Kitabı oku: «"Geliebter Führer"»
„Geliebter Führer“
Briefe der Deutschen an Adolf Hitler

Theresa Ebeling / Maximilian Heidrich / Kai Jakob / Janine Noack / Steffi Kühnel / Alexander Schug (Hg.)
„Geliebter Führer“
Briefe der Deutschen an Adolf Hitler

Danksagung
Die Herausgeber danken Edith Jakob für die Übersetzungshilfe aus der „Sütterlinschrift“ bzw. der „Deutschen Volksschrift“; Marie Schmidt für ihre Erzählungen über ihre Zeit beim BDM und spätere Kriegserinnerungen; Elisabeth Reiche und Jenny More. Dank auch an Dalia Hussein
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN: 978-3-940621-44-3
Redaktionelle Mitarbeit: Wolf-Rüdiger Knoll, Frank Petrasch
Grafisches Gesamtkonzept, Titelgestaltung, Satz und
Layout: Stefan Berndt – www.fototypo.de
© Copyright: Vergangenheitsverlag, Berlin /2011
www.vergangenheitsverlag.de
Alle Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen, der fotomechanischen und digitalen Wiedergabe und der Übersetzung, vorbehalten.
eBook-Herstellung und Auslieferung:
readbox publishing, Dortmund
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Inhalt
Einleitung
Die Akten des Bundesarchivs in Berlin
Editorische Notiz
„Lieber Onkel Adolf Hitler“ – Kinder schreiben dem Führer
Ein Geburtstagsgruß
Kindergebet von „kleinen Nazis“
Ein Geburtstagsgruß
Ein Geburtstagsgruß an „den Führer der N.S.D.A.P.“
Gratulation mit Zeichnung
Adolf Hitler soll Pate werden
Ein Junge will ein „treuer Kamerad“ werden
Ein Mädchen vergöttert den „Führer“
Zwei Jungen gratulieren Adolf Hitler zum Wahlerfolg
Keine Aufsätze mehr über „den Führer“
Eine 14-Jährige gratuliert zum Geburtstag
Ein Mädchen berichtet von ihrem Besuch bei Adolf Hitler
Gebet eines Mädchens für Adolf Hitler
Kinder freuen sich auf die Hitlerjugend
Ein Mädchen schreibt aus Japan
Über eine Schulfeier in Wien
Ein Mädchen gratuliert und bittet „den Führer“ um Geld
Geburtstagsgrüße aus Chemnitz
15-Jährige will Spionin werden
Ein Junge möchte in die Hitlerjugend
Geburtstagskarte mit Hakenkreuzzeichnung
Gratulation aus Leipzig
Bunstiftzeichnung
Ein Baby mit Hakenkreuzdecke
Kindergedicht aus Belgrad
Ein Mädchen möchte zu Adolf Hitler reisen
Post aus Kairo
Ein Mädchen möchte Adolf Hitler heiraten
Ein Mädchen berichtet vom Geländespiel
„Wir haben Adolf Hitler Alles zu verdanken“ – Dank, Gratulationen und Anliegen an den „Führer“
„Der neubelebte Stamm der deutschen Eiche“
Glückwünsche aus Athen
Ein „Hakenkreuzmädel“ gratuliert
Parteimitglied gratuliert Adolf Hitler
Eine Frau hofft auf bessere Zeiten
Gratulation eines Unterbezirksleiters
Gratulation an den „Erretter“
Dankeskarte mit Kinderbild
Geburtstagsfeier zu Ehren des Reichskanzlers
Treueschwur in „Not und Tod“ mit Micky
Soldat begrüßt den „altdeutschen“ Weg Adolf Hitlers
Bitte um Zustimmung für eine Marschkomposition
Bitte an Hitler eine Dogge als Geschenk anzunehmen
Ein Brief mit Blumen
Ein Hund „beglückwünscht“ Adolf Hitler
Weihnachtsgrüße
Zum Preisausschreiben der Braunschweiger Tageszeitung
„So verdanke ich Adolf Hitler alles was ich heute bin“
„Arbeitslosen-Armee beseitigt“
„Dank aus tiefstem Herzen“
„In Arbeit und Brot gekommen“
„Wo in der Welt hat man ähnliche Taten vollbracht?“
„Manchmal will einen die Freude schier übermannen“
Ehemaliger Kommunist verehrt „den Führer“
Telegramm zur Geburt eines „Hitlerjungen“
Adolf Hitler ist ein „Bruder Gottes“
„Der Führer“ muss nicht danken
Dankesschreiben für Kaffee
Das Bild Adolf Hitlers als Geburtstagsgeschenk
Eine Familie gratuliert
Die „Sonne“ geht auf
„Dem Führer Deutschlands“
Glückwünsche von Frontsoldaten
Über die „unglaubliche Selbstzucht“ Adolf Hitlers
Ein Spielmannszug gratuliert
„Und wenn ich auch Mann + zwei Buben von 22 + 19 Jahren für dich opfern muß“ – Frauen schreiben an Hitler
Zwei Gedichte zum Geburtstag
Eine Frau beichtet ihre halbjüdische Herkunft
„Die größten Frauen der Welt“
Grüße zum Jahreswechsel
Einladung der „Nationalsozialistischen Frauenschaft“
Treuebekundung für Adolf Hitler
Ein „Volks-Empfänger“ für Familie A.
Eine Mutter berichtet über Ihre Kinder
Eine Frau über das Unglück des Zeppelins LZ „Hindenburg“
Deutschland betet für Adolf Hitler
Zu allen Opfern bereit
Brief einer „nationalstolzen deutschen Frau“
Glücksgefühle nach der „Befreiung“ des Sudetenlandes
Eine „übergroße Liebe“ für Hitler
Sprachunterricht für „den Führer“
Bitte um Audienz „beim Führer“
Danksagung einer Mutter
Ein Kind für „den Führer“
„Blumen der Freude und des Friedens“
Neujahrsglückwünsche
Lebenslauf einer Nationalsozialistin
Grüße einer NS-Frauengruppe
„Du bist der Urquell aller Quellen“ – Ein Volk dichtet seinem „Führer“
„Ehre und Blut“
Das neue „Deutsche Reich“
„Dreimal Heil“
Ein Geburtstagsgedicht
„Neu-Deutschland“
Ein Weihnachtsgedicht von 1934
Gedicht über die „arische Rasse“
Treubekundung eines Mädchens
Ein Mädchen dichtet für Adolf Hitler
Glückwunschdepesche
Ein Gedicht an „Onkel Hitler“
Dankesgedicht aus Österreich
Österreichs „Anschluss“ an das „Deutsche Reich“
Lobpreisung für Adolf Hitler
Adolf Hitler und die nordischen Götter
Neujahrsglückwünsche der Salzwirter Brüderschaft
Adolf Hitler als „neuer Messias“
Adolf Hitler, „Baumeister einer neuen Zeit“
Gedicht über den Russland-Feldzug
„Heil der deutschen Sache!“
Treue bis in den Tod
Ganz nah bei Adolf Hitler
Gedicht über „bessere Zeiten“
Adolf Hitler, der „Retter von Deutschland“
„Gemeinschaftsgeist und Opfersinn“
„Ja, was die ganze Welt nicht glaubt: Was Hitler sprach, das tat er“ –politische Briefe an Adolf Hitler
Zweifel an Adolf Hitler
Englische Frau weist auf „Misstände“ hin
Drohung gegen Adolf Hitler
„Metamorphose“ eines ehemaligen Kommunisten
Sinneswandel eines ehemaligen SPD-Mitglieds
„Wehrhaftmachung“ als Garant für Frieden
Sinneswandel eines ehemaligen KPD-Mitglieds
Feindbild „Marxismus“
„Das neue deutsche Reich der Größe und Ehre und der Kraft und der Herrlichkeit und der Gerechtigkeit. Amen!“ – Briefe über Gott, die Welt und Hitler
Erinnerung an den 1.Mai als kirchlichen Feiertag
Protest einer evangelischen Gemeinde
Adolf Hitler „erfüllt den Willen Gottes“
Loyalitätsversprechen an Adolf Hitler
Katholisches Glückwunschschreiben
Alt-katholische Kirche betet für Adolf Hitler
Gebet für Adolf Hitler in Liedform
Lokale Kirchenvereine sprechen Adolf Hitler das Vertrauen aus
“So do please do all in your power to avert another war with all its horrors” – Stimmen aus dem Ausland
Deutsch-englische Freundschaft
Ein bulgarischer Junge über seinen Besuch in Deutschland
„Es lebe Hitler! Es lebe der Duce!“
„Hitlergruß“ in Japan
Begeisterung aus dem Nahen Osten
Panzerschiffe nach Stockholm
Ein englischer Bewunderer
Ein Amerikaner auf Souvenirjagd
Zuspruch aus den USA
Sehnsucht nach Frieden
„Echter“ Schwede ist begeistert von Adolf Hitlers Rede
Kriegsveteran hofft auf Frieden
Warnende Worte einer Elsässerin
Adolf Hitler als Friedensstifter
Friedensappell an Adolf Hitler
Die „Rassengleichheit“ Deutschlands und Englands
Dank eines schwedischen Grafen
Aufruf, Kriegsvorbereitungen einzustellen
„Erwünschte Neuordnung Europas“
”Do Not Stop“
Vorschlag eines amerikanischen Geistlichen
Anmerkungen
Einleitung
Wer war Hitler? Es gibt zahllose Versuche, diesen Mann zu portraitieren und zu ergründen. Ob Hitler „gefasst“ wurde, verstanden, erklärbar gemacht werden konnte, war und ist Gegenstand vieler Diskussionen. Einige Bücher haben grundlegend unser Bild von Hitler beeinflusst, so Joachim Fests Hitlerbiografie oder die Studien von Ian Kershaw.1 Wesentlich wirkungsmächtiger werden aber wohl die Bilder Hitlers gewesen sein, die in den letzten Jahrzehnten die Massenmedien produziert haben, teils in aufklärerischer Manier, teils sicherlich auch, weil Hitler Quote bringt.2 Die Dämonisierung Hitlers war dabei eines der beliebtesten Stilmittel, übrigens auch in der Wissenschaft. Die Potenzialität des Monströsen hat jedoch seine Schattenseiten als Erklärung, wie ein Mann wie Hitler Macht ausüben konnte: Diese Perspektive entlastet zu sehr diejenigen, die das System Hitler konstituiert haben, von denen man fälschlicherweise behauptet, sie hätten erst „befreit“ werden müssen. Schon allein in dem Bild der Befreiung vom Bösen steckt eine Problematik, ähnlich wie die der Trivialisierung Hitlers in der Popkultur. Trivialisierung entsteht durch massenmediale Abnutzung und zu oft provozierte Tabubrüchen. Trivialisierend können aber auch die Darstellungen wirken, die Hitler parodierend verarbeiten und lächerlich machen, um – wie es dann so oft als Erklärung heißt – sich über das Phänomen Hitler stellen zu können, sich zu erheben und den eigenen moralischen Standpunkt deutlich zu machen. Hitlerparodien sind ein eigenes Genre geworden mit Beiträgen wie „Adolf, die Nazi-Sau“, „Schtonk“ oder „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“. Das Genre hat es sogar schon zu einem eigenen Beitrag in der Web-Encyclopädie Wikipedia gebracht.
Und immer, wenn man zum Beispiel auch in der Kunst noch ein Quentchen Böses braucht, bedient man sich gerne des vermeintlichen Prototypen des Bösen sowie der Requisiten seines Reiches. Dieses vielleicht sogar politische und aufklärerische sich Abarbeiten an der Geschichte und Herr werden über sie mag gut gemeint sein. Comiczeichner oder Künstler mögen sogar kritisch an ihre „Geschichte“ herangegangen sein und eine klare demokratische Haltung haben, was alles durchaus lobenswert ist.3 Die Popkultur ist schließlich nicht per se ohne Haltung. Aber ist es nicht so, dass uns Hitler heute wieder zunehmend entgleitet, eh wir ihn gefasst hatten?
Problematisch an Hitler in der Popkultur ist, dass eine ganze Epoche, ein ganzes komplexes System nur noch über einzelne Images, ikonografische Details wie Scheitel, Hitlerbärtchen oder Hakenkreuze kenntlich gemacht werden und oberflächlich schon als Code der Verständigung von Gruppen, die diese Zeichen nutzen, die diese Zeichen ablehnen oder die diese Zeichen karikierend verwenden etc. dienen. Es kommt zu Verkürzungen in der Darstellung – zwangsläufig, am Ende bleibt dann tatsächlich nur noch Hitler als Witzfigur übrig, weil man eine komplexere Beschreibung seiner Haltung nicht geben kann.
In der demokratischen Kultur Deutschlands ist man zu einem überwältigenden Teil „gegen Nazis“. Die Antifa-Kultur ist da nur ein Beispiel, die Grundhaltung, gegen rechts zu sein und sich über die Ablehnung des historischen „Dritten Reichs“ sogar zu definieren, ist immerhin auch in der Breite zur Maxime, und oftmals selbstverständliches und nicht mehr durchdachtes Ritual geworden. Aber irgendwie verblasst dieser Hitler trotzdem als historische Realität. Natürlich verblasst er auch, weil die Jahrzehnte eine andere Geschichtsfühligkeit mit sich gebracht haben. Aber es könnte und sollte heute und in Zukunft, selbst wenn die Betroffenheit, Schuld, das schlechte Gewissen der Miterlebenden über die Generationen verloren geht, die Zeit des Nationalsozialismus immer als Fanal gelten. Das klingt oberlehrerhaft, aber es hat einen wahren Kern. Aus der NS-Zeit können auch in Zukunft Lehren gezogen werden, zumindest theoretisch wird die Zeit des Nationalsozialismus und der Aufstieg Adolf Hitlers uns heute und in Zukunft vor Augen halten, wie wichtig es ist, Macht zu kontrollieren und wachsam sowie politisch aktiv zu sein. Das ist keine Selbstverständlichkeit, auch wenn sich viele das nicht mehr vorstellen können. Sich Hitler an den Hals geworfen, ihn religiös überhöht als „Heiland“ vergöttert zu haben, scheint den Jüngeren sogar geradezu absurd. Sich das Verhalten der Deutschen vor 70 Jahren jedoch noch einmal genau vor Augen zu halten, ist nach wie vor erhellend und aufrüttelnd. Es gehört zu einer aufgeklärten Kultur ohne Geschichtsvergessenheit, sich auch immer wieder damit zu konfrontieren, wie der Nationalsozialismus möglich geworden ist und wieso die meisten Deutschen sich Hitler so auslieferten, ihn kritiklos hochstilisierten, keinerlei Distanz wahrten. Vielfach ist genau das in der Literatur mit Hitlers besonderem Charisma erklärt worden. Mit Hitlers Charisma zu argumentieren oder die ausgeklügelte Inszenierung dieses Charismas zu betonen, führt jedoch immer wieder nur zu dem gleichen falschen Punkt: dass die Deutschen damals keine so große Schuld treffen konnte, weil entweder eine sozusagen göttliche Autorität oder kaum fassbare Vermarktungsstrategien am Werk waren, die die Deutschen verführten und Hitler in seine Position brachten.
Aber die Wahrheit ist auch, dass Hitler und der Führerkult den Massen nicht nur aufgezwungen wurde, sondern von ihnen miterschaffen worden ist.4 Hitler bot eine große Projektionsfläche für alle möglichen Sehnsüchte der Deutschen, wie sie deutlich in diesem Buch hervortreten. Hitler ist damit ebenso ein Produkt der Fantasien der Deutschen gewesen.
„Lieber Onkel Adolf“, „Sehr verehrter Herr Reichskanzler“, „Geliebter Führer“ – so oder ähnlich begannen viele Briefe, die bis 1945 zu Tausenden in der Kanzlei des Führers oder auf dem Obersalzberg bei Hitlers Schwester Angela Raubal eingingen. Sie stammen aus Deutschland, Österreich, aber auch aus England oder Japan. So vielfältig wie die Begrüßungen waren die Anliegen der Schreiber: flehende Bittbriefe, Glückwünsche zum Jahreswechsel oder zum Geburtstag, ideologische Fragen oder scharfe Proteste. Aus allen Teilen der Bevölkerung schrieben die Menschen an ihren „Führer“, vom Professor bis zum Arbeitslosen, von der Nonne bis zum SA-Mann. Die Popularitätskurve Hitlers las sich schließlich auch in der Zahl der an ihn gerichteten Briefe ab. Während zu Beginn seines Aufstiegs Verehrungsbriefe noch rar gesät waren, häufte sich spätestens seit seinem Machtantritt 1933 die oft gottgleiche Huldigung seiner Person. Während des Krieges schwand das Vertrauen in den „Führer“ und damit auch das Briefvolumen. Für Hitler selbst war die Bevölkerungspost oft ein wichtiges Stimmungsbarometer – und auch wenn er nicht mal annährend alle Briefe las, wurde er von den Leitern der Kanzleien regelmäßig mit ausgewählten Auszügen versorgt.
Nach dem Ende des Krieges 1945 bedienten sich die Alliierten aus den Archiven der schwer beschädigten Reichskanzlei, die sich zu dieser Zeit im russischen Sektor befand. Sie hofften, Beweismaterial zu sichern. Nichts anfangen konnte man jedoch mit der Bevölkerungspost aus der Privatkanzlei Hitlers, denn mit ihr ließ sich nicht Schuld oder Unschuld überlebender Mittäter nachweisen. Oft wurden diese Briefe in Archiven abgelegt und vergessen. So entdeckte der Journalist und Historiker Henrik Eberle vor einigen Jahren in einem Moskauer Archiv vergessene Post an den Reichskanzler Adolf Hitler, die er in mehreren Wochen systematisch auswertete und in Buchform veröffentlichte.5 Diese wiederentdeckten Briefe waren mit anderen interessant erscheinenden Akten von der Roten Armee nach Moskau gebracht worden. Auch in den USA interessierte man sich für das Schriftgut aus der Reichskanzlei: Ein amerikanischer Soldat, der aus Interesse in die zerstörte Reichskanzlei eingestiegen war, sammelte mehrere tausend Briefe und schickte sie in sein Heimatland. 50 Jahre später veröffentlichte William C. Emker zusammen mit dem deutschen Historiker Helmut Ulshöfer eine Auswahl von Liebesbriefen an Hitler.6
Die Akten des Bundesarchivs in Berlin
Um Briefe an Hitler aus der deutschen Bevölkerung der 1930er und -40er Jahre lesen zu wollen, muss man nicht bis Russland oder die USA fahren. Auch das Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde lagert kiloweise Post an Hitler. Stapelweise Ordner und Hefter mit Hunderten von Blättern bekommt man im Berliner Bundesarchiv nach Bestellung vorgelegt, sortiert sind sie allenfalls nach Jahr oder den jeweiligen Anfangsbuchstaben der Verfasser. „Glückwunschschreiben aus dem Jahr 1937“ heißt es dann allgemein in den Findbüchern des Archivs. Diese Glückwünsche sind mit Zeichnungen oder Gedichten versehen, viele Menschen haben Fotos von sich oder ihren Kindern beigelegt. Einige Schreiben sind mit Maschine geschrieben, der Großteil jedoch in Sütterlin verfasst. Nur einige wenige Briefe sind vergilbt oder gerissen. Ein Großteil der Post ist gut erhalten, ordentlich durchnummeriert, abgestempelt und zum Teil mit einem rosa Durchschlag der Antwortschreiben versehen.
Die nachfolgenden Briefe bilden nur einen kleinen Teil der Bestände des Bundesarchivs ab und stammen hauptsächlich aus der Zeit vor Kriegsbeginn – darunter befinden sich Gedichte, Verehrungsschreiben oder Glückwünsche. Damit bietet die vorliegende Sammlung immerhin einen authentischen, direkten Einblick in das Denken und Fühlen der vom Nationalsozialismus „Verführten“, der Mitläufer und vielleicht auch Mittäter. So sahen einige Hitler praktisch als Familienmitglied, als Onkel, der ihnen Gutes tut. Andere personifizierten ihn als den „Erlöser“, benutzten religiös geprägte Formulierungen. Die Briefe bilden einen starken Kontrast zu den Schrecken, die die Diktatur und der Zweite Weltkrieg nur einige Zeit später auf der ganzen Welt anrichten werden. Man entnimmt diesen Brief auch, dass deren Verfasser ungebremst an das Gute in Hitler und seiner vernichtenden Ideologie glaubten – gerade dieser Zwiespalt zwischen der Gedankenwelt der Menschen damals und dem, was wir heute wissen, kreiert eine Beklommenheit aus heutiger Sicht zwischen Ungläubigkeit und Angewidertsein angesichts so hemmungsloser Hingabe. Die Briefe sind somit eine Quelle darüber, dass viele Deutsche jegliche kritische Distanz in den 1930er/40er Jahren verloren haben und sich in der vermeintlichen Größe ihres „Führers“ selbst spiegelten. Die Briefe offenbaren, mit welch großer Begeisterung und Leidenschaft die Deutschen ihre Linientreue beteuerten und Teil des Systems sein wollten. Die Schreiben sind geradezu intime Zeugnisse, in denen Anpassung und Hingabe sogar (homo)erotische Züge tragen. Die Verfasserinnen und Verfasser wollten nah bei Hitler sein und sogar für ihn sterben. Die Anliegen, die in den Briefen zu Tage treten, erscheinen heute absurd. Aber die Absurdität dieser besonderen Literatur hat einen heilenden und abschreckenden Effekt für heutige Leser. Genau deshalb haben wir dieses Buch gemacht.
Diese Quellenedition wird nicht unser Hitlerbild erneuern, vielmehr bietet es die Gelegenheit, sich anhand der hier versammelten Primärquellen in das komplexe Verhältnis der Deutschen zu Hitler hineinzudenken und eigene Rückschlüsse zu ziehen, die jenseits der popkulturellen Verkürzungen stehen.
Editorische Notiz
Im Folgenden lesen Sie eine Auswahl aus den Beständen des Bundesarchivs. Relevante Bestände fanden sich in den Akten der persönlichen Adjutantur des Führers und Reichskanzlers (BArch NS 10), im Hauptarchiv der NSDAP (BArch NS 26), der Kanzlei des Führers der NSDAP (Dienststelle Bouhler, BArch NS 51), der Registratur der Reichskanzlei (BArch R 43/3L sowie im Bestand Neue Reichskanzlei (BArch R 43-A-II). Die aus diesen Überlieferungskontexten gesammelten Briefe sind von den Herausgebern verschiedenen Themenkomplexen zugeordnet worden: Kinderpost, Geburtstagsglückwünsche, Anliegen und Dankesschreiben, Briefe von Frauen, Gedichte, Briefe mit politischem Hintergrund, Briefe mit Bezug zur Kirche sowie Post von Personen aus dem Ausland.
Jeder Quelle sind einleitende Informationen vorangestellt. Um die Authentizität zu wahren, wurden die Briefe und Abschriften originalgetreu übernommen. Dies beinhaltet auch Tippfehler, orthografische Mängel sowie Unterstreichungen. Infolge der Anonymisierung erfolgten lediglich Änderungen bei den Absendern der Briefe. Für eine bessere Lesbarkeit wurden teilweise die Formatierungen der Quellen abgeändert. Unleserliche oder vermutete Buchstaben bzw. Wortlaute wurden mit Auslassungszeichen in eckigen Klammern gekennzeichnet. Gleiches gilt für Vermerke der Herausgeber.
| [.] | ausgelassenes Wort |
| [..] | zwei ausgelassene Wörter |
| [...] | mehr als drei ausgelassene Wörter |
| [A] | Buchstabe nicht lesbar(vermuteter Buchstabe in Klammern) |
„Lieber Onkel Adolf Hitler“ –
Kinder schreiben dem „Führer“
Die nationalsozialistische Gesellschaft war gleichgeschaltet. Der Anspruch auf die Beeinflussung der Deutschen war total – bereits bei Kindern begann die Indoktrination. Von klein auf sollten sie Teil der „Volksgemeinschaft“ sein mit dem Ziel, „gute Deutsche“ zu werden. Die Gleichschaltung des gesellschaftlichen Lebens betraf auch die Jugendorganisationen. Mit Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel wurde früh in die Erziehung eingegriffen. Mitgliedschaften darin waren verbindlich, andere Jugendorganisationen waren zuvor aufgelöst worden. Man konnte sich schwer entziehen. Die NS-Ideologie war damit Teil jugendlicher Lebenswelten. Bis ins Kinderzimmer zogen die Botschaften und Embleme des Nationalsozialismus ein, oftmals in Form heute skurril anmutenden Spielzeugs.
Die Indoktrination wirkte. Viele der an Adolf Hitler gerichteten Briefe wurden von Kindern und Jugendlichen geschrieben. Die Briefe zeigen, wie präsent Hitler als Figur bei vielen Kindern war. Er war Vorbild und Heldenfigur. „Onkel Hitler“, wie ihn viele Kinder anredeten, war vielleicht mehr als das. Er wurde zum nahen Vertrauten, dem man gefallen mochte, den man lieb haben, dienen wollte, der als Teil der Familie gewünscht wurde und dem viele Kinder nur das Beste wünschten, „[…] denn ich glaube ich habe dich gerad so gern wie meine Eltern […]“, wie es in einem Brief steht.
An den Briefen wird auch sichtbar, wie sehr einige Eltern ihre eigenen Kinder nutzten, um die Folgsamkeit der gesamten Familie, das Bild einer Idealfamilie und die volle Hingabe zu demonstrieren. Dass die Kinder zu diesen Zwecken oftmals nur missbraucht worden sind und die Briefe wohl eher von den Eltern initiiert und sogar geschrieben worden sind, ist erkennbar an Schreibstil, Schrift und Inhalt.

Ein Geburtstagsgruß
Karte mit Zeichnung, handgeschrieben, 18.04.1932
Renate H., BArch NS 26/2475
Lieber Führer Adolf Hitler.
Ich gratuliere Ihnen zum Geburtstage und wünsche Ihnen viel Glück. Wenn ich im Sommer nach München zu meinem Onkel Heinrich Himmler fahre, möchte ich auch Sie im braunen Hause besuchen.
Mit deutschem Gruß und Heil
Renate H.

Kindergebet von „kleinen Nazis“
Brief mit Motivaufkleber, handgeschrieben, 20.04.1932
Leonore und Erhard L., Hamburg, BArch NS 26/2475
Lieber, guter Herr Hitler!
Zu Ihrem Geburtstage senden wir Ihnen aus warmen Kinderherzen unsere innigsten Wünsche. Als wir unseren Eltern sagten, dass es so schade ist, dass wir für Sie garnichts tun können, weil wir erst 10 Jahre und 5 Jahre alt sind, sagten unsere Eltern: „Ihr könnt aber jeden Tag für Adolf Hitler beten!“ Und das wollen wir auch jeden Abend tun. Unser Gebet soll so heißen:
„Begleite, Gott, mit deinem Segen
Adolf Hitler auf allen Wegen!
Gib ihm Kraft mit starker Hand
Bald frei zu machen das Vaterland!“
Mit Herzl. Heilgruß
Ihre getreuen kl. Nazis, Leonore und Erhard L., Hbg.
Ein Geburtstagsgruß
Karte mit Zeichnung, handgeschrieben, 20.04.1932
Klaus H., Chemnitz, BArch NS 26/2475

Ein Geburtstagsgruß an „den Führer der N.S.D.A.P.“
Brief mit Zeichnungen, handgeschrieben , April 1932
Lili N., Berlin-Zehlendorf, BArch NS 26/2475
An den Führer der N.S.D.A.P Herrn Adolf Hitler.
Ich gratuliere Ihnen herzlichst zum Geburtstag und wünsche Ihnen ein gesundes und erfolgreiches neues Lebensjahr und am 24. den Sieg bei den Landtagswahlen.
Lili N. (14 Jahre alt)
Berlin-Zehlendorf
Heil Hitler!

Gratulation mit Zeichnung
Brief mit Zeichnung, handgeschrieben, vor 1933
Johannes D., Dresden-Blasewitz, BArch NS 26/2476
Sehr geehrter Herr Adolf Hitler, ich gratuliere ihnen recht herzlich zu ihrem Geburtstag. Ich wünsche ihnen auch recht viel Glück. Es ist schade daß S.A. und S.S. und die Hitlerjugend, und das Jungvolk verboten ist. Aber es wird bald wieder erlaubt sein. Es grüßt sie, Johannes D.,
ich wohne in
Dresden Blasewitz.

Adolf Hitler soll Pate werden
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 14.10.1935
Joachim F., Berlin-Charlottenburg, BArch NS 51/71
Mein lieber Führer !
Da ich weiß, daß Sie uns Kinder so lieb haben und Sie noch viele Babys haben wollen, werden Sie sicher auch uns helfen. Ich habe nur Angst, daß Sie meinen Brief nicht lesen werden, da Sie immer so viel zu tun haben. Aber ich habe einen so großen Wunsch, den nur Sie erfüllen können.
Mein Schwesterchen und ich möchten noch so gerne ein Babychen haben und dazu brauchen wir Sie so nötig. Wenn Sie uns helfen daß wir eins bekommen, wird es eine große Überraschung für unsere Eltern sein. Die möchten ja auch gerne noch ein kleines Kindel, dürfen aber nichts davon wissen, nur Sie allein und ich. Darum schreibe ich auch ganz heimlich.
Mutti hat vor langem einmal gesagt: „Ja, ihr bekommt eins, wenn wir das dritte Reich bekommen und nur wenn Adolf Hitler Reichskanzler wird; der müsste dann Pate sein, dann sei sie sicher, daß Sie für das Kindel wie ein Schutzengel wären.“ Ich glaube, wir haben nur bis jetzt noch keins gekriegt, weil meine Mutti nicht sicher ist, ob Sie es tun werden. Sie brauchen nichts für das Baby zu bezahlen, denn mein Papa ist Augenarzt und meine Mutti kann ihm ja zu trinken geben. Mutti sagte neulich, ihr kriegt sicher noch ein Baby, aber jetzt wird der Führer nur noch Pate bei armen Leuten oder wo schon viele Kinder sind. Da Mutti uns doch aber nur ein Baby versprochen hat, wenn Sie Pate würden, tun Sie es doch bitte bitte, sonst kriegen wir keins. Geben Sie mir bitte Antwort, damit ich weiß, ob wir ein Baby kriegen und ich mich darauf freuen darf. Ich will auch mein ganzes Taschengeld für das Baby sparen, weil es doch viel Geld kostet. Ich verspreche auch ein recht tüchtiger Hitlerjunge zu werden. Jetzt bin ich neun Jahre alt. Mit Liebe Ihr dankbarer
Joachim F.
Meinem lieben Führer ein „Sieg Heil!“
Ein Junge will ein „treuer Kamerad“ werden
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 26.10.1935
Rolf S., Sorau, BArch NS 51/71
Lieber Führer!
Ich habe heute im Rundfunk die Trauerfeier gehört. Aber Du brauchst nicht traurig zu sein, weil Dein guter Kamerad gestorben ist. Ich will auch Dein guter Kamerad werden wenn ich groß bin, aber jetzt bin ich es auch schon und bald gehe ich in das Jungvolk wie meine beiden großen Brüder. Dann wollen wir alle tapfere starke Jungens werden und wollen alle Deine treuen Kameraden sein. Darum sei nicht mehr traurich.
Es grüßt Dich
Dein Rolf S.
Heil Hitler!
Ein Mädchen vergöttert den „Führer“
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 28.03.1936
Lotti L., Lauenburg, BArch NS 51/71
Mein Führer,
heute schreibt Ihnen ein B.D.M. Mädel aus Lauenburg/ Elbe. Gestern hörte ich, mein Führer, die große Rede, die Sie in Essen veranstalteten. Ich war ganz begeistert wie viel Neues Sie Ihrem Volk wieder zu erzählen hatten. Mein Führer, wenn wir manchmal im B.D.M. Heimabende hatten, wurde immer wieder die Frage hervorgebracht: „Wie kann unser Führer blos immer wieder Neues vollbringen!“ Einer von uns sagte einmal: „Wo hat unser Führer blos die Kraft her, er hat doch nicht studiert. Aber mein Führer gestern haben Sie gesagt, die Kraft haben Sie aus dem Volke. Und, mein Führer, obgleich ich erst 14 Jahre alt bin, kann ich Ihnen nur sagen, daß so ein Führer wie Sie sind, nicht aus meinem Gedächtnis verschwindet. Wie Sie mein Führer durch Lauenburg kamen, habe ich Sie einmal angesehen und mir war als stände Gott vor mir. Vergebens habe ich oft vor der Reichskanzlei gestanden um Ihnen einmal zu sehen oder vielmehr mein Führer von Ihnen ein Autogramm zu bekommen. Hoffentlich gelingt es diesmal. Mein Bruder ist in der SS und hat Ihnen so manchesmal gesehen. Wenn er dann wieder kam, weinte ich vor Freuden wenn er es erzählte. Mein Führer. Hoffentlich kommen Sie bald mal wieder durch Lauenburg.
Sieg Heil !!!
Lotti L.
Lauenburg/Elbe
Zwei Jungen gratulieren Adolf Hitler zum Wahlerfolg
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 02.04.1936
Rudolf und Willy L., Bremen, BArch NS 51/71
Mein lieber Führer !
Sie werden sich wohl tüchtig gefreut haben das die Wahl diesmal so gut ausgefallen ist. Der eine Herr in Norderney der nicht transportfähig war hätte auch wohl „Ja“ gewählt. Das die meisten „Ja“ gewählt haben, haben wir uns schon gedacht. Am Montag morgen konnten meine Eltern schnell genug die Zeitung bekommen und mein Bruder wollte sie aber auch lesen. Meine Mutter ärgert sich am meisten darüber das wir kein Radio haben, überhaupt wenn Sie sprechen. Ich schreibe diesen Brief ja hauptsächlich, um ein Bild mit eigenhändiger Unterschrift zu bekommen. Groß braucht es ja nicht zu sein, weil ich es über mein Bett hänge es ist besser wenn Sie gleich zwei Bilder unterschreiben und mir schicken. Sonst wäre es nicht richtig, wenn ich ein Bild bekomme und mein Bruder Willy keins hat. Ich habe am 13. April genau 7 Tage eher wie Sie Geburtstag, bis dahin haben Sie wohl Zeit mir die Bilder zu schicken. Ich werde nun gerade Ostern 9 Jahre alt. Ich würde mich tüchtig über die Bilder von Ihnen freuen. Ach ja ich wohne in Bremen.
Viele Grüße von Ihrem
Rudolf L.
Auch von mir einen schönen Gruß von
Willy L.
Ach bitte wenn sie Herr Adjudant den Brief lesen werfen Sie ihn nicht weg sondern geben sie ihn unserm Führer es wär doch sonst schade um meine Arbeit.
Heil Hitler!
Rudolf L.
Keine Aufsätze mehr über „den Führer“
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 16.04.1936
Mädi D., Bad Homburg, BArch NS 51/71
Mein lieber Führer !
Ich gratuliere Dir recht herzlich zu Deinem Geburtstag und wünsche Dir alles Gute. Aber denk Dir nur, wir müssen immerzu über Dich Aufsätze schreiben und das tut auf die Dauer unserer Liebe zu Dir Abbruch. Und ausserdem bist Du uns viel zu schade dazu. Gib doch bitte den Befehl, dass unsere Lehrer andere Themen wählen. Gott erhalte Dich uns noch recht lange.
Sieg Heil!
Dein Jungmädel
Mädi D.
Eine 14-Jährige gratuliert zum Geburtstag
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 16.04.1936
Trudi W., Opladen, BArch NS 51/71
Mein Führer!
Recht herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 47. Geburtstage. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Möge Gott Sie uns noch lange Jahre gesund und munter erhalten. Ein kleines Geschenk habe ich auch für Sie. Ich habe es selbst gezeichnet. Ein Künstler bin ich ja nicht. Aber ich denke, Sie freuen sich doch, wenn es auch nur ein kleines Ding ist. Man kann doch erkennen, wer es sein soll, nicht wahr? Ich habe mich bemüht, das ganz deutlich und schön zu zeichnen. Es war ja sehr schwer, aber ich habe es doch herausgekriegt.
Ich habe blonde Haare und blaue Augen, bin klein. Ich bin im Oktober vierzehn Jahre alt geworden. Ich bin in Hamburg geboren.
Gestern fing die Schule wieder an. Ich bin jetzt in die Obertertia gekommen. Ich habe ein gutes Zeugnis gehabt. Ich gehe bis zum einjährigen mit. Dann komme ich in den Arbeitsdienst; danach lerne ich den Haushalt, und dann heirate ich.
Ich wollte Ihnen voriges Jahr schon geschrieben haben. Aber da hat mir ein Mädchen gesagt, das dürften wir nicht, das wäre verboten. Ja, und nach Ihrem Geburtstage hat der Onkel Rudi im Radio gesagt: „Der Führer lässt allen kleinen Mädchen für Ihre Briefchen und Geschenke recht herzlich danken. Es wären so viele eingegangen, daß er sie gar nicht alle beantworten könne.“ – Ob auch Jungens dabei waren, weiß ich nicht mehr. Ich habe nur die Mädchen behalten. – Da habe ich gedacht: So, nächstes Jahr schreibst du aber auch dem Führer. Wenn die Kinder schreiben dürfen, darfst du das auch. Ja, und da habe ich mich denn hingesetzt und habe geschrieben. Und Sie lachen jetzt und freuen sich! Ja, ja, ich kann’s mir denken. Vielleicht fährt die Oma in den großen Ferien nach Berchtesgaden, und wenn ich brav bin, darf ich mitfah ren. Ein bißchen Geld dafür habe ich schon gespart. Ich möchte Sie so gerne mal sehen.
Am 18.April veranstaltet unsere Jungmädel-Gruppe einen Elternabend. Es ist die letzte Feier bei den Jungmädeln und dann geht’s zu den großen B.D.M.-Mädeln. Am Samstag spielen nur Mädels mit, die überwiesen werden. Das wäre doch fein, wenn Sie dann hier wären. Wäre das ein Spaß. Das gäbe eine schöne Feier. Nicht wahr, wenn Sie Zeit haben, dann kommen Sie doch zu uns? Dann können wir Ihnen doch auch ein wenig Liebes tun. Wir haben ein kleines Haus für uns ganz allein und daran ist ein kleiner Garten. Hinter unserem Gärtchen liegen einige Felder und dann kommt Wald. Wenn Sie am Samstag nicht kommen können, dann kommen Sie doch ein anderes Mal, wenn Sie mal gerade hier in der Nähe sind, nicht wahr? Wir freuen uns alle riesig und ich freue mich am meisten. Dann können Sie mir auch sagen, ob mein Briefchen auch angekommen ist, nicht wahr? Ich denke doch, daß Sie mein Briefchen lesen werden.
Ich habe Sie in Köln gesehen, aber da waren Sie ja so weit fort. Ich möchte Sie so gerne mal ganz nah sehen. Wenn Sie dann hier sind, dann knipsen wir Sie auch mal, gelt?
Meinem Führer ein kräftig
„Sieg Heil!“
Trudi W.
Opladen bei Köln
Ein Mädchen berichtet von ihrem Besuch bei Adolf Hitler
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 26.08.1936
anonym, München, BArch NS 51/71
Mein lieber, lieber Onkel Hitler!
Nun bin ich wieder daheim, aber noch nicht so richtig, denn ich denke immer noch an Dich, wie schön es bei Dir war. Wie schön war es doch, wie ich dich lieb haben durfte und bei Dir ein Schnußerle machen durfte. Ich habe Dich ja auch über Alles lieb. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, wenn ich Dich wieder besuchen darf. Wie ich am Montag von Dir herunter kam, wurde ich mit Muck und Blonda geknipst. Blonda ließ sich sogar von mir streicheln, wo sie doch sonst so bissig ist. Die merkt, dass ich Dich lieb habe. Sobald ich die Bildchen bekomme, schicke ich Dir Deine Blonda, Muck und Dein Muckele! So hast Du mich doch genannt. Ich danke Dir auch noch vielmals für all das Liebe und die guten Zuckerle. Diese Schachtel wird nicht so rasch aufgefuttert, damit ich noch lange was von Dir habe. Heute geht Mutti mit mir in die Stadt, da suche ich ein schönes Rähmchen für Dein Bild mit Deiner Unterschrift. Ich hänge es über mein Pult. Dein Christkindel fange ich heute Abend auch schon an. Nun lieber Onkel Hitler erhole Dich noch recht gut und nimm viele, viele liebe Küssle von Deinem Muckele-Schnapsi-Batschi-Bernile
Mutti läßt Dich auch recht herzlich grüßen!
Gebet eines Mädchens für Adolf Hitler
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 28.09.1936
Margrit M., Berlin-Köpenick, BArch NS 51/71
Mein lieber Führer!
Gestern habe ich den Film Friesennot gesehen. Mein Vati, der auch in der S.A. ist, hat mir schon oft erzählt, was für schlechte Menschen die Kommunisten sind. Ich konnte es mir nie richtig vorstellen. Jetzt weiß ich es. Mein Vati sagt auch, wenn Du und Deine S.A. nicht gewesen wärst, dann würde es bei uns in Deutschland auch so geworden sein, wie in Rußland. Ich danke Dir, daß Du die Kommunisten bei uns vernichtet hast. Ich verspreche Dir, ein recht fleißiges und treues Jungmädel zu bleiben. Ich bin über ein Jahr in der Jugenmädelschaft. Da ist es sehr schön. Einmal haben wir schon in der Jugendherberg übernachtet. Jeden Abend bete ich für Dich. Das Gebet lege ich bei. Schreibe mir bitte, ob es Dir gefällt.
Heil Hitler!
Margrit M.
Das Gebet.
Lieber Gott, im Himmel droben,
alle Eng’lein die Dich loben
laß rings um mein Bettlein stehn,
wenn ich muß zur Ruhe gehn.
Doch das schönste Engelein
mit dem lichten Gottesschein
und dem silbernen Gefieder
sende unserm Hitler nieder.
Es behüte seinen Schlummer
und verscheuch’ ihm allen Kummer
daß er morgens froh erwache
und sein Deutschland glücklich mache.
Alle Kinder groß und klein
schließen in ihr Herz ihn ein.
Lieber Gott mit starker Hand
schütze unser deutsches Land.
Gib mir eine süße Ruh’,
schließe meine Äuglein zu,
schüttle mir vom Himmelsbaum
Deinen allerschönsten Traum.
Kinder freuen sich auf die Hitlerjugend
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 01.11.1936
Bärbel H. und Emrich von K., Berlin-Tempelhof, BArch NS 51/71
Lieber Onkel Hitler!
Jetzt komm ich schon bald zu den Jung-Mädeln. Da ist es sehr fein nicht wahr ?
Mit deutschem Gruß
Deine Bärbel H.
Lieber Onkel Hitler!
Ich komme in einem Jahr in das Jungvolk, was ich schon lange ersehnt habe, denn ich bin kein Muttersöhnchen. Das ist schön, daß Du das Jungvolk eingeführt hast. Denn ich will nicht in der Stube spielen, denn ich will doch zu den Soldaten. Ich bin keine Zuckerpuppe wie die Mieken, die mit ihrem Puppenwagen rennen.
Mit deutschem Gruß
Dein Emrich von K.
Ein Mädchen schreibt aus Japan
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 07.10.1937
Helga E., Unzen, Japan, BArch NS 51/71
Lieber Herr Hitler!
Wie geht es Ihnen? Ich heiße Helga E., bin 10 Jahre alt und wohne in Shanghai. Aber jetzt muß ich noch in Japan bleiben, weil in Schanghai noch immer Krieg ist. Ich habe Heimweh nach meinem Vater, meinen Hunden und meinen Vögeln, aber mein Vater will nicht, daß wir jetzt nach Schanghai zurückkommen, weil er ängstlich ist, daß wir verwundet werden. Neulich war hier in der Japanischen Schule ein Sportfest. Auch wir Europäer durften daran teilnehmen und ich habe im Laufen gegen die Japaner und Franzosen den ersten Preis gewonnen. Ich habe eine japanische Preisflagge bekommen, die mir vom Bürgermeister überreicht wurde. So sieht sie aus: (eine Zeichnung ist beigefügt. Ich bin sehr stolz darauf, daß ich es so gut gemacht habe.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir auch einen kleinen Brief schreiben würden, ich wohne in Schanghai. Mit Deutschem Gruß
Heil Hitler
gez. Helga E.
S’hai.
Über eine Schulfeier in Wien
Brief, handgeschrieben, März 1938
Margarethe B., Wien, Österreich, BArch NS 51/76
Unsere Feier in der Schule.
Am 21. März 1938 hatten wir in der Schule eine große Feier. In der Mitte des Turnsaales hing ein großes Bild Adolf Hitlers. Links und Rechts des Bildes waren zwei Hakenkreuzfahnen befestigt. Der Herr Direktor stieg auf das Podium und hielt eine Ansprache und erklärte den Schulkindern was in diesen Tagen vorgefallen war. Dann stieg ein Herr Lehrer auf das Podium u. sprach über die Vereinigung Österreichs mit Deutschland. Dann sangen wir noch die 1. Strophe vom Deutschlandlied und vom Horst-Wessel-Lied und damit war die Feier beendigt.
Sieg! Heil!
B. Margarethe der 1 Klasse B. der Hauptschule Wien XIII.
Ein Mädchen gratuliert und bittet „den Führer“ um Geld
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, 1939
Elsbeth, Hamburg, BArch NS 51/71
Lieber Führer!
Gelt so darf man doch zu dir sagen oder muß man etwa Eczelenz und Majestät schreiben? Nein, das willst du sicher nicht. Ich brächts auch nicht fertig; denn ich glaube ich habe dich gerad so gern wie meine Eltern. Ich will dir xxxüberhaupt erst einmal zum Geburtstag gratulieren, ach Führer wenn du jetzt hier wärst wurde ich Dir um den Hals fallen. Du mußt bestimmt noch einmal so alt werden. Ich will doch nach Berlin fahren um dich zu sehen. Ich habe mich doch so sehr verrechnet. Ich hätte Gift drauf genommen, daß du erst nächstes Jahr 50 wirst. Und weil ich dann konfirmirt werde wollte ich mir eine Fahrkarte nach Berlin wünschen. So träume ich nun schon andauernd davon, ja flötepiepe, ich kann noch so ein gutes Osterzeugnis haben ich darf nicht. Ich bin jetzt kanpp 13 und wir haben weder Verwante noch Bekannte in Berlin. Ach, und ich möchte dich für mein Leben gern sehen. Einmal zwar bist du im Auto an mir vorbei gefahren in Frankfurt a.M. aber das ging so schnell. Trotzdem habe ich mich damals wahnsinnig gefreut. In der Schule mußten wir dann einen Aufsatz schreiben über ein Erlebnis. Ich habe geschrieben „Als ich zum erstenmal unsern Führer sah“ und habe eine 1 bekommen. Zu was dur mir schon alles verholfen hast! Nich Führer du schreibst mir doch wieder. Viel Zeit wirst du ja nicht haben aber schicke mir wenigstens dein Bild mit deiner Unterschrift. Hoffentlich bekommst du den Brief überhaupt. Ich habe richtig Angst. Wenn ich den erwischen wurde der den Brief nicht weiter gibt, den, hach, ich wäre zu allem im Stande. Hier weiß keiner das ich den Brief schreibe sonst wurde ich schrecklich ausgelacht und mein Papsel und Marlene, das ist mein 7 jähriges Schwesterchen, hätten wieder reichlich Stoff zum necken. So wie mit der Farmerin und der „Ananaszucht“. Wenn du nun Fehler findestdarfst du nicht böse sein, denn Orthographi ist meine schwache Seite. Eigentlich eine Schande für ein deutsches Mädel. Führer jetzt habe ich noch einen ganz großen Wunsch, mein größter ist ja dich sehen zu dürfen, aber der andere ist auch ziemlich groß,vielleicht findest du es unverschämt aber es ist ja nicht für mich und du kannst alles machen. Sieh mal, wir möchten uns so schrecklich gern ein Heim einrichten. Einen Raum hätten wir, Aber man braucht Geld. In unserer Kasse ist sozusagen „jarnischte“. Sammeln dürfen wir nicht. So müssen wir immer erst ans andere Ende von Hamburg laufen. Für mich ist es nicht so schlimm, denn ich habe eine „Karre“ (Rad) Aber die anderen Mädel müssen so weit laufen, manche über eine Stunde und dann müssen sie noch ihren Eltern. Und ich fände es so prima wenn du uns etwas stiften würdest. Gelt wenn du Kassensturz machst denkst du an uns. Ach Führer ich glaube dann, dann, ich weiß garnich was ich glaube, nur das eine, das ich dich entsetzlich lieb habe. Nun leb wohl Führer, bleib gesund, werde noch einmal so alt und schreibe mir bald wieder und sei tausendmal gegrüßt (von mir aus bekämst du auch einen Kuß)
von deinem
Jungmädel Elsbeth
Ich habe alles so durcheinander geschrieben wie es mir gerade in die Feder kam.
Geburtstagsgrüße aus Chemnitz
Brief, handgeschrieben, undatiert
Helga K., Chemnitz, BArch NS 26/2475
Lieber Herr Hitler.
Morgen hast du Geburtstag. Ich gratuliere dir herzlich. Ich bin erst 8 Jahre alt und hab dich sehr lieb wie weil mir meine Mutti immer sehr viel von dir erzält. Wir haben einen Tisch da stest du trauf vor dir stehen immer grüne Blumen. Da liegt auch ein Buch von dir das darf ich mir manchmal ansehen. Wie heißen denn deine Hunde? Die Omama hat auch ein Bild von dir hängen. Mutti sagt ich soll den lieben Gott bitten das er dri dir hillft. Das tue ich auch wenn du zeit hast so schreibe mir bitte auch einmal.
Deine Helga K.
Chemnitz
15-Jährige will Spionin werden
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, undatiert
Theresia M., Korneuburg bei Wien, Österreich, BArch NS 51/71
Lieber Onkel Adolf!
Bitte Sei nicht böse und weise diesen Brief nicht zurück. Ich weiß das es jetzt mit den ruhigen Zeiten bald aus ist, vielleicht schon in einigen Tagen. Trotzdem Du kein Blut vergießen willst. Aber vielleicht kann ich Dir ein bißchen helfen. Ich bin jetzt 4 Wochen im Landdienst gewesen und möchte jetzt so gerne spionin werden. Und ich glaube wenn ein älteres Mädchen Spionin ist, so wird man es bald erkennen. Ich aber bin noch sehr jung. Bei mir wird man es nicht glauben. Ich bin mit meinen 15. Jahren noch ziemlich klein. Denn ich habe mich von meiner Krankheit noch nicht so gut erholt. So bin ich kräftig und gesund. Meine Krankheit ist die „Elternliebe“. Mir fehlt sie. Also Onkel Adolf darf ich? Wenn du „nein“ sagst so ruinierst Du mein ganzes Leben. Denn das ist mein Beruf den ich mir gewählt habe. „Spionin“. Kämpfen und Sterben für „mein Vaterland“ und „meinen Führer“. Onkel Adolf ich hätte noch eine Bitte. Darf ich Dir ein einzigesmal die Hand drücken? Ein einzigesmal. Das wäre mein schönster Tag. Einmal bei Dir stehen dürfen, so, wie viele andere und Dir unseren Landesgruß zu sagen. Onkel Adolf ich warte mit Herzklopfen an den Tag an dem Du mir schreibst und ich den Brief in der Hand halte. Mag er freudiges oder trauriges bringen. Das ist mir einerlei, es ist ein Brief von Dir. Bitte Sei über mein Schreiben nicht erzürnt und antworte mir so bald als möglich.
Es küsst und grüßt Dich mit
Heil Hitler
Theresia M.
Niederdonau, Korneuburg b/Wien
Ein Junge möchte in die Hitlerjugend
Brief, handgeschrieben, undatiert
Hans-Dieter W., Riesa, BArch NS 26/2476
Lieber Herr Hitler!
Ein kleiner Junge gratuliert ihnen zum Gebutstag. Wenn ich Untertertianer bin, da trete ich in die Hitlerjugend ein.
Ihr Hans Dieter W.
Abs. Hans-Dieter W. (7 1/2 Jahre alt)
Riesa (Sa)
Geburtstagskarte mit Hakenkreuzzeichnung
Karte mit Zeichnung, handgeschrieben, undatiert
Ernst O. und Rudi W., Wüstewaltersdorf, Schlesien (heute Walim, Polen), BArch NS 26/2475
Herzliche Glückwünsche zum Geburtstage senden die Schüler
Ernst O. (10 Jahre alt
Rudi W. (11 Jahre alt

Gratulation aus Leipzig
Brief, handgeschrieben, undatiert
Erika B., Leipzig, BArch NS 26/2475
Lieber guter Onkel Hitler!
Heil! Heil! Du hast heute Geburtstag, Muttl hat es gelesen. Erika und Trautl das bin ich, bin 9 Jahre alt, meine Schwester ist 4 Jahre alt. Wir gratulieren Dir und wünschen Gesundheit, Glück und alles Schöne. Mutti sagt, Onkel Hitler nimmt von Niemand etwas an, das steht auch drin, in Deinem Soldatenbuch. Nimm doch die Blümchen von uns an, bitte bitte! Lieber Onkel Hitler, siehst Du so aus? Wenn Du mal nichts zu tun hast, schreib doch bitte wegen dem Bild. Recht viele schöne Grüße und 2 diecke Küßchen von Deiner Trauti und Erika B. Leipzig
Bunstiftzeichnung
Brief mit Zeichnung, handgeschrieben, undatiert
Frieder B., Mörs, BArch NS 26/2475

Ein Baby mit Hakenkreuzdecke
Karte mit Fotografie, handgeschrieben, undatiert
anonym, BArch NS 26/2475

Kindergedicht aus Belgrad
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, undatiert
Alexander P., Belgrad, Jugoslawien (heute Serbien), BArch NS 51/71
In Verehrung Seiner Excellenz,
Herrn Adolf Hitler, dem Führer
des deutschen Volkes herzlichst gewidmet.
Deutschland.
Lebe Deutschland,
lebe Heldenland,
wir müssen Dir
über alles sagen „dank“.
Du bist das Schönste
auf der Welt
in deinem Reich
ist alles mir Wert.
Dein Breslau
und Berlin
Ach, da müßt
ich gleich hin.
Ach, daß Du siehst
nur die Feldern
und noch dazu
die schönen Wäldern.
Blos die lieben Kinder
und guten Leute
da muß ich
hinfahren noch heute.
Lebe Deutschland
lebe Heldenland
ich gib Dir alles
aus der Hand.
Alexander P., Schüler der 3.Volksschulklasse in Belgrad.
Ein Mädchen möchte zu Adolf Hitler reisen
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, undatiert
Gisela W., BArch NS 51/71
Mein treuer Führer!
Ich heisse Gisela und bin immer traurig weil ich Dich noch nicht richtig sehen konnte wie du in Niederad warst wolte ich Dir gern mein Streußchen bringen aber Du bist so schnell wider fort gefaren von der Autoban ich habe in allen Regen auf Dich gewartet und da sagt ein Es Amann Unser Führer ist schon fort und nun war ich so traurig. Ich will immer mit meiner Mutti zu Dir kommen nach Haus Wachtenfelt. Aber Mutti sagt immer das ist zu weit und Du hast soviel Arbeit und kannst keinte kleinen Kinder gebrauchen. Gelt mein lieber Führer das ist nicht wahr meine Mutti weiss das doch garnicht. Aber wenn ich einen freien Flug in die Schule mal gewinne dann komme ich doch zu Dir oder kann ein Flugzeug nicht auf den hohen Berg rauffliegen. Lieber Führer aber du hast doch einmal Zeit mir ein Briefchen zu schreiben. ich warte gans in Sensucht darauf. Lieber Führer ich kann nicht mehr schreiben meine Hand tuht schon sehr weh und grüsse dich viel 1000 mal
Deine Gisela W.
bleibe hübsch gesund.
Post aus Kairo
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, undatiert
Helene und Sophie A., Kairo, Ägypten, BArch NS 51/71
Lieber Hitler!
Wie geht es Ihnen? Ich möchte gern einmal nach Deutschland kommen. In Deutschland wird man dick und groß. In Egjpten ist es nicht schön. Ich bin in einer deutschen Schule. Da hat es viele Kinder. Wir lernen, deutsch, Englisch, Französisch Rechnen, Heimatkunde, Arabisch, Turnen, Zeichnen und Handarbeit. Und wir lesen auch etwas von Hitler. Die Überschrift heißt Hitler und die Kinder. Ich möchte gerne einmal Sie sehen und auch hören sprechen. Ihr Bild hängt in meinem Pult, ich schaue es immer an. Ich möchte auch ein Hitlermädchen sein. Ich wünsche Ihnen viel Glück und Gesundheit zu Ihrem Geburtstag am 20. April.
Viele Grüße aus Egjpten
Heil Hitler!
Helene A.
Lieber Hitler!
Ich hätte den Wunsch Sie einmal zu sehen. Aber es ist nicht möglich, denn ich bin in Egjpten. Ich habe viel von Ihnen gelesen. In unserm Wohnzimmer hängt ein schönes Bild von Ihnen. Wir haben Sie alle sehr lieb. Bald haben Sie Geburtstag, der liebe Gott möge sie recht lange leben lassen. Ich bin zwölf Jahre alt. Ich lerne fleissig die deutschen Lieder mit meiner lieben Mutter. Ich bekomme die deutsche Schülerzeitung, da sehe ich wie es die Mädchen schön haben. Ganz besonders in der Hitlerjugend. Kommen Sie docheinmal zu mir nach Egjpten.
Ich sende Ihnen viele viele 1000 Grüsse aus Kairo
Heil Hitler
Sophie A.
Ein Mädchen möchte Adolf Hitler heiraten
Brief, maschinengeschriebene Abschrift, undatiert
Hannelore W., Bodesberg, BArch NS 51/71
Mein Lieber Führer!
Wo Du in Godesberg warst, wollte ich Dir Blümchen schenken, aber da warst Du schon fort.
Das hat mir sehr leid getan. Ich möchte Dich so gerne Heiraten, denn weil Du mir so gut gefällst und weil Du nett bist, aber ich bin ja noch viel zu klein? aber ich bin ja erst einmal 6 Jahre alt. Mein Väterchen ist gestorben. Er ist auch im Kriege gewesen und hat geschossen, und er hatte das eiserne Kreuz. Er war Soldat. Ich bete jeden Tag zum Lieben Gott für mein Väterchen und für alle armen Menschen in Deutschland. Ich habe ein Bild vom lieben Führer mit seinem lieben Hund. Der Hund gleicht genau unsern Herta. Nun lieber Führer wenn Du noch mal nach Godesberg kommst, dann muß Du aber halten bei mir. Dann schenke ich Dir ganz schöne Blümchen.
Hannelore W.
Bodesberg
Ein Mädchen berichtet vom Geländespiel
Brief mit Fotografie, handgeschrieben, undatiert
Edith H., BArch NS 51/71
Geländespiel
Wir haben ein ganz großartiges Geländespiel gemacht, welches sich auf einen Nachmittag erstreckte. Wir waren zwei Parteien: die Russen einerseits und die Deutschen mit Italienern, Bulgaren Rumänen und Finnen andererseits. Die Aufgabe der Russen bestand darin, daß sie sich ein Lager aufschlagen und darin Dokumente verstecken mußten. Die Deutschen und Verbündeten sollten das Lager stürmen, die Russen gefangen nehmen und die Dokumente ans Tageslicht bringen. Die Russen hatten eine ¾ Stunde Vorsprung. Wir hatten zwei Spione nachgeschickt, von denen lange nichts zu sehen war. Ob sie wohl gefangen waren? Da kamen uns schon die Spione entgegen und erzählten hastig, was sich zugetragen hatte. Bis zu einer Wegkreuzung konnten wir nun beruhigt gehen. Da blieb uns nichts anderes übrig, als uns zu teilen. Zu zweien oder dreien wurde ein Gebiet abgesucht, aber leider ohne Erfolg. Als wir ins Heim zurückkamen hatte unsere Wache einen feindlichen Spion gefangen der eine Meldung bei sich trug, auf der aufgezeichnet war, wo sich das Lager befand. Es war in unserer Nähe, da ärgerten wir uns sehr.
Edith H.
„Wir haben Adolf Hitler Alles zu verdanken“ –
Dank, Gratulationen und Anliegen an den „Führer“
Einen Anlass für die Deutschen gab es immer, Adolf Hitler zu gratulieren – ob zu seinem Geburtstag, zu Wahlsiegen oder anderen Festlichkeiten. Es müssen unzählige Gratulationsschreiben gewesen sein, die an Hitler gerichtet waren. Die ausgewerteten Archivalien zeigen eine skurrile Kreativität, die Teile der Deutschen entwickelten, um ihre Grußschreiben auszuschmücken. Neben kurz gehaltenen Glückwünschen finden sich viele reich ausgestaltete Briefe und Karten mit mühevoll gezeichneten Motiven, eingeklebten Blumen, selbst angefertigten Portraits des „Führers“.
Die Glückwunschschreiben lassen tief in das Seelenleben einer gleichgeschalteten Nation blicken: Treue, naive Ergebenheit und Gefolgschaft, Liebe, sogar ihre eigenen Kinder „schenkten“ die Briefeschreiber Adolf Hitler. Mit voller Hingabe schrieben Männer, dass sie sich als Soldaten opfern würden. Man wünschte Gesundheit, Kraft, Durchhaltevermögen, Gottes Schutz und Segen, sprach Hitler zu und dankte ihm für das, was bereits getan wurde und das, was kommen sollte.
In gleicher Weise war Hitler für viele Deutsche ein „Idol“ und „Retter“, dem grenzenloser, unkritischer Dank galt. Oft ist in den Briefen zu lesen, dass Hitler pauschal „alles besser“ gemacht habe und man ihm deswegen für „alles“ danken möchte. Es wird geschildert wie er „das deutsche Volk“ angeblich von Schmach und Unterdrückung befreit habe. Man bedankte sich für seinen Einsatz um das „Vaterland“ oder seinen vermeintlich uneingeschränkten Durchsetzungsund Schaffenswillen. In Hitler sahen die Massen den Mann, der ihnen Stärke, Selbstvertrauen und ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl zurückgab.
Die Verehrung Hitlers hatte quasireligiöse Ausmaße. In vielen privaten Haushalten hingen Bilder von Hitler an den Wänden, Fahnen aus den Fenstern. Hitler wurde mit den Jahren seit 1933 zum Adressaten ganz privater Anliegen. In deutlicher Überzeichnung seiner Rolle, erhofften sich viele konkrete Verbesserungen von ihm, dem „Allmächtigen“, für ihren Alltag. Wiederkehrende Themen waren die Frage nach finanzieller Unterstützung oder der Übernahme einer Patenschaft durch Hitler für die eigenen Kinder. Das dadurch abzuleitende Stimmungsbild in der Bevölkerung war eine willkommene Bestätigung der Herrschaftsausübung durch die Diktatur.
Die folgenden Quellen sind lediglich Beispiele aus einem weitaus größeren Fundus und umfassen die Jahre von 1932 bis 1940.
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