Kitabı oku: «YES YOU CAN. Rauchfrei in 40 Tagen.»

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leykam: seit 1585

PETRA RUPRECHTER-GROFE ROMAN SANDER

YES YOU CAN

Rauchfrei in 40 Tagen


© by Leykam Buchverlagsgesellschaft m.b.H. Nfg. & Co. KG, Graz-Wien 2021

Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Lektorat: Mag.a Ursula Scholz u. Dr.in Gundi Jungmeier

Comics: Ulrike Zechmann u. Sarah Locher

Cover Verlagsausgabe: Andrea Malek-Rappitsch, Malanda Buchdesign

Satz: Annalena Weber Buchdesign, Hamburg

Gesamtherstellung: Leykam Buchverlag

ISBN 978-3-7011-8165-0

eISBN 978-3-7011-8228-2

www.leykamverlag.at

Geleitworte kurzgefasst

Die ausführlichen Geleitworte finden Sie am Ende des Buches.

ÖGK – Österreichische Gesundheitskasse – Landestelle Steiermark

Endlich nicht mehr am letzten Platz bei der Tobacco Control Scale! Durch die Anhebung des Konsumations- und Verkaufsalters im Zusammenhang mit Tabakwaren sowie durch die Einführung der rauchfreien Gastronomie setzt Österreich einen bedeutsamen Schritt in Richtung Rauchfreiheit. Die ÖGK unterstützt die Tabakprävention bereits seit vielen Jahren und wird es auch in Zukunft tatkräftig tun.

VIVID – Fachstelle für Suchtprävention

VIVID setzt sich dafür ein, dass Nichtrauchen »normal« und Rauchen zur Ausnahme wird. Vieles hat sich diesbezüglich bereits getan: Im Flugzeug, im Zug oder in den eigenen vier Wänden ist Rauchfreiheit für die meisten Menschen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit.

Rauchfrei Telefon

Mit Unterstützung gelingt der Rauchstopp leichter als ohne Hilfe. Rauchstopptelefone (»Quitlines«) sind ein international übliches Angebot zur Unterstützung beim Rauchstopp.

Deutsches Krebsforschungszentrum

Beim E-Zigarettenkonsum gelangen kleinste Partikel, Nikotin und weitere Substanzen – darunter krebserregende – in die Raumluft. E-Zigaretten verursachen daher auch in Innenräumen Gesundheitsschäden.

Österreichische Krebshilfe

Rauchen ist für ein Drittel aller Krebserkrankungen verantwortlich. Alleine in Österreich bedeutet das jährlich 13 000 Neuerkrankungen. Es spricht also alles für ein rauchfreies Leben.

Gesundheitseinrichtung Josefhof

Viele Personen höheren Alters scheuen sich davor, einen Rauchstopp auszuprobieren, weil sie sich vor Einbußen in der Lebensqualität fürchten. Am Josefhof wird daher entscheidenden Fragen nachgegangen: »Was kann ich tun, anstatt zur Zigarette zu greifen?« »Wie kann ich meinen Tag füllen?«

Forum für evidenzbasierte Tabakpolitik in Österreich

Gesundheit wird durch unsere Biologie (z. B. Alter und Geschlecht), durch unser Verhalten (z. B. Rauchen und Ernährung) und durch die Gesellschaft, in der wir leben (z. B. Wirtschaft, Infrastruktur), beeinflusst.

INHALT

Geleitworte kurzgefasst

Bevor es losgeht

TAG 1 – 7 Informiert in die Rauchfreiheit

Nie wieder Rauchen? Gründe für das Aufhören

Reise in Ihre Rauchvergangenheit

Die Zigarette und der Rauch: Inhaltsstoffe, Nebenwirkungen und Tabakindustrie

Ist Rauchen reine Kopfsache? Fagerström-Test und Arten der Abhängigkeit

Strichliste und Rauchprotokoll: Wann und wie viel rauche ich tatsächlich?

Tag 1–7 auf den Punkt gebracht

TAG 8 – 14 Vorbereitung auf den Tag X

Pro und Contra: Was ist toll am Rauchen / Wofür lohnt sich der Rauchstopp?

Es muss nur »Klick« machen: Rauchfrei-Werden als Prozess

Rauchstopp ganz konkret: Bewährte Rauchalternativen und vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten

Tag 8–14 auf den Punkt gebracht

TAG 15 – 21 Tipps und Tricks für den Rauchstopp

Bewährte Rauchstopp-Methoden

Soziale Unterstützung

Das Positive ins Blickfeld rücken

Belohnung für das Durchhalten

Tag 15–21 auf den Punkt gebracht

TAG 22 – 28 Rauchfrei-Bleiben ohne Gewichtszunahme und Verspannung

Rauchstopp und Körpergewicht

Bewusstes Genießen

Wenn die Verdauung gestört ist

Aktiv werden und bleiben

Entspannung jenseits der Zigarette. Progressive Muskelentspannung und kurze Entspannungsübungen für den Alltag

Weitere Entspannungsübungen

Tag 22–28 auf den Punkt gebracht

TAG 29 – 35 Einladungen der Zigarette erfolgreich widerstehen

Einladungen der Zigarette

Glaubenssätze

Wenn-Dann-Pläne

Die WOOP-Methode

Tag 29–35 auf den Punkt gebracht

TAG 36 – 40 Aufstehen, ausdämpfen, weitermachen

Wenn es dennoch passiert

Besondere Umstände

Tag 36 – 40 auf den Punkt gebracht


Zum Schluss

Wir sagen Danke

Weiterführende Unterstützung

Fachliche Geleitworte

Literaturverzeichnis

Rauchfrei-Kalender

Die Autorin und der Autor

Bevor es losgeht

Rauchfrei in 40 Tagen? Geht das überhaupt?

Wir sagen: Ja, das geht. Weil wir es in unseren Seminaren bei tausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern so erlebt haben.

Wir sagen daher: Yes you can! Alles spricht dafür, dass auch Sie es schaffen, von der Zigarette loszukommen, um wieder frei durchzuatmen. Trauen Sie es sich selbst zu!


Erfahrungsbericht Machen Sie es wie eine unserer Kursteilnehmerinnen, die trotz vorheriger Fehlversuche beschlossen hatte, sich noch eine Chance zu geben. Schließlich hatte sie nichts zu verlieren, sondern nur Gesundheit und Lebensqualität zu gewinnen. Zu Beginn der 40 Tage dämpfte sie nicht – wie bei früheren Versuchen – einfach die Zigarette aus und bemühte sich, keine neue anzuzünden, während ihr Gedankenkarussell sich stets ums Rauchen drehte. Vielmehr beschäftigte sie sich erst einmal ausgiebig mit ihrem Rauchverhalten. Sie hinterfragte, wann und weshalb sie rauchte, beobachtete Nichtraucherinnen und Nichtraucher, wog Vor- und Nachteile des Rauchstopps ab, überlegte sich individuell angepasste Rauchalternativen und wagte schließlich den entscheidenden Schritt. Nach einigen wenigen Anläufen wurde sie rauchfrei.

62 Prozent der rund 10 000 steirischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die bisher an den Rauchfrei-Seminaren der Österreichischen Gesundheitskasse teilgenommen haben (Stand November 2020), fanden gleich im Laufe des Seminars oder direkt danach ihren persönlichen Weg in die Rauchfreiheit. Sie können das auch schaffen!

Die Begleitung von Gruppen und Einzelpersonen in der Tabakentwöhnung fesselt und fasziniert uns seit vielen Jahren. Kein Aufhören gleicht dem anderen. Die Freude nach jedem gelungenen Rauchstopp ist ansteckend, packt auch uns, egal ob der Rauchstopp kurz, lang oder bereits endgültig ist.

Für all jene, die nicht zu uns ins Seminar kommen können – und für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die die Antworten auf ihre Fragen gerne in der Hand halten – haben wir dieses Buch geschrieben.

Wir geben Ihnen damit jene Werkzeuge mit, die Sie benötigen, um den Schalter von zigarettensüchtig auf rauchfrei umzulegen. Yes you can!

In sechs Kapiteln mit sorgsam zusammengestellten und jahrelang erprobten Übungen begleiten wir Sie über 40 Tage und unterstützen Sie mit kompaktem Wissen und Anregungen, sich selbst besser kennen zu lernen. Unter unserer Anleitung bewegen Sie sich Schritt für Schritt in Richtung Ihres neuen Lebens ohne Zigarette.

Um Ihnen die Orientierung im Buch zu erleichtern, haben wir die verschiedenen Textelemente mit unterschiedlichen Symbolen versehen:


Symbole im Buch
Hier finden Sie Erfahrungsberichte aus der Praxis.
Dieses Zeichen kennzeichnet kurze und knackige Informationen.
Diese Tabellen enthalten Erfahrungswissen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern, das wir über viele Jahre gesammelt haben.
Dabei handelt es sich um wissenschaftlich überprüfte Erkenntnisse.
An diesen Stellen können Sie sich Notizen in einem Notizbuch machen.
Hier finden Sie konkrete praktische Übungen.

Sie können das Buch von vorne bis hinten durchlesen oder sich einzelne Kapitel heraussuchen, die für Sie gerade relevant sind – wie es für Sie passt. Auch der Zeitpunkt für Ihren persönlichen Rauchstopp kann vom Zeitplan im Buch abweichen. Wichtig ist, dass er gut mit Ihrem Leben harmoniert. Selbst wenn Sie gerade »aufstehen, ausdämpfen, weitermachen!« gelesen haben, muss noch nicht zwangsläufig Ihre letzte Zigarette ausgedämpft sein, damit sich das Weiterlesen lohnt. Bleiben Sie dran und behalten Sie trotz möglicher Umwege das Ziel der Rauchfreiheit im Auge.

Jetzt aber an den Start! Schalten Sie um auf Rauchfreiheit und freuen sich auf DIE Veränderung Ihres Lebens!

Viel Erfolg bei Ihrem persönlichen Rauchstopp wünschen Ihnen Ihre Petra Ruprechter-Grofe und Ihr Roman Sander.

Tag 1 – 7 Informiert in die Rauchfreiheit


NIE WIEDER RAUCHEN? GRÜNDE FÜR DAS AUFHÖREN

Nun ist es so weit. Sie haben es in der Hand. Sie haben das Buch in der Hand. Wieso Sie es aufgeschlagen haben, kann unterschiedliche Gründe haben. Vielleicht ist es Ihr erster Versuch, rauchfrei zu werden. Vielleicht haben Sie das schon hin und wieder für eine bestimmte Zeit geschafft. Oder Sie spielen schon länger mit dem Gedanken, einen neuen Lebensabschnitt ohne Zigarette zu beginnen. Was auch immer Ihr Beweggrund sein mag: Mit diesem Buch können Sie erfolgreich in Ihr neues rauchfreies Leben starten.

Welche Gründe sprechen überhaupt für einen Rauchstopp? Argumente gibt es viele – und die eigenen sind meist eine individuelle Mischung aus den folgenden Punkten, die uns die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Seminare und Beratungen im Laufe der Zeit genannt haben. Gerne können Sie das ankreuzen, was auf Sie zutrifft:

Gründe für das Aufhören

Gesundheit

• so lange wie möglich gesund bleiben wollen: sich schützen wollen, insbesondere vor COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung), Krebs, Diabetes, Bluthochdruck, Augenproblemen (z. B. grauer Star), Herzinfarkt, Schlaganfall etc.

• schöne Haut

• durchatmen können, ohne zu husten

Kondition und körperliche Ausdauer

• langer Atem, auch bei Bewegung

Geld sparen

Angenehmer Geruch

• Atem, Kleidung, Auto, Möbel etc.

• die damit verbundene positivere Wirkung auf andere Menschen

Kinderwunsch

Mehr persönliche Freiheit statt Abhängigkeit

Zeitersparnis

• kein zeitlicher Druck mehr, dass sich noch eine Zigarette ausgehen muss

Besseres Image

• wieder »IN« sein: Rauchen ist gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert

Vorbildfunktion

• für Kinder, Jugendliche und Enkelkinder

Ihre zusätzlichen Gründe


Erfahrungsbericht Herr J., mit Leib und Seele Opa, verbringt seine Zeit gerne mit seinen Enkelkindern. Sie tollen herum, entdecken die Natur und verschlingen ein Buch nach dem anderen. Eines Tages spielen sie am Teppich im Wohnzimmer Monsterjagd. Doch noch bevor alle Monster besiegt sind, unterbricht Herr J. das Spiel, steht auf, geht auf die Terrasse und raucht eine Zigarette. Währenddessen beobachtet er durch die gläserne Terrassentür, wie die beiden Kinder ihm zusehen und sehnsüchtig auf seine Rückkehr warten. Plötzlich kommt er sich komisch vor und schämt sich dafür, dass ihm das Rauchen wichtiger zu sein scheint als das Spiel mit den Enkeln. Ihm wird bewusst, dass er als Raucher möglicherweise Lebensjahre verliert, die er dann nicht mit den Enkeln verbringen kann. Augenblicklich beschließt er, mit dem Rauchen aufzuhören, was er nach einem Prozess von ungefähr zwei Monaten auch schafft.

Ein kleiner Funke kann bereits ein großes Feuer entfachen. Wenn Sie einen einzigen guten Grund nennen können, rauchfrei zu werden, lohnt sich der Rauchstoppversuch bereits!

Falls Sie Ihre Antworten noch nicht in Worte fassen können, lesen Sie beruhigt weiter und kommen Sie später wieder auf diese Frage zurück.


Erfahrungsbericht Zu Beginn eines Tabakentwöhnungsseminars stellen sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor. Eine junge Frau meint rigoros: »Nur damit ihr es wisst: Ich bin wegen meines Freundes da. Er möchte unbedingt, dass ich das Seminar besuche. Ich selbst möchte nicht mit dem Rauchen aufhören.« Im Laufe der Sitzungen beschäftigt sich die Teilnehmerin mit den unterschiedlichen Themen und beteiligt sich immer wieder an der Diskussion. Am Ende beschreibt sie, welche wertvolle Erfahrung sie gemacht hat, indem sie zum ersten Mal über ihr eigenes Rauchverhalten nachgedacht hat. Sie sei zwar noch nicht bereit, einen Rauchstopp auszuprobieren, wisse aber, dass das in naher Zukunft ein Thema werden könne.

REISE IN IHRE RAUCHVERGANGENHEIT

Beginnen Sie Ihren Weg in die Rauchfreiheit, indem Sie sich entspannt zurücklehnen und eine kleine Zeitreise unternehmen.

Diese detektivische Recherche hilft Ihnen dabei, Ihr eigenes Rauchverhalten besser kennenzulernen. Und vielleicht bemerken Sie auch, wie sich die Bedeutung der Zigarette im Laufe Ihres Lebens verändert hat.

Wenn Sie möchten, können Sie Ihre Reiseerkenntnisse schriftlich festhalten:

Reise in die Rauchvergangenheit

Wann habe ich mit dem Rauchen begonnen?

Welche Beweggründe gab es damals für mich?

Wie hat sich mein Rauchkonsum daraufhin entwickelt?

Seit wie vielen Jahren rauche ich regelmäßig?

Habe ich im Laufe der Jahre meine Anzahl an Zigaretten pro Tag erhöht?

Gab es Phasen, in denen ich weniger geraucht habe oder eine Zeit lang rauchfrei war?

Was hat mir dabei geholfen?

Wie viele Zigaretten rauche ich derzeit?

Was sind die häufigsten Anlässe dafür?

Warum habe ich mich gerade jetzt entschieden, mit dem Rauchen aufzuhören?

Platz für Notizen:

DIE ZIGARETTE UND DER RAUCH: Inhaltsstoffe, Nebenwirkungen und Tabakindustrie

Woraus besteht eine Zigarette? Was befindet sich im Rauch? Welche Auswirkungen hat das Rauchen auf Gesellschaft, Umwelt und Gesundheit? Welche herkömmlichen und neuartigen Tabakprodukte gibt es? Ist Passivrauchen schädlich? Hier finden Sie Antworten auf diese Fragen.

Die Zigarette unter der Lupe

Beim Tabakanbau und bei der Weiterverarbeitung zu Tabakprodukten werden zahlreiche Substanzen und Zusatzstoffe verwendet, die sowohl die Abhängigkeit als auch die gesundheitsschädigende Wirkung erhöhen. Bis zu 600 Zusatzstoffe werden der Papierhülle, dem Filter und dem Rohtabak im Laufe der Herstellung hinzugefügt. Sie sollen bewirken, dass tiefer inhaliert wird, dass das Suchtpotenzial erhöht wird und der Geschmack sowie der Geruch sich verbessern. Außerdem haben die Zusatzstoffe Einfluss auf die Glimmeigenschaft und senken die Verbrennungsgeschwindigkeit des Tabaks. Kurz: Das Zusammenspiel all dieser Zusatzstoffe macht Zigaretten attraktiv.

Woraus eine Zigarette besteht, finden Sie – in Auszügen – hier aufgelistet:


Zutaten der Zigarette
Hauptwirkstoff Nikotin überwindet schon nach sieben bis zehn Sekunden die Blut-Hirn-Schranke und fördert die Abhängigkeit
Glyzerinacetat, Polyvinylacetat etc. bilden den Filter
Farbstoffe, Weichmacher, Stoffe für Aufdrucke etc. finden sich im Zigarettenpapier und im Mundstück
Zellulose wird – unter Einsatz von Bindemitteln – zur Herstellung des Zigarettenpapiers verwendet
Glyzerin hält den Tabak feucht
Propylenglykol hält ebenfalls den Tabak feucht und macht den Rauch verträglicher
Magnesium-oxid macht den Rauch optisch heller – schließlich raucht das Auge mit …
Ammoniumverbindungen finden sich in der Zigarettenfüllung, aromatisieren den Tabak, steuern die Abbrandgeschwindigkeit und erhöhen wahrscheinlich die Abhängigkeit
Kakao macht den Rauch milder und erleichtert dadurch ein tiefes Inhalieren
Lakritz Menthol schmeckt süßlich und weckt Lust auf mehrvermindert die Schärfe des Rauchs, mildert das Kratzen im Hals
Zucker verbessert den Geschmack, verstärkt die Inhalationstiefe, erhöht aber gleichzeitig auch die Suchtwirkung
Vanillin verbessert Geschmack und Geruch
Johannisbrot aromatisiert den Tabak und macht den Rauch milder


Zutaten des Zigarettenrauchs

Zigarettenrauch oder der Rauch weiterer Tabakprodukte enthält mehr als 4 800 Substanzen, die vorwiegend erst beim Verbrennen des Tabaks und der beigesetzten Zusatzstoffe entstehen.

Da Zigarettenrauch zahlreiche Gifte und krebserregende Stoffe beinhaltet, wird er von internationalen Institutionen als gesundheitsschädlich eingestuft. Es gibt keine gesundheitlich unbedenkliche Menge an Zigarettenrauch, da bereits eine geringe Dosis die Gesundheit schädigen kann.


Eine Person, die pro Tag eine Schachtel Zigaretten konsumiert, nimmt unter anderem ungefähr eine Tasse Teer jährlich in die Lunge auf. Der für Rauchende typische Husten ist eine Abwehrreaktion der Atemwege, um diese Fremdkörper wieder loszuwerden.

Nachfolgend finden Sie eine kleine Auswahl der giftigen und teilweise krebserregenden Substanzen im Zigarettenrauch:


Zutaten des Zigarettenrauchs
Substanz Beispiele für Verwendung bzw. Vorkommen Giftige Eigenschaften
Acetaldehyd für die Herstellung organischer Großprodukte (z. B. Essigsäure) krebserregend, reizt die Augen und die Atemwege, stört die Selbstreinigung der Lunge
Ammoniak in Reinigungsmitteln erhöht das Suchtpotenzial, Dämpfe reizen schon in geringer Menge die Augen und die Atemwege
Arsen in Rattengift krebserregend, reizt die Schleimhäute
Benzol in Reinigungsmitteln und als Antiklopfmittel im Benzin krebserregend, verursacht Leukämie
Blausäure in der Herstellung von Cyaniden, Farbstoffen eine der giftigsten Substanzen im Tabakrauch; kann nach kurzer Exposition zu Kopfschmerzen, Schwindel und Erbrechen führen
Blei in Batterien krebserregend, kann rote Blutkörperchen, Gehirn, Nieren und Nervensystem schädigen
Cadmium in Batterien krebserregend, kann die Nieren schädigen
Formaldehyd in der Holzverarbeitung, zur Leichenkonservierung krebserregend, reizt Augen und Atemwege
Kohlenmonoxid in Autoabgasen behindert den Sauerstofftransport im Blut, kann Blutgefäße schädigen
Nikotin in der Schädlingsbekämpfung suchterzeugend
Polonium 210 in Messgeräten und Atombomben stark radioaktiv
Styrol in der Herstellung von Kunststoffen und Kunstharzen krebserregend, führt zu Kopfschmerzen, Depressionen und Erschöpfungszuständen
Teer im Straßenbelag krebserregend, verklebt die Flimmerhärchen und führt zum Raucherhusten

Gibt es gesundes Rauchen?

Eine Zigarette, die weder abhängig macht noch schädlich ist: Das scheint ein Traum vieler rauchender Personen zu sein.

Im Laufe der Zeit tauchen immer wieder neuartige Produkte auf, die eine (zumindest teilweise) Erfüllung dieses Traumes versprechen.

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts sind die Aufschriften »Mild, Light oder Ultra Light« auf der Verpackung von Tabakerzeugnissen verboten. Dennoch gibt es immer wieder Raucherinnen und Raucher, die auf »schwächere« Zigarettenmarken umsteigen. Ist das nun gesünder oder weniger belastend für Ihren Körper? Die Antwort lautet: Nein. Ganz im Gegenteil. Auf Umwegen konsumieren Sie bei einem Umstieg auf Zigaretten mit geringerem Nikotingehalt sogar noch mehr gesundheitsschädliche und krebserregende Stoffe. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass Ihr Gehirn ein bestimmtes Maß an Nikotin einfordert. Um die gewohnte Nikotinmenge zu bekommen, werden Sie deshalb öfter an der Zigarette ziehen, mehr Zigaretten konsumieren und tiefer inhalieren.

Ein anderer Versuch, »gesünder« zu rauchen, sind Zigaretten ohne Zusatzstoffe wie Aromen, Feuchthaltemittel oder Konservierungsstoffe. Außerdem gibt es sogenannte »Biozigaretten« mit Tabak aus biologischer Landwirtschaft. Das heißt, dass beim Anbau auf Pestizide und Kunstdünger verzichtet wird. Allerdings entstehen beim Rauchen von Zigaretten ohne Zusatzstoffe, aber auch von Biozigaretten, wie bei der klassischen Zigarette durch den Verbrennungsprozess gesundheitsschädliche und krebserregende Stoffe, die in die Lunge und teilweise von dort aus über den Blutkreislauf in Ihren gesamten Körper gelangen.

Die nächste Etappe auf der Suche nach dem vermeintlich gesunden Nikotinkonsum führt uns zum Schnupfen, Lutschen und Kauen. Tabakprodukte, die über die Mundschleimhaut und Nasenschleimhaut aufgenommen werden, schädigen Ihre Zähne und erzeugen wie Zigaretten nachweislich Krebs. Außerdem haben diese Produkte ein hohes Suchtpotenzial.

In »Snuff« [Snaff] beziehungsweise »Schmalzler«, wie der Schnupftabak auch genannt wird, finden sich neben Nikotin zusätzliche Inhaltsstoffe wie getrocknete Früchte und Kräuter, Menthol oder Pfefferminzöl.

Der Lutschtabak, auch bekannt als »Oral Snuff«, den es in feuchter wie in trockener Form gibt, wird im Mundraum eingeklemmt – meist zwischen Lippe und Zahnreihe. Eine spezielle Form des Lutschtabaks ist »Snus« [Snüs] oder »Chewing Bags«, die es jeweils in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen gibt und die einen besonders hohen Nikotinanteil und damit ein hohes Suchtpotenzial aufweisen.

Derartige Säckchen (»Pouches«) gibt es auch ohne Tabak, nur mit Nikotin.

Beim heutzutage weniger populären Kautabak handelt es sich um Tabakblätter, die vor allem mit flüssigen Aromen und Farbstoffen getränkt sind. Wie der Schnupftabak und der Lutschtabak, gibt der Kautabak über die Mundschleimhaut nach und nach Nikotin ins Blut ab, wo es in Richtung Gehirn transportiert wird.

Ein heißes Gesundheitsthema ist die elektrische Zigarette, die mit und ohne Nikotin erhältlich ist. E-Shishas sind ebenso elektrische Zigaretten, angereichert mit unterschiedlichsten Aromen.

Im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten werden die (flüssigen) Inhaltsstoffe nicht verbrannt, sondern erhitzt beziehungsweise verdampft. Ob dadurch geringere Mengen an Schadstoffen in den Körper gelangen, ist derzeit noch nicht vollständig geklärt.

Gesund ist die elektrische Zigarette aber trotzdem nicht. Eine Folge des Konsums können zum Beispiel Atemwegsreizungen sein. Außerdem kann die regelmäßige Verwendung der elektrischen Zigarette auch zur Abhängigkeit führen.

Bei der Wasserpfeife, auch bekannt als Shisha, verschwelt ein Tabakgemisch bei ungefähr 100 °C. Der dadurch entstehende Rauch kühlt im Wasser ab und gelangt durch Ziehen in Ihren Mund, in weiterer Folge wie bei der herkömmlichen Zigarette in Ihre Lunge und schließlich durch das Blut in den gesamten Körper. Die Aufnahme der Inhaltsstoffe durch das Wasser – noch dazu, wenn es so schön blubbert – wirkt hygienisch und gesund. Tatsächlich werden durch die Mundstücke (trotz Reinigung) unterschiedliche Krankheiten wie Hepatitis übertragen.

Durch die niedrige Erhitzungstemperatur entstehen noch weitaus mehr schädliche Inhaltsstoffe als beim Rauchen der herkömmlichen Zigarette. Außerdem filtert das Wasser kaum, sondern kühlt das Nikotingemisch nur ab. Dadurch und aufgrund der längeren Zeit des Konsums (im Schnitt bis zu einer halben Stunde) inhalieren Sie weitaus länger und tiefer. Die gesundheitsschädigende Wirkung durch die stickige Raumluft kommt da noch dazu: Unter anderem ist in Shisha-Bars eine deutlich erhöhte Konzentration von Kohlenmonoxid nachweisbar.

Allen Werbeversprechen zum Trotz gibt es die gesunde Zigarette beziehungsweise das gesunde Rauchen nicht. Daran können auch moderne Produkte (mit oder ohne Nikotin) wie Tabakstifte (Tobacco Heater oder Tabakerhitzer) und Hybriderzeugnisse aus elektrischen Zigaretten und Tabakerhitzern nichts ändern.

Mit neuartigen Inhalatoren in ansprechenden Farben und kreativen Formen, teilweise mit speziellen Zusatzstoffen, weckt die Tabakindustrie Ihr Interesse für neue Produkte. Doch das Prinzip dahinter bleibt das alte:

Wenn Ihr Körper von Substanzen wie Nikotin abhängig ist, wird er das Stillen der Entzugserscheinungen so lange vehement und anhaltend einfordern, bis Sie ihn konsequent davon entwöhnt haben.

Unerwünschte körperliche Folgen

In Bezug auf Rauchen und Gesundheit gibt es – grob gesprochen – zwei unterschiedliche Denkansätze. Der eine lautet sinngemäß: Solange ich nichts (Negatives) spüre, brauche ich nichts zu ändern, also nicht mit dem Rauchen aufzuhören. Den anderen Ansatz könnte man so beschreiben: Solange ich noch nichts spüre, ist der Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören, ideal. Denn sobald ich etwas spüre, ist im Körper schon ein Schaden entstanden. Jedenfalls ist Ihr Körper umso dankbarer, je früher Sie den Rauchstopp geschafft haben.

Fast alle Organe können durch das Rauchen geschädigt werden. Verschiedene Krebsarten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt sind ebenso häufige Folgeschäden des Rauchens.

Bereits eine Zigarette am Tag erhöht das Risiko für eine koronare Herzerkrankung oder einen Schlaganfall.

Letztlich sind es jedoch die Lunge und die Atemwege, die vom Zigarettenrauch besonders beeinträchtigt werden können. Als Folge können Atemwegserkrankungen wie COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) oder chronische Bronchitis entstehen und das Immunsystem des Körpers kann geschwächt werden.

Fremdstoffe in der Lunge werden normalerweise durch so genannte Flimmerhärchen und Bronchialschleim abtransportiert. Durch den Zigarettenrauch werden die Flimmerhärchen zerstört und die Produktion von Bronchialschleim verstärkt. Langjähriges Rauchen kann daher hartnäckigen Husten verursachen.

Studien weisen darauf hin, dass das Risiko für einen schweren Verlauf virusbedingter Erkrankungen (z. B. durch SARS, MERS oder COVID-19) deutlich erhöht ist.

Aber wussten Sie, dass Rauchen auch ein Risikofaktor für Typ 2 Diabetes, Parodontitis, Impotenz, Akne, Osteoporose, Tuberkulose oder grauen Star sein kann? Auch die Lebenserwartung kann sich um durchschnittlich zehn Jahre verkürzen.


COPD: Chronic obstructive pulmonary disease Darunter versteht man mehrere Erkrankungen mit denselben Symptomen: »Raucherhusten«, verstärkter Auswurf und Atemnot. Im Anfangsstadium tritt die Atemnot nur unter Belastung auf. Im weiteren Krankheitsverlauf nehmen die Beschwerden an Stärke und Häufigkeit zu. Irgendwann sind die krankhaften Veränderungen des Lungengewebes unheilbar. Das Lungenvolumen nimmt ab und ab einem bestimmten Zeitpunkt sind die Betroffenen auf eine externe Sauerstoffzufuhr angewiesen. COPD wird oft erst spät festgestellt. Es beginnt häufig schleichend über eine chronische Bronchitis.

GESUNDE LUNGE RAUCHERLUNGE


In der nachfolgenden Grafik finden Sie eine kurze Übersicht über mögliche Gesundheitsschäden des Rauchens:

Mögliche körperliche Folgen des Rauchens


Bei Frauen und Männern
Krebs Lungenkrebs, Mundhöhlenkrebs, Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Blasenkrebs, Nierenkrebs, Leukämie
Atemwegserkrankungen Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Bronchitis, Lungenentzündung, Asthma, Tuberkulose
Herz-Kreislauf-Erkrankungen Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Bauchaortenaneurysma
Zähne Parodontitis
Haut Beschleunigte Hautalterung, verzögerte Wundheilung, Hautkrankheiten (z. B. Akne, Schuppenflechte)
Stoffwechselerkrankungen Typ 2 Diabetes
Speziell bei Frauen Unfruchtbarkeit, Komplikationen während der Schwangerschaft, Gebärmutterhalskrebs, Osteoporose, grauer Star
Speziell bei Männern Impotenz

Passivrauchen

Die zahlreichen teils giftigen und krebserregenden Schadstoffe machen nicht nur Raucherinnen und Raucher krank. Weil sie sich in der Umgebungsluft verbreiten und alle Menschen und Tiere in der Nähe der Rauchenden zum Mitrauchen zwingen, ist Rauchen nicht einfach eine persönliche Entscheidung.

Auch das sogenannte Passivrauchen, das Einatmen von Tabakrauch aus der Umgebungsluft, kann dieselben Erkrankungen wie das aktive Rauchen hervorrufen, wenn auch in geringerer Intensität.

Tabakrauch besteht aus zwei Teilen, dem Hauptstromrauch und dem Nebenstromrauch. Der Hauptstromrauch wird nach dem Ziehen an der Zigarette ausgeatmet und macht nur rund 15 Prozent des Passivrauchs aus. Der Nebenstromrauch entweicht zwischen den Zugphasen der glimmenden Zigarette und macht ungefähr 85 Prozent aus. Da Nebenstromrauch bei einer niedrigeren Verbrennungstemperatur entsteht, entweichen einige der gesundheitsschädlichen Substanzen in bis zu zehn Mal höherer Konzentration. Damit ist der Nebenstromrauch sogar noch giftiger als der Hauptstromrauch.

Besonders gefährdet durch das Passivrauchen sind Kinder, da ihr Entgiftungssystem noch nicht ausgereift ist und sie öfter atmen als Erwachsene. Wenn Kinder dem Passivrauchen ausgesetzt sind, haben sie gegenüber Erwachsenen ein noch höheres Risiko für Atemwegserkrankungen, Mittelohrentzündungen und eine beeinträchtigte Lungenfunktion. Für Babys ist das Passivrauchen sogar lebensgefährlich, denn es erhöht die Gefahr für den plötzlichen Kindstod.

Das Einatmen von Tabakrauch während der Schwangerschaft erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit einem geringen Geburtsgewicht und Fehlbildungen zu bekommen.

Vor allem in geschlossenen Räumen und in Autos sind sowohl Kinder als auch Erwachsene, aber auch Tiere, den krebserregenden und giftigen Substanzen des Tabakrauchs ungeschützt ausgesetzt.

Auch wenn die Zigarette gelöscht und das Fenster zum Lüften geöffnet wird, verbleiben Reste des Zigarettenrauchs im Raum. Diese Rückstände, auch als kalter Rauch bezeichnet, sind für das menschliche Auge unsichtbar. Sie können sich auf einzelnen Staubpartikeln, aber auch auf Oberflächen von Möbeln, an Wänden, auf dem Teppich, in Vorhängen, Haaren und Kleidungsstücken ablagern. Über die Haut oder die Atemwege gelangen sie in den Organismus von Menschen und Tieren. Einmal Kuscheln genügt da schon. Diese Ablagerungen sind auch noch Monate nach einem Rauchstopp messbar.

Um Passivrauch und kalten Rauch zu vermeiden, ist es eine effektive Maßnahme, Innenräume von Gaststätten, Wohnungen, Betrieben sowie Autos zur rauchfreien Zone zu erklären.


Ersthandrauch: Rauch, der beim Ziehen an der Zigarette eingeatmet wird Zweithandrauch: Rauch, der in der Umgebungsluft zu finden ist Dritthandrauch (kalter Rauch): Rauchablagerungen an Wänden, Möbeln, in Haaren und Textilien

Nebenwirkungen der Tabakindustrie

Aus ökologischer Sicht ist schon die Herstellung von Zigaretten alles andere als nebenwirkungsfrei.

Beim Tabakanbau wird eine große Menge an synthetischen Düngemitteln eingesetzt. Ein Grund dafür ist, dass die Tabakpflanze dem Boden mehr Nährstoffe entzieht als andere Nutzpflanzen. Die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens nimmt daher schnell ab. Ein weiterer Grund für den erhöhten Einsatz von Dünger liegt darin, dass dadurch der Nikotingehalt in der Tabakpflanze ansteigt.

Durch Monokulturen entstehen häufig Pflanzenkrankheiten, die zusätzlich einen massiven Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln erfordern.

Für den Tabakanbau und das Trocknen der Rohtabakblätter werden Regenwälder abgeholzt. Die schwindenden Waldflächen führen zum Absinken des Grundwasserspiegels und ziehen Bodenerosionen nach sich. In weiterer Folge muss zusätzliches Land gerodet werden, um die Menge des Tabakertrags gleich zu halten.

Tabakanbau gefährdet sowohl aufgrund des intensiven Einsatzes von Schädlingsbekämpfungsmitteln als auch wegen des giftigen Pflanzenstoffs Nikotin die Gesundheit jener Menschen, die beim Anbau und bei der Ernte mit den Pflanzen in Berührung kommen. Dieses Risiko betrifft nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder, die für die Arbeit auf den Tabakfeldern eingesetzt werden.

Weggeworfene Zigarettenkippen, die toxische, krebserregende und erbgutverändernde Substanzen beinhalten, verschmutzen die Umwelt, vergiften das Erdreich und sind für Kinder ein gefährliches Spielzeug.

IST RAUCHEN REINE KOPFSACHE? Fagerström-Test und Arten der Abhängigkeit

»Rauchen ist reine Kopfsache«, sagen viele Menschen, wenn es um den Rauchstopp geht. Aufhörwillige sind oft der Meinung, dass der eigene Wille und ein gewisses Quantum an Anstrengung reichen, um rauchfrei werden zu können. Doch weshalb ist es für manche trotzdem schwierig – vor allem zu Beginn? Wieso rauchen schwangere Frauen und Schwerkranke, wenn doch so viele (nicht nur gesundheitliche) Argumente für einen Rauchstopp sprechen?

Einen Teil der Antworten auf diese Fragen liefert die Diagnostik der Tabakabhängigkeit. Laut dem international gebräuchlichen diagnostischen Klassifikationssystem ICD 10, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben wird, ist Tabakabhängigkeit eine Erkrankung. Eine Abhängigkeit liegt dann vor, wenn von den folgenden sechs Kennzeichen mindestens drei in den vergangenen zwölf Monaten aufgetreten sind:


Kriterien für Abhängigkeit
Ein starker Wunsch oder Zwang, Tabak zu konsumieren Ich rauche aus einem inneren Zwang heraus; ich kann (noch) nicht anders.
Eine verminderte Kontrollfähigkeit über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums. Auch wenn ich mir vornehme, ab morgen jeden Tag nur noch eine Zigarette zu rauchen, halte ich dieses Vorhaben noch nicht lange durch.
Körperliche Entzugserscheinungen bei Beendigung oder Reduktion des Konsums Ich bin gereizter als sonst und würde am liebsten ständig essen.
Toleranzentwicklung: Um die ursprüngliche Wirkung hervorzurufen, ist eine zunehmende Dosis erforderlich. Die Menge der von mir konsumierten Zigaretten nimmt im Laufe der Jahre zu.
Dominanz im Alltag: Vernachlässigung anderer Aktivitäten und Interessen zugunsten des Tabakkonsums. Wenn ich wohin gehe, überlege ich mir genau, ob ich dort rauchen darf. Falls nein, vermeide ich solche Aktivitäten oder rauche vorher. Ich denke ständig daran, ob ich noch genügend Zigaretten vorrätig habe.
Anhaltender Tabakkonsum trotz eindeutiger Folgeschäden Ich weiß, dass ein sofortiger Rauchstopp für mein ungeborenes Kind wichtig wäre oder die Heilung meiner Krebserkrankung beschleunigen würde. Trotzdem komme ich noch nicht davon los.

Die Erkenntnis, dass die Abhängigkeit von der Zigarette eine Erkrankung ist, kann erleichternd und entlastend wirken und erklärt, weshalb ein Rauchstopp weit mehr als reine Kopfsache ist.

Fagerström-Test: Bin ich abhängig?

Wer der Frage nachgeht, welche Suchtwirkung von Tabakprodukten und Nikotinprodukten ausgeht, stößt dabei unweigerlich auf einen Namen: Karl Fagerström. Bereits 1978 stellte er die erste Version eines kurzen Tests vor, mit dem sich auf einfache Weise der Grad der körperlichen und psychischen Abhängigkeit von Nikotin und den weiteren Inhaltsstoffen von Tabakprodukten einschätzen lässt.

Wenn Sie wissen möchten, ob und wie stark Ihre derzeitige Abhängigkeit ausgeprägt ist, füllen Sie folgenden Test aus:

Fagerström Test für Zigarettenabhängigkeit und Tabakabhängigkeit

Wann nach dem Aufwachen rauchen Sie Ihre erste Zigarette?

innerhalb von 5 Minuten (3 Punkte)

6 bis 30 Minuten (2 Punkte)

31 bis 60 Minuten (1 Punkt)

nach mehr als 60 Minuten (0 Punkte)

Finden Sie es schwierig, an Orten, wo das Rauchen verboten ist (Kirche, Kino, Bibliothek etc.), das Rauchen zu unterlassen?

ja (1 Punkt)

nein (0 Punkte)

Auf welche Zigarette würden Sie nicht verzichten wollen?

die erste am Morgen (1 Punkt)

andere (0 Punkte)

Wie viele Zigaretten rauchen Sie im Allgemeinen pro Tag?

bis 10 (0 Punkte)

11 bis 20 (1 Punkt)

21 bis 30 (2 Punkte)

31 und mehr (3 Punkte)

Rauchen Sie am Morgen im Allgemeinen mehr als am Rest des Tages?

ja (1 Punkt)

nein (0 Punkte)

Kommt es vor, dass Sie rauchen, wenn Sie krank sind und tagsüber im Bett bleiben müssen?

ja (1 Punkt)

nein (0 Punkte)

Auswertung:

Die Gesamtpunktzahl liefert eine Einschätzung der Stärke Ihrer Tabakabhängigkeit.

0 bis 2 Punkte sprechen für eine sehr geringe Abhängigkeit

3 bis 4 Punkte sprechen für eine geringe Abhängigkeit

5 Punkte sprechen für eine mittlere Abhängigkeit

6 bis 7 Punkte sprechen für eine starke Abhängigkeit

8 bis 10 Punkte sprechen für eine sehr starke Abhängigkeit


Quelle: Heatherton et al.: Br J Addict 1991; 86: 1119 – 1127

Die Arten der Abhängigkeit

Rauchen kann süchtig machen. In den meisten Fällen tut es das auch. Ob und wie Abhängigkeit entsteht, hängt von einem komplexen Zusammenspiel biologischer, sozialer und psychologischer Faktoren ab. In der Fachliteratur finden sich drei Kategorien von Abhängigkeiten:

•Körperliche Abhängigkeit

•Psychische Abhängigkeit

•Soziale Abhängigkeit

Körperliche Abhängigkeit

Hormone

Wer die körperlichen Aspekte der Tabakabhängigkeit besser verstehen will, beginnt am besten bei den Hormonen, den Botenstoffen des Körpers. Rauchen greift in den gesamten Hormonhaushalt des Körpers ein; auf drei Hormone wirkt es allerdings besonders stark:

•Dopamin

•Adrenalin

•Serotonin

Sobald das Nikotin das Gehirn flutet, bewirkt dies eine Ausschüttung an Dopamin – je mehr Züge pro Zigarette, desto mehr Dopamin. Dopamin ist auch bekannt als eines der Glückshormone. Auf natürlichem Wege wird es immer dann gebildet und ausgeschüttet, wenn etwas besser ist als erwartet – eine freudige Überraschung also.

Allerdings hat das Dopamin im Normalfall einen eifersüchtigen Gefährten: das Adrenalin. Sobald im Gehirn Dopamin ausgeschüttet wird, bekommt dies das Adrenalin im Nebennierenmark mit und reagiert darauf: Sicher nicht ohne mich!

Adrenalin kommt auf natürlichem Wege immer dann zum Einsatz, wenn es um das Überleben oder die Fortpflanzung geht: hauptsächlich beim Sport (Imitation von Flüchten und Kämpfen), in brenzligen Alltagssituationen wie Prüfungen oder Verkehrsstaus, beim Essen und Trinken, aber auch beim Sex. Adrenalin hilft uns (vor allem), aufmerksam und reaktionsfähig zu sein.

Dopamin bekommen Sie durch das Rauchen in diesem Fall im Doppelpack mit Adrenalin geliefert – das Resultat ist ein freudiger Moment voller Tatendrang.

Raucherinnen und Raucher können also durch ihr Rauchverhalten die Hormonausschüttung im Körper mitbestimmen. Dopamin-Zigaretten und Adrenalin-Zigaretten werden in Stresssituationen hastig und intensiv geraucht.

Mit der Zeit speichert das Gehirn das Rauchen als überlebensnotwendig ab – als ob es gleich wichtig wie Flüchten, Kämpfen, Essen, Trinken und Fortpflanzen wäre.

Ebenfalls als Hilfestellung für das Überleben gedacht, wenn auch auf einer anderen Ebene, ist das Hormon Serotonin. Es wird vor allem dann gebildet und ausgeschüttet, wenn es um Belohnung, Genuss und Entspannung geht.

Im Gegensatz zu Dopamin-Zigaretten und Adrenalin-Zigaretten wird an Serotonin-Zigaretten (Genuss-Zigaretten) nur wenig und sanft gezogen.

Rezeptoren

Vielleicht kennen Sie aus Ihrem Bekanntenkreis Personen, die nur hin und wieder rauchen. Dazwischen können Tage oder Wochen vergehen. Es kann sein, dass Sie das ein wenig beneidenswert finden. Bei diesen Gelegenheitsraucherinnen und Gelegenheitsrauchern handelt es sich jedoch um Ausnahmen. Normalerweise kommt es beim Rauchen zu einer schnellen Gewöhnung und Abhängigkeit.

Ob es jemand schafft, wenig und unregelmäßig zu rauchen, hat nicht unbedingt etwas mit mentaler Stärke oder Schwäche zu tun. Vielmehr hängt diese Fähigkeit vom jeweiligen Gehirn ab. Manche Gehirne verhalten sich gastfreundlicher als andere, wenn die Sucht andocken möchte. Das Nikotin, das für die Entstehung der (körperlichen) Abhängigkeit hauptverantwortlich ist, wird vom Körper aufgenommen und über das Blut im ganzen Organismus verteilt. Ein Teil gelangt bereits durch die Mundschleimhaut in das Blut und erreicht das Gehirn in weniger als zehn Sekunden.

Man kann sich das Gehirn im Zusammenhang mit Suchtanfälligkeit wie einen großen Hafen mit Anlegestellen (Rezeptoren) für Boote vorstellen.

Das Nikotin dockt an und besetzt diese. Daraufhin baut das Gehirn zusätzliche Anlegestellen – manche Gehirne viele, andere nur ein paar wenige. Je mehr Anlegestellen gebaut werden, desto süchtiger wird das Gehirn. Der Grund dafür ist in diesem Fall, dass unbesetzte Rezeptoren wieder besetzt werden möchten.

Ewig kann das Nikotin nicht auf den Rezeptoren verbleiben. Es wird ziemlich schnell abgebaut. Manche Raucherinnen und Raucher spüren das bereits nach weniger als einer Stunde. Spätestens nach ein paar Stunden können sich körperliche Entzugserscheinungen bemerkbar machen. Der Grad der Sucht lässt sich unter anderem daran messen, wie stark der Körper nach dem Nikotin verlangt, sobald es spürbar abgebaut wird.

Wenn Sie rauchfrei werden, gibt es plötzlich viele unbesetzte Rezeptoren (freie Bootsanlegestellen), die sich gewissermaßen über mangelnden Nikotinbesuch beschweren. Je lauter und heftiger sich diese Rezeptoren äußern, desto intensiver können die Entzugserscheinungen auftreten.

Wenn Sie einige Zeit lang rauchfrei sind, werden viele der überflüssigen Rezeptoren wegen mangelnden Bedarfs abgebaut. Was im Gehirn allerdings für immer bleibt, ist ein sogenanntes Suchtgedächtnis. Bestimmte positive Gefühle, die früher durch die Zigarette ausgelöst worden sind, bleiben in Erinnerung.

Körperliche Entzugserscheinungen

Welche Entzugserscheinungen gibt es – und welchen Zweck erfüllen sie? Was drückt der Körper damit aus? Welche Rolle spielen dabei unsere Gedanken und Gefühle?

Wie zuvor beschrieben, hat Nikotin eine Wirkung auf das Nervensystem des Körpers und regt unter anderem die Bildung zusätzlicher Rezeptoren im Gehirn an. Je nachdem, wie groß Ihre Abhängigkeit ist, also wie viele Anlegestellen nun unbesetzt sind, reagiert Ihr Körper mehr oder weniger fordernd, wenn Sie eine Zeit lang rauchfrei sind. Diese Abläufe sind höchst komplex.

Zusammengefasst kann man sagen, dass das Gehirn in dieser Phase zur Auffassung gelangt, dass Lebensgefahr für Sie besteht. Es möchte Sie durch vermehrtes Verlangen nach neuerlicher Nikotinzufuhr in erster Linie schützen.

Körperliche Entzugserscheinungen sind demnach unter anderem eine kleine Form der Todesangst. Sobald Sie sich dies bewusst machen, kann Ihnen dieses Wissen helfen, die Entzugserscheinungen zu überstehen.

Ein hartnäckiges Verlangen Ihres Körpers nach Nikotin ist also kein Zeichen von Schwäche oder fehlender Willenskraft, sondern zeigt lediglich an, wie suchtanfällig Ihr Gehirn ist.


Auf körperlicher Ebene erscheint das Rauchen notwendig, um jene Entzugserscheinungen loszuwerden, die aus Ihrem Rauchverhalten resultieren.

Stellen Sie sich die Vielfalt der möglichen Reaktionen Ihres Körpers auf einen Entzug als Handfächer vor, mit dem man sich in stickigen Räumen Luft zufächeln kann. Zugeklappt ist vom gesamten Fächer nur ein Feld sichtbar. Wenn man ihn aber ausbreitet, kommen mehr und mehr Felder zum Vorschein. Manche Personen berichten, dass sie (beinahe) keine Entzugserscheinungen verspüren. Andere wenige breiten den gesamten Fächer aus.

In den meisten Fällen gehen die körperlichen Entzugserscheinungen nach ein paar Tagen deutlich zurück. Für Raucherinnen und Raucher klingt das vielleicht abstrakt und unglaubwürdig. Wie kann es sein, dass der Körper nach einigen Tagen kein heftiges Verlangen mehr nach der Zigarette hat?

Tatsächlich braucht das Gehirn nur kurze Zeit, um zu erkennen, dass es ohne Nikotin und die sonstigen chemischen Zusatzstoffe der Zigarette am Leben bleibt. Der Körper beruhigt sich in einem ähnlichen Zeitrahmen wie nach einem grippalen Effekt. Manche spüren die Entzugserscheinungen kaum, andere sind ein paar Tage, bis zu einer Woche, betroffen. Spätestens nach fünf bis sechs Wochen sind die meisten wieder körperlich gesund. In Ausnahmefällen flackern körperliche Entzugserscheinungen auch danach noch auf.

Folgende körperliche Entzugserscheinungen treten auf dem Weg in die Rauchfreiheit häufig auf. Wenn Sie möchten, können Sie links diejenigen ankreuzen, von denen Sie vermuten, dass sie bei Ihnen auftreten werden. Wenn Sie bereits einige Zeit lang rauchfrei sind, können Sie rechts ankreuzen, welche Symptome Sie an sich beobachten konnten:


vermutet Vorübergehende körperliche Reaktionen auf die Rauchfreiheit tatsächlich erlebt
Gereiztheit und Aggressivität
Ungeduld und Nervosität
Innere Unruhe
Schlafschwierigkeiten (Einschlafen, Durchschlafen, Schlafdauer) und intensive Träume
Müdigkeit
Konzentrationsschwierigkeiten
Kopfschmerzen
Besorgtheit und Verzweiflung
Verdauungsprobleme
Zittern, unruhige Beine und Hände
Schwitzen und Hitzewallungen
Traurigkeit
Gesteigerter Appetit
Sonstige Anzeichen:


Jeder Aufhörversuch kann bei ein und derselben Person unterschiedlich ablaufen; bei jedem Rauchstopp kann Ihr Körper anders reagieren.

Sobald der körperliche Entzug vorbei ist, sind viele überrascht, wie schnell diese Phase vorübergegangen ist und dass sie gar nicht so heftig gewesen ist wie befürchtet.

Psychische Abhängigkeit

Neben biologischen Ursachen wie dem eifrigen Anlegestellen-Bau im Gehirn können verschiedene psychologische Prozesse am Erlernen und Aufrechterhalten des Rauchverhaltens beteiligt sein.

Nachahmen

Jugendliche beobachten Rauchverhalten bei Erwachsenen oder bei Gleichaltrigen. Je enger ihre persönlichen Beziehungen zu den rauchenden Personen sind, je höher der soziale Status ihrer Idole und Vorbilder ist und je öfter sie scheinbar positive Wirkungen bei den Rauchenden beobachten, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie selbst ebenfalls zur Zigarette greifen.

Verlockung

Manchmal kann der Anblick der Zigarettenschachtel, der Geruch von Kaffee, eine stressige Situation oder das Klingeln des Handys das Verlangen nach einer Zigarette auslösen. Dieses Phänomen kennt man in der Psychologie unter dem Begriff Klassische Konditionierung.

Wenn wir die Aussicht haben, etwas Gutes essen zu können, kann es sein, dass unsere Speichelproduktion schon beginnt, noch bevor das Essen zu sehen oder zu riechen ist. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Diese Reaktion gibt es sogar bei Hunden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte der Arzt Iwan Pawlow fest, dass Hunde, die vor ihrer Fütterung stets denselben Glockenton zu hören bekamen, bereits Speichel absonderten, bevor sie Futter bekamen, nämlich sobald sie diese Glocke hörten. Die Hunde brachten nach einer gewissen Zeit des Trainings einen neutralen Reiz (den Ton der Glocke) mit ihrer Fütterung in Verbindung und produzierten daher automatisch schon Speichel, sobald die Glocke zu hören war.

Dieser Mechanismus funktioniert auch bei vielen Rauchenden. Ihnen läuft zwar nicht das Wasser im Mund zusammen, aber es reicht der Anblick eines Feuerzeuges, einer rauchenden Person oder ein bestimmtes Reizwort (z. B. »Rauchen« oder »Pause«), um den Gedanken auszulösen: Jetzt möchte ich eine Zigarette rauchen.


Erfahrungsbericht In einem Unternehmen wird ein Tabakentwöhnungsseminar organisiert. Während der dritten Sitzung schlägt eine Teilnehmerin vor, eine Pause zu machen. Eine Arbeitskollegin hört das Wort Pause, das in ihren Ohren wie »Rauchpause« klingt, reißt plötzlich die Augen auf, greift nach ihrer Handtasche und zieht blitzschnell eine Zigarettenschachtel samt Feuerzeug heraus. Nachdem die Situation zwei Minuten lang besprochen wird, verschwindet das Verlangen nach der Zigarette genauso schnell, wie es gekommen ist. Die Teilnehmerin macht daraufhin eine völlig neue Erfahrung: eine Pause ohne Zigarette.

Beim Rauchstopp kann es hilfreich sein, möglichst viele »Glocken« aus dem persönlichen Umfeld zu entfernen, bis sie schwächer läuten. Denn schon herumstehende Aschenbecher, achtlos verstreute Feuerzeuge und Zigarettenschachteln erinnern Sie ans Rauchen und wecken ein Bedürfnis danach. Ebenso verhält es sich mit typischen Situationen, in denen Sie bisher stets zur Zigarette gegriffen haben. Das können Emotionen (wie Ärger) ebenso sein wie der Anblick rauchender Personen.

Vermeintliche Vorteile

Wie oft Sie zur Zigarette greifen, hängt auch von Ihren Erwartungen ab, die Sie mit dem Rauchen verknüpfen. Wenn Sie davon ausgehen, dass die Zigarette Ihnen dabei hilft, sich besser zu konzentrieren, Hunger zu unterdrücken oder sich in schwierigen Situationen zu entspannen, wird das Verlangen nach der Zigarette in diesen Situationen immer wiederkommen.

Zu dieser positiven Verstärkung kommt nach einiger Zeit häufig auch das Vermeiden negativer Konsequenzen im Falle längeren Nichtrauchens: Sie möchten Entzugssymptomen wie Unruhe oder Nervosität entkommen. Und damit entsteht ein »Teufelskreis«.

Gefühle und Bedürfnisse

Für den Rauchstopp spielen vor allem Ihre Gefühle eine wesentliche Rolle. Durch das Rauchen ist es Ihnen bisher vielleicht gelungen, Ihre Gefühle zu regulieren und auch in stressigen Situationen in Ihre emotionale Mitte zu gelangen. Sind Sie nervös, aufgeregt, aufgewühlt, verärgert oder wütend, beruhigt Sie die Zigarette. Bei Traurigkeit, Langeweile oder innerer Leere hebt die Zigarette Ihre Laune.

Beim Rauchen nehmen Sie also bestimmte unangenehme Gefühle weniger intensiv, kürzer oder vielleicht gar nicht mehr wahr. Ebenfalls hilft Ihnen die Zigarette, Geselligkeit und Genuss zu verspüren.

Mit der Zeit entsteht eine bestimmte Logik im Gehirn. Mehr und mehr sind Sie der Meinung, etwas (nämlich die Zigarette) von außen zuführen zu müssen, um im Alltag mit Ihren Gefühlen und herausfordernden Situationen zurechtzukommen.

Stellen Sie sich die Zigarette als Person vor: Eigentlich verhält sie sich Ihnen gegenüber ziemlich frech und überheblich. Obwohl sie zu Ihnen als erwachsene Person spricht, die schon vieles geschafft, überstanden und erreicht hat, behauptet sie gewissermaßen, dass Sie nur mit ihr an der Hand die vielen schwierigen Alltagssituationen überstehen und Ihre Erfolge erreichen können.

Ihre Abhängigkeit von der Zigarette bedeutet dann, dass Schritt für Schritt Ihr Selbstwertgefühl nach unten geschraubt wird und Sie der Zigarette letztlich sogar recht geben: Da brauche ich jetzt unbedingt eine Zigarette. So, jetzt gehe ich eine Zigarette rauchen; sonst drehe ich noch durch. Die Zigarette brauche ich jetzt, um mich zu erholen. Von wegen Käse – nur die Zigarette rundet das Essen ab. Nur wenn ich rauche, kann ich Pausen machen und mit Leuten ins Gespräch kommen.

Rauchfrei zu werden, bedeutet in diesem Zusammenhang, Schritt für Schritt Ihr Selbstwertgefühl zurückzuerobern. Mit jeder Erfahrung, eine Herausforderung auch ohne Zigarette gemeistert zu haben, entdecken Sie, wie stark und kreativ Sie in Wahrheit sind und dass Sie jedes Gefühl aushalten können, bis es wieder vorübergegangen ist.

Wenn Sie in einem Moment drängenden Rauchverlangens standhaft bleiben, lernt Ihr Gehirn, dass es ab jetzt keine Zigarette mehr gibt, und akzeptiert die neue Regel – erst einmal für diese spezielle Situation.


Erfahrungsbericht Frau K. ist seit zwei Wochen rauchfrei. Körperlich vermisst sie die Zigarette nicht mehr. Als sie an einem Morgen aufsteht und zu einem wichtigen beruflichen Termin fährt, bleibt plötzlich ihr Auto stehen. Sie wird nervös und versucht, ihr Auto wieder zu starten. Doch da tut sich nichts. Ihr wird bewusst, dass sie diesen wichtigen Termin keinesfalls pünktlich erreichen wird können. Obwohl sie die Situation weder schuldhaft verursacht hat noch auf die Schnelle etwas dagegen tun kann, löst die Stresssituation in Frau K. einen Gefühlscocktail aus: Sie ärgert sich, dass das Auto nicht funktioniert. Sie schämt sich, dass sie den Termin nicht wahrnehmen kann und fürchtet sich vor negativen Konsequenzen. Gleichzeitig hofft sie, dass niemand sie als unzuverlässig kritisieren wird. Nachdem sie den Pannendienst gerufen hat, muss sie anderthalb Stunden warten. In diesem Moment hätte sie liebend gerne vergessen, dass sie nun schon seit zwei Wochen rauchfrei lebt. Jedes vorbeifahrende Auto hätte sie am liebsten gestoppt. Da sie sich aber auf einer kaum befahrenen Straße befindet und deshalb niemanden um eine Zigarette bitten kann, beginnt sie, ihr Auto von vorne bis hinten und an den unmöglichsten Stellen zu durchsuchen. Weil sie trotz aller Bemühungen keine Zigarette findet, bleibt ihr nichts anderes übrig, als auf den Pannendienst zu warten. Und dann auch das noch: Dieser Kerl vom Pannendienst ist Nichtraucher! Umso überraschter ist Frau K., als sie letztlich die Situation gemeistert hat. Die nahezu unerträglichen Gefühle sind abgeklungen. Sie hat es überstanden – und das ohne Zigarette! Nun ist Frau K. zu Recht stolz auf sich.

Ein weiteres Beispiel zeigt, dass hinter dem Rauchen verschiedene (manchmal versteckte) Bedürfnisse liegen, die auch gestillt werden möchten. Die Zigarette ist dabei Mittel zum Zweck:

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