Kitabı oku: «Handbuch Schulbibliothek»
Inhalt
1 Cover
2 Titelblatt
3 Urheberrechte
4 Inhalt
5 Vorwort zur zweiten Auflage
6 Vorwort
7 1. Vom Nutzen der Schulbibliothek für die Schule und die Schüler 1.1 Was die Schulbibliothek alles kann 1.2 Warum Schulbibliothek? – ein Beispiel 1.3 Schulbibliothekskonzepte 1.4 Damit alle Bescheid wissen – das Leitbild der Schulbibliothek 1.5 Was die Schulbibliothek nicht kann – oder doch? 1.6 Was soll die Schulbibliothek an unserer Schule können?
8 2. Wo man gerne hingeht – die Schulbibliothek als Raum 2.1 Einleitung 2.2 Die Platzierung der Schulbibliothek 2.3 Die Grösse des Schulbibliotheksraumes 2.4 Bodenbelag, Licht und Beleuchtung 2.5 Funktionsbereiche der Schulbibliothek 2.6 Die Möblierung 2.7 Anmerkungen zum Planungsprozess 2.8 Beispielplanungen 2.9 Die Umplanung einer vorhandenen Schulbibliothek – Beispiel einer Neugestaltung 2.10 Ausblick
9 3. Passgenau ausgewählt – Grundlagen und Inhalte der Schulbibliothek 3.1 Grundlagen, Standards, Empfehlungen 3.2 Bestandsaufbau – Vorgehen und Hilfsmittel 3.3 Aktualisierung und Pflege eines bestehenden Bestandes 3.4 Finden und Präsentieren in der Schulbibliothek 3.5 E-Medien und Online-Angebote
10 4. Alles kein Science Fiction! Digitale und multimediale Technik in der Schulbibliothek 4.1 Ordnung muss sein: Verwaltung der Bibliothek 4.2 Was die Bibliothek zu bieten hat: der Bestand 4.3 Man muss nur wissen, wo es zu finden ist: Recherche und Beratung 4.4 Was Hänschen lernt: Lernen mit der Schulbibliothek 4.5 Die Schulbibliothek als multimediale Werkstatt: Arbeiten in der Schulbibliothek 4.6 Sich wie zuhause fühlen: Spiel und Freizeit 4.7 Fazit
11 5. Betriebsform, Personalmodelle und Finanzierung der Schulbibliothek 5.1 Betriebsform 5.2 Personalmodelle 5.3 Finanzierung der Schulbibliothek 5.4 Medienerwerb und Etat 5.5 Gesamtfinanzierung 5.6 Benutzungsregelungen 5.7 Berichte und Statistik
12 6. Aktivitäten in und mit der Schulbibliothek 6.1 Einleitung 6.2 Recherchebausteine für die Primarstufe 6.3 Leseförderung, die begeistert – Beispiele aus der sba Frankfurt
13 7. Selbstständig lernen durch Recherche – Fachunterricht mit der Schulbibliothek als analoger und digitaler Medienvermittler 7.1 Das Etappenmodell der thematischen Recherche in Kleingruppen 7.2 Vorwissen aktivieren und Recherche vorbereiten (Etappe 1) 7.3 Im Bibliotheksbestand nach Informationen zum Thema suchen und prüfen (Etappe 2) 7.4 Das erarbeitete Wissen strukturiert darstellen und weitergeben (Etappe 3) 7.5 Praktische Hinweise zur Realisierung 7.6 Die Rolle der Bibliothek 7.7 Recherche in analogen wie digitalen Medien 7.8 Das Beispiel Ägypten 7.9 Ausblick
14 8. Wie bleibt die Schulbibliothek lebendig? 8.1 Interne Kommunikation 8.2 Externe Vernetzung/Externe Kommunikation
15 9. Von Inseln und Netzen – Formen schulbibliothekarischer Versorgung 9.1 Schulbibliothek: Selbstständig oder Teil eines Systems? 9.2 Unterstützungsangebote und Beratungsstellen 9.3 Kooperationen mit Öffentlichen Bibliotheken 9.4 Kooperationen mit Wissenschaftlichen Bibliotheken 9.5 Kooperationsvereinbarungen und Verträge 9.6 Kommunale oder regionale Bildungsbündnisse
16 10. Die Rolle der Schulbibliothek in der zukünftigen Schule 10.1 Die Schulbibliothek mit pädagogischer Funktion 10.2 Strukturen für die Schulbibliothek schaffen 10.3 Die Situation der Schulbibliothek in Schweden 10.4 Auf die zukünftigen Anforderungen antworten
17 Glossar
18 Empfohlene weiterführende Literatur und Links
19 Autorinnen und Autoren
20 Bildnachweis
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1 Cover
2 Inhaltsverzeichnis
3 Titelblatt
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Angelika Holderried, Birgit Lücke (Hg.)
Handbuch Schulbibliothek
Planung – Betrieb – Nutzung
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Das Buch wurde von den Herausgeberinnen in Zusammenarbeit mit Fachautoren des Schulbibliothekswesens und der Kommission Bibliothek und Schule des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (dbv) erarbeitet.
©Debus Pädagogik Verlag
Frankfurt/M. 2018
©WOCHENSCHAU Verlag
Dr. Kurt Debus GmbH
2. überarbeitete Auflage
Frankfurt/M. 2018
www.debus-paedagogik.de
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet werden.
Programmleitung: Peter E. Kalb
Umschlagentwurf: Ohl Design
Gesamtherstellung: Wochenschau Verlag
Titelbild: © FotolEdhar - Fotolia.com, © design-shirt-shop - Fotolia.com, © CC BY30
Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier
ISBN 978-3-95414-091-6 (Buch)
E-Book ISBN 978-3-95414-092-3 (PDF) ISBN 978-3-95414-175-3 (EPUB)
Inhalt
Vorwort zur zweiten Auflage
Vorwort
Angelika Holderried, Birgit Lücke, Andreas Müller
1.Vom Nutzen der Schulbibliothek für die Schule und die Schüler
1.1Was die Schulbibliothek alles kann
1.2Warum Schulbibliothek? – ein Beispiel
1.3Schulbibliothekskonzepte
1.3.1Lesebibliothek und Leseecken-Konzept
1.3.2Selbstlernzentrum und Informationspool
1.3.3Schulbibliothek und Unterricht
1.4Damit alle Bescheid wissen – das Leitbild der Schulbibliothek
1.5Was die Schulbibliothek nicht kann – oder doch?
1.5.1Lesen – eine Schlüsselkompetenz auf dem Abstellgleis?
1.5.2Digital Natives und digitale Bildung – die Gnade der späten Geburt?
1.6Was soll die Schulbibliothek an unserer Schule können?
Klaus Dahm, Angelika Holderried
2.Wo man gerne hingeht – die Schulbibliothek als Raum
2.1Einleitung
2.2Die Platzierung der Schulbibliothek
2.3Die Grösse des Schulbibliotheksraumes
2.4Bodenbelag, Licht und Beleuchtung
2.5Funktionsbereiche der Schulbibliothek
2.6Die Möblierung
2.6.1Regale
2.6.2Arbeitsplätze
2.6.3Ausleihtheke
2.6.4Präsentation von Zeitschriften und Medien
2.6.5Präsentation von E-Medien
2.7Anmerkungen zum Planungsprozess
2.8Beispielplanungen
2.8.1Planung für eine Grundschule
2.8.2Planung für eine Bibliothek in der weiterführenden Schule
2.9Die Umplanung einer vorhandenen Schulbibliothek – Beispiel einer Neugestaltung
2.9.1Ausgangssituation
2.9.2Umplanung
2.10 Ausblick
Eva von Jordan-Bonin, Angelika Holderried
3.Passgenau ausgewählt – Grundlagen und Inhalte der Schulbibliothek
3.1Grundlagen, Standards, Empfehlungen
3.1.1Quantitative Aspekte des Bestandsaufbaus
3.1.2Qualitative Aspekte des Bestandsaufbaus
3.1.3Bestandsentwicklung
3.1.4Aus der Praxis der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle | sba der Stadtbücherei Frankfurt am Main
3.1.5Schülerzentrierter Bestandsaufbau
3.2Bestandsaufbau – Vorgehen und Hilfsmittel
3.2.1Grundlagen
3.2.2Kriterien zur Auswahl von Medien
3.2.3Bestandsaufbau leicht gemacht
3.2.4Geschenke – Fluch oder Segen?
3.3Aktualisierung und Pflege eines bestehenden Bestandes
3.3.1Umorganisation einer bestehenden Bibliothek
3.4Finden und Präsentieren in der Schulbibliothek
3.4.1Suchen muss zum Finden führen – die Systematik
3.4.2Suchen muss zum Finden führen – der Katalog
3.4.3Die Bestandspräsentation
3.5E-Medien und Online-Angebote
3.5.1E-Medien – Formen und Lizenzmodelle
3.5.2Bestandsaufbau von E-Medien – ein Interview
3.5.3Datenbanken
Kathrin Reckling-Freitag
4.Alles kein Science Fiction! Digitale und multimediale Technik in der Schulbibliothek
4.1Ordnung muss sein: Verwaltung der Bibliothek
4.2Was die Bibliothek zu bieten hat: der Bestand
4.3Man muss nur wissen, wo es zu finden ist: Recherche und Beratung
4.4Was Hänschen lernt: Lernen mit der Schulbibliothek
4.5Die Schulbibliothek als multimediale Werkstatt: Arbeiten in der Schulbibliothek
4.6Sich wie zuhause fühlen: Spiel und Freizeit
4.7Fazit
Ingrid Lange-Bohaumilitzky, Julia Rittel
5.Betriebsform, Personalmodelle und Finanzierung der Schulbibliothek
5.1Betriebsform
5.1.1Präsenzbibliothek
5.1.2Ausleihbibliothek
5.2Personalmodelle
5.2.1Aufgaben des Bibliotheksteams
5.2.2Teamleitung
5.2.3Nebenamtliches Personal
5.2.4Hauptamtliches Fachpersonal
5.2.5Werben und Qualifizieren von nichtfachlichem Personal
5.2.6Externe fachliche Unterstützung von Schulbibliotheken
5.3Finanzierung der Schulbibliothek
5.3.1Kostenfaktoren
5.3.2Personalkosten
5.3.3Sachkosten
5.4Medienerwerb und Etat
5.4.1Medienerwerb
5.4.2Medienetat
5.4.3Berechnung des Jahresetats
5.5Gesamtfinanzierung
5.5.1Drittmittel/Förderquellen im Einzelnen
5.6Benutzungsregelungen
5.7Berichte und Statistik
Hanke Sühl
6.Aktivitäten in und mit der Schulbibliothek
6.1Einleitung
6.2Recherchebausteine für die Primarstufe
6.3Leseförderung, die begeistert – Beispiele aus der sba Frankfurt
6.3.1Aktivitäten für die Primarstufe
6.3.2Aktivitäten für die Sekundarstufe I
6.3.3Routineangebote in Auswahl
Jochen Diel, Andreas Müller
7.Selbstständig lernen durch Recherche – Fachunterricht mit der Schulbibliothek als analoger und digitaler Medienvermittler
7.1Das Etappenmodell der thematischen Recherche in Kleingruppen
7.2Vorwissen aktivieren und Recherche vorbereiten (Etappe 1)
7.3Im Bibliotheksbestand nach Informationen zum Thema suchen und prüfen (Etappe 2)
7.4Das erarbeitete Wissen strukturiert darstellen und weitergeben (Etappe 3)
7.5Praktische Hinweise zur Realisierung
7.6Die Rolle der Bibliothek
7.7Recherche in analogen wie digitalen Medien
7.8Das Beispiel Ägypten
7.9Ausblick
Hanke Sühl
8.Wie bleibt die Schulbibliothek lebendig?
8.1Interne Kommunikation
8.2Externe Vernetzung/Externe Kommunikation
Birgit Lücke
9.Von Inseln und Netzen – Formen schulbibliothekarischer Versorgung
9.1Schulbibliothek: Selbstständig oder Teil eines Systems?
9.1.1Die selbstständige Schulbibliothek
9.1.2Die Schulbibliothek als Zweigstelle einer Öffentlichen Bibliothek
9.2Unterstützungsangebote und Beratungsstellen
9.2.1Schulbibliothekarische Arbeitsstellen
9.2.2Fachstellen für Öffentliche Bibliotheken/Schulbibliotheken
9.2.3Landesarbeitsgemeinschaften Schulbibliotheken
9.3Kooperationen mit Öffentlichen Bibliotheken
9.3.1Organisations- und Bestandshilfen
9.3.2Personelle Unterstützung
9.3.3Unterricht gemeinsam entwickeln
9.4Kooperationen mit Wissenschaftlichen Bibliotheken
9.5Kooperationsvereinbarungen und Verträge
9.6Kommunale oder regionale Bildungsbündnisse
Sofia Malmberg
10.Die Rolle der Schulbibliothek in der zukünftigen Schule
10.1 Die Schulbibliothek mit pädagogischer Funktion
10.1.1 Medien- und Informationskunde
10.1.2 Der Schulbibliothekar als Medienpädagoge
10.1.3 Die Kompetenz des Schulbibliothekars
10.2 Strukturen für die Schulbibliothek schaffen
10.3 Die Situation der Schulbibliothek in Schweden
10.4 Auf die zukünftigen Anforderungen antworten
10.4.1 Die Schulbibliothek politisch verankern
10.4.2 Profession und Ausbildung
Frankfurter Erklärung
Lesen und Lernen 3.0. Medienbildung in der Schulbibliothek verankern!
Glossar
Empfohlene weiterführende Literatur und Links
Autorinnen und Autoren
Bildnachweis
Register
Vorwort zur zweiten Auflage
Über die positive Aufnahme des Handbuchs Schulbibliothek in der Fachwelt und bei Schulbibliothekspraktikern1 (bzw. solchen, die es werden wollen) haben wir uns sehr gefreut. Die zweite überarbeitete Auflage des Handbuchs ist nach sechs Jahren notwendig geworden, weil sich im Bereich der elektronischen Medien einerseits und der Unterrichtskonzepte andererseits viel getan hat. Wenn sich Schule und Lernen verändern, sind auch unterstützende Einrichtungen wie die Schulbibliothek gefordert. E-Medien*, E-Learning, Datenbanken, Virtual Reality, Tablet, Smartphone und Co sind inzwischen in der Schulbibliothek angekommen, aber bei weitem noch nicht flächendeckend im Einsatz. Wer sich hier auf den Weg machen will, findet in dieser Neuauflage Anregungen und Hilfestellung. Kapitel 4 zur digitalen und multimedialen Technik in der Schulbibliothek wurde deshalb komplett neu geschrieben, die übrigen Kapitel überarbeitet, neue Entwicklungen aufgegriffen und aktuelle Literatur eingearbeitet, Links überprüft und aktualisiert.
Der Aufbau der 1. Auflage wurde beibehalten und durch ein Kapitel zur Rolle der Schulbibliothek in der zukünftigen Schule, geschrieben von einer schwedischen Schulbibliothekarin, ergänzt. Das schwedische Schulsystem unterscheidet sich ebenso vom deutschen, wie die Rahmenbedingungen für Bibliotheken in beiden Ländern verschieden sind. Aber auch in Schweden gab es nicht immer schon ein Schulbibliotheksgesetz und auch dort wird das entsprechende Gesetz von den Schulbibliothekaren als noch nicht ausreichend empfunden. Aber der Grundstein ist gelegt und von Jahr zu Jahr können sich die Rahmenbedingungen entwickeln und Schulen wie Schulbibliotheken schieben diese Prozesse gemeinsam voran. Wo liegt der Schlüssel zu diesem erfolgreich angestossenen Entwicklungsprozess? Was können wir in Deutschland daraus lernen?
Diese Aussensicht war uns wichtig, weil die Rolle des Schulbibliothekspersonals und die Frage, wie die Schulbibliothek politisch verankert werden kann, bisher in Deutschland nicht wirklich nachhaltig thematisiert werden. Die „Frankfurter Erklärung“ des Deutschen Bibliotheksverbandes (s. S. 257 dieses Handbuches) ist ein erster Ansatz dazu.
Der Zeitpunkt, diese politische Diskussion zu führen, ist im Rahmen der allgemeinen politischen Diskussionen um die Verbesserung der digitalen Kompetenzen deutscher Schüler günstig. Zeigt doch das schwedische Beispiel auch, dass andere Länder bereits auf die Idee gekommen sind digitale Bildungsstrategien in Schulen direkt mit den Schulbibliotheken zu verknüpfen.
In erster Linie soll diese Neuauflage aber auch wieder allen in Schulbibliotheken Aktiven helfen, den Alltag im Hier und Jetzt zu organisieren und zu meistern.
Unser Dank gilt einmal mehr den Autoren und Unterstützern dieses Handbuches, die mit viel Engagement und persönlichem Einsatz zum Gelingen dieser zweiten Auflage beigetragen haben.
Anmerkungen
1Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Buch auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beiderlei Geschlecht.
*Begriffe, die im Text mit * gekennzeichnet sind, werden im Glossar erläutert.
Vorwort
„Bibliotheken sind gefährliche Brutstätten des Geistes …“, so stand es im Jahresbericht des Generalinspekteurs für das Bibliothekswesen des preussischen Kultusministeriums schon im Jahre 1857 zu lesen. Es muss etwas dran sein, denn bis heute sind Diktaturen weltweit immer bemüht, den Zugang zu Literatur und Informationen zu behindern, wenn nicht gleich zu verhindern. Sie wissen nur allzu gut, was belesene und gut informierte Menschen anrichten können – sie sind kreativ, erfindungsreich und lassen sich nicht so leicht täuschen und für dumm verkaufen. Ob Bücherverbrennung oder Sperrung des Internetzugangs: Wissen ist und bleibt gefährlich oder, anders gewendet, Verfügbarkeit von Wissens- und Informationsmedien ist für die Erziehung zum demokratischen Handeln unverzichtbar.
Freien Zugang zu Literatur und Wissen für alle Kinder eines Jahrgangs – auch diejenigen, die im Elternhaus keine Bücher vorfinden –, das bieten öffentliche Bibliotheken und Schulbibliotheken. Mit ihrer Hilfe verbessern die Kinder ihre Lesekompetenz und lernen, alle Medien kritisch und zielführend für eigene Zwecke zu nutzen. Was mehr kann man, neben dem nötigen Grundlagenwissen, Kindern und Jugendlichen mit auf einen erfolgreichen und erfüllten Lebensweg geben? Um dieses Ziel zu erreichen, kann eine gut ausgestattete Schulbibliothek ein Schlüssel zum Erfolg sein, für Lehrer und für Schüler.
Besonders leicht gemacht wird es einem in Deutschland bislang nicht, wenn man diesen Weg beschreiten und eine Schulbibliothek aufbauen oder umgestalten will. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit, dass man mit Unterstützungsangeboten überschüttet wird, ist eher gering. Zum Glück hat es aber schon immer und auf ganz Deutschland verteilt „Überzeugungstäter“ gegeben, die sich auf den Weg gemacht haben. Viele erfolgreiche Schulbibliotheken zeugen davon. Und zum noch grösseren Glück sind in den letzten Jahren durch die Stärkung der Ganztagsschule viele neue dazugekommen.
Solche Schulen haben durch ihre besonderen Möglichkeiten der Ausgestaltung von Lernen die Chance, als Ganzes eine „Brutstätte des Geistes“ zu werden, und die Schulbibliothek kann darin als die „Keimzelle“ fungieren, deren Saat in jedem Kind aufgehen kann.
Wie man solch eine Infrastruktur aufbaut und dauerhaft am Leben hält, dazu soll dieses Buch Hilfestellungen geben. Es wendet sich an all jene, die die Neugründung einer modernen Schulbibliothek planen – möge sie nun Mediothek, Lerninsel, Selbstlernzentrum oder ganz unkonventionell „Medientanke“ heissen –, und an alle, die einen vielleicht in die Jahre gekommenen „Bücherhort“ umgestalten und zu neuem Leben erwecken wollen. Der Aufbau des Handbuches folgt dabei dem Weg von der ersten Konzepterstellung in der Schule über die Planung und Möblierung des Raumes, die Auswahl und Beschaffung der Bücher und Medien, die Organisation der Bibliothek mit EDV bis hin zu den Aktivitäten und Kooperationen, die den Erfolg der Schulbibliothek letztendlich ausmachen.
In den Texten finden sich immer wieder Querverweise, sodass es leichtfällt, einzelne Aspekte herauszugreifen und gezielt zu vertiefen. Ergänzende Hinweise bietet ein kommentiertes Literaturverzeichnis, das eine Auswahl weiterführender Literatur und Links bereithält. Grundsätzlich wurde darauf geachtet, dass jedes Kapitel für sich stehen kann, sodass man auch dann fündig wird, wenn man nur einen Aspekt der Bibliothek verbessern will bzw. gezielt nach Informationen sucht. Das Buch will alle diejenigen ermutigen, die sich auf den Weg machen. Viele Empfehlungen beziehen sich auf Stufenkonzepte immer eingedenk der Tatsache, dass wer nicht beginnt, auch keinen Erfolg haben kann. Wir wünschen uns, dass sich viele mit uns auf den Weg machen und dass die Anregungen in diesem Band den Weg leicht und erfolgreich gestalten mögen.
Die Erkenntnisse, die in die Texte dieses Buches eingeflossen sind, wurden über Jahre schulbibliothekarischen Arbeitens und Forschens gesammelt. Jeder, der ein Handbuch herausgibt, ist auf eine solche Basis angewiesen. Vielen müssten wir also danken. Besonders nennen möchten wir hier die Expertengruppe Bibliothek und Schule des Deutschen Bibliotheksverbandes, die in ihrer Besetzung von 2003 bis 2009 und mit Unterstützung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) das Portal www.schulmediothek.de aufgebaut hat. Ausserdem sind Tipps und Veröffentlichungen vieler Praktiker aus Schulbibliotheken des In- und Auslandes eingeflossen, ohne deren
Vorarbeit dieses Buch nicht hätte entstehen können. Last but not least gilt unser Dank den Autoren der Beiträge, die uns immer wieder ermutigt haben und unsere Überarbeitungs- und Ergänzungswünsche mit Geduld und Tatkraft umgesetzt haben.
Angelika Holderried, Birgit Lücke
Anmerkung
Begriffe, die im Text mit * gekennzeichnet sind, werden im Glossar erläutert.
Aus Gründen der Lesbarkeit wird in diesem Buch auf die Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beiderlei Geschlecht.
Angelika Holderried, Birgit Lücke, Andreas Müller
1. Vom Nutzen der Schulbibliothek für die Schule und die Schüler
Mittendrin. Diesen Lagevorteil hat die Schulbibliothek als Ort des Lernens für Schüler gegenüber einer räumlich getrennten Öffentlichen Bibliothek. Aber das ist kein Vorteil gegenüber anderen Räumen in der Schule. Wo kann im Vergleich die Schulbibliothek ihren Platz finden?
Der Klassenraum ist der Ort, an dem fast der gesamte Unterricht stattfindet. Man hat als Schüler seinen festen Platz, seine Nachbarn, seinen Blickwinkel auf den Lehrer, auf die Tafel, auf das zentral gesteuerte Unterrichtsgeschehen. Insofern ist der Klassenraum auch identitätsstiftend für den Einzelnen. Wenn der Lehrer mit den Schülern den Klassenraum bewusst als gemeinsamen Lernraum gestaltet, indem er zum Beispiel Schülerprodukte aus dem Projektunterricht aushängt, wird auch Klassengemeinschaft und damit Gruppenidentität dokumentiert. Der Klassenraum ist so im Idealfall ein wenig die Heimat des Schülers in der Schule.
Der Fachraum ist der Ort, an dem bestimmter Fachunterricht stattfindet: Turnhalle, Chemieraum, Physikraum, Biologieraum, Kunstraum und Musikraum, das sind die Klassiker. Der Fachraum hat die jeweils passende Ausstattung: Kletterwände und Basketballkörbe die Turnhalle, zahlreiche Wasser-, Strom- und Gasanschlüsse und Schränke mit Reagenzgläsern der Chemieraum. Der Fachraum lenkt den Blick auf die Besonderheiten des jeweiligen Fachs, der Blick geht damit auch weg vom Frontalunterricht hin zu anderen Sozial- und Arbeitsformen, zur Gruppe zum Beispiel als Mannschaft im Sport, zum Projekt zum Beispiel beim Versuch im naturwissenschaftlichen Unterricht.
Es gibt einen weiteren Unterrichtsraum in der Schule, der weder Klassennoch Fachraum ist: der Computerraum. Er wird nur punktuell für bestimmten Unterricht und deshalb von vielen verschiedenen Lerngruppen genutzt und ist insofern vom Klassenraum als „Heimat“ verschieden. Aber er kann andererseits in vielen verschiedenen Fächern gute Dienste leisten und unterscheidet sich insofern vom Fachraum. Ist also die Schulbibliothek eine Art Computerraum mit Büchern und anderen Medien als „Zugabe“? Die Frankfurter Erklärung des Deutschen Bibliotheksverbandes (Abdruck, S. 257) dreht den Spiess um, indem sie feststellt: „Die moderne Schulbibliothek ist der ideale Knotenpunkt für das Medienangebot und die Medienpädagogik der Schule. Sie führt gedruckte und digitale Angebote an einem Ort zusammen: aktuelle Bücher und Internet, Lesen und Surfen. Indem die Schulbibliothek neben Büchern die digitalen Ressourcen bündelt, ersetzt sie den wenig flexiblen konventionellen Computerraum (jenseits des Informatikunterrichts)“ (Frankfurter Erklärung 2015, 1). Die moderne Schulbibliothek ist heute also ein Ort der Medienbildung und der Leseförderung, doch was heisst das konkret?
1.1 Was die Schulbibliothek alles kann
„Eine Schulbibliothek ist ein zentral gelegener Marktplatz, ein im Herzen der Schule gelegenes Wissenszentrum. Einzeln oder in Gruppen wird hier Wissen geholt, geliefert, getauscht, gesucht und gefunden. Entweder mit Hilfe neuer Medien oder auf traditionellere Weise durch Bücher“ (G. Fischer-Kosmol 2009, 33). Bei dieser Definition der Schulbibliothek steht die Funktion der Bibliothek im Mittelpunkt und man kann sich gut vorstellen, dass es auf diesem Markplatz bunt und lebendig zugeht. Schüler und Lehrer treffen sich dort, um in Gemeinschaft oder alleine zu recherchieren, zu arbeiten und zu lernen. Wer hätte nicht gern ein solches Wissenszentrum in der Schule?
Und in der Tat ist der Gedanke an eine Bibliothek, die alle Bücher und Medien zentral sammelt, verzeichnet und für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts zugänglich macht, immer der erste, wenn es um die Neueinrichtung einer Schulbibliothek geht. Die traditionelle Funktion einer Bibliothek, Bücher und Non-Books bereitzuhalten, gilt unbestritten auch für Schulbibliotheken.
Die Schulbibliothek ist „… zentraler Medienraum, zentraler Informationsbereich, Ort der Leseförderung, Unterrichtsraum und Kommunikationsraum“, definiert das Fachportal www.schulmediothek.de (Abruf 28.08.2017) und erweitert damit das „Wissenszentrum“ um die Funktionen „Leseförderung“, „Unterricht“ und „Kommunikation“. Wenn man den Marktplatz ernst nimmt, ist zumindest die Kommunikation aus dem Bild nicht wegzudenken.
Grundlegend für die Schulbibliothek ist jedoch nach wie vor die Leseförderung, die vor allem in Grundschulen einhergehen muss mit Sprachförderung. „Auf der Basis bundesweiter Elternbefragungen konnte wiederholt gezeigt werden, dass knapp ein Viertel der vor der Einschulung stehenden Kinder in einem Sprachtest als förderbedürftig im Deutschen diagnostiziert wurde“ (Bildung in Deutschland 2016, 66). 21% der Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung stammen dabei aus deutschsprachigen Haushalten (vgl. ebd., 66). Zur Leseund Sprachförderung lässt sich vorwiegend in weiterführenden Schulen noch eine Erweiterung ergänzen, die der Leitfaden der LAG Hessen auf den Punkt bringt, indem er die Schulbibliothek auch als „kulturelles Zentrum“ definiert (LAG-Bausteine für ein hessisches Schulbibliothekswesen 2006, 10). Was das tatsächlich heissen kann, ist überall dort zu besichtigen, wo Schulbibliotheken Veranstaltungen anbieten – von der klassischen Autorenlesung über den Poetry Slam bis hin zur Aufführung von Filmen der Film-AG.
Bei entsprechender Ausstattung und Betreuung kann man von Schulbibliotheken sogar „Produkte“ erwarten. „Makerspaces*“, also Bereiche, in denen die verschiedensten Dinge entwickelt und produziert werden, gibt es in Schulen schon lange: Werkraum, Physiksaal, Handarbeitsraum oder Chemielabor. Für die Schulbibliothek muss definiert werden, welche Produkte dort entstehen sollen und welche Ressourcen hierfür zur Verfügung gestellt werden. Naheliegend ist die Schulbibliothek als digitale Kreativwerkstatt. Wichtig dabei: die technische Ausstattung muss den konzeptionellen Vorgaben dienen. So hat zum Beispiel die amerikanische Big Walnut Middle School in Sunbury, Ohio, die Aktivitäten der Schulbibliothek streng auf die Unterstützung der Unterrichtsinhalte hin ausgerichtet und bietet hierfür moderne digitale Technik an vom interaktiven Touchscreen über Digitalkameras bis hin zum als Monitor nutzbaren TV-Gerät (vgl. Gonzales 2016).
Bleibt noch eine letzte Funktion, die die Schulbibliothek vor allem in der Ganztagsschule erfüllen sollte, sie kann nämlich auch ein Ort für Freizeit und Entspannung sein. Das Spielen von Spielen – traditionell oder digital –, das Hören von Hörbüchern und das Schmökern in einem Kinder- oder Jugendbuch gehören in vielen Schulbibliotheken zum Programm. Von den Schülern wird dieses Angebot gerne in Anspruch genommen, durchaus auch, weil man sich so im Schulalltag eine Auszeit nehmen, sich zurückziehen und sammeln kann. Damit einher geht oft die soziale Funktion der Schulbibliothek, in der Schüler auch jenseits von Schule und Lernen vielfach ein offenes Ohr finden. Diese Funktion ist zwar im Zeitalter von Schulpsychologen und Schulsozialarbeit nicht beabsichtigt, lässt sich aber nicht ganz ausblenden. Es bedarf einer bewussten Entscheidung, wie weit das Personal, ggf. mit entsprechender Schulung, hier gehen kann, darf und will.
Betrachtet man diese Bandbreite, so lassen sich die folgenden zentralen Funktionen der Schulbibliothek ausmachen:
• Ort der Leseförderung und der Sprachförderung
• Trainingsort für den Umgang mit neuen Medien und dem Internet
• Informationszentrum
• Lernzentrum und Unterrichtsraum
• Kommunikationsplattform und Treffpunkt
• Kulturelles Zentrum, Veranstaltungsraum
• Makerspace
• Ort für Entspannung und Rückzug, soziale Funktion
Geht es um die Verwirklichung einer Schulbibliothek, sollte man diese Möglichkeiten kennen, um dann für das eigene Konzept fundiert entscheiden zu können.
Die wichtigste Entscheidungsgrundlage ist die pädagogisch-didaktische Gesamtkonzeption der jeweiligen Schule, mit deren Hilfe zum Beispiel Aussagen zur Rolle der Schulbibliothek bei der Erreichung der Lernziele getroffen werden können. „Es muss z.B. festgestellt werden, in welchen Bereichen Lernziele ohne Schulbibliothek nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen erreicht werden können“ (Deutsches Bibliotheksinstitut: Materialien 1994, H. 11, 2).
Ideal ist es, wenn an der inhaltlichen Definition der Schulbibliothek die Schulgemeinschaft insgesamt beteiligt werden kann, denn so erreicht man eine breite Akzeptanz der Massnahme. Schliesslich handelt es sich oft um eine beträchtliche Investition an Zeit und Geld und diese knappen Ressourcen müssen zielgerichtet eingesetzt werden. Was erwarten die Lehrer, die Schüler, die Eltern, der Träger von der Schulbibliothek? Erst wenn die Sammlung der Erwartungen vorliegt und in Beziehung gesetzt wurde zu den möglichen Funktionen der Bibliothek, können die zentralen Fragen beantwortet werden:
• Welche Aufgaben soll die Schulbibliothek in unserer Schule erfüllen?
• Welche Ressourcen (räumlich, personell, Sachmittel, Geld) können dafür zur Verfügung gestellt werden?
Je nachdem, wie die Antwort auf diese Fragen ausfällt, kann man entweder sofort in die Verwirklichung eintreten oder einen Stufenplan entwickeln. Häufig ist ein schrittweises Vorgehen erforderlich, weil die Räume, in denen die Schulbibliothek entstehen soll, zu klein sind. Je erfolgreicher die Bibliothek arbeitet, desto eher wird es gelingen, bei passender Gelegenheit (Erweiterungsbau, Umstrukturierung) zusätzliche Räume zu erhalten. Aktive Bibliotheken haben die Chance, sich zum „Standortfaktor“ für die Schule zu entwickeln.
1.2 Warum Schulbibliothek? – ein Beispiel
Wie die Gründung einer Schulbibliothek vonstatten gehen kann, verdeutlicht ein Interview mit dem Schulleiter des Fürstenberg-Gymnasiums Donaueschingen, Herrn OStD Mario Mosbacher. Das Fürstenberg-Gymnasium ist Teil einer Schullandschaft der Stadt Donaueschingen (ca. 22.000 Einwohner) und des Schwarzwald-Baar-Kreises, die alle Schularten incl. gewerbliche, kaufmännische und technische Schulen bietet. Aktuell besuchen rund 850 Schüler das Fürstenberg-Gymnasium, ein grosser Teil davon im „offenen Ganztag“. Das Interview führte Angelika Holderried.
Herr Mosbacher, Sie haben sich dazu entschlossen, die sechs kleinen Bibliotheken, die es an Ihrer Schule gab, zu einer grossen Bibliothek zusammenzuführen und ein neues Bibliothekskonzept zu verwirklichen. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen?
In den vergangenen Jahren wurde unsere Schule von Grund auf generalsaniert, d.h. bis auf den Rohbau zurück- und dann wieder aufgebaut. Leitend und bindend bei dieser Sanierung war ein von der Schule in einem mehrmonatigen Prozess ausgearbeitetes Pädagogisches Konzept. Hier haben alle am Schulleben Beteiligten gemeinsam festgehalten, welche Anforderungen ein neues Schulgebäude für den Unterricht von heute und auch von morgen erfüllen muss. Wichtige Überlegungen in diesem Zusammenhang waren u.a.:
• in der Schule Räume für erlebnishaltiges Lernen zu schaffen,
• im Rahmen des offenen Ganztages Aufenthalts- und Freizeiträume zu schaffen,
• universitäres Lernen vorzubereiten,
• im gesamten Haus durch Licht, Farbe und Materialien eine Atmosphäre zum Wohlfühlen zu schaffen,
• innerhalb des Hauses eine klare funktionale Gliederung der Räume zu finden.
Alle diese Aspekte haben zum jetzigen Bibliothekskonzept beigetragen. Vor der Sanierung hatten wir in der Tat sechs kleinere Bibliotheken: eine für die Unterund Mittelstufe, eine für die Oberstufe, zwei Selbstlernräume in einem Nebengebäude, eine Lehrerbibliothek und eine historische Bibliothek. Die Flächen dieser Räume und auch ein Grossteil des Buchbestandes sind nun in einer grossen Bibliothek zusammengeführt. Der neue Ort gab uns gestalterisch, aber auch inhaltlich ganz neue Möglichkeiten.
Können Sie uns bitte den Entstehungsprozess schildern?
Im Rahmen der Sanierung sollte eine neue Bibliothek zentral im Mittelpunkt des Schulhauses geschaffen werden. Auf der „didacta“ 2012 traf ich nun durch Zufall auf einen Bibliotheksplaner und wir kamen ins Gespräch. Ein ausgesprochener Glücksfall, denn wir stellten beide schon bei der ersten Tasse Kaffee fest, dass wir denselben Blick auf das Thema „Schulbibliothek“ hatten. Erstens waren wir sicher, dass gerade in Zeiten der Digitalisierung Schulen und Schüler einen Ort benötigen, an dem es Begegnungen mit dem Medium Buch gibt, an dem Schüler das Lesen zum Lernen und zur Unterhaltung entdecken können, einen Ort, der in den Unterricht ausstrahlt. Wir waren uns zweitens aber auch sofort einig, dass es hierfür neuer Konzepte bedurfte, dass es also nicht genügen würde – überspitzt gesagt – einen Raum mit Buchregalen vollzustellen und zu hoffen, dass der dann genutzt würde. Und so beschlossen wir an diesem Tag, uns gemeinsam auf den Weg zu machen. Hinzu kamen dann noch der damalige Schulleiter des Fürstenberg-Gymnasiums (ich wurde erst im September 2013 Schulleiter), unsere Architekten sowie aus der Schule selbst noch der betreuende Lehrer. Wir alle zusammen haben unser Herz an die neue Bibliothek verloren und haben gemeinsam dann das entwickelt, was man heute schlussendlich gebaut sehen kann.
Wenn Sie Ihre neue Bibliothek einem Besucher vorstellen, welche Punkte heben Sie besonders hervor?
Nun, wir haben in der Tat öfter Besuchergruppen bei uns, ehemalige Abiturjahrgänge oder auch Interessenten von anderen Schulen, und ich hebe bei Führungen verschiedene Aspekte hervor:
• Architektur: Wir haben in diesen Räumen eine Architektur mit einer klaren, zeitgemässen Formensprache geschaffen, die dennoch durch die Gliederung, durch das Lichtkonzept und durch die Farbgebung eine Wohlfühlatmosphäre schafft.
• Details der Ausstattung: es gibt eine kleine Bühne, auf der Lesungen oder Kleinkunstaufführungen stattfinden – und die Bühnenakustik ist extra hierauf angepasst. Im grössten Raum der Bibliothek schaffen wir durch den gelben Boden, eine gelbe Wand und eine abgehängte gelbe Decke – die letzteren beiden aus schallabsorbierendem Material – eine Art „Höhlencharakter zum Reinkuscheln“. Es gibt eine Podestlandschaft, auf der man sich zum Lesen „hinlümmeln“ kann, selbstverständlich stehen PCs zum Arbeiten und für Recherchen zur Verfügung und nicht zuletzt trägt die Möblierung mit hochwertigen weissen Buchregalen sehr zum gelungenen Ambiente bei.
• Die Betreuung unserer Bibliothek: Beim Blick auf die Architektur fällt den Besuchern sehr schnell die zentrale Ausleihtheke auf, an der während der Öffnungszeiten der Bibliothek (täglich von 8-14 Uhr) unsere Betreuerinnen arbeiten. Dies ist eine aus meiner Sicht entscheidende Weiterentwicklung gegenüber dem früheren Konzept der von einer einzigen Lehrkraft betreuten, nur in den grossen Pausen geöffneten Schulbibliothek. Heute gibt es nach wie vor einen Lehrerkollegen, der die Bibliothek betreut – dieser arbeitet aber konzeptionell und ist nicht für die Ausleihe tätig. Zusätzlich engagieren sich noch eine hauptberufliche Bibliothekarin, welche uns für ca. einen Tag je Woche unterstützt, sowie mehrere Mütter von jetzigen oder ehemaligen Schülern. Sie alle werden durch die Schule vergütet, managen den Buchbestand, betreuen die Ausleihe, sind Ansprechpartner für Schüler und erarbeiten auch in Rücksprache mit den Lehrkräften Konzepte zur Leseförderung in der Bibliothek. Dieses Engagement ermöglicht uns eine Bibliotheksarbeit auf einem ganz anderen Niveau.

Blick in die Bibliothek des Fürstenberg-Gymnasiums Donaueschingen
Welche Funktion erfüllt die Bibliothek in Ihrer Schule und wie ist sie mit dem pädagogischen Konzept und dem Unterricht vernetzt?
Die Bibliothek erfüllt am Fürstenberg-Gymnasium ganz verschiedene Funktionen:
• Sie ist, offensichtlich, ein Ort des Buches. Hier kann man lesen, in Pausen, in Freistunden oder nach der Schule. Die Bühne ist dazu im Tagesbetrieb extra mit gemütlichen Sitzsäcken ausgestattet. Und hier kann man wie in einer öffentlichen Bibliothek auch Bücher ausleihen, der Buchbestand ist elektronisch erfasst und kann recherchiert werden. Die Schüler dürfen sich Bücher wünschen und die Favoriten werden dann angeschafft. Der Buchbestand beinhaltet dementsprechend Literatur für Jugendliche von 10 bis 18+ Jahren.
• Sie ist ein Ort zum Arbeiten. Schüler können hier Referate vorbereiten, in Büchern recherchieren, Hausaufgaben machen. Zahlreiche PCs mit Zugang zum Internet und zum schuleigenen Netz bieten hierfür das notwendige mediale Umfeld. Vor allem für die höheren Klassen beinhaltet der Buchbestand viele hochwertige Fachbücher. Die Oberstufen-Abteilung sieht schon rein optisch wie eine klassische Universitäts-Bibliothek aus, aus deren Bestand z.B. Handapparate zusammengestellt werden. Auch für die Lehrer ist die Bibliothek ein Ort zum Arbeiten. Die Fachbereiche haben einen Grossteil der Fachliteratur in den Oberstufen-Bereich eingegliedert.
• Sie ist ein Unterrichtsort. Klassen oder Kurse können die Bibliothek für Unterrichtsstunden reservieren. Das können Buchrallyes, Aufführungen kleiner Theaterstücke oder andere Vorhaben sein. Man kann auch als Klasse gemeinsam in die Bibliothek gehen, um zu einem bestimmten Thema zu recherchieren.
• Sie ist ein Ort für kleinere schulische Veranstaltungen. Diese reichen von der Durchführung von Lesewettbewerben in Deutsch oder den Fremdsprachen (wir haben übrigens auch einen guten Teil an fremdsprachiger Literatur, meist Englisch) über kleinere musikalische Aufführungen bis hin zu Veranstaltungen unserer Vortragsreihe „Campus FG“, bei der wir teils gemeinsam mit Partnern aus der Stadt zu spannenden aktuellen Themen – meist aus Politik und Forschung – Experten von auswärts einladen und bei denen auch die Einwohner Donaueschingens herzlich eingeladen sind und gerne teilnehmen.
Kurz: Die Bibliothek ist in ihren eineinhalb Jahren, in denen sie nun geöffnet ist, zu einem lebendigen Ort des Lebens und Lernens mitten in der Schule geworden und es macht uns allen Spass, diese Entwicklung, die sicher noch weitergehen wird, zu verfolgen.
Was würden Sie einem befreundeten Schulleiter raten, der sich mit dem Gedanken trägt, eine Bibliothek an seiner Schule aufzubauen?
Hier kann ich mich kurz fassen:
1) Eine Schule benötigt heute und in Zukunft eine Bibliothek als lebendigen Ort des Lernens – mit gedruckten Büchern sowie elektronischen Medien.
2) Wenn es die Möglichkeit gibt, ein solches Projekt umzusetzen, dann sollte man sich die passenden Partner suchen und es wagen.
3) Es ist ungemein hilfreich, in der Konzeptionsphase andere Schulen mit Bibliotheken zu besuchen und sich Anregungen zu holen. Wir haben das auch getan und von allen Besuchen Ideen mitgenommen.
4) Und dann … Machen!
Herr Mosbacher, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Um die Entscheidung für ein tragfähiges Konzept zu erleichtern, sollen im Folgenden einige Möglichkeiten vorgestellt werden.
1.3 Schulbibliothekskonzepte
Die vorgestellten Konzepte sind in der Regel nicht in Reinform zu finden.
1.3.1 Lesebibliothek und Leseecken-Konzept
Vor allem in der Grundschule ist das Konzept der Lesebibliothek verbreitet. Sie unterstützt den Prozess des Lesenlernens, der Lese- und Sprachförderung. Ihr Ziel ist es, den Schülern eine gute Lesefertigkeit zu vermitteln, denn müheloses Lesen ist der erste Schritt zum „gerne Lesen“. Unbestritten ist der Wert der Lesekompetenz für alle Lebensbereiche. In der Primarstufe wird hierfür der Grundstein gelegt. Aber auch in der Unter- und Mittelstufe darf der Prozess nicht abbrechen. In weiterführenden Schulen hat die Lesebibliothek ebenfalls ihren Platz, oft verwirklicht als Teil eines Kommunikationsbereiches mit Sofas, Zeitschriftenpräsentation und Jugendbuch-Regalen.
Die kleinere Schwester der Lesebibliothek ist die Leseecke – nicht zu verwechseln mit der Klassenbibliothek. Im Unterschied zur Klassenbibliothek ist die Leseecke keine Einrichtung nur für eine Klasse, sondern sie hat die Funktion der übergreifenden Leseförderung. Sie kann Teil eines Multifunktions-, Computer- oder Pausenraumes sein und selbst im Flur lässt sich in manchen Fällen ein Plätzchen finden. Ihre Aufgabe ist es, den Schülern das „Erlebnis Buch und Medien“ nahezubringen (Dahm 2008, 4).
Entgegen landläufiger Meinung enthält die Lesebibliothek nicht nur Print-medien. Auch andere Medien wie animierte Bilderbücher, Filme und Hörspiele sind enthalten. Leseförderung mit Tablets und Apps ist eine ausgesprochen erfolgreiche Form der Leseanimation, die auch bei der Integration von Flüchtlingskindern punkten kann. Die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle der Stadtbücherei Frankfurt a.M. hat eine eigene Broschüre mit Anregungen für Tabletprojekte herausgegeben (s. http://www.frankfurt.de/sixcms/media.php/738/ANSICHT_STB_Broschuere_iPaed_170x240_dy250416.pdf, Abruf: 11.10. 2017).
Die Lesebibliothek enthält aber nicht nur fiktionale Stoffe. Jungs lesen oft lieber Sachbücher als Romane und auch mit einem Buch über Fussball, einer Autozeitschrift oder einem Comic lässt sich lesen lernen. Lesebibliothek und Leseecke sind Orte der Leseanimation und des ausserunterrichtlichen Lesens (Dahm 2008, 9), gehen also deutlich über das hinaus, was im Unterricht an Themen behandelt wird, knüpfen an die Freizeitinteressen der Kinder und Jugendlichen an und eröffnen neue Horizonte.
Die Gestaltung des Raumes ist farbenfroh und gemütlich. Die Lesebibliothek enthält keine oder wenige Tische. Sie ist auf das Lesen – alleine oder in Gruppen – ausgerichtet. Man findet deshalb in der Lesebibliothek vorwiegend gemütliche Sofas, Sessel, Sitzsäcke, Sitzwürfel, Hocker, eine Liegelandschaft oder Sitztreppe. Ausserdem sind Hörstationen für die parallele Nutzung von Hörbuch und gedrucktem Buch, ein grosser Bildschirm oder ein Smartboard zur Vorführung von Bilderbuchkino und animierten Bilderbüchern sowie ein Tabletwagen für Tabletprojekte sinnvoll.
Mehr als andere Formen der Schulbibliothek ist die Lesebibliothek auf Aktionen in und mit der Bibliothek angewiesen. Die Ergänzung einer Bühne oder eines Podests ist deshalb zu überlegen. Dort können die oben genannten Medienprojekte stattfinden, aber auch Kamishibais* vorgeführt oder kleine Theaterstücke aufgeführt werden. Die Bibliothek aufzubauen und dann darauf zu hoffen, dass die Kinder und Jugendlichen schon kommen werden, funktioniert heute nicht mehr. „Das Lesen fördern mit allen Sinnen und allen dem Zweck dienlichen analogen und digitalen Materialien – das ist die Devise …“ (Lücke/ Holderried 2016, 202), der die Lesebibliothek folgt.
1.3.2 Selbstlernzentrum und Informationspool
Die Bibliothek als Informationszentrum findet sich in verschiedenen Ausprägungen. Meist dient sie der selbstständigen Vor- und Nachbereitung des Unterrichts oder der spontanen Benutzung während des Unterrichts, und zwar immer dann, wenn spezielle Fragen auftauchen (Deutsches Bibliotheksinstitut, Materialien 1994, H. 13, 1).
Bei der Fülle an Literatur und Medien, die der Markt bietet, ist zwangsläufig immer eine Auswahl erforderlich. Sie richtet sich nach dem Bibliotheksprofil, das durch die zu erfüllenden Aufgaben bestimmt wird. Ein umfassendes Selbstlernzentrum benötigt Literatur, Medien und Datenbanken für alle Fächer und deshalb eine ausreichend grosse Fläche für Präsentation und Nutzung.
Hat man nur begrenzte räumliche und finanzielle Ressourcen, ist die Verwirklichung von Teilfunktionen in Erwägung zu ziehen. Dann hat die Bibliothek eben kein Angebot für alle Unterrichtsthemen, was bei schlechter Finanzlage eine mangelhafte Ausstattung auf breiter Front bedeuten würde, sondern konzentriert sich auf wenige Themen, zu denen ausreichend und gezielt Bücher und Medien gekauft werden. Eine Hausaufgabenbibliothek wird beispielsweise vorwiegend Lernhilfen, Lehrbücher und PC-Plätze für Internetrecherchen bereithalten, eine Projektbibliothek orientiert sich an bestimmten Unterrichtsthemen, die bevorzugt abgedeckt werden. Hier wären zum Beispiel für die Grundschule Themen wie „Jahreszeiten“, „Ritter“, „Säugetiere“ zu nennen, für die Unterstufe kommen Themen wie „Regenwald“, „Märchen, Sagen, Fabeln“, „Leben in England“ oder Ähnliches infrage.
Es versteht sich von selbst, dass alle Teilfunktionen auf Erweiterung angelegt sind und Bestandteile eines Stufenkonzeptes sein können.
Grosser Beliebtheit in Gymnasien erfreut sich die Oberstufenbibliothek, in der Abiturhilfen, Spezialliteratur und Fachdatenbanken für die Zielgruppe der Oberstufenschüler – beispielsweise für Facharbeiten – bereitgehalten werden. Sinnvollerweise sind dort auch die oft verstreut gelagerten Fachschafts- und Lehrerbibliotheken integriert, die dann zum Wohle aller professionell erschlossen und zugänglich gemacht werden. Gegen diese Bibliotheksform ist zwar nichts zu sagen, sie lässt aber das Fundament vermissen. Wie alles andere auch, muss die Nutzung der Bibliothek eingeübt und gelernt werden, und das kann nicht erst in der Oberstufe geschehen. Bibliothekskompetenz*, Medien- und Informationskompetenz müssen „von unten“ aufgebaut werden, um in der Oberstufe als Basis vorhanden zu sein. In der Oberstufe kann man dann die Früchte der Bibliotheksarbeit, die in der Unter- und Mittelstufe geleistet wurde, ernten: Die Schüler können selbstständig und kompetent in allen Medienarten recherchieren, die gefundenen Informationen auf Verlässlichkeit prüfen, auswählen und in neuen Zusammenhängen anwenden. Die Nutzung der Schulbibliothek führt – wie zahlreiche amerikanische, britische und kanadische Studien beweisen (s. http://www.iasl-online.org/advocacy/make-a-difference.html, Abruf: 28.08.2017) – zu besseren Prüfungsergebnissen und erfolgreicheren Abschlüssen, ganz zu schweigen von der Entlastung, die die Lehrkräfte erfahren, wenn ihre Schüler medien- und informationskompetent sind.
1.3.3 Schulbibliothek und Unterricht
„Für die Schülerinnen und Schüler bewährt sich die Schulbibliothek im Unterricht und ausserhalb als multimediale Lernumgebung“ (Frankfurter Erklärung, S. 257). Das bedeutet, dass sowohl die Bibliothek als Ort als auch ihre Inhalte konsequent im Unterricht genutzt werden sollten. Um das zu erreichen, müssen verbindliche Absprachen getroffen werden, die die Verzahnung von Schulbibliothek und Unterricht festlegen. Hat man in den entsprechenden Schulgremien vereinbart, dass bestimmte Themen des Lehrplans mit und in der Bibliothek zu bearbeiten sind oder dass bestimmte Kompetenzen in Klassenstufe x mit Hilfe der Bibliothek erworben werden, erhält die Nutzung eine gewisse Verbindlichkeit, die mit einem reinen Selbstlernzentrum kaum erreicht werden kann. Als gelungenes Beispiel seien hier die Medienkompetenzbausteine der zum Netz der Stadtbibliothek gehörenden Mediothek der Gymnasien in Biberach genannt (s. https://miz.biberach-riss.de/media/custom/1516_3387_1.PDF?1357270938), die verbindlich für einzelne Klassenstufen zwischen Bibliothek und Schule vereinbart sind.
Die Schulbibliothek mit ihren Medien und ihrer technischen Infrastruktur bietet also einen Unterrichtsort, an dem die neuen kompetenzorientierten Lehrpläne besonders gut umgesetzt werden können. Bardo Herzig und Silke Grafe fassen das in ihrem Aufsatz „Zukunftsfähiges Lernen an Freien Lernorten“ zusammen: „… es geht insbesondere darum, Lernenden solche Umgebungen bereitzustellen, in denen sie – mit Unterstützung durch Lehrpersonen – eigene Vorstellungen entwickeln, erweitern und erproben können“ (Herzig/Grafe 2006, 24). Gedacht ist dabei an Lernarrangements, „… welche traditionelle und moderne Medien sowie unterschiedliche Methoden und Unterrichtskonzepte vereinen …“ und an denen „verschiedene Sozialformen des Lernens umgesetzt werden können“ (Freie Lernorte – Raum für mehr, 2006, 23). Auf diese Weise wandelt sich die Schulbibliothek zum unterrichtlichen Lern- und Kommunikationszentrum.
1.4 Damit alle Bescheid wissen – das Leitbild der Schulbibliothek
Hat man sich für ein Bibliothekskonzept entschieden, kommt es darauf an, dieses auch nach aussen transparent zu machen. Jeder kennt das Leitbild der Schule. Es trifft Aussagen zur Organisation (Wer sind wir?), zu den Zielen (Was wollen wir langfristig erreichen?) und zur Art und Weise, wie die Schule ihre Ziele erreichen möchte (Wie wollen wir vorgehen?). Auch die Schulbibliothek benötigt ein Leitbild, das dann wiederum eng mit dem Leitbild der Schule verknüpft ist. Es trifft bibliotheksbezogene Aussagen zu den oben genannten Fragen.
Genauso wie das Leitbild der Schule sollte auch dasjenige der Bibliothek auf der Schulhomepage zu finden sein. Sinnvollerweise nutzt man die konzeptionellen Aussagen, die im Vorfeld der Bibliotheksgründung getroffen wurden, für die Formulierung. Gleichzeitig weist das Leitbild aber auch über den Status quo hinaus, indem es Aussagen zur Arbeitsweise der Bibliothek und zu ihren künftigen Vorhaben trifft.
Mit dem Leitbild wird sozusagen das „Grundsatzprogramm“ in schriftliche Form gebracht und für alle sichtbar gemacht. Hieran lässt sich das Erreichte dann auch messen.
Eine umfassende Konzeption der Schulbibliotheken an beruflichen Schulen wurde im Landkreis Esslingen von den Schulleitungen der beruflichen Schulen, den Leitungen der Schulbibliotheken sowie dem Amt für Kreisschulen und Immobilien (inkl. Kreismedienzentrum) erstellt (Landkreis Esslingen, 2017). Sie trifft Aussagen zu Selbstverständnis, Zielen und Massnahmen der Bibliotheken sowie zur künftigen Entwicklung. Einige Beispiele seien hier zitiert:
1. Selbstverständnis: „Aufgabe der Schulbibliotheken ist es, Schüler und Lehrkräfte mit Medien und Informationen für Unterricht und Freizeit zu versorgen. Als betreutes Selbstlernzentrum und multimedialer Aufenthaltsraum stehen sie während der Öffnungszeiten allen Schülern und Lehrkräften zur Verfügung“ (ebd., S. 6).
2. Ziele: Die Schulbibliotheken … „tragen mit ihrer Fachlichkeit dazu bei, Schülern wichtige Schlüsselkompetenzen für eine zukünftige digitale Wissensgesellschaft zu vermitteln.“ Genannt werden in diesem Zusammenhang: Informationskompetenz, Medienkompetenz, Lesekompetenz, Sprachkompetenz und soziale Kompetenz (ebd., S. 6).
3. Massnahmen: „Dem Medienverhalten der Jugendlichen entsprechend werden Spiele, CDs und Filme angeboten … Bei der Auswahl der Medien werden die verschiedenen Unterrichtsmethoden und -formen sowie die didaktischen Erfordernisse berücksichtigt“ (ebd., 10). „Buchvorstellungen, Bookslams, Autorenbegegnungen, Schreibwerkstätten und ähnliche Veranstaltungen der Schulbibliothek helfen nicht nur bei Schülern den Spass am Lesen zu fördern, sondern regen auch zur Entdeckung neuer, bislang unbeachteter Themen, Zusammenhänge, Gattungen und Medien an“ (ebd., 8). „Nur eine enge Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Schule ermöglicht den optimalen Einsatz der Ressource Schulbibliothek. Deswegen wird die Bibliothek grundsätzlich in den innerschulischen Kommunikationsfluss mit eingebunden (z.B. Teilnahme an GLKs, Intranet, E-Mail-Verkehr, Kooperationslehrer, Bibliotheksbeirat etc.)“ (ebd., 12).
4. Zukünftige Entwicklung: „Die fortschreitende Digitalisierung schlägt sich auch im Leistungsbild der Schulbibliotheken nieder. So werden gerade bei der Vermittlung von Medien- und Informationskompetenzen künftig verstärkt entsprechende Unterstützungs- und Ergänzungsangebote der Schulbibliothek benötigt und nachgefragt“ (ebd., 16).
Diese übergreifende Konzeption versteht sich als Fahrplan in die Zukunft und kann als deutliches Zeichen gewertet werden, dass die Schulbibliotheken des Landkreises Esslingen ihre Rolle im Schulleben aktiv gestalten.
Auch wenn es nicht in dieser Ausführlichkeit geschieht, ist es politisch sinnvoll, ein Leitbild für die Schulbibliothek zu formulieren. Die Schulgemeinschaft, vor allem diejenigen, die nicht ständig vor Ort sind, beispielsweise die Eltern und der Träger, können sich mit Hilfe eines solchen Textes ein Bild von den Zielen und der Arbeit „ihrer“ Schulbibliothek machen. Dieses Wissen kann existenziell sein, wenn es darum geht, ob und wie die Bibliothek finanziell und personell unterstützt wird.
1.5 Was die Schulbibliothek nicht kann – oder doch?
Eines ist gewiss: Da der gesellschaftliche Wandel fortschreitet, werden die Anforderungen an das „Auffangbecken“ Schule eher wachsen denn schrumpfen. In jeder Schule muss man sich also genau überlegen, wo und wie die Weichen am effizientesten für die eigene und die Zukunft der Schüler gestellt werden. Der Betrieb einer passgenau ausgestatteten Schulbibliothek kann eine entscheidende Weiche sein.
Bildung beginnt nicht am Schultor und sie hört auch nicht dort auf. Gesellschaftliche Veränderungen haben direkten Einfluss auf den Unterricht. Vom demografischen Wandel bis zu grundlegend geänderten Familienstrukturen, von den Forderungen der Wirtschaft nach flexiblen, lebenslang lernwilligen Menschen bis zur multikulturellen Vielfalt der Lebensentwürfe – alles steht im Zusammenhang miteinander und wird durch den rasanten digitalen Wandel in einer globalen Welt geprägt und verändert.
Neben die traditionellen Kulturkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen tritt eine weitere: der kompetente Umgang mit digitalen Medien. Welche Lösungen kann eine Schulbibliothek bei diesen Aufgabenstellungen anbieten?
1.5.1 Lesen – eine Schlüsselkompetenz auf dem Abstellgleis?
„Die Fähigkeit zu lesen schafft in unserer Gesellschaft Zugang zu Informationen, Wissen und Bildung, ermöglicht aber auch den Zugang zu Geschichten und Fantasie-Welten. Dabei stärkt das freiwillige Lesen in der Freizeit ebenso die Lesekompetenz wie die Lektüre, die im Rahmen des Schulunterrichts angeeignet werden muss“ (KIM-Studie 2016, 21).
Angesichts dieser Bedeutung des Lesens für die persönliche Entwicklung ist es bedauerlich, dass der heimische Zugang zu Büchern oder anderen gedruckten Medien in Deutschland vom Bildungsgrad des Haupterziehers abhängt. „In Familien mit hoher formaler Bildung der Haupterzieher (Abitur/Studium) ist die hauseigene Bibliothek mit 208 Büchern (Eigenbesitz der Kinder: 32 Bücher) merklich höher als im Durchschnitt. Eltern mit mittlerem formalen Bildungsgrad haben 124 Bücher zuhause (Kinder: 27 Bücher), bei niedriger formaler Bildung beträgt die Anzahl zuhause 72 Stück (Kinder: 18 Bücher)“ (KIM-Studie 2016, 23).
Erstaunlicherweise geben trotzdem 47% der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren an, dass sie am Thema „Bücher und Lesen“ interessiert sind. 52% sagen von sich sogar, dass sie gerne oder sehr gerne lesen. Mindestens einmal pro Woche greifen immerhin 48% der Kinder und Jugendlichen in diesem Alter in ihrer Freizeit zum Buch (KIM-Studie 2016, 22).
Und wenn die Kinder älter werden? „In der Zeitreihe belegen die Ergebnisse (der JIM-Studie, Anmerkung der Hg.) seit 1998, dass der Einzug digitaler Medien in die Jugendzimmer andere Mediengattungen nicht zwingend verdrängen muss. Betrachtet man den Anteil derjenigen Mädchen und Jungen, die in ihrer Freizeit mindestens mehrmals pro Woche gedruckte Bücher zum Vergnügen lesen (also keine Bücher, die für die Schule durchgearbeitet werden müssen), so pendelt dieser Wert innerhalb der letzten zehn Jahre immer um die 40-Prozent-Marke. Im Jahr 2016 zählen mit 38 Prozent abermals zwei von fünf Jugendlichen zu den regelmässigen Lesern gedruckter Bücher, was die These nahelegt, dass Bücher in der Phase des Erwachsenwerdens einen so besonderen Stellenwert innehaben, dass sie auch in Zukunft nicht aus dem Nutzungsrepertoire der Jugendlichen verschwinden werden“ (JIM-Studie 2016, 15).
Bibliotheken und insbesondere Schulbibliotheken können und müssen mit Blick auf gleiche Chancen für alle Kinder einen besonderen Beitrag dazu leisten, Kindern und Jugendlichen die elementare Kulturtechnik ‚Lesen‘ über die Welt der Bücher dauerhaft nahezubringen und zu erschliessen.
Sie leisten damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Bildung der Kinder und Jugendlichen, sie sind vielleicht – oder könnten es zumindest sein – näher an deren Interessen, als immer wieder behauptet wird. Entscheidend für den Erfolg kann der niedrigschwellige Zugang zur Literatur durch moderne Vermittlungs- und Präsentationsmethoden sein, die in weiteren Kapiteln vorgestellt werden.
1.5.2 Digital Natives und digitale Bildung – die Gnade der späten Geburt?
Lesen, Schreiben und Rechnen, die traditionellen Kulturkompetenzen muss man lernen, das bezweifelt niemand. Aber ist es wirklich so, dass Kinder und Jugendliche, im Gegensatz zu den schon Erwachsenen, die erforderlichen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien ‚einfach so‘ und nebenbei spielerisch erlernen? „Kinder und Jugendliche nutzen digitale Medien vor allem freizeitbezogen, sodass man wenig hoffen kann, dass sie auch lernen kompetent und reflektiert mit Informationen umzugehen. Wir wissen, dass Kinder im Grundschulalter von ihren Eltern lange Zeit begleitet werden, dass dann aber die Förderung von Medienkompetenz im Elternhaus auch in bildungsnahen Haushalten abbricht und viele Jugendliche auch Dinge mit den digitalen Medien tun, die die Eltern gar nicht mehr begleiten können“ (http://www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/Ergebnis-der-ICILS-Bildungstudie,eickelmann102.html, Abruf: 10.09.2017). Diese Feststellung trifft Birgit Eickelmann, eine der Koordinatorinnen der ICILS-Studie 2013, die den Umgang von Achtklässlern mit digitalen Medien und auch mit digitalen Informationen vor allem aus dem Internet untersucht hat. Im gleichen Interview sagt sie: „Dieses Ergebnis ist erschreckend … Wenn man sich die Ergebnisse genau anschaut, dann sieht man, dass ein Drittel der Jugendlichen abgehängt ist, sie verfügen nicht mal über grundlegende Fertigkeiten. Das sind Jugendliche, die gerade eben einen Link anklicken oder den Kontrast eines Bildes verstellen können. Das reicht nicht aus, um an der Gesellschaft teilhaben zu können und einen entsprechenden Beruf ergreifen zu können.“ Ein blosses Aufwachsen in einer digital geprägten Welt führt also allem Anschein nach nicht automatisch zu einer kompetenten Nutzung dieser Technologien.
Im Gegensatz zu den traditionellen Kompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen fehlt Schulen für die Vermittlung der nötigen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien bisher sowohl die technische als auch die personelle Ausstattung. Die nötige schulische Infrastruktur ist sozusagen gerade erst im flächendeckenden Ausbau begriffen.
Schulbibliotheken sollten sich in diesem Prozess klar positionieren und eine zentrale Rolle als Medienzentrum und multimediale Lernumgebung im Unterricht übernehmen.
„Die moderne Schulbibliothek ist der ideale Knotenpunkt für das Medienangebot und die Medienpädagogik der Schule. Sie führt gedruckte und digitale Angebote an einem Ort zusammen: aktuelle Bücher und Internet, Lesen und Surfen. Indem die Schulbibliothek neben den Büchern die digitalen Ressourcen bündelt, ersetzt sie den wenig flexiblen konventionellen Computerraum … Die digitalen Medien und ihre mobilen Geräte sind ideale Werkzeuge für das Lernen in unterschiedlichen Situationen. Die Schulbibliothek bietet den Rahmen für die ganze Vielfalt von Lernsituationen: Sie kann für den Fachunterricht genutzt werden, aber auch für das selbstständige, individuelle Lernen und für ausserunterrichtliche Projekte. Die Schulbibliothek umfasst einen räumlich zusammengefassten und systematisch erschlossenen Medienpool mit geeigneter Informationstechnik und bietet ausreichend Platz sowohl für individuelles Lernen als auch für das Lernen in Gruppen. Durch die Breite ihres Angebots kann sie zugleich als ein Motor der Unterrichtsentwicklung dienen und auf den Unterricht in den Fach- und Klassenräumen ausstrahlen“ (Frankfurter Erklärung 2015, 1).
Und auch wer seine Schulbibliothek für diese Ansprüche noch nicht ausgestattet sieht, sollte sich bewusst machen, dass Kinder allein durch die regelmässige Nutzung der Schulbibliothek mit ihrer Vielfalt von Medien bei der Lösung kleiner oder auch grösserer Suchaufgaben (ein Mal vielleicht Daten zu Persönlichkeiten, ein anderes Mal zur Entstehung des Moores) ein Gefühl für Vor- und Nachteile einzelner Medienformen entwickeln können. Daran angeknüpft können sie mit der Zeit auch Qualitätskriterien entwickeln, die ihnen eine eigenständige kritische und dadurch dauerhaft effiziente Mediennutzung ermöglichen.
Hilfreich ist es, wenn dafür im Fachunterricht die Lernprozesse, jenseits der Vermittlung von abprüfbarem Fachwissen, immer wieder auch Elemente des Kompetenzerwerbs aufgreifen. Ganz „normales“ Unterrichtsgeschehen in der Schulbibliothek kann zum Beispiel in vier aufeinanderfolgende Schritte untergliedert werden. Der Schüler bekommt eine Aufgabe und damit wird der Lernprozess ausgelöst:
| Suchen: | Der Schüler erkennt seinen Informationsbedarf und entschei det sich für den Suchweg, den er einschlagen möchte. |
| Prüfen: | Der Schüler untersucht seine Fundstellen und bewertet sie. |
| Wissen: | Der Schüler ordnet sein neu gewonnenes Wissen in sein Vor wissen ein. |
| Darstellen: | Der Schüler präsentiert sein Ergebnis und ist in der Lage, es auch anderen zu vermitteln. |
Der Referenzrahmen Informationskompetenz (http://www.bibliotheksverband.de/fachgruppen/kommissionen/informationskompetenz/publikationen.html, Abruf: 02.10.2017) greift diese Schritte auf und untergliedert sie nach Schwierigkeitsgraden von der Primarstufe bis zum Studium. Damit bietet er Schulen und (Schul-)Bibliotheken eine Orientierungshilfe bei der Erstellung geeigneter Lerneinheiten.
Suchen und Prüfen gehört zu typischen bibliothekarischen Handlungsfeldern. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Bibliotheken eine Vielzahl von Angeboten für den Unterrichtseinsatz dazu entwickelt haben. Einige davon werden in Kapitel 7 vorgestellt. Sie sollen dazu ermutigen, auch in scheinbar kleinen Schritten anzufangen und die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz selbstverständlich in den Schulalltag einzubinden.
1.6 Was soll die Schulbibliothek an unserer Schule können?
Schon bis hierher zeigt sich die Bandbreite dessen, was eine Schulbibliothek sein kann – von der entspannenden Leseecke bis zum Grundstein für mehr Bildungsgerechtigkeit.
Möglich ist also vieles, die Machbarkeit ist in Deutschland aber abhängig „vom guten Willen“ vieler Entscheidungsträger und dem Engagement derer, die den Betrieb einer Schulbibliothek auf Dauer aufrechterhalten.
Getrieben vom digitalen Wandel und schlechten Werten bei internationalen Vergleichsstudien wie PISA und ICILS kündigen Bundesbildungsministerium und Kultusministerkonferenz in ihren Beschlüssen (KMK: Bildung in der digitalen Welt 2016) und Bundesprojekten wie der „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ (https://www.bmbf.de/de/bildung-digital-3406.html, Abruf 02.10.2017) weitreichende Veränderungen für Bildungsstandards, Lehrpläne und die technische wie personelle Ausstattung der Schulen an.
Angesichts des enormen Nachholbedarfs einerseits, des aktuellen Lehrermangels und der gleichzeitigen Zunahme an zusätzlichen Herausforderungen (zum Beispiel Inklusion oder Überwindung der Bildungsbenachteiligung bei Kindern aus unteren und mittleren sozialen Lagen und Kindern mit Migrationshintergrund) andererseits, ist aber wohl noch nicht absehbar, wann alle Schulen in Deutschland auf Bildung in der digitalen Welt wirklich vorbereitet sind.
Was bedeutet das alles für Schulbibliotheken?
Angesichts der Fülle von Aufgaben, die der Schule heute zukommen, ist es wichtiger denn je, die Schulbibliothek von Anfang an konsequent im Zusammenhang mit diesen Aufgaben zu sehen.
Im Abgleich mit den räumlichen, finanziellen und personellen Ressourcen ergibt sich ein Aufgabenprofil, das nicht nur zu bewältigen ist, sondern auch den grösstmöglichen Nutzen für die Schule hat.
Wer eine Schulbibliothek auf- oder umbaut, sollte sich aber auch einen Satz zu eigen machen, der zunächst nach absolutem Herrschaftsanspruch klingt: „Die Bibliothek – das bin ich.“ So stellte sich die schwedische Gastautorin dieses Buches, Sofia Malmberg (siehe Kapitel 10), der Kommission Bibliothek und Schule des dbv bei einem Besuch an ihrer Schule in Stockholm vor. Obwohl Schweden schon lange ein Bibliotheksgesetz und sogar ein Schulbibliotheksgesetz hat, ist es auch dort so, dass Gesetzestexte geduldig sind, das wahre Leben aber von Menschen gestaltet wird. „35 iPads machen noch keine digitale Schule“ kritisiert eine Zeit-Reporterin die Bildungsoffensive der Bundesregierung (http://www.zeit.de/digital/internet/2016-10/bildung-studie-digitalisierung-schulen-zustand, Abruf 02.10.2017) und meint damit das Gleiche: Egal wie hervorragend eine Schulbibliothek ausgestattet ist, der entscheidende Faktor für den Erfolg sind die Menschen, die ihre Kenntnisse und Fertigkeiten, ihre Kreativität und ihr Engagement bei der Vermittlung von Kompetenzen an die nachfolgenden Generationen einsetzen.
Literatur
Bildung in der digitalen Welt: Strategie der Kultusministerkonferenz (2016). Hg.: Kultusministerkonferenz. Berlin.
Bildung in Deutschland 2016 (2016). Hg.: Autorengruppe Bildungsberichterstattung, Bielefeld.
Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft: Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (2016) https://www.bmbf.de/de/bildung-digital-3406.html, Abruf: 02.10.2017.
Dahm, Klaus (2008): Ausstattung von Lese- und Medienecken. In: Lese- und Medienecken. Einrichtungsempfehlungen und Projektideen zur Förderung der Lese- und Medienkompetenz. Hg.: Stiftung Lesen, Mainz, S. 4-13.
Deutsches Bibliotheksinstitut (1994): Materialien zur Schulbibliothek, H. 11 und H. 13, verfasst von Niels Hoebbel, Berlin.
Fischer-Kosmol, Gabriele (2009): Velkommen på skolebiblioteket! Die Schulbibliotheken der dänischen Minderheit in Südschleswig. In: Grundschule. Magazin für Aus- und Weiterbildung H. 2, S. 32-33.
Gonzales, Jennifer: How this School Library increased its student use by 1,000 Percent, 2016, https://www.cultofpedagogy.com/school-library/, Abruf: 28.08.2017.
Frankfurter Erklärung des Deutschen Bibliotheksverbandes (2015), Lesen und Lernen 3.0 – Medienbildung in der Schulbibliothek verankern, http://www.bibliotheksverband.de/fileadmin/user_upload/DBV/positionen/2015_04_14_Frankfurter_Erklaerung_endg.pdf, Abruf 04.09. 2018.
Freie Lernorte – Raum für mehr. Medien in der Ganztagsschule (2006). Hg.: Schulen ans Netz e.V. Bonn.
Herzig, Bardo/Grafe, Silke (2006): Zukunftsfähiges Lernen an Freien Lernorten. In: Freie Lernorte – Raum für mehr. Medien in der Ganztagsschule. Hg.: Schulen ans Netz e.V., Bonn, S. 23-27.
ICILS 2013: Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in der 8. Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich (2014). Hg.: Wilfried Bos u.a. Münster.
JIM-Studie 2016: Jugend, Information, (Multi-)Media, Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger (2016) Hg.: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs), Stuttgart.
KIM-Studie 2016: Kindheit, Internet, Medien; Basisuntersuchung zum Medienumgang 6-13-Jäh-riger.(2017). Hg.: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs).Stuttgart.
LAG-Bausteine für ein hessisches Schulbibliothekswesen (2006). Hg.: Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken in Hessen e.V., Red.: Günter Schlamp, o. O.
Landkreis Esslingen (2017): Konzeption Schulbibliotheken 2017 im Kontext der Digitalisierung. Esslingen. http://www.landkreis-esslingen.de/site/LRA-Esslingen-ROOT/get/params_E-1021844967/14341640/48-2017%20Anlage%20Konzeption-der-Schulbibliotheken%202017_aktuell.pdf, Abruf: 28.08.2017.
Lücke, Birgit und Angelika Holderried (2016): Die Schulbibliothek. In: Praxishandbuch Bibliotheksbau. Planung, Gestaltung, Betrieb. Hg.: Petra Haucke und Klaus Ulrich Werner, Berlin, Boston, 2016, S. 198-211.
Lese- und Medienecken. Einrichtungsempfehlungen und Projektideen zur Förderung der Leseund Medienkompetenz (2008). Hg.: Stiftung Lesen, Mainz.
Referenzrahmen Informationskompetenz http://www.bibliotheksverband.de/fachgruppen/kommissionen/informationskompetenz/publikationen.html, Abruf: 02.10.2017.
http://www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/Ergebnis-der-ICILS-Bildungstudie,eickelmann102.html, Abruf: 10.09.2017
http://www.zeit.de/digital/internet/2016-10/bildung-studie-digitalisierung-schulen-zustand, Abruf: 02.10.2017.
Links
www.schulmediothek.de, Abruf: 28.08.2017
http://www.iasl-online.org/advocacy/make-a-difference.html, Abruf: 28.08.2017
http://www.frankfurt.de/sixcms/media.php/738/ANSICHT_STB_Broschuere_iPaed_170x240_dy250416.pdf, Abruf: 11.10.2017.
http://www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/Ergebnis-der-ICILS-Bildungstudie,eickelmann102.html, Abruf: 10.09.2017
http://www.bibliotheksverband.de/fachgruppen/kommissionen/informationskompetenz/publikationen.html, Abruf: 02.10.2017
https://www.bmbf.de/de/bildung-digital-3406.html, Abruf: 02.10.2017
http://www.zeit.de/digital/internet/2016-10/bildung-studie-digitalisierung-schulen-zustand, Abruf: 02.10.2017
https://www.cultofpedagogy.com/school-library/, Abruf: 28.08.2017
http://www.bibliotheksverband.de/fileadmin/user_upload/DBV/positionen/2015_04_14_Frankfurter_Erklaerung_endg.pdf, Abruf: 04.09.2017
http://www.landkreis-esslingen.de/site/LRA-Esslingen-ROOT/get/params_E-1021844967/1434 1640/48-2017%20Anlage%20Konzeption-der-Schulbibliotheken%202017_aktuell.pdf, Abruf: 28.08.2017
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Klaus Dahm, Angelika Holderried
2. Wo man gerne hingeht – die Schulbibliothek als Raum
2.1 Einleitung
Die räumliche Ausgestaltung einer Schulbibliothek ist eng mit dem Konzept der jeweiligen Schule verknüpft. Wie Unterricht und Lernen an einer Schule organisiert sind, prägt auch das Gesicht der Schulbibliothek. Unterricht mit Tablets und Smartphones, Flipped-Classroom-Konzepte, Gruppenarbeit statt Lehrervortrag, Vermittlung von Kompetenzen statt Faktenpauken, das alles sind Ansätze, die sich weder in herkömmlichen Klassenzimmern noch in einer mit wandhohen Regalen und schweren Tischen möblierten Schulbibliothek umsetzen lassen. „Ein breites Spektrum an Lernmethoden und Unterrichtskonzepten und die wachsende Bedeutung informellen Lernens erfordern Räume, die einen unkomplizierten Wechsel zwischen Instruktion, Einzelarbeit, Gruppenarbeit und Präsentation von Lernergebnissen ermöglichen“ (Montag Stiftung 2013, 10). Wer jemals Jugendliche mit Laptop, Tablet, Handy und – durchaus auch – Büchern ausgestattet bei der gemeinsamen Ausarbeitung eines Referates beobachtet hat, dem wird klar, dass Medienlernen die Gruppenarbeit begünstigt. Ja, es ist heute sogar möglich, nicht anwesende Lerner beispielsweise über Skype in die Lerngruppe einzubeziehen.
Die vielfältigen Funktionen, die eine Schulbibliothek als Lernraum mit Medien für die Schule erfüllen kann, scheinen allerdings nur bedingt bei Schulentwicklern und -planern angekommen zu sein. Noch immer findet man in vielen Ausführungen die Schulbibliothek reduziert auf einen Raum der Stille, in dem vorwiegend allein gelernt wird. Stellvertretend seien hier die im Auftrag des baden-württembergischen Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport erarbeiteten Empfehlungen für den Schulhausbau zitiert: „Die Schulbibliothek als Informations-, Lese-, Lern- und Dokumentationszentrum dient als Arbeitsund Rechercheort für individuelles Lernen und gegebenenfalls (sic!) auch für Arbeit in kleineren Gruppen.“ … Die Schulbibliotheken sind Orte, „… an denen ungestörte konzentrierte Einzelarbeit möglich wird“ (Empfehlungen für einen zeitgemässen Schulhausbau in Baden-Württemberg 2013, 34).
Dagegen ist zwar nichts zu sagen, doch die Schulbibliothek ist auch sehr viel mehr. Und heutige Kinder und Jugendliche wünschen sich auch mehr! Im Rahmen eines Klassenprojekts an einer Ganztagsschule hat zum Beispiel die 11-jährige Tanja ihre Vorstellungen von der neuen Bibliothek skizziert:
Ohne auf die Details einzugehen, kann man in dieser Zeichnung schon den Wunsch nach vielfältigen Lern- und Lebensformen in und mit der Bibliothek erkennen. Licht und Farbe unterstützen das Lesen und Lernen – es gibt einen Garten und einen Wintergarten und bunte Teppiche, die zum kuscheligen Schmökern und zum Hören von Hörbüchern einladen. Es gibt PCs, einen Bücherraum und einen Arbeitsraum mit Gruppentischen und einer Sitz- und Liegetreppe. Es finden sich Zeitschriften und eine Graffitiwand, die immer wieder neu gestaltet werden kann. Dies ist eine Bibliothek, in der man arbeiten und lernen, aber auch im Bibliotheksgarten entspannen kann. Gerade in der Ganztagsschule muss an beides gedacht werden.
Leider scheitern solche umfassenden Konzepte oft daran, dass geeignete Räumlichkeiten fehlen oder die Möglichkeiten der Schulbibliothek erst viel zu spät erkannt werden. Entmutigen lassen sollte man sich dennoch nicht, denn auch einzelne Funktionsbereiche können aus der Palette der Möglichkeiten herausgelöst und verwirklicht werden. Wer das Ganze im Blick hat, kann getrost mit einem Teilbereich anfangen und auf den Erfolg seiner „Salami-Taktik“ vertrauen.
2.2 Die Platzierung der Schulbibliothek
Hat man die Chance, eine Schulbibliothek einzurichten, so stellt sich zuallererst die Frage, wo sie im Schulgebäude platziert werden soll. „A good school library is a meeting point for the whole community“ (Frantsi u.a. 2002, 7), definieren finnische Schulbibliothekare in ihrem Leitfaden zum Aufbau einer Schulbibliothek. Legt man diesen Anspruch zugrunde, so versteht sich von selbst, dass – genau wie im Bahnhof oder Flughafen – der „Meeting point“ nur an zentraler Stelle im Gebäude sein kann. Die IFLA/UNESCO „School Library Guidelines“ empfehlen denn auch, die Schulbibliothek im Erdgeschoss in der Nähe anderer Infrastruktureinrichtungen und Klassenzimmer zu verorten (The IFLA/ UNESCO School Library Guidelines 2015, 32). Die zentrale Lage befördert die Nutzung der Bibliothek und unterstützt ihre Funktion als Basis für Projekte und Unterricht, für Leseförderung und gemeinsames Lernen, für die Rezeption und Produktion von Medien und für Entspannung und das Treffen mit Freunden. Lässt sich kein zentraler Raum für die Schulbibliothek finden, so ist ein gutes Leitsystem im Schulgebäude Pflicht, ergänzt durch wechselnde Hinweise auf neue Medien und aktuelle Projekte der Bibliothek. Digitale Hinweissysteme werden immer preiswerter und können hierfür in Betracht gezogen werden, aber auch die traditionellen Hinweistafeln und Schaukästen der Schule leisten gute Dienste.
2.3 Die Grösse des Schulbibliotheksraumes
Die Grösse des Schulbibliotheksraumes richtet sich nach den Funktionen, die der Raum für die Schulgemeinschaft übernehmen soll. Folgt man den Empfehlungen des Portals www.schulmediothek.de, so werden für 1000 Medieneinheiten* 30 m2 Raumfläche benötigt. Die Berechnung der Raumfläche einer Schulbibliothek kann über die Anzahl der Medien pro Schüler erstellt werden. So wird zum Beispiel für eine Grundschule ein Zielbestand von 5 bis 7 Medieneinheiten pro Schüler empfohlen, für eine durchschnittliche Grundschule mit 300 Schülern also ein Bestand* von 1500 bis 2100 Medieneinheiten. Der Bibliotheksraum sollte demnach rund 60 m2 umfassen. Für eine weiterführende Schule mit ca. 800 Schülern wäre ein Zielbestand von 10 bis 15 Medieneinheiten zu empfehlen. Man kommt also auf einen Zielbestand von 8000 bis 12000 Medieneinheiten. Für eine solche Bibliothek werden rund 240 bis 350 m2 benötigt.
Wen diese Raumgrösse schreckt, dem sei gesagt, dass Deutschland mit diesen Empfehlungen am unteren Ende der internationalen Skala liegt. Das britische Chartered Institute of Library and Information Professionals (CILIP) empfiehlt beispielsweise für weiterführende Schulen folgende Bibliotheksgrössen:
| CILIP Space Guidelines, 2014 | ||
| Number of students | Minimum accommodation in square metres | Additional space for 6th form in square metres |
| 600 | 225 | 50 students = 72.5 |
| 800 | 275 | 100 students = 95 |
| 1000 | 325 | 150 students = 117.5 |
| 1200 | 375 | 200 students = 140 |
| 1400 | 425 | 250 students = 162.5 |
| 1600 | 475 | 300 students = 185 |
| 1800 | 525 | 350 students = 207.5 |
| 2000 | 575 | 400 students = 230 |
CILIP guidelines for secondary school libraries, 2014, zitiert nach: http://www.sla.org.uk/support-design-guidelines.php, Abruf: 22.07.2017
Für die Oberstufe (6th form) sind zusätzliche Flächen vorgesehen, wie in der 3. Spalte der Tabelle auf S. 40 vermerkt. Raumgrössen, die über den deutschen „Standards“ liegen, findet man auch in den Schulbibliotheksempfehlungen Südtirols und der Schweiz. Die Schulbaurichtlinien der Autonomen Provinz Bozen sehen für die „multimediale Schulbibliothek“ in Grund-, Mittel- und Oberschulen mit mehr als 10 Klassen eine Mindestnutzfläche von 0,6 m2 je Schüler vor, d.h. 480 m2 für die weiterführende Schule mit 800 Schülern in unserem Beispiel. Die Mindestgrösse in Schulen mit weniger als 10 Klassen beträgt 50 m2 (Autonome Provinz Bozen 2010, 49). Noch etwas grosszügiger geht es die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken (SAB) an, die die Mindestgrösse einer Schulbibliothek für unter 250 Schüler bei 80-100 m2 ansetzt (Richtlinien für Schulbibliotheken 2014, 17).
Was aber tun bei erheblicher Unterschreitung der empfohlenen Raumgrösse? Glücklich kann sich preisen, wer im Zuge einer Neubauplanung rechtzeitig die Weichen für einen ausreichend dimensionierten Bibliotheksraum stellen kann. In der Praxis der Bibliotheksplanung hat man es allerdings in den meisten Fällen mit gegebenen, nur geringfügig veränderbaren Raumsituationen in einem bestehenden Schulgebäude zu tun. Zwar führt in der Regel ein Bibliotheksumzug zu räumlichen Verbesserungen, die eigentlich notwendigen Sollflächen werden allerdings meist nicht erreicht. In diesen Fällen sind Kompromisse unumgänglich. Die wünschenswerte gute Aufenthalts- und Lernortqualität, die eigentlich notwendigen Lese- und Lernbereiche kollidieren mit dem Stellplatzbedarf von zu vielen Büchern und Medien auf zu geringer Fläche. Es besteht die Gefahr, dass die Bibliothek mit Regalen „vollgestellt“ wird und damit magazinähnlichen Charakter bekommt. Um die Bibliothek als multifunktionalen Raum zu retten, sollten folgende Überlegungen angestellt werden:
• Ist der vorhandene Bestand aktuell und attraktiv oder werden erhebliche Teile kaum oder nicht mehr genutzt, weil sie veraltet sind? In diesem Fall ist eine konsequente Bestandspflege, die zu einer Reduzierung des Bestands führt, anzuraten.
• Kann ein Teil des Print-Bestandes durch E-Medien oder Datenbanken ersetzt werden?
• Können Teile des Bestands, weil sie nur selten gebraucht werden, in einem gesonderten Magazinraum oder einem Schrank in einem anderen Raum der Schule aufbewahrt werden?
• Können die Wandflächen für die Aufstellung von Wandregalen mit Maximalhöhe (2,20 m) genutzt werden?
• Können die Regalbereiche durch kompakte Aufstellung und Verengung der Regalabstände (empfohlen eigentlich: 1,20 m) auf ein Minimum an Fläche komprimiert werden?
Hier gilt es, bei der Buch- und Medienpräsentation Abstriche zu machen, damit wichtige Aufgaben und Funktionen in vertretbarer Qualität erfüllbar bleiben.
2.4 Bodenbelag, Licht und Beleuchtung
Die Akzeptanz des Bibliotheksraumes, ein positives Lese-, Lern- und Aufenthaltsklima hängen entscheidend vom geglückten Zusammenspiel von Farbe, Licht und Material ab. Wer die Bibliothek betritt, sollte sich in besonderer Weise empfangen fühlen, sollte auf den ersten Blick erkennen, dass er sich in einem Raum befindet, der den schulischen Alltag bereichert und zu freiem, eigenverantwortlichem Handeln einlädt. Deshalb sollte der gesamten Raumplanung ein der Funktion angemessenes Material- und Farbkonzept zugrunde liegen, das Fussboden, Wand- und Möbeloberflächen umfasst.
Dies beginnt beim Bodenbelag, der wesentlich zu einer angenehmen Atmosphäre beiträgt. Zumindest für Lese- und Kommunikationsbereiche sind textile Bodenbeläge die erste Wahl. Sie wirken nicht nur wohnlich und laden zum Verweilen ein, sie dämpfen auch den Lärm. Neben Teppichböden, bei denen an der Qualität nicht gespart werden sollte, kommen auch Kautschuk- und Linoleumbeläge infrage. Harte Materialien wie Holz und Keramik sind aus Gründen der Schalldämmung eher kritisch zu betrachten.
Licht und Beleuchtung sind essenziell für das Raumklima und die Raumwirkung. Dabei ist Licht viel mehr als nur eine Arbeitsbedingung, Licht ist vor allem auch ein raumgestalterisches Element, mit dem Funktionsbereiche akzentuiert werden können. Licht kann und soll Atmosphäre schaffen und die Aufenthaltsqualität fördern. Lichtvariationen, der Wechsel von Kontrasten mit Schattigkeit und hellen Zonen machen den Bibliotheksraum für das Auge interessant und beugen der Ermüdung vor. Nach Möglichkeit sollten alle Bereiche des Raums tagsüber ausreichend durch Tageslicht belichtet werden. Ein auf die Möblierung abgestimmtes flexibles Beleuchtungssystem sollte dort, wo gelesen und gearbeitet wird (Verbuchung*, Arbeits- und Leseplätze), eine Beleuchtungsstärke von 500 Lux aufweisen. In anderen Bereichen genügen auch 200 bis 300 Lux.
2.5 Funktionsbereiche der Schulbibliothek
Eine Schulbibliothek gliedert sich in folgende Funktionsbereiche (s. www.schulmediothek.de, Abruf 17.08.2017):
1. Eingangsbereich
2. Verbuchung
3. Katalog* und Information
4. Buch- und Medienpräsentation, Regale
5. Lern- und Arbeitsbereich
6. Lese- und Kommunikationsbereich
7. Veranstaltungsbereich mit oder ohne Bühne oder Podest
8. Weitere Funktionsbereiche (zum Beispiel Büro für die Verwaltung, Studio mit spezieller Hard- und Software für die Produktion von Filmen, Hörspielen …)
Es wird empfohlen, die Funktionsbereiche der Bibliothek so zu gliedern, dass sich betreuungsintensive und Kommunikationsbereiche (z.B. Online-Katalog, Zeitschriftenlesebereich, Sofaecke, Tisch für Brettspiele) möglichst in der Nähe von Eingangszone und Verbuchungstheke befinden. Relativ geräuscharme Zonen (zum Beispiel Einzel- oder Kleingruppenarbeitsplätze) wird man eher im hinteren Teil eines Raumes ansiedeln (Prinzip des fallenden Lärmpegels). Am Beispiel des hier abgebildeten Grundrisses lässt sich die Anordnung der Funktionsbereiche im Folgenden gut erläutern.
Der Eingangsbereich (1) ist hier mit Garderobe und Taschenschränken ausgestattet. Ob diese Elemente in einer Bibliothek erforderlich sind, hängt von der zentralen Infrastruktur der Schule ab. In den meisten Fällen hat sich aber eine offene oder geschlossene Ablage für Schultaschen, Turnbeutel, Zeichenblock u.a. auch dann bewährt, wenn es zentrale Schliessfächer gibt. Im Eingangsbereich sind auch Geräte wie Kopierer und Drucker gut untergebracht, denn diese werden zwischendurch auch gerne von Personen genutzt, die sonst nur selten in die Bibliothek kommen. Der Eingangsbereich bietet somit die Chance, genau diese Personen auf die weiteren Angebote der Bibliothek aufmerksam zu machen. Im vorliegenden Grundriss gibt es ein Präsentationsmöbel, auf dem neue Bücher und aktuelle Broschüren ausgestellt werden. Ergänzend können Pinnwände, Plakatständer oder ein Bildschirm aufgestellt werden, um zum Beispiel die Ergebnisse von Bibliotheksprojekten zu präsentieren oder Veranstaltungen anzukündigen. Wo es machbar ist, sollte der Eingangsbereich einen Einblick in die Bibliothek geben, also zur Bibliothek offen sein und nach draussen Glaswände und -türen besitzen. In unserem Beispiel geht er unmittelbar in den Lese- und Kommunikationsbereich (6) über, der hier mit einem Zeitschriftenregal und einer mobilen Sitzgruppe versehen ist. Wer von draussen hereinschaut, sieht so einen offenen, mit bunten Sesseln, Sitzsäcken und niedrigen Tischchen ausgestatteten Bereich und bekommt Lust, die Bibliothek zu betreten.
Der Verbuchungs- oder Ausleihbereich (2) ist hier mit gutem Blick zum Eingang und in den Bibliotheksraum platziert. Die halbrunde Theke bietet genügend Platz, um dort die anfallenden bibliothekarischen Arbeiten zu erledigen. Ausserdem können vorbestellte Bücher bereitgehalten und CDs/DVDs gelagert werden, von denen oft nur die Hüllen frei präsentiert werden. Eine ausreichend dimensionierte Theke ist auf jeden Fall zwingend erforderlich, denn ein separates Büro für das Bibliothekspersonal steht äusserst selten zur Verfügung. Diese Aufgabe erfüllt hier der „Background“ der Theke, der mit einer Mitarbeitergarderobe, zwei abschliessbaren Schränken, zwei offenen Regalen und zwei Bücherwagen gut bestückt ist. Auch in einer Präsenzbibliothek, in der keine Medien ausgeliehen werden, ist ein solcher Arbeitsbereich erforderlich, der dann allerdings reduziert werden kann und oft nur aus Schreibtisch, Schrank und/oder Regal besteht.
Gegenüber der Theke und im Blick des Thekenpersonals befinden sich in unserem Beispiel die Computerplätze. Diese Anordnung ist sinnvoll, um den Schülern leichter Hilfestellung leisten zu können. Auch eine gewisse Kontrolle dessen, was sich auf den Bildschirmen „tummelt“, ist so leichter möglich. Sofern ein zentraler Drucker installiert ist, können von der Theke aus auch die Ausdrucke gesteuert werden.
Die Buch- und Medienpräsentation (4) ist hier das Herzstück des Raumes, flankiert an den Längsseiten von Tischen mit 2er-Sitzplätzen, auf der anderen Seite von kleineren Wandregal-Einheiten. Die erste und letzte Reihe der Regale ist rollbar und bietet sowohl in der Tischzone im hinteren Teil des Raumes als auch in der Kommunikationszone vorne die Möglichkeit, den Raum für Veranstaltungen zu vergrössern. Solche flexibel nutzbaren Bereiche sind in allen Schulbibliotheken sinnvoll. Grundsätzlich gilt: Je kleiner der Bibliotheksraum, desto flexibler sollte das Mobiliar sein.
Die Regalzone ist im vorliegenden Grundriss sehr geradlinig strukturiert. Grundsätzlich bieten Regale jedoch immer die Möglichkeit, sie zur Gliederung des Raumes, zur Nischenbildung und als Raumteiler zu verwenden. Einige Beispiele sind auf Seite 46 dargestellt.
Zusätzlich gibt es runde Regalformationen, die sich in Kombination mit Sitzplätzen hauptsächlich zur Schaffung von Kommunikations- und Lesezonen für Kleingruppen eignen. Die Gliederung des Raumes mit Hilfe von Regalen ist dann sinnvoll, wenn es in einem offenen Raum deutlich abgegrenzte Bereiche geben soll. Diese Bereiche können durch ihre Inhalte oder durch spezifische Benutzergruppen motiviert sein. So lässt sich zum Beispiel ein Präsenz- und Nachschlagebestand mit zugeordneter Tischformation abgrenzen oder ein geschützter Bereich für Grundschüler in einer Grund- und Hauptschule schaffen. Auch „verwandte Bestandsgruppen“ können Einheiten bilden, zum Beispiel alle Medien rund um Sprachen oder alle Medien zu naturwissenschaftlichen Fächern. Bei der Aufstellung ist jedoch grundsätzlich der Lichteinfall zu beachten, wenn möglich, sollten die Regale senkrecht zum Lichteinfall angeordnet werden.
Doch zurück zu unserem Beispielgrundriss und zum nächsten Funktionsbereich, dem „Bibliothekskatalog“. Eine ausgeprägte Katalogzone (3) gibt es in diesem Grundriss nicht. Die Recherchen im Bibliotheksbestand können vielmehr an drei Stehpulten getätigt werden, die an den Stirnseiten der Regale und im Lern- und Arbeitsbereich platziert sind. Im Zeitalter der Online-Kataloge ist eine eigene Katalogzone im Prinzip nicht mehr notwendig. Bei entsprechender Bibliothekssoftware* lässt sich eine Katalogrecherche von jedem beliebigen internetfähigen PC in der Bibliothek oder ausserhalb durchführen. Hat man keinen Online-Katalog, hängt es von der Anzahl der gekauften Lizenzen ab, wie viele Katalogplätze in der Bibliothek angeboten werden können. Es versteht sich von selbst, dass diese Plätze dann einer speziellen Kennzeichnung bedürfen.
Der Lern- und Arbeitsbereich (5) befindet sich in unserer Beispielplanung im hinteren Teil des Raumes, angeordnet in 2er- und 4er-Tischen. Ausserdem sind an den Regalstirnseiten noch Einzelsitzplätze in unmittelbarer Zuordnung zu den Regalen angegliedert. Insgesamt weist diese Schulbibliothek ohne Einberechnung der Computerplätze 45 Arbeitsplätze aus, das heisst – bei einem Klassenteiler von 30 – Arbeitsplätze für eineinhalb Klassen. Hinzu kommen noch 17 Sessel und Sitzsäcke und fünf Computerplätze. Das ist für eine Schulbibliothek, die – wie in diesem Fall – täglich von rund 500 Schülern besucht wird, wahrlich kein Luxus.
Das Portal www.schulmediothek.de sieht in der Schulbibliothek Arbeitsplätze für eine Schulklasse vor und auch Renate Kirmse empfiehlt in ihrem Praxisbuch Schulbibliothek: „Eine ausreichende Anzahl an Tischen und Stühlen für mindestens eine Klasse – besser noch für zwei – sollte bereitstehen, wenn Unterricht in der Bibliothek auch tatsächlich möglich sein soll (Kirmse 2014, 44). Sinnvoll ist auch ein der Bibliothek zugeordneter „geschlossener bzw. abtrennbarer Seminarraum“, der Platz für eine Klasse bietet (Pernthaler 2013, 26). Bei diesen Forderungen muss man bedenken, dass es den Erfolg der Schulbibliothek beträchtlich steigert, wenn sie auch regelmässig im Unterricht genutzt wird. Von Anfang an kommt so eine gewisse Selbstverständlichkeit in den Bibliotheksbesuch. Der Bereich der Arbeitsplätze muss bei einem solchen Konzept durch die erforderliche Präsentationstechnik: Leinwand und Beamer bzw. Technikwagen, interaktives Whiteboard* oder Tafel, Pinnwände, Flipchart ergänzt werden.
Fehlt noch der Veranstaltungsbereich (7), der hier in zwei Zonen des Raumes geschaffen werden kann. Die erste und die letzte Regalreihe ist in diesem Konzept auf Rollen gestellt, sodass man jeweils grössere Freiräume für Veranstaltungen schaffen kann – einmal mit, einmal ohne Tische.
2.6 Die Möblierung
Bei der Möblierung der Schulbibliothek ist besonders auf Qualität, Funktionalität, Flexibilität und Design zu achten. Hervorzuheben sind die Aspekte Qualität und Flexibilität. Qualitativ hochwertiges, langlebiges und stabiles Material ist erforderlich, weil der Schulträger in der Regel eben nicht, wie im Ladenbau üblich, nach drei bis fünf Jahren die Einrichtung erneuern kann und weil die Möbel in einer Schule und Schulbibliothek bekanntermassen einiges aushalten müssen. Freilich, Qualität hat ihren Preis, aber so manche mit „Wohnregalen“ billig eingerichtete Schulbibliothek wurde zur teuren Bibliothek, weil zum Beispiel die Fachbodeneinhängung der Regale ausbrach und die Bibliothek aus Sicherheitsgründen schon nach kurzer Zeit neu möbliert werden musste. Fachanbieter von Bibliotheksmöbeln liefern in der Regel stabiles und langlebiges Mobiliar, das mit entsprechenden Qualitätszertifikaten ausgestattet ist.
Flexibilität des Mobiliars ist aus dem gleichen Grund wichtig. Feste Einbauten vom örtlichen Schreiner sehen zwar meist sehr schön aus, sind massiv und haltbar, aber leider auch „für die Ewigkeit zementiert“. Oft lassen sich weder die Fachböden der Regale flexibel auf die Formate der Bücher und Medien hin verstellen noch können sie für die Frontalpräsentation schräg gestellt werden. Zubehör wie Medientröge oder Präsentationswände muss eigens (und meist teuer) angefertigt werden, flexible, rückstandslos wiederablösbare Fachbodenund Stirnseitenbeschriftungen sind Fehlanzeige. Die Systemmöbel von Fachanbietern hingegen sind von vornherein mit einer Fülle von Zubehör ausgestattet – vom Medientrog bis zur Beschriftungsfahne, von der Regalbeleuchtung bis zum ausziehbaren Anlesepult. Solches Mobiliar ist zwar weniger individuell, es kann aber jederzeit und in der Regel preiswert ergänzt und an neue Bedürfnisse angepasst werden. So kann es über viele Jahre hinweg genutzt werden. Hinzu kommt, dass viele Fachanbieter langjährige Nachkaufgarantien geben. Einer Erweiterung der Bibliothek „aus einem Guss“ steht also auch später nichts im Wege, beispielsweise wenn ein weiterer Raum hinzukommt oder wenn das Geld für die Beschaffung des Mobiliars „portionsweise“ freigegeben wird (was sich manchmal auch über Jahre hinziehen kann).
Damit soll natürlich nicht grundsätzlich von individuellen Einbauten abgeraten werden. Wie fast immer macht es hier die gute Mischung. Dort, wo es sinnvoll und nötig ist, zum Beispiel beim Einbau einer Sitztreppe, können örtliche Handwerker zum Zuge kommen. Sie verlegen dann im Fall der Sitztreppe auch gleich den für den Fussboden ausgewählten Teppichboden auf den Sitzflächen oder überziehen die komplette Treppe damit.
Auch das Einpassen von speziellem Mobiliar in Schrägen und Winkel kann der örtliche Schreiner oft besser leisten.
Die Empfehlungen der nationalen und internationalen Fachleute in Bezug auf Bibliotheksregale gehen eindeutig in Richtung Systemanbieter. „Bei Regalen versteht sich der Vorzug von Serienmodellen gegenüber ‚Handgeschnitztem‘ fast von selbst“ (Eigenbrodt 2009, 231). „Specialist shelving is far better than non-specialist units or shelving designed for the home or office market, and DIY (Do-it-yourself-) shelving is not recommended – for safety reasons as well as practicality“ (CILIP Primary School Library Guidelines 2017, http://primaryschoollibraryguidelines.org.uk/space/furniture, Abruf 14.08.2017).
Ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Auswahl der Bibliotheksmöbel sind neben Stabilität und Flexibilität natürlich auch Farbe, Form und Material. Zwar ist die Auswahl von Design und Farbe stark vom Zeitgeschmack und den persönlichen Vorlieben der Entscheider geprägt, doch es gibt auch einige objektive Gesichtspunkte. So kann die Möblierung der Schulbibliothek in Neubauten beispielsweise die Formensprache und das Farbkonzept des Gebäudes aufnehmen und weiterführen. Man gewinnt einen schönen Raumeindruck, wenn Rahmenregale mit Stahlrundrohr die Säulen oder Rundungen eines Raumes aufnehmen oder das Farbkonzept der Fensterrahmen weiterführen. In Altbauten hingegen kann es sinnvoll sein, bewusst einen Kontrapunkt zu setzen. Fachwerkräume mit weissen oder grauen Stahlregalen auszustatten statt mit Parkettboden und Holzregalen kann sehr effektvoll und modern wirken.
2.6.1 Regale
Daten und Fakten
Bibliotheksregale sind nicht einfach nur Regale – darüber wurde oben schon einiges gesagt. Einige gängige Standards seien hier stichwortartig genannt (s. www.schulmediothek.de).
Regalbreiten:
Standard: 90cm und 100cm
(Kleinere Breiten ab 50cm sind erhältlich.)
Fachbodentiefe:
25cm und 30cm, tiefere Fachböden sind möglich, aber für Schulbibliotheken nicht erforderlich. In der Regel reichen 25cm aus.
Regalhöhen:
6 Fachböden ca. 205-210cm (Griffhöhe = 180cm): für die Sekundarstufe II
5 Fachböden ca. 180cm (Griffhöhe = 150cm): max. Höhe für die Sekundarstufe I
4 Fachböden ca. 150cm (Griffhöhe = 120cm): max. Höhe für die Primarstufe
Regalkapazität:
• pro Fachboden (90-100cm breit): 30 Bücher
• Kapazität pro Regaleinheit (5 Fachböden): 150 Bücher
• Kapazität pro Doppelregaleinheit (2 × 5 Fachböden): 300 Bücher
Die lichte Weite der Regalgassen sollte 1,20 m nicht unterschreiten. Varianten: freistehende Doppelregale und Wandregale.
Wissenswertes rund um Regale
Doppelregale können je nach System auf Rollen gestellt werden; es sollte am besten eine Zweiereinheit, aber nie mehr als eine Dreiereinheit (bestehend aus einer Grundeinheit und zwei Anbaueinheiten, Höhe max. 1,80 m, fünf Fachböden) fahrbar gemacht werden, weil sonst eine Bewegung im befüllten Zustand nicht mehr problemlos möglich ist.

Grund- und Anbaueinheiten auf Rollen
Vom Gesamteindruck her unterscheidet man offene und geschlossene Regale, ausgehend von der Bauweise kann man Rahmenregale und Mittelpfostenregale unterscheiden.
Regale ohne Stirnseitenverkleidungen und Rückenwände wirken offener und lassen den Raumeindruck insgesamt heller wirken als geschlossene oder „Kas-ten-Regale“. Welcher Regaltyp verwendet wird, hängt auch von Sehgewohnheiten und -gepflogenheiten ab. So findet man in angelsächsischen und skandinavischen Ländern vorwiegend geschlossene (oft dunkle) Holzregale, während in Deutschland eine solche Ausstattung von den Schülern eher als altmodisch bezeichnet würde. Hingegen sind geschlossene helle Regale derzeit auch bei uns modern. Weitgehend „Geschmacksache“ ist es auch, ob man sich für ein Mittelpfostenregal oder ein Rahmenregal entscheidet. Mittelpfostenregale wirken eher „technisch“ und aufgrund der breiten Seitenabschlüsse schwerfällig, haben aber den Vorteil, dass sie aufgrund des geringeren Materialverbrauchs eher preisgünstig sind. Rahmenregale wirken dagegen elegant und „wohnlich“ und haben den Vorteil erhöhter Flexibilität. So kann man bei Systemen, die über zwei Mittelachsen verfügen, beispielsweise zwei Wandregale zu einem freistehenden Doppelregal zusammenfügen und vice versa. Diese Eigenschaft ist vor allem dann positiv zu bewerten, wenn die Bibliothek zunächst in einem Provisorium untergebracht wird, die Regale aber am endgültigen Standort weiterverwendet werden sollen.
Beispiele für Doppelregale mit zwei Mittelachsen
Was die Farbigkeit der Regale anbelangt, so hat sich hier die Philosophie in den letzten 50 Jahren komplett gewandelt. Heute findet man knallrote oder grasgrüne Regale wie noch in den 70ern fast nur noch in Kinder- und Grundschulbibliotheken. Gerade weil Regale längerfristig verwendet werden sollen, kommen – so die Philosophie – eher neutrale Farben wie Weiss, verschiedene Grautöne oder gar Schwarz zum Tragen. Farbe soll über die Bücher und Medien, die textile Ausgestaltung und die Sitzmöbel in die Bibliothek kommen. In jüngster Zeit verwendet man auch vermehrt farbige Stirnseitenverkleidungen für die Regale, was den Vorteil hat, dass sie sich austauschen lassen, wenn man sich in zehn Jahren an der ehemals todschicken zitronengelben Front sattgesehen hat.

Materialien
Die gängige Variante der Bibliotheksregale sind Stahlrahmenregale mit Holzfachböden (meist Buche, Birke oder Ahorn). Vollholzsysteme sind verfügbar, in der Regel aber eher im hochpreisigen Bereich. Alternativ zu Holzfachböden können auch Metallfachböden verwendet werden. Materialien für Fachböden können sein:
a. Dreischicht-Gütespanplatte mit Naturholzfurnier
b. Dreischicht-Gütespanplatte mit Kunststofffurnier (sogenannte Dekor-Fach-böden, in der Regel preisgünstiger als a.)
c. Multiplex-Platte mit Naturholzfurnier oder klar lackiert (sehr stabil, eher hochpreisig)
d. Metallfachböden aus Stahlblech mit Epoxydharzpulver beschichtet und eingebrannt.
Die Fachböden sollten hinten eine Buchanschlagsleiste haben und sich schräg stellen lassen. Hinzu kommen professionelle Fachboden- und Regalbeschriftungen sowie Bücherstützen, entweder integriert in den darüber liegenden Fachboden als Hängebuchstütze oder frei platzierbar als Winkelbuchstütze, optional mit Beschriftungsmöglichkeit.
2.6.2 Arbeitsplätze
In der Schulbibliothek sollten Arbeitsplätze für alle Formen des Lernens vorhanden sein:
• Einzeln
• Zu zweit
• In der kleinen Gruppe
• In der grossen Gruppe (= ganze Klasse)
Die Tischhöhe beträgt in weiterführenden Schulen und für Erwachsene 72cm. In Grundschulen sollten verschiedene Tischhöhen verfügbar sein, z.B. 53cm, 59cm und 64cm mit den jeweils passenden Stühlen. Als Mindestgrösse für Einzelarbeitstische werden 1,20 × 80cm empfohlen, bei Gruppentischen sollte jede Person eine Tischbreite von mindestens 80cm zur Verfügung haben (Eigenbrodt 2009, 235 u. 241). Hat man wenig Platz, so können auch sogenannte „Sägezahntische“ verwendet werden. Immer beliebter werden auch Stehtische in Verbindung mit Barhockern, die von Jugendlichen gerne für die Kleingruppenarbeit genutzt werden.

Beispiel „Sägezahntische“
Computerplätze
Infolge der fortschreitenden mobilen Technik geht man eher von einer sinkenden Anzahl von festen Computerplätzen aus. Viele Schulbibliotheken leihen Laptops oder Tablets aus oder die Schüler bringen ihre eigenen Geräte mit. In allen Fällen sollten Sicherungen an den Tischen vorhanden sein, sodass auch private Geräte beim kurzzeitigen Verlassen des Arbeitsplatzes gesichert werden können. Für Computertische mit fester Installation gilt von den Massen her das Gleiche wie für normale Arbeitsplätze, grössere Arbeitsflächen (1,20 × 80cm) sind aber von Vorteil. Zusätzlich sind Vorrichtungen für die Aufnahme der Verkabelung bzw. bestimmte Sicherungskästen vorzusehen. Sehr schön sind runde oder halbrunde Präsentationsformen, die die „Lernlandschaft Bibliothek“ auflockern.

2.6.3 Ausleihtheke
In Schulbibliotheken muss die Ausleihtheke ausreichend dimensioniert sein, denn sie ist meist der einzige Arbeitsplatz für das Bibliothekspersonal (s. auch Funktionsbereiche). Folgende Masse werden empfohlen (s. www.schulmediothek.de):
Breite: 160cm pro Ausleih-/Arbeitsplatz
Tiefe: 90cm
Höhe: 72-75cm
Bewegungsfreiheit: mindestens 150cm Abstand zwischen Thekenplatte und Regalen/Schränken im Rückraum der Theke.
Je nach Raumsituation sind verschiedene Thekenformen denkbar, von (halb)rund über Winkelformen bis hin zu geraden oder geschwungenen Formen, die in einem Halbrund auslaufen.
Da die Mitarbeiter oft viele Stunden dort verbringen, kann man auch an eine höhenverstellbare Theke denken (leider nicht ganz billig) oder eine Theke, die verschiedene Niveauebenen bietet. Die Theke sollte alle erforderlichen Kabelauslässe und Kabelführungen besitzen und mit einem oder mehreren Organisationscontainern ausgestattet sein. Thekenfronten können heute sehr schön gestaltet werden zum Beispiel mit farbigen Kunststoffblenden oder Lochblech. Die Thekenoberfläche sollte sehr strapazierfähig sein und wird daher meist in Kunststoff oder Linoleum ausgeführt.

2.6.4 Präsentation von Zeitschriften und Medien
Bei der Präsentation von Medien und Zeitschriften ist besonders auf die Flexibilität zu achten. Eine einfache Möglichkeit für die CD-Präsentation bieten Schwenkgitter, die in die Buchanschlagsleiste der Regalfachböden eingehängt werden.

Mit diversem Zubehör lassen sich Systemregale jederzeit zur Medienpräsentation nutzen, beispielsweise mit einem Stufentrog, einem ausziehbaren Trog und mobilen Zeitschriftenboxen.

Regalzubehör: Zeitschriftenboxen, Stufentrog, ausziehbarer Medientrog
Die mobilen Zeitschriftenboxen bieten gleichzeitig die Möglichkeit, fächerbezogene Zeitschriften beim jeweiligen Sachgebiet zu platzieren.

Fahrbare Medienregale mit festen und ausziehbaren Medientrögen
In Kombination mit einer Nutzung mobiler Endgeräte in der Bibliothek ist eine mobile Unterbringung der Medien von Vorteil, weil die Medien dort platziert werden können, wo sie gebraucht werden.
2.6.5 Präsentation von E-Medien
Dass eine Bibliothek E-Medien im Bestand hat, ist in der Bibliothek nicht direkt sichtbar. Erst wenn der Bibliotheksbesucher im OPAC* recherchiert, stösst er auf die digitalen Inhalte. Um auch E-Books in der Bibliothek auszustellen, gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten. Man kann einen Stellvertreter bei der entsprechenden Sachgruppen ins Regal stellen, der z.B. mit einem QR-Code versehen ist. Mit einem mobilen Endgerät (mit Kamera und QR-Code-App) kann der Code eingelesen und je nach System das E-Book über einen Link direkt auf das Smartphone oder Tablet geholt werden. Mit dieser Methode arbeitet zum Beispiel die Universitätsbibliothek in Bayreuth (s. Batria/Weber 2013, 32).
Eine weitere Möglichkeit, E-Medien in der Bibliothek sichtbar zu machen, ist der von der ekz angebotene „eCircle“, der entweder als Monitor in ein Regal eingebaut oder freistehend als Terminal bezogen werden kann. Ein (W)LAN-Anschluss und Strom müssen am Aufstellungsort vorhanden sein. Die Bedienung erfolgt über einen Touchscreen. In einer Endlosschleife werden die Covers ausgewählter E-Medien auf dem Bildschirm präsentiert. Dieser sogenannte „Cover-Flow“ animiert die Bibliotheksbesucher zur Bedienung des Touchscreens. Sie können am Terminal recherchieren, bekommen Informationen zum Inhalt, zur Art der Datei und zur Nutzung eines E-Mediums – zum Beispiel ob es für PC, Tablet, Smartphone oder E-Book-Reader geeignet ist und in welchem Datenformat es vorliegt. Das gewünschte E-Book, E-Audio, E-Video oder E-Paper kann direkt ausgeliehen werden. Man darf gespannt sein, welche weiteren Möglichkeiten die Zukunft noch bringen wird.
2.7 Anmerkungen zum Planungsprozess
Um den Planungsprozess reibungslos zu gestalten, sollten die Vorstellungen des Planungsteams frühzeitig formuliert werden. Welche Funktionen soll die Bibliothek erfüllen und – daraus folgend – wie soll die Ausstattung aussehen? Architekten und Schulplaner wissen oft wenig über die Aufgaben einer modernen Schulbibliothek. Deshalb ist es sinnvoll, sich Hilfestellung bei Fachleuten zu holen, zum Beispiel bei Staatlichen Fachstellen* für Bibliothekswesen (s. www.fachstellen.de, Abruf: 28.09.2017) oder bei Firmen für Bibliotheksmobiliar, die meist über spezialisierte Innenarchitekten verfügen. Manchmal hilft es auch, sich im Vorfeld erfolgreiche Schulbibliotheken anzuschauen. Es hat sich bewährt, auf solche Besichtigungstouren auch die Entscheider bzw. Geldgeber (Schulleiter, Schulamtsleiter, Vorsitzender des Fördervereins …) mitzunehmen, denn sie sollen ja von Anfang an hinter dem Projekt stehen und die Möglichkeiten kennen.
Ein schönes Beispiel für die Formulierung des inhaltlichen Konzeptes und die räumlichen und ausstattungsbezogenen Konsequenzen daraus findet sich in dem Aufsatz von Verena Pernthaler: Eine neue Schulbibliothek entsteht (Pernthaler 2013, 22-28). Die Konzeption der Schubibliothek umfasst dort folgende Punkte:
• Funktion der Bibliothek
• Angebote der Bibliothek
• Personalausstattung
• Organisation
• Technische Ausstattung (vgl. ebd., 25)
Hat man diese Punkte näher beschrieben, können daraus räumliche und ausstattungsbezogene Anforderungen formuliert werden, z.B. „flexible Möblierung, keine festen Einbauten, in manchen Bereichen Regale auf Rollen, zu grösseren Einheiten kombinierbare Tische, stapelbare Stühle“ oder „genug und in Zukunft leicht erweiterbare Anschlüsse für technische Geräte“ (ebd., 26).
Mit solchen Vorarbeiten ist man für einen guten Start gerüstet und die planenden Architekten haben eine tragfähige Grundlage. Im besten Fall erfolgt der Planungsprozess dann in ständigem Austausch zwischen dem Architekten und dem Bibliotheks- bzw. Schulteam. Nebenbei: Die Planung sollte tatsächlich von einem Team geleistet werden, eine Bibliothek kann nie nur das „Steckenpferd“ eines Einzelnen sein, wenn sie von der Schulgemeinschaft gut angenommen werden soll.
Soll nach Abschluss der Raumplanung eine Ausschreibung erfolgen, so geht es jetzt an die Formulierung des Leistungsverzeichnisses. Es hält genau die Bauart, Materialien, Farben und die Anzahl des gewünschten Mobiliars fest. Je genauer diese Arbeit erledigt wird, desto besser ist man im Nachhinein vor Überraschungen gefeit. Wichtig ist auch, dies gilt vor allem für Neubauten mit mehreren Funktionsräumen, dass die Bibliothek als eigenes Los ausgeschrieben wird. Nur so hat man die Chance, das gewünschte flexible Fachmobiliar zu erhalten.
Vor der Vergabe des Auftrags wird manchmal eine Bemusterung durchgeführt. Dann bauen die Firmen, die in die engere Wahl gezogen werden, ihr auf die Ausschreibung hin angebotenes Mobiliar – beispielsweise ein Regal – vor Ort auf und alle am Auswahlprozess Beteiligten können das Mobiliar in Augenschein nehmen und sich dessen Funktionsweise erklären lassen. Der Zuschlag muss an den günstigsten (nicht zu verwechseln mit dem billigsten) Anbieter vergeben werden. Qualitätsaspekte können, auch wenn dies leider oft nicht der Fall ist, sehr wohl eine Rolle spielen und werden meist schon in der Ausschreibung in ihrem Einfluss auf die Entscheidung prozentual gewichtet.
2.8 Beispielplanungen
2.8.1 Planung für eine Grundschule
Bisher war wenig von den speziellen Bedürfnissen von Grundschulen die Rede. Deshalb soll hier eine Grundrissplanung aus dem Bereich der Primarstufe dargestellt werden. Gerade in der Grundschule ist eine Schulbibliothek oder „Leseecke“ unerlässlich, denn hier werden die Grundlagen für den weiteren Bibliotheksbesuch, für Lesefreude, Lese- und Medienkompetenz gelegt. Wenn kein Platz für eine Schulmediothek vorhanden ist, dann häufig doch für eine Leseund Medienecke, die auch als deutlich abgegrenzter Bereich in Funktionsräumen wie Aufenthaltsraum oder Schülercafé denkbar ist. „Schwerpunkt der
Bibliothek ist die Präsentation und Ausleihe eines grossen Buch- und Medienangebotes. Schwerpunkt der Lese- und Medienecke ist das ‚Erlebnis‘ Buch und Medien … „(Dahm 2008, 4). Die Leseecke kann mit einem Lesepodest oder Sofa, einigen Sitzwürfeln oder Sitzsäcken, einem Bilderbuchtrog und einigen Regalen auf Rollen (Höhe 1,50 m) auf einer Raumfläche von ca. 30 m2 schon gute Dienste für die Leseförderung leisten.
Besser ist natürlich eine voll ausgestattete Mediothek, wie sie im abgebildeten Grundriss vorgestellt wird.
Dieser Grundriss wurde nicht aufgrund seiner vorbildlichen Ausstattung ausgewählt, sondern weil er die Gegebenheiten in vielen Grundschulen widerspiegelt. Hier sind in zwei Klassenzimmern alle wesentlichen Funktionen einer Schulbibliothek versammelt. Besser wäre es, man könnte beide Räume zu einem vereinen, weil dann beispielsweise die Raumübersicht von der Theke aus optimal gelöst werden könnte. So ist das Thekenpersonal zwar in der Lage, Hilfestellung für die PC-Nutzer zu leisten, nicht aber auf der Lesetreppe für Ordnung zu sorgen, ohne die Verbuchung zu verlassen. Die Waschbecken hinter der Tür erfüllen eigentlich keine Funktion und könnten durch einen offenen

Planungsbeispiel für eine Grundschule
Taschenschrank, mehrere Garderobenhaken oder eine Präsentationswand ersetzt werden. Hier hat man sich diese zusätzlichen Kosten gespart. Nachdenken sollte man über ein Identifikationselement im Eingangsbereich, das die Bibliothek unverwechselbar macht. Das könnte „… z.B. ein Märchentor, ein Maskottchen oder Ähnliches sein, das an dieser Stelle positiv eingesetzt wird“ (Brunner 2016, 227).
In dieser Mediothek wurden Wandregale verwendet, um den Platz für Tische und Lesezonen optimal zu nutzen. Das macht Sinn und geht hier auch nicht auf Kosten der Flexibilität. Der zweite Raum lässt sich leicht in einen Veranstaltungsraum umwandeln, indem man die beiden Tische und den fahrbaren Bilderbuchtrog entfernt. Mit den vorhandenen Stühlen, Hockern und der Sitztreppe kann man eine Grundschulklasse mit rund 20 Kindern zur Vorlesestunde versammeln. Man kann aber an diesem Grundriss schon erkennen, wie sehr grosszügige Räume die Leseförderung erleichtern und wie viel besser die Schulbibliothek ihre Aufgaben erledigen kann, wenn sie mehr Platz hat. Zu denken wäre dann auch an einen Bühnenbereich oder „einen Multimediabereich, in dem man gemeinsam Hörbücher hört, Bilderbuchkino vorführt und animierte E-Books (TigerBooks, Onilo) nutzt. Auch die Leseförderung mit digitalen Medien braucht einen angenehmen Ort in der Bibliothek und sollte von Anfang an mitgedacht und mitgeplant werden.
2.8.2 Planung für eine Bibliothek in der weiterführenden Schule
In der auf S. 65 abgebildeten Schulmediothek einer Integrierten Gesamtschule (IGS) liegt – wie man unschwer erkennen kann – der Schwerpunkt auf der Leseförderung und der Schaffung von Aufenthaltsqualität. Die halbrunde Theke links vom Eingang bietet ausreichend Platz für alle anfallenden Arbeiten und auch genügend Schränke und Regale als Stauraum im Hintergrund. Links von der Theke befinden sich Kopierer und Ablagetisch. Im Bereich vor der Theke stehen Präsentationsmöbel und kleine Hocker, um die präsentierten Medien und Projektergebnisse anzulesen. Ins Auge fällt die aus fahrbaren Einzelelementen zusammengesetzte runde Leseinsel, die auch zur Kommunikation und Kleingruppenarbeit genutzt werden kann. Alternativ wäre hier auch denkbar, einen schallisolierten Glaszylinder einzufügen, wie er beispielweise im Hamilton Grange Teen Center in New York eingebaut wurde. In ihm kann ein Studienraum oder ein Musikstudio in einer Schule mit entsprechendem Schwerpunkt entstehen.
Links von der Leseinsel wurde mit Hörstation und zwei bequemen Sesseln der Hörbuchbereich platziert und im oberen Teil des Planes finden sich Sitzpodest, gemütliche Sitzsäcke und Hocker, Comic-Trog und Zeitschriftenregal mit an der Rückseite angefügtem Stehtisch und Barhockern. Der Arbeitsbereich ist mit Hilfe von Regalen deutlich abgegrenzt. Sie sind 1,80 m hoch und teilweise auf Rollen gestellt. Im vorderen Bereich des Arbeitsbereiches sind in einem 3/4-Kreis drei fest installierte PC-Plätze und ein Drucker eingeplant. Eigene Geräte können die Schüler an allen übrigen Tischen nutzen (Bodentanks). Ein interaktives ‚Whiteboard‘ wurde dem Gruppentisch in der Mitte zugeordnet, sodass Arbeitsgruppen dort beispielsweise gemeinsam eine Präsentation überarbeiten oder eine Rechenaufgabe lösen können. Konzentriert man die vorhandenen Stühle in diesem Mittelbereich, kann auch eine Präsentation für eine Klasse stattfinden. Sitzplätze für die Einzelarbeit wurden im Fensterbereich eingeplant.
Hamilton Grange Library Teen Center, New York
Insgesamt bietet die Bibliothek 26 Sitzplätze an Tischen und nochmals rund 25 Plätze auf Hockern, Sitzsäcken, in der Leseinsel und auf dem Podest. In den Regalen finden 6600 Bücher und 960 Hörbücher und Filme Platz.
In dieser Bibliothek sind die Funktionen Leseförderung und Lernen in verschiedenen Gruppengrössen sehr gut verwirklicht. Veranstaltungen könnten im Bereich der Leseinsel stattfinden, da sie aus mobilen Einzelelementen besteht und komplett aufgelöst werden kann. Trotzdem steht diese Funktion hier nicht im Vordergrund. Die Flexibilität von Raum und Möblierung hat durchaus auch Grenzen. Der Schule war es wichtig, Schwerpunkte zu setzen und die Hauptnutzungsziele „Leseförderung“ und „Lernen“ zu definieren und zu verwirklichen.
2.9 Die Umplanung einer vorhandenen Schulbibliothek – Beispiel einer Neugestaltung
2.9.1 Ausgangssituation
Die Schulbibliothek eines Gymnasiums ist in einem Raum mit ca. 200 m2 Fläche untergebracht. Der in Teilen veraltete und verschlissene Bestand beträgt ca. 18.000 Bücher und Medien, die in Wandregalen und freistehenden Doppelregalen mit einer Höhe von 2,10 m aufbewahrt werden. Der Bibliotheksraum wirkt wegen der zahlreichen, monoton aufgestellten hohen grauen Stahlregale wie ein Magazinraum und lädt kaum zum Verweilen ein. Überdies bleibt kaum Raum für Arbeits- und Leseplätze. Eine an sich wünschenswerte Neuunterbringung der Bibliothek in einem grösseren Raum ist nicht möglich.

Der Bibliotheksraum vor der Neugestaltung
Zielvorstellung
Der Bibliotheksraum soll im Zuge des Ausbaus der Schule zur Ganztagsschule attraktiver gestaltet werden und mehr Aufenthaltsqualität bekommen:
• Arbeitsplätze für eine Schulklasse in der Bibliothek
• Einrichtung einer freundlichen Lesezone für die Unterstufe
• Die Einrichtung soll höchstmögliche Flexibilität aufweisen, damit der Raum auch für Veranstaltungen und als Seminarraum genutzt werden kann.
2.9.2 Umplanung
Die Schule bittet die zuständige Staatliche Bibliotheksfachstelle (s. www.fachstellen.de) um Fachberatung. Diese schlägt folgende Massnahmen vor:
• Sichtung des vorhandenen Buch- und Medienbestandes durch die Fachlehrer und Aussortierung veralteter und zerschlissener Titel mit dem Ziel, den Bestand auf maximal 10.000 Medieneinheiten zu begrenzen. Die Fachstelle schult die Lehrkräfte im Rahmen eines Vorort-Seminars.
• Ergänzung von E-Medien und Datenbanken
• Anschaffung von Laptops zur Ausleihe an Bibliotheksbenutzer und eines Druckers
• Renovierung des Bibliotheksraums: Als Bodenbelag wird Teppichboden empfohlen, die Beleuchtung wird akzentuiert und der neuen Regalaufstellung angepasst. Der Raum erhält eine WLAN-Ausstattung, sodass an allen Plätzen ein Internetzugang besteht. Wände, Boden, Beleuchtung und Möblierung orientieren sich an einem festgelegten Material- und Farbkonzept.
• Neumöblierung des Bibliotheksraums mit folgenden Vorgaben:
– Eine Regalhöhe von 2,10 m wird nur bei Wandregalen und freistehenden Doppelregalen mit Wandanschluss realisiert.
– Alle anderen freistehenden Regale sind max. 1,80 m hoch. Alle freistehenden Regale stehen auf Rollen und sind beweglich.
– Die Arbeitsplätze sind so gestaltet, dass Einzelarbeit, aber auch Gruppenarbeit in unterschiedlicher Gruppengrösse möglich ist.
– Im Fensterbereich wird ein attraktiver Lesebereich für die Unter- und Mittelstufe gestaltet.
Umsetzung

Der Bibliotheksraum nach der Umplanung
Ergebnis
Der Bibliotheksraum wirkt grosszügiger, transparenter und durch die Neumöblierung, ergänzt mit jugendgemässen Sitz- und Präsentationsmöbeln, einladend und freundlich. Der Raum erweist sich im Ganztagsbetrieb als unentbehrlicher Bereich sowohl für das individuelle Lernen und Arbeiten wie auch für Gruppen- und Seminararbeit. Dementsprechend ist in der Bibliothek immer etwas los, was im Regelbetrieb zu einem etwas hohen Geräuschpegel führt.
Von der Bibliotheksleitung wird vor allem die Beweglichkeit der Möblierung geschätzt, die eine vielfältige Nutzung zulässt – von der abendlichen Vortragsund Musikveranstaltung bis hin zur Projektarbeit mit einer Schulklasse. Die Reduzierung des Bestands hat zu mehr Übersichtlichkeit und leichterem Auffinden von wichtigen, aktuellen Titeln geführt: die Nutzung der Bibliothek konnte deutlich gesteigert werden.
Gerade dieses letzte Beispiel zeigt, dass die Schulbibliothek sich räumlich und inhaltlich immer wieder an neue Bedürfnisse der Schüler und Lehrer anpassen muss. Nur so kann sie ihre Rolle im Schulleben aktiv einnehmen und zum lebendigen Ort für Lesen und Lernen werden.
2.10 Ausblick
Die Planung von Schulbibliotheken kann nicht losgelöst von allgemeinen, ja globalen Trends im Bibliotheksbau gesehen werden. Bei einem Blick in die neuere Fachliteratur lassen sich folgende Entwicklungslinien für die Schulbibliothek der Zukunft ausmachen:
1. Reduzierung der Regale und der Printmedien, Zunahme digitaler Medien und digitaler Technik,
2. die Aufenthaltsqualität der Schulbibliothek gewinnt an Bedeutung,
3. die Flexibilität der Räume (z.B. verschiebbare Wände, Raum-in-Raum-Konzepte), der Möblierung (leicht umbaubares Mobiliar) und der Präsentationstechniken (interaktive Displays, verbesserte Akkutechnik) nimmt zu (vgl. auch Stang 2017, 192),
4. Rezeptions- und Produktionsbereiche werden bewusst eingeplant und spielen eine wichtige Rolle im pädagogischen Konzept der Schule,
5. die konzeptionelle Integration von Outdoor-Bereichen (Leseterrassen, Innenhöfe, Lesegärten) wird stärker in Betracht gezogen (vgl. Lücke/Holderried 2016, 204).
Man darf gespannt sein, wie sich diese globalen Trends in deutschen Schulbibliotheken niederschlagen werden und in welcher Weise sich Schulgebäude und mit ihnen die Schulbibliotheken in Zukunft verändern werden.
Literatur
Autonome Provinz Bozen (Hg.) (2010): Schulbaurichtlinien, Bozen.
Batria, Clemens/Weber Andreas (2013): E-Books zum Anfassen. In: Bibliotheksforum Bayern, 07, S. 3235.
Brunner, Sabine (2016): Die Kinderbibliothek. In: Haucke, Petra/Werner, Klaus Ulrich (Hg.) (2016): Praxishandbuch Bibliotheksbau. Berlin, Boston.
CILIP = The Chartered Institute of Library and Information Professionals (Hg.) (2017): Primary School Library Guidelines, London. http://primaryschoollibraryguidelines.org.uk (Abruf: 07.08.2017).
CILIP = The Chartered Institute of Library and Information Professionals (Hg.) (2014): The CILIP Guidelines for Secondary School Libraries, ed. by Sue Shaper, London.
Dahm, Klaus (2008): Ausstattung von Lese- und Medienecken. In: Lese- und Medienecken. Einrichtungsempfehlungen und Projektideen zur Förderung der Lese- und Medienkompetenz. Hg.: Stiftung Lesen, Mainz.
Eigenbrodt, Olaf (2009): Möblierung und Einrichtung. In: Hauke, Petra/Werner, Klaus Ulrich (Hg.) (2009): Bibliotheken bauen und ausstatten. Bad Honnef, S. 228-249.
Empfehlungen für einen zeitgemässen Schulhausbau in Baden-Württemberg. Grundlagen für eine Überarbeitung der Schulbauförderrichtlinien (2013). Im Auftrag des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, erarbeitet von Büro schneidermeyer und dem Dr. Otto Seydel Institut für Schulentwicklung. Stuttgart, Überlingen.
Frantsi, Hannele u.a. (2002): A Good School Library. Helsinki.
Kirmse, Renate (2014): Schulbibliothek. Berlin/Boston.
Lücke, Birgit/Holderried, Angelika (2016): Schulbibliothek. In: Haucke, Petra/Werner, Klaus Ulrich (Hg.): Praxishandbuch Bibliotheksbau. Berlin, Boston.
Montag Stiftung Urbane Räume gAG u.a. (Hg.) (2013): Leitlinien für leistungsfähige Schulbauten in Deutschland, Bonn. http://www.montag-stiftungen.de/fileadmin/Redaktion/Urbane_Raeume/PDF/Veroeffentlichungen/Leitlinien_Schulbauten_D_interaktiv.pdf (Abruf: 09.08. 2017).
Pernthaler, Verena (2013): Eine neue Schulbibliothek entsteht. Von der Idee zur räumlichen Umsetzung. In: Fritz, Markus: Innovative Schulbibliotheken. Bozen, S. 22-28.
Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken, SAB (Hg.) (2014): Richtlinien für Schulbibliotheken. Aarau.
Stang, Richard (2016): Lernwelten im Wandel. Berlin, Boston.
The IFLA/UNESCO School Library Guidelines (2015). Den Haag.
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