Kitabı oku: «10 Jahre Stalking - Nur weil Du ihn nicht siehst, heißt es nicht, dass er nicht da ist!», sayfa 3
Plötzlich führten wir mit unseren Tieren ein Leben, das wir so nicht geplant hatten. Es entwickelte sich von selbst. Wenn uns jemand fünf Jahre vorher gesagt hätte, dass wir eine Tierrettungsorganisation gründen, ich meine tierpsychologische Hundeschule auf meinem privaten Grundstück führen und wir eine Zuflucht für verstoßene und verwaiste Tiere in Not aufbauen würden, so hätten wir sicherlich Angst vor all diesen Aufgaben bekommen. Doch tatsächlich wächst man mit seinen Aufgaben. All diese Tiere wollen jedoch nicht nur geliebt werden, sondern benötigen auch Futter. Die handelsüblichen Kleinpackungen an Heu und Stroh aus dem Zoofachhandel waren mit steigender Tieranzahl weder praktisch noch finanzierbar.
Eines Tages standen auf dem benachbarten Feld große Strohballen. Da ich nicht wusste, wer der Eigentümer dieses Feldes war, band ich kurzerhand einen großen Zettel an einen dieser Strohballen fest. Ich hinterließ eine Notiz, dass wir Interesse an dem Kauf eines Ballens hätten und uns über Kontakt sehr freuen würden. Es dauerte keinen Tag, da kam der Anruf des Verkäufers. Er wollte uns einen Ballen anliefern. Somit war das Geschäft besiegelt.
Ein verhängnisvoller Kontakt
Am nächsten Tag lieferte uns der Hobbybauer wie vereinbart einen Rundballen Stroh für unsere Tiere. Frederik und ich empfingen ihn an unserem Gartentor. Er fuhr mit einem alten Golf II und einem kleinen, einachsigen Anhänger auf dem der Rundballen festgezurrt war, vor. Wie er diesen großen Ballen auf diesen kleinen PKW-Anhänger hinauf bekam, war mir irgendwie ein Rätsel, denn der Mann war nicht unbedingt ein athletisch oder groß gebauter Mann. Ich schätzte ihn auf Ende vierzig, vielleicht Anfang fünfzig. Seinen runden, kahlen Kopf umringten noch einige wenige, kurz geschorene und bereits grau gewordene Stoppeln. Mit geschätzt vielleicht gerade mal 169cm Körpergröße war er nicht besonders groß und für sein Gewicht definitiv etwas zu klein geraten. Seine Kleidung erzählte von seiner Arbeit. Die Jeanshose sowie das T-Shirt wirkten etwas lumpig und beansprucht, seine Füße steckten in alten und recht ausgelatschten, ursprünglich mal weißen Turnschuhen. Seiner Statur wegen nahm ich an, dass er sicherlich rein körperlich nicht in der Lage war, einen solchen großen Rundballen selbst auf den kleinen Anhänger zu hieven oder diesen mittels Rampe auf den Anhänger zu rollen. Solch ein Ballen wiegt immerhin an die 200 Kilo. Aber als Bauer, wird er sicherlich nötige Gerätschaft dafür haben, verwarf ich meine Gedanken. Wie auch immer er den Ballen auf den Hänger brachte, ich war froh, dass wir nun ausreichend Stroh hatten und nicht mehr die kleinen Packungen für den nahezu zehnfachen Preis im Handel kaufen mussten. Wir unterhielten uns noch einen Moment lang mit dem Bauern, bevor er den Ballen vom Anhänger schubste. Es war ein kurzes und belangloses Gespräch über den Gartenzaun hinweg, bei dem sich herausstellte, dass er sogar hier aus der Gegend kam. Seine sprachliche Ausdrucksweise war bodenständig und von einem starken Brandenburger Dialekt geprägt. Er wirkte dadurch irgendwie lustig und sympathisch und „gerade heraus“. Wir freuten uns, dass wir Kontakt zu jemanden gefunden hatten, der hier aus der Gegend kam. Wenn man auf dem Land neu ist, ist es doch recht schwer, Anschluss zu finden. Im Gespräch bot er uns sogleich an, dass wir ihn bei seinem Kosenamen nennen könnten, den er seiner Aussage nach wohl schon seit Kindertagen hatte. Ich musste bei seinem Kosenamen etwas lachen, da ich diesen Ausdruck als Bezeichnung für eine Steinschleuder wiederum aus meinen Kindertagen kannte und sogleich etwas Schabernack damit in Verbindung brachte. Wir nennen ihn in diesem Buch abgewandelt einfach fortan Zwille. Nach einem kurzen Plausch verabschiedete sich Zwille und verschwand mit seinem braunen Golf und dem rappelnden Einachsanhänger. „Zwille.., damit hatten wir als Kinder kleine Kiesel auf Dosen geschossen“, witzelte Frederik, als wir den Strohballen lachend und schäkernd zu seinem Bestimmungsplatz rollten.
Von diesem Tag an bemerkte ich den alten Golf immer öfter. War ich vielleicht unbemerkt sensibel dafür, weil ich den Fahrer ja nun kannte? War mir das Auto vorher einfach nur nicht aufgefallen? Es schien merkwürdig, dass jetzt, wo das Feld doch abgeerntet war, Zwille so viel am Feld zu sehen war, wo wir bis dahin nie jemanden bemerkten. Doch mit den üblichen Tätigkeiten eines Landwirtes kannten wir uns bis dahin nicht richtig aus und waren uns sicher, es würde alles seine Gründe haben und uns zudem auch nichts angehen. Scheinbar zufällig fuhr Zwille fast täglich die Straße vor unserem Haus mehrfach auf und ab. Wenn ich genauer darauf achtete und hinüber sah, sah ich, wie er zu mir schaute und freundlich grüßte. Selbstverständlich grüßte ich zurück, das gehört sich schließlich so. Doch plötzlich wendete der Wagen ohne jegliche Verzögerung und kam zügig zu mir herangefahren. Egal wo ich mich auf unserem Grundstück auch befand, Zwille stellte sein Auto unmittelbar auf der Straße oder direkt vor unserer Einfahrt ab. Er stieg flott aus dem Auto aus und kam zu mir. Es verblüffte mich, aber ich dachte mir, „das wird hier auf dem Land halt wohl so sein“, dass man sich einfach für einen Plausch die Zeit nimmt und „breit macht“. Er verwickelte mich in unverfängliche Gespräche, fragte höflich nach, ob wir mit dem Stroh zufrieden seien und begann unaufgefordert über belanglose Dinge zu sprechen. Er erzählte viel über das Dorf, die Bewohner, dass früher auf den Feldern noch Wirtschaft mit Flugzeugen getätigt wurde und dass seine Mutter noch im Dorf wohne. Er selbst wohnte immerhin gut 25 Kilometer entfernt, also quasi drei Dörfer weiter, würde aber immer wieder seine Mutter im Dorf besuchen. Zwischen den Zeilen der belanglos wirkenden Gespräche sagte er plötzlich so ganz nebenbei, dass ich mich nicht erschrecken solle, wenn er morgen mit dem Traktor käme, um die Wiese vor unserem Haus zu scheiben. Das bedeutete, er würde sie umgraben. Er würde dort einen Acker vorbereiten. Auf meiner Stirn runzelten sich Falten. Ich konnte kaum glauben, was er da sagte. Wie? Die Wiese vor unserem Haus? Das ist unsere Wiese, die soll bitte Wiese bleiben, die könne er doch nicht einfach umgraben! Er zückte rasch einen Straßen-Atlas-Plan hervor, eine veraltete Straßenkarte, die fast keinen Zusammenhang mehr an den zerfledderten Blättern fand. Er wollte mir völlig überzeugt weismachen, dass ihm das Stück Land vor unserem Haus gehören würde und deutete mit den Fingern ständig auf die verschmutzte Straßenkarte. Ich war über die Art und Weise ein wenig amüsiert, aber auch etwas empört über seine freche Idee, blieb aber freundlich und verteidigte meinen Standpunkt, dass wir diese besagte Fläche mit dem Haus zusammen gekauft hatten und alles notariell festgeschrieben war. Es müsse sich also um einen Irrtum handeln, wenn er meinte, es sei seine Fläche. Ich sagte ihm, dass wir das auch notariell belegen können, wenn er das möchte. Wir hätten sogar eine Katasterkarte, denn der Straßenplan könne ja nur wenig über Eigentumsverhältnisse aussagen. Er winkte plötzlich ab und lenkte ein. Vielleicht wäre das doch ein Irrtum. Er würde das nochmal prüfen, bevor er die Fläche umgräbt. Ich war wirklich sprachlos über diesen Auftritt und zwischen amüsiert und verunsichert hin und her gerissen. Er würde es nochmal prüfen, bevor er die Wiese umgräbt? Er war immer noch nicht davon abgerückt, die Wiese umgraben zu wollen? Wir zogen dann recht bald einen Zaun um die besagte Fläche, die zwischen dem Haus und der Straße lag. Die Fläche misst immerhin knapp 2.500 qm und sollte als Weide für unsere Tiere dienen und nicht zum kostenlosen Acker für Zwille werden.
Solche Ausflüge in die Kopfwelt von Zwille blieben mir, in immer kürzeren Abständen, auch weiterhin nicht erspart. Komisches Landvolk, hätte man oft denken können, aber ich wurde höflich erzogen, und einfach auf ein Gespräch nicht zu reagieren, nicht zuzuhören, das wäre ja unangebracht, oder? So benahm ich mich halt auch wohlerzogen und lauschte den phantasievollen Geschichten von Zwille, auch wenn ich eigentlich Besseres zu tun gehabt hätte. Er berichtete davon, dass er Frührentner sei, weil er einen Herzinfarkt auf dem Feld gehabt hätte. Ihm waren einige Stands und Bypässe gelegt worden. So erschreckend sich sein Schicksal auch anhörte, legte sich sogleich ein grauseliges Gefühl in meinem Bauch nieder, was nichts mit Mitleid zu tun hatte. Rentner? Oh Schreck! Viel Zeit! In meinem Kopf pochte es gleich hämmernd, oh nein, bitte nicht. Egal, ich bin ein taffes „Berliner Girly“ und würde mit meiner Lebenserfahrung an seltsamen Gestalten auch dieser Gestalt schon gekonnt und höflich auszuweichen wissen, wenn es doch zu nervig würde. Das dachte ich mir so. Doch auf dem Land ist es halt anders. Zwille kam nun täglich und war mit seiner einfachen Art auch immer irgendwie sympathisch, zwar etwas nervig und aufdringlich, aber doch irgendwie auch nett. Frederik und ich fragten uns immer wieder, warum er so nett zu uns sei und dachten beschwichtigend, das ist wohl hier auf dem Land einfach so. Zwille brachte uns häufig frisches Obst oder Gemüse aus seinem Garten mit. Er erklärte, er habe viel zu viel angebaut und seine Frau könne das ganze Zeug nicht mehr sehen. Wenn ich nicht zu Hause war, hing er es irgendwann sogar körbeweise an den Zaun oder stellte es vor die Tür. Wenn ich beiläufig in den zahlreichen Gesprächen erwähnte, dass ich Himbeeren besonders gerne mag, hingen am nächsten Tag Himbeeren am Zaun und sogar einige Himbeerpflanzen für den Garten dazu. Wenn Frederik am Sonntag eine Bohrmaschine brauchte, so brachte Zwille uns diese noch am gleichen Tag vorbei und zeigte sich immer hilfsbereit. Wir waren überwältigt und fühlten uns schon schlecht, weil wir seine nette Art so oft hinterfragten und so viel Hilfsbereitschaft nicht kannten.
Nach und nach lernten wir dann auch den einen oder anderen Nachbarn im Dorf über den Gartenzaun hinweg kennen. So kam eines Tages ein Hinzugezogener, wie wir es waren, mit seiner Ponykutsche, die von zwei schwarzbraunen Ponys gezogen wurde, vorbeigefahren, und wir kamen über unsere Tiere mit ihm ins Gespräch. Über den neuen Kontakt freuten wir uns natürlich, war dieser Kontakt doch anders als der mit Zwille. Mit diesem Nachbarn kamen durchaus interessantere Gespräche zustande, hatte man doch immerhin durch die Tiere ein gemeinsames Thema. Zwille konnte mit Tieren nicht so gut und ich hatte bei ihm wenig zu erzählen. Es folgten wechselseitige Einladungen zu gemeinsamen Grillabenden. Der Kutscher war ehemals ein Lehrer, der aufgrund von Rückenproblemen nun in Frühpension lebte. Dass er mit seinen Rückenproblemen allerdings mit der Kutsche über die holprigen Felder hetzte wunderte mich schon, wie das ging. Er kaufte sich im Dorf ein altes Haus, in dem er mit seiner Frau lebte, und erfüllte sich so seinen Traum von zwei Kutschponys am Haus. Frühpension? Wo sind wir hier hingezogen? Sind hier alle in vorzeitiger Rente unterwegs? Es stellte sich heraus, dass auch der Kutscher Zwille kannte. Dies war unter anderem dem Umstand geschuldet, dass Zwilles Mutter gleich zwei Häuser weiter neben dem Kutscher wohnte. Es war spät am Abend und vielleicht war schon ein Bier mehr oder weniger dabei, als der Kutscher etwas angepiekst meinte, dass wir uns bloß von Zwille fernhalten sollten. „Der ist nicht ganz sauber“, meinte er. „Passt bei dem bloß auf, der ist nicht ganz normal!“ Der Kutscher berichtete von einem Vorfall, bei dem Zwille wohl über den Zaun des Kutschers gestiegen sei und ungefragt eine Leiter vom Kutscher „geborgt“ habe.
Wir lachten über die Geschichte der „geborgten“ Leiter und wussten nicht ganz einzuordnen, ob es am Bierchen lag oder nicht. Es war ein heiterer Abend, doch diese Geschichte von Zwille begleitete uns ungewollt mit nach Hause. Den mahnenden Rat hatten wir noch lange im Ohr. „Lasst euch nicht mit dem ein!“ Doch was tun, wenn Zwille immer wieder zu uns kommt? Zudem ist Zwille zu uns doch immer nur nett. Vielleicht war es einfach ein Streit zwischen zwei alten, gelangweilten Frührentnern, die einfach zu viel Zeit hatten und zu unterschiedliche Lebensweisen? Uns war jedenfalls klar, dass da zwei unterschiedliche Welten aufeinander prallten.
Die Zeit zog ins Land, und der Winter kam uns auf dem Land noch viel kälter vor, als wir ihn aus der Großstadt gewohnt waren. Umso ärgerlicher waren die oftmals nervigen Besuche von Zwille. Täglich kam er angefahren, obwohl im Winter die Felder im Winterschlaf liegen und keiner Pflege bedürfen. Es nervte mich schon, bei Schnee und Minusgraden am Zaun zu frieren und das mittlerweile oft sogar über Stunden. Dass Zwille über drei Stunden Durchhaltevermögen hatte, musste ich bitterkalt erfahren. Landvolk, frieren die nicht? Während ich von der Hüfte abwärts scheinbar taub gefroren war, hampelte er noch fröhlich und munter vor dem Gartentor umher und erzählte schier unaufhörlich von sich und seiner Welt. Manchmal ließ ich von meinem Handy aus, welches ich in meiner Jackentasche heimlich betätigte, das Telefon im Haus klingeln, um dann rasch ins Haus entschwinden zu können. Doch wer nun meint, ich sei Zwille damit losgeworden, der irrt. „Ach, is keen Problem, ick komm später wieder.“ Ach-Herrje! Tatsächlich war es kein Problem für ihn, später erneut aufzutauchen. Egal ob ich ihm erklärte, dass ich noch arbeiten oder die Tiere nun versorgen müsste oder oder oder. Sein Auftreten war irgendwann vereinnahmend frech und in meinen Augen unhöflich, einfach nur noch nervig. Mit Höflichkeiten kam ich hier scheinbar nicht weiter, und ich musste schon mal klarere Worte finden. Einmal sagte ich ihm, dass ich mir einfach nicht so viel Zeit für ihn nehmen könnte, wenn dafür alles andere liegen bleibt. Ich würde ja schließlich selbst mit meiner besten Freundin nicht so oft und schon gar nicht so lange plaudern wie mit ihm, das geht einfach nicht. Doch ich bin mir nicht sicher, ob er sich damit nicht sogar noch geschmeichelt fühlte, weil er scheinbar mehr Zeit und Aufmerksamkeit von mir erhielt, als meine beste Freundin. Es spitzte sich immer weiter zu, und ich kam weder mit höflichen noch mit deutlichen Worten weiter, dass seine Besuche in diesen Ausmaßen weder angebracht noch erwünscht waren. Das prallte irgendwie einfach an ihm ab.
Eines Tages entschloss ich mich, nicht mehr an den Zaun zu gehen. Ich hatte aber auch wirklich ohnehin genug an diesem Tag zu tun und war zudem auch in schlechter Stimmung, sodass ich für Zwilles Welt an diesem Tag wirklich keinen Nerv mehr hatte. An dem Tag konnte ich mich einfach nicht dazu durchringen, brav dem Gequake von Zwille zu lauschen und meine Zeit dafür zu opfern. Ich ging also nicht nach vorne, als er auftauchte. Zwille kam einmal, er kam noch ein zweites Mal, ein drittes Mal und auch ein viertes Mal. Er klingelte am Tor und hupte sogar aus seinem Auto heraus. Dann fuhr er mit einem wilden Start rasant davon. Als er weg war, dachte mir nur „na endlich!“ Doch Zwille war so wütend über meinen Entzug, dass er nun bei Frederik auf der Arbeit anrief und ihn beschimpfte, wie unmöglich ich wäre, wie frech das von mir sei, er käme den weiten Weg zu uns gefahren und ich würde ihn einfach stehen lassen und ignorieren! Frederik war nachvollziehbar völlig überrumpelt und wunderte sich, warum ich mich so verhielt, wo Zwille doch immer so nett zu uns ist. Frederik rief mich an und redete auf mich ein, dass ich sowas doch nicht machen könne, wir würden es uns doch nicht mit denen aus dem Dorf verscherzen wollen. Es kann doch nicht so schlimm sein, wenn ich wenigstens mal „Hallo“ zu Zwille sage, wenn er mal „kurz“ vorbeikommt. „Kurz“? In mir brodelte es, wie frech es von Zwille war, einfach bei Frederik anzurufen und sich bei ihm zu beschweren, dass ich keine Zeit für ihn hätte. Als wenn Frederik auf seiner Arbeit nichts Besseres zu tun hätte. Aber viel schlimmer fand ich eigentlich die Sichtweise von Frederik. Er musste schließlich nicht „kurz“ das Gespräch mit Zwille führen und zu jeder Temperatur „kurz, für etwa drei Stunden“ draußen stehen. Aber er hatte ja irgendwie trotzdem auch Recht. Hier auf dem Land ist es halt vielleicht einfach so, da muss man sich vielleicht einfach anpassen? So war ich also wieder brav und ging zu Zwille nach vorne ans Tor und lauschte wieder den täglich gleichen Klängen. Egal wie bitterkalt es auch war, ich hatte stets lieber draußen gefroren, als Zwille ins Haus einzuladen.
Ein paar Tage später kam Frederik mit schlechter Laune nach Hause, irgendwie war es wohl ein stressiger Arbeitstag. Einen stressigen Tag hatte ich allerdings auch, ich war mal wieder steif gefroren und konnte kaum die Finger beugen vor Kälte. Der Haushalt kam an dem Tag auch etwas „kurz“. Frederik war muffelig, als er sah, dass ich die Wäsche noch nicht erledigt hatte und fragte mich zynisch, was ich denn den lieben langen Tag so machen würde. Tick Tick Tick – Boom! Da platze mir die Hutschnur inklusive Geduldsfaden und ich konterte ebenso zynisch zurück, dass ich mich, wie er es von mir immerhin verlangte, brav die ganze Zeit mit Zwille unterhalten hatte! Zack – Ruhe!
Mit der Zeit konnte ich sogar schon das Motorengeräusch von Zwilles Wagen von dem Geräusch anderer Autos gut unterscheiden. Bereits von Weitem erkannte ich es und nutzte, sofern es mir möglich war, den Vorsprung, um ins Haus zu verschwinden oder einfach das Weite zu suchen. Manchmal sprang ich schnell ins Auto und tat so, als würde ich gerade zufällig jetzt wegfahren müssen. Wenn ich dann zurückkam hing wieder etwas am Zaun, mal kleine Pflanzen, mal Obst oder Gemüse. Dann hatte ich schon wieder ein schlechtes Gewissen, dass ich mich eigentlich so mies gegenüber Zwille verhielt. Doch das schlechte Gewissen musste mich nicht lange quälen, denn kaum war ich zurück, kam Zwille ja schon wieder angefahren. Diese Zufälle kamen mir ab und an schon gruselig vor. Beobachtete er mich etwa? Ich wischte diesen Gedanken rasch weg. Solch ein Unsinn, das ginge ja nun wirklich zu weit, oder? Und schon hatte ich wieder ein schlechtes Gewissen. Wie kann ich so schlecht von ihm denken?
Irgendwann, in einem der täglich eher belanglosen Gespräche zwischen Zwille und mir, erzählte ich ihm, dass unsere Heuqualität von Woche zu Woche immer schlechter werden würde. Wir bekamen einmal die Woche einen Heuballen geliefert. Der Heulieferant lagerte die Heuballen nicht ein, sondern ließ sie einfach bis zum Verkaufstag bei Wind und Wetter auf der Wiese liegen. Je weiter das Jahr voranschritt, umso schlimmer wurden die Lagerspuren im Heu, bis dass sich sogar erbsengroße Schimmelpilze im Heu fanden und die Ummantelung schwarz vom Schimmelbefall war. Aber wir hatten keine Unterbringungsmöglichkeit bei uns auf dem Hof, um den Jahresbedarf gleich nach der Ernte selbst trocken einzulagern. Zwille verkaufte nur Stroh und kannte auch niemanden, der uns besseres Heu hätte liefern können. Es dauerte aber nicht lange, da hatte Zwille eine tolle Idee. Er rief mich an und sagte völlig begeistert, dass er mir unbedingt etwas zeigen müsste. Er würde gleich vorbeikommen und mich abholen. Das begeisterte mich erstmal nicht sonderlich, denn ich hatte noch einiges an Arbeit vor mir, aber ich war neugierig und willigte ein. Ich wäre ja ohnehin nicht drum herum gekommen. Bis heute kann ich dieses Gefühl nicht vergessen, das mich umschloss, als ich in sein Auto stieg. Es war mir nicht gleich klar, warum es so war, aber ich fühlte mich völlig beklemmt, als wenn mir die Luft abgeschnürt werden würde. Zwille wollte mir freudig etwas zeigen, aber ich fühlte mich in dem Moment, als die Autotür sich neben mir schloss, regelrecht hilflos ausgeliefert. Zwille war doch in dem Sinne kein Fremder für mich und war doch auch immer freundlich zu mir, dennoch war dieses unangenehme Gefühl einfach da. Mein Magen zog sich zusammen. Ich schaute mich im Wagen um und stellte überrascht fest, dass das Auto penibel sauber war. Kein Staub auf dem Armaturenbrett, die Fenster geputzt, die Sitze sauber wie bei einem Neufahrzeug, nicht ein Krümel im Innenraum, einfach nichts, was auch nur annähernd darauf schließen ließ, dass dieses Auto einem Bauern gehören würde. Von solchem Zustand konnte mein Auto nur träumen, fuhren hier doch regelmäßig Schäfchen, Ponys, Hunde und sonstiges Getier im Auto mit. Fühlte ich mich vielleicht deshalb so unwohl? Ich schämte mich schon fast, mit meiner Stalljacke in das Auto gestiegen zu sein und hoffte, dass ich kein Schmutzkrümel von meinem Schuh verlieren würde. In mir stieg unweigerlich die Frage hoch, wie das Auto so sauber bleiben könnte, wenn Zwille doch angeblich täglich so viele landwirtschaftliche Tätigkeiten rings um unser Haus herum zu tun hatte? Hatte er sein Auto vielleicht extra für heute geputzt? Zwille fuhr mit mir zum Nachbargrundstück, welches seit Jahren unbewohnt war. Zwille zeigte mir den riesigen Vorgarten, der vor dem Haus lag und führte sich dabei fast schon wie der Hausherr dieses Grundstücks auf. Es war mir unangenehm, auf dem Grundstück von Fremden herumzulaufen, ohne zu wissen, ob es den Eigentümern überhaupt recht oder gar bewusst war, dass ich als Fremde dort einfach eine Führung erhielt. Dann führte Zwille mich zielstrebig ins Haus. Er zeigte mir jedes Zimmer, von der Küche bis zum Schlafzimmer. Bei jedem neuen Raum dachte ich immer wieder, was er mir hier eigentlich zeigen wollte und wartete bei jedem neuen Raum auf die von ihm angekündigte Überraschung. So wie Zwille sich hier aufführte, erweckte es beinahe den Eindruck, als wenn ein Mann seiner Frau das neu erworbene Liebesnest präsentieren würde. Ich fühlte mich völlig deplatziert und bohrte ungeduldig nach, warum er mich hierher gebracht hätte, warum er mir das alles zeigen würde? Er eilte sich nun: „Ja, nur noch kurz, dit wollt ick dir nur schnell zeigen. Aber wir jehn mal nach hinten, dit wollt ick dir noch zeigen.“ Er führte mich nun in den Garten hinterm Haus. Er schlenderte mit mir an einem Bienenwagen vorbei, welchen er mir natürlich auch noch ausführlich präsentieren musste. Er zog nahezu jede Wabe heraus, um sie mir fast schon stolz zu zeigen. Zwille war nicht zu bremsen und während ich wie gewohnt zuhörte, plauderte er unaufhörlich weiter, plauderte über die Hausbesitzer, deren Familienverhältnisse, warum das Haus überhaupt leer stand, dass sie ihm das Haus wohl zum Kauf anboten. Huch, jetzt war ich wach! Oh weh, Zwille war ohnehin schon ständig anwesend, aber ihn jetzt noch als direkten Nachbarn zu haben, das könnte ich wohl kaum ertragen. So nett wie er auch war, das hätten meine Nerven nicht mitgemacht. Es war aber auch wirklich sehr anstrengend mit ihm und diese seltsame Vorführung hier bewies es mir erneut, dass ich ihn nicht unbedingt als neuen Nachbarn in Sichtweite haben wollte. „Ach Zwille…“, meldete ich mich nun zu Wort, „Du hast doch schon ein Haus, was willst Du denn nun noch ein weiteres haben? Denk doch mal darüber nach, ob das finanziell überhaupt sinnvoll ist und die ganze Arbeit, die dann doppelt anfällt. Denk dran, Du hast nur einen Hintern und kannst damit nur in einem Haus sitzen, oder?“ In dem Augenblick, als ich diesen Satz ausgesprochen hatte, biss ich mir gleich auf die Zunge. Er wird doch wohl nicht die Idee haben, hierher zu ziehen? Zwille jonglierte nun mit seinen Gedanken umher, wie praktisch es wäre, wenn er hier im Dorf so nah bei der Mutter wohnen könnte, und das Haus wäre ja viel schöner und größer. „Aber auch viel teurer“, warf ich hastig ein. Doch Zwille schwärmte weiter und während ich hinter ihm her trottete, erwähnte er, wie romantisch die Lichter am Gartenteich in der Nacht leuchten würden. Romantisch? In der Nacht? Es war vermutlich gut, dass Zwille vorweg lief und mir in diesem Moment nicht ins Gesicht schauen konnte. In meinem Kopf ratterte es heftig, was bitte würde Zwille hier in der Nacht machen? Ein Kommentar dazu verschluckte ich aber lieber und folgte ihm nur weiter stillschweigend. Doch innerlich wurde ich immer angespannter und ich hatte wirklich keine große Lust mehr auf diese Wanderung durch ein fremdes Haus und über ein fremdes Grundstück. So versuchte ich erneut, Zwille nun endlich zum eigentlichen Thema zurückkommen zu lassen. „Zwille, ich hab’ wirklich nicht so viel Zeit, sag mir doch mal, was Du mir eigentlich zeigen wolltest.“ „Naja warte mal ab“, sagte er und verschwand quasi zwischen zwei hoch gewachsenen Hecken. „Komm’ mal mit, guck’ mal!“ Ich kämpfte mich ebenfalls durch das Gestrüpp, durch welches Zwille vorweg grade entschwand. Auf dem hinteren Teil des weitläufigen Grundstücks tauchten wie aus dem Nichts zwei große, graue, langgezogene Gebäude auf. Früher wurden diese Gebäude als Kuhställe genutzt, doch nun standen sie bereits seit vielen Jahren leer. Zwille war sichtlich stolz, als er mir diese Hallen präsentierte. Nun kam er mit seiner Überraschung raus, hier könnte ich mein ganzes Jahresheu unterstellen und bräuchte so nicht mehr das vergammelte und schlecht gelagerte Heu von der Wiese kaufen. Fast heroisch streckte er seine Hand präsentierend in Richtung der alten Ställe aus. Er platzte fast vor Stolz, als er mir diese Idee vorstellte, und ich stand mit großen Augen vor ihm. Die Idee war ja wirklich großartig, aber wie käme er dazu, mir die Hallen anzubieten? Warum? Wieso? Zwille erklärte mir, dass er für das Nachbargrundstück nun die Hausmeistertätigkeit übernommen habe und im Gegenzug dazu die Hallen nutzen dürfe. Eigentlich wollte er seine Trecker in die Hallen stellen, doch die Einfahrtstore der Hallen seien wohl zu klein, sodass er mit seinen Treckern nicht hinein käme. Es wäre ihm auch zu viel Arbeit, die Hallen umzubauen, und somit wüsste er eigentlich nicht, was er mit den Ställen anstellen solle. Die Ställe lagen direkt neben seinem kleinen Gemüsebeet, welches er sich im letzten Jahr dort hinten angelegt hatte. Wenngleich er bei sich daheim einen Garten direkt an seinem Wohnhaus hatte, legte er sich einen kleinen Gemüsegarten hier im absoluten Niemandsland an, ohne Wasserzugang und so weit von Zuhause weg. Ich wurde aus ihm nicht schlau, ein komischer Kauz irgendwie. Da ist doch der Spritpreis für die ständige Fahrerei zur Versorgung des Gartens wesentlich höher, als wenn er sich das Gemüse im Laden kaufen würde. Fragen über Fragen, aber egal welchen Grund er dafür auch hätte, eigentlich ging mich das doch gar nichts an, darum wunderte ich mich nur still und hinterfragte das nicht weiter. Meine Gedanken kreisten um die Hallen und die Möglichkeit, dort Heu einlagern zu können. Das würde die Probleme lösen, doch wie sollten wir die großen Ballen von dort zu uns herüber bekommen? Zwilles tolle Idee wollte ich aber nicht gleich verwerfen und das Angebot am Abend mit Frederik besprechen. Frederik war von der Idee ebenfalls spontan angetan. Es brauchte also nur noch eine Lösung, wie wir die Ballen zu uns herüberbringen konnten. Uns war klar, dass wir solch eine tolle Möglichkeit so schnell nicht mehr bekommen würden und wurden gleich am nächsten Tag mit Zwille handelseinig. Für einen minimalen Obolus von 120 Euro im Jahr konnten wir eine Hälfte des ehemaligen Kuhstalls zum Lagern unseres Heus mieten.
Pro Woche benötigten wir mittlerweile einen Rundballen Heu für die Tiere. Die Kuhställe beziehungsweise nun Heuscheunen, die uns Zwille vermietete, waren beinahe einen halben Kilometer von uns entfernt. Über diese Strecke hätten wir spätestens im Winter keinen Ballen mehr von Hand zu uns rüber rollen können. Es musste nun also zügig eine passende Lösung für dieses Problem her. Es war an der Zeit, dass wir uns einen eigenen kleinen Traktor anschaffen wollten. Immerhin wuchsen auch die Arbeiten auf dem Hof, für die ein eigener Traktor nützlich sein würde, um diese mittlerweile alltäglichen Arbeiten bewältigen zu können. Eine Anschaffung würde sich also ohnehin lohnen. Nachdem wir einige Internetanzeigen durchsuchten, fanden wir einen alten Oldtimer Traktor, der uns passend vorkam: einen Geräteträger mit Namen RS 09. Frederik war ganz begeistert von dem merkwürdigen Trecker, der in meinen Augen eher wie ein Kinderklettergerüst aussah, beinahe wie ein seltsames Gerippe mit einem langen Stahlträgerbalken, an dem scheinbar die Räder nur seitwärts dran geschraubt wurden und der Sitz einfach auf dem Balken oben drauf gesteckt wurde. Einen Trecker stellte ich mir irgendwie anders vor. Seine schönsten Glanzzeiten hatte das Gerät längst hinter sich gelassen, soviel stand fest. Der Trecker war knallrot lackiert mit einem grau lackierten Frontheber und grauen Felgen. Frederik freute sich auf die Herausforderung, mit dem Trecker zu arbeiten, überschätzte aber scheinbar seine anfängliche Kompetenz auf dem Gebiet. Vom dem Moment an, als die beiden Verkäufer uns das Gerät vorführten, kamen mir Zweifel an dem seltsam anmutenden Trecker. Auf den ersten Blick sah er gepflegt und sauber aus. Sauber? Ein Trecker? Mir kam es komisch vor. Warum ist ein Trecker, mit dem angeblich noch gearbeitet wird, so sauber? Mir fiel auf, dass die Lackierungen überall, sogar über Kabel und Schrauben, scheinbar nur drüber gesprüht wurden. Ist das nicht so, als würde man etwas vertuschen wollen? Fast überall fehlten Schrauben und Bolzen oder es tröpfelte irgendwo eine Flüssigkeit heraus. Doch ich stand im Tal der Ahnungslosen, mit Trecker kannte ich mich so gar nicht aus. Darum fragte ich etwas kleinlaut nach, ob da nicht ein paar Schrauben fehlen und warum hier und da etwas heraustropfen würde. Ich wurde von den Männern belächelt. „Frauen!“ Mir wurde erklärt, dass das bei solch alten Geräten einfach so sei und durchaus immer so wäre, „dass da was tröpfelt“. „Das ist halt so“, hieß es. Ich hielt mich dann skeptisch zurück und hoffte, dass Frederik in seiner Überzeugung schon wissen würde, ob das alles so seine Richtigkeit hätte. Die beiden Verkäufer waren schließlich auch richtig nett. Gegen Aufpreis würden sie uns das Ding sogar nach Hause liefern. Prima, eine Sorge weniger, denn wir hätten auch nicht gewusst, wie wir den Trecker zu uns bekommen sollten. Also waren wir uns rasch handelseinig, und dies, obwohl Frederik das Ding nicht mal zur Probe fahren konnte. Komisch, bei Autos macht man das doch so, oder? Wir waren froh, dass man uns den tollen Trecker nach Hause liefern würde und wir schon bald unser Stroh und Heu selbst von der Scheune abholen könnten. Gleich am nächsten Tag brachten uns die freundlichen Verkäufer gegen Aufpreis den tollen, neuen Trecker. Sie ließen ihn von der Laderampe hinunterrollen und stellten ihn dort ab, wo er zum Stehen kam. Wir müssten nur noch etwas Getriebeöl aufkippen, hieß es. Das hätten sie für den Transport wohl abgelassen. Warum sie sich die Mühe machten, das Getriebeöl für den Transport abzulassen, erstaunte mich schon etwas, aber wie gesagt, ich war halt kein Kenner dieser alten Technik. Es würde sicherlich auch das geringste Problem sein, etwas Öl nachzuschütten. Frederik ließ sich zeigen, wo wir das Getriebeöl aufkippen mussten, und „schwupps“ waren die Herren zügig wieder weg. Da, wo der Trecker abgestellt wurde, blieb er dann auch die nächsten Tage stehen. Um genau zu sein, die nächsten Wochen. Irgendwie lief das Getriebeöl immer unten wieder raus, wenn wir es oben aufkippten. Komisch. Es lief irgendwie immer wieder aus allen Löchern, wo auch die vielen Schrauben und Bolzen zuvor von mir vermisst wurden. Also zogen wir los, um Bolzen und Schrauben in der passenden Größe, eine Dichtung und dazu noch Muffen, Dichtringe etc. zu kaufen. Und wenn man meinte, das wäre es jetzt gewesen, so kam ein neues „Und" dazu. Es kam, wie es kommen musste, wir beiden Stadtkinder waren die perfekten „Bauernopfer“ geworden und haben uns eine absolute Grotte andrehen lassen, die nur hübsch mit Farbe übergepinselt worden war. „Bauernblind“ nennt man das. Der Trecker war undicht und es lief quasi aus allen Ritzen, überall fehlten Teile und Dichtungen. Es war nahezu alles an dem Gerät defekt was nötig war, um den Trecker im Einsatz zu halten. Das war schlichtweg ein Reinfall. Doch da stand er nunmal, der Reinfall. Selbst wenn wir ihn nun wieder weggeben wollten, wir hatten ihn gar nicht vom Fleck weg bekommen. Frederik wurde nach und nach nun auch klar, was mir in meiner „Frauenlogik“ wesentlich schneller klar gewesen war: Der Trecker wird ein langes Bastelprojekt ohne tatsächlichen Nutzen. Es musste also rasch eine Alternative her. Hier kam der Wink des Schicksals und wir hatten Glück im Unglück. Zwischenzeitlich hatten wir wegen der immer schlechteren Heuqualität den Heulieferanten gewechselt. Der Kutscher hatte uns seinen Heulieferanten Hotte empfohlen. Ein Glücksgriff, denn wir bekamen jede Woche einen bedeutend besseren Heuballen von ihm geliefert als die vergammelten Dinger, die uns der vorherige Lieferant zumutete. Hotte fiel selbstverständlich gleich der Trecker ins Auge, als er unseren wöchentlichen Heurundballen lieferte. Wie es überhaupt dazu kam, dass nun auf unserer Wiese vor dem Haus dieser nutzlose Trecker stand, erzählten wir natürlich etwas peinlich berührt. Von dem Plan, nebenan gleich den ganzen Jahresvorrat einlagern zu wollen, waren wir immer noch begeistert. Hotte war in der Umgebung natürlich wesentlich besser vernetzt als wir und kannte zufällig jemanden, der ebenfalls einen RS09 verkaufen wollte. Der Trecker sei zwar nicht so ansehnlich, aber er wäre dafür zu 100% sofort funktional und würde treue Dienste leisten. Das sicherte uns Hotte zu, und diesmal hatte ich auch ein gutes Gefühl bei der Sache. Da Hotte uns bei dem Kauf Unterstützung zusicherte, gingen wir auf das Angebot ein und kauften also einen recht rostigen und unschönen RS09 dazu, welcher dafür aber tatsächlich zuverlässig funktionierte. Wie heißt es doch so schön: Aussehen ist nicht alles. Wir hatten nun einen (schönen) Trecker, der nichts taugte und einen hässlicheren Trecker, mit dem wir aber alles Nötige erledigen konnten.
