Kitabı oku: «Gartengeschichten der Bibel»

Inhaltsverzeichnis
»Bin im Garten ...« – Vorwort
Im Paradiesgarten
Der große Gärtner – Macht und Güte des Schöpfers
Der Mensch im Einklang mit der Natur – Im Garten Eden
Jenseits von Eden – Der Verlust des Paradieses
Das gestörte Gleichgewicht – Der Weltenbaum wird gestürzt
Im Nutzgarten
Frisches Gemüse auf den Tisch! – »Manna, immer nur Manna …«
Was wächst denn da? – Kundschafter finden die sieben Früchte Israels
Heißhunger auf Linseneintopf – Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht
Das tägliche Brot – Rut findet neues Glück bei der Gerstenernte
Der König der Bäume und Sträucher – Jotams Fabel
Der Weinberg – schlechte und gute Jahre – Das ungerechte Volk bekommt eine zweite Chance
Gute Früchte am Weinstock – »Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben«
Immergrüner Olivenbaum – Die Taube mit dem Zweig der Hoffnung
Im Kräuterbeet der schwarze Senf – Das Gleichnis vom kleinsten Samenkorn
Im Blumengarten
Von der Schönheit und Sorglosigkeit der Blumen – »Seht, wie die Blumen auf den Feldern wachsen«
Die Vergänglichkeit der Blumen – Alle Menschen sind wie Gras
Mit Blumen sprechen – Israel soll blühen wie eine Lilie
Frühblüher und erstes Grün – Der Frühling lockt!
In der Gartenapotheke
Feigenpflaster gegen Entzündung – Der Prophet Jesaja heilt den todkranken König Hiskija
Wundversorgung mit Olivenöl und Wein – Die Reiseapotheke des barmherzigen Samariters
Desinfizieren und Reinigen mit Ysop – Vom Umgang mit geheilten Aussätzigen
Die abführende Wirkung der wilden Gurken – Das ungenießbare Gemüse
Die fruchtbarkeitsfördernde Wirkung der Alraune – Zwei Schwestern buhlen um die Liebe eines Mannes
Schöne Haut durch Myrrhenöl – Salbe für Verliebte
Vegetarische Kost – gesunde Ernährung aus dem Garten – Die Daniel-Diät
Im Duftgarten
Räucherwerk und köstliche Öle zur Ehre Gottes – Mose erhält göttliche Rezepturen
Weihrauch, Myrrhe und Aloe für den Friedenskönig – Die Weisen aus dem Morgenland bringen Geschenke
Duftende Salbe – zärtliche Geste – Die verschwenderische Liebe einer Frau
Das Parfüm der jungen Leute – Liebeswerben im Hohelied Salomos
Garten- und Feldarbeit
Aus Erfahrung klug – Von der Weisheit planvollen Handelns
Säen und Pflanzen – Das Gleichnis von der Aussaat
Wachsen lassen und vertrauen – Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat
Wunderbare Verwandlung: vom Samen zur Pflanze – Wie sollen wir uns die Auferstehung vorstellen?
Umgraben und Düngen – Das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum
Schädlinge und Ungeziefer – Die Heuschreckenplage als Gottes Gericht
Unkrautbekämpfung – Das Gleichnis vom Unkraut im Weizen
Zweige aufpfropfen – Judenchristen und Heidenchristen mit gleichem Stammbaum
Bewässerung – Gott schickt Regen zur rechten Zeit
Ernte und Vorratswirtschaft – Das Gleichnis vom reichen Kornbauern
Nur nicht nachlassen! – Das Feld des Faulpelzes wird von Unkraut überwuchert
Im Lustgarten
Geselligkeit und Feste – Prunkvolle Feier im Schlosspark des Perserkönigs
Erntedankfest unter Laubhütten – Das Volk feiert das Ende von Weinlese und Feldernte
Das Bad im Garten – Susanna kommt in Bedrängnis
Liebe im Garten – Erotische Pflanzenlyrik aus Israel
Im Garten der Besinnung
Endlich Ruhe! Gebet und Meditation im Garten – Jesus im Garten Getsemani
Begräbnis und Totengedenken – Maria Magdalena begegnet dem Gärtner ihrer Seele
Die menschliche Seele – ein bewässerter Garten – Was ist ein wahrhaftiger Gottesdienst?
Gartenträume
Schwerter zu Pflugscharen – Der Frieden für die Völker geht vom Berg Zion aus
Ein Baumstumpf treibt wieder aus – Das zukünftige Friedensreich
Wasser des Lebens und Blätter der Heilung – Der Strom, der vom Tempel ausgeht
Das wiedergewonnene Paradies – Hoffnung für Israel nach der Katastrophe
Alles wird gut – Das himmlische Jerusalem
Nachwort
Reihe Biblische Taschenbücher
Impressum
»Bin im Garten ...«
Vorwort
»Bin im Garten ...« – ein solcher Hinweis an der Haustür weckt viele Assoziationen: im Garten also? Vielleicht gemütlich auf der Bank mit einer Tasse Tee? Beim Unkrautjäten oder Umgraben? Bei der Apfelernte vielleicht oder beim Rosenschneiden? … Die Fülle der Möglichkeiten macht neugierig. Wir gehen in den Garten und schauen nach. Vielleicht können wir uns ein wenig dazusetzen, den Duft der Blumen genießen, einen Apfel probieren, ein gutes Gespräch führen.
»Bin im Garten ...« – dieser Hinweis hilft nicht nur Menschen weiter, die eine Gartenfreundin besuchen wollen. Er hilft auch Gott-Suchern. Denn wenn sie die Geschichten der Bibel lesen, können sie entdecken, dass Gott oft im Garten zu finden ist: Im Garten Eden geht er umher und ruft: »Adam, wo bist du?« Im Gelobten Land pflanzt Gott sein Volk wie einen Weinberg und lässt es erblühen wie eine Lilie. Den Garten der Liebe erfüllt Gott mit wunderbaren Düften und zeigt den Verliebten die Schönheit seiner Schöpfung. Im Garten Getsemani kämpft Gott um seine Liebe zu den Menschen. Im Friedhofsgarten begegnet er Maria Magdalena als Gärtner ihrer Seele. Im Garten des himmlischen Jerusalems am Strom des Lebens wohnt Gott bei den Menschen und wischt alle Tränen von ihren Augen. Gott ist im Garten – als Gärtner – und in jedem Samenkorn, das aufbricht, sich verwandelt und heranwächst zu einem neuen Leben. »Bin im Garten ... im Keimen, Wachsen und Blühen, im Vergehen und wieder Auferstehen!«
Wer sich auf die Spur der biblischen Gartengeschichten begibt, wird staunen, wie viel Erdverbundenheit man in der Heiligen Schrift finden kann, wie viele handfeste Erfahrungen von Gärtnerinnen, Weinbauern, Landwirten und Heilkundigen in einem Buch gesammelt wurden, das uns doch eher am »Überirdischen« interessiert zu sein scheint. Das hat seinen Grund vielleicht auch darin, dass der Garten in der Bibel ein Gleichnis für das Leben der Menschen in der Gegenwart Gottes ist. Zu guter Letzt – oder zuerst – ist der Garten in der Bibel auch ein Traum von einer Welt, wie sie sein könnte: ein Ort der Schönheit und des Friedens, der Fruchtbarkeit und des Heils und der innigen Verbundenheit alles Lebendigen.
Im Paradiesgarten
Die Tourismusbranche spricht von den »letzten Paradiesen« und lockt müde und abgehetzte Menschen auf Südseeinseln und in Bioreservate. Internetseiten versprechen unberührte Landschaften und eine artenreiche Tierwelt, saubere Flüsse und Seen, traumhafte Gärten, freundliche Menschen, Ruhe und Erholung. Einen Zipfel vom Paradies zu erhaschen, wenigstens im Urlaub – davon träumen viele Menschen. Und wirklich gelingt es manchen, für kurze Zeit im Jahr ihr kleines Paradies zu finden und daraus gestärkt hervorzugehen. Für einige ist es eine Blumenterrasse am Mittelmeer, für andere der liebevoll gehegte Schrebergarten vor der Stadt. Viele Menschen tragen darüber hinaus in sich die unbestimmte Hoffnung auf ein ewiges Leben im Paradies am Ende ihrer Tage. Diese Hoffnung wird gespeist aus ihren zeitlich begrenzten, irdischen Paradieserfahrungen und aus den Glaubensüberzeugungen ihrer Religion.
Den Traum vom Paradies gibt es bei fast allen Völkern der Erde. Als eine Urerfahrung und Ursehnsucht der Menschen scheint sich diese Vorstellung in der Seele der Menschheit festgesetzt zu haben. Dabei wird das Paradies ebenso als urzeitlicher wie als endzeitlicher Glückszustand gedacht. In vielen Religionen – so auch im jüdisch-christlichen Glauben – erscheint das urzeitliche Paradies am Anfang der Welt als ein vollkommener Garten, in dem der Mensch in der Gegenwart Gottes sorgenfrei und im Einklang mit sich und allen anderen Lebewesen zu Hause ist.
Wasserreichtum, der die Fruchtbarkeit des Gartens gewährleistet, ist ein Grundmotiv der Paradiesvorstellung, ebenso wie der Lebensbaum, dessen Früchte und Blätter Heilung, Verjüngung und Unsterblichkeit schenken. Seine Zweige gewähren Tieren und Menschen Schutz. Wasser und Baum kehren auch in den endzeitlichen Paradiesvorstellungen wieder: Am Ende der Zeit kommen Menschen zurück zum Paradiesstrom und essen an seinen Ufern von den Bäumen des Lebens und der Heilung. Sie leben in Frieden mit der Natur in Gottes fruchtbarem Garten.
Der große Gärtner
Macht und Güte des Schöpfers
»In der Natur bin ich meinem Gott ganz nahe; da habe ich das Bedürfnis, den Schöpfer zu loben für all die Schönheit und die sinnvolle Ordnung, die er geschaffen hat. Ich ahne seine Größe und Güte, wenn ich unter freiem Himmel bin, die Vögel singen höre und sehe, wie alles wächst und gedeiht.« So oder ähnlich empfinden viele Menschen. Sie erleben, dass ihnen die Natur eine unmittelbare Beziehung zu den Geheimnissen der Religion vermittelt. Hier draußen fühlen sie sich von starken und heilsamen Kräften umgeben und feiern ihren ganz persönlichen Gottesdienst. Die Vorstellung von Gott als einem großen Gärtner, der die Schöpfung wie einen riesigen Garten wunderbar angelegt hat und versorgt, kommt ihnen entgegen. Sie staunen über die Weisheit, mit der alles aufeinander bezogen ist und zusammenspielt: die Jahres- und Tageszeiten, Licht und Dunkelheit, Wasser und Land, Tiere und Pflanzen, die Fruchtbarkeit des Feldes und der Bäume und die Menschen, die mitten in diesen Garten gesetzt sind. Und sie beginnen zu vertrauen, dass die Hand eines großen Gärtners über ihnen ist, die das Chaos in seine Schranken weist, für das Wohlergehen der Geschöpfe sorgt und die Natur immer von Neuem erblühen lässt.
Der bekannte norddeutsche Maler Emil Nolde hat 1940 als über Siebzigjähriger ein Ölbild mit dem Titel »Der große Gärtner« gemalt. Dieses Bild kann als Darstellung der Personifikation einer gütigen, die ganze Natur durchwaltenden Schöpfermacht gedeutet werden. Wir sehen darauf einen alten bärtigen Mann, der – am oberen Bildrand angeschnitten – wie aus dem Himmel auf eine weite grüne Landschaft mit Bäumen zu schauen scheint. Mit einer vorsichtigen Handbewegung berührt er eine riesige Blume, die in warmem Gelb über den Baumwipfeln leuchtet. Das Bild wirkt wie eine Illustration des großen Schöpfungspsalms, den Menschen in alttestamentlicher Zeit gedichtet haben und der vielen noch heute aus dem Herzen spricht. (Psalm 104,1-24. 27-31)
Auf, mein Herz, preise den HERRN!
HERR, mein Gott, wie groß du bist!
In Hoheit und Pracht bist du gekleidet,
in Licht gehüllt wie in einen Mantel.
Den Himmel spannst du aus wie ein Zeltdach.
Droben über dem Himmelsozean
hast du deine Wohnung gebaut.
Du nimmst die Wolken als Wagen
oder fliegst auf den Flügeln des Windes.
Stürme sind deine Boten
und das Feuer ist dein Gehilfe.
Du hast die Erde auf Pfeilern erbaut,
nun steht sie fest und stürzt nicht zusammen.
Die Fluten hatten das Land bedeckt,
das Wasser stand über den Bergen.
Vor deiner Stimme bekam es Angst;
es floh vor dem Grollen deines Donners.
Von den Bergen floss es ab in die Täler,
an den Ort, den du ihm zugewiesen hast.
Dann hast du dem Wasser Grenzen gesetzt,
nie wieder darf es die Erde überfluten.
Du lässt Quellen entspringen und zu Bächen werden;
zwischen den Bergen suchen sie ihren Weg.
Sie dienen den wilden Tieren als Tränke,
Wildesel löschen dort ihren Durst.
An den Ufern bauen die Vögel ihre Nester,
aus dichtem Laub ertönt ihr Gesang.
Vom Himmel schickst du den Regen auf die Berge
und gibst der Erde reichlich zu trinken.
Du lässt das Gras sprießen für das Vieh
und lässt die Pflanzen wachsen,
die der Mensch für sich anbaut,
damit die Erde ihm Nahrung gibt:
Der Wein macht ihn froh,
das Öl macht ihn schön,
das Brot macht ihn stark.
Auch die großen Bäume trinken sich satt,
die Libanonzedern, die du gepflanzt hast.
In ihren Zweigen nisten die Vögel,
hoch in den Wipfeln hausen die Störche.
Den Steinböcken gehören die hohen Berge,
in den Felsen finden die Klippdachse Zuflucht.
Du hast den Mond gemacht,
um die Zeit zu teilen;
die Sonne weiß, wann sie untergehen muss.
Schickst du die Dunkelheit, so wird es Nacht
und die Tiere im Dickicht regen sich.
Die jungen Löwen brüllen nach Beute;
sie erwarten von dir, Gott,
dass du sie satt machst.
Geht dann die Sonne auf,
so ziehen sie sich zurück
und ruhen in ihren Verstecken aus.
Nun erwacht der Mensch;
er geht an seine Arbeit und müht sich,
bis es wieder Abend wird.
HERR, was für Wunder hast du vollbracht!
Alles hast du weise geordnet;
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Alle deine Geschöpfe warten darauf,
dass du ihnen Nahrung gibst zur rechten Zeit.
Sie nehmen, was du ihnen ausstreust;
du öffnest deine Hand
und sie alle werden satt.
Doch wenn du dich abwendest, sind sie verstört.
Wenn du den Lebenshauch zurücknimmst,
kommen sie um und werden zu Staub.
Schickst du aufs Neue deinen Atem,
so entsteht wieder Leben.
Du erneuerst das Gesicht der Erde.
Die Herrlichkeit des HERRN
bleibe für immer bestehen;
der HERR freue sich an allem,
was er geschaffen hat!
Der Mensch im Einklang mit der Natur
Im Garten Eden
Wenn wir etwas verloren haben, begreifen wir oft erst, wie kostbar es für uns ist. So geht es uns auch mit dem Garten Eden, dem Paradies. Wir erleben heute so viel Entfremdung von der Natur, so viel durch Menschen angerichtete Umweltzerstörung, dass uns ein Leben im Einklang mit der Schöpfung wie ein leuchtendes Sehnsuchtsbild vor Augen steht. Die Werbung hat unsere Sehnsucht erkannt und lockt mit »Urlaubsparadiesen« und ähnlichen Angeboten. Wir träumen von sauberen Stränden und reiner Luft, gesunden Wäldern und glücklichen Kühen. Vor allem aber träumen wir von Menschen, die ein geschwisterliches Zusammengehörigkeitsgefühl auch mit den Pflanzen und Tieren empfinden und darum achtsam mit allen Lebewesen umgehen. Wie schön könnte es auf der Erde sein, wenn alle Menschen ihr Leben als Gottesgeschenk begriffen – verbunden mit dem Auftrag, diesen Planeten wie einen kostbaren Garten zu pflegen und zu bewahren!
Ein chinesisches Sprichwort sagt, dass das Leben mit dem Tag beginnt, an dem man einen Garten anlegt. Genauso sieht es die Schöpfungsgeschichte der Bibel: Gott, der große Gärtner, legt in der Landschaft Eden (Hebräisch eden = Wonne, Griechisch paradeisos = Park, Garten) einen Garten an. Der Strom des Lebens entspringt in Eden und teilt sich in vier Flüsse, um das Land in allen Himmelsrichtungen zu bewässern. Die Menschen, aus Erde gemacht wie alle vergänglichen Wesen (Hebräisch adam = Mensch, adama = Erde), bekommen von Gott Lebenskraft und zugleich Mitverantwortung für das Gedeihen des Gartens. Das biblische Paradies ist also kein Schlaraffenland. Es ist eine Aufgabe für Gärtnerinnen und Gärtner, die das ihnen anvertraute Leben lieben und darin Gottes Partnerinnen und Partner sein wollen. (1Mose/ Genesis 2,4b-17)
Als Gott, der HERR, Erde und Himmel machte, gab es zunächst noch kein Gras und keinen Busch in der Steppe; denn Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es war auch noch niemand da, der das Land bearbeiten konnte. Nur aus der Erde stieg Wasser auf und tränkte den Boden.
Da nahm Gott, der HERR, Staub von der Erde, formte daraus den Menschen und blies ihm den Lebensatem in die Nase. So wurde der Mensch ein lebendes Wesen.
Dann legte Gott im Osten, in der Landschaft Eden, einen Garten an. Er ließ aus der Erde alle Arten von Bäumen wachsen. Es waren prächtige Bäume und ihre Früchte schmeckten gut. Dorthin brachte Gott den Menschen, den er gemacht hatte.
In der Mitte des Gartens wuchsen zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens, dessen Früchte Unsterblichkeit schenken, und der Baum der Erkenntnis, dessen Früchte das Wissen verleihen, was für den Menschen gut und was für ihn schlecht ist.
In Eden entspringt ein Strom. Er bewässert den Garten und teilt sich dann in vier Ströme. Der erste heißt Pischon; er fließt rund um das Land Hawila, wo es Gold gibt. Das Gold dieses Landes ist ganz rein, außerdem gibt es dort kostbares Harz und den Edelstein Karneol. Der zweite Strom heißt Gihon; er fließt rund um das Land Kusch. Der dritte Strom, der Tigris, fließt östlich von Assur. Der vierte Strom ist der Eufrat.
Gott, der HERR, brachte also den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen. Weiter sagte er zu ihm: »Du darfst von allen Bäumen des Gartens essen, nur nicht vom Baum der Erkenntnis. Sonst musst du sterben.«
Jenseits von Eden
Der Verlust des Paradieses
Viele Menschen erinnern sich noch heute an den 1955 jung verstorbenen Schauspieler James Dean, der in dem Film »Jenseits von Eden« die Rolle des unglücklichen Sohnes spielte. In einem aussichtslosen Kampf um die Liebe seines Vaters wird er schließlich zum Außenseiter und lebt »jenseits von Eden«.
Die Bibel erzählt von Adam und Eva, die herausfallen aus ihrem glücklichen Leben im Paradiesgarten. Jenseits von Eden verwandelt sich ihre bis dahin befriedigende Gartenarbeit in mühsame Plackerei. Die Natur, mit der sie vorher in friedlichem Einklang gelebt haben, wird zum Feind, und es wird schwer, ihr das tägliche Brot abzuringen. Die Partnerschaft der beiden Menschen gerät aus dem Gleichgewicht. Schmerzen begleiten fortan Schwangerschaft und Kindsgeburt. Das Leben wird zum Kampf und der Abstand zu Gott scheint unüberwindlich.
Wie ist es zum Verlust des Paradieses gekommen? Was hat es auf sich mit der verbotenen Frucht, aus der im Laufe der Religionsgeschichte ein Granatapfel, in unseren Breiten ein Paradiesapfel geworden ist? Gott verbietet Adam und Eva, Früchte vom Baum der Erkenntnis zu essen. Alles zu wissen über Gut und Böse ist allein ihm vorbehalten, dem Menschen wird hier eine Grenze gesetzt. Adam und Eva sind frei, Gott zu vertrauen und diese von ihm gesetzte Grenze einzuhalten oder aber sie zu überschreiten. Sie aber wollen sein wie Gott. Darin überschätzen sie ihre eigenen Möglichkeiten und setzen die vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Schöpfer aufs Spiel. Nachdem sie die verbotene Frucht gegessen haben, verlieren sie den Garten, in dem sie bis dahin zu Hause waren. Zeit ihres Lebens werden sie sich nach ihm sehnen. (1Mose/Genesis 3)
Die Schlange war das klügste von allen Tieren des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte. Sie fragte die Frau: »Hat Gott wirklich gesagt: ›Ihr dürft die Früchte von den Bäumen im Garten nicht essen‹?« »Natürlich dürfen wir sie essen«, erwiderte die Frau, »nur nicht die Früchte von dem Baum in der Mitte des Gartens. Gott hat gesagt: ›Esst nicht davon, berührt sie nicht, sonst müsst ihr sterben!‹«
»Nein, nein«, sagte die Schlange, »ihr werdet bestimmt nicht sterben! Aber Gott weiß: Sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen; ihr werdet wie Gott sein und wissen, was gut und was schlecht ist. Dann werdet ihr euer Leben selbst in die Hand nehmen können.«
Die Frau sah den Baum an: Seine Früchte mussten köstlich schmecken, sie anzusehen war eine Augenweide und es war verlockend, dass man davon klug werden sollte! Sie nahm von den Früchten und aß. Dann gab sie auch ihrem Mann davon und er aß ebenso. Da gingen den beiden die Augen auf und sie merkten, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze.
Am Abend, als es kühler wurde, hörten sie, wie Gott, der HERR, durch den Garten ging. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott zwischen den Bäumen. Aber Gott rief nach dem Menschen: »Wo bist du?« Der antwortete: »Ich hörte dich kommen und bekam Angst, weil ich nackt bin. Da habe ich mich versteckt!«
»Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?«, fragte Gott. »Hast du etwa von den verbotenen Früchten gegessen?« Der Mensch erwiderte: »Die Frau, die du mir an die Seite gestellt hast, gab mir davon; da habe ich gegessen.« Gott, der HERR, sagte zur Frau: »Was hast du da getan?« Sie antwortete: »Die Schlange ist schuld, sie hat mich zum Essen verführt!« Da sagte Gott, der HERR, zu der Schlange:
»Verflucht sollst du sein wegen dieser Tat! Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang – du allein von allen Tieren. Und Feindschaft soll herrschen zwischen dir und der Frau, zwischen deinen Nachkommen und den ihren. Sie werden euch den Kopf zertreten, und ihr werdet sie in die Ferse beißen.«
Zur Frau aber sagte Gott: »Ich verhänge über dich, dass du Mühsal und Beschwerden hast, jedes Mal wenn du schwanger bist; und unter Schmerzen bringst du Kinder zur Welt. Es wird dich zu deinem Mann hinziehen, aber er wird über dich herrschen.«
Und zum Mann sagte Gott: »Weil du auf deine Frau gehört und mein Verbot übertreten hast, gilt von nun an: Deinetwegen ist der Acker verflucht. Mit Mühsal wirst du dich davon ernähren, dein Leben lang. Dornen und Disteln werden dort wachsen, und du wirst die Pflanzen des Feldes essen. Viel Schweiß musst du vergießen, um dein tägliches Brot zu bekommen, bis du zurückkehrst zur Erde, von der du genommen bist. Ja, Staub bist du, und zu Staub musst du wieder werden!«
Der Mensch nannte seine Frau Eva, denn sie sollte die Mutter aller Menschen werden.
Und Gott, der HERR, machte für den Menschen und seine Frau Kleider aus Fellen.
Dann sagte Gott: »Nun ist der Mensch wie einer von uns geworden und weiß, was gut und was schlecht ist. Es darf nicht sein, dass er auch noch vom Baum des Lebens isst. Sonst wird er ewig leben!« Und er schickte den Menschen aus dem Garten Eden weg, damit er den Ackerboden bearbeite, aus dem er gemacht war.
So trieb Gott, der HERR, die Menschen hinaus und stellte östlich von Eden die Keruben und das flammende Schwert als Wächter auf. Niemand sollte zum Baum des Lebens gelangen können.
Das gestörte Gleichgewicht
Der Weltenbaum wird gestürzt
Die »Zedern des Libanons« sind sprichwörtlich. Voller Hochachtung spricht die Bibel von diesen immergrünen Nadelbäumen, die in großer Höhe auf kargen, felsigen Böden gedeihen und damals große Teile des Libanongebirges bedeckten. Bis heute ziert der Zedernbaum als ein Symbol des Lebens die Flagge des Staates Libanon.
Die Libanonzeder kann bis zu dreißig Meter hoch, zwei Meter dick und zwei- bis dreitausend Jahre alt werden. In biblischer Zeit hatte der Baum große wirtschaftliche Bedeutung. Sein langer, gerade gewachsener Stamm eignete sich gut zum Bau von Schiffen, Tempeln, Palästen und Pyramiden. König Salomo erhandelte sich das Zedernholz des Libanon für den Bau seines großen Tempels in Jerusalem. Der hohe, majestätische Wuchs, das schöne Holz, der Duft, das immergrüne Kleid und das hohe Alter haben der Zeder den Beinamen »König der Bäume« eingetragen. Sie symbolisiert Stärke, Adel und Würde und steht für die Macht großer Völker und Reiche. In ihrer Bedeutung gleicht die Zeder dem Weltenbaum, von dem die Mythen Mesopotamiens und der indogermanischen Völker erzählen: Sie reicht von den Tiefen des Meeres bis zu den Wolken am Himmel. In ihren Zweigen bauen die Vögel ihre Nester, Menschen und Tiere in großer Zahl wohnen in ihrem Schutz. Kein Baum im Garten Eden kann es aufnehmen mit ihrer Größe und Pracht.
Aber die unvergleichliche Zeder verliert das von Gott gesetzte Maß. Hat sie vergessen, dass auch sie das Schicksal alles geschaffenen Lebens teilt und sterben muss wie alle Bäume? Weil die Zeder sich über alle anderen erhebt, zerstört sie das Gleichgewicht in Gottes Garten. Zypressen und Platanen fühlen sich benachteiligt und beneiden den scheinbar von Gott bevorzugten Baum. Da greift Gott ein. Es ist nicht gut, wenn einer seine guten Wachstumsbedingungen ausnutzt, um größer und prächtiger sein zu wollen als alle anderen. Hochmut kommt vor dem Fall – bei Bäumen und bei Menschen. Wie Adam und Eva nach dem Sündenfall verliert die Zeder ihren Platz in Gottes Garten. (Ezechiël/Hesekiël 31)
Im elften Jahr unserer Verbannung, am 1. Tag des 3. Monats, erging das Wort des HERRN an mich, er sagte: »Du Mensch, sag zum Pharao, dem König von Ägypten, mit seinem ganzen stolzen Heer: ›Wie mächtig du bist! Womit kann ich dich vergleichen?
Du bist wie eine prächtige Zeder auf dem Libanon! Ihre mächtigen Zweige geben reichlich Schatten. Sie ist hoch gewachsen, ihr Wipfel reicht bis in die Wolken.
Das Wasser, das aus der Tiefe kommt, hat sie so groß gemacht; das Meer in der Tiefe der Erde speist die Quellen, die rings um sie aufbrechen und das Feld bewässern. Darum wurde sie größer als alle anderen Bäume und breitete ihre mächtigen Äste weit aus.
Die Vögel bauten in den Zweigen ihre Nester und das Wild warf in ihrem Schutz seine Jungen. Ganze Völker wohnten in ihrem Schatten. Schön war sie und stattlich mit ihrer breiten Krone; denn ihre Wurzeln hatten reichlich Wasser.
Keine andere Zeder war so prächtig wie sie, keine Zypresse und keine Platane hatte so mächtige Äste; nicht einmal die Bäume im Garten Gottes konnten es mit ihr aufnehmen. Ich hatte sie so schön gemacht, dass alle Bäume im Paradies sie beneideten.
Doch nun sagt der HERR, der mächtige Gott: Weil ihre Größe ihr zu Kopf gestiegen und sie überheblich geworden ist, rufe ich einen mächtigen König herbei. Er wird seine Grausamkeit an ihr auslassen; denn ich habe sie verstoßen. Aus der Ferne kommt ein erbarmungsloses Volk und fällt sie. Da liegt sie dann auf den Bergen und die abgeschlagenen Äste füllen die Täler und Schluchten. Die Völker, die in ihrem Schatten gewohnt haben, ergreifen die Flucht. Die Vögel setzen sich achtlos auf den gefällten Stamm und über die Äste läuft das Wild.
Kein Baum, und stehe er noch so nah am Wasser, soll mehr so groß und mächtig werden, seinen Wipfel in die Wolken strecken und sich stolz über andere erheben. Jeder hohe Baum wird gefällt und kommt in die Totenwelt, genauso wie alle Menschen.
Der HERR, der mächtige Gott, sagt: An dem Tag, an dem ich die Riesenzeder in die Totenwelt stürze, trauert das Wasser in der Tiefe der Erde, die Flüsse fließen nicht mehr und die Quellen versiegen. Auch der Libanon trauert, alle Bäume in Feld und Wald verdorren. Wenn ich die Zeder mit gewaltigem Krachen in die Totenwelt hinabstürze, zittern alle Völker vor Angst. Drunten aber freuen sich die Prachtbäume, die Bäume des Libanons und alle mächtigen Bäume, die am Wasser standen, und trösten sich damit, dass auch die große Zeder ihr Schicksal teilt.
Auch alle ihre Helfer, die unter ihrem Schatten gewohnt haben, müssen mit ihr hinunter an den Ort, wo die Erschlagenen sind.
Du prächtige Zeder, wer kann sich an Größe und Herrlichkeit mit dir vergleichen? Und doch musst du mit all den prächtigen Bäumen in die Totenwelt hinunter. Dort liegst du dann in der Tiefe, bei den Erschlagenen und Unbestatteten. So ergeht es dem Pharao und seinem ganzen großen Volk.‹ Das sagt der HERR, der mächtige Gott.«
Im Nutzgarten
Sie sind selten geworden: die in Reihen und Bezirke eingeteilten typischen Gemüse-, Obst- und Kräutergärten, aus denen sich ganze Familien selbst versorgen können. Es scheint sich nicht mehr recht zu lohnen, die sorgfältig gezogenen Bohnen und Linsen, die Zwiebeln und den Porree aus dem eigenen Garten zu ernten. Die Mühe, das eigene Apfelmus zu kochen, Senfkörner zu trocknen und Traubensaft selbst auszupressen, steht in keinem Verhältnis zu den günstigen Möglichkeiten, all das fertig in tiefgekühlter oder konservierter Form im nächsten Supermarkt zu kaufen. So ist es zu einem besonderen Erlebnis geworden, teilhaben zu können an den vor Ort gepflanzten und frisch geernteten Produkten eines Gartens. Lokale Märkte und Hofläden profitieren von dem Bedürfnis der Menschen nach unmittelbarer Erdberührung, nach Teilhabe am Prozess von Saat und Ernte, der Anschauung und dem Geruch verschiedener Obst- und Gemüsesorten. Frisch Geerntetes aus Nachbars Garten wird zu einem besonderen Geschenk.
Dass uns die Bibel eine Menge verrät über die zu damaliger Zeit angebauten Obst-, Gemüse- und Kräutersorten, überrascht zunächst. Wir sind es nicht gewohnt, biblische Geschichten aus dieser Perspektive zu lesen. Angesichts fehlender Einkaufs- und Konservierungsmöglichkeiten muss es aber nicht verwundern, dass die alltäglichen Vorgänge zwischen Saat und Ernte einen großen Raum im Leben der Menschen eingenommen haben. Feld- und Gartenarbeit prägte ihr Leben. Die Bibel ist ein Buch mit Erdgeruch, ein Buch, in dem wir viel über Anbauweisen, die alltägliche Zubereitung von Speisen, Handel und Vorratshaltung in Bezug auf Obst, Gemüse und Getreide erfahren.
Der betrachtete Zeitrahmen beginnt etwa 2000 v.Chr. mit den Hinweisen zur Ernährung bei den wandernden Nomadenstämmen, den Erzvätern Abraham und Jakob, die ihr Fladenbrot auf heißen Steinen buken und Linseneintopf kochten. Etwa 100 n.Chr. entstanden die letzten neutestamentlichen Texte, in denen wir von den Mahlzeiten der frühen Christen in der Römerzeit erfahren. Wein und Öl, Feigen und Datteln auf dem Tisch, würzige Kräuter auf dem Lammfleisch des Passamahls geben uns einen Eindruck von den Pflanzen in den Nutzgärten Palästinas. In der zweitausendjährigen Zwischenzeit sind Einflüsse ägyptischer Getreideverarbeitung, babylonischer Obstgartenkultur, persischer Gewürze und griechischer Kost in den Texten der Bibel zu finden. Zahlreiche biblische Kochbücher sind heutzutage das Ergebnis der Beschäftigung mit den Nutzpflanzen der Bibel und verhelfen uns zu einer sinnlichen Erfahrung biblischer Lebenswelten.
Frisches Gemüse auf den Tisch!
»Manna, immer nur Manna …«
Manna – immer wieder fasziniert uns die Erzählung von dieser rätselhaften Nahrung, die über Nacht »vom Himmel fiel«, als das erschöpfte Volk der Hebräer in der Wüste vor Hunger zu Mose schrie: »Wären wir doch bei den Fleischtöpfen in Ägypten geblieben!« Mose betet zu Gott und am nächsten Morgen liegt es im Sand, klein, weiß und rund wie Koriandersamen. Es schmeckt süß wie Honig und lässt sich zu Fladenbrot verarbeiten. »Man hu?« (Hebräisch – was ist das?) fragen die Menschen, die mit Moses Karawane unterwegs sind. Bis heute ist das Rätsel ungelöst. Manche Botaniker vermuten darin den zuckerhaltigen Saft der Blätter des Wüstenstrauchs Alhagi maurorum, andere glauben, dass es Ausscheidungen der Schildlaus waren, die das Volk vor dem Hungertod bewahrten.
Nach biblischer Tradition ernährte sich das Volk Gottes auf seiner Wüstenwanderung vierzig Jahre lang hauptsächlich von Manna. So verwundert es nicht, dass sich die Menschen nach frischem Gemüse sehnten. In der Rückschau verklärte sich ihr Blick auf die Mahlzeiten während der Sklavenjahre in Ägypten. Beim Gedanken an die Gurken und Melonen, den Lauch, die Zwiebeln und den Knoblauch der Gärten am Nil lief ihnen das Wasser im Mund zusammen. (4Mose/Numeri 11,1a.4-9)
Das Volk beklagte sich beim HERRN darüber, dass es so viel entbehren müsse. Unter dem bunt zusammengewürfelten Haufen von Fremden, die sich dem Volk Israel beim Auszug aus Ägypten angeschlossen hatten, brach ein unwiderstehliches Gelüst nach Fleisch aus. Die Israeliten ließen sich davon anstecken und fingen wieder an zu jammern: »Wenn uns doch nur jemand Fleisch verschaffen würde! Wie schön war es doch in Ägypten! Da konnten wir Fische essen und mussten nicht einmal dafür bezahlen. Wir hatten Gurken und Melonen, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch. Aber hier gibt es tagaus, tagein nichts als Manna. Das bleibt einem ja allmählich im Hals stecken!«
Manna hatte die Form von Koriandersamen und sah weißlich aus wie Bdelliumharz. Es fiel nachts mit dem Tau aufs Lager. Die Leute sammelten es, zerrieben es zwischen Mahlsteinen oder zerstießen es in Mörsern, kochten es im Topf oder backten Fladen daraus. Die schmeckten wie Fladenbrot aus Weizenmehl und Olivenöl.
Was wächst denn da?
Kundschafter finden die sieben Früchte Israels
Für Gartenbegeisterte gibt es kaum etwas Spannenderes, als sich in fremden Gärten umzuschauen und zu entdecken, welche bekannten und unbekannten Pflanzen denn dort wachsen, wie diese angeordnet und gepflegt werden, welche Beschaffenheit der Boden hat, was gezüchtet und geerntet und vielleicht auch für den eigenen Garten nutzbar gemacht werden kann. »Tage des offenen Gartens«, »Gartenrouten für Fahrradtouristen«, »Entdeckungsreisen in die Gärten ferner Länder« erfreuen sich großer Beliebtheit.
Für die Männer, die Mose über die Grenze ins Land Kanaan aussandte, damit sie auskundschafteten, ob es sich von den Früchten des Landes leben ließe, war ihr Streifzug durch fremde Gärten mindestens so spannend. Sie brachten von allen Früchten des Landes Kostproben mit: eine Rebe von Trauben – so schwer, dass sie nur von zweien getragen werden konnte, Gerste, Weizen, die Früchte von Feigen-, Öl- und Granatapfelbäumen und Datteln, aus denen süßer Sirup (Honig) hergestellt werden konnte, sieben verschiedene Früchte, die eine vollkommene Ernährung der Landbewohner ermöglichten. Als das Volk aus der Wüste in dieses Land einwanderte, kam es ihnen nach den langen, entbehrungsreichen Jahren vor wie das Paradies. (4Mose/Numeri 13,1-3; 4Mose/Numeri 13,17-27; 5Mose/Deuteronomium 8,7-8)
Der HERR sagte zu Mose: »Sende Leute aus, damit sie das Land Kanaan erkunden, das ich dem Volk Israel geben will. Nimm dazu aus jedem der zwölf Stämme einen der führenden Männer!« Mose folgte dem Befehl des HERRN. Er wählte zwölf Männer aus, lauter Sippenälteste, und schickte sie von der Wüste Paran aus ins Land Kanaan.
Er sagte zu ihnen: »Geht zunächst durch das Steppengebiet und durchstreift dann das Bergland, das sich nordwärts anschließt. Seht euch Land und Leute genau an! Erkundet, wie viele Menschen dort wohnen und wie stark sie sind. Achtet darauf, ob ihre Städte befestigt sind oder nicht. Seht, ob ihr Land fruchtbar ist und ob es dort Wälder gibt. Habt keine Angst und bringt Proben von den Früchten des Landes mit.« Es war gerade die Jahreszeit, in der die ersten Trauben reif werden.
Die zwölf Männer machten sich auf den Weg und erkundeten das Land von der Wüste Zin bis hinauf nach Rehob bei Lebo-Hamat. Zunächst zogen sie durch das Südland und kamen dann nach Hebron. Dort wohnten Ahiman, Scheschai und Talmai, die Nachkommen Anaks. – Die Stadt Hebron war sieben Jahre früher gegründet worden als Zoan in Ägypten. –
Als sie in das Traubental kamen, schnitten sie eine Weinranke mit einer Traube ab; die war so schwer, dass zwei von ihnen sie auf einer Stange tragen mussten. Auch Granatäpfel und Feigen nahmen sie mit. Das Tal bekam später den Namen Eschkol (Traubental) wegen der Traube, die die Kundschafter der Israeliten dort abgeschnitten hatten.
Nach vierzig Tagen hatten die zwölf Männer ihre Erkundung abgeschlossen und kehrten zu Mose und Aaron und der ganzen Gemeinde Israel nach Kadesch in der Wüste Paran zurück. Sie erzählten, was sie gesehen hatten, und zeigten die mitgebrachten Früchte vor. Sie berichteten Mose: »Wir haben das Land durchzogen, in das du uns geschickt hast, und wir haben alles genau angesehen. Es ist wirklich ein Land, das von Milch und Honig überfließt. Sieh hier seine Früchte!
Der HERR, euer Gott, wird euch in ein schönes und fruchtbares Land bringen. In der Ebene wie im Bergland gibt es dort Quellen und Bäche, die unerschöpflich aus der Tiefe hervorsprudeln. Es gibt Weizen und Gerste, Trauben, Feigen und Granatäpfel, Oliven und Honig.
Heißhunger auf Linseneintopf
Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht
Wer sich einmal die Mühe macht, gewöhnliche Haushaltslinsen zum Keimen zu bringen und später ihr Wachstum im Garten zu beobachten, der staunt über die zarten, weit verzweigten Rankpflanzen mit ihren hübschen bläulichen Blüten, die da heranreifen. In den kleinen behaarten Hülsen bilden sich dann aber nur jeweils ein bis zwei Samen. Angesichts der Menge der Linsen, die notwendig sind, um einen Eintopf zu kochen, erscheint einem diese Ausbeute sehr mager. Wie viel Mühe haben sich die Menschen in biblischer Zeit gemacht, um in Handarbeit genug Linsen für ein sättigendes Mahl zusammenzubekommen! Weil sie aber wenig Fleisch aßen, waren Linsen für sie ein wertvoller Eiweißlieferant. Linsen wurden gekocht, geröstet und gemahlen, um sie mit Mehl zu Fladenbrot zu verbacken. Die Linse ist eine der ältesten gezüchteten Gemüsepflanzen der Welt. Bei Ausgrabungen in Jericho fand man verkohlte Linsen aus dem 7.Jahrtausend v.Chr.! Heute gibt es dieses Gemüse in den verschiedensten Farben: in Schwarz, Braun, Grün und Rot. In biblischer Zeit waren wahrscheinlich die roten Linsen am gebräuchlichsten.
Der Jäger Esau, der hungrig zu den Zelten seines Vaters Isaak kommt, riecht den Linseneintopf, den sein häuslicher Zwillingsbruder Jakob gekocht hat. Da kann er seine Lust auf das »rote Gericht« kaum beherrschen. Was kümmern ihn der Acker und das Weideland seines Vaters, das Jakob so gerne erben möchte! Jetzt denkt er nur ans Essen und verspricht seinem Bruder schnell das Erstgeburts- und Erbrecht. Als Jäger braucht er Freiheit und Kraft, um dem Wild nachstellen zu können. Aus diesem Grund erscheint ihm vielleicht der ungleiche Tausch »Erstgeburtsrecht gegen Linseneintopf« nicht so problematisch. Soll doch der Bruder in Zukunft das Land bestellen und die Tiere weiden! (1Mose/Genesis 25,27-34)
Die Kinder wuchsen heran. Esau wurde ein Jäger, der am liebsten in der Steppe umherstreifte. Jakob wurde ein häuslicher, ruhiger Mensch, der bei den Zelten blieb.
Ihr Vater, der gerne Wild aß, hatte eine Vorliebe für Esau; Jakob aber war der Liebling der Mutter.
Als Esau einmal erschöpft nach Hause kam, hatte Jakob gerade Linsen gekocht.
»Gib mir schnell etwas von dem roten Zeug da, dem roten«, rief Esau, »ich bin ganz erschöpft!« Daher bekam Esau den Beinamen Edom. Jakob sagte: »Nur wenn du mir vorher dein Erstgeburtsrecht abtrittst!« »Ich sterbe vor Hunger«, erwiderte Esau, »was nützt mir da mein Erstgeburtsrecht!« »Das musst du mir zuvor schwören!«, sagte Jakob. Esau schwor es ihm und verkaufte so sein Erstgeburtsrecht an seinen Bruder. Dann gab ihm Jakob eine Schüssel gekochte Linsen und ein Stück Brot. Als Esau gegessen und getrunken hatte, stand er auf und ging weg. Sein Erstgeburtsrecht war ihm ganz gleichgültig.
Das tägliche Brot
Rut findet neues Glück bei der Gerstenernte
Das Wort vom »täglichen Brot« ist zu einer gebräuchlichen Redewendung geworden – auch bei den Menschen, die nicht so genau wissen, dass es sich auf eine Bitte im Vaterunser bezieht. Das »tägliche Brot« bezeichnet bei uns inzwischen alle lebensnotwendigen Dinge, während es in der Bibel noch ganz wörtlich gemeint ist. Brot spielte im Altertum eine weitaus größere Rolle bei der Ernährung der Menschen als bei uns. Der Rhythmus des Alltags war von der Arbeit der Bodenbestellung, Getreideaussaat, Unkrautbekämpfung, Ernte, Kornverarbeitung und Vorratshaltung bestimmt. Wer Gerste hatte oder sogar Weizen, der hatte Leben und Glück. Ungünstige Witterung und Missernten brachten die Menschen sofort in die Gefahr einer Hungersnot, so wie auch Menschen ohne Grundbesitz häufig Hunger leiden mussten. Die auf dem Feld nach der Ernte liegen gebliebenen Ähren aufzusammeln war darum alttestamentliches Recht der Armen, Witwen und Fremden im Land. Außerdem wurden die Getreidehalme mit der Sichel so hoch abgeschnitten, dass kürzere Halme mit ihren Ähren für die Besitzlosen stehen blieben. Sie waren ihre Sozialversicherung. Wie noch heute waren schon damals die sozial verantwortlichen Menschen der Gesellschaft daran zu erkennen, dass sie den Armen die Möglichkeit gaben, sich ihren eigenen Lebensunterhalt zu erarbeiten. Sie teilten ihre erntereifen Felder, um die Not anderer zu lindern.
Rut, die ausländische junge Witwe, die mit ihrer ebenfalls verwitweten Schwiegermutter Noomi nach Israel kommt, trifft einen solchen sozial verantwortlichen und großzügigen Grundbesitzer. Sie darf auf seinen Feldern Ähren sammeln und ungeniert neben seinen Angestellten für das eigene Überleben sorgen. Auf der Tenne, nachdem die Spreu von der Gerste mit Worfelschaufeln getrennt und der Feierabend herbeigekommen ist, kriecht Rut unter die Decke des Mannes, dessen Güte sie kennen gelernt hat … (Rut 2–3)
Noomi hatte von ihrem Mann her einen Verwandten namens Boas. Er gehörte zur Sippe Elimelechs und war ein tüchtiger Mann und wohlhabender Grundbesitzer. Eines Tages sagte die Moabiterin Rut zu ihrer Schwiegermutter: »Ich will hinausgehen und Ähren sammeln, die auf dem Feld liegen geblieben sind. Ich finde schon jemand, der freundlich zu mir ist und es mir erlaubt.« »Geh nur, meine Tochter!«, sagte Noomi. Rut kam zu einem Feld und sammelte Ähren hinter den Männern und Frauen her, die dort das Getreide schnitten und die Garben banden und wegtrugen. Es traf sich, dass das Feld zum Besitz von Boas gehörte.
Im Lauf des Tages kam Boas selbst aus der Stadt zu seinen Leuten heraus. »Gott sei mit euch!«, begrüßte er sie und sie erwiderten: »Der HERR segne dich!« Boas fragte den Mann, der die Aufsicht über die anderen führte: »Wohin gehört diese junge Frau?« Er antwortete: »Es ist eine Moabiterin, die mit Noomi gekommen ist. Sie hat gefragt, ob sie die Ähren auflesen darf, die unsere Leute liegen lassen. Seit dem frühen Morgen ist sie auf den Beinen, jetzt hat sie zum ersten Mal eine Pause gemacht und sich in den Schatten gesetzt.«
Da wandte sich Boas an Rut und sagte: »Hör auf meinen Rat! Geh nicht auf ein anderes Feld, um dort Ähren zu sammeln. Bleib hier und halte dich zu meinen Knechten und Mägden. Geh hier auf dem Feld hinter ihnen her. Ich habe meinen Leuten befohlen, dich nicht zu hindern. Und wenn du Durst hast, geh zu den Krügen und trink von dem Wasser, das meine Leute sich dort schöpfen.« Rut warf sich vor ihm zu Boden und fragte: »Wie kommt es, dass du so freundlich zu mir bist? Ich bin doch eine Fremde.« Boas antwortete: »Ich weiß, was du seit dem Tod deines Mannes für deine Schwiegermutter getan hast; es wurde mir alles erzählt. Du hast deinen Vater und deine Mutter und deine Heimat verlassen und bist mit ihr zu einem Volk gegangen, das du vorher nicht kanntest. Der HERR vergelte dir, was du getan hast, und belohne dich reich dafür – der Gott Israels, zu dem du gekommen bist, um Schutz zu finden unter seinen Flügeln!« »Du bist so freundlich zu mir!«, erwiderte Rut. »Du hast mich getröstet und mir Mut gemacht, obwohl ich noch viel geringer bin als eine deiner Mägde.«
Zur Essenszeit sagte Boas zu Rut: »Komm zu uns, iss von dem Brot und tunke es in den Most!« So setzte sie sich zu den Knechten und Mägden, und Boas gab ihr so reichlich geröstete Getreidekörner, dass sie sogar noch davon übrig behielt. Als sie aufstand, um wieder Ähren zu sammeln, wies er seine Leute an: »Lasst sie auch zwischen den Garben sammeln und treibt sie nicht weg! Lasst absichtlich Ähren aus den Garben fallen, damit sie sie auflesen kann, und sagt ihr kein unfreundliches Wort!«
So sammelte Rut bis zum Abend und klopfte dann ihre Ähren aus. Sie hatte etwa 17 Kilo Gerste zusammengebracht. Sie trug alles in die Stadt und brachte es ihrer Schwiegermutter, und sie gab ihr auch, was von den gerösteten Körnern übrig geblieben war. Noomi fragte sie: »Wo hast du heute Ähren gesammelt? Auf wessen Feld bist du gewesen? Gott segne den, der dir das erlaubt hat!« »Der Mann, auf dessen Feld ich heute war«, antwortete Rut, »hieß Boas.« Da sagte Noomi zu ihr: »Der HERR segne ihn! Jetzt sehe ich, dass der HERR uns nicht im Stich gelassen hat, uns Lebende nicht und nicht unsere Toten. Du musst wissen«, fuhr sie fort, »Boas ist mit uns verwandt. Er ist einer von den Lösern, die uns nach dem Gesetz beistehen müssen.« Rut, die Moabiterin, erzählte: »Er hat zu mir gesagt, ich soll mich zu seinen Leuten halten, bis sie die ganze Ernte eingebracht haben.« Noomi sagte: »Es ist gut, meine Tochter, wenn du mit den Leuten von Boas gehst. Auf einem anderen Feld werden sie vielleicht nicht so freundlich zu dir sein.«
Während der ganzen Gerstenernte und auch noch der Weizenernte hielt sich Rut zu den Leuten von Boas und las Ähren auf. Als die Ernte vorbei war, blieb sie auch tagsüber bei ihrer Schwiegermutter.
Eines Tages sagte Noomi zu Rut: »Meine Tochter, ich möchte, dass du wieder einen Mann und eine Heimat bekommst. Du weißt, dass Boas, mit dessen Leuten du auf dem Feld warst, mit uns verwandt ist. Er arbeitet heute Abend mit der Worfschaufel auf der Tenne, um die Spreu von der Gerste zu trennen. Bade und salbe dich, zieh deine besten Kleider an und geh zur Tenne. Sieh zu, dass er dich nicht bemerkt, bevor er mit Essen und Trinken fertig ist. Pass gut auf, wo er sich hinlegt, und wenn er schläft, schlüpfe unter seine Decke und lege dich neben ihn. Er wird dir dann schon sagen, was du tun sollst.« »Ich werde alles so machen, wie du gesagt hast«, antwortete Rut. Dann ging sie zur Tenne und verfuhr genau nach den Anweisungen ihrer Schwiegermutter. Als Boas gegessen und getrunken hatte, legte er sich gut gelaunt und zufrieden am Rand des Getreidehaufens schlafen. Leise ging Rut zu ihm hin, schlüpfte unter die Decke und legte sich neben ihn.
Um Mitternacht schrak Boas auf und tastete um sich. An ihn geschmiegt lag – eine Frau. »Wer bist du?«, fragte er und bekam die Antwort: »Ich bin Rut, deine Sklavin! Breite deinen Gewandsaum über mich und nimm mich zur Frau; du bist doch der Löser!« Boas erwiderte: »Der HERR segne dich! Was du jetzt getan hast, zeigt noch mehr als alles bisher, wie treu du zur Familie deiner Schwiegermutter hältst. Du hättest ja auch den jungen Männern nachlaufen können und jeden bekommen, ob arm oder reich. Nun, meine Tochter, sei unbesorgt! Ich werde tun, worum du mich gebeten hast. Jeder in der Stadt weiß, dass du eine tüchtige Frau bist. Doch da ist noch ein Punkt: Es stimmt zwar, dass ich ein Löser bin und dir helfen muss; aber es gibt noch einen zweiten, der den Vortritt hat, weil er näher verwandt ist als ich. Bleib die Nacht über hier! Morgen früh werde ich ihn vor die Wahl stellen, ob er der Verpflichtung nachkommen will oder nicht. Wenn nicht, werde ich es tun. Das verspreche ich dir, so gewiss der HERR lebt. Bleib jetzt liegen bis zum Morgen!«
Rut blieb neben ihm liegen; aber in aller Frühe, noch bevor ein Mensch den andern erkennen konnte, stand sie auf. Denn Boas sagte: »Es darf nicht bekannt werden, dass eine Frau auf der Tenne war.« Dann sagte er noch zu ihr: »Nimm dein Umschlagtuch ab und halte es auf!« Er füllte einen halben Zentner Gerste hinein und hob ihr die Last auf die Schulter. Dann ging er in die Stadt.
Als Rut nach Hause kam, fragte ihre Schwiegermutter: »Wie ist es dir ergangen, meine Tochter?« Rut erzählte alles, was Boas für sie getan und zu ihr gesagt hatte. »Und diese ganze Menge Gerste hat er mir mitgegeben«, fügte sie hinzu. »Er sagte: ›Du darfst nicht mit leeren Händen zu deiner Schwiegermutter kommen.‹« Noomi antwortete: »Bleib nun hier, meine Tochter, und warte ab, wie die Sache ausgeht. Der Mann wird nicht ruhen, bis er sie noch heute geordnet hat.«
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