Kitabı oku: «Golf»

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Vorwort

Eine Sportart steht still. Komplett. Zumindest in großen Teilen der Welt. Im März 2020 sorgte die Corona-Pandemie dafür, dass das internationale Golfgeschehen in weiten Teilen zum Stillstand kam, sowohl für die Amateure als auch für die Profis. Was tut ein Sportjournalist, wenn es keine Turniere mehr gibt, über die man berichten kann? Er schreibt ein Buch.

„Golf – hinter den Kulissen“ ist eine Sammlung von Eindrücken, Geschichten und Begegnungen, die in mehr als 20 Jahren Berichterstattung bei Turnieren in allen Ecken dieser Erdkugel zusammengekommen sind. Manche Ereignisse werden über die Jahre zu einem Fixpunkt im Kalender, manche Spieler verfolgt man vom Teenageralter an und sieht, wie sie sich über die Jahre entwickeln. An den einen oder anderen Ort möchte man immer wieder zurückkehren, weil er fast schon mythisch ist.

Ich spielte noch kein Golf, als ich vor gut 25 Jahren anfing, über diesen Sport zu schreiben, der seine Eigenheiten hat –nicht alle davon sind großartig, manche sind durchaus anstrengend. Aber alles in allem bleibt eine Erkenntnis: Golf fasziniert mit seinen Plätzen und Protagonisten. Vor allem, wenn man hinter die Kulissen blickt.

MENSCHEN

Tiger Woods

Das größte Comeback

in der Geschichte des Sports

Am Sonntagabend, nach der Siegerehrung beim Masters, wird es im Augusta National Golf Club immer ganz still. Zehntausende Zuschauer haben das Weite gesucht, die Profis sitzen längst im Flieger oder Auto – ab nach Hause oder zum nächsten Turnier.

Zum Ende des Finalsonntags 2019 steht ein schwarzer SUV mit einem offenen Kofferraum auf dem Parkplatz für die Spieler, und eine gelbe Flagge lehnt daran. Es ist die Fahne des 18. Lochs. Joe LaCava, Tiger Woods Caddie, hat sie mitgenommen. Jetzt sitzt er in Tigers Auto und wartet auf den fünffachen Masters-Champion, der an diesem Tag seinen insgesamt 15. Majortitel geholt hat. Tiger Woods dreht derweil eine letzte Runde bei den Mitgliedern im Clubhaus, um eine fast fünfjährige Odyssee Revue passieren zu lassen, die heute und hier ein Ende genommen hat. Soeben hat er nicht nur seinen 5. Masters Sieg geholt, sondern vor allem ein Comeback geschafft, das in den Wochen und Monaten danach als das Erstaunlichste geschildert wird, welches die Welt des Sports bis dahin erlebt hat.

Warten hat die letzten Jahre der Karriere von Tiger Woods und seiner Familie geprägt. Die Kinder Charlie und Sam, die Freundin Erica Herman, Mutter Kutilda: Sie alle haben sich die Frage, ob er jemals wieder Golf spielen würde, gestellt, als Woods nach der Saison 2014 so sehr mit gesundheitlichen Problemen kämpfte, dass an vernünftiges Golf nicht mehr zu denken war. „Ich konnte nicht stehen, nicht sitzen, nicht laufen“, beschrieb Tiger Woods den Leidensweg, den er im Verlauf seiner vier Rückenoperationen seit 2014 beschritt. Schmerzfreies Leben allein schien ein unerreichbares Ziel.

„Meine Kinder kennen Golf nur als den Sport, der mir wehgetan hat“, erklärte Woods im Anschluss an seinen Sieg die Situation der letzten Jahre. „Charlie, mein Sohn, war bei meinem letzten Majorsieg noch nicht einmal geboren.“ Golf war für ihn der Sport, bei dem sein Vater Schmerzen hatte, unter schlechten Schlägen litt, sich immer wieder negativen Erlebnissen in der Öffentlichkeit aussetzte. Nein, seine Kinder verstanden vor diesem Masters-Triumph nicht, was den Vater eigentlich an diesem Turnier und dem Platz von Augusta National begeisterte. „Charlie hat gestern bei einem Fußballturnier verloren und war dann früher fertig. Ich habe ihm gesagt, dass er vielleicht noch nach Augusta kommen kann, damit ich ihm all das mal zeige und erklären kann, was es mir bedeutet. Zum Glück hat es geklappt“, resümierte Woods begeistert.

Die Karriere des Tiger Woods ist immer vom Masters und Augusta National geprägt gewesen. Hier holte er 1997 seinen ersten Majortitel mit zwölf Schlägen Vorsprung – ein Rekord. 22 Jahre danach folgte der legendäre fünfte Sieg: „An der 18 ist die Geschichte für mich rund geworden“, resümierte er mit Tränen in den Augen, „ich habe geweint und alle anderen auch.“ Beim Masters 1997 kam sein Vater überstürzt während der Turnierwoche nach Augusta, obwohl er wegen Herzproblemen eigentlich zu Hause bleiben sollte. „Am Mittwochabend hat er mir noch eine Putt-Lektion gegeben und das war es dann“, erinnerte sich Woods. „Jetzt ist mein Vater nicht mehr da, aber meine Mutter war heute hier und meine Kinder.“

Bei seinem ersten Sieg 1997 lernte man im Profigolf das jugendliche Supertalent kennen, den ungestümen Jungstar, der den Platz scheinbar nach Belieben demontierte. Die Golfwelt hatte zu diesem Zeitpunkt längst Bekanntschaft mit dem Phänomen Tiger Woods gemacht, schließlich hatte man den Jungen schon als Fünfjährigen im US-Fernsehen in der Mike-Douglas-Show mit Bob Hope gesehen. Ein kleiner Kerl, über den sein Lehrer Rudy Duran damals sagte: „Dieses Kind ist nicht außergewöhnlich – es ist viel mehr als das.“ Als 14-Jähriger hatte er bereits mehr erreicht als viele andere Wunderkinder des Golfsports wie Bobby Jones, Jack Nicklaus oder Lanny Wadkins vor ihm. Unter anderem hatte er 1981 den ersten von insgesamt fünf Titeln bei der Optimist Junior World Championship geholt. Der Sohn eines farbigen Vaters und einer Mutter aus Thailand, der im kalifornischen Cypress aufwuchs und seine ersten Runden im Navy Golf Club spielte, weil sein Vater als Oberstleutnant beim Militär gedient hatte, wusste genau, was er wollte und wie groß sein Potenzial war. „Das Spiel ist irgendwie nie schwierig gewesen“, erzählte er mit 14 Jahren einem Reporter der US-Zeitschrift Golf Digest. „Keine Ahnung, aber ich war einfach immer gut.“ Die logische Konsequenz für ihn: „Ich will der nächste beherrschende Spieler werden. Ich will aufs College gehen, Pro werden und auf der Tour spielen. Ich will mehr Majors gewinnen als jeder andere.“

Ohne die Leidenschaft seines Vaters wäre diese herausragende Karriere eines Jugendlichen nie möglich gewesen. Earl Woods war der erste Farbige, der Baseball in der amerikanischen Big Eight Conference in Kansas State spielte. Ein leidenschaftlicher Sportler, dessen Baseball-Karriere mit einer Schulterverletzung ein abruptes Ende nahm. Er ging zum Militär, landete an der Front in Vietnam und freundete sich dort mit einem vietnamesischen Soldaten an, dessen Name Tiger war. „Der Kerl war so tapfer, das war so ein Teufel auf dem Schlachtfeld, dass ich mich entschloss, dass der Spitzname meines nächsten Sohnes Tiger sein sollte.“

Earl Woods hat seinen Sohn Tiger, mit dem er seit dessen viertem Geburtstag die ersten Runden im Navy Golf Club drehte, oft als Geschenk Gottes bezeichnet, auf das er aufzupassen hatte. Die Ausbildung seines Sohnes zum Spitzengolfer wurde zu Earl Woods Bestimmung. Er wandte psychologische Techniken an, die er im Gefängnis bei Befragungen kennengelernt hatte, um den kleinen Tiger widerstandsfähiger zu machen. Unverletzbar sollte er auf dem Schlachtfeld Golfplatz werden – eine Maschine.

Mutter Kutilda fuhr ihn zu den Trainingseinheiten. Die kleine, freundlich wirkende Frau begleitete den Jungen auf zig Turniere. Sie war nicht weniger wettbewerbsorientiert als Earl. „Ich habe Tiger immer gesagt, wenn er in Führung lag, nimm das nicht auf die leichte Schulter, sondern kill sie. Erst wenn alles beendet ist, kannst Du ein Sportsmann sein.“

Ein Jahrzehnt später, Tiger Woods war inzwischen 25 Jahre alt, war aus dem ambitionierten Teenager der neue Megastar der Sportszene geworden. Als Woods seinen zweiten Masters-Titel in Augusta National holte, blieb der Konkurrenz nur Sprachlosigkeit und uneingeschränkte Bewunderung. Der Amerikaner war der erste Spieler im Golf, der alle vier Majortitel gleichzeitig hielt. „Tiger Slam“ nannte man diese Leistung – für den Grand Slam hätte er Siege beim Masters, der Open, der U.S. Open und der US PGA Championship in einem Jahr gebraucht. Woods holte die Titel im Verlauf von zwölf Monaten, allerdings verteilt auf die Jahre 2000 und 2001.

Es waren 294 Tage, in denen der Amerikaner die vier größten Einzel-Golfturniere der Welt in insgesamt 65 Schlägen unter Par spielte, die Konkurrenz schier nach Belieben deklassierte und der Sportwelt den Begriff Dominanz auf neue Weise nahebrachte. Im September 2009 wurde der Golfer zum ersten Athleten weltweit, der im Verlauf seiner Karriere mehr als eine Milliarde Dollar verdient hatte, im gleichen Jahr wurde er im Magazin „Forbes“ hinter Oprah Winfrey als der zweitreichste farbige Mensch der USA geführt. Ein Rekord folgte auf den nächsten.

Ein Rausch der Superlative, der ein raues Ende nahm, als die Zeitung „National Enquirer“ im November 2009 – Woods und seine Frau Elin Nordegren hatten nach Tochter Sam auch ihren Sohn Charlie Axel Woods bekommen – von einem Verhältnis des Superstars mit einer Nachtklubmanagerin namens Rachel Uchitel berichtete. Ungute Details eines großen Sexskandals folgten, Sponsorenverträge wurden gekündigt, Woods verschwand in einer Privatklinik zur Sextherapie. Als Golfer bekam man ihn erst wieder beim Masters 2010 zu Gesicht, vier Monate später wurde er von Elin Nordegren geschieden.

Wer die Geschichte von Tiger Woods erzählt, bleibt an den Jahren 2010 bis 2018 immer wieder hängen. Sie zeigen das erstaunliche Bild eines Menschen, der permanent zwischen außergewöhnlichem Höhenflug und Absturz wechselt. Die Kündigung von Trainern, die Trennung von seinem Caddie Steve Williams 2011, der Beginn einer Serie von Verletzungen und diverse sportliche Fehlleistungen zeichnen das Porträt eines Sportlers, der plötzlich weit weg schien von dem Ziel, den Rekord von 18 Majorsiegen, aufgestellt von Jack Nicklaus, einzustellen. Aufsehenerregende Beziehungen wie zu der Ski-Sportlerin Lindsey Vonn sorgten für Schlagzeilen, das unstete Privatleben wurde von der ganzen Welt kritisch beäugt.

Zwischendrin aber tauchte immer wieder der Siegertyp auf: 2012 spielte er bei der Honda Classic die niedrigste Runde seiner PGA-Tour-Karriere, holte sich mit seinem Sieg beim AT&T National seinen 74. Toursieg – nur noch Sam Snead lag mit 82 Erfolgen vor ihm. 2013 war er wieder die Nummer 1 der Welt, bevor sich die Spirale aus Verletzungen und Comebacks wieder zu drehen begann. Vier Rückenoperationen und endlos viele Rückschläge ließen den letzten Sieg beim Bridgestone Invitational 2015 irgendwann wie einen fernen Traum aussehen. 2015 nahm ihn die Polizei beim Autofahren fest, zugedröhnt von Schmerztabletten. Das Polizeifoto eines unrasierten, völlig fertigen Tiger Woods ging um die Welt.

Irgendwann gab der einstige Weltranglistenerste nur noch ein trauriges Bild auf dem Golfplatz ab, wenn er erneut versuchte, in den Turnierbetrieb zurückzukehren. Seine Drives flogen kreuz und quer, Fernsehkommentatoren redeten offen darüber, dass er womöglich ein Fall für das fatale Nervenzucken Yips beim Chippen geworden sein. Er rutschte ab in der Weltrangliste bis auf Position 1.199 im November 2017, und die bange Frage stand im Raum: Kommt er je zurück?

Im September 2018 belehrte der Ausnahmeathlet alle Zweifler eines Besseren. Er fuhr nach Atlanta und gewann im East Lake Golf Club die Tour Championship, das Saisonfinale – ein Event, bei dem die Besten der Besten versammelt sind. Zu diesem Zeitpunkt war er 42 Jahre alt – nicht wirklich ein Golfer auf der Höhe seines Leistungsvermögens. Aber neun Monate, nachdem alles so aussah, als sei seine Karriere beendet, war Tiger Woods bereits wieder die Nummer 13 der Welt.

Die Golfszene wurde einmal mehr versetzt in den Zustand der Tigermania. Junge Kollegen, die Tiger Woods seit Beginn ihrer Karriere nie in seiner vollen Größe erlebt hatten, fingen an zu erkennen, dass dieser Mann tatsächlich ein Ausnahmesportler war. Alte Wegbegleiter wie Phil Mickelson oder Ernie Els lernten gleichzeitig einen neuen Tiger Woods kennen. Aus dem Einzelgänger, der noch in den Jahren 2000 und 2001 oftmals mehr einem Phantom als einem realen Sportler geglichen hatte, weil er sich stets vor Kollegen und der Öffentlichkeit verkroch, war ein Mitspieler geworden, der menschlich geworden zu sein schien.

Der neue Woods absolvierte geduldig Golf-Workshops mit Kindern, suchte selbst auf dem Golfplatz das Gespräch mit Kollegen und spielte zu Hause in Jupiter Island gern mit jüngeren Profis wie Rickie Fowler. Schon die Tatsache, dass er sich selbst für den Ryder Cup 2016 als Vizekapitän des amerikanischen Teams im amerikanischen Hazeltine ins Spiel brachte, deutete auf einen Haltungswechsel hin. Woods, der ewige Einzelkämpfer, war eigentlich nie der Typ, der sich unterordnen konnte. Die Position des Vizekapitäns schien nicht gerade für ihn gemacht zu sein. Doch die Ryder-Cup-Woche in Hazeltine zeigte: Der Mann genoss die Aufgabe – die ewigen Krisen hatten aus dem Egozentriker einen Teamplayer gemacht – eine Wandlung, die in der Öffentlichkeit zu einem Sympathieschub führte.

Mit der Tigermania im Jahr 2018 kam das Vergessen alter Sünden. Längst hatte die Golfszene Tiger Woods seine Skandale und privaten Ausrutscher vergeben. Im Gegenteil – der Versuch, elf Jahre nach dem Gewinn der U.S. Open im Jahr 2008 noch einmal einen Majorsieg nachzulegen, sorgte für Aufregung, für Furore, einen Medienhype wie selten zuvor. Dass Woods sich dabei für Augusta National und das Masters als Schauplatz des Spektakels entschied, war kein Wunder. Dies ist bis heute seine sportliche Heimat, der Ort seiner ersten Triumphe. Hier kennt er jedes Grün, jeden Baum, jeden Fairway-Knick wie im Schlaf. Im April 2019 ging das Unternehmen Majorsieg Nummer 15 in die nächste Runde. Es wurde zum Erfolg.

Der fünfte Masters-Sieg in Augusta war eine Demonstration von Stärke – solide herausgespielt mit Runden von 70, 68, 67 und 70 Schlägen zu einem Gesamtergebnis von 13 unter Par. Er habe so gut geschwungen wie schon lange nicht mehr, erklärte Woods diese Bilanz. Mit seinem Erfolg bei der Tour Championship 2018 im East Lake Golf Club bei Atlanta habe er das nötige Selbstvertrauen getankt, bei seinem Kampf um den Titel bei der Open 2018 die Gewissheit gewonnen, wieder bei Majors siegen zu können. „Ich weiß, dass ich immer noch das Gefühl in den Händen haben“, sagte er.

Die Statistik der vier Turniertage des Masters gab ihm recht. In der Auswertung der Daten für „Grüns in Regulation“ war Woods mit mehr als 80 Prozent getroffener Grüns die Nummer 1. Er hatte neun Bogeys gespielt, aber auch 22 Birdies. Am Ende war er einen Schlag besser als Dustin Johnson, der zum Sieg des 43-Jährigen sagte: „Es ist unglaublich.“ Ebenfalls Zweiter wurde Xander Schauffele, der zum Thema Tiger Woods erklärte: „Ich habe ihn als Kind immer im Fernsehen angesehen. Dass ich heute gegen ihn gespielt habe, ist unfassbar.“ Geschlagen war auch Brooks Koepka, der am Ende des Tages ebenfalls als geteilter Zweiter vor dem Clubhaus stand und meinte. „Unfassbar, wenn man sieht, was er alles durchgemacht hat.“

Am beeindruckendsten aber waren die Emotionen der Zuschauer, die Woods eine Turnierwoche lang hochkochen ließ. Stehende Ovationen, laute Jubelschreie, die fast schon unfair einseitige Unterstützung, die Tränen in den Augen der Zuschauer am 18. Grün. Das alles zeigte Respekt für einen Mann, der sich im Verlauf der 22 Jahre zwischen seinem ersten und seinem fünften Majorsieg extrem verändert hatte.

„Es war immer klar, dass er noch gewinnen konnte“, hat sein Counterpart Jack Nicklaus, der einzige Golfer, der mit 18 Majorsiegen noch mehr große Titel zählt als er, beim amerikanischen Golf Channel das Comeback von Woods erklärt. „Es spielt auch keine Rolle, dass er den Drive nicht ganz gerade schlägt, weil er das noch nie getan hat. Aber er spielt einfach die besten Eisen der Welt, und er hat das nötige Gefühl in den Händen.“

„Ich glaube nicht, dass es jemals einen Spieler gab, der so viel Talent hatte, wie er“, kommentierte der inzwischen 79-Jährige die Karriere des Amerikaners. „Hogan war der Spieler mit dem erstaunlichsten Spiel zwischen Abschlag und Grün, das ich jemals gesehen habe. Snead war der größte Athlet, der jemals Golf gespielt hat, mit einem beachtlichen Schwung, der überdauerte.“ Nicklaus, so Player, habe einfach das kompletteste Spiel gehabt. „Wenn Tiger nicht seine Probleme gehabt hätte, und davon gab es einige, hätte er 20 oder 21 Majors gewonnen. Da gibt es keinen Zweifel.“

Für Tiger Woods selbst war der Sonntag seines großen Comebacks nicht der Anlass, um über verpasste Möglichkeiten zu sprechen. Er versuchte vielmehr das, was er selbst nicht mehr geglaubt hatte, in Worte zu fassen. „Es ist irreal“, waren seine ersten Worte in der Pressekonferenz im Media-Center von Augusta National.

Stunden später, der Abend war längst angebrochen, verließ er in seinem schwarzen SUV mit Joe La Cava die leere Anlage. Im Gepäck ein Grünes Jackett, einen Pokal in der Form des Clubhauses des Augusta National Golf Club und die gelbe Fahne vom 18. Loch. Als Beweis dafür, dass real ist, was sich so irreal anfühlt.

Bernhard Langer

Der ewige Perfektionist

Einmal traf ich ihn kurz vor Einbruch der Dunkelheit: Der Rummel vor dem Clubhaus des Augusta National Golf Club hatte sich gelegt. Die US-Flagge vor dem Gebäude hing schlapp herab. Kein Luftzug ging, endlich herrschte Stille zum Schluss eines wie immer lauten und aufgeregten Turniertages. Das Ende der Driving Range war im ausgehenden Licht nur noch schwer zu erkennen, kein Spieler weit und breit war nach diesem ersten Spieltag des Masters, des ersten Majorturniers im Jahr, in Sicht. Nur einer stand im Übungsbunker und spielte konstant die Bälle heraus – weich und hoch. Weich und hoch. Immer wieder. Endlos oft. Im Golfsport gibt es nur zwei Personen, die für solch eine Situation als Hauptdarsteller infrage kommen: Vijay Singh und Bernhard Langer. Die Unermüdlichen, die Endlostrainierer. Zwei Profis auf der permanenten Suche nach der Perfektion.

An diesem Abend im April war es Bernhard Langer, der an seinem Bunkerspiel arbeitete. Man hat den Deutschen wegen seiner methodischen Herangehensweise, seiner immerwährenden Suche nach einem passenden Schwung und wegen seiner deutschen Herkunft oft den ultimativen Mechaniker genannt. Aber wer ihn an diesem Abend beobachtete, fühlte sich eher an pures Zen erinnert als an das sture Abarbeiten eines Bewegungsmechanismus. In diesem Moment schien Langer eins mit seinem Spiel zu sein – und drumherum verschwand Augusta National in der Dämmerung.

Es gibt viele Gründe, Golfprofi zu werden: das Sammeln von Titeln, der Gewinn von Millionen an Preisgeldern, der Ruhm und das Ansehen in der Öffentlichkeit. In einigen wenigen Fällen ist es die pure Leidenschaft für den Sport, die einen Spieler über Jahrzehnte an den Profisport bindet. Bernhard Langer gehört in diese Kategorie. Wer den Kreis seiner Kollegen betrachtet, wird feststellen, dass von all jenen Stars, die seine mehr als 40-jährige Karriere mitgeprägt haben, nicht viele geblieben sind, mit denen er noch heute bei den Turnieren weltweit die Runden dreht. Nick Faldo, sechsfacher Majorsieger, ist TV-Kommentator und auf dem Platz nicht mehr konkurrenzfähig. Der brillante Spanier Seve Ballesteros starb 2011 an einem Gehirntumor. Sandy Lyle und Ian Woosnam, die Recken aus Großbritannien, haben sich auf ihr Altenteil zurückgezogen. Zusammen mit Bernhard Langer waren sie ab 1979 die Big Five – jene fünf Spieler, die Europas Golfsport international wettbewerbsfähig machten, Majorsiege holten und die lange Dominanz der Amerikaner in der Profiszene beendeten. Als aktiver Spieler aus dieser Gruppe ist nur Langer geblieben, den der Golfsport noch heute genauso fasziniert wie vor 50 Jahren.

Seine Geschichte, oft erzählt, begann als Caddie im Golfclub Augsburg-Burgwalden. „Als mein Bruder 13 oder 14 war, fuhr er mit dem Fahrrad zu unserem Golfplatz, um da ein paar Mark zu verdienen“, erinnerte sich Langer vor einigen Jahren. „Ich war damals neun und ziemlich überrascht, als er mit ein paar Mark nach Hause kam.“ Der kleine Bernhard, der zu Hause wie die anderen zwei Geschwister nie verwöhnt wurde, weil der Vater als Maurer und die Mutter als Bedienung nur wenig verdienten, nahm den gleichen Job an. Aus seiner ersten Motivation zum Golf, dem Geldverdienen, wurde eine Besessenheit, die bis heute hält. Wie der Junge, der sich mit seinem Bruder zuerst ein Holz, zwei Eisen und einen Putter teilen musste und trotzdem sein Spiel auf Spitzenniveau brachte, kann auch der alternde Profi Langer noch scheinbar endlos an den Faktoren seines Spiels drehen, um am Ende zu einem perfekten Ergebnis zu kommen.

Bei den Masters im April 2016 erschien Langer mit einem Stapel Putter im Gepäck. Kurze und lange Schäfte, dicke und dünne Griffe, alles bunt gemischt. „Ich habe seit Beginn des Jahres etwa 25 bis 30 Stück ausprobiert“, lautete seine wie immer unaufgeregte Erklärung. Sein Caddie schleppte stets mehrere Exemplare im Bag über die Proberunden. Langer hatte Handlungsbedarf, nachdem die Regel-Offiziellen des Golfsports in dem Jahr die Vorgaben beim Putten geändert hatten. Die sogenannten Besenstil-Putter mit langem Griff, die auch Langer seit Jahren benutzt, dürfen seitdem nicht mehr am Körper verankert werden.

Probleme wie dieses fordern den Analytiker Langer heraus. Ebenfalls betroffene Kollegen wechselten zu einem kurzen Putter. Langer fand wie so häufig eine sehr eigene Lösung. Am Ende spielte er auch 2016 in Augusta beim Masters mit einem langen Besenstil-Putter – er hielt den Griff aber ein kleines Stückchen vom Oberkörper entfernt. Die Methode war seltsam, aber regelkonform und effizient. Am Finalsonntag hatte er sogar Chancen auf den Sieg – als 58-Jähriger hätte er damit alle Altersrekorde gebrochen.

„Es wäre ein Sieg für die alten Jungs“, meinte er selbst dazu. Langer, der zuerst 1985 und dann 1993 das Grüne Jackett für den Sieger in Augusta gewann, war stets fest davon überzeugt, dass irgendwann ein Spieler, der älter als 50 ist, zum ersten Mal einen der vier Majortitel gewinnen würde. Seine Konkurrenten wären kein bisschen überrascht gewesen, wenn es Langer selbst gewesen wäre.

Wer sich dem blonden Bayern, dessen eigentliche Heimat längst Boca Raton in Florida ist, von Weitem nähert, ist nach wie vor erstaunt: Dünn und durchtrainiert wirkt er, muskulös und topfit, selbst mit über 60. Erst wenn man ihm gegenübersteht, lassen die Falten im tief gebräunten Gesicht sein Alter erkennen. Sein Spiel jedenfalls verbesserte sich als Senior eher noch. Sein Score nach der dritten Runde der Masters 2016 war gerade einmal einen Schlag höher als jener aus dem Jahr 1985, als er hier als erster Deutscher einen Masters-Sieg holte.

Es fasziniert, die Übermacht des Deutschen bei den Senioren zu verfolgen. Majorsieg reiht sich an Majorsieg, Erfolg an Erfolg. Die Konkurrenz zieht den Hut vor der Fitness, der Genauigkeit, der Detailbesessenheit des Mannes. Weitsichtigkeit wäre wohl der Begriff, den Bernhard Langer selbst wählen würde. Während er schon als 30-Jähriger die Abende nach der Turnierrunde im Fitnessraum der Hotels verbrachte, versammelte sich ein Großteil der Kollegen an der Bar. Den Begriff „Superfood“ gab es noch nicht, da kannte Langer die Nähr- und Fettwerte der Lebensmittel schon in- und auswendig. Elektronische Entfernungsmesser für Golfplätze waren noch nicht erfunden, so mancher Profi spielte die Löcher lieber nach Gefühl als nach exakter Länge, da verlangte der Deutsche von seinem Caddie vor jedem Turnier auf den Meter genaue Skizzen von Grüns, Bunkern und relevanten Hindernissen. Der Begriff Zufall spielt in der Arbeitswelt des Bernhard Langer nicht wirklich eine Rolle. Sein Erfolg basiert zu einem wesentlichen Teil darauf, dass er alle Faktoren seines Spiels so weit wie möglich selbst bestimmt.

„Ich würde Entscheidungen niemals den Spielern überlassen“, erklärte er zum Beispiel sein Erfolgsrezept als Ryder-Cup-Kapitän. 2004 gelang ihm beim Ryder Cup in Detroit in Oakland Hills als Kapitän Europas mit 18,5 zu 9,5 der bis dato höchste Sieg aller Zeiten. Es war ein Erfolg, der auch darauf basierte, dass der Stratege Langer es schaffte, seine zwölf Mann wie an der Schnur durch die Gegend zu dirigieren und ihnen gleichzeitig das Gefühl zu geben, selbstbestimmt zu sein. „Man muss sich im Klaren sein, dass es zwölf Individualisten sind, die alle ein gewisses Ego haben“, analysierte er das Prinzip in Ruhe. „Die will man nun innerhalb von wenigen Tagen zu einem Team machen und außerdem bei Laune halten. Schließlich gibt es ja immer Spieler, die etwas aussetzen müssen. Das Warum muss man diesen dann so erklären, dass sie, wenn sie dann endlich dran sind, immer noch 100 Prozent geben.“

Manchmal allerdings gleiten selbst ihm die Dinge aus der Hand. Zweimal im Verlauf seiner Karriere musste er Yips bekämpfen. Das unkontrollierbare Zucken der kleinen Handmuskeln macht jeden Meterputt zum Vabanquespiel, jede Runde zur Lotterie. Mit der Entwicklung des Krallengriffs beim ersten Mal, dem Wechsel zum Besenstil-Putter in den vergangenen Jahren hat er am Ende die Probleme bewältigt. „Man weiß nicht, wie lange es dauert. Manchmal kann es Monate anhalten“, beschrieb er den Zustand 2015.

Krisen im Sport sind eben allgegenwärtig. Manche Situationen ruinieren ganze Karrieren. Bernhard Langer hat seinen schlimmsten Fall 1991 am 18. Grün des Ocean Course von Kiawah Island erlebt. Es war der Schlusstag des Ryder Cup, eine Runde vollgepackt mit Emotionen. Im letzten Match am letzten Loch fiel die Entscheidung. Gegen den Amerikaner Hale Irwin hätte Langer mit einem verwandelten kurzen Putt aus weniger als eineinhalb Metern den Sieg Europas sichern können. Der Ball aber lief am Loch vorbei. Langer sank schmerzverzerrt in die Knie – Millionen Menschen an den Fernsehern weltweit erlebten sein Desaster.

„Es wäre ja einfach zu sagen, warum hat Gott mir bei diesem Putt nicht geholfen?“, erklärt er in einem CNN-Interview Jahre danach mit einem ruhigen Lächeln. Manch andere Karriere wäre an diesem Putt gescheitert – Langer hat sie vielleicht deshalb überstanden, weil er sich als gläubiger Christ versteht. Auch wenn er damals ein wenig mit seinem Glauben gehadert hat: „Es gibt Phasen im Leben, da fühlt man sich näher zu Gott hingezogen oder der Glaube wird erschüttert. Das war sicherlich so eine Situation.“

Der Deutsche hat kein Problem damit, über seinen Glauben zu sprechen. Im Gegenteil, er ist einer jener Profis, die regelmäßig zu den Bibelkreisen während der Turniere kommen, gehört zum Kuratorium von Pro Christ, die sich als überkonfessionelle Evangelisationsbewegung versteht. 1985, drei Tage nach seinem ersten Masters-Sieg, hat er den Glauben in einem Bibelkreis, zu dem ihn der Kollege Bobby Clampett einlud, für sich entdeckt. „Als ich mich dafür entschieden habe, wurde das zu einem großen Teil meines Lebens: wie ich Menschen behandle, wie ich die Welt betrachte oder die Politik. Es beeinflusst alles.“

In den USA, wo er lebt und die meiste Zeit arbeitet, wird über seine Religiosität offener gesprochen als hierzulande. Langer, für viele Fans der ultimative Golfer und weit mehr ein Superstar als in Deutschland, ist in seiner Beharrlichkeit und Geduld vielleicht auch nur zu verstehen, wenn man seine Verankerung im Glauben berücksichtigt. „Wir sind da draußen, und die Uhr tickt. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen“, versuchte er einmal seine Einstellung zu seiner Karriere als Profis bei den Senioren zu erklären. „Ich liebe Golf. Ich liebe den Wettbewerb. Ich bin zum Glück gesund, habe eine ordentliche Technik und einen soliden Kopf.“ Das ist perfekt, aber es muss nicht auf Dauer so bleiben: „Im Hinblick auf meinen Glauben kann es gut sein, dass ich morgen alles zusammenpacke und etwas ganz anderes tue, wenn mein Gott das von mir will. Im Moment ruft er mich aber da raus, damit ich Golf spiele.“ Welch ein Glück für diesen Sport.

Martin Kaymer

Der Majorsieger mit

dem Promi-Problem

Das Dasein als deutscher Weltstar im Golf hat zwei Seiten: Die erste ist eigentlich wundervoll. Weil Bernhard Langer, der einzige Star, den Golf-Deutschland lange vorzuweisen hatte, seit Längerem auf der Senioren-Tour spielt, bleibt für den zweiten Majorsieger im Lande, Martin Kaymer, eigentlich das gesamte Rampenlicht. Das ist schön, wenn man an den Abschluss von Sponsorenverträgen denkt oder Antrittsgelder bei Turnieren. Die Kehrseite der Medaille aber wird deutlich, wenn der Weltstar Kaymer zeitweise womöglich kein Weltklassegolf spielt. Dann nämlich steht er noch immer im Rampenlicht – und das ist manchmal nicht so angenehm.

Wer einen Blick auf die Karriere des Martin Kaymer aus Mettmann in Nordrhein-Westfalen wirft, der als Jugendlicher ein wenig mit einer Fußballerkarriere liebäugelte und dann doch beim Golfsport blieb, wird immer wieder auf diesen einen Widerspruch stoßen: auf der einen Seite der Ehrgeiz und der Wille zu den Besten der Welt zu gehören – auf der anderen Seite das Unbehagen, mit den Nebeneffekten des Lebens als Prominenter zurechtkommen zu müssen. Martin Kaymer ist im Jahr 2020 für die deutsche Golf-Öffentlichkeit die Nummer 1: zweifacher Majorsieger, Ex-Weltranglistenerster, der Langer-Nachfolger. Er ist das Gesicht des deutschen Golfsports. Wenn er bei einem Turnier in Deutschland antritt, bedeutet das für ihn Pressekonferenzen in Serie, Autogrammjäger an jedem Loch, Anfragen nach Selfies, Zuschauertrauben an den Abschlägen.

Solcherlei Aktivitäten aber sind eigentlich nicht sein Ding. Er war nie der Typ, der sich ins Rampenlicht drängte. Früher, zu Amateurzeiten, als er noch für die deutsche Nationalmannschaft spielte, stand er oft allein auf der Driving Range und trainierte vor sich hin. Er war ein erstklassiger Spieler, aber unauffällig – zumindest für Außenstehende, die sich nicht intensiv mit ihm befassten. Fanny Sunesson aber, lange Jahre Caddie des sechsfachen Majorsiegers Nick Faldo, die der Deutsche Golf Verband ab und an zu Lehrgängen der Nationalmannschaften verpflichtete, fiel Kaymer auf, weil er ihr Löcher in den Bauch fragte und auch dann noch beim Bälle schlagen auf der Driving Range stand, wenn es in Strömen regnete. Er arbeitete mit System und konstant – eine Herangehensweise, die ihn über die nächsten Jahrzehnte prägen sollte.

2005, als er den Sprung ins Profilager machte, in der ersten Saison auf Anhieb auf der drittklassigen EPD-Tour eine 59er-Runde spielte, dann zwei Turniersiege auf der Challenge Tour holte und im Schnelldurchgang die Qualifikation für die PGA European Tour schaffte, wirkte er ein wenig erstaunt über sich selbst. „Damals hatte ich den Vorteil, dass ich noch nicht so viel gedacht habe wie heute“, resümierte er Jahre später in einem Interview, das wir führten. „Ich habe mir viel weniger Gedanken über mein Spiel und meinen Score gemacht.“ Und: „Das war einfach der Tag, an dem alles zusammenlief.“

Der Hype um den hochgewachsenen, dünnen Nachwuchsgolfer aber nahm mit dieser Rekordrunde von 59 Schlägen seinen Anfang, auch wenn die Familie Kaymer den Ball erst einmal flach zu halten versuchte. Der Jungprofi hatte keinen Manager, keinen PR-Berater – Vater Horst übernahm die Geschäfte. Und der erste Winter vor dem Start auf der European Tour war vor allem eines für Martin Kaymer: Arbeit. „Ich habe (…) die Winterzeit dazu genützt, mehr zu trainieren als alle anderen. Die anderen denken ja immer, da könnte man mal in den Skiurlaub fliegen und sich entspannen, weil man so eine anstrengende Saison hatte. Das ist ein Riesenfehler. Das ist genau die Zeit, in der man hart arbeiten muss, weil alle anderen zu Hause auf der Couch sitzen und sich den Gänsebraten reinhauen. Da muss man arbeiten, um einen guten Saisonstart zu erwischen, sofort Motivation zu sammeln und den einen oder anderen Euro zu erspielen, damit man die Tourkarte behält“, analysierte er selbst seinen Start in die erste Liga, der außergewöhnlich war.

Er gewann 2007 sofort den Sir Henry Cotton Rookie of the Year Award für den besten Newcomer auf der European Tour und beendete die Saison auf Platz 41 der Geldrangliste mit mehr als 750.000 Euro Preisgeld. Die nächsten acht Jahre rutschte er nicht aus den Top 50 der Welt. 2008 holte er den Titel bei der BMW International Open in München kurz nach dem Tod seiner Mutter, sein „emotionalster Sieg“, sagt er noch immer. Kaymer gehört inzwischen zur Spitzengruppe Europas – und sein Majorsieg 2010 im amerikanischen Whistling Straits veränderte endgültig alles: „Ich habe nicht von mir erwartet, dass ich mit 25 Jahren ein Major gewinne“, rekapitulierte er den Erfolg 2014, als er auch noch die US Open gewonnen hatte. „Ich war erstaunt über mich selbst.“

Deutschlands Golfszene war es auch. Vor allem aber war sie begeistert: Martin Kaymer war der Erfolgsmann mit System, ein junger Typ, der so gar keine Flausen zu haben schien, auf den man sich verlassen konnte. „German machine“ nannte ihn der eine oder andere amerikanische Journalist. Dieser ruhige Profi aus Mettmann war kein verrücktes Balltalent wie Bubba Watson, den er im Playoff der US PGA Championship von Whistling Straits besiegt hatte, sondern ein systematischer Spieler mit erstklassigem langem Spiel, großer Beharrlichkeit sowie einer ziemlich schnellen Auffassungsgabe.

Letztere führte dazu, dass Kaymer im Verlauf seiner jungen Profikarriere sehr schnell seine Defizite erkannte und anfing sie auszumerzen. „Ich will mehr Golf in Amerika spielen“, ließ er im November 2010 wissen. „Um ein besserer Spieler zu werden, muss ich auf unterschiedlichen Kontinenten, in unterschiedlichen Staaten und verschiedenen Ländern spielen.“ Er nahm die volle Mitgliedschaft auf der US PGA Tour an und drehte Europa erst einmal den Rücken. Das unbekannte Putten und Chippen auf dem in den USA üblichen Bermudagras war eine Herausforderung – Kaymer zog nach Arizona und begann wie verrückt zu trainieren.

Den Anschluss an die Weltspitze schaffte er wie im Flug. 2011 war er die Nummer 1 der Welt. Der Rummel um seine Person war riesig. Zu viel für einen, der keinen Wert auf viel Präsenz in der Öffentlichkeit legt. „Ich konnte mit vielen der Dinge, die in Deutschland passierten, nicht umgehen“, gab er zu. „Das war alles viel zu viel. Um ehrlich zu sein, das alles zu verkraften und gleichzeitig gutes Golf zu spielen, war extrem schwierig.“ Kaymer verlor den Fokus und die Form. Sein Start beim Masters in Augusta im April 2011 geriet zu einer Katastrophe, was auch damit zu tun hatte, dass ihm der Platz sowieso bis heute nicht sonderlich liegt. Es ist, wie er selbst sagt, die „größte sportliche Herausforderung, die ich je hatte“, mit einem Layout fertigzuwerden, das seinem Spiel von Grund auf eigentlich nicht entgegenkommt. Kaymer verpasste also den Cut – und das Versagen des deutschen Weltranglistenersten wurde in sämtlichen Golfgazetten der Welt aus jedem nur möglichen Blickwinkel beleuchtet.

Nach einem Aufstieg, der wie ein Golfmärchen erschien, erlebte der junge Deutsche zum ersten Mal Ernüchterung. Er fing an seinen Erfolg zu relativieren, die Position des Weltranglistenersten, so erkannte er, hat seine Tücken. „Fest steht, dass, wenn man wirklich auf die Weltrangliste achtet und wenn einem die Weltrangliste wichtig ist, man dann da sehr schnell sehr viel Druck aufbauen kann. Und den Druck von außen, den spürt man auch. Der kommt von den Medien, von den anderen Spielern, weil einfach immer darüber gesprochen wird. Das Gefühl ganz oben an der Spitze ist also eigentlich kein anderes, aber es ist einfach sehr schwer, konstant immer sehr gutes Golf zu liefern. Da baut sich Druck von anderen auf, der sich aber durchaus auf das eigene Spiel auswirken kann.“ Als Kaymer dies 2011 bei der PGA Championship in Wentworth in einem Gespräch erzählt, hat er die Spitzenposition bereits wieder abgegeben.

Die nächsten Jahre werden schwierig, weil ein Konflikt offenkundig wird: Martin Kaymer will internationales Spitzengolf spielen – aber nur bedingt das damit verbundene Leben führen. Die Begehrlichkeiten von Fans, Turnierveranstaltern, Sponsoren und Presse sind ihm oft zu viel. Er weiß, dass das Leistungsniveau auf der amerikanischen PGA Tour höher ist als in Europa, andererseits aber will er nicht immer in Amerika leben. „Golf kann nicht alles sein“, erklärte er 2013 vor der BMW International Open in München bei einer denkwürdigen Pressekonferenz, zu der er ins Seehaus im Englischen Garten eingeladen hatte. Er brauche ein Stück deutsche Normalität, „ab und zu Wäsche, die nach Persil riecht“ oder Weihnachten „eine Gans essen mit Rotkohl und Knödel“. Und überhaupt wolle auch er „einmal Erdbeeren pflücken gehen wie alle anderen“.

Es verging noch fast ein Jahr, bis sich das Blatt wieder wendete und aus Kaymer dem Haderer, wieder Kaymer der Sieger wurde.

Als der Wechsel kommt, ist er wieder einmal fulminant. Der Deutsche gewinnt 2014 zuerst die Players Championship in Ponte Vedra Beach in Florida und legt dann noch den Sieg bei der U.S. Open in Pinehurst nach. Er ist zurück in der Weltspitze, mit zwei Majorsiegen einer der Besten, die Europas Golfszene aufzubieten hat. Und in Deutschland hofft man, der Glanz der Siege Kaymers könne ein wenig auf die ganze Sportart abfärben und dieser mehr Präsenz sowohl im Fernsehen als auch in der breiten Öffentlichkeit verschaffen.

Kaymer ist längst Profi, was diese Erwartungshaltungen anbelangt. Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 lieferte er eine erstklassige Vorstellung als Golfbotschafter ab. Bei der Eröffnungsfeier im Maracana-Stadium schob man den 31-Jährigen im deutschen Sportlerteam in die vorderen Reihen, damit ihn auch alle Fernsehzuschauer sahen. Golf mag in Rio de Janeiro ein relativ neuer Sport bei den Olympischen Spielen gewesen sein – der Golfer Martin Kaymer aber hatte im deutschen Fernsehen einen weit höheren Wiedererkennungswert als jeder Ruderer oder Leichtathlet.

Für ihn selbst waren die Olympischen Spiele einer der Höhepunkte seiner Sportkarriere. All die anderen Sportler und Sportarten so nah zu verfolgen, das war ganz sein Ding. „Wenn da die Nationalhymne von allen Sportlern gesungen wird, das ist schon noch was anderes“, gab er zu. Eine Gänsehaut habe er bekommen. Der Golfer Kaymer – eigentlich verankert in seiner Individualsportart – spürte bei Olympia den Reiz einer Teamveranstaltung.

Emotionen wie diese hat er sonst nur beim Ryder Cup kennengelernt, den er von 2010 bis 2016 vier Mal in Folge spielte. Ein überaus emotionaler Spieler war er auch da nie, keiner, der wie die Kollegen Rory McIlroy oder Ian Poulter aufgepumpt vom Adrenalin über die Fairways stürmte. Trotzdem war gerade er es, der 2012 in den USA den entscheidenden Putt zum Sieg Europas lochte, als er in seinem Einzel Steve Stricker besiegte. Der Rausch der Gefühle, den man im Anschluss bei dem Deutschen beobachten konnte, war ungewöhnlich. In die Deutschlandfahne gehüllt, ließ er sich feiern, jubelte Fans und Freunden zu. Es war ein ungewöhnlicher Emotionsausbruch für einen, der stets versucht, während seines Jobs als Golfprofi möglichst wenig nach außen dringen zu lassen.

Nach mehr als 15 Profijahren gibt es längst den Golfer Kaymer und den Privatmann Kaymer, beide fein säuberlich getrennt. Der Sportler ist zwischendrin sogar aus den Top 150 der Weltrangliste gefallen, hat seinen letzten Turniersieg 2014 geholt und gelernt, ein Spieler in der zweiten Reihe zu werden. Die automatische Qualifikation für jedes Major-Turnier, jede World Golf Championship ist dann dahin. Verletzungen, Formtiefs, Rückschläge: Viele der Tiefs, die das Leben eines Berufssportlers ausmachen, erlebt der Deutsche nicht wie viele andere zum Beginn der Karriere, sondern erst jetzt nach einem langen Höhenflug.

Blickt man aber hinter die Zahlen und Positionen, um die es in Ranglisten und Qualifikationen geht, so bleibt vor allem eine Erkenntnis: So tief der Absturz gewesen sein mag, so ungewöhnlich ist dieser Martin Kaymer trotzdem als Spieler, weil er mehrfach im Verlauf seiner Karriere Weltklasse war und aus dem großen Feld der Durchschnittsspieler deutlich herausragte. Der eine oder andere Athlet erreicht solch einen Zustand vielleicht irgendwann im Verlauf seiner Karriere, weil alle Umstände glücklich zusammenpassen. Wenn jemand wie Kaymer mehrfach und über einen längeren Zeitraum derartig überzeugt, ist es Können und nicht Zufall.

Bei der U.S. Open 2014 zum Beispiel war der Deutsche schlicht unbesiegbar. Ein Ausnahmeathlet mit Drives, die auf den Punkt geschlagen wurden, viel Aggressivität und einem Riecher für das richtige Spiel. Allesamt Eigenschaften, die man sehr selten findet. Sie machen Majorsieger aus, solche wie Martin Kaymer.

Rory McIlroy

Ball-Artist

und Businessman

Es gibt diese Geschichte vom kleinen, wildgelockten Rory McIlroy, der eines Tages in der St. Patrick’s Primary School im nordirischen Holywood nicht wirklich bei der Sache wirkte und auf diese Unaufmerksamkeit von seiner Lehrerin Miss McCullough angesprochen wurde. Die Antwort des Schülers, der bekanntlich schon als Dreijähriger ziemlich gekonnt Golfbälle passgenau in die Waschmaschine seiner Mutter schlug, klang so: „Keine Angst Miss McCullough, ich werde schon zurechtkommen.“ Jahre später, McIlroy kam inzwischen tatsächlich finanziell gut zurecht und war außerdem ein Superstar des Golfsports, traf er seine alte Lehrerin bei einem Golfturnier wieder. Miss McCullough half bei dem Golfturnier in Nordirland am Platz als Marshall aus, bei dem ihr einstiger Schüler der Zuschauermagnet war. Als McIlroy seinen Ball dorthin schlug, wo die Lehrerin stand, schaute er kurz zu ihr auf, lachte und sagte. „Hallo, Miss McCullough, wie geht’s denn so?“

Der Multimillionär und Superstar ist sich in vielerlei Hinsicht treu geblieben. Seine Frau Erica ist Amerikanerin, längst lebt er in Florida auf Jupiter Island – aber an der Heimat Nordirland, seinen alten Freunden, den bekannten Orten hängt er noch immer.

Für die Menschen in Holywood ist McIlroys Karriere eine fantastische Geschichte: Ein begnadeter kleiner Golfer, für dessen Karriere Eltern Nachtschichten einlegen und doppelte Jobs absolvierten, wird zu einem der größten Verdiener im Golfsport und einem der 50 Topverdiener im Sport des Jahres 2019. Als er in diesem Jahr mit gerade einmal 30 Jahren zum zweiten Mal die Tour Championship in Atlanta gewann und den Jackpot von 15 Millionen Dollar abräumte, war seine Reaktion nüchtern. „Das war bisher eine ganz gute Saison“, sagte er.

Rory McIlroy, so heißt es aus dem Kreis der Kollegen und deren Coaches, habe das Selbstbewusstsein eines Riesen – aber eben auch ein einfach begnadetes Spiel. Er ist eines jener Naturtalente, die mit dem Ball schier nach Belieben zaubern – einer wie Severiano Ballesteros: ein Künstler mit eigenem Kopf. Mentales Training, Ausruhen, Strategieplanung – all das war nie sein Ding. Schon als Kind daheim im Holywood GC war er einfach ein Spieler, der schon als Achtjähriger mit den älteren Jungs auf dem Platz zockte. Als Zehnjähriger fuhr er zur Callaway Junior World Championships und wurde Neunter. Ein Jahr später gewann er das Turnier.

Wer eine glasklare, perfekte Amateurkarriere verfolgen will, muss sich seine ansehen. Er spielte Junior Ryder Cup, gewann 2006 die Europameisterschaften der Amateure, stellte als 16-Jähriger einen Platzrekord mit 61 Schlägen in Royal Portrush auf. Bei der British Open in Carnoustie 2007 war er ein leicht übergewichtiger, wildgelockter Teenager, der beherzt diesen doch so schweren Championship-Platz angriff. Er gewann die Silver Medal für den besten Amateur. Wer, wenn nicht er?

Als er 2007 ins Profilager gewechselt war, begann eine Karriere im Schnelldurchgang, die Experten längst vorausgesehen hatten. McIlroy bekam einen hochdotierten Vertrag beim Sportmanager Chubby Chandler und seiner Firma International Sports Management, Geld war schnell kein Thema mehr. 2009 gewann er sein erstes Turnier, die Dubai Desert Classic. Am 22. November 2009 war er unter den Top Ten der Welt angelangt – mit gerade einmal 20. Ein Jahr später gab er sein Debüt beim Ryder Cup. Wer glaubte, hier trete ein schüchterner Debütant an, täuschte. Für diesen Teamwettbewerb voll der Emotionen war dieser junge Mann wie gemacht. Er avancierte von Beginn seiner Ryder-Cup-Karriere an zu einer Führungsfigur und ist dies bis heute geblieben. Europas Ryder-Cup-Team ohne einen Rory McIlroy scheint im Moment undenkbar, zumal der junge Mann zwischendrin immer wieder mit aufsehenerregenden Extraeinlagen punktet. 2012 beim Ryder Cup im amerikanischen Medinah Country Club verpasste er beinahe seine Startzeit um 11.25 Uhr in den alles entscheidenden Einzeln. Er hatte eine Stunde Zeitverschiebung übersehen, morgens am Sonntag in Ruhe ein wenig Fernsehen geschaut, bevor die Organisatorin des Shuttle-Dienstes im Spielerhotel bemerkte, dass McIlroy nicht wie beabsichtigt schon Richtung Platz unterwegs war. Um elf Uhr klingelte man ihn aus seinem Zimmer, er bekam einen Platz in einem Polizeiauto, das ihn mit Sirene und Blaulicht zum Golfplatz fuhr. „Ich glaube nicht, dass ich mir jemals hätte verzeihen können, wenn ich mein Team und meinen Kapitän hier hätte hängen lassen“, meinte er später in der Pressekonferenz. „Ich war so froh, dass ich noch zehn Minuten vorher da war; ich holte den Punkt für mein Team und am Ende haben wir gewonnen. Ich bin ja sowieso keiner, der zu früh zum Platz kommt. Eine halbe Stunde reicht mir, dann bin ich fertig. Ich mache mein Ding und spiele los.“

Seine spätere Frau Erica lernte er übrigens bei dieser Gelegenheit kennen – wobei der Medienstar McIlroy zu diesem Zeitpunkt noch in einer Beziehung mit der Ex-Tennisweltranglistenersten Caroline Wozniacki lebte, der er allerdings 2014 bei einer Pressekonferenz im Rahmen der BMW PGA Championship im britischen Wentworth den Laufpass gab. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 300 Hochzeitseinladungen für die dreitägige Feier im Rockefeller Center in New York verschickt, der Verlobungsring hatte McIlroy 150.000 Euro gekostet. „Das Problem liegt bei mir. Die Hochzeitseinladungen haben mir klargemacht, dass ich nicht bereit bin, für all das, was eine Ehe erfordert“, erklärte McIlroy vor laufenden Kameras. Er löste die Verlobung auf, ging raus auf den Platz und gewann das Turnier. Die Schlagzeilen in den Tageszeitungen waren ihm sicher.

Anders als Tiger Woods hat Rory McIlroy nie versucht, sich gänzlich der Öffentlichkeit zu entziehen. Im Gegenteil: Mit Kontroversen hat er kein Problem, schon deshalb genießt er einen festen Platz in den Medien. Politische Fragen zum Status Nordirlands diskutierte er in der Vergangenheit immer wieder, kritische Kommentare zu den Regularien und Abläufen der Profi-Touren gibt er häufig ab. Nein, Rory McIlroy ist keiner, der sich mit seiner Meinung versteckt. Unsympathisch wirkt er dabei nicht, weil die Öffentlichkeit den Eindruck hat, dass sich hier ein Mann treu bleibt.

Rein wirtschaftlich betrachtet, ist der Nordire längst eine eigene feste Größe im Golfgeschäft. Mit GolfPass, einem digitalen Abonnementdienst, brachte McIlroy Anfang des Jahre 2019 zusammen mit dem US-Sender NBC ein Produkt auf den Markt, über das er seine eigene Vermarktung steuert. Wer für 9,99 Dollar Mitglied wurde, bekam Unterrichtsmaterial von McIlroy und seinen Coaches, Interviews, Schwungsequenzen, empfohlene Produkte. Anderen Plattformen, egal ob im Fernseh-, Online- oder Print-Bereich, entzieht sich McIlroy zunehmend.

Und auch sein Management übernimmt er selbst. Die Firma Rory McIlroy Management Services Ltd mit Sitz in Dublin kümmerte sich schon um die Geschäfte des Golfstars, als dieser gerade erst Anfang 20 war. Sein Vater Gerry fungiert als Direktor. Fremdbestimmung durch eine externe Managementfirma schätzt McIlroy nicht.

Daher gilt auch auf den internationalen Golftouren: Rory McIlroy tritt auf, wann und wo er will, den nächsten Majortitel fest im Blick. Am Ende nämlich ist es immer noch der kleine weiße Ball, das Golfspiel, das ihn bewegt. Einer der prägendsten Momente bei allen seinen Erfolgen wohl der Finaltag des US Masters 2011. Die Bühne schien bereit für seinen ersten Majortriumph, als er in die Schlussrunde mit vier Schlägen Vorsprung startete. Auf eine dreitägige Präsentation voll von Brillanz folgte das Desaster am zehnten Loch, nachdem die Führung ohnehin auf einen Schlag dahingeschmolzen war. Nach einem ausgeprägten Hook links in die Bäume blieb nur noch ein Rettungsschlag zurück aufs Fairway. Er verpasste das Grün, spielte ein Triple-Bogey mit sieben Schlägen und verließ das Loch wie erstarrt. Die verbleibenden acht Löcher schien der Ire unter seiner tiefgezogenen Kappe zu verschwinden. Ein Bogey an Bahn elf, danach ein Vierputt zum Double-Bogey an Loch elf: Mit dem Gewinn des Grünen Jacketts für den Masters-Sieger hatte er da längst nichts mehr zu tun. „Wenn ich das nächste Mal in so einer Position bin, werde ich sie hoffentlich besser bewältigen“, meinte er im Anschluss.

Lange warten musste er nicht: Zwei Monate später gewann er die U.S. Open im Congressional Country Club mit acht Schlägen Vorsprung, im August 2012 legte er mit dem Titel des PGA Champions nach. 2014 holte er noch einmal den Titel bei der PGA Championship und dazu den bei der British Open. Er wurde Weltranglistenerster, Player of the Year, gewann das Race to Dubai. Gleichzeitig kämpfte er aber auch immer wieder mit Putt-Problemen, dem einen oder anderen Versagen bei Turnieren. Nein, ein Perfektionist, der konsequent an einer Spielstrategie festhält, ist er eben nie gewesen. Dafür ein Ball-Artist, emotional und begnadet, intuitiv und wahrscheinlich deshalb auch sympathisch.

Entstanden ist auf diese Weise über die Jahre hinweg nicht nur das Bild von einem extrem erfolgreichen Sportler, sondern vor allem von einer Person des öffentlichen Lebens. Wer am Flughafen Belfast das Terminal betritt, geht durch eine Fotogalerie der bekanntesten irischen Personen. Das Bild von Rory McIlroy kommt gleich zu Beginn. Er ist immer noch sommersprossig, aber die wilden Locken sind zurechtgestutzt. Fest steht: Er kommt ganz gut zurecht, als Sportler und als Geschäftsmann.

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9783969692875
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