Kitabı oku: «Beethoven zum Vergnügen»
Beethoven zum Vergnügen
Herausgegeben von Michael Ladenburger
Mit 8 Abbildungen
und einigen Notenbeispielen
Reclam
2020 Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen
Coverillustration: Nikolaus Heidelbach
Gesamtherstellung: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen
Made in Germany 2020
RECLAM ist eine eingetragene Marke der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart
ISBN 978-3-15-961551-6
ISBN der Buchausgabe 978-3-15-019496-6
www.reclam.de
Inhalt
Einleitung
Anhänglichkeit an die Bonner Jugendfreunde
Im Umgang mit seinen Wiener Freunden
Geschätzte Künstler, Kollegen und Mäzene
Kein dauerhaftes Vergnügen – Liebesgeschichten und Heiratssachen
Hilfesuchend bei der Suche nach einer Frau an seiner Seite
Welch ein Vergnügen! – Der Rentenvertrag
Ein zuweilen zweifelhaftes Vergnügen – Beethoven und seine Verleger
Kritik am Kritiker
Kritiken – nicht zum Vergnügen
Ein noch zweifelhafteres Vergnügen – Beethoven als Haushaltsvorstand
Von Noten und Nöten
Eine »verschlankte« Steuererklärung
Gutsbesitzer verso Hirnbesitzer – Ludwig als älterer Bruder
Ein Wein-erliches Vergnügen
Erinnerungen an Beethoven
Vergnügliches in Notenhandschriften
Musikalische Scherze und Kanons
Scherze in Konversationsheften
Lebensklugheit in Haselnüssen von Ignaz Franz Castelli
Comoedia finita est
Zeittafel
Textnachweise
Verzeichnis der Abbildungen

Ludwig van Beethoven
Idealisierendes Gemälde von Joseph Karl Stieler, 1820
»für mich gibts kein großeres Vergnügen als meine Kunst zu treiben und zu zeigen«
Beethoven an Franz Gerhard Wegeler, Wien, 16. November 1801
»Wahre Kunst bleibt unvergänglich u der wahre Künstler hat inniges Vergnügen an großen Geistes-Produkten.«
Beethoven an Luigi Cherubini, März 1823
Einleitung
Ludwig van Beethoven galt schon zu seinen Lebzeiten als höchst ernsthafter Mensch und Komponist. Noch heute sieht man ihn – allerdings oft sehr einseitig – unter diesem Generalvorzeichen. Die immer wieder abgebildeten authentischen Portraits, mehr noch die romantisch überhöhten Bildnisse aus dem späteren 19. Jahrhundert spiegeln diese Ernsthaftigkeit wider, oft in überzeichneter Form und bis zur Verkniffenheit gesteigert, während in Wirklichkeit wohl mehr der Widerwillen, einem Portraitisten länger zu sitzen, dahinterstand. Eine komplexe Künstlerpersönlichkeit wie Beethoven war allerdings alles andere als homogen und stromlinienförmig. Zwar zog er sich schon in seiner Jugend des Öfteren zurück, wollte für sich sein. Ab dem 28. Lebensjahr verstärkte seine zunehmende Schwerhörigkeit diese Tendenz, zog Misstrauen und Scham und in der Folge soziale Isolation nach sich. Bettina Brentano beschrieb er 1811 den Pendelschlag mit den Worten: »Rauschende Freude treibt mich oft gewalthätig wieder in mich selbst zurück.«
Beethoven hatte aber auch eine ganz andere Seite und behielt sie ungeachtet aller Belastungen bis zu seinem Lebensende. Ja, man kann ohne in Spekulationen verfallen zu müssen, konstatieren, dass gerade sein Humor es ihm ermöglichte, seine künstlerische Schaffenskraft und die menschlichen Tragödien seines Lebens in Balance zu halten. Humor war manchmal sozusagen die bessere Alternative zur Verzweiflung. Daher kann man Beethoven als Mensch und als Künstler besser verstehen lernen, wenn man seinen Humor, der sich in gelöster Stimmung, vor allem aber auch als ausgleichendes Momentum in schwierigen Situationen hervortat, unter Zuhilfenahme der eigenen Phantasie auszuloten versucht. Das sahen übrigens schon seine Zeitgenossen so.
Beethoven war humorvoll, gesellig, legte großen Wert auf Freundschaft und gerade gegenüber Freunden und Vertrauten schlug sein Humor in Form von Wortspielen, Verballhornungen, Ironie, Sarkasmus und Übermut machmal fast erbarmungslos zu. Diese Seite seiner Persönlichkeit soll in der hier vorlegten Auswahl seiner Texte im Zentrum stehen. Sie speisen sich aus dem reichen Fundus von knapp 1800 Briefen, die von ihm überliefert sind. (Das Wort »Vergnügen« taucht übrigens auffallend oft im Briefwechsel auf, manchmal allerdings lediglich als Höflichkeitsfloskel.) Trotz dieser nicht unbeträchtlichen Anzahl an nachweisbaren Briefen (es wird insgesamt deutlich mehr gegeben haben) tat sich Beethoven nach eigener Aussage mit dem Korrespondieren schwer. Das konnte ganz unterschiedliche Gründe haben – angefangen von emotionalen Hürden, angesichts von Heimweh und Sehnsucht nach den alten Bonner Freunden, bis zu regelrechten inneren Blockaden, weil er partout nicht die richtigen Worte finden konnte, mit denen er seine Empfindungen angemessen hätte ausdrücken können, oder bei schwierigen, ihn belastenden Themen oder ihm peinlichen Absagen. »[D]em Compositeur Beethoven ist Briefschreiben und Rechnen etwas odioses«, ließ Georg August Griesinger im April 1802 den Leipziger Musikverleger Christoph Gottfried Härtel wissen. Die Korrespondenz zeigt den Komponisten, der schon zu Lebzeiten als »musikalischer Jean Paul« tituliert wurde, als Briefschreiber, der die damaligen Normen kannte und dementsprechend je nach Adressaten unterschiedliche Schreibstile berücksichtigte. Wie Sieghard Brandenburg gezeigt hat, verwendete Beethoven nach Maßgabe der Rhetorik den niederen, mittleren und höheren Stil. Gedruckte Ratgeber in Bezug auf das Verfassen wirklich jeglicher Zweckbestimmung von Briefen (bis hin zum »Bewerbungsschreiben eines Witwers mit zwey Kindern an ein lediges Mädchen« samt Antwortschreiben des Mädchens) waren damals weit verbreitet (der unter dem Pseudonym Franz Xaver Samuel Riedel erschienene Wiener Sekretär für alltägliche Fälle des gemeinen Lebens erlebte zu Lebzeiten des Komponisten mehr als 15 Auflagen!). Beethovens Lehrer Christian Gottlob Neefe hatte im Februar 1785 im 45. und 46. Heft der Bonner Wochenzeitschrift Beiträge zur Ausbreitung nützlicher Kenntnisse einen Artikel über »Etwas von der Kunst, Briefe, besonders freundschaftliche und scherzhafte, zu schreiben. Nebst einigen Mustern« veröffentlicht, den sein 14-jähriger Schüler vermutlich zu Gesicht bekam. Er warnt darin ausdrücklich davor, stereotype Briefe zu verfassen, da sie, als unnatürlich empfunden, nie ihre Wirkung erzielen könnten und greift dabei bis auf Cicero und Plinius zurück. Beethoven, der eine bescheidene Schulbildung besaß, hatte sich schon 1783 im Falle der Erstausgabe seiner ersten drei Klaviersonaten WoO 47 in Bezug auf die Abfassung der Widmungsadresse an Kurfürst Maximilian Friedrich Formulierungshilfe eingeholt. Er ließ sich auch später in wichtigen Fällen beraten, etwa wenn es um das Schreiben an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. ging, mit dem er die Widmung der 9. Sinfonie unterbreitete und um deren Genehmigung bat. In den allermeisten hier ausgewählten Briefen ist Beethoven aber denkbar weit von solch konventionellen Vorgaben entfernt. Vergnügen resultiert ja aus Abwechslung und individueller Phantasie. Wie differenziert der Komponist beim Briefschreiben vorging, ist schon an der gelegentlichen Hinzufügung eines »von« bei Adressen an Bürgerliche zu erkennen, manchmal ein Zeichen besonderer Hochachtung, sozusagen eine vom Herrscher im Reich der Tonkunst ausgesprochene Nobilitierung, manchmal ironisch gebrochen, manchmal geradezu provokant (für Tobias Haslinger: »an Herrn von Tobias. Edler v. Haß – lin – ger.«).
Die hier getroffene Auswahl berücksichtigt ferner Eintragungen in den sogenannten Konversationsheften – jenen Heften, die Beethovens Gesprächspartner in seinen letzten zehn Lebensjahren verwenden mussten, um dem Schwerhörigen ihre Fragen und Antworten mitzuteilen. Ein längerer Ausschnitt aus dem Konversationsheft, das am 2. September 1825 benutzt wurde, gewährt unmittelbaren Einblick in die – in diesem Fall ausgesprochen lustige – Lebenswelt des Komponisten. Auch die Erinnerungen von Zeitgenossen bieten manch amüsanten Bericht. Alle diese Dokumente ergeben zusammen ein äußerst buntes Bild, das oft so gar nicht jenem entsprechen will, das viele simplifizierend vom Komponisten der 9. Sinfonie und der späten Streichquartette im Sinn haben. Aber der humorvolle Beethoven ist auch in manchem seiner – oft als durch und durch ernsthaft apostrophierten – Werke erst noch in der Breite zu entdecken, man denke nur an die frühe Streicher-Serenade op. 8, die Klaviersonate op. 14 Nr. 2 oder die späten Diabelli-Variationen op. 120. Auch die Klaviersonate Nr. 31 Nr. 1, die Prometheus-Variationen op. 35 und die 8. Sinfonie op. 93 sind hier zu nennen und gleich in mehrfacher Hinsicht das Lied Aus Goethes Faust op. 75 Nr. 3, das »Flohlied«. In ihm schreibt der Komponist im Klavierpart am Ende Fingersätze vor, die den Floh knicken und den Pianisten zwicken. Beethoven ist hier ganz bei sich. Fragt man sich, was der 22- bis 24-Jährige bei seinem Lehrer Joseph Haydn gelernt bzw. sich abgeschaut hat, dann wird man nicht zuletzt Humor, Witz und Überraschungseffekte in der Musik nennen. Schon in Bonner Tagen sollte das Ritterballet WoO 1 den Bonnern Vergnügen in der fünften Jahreszeit bieten – und seinem Förderer Ferdinand Graf Waldstein zudem das besondere Vergnügen, als Autor (auch der Musik) geführt zu werden. Die erste Aufführung fand am Faschingssonntag statt und zwar durch den »hiesigen Adel und in altdeutscher Tracht«.
In unserem Zusammenhang ins Bild zu rücken sind außerdem von Beethoven vertonte einschlägige Liedtexte, vor allem aber auch die meist wenig bekannten vergnüglichen Texte, die er als Musikalische Scherze oder Scherzkanons vertont hat. Nur so steht uns ausreichend vor Augen, wie vielgestaltig Beethoven das weite Feld der Musik zwischen größter Ernsthaftigkeit und schrägstem Humor zu bearbeiten wusste. Es kommt einem dann das geflügelte Wort Johann Nestroys aus seiner Posse mit Gesang Einen Jux will er sich machen in den Sinn: »Das is classisch«. Berücksichtigt wurden schließlich auch Texte, die der diesbezüglich wählerische Komponist nur zu vertonen beabsichtigte – so die Sprichwörtersammlung Ignaz Franz Castellis, der ein Zentralgestirn des Humors und Juxes im von Restauration, sprich Überwachung und Zensur, geprägten biedermeierlichen Wien war. Humor war damals nicht einfach unbeschwertes Vergnügen, sondern oft doppelbödig bzw. die einzige Möglichkeit, etwas zum Ausdruck zu bringen, für das man – ernsthaft formuliert – sicherlich unangenehme Bekanntschaft mit der Obrigkeit gemacht hätte. 1794 formulierte Beethoven das so: »[M]an darf nicht zu laut sprechen hier, sonst giebt die Polizei einem quartier.« Tatsächlich geriet er einmal in die Fänge des Überwachungsstaates, wurde schließlich aber doch als harmloser Sonderling eingestuft. Im März 1820 findet man unmittelbar nach einer Skizze zum Kanon Hofmann sei ja kein Hofmann WoO 180 mit dem Text »nein, nein ich heiße Hofmann u bin kein Hofmann sondern ein Elend[er] schuft« einen Eintrag des den Komponisten gelegentlich beratenden Zeitungsredakteurs Joseph Carl Bernard: »Czerny hat mir erzählt, daß der Abbee Gelinek sehr über sie geschimpft hat im Camel [Gasthaus »Zum schwarzen Cameel«]; er sagt, Sie wären ein zweyter Sand, sie schimpften über den Kaiser, über den Erzherzog, über die Minister, sie würden noch an den Galgen kommen.« (BKh 1, 339) Beethoven auf einer Ebene mit dem Burschenschaftler Karl Ludwig Sand, dem Mörder Kotzebues, der als engstirnig und verbohrt, aber seinen demokratischen Idealen treu dienend galt! Tatsächlich könnte der eine oder andere Konversationshefteintrag von Beethovens Hand (er antwortete in der Regel mündlich) auf den dringenden Rat von Freunden zurückgehen, die vermeiden wollten, dass Beethoven sich im öffentlichen Raum, z. B. in Gasthäusern ideologisch (und akustisch) weit aus dem Fenster lehnte. Karl Holz ließ Beethoven im Januar 1826 wissen: »Die Polizey kostet hier das meiste; es gibt hier keinen Tisch im schlechtesten Bierhause, wo nicht so ein verkappter Spürhund säße.« Die Zensur sah er differenziert. Im November 1825 hatte Holz – auf die Vor-Metternich’sche Zeit bezogen – in ein Konversationsheft notiert: »Kaiser Joseph [II.] hat sogar viele Bücher verbothen, weil er wußte, daß sie dann erst recht gelesen werden. Sonnenfels [Joseph Sonnenfels, ein berühmter, in der Monarchie sehr einflussreicher Staatsrechtler, Widmungsträger von Beethovens Klaviersonate op. 28] hat so ein Buch geschrieben, und durch diesen Kniff wurde es allgemein verbreitet.« (BKh 8, 187)
Anhänglichkeit an die Bonner Jugendfreunde
Heinrich von Struve
Beethoven hat sich schon sehr früh tiefe Gedanken zu Themen wie Tod und Menschenrechten gemacht. Besonders letzteres war ein viel diskutiertes Thema in der Bonner Lesegesellschaft, der zahlreiche Freunde und Kollegen des jungen Beethovens angehörten. Die Lesegesellschaft war der Hort der Aufklärung in Bonn.
Beredt zum Ausdruck kommt die Geisteshaltung schon beim jungen Beethoven in einem »großen«, erst jüngst aufgetauchten Brief an seinen Bonner Jugendfreund Heinrich von Struve in St. Petersburg, geschrieben in Wien am 17. September [1795], der aufgeschlagen nur 8 × 9,3 cm misst. Die geringe Größe war durch die dann billigeren Portogebühren oder die Mitnahme durch einen gefälligen Kurier bedingt.
Heinrich von Struve (1772–1851) war, wie schon sein Vater, in den russischen Staatsdienst eingetreten, wurde im Jahr nach dem Erhalt dieses Briefes Legationssekretär bzw. Legationsrat beim niedersächsischen Kreis in Hamburg. Nachdem er oft seinen Wirkungsort gewechselt hatte, wurde er 1815 in Hamburg sesshaft, wo er, als Staatsrat für die Beziehungen Russlands zu den Hansestädten zuständig, nebenbei als angesehener Mineraloge und Botaniker 1837 den Hamburger Naturwissenschaftlichen Verein mitbegründete und 1843 Ehrenbürger wurde. Das »kalte Land« meint Russland. Johann Reiner Stupp (1767–1825) war bereits mit 24 Jahren Professor für juristische Encyclopädie und römisches Recht an der kurfürstlichen Universität in Bonn geworden. Übrigens drückte Johann Nestroy die Menschenrechtsfrage 1846 so aus: »Werden es denn die Engländer nie dahin bringen, dass man die Mohren unter die Weißen zählt?«
Lieber! daß du mir hieher geschrieben hast, hat mich unendlich gefreut, da ich mir’s nicht vermuthete. du bist also jezt in dem kalten Lande, wo die Mensch[h]eit noch so sehr unter ihrer Würde behandelt wird, ich weiß gewiß, daß dir da manches begegnen wird, was wider deine Denkungs=Art, dein Herz, und überhaupt wider dein ganzes Gefühl ist. wann wird auch der Zeitpunkt kommen wo es nur Menschen geben wird, wir werden wohl diesen glücklichen Zeitpunkt nur an einigen Orten heran nahen sehen, aber allgemein – das werden wir nicht sehen da werden wohl noch JahrHunderte vorübergehen.
den Schmerz, den dir der Tod deiner Mutter verursacht hat, habe ich auch sehr gut fühlen können, da ich fast zweimal in dem nemlichen Fall bey dem Tode meiner Mutter und meines Vaters gewesen bin. wahrlich wem sollte es nicht wehe thuen, wenn er ein Glied aus einem so selten anzutreffenden Harmonischen Ganzen wegreißen sieht – man kann nur noch hiebey vom Tode nicht ungünstig reden, wenn man sich ihn unter einem lächelnden sanft hinüberträumenden Bilde vorstellt, wobey der Abtretende nur gewinnt. –– ich lebe hier noch gut, komme immer meinem mir vorgestekten Ziele näher, wie bald ich von hier gehe, kann ich nicht bestimmen, meine erste Ausflucht wird nach ytalien seyn, und dann vieleicht nach Rußland, du könntest mir wohl schreiben, wie hoch die reise von hier nach P.[etersburg] kömmt, weil ich jemanden hinzuschicken gedenke sobald als möglich. deiner Schwester werde ich nächstens einige Musik von mir schicken.
Professor Stup von Bonn ist auch hier. grüße von Wegeler und Breuning an dich. ich bitte dich mir ja immer zu schreiben, so oft du kannst, laß deine Freundschaft für mich sich nicht durch die Entfernung vermindern, ich bin noch immer wie sonst dein dich liebender Beethowen.
Eleonore von Breuning
Eleonore von Breuning (1771–1841), ihre Geschwister sowie ihr späterer Mann Franz Gerhard Wegeler (1765–1848) gehören zu den ältesten und besten Freunden Beethovens. Ihr Elternhaus war für die Entwicklung des jungen Beethoven von großer Bedeutung. Beethoven gab ihr Klavierunterricht. Wegeler war später ein eminent wichtiger und hochangesehener Medizinalbeamter in französischen und preußischen Diensten.
aüserst überraschend war mir die schöne HalsBinde von ihrer Hand gearbeitet, sie erweckte in mir Gefühle der Wehmut, so angenehm mir auch die Sache selbst war; vergangenheit voriger Zeiten war ihre wirkung, auch beschämung auf meiner Seite durch ihr großmüthiges Betragen gegen mich. wahrlich, ich dachte nicht, daß sie mich noch ihres Andenkens würdig hielten. o hätten sie Zeuge meiner gestrigen Empfindungen bey diesem vorfall seyn können, so würden sie es gewiß nicht übertrieben finden, was ich ihnen vieleicht hier sage, daß mich ihr Andenken weinend und sehr Traurig machte, – ich bitte sie, so wenig ich auch in ihren augen Glauben verdienen mag, glauben Sie mir, meine Freundin (lassen sie mich ihnen noch immer so nennen) daß ich sehr gelitten habe und noch leide durch den verlust ihrer Freundschaft. Sie und ihre theure Mutter [Helene von Breuning] werde ich nie vergeßen, sie waren so gütig gegen mich, daß mir ihr verlust sobald nicht ersezt werden kann und wird, ich weiß, was ich verlohr, und was sie mir waren, aber ––––– ich müßte in Scenen zurückkehren, sollte ich diese Lücke ausfüllen, die ihnen unangenehm zu hören und mir ihnen sie darzustellen sind.
[…] leben sie wohl meine Freundin, es ist mir unmöglich sie anders zu nennen, so gleichgültig ich ihnen auch seyn mag, so glauben sie doch, daß ich ihnen und ihre Mutter noch eben so verehre wie sonst, bin ich im Stande sonst etwas zu ihrem vergnügen beytragen zu können, so bitte ich sie, mich doch nicht vorbeyzugehen, es ist noch dies einzig übrigbleibendes Mittel, ihnen meine Dankbarkeit für ihre genossene Freundschaft zu bezeigen. reisen sie glücklich, und bringen sie ihre Theure Mutter wieder völlig Gesund zurück. denken Sie zuweilen an ihren Sie noch immer verehrenden wahren Freund
Beethowen
an Fraülein von Breuning
an Eleonore von Breuning in Bonn [Bonn, Sommer 1792]
Verehrungswürdige Eleonore!
meine theuerste Freundin!
[…] sie erhalten hier eine dedication von mir an sie [die Zwölf Variationen für Klavier und Violine über die Arie »Se vuol ballare« aus Mozarts Oper »Le nozze di Figaro« WoO 40, erschienen in einem Wiener Verlag], wobey ich mir wünschte, das werk sey größer und ihrer würdiger. man Plagte mich hier um die herausGabe dieses Werckchens, und ich benuzte diese Gelegenheit, um ihnen meine verehrungswürdige E. einen Beweiß meiner Hochachtung und Freundschaft gegen sie und eines immerwährenden Andenkens an ihr Hauß zugeben. nehmen sie diese Kleinigkeit hin, und denken sie dabey, sie kömmt von einem sie sehr verehrenden Freunde, o wenn sie ihnen nur vergnügen macht, so sind meine Wünsche ganz befriedigt. es sey eine kleine wieder Erweckung an die Zeit, wo ich so viele und so seelige Stunden in ihrem Hause zubrachte, vieleicht erhält es mich im Andenken bey ihnen, bis ich einst wiederkomme, was nun freylich sobald nicht seyn wird, o wie wollen wir unß dann meine v.[erehrte] Freundin Freuen, sie werden dann einen Fröhlichern Menschen an ihrem Freunde finden, dem die Zeit und sein Besseres schicksaal die Furchen seines vorhergegangenen widerwärtigen ausgeglichen hat.
[…] Zum Schlusse meines Briefs wage ich noch eine Bitte: sie ist, daß ich wieder gerne so glücklich seyn mögte, eine von HaasenHaaren gestrickte weste von ihrer Hand meine liebe Freundin zu besizen, verzeihen sie die unbescheidene Bitte ihrem Freunde, sie entsteht aus grosser vorliebe für alles, was von ihren Händen ist, und heimlich kann ich ihnen wohl sagen, eine kleine Eitelkeit liegt mit dabey zum Grunde, nemlich: um sagen zu können, daß ich etwas von einem der Besten, verehrungswürdigsten Mädchen in Bonn besize. ich habe zwar noch die Weste, womit sie so gütig waren in Bonn mich damit zu beschenken, aber sie ist durch die Mode so unmodisch geworden, daß ich sie nur als etwas von ihnen mir sehr theures im KleiderSchranke aufbewahren kann.
vieles vergnügen würden sie mir machen, wenn sie mich bald mit einem lieben Briefe von ihnen erfreuten, sollten ihnen meine Briefe vergnügen verursachen, so verspreche ich ihnen gewiß so viel mir möglich ist hierin willig zu seyn, so wie mir alles willkommen ist, wobey ich ihnen zeigen kann, wie sehr ich bin
ihr sie verehrender wahrer Freund
L. v. Beethowen.
P. S.
die V.[ariationen] werden etwas schwer zum spielen seyn, besonders die Triller in der Coda, das darf sie aber nicht abschrecken, es ist so veranstaltet, das sie nichts als den Triller zu machen brauchen, die übrige[n] Noten lassen sie aus, weil sie in der ViolinStimme auch vorkommen. nie würde ich so etwas gesezt haben, aber ich hatte schon öfter bemerkt, daß hier und da einer in v.[ien] war, welcher meistens, wenn ich des Abends fantasirt hatte, des andern Tages viele von meinen Eigenheiten aufschrieb, und sich damit Brüstete; weil ich nun voraus sahe, daß bald solche Sachen erscheinen würden, so nahm ich mir vor ihnen zu vor zu kommen. eine andere Ursache war noch dabey, nemlich: die hiesigen Klawiermeister in verlegenheit zu sezen, ma[n]che davon sind meine Todtfeinde, und so wollte ich mich auf diese Art an ihnen rächen, weil ich voraus wußte, daß man ihnen die V. hier und da vorlegen würde, wo die Herren sich den[n] übel dabey produciren würden.
Beethowen.
an Eleonore von Breuning in Bonn, Wien, 2. November 1793
Nikolaus Simrock
Nikolaus Simrock (1751–1832) war als Hornist Kollege Beethovens in der Bonner Hofkapelle. Er bekam eine Gehaltszulage und wurde beauftragt, neue Musikalien zu besorgen. In der Zeit der französischen Invasion und der Auflösung des Kurstaates baute er seine Musikalien- und Instrumentenhandlung aus und gründete einen rasch florierenden Musikverlag. Angesichts eines lückenhaften Urheberschutzes druckte er viele Werke Beethovens einfach nach, was Beethoven nicht vergnügt haben dürfte. Von sieben Werken verlegte Simrock die Originalausgaben, von denen der Komponist auch finanziell profitierte.
Lieber Simrock!
[…] ich versprach ihnen im vorgen Briefe etwas von mir zu schicken, und sie legten das als Cavalier Sprache aus, woher hab ich den[n] dieses praedikat verdient? – Pfui, wer würde in unsern demokratischen Zeiten noch so eine Sprache annehmen; um mich ihres gegebnen praedikats verlustig zu machen, sollen sie, so bald ich die Grosse Revue an meinen Compositionen vorgenommen habe, was jezt bald geschiet, etwas haben, was sie gewiß stechen werden. –
[…] hier ist es sehr heiß; die Viener sind bange, sie werden bald kein gefrornes mehr haben können, da der winter so wenig kalt war, so ist das Eiß rar. hier hat man verschiedene Leute von Bedeutung eingezogen, man sagt, es hätte eine Revolution ausbrechen sollen – aber ich glaube, so lange der österreicher noch Braun’s Bier und würstel hat, revoltirt er nicht. es heißt, die Thöre zu den vorstädten sollen nachts um 10 uhr gesperrt werden. die Soldaten haben scharf geladen. man darf nicht zu laut sprechen hier, sonst giebt die Polizei einem quartier.
sind ihre Töchter schon groß, erziehen sie mir eine zur Braut, denn wenn ich ungeheirathet in Bonn bin, bleibe ich gewiß nicht lange da; – sie müssen doch auch jezt in Angst leben. was macht der gute Ries [Beethovens ehemaliger Geigenlehrer und Mentor Franz Anton Ries], ich will ihm nächstens schreiben, er kann nicht anders als unvortheilhaft denken von mir, aber das verfluchte schreiben, daß ich mich darin nicht ändern kann. – […] schreiben sie mir zuweilen.
ihr Beethowen
an Nikolaus Simrock in Bonn, 2. August 1794
Franz Gerhard und Eleonore Wegeler
Mein lieber alter Louis!
[…] Wenn du binnen den 28 Jahren, daß ich Wien verließ, nicht alle 2 Monate einen langen Brief erhalten hast, so magst du dein Stillschweigen auf meine ersten als Ursache betrachten. Recht ist es keineswegs und jetzt um so weniger, da wir Alten doch so gern in der Vergangenheit leben, und uns an Bildern aus unsrer Jugend am meisten ergötzen. Mir wenigstens ist die Bekanntschaft und die enge, durch deine gute Mutter gesegnete, Jugendfreundschaft mit dir ein sehr heller Punkt meines Lebens, auf den ich mit Vergnügen hinblicke und der mich vorzüglich auf Reisen beschäftigt. […]
Warum hast du deiner Mutter Ehre nicht gerächt [verteidigt], als man dich im Conversations-Lexikon, und in Frankreich zu einem Kind der Liebe machte? Der Engländer, der dich vertheidigen wollte, gab, wie man in Bonn sagt, dem Dreck eine Ohrfeige und ließ deine Mutter 30 Jahre mit dir schwanger gehen, da der König von Preußen, dein angeblicher Vater, schon 1740 gestorben sey, eine Behauptung, die durchaus falsch ist, da Friedrich II 1740 zum Throne kam, und 1786 erst starb. Nur deine angebohrne Scheu etwas andres als Musick von dir drucken zu lassen, ist wohl Schuld an dieser sträflichen Indolenz. Willst du, so will ich die Welt hierüber des Richtigen belehren. Das ist doch wenigstens ein Punkt, auf den du antworten wirst. – Wirst du nie den Stephansthurm aus den Augen lassen wollen? Hat Reisen keinen Reiz für dich? Wirst du den Rhein nie mehr sehn wollen? – Von Frau Lore alles Herzliche, so wie von mir.
Dein uralter Freund Wglr.
aus einem Brief Franz Gerhard Wegelers an Beethoven, Koblenz, 28. Dezember 1825.
Die 3., 1814 erschienene Auflage des Conversations-Lexikons von Friedrich Arnold Brockhaus hatte in seinem Beethoven-Artikel das in Alexandre Chorons und François Fayolles Dictionnaire historique des musiciens (Paris 1810) zuerst verbreitete Gerücht vermerkt, Beethoven sei ein natürlicher Sohn Friedrich Wilhelms II. von Preußen (1744–1797). Für ihn schrieb Beethoven 1796 seine Sonaten für Klavier und Violoncello op. 5. In der in London erscheinenden Musikzeitschrift Harmonicon vom November 1823 ist unter irreführendem Bezug auf Friedrich Wilhelm I. zu lesen: »but if this prince were really his father, he is the greatest prodigy the world ever saw, or most likely, will ever see again: for as Frederick II. [gemeint ist der »Soldatenkönig« Friedrich Wilhelm I. (1688–1740)] died in 1740, the period of Mad. Beethoven’s gestation must in such a case, have been exactly thirty years.« Wegeler bezieht sich auf den »Alten Fritz« (1712–1786), den Sohn Friedrich Wilhelm I. und Onkel Friedrich Wilhelms II.
Mein alter geliebter Freund!
Welches Vergnügen mir dein, u. deiner Lorchen Brief verursachte, vermag ich nicht auszudrücken. Freylich hätte pfeilschnell eine Antwort darauf erfolgen sollen; ich bin aber im Schreiben überhaupt etwas nachlässig, weil ich denke, daß die bessern Menschen mich ohnehin kennen. Im Kopf mache ich öfter die Antwort, doch wenn ich sie niederschreiben will, werfe ich meistens die Feder weg, weil ich nicht so zu schreiben im Stande bin, wie ich fühle. Ich erinnere mich aller Liebe, die du mir stets bewiesen hast; z. B. wie du mein Zimmer [in der Wenzelgasse in Bonn] weissen ließest u. mich so angenehm überraschtest, – eben so von der Familie Breuning. Kam man von einander, so lag dieß im Kreislauf der Dinge; jeder mußte den Zweck seiner Bestimmung verfolgen, u. zu erreichen suchen. Allein die ewig unerschütterlichen, festen Grundsätze des Guten hielten uns dennoch immer fest zusammen verbunden. – […] Du schreibst, daß ich irgendwo als natürlicher Sohn des verstorbnen Königs von Preussen angeführt bin; man hat mir davon schon vor langer Zeit ebenfalls gesprochen. Ich habe mir aber zum Grundsatze gemacht, nie weder etwas über mich selbst zu schreiben, noch irgend etwas zu beantworten, was über mich geschrieben worden. Ich überlasse dir daher gerne, die Rechtschaffenheit meiner Ältern, u. meiner Mutter insbesondre, der Welt bekannt zu machen. – […]
Vor Kurzem hat ein gewisser Dr. Spicker [der Bibliothekar der Königlichen Bibliothek in Berlin Samuel Heinrich Spiker] meine letzte große Symphonie mit Chören [9. Sinfonie op. 125] nach Berlin mitgenommen; sie ist dem Könige gewidmet, u. ich mußte die Dedication eigenhändig schreiben. Ich hatte schon früher bey der Gesandtschaft um die Erlaubniß, das Werk dem Könige zueignen zu dürfen, angesucht, welche mir auch von ihm gegeben wurde. Auf Dr. Spickers Veranlassung musste ich selbst das corrigirte Manuskript mit meinen eigenhändigen Verbesserungen demselben für den König übergeben, da es in die k. Bibliothek kommen soll. Man hat mir da etwas von dem rothen Adler-Orden 2ter Klasse hören lassen; wie es ausgehn wird, weiß ich nicht, denn nie habe ich derley Ehrenbezeugungen gesucht. Doch wäre sie mir in diesem Zeitalter wegen Manches Andern nicht unlieb. [Beethoven blieb die Ehrung, die Wegeler (Roter Adler-Orden 1830 zunächst 3. Klasse, 1839 dann 2. Klasse) für seine Verdienste als Medizinalbeamter erhielt, verwehrt. Er erhielt lediglich ein Dankschreiben und einen Brillantring.]
– Es heißt übrigens bey mir immer: Nulla dies sine linea [»Kein Tag ohne Linie«, Sprichwort abgeleitet von Plinius’ d. Ä.; Anekdote über den Maler Apelles], u. la[s]se ich die Muse schlafen, so geschieht es nur, damit sie desto kräftiger erwache. […]
Mein geliebter Freund! Nimm für heute vorlieb, ohnehin ergreift mich die Erinnerung an die Vergangenheit; u. nicht ohne viele Thränen erhältst du diesen Brief. Der Anfang ist nun gemacht, u. bald erhältst du wieder ein Schreiben; und je öfter du mir schreiben wirst, desto mehr Vergnügen wirst du mir machen. Wegen unsrer Freundschaft bedarf es von keiner Seite einer Anfrage, u. so lebe wohl; ich bitte dich, dein liebes Lorchen u. deine Kinder in meinem Nahmen zu umarmen u. zu küssen, u. dabey meiner zu gedenken. Gott mit euch allen!
Wie immer dein treuer, dich ehrender wahrer Freund
Beethoven
an Franz Gerhard Wegeler in Koblenz, geschrieben Wien, 7. Dezember 1826, versandt am 17. Februar 1827, fünf Wochen vor seinem Tod
Im Umgang mit seinen Wiener Freunden
Beethoven hatte in seinen Wiener Jahren etliche enge Bezugspersonen, die ihm vielfach verbunden und nicht zuletzt in alltäglichen Angelegenheiten behilflich waren. Sie lösten sich manchmal ab, da der Komponist wiederholt Konflikte mit ihnen hatte und dann andere Freunde (zumindest vorübergehend) in den Mittelpunkt rückten. Über den Daumen gilt die Grundregel: je näher er ihnen war, desto mehr nahm er sie sprachlich auf den Arm: Wortwitz als Zeichen freundschaftlicher Verbundenheit.
Nikolaus Zmeskall von Domanovecz und Lestine
Nikolaus Zmeskall de Domanovecz (1759–1833), wie er sich nannte, war ein ungarischer Adeliger (aber kein Freiherr/Baron), der seit 1783 in Wien lebte und in führender Position bei der ungarischen Hofkanzlei angestellt war. Er war – wie viele Beamte der damaligen Zeit – dilettierender Musiker, nach damaligem Sprachgebrauch also ein begabter Musiker, der lediglich nicht davon seinen Lebensunterhalt bestritt. Zmeskall war Cellist und komponierte – sogar Streichquartette, die damals anspruchsvollste musikalische Gattung. Er war insofern äußerst wichtig für Beethovens kompositorische Produktion, als er über längere Zeit für Kauf und Zuschnitt von Schreibfedern (meist Gänsekiele) verantwortlich zeichnete.
liebster Baron Dreckfahrer je vous suis bien obligè pour votre faiblesse de vos yeux. [betrifft eine von Zmeskall geliehene Brille, die vielleicht auch Anlass für die Komposition des Duetts mit zwei obligaten Augengläsern WoO 32 war] – übrigens verbitte ich mir in’s künftige mir meinen frohen Muth, den ich zuweilen habe, nicht zu nehmen, denn gestern durch ihr Zmeskal-domanovezisches geschwäz bin ich ganz traurig geworden, hol’ sie der Teufel, ich mag nichts von ihrer ganzen Moral wissen, Kraft ist die Moral der Menschen, die sich vor andern auszeichnen, und sie ist auch die meinige, und wenn sie mir heute wider anfangen, so plage ich sie so sehr, bis sie alles gut und löblich finden was ich thue (denn ich komme zum schwanen [das Gasthaus »Zum weissen Schwan« am Neumarkt], im Ochsen wärs mir zwar lieber, doch beruht das auf ihrem Zmeskalischen-domanovezischen Entschluß. (reponse) adieu Baron Ba….. ron r o n nor | orn | rno | onr |
(voila quelque chose aus dem alten versazAmt[)].
an Nikolaus Zmeskall von Domanovecz und Lestine, Wien, um 1798
mein liebster Baron barone, baron! –
domanovitz
ich bitte sie, heute eine Freundschaft der andern aufzuopfern, und in den Schwanen zu kommen – sie werden dadurch sehr verbinden
ihren ExGrafen Bthwn.
baron? baron ron aron ron – etc heil und Glück
glück und heil und heil und glük, glück,
heil, heil, glück etc.
baron
baron
baron
baron
an Nikolaus Zmeskall von Domanovecz und Lestine, Wien, um 1798
Der Musik-Graf ist seit heute infam kassirt. –
Der erste Geiger [Ignaz Schuppanzigh] wird in’s Elend nach Siberien transportirt.
Der Baron hat einen Ganzen Monath das Verboth nicht mehr zu fragen, nicht mehr voreilig zu seyn, sich mit nichts als mit seinem ipse Miserum sich abzugeben
B
an Nikolaus Zmeskall von Domanovecz und Lestine, Wien, vielleicht November 1809
Ich melde ihnen nur, daß ich hier und nicht da bin, und wünsche ebenfalls von ihnen zu wißen, ob sie da oder hier sind. – ich mögte sie einige Augenblicke sprechen, wenn ich sie zu Hause allein weiß – leben sie wohl aber nicht wollüstig – Inhaber Kommandant Pascha verschiedener Morscher Festungen!!!!! [gemeint sind wohl leichtlebige Damen] –
in Eil ihr Freund
Beethowen
an Nikolaus Zmeskall von Domanovecz und Lestine, Wien, 16. Oktober 1815
Ich danke ihnen Herzlich mein lieber Z für ihre mir gegebenen Erörterungen, was die Festungen anbelangt, so dächte ich, daß sie von mir die Meynung hätten, mich nicht in Sumpfigten Gegenden aufhalten zu wollen, übrigens ist es bey mir schwerer als irgendwo eine Haußhaltung einzurichten, denn ich verstehe davon nichts gar nichts, Fehltritten werde ich wohl immer ausgesezt seyn – nun was ih[r]en ersten Brief anbelangt, was soll ich darauf sagen, schon von Kindheit an habe ich mich alles guten andrer Menschen gern erinnert, u. es immer im sinn behalten, darauf kam auch die Zeit, wo besonders in einem Verweichlichten Jahrhundert dem Jüngling auch selbst etwas untoleranz zu seyn zu verzeihen war, nun aber stehn wir als Nazion wieder kraftvoller da, u. wie auch ohne dieß ich mir später eigen zu suchen gemacht habe, nicht den ganzen Menschen wegen einzelner Schwächen zu verdammen, sondern gerecht zu seyn, das gute vom Menschen im Sinne zu behalten, u. hat sich dieses nun sogar in geäußerten Handlungen gegen mich bezogen, so habe ich mich nicht allein als Freund des ganzen Menschengeschlechts sondern noch auch besonders einzelne darunter immer als meine Freunde angesehn und auch genannt, So in diesem Sinne nenne ich Sie denn auch meinen Freund, wenn auch in manchen Dingen wir beide verschieden handeln und denken, so sind wir doch auch in manchem übereingekommen; – So – nun zähle ich nicht weiter mehr – mögten sie nur recht oft meine Freundschaftliche Anhänglichkeit auf die Probe stellen!
wie immer Ihr Freund
Beethowen.
an Nikolaus Zmeskall von Domanovecz und Lestine, Wien, November/Dezember 1816
Graf Franz Brunsvik de Korompa
Franz Graf Brunsvik de Korompa (1777–1849) war das zweitälteste der Beethoven besonders verbundenen Brunsvik-Geschwister. Er war ein guter Cellist. Beethoven hätte ihn liebend gerne als Begleiter und Betreuer auf seinen ersten Kuraufenthalt in den böhmischen Bädern im Sommer 1811 mitgenommen. Obwohl er über dessen Absage sehr enttäuscht war, begann er auch danach seine Briefe an ihn mit der Anrede: »Lieber Freund und Bruder!«. 1807 hatte er ihm die Klaviersonate op. 57 »Appassionata« gewidmet.
Lieber, lieber B.! […]
Wenn du machen kannst, daß auch die ungarn [mich] kommen laßen, um ein paar Konzerte zu geben, so thue es – für 2000 in Gold könnt ihr mich haben – ich bringe mein[e] oper [Fidelio op. 72] alsdenn auch mit – mit dem Fürstlichen Theater-gesindel [eine »Gesellschaft der Cavaliere« hatte drei Wiener Theater übernommen] werde ich nicht zurechtkommen – so oft wir (mehrere)(amici) deinen Wein Trinken, betrinken wir dich d. h. wir trinken deine Gesundheit – – –
leb wohl eile – eile – eile mir die quartetten zu schicken – sonst kannst du mich dadurch in die gröste Verlegenheit bringen – Schuppanzig [der über eine beträchtliche Körperfülle verfügende Geiger Ignaz Schuppanzigh] hat geheirathet – man sagt, mit einer ihm sehr ähnlichen [Barbara Killitschky] – welche Familie???? – Küße deine Schwester Therese, sage ihr, ich fürchte, ich werde groß, ohne daß ein Denkmal von ihr dazu beyträgt, werden müßen – schicke Morgen gleich die quartetten – quar – tetten – t – e – t – t – e – n
dein Freund Beethowen
an Graf Franz Brunsvik de Korompa in Ofen [Budapest], Wien, 11. Mai 1807
Ignaz Freiherr von Gleichenstein
Ignaz Freiherr von Gleichenstein (1778–1828), im vorderösterreichischen Breisgau geboren, wurde Jurist und ließ sich im Sommer 1800 in Wien nieder. 1801 erhielt er eine Stelle als Konzipist im k. k. Hofkriegsrat, wo später Beethovens Bonner Jugendfreund Stephan von Breuning sowie etliche für das Wiener Musikleben sehr bedeutende Personen seine Kollegen wurden. Gleichenstein war Beethoven in vielen Angelegenheiten behilflich und beriet ihn bei den Verhandlungen bezüglich der Berufung an den königlich-westfälischen Hof Jérôme Bonapartes nach Kassel bzw. die damit verbundene Aussetzung einer »Rente« durch drei adelige Gönner in Wien. Beethoven dankte ihm mit der Widmung der Sonate für Klavier und Violoncello op. 69. In den Jahren 1808 und 1809 war Gleichenstein in geheimdienstlicher Mission in Süddeutschland und Frankreich unterwegs. Danach quittierte er den Dienst und zog 1811 nach seiner Hochzeit mit Anna Malfatti zurück nach Freiburg, wo er das heute noch existierende elterliche Weingut mit Landwirtschaft in Oberrotweil betrieb. Beethoven wäre liebend gerne Gleichensteins Schwager geworden, der – wie er ihn wissen ließ – »kein Kenner von Musik aber doch ein Freund alles Schönen und Guten« war.
Lieber gleichenstein –
die vorgestrige Nacht hatte ich einen Traum, worin mir vorkam, als sey’s du in einem Stall, worin du von ein paar prächtigen Pferden ganz bezaubert und hingerissen wardst, so daß du alles rund um dich her vergaßest.
dein Hut-Kauf ist schlecht aus gefallen, er hat schon gestern morgen in aller Früh einen Riß gehabt, wie ich hieher bin, da er zu viel Geld kostet, um gar so erschrecklich angeschmiert zu werden, so must du Trachten, daß sie ihn zurück nehmen, und dir einen andern geben, du kannst das diesen schlechten Kaufleuten derweil ankündigen, ich schike dir i[h]n wieder zurück – das ist gar zu arg –
[…] – leb wohl und – denk an meinen Traum und mich –
dein treuer Beethowen
Baaden am 13ten Juni
Pour Mr. de Gleichenstein Antworte mir Wegen dem Hut –
an Ignaz Freiherr von Gleichenstein, den er wenige Tage später so tituliert: »Meinem Freunde Gleichen-Stein ohne Gleichen im Guten und bösen«, Baden, 13. Juni 1807
Liederlicher Baron – ich hab’ dich gestern umsonst erwartet – mach nur doch, daß ich weiß, ob mir Durch Seine Frechheit Holz zukommt oder nicht – ich habe einen schönen Antrag als Kapellmeister Vom König von Westphalen erhalten – man will mich gut bezahlen – ich soll sagen wie viel Dukaten ich haben will – etc – ich möchte das mit dir überlegen – wenn du daher kannst, kom[m] diesen Nachmittag gegen halb 4 zu mir – diesen Morgen muß ich ausgehn –
an Ignaz Freiherr von Gleichenstein, Wien, um den 1. November 1808
Gräfin Marie Erdödy
Anna Maria (Marie) Gräfin Erdödy, geb. Gräfin Niczky (1778–1837) war seit 1796 mit Peter Graf Erdödy zu Monyorokerék und Monoszló, Mitglied einer musikliebenden ungarischen Adelsfamilie, verheiratet, lebte aber seit 1805 von ihm getrennt. Sie hatte drei Kinder, die Beethoven, der 1808/09 in ihrer Wiener Wohnung lebte, sehr ans Herz gewachsen waren. Sie war gesundheitlich angeschlagen. Selbst Pianistin, umgab sie sich mit einem kleinen musikalischen »Hofstaat«: dem Erzieher, Musiklehrer und Hofmeister Joseph Xaver Brauchle, der auch komponierte, und dem Cellisten Joseph Linke, der dem Schuppanzigh-Quartett angehörte. Ein Nachruf in der von Robert Schumann herausgegebenen Neuen Zeitschrift für Musik vom 21. April 1837 attestierte Linke, seine Art, Beethovens Kompositionen vorzutragen, sei einzigartig gewesen. Sein Spiel habe sich »nach Umständen bald schmeichelnd, bald abstoßend, capriziös, leidenschaftlich etc., kurz ganz im humoristischen Erfordernisse« erwiesen »und so Beethoven’s primäre Manier« wiedergegeben. Beethoven widmete der Gräfin die Klaviertrios op. 70 und die für Linke geschriebenen Sonaten für Klavier und Violoncello op. 102. 1815 verließ sie Wien für einige Jahre und hielt sich in Kroatien und Italien auf.
Apollons erster Sohn!
Du größter großer Geister,
Der Tonkunst erster Meister,
Den jetzt Europa kennt,
Dem selbst Apollo fröhnt,
Und von dem Musenthrone
Belohnt mit seiner Krone:
Erhöre unsere Bitte,
Bleib heut in unsrer Mitte –
Der große Mann Beethoven
Gibt Fiat unserm Hoffen.
Marie die Alte
Marie die Junge
Fritzi der Einzige
August detto
Magister ipse
Violoncello das verfluchte.
Aller Reichs Baron
Ober-Mann-Amt.
An die
die lorbeerbekrönte Majestät der erhabenen Tonkunst
Ludwig v. Beethoven
sehnlichste Bitte der Jedleseer Musen
daß ihr geliebter Apollo noch den
heutigen Tag in ihrer Mitte
zubringen möge.
Fiat.
Gräfin Marie Erdödy an Beethoven, Jedlesee, möglicherweise 20. Juli 1815
Einladung nach Jedlesee, ein Ort im Nordosten von Wien jenseits der Donau (heute Teil des 21. Stadtbezirks), wo die Gräfin im Sommer ein Landhaus bewohnte. Erwähnt sind sie selbst, ihre Töchter Maria Philipina Jakobina (Mimi) und Friederike (Frizi) sowie ihr Sohn August (Gusti), sowie die Mitglieder ihres »Hofstaates« Joseph Xaver Brauchle, Joseph Linke sowie ihr Verwalter »Oberamtmann« Sperl, mit dem Reichs-Baron ist Nikolaus Zmeskall von Domanovecz und Lestine gemeint. Die Anspielung auf Schillers Bürgschaft erfolgte sicherlich bewusst.
Ich kam von Jedlesee als Both
Zum ersten Composteur nach Gott.
Der Gräfinn von Erdödy Gnaden
Läßt Sie zum Punsche laden,
Und was das Land noch sonsten beut.
Der Wagen steht zweyspännig schon bereit,
Um Sie mit mir dahin zu fahren;
Bis halbe zwey Uhr werd’ ich Ihrer harren.
Sperl
Oberammtmann.
Sperl an Beethoven, Jedlesee, 20. Juli 1815, der Beethoven die vorstehende Einladung in Baden überbrachte
Meine liebe werthe Gräfin!
[…] grüßen sie und drücken sie alle ihre mir lieben Kinder in meinem Namen an ihr Herz, dem Magister [Brauchle] eine Sanfte Ohrfeige, dem Oberamt [Sperl] ein feierliches Nicken, dem Violonc[e]llo [Linke] ist aufzutragen, sich auf’s linke Donauufer zu begeben, und so lange zu spielen, bis alles vom rechten Donauufer herübergezogen wird, auf diese weise würde ihre Bevölkerung bald zunehmen ich seze übrigens gestrost [=getrost] den Weeg wie vorhin über Die Donau, mit Muth – gewinnt man allenthalben, wenn er gerecht ist. –
ich küsse ihnen vielmal die Hände, erinnern sie sich gern ihres Freundes
Beethowen
an Gräfin Marie Erdödy in Jedlesee, Baden, am oder kurz nach dem 20. Juli 1815. Von Beethovens Wiener Wohnung aus waren es ca. 8 km, von Baden aus ca. 40 km nach Jedlesee.
[…] dem Violoncello [Joseph Linke] laßen sie einen KugelHupf in Form eines Violonschells backen, damit er sich drauf üben kann, wenn auch nicht die Finger jedoch den Magen und das Maul. […]
Aus dem Brief an Joseph Xaver Brauchle in Jedlesee, Wien, September 1815
Der nachfolgende Brief gehört zu den aussagestärksten und intimsten, die Beethoven je schrieb. Er besteht aus zwei völlig unterschiedlichen Teilen. Im ersten legt Beethoven in einer für die Gräfin und ihn selbst besonders schwierigen Lebensphase in sehr kompakter Form seine Lebensphilosophie dar; eines der drei Erdödy’schen Kinder war kurz zuvor verstorben, Beethoven selbst hatte ein halbes Jahr zuvor seinen Bruder verloren, hoffte aber, dessen Sohn als Kindesersatz gewinnen zu können; im Januar 1816 war ihm die Vormundschaft zugesprochen worden. Der zweite Teil des Briefes hebt sich vom ersten, durch einen langen Gedankenstrich markiert, denkbar stark ab. Offenbar hatte Beethoven das dringende Bedürfnis, die tiefe Ernsthaftigkeit zu Beginn durch eine Kaskade von Wortspielen »auszugleichen«.
Mein werthe liebe Freundin!
Sie dörften vieleicht u. mit Recht glauben, daß ihr Andenken völlig in mir erloschen sey, unterdessen ist es nur der schein, meines Bruders Tod verursachte mir großen Schmerz alsdenn aber große Anstrengungen um meinen mir lieben Neffen [Karl] vor seiner verdorbenen Mutter zu retten, dieses Gelang, allein bis hieher konnte ich noch nichts besseres für ihn thun, als in ein Institut [das Erziehungsinstitut von Cajetan Giannattasio del Rio, das Karl von 1816 bis 1818 besuchte] zu geben, also entfernt von mir, u. was ist ein Institut gegen die unmittelbare Theilnahme Sorge eines Vaters für sein Kind, denn so betrachte ich mich nun, und sinne hin u. her, wie ich dieses mir theure Kleinod näher haben kann, um geschwinder u. vorteilhafter auf ihn wirken zu können – allein wie schwer ist das? für mich! – Nun ist meine Gesundheit auch Seit 6 Wochen auf schwankenden Füßen, so daß ich öfter an meinen Tod jedoch nicht mit Furcht denke, nur meinem armen Karl stürbe ich zu früh. – wie ich aus ihren lezten Zeilen an mich sehe, leiden sie wohl noch sehr meine liebe Freundin, Es ist nicht anders mit dem Menschen, auch hier soll sich seine Kraft bewähren d. H. auszuhalten ohne zu murren u. seine Nichtigkeit zu fühlen u. wieder seine Vollkommenheit zu erreichen, deren unß der höchste dadurch würdigen will. ––– linke [der Cellist Joseph Linke] wird nun wohl schon bey ihnen seyn, möge er ihnen Freude auf seinen Darmsaiten erwecken – Brauchle wird sich vom Brauchen wohl nicht entfernen, u. sie werden wie immer Tag u. Nacht von ihm Gebrauch machen – was den vogel Sperl betrift, so höre ich, daß sie nicht mit ihm zufrieden sind, worin dieses besteht weiß ich nicht, sie suchen wie ich höre einen andern Hofmeister, übereilen sie sich doch nicht, u. machen sie mich mit ihren Ansichten u. Absichten hierin bekannt, vieleicht kann ich ihnen gute Anzeigen machen, vieleicht thun sie aber dem sperl im Käficht unrecht? – – ihre Kinder umarme ich u. drücke es in einem Terzett aus, sie werden wohl täglich fortschritte machen in ihrer Vervollkommung. – laßen sie mich recht bald sehr bald wißen, wie sie sich auf dem kleinen Nebelfleck der Erde, wo sie jezt sind, befinden, ich nehme gewiß, wenn ich es auch nicht immer gleich anzeige oder aüßere, großen Theil an ihren leiden u. Freuden? wie lange bleiben sie noch, wo werden sie künftig leben? – mit der Dedication der ViolonschellSonaten [die Sonaten für Klavier und Violoncello op. 102] wird eine Verändrung geschehen, die Sie aber u. mich nicht verändren wird. –
liebe theure Gräfin – in Eil ihr Freund
Beethowen.
A Madame la Comtesse d’Erdödy Nee Comtesse Nizky a Padua (en italie)
an Gräfin Marie Erdödy in Padua, Wien, 13. Mai 1816
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