Kitabı oku: «Andere Länder, andere Straßen», sayfa 2

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Kapitel 5

Herrliches Österreich

Beim Grenzübertritt bei Salzburg gab es natürlich keine Schwierigkeiten. So nahm ich mir die Zeit, Salzburg anzusehen. Ich fuhr kreuz und quer durch die City und trank noch gemütlich in einem Straßencafé einen Cappuccino. Langsam wurde es Zeit, mir für die Nacht ein Lager zu suchen. Von meinem Vorhaben, so oft wie möglich zu zelten, war ich bereits nicht mehr so überzeugt. An den Luxus, am Abend eine Dusche zu haben und meine elektronischen Geräte an einer Steckdose zu laden, hatte ich mich sehr schnell gewöhnt. In der Stadt selbst wollte ich nicht übernachten. Deshalb fuhr ich hinaus ins schöne Salzkammergut.

Allerdings hatte ich die Rechnung nicht mit den Bergen gemacht. Gleich nach Salzburg ging es steil bergauf, für den Spätnachmittag noch einmal eine gute Trainingseinheit, es war mir ja bewusst, dass ich mich am Rande der Voralpen befand. Wieder wurde es spät, doch ich bekam nach drei Fehlversuchen ein schönes, aber teures Zimmer im kleinen Ort in Hof bei Salzburg. Das Essen, das ich in der gemütlichen Gaststube zu mir nahm, war, wie ich es von Österreich her kannte, besonders gut. Ich saß an einem Tisch neben dem Stammtisch, der gut und gerne 20 Einheimischen Platz bot, die mich mit ihrem österreichischen Dialekt als einzigen weiteren Gast und Beobachter gut unterhielten. Nach dem Essen gesellte sich noch der Wirt zu mir an den Tisch. Natürlich hatte er mitbekommen, dass ich mit dem Rad unterwegs war und platzte fast vor Neugier. Da ich ja nun immerhin schon ein Ausländer war, konnte ich etwas entspannter über meine Reise berichten. Allmählich merkte ich auch, dass mir ein respektvollerer und weniger ungläubiger Blick entgegenkam, wenn ich davon sprach.

Dann wurde es aber auch schon wieder Zeit für mich, meine Tagesberichte zu schreiben, meine Daten vom GPS-Tacho auszulesen und in mein Bordbuch einzutragen. Schließlich wollte ich meine Reise nicht nur erleben, sondern auch dokumentieren. Außerdem hatte ich vor meiner Abfahrt eine WhatsApp-Gruppe angelegt, an die ich jede Woche am Freitag einen Reisebericht senden wollte. Anfangs waren 70 Leute Mitglied. Das steigerte sich im Laufe meiner Reise auf 145. Der erste Bericht fiel jedoch nicht so umfangreich aus, da ich anfangs noch alles auf dem Handy schrieb und auch noch nicht viel zu erzählen wusste.

Später legte ich mich zufrieden in meinem Zimmer, das viel zu groß für mich alleine war, nieder und freute mich auf den nächsten Tag, da meine Strecke an einigen bekannten Seen vorbeiführen sollte.

Der erste Blick aus meinem Fenster früh am Morgen fiel auf Weiß. Am Abend zuvor hatte sich mir noch ein herrliches Bild über die Alpenlandschaft geboten. Dichter Nebel hatte sich in der Nacht über die Wiesen und Wälder gelegt. Also packte ich mein Fahrrad bei frischen 4 Grad in der Hoffnung, dass sich der Nebel verzog. Einzelne hartnäckige Schneefelder lagen noch in Schattenlöchern und kühlten die Luft im dichten Nebel spürbar ab.

Nicht lange nach meiner Abfahrt konnte ich jedoch die Früchte meiner vorabendlichen Bergfahrt ernten, denn die Straße hinunter zum Fuschlsee war ein angenehmer Abschnitt. Zudem lichtete sich der dichte Nebel, und ein stahlblauer Himmel ließ die Landschaft erstrahlen. Meine Handschuhe verschwanden in der Lenkertasche, und hochmotiviert ging es Richtung Wolfgangsee. Es war wunderschön und auch gewissensberuhigend, durch diese Landschaft mit dem Rad Co2-neutral unterwegs zu sein. Schon bald war ich am Wolfgangsee vorbei, der zu dieser Jahreszeit noch vom Massentourismus verschont blieb. Weiter ging es talauswärts über den schönen Ort Bad Ischl, der wie eingebettet zwischen den hohen Bergen am gleichnamigen Fluss Ischl liegt. Am Ende des Tals trifft die Ischl auf die Traun, wobei ein ordentlicher Fluss entsteht. Relativ entspannt fuhr ich an ihnen entlang, da es ja immer leicht bergab ging.

Am Nachmittag kam ich dann zum Traunsee, der mir zum ersten Mal fast den Atem raubte. Ein kristallklarer Bergsee mit wunderschönen Orten, die zum Urlaubmachen einladen. Leider war es noch zu früh am Tag, um das Lager aufzuschlagen, obwohl ich mir das ruhig hätte gönnen können. Ich lag bereits zwei Tage vor meinem gesteckten Zeitplan. Am Abend fand ich dann in einem kleinen Ort Unterkunft in einem Brauereigasthof, der den schönen Namen „Bierhotel“ hatte. Wieder aß ich hervorragend und genehmigte mir zwei Glas vom brauereieigenen Gerstensaft. Überhaupt hatte ich mir mittlerweile angewöhnt, mir am Ende eines anstrengenden Tages ein Feierabendbier zu genehmigen und das als Nicht-Biertrinker, was im Laufe der Reise jedoch noch einige Schwierigkeiten mit sich bringen sollte. Am Abend ergab sich noch ein interessantes Gespräch mit dem Wirt, der ursprünglich aus der Slowakei stammte und mit seiner Frau zusammen diese Gaststätte seit vielen Jahren betrieb. Er beklagte sich über die hohe Steuerlast und die sinkende Nachfrage, das unzuverlässige Personal und die steigende Anzahl der unzufriedenen Gäste. Letzteres konnte ich gar nicht nachvollziehen, da die Gaststube ein unglaublich gemütliches Flair hatte, das Essen urtypisch und gut und die Zimmer nagelneu renoviert waren. Trotzdem kamen mir die Sorgen irgendwie vertraut vor.

Am nächsten Tag fuhr ich dann ein schönes Stück entlang der Traun, bis sie sich in der Nähe von Linz mit der Donau vereinigt, wobei ein gewaltiger Strom entsteht. Von hier an war es dann für lange Zeit vorbei mit steilen Steigungen, denn ich radelte überwiegend flussabwärts am Donauufer entlang. Der Uferweg, der ja bekanntlich bis zum Schwarzen Meer an der Donau entlangführt und oft als schön und romantisch beschrieben wird, konnte von mir lediglich die Note 3 von 6 bekommen. Lange Strecken führen über angelegte Dämme, die schnurgerade an der von Menschenhand begradigten Donau verlaufen. Nur selten kamen Waldwege oder Engstellen vor, wo sich die Wassermassen ihren Weg durch die hüglige Landschaft zum Schwarzen Meer suchen müssen. Kam aber so ein Abschnitt, dann war es ein Traum, bei angenehmen Temperaturen durch diese Gegend zu radeln, in der, wie schon die ganze Strecke bis hierher, das Frühjahr die Landschaft in einen blühenden Großgarten verwandelte. Nur wenn ich über 600 bis 700 Höhenmeter kam, bemerkte ich, dass das Jahr noch nicht sehr alt war. Die Fahrt an der Donau entlang blieb dennoch unspektakulär, da hier in der Gegend Radreisende nicht selten sind. So fuhr ich locker, ohne mich großartig anstrengen zu müssen, am Flussufer bis nach Wien. An einem Tag schaffte ich sogar einmal 142 km und hatte somit einen ersten Streckenrekord, der lange Zeit Bestand hatte. Am 9. Tag kam ich bereits am Mittag in Wien an. Die Innenstadt mit dem Rad zu erkunden, ließ ich ausfallen, da ich schon mehrere Male dort gewesen war. Zudem hatte ich immer noch einen ordentlichen Respekt, mit meinem vollbepackten Rad eine Großstadt zu durchqueren. Deshalb blieb ich am Donauufer. Leider fand ich hier nur Industrie und Lastkähne vor. Vom Wiener Charme war nicht viel zu sehen. Nach einer kleinen Mittagspause fuhr ich dann raus aus der Stadt in Richtung ungarischer Grenze. Die Landschaft war relativ flach, und ich hatte ausnahmsweise keinen starken Gegenwind. Gedankenversunken und angetan von der Weite dieser Gegend, die allerdings durch unzählige Überlandleitungen und noch mehr Windräder gestört war, bemerkte ich, dass ich an diesem Tag noch die Grenze zu Ungarn erreichen konnte. Ich legte einen Gang zu und trat, was das Zeug hielt. Selbst überrascht von meiner guten Kondition erreichte ich dann abends um 18 Uhr die Grenze zu Ungarn. Der Grenzübertritt war auch hier noch kein Problem. Es galt auch das Zahlungsmittel, das ich gewohnt war. Ganz schnell wurde mir klar, dass ich hier jedoch mit 10 Euro weiter als in Deutschland kam. Das Zimmer, das ich 5 km nach der Grenze fand, kostete 18 Euro und war in einem gepflegten Haus. Drumherum war weit und breit nichts, nur dieses Haus, und so verbrachte ich den Abend im Garten alleine, da ich der einzige Gast war. Nun lagen zwischen mir und meiner Heimat schon ein Land und 960 km.

Kapitel 6

Ungarn, klein, aber weit

Ich befand mich nun also in Ungarn. Von hier an war es vorbei mit der deutschen Sprache. Das führte allerdings nicht dazu, dass ich mir wirklich wie ein Ausländer vorkam. Die Leute waren ähnlich reserviert wie in Deutschland und Österreich, so dass es zu sehr wenigen Kontakten kam. Bis nach Budapest, mein nächstes größeres Ziel, waren es noch 185 km. Für eine Etappe zu viel, aber für eine ordentliche und eine kurze Schlussetappe gerade richtig. Ich beschloss, ziemlich weit zu radeln, um am nächsten Tag stressfrei nach Budapest zu kommen, damit ich genügend Zeit hatte, eine geeignete Unterkunft in der City zu finden. In Budapest wollte ich schließlich einen ganzen Tag Pause einlegen.

Aber zuvor stellte sich noch ein besonders nettes Ereignis ein. Ich fuhr also am Morgen des 10. 4. 2019 ohne besonderes Ziel los, nur mit dem Gedanken, so weit wie möglich an Budapest ranzukommen. Der Weg führte mich über endlose Ebenen mit nur leichten Steigungen, die ich mittlerweile annähernd schmerzfrei und entspannt fuhr. Es lief gut, und das Einzige, das es nach wie vor zu bemängeln gab, war das unschöne Bild der unzähligen Überlandleitungen und Windräder. Ich fand die gleiche Landschaft vor, wie ich sie inzwischen schon gewohnt war. Endlose, ebene Felder, und es winkten mir nicht, wie im Film Sissi, die Bäuerinnen in ihren weißen Schürzen und weißen Häubchen zu, sondern die riesigen Flügel der Windräder, die die Landschaft billigend duldete.

Es lief wieder einwandfrei. In meiner Gutgläubigkeit, noch spät ein Zimmer zu finden, fuhr und fuhr ich dahin. Ein Blick auf mein Navi zeigte mir dann an, dass nun lange nichts mehr kommen würde. Das machte mich leicht nervös. Es war mittlerweile 19.30 Uhr, als ich in einem Dorf mitten im Gelände und abseits der Hauptroute, wo es auch wieder hügelig wurde, in dem kleinen Dorf Obarok ankam. Entkräftet sprach ich zwei junge Männer am Ortseingang an, ob es hier irgendwo ein Zimmer gebe. Ich merkte gleich, dass ich hier wirklich in der Pampa war. Ich stellte mich schon aufs Zelten ein, doch die Jungs telefonierten 2 bis 3 Mal, und dann kam eine Frau. Es war die Sekretärin des Bürgermeisters, die mich mitnahm.

Nun, dieses Dorf hatte keinen Laden, keine Kirche, keine Post, gar nichts, aber ein kleines Museum, in dem ein Zimmer integriert war, für den Fall, dass einmal ein Fremder auftauchte. Dieses Zimmer gab es schon seit 2010 und seither war noch nie jemand dagewesen. Ich war der Erste, der diese Übernachtungsmöglichkeit nutzte. Die Frauen und Männer, deren Zahl mittlerweile auf 6 angestiegen war, waren sichtlich begeistert, mich aufzunehmen. Das Ganze kostete 10 Euro. Ich erfuhr noch einiges über deutsch-ungarische Dörfer in dieser Gegend. Eine kleine Museumsbesichtigung war inklusive. Als sich alle verabschiedet hatten, machte ich mich über meine Essensvorräte her und kochte mir einen ordentlichen Teller Nudeln mit brauner Soße.

Gerade wollte ich mit meinem Festmahl beginnen, da klopfte es an der Tür. Die beiden Jungs, die mir das Zimmer vermittelt hatten, standen vor der Tür. Sie brachten mir ein warmes Abendessen vorbei, Kartoffeln mit Speck in Kraut. Sie erklärten mir noch, dass dies hier ein typisches Gericht sei und verabschiedeten sich ganz freundlich. Überrascht und angetan von dieser netten Geste machte ich mich über diese Gabe her und konnte feststellen, dass es hervorragend schmeckte.

Die Nacht war dagegen nicht ganz so gut, da es sehr kalt in dem kleinen Zimmer wurde. Der Gasheizung, die hin und wieder eine Stichflamme aus dem Gebläse stieß, traute ich nicht wirklich und ließ diese lieber ungenutzt.

Morgens um 8 Uhr stand die Sekretärin wie abgemacht pünktlich zur Schlüsselübergabe vor der Tür. Das Dorf war im 18 Jahrhundert von deutschen Siedlern gegründet worden, und daher sprach die Sekretärin des Bürgermeisters, die gleichzeitig auch die Deutschlehrerin der Dorfschule war, gut Deutsch. Leider wurden die deutschstämmigen Siedler nach dem 2. Weltkrieg allesamt vertrieben, doch die deutsche Kultur und Tradition wurden hier weiter gelebt und gepflegt. Es war ein schönes Erlebnis, und ich dachte mir: So kann es weitergehen.

Also machte ich mich am Donnerstagmorgen um 8 Uhr bei leichtem Nieselregen an die letzten 50 km nach Budapest. Sie fielen mir sehr schwer. Viele Steigungen, schlechter Fahrbahnbelag und leichte Schlappheit machten mir zu schaffen. Aber ich wusste ja, dass ein Tag Auszeit vor mir lag. Das trieb mich förmlich in die ungarische Metropole, die so ganz anders war als die Welt am Abend zuvor. Das Dorf Obarok war klein und ländlich arm, während es in Budapest wieder alles gab, was das Herz begehrt. 11 Tage und bereits 1160 km lagen hinter mir. Ich war weit vor meinem Plan, denn ich hatte ja ursprünglich nur mit einem Schnitt um die 60 km pro Tag gerechnet. Meine Muskulatur machte gut mit, und an Gewicht hatte ich auch schon einiges verloren.

Ich überprüfte das aber nicht, wichtiger war mir, dass sich mein Hinterteil so langsam an den Sattel gewöhnt hatte und die ersten wunden Stellen bereits am Heilen waren. Ich fand ein schönes Zimmer, nicht weit vom Zentrum. So konnte ich die Stadt am nächsten Morgen zu Fuß erkunden. Mir war klar, dass ich möglicherweise für lange Zeit eine meiner Leibspeisen, das Gulasch, nicht mehr bekommen würde. Also gab es für mich nichts anderes, als in einem urgemütlichen ungarischen Lokal ein ungarisches Gulasch zu essen. Mmm, das war gut! Dazu ließ ich den Abend mit einem Feierabendbier ausklingen und machte mich in meinem Zimmer an die Routenplanung für den nächsten Tag.

Langsam freundete ich mich mit meiner Navi-App an, die viel mehr zu bieten hatte, als nur die Straßen anzuzeigen. Ich lernte jeden Tag dazu und fühlte mich nicht mehr so als Fahrrad-Greenhorn. Am 13. 4. 2019 fuhr ich also weiter in Richtung Osten, von wo auch der Wind wehte. Eigentlich konnte man nicht von Wind sprechen, da es bei schönem Wetter den ganzen Tag sturmartig blies.

Des Öfteren schrie ich gegen den Himmel und fragte unseren Schöpfer, warum er mir das antat. Oft musste ich im ersten Gang fahren oder gar absteigen und einige Meter schieben, da ich nicht gegen den Wind ankam.

Ich kämpfte mich so weiter über Hatvan nach Miskolc in Richtung slowakischer Grenze bei Kosice. Wider besseres Wissens hoffte ich, dass, auch wenn ich nichts mehr kannte, im Hinterland von Ungarn vielleicht doch noch was Interessantes käme. Dem war nicht so. Die Landschaft war weit und endlos zu überblicken. Highlights, Fehlanzeige. Die Felder waren gut und frisch bestellt, die Dörfer ärmlich und klein und die Leute desinteressiert bis unfreundlich. Wer sich allerdings an riesigen Feldern, aufgeteilt in Mais, Raps und Weizen, erfreuen kann, der sollte eine Reise nach Ungarn einplanen. Einziges „Highlight“ in Ungarn war, dass ich gleich von Samstag auf Sonntag keine Herberge fand, um zu übernachten.

Also musste in freier Wildbahn mein Zelt zum ersten Mal herhalten. Ich stellte es etwas abseits der Strecke hinter Hecken auf. Es war sehr kalt in dieser Nacht. Deshalb stand ich um 6 Uhr auf, kochte mir mit meinem letzten Wasser einen Tee und packte zusammen. So saß ich am Sonntag bereits um 6.55 Uhr wieder auf meinem Rad und fuhr. Dann nahm der Wind erneut zu, natürlich von vorne. Wie wild ging ich gegen den kalten Nordostwind an. Am späten Abend saß ich in einer Ortschaft an einer Bushaltestelle und machte mir Gedanken, wo ich übernachten sollte, da wieder weit und breit nichts in Sicht war. Ich beschloss, noch ein paar Kilometer zu fahren, bis es richtig dunkel wurde, um mich dann mit meinem Schlafsack unter irgendein Dächlein zu legen. Zum Zeltaufbauen hatte ich echt keinen Bock mehr.

Nach wenigen Metern um die nächste Kurve jedoch leuchtete so ein Blinkwerbeschild, wie man es aus amerikanischen Filmen kennt, rot in die Nacht: „Hotel“. Tatsächlich kam ich unter. Lustig an diesem Hotel war, dass der recht junge Besitzer erst in seinem Buchungsbuch nachschauen musste, ob noch ein Zimmer frei war. Ein Blick von mir über die Theke in sein Buch reichte, um zu erkennen, dass keine Zimmer belegt waren. Auch hingen alle Schlüssel im Schlüsselschrank. Er wollte sich ein bisschen wichtigmachen, und ich spielte das Spiel natürlich dankbar mit.

Am nächsten Morgen ging es weiter in Richtung slowakischer Grenze, wo die Grenzstadt Kostice liegt. So wie mich der Wind schon gestern den ganzen Tag bestraft hatte, so bestrafte ich ihn heute mit Missachtung und trat meist nur im 3. Gang meiner 14-Gangschaltung in die Pedale. Ich kämpfte mich Richtung Kostice. Um ca. 13 Uhr fuhr ich über die Grenze. So langweilig wie mich Ungarn entließ, so langweilig empfing mich die Slowakei. Ein weiterer Abschnitt war geschafft, und ich befand mich im 4. Land meiner Reise.

Kapitel 7

Kurzer Auftritt in der Slowakei

Mein Kurzbesuch in der Slowakei dauerte nur zwei Tage mit einer einzigen Übernachtung. Da ich recht früh am Tag die Grenze passierte, kam ich noch ein ordentliches Stück weit. Die Landschaft war eben, so wie ich es von Ungarn her kannte. Bis zur Stadt Kosice hatte ich noch starken Gegenwind, dem ich aber nach Kosice meine linke Seite zeigte. Ich fuhr nämlich nach rechts Richtung Osten. Allerdings ging es dann in die Berge, aber ohne Gegenwind war das fast kein Problem. Eine ordentliche Steigung schlängelte sich durch eine schöne Wald-und Wiesenlandschaft, die mich bis zum Abend begleitete. Auf dem Gipfel angekommen wurde es Zeit für mich, ein Nachtlager zu suchen.

Ich hatte Glück. Gerade als ich im ordentlichen Schuss den Berg runterfuhr, tauchte auf der rechten Seite an der Straße ein Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeit auf. Probleme mit der Währung kannte ich immer noch nicht, da auch hier mit Euro bezahlt wurde, nur die Verständigung gestaltete sich von jetzt an immer schwieriger. Mit Englisch, was auch nicht unbedingt meine Stärke ist, das sei an dieser Stelle vorab schon mal erwähnt, kam ich nicht sehr weit. Ich bilde mir aber ein, dass ich ein Verständigungsgenie mit Armen, Beinen und Mimik bin. So kam ich auch hier in der Slowakei zurecht.

Ich hatte schon fast die Hälfte meiner Strecke zur ukrainischen Grenze, die für mich mit deutschem Reisepass visumfrei war, geschafft. Am nächsten Morgen erwartete mich herrliches Wetter und zu meiner Freude eine ca. 20 km lange leichte Abfahrt. Es lief sehr gut, und ich dachte mir: Wenn das so weitergeht, komme ich heute noch ein schönes Stück in der Ukraine voran. Der Wind war mir auch wohlgesinnt und blies leicht schräg von hinten. Alles passte gut, und ich näherte mich recht früh dem Grenzübergang bei Uschhorod.

Dann kam die große Ernüchterung. Schon von weitem konnte ich eine riesige Schlange von wartenden Pkw und Lkw sehen. Als Radreisender hast du hier aber einen großen Vorteil. Dran vorbei und immer schön lächeln und grüßen. So fuhr ich vor bis zum Ersten in der Schlange und stellte mich frech dazwischen. Ein Soldat, der mich sah, kam mit finsterer Miene auf mich zu und erklärte mir mit ein paar wenigen deutschen Worten, die er kannte, dass an diesem Grenzübergang keine Fahrräder abgefertigt würden, nur Maschinen. Er meinte damit motorisierte Fahrzeuge. Ich wollte ihm noch erklären, dass ich auch so eine Art Maschine sei, ließ es aber bleiben, da er nicht besonders spaßig wirkte.

Ich fragte ihn aber noch, wo ich denn einreisen könne, und er zeigte mir auf meiner Karte den Grenzübergang bei Ubl’a. Wunderbar, dachte ich, der befand sich ca. 50 km nordöstlich von meinem Standort. Um dort hinzukommen, musste ich wieder ca. 15 km auf selber Strecke zurück und dann über einen Berg zur Grenze.

Nutzte nichts, ich fuhr los und hatte natürlich den Wind, den ich vorher im Rücken gehabt hatte, nun im Gesicht. Was so schön am Morgen begonnen hatte, entwickelte sich im Tagesverlauf wieder zu einer harten Tour. Der Berg, den ich überfahren musste, schien nicht aufzuhören. Je näher ich der Grenze kam, umso schlechter wurde das Wetter. Dicke, schwarze Wolken zogen sich am Himmel zusammen und verbreiteten in mir Unruhe. Die Grenze war noch nicht geschafft, und eine Übernachtungsmöglichkeit hatte ich auch noch nicht ausgemacht. Gegen 18 Uhr erreichte ich dann endlich den kleinen Grenzübergang bei Ubl’a, der mitten im Wald lag. Eine ordentliche Schlange von wartenden Autos überholte ich abermals und reihte mich ganz vorne ein. Eine Grenzbeamtin, die sich nach ca. 10 Minuten endlich aus ihrem Häuschen bequemte, nachdem sie mit einem Schwätzchen mit ihrem Kollegen fertig war, ging zu einem anderen Häuschen, um mir eine Nummer zu holen. Mit dieser Nummer sollte ich mich wieder in einem anderen Gebäude melden.

Als ich dort reinkam, schlief der Zivilist tief und fest. Geschützt durch eine dicke Glasscheibe hörte er auch mein vorgetäuschtes Husten nicht. Um ihn nicht zu erschrecken und ihn damit vielleicht zu erzürnen, ging ich wieder raus und machte mich bei den beiden bewaffneten Soldaten, die auf dem Parkplatz patrouillierten, bemerkbar. Einer von beiden kam auf mich zu. Ich machte mit ein paar Handzeichen verständlich, dass der Kollege da drin einen totenähnlichen Schlaf abhielt. Er ging mit mir rein und klopfte mit dem Kolben seiner Maschinenpistole ordentlich gegen die Glasscheibe. Ich dachte, dass der Mann jetzt gleich unglaublich erschrecken würde. Dieser wachte aber schön langsam, sozusagen in Zeitlupe, auf und hatte in der nächsten Sekunde seine Finger auf der Tastatur seines PCs, der mindestens aus dem vorigen Jahrhundert war. Er begann, etwas einzugeben, als hätte er nie geschlafen. Dann tippte er ein paar Daten meines Ausweises ein und schon 5 Minuten später bemerkte er, dass ich bei ihm falsch war. Prima! Am richtigen Häuschen standen dann schon drei an, und bei jedem dauerte es gut und gerne 10 Minuten. Als ich endlich dran war, musste ich eine Gebühr von 20 Euro bezahlen.

Ich bekam einen kleinen Zettel mit einer Nummer drauf, die wohl dann der geschwätzigen Grenzbeamtin anzeigte, dass ich die Einreisegebühr bezahlt hatte. Sie drückte mir mit einem unglaublich unmotivierten Gesichtsausdruck den Stempel in den Ausweis und ließ mich passieren. Das Ganze hatte ca. eine Stunde gedauert, was mich ärgerte, da der Himmel aussah, als würde er mir nun gleich auf den Kopf fallen. Andererseits war ich aber auch froh, dass ich diese erste Bammelgrenze noch an diesem Tag geschafft hatte und trat wieder in die Pedale. Nach dem Schlagbaum lernte ich dann gleich die ukrainischen Straßenverhältnisse kennen. Ein besserer Feldweg führte zum nächsten Städtchen Welykyj. Hier endete auch schon meine Geschichte über die Slowakei. Ich befand mich in der Ukraine, und da begann mein Abenteuer nun richtig.


Schöne und endlose Radwege in Ungarn.


Erste Übernachtung unter freiem Himmel in der Slowakei.

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9783991079903
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