Kitabı oku: «Fear Street 43 - Lampenfieber»

Inhalt
Prolog
Kapitel 1 – „Er wird dir …
Kapitel 2 – Geschockt blickte sie …
Kapitel 3 – Selena bemerkte die …
Kapitel 4 – „Ich halte das …
Kapitel 5 – Selena stützte sich …
Kapitel 6 – „Danny!“, atmete Katy …
Kapitel 7 – Selena schrie gellend …
Kapitel 8 – „Jake!“, rief Selena …
Kapitel 9 – Selena rannte die …
Kapitel 10 – Selena stand einen …
Kapitel 11 – Am nächsten Tag …
Kapitel 12 – Der Regen prasselte …
Kapitel 13 – Selena kauerte sich …
Kapitel 14 – „Es ist vorbei“ …
Kapitel 15 – Liebe Selena, heute …
Kapitel 16 – „Klasse Film!“, sagte …
Kapitel 17 – Selena spürte, wie …
Kapitel 18 – Selenas Entsetzensschrei wurde …
Kapitel 19 – Selena war schon …
Kapitel 20 – Selena starrte abwechselnd …
Kapitel 21 – „Er ist vom …
Kapitel 22 – „Mr Riordan“, rief …
Kapitel 23 – Liebe Selena, Überraschung! …
Kapitel 24 – Selena las die …
Kapitel 25 – „Katy?“ Keine Antwort …
Kapitel 26 – Selena blickte hinauf …
Kapitel 27 – Selena schrie entsetzt …
Kapitel 28 – Selena blickte wie …
Kapitel 29 – „Wo … wo hast …
Kapitel 30 – Mit einem unterdrückten …
Kapitel 31 – „Neiiiiin!“ Selena stieß …
Kapitel 32 – Selena wartete auf …
Alle Einzelbände der Reihe „Fear Street“ als eBook
Über den Autor
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Impressum
Prolog
Liebe Selena,
dein Name bedeutet „Mond“ – und wie der Mond bist du blass, schön und geheimnisvoll. Dein blondes Haar glänzt silbern wie die Strahlen des bleichen Nachtgestirns.
Jeder bewundert dich. Jeder applaudiert dir.
Auch ich gehöre zu deinem Publikum, Selena.
Aber obwohl ich dich jeden Tag sehe, siehst du mich nicht. Doch irgendwann wird sich das ändern. Irgendwann werde ich dein einziges Publikum sein.
Nur du und ich, Selena. Irgendwann.
Sehr bald.
Für immer dein,
Die Sonne
1
„Er wird dir nie wieder wehtun. Ich verspreche es dir. Er wird dir nie wieder wehtun.“ Selena Goodrichs letzte Worte waren fast ein Flüstern.
Das Publikum begann zu klatschen, und dann fiel langsam der Vorhang. Als er sich wieder hob, trat Selena nach vorne auf die Bühne. Lächelnd ließ sie ihren Blick über das Publikum wandern und nahm den Applaus und die begeisterten Rufe entgegen.
Sie machte eine tiefe Verbeugung, bei der ihr die blonden Locken über die Schultern fielen. Dann richtete sie sich auf und wandte sich den anderen Schauspielern zu. Sie reichte Alison Pearson und Jake Jacoby die Hände – und alle Darsteller, die sich in einer Reihe aufgestellt hatten, verbeugten sich gemeinsam. Die Zuschauer sprangen auf und klatschten und jubelten noch lauter.
„All diese Leute sind gekommen, um mich zu sehen“, dachte Selena glücklich. „Die Bühne ist meine Welt. Endlich weiß ich, wo ich hingehöre.“
Nachdem der Vorhang zum letzten Mal gefallen war, wandte Selena sich ihren Freunden zu. „Ihr beiden wart spitze!“, sagte sie anerkennend.
„Danke, Selena“, murmelte Alison. Sie war ein hübsches Mädchen mit smaragdgrünen Augen und langen, schwarzen Haaren. Bewundernd lächelte sie Selena an. „Aber ich werde nie so gut sein wie du. Du hast fantastisch gespielt!“
„Stimmt, du warst gar nicht mal so übel, Moon“, stimmte Jake zu und klopfte Selena leicht auf die Schulter. Unter Selenas Freunden war er der Einzige, der immer noch ihren Spitznamen aus Kindertagen benutzte. Er zog sie gerne damit auf, weil er wusste, dass sie sich darüber ärgerte. Die meisten anderen Leute wussten nicht einmal, dass „Selena“ aus dem Griechischen kam und frei übersetzt „Mond“ bedeutete.
„Du warst auch nicht schlecht. Wenigstens bist du dieses Mal nicht auf die Nase gefallen“, gab Selena zurück und verdrehte die Augen. „Gehst du eigentlich zu der Party für die Schauspieler?“
Jake zuckte mit den Achseln. „Ich weiß noch nicht“, meinte er. „Irgendwie bin ich nicht so richtig in Partystimmung.“
Trotz der dicken Bühnenschminke auf seinem Gesicht bemerkte Selena, dass Jake dunkle Ringe unter den Augen hatte. Sie wollte ihn gerade fragen, was los war, als der Leiter des Schauspiel-Clubs auf sie zustürmte.
„Meinen Glückwunsch, Selena!“, rief er mit dröhnender Stimme. „Die heutige Vorstellung war ausgezeichnet! Besonders gut hat mir die Sache mit dem Taschentuch im letzten Akt gefallen. Damit hast du sogar mich überrascht!“
„Vielen Dank, Mr Riordan“, antwortete Selena mit einem Lächeln.
Der gut aussehende, grauhaarige Schauspiellehrer stieg auf einen Stuhl und bat um Aufmerksamkeit. „Wir treffen uns dann gleich alle auf der Party bei mir zu Hause!“, verkündete er über das Stimmengewirr hinweg. „Doch bevor ihr geht, möchte ich euch noch an das Vorsprechen für die Frühjahrsaufführung erinnern, das nächste Woche stattfindet. Ihr werdet euch freuen zu hören, dass ich einen Klassiker ausgesucht habe – Romeo und Julia.“
Diese Neuigkeit wurde mit einer Mischung aus Stöhnen und begeistertem Jubel aufgenommen.
„Romeo und Julia!“, dachte Selena aufgeregt. „Das ist meine große Chance, Shakespeare zu spielen!“ Als sie zu ihrem Spind ging, musste sie sich ihren Weg durch die laute, aufgeregte Menge der Schauspieler bahnen, die sich hinter der Bühne tummelten.
„He, Selena!“, rief Danny Morris. „Prima Vorstellung! Du warst echt cool!“
„Danke“, erwiderte Selena kurz angebunden und schob sich an dem stämmigen, blonden Jungen vorbei, der wie sie die Abschlussklasse der Highschool besuchte. Als sie die Enttäuschung auf seinem gebräunten Gesicht bemerkte, spürte sie leichte Gewissensbisse. „Vielleicht sollte ich ein bisschen netter zu ihm sein“, überlegte sie. „Schließlich haben wir uns früher mal sehr gern gehabt. Damals – aber das ist lange her …“
Heute konnte Selena allerdings nicht mehr verstehen, warum alle Mädchen an der Highschool von Danny so fasziniert waren. Inzwischen fiel es ihr sogar schwer, sich vorzustellen, dass sie ganze sechs Monate mit ihm gegangen war. Wie hatte sie seine Angeberei und seinen Egoismus bloß so lange ausgehalten?
„Sprichst du auch für eine Rolle im nächsten Stück vor?“, fragte Danny und baute sich vor ihr auf.
„Natürlich.“ Selena seufzte. Sie versuchte, um ihn herumzugehen, aber er bewegte sich keinen Zentimeter. „Danny, hör mal, ich hab’s eilig …“
„Du wirst bestimmt den Part der Julia bekommen“, sagte Danny beharrlich und ignorierte ihre Versuche, an ihm vorbeizukommen. „Rat mal, für welche Rolle ich vorspreche?“
„Das Ungeziefer im Schloss?“, witzelte Selena.
„Selena!“
Beim Klang der vertrauten Stimme ihrer besten Freundin, Katy Jensen, drehte Selena sich um. Katy, die den schwarzen Overall der Bühnenarbeiter trug, kam auf sie zugelaufen.
„Bis später“, wimmelte Selena Danny ab, als Katy sich näherte.
„Du warst großartig!“, schwärmte Katy. „Sogar noch besser als gestern.“ Begeistert umarmte sie ihre Freundin.
„Heute waren alle Schauspieler großartig“, sagte Selena bescheiden. „Und hinter der Bühne lief es auch perfekt.“
Katy wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. Ihr kurz geschnittenes dunkles Haar war zerzaust und ihr blasses, rundes Gesicht glänzte vor Schweiß.
„Es gab ein Problem mit der Beleuchtung“, erzählte sie. „Hast du es nicht bemerkt?“
„Überhaupt nicht“, erwiderte Selena.
„Einer der Scheinwerfer war nicht richtig eingestellt“, erklärte Katy. „Ich bin sofort raufgeklettert, als ich es gesehen habe.“ Sie zeigte hinauf zu dem schmalen Laufsteg hoch über der Bühne, an dem die Beleuchtungsanlage befestigt war.
Selena blickte nach oben und schauderte. „Wie bringt Katy es bloß fertig, dort hinaufzusteigen?“, fragte sie sich. Allein beim Anblick der schmalen Metallleiter wurde ihr ganz schwindelig.
Katy dagegen machten große Höhen nichts aus. Schon als sie beide noch klein gewesen waren, war sie immer diejenige gewesen, die auf die größten Bäume kletterte, während Selena lieber am Boden blieb.
„Wahrscheinlich ist Katy deswegen auch bei der Bühnenarbeiter-Crew“, dachte Selena und öffnete die Tür des großen Umkleideraums.
Hier hatten sich all ihre Freundinnen versammelt, die in dem Stück mitgespielt hatten. Für die Dauer der Aufführung diente der Raum als Ankleidezimmer für die Mädchen. „Die Spinde müssten auch mal repariert werden“, bemerkte Katy. „Ich glaube, es gibt keinen einzigen, der noch richtig schließt.“
Selena zuckte mit den Achseln.
„Und – bist du bereit für deine nächste Rolle?“, erkundigte sich Katy.
„Wie meinst du das?“, fragte Selena, während sie Alison mitfühlend zulächelte. Die Schwarzhaarige versuchte gerade ebenfalls, sich durch die Gruppe der Mädchen zu drängen.
„Na, komm schon.“ Katy lachte. „Es ist doch klar, dass du die Julia spielen wirst.“
„Das sagen alle. Dabei ist es noch gar nicht sicher, ob ich die Rolle bekomme“, wehrte Selena ab.
Katy schnaubte. „Du könntest genauso gut behaupten, es sei nicht sicher, ob die Sonne morgen wieder aufgeht! Alle wissen doch, dass du die perfekte Besetzung für die Julia bist. Ich meine, es ist das letzte Stück in diesem Jahr. Wenn du nicht die Hauptrolle spielst, wird sowieso niemand kommen.“
„So ’n Quatsch!“ Selena verdrehte die Augen. Warum musste Katy bloß immer so übertreiben? „Es ist ganz allein Mr Riordans Entscheidung“, fügte sie hinzu.
„Was ist meine Entscheidung?“ Mr Riordan hatte sich den Mädchen unbemerkt genähert.
„Wir sprechen gerade über die Rollenverteilung für die Frühjahrsaufführung“, erklärte Selena.
Mr Riordan nickte. „Die Besetzung des nächsten Stücks könnte besonders wichtig werden“, vertraute er ihnen an.
„Warum?“, fragte Katy neugierig.
„Nun, eigentlich ist es ja noch ein Geheimnis, aber … ich habe gerade erfahren, dass der Schauspiellehrer der Northwestern-Universität hier sein wird“, flüsterte Mr Riordan ihnen zu.
„Das ist ein Scherz, oder?“ Selena stockte der Atem. Diese Uni hatte eine der besten Schauspielabteilungen im ganzen Land.
„Nein, es stimmt“, versicherte er ihr. „Er besucht jedes Jahr eine andere Schule in der Gegend, um nach neuen Talenten Ausschau zu halten. Und dieses Jahr hat er sich die Highschool in Shadyside ausgesucht.“
„Wow!“, rief Selena. „Ich habe mich an der Northwestern beworben, aber ich kann dort nur studieren, wenn ich ein Stipendium bekomme.“
„Dann ist das deine große Chance“, sagte Mr Riordan augenzwinkernd. Er drehte sich um und ging auf den Bühneneingang zu. „Ich seh euch beide auf der Party!“
„Du hast mir gar nicht erzählt, dass du zum Studieren weggehen willst“, bemerkte Katy.
„Natürlich möchte ich das“, antwortete Selena. „Aber es ist nur ein Traum. Meine Mom verdient ja nicht mal genug Geld, um mich aufs Junior-College zu schicken.“
„Wenn dieser Schauspiellehrer dich die Julia spielen sieht, bekommst du das Stipendium bestimmt“, prophezeite ihr Katy.
„Das wäre zu schön, um wahr zu sein“, meinte Selena. „Aber ich glaube es erst, wenn es so weit ist.“
Die meisten anderen Mädchen waren inzwischen verschwunden. Selena riss die Tür ihres Spinds auf. Ihr Rucksack hing immer noch dort, wo sie ihn vorhin aufgehängt hatte, aber darunter lag ein riesiger Blumenstrauß, der in blau gestreiftes Papier eingewickelt war.
„Was ist denn das?“, fragte Katy und blickte Selena über die Schulter.
„Cool!“, rief Selena. „Ich wüsste zu gerne, von wem die sind!“
„Mach doch mal auf!“, drängte Katy.
Vorsichtig holte Selena den eingewickelten Strauß aus dem Spind. Sie riss das Papier ein Stück auf, warf einen Blick hinein – und schnappte vor Entsetzen nach Luft.
2
Geschockt blickte sie die Blumen an und ließ sie dann zu Boden fallen.
Beide Mädchen starrten mit offenem Mund auf lauter verwelkte, schwarze Rosen.
„Wie eklig!“, schrie Katy und presste die Hände gegen die Wangen.
„Halb verfaulte Blumen“, stöhnte Selena. „Echt makaber!“
Dann bemerkte sie den kleinen, weißen Umschlag, der unter das Gummiband geschoben war, das die schlaffen Stängel zusammenhielt. Sie beugte sich hinunter und hob ihn auf. Mit zitternden Fingern zog Selena eine mit Schreibmaschine geschriebene Karte heraus und las:
Liebe Selena,
meinen Glückwunsch!
Ich hoffe, Du hast den Applaus genossen, denn es war vielleicht Dein letzter Auftritt.
Wusstest Du schon, dass Du die Schauspielerei aufgeben wirst – um mit mir zusammen zu sein?
Und zwar für immer.
Selena stand wie erstarrt da und blickte auf den schwarzen Strauß hinunter. „Was für ein perverser Einfall!“, rief sie, plötzlich wütend.
Katy hielt sich die Nase zu. Der faulige Gestank der Blumen war kaum zu ertragen. „Warum sollte jemand so etwas tun?“
Selena überflog noch einmal die Nachricht. „Schau dir das an!“ Sie tippte unten auf die Karte. Dort befand sich keine Unterschrift, sondern ein leuchtend orangefarbener Aufkleber, der die Form einer Sonne hatte. Selena kratzte mit dem Fingernagel daran herum.
„Was hat das zu bedeuten?“, fragte Katy.
Selena zuckte mit den Achseln. „Es ist nur ein Aufkleber. So ein Sticker, wie ihn kleine Kinder sammeln.“
„Aber was soll er auf der Karte?“, beharrte Katy.
„Wen interessiert das schon?“, fauchte Selena. Mit angehaltenem Atem hob sie den widerlichen Strauß auf und warf ihn in den Mülleimer in der Ecke des Umkleideraums. „Wahrscheinlich ist das nur ein dummer Witz.“
„Ein Witz?“, rief Katy. „Spinnst du? Wer sollte wohl halb verfaulte Blumen für witzig halten?“
„Jemand mit einem ziemlich abartigen Humor“, antwortete Selena. „Jemand wie … wie Jake!“
„Was? Jake?“
„Seitdem wir Kinder waren, spielt er mir doch ständig Streiche.“
„Mag sein, aber das hier ist nicht sein Stil“, gab Katy zu bedenken. „Und außerdem glaube ich nicht, dass Jake im Moment in der Stimmung für dumme Streiche ist.“
„Und warum nicht?“
„Ist es dir denn nicht aufgefallen?“, fragte Katy. „Jake verhält sich in letzter Zeit echt merkwürdig. Heute ist er total in die Luft gegangen, nur weil ich ihn gebeten habe, mir eins der Requisiten zu geben.“
„Stimmt. Er sah auch ziemlich erschöpft aus“, meinte Selena. „Ich möchte mal wissen, was mit ihm los ist.“ Während sie ihrer Freundin zum Parkplatz folgte, grübelte sie weiter darüber nach.
„Ich glaube immer noch, dass Jake mir die Blumen geschickt hat“, nahm Selena den Faden wieder auf, als sie vor Katys Wagen standen, der unter einer großen, alten Eiche geparkt war. „Nachher werde ich ihn fragen.“
Selena fröstelte, als sie darauf wartete, dass Katy die Wagentür öffnete. Es war eine kühle, bedeckte Nacht, und die Äste der Bäume tanzten im heftigen Wind.
„Ich hoffe auch, dass es Jake war“, seufzte Katy und zog die Autoschlüssel aus der Jackentasche. „Aber diese Nachricht klingt, als hätte sie jemand geschrieben, der ziemlich durchgeknallt ist.“
Als Katy vom Parkplatz fuhr, war Selena im Geiste bereits bei der Frühjahrsaufführung. Sie sah schon genau vor sich, wie sie das Vorsprechen beginnen würde, welche Szenen sie auswendig lernen würde …
„Erde an Selena. Bitte kommen!“ Katys Stimme unterbrach ihre Gedanken.
„Hä?“ Selena blinzelte ihre Freundin verwirrt an.
Katy prustete laut los. „Wo bist du eigentlich mit deinen Gedanken?“, rief sie. „Wenn du die ganze Nacht im Auto sitzen bleibst, kannst du dich schlecht für die Party umziehen.“
„’tschuldigung“, murmelte Selena, die erstaunt feststellte, dass sie bereits vor ihrem Haus in der Fear Street parkten. „Ich habe nur gerade an Romeo und Julia gedacht.“
Katy verdrehte die Augen. „Hast du eigentlich noch irgendwas anderes im Kopf außer dem Theater?“
„Na ja, ab und zu denke ich auch mal an Jungen“, witzelte Selena. Sie ging vor ihrer Freundin den unebenen Plattenweg zum Haus hoch, öffnete die Tür und schaltete das Licht an. „Schade, dass Mom diesen Monat Spätdienst hat“, seufzte sie. „Ich hätte mir so gewünscht, dass sie sich die Aufführung ansieht.“
„Beim nächsten Stück ist sie bestimmt dabei“, sagte Katy tröstend.
„Falls ich die Rolle bekomme“, erinnerte Selena ihre Freundin. Sie rückte den abgetretenen Läufer im Flur zurecht und stieg die quietschenden Treppenstufen hoch.
„Was für eine Bruchbude“, dachte Selena. Sie hasste es, in einem solch schäbigen Haus zu leben, aber sie wusste auch, dass ihre Mutter sich nichts Besseres leisten konnte. Seit Selenas Vater gestorben war, war das Geld knapp.
„Wer sollte denn sonst die Julia spielen?“, beharrte Katy und folgte Selena in ihr Zimmer. „Okay, Alison ist gut, aber nicht so gut wie du. Das behauptet sie sogar selber.“
„Das sagt sie doch nur aus Höflichkeit“, antwortete Selena und warf ihren Rucksack auf die rosa und weiß gemusterte Überdecke ihres Bettes.
Katy setzte sich daneben. „Ich könnte dir helfen, deinen Text für das Vorsprechen zu lernen“, bot sie an.
„Mal sehen“, erwiderte Selena ausweichend. Dabei wusste sie jetzt schon, dass sie keine Hilfe wollte – sie lernte ihren Text lieber alleine. „Warum sprichst du nicht auch für eine Rolle vor?“, schlug sie Katy vor. „Es zwingt dich doch niemand, bei der Bühnencrew mitzumachen.“
Katy schnaubte abwehrend. „Ich bin doch viel zu dick für die meisten Rollen.“ Sie hatte ungefähr zehn Kilo Übergewicht und war deswegen sehr unsicher.
„Warum machst du dich selber immer so schlecht?“ Selena versuchte, sich ihren Ärger nicht anmerken zu lassen. „In diesem Stück gibt es jede Menge Rollen, die für dich infrage kämen. Vielleicht könntest du Julias Amme spielen.“
Als ihre Freundin keine Antwort gab, griff Selena nach einem Wattepad und begann, sich abzuschminken.
„Selena?“, fragte Katy nach einer Weile. „Als wir noch klein waren, hättest du dir da jemals träumen lassen, dass du einmal so beliebt sein würdest?“
„Natürlich nicht“, antwortete Selena. „Ich habe geglaubt, ich würde immer dick und schüchtern bleiben.“
„Wie ich“, murmelte Katy.
Selena ignorierte sie. „Aber als ich anfing, mich fürs Theaterspielen zu interessieren, habe ich aufgehört, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, ob die anderen mich mögen. Ich wollte nur noch eine gute Schauspielerin sein.“
„Es ging alles so schnell“, bestätigte Katy leise. „Ich meine, du hast einen Schauspielkurs belegt – und das war’s! Du hast abgenommen, angefangen, mit Danny auszugehen, und gleich im ersten Stück, in dem du mitgespielt hast, warst du der Star.“
„Ich hatte doch nur Glück“, wandte Selena ein. „Das Mädchen, das die Hauptrolle hatte, musste damals die Schule verlassen.“
„Mag sein“, erwiderte Katy. „Aber jeder weiß, dass du die beste Schauspielerin der ganzen Highschool bist. Vielleicht hast du sogar das Zeug für eine professionelle Karriere.“
Katy ließ sich gegen einen Stapel Kissen sinken und seufzte tief auf. „Ich hoffe, du wirst niemals so berühmt, dass du nicht mehr meine Freundin sein willst.“
„Natürlich nicht!“, rief Selena. „Wenn ich später mal den Oscar gewinne, werde ich aufstehen und sagen: ,Ich möchte meiner besten Freundin Katy Jensen danken, deren Bereitschaft, auf den Beleuchtungssteg zu klettern, all dies erst möglich gemacht hat.‘“
Sie lachten beide.
Nachdem Selena sich abgeschminkt hatte, öffnete sie ihren Kleiderschrank und zog ein Paar Jeans und einen grünen Pullover heraus.
„Sind die Jeans neu?“, fragte Katy. „Welche Größe ist das? 34?“
„Nein, Größe 38“, antwortete Selena lachend. „So dünn bin ich nun auch wieder nicht.“
„Im Vergleich zu früher schon“, bemerkte Katy spitz. „Und im Vergleich zu mir erst recht.“
„Du könntest ja auch abnehmen“, schlug Selena vor. „Ich bin schließlich keine Diät-Göttin oder so was. Probier’s doch mal!“
„Na klar – schaff ich doch locker!“, spottete Katy.
„Das meine ich ernst“, beharrte Selena. „Ich habe abgenommen, weil ich unbedingt Theater spielen wollte. Mir war klar, dass ich keine Hauptrollen bekommen würde, wenn ich nicht endlich aufhören würde, so viel zu essen.“
„Das ist der Unterschied zwischen uns“, meinte Katy wehleidig. „Mich hat eben noch nie etwas so fasziniert wie dich das Theaterspielen.“
Selena warf ihrer Freundin einen ärgerlichen Blick zu. „Dann such dir doch etwas, was dich interessiert“, sagte sie leicht genervt. Geschickt nahm sie ihr Haar zurück und fasste es mit einem grünen Band zusammen. „Wie sehe ich aus?“, fragte sie.
„Wunderbar“, antwortete Katy. Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Wir sollten uns besser auf den Weg machen.“
„Ich möchte aber auch nicht zu früh da sein“, meinte Selena. „Wir …“
Sie brach ab, als es gegen ihr Zimmerfenster klopfte.
Es war ein zaghaftes Klopfen, das immer lauter wurde. Dann folgte ein dumpfer Schlag.
Selena fuhr herum. Ihre Augen waren vor Schreck weit aufgerissen. „Katy …“, stieß sie hervor. „Da ist jemand am Fenster! Jemand beobachtet uns!“
3
Selena bemerkte die Angst auf Katys Gesicht, als sie sich beide zum Fenster umdrehten. In diesem Moment ertönte ein lautes Krachen.
„Du hast recht!“, schrie Katy. „Da draußen ist jemand!“
Ohne auf ihr Herzklopfen zu achten, raste Selena zum Fenster und starrte hinaus in die tiefe Dunkelheit.
„Siehst du was? Wer war das?“, flüsterte Katy mit kaum hörbarer Stimme.
„Da ist niemand“, berichtete Selena und blickte angestrengt auf den schmalen Rasenstreifen neben dem Haus hinunter. „Ich … ich habe mich wohl nur erschrocken. Wir sind hier schließlich im ersten Stock. Wie sollte da jemand …“
„Aber was war das für ein Krachen?“, fragte Katy, die die Arme schützend vor der Brust verschränkt hatte.
„Es ist ziemlich stürmisch. Vielleicht hat der Wind irgendetwas umgeweht“, überlegte Selena laut. Dann überlief sie ein Frösteln. Der Gedanke, dass ihr jemand durch das Fenster beim Umziehen zugesehen hatte, war wirklich Furcht einflößend.
Aber das konnte gar nicht sein. „Es ist unmöglich, dass irgendjemand hereingeschaut hat“, versicherte sie Katy. „Wir sind viel zu weit oben.“
„Wahrscheinlich hast du recht“, stimmte Katy zögernd zu, den Blick immer noch aufs Fenster gerichtet.
„Lass uns jetzt lieber auf die Party gehen.“ Selena schnappte sich ihre Tasche und sprang leichtfüßig die hölzerne Treppe hinunter. Katy hielt sich dicht hinter ihr.
Selena riss die Eingangstür auf. Der Sturm war stärker geworden und zerrte an ihren blonden Locken, als sie die Tür abschloss.
„Es war tatsächlich der Wind!“, rief Katy. „Sieh doch!“
Selena schaute in die Richtung, in die ihre Freundin zeigte. Eine lange Leiter aus Metall lag auf dem Rasen vor dem Haus.
„Sie muss umgeweht worden sein“, meinte Katy.
„Aber was hat sie überhaupt hier zu suchen?“, stieß Selena hervor.
„Genau unter deinem Fenster“, murmelte Katy.
Ungläubig starrte Selena die Leiter an. Hatte ihr etwa doch jemand beim Anziehen zugesehen? Als sie zu ihrem Fenster aufblickte, lief ihr ein kalter Schauer den Rücken hinunter.
„Das ist irgendwie unheimlich“, flüsterte Katy. „Erst die verwelkten Rosen und die merkwürdige Karte. Und jetzt …“ Sie schluckte. „Meinst du, jemand verfolgt dich? Spioniert dir etwa jemand hinterher?“
„Bleib auf dem Teppich, Katy!“, schimpfte Selena und blickte auf die umgefallene Leiter. Es war sehr windig, und auf der Straße waren keine Leute oder Autos zu sehen. Wenn jemand durch ihr Fenster geschaut hatte, musste er mit der Leiter umgekippt sein. Aber dann hätte er von hier verschwinden müssen – und vermutlich hätten sie einen Wagen wegfahren hören.
„Es gibt noch eine andere Erklärung“, sagte Selena. „Vielleicht hat meine Mutter irgendwas am Haus repariert und dann vergessen, die Leiter wieder wegzustellen.“
„Könnte sein“, meinte Katy. „Aber das bezweifle ich.“
„Bitte hilf mir, sie in die Garage zu bringen“, bat Selena. Sie beugte sich hinunter und griff nach dem einen Ende der Leiter. Katy griff nach dem anderen – und hielt mitten in der Bewegung inne.
„Sieh doch mal!“, rief sie und deutete auf die unterste Sprosse.
Als Selena genauer hinschaute, bemerkte sie einen kleinen, orangefarbenen Kreis.
Es war ein Sonnen-Aufkleber.
4
„Ich halte das Ganze nach wie vor für einen dummen Streich“, erklärte Selena, als sie mit Katy Richtung North Hills fuhr.
Katy schnaubte. „Ein ziemlich makabrer Streich! Ich finde es jedenfalls nicht sehr witzig, dir verfaulte Blumen zu schicken und dir hinterherzuspionieren.“
„Wir wissen doch gar nicht, ob wirklich jemand auf der Leiter war“, wandte Selena ein.
„Und was ist mit diesen Sonnen-Aufklebern?“ Katy ließ nicht locker. „Hältst du das vielleicht auch für einen albernen Scherz?“
Selena antwortete nicht, sondern blickte aus dem Wagenfenster auf die großen, alten Bäume, die die Old Mill Road säumten. Sie konnte es kaum noch erwarten, zur Party zu kommen. Dort würde sie bestimmt aufhören, über Aufkleber und Blumen und Leitern nachzudenken, und sich einfach nur amüsieren.
Aber Katy weigerte sich, das Thema fallen zu lassen. Sie schien ernsthaft beunruhigt zu sein. „Vielleicht hat dich irgend so ein Psychopath in der Aufführung gesehen. Und jetzt ist er hinter dir her!“
Selena starrte weiter.
„Ich habe neulich einen Artikel über diese verrückten Typen gelesen, die hinter Schauspielern und Rockstars her sind“, fuhr Katy fort. „Sie folgen ihnen überallhin und beobachten sie rund um die Uhr …“
Selena lachte. „Prima Theorie, Katy. Aber ich bin nicht berühmt.“
„In Shadyside schon“, widersprach Katy. „Immerhin bist du die Starschauspielerin der Highschool. Vielleicht ist es irgendein Junge aus unserer Schule, der dich liebt oder hasst oder so.“
Selena zuckte mit den Achseln.
„Leute, die anderen auflauern und sie bespitzeln, können ziemlich gefährlich sein“, fügte Katy hinzu. „Manchmal bringen sie sogar jemanden um.“
„Aber der Typ hat doch bloß ein paar Aufkleber für mich hinterlassen!“, wehrte Selena ab. „Und wenn es jemand aus der Schule wäre, müsste ich ihn kennen. Es ist wahrscheinlich jemand, der … Ich hab’s!“
„Wer?“
„Danny Morris“, sagte Selena.
„Danny?“, fragte Katy ungläubig. „Warum sollte Danny dir hinterherschnüffeln?“
„Ich meine doch nicht, dass er mir nachspioniert“, seufzte Selena und verdrehte die Augen. „Er möchte, dass wir wieder zusammenkommen.“
„Ach du meine Güte!“, rief Katy. „Ihr habt euch doch schon vor einem Jahr getrennt.“
„Ich weiß“, antwortete Selena. „Aber er geht mir immer noch auf die Nerven. Er kann offenbar nicht kapieren, dass ich ihn nicht zurückhaben will. Ich wünschte, er würde mich endlich in Ruhe lassen.“
„Wenn ich ihn irgendwie dazu bringen könnte, mich zu beachten, würde ich ihn dir gerne abnehmen!“, scherzte Katy.
Selena runzelte die Stirn. „Warum machst du dich eigentlich immer so schlecht?“
„Aber es stimmt doch“, beharrte Katy. „Er würde sich nie mit jemandem wie mir abgeben. Er interessiert sich nur für schlanke, hübsche Mädchen. Für Mädchen wie dich.“
Selena zuckte mit den Achseln und blickte auf die Uhr. „Wenn wir ankommen, wird die Party wahrscheinlich schon in vollem Gange sein“, stellte sie fest.
„Ja“, erwiderte Katy geistesabwesend. „Ich habe übrigens gehört …“ Sie brach ab.
„Was hast du gehört?“
Katy gab keine Antwort, sondern starrte in den Rückspiegel. Dann bog sie ohne Vorwarnung scharf nach rechts ab.
„Katy?“, versuchte Selena die quietschenden Reifen zu übertönen. „Was soll das? Mr Riordans Haus liegt in der anderen Richtung!“
„Ich weiß“, antwortete ihre Freundin. „Aber wir werden verfolgt.“
„Was?“ Selena drehte sich auf dem Sitz um und blickte in helles Scheinwerferlicht.
Wieder fuhr Katy eine scharfe Rechtskurve. Die Scheinwerfer verschwanden für einen Moment und tauchten kurz darauf wieder auf.
„Hey, er bleibt an uns dran!“, schrie Katy. „Das muss der Typ sein, der dich verfolgt, Selena! Er versucht, uns von der Straße abzudrängen!“
5
Selena stützte sich mit den Händen am Armaturenbrett ab, als Katy mit quietschenden Reifen um die nächste Ecke bog. Der Wagen schlitterte auf den Bordstein und holperte dann auf die Straße zurück.
„Katy, pass doch auf!“, rief Selena erschrocken.
„Er ist immer noch hinter uns!“, antwortete Katy mit zitternder Stimme. „Er hängt uns praktisch an der Stoßstange! Was sollen wir denn nur tun?“
„Beruhige dich“, sagte Selena. „Das ist sicher nur irgendein Witzbold. Dreh um und fahr wieder in Richtung North Hills. Sobald wir vor dem Haus von Mr Riordan anhalten, verschwindet er bestimmt.“
„Bist du verrückt?“, kreischte Katy und umklammerte das Lenkrad. „Wenn er uns bis zum Haus folgt …“
„… haut er garantiert ab“, versicherte Selena. „Er wird es nicht wagen, ins Haus zu kommen. Dort sind wir sicher.“
„Aber …“
„Hast du vielleicht eine bessere Idee?“
„Nein“, musste Katy zugeben. „Du hast recht.“ Sie wendete an der nächsten Ampel und raste zurück in Richtung North Hills. Jedes Mal, wenn sie die Spur wechselte, tat es auch ihr Verfolger. Und wenn sie Gas gab oder bremste, passte der andere Wagen seine Geschwindigkeit der ihren an und blieb dicht hinter ihnen.
„Sobald wir bei Mr Riordan angekommen sind, rufe ich die Polizei“, knurrte Katy.
Endlich bogen sie in die große, halbkreisförmige Auffahrt vor Mr Riordans Haus ein. Der andere Wagen hielt mit quietschenden Reifen hinter ihnen.
„Und jetzt?“, rief Katy. Sie zog die Handbremse an und warf einen Blick zurück. „Ich steige auf keinen Fall aus, solange er noch da ist!“
„Ich … ich weiß auch nicht, was wir jetzt tun sollen“, stotterte Selena. „Vielleicht solltest du hupen …“
Katy blickte mit zusammengekniffenen Augen und angespanntem Gesicht in den Rückspiegel. Selena bemerkte, wie plötzlich Entsetzen in den Augen ihrer Freundin aufflackerte. „Oh nein!“, stieß Katy hervor. „Er steigt aus und kommt auf uns zu! Wir sitzen in der Falle!“
6
„Danny!“, atmete Katy auf.
„Ich glaub’s einfach nicht!“, knurrte Selena. Sie riss die Tür auf, sprang aus dem Wagen und marschierte los, um Danny zur Rede zu stellen. „Warum verfolgst du uns?“, schrie sie ihn an. „Warum versuchst du, uns einen Schrecken einzujagen?“
„Hey“, sagte Danny beschwichtigend und grinste sie an. Seine Augen blitzten im Licht der Autoscheinwerfer. „Das war doch nur Spaß. Ich dachte, ich verschaffe euch mal einen kleinen Nervenkitzel.“
„Spaß?“, rief Katy mit schriller Stimme. „Du hast uns beinahe von der Straße abgedrängt.“
„Tut mir leid.“ Sein Grinsen wurde noch breiter. „Aber ich bin nun mal so gerne in Selenas Nähe.“ Selena seufzte. „Danny ist ein totaler Kindskopf“, dachte sie. „Und es ist mir völlig egal, wie gut er aussieht.“
„Selena“, murmelte Danny und kam näher. Er beugte sich so weit vor, dass sie sein Pfefferminzkaugummi riechen konnte. „Da ist etwas, was ich dir sagen möchte.“
Selena sprang ein Stück zur Seite, verärgert darüber, dass er ihr so nahe gekommen war. „Spar dir das für später!“, zischte sie ihn an und folgte Katy zum Haus, ohne seinem verletzten Gesichtsausdruck Beachtung zu schenken.
Als Selena schwungvoll die Eingangstür öffnete, schlugen ihr dröhnende Musik, Gelächter und Stimmengewirr entgegen. Eine Girlande aus roten und weißen Ballons war quer durchs Wohnzimmer gespannt.
„Na, wen haben wir denn da?“, rief Mr Riordan und kam ihnen entgegen. „Unsere großartige Hauptdarstellerin!“
„Danke, vielen Dank“, sagte Selena und machte einen übertriebenen Knicks.
„Pizza und Getränke findet ihr drüben beim Kamin“, informierte Mr Riordan die Neuankömmlinge. „Holt euch etwas zu essen und kommt dann wieder her. Ich habe eine wichtige Ankündigung zu machen.“
„Pizza, lecker! Ich bin halb verhungert!“, freute sich Selena.
„Ich auch!“, meinte Katy. „Aber ich habe ja immer Hunger.“
Während die Mädchen sich einen Weg zum Büffet bahnten, registrierte Selena, dass der Schauspiel-Club schon fast vollzählig versammelt war. Sie entdeckte auch Alison, die sich in einer Ecke mit Jake unterhielt.
„Ich darf nicht vergessen, Jake wegen der schwarzen Rosen und der Nachricht auf den Zahn zu fühlen“, nahm Selena sich vor.
„Hey, wer ist denn der tolle Typ da drüben?“, fragte Katy, als Selena sich gerade ein Ginger Ale eingoss. Neugierig blickte sie auf und entdeckte einen großen Jungen, der neben Mr Riordan stand. Er trug seine braunen Haare ziemlich lang und hatte strahlende, dunkle Augen und ein sympathisches Lächeln.
„Ich habe ihn noch nie gesehen“, antwortete Selena. Der Fremde sah älter aus als die meisten anderen Jungen auf der Party. Zu ihrer Überraschung schaute er ihr plötzlich direkt in die Augen – so, als würde er sie kennen.
„Achtung!“, rief Mr Riordan in diesem Augenblick. „Kommt bitte alle mal her!“
Selena balancierte ihren Teller mit Pizza und Chips vorsichtig durch das Gedränge und ließ sich in einem Sessel in der Nähe von Mr Riordan nieder.
„Dies ist Eddy Martin“, verkündete der Schauspiellehrer und zeigte auf den jungen Mann. „Er studiert im zweiten Jahr Schauspiel am Junior College von Waynesbridge. Im Rahmen seines Studiums wird Eddy für den Rest des Semesters bei uns bleiben. Er wird an unseren Schauspielkursen teilnehmen und mich bei den Proben für das nächste Stück unterstützen.“
„Komisch, wir hatten doch bis jetzt noch nie einen Praktikanten“, flüsterte Katy Selena zu.
Selena hörte ihr gar nicht richtig zu, weil ihr Blick wie gebannt an dem Neuen hing. Er schaute sich im Raum um, nickte und lächelte allen zu. Aber Selena ging der Blick, den er ihr zugeworfen hatte, nicht aus dem Kopf.
„Mir ist so, als hätte ich ihn schon mal irgendwo gesehen“, murmelte sie nachdenklich.
„Also, wenn ich den schon mal irgendwo gesehen hätte, würde ich mich garantiert daran erinnern“, witzelte Katy. „Ich frage mich, ob er wohl auch für die Bühnenarbeiter zuständig ist.“
Selena drehte sich zu ihrer besten Freundin um und lächelte sie an. „Warum gehst du nicht einfach hin und findest es raus?“
Katy grinste. Sie erhob sich aus dem Sessel neben Selena und ging auf Eddy und Mr Riordan zu. Selena beobachtete, wie die drei sich für einen Moment unterhielten. Dann ging Katy zum Büffet zurück.
Gerade hatte Selena beschlossen, dasselbe zu tun, als Eddy sich plötzlich in dem leeren Sessel neben ihr niederließ. „Hallo“, sagte er und schenkte Selena ein atemberaubendes Lächeln. „Ich wollte mich nur vorstellen. Mein Name ist Eddy.“
„Willkommen in Shadyside“, antwortete sie. „Ich bin Selena Goodrich.“
„Das weiß doch jeder“, erwiderte Eddy. „Ich habe dich in allen Stücken in diesem Jahr gesehen. Du bist sehr talentiert.“
„D… danke“, stammelte Selena ein wenig verlegen. „Wahrscheinlich bist du es gewöhnt, dass die Leute dir Komplimente machen“, fuhr Eddy fort. „Du bist ein echtes Naturtalent. Ich fand dich schon wunderbar, als du vor zwei Jahren den Part von Simone Perry übernommen hast. Das war deine erste Hauptrolle, nicht wahr?“
„Äh, ja. Woher weißt du das?“
„Ich habe das Stück gesehen“, meinte Eddy.
„Das ist nicht dein Ernst!“ Selena war verblüfft. Eddy hatte sie schon vor zwei Jahren auf der Bühne gesehen und erinnerte sich noch daran, wie sie gespielt hatte? Selena schaute ihn forschend an. Irgendetwas an ihm kam ihr vertraut vor.
„Ich habe fast alle Stücke gesehen, in denen du aufgetreten bist“, fügte Eddy hinzu. „Ich finde es übrigens bewundernswert, dass du trotz der vielen Aufführungen deinen Notendurchschnitt gehalten hast. Das schaffen nicht viele.“
„Na ja, ich brauche nun mal gute Noten, wenn ich studieren will“, antwortete Selena verwirrt. In ihrem Kopf drehte sich alles. Woher wusste Eddy, wie sie in der Schule stand?
„Du scheinst ja ganz schön viel über mich zu wissen“, sagte sie und versuchte, es möglichst beiläufig klingen zu lassen.
Eddy blickte sie eindringlich an. „Ich weiß eine Menge über die ganze Schauspielabteilung. Schließlich werde ich die nächste Zeit hier arbeiten – auch mit dir.“
Für einen Moment antwortete Selena nicht. Eddys Interesse an ihr kam ihr irgendwie seltsam vor. Seitdem er sich neben sie gesetzt hatte, sah er sie unverwandt an. Doch auch als Selena sein Gesicht genauer betrachtete, entdeckte sie darin nichts als freundliche Aufmerksamkeit.
„Wann fängt eigentlich dein Praktikum an?“, fragte sie schließlich.
„Zum Vorsprechen für Romeo und Julia werde ich schon hier sein.“ Er beugte sich näher zu Selena und flüsterte ihr zu: „Ich kann es gar nicht erwarten, dich als Julia zu sehen.“
Darauf fiel Selena keine Entgegnung ein. Eddy sah sie weiterhin mit seinem eindringlichen Blick an. Seine dunklen Augen schienen regelrecht zu glühen.
„Eddy!“ Mr Riordans Stimme unterbrach Selenas Gedanken. „Komm doch bitte mal her! Hier ist jemand, den ich dir vorstellen möchte.“
„Wir sehen uns später noch“, sagte Eddy und warf Selena ein Lächeln zu, das einen Stein hätte dahinschmelzen lassen.
„Du freundest dich wohl gerade mit unserem neuen Praktikanten an, was?“ Selena sah auf, als Katy sich wieder in den Sessel neben ihr fallen ließ.
„Könnte man so sagen“, antwortete Selena, die sich immer noch ein bisschen benommen fühlte. „Er ist ziemlich besitzergreifend.“
„Und außerdem echt süß!“, erklärte Katy.
„Ach, wirklich? Ist mir gar nicht aufgefallen“, witzelte Selena. Als ihr Blick auf Jake fiel, der ganz alleine in einer Ecke saß, stand sie auf. „Bin gleich zurück“, rief sie Katy zu.
Selena ging quer durch den Raum und ließ sich neben Jake aufs Sofa fallen. „Hallo, Jake!“, begrüßte sie ihn und machte es sich bequem.
„Hallo, Moon“, erwiderte Jake tonlos.
„Was ist los mit dir?“, fragte Selena. „Du siehst irgendwie bedrückt aus.“
„Na und?“, blaffte er sie an. „Gibt es vielleicht ein Gesetz, das besagt, dass man immer fröhlich sein muss?“
„Nein, natürlich nicht“, sagte Selena und wich ein Stück zurück. Warum hatte Jake denn bloß so schlechte Laune?
„Übrigens“, begann sie vorsichtig, „hast du heute ein kleines Geschenk in meinem Spind deponiert?“
„Wie bitte? Ein Geschenk?“
„Na ja, diesen entzückenden Strauß verwelkter Rosen.“
„Bist du übergeschnappt?“, explodierte Jake. „Wovon redest du eigentlich?“
„Beruhige dich! War ja nur ’ne Frage“, lenkte Selena ein. „Jemand hat diese Blumen in meinen Spind gelegt und da dachte ich, du könntest es gewesen sein. Du hast mir doch schon öfter mal einen Streich gespielt.“
„Danach war mir aber in letzter Zeit nicht gerade zu Mute“, knurrte Jake. „Und außerdem finde ich welke Blumen ziemlich makaber.“
Selena nickte. „Es war auch eine Karte dabei, auf der stand, das sei heute Abend meine letzte Vorstellung gewesen.“
Jake starrte sie mit offenem Mund an. „Das hältst du für einen Streich?“, rief er. „Also für mich klingt das total pervers!“
„Aber das ist noch nicht alles“, fuhr Selena fort. „Der Typ muss uns sogar bis zu mir nach Hause verfolgt haben. Katy und ich sind sicher, dass jemand vorhin mit einer Leiter zu meinem Fenster hochgeklettert ist und uns beobachtet hat.“
Jake schluckte. „Vielleicht solltest du das Mr Riordan erzählen. Oder die Polizei anrufen. Am besten wäre es, du zeigst ihnen diese Karte, die bei den Blumen war.“ Selena dachte darüber nach. „Vielleicht sollte ich wirklich mit Mr Riordan sprechen.“ Sie stand auf und ging hinüber zu ihrem Lehrer, der ausnahmsweise mal alleine dastand.
„Was ist los, Selena?“, erkundigte er sich. „Du siehst so besorgt aus.“
„Na ja, da ist etwas, worüber ich gerne mit Ihnen sprechen würde“, setzte sie an. „Ich meine, es ist wahrscheinlich gar nicht so wichtig, aber …“
Selena wurde von einem energischen Klopfen an der Haustür unterbrochen, das so laut war, dass es die Musik und das Stimmengewirr in dem überfüllten Raum übertönte.
„Oh?“ Erstaunt schnappte sie nach Luft und wandte sich – wie alle anderen auch – zum Eingang um.
Langsam öffnete sich die Tür, und ein tiefes Stöhnen drang ins Wohnzimmer, wo es mit einem Mal totenstill geworden war. Dann stolperte eine vertraute Gestalt in den Raum. Selena verschlug es vor Entsetzen den Atem.
Es war Danny Morris. Sein sonst so gut aussehendes Gesicht war mit geronnenem Blut verkrustet. „Hilf mir, Selena!“, ächzte er. Er taumelte vorwärts und streckte seine blutverschmierten Hände nach ihr aus.
Dann brach er mit einem furchtbaren Wimmern zu ihren Füßen zusammen und blieb dort reglos liegen.
7
Selena schrie gellend auf und blickte fassungslos auf die verkrümmte Gestalt zu ihren Füßen, die in einer dunklen Pfütze Blut lag.
In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken wild durcheinander. Sie stand wie angewurzelt da – zu entsetzt, um sich zu bewegen. Zu erschrocken, um zu helfen.
Danny regte sich. Er hob den Kopf und stöhnte: „Lieber sterbe ich, als ohne dich zu leben!“
Selena zitterte jetzt am ganzen Körper. War das sein Ernst? Hatte er sich ihretwegen etwas angetan?
„Danny – nein!“, rief sie.
Als er ihre Stimme hörte, setzte er sich abrupt auf, zog ein Taschentuch hervor und begann, sich das Blut vom Gesicht zu wischen. Dann sah er zu ihr hoch und grinste. „Na, wer ist der beste Schauspieler hier im Raum?“
„Du … du blöder Idiot!“, schrie Selena aufgebracht.
Danny warf den Kopf zurück und lachte. „Du hast doch wohl nicht ernsthaft geglaubt, dass ich mich für dich umbringen würde, oder?“
Selena blickte auf ihn hinunter. Sie wusste, dass alle im Raum sie beobachteten und sich wahrscheinlich köstlich amüsierten.
Danny schüttelte den Kopf. „Wow! Ich hätte nicht gedacht, dass du so eingebildet bist.“
Mit hochrotem Gesicht wandte Selena sich ab. Sie hörte vereinzeltes Gelächter und dann begannen die anderen, hinter ihrem Rücken zu flüstern.
Selena atmete tief durch, um sich zu beruhigen. „Tolle Vorstellung, Danny“, sagte sie und versuchte, ihre Stimme möglichst cool klingen zu lassen. „Damit hättest du glatt den Oscar in der Kategorie Volltrottel gewinnen können.“
„Das war ein ziemlich dummer Spaß“, schaltete sich jetzt auch Mr Riordan mit strenger Stimme ein. „Du hast uns damit einen Riesenschrecken eingejagt!“
Danny stand auf. „Ich konnte einfach nicht widerstehen“, meinte er achselzuckend. „Eigentlich wollte ich nur allen hier beweisen, dass ich schauspielern kann. Jetzt ist ja wohl klar, wer die Rolle des Romeo bekommt!“
„Ich bin mir nicht sicher, ob wir dich überhaupt in der Frühjahrsaufführung auftreten lassen sollten!“, versetzte Mr Riordan und schüttelte den Kopf. „Dein Verhalten …“
„Aber das war doch nur Spaß!“, protestierte Danny.
„Ja, wir haben uns beinahe totgelacht“, erwiderte der Schauspiellehrer sarkastisch. „So, und jetzt lasst uns die Musik wieder anmachen, okay?“ Er wandte sich ab und ging hinüber zum CD-Player.
Selena beschloss, ein bisschen frische Luft zu schnappen, und ging quer durch den Raum zur Terrassentür.
„Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass du mit diesem Typen mal zusammen warst“, sagte plötzlich eine tiefe Stimme dicht an ihrem Ohr.
Erschrocken ließ Selena ihre Hand vom Türknauf sinken. Als sie sich umdrehte, blickte sie in Eddys gut aussehendes Gesicht.
„Woher weißt du von Danny und mir?“, fragte sie verblüfft.
„Oh, das muss ich wohl bei einem der anderen Gäste aufgeschnappt haben“, antwortete Eddy und sah sie unverwandt an. Gebannt von dem intensiven Blick seiner dunklen Augen, brachte Selena kein einziges Wort mehr heraus.
„Mr Riordan macht mir schon wieder Zeichen“, seufzte Eddy. „Er möchte, dass ich alle Mitglieder des Schauspiel-Clubs kennenlerne!“ Seine Augen blitzten. „Aber wir unterhalten uns später noch, Selena.“
Selena sah ihm hinterher. „Komisch“, dachte sie. „Eddy geht ganz schön ran, aber er gefällt mir trotzdem. Auf jeden Fall ist er erwachsener als Danny.“
Verärgert runzelte sie die Stirn, als sie an Dannys dramatischen Auftritt dachte. Sie schämte sich furchtbar, dass sie darauf hereingefallen war. Unauffällig blickte sie sich im Raum um. Machten sich die anderen immer noch über sie lustig? „Vielleicht sollte ich lieber nach Hause gehen“, überlegte sie.
Langsam schlenderte sie hinüber zum Büffet. „Hast du Katy gesehen?“, erkundigte sie sich bei Alison.
„Eben war sie noch hier“, erwiderte das Mädchen. „Wahrscheinlich ist sie mit Mr Riordan in der Küche.“
Selena wollte gerade gehen, als Alison sie plötzlich zurückhielt. „Du hast im letzten Stück ganz wunderbar gespielt“, sagte sie und sah Selena eindringlich an. „Mir ist klar, dass du wahrscheinlich die Rolle der Julia bekommen wirst.“ Sie brach ab und atmete tief ein. „Aber ich möchte, dass du weißt, dass ich auch dafür vorsprechen will“, fügte sie dann hastig hinzu.
„Ja, natürlich“, meinte Selena überrascht. Sie und Alison konkurrierten doch jedes Mal um die Hauptrolle, ohne dass sie bis jetzt deswegen Streit bekommen hätten. Warum sollte das bei der Frühjahrsaufführung anders sein?
In diesem Moment trat Katy durch die Küchentür ins Wohnzimmer. Sie ging hinüber zum Büffet und nahm sich eine Handvoll Erdnüsse. „Wie geht’s denn so?“, fragte sie Alison und Selena.
„Ich glaube, ich möchte nach Hause“, gestand Selena. „Es ist spät geworden und ich bin hundemüde. Nach der Vorstellung bin ich immer völlig erledigt.“
„Okay, von mir aus können wir fahren.“ Katy zuckte mit den Achseln. „Ich hol nur schnell meine Tasche. Sie liegt nebenan.“
„Ich warte draußen auf dich“, erklärte Selena. Sie bedankte sich bei Mr Riordan für die Party und ging zur Haustür. Langsam trat sie hinaus in die kalte Luft. Über ihr glitzerten zahllose Sterne am samtschwarzen Nachthimmel. Ein Frösteln überlief Selena. Sie hatte plötzlich das merkwürdige Gefühl, dass Millionen von Augen auf sie herabstarrten.
„Bei Katys Gerede über den geheimnisvollen Unbekannten muss man ja Verfolgungswahn bekommen“, dachte sie und versuchte, die unbehagliche Stimmung abzuschütteln.
Sie ging den Weg hinunter. Plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen. Eine hochgewachsene Gestalt trat aus den Büschen am Wegrand und versperrte ihr den Weg.
„Wo willst du hin?“, fragte Danny mit heiserer Stimme.
„Heim“, antwortete Selena kühl. Nach dem üblen Streich, den er ihr gespielt hatte, war sie absolut nicht in der Stimmung, sich mit ihm zu unterhalten.
„Prima“, meinte Danny. „Dann kannst du ja mit mir nach Hause gehen!“
„Das könnte dir so passen!“, fauchte Selena. „Mit dir gehe ich nirgendwohin. Hast du’s immer noch nicht kapiert? Ich will nichts mehr von dir wissen!“
Danny umfasste mit hartem Griff ihren Arm. „Selena …“, sagte er bittend.
Selena riss sich los. „Hau endlich ab!“, schrie sie aufgebracht.
„Hey, was ist denn hier los?“, ertönte plötzlich eine andere Stimme. Als Selena aufblickte, entdeckte sie Jake, der am Rand des gepflasterten Weges stand.
„Misch dich nicht ein!“, knurrte Danny und griff wieder nach Selena.
„Hey!“ Jake packte Dannys Hemd und wirbelte ihn herum. „Lass sie in Ruhe!“, brüllte er aufgebracht.
„Kümmer dich gefälligst um deine eigenen Angelegenheiten!“, versetzte Danny drohend.
„Selena ist meine Freundin“, stellte Jake klar. „Und wenn jemand sie nach Hause bringt, dann bin ich das!“
„Die beiden scheinen verrückt geworden zu sein!“, schoss es Selena durch den Kopf.
Im nächsten Moment schubste Danny Jake mit aller Kraft beiseite. Jake verlor das Gleichgewicht und stürzte. Im Fallen warf er Selena einen erschrockenen Blick zu.
„Ohhh!“ Sie stieß einen unterdrückten Schrei aus, als sein Kopf mit einem dumpfen Geräusch auf dem Pflaster aufschlug.
Dann lag Jake mit ausgebreiteten Armen da und rührte sich nicht mehr.
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