Kitabı oku: «Geldgeschichten der Bibel»

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Inhaltsverzeichnis

Geld regiert die Welt – Vorwort

Reichtum und Wohlstand

Reichtum auf Expansionskurs – Abraham und Lot trennen sich

Reich auch ohne Geld – Gott verheißt Abraham reiche Nachkommenschaft

»Wünsch dir, was du willst« – Wie Salomo reich wird, ohne es zu fordern

Wie man eine Königin beeindruckt – Salomo und die Königin von Saba

Weisheit führt zu Wohlstand – Das Salomo-Prinzip auf den Punkt gebracht

Gönn dir was! – Vom richtigen Gebrauch des Reichtums

Lohn und Gehalt

Eine kluge Lohnverhandlung – Jakob kommt zu seinem verdienten Lohn

Lohn für ein Wunder? – Die Heilung des Naaman

Teilzeitarbeit bei vollem Lohnausgleich – Die Arbeiter im Weinberg

Lohnverzicht eines Predigers – Paulus als Vorbild

Erbschaften

Kluge Erbvorbereitungen – Abrahams Besitzverwalter sucht eine Frau für den Sohn Isaak

Kein Respekt vor altem Erbe – Nabots Weinberg

Vererben statt frühzeitiger Schenkung – Sirach rät zu Unabhängigkeit

Verprasstes Erbe – Der verlorene Sohn

Sparen, Kapitalanlage, Zukunftsvorsorge

Traumhafte Zukunftsvorsorge – Josef rettet Ägypten vor einer Hungersnot

Der Tempel als Vorläufer einer Bank – Der Tempelschatz wird bewahrt

Biblische Investmentberatung – Das Gleichnis vom anvertrauten Geld

Investieren ohne Risikostreuung – Der versteckte Schatz und die Perle

Keine Verluste hinnehmen – Das verlorene Geldstück

Ein Aufruf zur nachhaltigen Vorsorge – Das Gleichnis von den Brautjungfern

Urchristliche Rentenversicherung – Soziale Absicherung in der Gemeinde

Der Sparwut ein Ende – Gegen die Sorge um Reichtum und Lebenssicherung

Ohne Reiseschecks und Devisen – Die Aussendung der zwölf Jünger

Steuern, Zölle, Abgaben

Mit einer Steuererhebung fängt alles an – Jesus wird in Betlehem geboren

Allgemeine Steuerpflicht? – Die Frage nach der Steuer für den Kaiser

Zahlt eure Steuern und Zölle! – Weisungen für das Verhalten gegenüber staatlichen Organen

Finanzierung aus ungewöhnlicher Quelle – Wie Jesus die Tempelsteuer zahlt

Reicher Zolldirektor betreibt Wiedergutmachung – Jesus und Zachäus

Spenden und Opfer

Ein bemerkenswertes Fundraising – Die kluge Regel des Zehnten

Spenden mit links – Die richtige Haltung beim Spenden

Opfergeld unwillkommen? – Jesus im Tempel

Kleine Spende – großes Opfer – Das Opfer der Witwe

Ein kluges Spendenmanagement – Über die Spendensammlung für Jerusalem

Geschwisterliches Teilen – Die Praxis der ersten Christen

Insolvenz und Schulden

Raus aus der Schuldenfalle – Schuldenerlass in jedem 7. Jahr

Menschenwürdige Regeln für Verschuldete – Das Verbot der Schuldsklaverei und das Zinsverbot

Ein Prophet bewahrt vor dem Bankrott – Elischa und die arme Witwe

Vorsicht bei Bürgschaften – Warnungen aus den Sprichwörtern

Leitlinien für finanzielle Hilfen – Sirachs Finanzberatung

Schuldenerlass macht beliebt – Die Klugheit eines untreuen Verwalters

Schuldner und Gläubiger zugleich – Das Gleichnis vom hartherzigen Verwalter

Vom Geld verführt

Der falsche Glanz des Goldes – Der Tanz um das Goldene Kalb

Wenn Silber wichtiger ist als Liebe – Delila verrät Simson

Bestechungsaffäre Judas – Judas verrät Jesus

Reich auf Kosten anderer – Skrupellose Jagd nach Bereicherung

Korruption in der Führungsetage – Micha droht bestechlichen Propheten und Priestern

Wer den Pfennig nicht ehrt ... – Der Umgang mit dem leidigen Geld

»Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr ...« – Die Gefahr des Reichtums

Fragwürdige Geldquelle – Gewinnsucht bei Predigern

Unterschlagung mit Todesfolge – Hananias und Saphira belügen den Heiligen Geist

Durch Reichtum voll und ganz gesichert?

Bau nicht auf Reichtum! – Kohelets Sicht der Dinge

Vom Winde verweht – Ijob über die Vergänglichkeit des Reichtums

Endzeitlicher Börsencrash – Ezechiëls Ankündigung des Gerichts

Aus reich wird arm – Gottes Umkehr der Verhältnisse

Trügerische Lebensversicherung – Timotheus’ Mahnung an die Reichen

Der bittere Lohn eines reichen Mannes – Der reiche Mann und der arme Lazarus

Ein Plädoyer gegen Reichtum – Die Maßstäbe der christlichen Gemeinde

Wichtiger als alles Geld – Nachwort

Reihe Biblische Taschenbücher

Impressum

Geld regiert die Welt
Vorwort

»Geld regiert die Welt« – wie oft wird dieses Sprichwort zitiert! Meist ist ein resignativer Unterton dabei kaum zu vermeiden. Fast nichts in dieser Welt läuft ohne Geld. Ob in unserem eigenen Leben oder auf der großen Weltbühne: Irgendwie dreht sich immer alles um Geld und Gut, um Vermögen und Besitz. Wir verbringen viel Zeit damit, uns Gedanken ums Geld zu machen: Wo kaufe ich am günstigsten ein? Warum verdient meine Schwester mehr als ich? Kann ich mir ein neues Auto leisten? Sind die Benzinpreise schon wieder gestiegen? Wie lege ich mein Geld am besten an? ... Wir werden auch an dieses Wort erinnert, wenn Wirtschaftsführer wieder einmal nicht satt werden und sich ihre Vergütungen kräftig erhöhen lassen. Oder wenn Politiker gegen Gesetze, die sie selbst erlassen haben, verstoßen und zum eigenen Vorteil oder zu Gunsten der Partei Gelder verschieben. Beim Geld scheint die Moral aufzuhören. Und dass es den Charakter verdirbt, wissen wir schon längst.

In einer Fülle von geflügelten Worten haben die Menschen von jeher ihre Alltagserfahrungen mit dem lieben Geld auf den Punkt gebracht. So kann Margarethe in Goethes Faust ausrufen: »Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles!« – eine frühe und etwas elegantere Version unseres Eingangszitats. Dabei hat das Geld immer auch etwas Anrüchiges und sollte mit Diskretion behandelt werden: »Über Geld spricht man nicht, man hat es.« Etwas anders hat dies der Kaiser Vespasian gesehen mit seinem berühmten Ausspruch: »Pecunia non olet« – Geld stinkt nicht. Die Bibel berichtet im Buch Exodus vom sprichwörtlich gewordenen »Tanz um das goldene Kalb« (2Mose/Exodus 32) und der Prediger Salomo erkannte schon vor über 2000 Jahren die Gefahren des Reichtums: »Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt« (Prediger 5,9). Auch »Geiz ist die Wurzel allen Übels« (nach 1Timotheus 6,10) und »Geben ist seliger denn Nehmen« (Apostelgeschichte 20,35) sind zu stehenden Redewendungen geworden.

Mehr als viele wissenschaftliche Bücher über Geld und Finanzwirtschaft bringen diese Sprichwörter unsere Lebenswirklichkeit zum Ausdruck. Das Geld regiert unsere Welt und unsere Gedanken – doch was ist Geld eigentlich? Und welche Aufgaben und Funktionen hat es?

Die Ökonomie bietet uns eine schlichte Definition: Geld ist alles, womit man bezahlen kann. Dazu gehören natürlich die gewohnten Geldscheine (Noten) und Münzen. Im Altertum bezahlte man mit einem wichtigen Gut, z.B. mit Tieren, Edelsteinen, Edelmetallen (geprägt oder ungeprägt), gelegentlich auch mit Menschen. Das so genannte Warengeld hat eine besonders lange Tradition. Heutzutage kennen wir modernere Formen: So rückt neben dem Plastikgeld (Kreditkarte, Geldkarte etc.) das elektronische Geld immer mehr in den Vordergrund – ganz entsprechend dem virtuellen Zeitalter.

Die verschiedenen Geldarten zeigen bereits die verschiedenen Funktionen, die das Geld übernehmen kann. Die erste klassische Funktion des Geldes war die Tauschfunktion. Im Altertum bezahlte man nicht mit Geldscheinen, sondern indem man Waren gegen andere Waren eintauschte. Die zweite Funktion entwickelte sich mit dem Übergang von der Tauschwirtschaft zur Handelswirtschaft: die Zahlungsfunktion. Das – meist geprägte – Geld diente als Recheneinheit, war also die Währung eines Landes. Diese Funktion besteht bis heute. Mit dem Fortschreiten der nationalen Ökonomie kam zunehmend ein Drittes zur Geltung: die Wertaufbewahrung in Form von Geld. Geld kann gespart und gehortet werden, ohne dass es verfault oder verrottet. Anders als die Kamele im Orient hat es eine zeitlich unbefristete Existenz. Geld stirbt nicht.

Wenn wir landläufig von »Geld« reden, dann meinen wir aber noch viel mehr. Wir denken zugleich auch an Vermögen und Besitz, an unser Hab und Gut. Geld steht nicht nur für Münzen und Scheine, sondern für fast alle materiellen Güter. Doch nicht nur für das. Der Engländer sagt treffend: time is money – Zeit ist Geld – und deutet damit an, dass es auch noch eine ganz andere Art von Reichtum gibt. Zeit ist ein immaterielles Gut, das kostbar und dennoch nicht mit Geld zu bezahlen ist. Es sind gerade diese unbezahlbaren Güter, die das Leben reich machen. Neben der Zeit sind das z.B. wichtige Menschen – Familie, Partner, Freunde –, unsere Gesundheit, unser Lebensraum, die Schöpfung, aber auch unsere Beziehung zu Gott. Mit Münzen hat dieser Reichtum nichts zu tun. Wir bekommen ihn geschenkt – ohne Vorleistung und Bezahlung. Zu den immateriellen Gütern zählen schließlich auch Wissen und Bildung, ein heutzutage ungeheuer wichtiger Besitz.

Diese Bandbreite, die sich hinter dem schlichten Wörtchen »Geld« verbirgt, spielt eine Rolle, wenn wir nach Geldgeschichten in der Bibel fragen. Wir können gespannt sein, was die Bibel über die Jahrhunderte ihrer Entstehung zum Thema »Geld« zu sagen hat. Dabei ist »Geld« auch für die Bibel ein sehr weiter Begriff. Der »Mammon« (von Martin Luther so übersetzt) umfasst alles Hab und Gut, alles Vermögen und allen Besitz.

Es fällt auf, dass es in der Bibel von geflügelten Worten, die unseren Umgang mit Geld und Gut, mit Vermögen und Zeit beschreiben, nur so wimmelt. Das Alte Testament überliefert eine Fülle bewegender Geschichten, die sich (auch) ums Finanzielle drehen. Welch einen Reichtum finden wir da bei den Menschen, auf denen der Segen Gottes ruht! Zugleich aber erzählen warnende Stimmen von dem Fluch, der auf diesem Reichtum liegen kann. Denn Geld befindet sich immer in Händen von Menschen, die vom Geldrausch in eine abgründige Tiefe gerissen werden können. Im Neuen Testament finden wir unzählige Ratschläge, Appelle, Warnungen und seelsorgerliche Hinweise zu unserem Finanzmanagement. Jesus redet vordergründig sogar viel mehr über Geldangelegenheiten als über Himmel und Hölle! Er knüpft damit direkt an die Lebenswirklichkeit seiner Zuhörer an. Und er sieht einen besonderen Aufklärungsbedarf für einen Gott wohlgefälligen Umgang mit dem Geld – und der ist heute mit Sicherheit nicht kleiner geworden.

Wir haben deshalb eine spannende Forschungsreise durch die Bibel vor uns. Wenn wir in den bunten Reigen ihrer Geschichten eintreten, werden wir schnell merken, dass die Bibel oft mitten in unsere vom Geld regierte Lebenswirklichkeit hineinspricht – so als würde sie persönlich zu uns reden und unseren Umgang mit dem Geld auf den Prüfstand stellen.

Reichtum und Wohlstand

Wer von uns will nicht auch reich sein! Reich sein bedeutet für uns meist, mehr zu haben als der Nachbar oder Kollege. Reich sein heißt, ein gut gefülltes Konto zu besitzen und ein ordentliches Wertpapierdepot zusammen mit einem Häuschen, und dass die täglichen oder auch einmal ausgefallenen Wünsche in Erfüllung gehen. In diesem Traum wiegen sich unzählige Zeitgenossen, wenn sie zwei Mal in der Woche dem Millionengewinn im Lotto entgegenfiebern. Man hofft auf den Jackpot. Reichtum verspricht ein sorgloses, glückliches Leben. Das haben uns schon die Märchen in unserer Kindheit eingeprägt.

Reich waren früher die oberen Zehntausend, also über viele Jahrhunderte hinweg die Könige und Herrscher. Nachdem uns die Massenmedien einen Blick hinter die Gartenmauern dieser Reichen gewähren, haben wir eine Vorstellung davon bekommen und Geschmack daran gefunden. Bei diesem Reichtum denken wir fast ausschließlich an das liebe Geld: im Geld schwimmen, in Sekt baden!

Reichtum hat aber noch ganz andere Aspekte. Er geht zum einen oft mit Macht und Einfluss einher (von der damit verbundenen Verantwortung einmal ganz zu schweigen). Zum anderen galt bereits im Altertum eine große und glückliche Familie als unschätzbarer Reichtum. Viele Kinder und Kindeskinder zu haben – ein Reichtum, auf den heute viele sogar freiwillig verzichten. Einen ganz besonderen Reichtum stellten schließlich schon damals Wissen, Bildung und Weisheit dar.

Ludwig Ehrhardt, der Vater der sozialen Marktwirtschaft und Begründer unseres Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg, prägte den Slogan »Wohlstand für alle«. Er wollte nach einem verlorenen Krieg und der Vernichtung aller wirtschaftlichen Güter das deutsche Volk zum Wohlstand führen. Alle sollten genug zum Leben haben. Dass dies bis heute nicht für alle zur Wirklichkeit geworden ist, lehrt uns unsere Armutsstatistik.

Doch zu allen Zeiten konnten Menschen unglaublich reich sein – wir sagen gerne »stinkreich«. (Dieser Ausdruck geht übrigens auf ein Wort mit gerade gegenteiliger Bedeutung zurück: Pecunia non olet – Geld stinkt nicht. Damit begründete Kaiser Vespasian vor etwa 2000 Jahren die Einführung einer Toilettensteuer.) Stinkreich können wir uns gut vorstellen. Dafür liefert die Regenbogenpresse genügend Anschauungsmaterial. Aber dass ein derartiger Reichtum und Wohlstand auch noch von Gott gewollt, von ihm geschenkt sein könnte, ist kaum mehr denkbar. Doch gerade hierfür liefert uns das Alte Testament glänzende Beispiele. Reichtum ist im Alten Testament meist ein untrügliches Zeichen für Gottes Segen.

Reichtum auf Expansionskurs
Abraham und Lot trennen sich

Jeder kennt Menschen, die sehr reich sind – wenn auch nur vom Bildschirm oder aus der Zeitung. Ich denke da an einen Unternehmer, der in seinem Großbetrieb ständig investiert und dadurch neue Arbeitsplätze schafft. Er kam in den letzten Jahrzehnten zu beachtlichem Reichtum und Wohlstand, den er in großer Bescheidenheit ganz aus Gottes Hand nahm.

Im Alten Testament ist Reichtum oft mit dem Segen Gottes verbunden. Wessen Herde wächst und gedeiht, wer eine zahlreiche Kinderschar hat, wer über viel Land verfügt, wem es also rundum gut geht – auf dem ruht der Segen Gottes. Ganz am Anfang der Geschichte Israels begegnen wir der Urgestalt des von Gott Gesegneten: dem Erzvater Abraham. Gott ist mit ihm in allem, was er tut, und beschenkt ihn mit großem Reichtum. Andere Familienmitglieder stehen ebenfalls unter diesem Segen: So hat auch Abrahams Neffe Lot einen beträchtlichen Besitz vorzuweisen. Da das Land für ihre Herden nicht mehr ausreicht, müssen sie sich trennen. Lesen Sie die Geschichte einer gelungenen Unternehmensausgliederung und einer glücklichen Erbteilung. (1Mose/Genesis 13,1-12)

Abram kehrte mit seiner Frau und seinem ganzen Besitz an Tieren und Menschen in den südlichsten Teil des Landes Kanaan zurück. Auch sein Neffe Lot begleitete ihn. Von dort zog er von Lagerplatz zu Lagerplatz bis zu der Stelle zwischen Bet-El und Ai, wo er zuerst seine Zelte aufgeschlagen hatte. Das war auch der Ort, an dem er den Altar gebaut hatte. Dort rief er im Gebet den Namen des HERRN an.

Abram war sehr reich. Er besaß große Viehherden und viel Silber und Gold. Auch Lot, der mit ihm zog, hatte viele Schafe, Ziegen und Rinder und viele Zelte, in denen seine Hirten mit ihren Familien lebten. Das Weideland reichte nicht aus für die Viehherden der beiden; sie konnten auf die Dauer nicht zusammenbleiben. Es gab immer Streit zwischen den Hirten Abrams und den Hirten Lots. Außerdem wohnten damals noch die Kanaaniter und die Perisiter im Land.

Da sagte Abram zu seinem Neffen: »Es soll doch kein Streit zwischen uns sein, auch nicht zwischen unseren Hirten. Wir sind doch Brüder! Das Beste ist, wir trennen uns. Das ganze Land steht dir offen: Du kannst nach Norden gehen, dann gehe ich nach Süden; du kannst auch nach Süden gehen, dann gehe ich nach Norden.« Lot schaute sich nach allen Seiten um. Er sah, dass es in der Jordanebene reichlich Wasser gab. Bevor der HERR Sodom und Gomorra zerstörte, war es dort wie im Garten Gottes oder wie am Nil in Ägypten – bis hinab nach Zoar. Deshalb entschied sich Lot für die Jordangegend und zog nach Osten.

So trennten sich die beiden: Abram blieb im Land Kanaan, Lot ging ins Gebiet der Jordanstädte und kam im Lauf der Zeit mit seinen Zelten bis nach Sodom.

Reich auch ohne Geld
Gott verheißt Abraham reiche Nachkommenschaft

Ungewollt kinderlos zu sein ist eine schwere Bürde und kann die Betroffenen in Verzweiflung und Depressionen stürzen. Kein materieller Reichtum kann hier helfen, denn Kinder kann man nicht erkaufen.

Das Alte Testament erzählt auffallend viele Geschichten von Frauen, die – zusammen mit ihren Männern – unter ihrer Kinderlosigkeit leiden. Keine Kinder bekommen zu können bedeutet in der Bibel, dass Gott seinen Segen abgewendet hat. So auch für die Erzeltern Sara und Abraham. Beide sind schon alt und haben die Hoffnung auf eigene Kinder längst aufgegeben. Doch gegen alle biologischen Gesetzmäßigkeiten verheißt Gott Abraham eine riesige Nachkommenschaft und macht ihn so ungeheuer reich, ganz ohne Geld … (1Mose/Genesis 15,1-6)

Einige Zeit danach erging das Wort des HERRN an Abram, und er empfing eine Offenbarung. Der HERR sagte zu ihm: »Hab keine Angst, Abram, ich bin dein Schutz! Du sollst reich belohnt werden.«

»Herr, mein Gott«, erwiderte Abram, »womit willst du mich denn belohnen? Ich sterbe ohne Kinder, und meinen Besitz erbt Eliëser aus Damaskus.« Weiter sagte Abram: »Sieh doch, du hast mir keine Kinder gegeben, und mein eigener Sklave wird mich beerben!« Da erging an Abram das Wort des HERRN: »Nein, nicht Eliëser wird dich beerben! Du wirst einen Sohn bekommen; der soll dein Erbe sein.« Und der HERR führte Abram aus dem Zelt und sagte: »Sieh hinauf zu den Sternen am Himmel! Kannst du sie zählen? So unzählbar werden deine Nachkommen sein.« Abram glaubte der Zusage des HERRN, und der HERR rechnete ihm dies als Beweis der Treue an.

»Wünsch dir, was du willst«
Wie Salomo reich wird, ohne es zu fordern

Wer hat in seiner Kindheit nicht von der Glücksfee geträumt, die in so vielen Märchen auftrat! Immer hatte man mindestens einen Wunsch frei, manchmal sogar drei. An diesem Traum hat sich auch in den späteren Jahren nichts geändert: Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann ... So fiebern heute viele bei den Millionenspielen im Fernsehen dem großen Gewinn entgegen. Was würden wir wählen, wenn wir einen Wunsch frei hätten? Ein eigenes Haus? Die Traumreise? Die Genesung von schwerer Krankheit? Im Geld zu schwimmen – davon träumen vermutlich die allermeisten.

Wie gerne würden wir mit dem König Salomo, Sohn von König David, tauschen, der sich unversehens mit der Aufforderung konfrontiert sieht: »Wünsch dir, was du willst!« So redet nicht etwa die Glücksfee, sondern Gott zu ihm in einem nächtlichen Traum. Und die Antwort Salomos zeigt, dass er zu Recht für seine Weisheit berühmt geworden ist. (1Könige 3,2-15)

Weil damals noch kein Tempel für den HERRN gebaut war, brachte das Volk dem HERRN seine Opfer an den Opferstätten rings im Land. Salomo liebte den HERRN und befolgte seine Gebote, wie es sein Vater David getan hatte; aber auch er opferte an diesen Opferstätten.

Einmal ging der König nach Gibeon, um ein Opferfest zu feiern. Dort war die bedeutendste Opferstätte im ganzen Land. Salomo opferte auf dem Altar tausend Tiere als Brandopfer. Als er im Heiligtum übernachtete, erschien ihm der HERR im Traum und sagte zu ihm: »Wünsche dir, was du willst; ich will es dir geben!« Salomo antwortete: »Du hast in großer Treue an deinem Diener, meinem Vater David, gehandelt, so wie auch er stets treu zu dir gehalten und dir aufrichtig gedient hat. Du hast ihm deine große Treue auch darin erwiesen, dass du ihm einen Sohn gegeben hast, der einst auf seinem Thron sitzen sollte, wie das jetzt wirklich eingetreten ist. HERR, mein Gott! Du hast mich, deinen Diener, anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Ich bin noch viel zu jung und unerfahren und fühle mich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Und doch hast du mir das Volk anvertraut, das du dir erwählt hast, und ich trage die Verantwortung für so viele Menschen, die niemand zählen kann. Darum schenke mir ein Herz, das auf deine Weisung hört, damit ich dein Volk leiten und gerechtes Urteil sprechen kann. Wie kann ich sonst dieses große Volk regieren?« Dem HERRN gefiel diese Bitte. Deshalb sagte er zu Salomo: »Du hättest dir langes Leben oder Reichtum oder den Tod deiner Feinde wünschen können. Stattdessen hast du mich um Einsicht gebeten, damit du gerecht regieren kannst. Darum werde ich deine Bitte erfüllen und dir so viel Weisheit und Verstand schenken, dass kein Mensch vor oder nach dir mit dir verglichen werden kann. Aber auch das, worum du mich nicht gebeten hast, will ich dir geben: Ich werde dir Reichtum und hohes Ansehen schenken, sodass zu deinen Lebzeiten kein König sich darin mit dir messen kann. Und wenn du meine Gebote so treu befolgst wie dein Vater David, dann schenke ich dir auch ein langes Leben.«

Als Salomo erwachte, merkte er, dass der HERR im Traum mit ihm gesprochen hatte. Er ging nach Jerusalem und trat vor die Bundeslade des HERRN, opferte Brandopfer und ließ Tiere für das Opfermahl schlachten. Sein gesamter Hofstaat wurde zu dem Mahl geladen.

Wie man eine Königin beeindruckt
Salomo und die Königin von Saba

Salomos Schatz an Weisheit und Urteilsvermögen ist sprichwörtlich geworden; wir reden heute noch von einem »Salomonischen Urteil«. Sein Reichtum an Gold und Edelsteinen, Geld und Gut war legendär und in aller Welt bekannt. Eine arabische Königin, die Königin von Saba, macht sich mit Gold und Edelsteinen beladen auf die Reise, um in Jerusalem dem König Salomo zu begegnen. Sie ist tief beeindruckt von der Klugheit und dem Reichtum Salomos – und lobt seinen Gott. Diese Geschichte berichtet von Respekt, Anerkennung und Bewunderung für die Weisheit und den Reichtum. Wir finden kein Wort des Neides, der Missgunst oder der Habgier. (1Könige 10, 1-13)

Salomo wurde zur Ehre des HERRN so bekannt, dass auch die Königin von Saba von ihm hörte. Sie machte sich auf den Weg, um sein Wissen durch Rätselfragen auf die Probe zu stellen. Mit zahlreichem Gefolge kam sie nach Jerusalem. Ihre Kamele waren schwer beladen mit duftenden Ölen, Gold und Edelsteinen.

Als sie zu Salomo kam, legte sie ihm die Rätsel vor, die sie sich ausgedacht hatte. Salomo blieb ihr keine Antwort schuldig; auch die schwierigsten Fragen konnten ihn nicht in Verlegenheit bringen. Die Königin war tief beeindruckt von der Klugheit Salomos. Sie besichtigte auch seinen Palast. Sie sah die Speisen und Getränke, die auf seine Tafel kamen, die Minister, die nach ihrem Rang an seiner Tafel saßen, und die Diener, die in kostbaren Gewändern aufwarteten, und sie sah auch die reichen Brandopfer, die er dem HERRN im Tempel opferte. Sie konnte sich vor Staunen nicht fassen und sagte zu Salomo: »Es war nichts übertrieben, was ich bei mir zu Hause über dich und dein Wissen gehört habe. Ich wollte es nicht glauben, aber jetzt habe ich mich mit eigenen Augen davon überzeugt. Dein Wissen und dein Reichtum übertreffen sogar noch alles, was ich darüber gehört hatte. Nicht einmal die Hälfte der Wahrheit hat man mir gesagt. Wie glücklich sind deine Frauen und deine Minister, die täglich um dich sind und deine klugen Worte hören! Der HERR, dein Gott, sei gepriesen, der dich erwählt und auf den Thron Israels gebracht hat! Weil seine Liebe zu seinem Volk nicht aufhört, hat er dich zum König eingesetzt, damit du für Recht und Gerechtigkeit sorgst.« Dann schenkte sie Salomo 120 Zentner Gold, eine Menge duftende Öle und viele Edelsteine. Nie wieder gelangte so viel kostbares Öl nach Jerusalem wie damals.

Übrigens brachten die Schiffe König Hirams, die Gold aus dem Land Ofir einführten, auch große Ladungen Edelhölzer und Edelsteine von dort mit. Salomo ließ aus dem Holz Schnitzwerk für den Tempel des HERRN und den Königspalast sowie Saiteninstrumente für die Tempelsänger herstellen. Bis heute ist nie mehr so viel kostbares Edelholz nach Jerusalem gekommen. Salomo erfüllte der Königin von Saba jeden ihrer Wünsche und beschenkte sie darüber hinaus so reich, wie nur er es konnte. Danach kehrte die Königin mit ihrem Gefolge wieder in ihr Land zurück.

Weisheit führt zu Wohlstand
Das Salomo-Prinzip auf den Punkt gebracht

Einer der reichsten Menschen der Welt ist Bill Gates, dessen Name uns im Zusammenhang mit Computersoftware vertraut ist. Eine kluge Idee und die Weisheit eines Pioniers haben ihm grenzenlosen Erfolg beschert – und inzwischen auch unendlichen Reichtum.

Diese Erfahrung verbindet Bill Gates vielleicht ein wenig mit König Salomo, dem Weisheit, Verstand und Klugheit wichtiger waren als alle Güter dieser Welt. Auch er ist aufgrund seiner Weisheit schließlich unermesslich reich geworden, auch wenn das nicht sein Ziel war. Salomo hat seine ganze Lebens- und Gotteserfahrung in Sprichwörtern festgehalten, von denen viele zu den »geflügelten Worten« gehören. So auch seine Gedanken zum Zusammenhang von Weisheit und sicherem Wohlstand. (Sprichwörter 3,13-18)

Wie glücklich ist ein Mensch, der die Weisheit gefunden und Erkenntnis erlangt hat! Weisheit besitzen ist besser als Silber, wertvoller als das reinste Gold. Sie ist kostbarer als Edelsteine; nichts, was man sich wünschen könnte, ist mit ihr vergleichbar. Mit der rechten Hand bietet sie dir langes Leben und mit der linken Wohlstand und Ansehen. Sie erfüllt dein Leben mit Glück und Sicherheit. Sie ist der wahre »Baum des Lebens«; wer sie erlangt und festhält, kann sich glücklich preisen!

Gönn dir was!
Vom richtigen Gebrauch des Reichtums

Den Schwaben wird – sicher nicht ganz zu Unrecht – nachgesagt, dass sie einen großen Hang zum Sparen haben. Der Lustgewinn durch eifriges Sparen geht gelegentlich so weit, dass der wackere Schwabe überhaupt nicht mehr an sich selbst denkt und sich kaum Zeit und Muße gönnt, die Früchte des Erarbeiteten auch einmal zu genießen. Wenn Geiz und Habgier den Umgang mit dem Erworbenen prägen, wird auch ein Reicher nicht glücklich.

Das Buch Jesus Sirach in den so genannten Spätschriften des Alten Testaments warnt vor dieser und ähnlichen Gefahren. Der Verfasser lebte ungefähr zwei Jahrhunderte vor Christi Geburt und fühlte sich gedrängt, »ein eigenes Buch zur Förderung von Erziehung und Weisheit« zu schreiben. Seine Aufforderung zum Genießen, zur Großzügigkeit und Dankbarkeit hat über die Jahrtausende hinweg nichts an Aktualität eingebüßt. (Sirach 14,3-19)

Reichtum taugt nicht für einen kleinlichen Menschen. Was fängt ein Geizhals mit Wohlstand an? Wer Schätze anhäuft und sich selbst nichts gönnt, sammelt für andere; sie werden sich mit seinem Besitz ein gutes Leben machen. Wie kann jemand gut zu anderen sein, wenn er zu sich selbst schlecht ist? Er wird mit seinem Wohlstand niemals glücklich! Niemand ist schlimmer dran als ein Mensch, der sich selbst nichts gönnt. Solche Schlechtigkeit trägt ihre Strafe in sich. Tut er einmal etwas Gutes, dann nur aus Versehen; und hinterher wird seine ganze Verkehrtheit sichtbar.

Wer gierige Augen hat, ist ein schlechter Mensch; denn wenn er andere in Not sieht, wendet er sich einfach ab. Er ist nie zufrieden mit dem, was er hat; seine Habgier trocknet seine Gefühle aus. Mancher geizt sogar mit dem eigenen Brot, darum sitzt er hungrig an seinem Tisch. Mein Sohn, tu dir selbst etwas Gutes, soweit du dazu in der Lage bist, und bring dem Herrn die Opfergaben, die ihm zustehen! Denk daran, dass der Tod nicht lange auf sich warten lässt und du den festgesetzten Tag nicht kennst. Tu deinem Freund Gutes, bevor du stirbst; gib ihm so großzügig, wie du kannst! Lass dir keinen einzigen Freudentag entgehen! Wenn du zu etwas Lust hast und es recht ist, dann tu es! Was du durch deine Mühe erworben hast, musst du ja doch anderen hinterlassen. Dann wird es durch das Los unter die Erben aufgeteilt. Darum hab deine Freude daran, anderen zu geben und auch für dich selbst zu nehmen; in der Totenwelt ist keine Freude mehr zu finden!

Wir alle altern und nutzen uns ab wie ein Gewand; es ist ein uraltes Gesetz: »Mensch, du musst sterben!« Die Blätter am Baum welken und fallen ab und neue wachsen nach. So ist es auch mit den Geschöpfen aus Fleisch und Blut: Eine Generation stirbt und eine neue wird geboren. Alles, was ein Mensch schafft, vergeht und zerfällt, und mit seinem Werk geht auch er selbst dahin, der es gemacht hat.

Lohn und Gehalt

Ein regelmäßiges Einkommen ist uns allen wichtig. Wenn Arbeiter auf die Straße gehen, um für drei oder fünf Prozent Lohnsteigerung zu streiken, dann zeigt dies die existenzielle Bedeutung des laufenden Lohns und den Wunsch nach realer Einkommenssicherung. Wir leben von den Früchten unserer Arbeit und sind in höchstem Maße auf sie angewiesen. Das bekommen vor allem jene Menschen zu spüren, die keine Beschäftigung haben. Die Sicherung des Lebensunterhalts wird für sie zur Überlebensfrage.

Wenn diese Früchte im Zuge von Gehaltskürzungen oder ausbleibenden Gehaltserhöhungen zusammenschrumpfen, reagieren wir äußerst empfindlich. Unser Gerechtigkeitsempfinden auf diesem Gebiet ist sehr ausgeprägt. Wir erwarten eine angemessene Bezahlung unserer Arbeit – auch im Vergleich zu anderen Gehältern. Wenn Tageszeitungen immer wieder von neuen Auswüchsen bei den Managergehältern berichten, verärgert dies viele. In den Führungsetagen der Großindustrie ist bei den Gehältern und Tantiemen einiges aus dem Lot geraten. Wie kann eine amerikanische Fluggesellschaft für alle Piloten sowie das Flug- und Bodenpersonal die Gehälter um ein Drittel kürzen, für das Management gleichzeitig aber hohe Bleibeprämien zahlen? Gerecht ist das jedenfalls nicht.

Auch die Bibel interessiert sich erstaunlich lebhaft für Löhne und Gehälter. Ihre Vorstellungen von einem gerechten Lohn sind für uns manchmal allerdings eher verblüffend. Die Bibel denkt nicht nur an den Lohnzettel und was darauf steht, sondern sie weiß etwas von einem bleibenden und immerwährenden, einem himmlischen Lohn. Selbst Tarifverhandlungen werden im Neuen Testament unter diesem weitreichenden Aspekt geführt, allerdings noch ohne Gewerkschaften oder Arbeitgeberverbände.

Eine kluge Lohnverhandlung
Jakob kommt zu seinem verdienten Lohn

Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern sind ein besonderes Ritual, das Außenstehende oft nicht verstehen. Die Gewerkschaften müssen die ursprünglichen Forderungen aufrechterhalten und sich der uneingeschränkten Unterstützung ihrer Mitglieder versichern. Die Arbeitgeber machen sich Gedanken um die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Mit harten Bandagen und vielen Argumenten wird gekämpft, gerechnet, kalkuliert, verglichen und taktiert. Und irgendwann, nach einer 24-stündigen Marathonsitzung, kurz vor Sonnenaufgang, wird ein Kompromiss präsentiert. Beide Seiten verbuchen das Ergebnis auf dem Konto ihrer Klugheit, Schlauheit und Strategie.

Eine Lohnverhandlung der etwas anderen Art schildert die Geschichte von Jakob und Laban. Jakob, der Erzvater Israels, ist bei seinem Schwiegervater Laban in einem leitenden Dienstverhältnis. Durch seinen Unternehmergeist hat er Laban Wohlstand erwirtschaftet und ihn reich gemacht. Der Segen Gottes ruht auf Jakob. Jetzt will er sich selbständig machen und erbittet die Auszahlung seines Lohns, also Viehherden und Mitarbeiter. Auch seine Frauen und Kinder möchte er mitnehmen.

In einer ebenso klugen wie raffinierten Lohnverhandlung findet Jakob eine ungewöhnliche Lösung. Dabei haben es beide Seiten faustdick hinter den Ohren und lassen sich so einige Tricks einfallen, um die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen – im wahrsten Sinne des Wortes! Klugheit und Gottvertrauen führen schließlich zum Erfolg für Jakob, der seinen verdienten Lohn erhält. (1Mose/Genesis 30,25–31,13)

Nachdem Rahel Josef geboren hatte, sagte Jakob zu Laban: »Lass mich nun frei! Ich möchte in meine Heimat zurückkehren. Gib mir meine Frauen und Kinder, die ich mit meiner Arbeit verdient habe, und lass mich ziehen! Du weißt, wie ich mich mit aller Kraft für dich eingesetzt habe.« Aber Laban erwiderte: »Erweise mir die Gunst, noch zu bleiben! Ich habe genau gemerkt, dass der HERR mich deinetwegen gesegnet und mir Wohlstand geschenkt hat. Was willst du künftig als Lohn? Ich gebe dir, was du verlangst.« Jakob sagte: »Du weißt ja, was ich für dich getan habe und wie dein Vieh sich vermehrt hat. Bevor ich kam, hattest du nur ein paar Tiere, und nun sind daraus so riesige Herden geworden. Für jeden meiner Schritte hat der HERR dich gesegnet. Jetzt muss ich endlich einmal an mich selbst denken und für meine Familie sorgen!«

»Sag doch, was verlangst du als Lohn?«, fragte Laban. »Gar nichts«, sagte Jakob; »du musst nur eine einzige Bedingung erfüllen, dann werde ich auch weiterhin für deine Herden sorgen: Ich werde heute aus deiner Herde alle schwarzen, schwarz gefleckten und schwarz gesprenkelten Schafe und alle weiß gescheckten und weiß gesprenkelten Ziegen entfernen. Wenn danach trotzdem noch ein gesprenkeltes oder geflecktes Ziegenlamm oder ein schwarzes Schaflamm geworfen wird, soll es mir als Lohn gehören. Du wirst künftig auf einen Blick sehen können, ob ich ehrlich gegen dich bin oder ob ich dich bestohlen habe: Die Farbe meiner Tiere wird für mich zeugen.«

»Einverstanden!«, antwortete Laban. »Wir machen es, wie du vorgeschlagen hast.« Er suchte noch am gleichen Tag aus seiner Herde alle Ziegen und Ziegenböcke heraus, an denen etwas Weißes war, und alle Schafe, an denen etwas Schwarzes war. Er gab sie seinen Söhnen, und die mussten damit drei Tagereisen weit wegziehen. Die restliche Herde blieb unter der Aufsicht Jakobs.

Nun schnitt sich Jakob Zweige von Pappeln, Mandelbäumen und Platanen und schälte Streifen von der Rinde ab. Diese weiß gestreiften Stecken legte er in die Tränkrinnen, wenn die Tiere zum Trinken kamen; denn er wusste, dass sie sich dort paarten. Und weil die Tiere beim Anblick der Stäbe begattet wurden, warfen sie lauter gestreifte, gesprenkelte und gescheckte Junge. Außerdem ließ Jakob die Tiere bei der Paarung in Richtung auf die gestreiften und dunkelfarbigen Tiere der Herde Labans blicken. Die jungen Tiere nahm Jakob beiseite und bildete eine eigene Herde daraus.

Er legte die Stecken aber nur dann in die Tränkrinnen, wenn die kräftigen Tiere sich begatteten; bei den schwächlichen Tieren tat er es nicht. So bekam Jakob die kräftigen Jungtiere und Laban die schwachen.

Auf diese Weise wurde Jakob sehr reich und besaß schließlich viele Herden, dazu Esel, Kamele, Sklaven und Sklavinnen. Jakob kam zu Ohren, wie die Söhne Labans über ihn redeten. »Sein ganzer Reichtum gehört eigentlich unserem Vater«, sagten sie. »Alles, was er hat, hat er uns weggenommen.« Auch Laban war ihm nicht mehr so wohlgesinnt wie früher. Wenn Jakob ihn sah, konnte er es deutlich an seinem Gesicht ablesen.

Da sagte der HERR zu Jakob: »Kehre in das Land deiner Vorfahren und zu deinen Verwandten zurück! Ich werde dir beistehen.« Jakob ließ Rahel und Lea zu sich auf die Weide rufen. Er sagte zu ihnen: »Ich merke genau, dass euer Vater mir nicht mehr so freundlich begegnet wie früher. Aber ich bin nur deshalb so reich geworden, weil der Gott meines Vaters mir zur Seite stand. Ihr wisst selbst, wie ich mit meiner ganzen Kraft für euren Vater gearbeitet habe. Er hat mich betrogen und meinen Lohn zehnmal verändert; aber Gott hat nicht zugelassen, dass er mir schaden konnte. Wenn euer Vater sagte: ›Du bekommst die Gesprenkelten als Lohn‹, wurden lauter gesprenkelte Tiere geboren; und wenn er sagte: ›Nein, die Gestreiften‹, gab es lauter gestreifte. Gott selbst hat die Herden eurem Vater genommen und mir gegeben. Während der Brunstzeit der Tiere sah ich im Traum, dass alle Böcke, die die Schafe und Ziegen besprangen, gestreift, gesprenkelt und gescheckt waren. Der Engel Gottes rief mich im Traum beim Namen, und als ich antwortete, sagte er: ›Sieh genau hin: Alle Böcke sind gestreift, gesprenkelt und gescheckt; denn ich habe gesehen, was Laban dir antut. Ich bin der Gott, der dir in Bet-El begegnet ist; dort hast du mir einen Stein geweiht und ein Gelübde getan. Zieh jetzt aus diesem Land fort und geh in deine Heimat zurück.‹«

Lohn für ein Wunder?
Die Heilung des Naaman

Wir sind daran gewöhnt, Leistungen, die für uns erbracht werden, zu bezahlen. Jeder Handwerker, den wir bemühen, schreibt eine Rechnung. Der Steuerberater bekommt seinen Anteil an der Rückerstattung. Auch ein Arzt erhält selbstverständlich ein Honorar für seine Behandlung.

Doch es gibt Dinge, die unbezahlbar sind. Auch wenn es möglicherweise schwer fällt, den gewohnten Impuls, alles angemessen »entlohnen« zu wollen, zu unterdrücken und ein großes Geschenk einfach so anzunehmen. Zu solchen Dingen, die uns ohne erwartete Gegenleistung in den Schoß fallen, gehören auch Wunderheilungen. Selbst wenn sie durch einen Menschen vermittelt werden – wie in der folgenden Geschichte durch den Propheten Elischa – kann es keinen Lohn dafür geben und es sollte auch keiner dafür verlangt werden. Denn sie sind ein Geschenk aus Gottes Hand. Das müssen die Beteiligten in dieser Geschichte erst noch lernen. (2Könige 5)

Naaman, der Heerführer des Königs von Syrien, war an Aussatz erkrankt. Er war ein tapferer Soldat und der König hielt große Stücke auf ihn, weil der HERR durch ihn den Syrern zum Sieg verholfen hatte. In seinem Haus befand sich ein junges Mädchen, das von syrischen Kriegsleuten bei einem Streifzug aus Israel geraubt worden war. Sie war Dienerin bei seiner Frau geworden. Einmal sagte sie zu ihrer Herrin: »Wenn mein Herr doch zu dem Propheten gehen könnte, der in Samaria lebt! Der würde ihn von seiner Krankheit heilen.«

Naaman ging zum König und berichtete ihm, was das Mädchen gesagt hatte. »Geh doch hin«, antwortete der König, »ich werde dir einen Brief an den König von Israel mitgeben.« Naaman machte sich auf den Weg. Er nahm sieben Zentner Silber, eineinhalb Zentner Gold und zehn Festgewänder mit. Er überreichte dem König von Israel den Brief, in dem es hieß: »Ich bitte dich, meinen Diener Naaman freundlich aufzunehmen und von seinem Aussatz zu heilen.«

Als der König den Brief gelesen hatte, zerriss er sein Gewand und rief: »Ich bin doch nicht Gott! Er allein hat Macht über Tod und Leben! Der König von Syrien verlangt von mir, dass ich einen Menschen von seinem Aussatz heile. Da sieht doch jeder: Er sucht nur einen Vorwand, um Krieg anzufangen!« Als Elischa, der Mann Gottes, davon hörte, ließ er dem König sagen: »Warum hast du dein Gewand zerrissen? Schick den Mann zu mir! Dann wird er erfahren, dass es in Israel einen Propheten gibt!«

Naaman fuhr mit all seinen pferdebespannten Wagen hin und hielt vor Elischas Haus. Der Prophet schickte einen Boten hinaus und ließ ihm sagen: »Fahre an den Jordan und tauche siebenmal darin unter! Dann bist du von deinem Aussatz geheilt.« Naaman war empört und sagte: »Ich hatte gedacht, er würde zu mir herauskommen und sich vor mich hinstellen, und dann würde er den HERRN, seinen Gott, beim Namen rufen und dabei seine Hand über der kranken Stelle hin- und herbewegen und mich so von meinem Aussatz heilen. Ist das Wasser des Abana und des Parpar, der Flüsse von Damaskus, nicht besser als alle Gewässer Israels? Dann hätte ich ja auch in ihnen baden können, um geheilt zu werden!«

Voll Zorn wollte er nach Hause zurückfahren. Aber seine Diener redeten ihm zu und sagten: »Herr, bedenke doch: Wenn der Prophet etwas Schwieriges von dir verlangt hätte, hättest du es bestimmt getan. Aber nun hat er nur gesagt: ›Bade dich und du wirst gesund!‹ Solltest du es da nicht erst recht tun?« Naaman ließ sich umstimmen, fuhr zum Jordan hinab und tauchte siebenmal in seinem Wasser unter, wie der Mann Gottes es befohlen hatte. Da wurde er völlig gesund und seine Haut wurde wieder so rein wie die eines Kindes.

Mit seinem ganzen Gefolge kehrte er zu Elischa zurück, trat vor ihn und sagte: »Jetzt weiß ich, dass der Gott Israels der einzige Gott ist auf der ganzen Erde. Nimm darum von mir ein kleines Dankgeschenk an!« Aber Elischa erwiderte: »So gewiss der HERR lebt, dem ich diene: Ich nehme nichts an.« So sehr Naaman ihm auch zuredete, Elischa blieb bei seiner Ablehnung. Schließlich sagte Naaman: »Wenn du schon mein Geschenk nicht annimmst, dann lass mich wenigstens so viel Erde von hier mitnehmen, wie zwei Maultiere tragen können. Denn ich will in Zukunft keinem anderen Gott mehr Brand- oder Mahlopfer darbringen, nur noch dem HERRN. In einem Punkt jedoch möge der HERR Nachsicht mit mir haben: Wenn mein König zum Tempel seines Gottes Rimmon geht, um zu beten, muss ich ihn mit dem Arm stützen und mich zugleich mit ihm niederwerfen – der HERR möge es mir verzeihen!« Elischa sagte: »Kehre heim in Frieden!«

Als Naaman schon ein Stück weit entfernt war, sagte sich Gehasi, der Diener Elischas: »Mein Herr lässt diesen reichen Syrer mit der ganzen Last seiner Geschenke wieder abziehen. Er hätte ihm ruhig etwas davon abnehmen können. So gewiss der HERR lebt: Ich laufe hinterher und hole das nach!« Gehasi lief, so schnell er konnte. Als Naaman ihn herankommen sah, stieg er von seinem Wagen, ging ihm entgegen und fragte: »Es ist doch nichts passiert?« »Nein«, sagte Gehasi, »aber mein Herr lässt dir sagen: ›Eben sind aus dem Bergland Efraïm zwei junge Leute von der dortigen Prophetengemeinschaft zu mir gekommen. Gib mir doch einen Zentner Silber und zwei Festgewänder für sie!‹«

»Ich bitte dich, nimm zwei Zentner«, sagte Naaman und drängte es ihm sogar auf. Er ließ das Silber in zwei Säcke verpacken, legte die beiden Festgewänder darauf und schickte zwei seiner Leute mit, die das Geschenk vor Gehasi hertragen sollten. Beim Hügel vor der Stadt schickte Gehasi die beiden Männer zurück und brachte die Geschenke heimlich in Elischas Haus.

Als er zu seinem Herrn kam, fragte ihn der: »Woher kommst du, Gehasi?« »Ich war doch nicht weg«, sagte der Diener. Aber Elischa entgegnete ihm: »Ich war im Geist dabei, als der Mann von seinem Wagen stieg und dir entgegenging! Dies ist nicht der Augenblick, Geld und Festkleider anzunehmen und sich dafür Olivenhaine und Weingärten, Schafe und Rinder, Sklaven und Sklavinnen zuzulegen. Der Aussatz Naamans wird dich und alle deine Nachkommen befallen und ihr werdet ihn nie wieder loswerden!« Als Gehasi von Elischa wegging, war seine Haut vom Aussatz so weiß wie Schnee.

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