römischen und mittelalterlichen Bauten auf der Heidenburg: A) Bergfried (12. Jh.); C) und E) spätrömische Wohngebäude; D) spätrömischer Turm mit angesetzter Ringmauer; F) vermutliche Saalkirche (alamannisch?).

Als besonders schwierig zu interpretieren darf ein ungefähr in der Mitte des Plateaus liegendes Gebäude mit Resten eines Gussmörtelfußbodens (Plan: F; Innenmaße: 7 × 4,5 m) angesehen werden. An der als Ostwand (eigentlich Südostwand) bezeichneten Seite lag vor der 0,5 m starken Mauer ein etwa 1 m2 großes gemörteltes, etwas aus der Mittelachse verschobenes Fundament, das der Ausgräber Adolf Hild als Altarsockel interpretierte. Dadurch schien das für eine spätantike Höhensiedlung obligatorische Gotteshaus in der im Alpenraum nach damaligem Forschungsstand (1947) durchaus glaubwürdigen Form einer einfachen rechteckigen Saalkirche gefunden. Heute wird dieser Bau in der Fachliteratur zum frühen Christentum meist gar nicht mehr erwähnt, da der Altar in der Spätantike auch in einfachsten Kirchen in den Raum gerückt sein und vor einer U-förmigen Priesterbank stehen sollte. Interessanterweise gibt es aber im alamannischen Frühmittelalterdorf Berslingen bei Schaffhausen einen fast identischen Befund einer etwas größeren Rechteckkirche (10,6 × 6 m) mit demselben einfachen Altarfundament an der Ostwand. Allerdings ist in Berslingen eindeutig eine Abschrankung des Altarraums nachgewiesen, was in Göfis aufgrund der schlechten Befundlage und rudimentären Grabungsmethodik der Nachkriegszeit leicht übersehen worden sein bzw. einfach nicht mehr feststellbar gewesen sein könnte. Darf man demnach doch eine Kirche auf der Heidenburg annehmen, und zwar eine bisher ausgesprochen selten nachgewiesene, ländliche alamannische Eigenkirche? Vermutlich um die Mitte des 12. Jhs. wurde auf der Nordkuppe eine mittelalterliche Burg mit einem bergfriedartigen Turm (Plan: A) errichtet, der von einer polygonalen Ringmauer geschützt wurde. Der Name dieser als Edelfreisitz einzustufenden Anlage ist unbekannt. Da innerhalb der Ringmauer auch ein bisher spätrömisch datiertes Gebäude (Plan: C; innere Weite 4,7 × 5 m) mit einem Treppenabsatz und mehreren Herdstellen aufgefunden werden konnte, dem sich die oder das sich der Ringmauerführung auffällig anpasst, könnte die Datierung eventuell neu gedacht werden: Entweder geht die Ringmauer im Kern auf die Spätantike zurück oder aber das Gebäude gehört doch eher in das Mittelalter. Wenn man nun noch den oben angedeuteten Kirchenbefund ins Kalkül zieht, müsste auch für die mittelalterliche Burg eine Vorgängerphase ungefähr im 8. Jh. zu überlegen sein.

So erscheint bei der Heidenburg nicht nur ihr Erscheinungsbild als ein wildromantischer Ruinenort, auch die Deutungen mancher archäologischer Befunde wurden und werden bisher eher vom Zeitgeist und einer bestimmten Erwartungshaltung geprägt, als von sicherem Wissen bestimmt.


Abb. 6 Die urgeschichtliche Wallanlage ist im Gelände über weite Strecken leicht zu verfolgen.

Adresse

Zugang von Göfis über die Etze, Heidenberg über die Bünt oder die Walgaustraße

http://www.goefis.at/​

http://wiki.imwalgau.at/wiki/​Heidenburg_G%C3%B6fis​

Literatur

G. Grabher, Die Höhensiedlung Göfis-Heidenburg, in: N. Hasler u. a. (Hg.), Im Schutze mächtiger Mauern. Spätrömische Kastelle im Bodenseeraum, Frauenfeld 2005, S. 98–101.

Der Ort Fließ im Oberinntal war von der frühen Bronzezeit bis zum Eintreffen der Römer kontinuierlich besiedelt. Die Häuser standen relativ tief im Inntal, wo auch heute noch gewohnt wird. Hoch über der Siedlung aber thronte in 1.560 m Höhe auf dem Piller das zentrale Heiligtum der Region.

04FLIESS UND DER PILLER SATTEL – HEILIGER RAUCH UND VERBORGENE OPFERGABEN

Tirol

Bis 1990 war das Oberinntal archäologisch ein (fast) weißer Fleck. In den folgenden 20 Jahren aber wandelte sich der an der von Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) angelegten Staatsstraße via Claudia Augusta liegende Bereich des Inntals zu einem der wichtigsten Fundgebiete Westösterreichs. Die von der Adria über den Reschenpass in das Nordtiroler Inntal, über Imst und Reutte in das Lechtal und weiter zur Donau führende Straße war die Schlagader der Provinz Raetien. Der Nordtiroler Bereich der Straße wird von der Universität Innsbruck in einem langfristigen Forschungsprojekt intensiv erforscht.

In der bis dahin archäologisch völlig unauffälligen Ortschaft Fließ im Bezirk Landeck trat im Oktober des Jahres 1990 bei Aushubarbeiten auf dem Kathreinhof in 1,5 m Tiefe eine große Anzahl von Metallgegenständen zutage. Die Bauersleute sammelten alles ein und brachten es den Behörden zur Kenntnis: Damit begann eine fast einmalige Erfolgsgeschichte der Zusammenarbeit von suchenden Laien und bergenden bzw. grabenden Profi-Archäologen. Bereits 1992 wurde im Ort ein archäologisches Museum gegründet, das heute einen einmaligen Besitzstand vorzeigen kann.

Der hallstattzeitliche Depotfund von Fließ ist mit insgesamt 386 Stück der größte Hortfund auf Nordtiroler Boden und deckt den Zeitraum von etwa 700 bis 550 v. Chr. ab. Neben 53 Beilen und Gefäßbruchstücken waren vor allem Tracht- und Schmuckteile wie Fibeln, Arm- und Fußreifen vertreten. Einen besonderen Stellenwert nehmen 38 zum Teil mit Sonnenbarken und Vogel- sowie Pferdemotiven verzierte Gürtelblechfragmente ein – mehr, als bisher in ganz Mitteleuropa gefunden wurden. Sie gehörten zur Tracht vornehmer Damen und geben nach Meinung vieler Prähistoriker Auskunft über Glaubensvorstellungen der älteren Eisenzeit.


Abb. 7 Bronzenes Gürtelblech aus dem hallstattzeitlichen Schatzfund von Fließ mit Darstellung einer Sonnenbarke.

Während im Fließer Zentrum im Jahre 2000 und im Ortsteil Silberplan noch 2007 prähistorische Häuser durch Bauarbeiten völlig zerstört wurden, konnte ab 2011 beim Bau des neuen Gemeindezentrums eine Reihe von Häusern der Hallstatt- und Latènezeit (8.–1. Jh. v. Chr.) sorgfältig ausgegraben und ein sog. Raetisches Haus in einem Tiefgaragenbereich zugänglich konserviert werden. Nach den bisherigen Vorberichten lässt sich Folgendes rekonstruieren: Das in seiner älteren Phase ca. im späten 6. oder 5. Jh. v. Chr. errichtete, ungefähr 0,6–1,2 m in den Lehmboden eingesenkte Gebäude weist die typischen Merkmale dieses in Tirol häufigen Haustyps auf. Der Innenraum ist etwa quadratisch mit bis zu 8 m lichter Weite. Den Zugang bildet ein gewinkelter, aus mächtigen Steinschlichtungen gebildeter Korridor. Ungewöhnlicherweise besitzt das Gebäude aber an der Ostwand von Süden her einen zweiten Zugangskorridor. Das Untergeschoss wird größtenteils von einem Raum mit dicken Steinmauern eingenommen, auf dessen Fußboden in einer Reihe drei Steinplatten als Unterlagen für die Stützen der Holzdecke des Obergeschosses erhalten geblieben sind. Der Raum weist außerdem einen wasserdichten Verschlag (Seitenlänge ca. 1,2 m) aus lehmverschmierten Steinen und eine große Grube auf, neben der bei der Ausgrabung eine höchst bemerkenswerte Bestattung zutage kam.


Abb. 8 Das raetische Haus in Fließ (Tiefgarage im Gemeindezentrum) während der Konservierungsarbeiten (Winter 2015).

Diese Bestattung war nach einer Brandzerstörung (Radiocarbondatierung zwischen 380 und 200 v. Chr.), aber vor der Wiederherstellung des Hauses vonstattengegangen und betraf einen etwa 40–50-jährigen Mann von 1,60 m Körpergröße und kräftiger Statur. Mögliche Todesursache waren schwere Verletzungen am Kinn und Hinterhaupt, während ebenfalls rund um den Todeszeitpunkt erfolgte Frakturen an den Schienbeinen und dem rechten Wadenbein mit Kampfverletzungen oder Folter erklärt werden können, kaum aber als postmortale Folgen der Niederlegung in einer Grube von nur 1,35 m Durchmesser. Man mag sich in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass die Römer gekreuzigten Verbrechern die Unterschenkel zerschlugen, womit ein Entkommen bzw. Überleben auch ohne Bewachung wegen der bald einsetzenden Embolien unmöglich wurde. Sonst wurden in der Grabgrube nur einige Tierknochen gefunden. Da normalerweise die Raeter ihre Toten verbrannten und keinesfalls in Häusern bestatteten, dürfte die Bestattung eventuell als ritualisierte Bestrafung erfolgt sein. Dafür spricht auch, dass das Gebäude sonst völlig leergefegt war; lediglich ein Schafsknöchel (Astragal), in der Antike für magische Zwecke wie Weissagungen benutzt, lag auf dem Fußboden. Die Grabgrube wurde mit Steinen dicht abgedeckt, dann wurde das Haus mit Brandschutt gefüllt und ein neuer Fußboden verlegt, ehe es bis mindestens in das 2. Jh. v. Chr. weiterbenutzt wurde. Zu ergänzen bleibt, dass die Wohnungen immer in einem Obergeschoss lagen, während die Halbkeller meist als Vorratsräume oder Stallungen dienten.


Abb. 9 Der Brandopferplatz auf der Pillerhöhe, Zustand nach Abschluss der Ausgrabungen mit der „Skulpturenprozession“.

Im Jahre 1991 entdeckten zwei Fließer Bürger an der 1.560 m hoch gelegenen Passhöhe des Piller Sattels, etwa 6 km von Fließ entfernt, einen von der mittleren Bronzezeit bis in die Spätantike benutzten Brandopferplatz, der systematisch ausgegraben und anschließend rekonstruiert wurde. Im Zentrum des Kultes stand der Aschenhügel, der schlussendlich einen Durchmesser von 12 bis 15 m und eine Höhe von 2,5 m erreicht hatte. Er bestand ausschließlich aus der Asche des Brennholzes, den Knochen der Opfertiere und den übrigen Opfergaben. Im Erdreich westlich des Aschehügels befindet sich der eigentliche Altar (3 × 3,5 m). Heute stellt der Bereich ein beliebtes touristisches Ziel dar: Eine moderne Skulptur beim Hauptaltar dient als Landmarke und Darstellungen einer der Hallstattzeit nachempfundenen Prozession von Bronzefiguren umkreisen den neu aufgeschütteten Brandopferaltar in einer beeindruckenden landschaftlichen Kulisse hoch über dem Inntal.

Die am Aschenaltar verbrannten Opfergaben veränderten sich im Laufe der langen Nutzungsdauer. Vom 15. bis in das 5. Jh. v. Chr. wurden vor allem die ungenießbaren Teile von Rindern, Schafen und Ziegen geopfert, deren Fleisch offensichtlich im Rahmen von Festmählern der Kultgemeinde verzehrt wurde. Ab dem 6. Jh. v. Chr. lösten zunehmend wertvolle Sachgüter wie Schmuck, Trachtbestandteile, Werkzeuge und Waffen die Tieropfer ab. Dabei wurden statt echter Waffen als symbolische Opfergaben häufig Miniaturschilde aus Bronze und Eisen niedergelegt, was für Initiationsriten am Übergang von der Jugend in den Kriegerstand spricht, da diese jungen Leute ihre richtigen Waffen noch benötigten. Die teuren echten Waffen und Schmuckstücke könnten hingegen im Namen Verstorbener oder als Beute geopfert worden sein. Besonders eindrucksvoll sind zwei plastische Männchen, die Adoranten (Betende) darstellen dürften. In römischer Zeit wurden zunehmend Münzen geopfert, wohl hauptsächlich von Reisenden zur glücklichen Heimkehr oder Rückkehr, ein Brauch, der sich bis in die Gegenwart der abendländischen Kulturen gehalten hat. Mit der Ausbreitung des Christentums im 4. Jh. n. Chr. wurde der Kultplatz aufgegeben.

In der unmittelbaren Umgebung des Brandopferplatzes wurden bereits seit der Frühbronzezeit (erste Hälfte 2. Jt. v. Chr.), also bevor die Verbrennungen von Tieren im großen Stil begannen, wertvolle Metallgegenstände wie Schmuck, Waffen und Werkzeuge (und wohl auch nicht mehr nachweisbare organische Opfergaben), manchmal gemeinsam mit erdigen Brandrückständen (Opferkuchen?), in Felsspalten versenkt. Der Bereich der Pillerhöhe war also schon vor dem Beginn der rituellen Festmähler ein heiliger Ort.

Etwa 1 km vom Brandopferplatz entfernt wurde 2001 am Moosbruckschrofen am Piller von archäologisch interessierten Einheimischen ein besonders umfangreicher und in seiner Zusammensetzung komplexer Bronzeschatzfund der mittleren Bronzezeit entdeckt und von Archäologen sachgemäß geborgen. In einer Felsspalte war ein Keramiktopf versenkt worden, der mit teilweise absichtlich zerbrochenen, teilweise fragmentarischen Bronzegegenständen verschiedenster Art, Waffen, Werkzeug und Trachtbestandteilen gefüllt war: 167 Sicheln bzw. sog. Sichelbarren (genormte Halbfabrikate), 80 Beile, zwei Schwerter, ein halber Helm, Schmucknadeln, aber auch Rohmaterialien wie Gusskuchen und Gussrohlinge, die auf lokales Bronzehandwerk hinweisen. Die Objekte können zwischen 1550 und 1300 v. Chr. datiert werden und belegen den extrem langen Zeitraum von einem Vierteljahrtausend, in dem der Hort zusammengetragen wurde. Wahrscheinlich handelt es sich um eine kultische Deponierung beim Aufräumen eines Heiligtums, eventuell auch, um die Opfergaben vor einem Feind zu verbergen. Vielleicht sind dies die Überreste eines Vorgängers des Brandopferplatzes auf der Pillerhöhe. Das Fehlen von Patina zeigt, dass die Objekte vor der Verbergung sorgfältig aufbewahrt und regelmäßig gepflegt worden sind, wie dies auch aus Heiligtümern im griechischen Ägäisraum bekannt ist.


Abb. 10 Der bronzezeitliche Festplatz auf der Piller Höhe wurde nach Abschluss der Ausgrabungen mit modernen Skulpturen gestaltet.

Adressen

Archäologisches Museum Fließ

Dorf 89

6521 Fließ

Tel. +43 5449/​20065

E-Mail: museum@fliess.at

http://www.museum.fliess.at/

Naturparkhaus Kaunergrat (direkt beim Brandopferplatz Piller Höhe)

Gachenblick 100

6521 Fließ

Tel. +43 5449/​6304

E-Mail: naturpark@kaunergrat.at

http://www.kaunergrat.at

Literatur

G. Tomedi, Der bronzezeitliche Schatzfund vom Piller, Fließ 2004 (= Schriften mvsevm FLIESS, Bd. 1); W. Stefan (Hg.), Der hallstattzeitliche Schatzfund von Fließ, Fließ 2008 (= Schriften mvsevm FLIESS, Bd. 2);

W. Stefan (Hg.), Der Brandopferplatz auf der Pillerhöhe bei Fliess, Fließ 2010 (= Schriften mvsevm FLIESS, Bd. 3);

W. Stefan (Hg.), Prähistorische Häuser im Tiroler Oberland, Fließ 2014 (= Schriften mvsevm FLIESS, Bd. 4), S. 44–71.

Die vorrömische Siedlung auf der Hohen Birga wird gerade neu untersucht – und wie so oft, ist alles anders, als es nach den Ausgrabungen rund um den Zweiten Weltkrieg schien.

05BIRGITZ – DIE RAETERSIEDLUNG AUF DER HOHEN BIRGA

Tirol

Auf der Hohen Birga in Birgitz, einem trotz seines Namens kleinen, aber steilen, stark bewaldeten Hügel am nördlichen Ortsrand, befindet sich ein archäologisches Freigelände im unmittelbaren Umkreis der Landeshauptstadt Innsbruck. Ein archäologischer Lehrpfad leitet den Besucher über den Hügel.

Noch heute sind drei künstliche Terrassen zu erkennen, mit denen ebene Siedlungsflächen geschaffen wurden. Überall im Gelände zeigen sich außerdem die Gruben der ehemals in den Hügel eingetieften Gebäude. Bereits 1937/​38 und 1954/​56 förderten erste Ausgrabungen eine Siedlung der mittleren und späten Latènezeit (3. bis 1. Jh. v. Chr.) mit etwa einem Dutzend raetischen Häusern zutage. Im Zuge der römischen Invasion 15 v. Chr. dürfte das Dorf in Flammen aufgegangen und nie mehr besiedelt worden sein. Der vom damaligen Ausgräber zu Unrecht als Zisterne gedeutete Bau VI entpuppte sich bei neuesten Untersuchungen als Wohnhaus und wird derzeit zur Konservierung vorbereitet.


Abb. 11 Birgitz, Hohe Birga: Blick in Haus X der raetischen Siedlung mit befundgestützter Nachstellung der Holzkonstruktionen im Untergeschoss.

Modern erforscht und für Besucher befundgetreu konserviert ist bisher nur Haus X mit einem typisch gewinkelten, aus schweren Steinplattenmauern gebildeten Zugangskorridor von 6,7 m Länge und 1 m Breite. Diese Trockenmauerkonstruktion mit noch immer annähernd 2 m Höhe dürfte mit großen Steinplatten abgedeckt gewesen sein. Der halb in den Naturboden versenkte Hauptraum des Untergeschosses bot etwas mehr als 20 m2 Fläche und besaß nach dem Grabungsbefund Holzbohlenwände in Blockbautechnik, nach außen wurde das Gebäude aber gegen Hangdruck und Feuchtigkeit durch schwere Steinsetzungen isoliert. Das Obergeschoss ragte wohl ebenfalls in reiner Holzbauweise etwas über das Untergeschoss vor und bildete somit gleichzeitig einen wettergeschützten Vorplatz aus. Die hier erstmals gelungene genaue Beobachtung der raetischen Bautechnik lässt wertvolle Rückschlüsse auf die gleichzeitigen ähnlichen Siedlungen in Nord- und Südtirol sowie dem Engadin zu.

Im Gemeindeamt bietet ein kleines, liebevoll gestaltetes Museum neben dem Fundmaterial auch gute Einblicke in die Arbeitsweise moderner Feldarchäologie mit ihren naturwissenschaftlichen Begleituntersuchungen.


Abb. 12 Schaubild mit dem vermutlichen Aussehen der raetischen Siedlung auf der Hohen Birga auf einer der Informationstafeln vor Ort.

Adresse

Raetermuseum Gemeindeamt

Fundamt Birgitz

Dorfplatz 1

6092 Birgitz

Tel. +43 5234/​33233

E-Mail: gemeinde@birgitz.tirol.gv.at

http://www.innsbruck.info/​axamsbirgitz-grinzens/​service/​infrastruktura-z/​detail/​infrstruktur/​birgitz-1.html

Literatur

http://www.uibk.ac.at/​zentrum-alte-kulturen/​home/​jahresbericht 2009.pdf;

http://www.uibk.ac.at/zentrum-alte-kulturen/​home/​jahresbericht 2010.pdf​

Dem Läufer auf dem Fitnessparcours und dem Wanderfreund auf seinem Rundweg bietet sich der Anblick von konservierten Hausruinen der raetischen Siedlung im Himmelreich in Volders.

06VOLDERS–WATTENS – DAS HIMMELREICH

Tirol

Am Ortsrand von Volders, an der Grenze zur Gemeinde Wattens mit den berühmten „Glaswelten“, liegt ein langgezogener Hügel (höchster Punkt bei 643 m Seehöhe): Das Himmelreich, auf dessen Plateau ein Ringwall eine Gruppe von sechs raetischen Wohnhäusern, einer Zisterne und einigen Nebengebäuden schützte. Die Zisterne mit einer Tiefe von 14 m konnte 14.000 l Wasser speichern. Die Häuser besaßen mit nur einer Ausnahme die üblichen gewinkelten Zugangskorridore mit schweren Steinmauern, während die Wohnräume selbst in zwei Stockwerken aus Baumstämmen in Blockbauweise gebildet wurden. Eine Besonderheit stellt die Tatsache dar, dass die Häuser verhältnismäßig tief eingegraben waren und den geebneten Felsen als Fußboden des Untergeschosses nutzten. Haus V wurde als Doppelhaus mit zwei parallel liegenden Räumen konstruiert.


Abb. 13 Volders, raetische Siedlung im Himmelreich, Haus V, ein seltenes „Doppelhaus“.

Da über die soziale Struktur der Raeter kaum etwas bekannt ist, muss offen bleiben, ob die auf Hügeln verstreuten, relativ kleinen Siedlungen mit 30 bis max. 200 Einwohnern für die Gefolgschaft eines adeligen Herrn errichtet wurden, wie in der Literatur auch wegen des anscheinend deutlich hervorgehobenen Hauses V von Volders meist angenommen wird. Der Befund von sonst gleichartigen und ungefähr gleich großen Familienwohnhäusern spricht aber eher für dörfliche Siedlungen als für Adelssitze. Die Siedlung wurde nach dem vorhandenen Fundmaterial vom 4. bis 1. Jh. v. Chr. genutzt. Eine Brandschicht deutet an, dass sie im Zuge der römischen Invasion dasselbe Schicksal ereilte wie die Siedlung auf der Hohen Birga.

Allerdings belegen römische und spätantike Münzen und andere Funde zumindest ein gelegentliches Wiederaufsuchen des geschützten Plateaus bis zum 4. Jh. n. Chr., vor allem in der Notzeit am Ende der Römerherrschaft. Gelegentlich wird auch aufgrund dieser Fundsammlungen vom 4. Jh. v. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr. ein Brandopferplatz im Himmelreich vermutet. Prähistorische Brandopferplätze wurden aber üblicherweise nicht in Siedlungsarealen und meist auch an viel höheren Standpunkten gegründet.

Die Funde vom Himmelreich und einem Urnengräberfeld des 13. Jhs. v. Chr. mit über 430 Gräbern sind im Museum Wattens zu besichtigen. In Volders in der Augasse wurde auch das bisher größte frühmittelalterliche Gräberfeld Nordtirols (um 700 n. Chr.) mit 148 Bestattungen erforscht. In Wattens wurden 2014 römische Baubefunde und ein Schatz von 460 Silbermünzen (vor Mitte 3. Jh. n. Chr.) bei Bauarbeiten für die Erweiterung der Swarovski-Glaswelten entdeckt, die in das Ausstellungsgelände integriert werden sollen.


Abb. 14 Auf zahlreichen wetterfesten Schautafeln werden vor Ort Erklärungen und Rekonstruktionszeichnungen zur raetischen Siedlung im Himmelreich geboten.

Adressen

Freilichtmuseum Himmelreich

beim Hochschwarzweg

6111 Volders

Museum Wattens im der Volksschule vorgelagerten Gebäude

Höraltstraße 4

6112 Wattens

Tel. +43 5224/​54012

E-Mail: office@museum-wattens.at

http://www.museum-wattens.at

Literatur

K. Sinnhuber, Die Altertümer vom „Himmelreich“ bei Wattens. Ein Beitrag zur Vorgeschichte des tirolischen Unterinntales, Innsbruck 1949 (= Schlern-Schriften, Bd. 60).

Sie ist zwar die kleinste Römerstadt auf österreichischem Boden, wartet aber mit einer Reihe von Besonderheiten auf. Aguntum beherbergt etwa ein typisch italisches Atriumhaus oder einen Fleischmarkt mit Gebirgswasserkühlung.

07DÖLSACH – AGUNTUM: EIN HAUCH ITALIEN IN DEN ALPEN

Tirol

Im heutigen Osttirol befand sich in vorgeschichtlicher Zeit das Siedlungsgebiet des keltischen Stammes der Laianci, die der Bezirksstadt Lienz ihren Namen vererbt haben. Nur wenige Kilometer flussabwärts, bei Dölsach, liegt Aguntum, eine unter Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) zum autonomen municipium (Statutarstadt) erklärte Straßensiedlung als antiker Zentralort des Lienzer Beckens. Der Ort lag genau am Gabelpunkt der über den Großglockner nach Salzburg und weiter in den Donauraum führenden Straße und dem über das Pustertal nach Rom ziehenden Hauptverkehrsweg entlang der Drau. Daher wurde Aguntum auch nicht wie die meisten anderen römischen Städte mit einem rechtwinkligen Straßenraster ausgestattet, die öffentlichen Bauten im Zentrum orientierten sich vielmehr an einer der beiden Fernstraßen.

Heute empfängt den Besucher direkt an der Bundesstraße 100 ein ausgedehntes Ruinengelände mit einem modernen großzügigen Museumsbau. Vom Parkplatz des Museums bzw. von der neuen Brücke der B 100, die direkt über das Schutzhaus über dem antiken Atriumhaus verläuft, kann man sich einen ersten Überblick über das Ruinengelände verschaffen. Auch die Topografie mit dem tief in das Gelände eingeschnittenen Bett des aus 2.500 m Höhe herabstürzenden Debantbachs lässt sich von hier aus gut erfassen. Der Bach begrenzte im Westen und Süden das Verbauungsgebiet der Römerstadt, das im Laufe der Jahrhunderte durch ihn teilweise abgegraben bzw. mit meterhohen Murenablagerungen und großen Geröllbrocken überdeckt wurde.

Anschließend geht man am besten auf der Nordseite der B 100 an den Resten einiger Wohn- und Gewerbebauten der Spätantike vorbei und auf antiker Straßenlinie von Osten auf das ursprünglich 3,5 m breite und später auf 9,5 m erweiterte Haupttor der sog. Stadtmauer zu. Das Tor besitzt in seiner wohl mittelkaiserzeitlichen Ausbaustufe zwei Durchfahrten und wird beidseits von je einem quadratischen Turm flankiert. Da beide Türme an der stadtauswärtigen, vom Tor abgewandten Seitenmauer einen ebenerdigen Eingang besitzen, kann die Anlage zumindest in ihrer ursprünglichen Bestimmung nicht Verteidigungszwecken gedient haben. Zwei weitere, kleinere Durchgänge (lichte Weite 3,5 m) in der sog. Stadtmauer befanden sich in verschiedenen Zeitstufen weiter im Süden und führten auf ein Gelände, das in noch ungeklärter Weise zum anschließend zu besprechenden Atriumhaus gehörte. Das Material aus Abfallgruben in diesem Gelände, die der sog. Stadtmauer zeitlich vorausgehen, erlaubt eine Datierung der Mauer im bereits fortgeschrittenen 1. Jh. n. Chr., also noch in der Frühphase der Stadt. In dieser seit der Eingliederung von Noricum in das römische Reich im Alpenfeldzug (16/​15 v. Chr.) anhaltenden Friedenszeit gab es aber für die Errichtung von Stadtmauern keinen äußeren Anlass. Aguntum wäre damit das einzige municipium der ganzen Provinz gewesen, das in der frühen oder mittleren Kaiserzeit eine Stadtmauer erhalten hätte. Dieses Privileg stand bis in die Notzeit der Spätantike nur dem ranghöheren Stadttyp der colonia zu.


Abb. 15 Aguntum, Gesamtplan der Ausgrabungen.

Es gibt auch an den übrigen Seiten der Stadt keinerlei Hinweise auf eine derartige Fortifikation. Deswegen wird der Zweck dieser schnurgeraden, auf einem 3,5 m breiten Fundament errichteten Ostmauer in der Forschung seit Jahrzehnten heftig diskutiert. Vorschläge für eine Funktion als Murenabwehrriegel oder Sperrmauer gegen die das Drautal heraufziehenden Horden der germanischen Markomannen um 170 n. Chr. fanden aber nur wenig Anklang, schon deshalb, weil Wohnbauten des 2./​3. Jhs. n. Chr. zu beiden Seiten der Mauer festgestellt werden konnten. Einen bisher unbeachteten Hinweis gibt die Bautechnik selbst. Die nur alle 14,8 m (50 röm. Fuß) mit Querriegeln verbundenen, drei Fuß breiten Mauerschalen bildeten einen Kanal aus, der bei der Ausgrabung mit Erde und losen Steinen verfüllt war. Eine derartige Bauweise ist für Stadtmauern ungeeignet, in Verbindung mit der schnurgeraden Mauerführung aber für eine Wasserleitung durchaus angemessen. Für die definitive Zuweisung einer solchen Funktion wären aber die bisher fehlenden Kenntnisse zu den Endpunkten und der ursprünglichen Mauerhöhe wichtig. Eine mit einem Aquädukt zu kombinierende Möglichkeit wäre, dass die dadurch entstandene Sperre nicht gegen feindliche Truppen gerichtet war, sondern der Kontrolle von durchziehenden Viehherden und Handelskarawanen diente. Über das Pustertal lief die bequemste und für Viehtriebe am besten geeignete Route aus dem gesamten zentralen Ostalpenraum nach Italien. Die Überwachung war denkbar einfach. Sollte die Mauer irgendwo eingerissen werden, um mit einer Herde oder Karawane den Kontrollposten des staatlichen Zolls am Tor zu umgehen, versiegte sofort das über den Kanal zum Torturm geleitete Wasser und alarmierte die dort postierte Wache.


Abb. 16 Aguntum: Blick auf die sog. Stadtmauer mit dem nördlichen Torturm und das anschließende Ruinengelände des Atriumhauses, mit dem Schutzbau über dem Atriumbereich.

Betritt man die Stadt durch das Haupttor und geht die Hauptstraße entlang, so liegt gleich linker Hand, markiert durch einen auffälligen schwarzen Schutzbau, das Atriumhaus. Der auf einem mindestens 5.000 m2 großen Grundstück errichtete Komplex besteht aus vier großen Funktionsbereichen. Das eigentliche Atriumhaus, das einzige seiner Art im klimatisch dafür ungeeigneten Alpenraum, und ein axial anschließender Säulenhof dienten dem Wohnbedarf und der Repräsentation des Hausherrn gegenüber Gästen und Klienten. Der heute im Schutzbau eingehauste Wohntrakt besitzt die Eingangsseite im Norden an der Hauptstraße. Gegenüber im Süden liegt der für Empfänge des Hausherrn dienende Hauptraum (tablinum), womit die Wintersonne unter der gartenseitigen Vorhalle in diesen hinein scheinen und ihn erwärmen konnte, während die hochstehende Mittagssonne im Sommer von der Vorhalle abgefangen wurde. Beidseits der von Eingang, Atrium und Tablinum gebildeten Hauptachse lag je eine Reihe verschieden großer Wohn- und Wirtschaftsräume, über diesen, im anzunehmenden Oberstock, die Schlafzimmer. Das ursprünglich nicht beheizbare Atriumhaus wurde um die Mitte des 1. Jhs. n. Chr. in der Stadtgründungsphase errichtet und mehrfach umgebaut, im Laufe des 2. Jhs. n. Chr. erhielt es auch einige beheizbare Räume.


Abb. 17 Aguntum: Der Fleischmarkt mit wassergekühlten Lagerkompartimenten im Erhaltungszustand während der Ausgrabungen 2010.

Das Atrium im Zentrum besaß ein zentrales Sammelbecken, das das vom nach innen geneigten und in der Mitte ausgeschnittenen Dach herabrinnende Regenwasser auffing. Ein Kanal leitete das Wasser dann in der Hausachse nach Süden in ein großes, etwa 1,5 m tiefer als das Haus liegendes Gartenperistyl, also einen allseitig von Säulenhallen umstandenen Gartenhof mit von Landschaftsmalereien geschmückten Wänden, auf den man vom Tablinum hinausblickte. Ein in seiner Mitte aufgestelltes monumentales Marmorwasserbecken (heute im Museum) gehörte wohl zu einer Springbrunnenanlage. Der Peristylhoftrakt wurde im Süden durch eine repräsentative Raumreihe abgeschlossen. In deren Mitte lag das Sommertriklinium, ein zum Hof hin offener Speisesaal für große Abendempfänge.

Der dritte große Bereich, östlich an das Atriumhaus anschließend, wurde von einem langgestreckten Hof erschlossen, der von der Hauptstraße aus befahrbar war. Dessen Längsseiten waren im Osten und Westen mit Hallen ausgestattet. An der südlichen Schmalseite lag ein Badegebäude, hinter der östlichen Halle ein Trakt, der am ehesten als Wohnbereich für gehobene Gäste interpretiert werden kann.

Der vierte Funktionsbereich wird durch einen Zwickel zwischen dem Gästetrakt und der sog. Stadtmauer sowie eine große Freifläche südlich davon gebildet. Dieses Gebiet konnte durch die oben bereits angesprochenen Durchgänge durch die sog. Stadtmauer leicht beliefert werden, ohne die repräsentativen oder dem Wohnen vorbehaltenen Gebäudetrakte zu tangieren. Etwa ein Dutzend L-förmig um diese Flächen gruppierte Lager- und Wirtschaftsräume komplettierten diesen Trakt. Der Gesamtkomplex des Atriumhauses mit den ausgedehnten Wirtschafts- und Lagerflächen und vor allem dem direkten Zugang durch die große Sperrmauer dürfte kaum einem privaten, aus Italien zugewanderten Handelsherren gehört haben, sondern viel eher dem kaiserlichen Zollverwalter bzw. Zollpächter, der von allen durchkommenden Waren und Tierherden ein Vierzigstel des Wertes (2,5 %) als staatliche Abgabe einhob. Wahrscheinlich gingen auch viele hier gestapelte Waren oder Lebendvieh sowie Zoll- und Steuereinnahmen direkt weiter an die statthalterliche Residenz in Virunum oder die Armeeeinheiten an der Donaugrenze. Die Bedeutung und Größe des Atriumhauskomplexes wird erst richtig deutlich, wenn man die Ruinen der Privathäuser auf den gegenüber liegenden Flächen zum Vergleich heranzieht.


Abb. 18 Aguntum, Blick von der Aussichtswarte auf die großen Thermen, im Vordergrund das Caldarium mit den beiden Heißwasserbecken.

Nach den bisherigen Forschungsergebnissen gehört das etwa zur Hälfte ausgegrabene Forum ebenfalls in die Frühphase der Stadt. Von dem quadratischen, von Hallen umschlossenen Platz (Seitenlängen ca. 65 m) sind bisher vor allem die südliche und östliche Außenseite mit jeweils einer Reihe von acht bis zehn Räumen hinter der Halle bekannt. Ein besonders hervorgehobener, aus der Bauflucht nach außen vorspringender Saal ungefähr in der Mitte beider Raumzeilen diente vielleicht dem Staatskult oder als Sitz der städtischen Behörden. An der südlichen Außenseite, entlang der Hauptstraße, verlief eine von dem gerade erwähnten Saal unterbrochene Porticus als überdachter Fußgängerbereich.

Im Westen schließt direkt an das Forum der Fleischmarkt (macellum) an. Diese sehr durchdacht konstruierte Anlage besteht im Grundriss aus einem quadratischen Baukörper (Seitenlänge ca. 18 m), in den zwei konzentrische Kreise eingeschrieben sind. Aus diesen Kreismauern wurden zehn Segmente gebildet, zwei einander gegenüberliegende Zugänge und acht mit hergeleitetem Gebirgsbachwasser gekühlte Abteile. Hier wurde das Fleisch geschlachteter Rinder gelagert und mit dem abrinnenden Kühlwasser Blut und anderer Schlachtabfall entsorgt. Wendet man sich nun nach Norden, so passiert man die Mauern eines großflächigen und einst reich mit Marmor ausgestatteten, aber nur teilweise ausgegrabenen Gebäudes unbekannter Funktion und erreicht danach – nördlich der zum Großglockner führenden zweiten Fernstraße die großen Thermen. Über diese mehrphasige Anlage verschafft man sich am besten einen Überblick vom 18 m hohen Aussichtsturm. Im Zentrum liegt ein mit flächiger Fußbodenheizung (hypocaustum) ausgestatteter Apsidensaal, der Heißbaderaum (caldarium) der ersten Bauphase (Länge ohne Apsis ca. 15 m). Größe und Form sind typisch für Thermenanlagen der ersten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr., als Aguntum gegründet wurde. Die Mauern sind im konservierten Befund deutlich tiefer gegründet bzw. weniger hoch aufgemauert als die des wesentlich komplexeren jüngeren Badehauses, das dem Reihentyp angehört (Gesamtlänge ca. 40 m). Der Eingang dazu lag im Westen, über die Garderobe (apodyterium), das Kaltbad (frigidarium) und den lauwarm beheizten Aufenthaltsraum (tepidarium) gelangte man in das caldarium. Beide eigentlichen Baderäume besaßen jeweils zwei Wasserbecken, die an den äußeren Schmalseiten lagen. Ganz im Osten, vor dem Aussichtsturm, lag der Heizraum, im Norden sorgten zusätzliche hypokaustierte Räume in den kühleren und kalten Jahreszeiten für einen komfortablen Aufenthalt während des nach dem Badevorgang üblichen Entspannens mit Massagen, Körperpflege, Literaturlesungen und anderen Vergnügungen.

Anschließend an die Thermen liegen im Gelände nach Norden und Osten verstreut die Grundmauern von Wohn- und Wirtschaftsbauten. Im sog. Handwerkerviertel dominieren zweiräumige Häuser mit einfachen Feuerstellen; zahlreiche hier gefundene Schlackenreste deuten Eisenverarbeitung an.

Geht man am nördlichen Ende des erhaltenen Teils der sog. Stadtmauer vorbei, so gelangt man zum Ausgang aus dem Ruinenpark an ungefähr der Stelle, an der bereits 1912 eine heute wieder zugeschüttete frühchristliche Kirche mit einem umgebenden Gräberfeld ausgegraben wurde. Es handelte sich dabei um einen einfachen Rechteckbau mit der symbolträchtigen Länge von 100 Fuß (29,4 × 9,4 m) mit frei stehender Priesterbank. Allgemein geht die Forschung heute davon aus, dass Aguntum im 5. Jh. n. Chr. aufgegeben wurde und die Bewohner in die besser zu schützende Siedlung am nahen Kirchbichl bei Lavant übersiedelten.

Adresse

Archäologiepark Aguntum und Museum Aguntinum

Stribach 97

9991 Dölsach

Tel. +43 4852/​61550

E-Mail: aguntum@aon.at

http://www.aguntum.info/

Literatur

M. Tschurtschenthaler – M. Auer, Municipium Claudium Aguntum – die frühen Befunde, in: U. Lohner-Urban – P. Scherrer (Hg.), Der obere Donauraum 50 v. bis 50 n. Chr. – Berlin 2015, S. 337–349;

E. Walde – G. Grabherr, Aguntum − Museum und archäologischer Park, Dölsach 2007.

Am Kirchbichl liefern sich thesengeleitete Ausgrabungswissenschaft und moderne Mythenbildung zu keltischen Opferbräuchen und spätantiken Festungen seit über einem halben Jahrhundert ein spannendes Match.

08LAVANT, DER KIRCHBICHL – KUPFERBERGBAU VOM NEOLITHIKUM BIS IN DIE SPÄTANTIKE

Tirol

Die Ortschaft Lavant liegt 2 km flussabwärts von Aguntum. Der am südlichen Ortsrand etwa 120 m steil über dem Tal aufragende Kirchbichl (Gipfel bei 812 m ü. M.) bildet mit seinen beiden Kirchen einen markanten Orientierungspunkt im Drautal. Der Kirchbichl war seit dem ausgehenden Neolithikum wegen des in der Umgebung möglichen Kupferbergbaus bis in die späte Latènezeit kontinuierlich besiedelt.

Ab dem 1. Jh. n. Chr. zog das römische Aguntum die meisten Menschen im Lienzer Becken an, aber bereits im späteren 3. Jh. n. Chr. dürfte der Kirchbichl wieder stärker in den Fokus der Siedlungstätigkeit gerückt sein. Es entstand eine bis in das 6. Jh. n. Chr. bewohnte Siedlung mit einer Reihe von meist zwei- bis vierräumigen, durchwegs mit Fußbodenheizungen ausgestatteten Häusern. Von diesen wurden einige mit gut erhaltenen Boden- und Wandheizungssystemen exemplarisch konserviert und mit Flugdächern geschützt. Eine Gussform (für Bronze) und ein 7 kg schwerer Roheisenblock (jetzt im Museum), die bei einem Schmelzofen gefunden wurden, belegen (wie schon in der Prähistorie) Metallverarbeitung als wesentlichen Zweck der Siedlung.

Zwischen der fünften und sechsten Serpentine des Aufweges trifft man auf die Überreste einer spätantiken Kirche. Über die genaue Funktion und Datierung der verschiedenen Bauphasen herrscht in der Forschung Uneinigkeit. Die erste Bauphase (Gesamtlänge des Baues 31,6 m) dürfte der ersten Hälfte des 5. Jhs. n. Chr. entstammen. Im Westen bot ein korridorartiger Vorraum drei Zugänge zur Kirche im Osten und einen zum Baptisterium (Taufraum) mit vertieftem Taufwasserbecken im Westen. Der mit Marmorplatten und Säulen prächtig ausgestattete Kirchensaal endete in einer nach Osten U-förmig über 4 m vorspringenden Apsis, neben der zwei kleine sakristei-artige Räume platziert waren. Der Altarraum war mit Schranken umstanden, nach Westen führte daraus ein Steg (solea) zur Kanzel (ambo), im Osten lag die halbkreisförmige Priesterbank.


Abb. 19 Lavant, Kirchbichl, zweigeteilte spätantike Bischofskirche mit halbrunden Priesterbänken.

Im späteren 5. Jh. n. Chr. wurde die Apsis im Osten abgetragen und stattdessen ein zweiter, dem Märtyrer- bzw. Reliquienkult gewidmeter Kirchenraum mit einem über einer Reliquiengrube errichteten Altar und halbrunder Klerusbank errichtet. Die ehemaligen Seitenräume wurden zu Begräbnisnischen (für Bischöfe oder Stifter?) umgestaltet. Gleichzeitig oder noch später wurde auch der Altarbereich im alten Hauptsaal stark vergrößert. Der Ausbau (Gesamtlänge nun ca. 42 m) mit Betonung der nur von Klerikern genutzten liturgischen Bereiche dürfte mit der Übersiedlung des Bischofs von Aguntum nach Lavant im Laufe des 5. Jhs. n. Chr. in Zusammenhang stehen. Dabei könnten die Reliquien der alten Bischofskirche nach Lavant übertragen worden sein.

Die Bischofskirche wurde bis mindestens in das 6. Jh. n. Chr. hinein benutzt, eine späte notdürftige Reparatur wird heute mit einer Zerstörung infolge der Schlacht von Aguntum im Jahr 610 begründet. Damals vernichteten die ins Drautal vordringenden Slawen den bairischen Heerbann, konnten sich aber im heutigen Osttirol anscheinend nicht längerfristig festsetzen.

Dies ergibt sich auch daraus, dass die etwas oberhalb der spätantiken Bischofskirche liegende, bis heute als Pfarrkirche dienende Kirche St. Ulrich eine ungebrochene Bautradition seit dem 5. Jh. n. Chr. aufweist. Eine einschiffige Kirche (Länge 14,6 m) mit Ostapsis, Priesterbank und außen angesetzten, kleinen, kreuzarmartig vorspringenden Räumen (Annexen) wurde in einer zweiten Phase um 7 m nach Westen verlängert, wohl um die gleichzeitige (?) Verkleinerung des Laienraumes in der Bischofskirche auszugleichen. Im Frühmittelalter wurde nur noch der spätantike Priesterraum als stark verkleinerte Kirche adaptiert, zu der auch ein Friedhof gehörte. Von hier führt das Baukontinuum über zwei gotische Vorgängerkirchen zu dem heutigen barocken Gotteshaus.

Bei den um 1950 begonnenen Ausgrabungen auf der Bergspitze wurde ein vom Chor der gotischen Kirche St. Peter und Paul überbautes quadratisches Mauerviereck (ca. 8 × 8 m) freigelegt und konserviert. Lange wurde es als Fundament eines gallorömischen Tempels und Zeichen einer bis in die keltische Zeit zurückreichenden Kulttradition gedeutet. Als Argument dafür wurde ein allerdings erst seit dem 17. Jh. nachweisbarer Brauch, zu Ostern einen geschmückten Widder von Virgen nach Lavant zu führen, verwendet. Obwohl die Forschung längst erkannt hat, dass hier der Rest einer mittelalterlichen Burg, vielleicht der Bergfried des 15. Jhs., vorliegt – weitere zu dieser Burg gehörende Gebäude liegen gleich westlich der Kirche – ist diese romantische, aber letzthin völlig aus der Luft gegriffene Deutung in der heimatbezogenen lokalen Literatur noch immer unausrottbar verankert. Auch die ursprünglich als römische Befestigungsanlage angesehene Toranlage und das südöstlich von dieser liegende sog. Haus des Burgkommandanten im unteren Bereich des Kirchbichls (Tor = 3. Serpentine nach dem Museum) dürfen gesichert als Teil einer spätmittelalterlichen Burganlage gelten. Nach heute vorherrschender Meinung stammen alle diese Anlagen aus der Zeit ab 1444, als die Grafen von Görz eine Defensionsordnung (= Regelwerk zur Landesverteidigung) erließen, der auch ihre Vasallen in Lavant zu folgen hatten. Da allerdings bereits 1485 als Weihejahr der Kirche St. Peter und Paul überliefert ist, scheint dieser Burg kein langer Bestand beschieden gewesen zu sein.

Ein Besuch der Kirche auf dem Gipfel lohnt sich, abgesehen von den Burgruinen, um die herrliche Fernsicht über das Lienzer Becken zu genießen – und auch wegen der in den Mauern und im Altar verwendeten römischen Relief- und Inschriftensteine.


Abb. 20 Mit einem Schutzdach versehener, beheizter Teilbereich eines spätrömischen Wohnhauses.

Adresse

Museum im Untergeschoss der Aufbahrungshalle

am Fuße des Kirchbichls

9900 Lavant

http://www.uibk.ac.at/​klassische-archaeologie/​Grabungen/​Lavant.html;

http://www.aguntum.info/​?maincontent &mid=20.

Literatur

M. Pizzinini – M. Tschurtschenthaler – E. Walde, Der Lavanter Kirchbichl. Ein heiliger Berg in Tirol. Archäologie- und Kirchenführer Lavant, Lavant 2000;

G. Grabherr – B. Kainrath (Hg.), Die spätantike Höhensiedlung auf dem Kirchbichl von Lavant. Eine archäologische und archivalische Spurensicherung, Innsbruck 2011 (= IKARUS, Bd. 5).

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Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
23 aralık 2023
Hacim:
274 s. 108 illüstrasyon
ISBN:
9783945751619
Telif hakkı:
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