Kitabı oku: «Der Frosch auf der Butter - NLP - Die Grundlagen des Neuro-Linguistischen Programmierens»
Helmut Krusche
Der Frosch auf der Butter - NLP - Die Grundlagen des Neuro-Linguistischen Programmierens
Saga
Der Frosch auf der ButterCopyright © 2002, 2019 Helmut Krusche und SAGA EgmontAll rights reservedISBN: 9788726084221
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit SAGA Egmont gestattet.
SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk – a part of Egmont www.egmont.com
Einleitung
Das Thema dieses Buches ist die zwischenmenschliche Kommunikation. Sie erfahren, worauf es ankommt, um erfolgreich mit anderen Menschen umzugehen, sie verantwortungsvoll zu beeinflussen und – wenn sie es wollen – ihnen zu helfen, sich schöpferisch zu verändern.
Ebenso erfahren Sie aber auch, was Sie tun müssen, um mit sich selbst besser auszukommen, sich positiv zu entfalten und vor allem Ihre persönlichen Fähigkeiten zu entwickeln.
Alle Informationen sind auf das Wesentliche reduziert. Die beschriebenen Techniken und Anleitungen sind erprobt, praxisorientiert, konkret und nachvollziehbar. Die Beispiele entstammen der Praxis.
Ganz gleich, welchen Beruf oder welche Stellung Sie haben, ob Sie angestellt oder freiberuflich tätig sind, in abhängiger oder leitender Funktion, wenn Sie sich mit den beschriebenen Gedanken, Techniken und Strategien intensiv beschäftigen und sie in die Realität umsetzen, wird sich in Ihrem Leben vieles verändern.
Ihre Fähigkeiten, positiv auf Menschen einzuwirken, werden enorm anwachsen. Sie werden in Zukunft mit den Schwierigkeiten des Lebens besser zurechtkommen. Sie werden es schaffen, Ihre Einstellungen so zu ändern, daß Sie Ihr Leben aktiv gestalten, um zufriedener, erfolgreicher, gesünder und glücklicher zu werden.
Ein großer Teil meiner Ausführungen basiert auf den Erkenntnissen und Erfahrungen des Neuro-Linguistischen Programmierens (NLP), das auch in Europa in den letzten Jahren immer bekannter wurde.
Die Grundgedanken von NLP wurden in den siebziger Jahren in den USA veröffentlicht und führten zu einer stürmischen Entwicklung auf dem Gebiet der Kommunikation und der menschlichen Veränderung. Seitdem haben viele kreative »Kommunikatoren« diese Disziplin erweitert, verfeinert und eine neue Dimension menschlicher Kommunikation eröffnet. Was aber bedeutet Neuro-Linguistisches Programmieren? NLP zu erklären, das ist ungefähr so, als müßte man einem Marsbewohner, der zum ersten Mal auf der Erde ist, beschreiben, wie man ein Hemd anzieht, wenn er nicht einmal weiß, was ein Hemd ist.
Beginnen wir mit der Bedeutung der einzelnen Wörter:
Neuro – vom griechischen Wort neuron für Nerv. Jede Verhaltensweise ist das Ergebnis neurologischer Prozesse. Um diese Prozesse zu verstehen, müssen sie auf überschaubare Informationsteile reduziert werden.
Linguistisch – vom lateinischen lingua für Sprache. Nervliche Vorgänge, die Erfahrungen in der Welt und in uns, werden durch Sprache und Kommunikationssysteme dargestellt und geordnet.
Programmieren – bedeutet, daß die Muster der sinnlichen Wahrnehmung und der Sprache systematisch genutzt werden können, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Ist Ihnen das zu kompliziert? Sie werden erleben, daß alle Techniken und Modelle völlig praxisorientiert und äußerst effektiv sind. Für viele Therapeuten und andere Fachleute klingt es allerdings unglaublich, daß es möglich sein soll, eine Phobie, zum Beispiel eine Höhenangst, in einer Stunde oder sogar noch schneller auf Dauer aufzulösen.
Ebenfalls schwer zu glauben ist, daß es gelingt, einem Schüler in wenigen Stunden beizubringen, wie er mit seinen Rechtschreibschwierigkeiten fertig wird, oder die lähmende Prüfungsangst eines Studenten in einer Stunde verschwinden zu lassen. Aber das und vieles andere geht tatsächlich, und zwar mit einer sehr hohen Erfolgsquote.
Diese Erfolge sind keineswegs nur in der Therapie zu verzeichnen. Für viele Bereiche Ihres Lebens, ob in der Wirtschaft, in Schulen und Hochschulen, in der Politik, in Heilberufen, wo auch immer, bekommen Sie konkrete Hilfen, um Ihre Fähigkeiten zur Kommunikation mit anderen zu potenzieren und sich selbst in der von Ihnen gewünschten Richtung zu verändern. Viele der wichtigsten Erkenntnisse stammen von Milton H. Erickson, ohne Zweifel einem der erfolgreichsten und kreativsten Hypnosetherapeuten unserer Zeit. Auch ich verdanke einen großen Teil meines Erfolges der Ericksonschen Hypnose. Es war mir in vielen Fällen gelungen, Studenten und Studentinnen mit Autogenem Training, konventioneller Hypnose und entsprechenden Suggestionen von ihrer Prüfungsangst zu befreien. In der Regel benötigte ich dafür aber viele Stunden und war keineswegs immer erfolgreich. Heute weiß ich, daß die unzulänglichen Techniken, die ich einsetzte, für die Fehlschläge verantwortlich waren.
Als ich die Methoden von Erickson studierte und erprobte, hatte ich Erfolg. Und es war nicht nur der Erfolg des Anfängers! Je intensiver ich mich dann in einer mehrjährigen Ausbildung mit den Techniken, Methoden und Strategien von NLP beschäftigte, um so mehr war ich von der Effektivität überzeugt.
Wenn in diesem Buch solche Dinge wie Hypnose oder Trance angesprochen werden, dann nur, um daraus für die tägliche Kommunikation zu lernen. In erster Linie geht es darum, wie Sie Ihre Fähigkeiten entwickeln und die Talente, die noch brachliegen, entdecken und nutzen können.
Ich will aber nicht nur informieren, sondern ich werde versuchen, die Grundzüge der Techniken so klar und einfach zu beschreiben, daß Sie damit die ersten Gehversuche machen können. Sie werden lernen, sich und andere Menschen besser zu erkennen, sich ganz auf Ihre Partner einzustellen, um sie zu verstehen und mit ihnen zum Vorteil aller wirkungsvoll zu kommunizieren.
Kommunizieren heißt immer, auf das Verhalten der anderen einzuwirken. Das ist etwas, was wir alle ständig tun, im Privatleben und im Beruf, ganz gleich, welchen Beruf wir ausüben. Allerdings ist es hier wie überall im Leben. Niemand wird verhindern können, daß wirkungsvolle Techniken mißbräuchlich zur Manipulation verwendet werden. Aber gerade deshalb sollten Sie bestens um die Möglichkeiten Bescheid wissen, um Gefahren sofort zu erkennen und um sich und andere vor jedem Mißbrauch schützen zu können.
Es kann nicht das Ziel sein, Menschen noch mehr zu manipulieren. Das Ziel kann nur eine verantwortungsvolle Kommunikation sein, die die Integrität der Menschen, mit denen Sie zu tun haben, voll wahrt!
Kapitel 1
So werden wie die Meister der Kommunikation
Die Meister modellieren
Wenn erfolgreiche Therapeuten wie Milton H. Erickson, Fritz Perls oder Virginia Satir drastische Veränderungen bei ihren Klienten bewirkten, so gingen sie dabei häufig rein intuitiv vor, ohne im Augenblick der Therapie genau zu wissen, warum sie es taten.
Richard Bandler und John Grinder beobachteten die Arbeit dieser »Magier« und versuchten herauszubekommen, worauf ihr Erfolg beruhte. Sie suchten nach übereinstimmenden Mustern, den zugrundeliegenden Elementen. Tatsächlich stellte es sich bei genauer Analyse heraus, daß die beobachteten Therapeuten sehr viel gemeinsam hatten, obwohl sie sich unterschiedlich verhielten.
Aus diesen Gemeinsamkeiten leiteten Bandler und Grinder bestimmte Regeln und Modelle ab, die sie dann in der therapeutischen Arbeit ausprobierten. Ihre Erwartungen wurden voll erfüllt. Sie konnten überzeugend demonstrieren, daß sie die gleichen Erfolge erzielten wie ihre Vorbilder. Deshalb konnten sie mit gutem Recht behaupten, daß jeder, der sich so verhält, wie es durch das Modell beschrieben ist, von dem Wissen und Können jener Meister mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten profitieren kann.
Wir haben hier also eine Art Gebrauchsanweisung, so etwas wie ein Rezept für ein köstliches Gericht. Das Rezept garantiert noch nicht, daß das Essen genau so gut wird, als wenn es der Meister selbst zubereitet hätte. Aber es zeigt zumindest den Weg zur Meisterschaft.
Die Worte Modell oder modellieren sollen ausdrücken, daß von dem, was andere tun, ein möglichst getreues Modell hergestellt wird. »Ich wähle bewußt den Ausdruck Modell im Gegensatz zu dem Begriff Theorie. Ein Modell ist einfach eine Beschreibung, wie etwas funktioniert, ohne Festlegung darauf, warum es so sein mag. Eine Theorie hat die Aufgabe, eine Rechtfertigung dafür zu liefern, warum verschiedene Modelle anscheinend mit der Realität übereinstimmen. Wir sind Modellbauer und bitten Sie, diese Arbeit als ein Modell zu beurteilen, unabhängig davon, ob es wahr oder falsch, richtig oder unrichtig, ästhetisch oder unästhetisch ist. Sie sollten herausfinden, ob es funktioniert oder nicht, ob es etwas nützt oder unnütz ist.«20
Wer sich nach einem bestimmten Modell richtet, der wird zum gleichen Ergebnis kommen wie der erfolgreiche Therapeut oder Kommunikator, der als Vorbild für dieses Modell diente. Stellt sich kein Erfolg ein, dann wurde entweder etwas falsch gemacht oder ein unpassendes Modell verwendet. Entscheidend ist allein, daß eine Technik stimmt, daß sie funktioniert, also nützlich ist. Die Frage nach dem Warum wird kaum gestellt, denn sie ist höchstens von akademischem Interesse. Die Modelle und Techniken bezogen sich anfangs auf den therapeutischen Bereich. Dies lag in erster Linie daran, daß die »Vorbilder« Therapeuten waren. Sehr bald haben dann Fachleute der unterschiedlichsten Fachgebiete, die nach einer Verbesserung der bekannten Kommunikationstechniken suchten, für eine rasche Ausbreitung gesorgt. Übrigens sehr zum Leidwesen vieler Therapeuten, die auf diese Techniken gern ein Monopol hätten, weil sie meinen, daß nur sie damit verantwortungsvoll umgehen können.
Jeder Mensch hat sein Modell von der Welt
Das Wort Modell bedeutet nicht nur Muster oder Vorbild. Ein Modell ist auch ein Entwurf oder eine Nachbildung in kleinerem Maßstab, zum Beispiel die Nachbildung eines Bauwerkes. Und ein solches Modell macht sich jeder Mensch von der Welt, die er erlebt. Da jeder aber die Welt subjektiv wahrnimmt, hat auch jeder eine ganz bestimmte subjektive Einstellung zur Welt.
Diese Einstellung, dieses Modell, ist wie eine Landkarte von der Welt, es ist nicht die Welt selbst. Alle Menschen lassen sich in ihrem Verhalten von ihrem ganz persönlichen Modell leiten. Wie sie reagieren, welche Wahl sie jeweils treffen, das wird von ihrem Modell bestimmt.
Wenn wir also wissen, nach welchem Modell Menschen die Welt erleben und nach welcher Landkarte sie ihr Verhalten ausrichten, dann werden wir sie besser verstehen und mit ihnen besser umgehen können. Wenn Menschen ein verarmtes Modell haben, dann kann dies zu zwischenmenschlichen und innermenschlichen Konflikten führen.
Es gibt im Leben aller Menschen viele Einschränkungen und dementsprechend ungezählte Möglichkeiten der Verarmung. Nehmen wir zur Verdeutlichung die Entwicklung unseres Gehirns. Frederic Vester beschreibt in seinem Buch Denken, Lernen, Vergessen44, daß die Gehirnzellen eines Neugeborenen in den ersten Monaten nach der Geburt abhängig von den Umwelteinflüssen unterschiedlich wachsen. Äußere Einflüsse wie Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Fühlen schlagen sich in der Ausbildung des Gehirns nieder. »Die Gehirnrinde wird demnach so verdrahtet, daß sie möglichst gut mit derjenigen Umwelt zurechtkommt, die in den ersten Lebensmonaten wahrgenommen wird.«
Die Eindrücke, die auf den Säugling einwirken und unter denen sich die Grundstruktur seines Gehirns formt, sind sehr unterschiedlich. Bei afrikanischen Kindern mögen die ersten Eindrücke mehr tastender, fühlender Natur sein. Kinder, die meist auf dem Rücken der Mutter getragen werden, bekommen alle Bewegungen mit, spüren die Haut, Wärme, Luft, Formen ...
Kinder in unserem Kulturkreis sind viel mehr von der Mutter getrennt. Sie hören die Mutter sprechen, sehen sie, erleben aber kaum körperliche Bewegungen und spüren nur selten die Haut der Mutter. Sie sind weitaus mehr von ihrer Umwelt abgeschirmt und werden nicht zuletzt durch Geräusche von Radio und Fernsehen geprägt, kaum aber durch die Laute oder Bilder der Natur.
Diese frühen Eindrücke führen zu unterschiedlicher Ausprägung der Wahrnehmungskanäle und damit zu einseitigen Erfahrungen. Die Folge ist, daß viele Dinge, die dem bevorzugten Wahrnehmungskanal nicht entsprechen, einfach nicht wahrgenommen werden und im Modell der Welt des betreffenden Menschen auch nicht Vorkommen.
Zur Illustration über die Verarmung von Modellen möchte ich Ihnen einen Ausschnitt aus meinem eigenen Modell der Welt vorstellen. In meinem Modell kommt zum Beispiel nicht vor, daß mich Sehenswürdigkeiten begeistern oder mir besondere Gefühle vermitteln könnten. Als Student war ich Fremdenführer in Heidelberg und war etwa dreitausendmal auf dem Heidelberger Schloß. Mir gefällt Heidelberg gut, ich finde den Anblick des Schlosses romantisch und fahre immer wieder gern nach Heidelberg. Die starken Gefühle aber, die viele Besucher beim Anblick der Schloßruine oder der Heidelberger Altstadt empfanden und die sich nicht selten in verzückten Ausrufen äußerten, konnte ich nie verstehen.
Solche Gefühle kann ich andererseits erleben, wenn ich durch Heidelbergs alte Gassen gehe, dort den ganz eigenartigen Geruch wahrnehme oder unter Menschen vieler Nationalitäten bin und deren Sprache höre.
Sehr häufig ist es die Art unseres Denkens, die uns einschränkt, weil sie uns keine Alternativen läßt. Menschen, die immër negativ denken, die nur die Schattenseiten des Lebens sehen, werden sich ihnen bietende Chancen unter Umständen nicht erkennen, selbst wenn sie offen vor ihnen liegen. Für sie gibt es nur das »es geht doch schief«. Und wenn die Sonne noch so hell scheint, sie wissen nur, daß sie bald untergeht. Für solche Menschen hat unsere Welt, in der alles polar ist, nur eine einzige Seite, die negative. Daß gut und schlecht, hell und dunkel, gesund und krank, gut und böse zusammengehören und jeder Mensch in seinem Leben alle Aspekte erfahren kann, kommt in ihrem Modell nicht vor. Der Mangel an Wahlmöglichkeiten führt dann dazu, daß die Handlungsfreiheit drastisch eingeschränkt wird.
Neulich saß ich im Wagen eines Bekannten, als dieser einen Parkplatz in einer belebten Straße suchte. Ich wußte, daß es zwar schwierig sein würde, einen freien Platz zu finden, glaubte aber wie immer an eine faire Chance. Der Bekannte jedoch war fest davon überzeugt, daß er nichts finden würde. Deshalb sah er auch nicht, daß in einem geparkten Wagen ein Mann am Steuer saß und gerade den Motor anließ. Wir konnten also davon ausgehen, daß dieser Wagen gleich aus dem Parkplatz herausfahren würde. Das Wahrnehmungsvermögen meines Bekannten aber war so eingeschränkt, daß er selbst dann, als ich ihn darauf hinwies, nur ganz langsam reagierte. Er mußte ein ganzes Stück zurückstoßen, um in den freiwerdenden Platz hineinfahren zu können.
Es ist doch eigenartig, daß manche Menschen ständig »Glück« haben, immer einen Parkplatz finden, während andere ohne Erfolg suchen und suchen!
Das Meta-Modell
Bei jeder Kommunikation ist die Sprache von großer Bedeutung, weil die subjektiven Erfahrungen der Menschen, die sich in dem Modell von der Welt niedergeschlagen haben, durch die Sprache und den Körper ausgedrückt werden. Die Sprache repräsentiert die Erfahrungen, sie ist aber nicht die Erfahrung selbst. Diese Unterscheidung ist sehr wichtig.
Aus der Sprache erfahrt man, nach welchem Modell sich ein Mensch verhält. Kennen wir das Modell, das einem Verhalten zugrunde liegt, so werden wir auch den Menschen besser verstehen.
Ein praktisches Instrumentarium, mit dem man herausbekommen kann, wie Menschen ihre Modelle bilden, liefert das sogenannte Meta-Modell. Das Meta-Modell ist sozusagen ein Modell des Modellierungsprozesses. Mit seiner Hilfe kann man einerseits die notwendigen sprachlichen Informationen gewinnen und andererseits anderen Menschen helfen, ihre eigenen Modelle von der Welt zu verändern und ihr Leben zu bereichern. Um das Modell eines Menschen zu verstehen, muß man vor allem hinterfragen, welche Gestaltungsprozesse bei der Modellbildung mitgewirkt haben. Das Meta-Modell geht davon aus, daß drei Prozesse überwiegend in Frage kommen: Generalisierung, Tilgung und Verzerrung.
Generalisierung heißt, daß eine ursprüngliche Erfahrung, die in einem bestimmten Fall gültig war, verallgemeinert wird. Generalisierung ist für unser Leben und Überleben notwendig, da nur so Erfahrungen zu Regeln werden, die die vielen Entscheidungen im Leben vereinfachen.
Wer als Kind einmal gelernt hat, daß man eine Schraube rechts herum reindreht und nach links herausdreht, der wird diese Erfahrungen generalisieren. Ob es sich um einen Wasserhahn, das Heizungsventil oder den Korkenzieher handelt, langes Nachdenken ist dann in Zukunft nicht mehr notwendig. Generalisierung kann aber den Menschen auch einschränken. Das kann sogar bei Schrauben mit Rechtsgewinde der Fall sein. Im allgemeinen sieht man auf die Schraube von oben herab und dreht sie dann nach rechts hin. Was aber, wenn Sie von unten auf eine Schraube schauen? Neulich versuchte ich, den Duschschlauch an der Badewannenarmatur abzuschrauben. Er ist unterhalb des Hahns angebracht, und ich mußte von unten nach oben schauen. Prompt drehte ich ihn in die falsche Richtung und zog ihn immer fester an, statt ihn zu lösen.
Besonders einschränkend können Generalisierungen wirken, wenn es sich um ein gefühlsmäßiges Erleben handelt. Wenn eine Frau zum Beispiel von einem Mann sehr verletzt wurde und sie das Gefühl dieser Erfahrung auf alle Männer überträgt, also alle Männer für sie schlecht sind, dann schränkt sie damit ihr zukünftiges Leben drastisch ein. Solche Generalisierungen finden wir in großer Zahl im Leben vieler Menschen.
Bestimmte Wörter deuten auf Generalisierungen hin: das muß man, soll man, das tut man, immer, niemals, jeder ...
Tilgung bedeutet, daß wir aus der Vielzahl von Informationen, die uns laufend erreichen, nur einige wenige auswählen und in unser Bewußtsein dringen lassen. Das Beispiel schwerhöriger Menschen, die ein Hörgerät tragen, zeigt, was geschieht, wenn ein Mensch alle Geräusche aufnehmen muß, ohne sich auf einige wenige konzentrieren zu können. Das Hörgerät erlaubt keine Tilgung. Der Träger des Hörgeräts kann nicht auswählen, sondern alle Geräusche in seiner Umgebung dringen an sein Ohr. Ein Schwerhöriger in einer Gruppe von Menschen, die sich laut und lebhaft unterhalten, kann das Stimmgewirr als reine Folter empfinden.
Während es aber einerseits absolut notwendig ist, daß wir aus der Flut von Informationen die unwichtigen von uns femhalten, so kann eine solche fast schon gewohnheitsmäßige Tilgung andererseits dazu führen, daß wir auch Teile unserer Erfahrungen ausklammem, die unbedingt zu unserem Modell der Welt gehören sollten.
Auseinandersetzungen zwischen Partnern sind ein vortreffliches Beispiel für vorgenommene Tilgungen. Schuld hat ja immer der andere! Die eigenen Fehler oder Handlungen, die zu der verfahrenen Situation geführt haben, werden in der Regel getilgt, häufig ohne sich dessen bewußt zu sein. Kinder sind Meister im Tilgen. Sie überhören ganz einfach das, was sie nicht hören wollen.
Verzerrungen gehören auch zum Prozeß der Gestaltung und damit zu unserem normalen Leben. Wir verzerren oder verfälschen in vielen Fällen die Wirklichkeit, wenn wir sie mit unseren Sinnen erfassen.
Verzerrungen erkennt man zum Beispiel an Nominalisierungen. Nominalisierungen entstehen, wenn aus Verben Nomina gemacht werden und damit aus einem Prozeß, der verändert werden kann, ein Ding oder Ereignis, das der Kontrolle entzogen ist. »Ich bedaure meine Entscheidung« wäre eine solche Nominalisierung, entstanden aus dem Verb »entscheiden«. Entscheidung ist etwas Abgeschlossenes, entscheiden kann man sich dagegen immer wieder.
Neben Generalisierungen, Tilgungen und Verzerrungen gibt es noch eine ganze Zahl weiterer Gestaltungsprozesse. Sehr aufschlußreich finde ich das Gedankenlesen, denn besonders Partnerkonflikte werden dadurch häufig verschärft.
»Ich weiß genau, daß sie mich nicht liebt.« Woher weiß du das? Kannst du Gedanken lesen? Der umgekehrte Fall ist die Annahme, daß die anderen wissen müßten, wie wir fühlen oder denken. Woher aber sollen sie es denn wissen, wenn wir es ihnen nicht sagen? Können sie Gedanken lesen?
Mit Hilfe der Methoden des Meta-Modells können Sie die Einschränkungen hinterfragen und Ihre Kommunikation verbessern. Ich werde jetzt an einigen Beispielen illustrieren, wie dieses sehr vielseitige Modell funktioniert.
»Niemand mag mich.« »Niemand« ist eine Generalisierung. Eine ursprüngliche Erfahrung wurde so generalisiert, daß sie den wirklichen Gegebenheiten nicht entspricht. Wer genau ist denn »niemand«? So notwendig Generalisierungen in unserem Leben sind, wenn sie nicht mehr in den jeweiligen Kontext passen, sind sie nicht nützlich.
Wie schon erwähnt, erkennt man Verallgemeinerungen an Wörtern wie niemand, jeder, alle, immer, nie, man ...
»Ich mache immer alles falsch.«
»Ich kann mir nie etwas merken.«
Eine wirkungsvolle Art, Generalisierungen zu hinterfragen, besteht darin, diese Wörter in der Frage besonders zu betonen.
»Machen Sie immer alles falsch?« »Können Sie sich nie etwas merken?«
Jemand sagt: »Ich fürchte mich«. Diese Information ist nicht vollständig. Hier liegt eine Tilgung vor. Erst wenn Sie erfahren, vor wem oder was er sich fürchtet, haben Sie die getilgte Information wiederentdeckt.
Durch gezieltes Fragen kann man erreichen, daß Tilgungen aufgehoben werden. »Das gefällt mir nicht.« Die Frage dazu: »Was genau gefällt Ihnen nicht?«
Oder: »Ich verstehe nicht.« Und die Frage: »Was genau verstehen Sie nicht?«
Nun zu den Nominalisierungen als Ausdruck einer Verzerrung. Jeder gute Redner achtet darauf, daß er Nominalisierungen vermeidet. Sie machen den Stil einer Rede oder auch eines Berichtes schwerfällig und unverständlich. Durch Verben wird der Stil dagegen lebendig und dynamisch. »Ich möchte meiner Freude Ausdruck geben ... « Das ist hölzern. Statt dessen kann man schlicht und einfach sagen: »Ich freue mich.«
Auch Nominalisierungen kann man hinterfragen. »Ich bekomme keine Hilfe ... «
»Wie möchten Sie, daß Ihnen geholfen wird?«
»Ich habe Angst.«
»Was ängstigt Sie?« Oder: »Wovor ängstigen Sie sich?«
Kapitel 2
Nützliche Annahmen
Es ist nützlich, von bestimmten Annahmen über den Menschen und seine Fähigkeiten auszugehen. Suchen Sie nicht nach Beweisen, daß diese Annahmen auch wirklich wahr sind, denn jede Wahrheit ist subjektiv. Zwar handelt es sich bei diesen Annahmen nicht um irgendwelche Phantasieprodukte, sondern es ist ein durch viele Erfahrungen bestätigtes Wissen, trotzdem sind es keine unumstößlichen Tatsachen.
Wenn Sie in der Kommunikation erfolgreich sein wollen, ist es wichtig, daß Sie flexibel bleiben, sich also nicht in Ihren Wahlmöglichkeiten einschränken. Sollte es sich herausstellen, daß bestimmte Überzeugungen nicht mehr nützlich sind, dann werfen Sie diese einfach, ohne zu zögern, über Bord, um sie durch passendere zu ersetzen!
Überprüfen Sie einmal, ob Sie sich mit den folgenden Aussagen anfreunden können:
1 Da ist zuerst die Überzeugung, daß jeder Mensch eine bewußte und eine unbewußte Verhaltensebene hat. Erkenntnisse, die den meisten Menschen vertraut sind. Man denkt dann in der Regel an Sigmund Freud, der diesen Terminus Unbewußtes gebrauchte. Man kann aber mit großer Berechtigung noch einen Schritt weitergehen und das Unbewußte sogar in viele einzelne Teile zerlegen, von denen jeder für ganz bestimmte Aufgaben zuständig ist. Haben Sie zum Beispiel Angst vor Hunden, dann ist es ein unbewußter Teil in Ihnen, der diese Angst erzeugt, auch wenn keine echte Gefahr droht. Irgendwann war diese Angst begründet. Der Teil, der dafür zuständig ist, hat es nur noch nicht mitbekommen, daß die Umstände sich geändert haben.
2 Die Fähigkeit, notwendige Veränderungen in sich selbst zu bewirken, steht jedem Menschen zur Verfügung. Verändern aber kann sich jeder Mensch nur selbst. Wenn ein Problem überhaupt lösbar ist, dann hat der Betroffene die erforderlichen Kräfte und Fähigkeiten, um dies zu tun. Jeder Mensch verfügt nach diesem Glauben über die Ressourcen, also die Fähigkeiten, Kräfte, Energien, Kenntnisse ... , um sein Leben erfolgreich zu führen. Häufig allerdings liegen diese Ressourcen brach, und es ist notwendig, sie aufzudecken und nutzbar zu machen. Dabei kann ein Berater helfen, mehr aber nicht. Sie können nicht zu einem Therapeuten gehen und sagen: »Mach mir meine Angst weg.« Das kann er nicht, auch wenn manch einer vorgibt, dazu in der Lage zu sein. In Wirklichkeit kann der ehrliche Therapeut Ihnen nur sagen, was Sie tun müssen, um Ihre Angst loszuwerden, und er kann Ihnen mit verschiedenen sehr effektiven Techniken helfen, daß Sie das auch schaffen.
3 Viele Menschen, vor allem viele Therapeuten, glauben, daß jede Veränderung eine langwierige Angelegenheit ist. Im Gegensatz dazu steht die Erfahrung, daß Veränderungen im Menschen schnell erfolgen können. Unser Gehirn lernt schnell, vorausgesetzt, daß wir ihm das schnelle Lernen ermöglichen.
4 Jedes Verhalten, auch das Absurdeste, hat in irgendeinem Kontext einen Sinn oder bringt einen Nutzen. Also ist es notwendig, diesen Sinn oder Nutzen zu berücksichtigen, wann immer wir dazu beitragen wollen, daß Menschen sich in ihrem Verhalten ändern können.
5 Eine Veränderung setzt voraus, daß das Ziel klar definiert ist. Verändern bedeutet ja, bildlich gesprochen, sich von einem Ort zu einem anderen bewegen. Wenn diese Bewegung nicht zu einem beliebigen, sondern zu einem bestimmten Ort erfolgen soll, setzt dies die Kenntnis eines Zieles voraus.
6 Genauso wichtig ist es, die Folgen zu bedenken. Keinem wäre geholfen, wenn der neue Zustand weniger nützlich wäre als der alte. Die Folgen in der Zukunft müssen also sorgfältig bedacht werden. Wir sprechen hier von einer ökologischen Überprüfung.
7 Der letzte und wichtigste Schritt jeder Veränderungsarbeit ist das sogenannte Brückenschlagen in die Zukunft. Es ist zum Beispiel sinnlos, wenn eine positive Veränderung im Therapieraum erfolgt, diese aber sofort zunichte gemacht wird, sobald der Klient in die alte häusliche Umgebung zurückkehrt. Deswegen muß die erreichte Veränderung in irgendeiner Form in die Zukunft überbrückt werden, damit sie dann zur Verfügung steht, wenn die entsprechende Situation dies erfordert.
All das sind nützliche Annahmen oder Glaubenssätze, wie Sie wollen. Wenn Sie diese Glaubenssätze als Arbeitsgrundlage akzeptieren, ist schon viel gewonnen. Sollten Sie sogar wirklich daran glauben können, dann wird Ihr Erfolg noch größer sein. Erst die Kombination von Wissen und Glauben schafft die absolute Sicherheit, die Sie benötigen, um erfolgreich zu sein.
Wie viele Menschen wissen, daß sie etwas können, aber glauben sie auch daran? »Ich bin mir eigentlich sicher, daß ich die Prüfung bestehen werde ... « Das Wort »eigentlich« zeigt, daß sie nicht ganz an sich glauben. Es schränkt den Glauben ein und damit auch die Fähigkeiten und Erfolgsaussichten. Wer etwas weiß und voll und ganz daran glaubt, sozusagen aus tiefstem Herzen, der kann, wie es in der Bibel heißt, Berge versetzen.
Der Glaube gibt Kraft, aber die tollste Motivation hilft nichts, wenn Sie nicht die Fähigkeit haben, sie umzusetzen.
Versuchen Sie also, diese Annahmen nicht nur zu verstehen, sondern auch von innen heraus zu erfassen und an sie zu glauben. Da diese Glaubenssätze eine wichtige Grundlage für jede wirkungsvolle Kommunikation sind, werde ich in den nächsten Abschnitten auf jeden einzelnen Punkt ausführlich eingehen.
Die vielen Dimensionen des Geistes
»Es ist nützlich, Dinge unbewußt tun zu können, das ist eine gute Art, Dinge zu tun«, sagte Bandler. Wie in der Psychoanalyse und in anderen Therapieformen gehen wir davon aus, daß es eine unbewußte und eine bewußte oder rationale Ebene des Menschen gibt, die sein Verhalten bestimmen.
Seit den Entdeckungen von Roger W. Sperry und seinen Mitarbeitern vom California Institute of Technology wissen wir, daß die beiden Hirnhälften des Menschen deutlich voneinander getrennte »Begabungen« oder »Bewußtseine« haben. Schon früher hatte der französische Neurologe Pierre Paul Broca entdeckt, daß eine bestimmte Region in der linken Hemisphäre bei Rechtshändern für die motorische Sprachfähigkeit zuständig ist. Diese Zone heißt heute die Brocasche Sprachregion.
Ihre Erkenntnisse sammelten Sperry und seine Mitarbeiter durch sorgfältige Beobachtung von Epileptikern, denen der Balken (Corpus Callosum), der die beiden Gehirnhälften miteinander verbindet, operativ durchtrennt wurde. Solche Operationen verhindern, daß ein Anfall von einer Hemisphäre auf die andere übertragen wird, wodurch der Anfall insgesamt abgeschwächt wird. Sperry erhielt 1981 für seine Arbeiten den Nobelpreis.
Die linke Gehirnhälfte ist zuständig für die rationalen Fähigkeiten, während die rechte mehr intuitiv oder ganzheitlich orientiert ist. Seitdem werden die Begriffe »bewußt« und »unbewußt« vermehrt durch die Begriffe linke und rechte Gehimseite ersetzt.
Die neuesten Hirnforschungen zeigen, daß diese Unterteilung noch nicht die ganze Wirklichkeit ist. Unser Geist ist sehr komplex, er hat viele Dimensionen. Man kann ihn nicht nur in bewußt und unbewußt oder in linkshirnig und rechtshirnig einteilen. Das menschliche Gehirn beherbergt eine Vielzahl von unabhängigen »Geisten« oder Teilen.
Diese verschiedenen Teile des Geistes können unabhängig voneinander handeln, ja, sie können sogar gegeneinander aktiv werden. Der menschliche Geist ist also nicht eindimensional, auch nicht zwei- oder dreidimensional, sondern multidimensional. Robert Ornstein, einer der führenden Hirnforscher, prägte den englischen Begriff »Multimind«.
Im Grunde genommen ist das für die meisten Menschen keine neue Erkenntnis. Wer sein eigenes Verhalten ein wenig kritisch beobachtet, der weiß, daß er viele Dinge nicht vernünftig entscheidet. Irgendein Teil in uns entscheidet, manchmal wissen wir überhaupt nicht, warum wir uns in einer bestimmten Art und Weise verhalten.
Gehen Sie deshalb einfach von der Erfahrung aus, daß der menschliche Geist aus vielen Teilen besteht, die manchmal Zusammenarbeiten, ebenso häufig aber nicht so gut miteinander auskommen. Und das Phantastische dabei ist, wenn Sie sich auf diese Art der Betrachtung einlassen, dann können wunderbare Dinge mit Ihnen geschehen.
Ein Klient, der vom Verstand her ganz genau wußte, wie er sich verhalten sollte, erlebte immer wieder, daß seine Emotionen ihn überwältigten, so daß er es nicht schaffte, aus einer zwanghaften Beziehung herauszukommen. Ich schlug ihm vor, die verschiedenen Teile seines Geistes mit Hilfe seiner Vorstellungskraft zu einer Art Konferenz zusammenzurufen, damit sie die widersprüchlichen Verhaltensweisen erkennen konnten, um dann zu einem Kompromiß zu kommen, der allen Teilen gerecht würde.
Er schloß die Augen, entspannte sich und versuchte, sich einen Konferenzraum mit Personen vorzustellen, die die unterschiedlichen Seiten seines Wesens repräsentierten. Das Bild des Konferenzraumes konnte er deutlich sehen, nur Personen erschienen lange Zeit nicht. Plötzlich aber veränderte sich der Konferenzraum, ohne daß er dies angestrebt hatte, in einen Gerichtssaal.
Auf einem erhöhten Platz an der Stirnseite eines rechteckigen Tisches saß ein Richter, der die Verhandlung leitete. Am gleichen Tisch saßen sich zwei Personen gegenüber: ein großer, kräftiger Mann, von dem er sofort wußte, daß er ein Sinnbild für seine starken Gefühle war, und ein kleiner, mickriger, der den Verstand vertrat.
Der Kleine kam kaum zu Worte, während der Große mit allem Nachdruck betonte, wie wichtig es doch sei, wenn man seine Gefühle auslebe. Der weise Richter hörte sich alles geduldig an, um dann dem »Gefühl« klarzumachen, daß sein Verhalten letzten Endes zur eigenen Zerstörung führen würde. Nur wenn sich Gefühl und Verstand verständigten, hätten sie auf Dauer eine Überlebenschance.
Es war meinem Klienten anzumerken, welche seelischen Prozesse in ihm abliefen, bis die beiden Teile sich einig geworden waren. Endlich ließ sich das Gefühl überzeugen und war bereit, einen Versuch zu wagen. Es wollte sich zurückhalten, um damit ein Gleichgewicht der Kräfte zu ermöglichen. Im gleichen Augenblick wurde die Gestalt, die den Verstand repräsentierte, in der Vorstellung kräftiger und größer. Beide Teile waren jetzt gleichberechtigte und gleichrangige Partner.
Vermutlich werden Sie sagen, das hört sich wie ein phantastisches Märchen an. In der Tat, es ist phantastisch, wozu unser Geist imstande ist. Er kann Menschen zerstören, ebenso aber auch seelisch und körperlich gesund machen und erhalten. Die Beziehung meines Klienten wurde sehr liebevoll und harmonisch, worüber ich mich sehr freute.
Einige Ergebnisse der modernen Hirnforschung scheinen mir so wichtig, daß ich sie Ihnen nicht vorenthalten möchte. Sie können Ihnen helfen, Ihren Geist und den anderer Menschen und somit auch deren entsprechendes Verhalten besser zu verstehen. Eine ausgezeichnete, ausführliche Darstellung finden Sie in dem Buch von Robert Ornstein, Multimind. Ein neues Modell des menschlichen Geistes34.
Das menschliche Gehirn entwickelte sich im Verlauf von etwa 500 Millionen Jahren. In diesem Zeitraum spezialisierten sich die einzelnen Teile des Gehirns für die unterschiedlichen Aufgaben und Ziele in der Evolution der Wirbeltiere, Säugetiere und Primaten. Das Gehirn des Menschen unserer Zeit ist nach dem gleichen Muster gebaut wie die Gehirne vor Millionen Jahren, auch wenn die Ziele und Aufgaben sich inzwischen verändert haben. Das heißt also, wir haben in einer modernen Zeit ein archaisches Gehirn.
Der Hirnstamm ist für die grundlegenden Lebensprozesse und die Alarmbereitschaft in unserem Organismus zuständig. Das darüberliegende Limbische System entstand bei der Entwicklung von den Meeres-zu den Landbewohnern. Die schnelle Reaktionsfähigkeit auf Gefahren ist eines der Merkmale dieses Gehirnteils. Das Großhirn entstand zuletzt. Es ist der Teil des Gehirns, mit dem wir denken, sprechen und entscheiden können.
Die neuesten Forschungen zeigen, daß nicht nur die rationalen Fähigkeiten mit der linken Hemisphäre verknüpft sind und die intuitiven mit der rechten, sondern daß eine große Zahl bestimmter Fähigkeiten oder Talente ganz bestimmten anatomischen Zentren im Gehirn zugeordnet werden kann. Diese Erkenntnis ist eine wissenschaftliche Bestätigung dafür, daß unerwartet viele menschliche Fähigkeiten angeboren sind. Natürlich können sich diese angeborenen Fähigkeiten je nach spezifischer Umwelt, in der ein Mensch aufwächst, anders entwickeln.
Die Fähigkeiten können allerdings nicht alle zur gleichen Zeit wirksam werden. Das ist eine sehr wichtige Feststellung. Unser Bewußtsein kann sich immer nur auf einige wenige Punkte konzentrieren. Je nach Situation und Notwendigkeit setzen wir unterschiedliche Fähigkeiten in jeweils anderer Kombination ein, und dementsprechend kann auch unser Verhalten sich von einem Augenblick zum anderen ändern.
Wenn wir das menschliche Verhalten wirklich verstehen wollen, dürfen wir nie die primäre Aufgabe unseres Gehirns vergessen: dafür zu sorgen, daß der Mensch (das Tier) in einer feindlichen Umwelt überleben kann. Die Umwelt ist durch eine Vielfalt von Ereignissen und Informationen, die sich manchmal sehr schnell ändern können, gekennzeichnet. Ihnen ist der Mensch ausgeliefert, und mit ihnen muß er sich auseinandersetzen. Dies ist nur möglich, wenn er sich ökonomisch verhält, sonst wäre er völlig überfordert. Dieses ökonomische Verhalten wird vom menschlichen Geist regelrecht erzwungen:
1 Der Mensch ist empfindlich für ganz neue Informationen, besonders wenn sie unerwartet oder auffällig sind. Alle anderen Informationen werden in der Regel überhaupt nicht wahrgenommen. Der erste Start eines Satelliten war zum Beispiel eine aufregende Neuigkeit. Auch beim ersten Flug zum Mond saßen die Menschen gebannt vor dem Bildschirm. Wird heute dagegen eine Raumfähre gestartet, so ist das ein Ereignis, das kaum noch Aufmerksamkeit erregt. Auf extreme Veränderungen reagieren wir sehr stark, graduelle Veränderungen dagegen reizen uns kaum. So versetzt uns das Plätschern eines Baches leicht in einen Ruhezustand. Es bedeutet keine Gefahr, sondern eher Sicherheit. Das unerwartete Geräusch quietschender Reifen eines vorbeirasenden Autos dagegen signalisiert höchste Gefahr!
2 Jede Information wird durch Vergleich beurteilt oder bewertet. Informationen vergleichen wir mit früheren Erfahrungen, um zu beurteilen, ob sie für uns ungefährlich oder gefährlich sind und ob wir in irgendeiner Form aktiv werden müssen. Unwichtige Informationen vernachlässigen wir und vereinfachen dadurch unsere Welt. Alles, was für uns im Augenblick nicht von Bedeutung ist, was uns nicht betrifft, ignorieren wir. Auch hier zeigt sich wieder, daß unser Gehirn im Laufe der Evolution das Überleben der Menschheit sichern sollte. Um schnell reagieren zu können, müssen wir uns auf die wichtigsten Informationen konzentrieren und das, was sich nicht geändert hat, einfach als gegeben voraussetzen. All diese Erkenntnisse können Sie mit großem Gewinn berücksichtigen. Angenommen, Sie wollen jemandem helfen, in einen entspannten Zustand zu gelangen. Um die Vielfalt der Gedanken auf den einen Gedanken von Ruhe und Entspannung zu konzentrieren, können Sie seine Aufmerksamkeit zuerst auf seinen Körper lenken. Er wird sich zum Beispiel seines Atems erst bewußt, wenn Sie diesen ansprechen. Das Gewicht der Hände auf den Oberschenkeln spürt er erst, wenn Sie ihn darauf hinweisen. Nur das, was neu ist, wird vom Bewußtsein aufgenommen, sofort beurteilt, und wenn es sich als ungefährlich herausstellt, wird es sofort unwichtig. Auf diese Weise kann der angesprochene Mensch immer weitere Teile seines Körpers »loslassen« und sich sorglos dem Gefühl der Ruhe hingeben.
3 Gefühle sind ein wesentlicher Faktor, der das menschliche Verhalten beeinflußt. Ornstein sagt dazu: »Gefühle sind ein grundlegendes Talent des Geistes. Wesentlich grundlegender, als die meisten wahrhaben wollen. Sie waren schon auf der Erde, bevor es uns gab. Es ist zu akzeptieren, daß Gefühle ein eigenständiger Teil des Geistes sind, weil sie eine automatische und der Willkür nicht zugängliche Qualität besitzen. Wir können uns kaum dagegen wehren, daß wir wütend werden oder ›auf jemanden abfahren‹. Jemand, den wir begehren, läßt uns erröten. Ob wir das nun kontrollieren wollen oder nicht, hat keinen Effekt.«34 Es ist deshalb von unschätzbarem Wert, wenn Sie es lernen, mit eigenen und fremden Gefühlen bewußt und liebevoll umzugehen. Wenn Sie sich zum Beispiel an das intensive Gefühl erinnern, das Sie in einem besonders glücklichen oder erfolgreichen Augenblick Ihres Lebens hatten, dann können Sie diese Ressource jederzeit in Ihr Bewußtsein zurückholen, wenn Sie den »Anker« kennen und benutzen, mit dem das Gefühl in Ihrer Erinnerung festgemacht ist. Angenommen, Sie haben zu einem ganz besonderen Zeitpunkt Ihres Lebens eine bestimmte Melodie gehört, dann genügt es, wenn Sie diese Melodie wieder hören oder sie singen, um Ihren Körper und Ihren Geist in den gleichen Glückszustand zu versetzen, in dem Sie damals waren. Die Melodie ist der Anker für Ihr gutes Gefühl. Versuchen Sie genau das Gegenteil von dem zu tun, was viele Menschen leider Tag für Tag praktizieren. Irgendeine kleine Begebenheit reicht meist aus, um sich negative Gefühle aus der Vergangenheit zurückzuholen. Man erinnert sich an Krankheiten, Unfälle, Kränkungen, Versagen ... und fühlt sich wieder so richtig mies. Wollen Sie sich gut fühlen, dann zögern Sie nicht. Ersetzen Sie diese »negativen« Ressourcen sofort durch positive und aufbauende!
Zum Schluß dieses Kapitels führe ich noch ein extremes Beispiel an, das überzeugend die Existenz vieler Teile der menschlichen Persönlichkeit beweist. Ich meine die Tatsache, daß es psychisch gestörte Menschen mit einer multiplen Persönlichkeit gibt. Bei diesen Menschen spaltet sich, vermutlich als Folge von Kindheitserlebnissen, der Geist in mehrere Teilpersönlichkeiten auf. Diese Teilpersönlichkeiten machen sich in der Form bemerkbar, daß der Betreffende sich ganz unterschiedlich verhält, je nachdem, welche Teilpersönlichkeit ihn gerade beherrscht. Diese Teilpersönlichkeiten können stark voneinander getrennt sein und sich völlig unkontrolliert äußern.
Das ist so ähnlich wie in der berühmten Erzählung von Stevenson »Dr. Jekyl and Mr. Hyde«. Nach Einnahme einer bestimmten Droge verwandelte sich der gütige Dr. Jekyl in den bösartigen Mr. Hyde, der es zum Beispiel fertigbrachte, ein Kind bedenkenlos und grausam mit den Füßen zusammenzutreten. In der Therapie kommen von Zeit zu Zeit Beispiele solcher multiplen Persönlichkeiten vor, die natürlich nicht bösartige Züge aufweisen müssen. Diese extremen Fälle sind lediglich Übersteigerungen normaler Zustände, denn, um es noch einmal zu wiederholen, auch der geistig völlig normale Mensch vereint in sich viele Teile.
Die verschiedenen Teile Ihres Geistes sind ein fester Bestandteil Ihrer Persönlichkeit. Denken Sie daran, wenn Sie sich verändern wollen oder wenn Sie anderen helfen wollen, sich zu verändern. Erst wenn die unterschiedlichen Teile sich einigen, wenn sie sich einer übergeordneten Zielsetzung unterordnen, um damit das Beste für den Menschen zu erreichen, gelangen Sie zur Einheit, zur Ganzheit.
Jeder Mensch hat Ressourcen
»Oh what a beautiful morning, oh what a beautiful day, I have a beautiful feeling, everything’s going my way!« (»0 was für ein wunderbarer Morgen, o was für ein wunderbarer Tag, ich habe das wunderbare Gefühl, daß mir alles gelingt.«)
Auch wenn Sie dieses Lied aus dem Musical »Oklahoma« noch nie gehört haben, so kennen Sie bestimmt das Gefühl, wenn alles in Ihrem Leben vollkommen nach Ihren Wünschen abläuft. Wenn Sie in einem Zustand sind, der Ihnen fast magisch vorkommt. Alles gelingt, Sie fühlen sich bestens, haben jede Menge Energie und können einfach alles, was Sie sich vornehmen, spielend bewältigen. Ich bin davon überzeugt, daß es nur wenige Menschen gibt, die nicht irgendwann in ihrem Leben diesen Zustand erlebt haben, wenn auch, zugegebenermaßen, für die meisten diese kostbaren Augenblicke sehr selten sind. In solchen Zeiten stehen Ihnen alle Ihre Ressourcen zur Verfügung. Ressourcen, das sind Kräfte, Energien, Fähigkeiten, Erfahrungen. Alle Menschen haben Ressourcen. Viele aber sind sich dieser Potentiale nicht bewußt, und nur einige wenige schöpfen ihre Möglichkeiten immer voll aus. Das aber sind die ganz Erfolgreichen!
Häufig sind zwar genügend Ressourcen vorhanden, diese jedoch blockiert. Zum Beispiel durch das Bild, das jemand sich von sich selbst macht. Oder durch negative Gefühle sich selbst gegenüber. Wer blockiert ist, der kann seine Stärken nicht ausleben.
Der überwiegende Teil der Menschen schöpft seine Ressourcen nur zu einem Bruchteil aus. Es gibt keinen Zweifel, daß das menschliche Gehirn höchstens zu zehn Prozent ausgenutzt wird, also noch 90 Prozent zur Verfügung stehen. Das gleiche gilt für die Energiereserven, über die wir verfügen könnten, wenn wir wüßten, wie man das tut. Zu welchen ungeahnten Leistungen der Mensch fähig ist, zeigt sich dann erst bei extremen Belastungen.
In einer Anleitung über Polizeigriffe und Abwehrtechniken schrieb der Kölner Polizeihauptkommissar Alfred Hasemeier: »Verhalten bei Festnahme eines Wahnsinnigen. Zu beachten: Ein Wahnsinniger ist oft fünfmal stärker als ein normaler Mensch. Er muß von dem Polizeibeamten als Kranker betrachtet und eingeschätzt werden. Um einen Waffengebrauch nicht notwendig werden zu lassen, ist es erforderlich, daß bei der Festnahme eines Wahnsinnigen fünf Beamte tätig werden, die mit einer Wolldecke und zwei starken Schnüren ausgestattet sind.«
Aber nicht nur Betrunkene oder psychisch Kranke, die alle Hemmungen verloren haben, verfügen über riesige Energien. Gerade in Gefahrensituationen stehen allen Menschen ungeahnte Reserven zur Verfügung. Auch wenn im normalen Alltag auf Dauer unser Energieniveau natürlich sehr viel niedriger ist, so können wir doch unsere Kräfte und Fähigkeiten viel besser nutzen, als dies in der Regel der Fall ist.
Gerade das aber ist wichtig. Immer dann, wenn es darum geht, Veränderungen durchzuführen, steigt der Bedarf an Ressourcen weit über das Maß, mit dem wir auskommen, wenn wir nur so dahinleben. Jede Veränderung kostet Kraft, unsere eigene Kraft. Wenn wir etwas erreichen wollen, wenn wir uns verändern wollen, müssen wir die notwendigen Energien dafür aktivieren oder, falls sie in uns noch nicht vorhanden sind, uns von irgendwoher besorgen.
Vor mir befindet sich ein Mensch mit einer tiefen Depression. Er sitzt völlig apathisch da, bewegt sich kaum, läßt den Kopf hängen. Seine Körperhaltung drückt eine große Mattigkeit und Energielosigkeit aus. In diesem Zustand ist er überhaupt nicht ansprechbar. Aus seiner Depression kann er nicht heraus, kann nicht reagieren, solange sein Kraftpotential so gering ist. Ich muß ihm also helfen, mehr Energie zu bekommen. Das kann ich zum Beispiel tun, indem ich ihn bestimmte Atemübungen machen lasse. Wenn der Energiepegel steigt, hat er eine Chance. Erst dann ist er aufnahmefähig und kann meinen Worten folgen.
Das ist ein extrem negatives Beispiel. Aber auch der normale Mensch fühlt sich nicht immer im Vollbesitz seiner Kräfte. Häufig reicht die Energie gerade aus, um einigermaßen über die Runden zu kommen; sie langt aber nicht für besondere Anforderungen.
Geht es um seelische Veränderungen, dann ist es fast immer notwendig, daß die dafür erforderlichen Ressourcen erst erschlossen werden. Das gleiche gilt, wenn man Erfolg im Leben haben will. Eine unabdingbare Voraussetzung dafür ist, daß man Kraftquellen hat, die sich immer wieder auffüllen, daß man sozusagen aus dem vollen schöpfen kann.
Was können Sie tun, um Ressourcen zu finden, nutzbar zu machen oder neu aufzubauen? Um darauf eine Antwort zu finden, machen Sie sich bitte klar, daß alles, was Sie im Leben erfahren haben, in irgendeiner Form in Ihnen Spuren hinterlassen hat. Erinnerungen an Personen oder bestimmte Orte sind in Ihrem Gedächtnis gespeichert. Erlebnisse und Erfahrungen, seien sie positiv oder negativ, haben ihre tiefen Spuren hinterlassen. Bestimmte Gefühle sind damit verknüpft, auch wenn Ihnen das häufig nicht bewußt ist.
Diese Gefühle, vor allem wenn sie negativer Art sind, brechen manchmal plötzlich hervor und führen zu Aggressionen, Ängsten und anderen Belastungen. Gefühle können Sie aber auch bewußt zurückholen, und das werden Sie natürlich nur mit den positiven Gefühlen tun, soweit es um die Nutzung Ihrer Ressourcen geht.
Ein Kind verfügt noch über wenig Ressourcen. Das ist der Grund, daß es mit belastenden Erfahrungen häufig nicht fertig wird. Ein kleines Kind zum Beispiel, das ins Krankenhaus kommt, um operiert zu werden, ist den angsteinflößenden Eindrücken hilflos ausgeliefert. Auch Erwachsene fühlen sich im Krankenhaus elend und haben Angst vor der Behandlung, erst recht vor einer Operation. Aber das ist kein Vergleich zu einem Kind, das in eine fremde, feindliche Welt schutzlos hineingeworfen wird. In den entscheidenden Augenblicken, wenn es darauf ankommt, sind die Eltern nicht da, nur fremde Ärzte, Krankenschwestern, glänzende Apparate, grelles Licht. So wird die Angst vor dem Unbekannten riesengroß.
Als erwachsener Mensch würde das Kind in der gleichen Lage sich ganz anders verhalten und mit der Situation leichter fertig werden. Ein reifer, erwachsener Mann oder eine reife, erwachsene Frau haben zu unterschiedlichen Zeiten im Leben viel gelernt. Die Probleme, die in der Kindheit entstanden, wären geringer gewesen, wenn das Kind schon über die Fähigkeiten und den Durchblick des Erwachsenen verfügt hätte.
Mit Hilfe der Techniken, die ich noch beschreiben werde, können Sie es lernen, Ihre Energiequellen oder andere Ressourcen anzuzapfen und sicherzustellen, daß sie Ihnen immer dann zur Verfügung stehen, wenn Sie sie brauchen, um sich zu verändern oder etwas Bestimmtes zu erreichen. An einigen Beispielen werde ich jetzt erklären, wie so etwas möglich ist.
Nehmen wir an, Sie haben eine konfliktreiche Zeit hinter sich oder sind noch mittendrin, zum Beispiel wenn es um eine Trennung oder Scheidung geht. Es gibt nichts, was Sie sich sehnlicher wünschen als ein wenig inneren Frieden. Statt dessen brodelt es in Ihnen, und es genügt ein unbedachtes Wort, um Sie zum Explodieren zu bringen. Wer kennt solche Zustände nicht? Wie finden Sie da Zugang zu Ruhe und Entspannung? Wie kommen Sie in einen einigermaßen gelassenen, friedlichen Seelenzustand?
In einem solchen Fall hat sich eine Methode der Visualisierung bewährt, wie sie auch im Autogenen Training praktiziert wird. Genauso wie ein falsches Wort einen Aufruhr verursachen kann, der den ganzen Menschen erfaßt, so kann ein positives Wort, ein bestimmtes Bild, eine Melodie, die Erinnerung an ein Gefühl, ein Geruch und noch vieles andere Ihren Körper und Ihren Geist mit der Ressource für Frieden, Ruhe, Sicherheit, Entspannung versorgen.
Manchmal reicht es aus, sich intensiv einen Ort vorzustellen, der gewissermaßen das Symbol für Ruhe ist. Das kann der letzte Urlaubsort sein, wenn der Urlaub schön war. Oder ein Ort aus der Kindheit. Sie können sich sogar in Ihrer Phantasie einen solchen Ort erschaffen. Und wenn Sie sich bildhaft vorstellen, daß Sie an einem solchen Ort sind, dann wird Ihr Körper sich so verhalten, als wären Sie wirklich dort. Ihr Geist wird ruhig werden, ein Gefühl des Friedens wird in Sie einströmen. Wenn Sie sehr aufgewühlt sind, werden Sie diese Vorstellung vermutlich nicht gleich und vor allem nicht ohne fremde Hilfe schaffen. Ein guter Berater kennt aber alle Möglichkeiten, um Ihnen zu helfen.
Fehlt es Ihnen an Selbstvertrauen? Brauchen Sie ganz dringend die Gewißheit, die Überzeugung, daß Sie zu einer bestimmten Handlung in der Lage sind, daß Sie erfolgreich sein werden? Denken Sie einmal zurück. Irgendwann in Ihrem Leben hat es mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei Ihnen ein Erfolgserlebnis gegeben. Sie haben etwas gemacht, etwas geschaffen, worauf Sie stolz waren. Sie waren mit sich zufrieden. Wenn Sie jetzt wieder so wären wie damals, dann könnten Sie sich im Geiste auf die eigene Schulter klopfen. Wenn ...
Warum soll es nicht wieder so sein? Was damals geschah, ist eine Ressource für Sie. Eine Kraftquelle, die Ihnen heute noch zur Verfügung steht, wenn Sie es wollen. Die Technik, mit der Sie sich diese Ressource verfügbar machen können, heißt »Ankern«.
Nicht immer ist es allerdings leicht, sich gerade an den speziellen Fall zu erinnern, der eine gute Ressource abgibt. Manch einer ist sogar felsenfest davon überzeugt, daß er nie im Leben Erfolg hatte, daß sein ganzes Leben eine einzige Niete war. Das kann daran liegen, daß Menschen einfach zu hohe Ansprüche an sich selbst stellen. Wer lange genug sucht, findet jedenfalls fast immer Augenblicke, an die er sich gern erinnert.
In Ausnahmefällen kann es notwendig sein, in Trance zu gehen, um die im Unbewußten gespeicherten Erinnerungen bewußt werden zu lassen. Und wenn das alles nichts fruchtet, dann hilft die Phantasie, die Kreativität, mit der man sich solche Ressourcen ausmalt und schafft.
Warum lesen wir so gern Geschichten von Helden, starken Persönlichkeiten oder besonders herausragenden Menschen? Wie beneiden wir diese Gestalten um ihre Fähigkeiten, den Mut, den Scharfsinn, die überlegene Ruhe ... Wir können das alles haben. Wenn wir erfolgreiche Menschen genau beobachten, herauskristallisieren, wie sie sich verhalten, was sie machen, wie sie denken, fühlen, und dann versuchen, das gleiche zu tun wie sie, sie also zu modellieren, dann holen wir uns deren Ressourcen, so unglaublich das auch klingen mag. Wir brauchen keine Führer, die uns beherrschen. Wir können aber die Ressourcen großer geistiger Führer übernehmen, um selbst ein Stück so zu werden wie sie.
Die besten Ressourcen nützen natürlich nichts, wenn sie nicht eingesetzt werden. Das aber kann jeder Mensch nur selbst tun. Mit anderen Worten, wenn jemand sich verändern will, wenn er seine Probleme lösen will, muß er selbst aktiv werden und darf nicht erwarten, daß ihm das von anderen abgenommen wird. Wenn ein kleines Kind sich weh tut, dann läuft es meist zur Mutter, die sofort hilft. Sie bläst vielleicht auf die schmerzende Hand, streicht darüber, und die Schmerzen sind weg. Das Kind weiß, die Mutter tröstet mich und macht mich gesund.
Viele Erwachsene verhalten sich so wie kleine Kinder. Sie gehen zum Arzt und erwarten, daß mit einer Spritze oder mit Tabletten alle Beschwerden verschwinden. »Sie müssen aufhören zu rauchen. Sie müssen gesünder leben, sich mehr bewegen, Sie müssen ... «, sagt vielleicht der verantwortungsbewußte Arzt, wenn er nicht schon resigniert hat. Hören die Patienten überhaupt zu? Oder verhalten sie sich so, wie es das Wort »Patient« andeutet? »Patient« stammt vom lateinischen patiens – (er)duldend, leidend.
Der Patient erduldet also. Ich bin in der Krankenkasse. Der Arzt wird dafür bezahlt, daß er mich gesund macht. Dies ist eine weitverbreitete Grundhaltung. Genau das aber ist unmöglich. Gesund werden kann ein Mensch nur, wenn er dazu bereit ist und selbst alles Notwendige dafür tut, also auch die Verantwortung für die Genesung mitträgt.
Das gleiche gilt für die Psychotherapie, wenngleich der Patient dort auch ein Klient ist, also ein Kunde. Die seelischen Probleme eines Menschen sind seine ureigenste Angelegenheit. Selbst wenn ein Therapeut genau weiß, was der Klient tun muß, damit es ihm wieder gutgeht, hat es überhaupt keinen Sinn, dies dem Klienten zu sagen. Der Therapeut kann nur Hilfestellung geben, beraten, unterstützen. Ändern muß der Mensch sich selbst.
Versuchen Sie einmal, einen Menschen zu verändern. Zum Beispiel einen unordentlichen Menschen zur Ordnung zu erziehen. Sie werden gewiß nichts erreichen, denn jeder Druck erzeugt einen Gegendruck. Wir Menschen sind so.
In Kommunikationsseminaren fordere ich die Teilnehmer auf, mit ihrer rechten Hand (bei Rechtshändern) die linke wegzudrücken. Dies gelingt kaum jemandem. Im gleichen Augenblick, in dem eine Hand zu drücken beginnt, drückt die andere automatisch dagegen.
Viele Menschen reden gern und lange über ihre Probleme. Das gibt ihnen das beruhigende Gefühl, etwas für sich zu tun. In Wirklichkeit kann durch Reden über ein Problem das Problem selten gelöst werden. Worauf es ankommt, ist, aktiv zu handeln, selbst an sich zu arbeiten, innerlich bereit zur Veränderung zu sein und alles dafür zu tun, was möglich ist.
Man kann ein Pferd nur zur Tränke führen, saufen muß es selbst.
Veränderung ist schnellund mühelos möglich
»Gut Ding will Weile haben.« »Mach langsam, laß dir Zeit, dann machst du keine Fehler.« Das sind populäre Lebensweisheiten, die uns von Kindheit an begleiten und zu der Überzeugung führen, daß man eine Sache besser macht, wenn man sich Zeit läßt. Die harte Wirklichkeit zeigt uns aber meist sehr schnell, daß an diesen Lehren etwas nicht stimmen kann.
Das fängt schon in der Schule an. Schüler, die sich bei einer Klassenarbeit zu viel Zeit lassen, um besonders gründlich zu arbeiten, kommen in der Regel mit der vorgegebenen Zeit nicht aus und erhalten eine schlechte Note. Akkordarbeiter sollen schnell und gut arbeiten. Wer zu langsam arbeitet, ist in den meisten Berufen bald weg vom Fenster. Denn Zeit ist ein Kostenfaktor.
Ständig wird von uns also gefordert, daß wir schnell und doch richtig arbeiten, lernen oder andere Dinge tun. Ist es dann verwunderlich, daß viele Menschen dieses verlangte und gelernte Verhalten auch auf andere Bereiche ihres Lebens übertragen? Sie fahren schnell Auto, auch wenn es nicht notwendig wäre. Sie packen ihre Freizeit mit Aktivitäten voll, hetzen im Urlaub von Ort zu Ort ...
Aber irgendwo ruht da doch noch dieser Satz: »Gut Ding will Weile haben.« Und eigenartigerweise setzt sich diese Weisheit gerade dort durch, wo Schnelligkeit segensreich und auch möglich wäre.
Da hat jemand ein seelisches Problem, mit dem er nicht fertig wird. Ein junger Mann kann sich nicht vom Elternhaus lösen. Die Eltern wären froh, wenn er endlich sein eigenes Leben leben würde. Er sieht das durchaus ein und will es ja eigentlich auch tun. Aber eine unbekannte Kraft hält ihn fest. Bei seinen Eltern fühlt er sich noch als Kind, und das ist ein schöner Zustand der Geborgenheit. Auf Vorhaltungen reagiert er meist sehr aggressiv, darauf folgen dann Phasen der Depression.
Wenn die Eltern genug Geld haben, landet er mit großer Wahrscheinlichkeit beim Therapeuten. Und der hat auf Grund seiner Ausbildung den tiefverwurzelten Glauben, hinter dem ohne Zweifel auch ökonomische Gründe stehen, daß solche wichtigen Veränderungen langsam stattfinden müssen. Vielleicht müssen sie sogar leidvoll sein. Auf jeden Fall aber braucht solch ein Fall viel Zeit. Es beginnt die Suche nach den Ursachen, irgendwann dann möglicherweise auch der Versuch, eine Loslösung von den Eltern zu erreichen. Manchmal löst sich das Problem von selbst, wenn die Eltern sterben, bevor die Therapie zu Ende ist. Aber dann gibt es noch Schuldgefühle ... Damit will ich nicht sagen, daß alle Veränderungen schnell erfolgen müssen. Es gibt Veränderungen, die Zeit brauchen. Thies Stahl schrieb dazu: »Mit Hilfe von NLP habe ich mehr als in allen anderen Therapieformen begriffen, daß es wichtig ist, sich Zeit zu lassen; manche Veränderungen lassen sich nicht über’s Knie brechen. Vielleicht war diese Einsicht gerade durch die schnellen Veränderungen möglich, die ich mit Hilfe des NLP erlebt habe und andere habe durchlaufen sehen. Bei allem Anspruch auf ›Wunderheilung‹, manche Vorbereitung, die als Anpassung an die neue Art des Daseins nötig ist, braucht vielleicht ein paar Monate oder Jahre ... Wenn ich nicht riskieren will, daß ich irgend etwas sehr Wichtiges verliere, meistens Beziehungen zu mir wichtigen Menschen, lasse ich mir Zeit.«42
In einer ganzen Reihe von Fällen aber sind Veränderungen schnell möglich, viel schneller, als es die meisten Menschen für möglich halten. Unser Gehirn lernt schnell, nicht langsam, und deswegen haben Menschen eine erstaunliche Lernfähigkeit. Gerade diese Lernfähigkeit ist ja die Ursache vieler Probleme. Am deutlichsten wird dies am Beispiel der Phobie, einer irrationalen Angst.
Andrea war als Fünfjährige vor einer Schlange tödlich erschrocken, auf die sie bei einer Wanderung plötzlich getreten war. Die Schlange hatte ihr nichts getan, denn es handelte sich um eine ungiftige Ringelnatter. Als aber ihre Mutter, die hinter ihr ging, sah, wie Andrea auf die Schlange trat, schrie sie vor Entsetzen auf. Sie ergriff einen Stock und schlug in panischer Angst auf das unschuldige Reptil ein.
Das Erschrecken, der Schrei, die Angst ihrer Mutter prägten sich in der kindlichen Seele unauslöschlich ein. Seit diesem Augenblick hatte Andrea ihr ganzes Leben lang Angst vor Schlangen. Selbst wenn sie einen Gegenstand sah, der einer Schlange entfernt ähnelte, jagte sie blindlings davon.
Ein einmaliges Erlebnis hatte genügt, um einen dauerhaften negativen Lernerfolg zu erzielen! Auch als ihr klar wurde, daß die Angst ihrer Mutter ihre eigene Angst mitverursacht hatte, änderte dies nichts an ihren Reaktionen. Sie kamen ohne ihr Zutun, und bald hatte sie es aufgegeben, sich dagegen zu wehren. Erst mit Unterstützung eines NLP-Therapeuten verlernte sie die Phobie genau so schnell, wie sie sie gelernt hatte. Ein intensiver Reiz oder eine starke Motivation können also dazu führen, daß Lernen sehr schnell erfolgt. Worauf es ankommt, ist die Art und Weise, wie der Lernvorgang vor sich geht. Ein Schüler, der lustlos Vokabeln paukt, erbringt den scheinbaren Beweis, daß unser Gehirn langsam lernt und viele Wiederholungen braucht. Der gleiche Schüler erfaßt das, was ihn interessiert, in Sekunden und behält es für immer.
Wer einmal beobachtet hat, wie sich achtjährige Knirpse über Computer und Programme unterhalten, der weiß, daß es einen Königsweg zum effektiven Lernen geben muß. Ein Weg, der in unseren Schulen leider nur selten bekannt ist. Ich betone noch einmal: Unser Gehirn lernt schnell. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, welche ungeahnten Konsequenzen sich daraus ergeben, wenn diese Aussage stimmt. Jeder Lernprozeß kann wesentlich schneller erfolgen, als es üblich ist, wenn man die richtige Methode kennt.
Auch eine Veränderung des Verhaltens ist ein Lernprozeß. Wenn man zum Beispiel einen Kunden davon überzeugen will, daß er eine bestimmte Ware kaufen soll, so ist das ein Lernvorgang. Das gleiche trifft zu, wenn man einen Mitarbeiter, der mit seinen Kollegen nicht auskommt, dahingehend beeinflussen will, daß er sich im eigenen Interesse ändern muß.
Zu wissen, daß jedes Verhalten schnell geändert werden kann, ist wichtig. Ebenso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, ist es, den Weg zu kennen, auf dem dies geschieht.
Jedes Verhalten hat seinen Sinn
»Jedes Verhalten in einem bestimmten Kontext hat eine positive Funktion«, diesen Satz stellte ich einmal in einer studentischen Gruppe zur Diskussion. Prompt kamen unzählige Einwände. Welchen Nutzen hat ein Mensch, wenn er raucht, trinkt, krank wird, Angst hat ... ?
Ein Student fragte, worin denn wohl die positive Funktion oder der Nutzen seines Verhaltens liegen könne, über das er selbst sich jeden Tag ärgere. Er berichtete, daß er sich zur Zeit auf sein Diplom vorbereite und den ganzen Tag über sehr intensiv und konzentriert arbeite. Obwohl er auch für den Abend ein großes Arbeitspensum einplane, setze er sich regelmäßig, ohne lange nachzudenken, vor den Fernseher und schaue sich irgendeine Sendung an, die ihn im Grunde genommen überhaupt nicht interessiere.
Mir machte es große Freude, als ich hörte, wie spontan seine Kommilitonen den Sinn seines auf den ersten Blick sinnlosen Verhaltens erkannten. Als sie es ihm sagten, wunderte er sich, daß ihm das selbst bisher nicht klargeworden war. »Dein Körper zeigt dir einfach, daß du genug gelernt hast. Du bist erschöpft, und deshalb wäre es völlig falsch, weiterzumachen. Das Fernsehen hält dich davon ab, weiterzupauken.«
Ich brauchte kaum etwas zu sagen. Mehrere Studenten in der Gruppe hatten ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie halfen ihm deshalb gezielt, ein neues Verhalten zu finden, mit dem er die gute Absicht in sinnvollerer Form erfüllen konnte. Sie schlugen ihm vor, den Tag so zu planen, daß er von vornherein für den Abend eine andere Beschäftigung vorsehen sollte: Spazierengehen, Sport treiben oder was immer ihm Spaß machte. Es sollte eine Tätigkeit sein, bei der er Kraft für die Arbeit am nächsten Tag schöpfen würde. Zuerst zögerte er, aber da er im Grunde schon längst erkannt hatte, daß sein angestrebtes Arbeitspensum unrealistisch war, akzeptierte er diese neue Lösung.
Ähnlich ging es einem anderen Studenten, der sich in den Semesterferien den Wecker stellte, um rechtzeitig aufzustehhen, und dann doch im Bett blieb. Er ärgerte sich, daß er zwei Stunden verschlafen hatte, in denen er hätte arbeiten können. Auch hier entdeckte die Gruppe mühelos den Nutzen seines Verhaltens. »Wenn du weitergeschlafen hast, war dies ein Zeichen, daß du noch müde warst. Wärst du aufgestanden, dann hättest du doch nicht gearbeitet, weil du dafür zu müde warst. Statt sich zu ärgern, solltest du dich in einem solchen Fall freuen, daß du jetzt ausgeschlafen und voller Energie bist. Mit dieser Energie kannst du sehr gut lernen und, wenn du willst, am Abend zwei Stunden länger aufbleiben.« Wir kamen dann noch zu dem Schluß, daß er, wenn er auf Dauer früher aufstehen wollte, dies nur schaffen würde, wenn er sein Verhalten langfristig planen und umstellen würde.
Die Erkenntnis von der positiven Funktion oder dem sekundären Gewinn jedes Verhaltens in einem bestimmten Kontext ist von grundlegender Bedeutung. Wenn man das Verhalten ändern will, weil es unerwünscht, nicht optimal oder schädlich ist, dann funktioniert das nur, wenn man das Verhalten von der dahinterstehenden Absicht trennt.
Es geht nicht darum, die gute Absicht zu ändern, sondern das unangemessene Verhalten. Das Verhalten war zu einer früheren Zeit vermutlich die beste Lösung des Problems. Jetzt ist das gleiche Verhalten nicht mehr nützlich, vielleicht ist es sogar schädlich, obwohl die gute Absicht bleibt.
Jeder Versuch, ein unerwünschtes Verhalten auf Dauer zu ändern, ist von vornherein zum Mißerfolg verurteilt, wenn der Nutzen, den dieses Verhalten gebracht hat, nicht gewürdigt wird. Einen starken Nutzen gibt man nicht ohne weiteres auf, also auch nicht ein Verhalten, das einen Nutzen brachte. Es liegt in der menschlichen Natur, daß der Mensch das, was er besitzt, nicht hergeben will.
Das fängt schon bei kleinen Kindern an, die ihr Spielzeug an sich pressen, damit es kein anderes Kind bekommt. Aber Kinder tauschen gern, und das gleiche gilt für Erwachsene. Ein Verhalten gegen ein anderes auszutauschen ist akzeptabel, sofern es den gleichen Nutzen wie das alte bringt.
Nehmen wir ein alltägliches, aber für viele Menschen sehr wichtiges Beispiel, das Rauchen. Daß Rauchen sehr schädlich ist, gehört inzwischen zum Allgemeinwissen. Trotzdem können oder wollen viele Raucher das Rauchen nicht aufgeben. Das liegt keinesfalls nur daran, daß der Körper sich an das Gift gewöhnt hat. Der Hauptgrund dafür, daß die meisten Raucher von ihrer Sucht nicht loskommen, liegt im verborgenen Nutzen, den sie vom Rauchen haben.
Was hat ein Raucher vom Rauchen, welchen Nutzen, welchen sekundären Gewinn, bringt der »Duft der großen weiten Welt«? Für Gabriele, eine junge Frau, die täglich zwei Päckchen rauchte, sah die Wahrheit hinter dem Genuß so aus: »Rauchen macht mir irgendwie einen Dunst im Kopf. Es benebelt mich, ich weiß das. Aber trotzdem tut es mir gut, denn als ich einst nicht rauchte, hatte ich gleich Magenschmerzen.
Außerdem brauche ich das Rauchen bei vielen Gelegenheiten. Ich beginne zum Beispiel kein schwieriges Telefongespräch, ohne vorher eine Zigarette angezündet zu haben.
Und dann gehört Rauchen zur Gemütlichkeit. Wenn ich mit Freunden zusammensitze, dann ist es erst richtig gemütlich, wenn ich rauche, so wie es die anderen auch tun.«
Damit hat also das Rauchen, obwohl es schädlich ist und in vielen Fällen zum Lungenkrebs führt, eindeutig eine positive Funktion. Wer das Rauchen aufgeben will, muß sich über den Nutzen des Rauchens für sich persönlich klarwerden, sonst wird er es in den allermeisten Fällen auch mit einem starken Willen oder mit Hilfe von Hypnose auf Dauer nicht schaffen, von dieser Sucht loszukommen.
Irgendwann bietet jemand dem »Nichtraucher« eine Zigarette an, er nimmt sie, weil er ja davon überzeugt ist, daß er es geschafft hat und jetzt jederzeit lassen kann, und alles beginnt von neuem.
Wer aber weiß, was ihm das Rauchen bedeutet, der kann ein anderes Verhalten suchen, welches ihm den gleichen Nutzen bringt. Das neue Verhalten, die neue Möglichkeit, sollte natürlich weniger schädlich als das Rauchen sein, sonst ist es kaum sinnvoll, die Zigaretten wegzuwerfen. Wer, statt zu rauchen, jede Menge Süßigkeiten in sich hineinstopft, der hat keinen besonders guten Tausch gemacht.
Die praktische Erfahrung zeigt immer wieder, daß man ein unerwünschtes Verhalten nicht direkt bekämpfen kann. Jeder Versuch, es mit Gewalt zu ändern, führt zu einer Gegenreaktion, die den Versuch vereitelt. Berücksichtigt man dagegen den Sinn, den ein Verhalten hat, dann ist eine Veränderung viel einfacher.
Denken Sie also immer in erster Linie daran, den verborgenen Sinn oder den Nutzen eines Verhaltens aufzudecken. Dies ist allerdings manchmal so schwierig, daß es nur in einer Trance gelingt. Trotzdem muß diese Arbeit getan werden, denn sie ist eine der wichtigsten Bedingungen für eine beständige Veränderung eines unerwünschten Verhaltens.
Das Ziel muß absolut klar sein
Sind Sie mit Ihrem Leben nicht zufrieden? Wollen Sie mehr Erfolg haben, mit anderen Menschen besser auskommen? Oder möchten Sie als Therapeut einem Klienten helfen, sich zu ändern? Benehmen sich einzelne Schüler so, daß das Leistungsniveau der ganzen Klasse beeinträchtigt wird? Sind Sie mit der Leistung Ihrer Mitarbeiter nicht zufrieden? Und nicht zuletzt, glauben Sie, daß Ihre Partnerin oder Ihr Partner sich unbedingt ändern müßte, da sonst ein Zusammenleben nicht mehr sinnvoll wäre? (Der letzte Wunsch ist natürlich vollkommen unrealistisch, denn mit dem gleichen Recht, wie Sie eine Veränderung verlangen, könnte der Partner oder die Partnerin von Ihnen verlangen, daß Sie sich ändern).
Worum es auch geht, immer, wenn Menschen ihr Verhalten ändern wollen, setzt dies voraus, daß sie ein genaues Ziel haben und dieses Ziel präzise festlegen.
Diese Forderung wird in der Praxis leider nur allzuoft nicht erfüllt. Die meisten Menschen sind mit ihrer Lage oder mit sich selbst nicht zufrieden. Manche wollen sich verändern, wissen aber nicht wie. Das ist so, als würden sie sich nachts in einem großen Wald befinden und den Ausgang suchen, indem sie einfach drauflosgehen. Ohne Kompaß, ohne auf die Sterne zu achten. Vielleicht finden sie nach vielem Herumirren den Rand des Waldes. Die Wahrscheinlichkeit ist aber größer, daß sie im Kreis herumlaufen und irgendwann wieder am Ausgangspunkt angelangt sind.
Gläubige beten darum, Gott möge ihnen helfen, und sind verbittert, wenn sie keine Hilfe bekommen. Andere aber bekommen eigenartigerweise diese Hilfe. Worin liegt der Unterschied? Warum die einen und die anderen nicht?
Es ist alles eine Frage der genauen Zielbestimmung. Wenn zum Beispiel der Chef im Büro erscheint, auf den Tisch haut und schreit: »Das ist eine Sauerei. Fehler über Fehler. Das muß sich ändern!« Was wird sich ändern? Natürlich nichts.
Eine Veränderung ohne ein konkretes Ziel wäre Chaos. Nur wenn das Ziel ganz klar ist, wissen Sie und ich, wissen die Mitarbeiter, die Schüler und alle anderen, wo der Weg lang geht. Ich bin überzeugt davon, daß auch Gott uns nur hilft, wenn wir genau wissen, was wir wollen. Es zeigt sich jedenfalls immer wieder, daß die Menschen, die ein klares Ziel vor Augen haben, auch die notwendige Hilfe erhalten, um dieses Ziel zu erreichen.
Wie können Menschen, die sich noch nie Gedanken über den Sinn ihres Lebens, über ihr Lebensziel, gemacht haben, erwarten, an ihr Ziel zu kommen? Wenn sie ihr Ziel gar nicht kennen, ist es so, als hätten sie eine Reise begonnen, ohne zu wissen, wohin die Reise eigentlich gehen soll.
Das Leben ist wie die Teilnahme an einem Lehrgang, und viele Teilnehmer verhalten sich entsprechend. Sie versuchen einen bequemen Platz zu bekommen, gute Sicht zu haben, neben netten Nachbarn zu sitzen. Das ist alles gut und richtig. In erster Linie kommt es bei einem Lehrgang aber auf das Thema an. So ist es auch im Leben. Das wichtigste ist, das Thema zu kennen und sich darauf zu konzentrieren.
Die Zeit, die Sie aufwenden, um sich über Ihr Lebensziel klarzuwerden, ist nicht verloren. Sie können durch eigenes Nachdenken zu einer Antwort kommen. Schreiben Sie im entspannten Zustand auf ein Blatt Papier zehn Dinge auf, die für Ihr Leben wichtig sind. Dann stellen Sie fest, was für Sie am wichtigsten ist, was am zweitwichtigsten, was kommt an dritter oder vierter Stelle. Das kann ein erster Schritt sein. Sie können auch ein Gespräch mit einem guten Freund führen oder lange, einsame Spaziergänge machen.
Einer Antwort kommen Sie näher, wenn Sie sich folgende Frage beantworten: Wie würde ich jetzt leben, wenn ich wüßte, daß ich in einem Jahr tot wäre? Würde ich mein Leben völlig ändern, oder würde ich im wesentlichen so weiterleben wie bisher? Wenn Sie jetzt spontan sagen, ich würde alles ändern, dann fragen Sie sich doch einmal, aus welchem Grund Sie das nicht tun? Woher wissen Sie, daß Sie in einem Jahr noch leben werden?
Ist unser Leben nicht eigentlich mit einer Rennstrecke zu vergleichen? Wissen wir, an welcher Stelle dieser Rennbahn wir uns befinden? Sind wir mitten im Rennen, in einer Kurve, auf der Gegengeraden oder bereits auf der Zielgeraden? Am Ende, unmittelbar vor dem Ziel? Wir können alle jederzeit vor dem Ziel sein. Sind wir bereit, schon dort zu sein? Haben wir unser Leben so gelebt, daß wir sagen können, es war sinnvoll? Das Leben ist nur sinnvoll, wenn wir entsprechend unserem Lebensziel leben. Das gilt für jedes Lebensalter. Leben ohne Lebensziel, ohne Lebenssinn, kann zur Krankheit führen und im Extremfall tödlich sein. Das beste Beispiel dafür sind Depressive, die in der Regel nicht einmal in der Lage sind, sich vorzustellen, wie ihr Leben anders sein könnte. Es gibt für sie kein Ziel, das sie verfolgen könnten. Der erste Schritt zur Gesundung besteht deshalb darin, ihr spezielles Ziel zu definieren, auf das hin sie sich verändern können.
Aber gibt es nicht Argumente, die dagegen sprechen, daß man ein Ziel genau festlegt? Bedeutet das nicht eine Einschränkung der persönlichen Freiheit? Wer so denkt, verwechselt das Ziel mit dem Weg. Das Ziel muß absolut klar sein, sonst ist es einfach nur etwas Vages und kein Ziel. Wege zum Ziel kann es viele geben. Wenn einer sich als nicht gangbar erweist, dann gibt es fast immer einen anderen.
Ein Ziel kann aus mehreren Teilzielen bestehen. Ebenso kann ein Mensch mehrere Ziele haben. Wenn er allerdings seine Kräfte zersplittert und gleich viele verschiedene Ziele gleichzeitig erreichen will, dann wird er kaum erfolgreich sein. Das gleiche gilt, wenn er ein Ziel anstrebt, um dann, ehe er es erreicht hat, sich einem anderen zuzuwenden.
Wer seine Kräfte auf ein ganz konkretes Ziel konzentriert, der kann seine Energie mit einem hohen Wirkungsgrad einsetzen. Was nützen denn die besten Werkzeuge, wenn sie nicht gezielt eingesetzt werden? Es ist genauso wie in der modernen Technologie. Zum Beispiel ist es nur dann sinnvoll, einen Laserstrahl, also einen scharf gebündelten Energiestrahl, zu verwenden, wenn der Punkt, auf den er einwirken soll, ganz genau festliegt. Dann wirkt der scharf gebündelte Energiestrahl mit unglaublicher Geschwindigkeit präzise auf das entsprechende Material ein. Genauso ist es auch mit unseren geistigen Werkzeugen. Auch sie sind um so wirkungsvoller, je spezifischer wir sie einsetzen.
Es gibt noch einen weiteren Grund, das Ziel genau festzulegen. Wie können Sie denn sonst feststellen, ob Sie das Ziel erreicht haben? Wenn ein Hochspringer die Latte bei zwei Metern angelegt hat, dann hat er sein Ziel erreicht, wenn er rüberspringt und die Latte liegenbleibt. Ohne Latte würde ihm jede Kontrolle über seine Leistung fehlen.
Vielleicht sind Sie aber der Meinung, das sei überhaupt nicht wichtig. Irgendwo haben Sie den Ausspruch gelesen: Der Weg ist das Ziel. Das heißt mit anderen Worten, es kommt nicht darauf an, ob Sie das Ziel jemals erreichen. Worauf es ankommt, ist allein, auf dem rechten Weg zu sein. Das ist richtig und doch nicht richtig.
Auf dem Weg sein heißt doch, auf einem Weg voranzukommen. Es bedeutet nicht, stillzustehen. Dann wäre es kein Weg, sondern ein Ort. Woran aber erkennt man, ob man vorankommt? Wenn wir auf einem Weg wandern, dann zeigen uns verschiedene Dinge, daß wir vorankommen. Ein Wegweiser, ein großer Baum, eine Kirche, eine Brücke, alles Merkmale, die auf unserer Karte eingezeichnet sind.
Daran merken wir, daß wir uns unserem Ziel nähern, also auf dem richtigen Weg sind. Das Ziel und die Teilziele müssen vor Beginn der Wanderschaft festliegen, nur dann wissen wir, ob wir sie erreicht haben oder uns ihnen zumindest nähern.
Dieses Wissen ist wichtig für unser Bewußtsein. Es gibt uns die richtige Motivation, den Ansporn, weiterzumachen. Es ist das Feedback, die Rückmeldung, daß wir uns richtig verhalten. Es ist genauso, als wenn Sie eine Sprache lernen. Sie können noch so viele Vokabeln lernen, wenn Sie nie überprüfen, ob Sie sie beherrschen, richtig aussprechen und beim Sprechen anwenden können, dann wird Ihr Lernerfolg äußerst gering sein. Lernen ist ein Prozeß der Verhaltensänderung. Das Verhalten aber kann man nur ändern, wenn man weiß, wieweit das bisherige Verhalten dem vorgegebenen Ziel entsprach. Jede Rückmeldung, ob ein Lernschritt erfolgreich bewältigt wurde, verstärkt damit die gewünschte Verhaltensweise. Dies ist auch einer der Gründe, daß die Form des programmierten Lernens so effektiv ist. Beim programmierten Lernen erfährt der Lernende nach jedem Lernschritt sofort, ob er richtig gelernt hat.
Wie Sie Ihr Ziel festlegen, trägt ganz entscheidend dazu bei, ob Sie es erreichen. Es gibt bestimmte Kriterien für die Definition eines Zieles. Nur wenn die Formulierung diesen Kriterien entspricht, ist das Ziel wohlgeformt.
Das fängt damit an, daß Sie immer nur Ziele für sich selbst setzen können. Wenn Sie sich also wünschen, daß sich Ihre Partnerin oder Ihr Partner ändert, so kann das nur ein frommer Wunsch sein. Kein Mensch kann einen anderen Menschen so einfach ändern. Das können nur »Zauberer« oder andere »Wesen mit überirdischen Fähigkeiten«.
Was Sie jedoch sehr wohl tun können, ist, auf andere Menschen indirekt einzuwirken, so daß sie sich von selbst ändern. Die Formulierung Ihres Zieles könnte dann etwa so lauten: Ich will bestimmte Fähigkeiten erwerben, mit denen ich andere Menschen beeinflussen kann. Diese Fähigkeiten sind ...
Noch einmal, formulieren können Sie nur Ihr eigenes Ziel, nicht das einer anderen Person. Jeder, der sich ein Ziel steckt, muß darauf achten, daß er selbst es erreichen kann. Das Ziel, im Lotto zu gewinnen, kommt also nicht in Frage. Auf den Lottogewinn hat nach menschlichem Ermessen, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, niemand Einfluß.
Darüber hinaus sollte Ihr Ziel situationsspezifisch und möglichst konkret sein. Angenommen, Sie wollen besser reden können. Eine solche Formulierung ist auf keine bestimmte Situation bezogen und nicht konkret. Wo wollen Sie besser reden können? Vor einer großen Gruppe oder gegenüber einer bestimmten anderen Person? Wann soll das der Fall sein, und wie wird sich das ausdrücken? Erst wenn Ihnen eine konkrete Situation vor Augen steht, ist das Ziel eindeutig.
Das Wort »besser« ist ein Vergleich, und Vergleiche soll die Zielformulierung nicht enthalten. Was heißt denn »besser« reden? Besser, als Sie jetzt reden, oder besser als Ihr Freund? Vergleiche dienen nicht der Klarheit.
Nicht nur bei der Zielformulierung, auch sonst in unserem Leben gehört nach meiner Überzeugung die Angewohnheit, zu vergleichen, zu den Eigenschaften, mit denen sich viele Menschen ihr Leben unnötig schwermachen. »Mir geht es viel schlechter als anderen Menschen.« »Meine Mutter liebt meinen Bruder/meine Schwester mehr als mich.« Obwohl solche Aussagen mit großer Wahrscheinlichkeit falsch sind, wirken sie gefühlsmäßig ebenso stark wie Tatsachen, einfach weil die Betroffenen fest daran glauben.
Zu mir kam ein vierundzwanzigjähriger Student, der sehr stark stotterte. Ich machte mit ihm eine Rückführung, das heißt, er erlebte im tief entspannten Zustand Geschehnisse aus seiner Vergangenheit wieder, Ein entscheidendes Erlebnis aus seiner Kindheit, das zumindest eine Ursache für sein späteres Stottern war, war ein Ereignis im Alter von sechs Jahren.
Vor seinem geistigen Auge konnte er sehen, was damals geschehen war. Es war sein erster Schultag. Mit der Zuckertüte im Arm verabschiedete er sich von seiner Mutter, um allein zur Schule zu gehen. Seine Mutter stand an der Tür. Sie drückte ihn nicht an sich oder hielt ihn an der Hand. Nein, sie stand aufrecht im Türrahmen, schaute auf ihn herab und sagte: »Du mußt besser sein als die anderen.« Das war alles. Kein liebes Wort, kein Lächeln, nur »besser als die anderen«!
Der Junge ging zur Schule und gab sich Mühe. Sein Unbewußtes hatte den Auftrag gespeichert, und er war bereit, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß der Befehl ausgeführt wurde. Als er dann nach einiger Zeit zum ersten Mal laut vorlesen sollte, strengte er sich besonders an. Und wie das meist so kommt, gerade wenn man etwas besonders gut machen will, geht es daneben. Er versprach sich, verhaspelte sich und fing an zu stottern. Die Klasse lachte, schlimmer aber noch, der Lehrer ebenfalls. Die erste Wunde war geschlagen. Mit jedem Mal wurde es schlimmer, fast zwanghaft. Das Stottern, das zuerst etwas ganz Natürliches gewesen war, war fest in ihm verankert.
Als dieser Student zu mir kam, stotterte er nicht nur, er hatte überdies den inneren Drang, hart zu arbeiten. Seine Studienleistungen waren überragend, er hätte es überhaupt nicht nötig gehabt, so viel zu lernen. Aber da war ja dieser unbewußte Auftrag, besser zu sein. Und er arbeitete bis an den Rand der Erschöpfung. Je erschöpfter er aber war, um so schlimmer wurde sein Stottern.
Verzichten Sie also auf jeden Vergleich, wenn Sie sich ein Ziel setzen.
Die nächste Forderung wird Ihnen auf den ersten Blick eigenartig erscheinen: Das Ziel soll sinnesspezifisch sein. Was haben die menschlichen Sinne mit einem Ziel zu tun? Sehr viel. Gerade die Sinne spielen bei jeder Kommunikation eine große Rolle. Sie sind nicht nur die Wahrnehmungskanäle zum Aufnehmen externer Informationen. Wenn es darum geht, diese Informationen innerlich zu verarbeiten, sind es wiederum die Sinne, auf die es dabei ankommt.
Sinnesspezifisch bedeutet also, daß Sie sich die Frage stellen: Woran werde ich erkennen, daß ich das Ziel erreicht habe? Wenn Sie das Ziel erreicht haben, werden Sie dann etwas wahrnehmen, etwas Bestimmtes sehen? Entstehen in Ihnen vielleicht innere Bilder, sehen Sie also etwas vor Ihrem geistigen Auge? Wie werden Sie es sehen, in welchen Farben oder in welcher Größe?
Sie können auch etwas hören. Wird jemand etwas sagen? Werden Sie eine innere Stimme hören, die Ihnen zu verstehen gibt, daß Sie das Ziel erreicht haben?
Dann könnte es sein, daß Sie ein bestimmtes Körpergefühl haben. Sie könnten freier atmen oder ein warmes Gefühl in der Magengegend haben.
Ja, sogar riechen oder schmecken kann Ihnen anzeigen, daß Sie Ihr Ziel erreicht haben. All das sind sogenannte Zielerkennungsphänomene.
Das ist alles schon etwas verrückt, meinen Sie nicht? Bilder vor dem geistigen Auge sehen, sind das nicht Halluzinationen? Oder eine innere Stimme hören, als hätte man einen kleinen Mann im Ohr? Gehören Menschen, die so etwas erleben, nicht in die Klapsmühle?
Wie verrückt es auch erscheint, es ist nicht verrückt. Alle Menschen sehen mehr oder weniger häufig und klar Bilder vor ihrem geistigen Auge, hören eine innere Stimme, spüren Gefühle, manchmal als Schmerz, bevorzugt in der Brust oder in der Magengegend, haben plötzlich einen bestimmten Geruch in der Nase und so weiter. Der Unterschied besteht lediglich darin, daß die einen das zugeben und es sich vielleicht sogar bewußtmachen, während andere es verleugnen oder auch alle solche Bilder, Töne oder Gefühle sofort verdrängen.
Unzählige erfolgreiche Menschen, die in ihrem Leben großen äußeren Erfolg haben, tun dies auf Kosten des Innenlebens. Alle Gefühle werden rigoros unterdrückt, es zählt nur, was der Verstand akzeptieren kann. Irgendwann aber wird der innere Druck zu stark, brechen die Gefühle nach außen, kommen Unruhe, Ängste, Verzweiflung, manchmal sogar ein psychischer und physischer Zusammenbruch. Nicht nur Manager um die Fünfzig erleben diesen Zustand, der dann vornehm als Midlife-crisis umschrieben wird.
Deshalb, wer immer sich ein Ziel setzt, sollte sich dabei fragen, woran er sinnesspezifisch erkennen wird, daß er das Ziel erreicht hat.
Eine ökologische Überprüfungsichert den Erfolg
Rainer war vierzig und hatte es satt, allein zu leben. In seiner Vorstellung malte er sich aus, wie schön es wäre, wenn er abends nach Hause käme und seine Frau ihn erwarten würde. Das Essen stände auf dem Tisch, und nach dem gemeinsamen Mahl würden sie vor dem Kamin sitzen, lesen, sich unterhalten, ein Glas Wein trinken und gute Musik hören ...
Bis jetzt war er immer vor dem Schritt zur Ehe zurückgeschreckt, denn an jeder Frau, die er kennenlernte, hatte er etwas auszusetzen. In einer Art Torschlußpanik gab er jede Vorsicht auf und heiratete eine zwölf Jahre jüngere Frau. Es kam, wie es kommen mußte. Sehr bald stand kein Essen auf dem Tisch, wenn er heimkam. Seine junge Frau hatte kein Bedürfnis, abends am Kamin zu sitzen. Sie wollte ihr Leben genießen, ausgehen, Freunde treffen, sich amüsieren ...
Rainer hatte unterlassen, das zu tun, was im Leben eines jeden Menschen selbstverständlich sein sollte. Er hatte die drastischen Veränderungen in seinem Leben, zu denen er sich entschlossen hatte, nicht »ökologisch« überprüft.
Ganz gleich, ob Veränderungen langsam oder schnell erfolgen, immer ist es wichtig, die Folgen zu bedenken. Der sogenannte Ökocheck dient dazu, sich darüber klarzuwerden, ob die gewünschte Veränderung harmonisch in das zukünftige Leben passen wird.
Nicht wenige Therapien erreichen leider das Gegenteil. Eine Frau zum Beispiel schaffte es mit Hilfe eines Therapeuten, ihre sexuellen Hemmungen aufzugeben. Statt sich darüber zu freuen, war ihr Mann schockiert. Durch das neue Verhalten seiner Frau fühlte er sich in seiner männlichen Überlegenheit bedroht. Übrigens hatte er selbst sie zum Therapeuten geschickt! Damit soll nicht gesagt werden, daß der Frau nicht geholfen werden soll, nur weil der Mann mit der neuen Situation nicht zurechtkommt. Absolut notwendig ist vielmehr auf jeden Fall, auch den Mann zur Therapie hinzuzuziehen!
Wenn Sie Ihrem ängstlichen Kind helfen, selbstsicher zu werden, dann müssen Sie ihm auch zeigen, wo seine Grenzen liegen. Unter Umständen ist es sogar notwendig, ihm beizubringen, wie es sich verteidigen kann, sonst wird es sehr bald von stärkeren Kindern verprügelt werden. In diesem Fall ist eine Veränderung nur sinnvoll, wenn gleichzeitig die erforderlichen Voraussetzungen, Politiker würden von flankierenden Maßnahmen sprechen, verändert werden.
Ein Großteil aller menschlichen Probleme rührt daher, daß die vielfältigen Konsequenzen einer Handlung nicht genügend bedacht werden. Unser Leben ist nicht eindimensional. Alle Lebensbereiche und -funktionen sind vernetzt, hängen voneinander ab, und diese Abhängigkeiten sind so komplex, daß sie häufig das menschliche Denkvermögen überfordern. Das gilt für den einzelnen ebenso wie für Familien, Gruppen oder Staaten. Die Belastung unserer Umwelt ist das beste Beispiel dafür, wie gerade wirtschaftliche und politische Entscheidungen in ihren letzten Konsequenzen nicht mehr übersehbar sind.
Als Ergebnis der ökologischen Überprüfung muß deutlich werden, welche Auswirkungen sich im Leben ergeben werden und ob der Betreffende bereit ist, die Konsequenzen zu tragen, oder ob erst bestimmte Rahmenbedingungen geändert werden müssen.
Da die neuen Kommunikationstechniken immer stärkeren Eingang ins Wirtschaftsleben finden, betone ich noch einmal, daß ein Ökocheck nicht nur beim einzelnen Menschen sinnvoll ist. Wie häufig ist es schon vorgekommen, daß in einem Unternehmen eine neue Organisationsstruktur eingeführt wurde, nachdem ein Unternehmensberater lediglich die Führungskräfte von der Notwendigkeit der Umorganisation überzeugt hatte. Ein Ökocheck hätte viele Kosten erspart. Wenn die betroffenen Mitarbeiter die neue Organisation nicht akzeptieren, weil sie vorher nicht gefragt und informiert wurden, dann werden die Reibungsverluste sehr groß sein. Eigentlich sollte ein partnerschaftliches Verhalten in jeder Firma eine Selbstverständlichkeit sein. In der Realität aber wird das Betriebsklima nicht selten von strengen hierarchischen Strukturen beherrscht. Hier könnte ein Umdenken einen sehr positiven Einfluß haben.
In die Zukunft überbrücken
Die Werbung macht es uns vor: Sobald im Fernsehen ein bestimmtes Produkt in leuchtenden Farben gezeigt und außerdem der Name, verbunden mit den Vorzügen gerade dieses Erzeugnisses, immer wieder genannt wird, ist bei vielen Kunden eine Art Anker gesetzt worden.
Wenn ein Boot verankert wird, dann wird es mit dem Anker an einer bestimmten Stelle im Wasser festgemacht, So ähnlich sorgt die Werbung dafür, daß eine Suggestion im Unbewußten der potentiellen Käufer verankert wird. Dahinter steht die Erwartung, daß der Kunde das Erzeugnis kaufen wird, wann immer er es im Geschäft sieht.
Die geankerte Erinnerung und die damit verknüpften Suggestionen sollen als starke Antriebskraft für den Kauf wirken. Ist die Werbung sehr erfolgreich, so wirkt der Anker manchmal tatsächlich so stark, daß Kunden am nächsten Tag ins Geschäft laufen, um ein bestimmtes, neu auf den Markt gekommenes Erzeugnis zu kaufen. Dies ist zum Beispiel bei frei verkäuflichen Medikamenten der Fall.
Das gleiche trifft zu, wenn in einer Talkshow bestimmte Bücher erwähnt werden. Als der Fernsehproduzent Udo Stöcker mein Buch Entschuldigen Sie die Unordnung gelesen hatte und das Problem Ordnung für so interessant hielt, daß er daraus eine Fernsehsendung machen wollte, entstand daraus die Gesprächsrunde im ZDF zum Thema »Ordnung ist das halbe Leben«.
In dieser Gesprächsrunde wurde natürlich auch mein Buch gezeigt. Dies war ein Anker für viele Zuschauer, denn in den nächsten Tagen wurde in vielen Buchhandlungen verstärkt nach meinem Buch gefragt. Und wenn Sie diese Zeilen gelesen haben, sind auch bei Ihnen Anker entstanden. Wenn Sie demnächst in einer Buchhandlung sind oder das Buch in einer Buchhandlung sehen, werden Sie sich wahrscheinlich daran erinnern, daß ich Ihnen dieses Buch vorgestellt habe.
Nur wenn es gelingt, eine Brücke in die Zukunft zu schlagen, wird sichergestellt, daß ein bestimmtes zukünftiges Verhalten verfügbar sein wird. Was nützt es denn, wenn zum Beispiel ein Therapeut seinem Klienten zu der gewünschten Verhaltensänderung verhilft, diese aber nur so lange anhält, wie der Klient sich auf der Couch des Therapeuten befindet? Der Therapieraum ist doch mehr oder weniger die heile Welt. Dort kann viel geschehen, aber genauso schnell wie eine Seifenblase wieder zerplatzen, wenn es nicht in der rauhen Wirklichkeit, unter realistischen Bedingungen, bestehen bleibt.
Leidet jemand darunter, daß er nicht über Brücken fahren kann, dann ist die Angst erst wirklich weg, wenn er zum ersten Mal ohne zu zittern über eine Brücke gefahren ist. »The proof of the pudding is in the eating«, sagen die Engländer. Erst beim Essen wird der Pudding geprüft. Man könnte auch sagen: Probieren geht über Studieren.
Wieviel wertvolle Arbeit ging schon verloren, weil jemand darauf vertraute, daß sie von selbst in die Zukunft wirken würde. Da hält der Lehrer dem Schüler eine Standpauke und hofft, daß dieser sich die Ermahnungen zu Herzen nehmen wird. »Aus dem Auge, aus dem Sinn«, sagt das Sprichwort. Kaum ist der Schüler weg, hat er alles vergessen. Hier wurde keine Brücke in die Zukunft geschlagen.
»Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit«, schrieb Friedrich Schiller. Wer ein angestrebtes Ziel erreichen will, muß die Gegenwart mit der Zukunft so fest verbinden, daß das, was er jetzt gelernt hat, auch morgen zur Wirkung kommt, ohne pfeilschnell zu entfliegen! Damit eine Verhaltensänderung dauerhaft bleibt, ist es also absolut notwendig, sie in irgendeiner Form in die Zukunft zu übertragen. Sonst geht es Ihnen wie mit den guten Vorsätzen am Ende eines Jahres: Kaum beginnt das neue Jahr, sind alle Vorsätze schnell vergessen.
Wie schlägt man eine Brücke in die Zukunft? Eine besonders gut dafür geeignete Möglichkeit habe ich schon erwähnt. Sie besteht darin, daß wir das neue Verhalten oder die neue Reaktion mit einem bestimmten sensorischen Reiz verknüpfen, also verankern. Nicht irgendein Reiz kommt allerdings in Frage, sondern es muß einer sein, der später genau dort vorkommt, wo das neue Verhalten zum Einsatz kommen wird oder wo die neue Reaktion zum Zuge kommt.
Sensorisch bedeutet, daß man etwas Bestimmtes sieht, hört, fühlt, riecht oder schmeckt, mit anderen Worten, mit irgendeinem unserer Sinne, mit mehreren oder allen gleichzeitig erfaßt.
Frank litt unter einem Minderwertigkeitskomplex. Dieses Gefühl, minderwertig zu sein, war durch reale Erfahrungen begründet. Nach seinem BWL-Studium hatte er in zwei Positionen versagt und war entlassen worden. Der Grund hatte darin gelegen, daß er seine eigenen Fähigkeiten falsch eingeschätzt und sich an Aufgaben gewagt hatte, die ihm nicht lagen und die einfach eine Nummer zu groß für ihn waren. Da die Konjunktur gut war, gelang es ihm auch nach der letzten Kündigung »im gegenseitigen Einvernehmen« relativ schnell, eine neue Stelle zu bekommen.
Diesmal wußte er, daß er bestimmt die richtige Arbeit gefunden hatte. Er nutzte die Chance, die Arbeit machte ihm Spaß, er hatte Erfolgserlebnisse – nur mit seinem Chef kam er nicht zurecht. Dieser brauchte nur ein Wort der Kritik zu sagen, und schon sank Frank in sich zusammen. Alle bitteren Erfahrungen der letzten Arbeitsstellen kamen dann in Sekundenschnelle zurück, sein Versagen, die Verzweiflung und Scham.
Ein bestimmter Ausdruck bei seinen früheren Vorgesetzten, wenn sie ihn auf seine Fehler aufmerksam gemacht hatten, der spezifische Tonfall, all das war zu einem sehr starken negativen Anker geworden, der in die Zukunft, also in die jetzige Stelle, hineinwirkte. Frank wußte, daß er diese Gefühle loswerden mußte, wenn er bestehen wollte.
Die negativen Gefühle in positive zu verwandeln, sein Selbstbewußtsein zu stärken, das war relativ einfach. Worauf es ankam, war, daß dieses Vertrauen in sich selbst in Zukunft auch beim Anblick seines neuen Chefs vorhanden sein würde. Der sensorische Reiz war in diesem Fall der Anblick des Chefs oder der Klang seiner Stimme.
Nachdem der Anker gesetzt war, geschah folgendes: Ganz automatisch richtete Frank sich auf, wenn er seinen Chef sah, spannte die Schultern etwas an, hielt den Kopf gerade, schaute den Vorgesetzten offen an, sprach mit fester Stimme, bewegte sich, wenn es sich so ergab, lebhaft und, vor allem, hatte in seinem Inneren ein sicheres Gefühl.
Dieses Brückenschlagen in die Zukunft ist übrigens eine bekannte Methode bei der Hypnose. Die sogenannte posthypnotische Suggestion ist im Grunde genommen nichts anderes. In der Trance wird dem Klienten eine bestimmte Suggestion gegeben, die später automatisch im Wachzustand wirksam wird, sobald ein Schlüsselreiz, an den sie gekoppelt ist, eintritt.
Ich könnte also zum Beispiel sagen: »Wenn ich Sie später wecken werde, werden Sie sich gut fühlen und alles vergessen haben, was ich Ihnen jetzt sage. Sobald Sie einen Blick auf das Fenster werfen, werden Sie zum Fenster gehen und dieses aufmachen.« Wenn ich dann den Klienten wecke, wird er genau das tun, was ich ihm aufgetragen habe, ohne zu wissen, warum er es tut. Frage ich ihn aber, warum er das Fenster aufgemacht hat, so wird er vermutlich eine rationale, logische Erklärung präsentieren, die in sein Weltbild paßt. Vielleicht wird er darauf hinweisen, daß es im Raum sehr heiß ist und er das Fenster unbedingt öffnen müßte. Man nennt das sekundäres Rationalisieren. Dieses sekundäre Rationalisieren benützen Menschen immer, wenn sie eine Entscheidung getroffen haben, die von ihrem Unbewußten gesteuert wird, also in der Regel geankert ist, die sie sich aber nicht eingestehen wollen. In unserer Gesellschaft ist es ja so wichtig, daß wir alle Entscheidungen mit dem Verstand treffen!
Das, was durch posthypnotische Befehle möglich ist, geschieht in ähnlicher Form Tag für Tag, indem wir unbewußt Suggestionen wie zum Beispiel in der Werbung aufnehmen, ankern und uns zu einem späteren Zeitpunkt entsprechend diesem Anker verhalten.
Verhindern können wir wohl nicht ganz, daß wir auf diese Weise durch Suggestionen manipuliert werden. Je besser wir aber Bescheid wissen, um so eher können wir einer Manipulation entgehen. Wie man bewußt ankert, wird in einem besonderen Teil genau beschrieben.
Kapitel 3
Informationen gewinnen
Gezielt wahrnehmen ist fast wie hellsehen
Im Vorwort zu dem Buch Patterns of the Hypnotic Techniques of Milton H. Erickson7, in dem die Hypnosetechniken von Erickson dargestellt werden, beschrieb dieser, wie er 1919 nach einer Kinderlähmung für mehrere Monate völlig gelähmt war, während aber seine Sinne und sein Denken intakt blieben. Da er sich langweilte und sonst zu nichts anderem imstande war, begann er, seine Mitmenschen zu beobachten, vor allem seine Eltern, seine acht Geschwister, die Krankenschwester und den Arzt.
Er war erstaunt, welche Widersprüche er zwischen den verbalen Äußerungen und der Körpersprache entdeckte. Was er sah, faszinierte ihn. Als seine Beobachtungsfähigkeit immer größer wurde, nahm er noch neue Feinheiten wahr: Tonalitäten, Sprechtakte, Widersprüche, Auslassungen, Verzerrungen, Betonungen und Zweideutigkeiten. Ihm wurde auch klar, daß es verschiedene Ebenen der Wahrnehmung gibt, nicht nur eine bewußte Ebene, sondern auch eine Ebene, die man populär als instinktiv oder intuitiv bezeichnet. Die Erfahrungen während dieser Zeit bildeten das Fundament für seine späteren Erfolge als Hypnosetherapeut.
Jede erfolgreiche Kommunikation setzt voraus, daß die entscheidenden Informationen verfügbar sind. Ob Sie mit einem einzelnen Menschen sprechen oder vor vielen Zuhörern eine Rede halten, ob sie auf andere einwirken oder sich selbst verändern wollen, es fängt damit an, daß Sie beim anderen oder bei sich selbst aus der Vielzahl von Informationen die wesentlichen erkennen und herausfiltern.
Schauen Sie nicht nur auf Ihre Partner, hören Sie auch genau hin. Achten Sie auf jede Kleinigkeit, so daß nichts Ihrem geübten Auge entgeht. Schließen Sie auch nicht die Augen, wie es sich manche Therapeuten angewöhnt haben. Das könnten Sie sich nur erlauben, wenn Sie die Fähigkeit der außersinnlichen Wahrnehmung hätten. Diese Fähigkeit aber benötigen Sie im Grunde genommen gar nicht, denn im Laufe der Zeit werden Sie ein so gutes Wahrnehmungsvermögen entwickeln, daß das, was Sie von anderen mitbekommen, schon fast wie Hellsehen oder Hellhören ist.
Es kommt weniger auf die Informationen, die den Inhalt betreffen, an, als auf jene, die sich auf den Prozeß beziehen. Vereinfacht ausgedrückt, nicht was gesagt wird, sondern wie es gesagt wird, ist wichtiger. Wenn man auf den Inhalt achtet, besteht die große Gefahr, daß man seine eigenen Bewertungen oder Glaubenssysteme auf das überträgt, was andere sagen. Sprechen Menschen zum Beispiel über den Inhalt eines Erlebnisses, so heißt das noch lange nicht, daß sie das sagen, was wirklich geschehen ist. Im Inhalt drückt sich vielmehr aus, wie der Betreffende subjektiv etwas erlebt hat und wovon er überzeugt ist, daß es so ist. Um Menschen also zu verstehen, sollte man mehr darauf achten, in welcher Form sie ihre Erfahrung vermitteln.
Sprachlich wird ein Vorgang vor allem durch die sogenannten Prozeßwörter, also Adjektive, Verben und Adverbien, beschrieben. Aber auch Gesicht und Körper geben viele Hinweise darauf, was im anderen abläuft. Sie werden staunen, was Ihnen alles auffällt, wenn Sie sich darauf konzentrieren.
Wie ist die Atmung? Ruhig, langsam, tief oder unruhig, hastig, flach? Ist es eine Zwerchfellatmung, oder bewegt sich nur die Brust beim Atmen? Wie ist die Haltung des Körpers und des Kopfes? Kommen unbewußte, immer gleiche, sogenannte ideomotorische Bewegungen vor? Zum Beispiel ein Wippen des Fußes, ein Reiben der Hände, ticartige Zuckungen im Gesicht? Wie ist der Muskeltonus, also die Muskelspannung? Ist das Gesicht angespannt? Sind die Nackenmuskeln zusammengezogen, obwohl man es dort kaum beobachten kann? Wie blicken die Augen? Flattern die Lider, oder sind sie ruhig? Sind die Augen feucht oder sehr trocken, verändert sich die Größe der Pupille? Ist die Stimme klar oder heiser, laut, leise, hoch, tief, kräftig, matt? Auch die Gesichtsfarbe und die Größe der Lippen können sich verändern. Es kann zu einem Schweißausbruch kommen.
Viele dieser Merkmale sind nur andeutungsweise zu erkennen, wenn sie aber Vorkommen, sind sie sehr aussagefähig. Vielleicht bemerken Sie auch eine Inkongruenz, eine Nichtübereinstimmung. Wenn jemand zum Beispiel sagt: »Es geht mir gut«, und dabei die Schultern fallen läßt, in sich zusammensinkt und seine Stimme schwach und müde klingt, dann ist das eindeutig inkongruent. Inhaltsebene und Beziehungsebene stimmen nicht überein.
Es kommt allerdings nicht nur darauf an, solche Merkmale lediglich wahrzunehmen. Sie müssen auch im Gedächtnis behalten, was Sie beobachtet haben, damit Sie Veränderungen oder erneutes Auftreten der gleichen Zustände erkennen können. Dieses genaue Wahrnehmen bezeichnet man als Kalibrieren, was so viel wie Sich-Einstellen oder Eichen bedeutet. Kurz und gut, die Grundlage jeder wirksamen Kommunikation besteht darin, die Fähigkeit der Wahrnehmung zu entwickeln, und zwar der Wahrnehmung über alle unsere fünf Sinne: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken.
Gut zuhören ist zum Beispiel sehr häufig wichtiger als gut reden. Ein geschickter Verkäufer redet nicht nur selbst, sondern hört genau hin, was der Kunde eigentlich will. Ein guter Lehrer hält keine Monologe. Für ihn ist entscheidend, was bei seinen Schülern ankommt und sie motiviert. Wenn eine erfolgreiche Führungskraft Anweisungen erteilt, dann achtet sie auf das Feedback der Mitarbeiter, also auf eine sinnlich wahrnehmbare Rückmeldung, die ihr anzeigt, ob die Äußerungen verstanden wurden.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.