Kitabı oku: «Die inneren Fesseln sprengen»

Yazı tipi:

Epigraph

»Freiheit ist die Unabhängigkeit von äußeren Faktoren.

Jemand, der auf die Hilfe anderer Personen, Dinge oder Bedingungen angewiesen ist, wird zu deren Sklave.

Die perfekte Freiheit ist keinem Menschen auf Erden gegeben, weil der eigentliche Sinn des irdischen Lebens in der Beziehung zu und Abhängigkeit von anderen besteht.

Je geringer die Anzahl der Wünsche, desto größer ist die Freiheit.

Daher ist die perfekte Freiheit die absolute Wunschlosigkeit.«

Sri Sathya Sai Baba


Titel der Originalausgabe: Cutting the Ties That Bind

Erste Originalausgabe (in Englisch) durch Turnstone Press, Wellingborough, UK, 1982

Erste deutsche Ausgabe durch Walter Verlag, 1989 Neuauflage durch Sheema Medien Verlag, 2021

Bibliographische Information der Deutschen Bibliothek:

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliothek; detaillierte Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar

Neuübersetzung 1. Auflage

© Copyright 2021 Sheema Medien Verlag

Inh.: Cornelia Linder, Hirnsberger Str. 52, 83093 Antwort, Deutschland © Phyllis Krystal Foundation, Stradun 319A, 7550 Scuol, Schweiz

Paperback: ISBN 978-3-948177-09-6

Hardcover: ISBN 978-3-948177-10-2

E-Book: ISBN 978-3-948177-97-3

www.phylliskrystal.com

www.sheema-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in jedweder Form und Art vervielfältigt, verbreitet, genutzt oder auf jeglicher Form und Art von Datenträgern ohne die Genehmigung des Rechteinhabers gespeichert werden.

Übersetzung: © Phyllis Krystal Foundation 2021

Layout & Design durch Dominik Haf und Phyllis Krystal Foundation

Bild Seite 223 von Robert Niederhausen, © Phyllis Krystal Foundation

Druck und Vertrieb durch tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

Dieses Buch ist nicht gedacht als rechtlicher, medizinischer oder anderweitiger professioneller Ratgeber. Die enthaltene Information ersetzt weder Hilfe noch Rat aus professioneller Quelle. Wenn rechtliche, medizinische oder eine andere fachliche Beratung gewünscht ist, so sollte diese bei kompetenten Fachmenschen aufgesucht werden. Weder die Autorin noch die Verleger oder die Stiftung und deren Mitarbeiter*innen und Vertreter*innen können haftbar gemacht werden für eventuell auftretende Schäden durch oder bezüglich der Anwendung des Inhaltes des Buches bzw. den Verlass auf denselben.

E-Book-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

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Ich widme dieses Buch Sri Sathya Sai Baba, der für mich das Höhere Selbst in allen Dingen und Wesen bedeutet.

Phyllis Krystal

Inhalt

Vorwort der Herausgeberin zur ersten überarbeiteten Auflage

Vorwort der Autorin

Danksagung

Einführung

Das Arbeiten mit der Methode

Der Kern der Arbeit

Vorbereitung für die erste innere Arbeit

Bindungen zu den Eltern

Anleitung zur Visualisierung der Figur Acht

Das Pubertätsritual – Ablösung von einem Elternteil

Möglichkeiten für Entspannungsübungen

Das Pubertätsritual

Das Arbeiten mit negativen elterlichen Archetypen

Positive und negative Eigenschaften der Eltern

Das Zerstören negativer Programmierungen

Die Verbindung zu den inneren Kosmischen Eltern

Der Baum

Die Verbindung zu den Kosmischen Eltern

Symbole für das Höhere Selbst

Das Innere Kind

Zurückweisung

Animus und Anima: männl. und weibl. Anteile in Frauen und Männern

Sirenen- und medusenhafte Frauen

Homosexualität

Ehe und menschliche Bindungen

Das Lösen von Bindungen zu anderen Beziehungen

Ablösung von anderen Familienmitgliedern

Ablösung von alten Beziehungen

Das Lösen von Bindungen für andere Menschen

Befreiung von negativen Kräften

Negative Macht – von Individuen oder Gruppen ausgeübt

Ererbte Familienwolken

Das Auflösen einer schwarzen Wolke

Der geerbte Tintenfleck

Der Innere Feind

Das Auflösen anderer negativer Gedankenformen

Das Innere Haus

Das Mandala

Kristalle

Träume und ihre Bedeutung

Die Türen im Korridor

Tod und Todesrituale

Symbole, Übungen und deren Anwendung

Schutzsymbole

Der Ball oder die Blase, später der Strandball

Die Glasscheibe

Der Lichtzylinder

Die Pyramide

Der Regen- oder der Sonnenschirm

Der fünfzackige Stern (das Pentagramm)

Weitere Symbole

Der Maibaum

Die Figur Acht

Der Bienenstock für Energie

Yin Yang

Die schwarzen und die weißen Vögel

Weitere Übungen mit dem Dreieck

Die Wirkung starker Emotionen auf die Atmosphäre

Die Autoritätsfigur

Die Fackel

Die Flamme auf der Platte

Die Waagschalen

Die Wegkreuzung

Die Welle zur Entspannung

Umgang mit negativen Emotionen

Angst

Der Angststern

Schuld

Der Taucheranzug zum Befreien von Schuldgefühlen

Wut

Eifersucht und Neid

Der Wurm im Apfel

Gier

Lehrbilder

Das Maßband und die Schlange

Der knorrige Holzzaun

Die Schwenktür

Die zwei Uhren

Die Tulpe und die Chrysantheme

Die beiden Schlangen

Hund und Katze

Die drei Berge

Der menschliche Hund an der Leine

Schlusswort

Nachwort der Herausgeberin

Wichtige Symbole und Übungen in diesem Buch

Index

Anhang: Bindungen lösen zu einer Person

Über die Autorin

Die Herausgeberin

Vorwort der Herausgeberin zur ersten überarbeiteten Auflage

Als Phyllis Krystal mit der Methode »Die inneren Fesseln lösen« inspiriert wurde, verpflichtete sie sich, diese an so viele Menschen als möglich in exakt der Form, wie sie sie erhalten hatte, weiterzugeben. Die Phyllis Krystal Foundation freut sich, Ihnen hiermit die 1. überarbeitete Auflage des zuerst 1982 veröffentlichten Buches vorlegen zu können.

Bei den grau unterlegten Textpassagen handelt es sich um Anmerkungen der Herausgeberin, die zusätzliche Information enthalten, wie Phyllis sie seit der 1. Auflage 1982 gegeben hat.

Vorwort der Autorin

Es wird dem Leser dieses Buches leichter fallen, es zu verstehen, wenn er oder sie sich vor Augen hält, dass es in diesem Buch vorwiegend um die Arbeit mit Symbolen geht. Symbole bieten Mittel und Wege, um Botschaften wirksam an das Unterbewusstsein zu senden. Symbole sind deswegen so wirkungsvoll, weil die Sprache des Unterbewusstseins aus Bildern und Symbolen besteht.

Das Unterbewusstsein ist schlicht oder kindlich strukturiert und die Symbole, um mit diesem zu kommunizieren, sollten dementsprechend gewählt werden. Ebenso wie Kinder, die schnell und leicht in einer entspannten Atmosphäre spielerisch lernen, ist der kindliche Teil des Geistes aufnahmefähiger, wenn angemessene Methoden gewählt werden, um dem Unterbewusstsein klarzumachen, was unser bewusster Verstand möchte, dass dieses versteht und ausführt.

Auch Rituale mit den in ihnen enthaltenen Botschaften beeindrucken das Unterbewusstsein, ganz besonders dann, wenn sie mit Emotionen gefüllt sind und ernsthaft ausgeführt werden. Alle Techniken, Rituale und Symbole, die in diesem Buch vorgestellt werden, besitzen die Fähigkeit, positive Botschaften ins Unterbewusstsein einzuprägen und damit negative Konditionierungen auszugleichen, die möglicherweise vorher in unserem Leben stattgefunden haben.

Der Leser wird umso mehr profitieren, wenn er Kritik und Bewertung zurückstellt: Die verschiedenen Techniken sollten nicht als zu kindisch verworfen werden, um effektiv zu sein. Ein bewusstes Zurückhalten von Be- und Verurteilungen gibt dem Unterbewusstsein der Leserschaft die Möglichkeit, teilzunehmen und von den positiven Konditionierungen, die die Symbole bieten, zu profitieren. Solange das Unterbewusstsein einer Person nicht beeindruckt ist, können keine Veränderungen im Leben dieser Person stattfinden – ganz gleich, wie sehr sie sich bewusst zu verändern oder weiterzuentwickeln wünscht.

Danksagung

Ich danke allen Menschen, die mit mir gearbeitet haben für ihre Hilfe, denn ihre Probleme und Fragen haben Antworten hervorgebracht, die in die Entwicklung der in diesem Buch beschriebenen Techniken eingeflossen sind.

Einführung

Dieses Buch präsentiert eine Methode, durch die eine Befreiung von all den verschiedenen Ursprüngen falscher Sicherheiten erreicht werden kann. Diese Methode befähigt eine Person, zu einem unabhängigen, selbstständigen Menschen zu werden, indem sie sich ausschließlich auf die innere Quelle für Sicherheit und Weisheit stützt, die allen Menschen, die diese suchen, zur Verfügung steht. Dieses Wissen bildet die Krönung eines mehr als zwanzig Jahre andauernden Experiments, das eine Frau und ich begannen. Zunächst trafen wir uns zu einer Zeit, in der wir beide damit beschäftigt waren, verschiedene Methoden zu erproben, die uns helfen sollten, mehr Sinn in unseren Leben zu finden.

Wir entdeckten, dass wir beide unzufrieden und enttäuscht darüber waren, dass wir keine überzeugenden Antworten auf einige unserer ernsthaften Fragen über das Leben erhielten. »Warum sind wir hier? Wer sind wir? Wohin gehen wir?«, fragten wir uns und waren sicher, dass es irgendeinen praktikablen Weg geben musste, weitere Antworten auf diese Fragen zu finden. Beide hatten wir eine Wachtraum-Technik erlernt und entschieden uns, diese zu nutzen, um für uns hilfreiche Erfahrungen und Lehren gezeigt zu bekommen. Wir trafen uns regelmäßig und wechselten dabei jeweils die Rollen; einmal führte eine von uns und die andere empfing die Eindrücke, beim nächsten Mal war es umgekehrt.

Eine der ersten Dinge, die wir gezeigt bekamen, war die Nutzung eines Dreiecks als Grundlage für die Arbeit, um uns mit dem Höheren Selbst zu verbinden und uns von dieser Weisheit in jedem von uns leiten zu lassen. Diese Quelle der Weisheit ist immer verfügbar, greift aber nicht in unser Leben ein, geht auch nicht gegen unseren freien Willen, solange wir nicht um dessen Unterstützung bitten.

Als Grundlage dafür visualisierten wir beide eine Lichtlinie auf dem Boden, die uns beide auf Bodenhöhe verband, wobei eine von uns bei Punkt A und die andere an Punkt B gegenüber war. Dann stellten wir uns jeweils eine Lichtlinie entlang unserer Wirbelsäulen vor, die oben an unseren Köpfen austraten und sich über uns an einem Punkt C – der Spitze des Dreiecks – trafen. Dieser Punkt C bedeutete für uns den Treffpunkt mit unserem Höheren Selbst, wo wir Eins sind. Mit der Zeit begannen wir, diesen Punkt das »High C« für Higher Consciousness [englisch für Höheres Bewusstsein] zu nennen und seitdem übergaben wir diesem die Führung der Sitzungen und baten darum, das zu erhalten, was wir brauchten und womit wir im jeweiligen Moment umgehen konnten.


Die Erfahrung in der Arbeit mit vielen Menschen hat gezeigt, dass der Begriff »High C« für alle annehmbar ist, was immer auch ihr Hintergrund sein mag. Die meisten Menschen, die nach einem Sinn des Lebens suchen, haben eine wie auch immer vage Vorstellung davon, dass es eine Kraft in jedem von uns gibt, die jenseits unserer persönlichen, begrenzten, bewussten Persönlichkeit liegt. Die Tatsache, dass Menschen Hilfe suchen, zeigt erst einmal, dass sie zu der Erkenntnis gelangt sind, dass ihr bewusster Verstand und ihr Gehirn nicht in der Lage sind, alle ihre Probleme zu lösen. Üblicherweise stimmen sie dankbar zu, weiterführende Hilfe von der uns innewohnenden Weisheit zu erbitten, wenn wir ihnen zeigen, wie sie damit in Kontakt treten können.

Auf diese Weise mit dem High C zu arbeiten, ist das grundlegende Element, welches diese Methode von anderen Methoden unterscheidet, in denen der bewusste Verstand eines Arztes oder Therapeuten normalerweise die Autorität bildet. Dort findet die Beratung auf der Ebene der Basislinie des Dreiecks statt – also von einem bewussten Verstand zum anderen.

In der Arbeit mit der Methode hat sich im Laufe der Jahre sehr viel Material zu verschiedenen Themen angesammelt. Es schließt auch Antworten auf Fragen und Techniken ein, um uns selbst und anderen bei persönlichen Problemen zu helfen.

Zu Beginn sprachen wir selten darüber, was wir taten, denn in den 50er und 60er Jahren wäre es als sehr seltsam empfunden worden. Aber jetzt, wo übersinnliche und spirituelle Themen explosionsartig in unseren Alltag drängen, ist es schick geworden, darüber zu sprechen. Seit den ersten Anfängen sind von Zeit zu Zeit andere interessierte Suchende zu uns gestoßen. Einige von ihnen arbeiteten eine Zeitlang mit uns, um ihre Probleme zu lösen, und zogen dann weiter, nachdem sie effektive Methoden gelernt hatten, sich weiterhin selbst zu helfen. Einige wenige tauchten tiefer in die Arbeit mit der Methode ein und halfen so, weitere Lehren und Techniken zu entdecken, indem sie Hilfe für ihr eigenes Leben suchten.

Jetzt gibt es viele Menschen, besonders jüngere, die ernsthaft interessiert daran sind, sich selbst zu entdecken. Einige von ihnen finden den Weg zu dieser Methode. Hoffentlich nutzen sie die Methode, die uns gelehrt wurde, um mehr Antworten und praktische Lösungen auf ihrer Suche nach Ganzheit zu finden. Sie können dann ihre Entdeckungen an andere weitergeben und so dazu beitragen, die Methode noch weiter zu verbreiten. Die Methode ist nicht statisch oder kristallisiert, sondern erweitert sich, je mehr Menschen sie nutzen.

Das Buch präsentiert die Methode, verschiedene Techniken und Rituale zur Befreiung von alten Mustern und Bindungen; es enthält auch einige der Lehren und Unterweisungen, die wir erhielten, so dass sie mehr Menschen erreichen als die, mit denen wir persönlich in Kontakt kommen. Somit ist es ein Buch sowohl für Laien als auch für professionelle Therapeuten, denn es ist absolut sicher, diese Methode zu verwenden, wenn die Anleitungen sorgsam befolgt werden und um die Hilfe des Höheren Selbst gebeten wird. Viele der Menschen, die von der Methode profitierten, haben mich immer wieder dazu gedrängt, ein Buch darüber zu schreiben. Zunächst war ich von der Vorstellung bestürzt, da ich ja keine professionelle Schriftstellerin bin und große Zweifel daran hatte, ein Buch schreiben zu können. So bat ich in einer unserer Sitzungen um Hinweise dazu. Mir wurde versichert, dass das Buch bereits durch die jahrelange Arbeit Form angenommen hatte und nur noch in eine fassbare Version in einfachem und geradlinigem Stil gebracht werden müsse.

Ich hoffe also, dass alle, die dieses Buch lesen und beschließen, den Inhalt anzuwenden, entdecken werden, dass dies ein großes Abenteuer bedeutet und auch feststellen werden, dass es ein großer Segen ist – wie für all diejenigen, die bisher bei seiner Entwicklung geholfen haben.

Phyllis Krystal

Das Arbeiten mit der Methode

Dieses Buch beschreibt eine Methode, die entwickelt wurde, damit zwei oder mehr Personen arbeiten können, um in Wissensbereiche einzutauchen, die jenseits des Bewusstseins eines jeden Einzelnen liegen. Der Zustand während der Arbeit mit der Methode wurde vielfach beschrieben als Wachtraum oder aktive Imagination, wobei keiner der beiden Begriffe den Zustand wirklich darstellt. Diejenigen, die Erfahrungen mit der Methode gemacht haben, beschreiben dies fast immer als einen Zustand erweiterten Bewusstseins und berichten, dass die erfahrenen Gefühle meist wesentlich intensiver sind als jene, die wir in unserem normalen Bewusstseinszustand erleben – auch sind die Bilder weitaus lebendiger.

Ich muss von Anfang an zwei Dinge ganz klar stellen: Erstens nehmen die Beteiligten bei vollem Bewusstsein alles wahr, was sie erfahren, sie sind niemals in Trance und erinnern sich an jedes Detail, das während der Sitzung vorkommt. Zweitens ist es nicht notwendig, besondere Fähigkeiten zu besitzen, wie etwa übersinnlich zu sein, beispielsweise hellsichtig oder medial, um diese Arbeit zu machen. Die Anforderung an jede Person, die mit dieser Methode arbeiten möchte, ist, dass ein starker Wunsch danach besteht, Wahrheit und Ehrlichkeit sowie wahre Hingabe und innere Führung zu finden. Ebenso die Bereitschaft, das Ego sowie den persönlichen Willen und Wünsche, Glaubenssätze und Vorurteile beiseitezulassen, so dass die Lehren des Höheren Selbst unverfälscht von menschlichen Verfärbungen zu uns fließen können.

Während wir eines Tages zu zweit arbeiteten, erhielt ich ein interessantes Bild, das mir zeigen sollte, wie wichtig es ist, vollkommen offen zu sein und das Ego soweit wie möglich beiseitezulassen. Wie üblich baten wir darum, gezeigt zu bekommen, was immer für uns angemessen und an diesem Tag zum richtigen Zeitpunkt zu erfahren wäre. Das einzige Bild, das ich erhielt und das nicht weichen wollte, weder verblasste noch verschwand, war das einer Urne. Als ich mich darauf konzentrierte, erkannte ich, dass diese stark angebrochen und angeschlagen war und mir kam der Gedanke, dass sie beim Befüllen mit Wasser auslaufen würde. Ich fragte nach, warum mir dieses Bild einer alten, beschädigten Urne gezeigt wurde. Die Antwort kam wie ein Blitz und schockierte mich. Plötzlich erkannte ich, dass sie mich repräsentierte und dass wir alle gebrochen und angeschlagen sind. Mit Erleichterung stellte ich dann fest, dass dies unsere Fähigkeit, diese Arbeit zu machen, nicht beeinträchtigen musste. Da wir uns mit dem inneren Licht in jedem von uns in Verbindung setzen, um Dunkelheit und Ignoranz zu vertreiben, kann dieses Licht durch die Risse und Spalten sogar besser wahrgenommen werden und zu anderen Menschen strahlen. Von jenem Moment an hörte ich auf, mich zu sorgen, ob ich nun adäquat für diese Arbeit oder ein klarer Kanal sei.

Die Anforderung an zwei Menschen, die zusammenarbeiten möchten, ist zunächst eine Beziehung, welche die Basis des Dreiecks formt, das sie benutzen werden, um mit dem Höheren Selbst in Kontakt zu kommen. Es ist auch wichtig, dass sie diszipliniert genug sind, um regelmäßig zu arbeiten und vor allem, dass so wenig Wettbewerbsgeist oder Geltungsbedürfnis als möglich im Spiel ist. Hier geht es ja um die Suche nach innerem Wissen, nicht um das der einzelnen Partner. Es kann durchaus hilfreich sein, wenn die Partner unterschiedliche Persönlichkeiten haben, denn es sorgt für größere Polarität und verringert die Gefahr, zu stark vom Thema abzuweichen. Manchmal führen diese Unterschiede zu interessanten Situationen, wenn beide Partner auf den ersten Blick scheinbar widersprüchliche Bilder erhalten, die aber bei genauerem Hinsehen die gleiche Aussage nur unterschiedlich präsentiert enthalten; die Aussagen bestätigen sich gegenseitig. Es kommt auch vor, dass die Bilder der einzelnen Partner, sobald sie zusammengefasst werden, eine ganze Botschaft ergeben, von der jedes Bild einen Teil bildet.

Im Laufe der Arbeit wurde schrittweise immer offensichtlicher, dass die Arbeit auf viele verschiedene Arten angewendet werden kann. Von Anfang an wurden wir angewiesen, dass wir bereit sein mussten, das Erlernte mit all denjenigen, die offen dafür sind und es anwenden möchten, zu teilen. So ergab es sich, dass wir auch mit verschiedenen anderen Menschen arbeiteten, die uns um Hilfe und Rat für ihre Probleme baten. Dies geschah zusätzlich zu unseren regelmäßigen Treffen zur Erlangung innerer Führung und Unterweisung, die eher wie eine Schule des Höheren Lernens war.

Manchmal arbeitete eine von uns direkt mit dem Hilfesuchenden, entweder, indem beide sich mit dem Höheren Selbst verbanden, oder indem das, was wir schon erlernt hatten, mit ihnen geteilt wurde. Manchmal halfen wir auch Menschen dabei, ihre Träume zu entziffern oder fuhren mit dem fort, was immer bei der entsprechenden Person und dem Problem angebracht war. Sonst arbeiteten wir beide zusammen und baten darum, gezeigt zu bekommen, wie wir den Menschen, die innere Führung suchten, helfen konnten. Diese Methode wandten wir meist mit Menschen an, die weit entfernt wohnten oder aus anderen Gründen nicht direkt mit einer von uns beiden arbeiten konnten. In jenen Fällen teilten wir den Betreffenden das Ergebnis unserer Arbeit entweder telefonisch oder per Brief mit und erklärten ihnen empfohlene geistige Übungen oder Meditationen. Wir wurden immer wieder davor gewarnt, die gesamte Arbeit für andere zu tun und ihnen die Aufgabe abzunehmen, denn dies würde nur unsere geistigen und spirituellen Muskeln stärken, nicht aber deren.

Die vielen und vielfältigen Probleme, auf die unsere Aufmerksamkeit gelenkt wurde, waren oft der Weg zu neuen Lehren für eine große Anzahl vielfältiger Themen. Indem wir die uns gegebenen Lehren immer mehr anwandten, lernten wir, der Quelle zu vertrauen, besonders, wenn wir die vielen Beweise sahen, wie diese im Leben vieler anderer Menschen wirkten.

Immer mehr Menschen hörten durch Mundpropaganda von unseren Aktivitäten. Unter ihnen befanden sich auch Psychologen, die uns um Hilfe bei besonders schwierigen oder rätselhaften Fällen baten. Meine ältere Tochter ist Psychologin und benutzt verschiedene Übungen und Techniken mit ihren Klienten mit großem Erfolg. Zusätzlich treffe ich mich mit ihr regelmäßig, um das Höhere Selbst um weitere Einsichten und Anweisungen zu bitten, wie sie die Probleme ihrer Klienten diagnostizieren und effektiver mit ihnen arbeiten kann. Sie bietet es nur solchen Klienten an, von denen sie den Eindruck hat, dass sie offen für diese Arbeit sind, die ihr Einverständnis dazu geben und die einer derartigen Führung folgen wollen. Die meisten unter ihnen greifen nach dieser zusätzlichen Hilfe und Einsichtsmöglichkeit und das Ergebnis ist, dass meine Tochter ihnen helfen kann, sich besser selbst zu helfen, was der Schlüssel zu Heilung und innerem Wachstum ist. Sie sehen, wie diese Arbeit den inneren Heilungsprozess beschleunigt, und meist haben wir eine lange Liste von Anfragen, wann immer wir uns treffen.

Aus dieser Arbeit ergab sich eine Struktur, die von Psychotherapeuten und Beratern genutzt werden kann, so wie sie im weiteren Verlauf des Buches erläutert ist. Wir hoffen, dass sich mit der Zeit immer mehr Therapeuten dieser höheren Weisheit bedienen, indem sowohl sie als auch ihre Klienten das Höhere Selbst anrufen.

Eine immer wieder auftretende Situation bei Beratungen ist die Projektion oder Übertragung. Dies wird verringert, wenn sowohl Therapeut als auch Klient sich auf das Höhere Selbst als Autorität verlassen anstatt auf den Therapeuten und auch eine von uns erhaltene Visualisierungsübung benutzen, die speziell dieses Problem reduziert. Wir nennen diese Übung die »Figur Acht«, deren Benutzung später im Text beschrieben wird.

Der Kern der Arbeit

Während einer Sitzung mit meiner Tochter, als wir gerade damit beginnen wollten, einige ihrer Fälle zu betrachten, wurde mir unerwartet der Kern oder das Kernthema dieses Buches präsentiert.

Sobald wir in die Ruhe gekommen waren und sie die Liste der Namen derjenigen, die um Hilfe gebeten hatten, verlesen hatte und wir in unserer Vorstellung das Dreieck zwischen uns errichtet hatten, sah ich sofort wie auf einem inneren Bildschirm eine Art Zoo oder Zirkus mit vielen Käfigen, in denen jeweils Tiere untergebracht waren. Bei der Betrachtung dieses inneren Bildes faszinierten mich die verschiedenen Formen, in denen die Tiere auf das Eingesperrt-Sein reagierten. Einige der großen Katzen rasten nervös von einer Seite des Käfigs zur anderen – anmutig, aber frustriert, einige Tiere warfen sich gegen die Stangen des Käfigs in offensichtlicher Wut und Rebellion, frenetisch und ängstlich in dem verzweifelten Versuch auszubrechen. Andere Tiere verzogen sich in den hinteren Teil des Käfigs und rollten sich zusammen wie ein Embryo – zurückgezogen von jeglicher Teilnahme am Leben. Manche begannen einen Hungerstreik und verweigerten die Nahrung, während andere, z. B. die Bären, begannen, eine Vorführung zu geben, kleine Tricks präsentierten, eine kleine Show für die Besucher inszenierten, um deren Aufmerksamkeit zu gewinnen und sich so von ihrer Langeweile abzulenken. Andere machten sich beliebt, erbettelten mit Purzelbäumen Futter von den Wärtern. Bei der Betrachtung dieser unterschiedlichen Reaktionen fragte ich mich, warum ich diese Bilder bekommen hatte, und bemerkte sofort, dass die Menschen, ebenso wie die Tiere, die ich gerade sah, in Käfigen gefangen sind – allerdings in von ihnen selbst angefertigten. Mit der gleichen inneren Bestimmtheit wusste ich aber auch, dass sie sich aus diesen Käfigen befreien können, sofern sie dies wollen.

Würde tatsächlich irgendjemand nicht frei sein wollen?, fragte ich mich. Als Antwort erschienen mir in meiner Vorstellung mehrere Menschen, die ich kannte, die in diese Kategorie passten. Als ich weitersuchte, stellte ich fest, dass viele Menschen jede Art von Veränderung ablehnen. Sie ziehen die Sicherheit einer gewohnten Situation oder Bedingung vor, wie schwierig oder unglücklich diese auch sein mag, um Unsicherheit gegenüber Unbekanntem oder Anderem zu vermeiden.

Es gibt auch solche, die protestieren und frei sein wollen, aber, sobald sie die Gelegenheit erhalten, sich aus ihren Gefängnissen zu befreien, feststellen, dass ihr Drang nach Freiheit nicht groß genug ist, um ihr Festhalten an Menschen, Besitztümern, Wünschen, Sicherheiten oder anderen Dingen, ohne die sie nicht leben können, aufzugeben. Menschen können größte Anstrengungen unternehmen, um ihre gehegten Wünsche und Träume zu schützen und wehren jeden Versuch ab, ihnen aufzuzeigen, dass diese der Grund für ihr Unglücklich-Sein sind.

Als nächstes wurde mir bewusst, dass wir – ebenso wie der Faden der Ariadne – den Prozess bis zu seinem Ursprung zurückverfolgen müssen, vorbei an dem Deckmantel aus Protest, die der Verstand aufgebaut hat, um den Schlüssel zu finden, der das Gefängnis jedes Einzelnen aufschließen kann; nur wenn die versteckten Gründe für die Symptome entdeckt werden, kann die Heilung nachhaltig sein. Das Ego mit seinem »ich will« und »ich will nicht« ist der tief sitzende Kern, der so heftig verteidigt wird wie eine Zitadelle – mit Wut, Angst und Verzweiflung, bevor die Kapitulation vor dem Höheren Selbst stattfindet.

Das Übergeben an die innere Weisheit ist der Schlüssel zu Gesundheit und Ganzheit und die wahre Bedeutung von »Dein Wille geschehe, nicht meiner«. »Dein Wille« bezieht sich auf den Willen unseres eigenen Höheren Selbst, das allein weiß, warum jeder Mensch in diesem Leben ist, während »mein Wille« der zwanghafte persönliche Wille des Egos ist, gebunden an eine Unzahl von Wünschen.

Ich realisierte, dass uns freier Wille gegeben wurde, aber es wurde sichtbar, wohin er uns für gewöhnlich bringt: in Käfige! Solange wir nicht lernen, dass wir nur frei sind, wenn wir dem Höheren Selbst vertrauen, können wir nicht wirklich ermessen, was Freiheit bedeutet. Das Prinzip »Lass das Vertrauen in diese Höhere Weisheit die umkämpfte Zitadelle des Kleinen Selbst erstürmen« kam mir plötzlich in den Sinn. Ich sah, dass alle psychologischen Probleme und das Unglücklich-Sein Zeichen auf dem Weg zu unseren inneren Konflikten sind, die uns, wenn sie richtig verstanden werden, zu den ursprünglichen Wurzeln führen können. Als ich mich umsah, bemerkte ich, dass alle Lebenden unter dem einen oder anderen Aspekt dieser »Krankheit der Trennung vom Höheren Selbst« leiden. Manche Menschen sind davon härter betroffen als andere, manche können es erfolgreicher tarnen oder verstecken, indem sie verschiedene Tricks anwenden, so wie beispielsweise ständige Beschäftigung, Drogen, Alkohol, Sex, Fernsehen, Bücher oder Essen. Wir sind alle wie die Tiere im Käfig! Dieses Bild machte mich ehrfürchtig.

Dann erinnerte ich mich an die östlichen Philosophien und deren Beharren auf Wunschlosigkeit und Loslassen und ich sah, dass uns in unserer Arbeit gezeigt wurde, wie wir die Bindungen zu Dingen, Menschen, Orten, Lebensarten, allem, was uns daran hindert, frei zu sein, lösen können. Darüber hinaus bemerkte ich, dass die Techniken, die uns im Laufe der jahrelangen Arbeit offenbart wurden, dazu dienen, uns aus den Käfigen zu befreien und auch anderen dazu zu verhelfen.

Ich durfte dann kurz erleben, wie sich diese Freiheit anfühlt, und erkannte, dass es sich um genau den Bewusstseinszustand handelte, den ich ab und zu während unserer Sitzungen erreichte und den ich den »Bildteppich-Zustand« nannte.

Bisweilen, wenn ich mich auf Bilder oder Gedanken, die mir kamen, fokussierte, wurde ich mir plötzlich einer gewaltigen Veränderung meiner Haltung bewusst. Ich fühlte mich, als würde ich frei im Raum in einem rosa Licht schweben, wie ein Vogel im Wind, während ich auf einen wunderschönen Bildteppich unter mir blickte. Ich genoss diese kurzen Zeiten in diesem Bewusstseinszustand sehr und fühlte mich, als würde mir eine Sichtweise über die Welt wie durch Gottes Auge gegeben, die nie aufhörte, mich zu erstaunen. Manchmal versuchte ich, diesen Zustand willentlich zu erreichen, schaffte es aber nie, denn das Erreichen dieses Zustandes scheint jenseits unserer bewussten Kontrollmöglichkeiten zu liegen. Zunächst war ich auch etwas erschrocken über meine Haltungsveränderung. Wenn ich sah, wie unmenschlich manche Menschen mit anderen umgingen, die Kriege, Morde, Vergewaltigungen und Sorgen, fühlte ich trotz des Grauens – wie Browning sagte: »Gott ist in Seinem Himmel, alles ist in Ordnung mit der Welt!« Einige Minuten vorher wäre ich beim Anblick dieser Weltszenen vor Depression zusammengesunken. In diesem anderen Zustand war ich jedoch für einen Moment befreit von der Welt und konnte alles aus anderer Perspektive beobachten, wissend, dass all das unvermeidlich ist für den so notwendigen Lernprozess, der nur dadurch möglich wird.

Von oben gesehen war der Bildteppich immer wunderschön mit brillierenden Farben, hell und dunkel, alle kunstvoll harmonisch verwoben, ein komplexes Muster bildend; alles war an seinem richtigen Platz. Allerdings sah der gleiche Bildteppich von unten, von unserer begrenzten, bewussten Perspektive aus betrachtet, ganz anders aus: Das Muster war unscharf, undeutlich, denn viele Knoten und lose Fäden verdeckten das wunderschöne Design, das ich von oben gesehen hatte, und alle Farben schienen einfach zusammenzulaufen. Es wurde mir klar, dass das wahre Muster von der Perspektive des Höheren Selbst aus erkennbar ist.

Unsere Leben sind mit denen anderer verflochten, damit alle lernen können, und wir ziehen solche Menschen und Erfahrungen auf uns, die uns das lehren, was wir lernen müssen. Da wir nicht über unsere begrenzte Sichtweise hinaus sehen können, erscheint das Muster hässlich und unsauber und somit falsch. Aber von oben betrachtet, wo das Design klar erkennbar ist, ist alles, wie es ist, wie es sein muss – so, wie wir es gewoben haben. Sogar die negativen Anteile sind unverzichtbarer Teil des Ganzen.

Dann erkannte ich, dass sogar »die Knoten richtig sind«; diesen Ausdruck benutzten wir oft, um vermeintlich negative Erfahrungen zu beschreiben, die aber oft genau diejenigen sind, die uns dazu bewegen, unsere Spur zu verlassen, uns zwingen, zu wachsen. Die meisten Menschen haben eine starke Tendenz, ein entspanntes und leichtes Leben zu führen, wenn die Dinge zu gut laufen. Das führt zu einer Stagnation und verhindert Wachstum. Dies liegt nur daran, dass wir das wunderschöne Muster, das wir alle zu weben wünschen, nicht erkennen können und lediglich die schlecht aussehende Unterseite sehen, die wir fälschlicherweise beurteilen.

Als ich dieses Bild einer jungen Frau mitteilte, die zu mir kam, während sie noch um den Tod einer geliebten Person trauerte, fragte sie mich gequält: »Würden wir nicht alle indifferent und sorglos werden, wenn wir die Sichtweise hätten, die Du beschreibst?«

Ich verstand genau, was sie meinte, weil es zunächst auch meine Befürchtung gewesen war, aber die Erfahrung zeigt etwas anderes. Es bewirkt, ganz im Gegenteil, mehr Einfühlungsvermögen und größeres Verständnis und es vermindert die Kritik an anderen. Nur mit solchen inneren Haltungen kann Hilfe angeboten werden.

Ein junger Mann, mit dem ich arbeitete, hatte eine andere Reaktion, als er die Bildteppich-Perspektive erreichte. Er wollte diese nicht mehr verlassen, um nicht in das »gewöhnliche, düstere Bewusstsein des täglichen Lebens zurückzukehren«, wie er es ausdrückte. Ebenso wenig wollen diejenigen, die Drogen nehmen, um Langeweile und Stumpfheit, Angst und Hässlichkeit in ihren Leben zu entgehen, die Drogen absetzen.

Wir wurden immer und immer wieder gewarnt, dass wir nur durch ein Leben in einem Körper und in dieser profanen Welt an uns arbeiten können, um das Ziel der Freiheit zu erreichen, in welcher der Bildteppich einen kleinen Einblick gewährt. Wir müssen arbeiten, um das Recht zu erhalten, dort dauerhaft zu verweilen. Jeder Rückzug aus diesem Leben verzögert den Prozess nur.

Der Schlüssel, der das Tor des Käfigs öffnet, in dem wir gefangen sind, kann nur in dem Käfig gefunden werden, der wiederum selbst in der Welt, in der wir leben, eingeschlossen ist. Der Weg, um diesen Schlüssel zu finden, besteht darin, tief in uns hineinzuschauen, um zu erkennen, wo wir uns an dessen Gitterstäben festhalten und somit an Dinge, Menschen oder Glaubenssätze gebunden sind.

Sobald ich die Bedeutung der Szene des im Käfig gefangenen Tieres verstanden hatte, realisierte ich auch, dass die Anleitungen und Instrumente, die wir über die Jahre bekommen hatten, perfekt entworfen waren, um uns zu helfen, frei von falschen Sicherheiten zu werden und loslassen zu können von dem, was uns im Käfig hält.

Die Szene des im Käfig gefangenen Tieres ist tatsächlich der Kern der Arbeit und gibt uns das zentrale Thema, worum sie sich dreht. Um ganz frei zu sein, müssen wir uns von allem und allen loslösen, was uns bindet oder beherrscht bzw. in dem wir unsere Sicherheit zu finden glauben, anstatt in dem Höheren Selbst in jedem von uns.

Ich erinnerte mich an Jesus, der einem wohlhabenden Mann riet, seine Eltern, seine Frau und sein Zuhause zu verlassen und ihm zu folgen. Ich verstand nun, dass es hierbei nicht unbedingt darum ging, sie wortwörtlich physisch zu verlassen, indem sie vernachlässigt wurden oder angenommene Verantwortung einfach abgelegt wurde. Eher scheint es, als ob es sich auf das Ablösen von familiären Abhängigkeiten bezieht, die ja oft hinderlich sind bei der Hingabe an das Höhere Selbst und der Freiheit, dessen Führung und Willen zu folgen, anstatt dem Willen unseres Egos oder dem anderer Personen.

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit besteht darin, diejenigen Bindungen oder Fesseln zu lösen, die uns an jemand oder etwas binden, worin wir unser Vertrauen setzen und die somit zu Göttern für uns werden. Da diese niedrigeren Götter vergänglich sind und uns weggenommen werden können, sind sie als Quelle für unsere Sicherheit unzuverlässig. Es ist hierbei nicht wichtig, ob diese Verbindungen aus Liebe, Bedürftigkeit, Mitleid, Angst, Hass oder irgendeiner anderen Emotion entstanden sind. Wichtig daran ist, dass sie die Macht besitzen, uns in Abhängigkeit zu halten und an Dinge zu binden anstatt an das Höhere Selbst.

Über die Jahre entstand ein Muster oder eine Sequenz an Schritten, die zu einer Methode geführt hat, die von zwei Menschen in Partnerarbeit angewendet werden kann, sodass beide sich befreien und innerlich wachsen können. Die Methode bietet auch ein System, das von professionellen Therapeuten mit deren Klienten genutzt werden kann, denn das Integrieren des Höheren Selbst in die Arbeit eröffnet eine Dimension, die den Heilungsprozess sehr stark beschleunigen kann.

Wenn ein menschliches Wesen gewillt ist, sein Bewusstsein anzuheben und den Kontakt zu der uns innewohnenden Weisheit und Heilkraft aufzunehmen, wird die Arbeit, welcher Natur sie auch sein mag, verfeinert und bestärkt, da sie jenseits der Dominanz durch das Ego liegt. Es ist sowohl für den Klienten als auch für den Therapeuten wichtig, das Höhere Selbst um Führung zu bitten, da Hilfe leichter gefunden werden kann, wenn beide bereit sind, die Unterstützung des gemeinsamen Höheren Selbst zu suchen.

Uns wurden viele verschiedene Arten von Bindungen und Fesseln aufgezeigt, die wir in den nächsten Kapiteln besprechen möchten. Es werden auch Anweisungen dazu gegeben, wie diese abgelöst werden können, was häufig ein Wiederbeleben alter Pubertätsrituale beinhaltet, die in unserer Zeit leider außer Gebrauch geraten sind.

Die ersten Bindungen werden in unserer Kindheit geformt – zu Eltern, Erziehenden, engen Verwandten, Geschwistern, Lehrern, Freunden und anderen Menschen, all diejenigen, die an der Prägung und Programmierung von Kindern beteiligt sind. Später bilden sich Bindungen zu Freunden, Liebhabern, Ehepartnern, anderen Familienmitgliedern, Kindern und Menschen, die für Sicherheit stehen, seien sie lebend oder tot. Es gibt durchaus auch subtilere Bindungen an persönliche Eigenarten oder Meinungen oder auch an starke Emotionen wie Wut, Eifersucht, Angst und Stolz. Bindungen können auch aus Verlangen nach Dingen entstehen wie Nahrung, Alkohol, Drogen, Geld, Juwelen, Kleidung, Häuser, Autos, Macht, sozialer Status, Ausbildung, Erfolg, um nur einige zu nennen. Letztendlich gibt es auch noch die Bindung an das Leben selbst, was viele Menschen solche Angst vor dem Tod haben lässt.

Bei Menschen, die, während sie noch in dieser Welt lebten, Loslösungen praktiziert hatten, haben wir oft erlebt, dass der Tod ein einfaches und in keiner Weise erschreckendes Ereignis war. Indem sterbende Menschen vom physischen Körper loslassen, sind sie frei dafür, in eine andere Bewusstseinsdimension zu gehen, ohne in Versuchung zu geraten, zu nah an den Bindungen der Erdenszene zu verhaften oder in den Bann des emotionalen Drucks derjenigen zu geraten, die nun ihrer physischen Gegenwart beraubt sind.

Es ist also offensichtlich, dass die Arbeit ein fortlaufender Prozess ist, wobei jede Person beim Entfernen der Bindungen so weit gehen kann wie gewünscht. Wenn der Weg bis zum Ende gegangen wird, kann dies zur kompletten Befreiung von Wünschen und letztendlich auch vom Rad der Wiedergeburt führen. Wie dem auch sei, es erreichen nur sehr wenige Menschen dieses Ziel in einem einzigen Leben und nicht alle Menschen wünschen dies; aber es sollte niemanden davon abhalten, die Methode zu benutzen, um sich zu befreien und so besser mit Problemen umgehen zu können, ihre Beziehungen zu anderen Menschen zu verbessern und ein erfüllteres Leben zu führen.

Vorbereitung für die erste innere Arbeit
Bindungen zu den Eltern

Wenn wir das erste Mal mit einer Person arbeiten, dann versuchen wir zunächst herauszufinden, warum sie diese Art der Hilfe sucht. Menschen erfahren von dieser Arbeit von anderen, denen diese Methode geholfen hat, und sind sich daher in gewisser Weise bewusst, was auf sie zukommt. Sobald wir die Art des Problems zu erkennen beginnen, erläutern wir, dass die Person zunächst auf ihre eigenen Einstellungen achten soll, da ihr geholfen werden kann, die Kontrolle über diese zu erlangen, was oft schon genügt, um die Situation zu verbessern.

Wir erklären dann, dass die meisten Probleme durch meist unbewusste Reaktionen auf frühkindliche Erziehung entstehen, und wir beginnen dann immer damit, daran zu arbeiten, indem wir helfen, die Loslösung von den Eltern zu vollziehen; wir tun dies, indem wir die sogenannten »Pubertätsriten« oder das »Lösen der bindenden Schnüre« anwenden. Das befreit nicht nur von ungesunden Abhängigkeiten, sondern auch von oft negativen Programmierungen durch die Eltern, die noch immer tief im Unterbewusstsein wirken und verhindern, dass Menschen sich selbst erkennen. Diese erste Sitzung gibt der Person die Möglichkeit, den Bewusstseinszustand kennenzulernen, den wir als »Wachtraum« oder »Reverie« bezeichnen, und gibt der Person, die die Sitzung anleitet, gleichzeitig eine gute Vorstellung davon, wie weit sich die hilfesuchende Person in diese Art der Arbeit einzubringen bereit ist.

Natürlicherweise entstehen die ersten Bindungen zu den Eltern, da sie der Kanal sind, durch den wir geboren werden. Eine frühe, enge Verbindung zu ihnen ist in den ersten Lebensjahren, in denen das Kind diese Sicherheit als Basis für die eigene Entwicklung braucht, sehr wichtig.

Heutzutage wird ein Brauch wiederbelebt, der sich »bonding« nennt und in dem diese Bindungen kurz nach der Geburt verstärkt werden. Es wurde herausgefunden, dass die Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt für ca. 20 Minuten völlig bewusst sind, ihre Augen öffnen und den Blick fokussieren können. Mit den unterschiedlichen Methoden für natürliche Geburtsvorgänge, die heutzutage angewandt werden, wo beide Elternteile anwesend sind und die Mutter völlig wach ist, wird das Baby mit beiden Elternteilen durch direkten Augenkontakt so früh als möglich verbunden.

Üblicherweise wurden diese frühen Bindungen zu den Eltern jedoch bei Eintritt in die Pubertät, wenn die jungen Menschen kurz vor dem Eintritt in die Erwachsenenwelt standen, getrennt, so dass sie frei waren, sich als unabhängige Menschen zu entwickeln. Leider werden viele dieser alten Bräuche und Rituale in unserer gegenwärtigen Gesellschaft nicht mehr durchgeführt. Das trifft insbesondere auf die Pubertäts- und die Totenrituale zu. Wenn sie noch existieren, dann meist so verwässert und oberflächlich, dass sie für die praktische Umsetzung nutzlos sind. Sie werden als leere Hülse empfunden, ohne die ursprüngliche symbolische Bedeutung, und somit auf eine rein soziale Funktion reduziert.

Wir erklären jeder Person, die neu zu uns kommt, wie dieses Ritual vonstattengeht und weisen darauf hin, dass es jederzeit, unabhängig vom Alter, durchgeführt werden kann, da es in den seltensten Fällen zu Beginn der Pubertät durchgeführt wurde. Wir beziehen uns hierbei auf Rituale und Gebräuche, die noch in einigen sogenannten primitiven Kulturen praktiziert werden, da sie noch enger an den ursprünglichen Formen sind. Wir betonen hierbei besonders, wie wichtig es ist, dass junge Menschen, die kurz vor dem Erwachsensein stehen, von den Eltern und der Welt ihrer Kindheit gelöst und in das soziale Leben als Erwachsene eingeführt werden.

Wenn diese Bindungen jenseits der Pubertät ungetrennt bleiben, entsteht oft eine ungesunde Situation, wenn das Kind, in welchem Alter auch immer, entweder zu sehr abhängig von einem oder beiden Elternteilen ist und somit unfähig, seine eigene, wahre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen, oder schwer rebelliert und sich von den Eltern lossagt, was auf beiden Seiten zu verhärteten Gefühlen führt. Die letztere Situation kann sogar besonders negative Bindungen hervorbringen, die noch stärker einschränken als die ursprünglichen positiven Bindungen.

Wenn Menschen diese Information erhalten, reagieren sie sehr unterschiedlich, je nachdem, wie ihre Erfahrungen und Hintergründe sind. Manche protestieren und sagen, dass sie sich bereits losgesagt und ihre Unabhängigkeit erreicht haben, wobei sie oft die drastischen Maßnahmen beschreiben, die dazu geführt haben. Allerdings haben wir immer wieder festgestellt, dass sie nur in den seltensten Fällen frei sind und dass Entfremdung, Distanz und sogar der Tod der Eltern sie nicht notwendigerweise befreien. Tatsächlich sind diese Menschen oft noch enger angebunden, auch wenn sie vom Gegenteil überzeugt sind. Andere reagieren ganz anders, wenn sie hören, dass es notwendig ist, die Bindungen zu lösen, und drücken große Erleichterung aus, wenn sie erfahren, dass es nie zu spät ist, sich zu befreien, wie alt sie auch sein mögen. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine junge Frau in ihren 40ern, deren Mutter eine besonders kontrollierende Matriarchin war; aus ihr brach heraus: »Wenn Sie mir helfen können, mich von meiner Mutter loszulösen, werden sich die meisten meiner Probleme lösen.« Ein junger Mann reagierte so: »Ich bin 3.000 Meilen weit weggezogen, um meinem Vater zu entgehen, aber ohne Erfolg; ich spüre seine Kritik über Tausende von Meilen hinweg.«

Wieder andere schrecken vor der Vorstellung einer Trennung zurück, da sie glauben, dass familiäre Bindungen heilig sind, trotz ihrer oft lähmenden und erstickenden Wirkung auf die einzelnen Mitglieder einer familiären Gemeinschaft. Dann gibt es auch solche Menschen, die den Gedanken hassen, aus dem Nest gestoßen zu werden, und die vermittelte Sicherheit der Unabhängigkeit und dem Alleinsein in der Welt vorziehen.

Manchmal werden Kinder auch von Verwandten, Freunden oder Pflegeeltern oder Einrichtungen großgezogen. In solchen Fällen führt dies oft zu einem tiefen, unbewussten Unmut gegenüber den wahren Eltern und ein Gefühl des Zurückgewiesen-Seins beeinträchtigt ihr Leben. Diese Menschen müssen eine Ablösung von ihren wahren Eltern machen, aber auch von denjenigen, die sie aufgezogen haben.

Es ist für Eltern unmöglich, für alle ihre Kinder perfekt zu sein, und selbst die allerbesten müssen ihre Nachkommen loslassen, damit diese unabhängige Erwachsene werden können. Selbst wenn nur minimale Reibungen bestehen, ist es weise, die Trennung der inneren Bindungen vorzunehmen, da dies unweigerlich zu einer Verbesserung der Beziehungen führt, indem sie freier und fließender werden.

Ebenso wie in den alten Bräuchen, müssen auch wir Vorbereitungen treffen, bevor die tatsächliche Durchtrennung der Bindungen vollzogen werden kann. Wir haben dazu eine vorbereitende Übung erhalten. Diese Übung muss für beide Elternteile regelmäßig täglich für nicht weniger als zwei Wochen praktiziert werden. Wir nennen diese Übung die »Figur Acht«, da sie so wie die Zahl 8 aussieht. Sie wird benutzt, um jede Person in einer engen Beziehung in ihren eigenen Raum oder ihr eigenes Territorium zu holen und ist eines unserer nützlichsten Symbole geworden.

Wenn zwei Menschen eine enge Beziehung haben, projizieren sie unweigerlich einen Teil ihrer selbst auf den anderen, so dass keiner von beiden eine klar abgegrenzte, eigene Individualität besitzt. Sollten die Bindungen gelöst werden, ohne dass sich beide vorher jeweils in ihrem Raum oder Territorium jeweils eingefunden haben, würde das Ergebnis verwirrend sein, denn beide Personen würden weiterhin die Projektionen der jeweils anderen Person quasi als Überlagerung ihres Selbst mit sich tragen. Um dem abzuhelfen, erhielten wir die Übung der Figur Acht, die ich hier so beschreibe, wie ich sie jemandem, der zum ersten Mal kommt, beschreiben würden.

Anleitung zur Visualisierung der Figur Acht

Bevor du die Bindungen zu deinen Eltern lösen kannst, muss die folgende vorbereitende Übung täglich und für mindestens zwei Wochen mit jedem Elternteil durchgeführt werden.

Schließe deine Augen, setze dich bequem auf deinen Stuhl oder auf den Boden und stelle dir vor, dass du um dich einen Lichtkreis ziehst, der auf dem Boden liegt und dessen Durchmesser der Länge deiner ausgestreckten Arme und Finger entspricht. Visualisiere diesen Kreis als eine Röhre aus goldenem Licht wie das Sonnenlicht. Tue dies nicht in Eile und erzwinge keine Bilder, erlaube den Bildern eher, dass sie vor deinem inneren Auge erscheinen mögen.

Wenn du zufrieden damit bist, in der Mitte eines Kreises aus goldenem Licht zu sein, dann visualisiere einen gleichartigen Kreis, der den deinigen knapp berührt, ihn aber nicht überschneidet. Schaue nun, welcher deiner Elternteile in dem gegenüberliegenden Kreis erscheint, wenn du den einen oder anderen aufrufst.

Versichere dich, dass ihr beide genau in der Mitte eures jeweiligen Kreises bleibt; falls es dir so scheinen sollte, dass einer von beiden sich vom Mittelpunkt des Kreises wegbewegt oder in den Raum des anderen eindringen möchte, stelle dir euch als Puppen vor, die genommen werden und dahin zurückgesetzt werden können, wo sie hingehören. Möglicherweise musst du dies mehrmals tun, bis ihr beide in der Mitte bleibt, besonders dann, wenn eine der beiden Personen dominanter ist als die andere.

Sobald du beide Kreise klar sehen kannst und beide Personen sich in der Mitte ihres Kreises befinden, visualisiere einen im goldenen Kreis laufenden, leicht neonblauen Lichtstrahl, beginnend an dem Punkt, an dem sich beide Kreise berühren, dann im Uhrzeigersinn um den Kreis deines Elternteiles dir gegenüber, dann zurück zu dem Punkt, an dem sich beide Kreise berühren. Beobachte nun, wie das blaue Licht um deinen Kreis weiterfließt, zunächst auf der linken Seite, dann hinter dir und schließlich zu deiner Rechten und dann auch wieder zu dem Punkt, an dem sich beide Kreise treffen und somit eine Acht bilden. Beobachte den Fluss des blauen Lichtes mit deinem inneren Auge so lange, bis du ohne Anstrengung an dem Bild verweilen kannst. Es ist bei jedem Menschen anders, aber es dauert selten länger als zwei Minuten. Das neonblaue Licht grenzt die Person im einen Kreis und die Eltern im anderen Kreis ab und zieht sie magnetisch auf sich selbst zurück, sodass beide ihre getrennten Territorien ganz für sich innehaben.

Diese Übung muss täglich und regelmäßig wiederholt werden, bis sie leicht vonstattengeht, um so sicherzustellen, dass deine Botschaft, dass du wünschst, ein unabhängiges Individuum zu werden, sowohl in dein als auch das Unterbewusstsein deiner Eltern eindringt. Das Unterbewusstsein versteht Bilder und Symbole besser als Worte, allerdings müssen diese regelmäßig wiederholt werden, damit die beabsichtigte Botschaft ankommt und Wirkung zeigt. Die beste Zeit, um Botschaften so auszusenden, sind die Augenblicke kurz nach dem Erwachen aus dem Schlaf und unmittelbar vor dem Einschlafen, weil wir dann dem Unterbewusstsein am nächsten sind.


Wenn du das Bild klar vor dir hast, reicht eine zweimalige tägliche Übung von ungefähr zwei Minuten morgens und abends. Über den restlichen Tag ist es hilfreich, die Figur Acht zu visualisieren, um diese im Fluss zu behalten, so wie kleine Kinder einen hölzernen Reif rollen lassen und diesen mit einem leichten Anstoß mit einem Stock am Rollen halten.

Da die Phyllis Krystal Stiftung nun die Obhut über die Methode wahrt, kann diese bei Problemen mit den Übungen gerne konsultiert werden, um sicherzustellen, dass diese von Anfang an korrekt durchgeführt werden. (www.phylliskrystal.com)

Es ist interessant, die unterschiedlichen Erfahrungen von Menschen zu hören, die mit dieser Übung arbeiten. Oft versucht ein besonders dominanter Elternteil in den Kreis des »Kindes« einzudringen, während es auch vorkommt, dass ein »Kind« überrascht feststellt, dass es selbst versucht, in das Territorium der Eltern einzudringen. Oft wird berichtet, dass einer oder beide Elternteile bereits verstorben sind, aber die Verbindung auch über deren Tod hinaus besteht, bis diese gelöst wird. Einige Menschen berichten, dass einer der Elternteile, meist die Mutter, bei der Geburt oder während deren früher Kindheit verstarb, so dass sie sich kaum an jenen Elternteil erinnern können. Sie werden üblicherweise von Großeltern, Verwandten oder Freunden großgezogen oder kommen in ein Waisen- oder Kinderheim oder zu Adoptiveltern. In diesen Fällen sollte die Ablösung von den wirklichen Eltern, selbst wenn sie nur wenig Einfluss hatten, als erstes durchgeführt werden. Zusätzlich muss eine Ablösung zu den Menschen, die das Kind großzogen oder während der Kindheit direkten Einfluss auf es hatten, durchgeführt werden.

Gelegentlich haben wir es mit Menschen zu tun, die einen derart bitteren Hass gegenüber einem Elternteil verspüren, dass es für sie zu schwierig oder beunruhigend ist, den Elternteil täglich zu visualisieren. Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit diesem Problem umzugehen: Anstatt die wirkliche Person zu visualisieren, könnten ein Bild, die Initialen oder ein Symbol, das ihn repräsentiert, benutzt werden.

Eine Frau, die mit meiner Tochter arbeitete, fürchtete sich vor ihrem Vater noch immer so stark, dass sie diese Übung überhaupt nicht machen konnte. Wir baten innerlich darum, gezeigt zu bekommen, was wir ihr sagen konnten, und uns wurde vorgeschlagen, dass sie eine sehr dicke Trennwand zwischen sich selbst und ihren Vater ziehen und sich ihn auf der anderen Seite dieser schützenden Wand in seinem Kreis denken solle – getrennt von ihr. Sie war einverstanden damit, es zu versuchen und stellte fest, dass es ihr so möglich war, die Figur Acht als Vorbereitung für ihre Befreiung von seinem Einfluss zu praktizieren. Diese Frau war seit ihrer frühen Kindheit inzestuös von ihrem Vater missbraucht worden und litt noch immer unter den Folgen. Es gelang ihr nicht, eine anhaltende Beziehung zu einem Mann einzugehen. Wir fanden heraus, dass Inzest weit stärker verbreitet ist als allgemein anerkannt. Wir erhielten mehrere Möglichkeiten, um bei der Lösung dieses Problems zu helfen, die ich in einem späteren Kapitel beschreiben werde.

Die meisten Menschen haben die Fähigkeit, zu visualisieren, und Übung verbessert diese Fähigkeit recht schnell, aber es gibt immer einige wenige, denen es schwerfällt oder denen es sogar unmöglich ist. Für sie haben wir verschiedene Alternativen, um das Symbol an das Unterbewusstsein zu senden, und manchmal haben diese Menschen selbst Vorschläge dazu, wie diese Schwierigkeit gelöst werden könnte. Ich erinnere mich an eine junge Frau, die mit Hilfe eines Zirkels eine große Figur Acht auf ein Papier malte und mit einem blauen Buntstift morgens und abends diese Figur nachmalte.

Viele Menschen empfinden, dass sie sich während ihrer freien Zeit, zum Beispiel während sie auf einen Termin warten, beim Herumkritzeln ertappen und wir empfehlen deswegen, dass sie immer Papier und Stift zur Hand haben sollten, um damit während der Wartezeit die Figur Acht zu praktizieren, indem sie ihre eigenen Initialen in den einen und einen der Elternteile in die Mitte des jeweiligen Kreises setzen. Ein Mann schnitt zwei Kreise aus Papier aus und legte sie in seinem Zimmer auf den Boden, setzte sich dann in einen Kreis und legte ein Bild seiner Mutter in den anderen Kreis, um dann mit dem Finger die Figur Acht um die Kreise zu ziehen, während er sich vorstellte, dass es blaues Licht wäre.

Dies gab mir die Idee für eine Frau, der ich die Übung der Figur Acht gegeben hatte, um sich zwar nicht auf die Ablösung von einem der Elternteile, sondern von ihrem Mann vorzubereiten, von dem sie sich gerade scheiden ließ. Sie war sehr nervös und hatte Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, so dass ich ihr vorschlug, die zwei Kreise auszuschneiden und auf den Boden zu legen und dann im Sinne der Figur Acht die Kreise zu umlaufen. Es fiel ihr leicht, diesem Vorschlag zu folgen, und durch die körperliche Betätigung konnte sie sich eines Teiles ihrer nervösen Energie entledigen, die sie daran gehindert hatte, sich zu konzentrieren. Dies ist übrigens ein typisches Beispiel dafür, wie wir oft Techniken gezeigt bekommen, wenn wir mit einer Person arbeiten, die dann für andere Menschen mit ähnlichen Problemen eingesetzt werden können.

Nachdem wir die Figur Acht ausführlich erklärt haben, lassen wir uns von der Person beschreiben, wie sie die Übung durchführt, um sicher zu sein, dass sie es verstanden hat und korrekt visualisiert. Ich möchte hier gerne betonen, wie wichtig es ist, diese Überprüfung so vorzunehmen, denn wir haben es oft erlebt, dass das Symbol, obwohl wir glaubten, es klar und deutlich erläutert zu haben, nicht auf dem Boden um ihre Füße ging, sondern um ihre Hüfte, ihr Genick und manchmal sogar über den Kopf. Andere sahen es in senkrechter Position mit den Kreisen übereinander gelagert. Missverständnisse ergeben sich eher, wenn die Anweisungen über das Telefon gegeben werden, was wir daher nicht empfehlen, außer es handelt sich um eine Notsituation, wenn es für jemanden dringend notwendig ist, mit der Durchführung der Übung zu beginnen. Solche Missverständnisse lassen sich am besten vermeiden, wenn wir die Person bitten, die Anweisungen laut zu wiederholen, so dass es überprüft werden kann und mögliche Fragen geklärt werden können.

Zusätzlich zur Figur Acht gibt es zwei weitere Aktivitäten, die gleichzeitig begonnen werden sollten. Wir bitten die Person, ihre Träume aufzuzeichnen und dies zur Angewohnheit werden zu lassen, indem sie morgens oder sobald sie nach einem Traum aufwacht, diesen Traum aufschreibt, solange sie sich daran erinnern kann. Die meisten Menschen machten die Erfahrung, dass sie beim Aufwachen noch eine sehr lebhafte Erinnerung an den Traum hatten und manchmal sogar in der Lage waren, diesen sofort zu analysieren. Sie wogen sich in solcher Sicherheit und Klarheit, den Traum nicht zu vergessen, dass sie wieder einschliefen und sich am nächsten Morgen an nichts weiter erinnern konnten als die Tatsache, dass sie geträumt hatten. Um den Verlust von solchen Träumen und der damit verbundenen, möglichen, wichtigen Information aus unserem Unterbewusstsein zu vermeiden, empfehlen wir, immer Papier und Stift oder ein Aufzeichnungsgerät neben dem Bett zu haben, damit es ein Leichtes ist, die Träume festzuhalten, sobald wir uns daran erinnern. Wir schlagen auch vor, beim Schlafengehen das Unterbewusstsein um einen Traum zu bitten, der hilfreiche Hinweise für die jeweilige Situation geben könnte. Ein Traum kann sehr häufig auf das grundlegende Problem im Leben einer Person hinweisen und so bei der Suche nach den Anhaltspunkten für ihre Schwierigkeiten Zeit sparen.

Wir empfehlen auch das Anlegen von Listen mit den positiven und negativen Eigenschaften der Eltern, um so klarer die Programmierungen durch die Eltern während der Kindheit zu erkennen und auch die Reaktionen darauf – ob dagegen rebelliert oder damit konform gegangen wurde. Wir empfehlen, dazu zwei große Blätter Papier zu nehmen, jeweils eines für jeden Elternteil, und mit einem Strich in der Mitte das Blatt in zwei Spalten zu teilen. Auf der linken Seite jeden Blattes sollten die Eigenschaften oder Angewohnheiten der Eltern stehen, auf die wir negativ reagiert haben, und auf der rechten Seite all die Charakterzüge, auf die positiv oder mit Bewunderung reagiert wurde. Es erfordert Geduld und Zeit, diese Listen zu erstellen, und es sollte nicht mit Eile und auf einmal gemacht werden. Die offensichtlichen Dinge fallen uns meist sofort ein, aber es sind oft die kleinen, subtilen Dinge, welche bei Kindern den meisten Eindruck hinterlassen. Diese werden oft unterdrückt oder vergessen und tauchen erst dann langsam aus dem Unterbewusstsein auf, wenn die auffälligeren notiert wurden. Es ist hilfreich, immer Papier und Stift zur Hand zu haben, wo die negativen und positiven Reaktionen sofort notiert werden können, sobald sie uns einfallen. Denn sobald dieser Prozess eingeleitet ist und das Unterbewusstsein merkt, was gebraucht wird, holt es aus der Vergangenheit die unterdrückten und vergessenen Reaktionen aus der Kindheit hervor. Es mag scheinen, dass hier viel von einer Person verlangt wird. Wir haben jedoch beobachtet, dass Verzweiflung, Desillusion und Unzufriedenheit bei Menschen, die Hilfe suchen, zu Bereitschaft für harte Arbeit und Disziplin führt. Das scheint eine Regel zu sein.

Wir alle sind ein wenig faul und strengen uns nicht wirklich an, solange uns nicht irgendetwas dazu zwingt oder ein Schmerz so groß ist, dass wir fast alles Mögliche tun würden, um unser Leid zu mindern, unabhängig davon, ob der Ursprung dafür körperlicher, mentaler, emotionaler oder finanzieller Natur ist oder stark genug, in welcher Weise auch immer, um uns zu Taten zu drängen. Es gibt natürlich auch die Menschen, die dermaßen von dem Abenteuer dieser Arbeit inspiriert sind, dass sie dies allein schon ausreichend motiviert. Es ist nämlich emotionale Energie, die es einer Person ermöglicht, die vom bewussten Verstand aufgebaute Barriere zu durchbrechen und in Kontakt mit dem Unterbewusstsein zu treten.

Ein weiteres interessantes Phänomen, das wir über die Jahre erlebt haben, ist, dass Menschen, die mit der Methode arbeiten möchten, entweder nicht unmittelbar damit beginnen können oder unfähig sind, den ersten Termin einzuhalten. Anstatt die Frustration bei einer sowieso schon unsicheren Person noch zu erhöhen, ist stattdessen offensichtlich geworden, dass die Verzögerung bei den meisten Menschen das Bestreben, anzufangen, noch größer werden lässt und sich mehr Energie aufbaut, um den ersten, so wichtigen Durchbruch hervorzubringen.

Das Pubertätsritual Ablösung von einem Elternteil

Um in den Zustand innerer Wahrnehmung zu treten, ist es wichtig, dass der physische Körper so entspannt als möglich ist, um eventuelles Unwohlfühlen oder Ablenkung durch angespannte Muskeln oder Nerven zu minimieren. Nach und nach ist beim Arbeiten mit so vielen Menschen eine Entspannungsübung entstanden, deren Dauer für die meisten Menschen passend ist. Besonders verspannte Menschen müssen möglicherweise speziell auf jene Körperteile achten, in denen wir alle angespannt sind, wie beispielsweise Nacken oder Schultern. Am Ende der ersten Entspannungsphase kann man für diese Teile des Körpers besondere Vorschläge zur Entspannung machen, bis die Person berichtet, dass ihr gesamter Körper entspannt ist.

Es ist ratsam, vor der Entspannungsübung einen Toilettenbesuch vorzuschlagen, um einer Unterbrechung der Sitzung zuvorzukommen, denn starke Emotionen wirken sich üblicherweise auf die Blase aus. Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Person immer dann aufstehen soll, wenn es notwendig ist, um nicht durch das unwohle Gefühl einer vollen Blase abgelenkt zu sein. Mit zunehmender Übung ist es möglich, aufzustehen, zur Toilette zu gehen, zurückzukommen und in den gleichen Zustand zurückzugleiten, ohne die innere Sequenz zu unterbrechen. Krawatten, Gürtel, BHs und Schuhe sollten gelockert oder ausgezogen, eventuell störender Schmuck an einem sicheren Ort abgelegt werden.

Die Person, die in den Zustand des Wachtraums treten möchte, wird dann gefragt, ob eine liegende oder eine sitzende Position am ehesten der Entspannung dient; es wird erläutert, dass das Ziel darin besteht, den Körper so vollständig als möglich zu entspannen, so dass er von dem Erleben des Wachtraumes nicht ablenkt. Einige Menschen assoziieren mit der liegenden Position den Schlaf – in diesem Fall ist eine aufrechte Sitzposition oder eine leicht zurückgelehnte Haltung zu empfehlen. Eine leichte Decke oder etwas anderes zum Zudecken sollte bereitliegen, da viele Menschen dazu neigen, leicht zu frieren, wenn sie sich entspannen. Wenn eine liegende Position vorgezogen wird, sollte ein Kopfkissen angeboten werden. Sobald die Person bequem sitzt oder liegt, werden die Augen mit einem leichten Tuch abgedeckt, damit die inneren Bilder klarer gesehen werden können; außerdem vermittelt das Abdecken mit einem Tuch eine gewisse geschützte Privatsphäre während der Übung, bei der durchaus starke Emotionen auftreten können.

In ihren Seminaren hat Phyllis zwar nie vorgeschlagen, die Augen zu verdecken, aber es mag Fälle geben, in denen dies hilfreich ist.

Wir haben herausgefunden, dass manche Menschen es vorziehen, in ihrer Vorstellung an einen von ihnen bevorzugten oder imaginären Platz zu gehen, während andere komplett damit zufrieden sind, an dem Ort zu sein, an dem sie sich physisch befinden. Wir schlagen also verschiedene Möglichkeiten vor wie ein schattiges Wäldchen, auf einem Hügel, unter den schützenden Ästen eines alten Baumes, in einer Hängematte oder einem Liegestuhl, in einer Höhle, im eigenen Schlafzimmer. Wir fragen dann die Person nach ihrem bevorzugten Ort und empfehlen, in ihrer Vorstellung an diesen Ort zu gehen und es sich bequem zu machen, loszulassen. Die Person soll Füße, Gesäß und Schultern lockern, den Kopf bewegen, die Arme locker an beiden Seiten des Körpers fallen lassen. Dann erklären wir, dass uns gelehrt wurde, entweder Sonnen- oder Mondlicht für unsere Entspannung einzusetzen und unseren Körper damit zu füllen, damit er, während wir arbeiten und ihm eine Heilbehandlung geben, geschützt ist.

In ihren Seminaren nutzte Phyllis stattdessen die Maibaum-Übung.

Es wird nachgefragt, welches Licht bevorzugt wird. Die meisten Menschen zögern kaum und die gewählte innere Szene hilft bei der Entscheidung für welches Licht. Wenn die Person ihre Entscheidung getroffen hat, erläutern wir die verbale Anweisung für verschiedene Körperteile, dass sie sich für das Licht öffnen mögen, um es zu empfangen. Jedoch wollen wir auf keinen Fall Kontrolle über den Körper oder den Verstand anderer Menschen ausüben, daher bitten wir die Person, die Anweisungen still an die eigenen Körperteile weiterzugeben.

Wir erklären dann weiter, dass wir gelernt haben, dass das Licht für unsere Arbeit vier Eigenschaften hat: Es ist entspannend, heilend, reinigend, regenerierend oder revitalisierend. Wir erklären auch, dass diese vier Eigenschaften während der Entspannung recht häufig erwähnt werden, so dass die Vorschläge im Unterbewusstsein eingeprägt werden und so wirken können, denn das Unterbewusstsein gedeiht durch Wiederholung.

Es ist hilfreich, eine Tonaufnahme der Entspannungsübung zu haben, sodass die Menschen diese zu Hause selbst anwenden können. Das verkürzt die Zeit, die für die Entspannungsübung zu Beginn einer Sitzung notwendig ist. Die Aufnahme kann mit der eigenen Stimme gemacht werden oder derjenigen Person, die die Entspannungsübung anleitet. Mit der Zeit fällt es den meisten Menschen zunehmend leichter, in die Entspannung zu kommen und nach nur wenigen Malen ist kaum noch Unterstützung notwendig. Ein weiterer Vorteil einer Audio-Aufnahme ist, dass sie zu Hause benutzt werden kann, wenn Menschen angespannt oder müde sind oder große Schwierigkeiten damit haben, sich zu entspannen und Schlaf zu finden.

Möglichkeiten für Entspannungsübungen

Stell dir vor, du machst es dir an dem Ort, den du in deiner Vorstellung für diese Sitzung gewählt hast, so bequem als möglich und sobald du dort innerlich angekommen bist, sag mir, wo du in deiner inneren Szene bist.

Wie ich dir bereits erläuterte, benutzen wir entweder Sonnen- oder Mondlicht in dieser Entspannungsübung und so bitte ich dich, mir mitzuteilen, ob es in deiner Vorstellung Tag oder Nacht ist, so dass ich das entsprechende Licht benutzen kann.

Ich werde dir mündliche Anweisungen geben, um dir zu helfen, dich zu entspannen, aber ich möchte weder deinen Körper noch deine Gedanken in irgendeiner Weise kontrollieren; ich bitte dich daher, mir die Anweisungen an deine verschiedenen Körperteile nachzusprechen. Ich sage dies, damit dein Körper deinen Anweisungen folgt und nicht meinen.

Stelle dir einen Lichtstrahl vor, der auf dich scheint und lenke ihn zu deinen Zehen. Lass von deinen Zehen los und gib ihnen die Anweisung, sie mögen sich öffnen, um das Licht aufnehmen zu können, welches – in diesem Zusammenhang – vier Attribute hat: entspannend, heilend, reinigend und stärkend. Ich werde diese vier während der Entspannungsübung mehrmals wiederholen, damit sie sich in dein Unterbewusstsein einprägen können, da es Wiederholungen braucht, damit die Botschaft aufgenommen und umgesetzt werden kann.

Fühle, wie das Licht wie ein warmer Strom in deine Zehen eindringt und sich langsam nach oben bewegt, zunächst über den Rist, dann die Fußsohle, um die Ferse und weiter in deine Knöchel, sodass deine Füße mit jedem Muskel, jedem Knochen, jedem Nerv und jeder Zelle mit Licht gefüllt sind. Beobachte nun, wie das Licht in deine Unterschenkel aufsteigt, in deine Waden und weiter in die Knie. Gib deinen Unterschenkeln die Anweisung, das Licht aufzunehmen und spüre, wie es in jeden Knochen, Muskel, Nerv und jede Zelle eindringt, und zwar entspannend, heilend, reinigend und stärkend, wo immer dies nötig sein mag.

Nun weise deine Oberschenkel an, sich für den sanften Fluss des Lichtes zu öffnen und beobachte, wie das Licht über die Knie hinaus in die Oberschenkel fließt, dann in deine Hüften; das Licht bringt die erforderliche Entspannung, Heilung, Reinigung und Stärkung. Nun verlasse deine Beine, danke ihnen dafür, dass sie dich täglich tragen und erlaube ihnen, sich während der gesamten Übung auszuruhen, da du sie bei der folgenden Übung nicht benutzen wirst.

Nun lenke deine Aufmerksamkeit weg von den Beinen hin zu deinem Beckenbereich und gib diesem Körperteil die Anweisung, er möge Entspannung, Heilung, Reinigung und Stärkung für jedes Organ, alle Drüsen, Nerven und Muskeln, wo es nötig ist, annehmen; ebenso der Bereich der unteren Wirbelsäule, wo das Licht in jeden einzelnen Wirbel eindringt.

Nun verlasse diesen Teil deines Körpers und öffne den nächsten Abschnitt eines Körpers für das entspannende, heilende, reinigende und wiederbelebende Licht. Dieses schließt den Magen-Darm-Trakt ein – fühle also, wie das Licht in und um jeden Muskel, jedes Organ, jede Drüse und in den Teil der Wirbelsäule fließt, der hinter dem Bauch-Bereich deines Körpers liegt.

Richte nun deine Aufmerksamkeit auf deinen Solarplexus in deiner Körpermitte, gerade unter den Rippen. Da es das Zentrum deines Nervensystems ist – manchmal wird es als zweites Gehirn bezeichnet – ist es sehr wichtig, das Licht ganz in diesen Bereich zu bringen, damit das gesamte Nervensystem entspannt, geheilt, gereinigt und gestärkt werden kann und so jeder Nerv im gesamten Körper erreicht wird.

An dieser Stelle möchte ich gerne von dir wissen, welche Blume dir an der Stelle des Solarplexus erscheint. Sag mir, was dir als erstes in den Sinn kommt oder in deinem inneren Bild erscheint. Mach dir keine Sorgen, wenn du den Namen der Blume nicht kennst, es reicht, wenn du sie mir beschreibst. Ist die Blüte offen oder geschlossen? Sollte sie geschlossen sein, gib ihr die Anweisung, sich zu öffnen, so dass das Licht bis in ihre Mitte fließen kann und gib mir Bescheid, sobald dem so ist.

Und nun lenke das Licht ganz in die Mitte der Blüte mit der Anweisung, es möge in jeden Nerv deines Körpers fließen und so Entspannung, Heilung, Reinigung und Wiederbelebung dorthin bringen. Nun lenke das Licht in alle Teile dieses Körperbereiches und wieder zur Wirbelsäule zurück.

Nun stelle dir vor, wie das Licht in den oberen Teil deines Oberkörpers fließt, in den Brustbereich und den oberen Rücken. Gib diesem Bereich die Anweisung, dass bei jedem Einatmen mehr Licht in dich kommt, durch den gesamten Körper fließt und beim Ausatmen alles, was einen negativen Charakter hat wie Angst, Beklemmung, Anspannung oder andere, den Lichtfluss behindernde Dinge verbannt werden. Halte diese Anweisung während unserer gesamten Arbeit heute aufrecht, so dass die natürliche Atmung diesen Prozess unterstützt. Richte nun das Licht in den gesamten oberen Bereich deines Oberkörpers und in jedes Organ, jede Drüse und dein Rückgrat, so dass Entspannung, Heilung, Reinigung und Stärkung dahin fließen können, wo sie notwendig sind.

Nun stelle dir vor, dass das Licht von den Schultern aus in deine beiden Arme fließt und spüre, wie es die Finger erfüllt, das Handgelenk und die Handflächen, wie sie gestärkt werden, zu ihnen Entspannung, Heilung und Reinigung fließen. Nun beobachte, wie das Licht beide Unterarme von den Handgelenken bis zu den Ellenbogen in alle Knochen, Muskeln, Nerven und Zellen dringt und dabei Entspannung, Heilung, Reinigung und Wiederbelebung bringt. Beobachte, wie das Licht in deine beiden Oberarme strömt, um dort entlang zu entspannen, zu heilen, zu reinigen und zu stärken. Lass mit deiner Aufmerksamkeit nun von den Armen los, indem du ihnen dankst, dass sie täglich für dich arbeiten und erlaube ihnen, sich auszuruhen, während wir arbeiten.

Nun richte deine Aufmerksamkeit weg von den Armen und hin zu deinem Hals. Hier nehmen wir wieder eine Blume zu Hilfe, denn hier befindet sich der Eingang zu deinem Drüsensystem. Beschreibe die Blume, die du an deinem Hals siehst und berichte mir, ob sie geschlossen oder offen ist. Sollte sie geschlossen sein, so weise sie an, dass sie sich ausreichend für das Eintreten des Lichtflusses öffnen möge und zu jeder Drüse in deinem Körper gelangen kann, um Entspannung, Heilung, Reinigung und Wiederbelebung zu bringen, wo immer diese notwendig sind. Gib mir Bescheid, sobald dies vollzogen ist.

Fühle nun, wie das Licht um deinen Nacken fließt, dahin, wo sich bei den meisten Menschen Anspannung bemerkbar macht und spüre, als würden Lichtfinger sanft, aber bestimmt die Genick- und Schultermuskulatur massieren und jedwede Spannung auflösen, die sich dort befindet; sag mir Bescheid, wenn du dies vollzogen hast.

Sende nun das Licht deiner Wirbelsäule entlang, von deinem Genick hinten bis hinunter zum Steißbein und stelle dir vor, wie es dabei um jeden Wirbel fließt und, wo immer nötig, entspannt, heilt, reinigt und stärkt.

Bringe nun das Licht in deinen Kopf und dein Gesicht und richte es auf dein Kinn und deinen Kiefer. Sollte die Zunge sich am oberen Gaumen befinden, so lasse sie herunterfallen. Solltest du die Zähne fest aufeinander gebissen haben, löse diese und erlaube deinem Kiefer, sich zu entspannen, ebenso wie deinem Hals, sodass das Licht übernehmen kann. Stelle dir nun vor, wie das Licht in deine Wangen fließt, dann in deine Ohren, über die Nase und hoch in deine Augen und Entspannung, Heilung, Reinigung und Wiederbelebung überall da hinbringt, wo es nötig ist.

Lass nun los von deinen fünf Sinnen, dem Tastsinn, dem Gehör, dem Augenlicht, dem Geruchs- und dem Geschmackssinn, danke ihnen dafür, dass sie dir dienen und lasse sie, während wir heute arbeiten, ausruhen, da du für die innere Arbeit die physischen Sinne nicht benötigst.

Richte nun das Licht auf deine Schläfen und die Stirn, über deinen Kopf bis tief ins Gehirn. Lass es in alle Teile ausstrahlen, ins Bewusstsein sowie ins Unterbewusstsein, und Entspannung, Heilung, Reinigung und Stärkung dahin gelangen, wo sie notwendig sind.

Atme nun dreimal langsam und ganz tief ein, nimm mit jedem Atemzug noch mehr Licht auf und lasse beim Ausatmen möglicherweise noch vorhandene Spannung los. Langsam und bequem, lasse deinen inneren Blick über den gesamten Körper streifen und berichte mir, ob dieser entspannt ist oder ob es noch bestimmte Bereiche gibt, die Aufmerksamkeit erfordern. Sind solche vorhanden, dann sende einfach Licht an diese Stelle, mit der Absicht, dass diese sich während unserer Arbeit mehr und mehr entspannen mögen.

Wenn du spüren solltest, dass sich in irgendeinem Teil deines Körpers Spannung aufbaut, während wir arbeiten, sag es mir, sobald es dir bewusst wird, denn es kann sich um einen psychosomatischen Zustand handeln, der im Zusammenhang mit dem momentanen Kontext steht. Wir können dann sofort den Ursprung suchen und auch den besten Weg, damit umzugehen. Häufig bewirkt das Erkennen des Zusammenhangs zwischen dem, was in unserem Körper vorgeht, und dem, was wir gerade in unserem Kopf erleben, eine Verbesserung der körperlichen Symptome.

Das Pubertätsritual

Sobald die Person sich entspannt hat, schlage ich vor, ein Dreieck zwischen uns zu errichten; sofern die Funktion nicht schon erläutert wurde, tue ich dies in dem Moment. Ich biete der Person den Punkt B der Basislinie an, selbst bin ich auf Punkt A, am anderen Ende. Wir sind verbunden über die goldene Lichtlinie, die unser gegenseitiges Vertrauen als miteinander arbeitende Partner repräsentiert. Dann stellen wir uns beide vor, dass entlang unserer Wirbelsäule nach oben ein Lichtstrahl fließt, der aus unseren Köpfen jeweils heraustritt. Diese beiden Lichtstrahlen treffen sich in dem Raum über uns und formen die Spitze des Dreiecks: Diesen Punkt nennen wir das Höhere Selbst oder Gott-Selbst. Das Höhere Selbst ist die uns allen angeborene, innewohnende Weisheit, in der wir alle Eins sind.

Dann nehmen wir uns die Zeit, das Höhere Selbst zu bitten, uns beide gemeinsam zu führen, sodass die richtigen Fragen und Hinweise zu der Person kommen, von der die Sitzung angeleitet wird und dass die Person, die entspannt ist, dies annehmen und damit umgehen kann, was in diesem bestimmten Zeitraum gesehen, gefühlt, erfahren oder durchlebt wird.

Es hat sich über die Jahre gezeigt, dass die Methode sicher, ja narrensicher ist und es niemals vorgekommen ist, dass jemand überfordert oder beim Auftauchen jeglicher Erinnerungen, Fehler oder alter Traumata nicht damit zurechtkam.

Ich erkläre auch immer, dass die Person sich keine Sorgen machen sollte, wenn sie bei dieser ersten Sitzung nichts sehen kann, denn ich kann in diesem Fall leicht in meinen Wachtraum-Zustand schlüpfen und beschreiben, was ich sehe und dann gemäß meiner inneren Führung weiter anleiten. Wenn selbst das schwierig ist, kann ich auch klarmachen, dass ich, sofern es mir so angegeben wird, übernehmen kann. Ich würde dann die erhaltenen Eindrücke ansehen und beschreiben und das tun, wozu ich von der inneren Ebene veranlasst werde. Das scheint denjenigen Menschen, die besorgt sind, nicht visualisieren zu können, alle Furcht und Druck zu nehmen.

Als nächstes bitte ich die Person, sich die beiden Kreise der Figur Acht vorzustellen, die durch die zweiwöchige Übungsphase ja bereits bekannt ist, um dann den Elternteil, von dem die Ablösung gemacht werden soll, in den gegenüberliegenden Kreis einzuladen. Ich sage der Person, sie möge dem betreffenden Elternteil erklären, dass dieses bevorstehende Ritual beide befreien wird, sodass beide ihr eigenständiges Leben als einzelne Individuen führen können und nicht mehr von den Handlungen des jeweils anderen über die bestehenden Bindungen hin und her gezogen werden. Ich ermutige die Person dann, zu schauen, ob die bestehenden Bindungen zwischen ihr selbst und dem Elternteil zu sehen sind und mir dann zu sagen, an welchen Körperteilen die Bindungen jeweils angebracht sind. Die meisten Menschen können dies recht leicht erkennen, einige sind sogar geschockt über das, was sie sehen. Ich warne die Menschen, sich nicht beeindrucken zu lassen von dem, was sie sehen, denn was gezeigt wird, dient zur Verbesserung der Beziehung.

Es ist durchaus nicht unüblich, dass das gegengeschlechtliche Elternteil Bindungen zum Kind im Bereich der Sexualorgane aufweist, was uns natürlich viel über das Verhältnis zueinander aussagt. Es zeigt zudem auf, woran gearbeitet werden muss, wenn es jemals eine gute Beziehung mit einem Menschen des anderen Geschlechts geben soll.

Einige Menschen finden nur eine einzige Bindung, andere finden mehrere, was von der Nähe der Beziehung abhängt, sowohl negativ als auch positiv. Wir hatten einige wenige Fälle, wo die Beziehung so eng war, dass es Siamesischen Zwillingen gleichkam. In einer solchen Situation ist es für eine Person, die sich zu befreien wünscht, unmöglich, klarzusehen. Es stand außer Frage, zu erwarten, dass die Person den »chirurgischen Eingriff« alleine vollziehen konnte. In diesem Fall muss die Person, die die Sitzung leitet, bereit sein, die Operation für sie durchzuführen, aber darauf bestehen, dass sie sich so viel als möglich beteiligt.

Sobald die Bindungen lokalisiert sind, bitte ich um die Beschreibung von Größe und Konsistenz, und auch hier habe ich buchstäblich Hunderte verschiedene Beschreibungen gehört, allesamt symbolisch für die Beziehung und oft erstaunlich aufschlussreich. Es gab Bänder aus Samt, Nylonfäden, Angelschnüre, Drähte, Seile, Ketten, Metallstangen und viele, viele Bindungsarten mehr.

Wenn die Beschaffenheit der Bindungen geklärt ist, sage ich der betreffenden Person, sie möge darum bitten, Instrumente gezeigt zu bekommen, mit denen die Bindungen gelöst oder abgetrennt werden können und auch hier ist die Auswahl überraschend groß. Scheren, jegliche Art von Messern wie Küchenmesser, Schwerter oder Dolche, Licht- oder Laserstrahlen, Feuer, Säure, Sägen tauchen auf, um nur einige zu nennen.

Üblicherweise schlage ich vor, dass die erste Ablösung mit dem Zertrennen einer Bindung in deren Mitte stattfinden sollte und dann die Teile von den Körperteilen, an denen sie bei beiden Personen angebracht waren, entfernt werden. Oft muss ich helfen, das Bindungsteil von dem Körper der ablösenden Person zu entfernen, wenn es ein Körperteil ist, der schlecht zu erreichen ist oder so empfindlich, dass schon der Versuch, diesen alleine abzulösen, keinen Erfolg verspricht.

Wenn beide Teile entfernt sind, schlage ich vor, die rechte Hand (wenn die Person rechtshändig ist, ansonsten die linke Hand) an die Stelle zu legen, an der die Bindung von ihrem eigenen Körper entfernt wurde und die andere Hand auf der gegenüberliegenden Seite, so dass ein Energiefeld entsteht. Dann bitten wir darum, dass heilende Energie vom Höheren Selbst in ihre Hände sowie in die hinterlassene Wunde herunterfließen möge.

Die Bindungen werden zu Füßen der arbeitenden Person aufgestapelt und wenn alle Bindungen gelöst sind, wird die beste Methode zu deren Zerstörung erfragt, womit ein Zurückfallen in alte Muster verhindert wird.

Die Wahl der meisten Menschen fällt darauf, die Bindungen zu verbrennen oder zu vergraben, in Säure aufzulösen oder sie ins Meer oder einen reißenden Fluss zu schleudern. Häufig sind Menschen so sehr darauf bedacht, mit diesen Bindungen abgeschlossen zu haben, dass sie nicht genug ausdenken können, um sicher zu sein, dass diese endgültig zerstört sind und entscheiden sich häufig, sogar das Feuer, in dem die Bindungen verbrannt wurden, zu vergraben und dann auf jener Stelle herumzuspringen, so dass jedweder Nachweis ausgelöscht ist. Daraus hat sich schon mehrmals eine Art indianischer Kriegstanz entwickelt, von dem ich vorschlage, ihn als Ausdruck der Erleichterung und endlich erlangter Befreiung für die Person zu verstehen. Ich ermutige die Person dazu, loszulassen und dieser Befreiung in jeglicher von ihr gewählten Form Ausdruck zu verleihen.

Nachdem sie damit zufrieden ist, dass alles getan wurde, um alle Spuren der alten Bindungen auszulöschen, schlage ich vor, dem Elternteil, von dem sie sich gerade abgelöst haben, zu danken für die Möglichkeit, in einem Körper auf diese Welt zu kommen und somit all das lernen zu können, was in diesem Leben notwendig war.

Als nächstes führt die Person ein Ritual durch, in dem sie zunächst den Elternteil um Vergebung bittet und dann dem Elternteil jegliche Verletzung vergibt, die ihr zugefügt wurde, bewusst oder unbewusst. Das fällt den Menschen oft sehr schwer, besonders dann, wenn zwischen ihnen und den Eltern verbitterte Gefühle bestehen. Dass Vollziehen des Vergebens ist essenziell, da es Teil der vollständigen Ablösung ist. Mangel an Vergebung kann die Bindungen in negativer Weise wieder zusammenschweißen.

Normalerweise fordere ich die Person auf, zunächst den Elternteil um Vergebung zu bitten, da dieser Teil des Rituals für die meisten Menschen einfacher zu sein scheint: Viele Menschen leiden unter der Last von Schuldgefühlen und dies ist eine Möglichkeit, sich von dieser Last von Schuld zu befreien. Ich schlage vor, dass sie sich eine konkrete Sache, für die sie Vergebung wünscht, zu Bewusstsein führt und diese entweder ausspricht oder schweigend vorbringt, eine nach der anderen. Wenn sie dies schweigend tun möchte, bitte ich sie, mir mitzuteilen, wenn sie damit nach bestem Wissen fertig ist. Ich sage der Person auch, dass alles, was später noch auftaucht, dann behandelt werden kann. Wir haben festgestellt, dass diese Möglichkeit, um Vergebung zu bitten, sehr willkommen ist und die Menschen häufig von quälenden Schuldgefühlen und Reue befreit, die bei ihnen besonders dann zurückbleiben, wenn die Eltern verstorben sind.

Der nächste Schritt besteht darin, den Eltern die dem Ablösenden entweder bewusst oder unbewusst zugefügten Verletzungen und begangenen Fehler zu vergeben. Das ist für die meisten Menschen die bei weitem schwierigere Aufgabe und in einigen Fällen scheint es ihnen sogar unmöglich, dies zu versuchen.

In solchen Momenten schlage ich vor, dass, selbst wenn die Menschen ihrem Elternteil nicht von Herzen vergeben können, sie das Höhere Selbst oder die Gotteskraft in ihnen bitten können, von der Spitze des Dreiecks zwischen uns durch sie und dann zu dem Elternteil Vergebung zu senden. Das ist fast immer akzeptabel, selbst bei den Menschen, die wissen, dass sie vergeben müssen, dies aber nicht aus sich selbst heraus können. Auch hier wieder schlage ich vor, einzelne Episoden in Erinnerung zu rufen, wo den Eltern verziehen werden muss, um beide von negativen Gefühlen zu befreien, welche ebenso wie positive Gefühle Menschen aneinander binden können.

Schlussendlich bitten wir den Elternteil, die Szene zu verlassen, seines Weges zu gehen und dies für sich allein zu tun, nun frei von dem fortwährenden emotionalen Zu-sich-Ziehen durch das Kind. Dieses Ansinnen bedeutet nicht, dass es zwischen beiden keinen Kontakt mehr gibt; tatsächlich ist es so, dass die meisten Menschen das genaue Gegenteil empfinden, nämlich, dass die Beziehung weniger emotional geladen und zufriedenstellender wird.

Wir schlagen immer eine angemessene Verabschiedung vor, vorzugsweise mit einer Segnung. Manchmal ist es angezeigt, ein Dreieck zwischen dem Elternteil und dem Kind aufzustellen, so dass beide mit dem Höheren Selbst verbunden sind anstatt direkt miteinander. Uns wurde gezeigt, dass dieses Bild das Hilfsreichste ist, was eine Person für eine andere tun kann, und wir nannten es »ein Dreieck aufstellen«. Wir selbst tun dies oft, wenn wir einen Hilferuf bekommen (selbst bevor wir der Person etwas darüber gesagt hätten), um uns so schnell als möglich mit dem Höheren Selbst zu verbinden.

Phyllis hat immer wieder hervorgehoben, dass die Linie zwischen der anderen Person und dem Höheren Bewusstsein gestrichelt sein muss, falls wir dazu kein Einverständnis der anderen Person haben. (siehe auch Seite 180)

Ein weiterer Schritt wird unternommen, um die Befreiung zu vervollständigen. Es ist ein Reinigungsprozess, der dazu dient, alle alten Konditionierungen und Angewohnheiten wegzuwaschen. Dieser Prozess ist eine Vorbereitung, um getrennt mit Angewohnheiten zu arbeiten, was im nächsten Kapitel behandelt wird. Manchmal erfolgt die Befreiung unmittelbar, aber es kann auch länger dauern, bis sie offensichtlich wird.

Ich empfehle normalerweise, dass die Person in ihrer inneren Szene eine Wasserstelle suchen soll, so etwas wie einen Fluss, ein Schwimmbad, einen Ozean, einen Wasserfall. Dann wird sie angewiesen, die Kleider auszuziehen, sie auf den Boden auf einen Haufen zu legen und ein Blatt oder einen glatten Stein zu nehmen und ins Wasser zu gehen, um sich dort gründlich zu waschen. Das wird ungewollte negative Gewohnheitsmuster oder Eigenschaften beseitigen, die von den Eltern übernommen wurden. Diese sollten von der angefertigten Liste mit den negativen Eigenschaften der Eltern in Erinnerung gerufen werden. Wenn sie mit der an sich selbst vollzogenen Reinigung von solchen zurückgebliebenen Eigenschaften zufrieden ist, wird ihr gesagt, dass sie zum Trocknen hin und her laufen soll, dabei springend und hüpfend ihre Freiheit ausdrückend. Wenn sie trocken ist, überreiche ich ihr ein neues, lockeres Kleidungsstück oder Gewand von neutraler Farbe, das sie tragen soll, bis sie sich eine Reihe neuer Eigenschaften zu eigen gemacht hat oder, sofern diese innere Anweisung erfolgt, führe ich sie auf der Suche nach einem eigenen neuen Kleidungsstück. Dann frage ich, wie sie die alten Kleider zerstören soll, die sie an ihre alten Reaktionen aus der Kindheit erinnern. Meistens entscheidet sie, die alte Kleidung zu verbrennen und ich bin, wie in vielen anderen Teilen der Arbeit, immer wieder erstaunt über einige sehr aufwendige Methoden, die Menschen zur Zerstörung der Kleider wählen.

Das wichtigste Element bei dieser Arbeit ist die aktive Beteiligung der Person, denn nur sie allein kann ins Unterbewusstsein vordringen. Je mehr Emotionen beteiligt sind, desto tiefer prägt sich die neue Botschaft in das Unterbewusstsein und kann so umso früher wirkungsvoll umgesetzt werden. Die meisten Menschen sind begeistert von der Möglichkeit, sich von alten, ungewollten Angewohnheiten befreien zu können und sehen kein Problem darin, in diesen Prozess emotional involviert zu sein.

Ich warne die Person immer davor, dass in drei auf die Sitzung folgenden Tagen gemischte Gefühle erlebt werden können, so wie Trauer, Traurigkeit gemischt mit Erleichterung, aber dass dies kein Grund zur Besorgnis, sondern durchaus normal und auch nur vorübergehend ist. Wenn diese Warnung nicht ausgesprochen wird und die Person in eine depressive oder ähnliche Stimmung verfällt, kann es zu einem Schock kommen und die ganze Erfahrung kann in Zweifel gezogen werden.

Es ist auch ratsam, der Person zu sagen, dass sie mindestens drei Tage mit niemandem über diese Erfahrung sprechen sollte, denn die emotionale Energie muss bewahrt werden, um die Möglichkeit zu haben, sich zu stabilisieren, zu festigen und Wirklichkeit werden zu können. Ein zu früh geführtes Gespräch darüber kann dazu führen, dass die Energie entweicht, ganz besonders dann, wenn die Person, der die Erfahrung mitgeteilt wird, vielleicht skeptisch ist und Zweifel äußert. Diese Reaktionen sind ansteckend und können das noch zarte, neue Wachstum in der Person, die gerade gearbeitet hat, wie Fäule befallen.

Wir danken dann beide dem Höheren Selbst für die Führung in der Sitzung und ich gebe mündliche Vorschläge, wie die Person wieder zu vollem Körperbewusstsein zurückkehren kann; ich erinnere sie daran, dass dem Körper während der Arbeit auf der inneren Ebene eine Heilbehandlung zuteilwurde. Ich schlage vor, mit den Zehen zu krallen, die Knie zu beugen, die Hüfte zu bewegen, den Rücken zu krümmen, die Arme auszustrecken, alles, was an das Strecken des gesamten Körpers bei Hund oder Katze erinnert, wenn diese aus dem Schlaf erwachen.

Ich hebe dann das Datum des Tages hervor und dass sie sich in meinem Arbeitszimmer befinden und sich jetzt langsam aufrichten können, das Tuch von den Augen nehmen, zu vollem Tagesbewusstsein zurückkehren und langsam, nach der gerade vollzogenen Ablösung, frei tätig sein können.

Ich erkläre ferner, dass es empfehlenswert ist, nach einer Ablösung, besonders bei jener von den Eltern, einen Brief zu schreiben, der nicht abgeschickt wird, in dem man die gerade vollzogene Ablösung und Befreiung zum Ausdruck bringt. Dieser Brief umgeht den bewussten Verstand der Person, an die er gerichtet ist, erreicht aber das Unterbewusstsein. Der Brief wird am besten unmittelbar nach der Ablösungszeremonie geschrieben, weil dann die während des Rituals stark aufgetretenen Emotionen normalerweise noch präsent sind. Je emotionaler der Brief geschrieben wird, desto tiefer ist die Wirkung auf das Unterbewusstsein, sowohl der Person, die den Brief schreibt, als auch derjenigen, an die er adressiert ist, denn Emotionen sind die Energie, die notwendig ist, um die Botschaft ins Unterbewusstsein zu transportieren. Der Brief sollte eine Wiederholung der Aussage sein, die während des Rituals an die andere Person gerichtet wurde, nämlich dass nun beide frei sind, als ein getrenntes Individuum zu leben. Der Brief sollte nichts Negatives wie etwa Kritik oder Vorwürfe enthalten und sich auf die Freiheit konzentrieren, die beide nun erleben werden. Ich habe einschneidende Resultate erlebt, wenn dies mit starken Emotionen durchgeführt wurde.

Ich erinnere mich an den Fall eines jungen Mannes, der über einige Jahre keinerlei Kontakt zu seinen Eltern gehabt hatte. Plötzlich, ohne den Grund dafür zu kennen, führte er ein Ferngespräch mit seinen Eltern. Seine Mutter hatte gerade zuvor die Zeremonie der Ablösung durchgeführt, in der ihr die engen Bindungen, die noch zu ihm existierten, gezeigt worden waren, und hatte den nicht abzuschickenden Brief geschrieben.

Ein anderer junger Mann rief ebenfalls, ohne zu wissen, warum er dies tat, seine Eltern an, um ihnen mitzuteilen, dass er sie liebe. Vorher war er nie fähig dazu gewesen, dies zu sagen. Dies passierte, nachdem sein Vater die Bindungen zu ihm abgelöst hatte und ihn somit in ein freies, selbstbestimmtes Leben entlassen hatte.

Es gibt viele Beispiele von Eltern, die ihre alten Verhaltensweisen gegenüber ihren erwachsenen Kindern ändern, wenn letztere die Bindungen gelöst haben. Ihre Berichte beziehen sich immer auf ein Wegfallen von Spannung und das Entstehen von Beziehungen, die weit mehr im Fluss sind. Zusätzlich zur Reduzierung von Spannungen berichten Menschen, dass es wesentlich leichter als je zuvor fällt, zu sprechen und sich zum ersten Mal als Menschen und nicht als Verwandte zu sehen.

Wenn eine Person nicht von den biologischen Eltern, sondern von anderen Personen aufgezogen wurde, dann sollten die Bindungen auch zu diesen Personen gelöst werden, sobald die Bindungen zu den biologischen Eltern gelöst wurden. Die Methode ist nahezu identisch zu der oben beschriebenen, außer dass an Stelle des Dankes an die Eltern dafür, dass sie einem das Leben geschenkt haben, es hier angebracht ist, dafür zu danken, dass jene die Verantwortung und die Fürsorge anstelle der Eltern übernahmen. Für andere Familienmitglieder, die teilweise Einfluss auf das Heranwachsen des Kindes hatten, wie beispielsweise Großeltern, kann die Wortwahl der Zeremonie entsprechend angepasst werden.

Während der vielen Jahre, in denen Phyllis die Methode in Seminaren, Trainings und Einzelsitzungen lehrte und anwendete, passte sie einzelne Teile der Übungen an. Um sicherzugehen, dass du die Übung genau so erhältst, wie Phyllis sie in all den Jahren lehrte, ist die Anleitung sowohl in der überarbeiteten Ausgabe des Arbeitsbuches als auch in diesem Buch auf Seite 216 zu finden. Auf jeden Fall ist es aber ratsam, sich bei Fragen oder Unklarheiten von einer mit der Methode vertrauten Person durch diese Übung leiten zu lassen.

Das Arbeiten mit negativen elterlichen Archetypen

Um als Person nach der Pubertät frei für eine unabhängige individuelle Entwicklung zu sein ist es, wie ich bereits erwähnte, notwendig, sich von beiden Elternteilen abzulösen, unabhängig davon, ob diese einen guten oder negativen Einfluss auf das betreffende Kind, welchen Alters auch immer, ausgeübt haben.

Im Falle von negativen Eltern ist dennoch ein weiterer Schritt notwendig, da solche Eltern unausweichlich eine archetypische, überlebensgroße Dimension in den Augen des Kindes annehmen. Auch mit dem Archetyp muss man sich beschäftigen. In solchen Fällen gibt es zwei unterschiedliche Rituale: eines, um das Kind von der negativen Mutter und ein weiteres, um es vom negativen Vater zu befreien. Um dies zu erleichtern, wurden uns symbolische Verkörperungen gegeben, so wie Drachen, Hexen, Riesen oder Unholde aus Märchen sowie die Schwarze-Witwen-Spinne, Kraken und diverse Monster.

Nachdem die Entspannungsübung abgeschlossen und das Dreieck aufgestellt ist, schlagen wir der Person vor, das Höhere Selbst darum zu bitten, ihm oder ihr eine Figur zu zeigen, die den diese Person überschattenden, negativen elterlichen Archetyp repräsentiert. Ich werde eine typische Erfahrung beschreiben, die von meiner eigenen Arbeit mit einer übermächtigen negativen Mutter handelt.

Nachdem ich relativ kurze Zeit mit der Wachtraum-Technik an mir selbst gearbeitet hatte, erlebte ich eine typische Konfrontation mit dem Drachen, der für mich den negativen Mutter-Archetyp repräsentierte. Zu jenem Zeitpunkt erfasste ich nur vage die Bedeutung von dem, was vorging. Erst später, als uns andere symbolische Figuren und deren Bedeutung erklärt wurden, begriffen wir, dass uns eine Methode gezeigt worden war, die Menschen hilft, sich von solchen mächtigen Kräften befreien zu können.

Sobald ich im Wachtraum-Zustand war, wurde mir bewusst, dass ich auf einem Pferd ritt und mit einer Ritterrüstung aus alten Zeiten bekleidet war. Bald wurde mit klar, dass ich einem inneren Abenteuer verpflichtet und auf dem Weg war, einen Drachen zu töten, der in besorgniserregendem Maße Menschen verschlang. Instinktiv wusste ich, dass ich den Drachen unerwartet treffen musste. Ich stieg also vom Pferd ab, band es an einem nahen Baum fest und näherte mich einer Höhle, von der ich sicher war, sie wäre das Versteck des Drachens. Mit meinem Schild in der linken und meinem Speer in der rechten Hand näherte ich mich heimlich der Höhle, in der ich den Drachen schlafend liegen sah. Ich wusste, dass ich seinen verwundbaren Punkt unter dem Bauch über dem Herz finden und diesen mit meinem Speer durchbohren musste. Da ich überraschend kam, hatte ich einen Vorteil und nach einem kurzen Kampf mit ihm drang mein Speer in den weichen Bauch ein, aus dem Blut drang, während er schnaubte und im Todeskampf mit dem Schwanz schlug. Ich wartete, bis all sein Blut ausgeflossen und in die Erde, auf der er lag, eingesickert war. Ich realisierte, dass das Blut den Boden düngen und Neues, Kraftvolles, Reichhaltiges daraus erwachsen würde. Sobald ich sicher war, dass dies stattgefunden hatte und keine Bewegungen oder Geräusche mehr von dem Drachen ausgingen, stieg ich auf ihn, stellte mich auf seinen Rücken und hielt den Speer zum Zeichen meines Triumphes hoch über meinen Kopf. Ich war allein, niemand konnte mich sehen, und ich wusste, dass es ein innerer Sieg war. Mir wurde bewusst, dass der Speer ein Brennen in meiner Hand verursachte, da er immer noch mit Blut überzogen war. Ich schob den Helm aus dem Gesicht zurück und hielt den blutigen Speer wie eine Gabe an Gott hoch und empfand ein wundervolles Hochgefühl durch den erfolgreichen Triumph über den Drachen.

So stand ich einige Minuten, hatte meine Füße so stark gegen den Rücken des Drachens gestemmt, dass ich seine farbenprächtigen Schuppen spüren konnte, mich aber kein bisschen egoistisch fühlte, nur tief dankbar, dass der Drachen unter meinen Füßen lag und sein Blut den Boden düngte. Ich war erfüllt von Ehrfurcht. Ich kniete neben dem toten Körper nieder, stieß den Speer durch ihn, der nur noch eine Hülle war, zog meinen Helm ab und hängte ihn oben auf den Speer. Ich nahm die Rüstung ab und drapierte sie um den Speer, kniete mich bescheiden vor dieser Art Altar nieder und dankte dafür, dass es nichts mehr zu befürchten gab.

Als ich aufzustehen begann, sah ich vom Ende der Höhle ein altes, gebeugtes Weib hervortreten. Sobald sie mich und den toten Drachen erblickte, richtete sie sich plötzlich auf und währenddessen begann ihre vorher faltige, trockene Haut zu knacken und aufzuspringen, fiel ab und brachte ein wunderschönes, junges Mädchen zum Vorschein.

In der Nähe befand sich ein Fluss mit einem Wasserfall, zu dem wir beide Hand in Hand gingen, um uns im klaren, kühlen Wasser zu waschen. Sie beseitigte die Reste der alten Haut und ich wusch das Blut des Drachens ab, so dass wir beide erneuert waren. Jetzt, wo wir uns gefunden hatten, konnten wir gemeinsam den Pfad zum Berg hinaufgehen, um uns mit dem Höheren Selbst zu vereinen.

Wir haben viele Menschen durch ähnliche Rituale geführt. Manche benutzten einen Drachen, während andere unterschiedliche Symbole für übermächtige negative Mütter gezeigt bekamen, wie beispielsweise Hexen, Kraken, Schwarze-Witwen-Spinnen oder andere weibliche Monster.

Die wichtige Aufgabe sowohl für Männer als auch für Frauen besteht darin, ihren eigenen weiblichen Teil, der durch einen dominanten negativen Mutter-Archetyp gefangen war, zu befreien. Das Muster für die weibliche Natur wird meist durch die Mutter vorgegeben und das männliche Muster durch den Vater. Wenn einer der Teile durch ein starkes Elternteil unterdrückt oder überwältigt wurde, ist die Person aus dem Gleichgewicht, mit einem Aspekt stark und dem anderen schwach.

Nach einer solchen Sitzung ist die Erleichterung manchmal so groß, dass die Person, die es erlebt hat, dies kaum glauben kann. Oft bricht die Person in Tränen aus und entleert die angestaute negative Energie, die sie so lange mit sich herumgetragen hat. Ein interessantes Ergebnis dieser Befreiung ist, dass der Einfluss der natürlichen Mutter üblicherweise auf ein normales Maß zurückgeht und der Umgang mit ihr leichter wird.

Wie auch bei anderen Ablösungen weisen wir hier die Person darauf hin, dass die ersten drei Tage nach der Sitzung emotional aufgeladen sein können, aber dass sie sich keine Sorgen zu machen braucht, da diese Stimmung wieder vergeht. Ein neues Gefühl von Freiheit stellt sich ein und die vorher in der negativen Figur eingemauerte Energie kann nun frei fließen und eingesetzt werden.

Wenn ein Mann sich von der verschlingenden oder unterdrückenden negativen Mutter befreit, wird seine eigene Anima, sein weiblich fühlender Teil, aus den Fesseln befreit und steht vollständiger und wirkungsvoller im täglichen Leben zur Verfügung. Wenn eine Frau durch den Kampf mit der negativen Mutter geleitet wird, wird ihr Animus, ihr männlicher Aspekt, aufgerufen, das Monster im Kampf zu besiegen. Ich habe die Begriffe Animus und Anima verwendet, die C. G. Jung benutzte, um den weiblichen Aspekt eines Mannes und den männlichen Aspekt einer Frau zu benennen. Diese Begriffe werden in einem späteren Kapitel genauer besprochen. Mit Hilfe des Animus ist eine Frau imstande, ihre eigene weibliche Natur zu befreien, die seit der Kindheit überschattet war.

Die überschattende negative väterliche Figur wird normalerweise von einem Riesen oder einem Unhold, oft aber auch von einem einäugigen Zyklopen symbolisiert. Es ist unerlässlich, dass die Person, die sich von dieser Kraft befreien möchte, sich sehr gut auf diese Konfrontation vorbereitet. Sie sollte einen Schutzanzug wie eine Rüstung anziehen, ein Pferd reiten und ein Schwert, einen Dolch oder eine andere geeignete Waffe in der Hand halten, womit sie das Tötungsritual vollziehen kann. Dem negativen Vater-Archetyp muss man sich ganz langsam im Schutze der Dunkelheit nähern und während dieser schläft, damit er nicht als erster angreift. Es gibt einen verwundbaren Punkt, auf den die Waffe gerichtet werden muss, so wie beim Drachen. Im Falle eines Zyklopen muss zunächst das Auge ausgestochen werden. Er kann dann leichter durch einen Messerstich ins Herz getötet werden. Sobald er tot ist, muss die männliche Figur, die in ihm oder seiner Burg, seinem Turm eingeschlossen war, aus der Gefangenschaft befreit werden, um sich mit dem Retter wieder zu vereinen.

Das Ergebnis einer solchen Arbeit ist für Männer und Frauen gleichwohl hilfreich. So wie beim Ablösen von der negativen Mutter, ermöglicht dies das Gleichgewicht zwischen den männlichen und den weiblichen Aspekten der Person. Die Variationen zu dem oben genannten Thema sind unbegrenzt, obwohl die wesentlichen Züge bei den meisten Personen ähnlich sind. Die Details sind oft unterschiedlich, je nachdem, welche Bilder die Person aus ihrer Vergangenheit mitbringt und nach ihrer Fähigkeit, zu visualisieren.

Sowohl für Männer als auch für Frauen ist die Befreiung von diesen beiden negativen Archetypen gleichermaßen wertvoll. Wenn eine Person, gleich welchen Geschlechts, frei von deren Einfluss ist, können die beiden Funktionen des Denkens und des Fühlens, die mit Animus und Anima assoziiert werden, besser in Einklang gebracht werden. Der Person ist es dann möglich, ganz eins zu sein und beide Aspekte zu leben, anstatt sich an einer anderen Person anlehnen zu müssen, um diesen fehlenden Aspekt zu ersetzen.

Wie in der Kurzbiografie auf Seite 223 erwähnt, entwickelte Phyllis die Methode in den vielen Jahren, in denen sie Seminare, Trainings und Einzelsitzungen gab, weiter. Phyllis empfahl dringend, dieses Ritual nicht ohne die Anleitung durch eine mit der Methode erfahrenen Person durchzuführen. Auch die Seite www.phylliskrystal.com kann dazu konsultiert werden.

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