Kitabı oku: «Kraftstoff»

Yazı tipi:

Franz Kogler Wolfgang Schönleitner

KRAFT STOFF

WAS MÄNNER STÄRKT

Herausgegeben

von der Katholischen Männerbewegung und dem

Bibelwerk Linz


Der Druck dieses Werkes wurde unterstützt vom „Verein zur Förderung der Katholischen Männerbewegung der Diözese Linz“ und dem Verein „Freunde des Bibelwerkes Linz“.


Mitglied der Verlagsgruppe „engagement“

2019

© Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck

Umschlaggestaltung: stadthaus 38, Innsbruck

Layout und digitale Gestaltung: Tyrolia-Verlag

Druck und Bindung: L.E.G.O., Vicenza

ISBN 978-3-7022-3790-5 (gedrucktes Buch)

ISBN 978-3-7022-3821-6 (E-Book)

E-Mail: buchverlag@tyrolia.at

Internet: www.tyrolia-verlag.at

INHALT

Vorwort

Lebenshunger

Sexuelle Energie

Aggressive Kraft

Männerfreundschaft

Welt gestalten

Macht

Neu starten

Materielle Sicherheit

Grenzen der Leistung

Anfänger sein

Mein Schatten

Auf der Suche

Der freie Mann

Wild sein

Aus der Rolle fallen

Nachwort

Quellenverzeichnis

Autoren

Redaktionsteam

VORWORT

Ehrliche Gespräche unter Männern sind selten. Aber es gibt Begebenheiten, an die wir uns gerne zurückerinnern. Mancher ist im Schutz der Dunkelheit am Lagerfeuer beim Knistern der Flammen über das wirklich Wichtige im Leben ins Gespräch gekommen. Andere haben bei der Arbeit im Freien, beim Unterwegssein in der Natur oder beim Sport ihrem Gesprächspartner das Herz geöffnet. Wieder andere finden in der Stille, im Gebet oder in der Meditation Wege zu ihren inneren Kraftquellen.

Männer erzählen immer wieder, wie wohltuend sie diese Momente erlebt und wie stärkend sie ein offenes Gespräch unter Männern erfahren haben. Kraftstoff für diese Erfahrungen ist die wunderbare Verbindung von ehrlichem Austausch und sinnstiftender Tätigkeit.

Männern die Werkzeuge und Zutaten zur Herstellung ihres eigenen Lebenskraftstoffs in die Hand zu geben, das ist der Entstehungsgedanke für dieses Buch. Erfahrene Männer erzählen darin in fünfzehn Kapiteln von ihren Lebenserfahrungen.

Erfolg und Scheitern, Zweifel und Stolz, Angst und Mut, Ratlosigkeit und Zuversicht werden ungeschminkt vor den Vorhang geholt. Als Mentoren geben hier Männer ihre Impulse und Gedanken aus Politik, Gesellschaft und Literatur weiter. Die ausgewählten biblischen Erzählungen verdichten diese Gedanken und bringen uns in Kontakt mit dem Heiligen. In traditionellen Psalmengebeten und modernen Gebetsformen werden Sie als Leser angeregt, Ihr Leben ins göttliche Licht zu stellen. Die „Impulse für mich“ und die „Impulse mit anderen“ regen zum Aktivwerden und zum Handeln an.

Unsere praktischen Erfahrungen zeigen deutlich, dass ein kleiner Impuls, ein Zitat oder ein Gebet reicht, um mit Männern über das, was sie im Leben stärkt, ins Gespräch zu kommen. Mit diesem Buch geben wir Ihnen einen Anstoß, sich kraftvoll mit Ihrem Mannsein auseinanderzusetzen.

Wolfgang Bögl, Christoph Enzinger, Rainer Haudum, Franz Kogler, Wolfgang Schönleitner

Lesehinweise

Sie können die Kapitel dieses Buches der Reihe nach lesen. Wir empfehlen aber, dort anzufangen, wo es Sie inhaltlich hinzieht. Lesen Sie quer, nehmen Sie einzelne Elemente der Kapitel heraus, überspringen Sie andere oder verändern Sie die Lesereihenfolge innerhalb der Kapitel, wie es Ihnen beliebt.

Nützen Sie das Buch als Nachschlagewerk für Aktivitäten in der Männerrunde oder zur persönlichen Besinnung und Meditation. Legen Sie es unter den Kopfpolster, nehmen Sie es in die Wildnis mit oder schenken Sie es einem Freund.

LEBENSHUNGER


„Eines gebe ich dir heute mit auf den Weg: Nimm alles genau wahr, in dir und um dich herum, alles andere wird sich fügen.“ Dieser Rat hat mein Leben verändert.

Was war passiert? Mit 21 Jahren erlebte ich meine erste Lebenskrise. Eine Liebesbeziehung war in Brüche gegangen. Dieser Verlust führte mich in eine existentielle Sinnkrise. Plötzlich stellte das Leben Fragen, die ich so noch nie gehört hatte. Was trägt mich? Wofür lohnt es sich zu leben? Was stillt meinen Hunger nach Leben und Lebendigkeit?

Ich machte mich auf die Suche nach Antworten. Ein Studienortswechsel: auf nach Salzburg! Dort angekommen, stieß ich auf eine unerwartete Spur in meinem Leben – ich fand einen spirituellen Begleiter. Ich erinnere mich noch sehr genau an das erste Gespräch. Meinem Begleiter erzählte ich von dem, was mich aus der Bahn geworfen hatte, vom Verlust der Beziehung und von der Leere, die sich aufgetan hatte. Es tat einfach gut, dass mir jemand zuhörte. Bei der Verabschiedung dann dieser Ratschlag: „Eines gebe ich dir heute mit auf den Weg: Nimm alles genau wahr, in dir und um dich herum, alles andere wird sich fügen.“

Mit diesen Worten habe ich mich auf den Weg gemacht. „Nimm genau wahr, mit allen Sinnen, sei achtsam, sei aufmerksam, lebe bewusst.“ Dieses Motto ist zu einer Grundhaltung geworden, die mich und mein Leben seither begleitet.

Es ist auch die Grundhaltung in der Beziehung zu meinem Körper geworden. Den Körper wahrnehmen und spüren habe ich damals gelernt. Bis zu meiner Krise war ich im Leistungssport (Tischtennis und Tennis) sehr erfolgreich. Im Vordergrund stand die Unterwerfung des Körpers unter das Diktat des Leistungs- und Optimierungsprinzips. Ein Prinzip, welches im Leben von Männern oft im Vordergrund steht. Dieses führt jedoch häufig zu einer Entfremdung. Die Folge ist, dass der Körper wie eine Maschine gesehen wird, die Leistung zu erbringen hat. Ein Wechsel vom Leistungsmodus in den Modus einer Beziehung zum eigenen Körper tut Leib und Seele gut. Deswegen versuche ich in meinen Kursen zu vermitteln, dass es wichtig ist, seinen Körper zu spüren, aus dem Spüren heraus zu entscheiden, was ihm guttut und was er gerade braucht. Hilfreich ist mir dabei die Genussformel: Ich spüre und weiß, was mir guttut. – Ich nehme mir Zeit und genieße mit allen Sinnen. – Ich kenne mein Maß und weiß, wann es genug ist.

ZUM NACHDENKEN

Jedes Bad ist eine leibliche Wiedergeburt.

Demokrit (460/459–um 371 v. Chr.), griechischer Philosoph

Die Gesundheit zu erhalten: Nicht bis zur Sättigung essen, sich vor Anstrengungen nicht scheuen!

Hippokrates (um 460–um 370 v. Chr.), griechischer Arzt

Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.

Teresa von Ávila (1515–1582), Mystikerin und Kirchenlehrerin

Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.

Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896–1957), italienischer Schriftsteller

Manche fragen den Hörenden, ob er denn das alles behalte. Genauso geistreich könnten sie auch den Essenden fragen.

Hermann Sendelbach (1894–1971), deutscher Dichter

AUS DER BIBEL

Da brachten sie zu Jesus einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: Effata!, das heißt: Öffne dich!

Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.

Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr verkündeten sie es. Sie staunten über alle Maßen und sagten: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Markusevangelium 7,32–37

GEBET

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, nach dir, Gott.

Meine Seele dürstet nach Gott,

nach dem lebendigen Gott.

Wann darf ich kommen

und erscheinen vor Gottes Angesicht?

Meine Tränen sind mir Brot geworden bei Tag und bei Nacht; man sagt zu mir den ganzen Tag: Wo ist dein Gott?

Ich denke daran und schütte vor mir meine Seele aus:

Ich will in einer Schar einherziehn.

Ich will in ihr zum Haus Gottes schreiten,

im Schall von Jubel und Dank in

festlich wogender Menge.

Was bist du bedrückt, meine Seele,

und was ächzt du in mir?

Harre auf Gott;

denn ich werde ihm noch danken,

der Rettung meines Angesichts und meinem Gott.

aus Psalm 42

GEBET

Ich stelle mich aufrecht hin.

Jeden Morgen stehe ich auf – und stelle mich dem Leben.

Ich kreuze die Arme vor der Brust.

Ich danke dir, Gott, für meinen vielseitigen Körper!

Ich forme die Hände zu Schalen.

Ich bin bereit zu empfangen und bereit zu geben.

Ich strecke die Arme zur Seite mit den Handflächen nach oben.

So öffne ich mich diesem Tag, mit allem, was er für mich bereithält. Alles Schöne, alles Schwere – alles, was kommt, darf sein!

Ich verneige mich.

In Achtung und Ehrfurcht verneige ich mich

vor dir, mein Gott,

vor diesem Tag,

vor meinen Mitmenschen.

Ich richte mich auf.

Ich beginne den Tag in deinem Namen, im Namen des Vaters …

IMPULS FÜR MICH

Treibe Sport! Besonders geeignet sind Sportarten, bei denen du deinen Körper und dich spüren kannst und du immer in Bewegung bleibst, wie z. B. Langlaufen, Aikido, Fitness-Boxen, Contact Improvisation.

Verbinde dir die Augen und bewege dich ca. zehn Minuten durch deine Wohnung. Verrichte dabei alltägliche Tätigkeiten.

Bewege dich ausschließlich rückwärts durch deine Wohnung.

Lege einen Fasttag ein. Jeder Mensch kommt mühelos einen Tag lang ohne feste Nahrungsaufnahme aus – an einem stressigen Arbeitstag passiert dies oft ganz von selbst. Mache es jedoch bewusst, nicht um abzunehmen, sondern um deinen Körper und seine Bedürfnisse wahrzunehmen. Das Trinken von Wasser oder von Tee ist wichtig und soll bewusst geschehen.

IMPULS MIT ANDEREN

Die Natur und die Begegnung mit der Natur können unseren Lebenshunger nach der Schöpfung und dem Schöpfer stillen.

Mit einer Männergruppe unternehme ich eine Schöpfungswanderung. Ich suche einen Weg, der mir besonders gefällt und den ich gerne mit anderen teilen möchte.

Nach einer Wegstrecke lade ich die Gruppe bei einem besonders schönen Wegabschnitt ein, im Schweigen den Weg mit allen Sinnen zu gehen. Wir lassen uns dafür eine gute Stunde Zeit, den Weg miteinander im Schweigen, mit offenen Sinnen zu gehen. Bei einer Rast reden wir über unsere Erfahrungen.

SEXUELLE ENERGIE


Ich tanze auf dem Ball mit einer für mich äußerst anziehenden Frau. An meiner Brust spüre ich ihren weichen Busen. In meiner Fantasie tanz’ ich mit ihr hinter die Bühne. Es ist dunkel und wir sind allein. Vorsichtig küsse ich ihren Hals. Sie macht die Beine breiter und meine Hand gleitet unter ihr kurzes Kleid zwischen die Schenkel …

Sei ehrlich, mit wie vielen Männern hast du schon offen und ehrlich über deine ganz persönliche Sexualität, deine Fantasien, dein Verlangen, auch deine Schuldgefühle gesprochen? Und deshalb wird wohl in keinem Bereich so viel gelogen, geflunkert, über- und untertrieben wie in der männlichen Sexualität.

Schuldgefühle haben wir immer, denn zur christlichen Sexualität gehört unumstößlich die Treue; die Evolution jedoch verlangte vom Mann, seine Gene so oft wie möglich weiterzugeben, und das steckt wohl noch immer in uns Männern. Treulosigkeit beginnt nicht erst beim Fremdgehen, sondern beim Begehren der Ehefrau seines Nächsten, so die Bibel. Wenn das so ist, dann soll sich jemand finden, der den ersten Stein wirft.

Ohne Sexualität gäbe es kein Leben! Die Verbindung zwischen zwei Menschen wird auch durch Sex und Befriedigung hergestellt.

Lustvoller Sex ist einer der schönsten Genüsse des Lebens. Es darf uns daher nicht wundern, dass der Sexualtrieb unser Leben ständig beeinflusst, ja unser Denken manchmal dominiert.

Welche Urgewalt die Sexualität, der Drang, sich körperlich zu vereinigen, sich fortzupflanzen, hat, zeigt uns die Natur in beeindruckender Weise. Welche unbändige Kraft strahlt ein röhrender Hirsch in der Brunft aus, und nichts kann ihn davon abhalten, das weibliche Geschlecht zu beeindrucken. Auch wir sind ein Teil der Schöpfung Gottes und diese Schöpfung soll weiterbestehen.

Es fällt uns Männern schwer, unser Verlangen ständig kontrollieren zu müssen, aber unser Verstand sagt uns, dass es nicht anders geht. Wir dürfen uns nicht wie ein röhrender Hirsch benehmen. Ich glaube, es gibt keine allgemein gültige Regel, was unsere ganz persönliche Sexualität angeht. Die Grenze jedoch ist auf alle Fälle dort, wo die Würde deiner oder deines Nächsten in irgendeiner Art und Weise beeinträchtigt wird.

Ein Priester, der sein ganzes Leben zölibatär gelebt hat, sagte mir, dass es mit zunehmendem Alter leichter wird. Ich will ihm glauben und denke mir, das wäre nicht schlecht. Aber ganz möchte ich nie auf Sex verzichten.

ZUM NACHDENKEN

Auch in den Geschlechtsteilen blüht die Vernunft, sodass ein Mensch weiß, was er zu tun und lassen hat. Daher hat er Genuss an diesem Werk!

Hildegard von Bingen (1098–1179), katholische Heilige

Manchmal treiben wir es furchtbar wild, doch meistens ganz normal und manchmal sind wir direkt fromm!

Wolfgang Ambros (*1952), Austropop-Legende

AUS DER BIBEL

Was hat dein Geliebter den andern voraus, du schönste der Frauen? Was hat dein Geliebter den andern voraus, dass du uns so beschwörst? Mein Geliebter ist weiß und rot, ausgezeichnet vor Tausenden. Sein Haupt ist reines Gold, seine Locken sind Rispen, rabenschwarz. Seine Augen sind wie Tauben an Wasserbächen, gebadet in Milch, sitzend am Wasser. Seine Wangen sind wie Balsambeete, darin Gewürzkräuter sprießen, seine Lippen wie Lilien; sie tropfen von flüssiger Myrrhe. Seine Hände sind Rollen aus Gold, mit Steinen aus Tarschisch besetzt. Sein Leib ist eine Platte aus Elfenbein, mit Saphiren bedeckt. Seine Schenkel sind Säulen aus Marmor, auf Sockel von Feingold gestellt. Seine Gestalt ist wie der Libanon, erlesen wie Zedern. Sein Gaumen ist Süße, alles ist Wonne an ihm. Das ist mein Geliebter, ja, das ist mein Freund, ihr Töchter Jerusalems.

Hohelied 5,9–16

LIEBESGEDICHT

Siehe, schön bist du, meine Freundin, siehe, du bist schön. Hinter dem Schleier deine Augen wie Tauben. Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, die herabzieht von Gileads Bergen.

Deine Zähne sind wie eine Herde frisch

geschorener Schafe, die aus der Schwemme

steigen, die alle Zwillinge haben, der Jungen

beraubt ist keines von ihnen.

Wie ein purpurrotes Band sind deine Lippen und dein Mund ist reizend. Dem Riss eines Granatapfels gleicht deine Wange hinter deinem Schleier.

Wie der Turm Davids ist dein Hals, in Schichten von Steinen erbaut; tausend Schilde hängen daran, lauter Waffen von Helden.

Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, die Zwillinge einer Gazelle, die unter Lilien weiden.

Wenn der Tag verweht und die Schatten fliehen, will ich zum Myrrhenberg gehen, zum Weihrauchhügel.

Alles an dir ist schön, meine Freundin, kein Makel haftet dir an.

Hohelied 4,1–7

GEBET

Gott, segne meine Männlichkeit,

damit sie mich antreibt, ohne zur Fessel zu werden!

Segne mein Verlangen,

damit es den anderen Menschen wahrnimmt,

damit es nicht nur nehmen will,

sondern auch gibt!

Segne meine Lust,

damit sie Freude spendet und nichts von ihr ausgeht,

was verletzt und demütigt!

Segne mein Begehren,

damit es das richtige Maß findet

und ich meiner Partnerin das Gefühl gebe,

begehrt zu sein!

Segne mich in meiner Zweisamkeit,

damit ich immer wieder spüre,

welche Kraft von ihr ausgeht!

IMPULS FÜR MICH

Ein Termin hat sich verschoben. Ich habe 20 Minuten Zeit für mich. Ich sitze in meinem Auto. Hier bin ich alleine. Niemand kann mich stören. Mein Auto ist mein Kloster, mein Rückzugsort. Ich suche mir eine ruhige Stelle, wo ich ungehindert stehen bleiben kann. Ich schalte das Radio aus und stelle mein Handy lautlos. Ich begebe mich in eine bequeme, aber aufrechte Position. Meine Augen sind geschlossen und ich atme ruhig und tief. Das Verlangen, das ich gerade vorher beim Autofahren noch so sehr gespürt habe, zerfließt wie schmelzendes Eis. Ich mache mir bewusst, dass dieses Verlangen zu mir gehört, dass die körperliche Lust immer ein Teil von mir sein wird. Es verleiht mir Kraft und Energie. Es ist auch ein spiritueller Teil meines Lebens. Ich will all dies – so gut es geht – auf meine Partnerin konzentrieren. Ich weiß, dass viele meiner lustvollen Gedanken für immer nur ein Teil meiner Fantasie bleiben werden. Ich werde mein Verlangen, meine Begierde immer wieder in die nötigen Schranken weisen, denn ich will Herr über mein Handeln bleiben.

Ich bleibe noch einige Zeit ruhig sitzen, dann öffne ich wieder meine Augen und fahre weiter.

IMPULS MIT ANDEREN

Je zwei Männer massieren einander (im Wechsel) den Rücken. Sie machen dabei den Oberkörper frei und verwenden auch ein duftendes Öl.

Du bist mit einer Männerrunde in der Sauna. Versuche, beim letzten Aufguss ernsthaft über das Thema Sexualität ins Reden zu kommen, indem du ehrlich über deine Sexualität erzählst. Im vertrauten Kreis wirst du nicht ausgelacht, sondern geachtet, und vielleicht entwickelt sich ein Diskurs.

AGGRESSIVE KRAFT


Wenn mir gesagt, ja vorgeworfen wird: „Du bist schon wieder so aggressiv!“, dann verbinde ich damit: „Reiß dich zusammen!“, „Sprich freundlicher mit mir!“, „Reg dich nicht so auf!“ oder gar: „Du machst mir Angst.“

Kein Wunder, dass ich dann einen Zustand von Aggression gar nicht erst aufkommen lassen möchte. Wenn ich diese unbestimmte Kraft oder dieses diffuse Gefühl dann doch spüre, habe ich Mühe, es zu unterdrücken. Gleichzeitig fühle ich mich bewertet und kritisiert. Häufig kommt es dann bei mir zu einer Rechtfertigung oder Verteidigung. Manchmal kann ich es gut „wegreden“. Und ich nehme dabei nicht wahr, dass mein Zeigen von aggressiver Gestik und Sprache ein Ausdruck meines inneren Gefühlszustandes ist.

Was wir vielfach als „aggressives“ Verhalten interpretieren, ist nicht selten ein Äußern von inneren Zuständen wie Überforderung, Ohnmacht, Zorn, Wut, Ratlosigkeit. Wut und Zorn eignen sich gut, um z. B. tief verborgenen Schmerz zu verstecken oder umzuwandeln; gerade auch, weil wir (seelischen) Schmerz und Verletzungen nicht wahrhaben wollen bzw. glauben, diesen nicht aushalten zu können.

Destruktive Aggression wie dauerhafte Wutgefühle, Schreien oder Toben, Neigung zu Gewalttätigkeit, übermäßiger Konsum von Alkohol und anderes Suchtverhalten lassen uns Traurigkeit, Schmerz, Ängstlichkeit und Einsamkeit nicht spüren. Aggression ist dann ein Abwehrverhalten und dient der emotionalen Selbsterhaltung, sie richtet sich dann entweder latent und unterschwellig gegen das eigene Selbst oder aktiv und zerstörend gegen die Umwelt. Zugleich verhindert diese destruktive Energie die Selbstwahrnehmung, dass wir auch verletzlich, empfindsam, unentschlossen und berührbar sind.

Bisweilen vergesse ich, dass Aggression eine Form von Entschlossenheit, energetischer Sammlung und Bewältigungsenergie ist, ohne die ich vieles im Leben nicht hinbekommen würde. Wenn ich etwa in einem Konflikt diese aggressive Energie im Gepäck habe, dabei kontrolliert und gewaltfrei in Tat und Wort agiere, bin ich nach einer Auseinandersetzung nicht gerädert oder frustriert.

Konstruktive Aggression ist mehr als ein Gefühl, sie ist die innere Quelle, die mir die Energie verleiht, meinen Herausforderungen im Leben konstruktiv begegnen zu können. Aggression als Lebenskraft hat unmittelbar nichts mit Gewalt, mit Grenzverletzungen und unkontrollierten Wutausbrüchen zu tun. Sie ist meine vitale Seite, die mich aufrecht leben lässt und die mich immer neu herausfordert, diese innere Kraft zu spüren, zu kultivieren, zu kontrollieren und mich daran zu erfreuen.

ZUM NACHDENKEN

Ich habe kein besser Werk denn den Zorn und Eifer; denn wenn ich wohl dichten, schreiben, beten und predigen will, so muss ich zornig sein.

Da erfrischet sich mein ganzes Geblüt, mein Verstand wird geschärft, und alle unlustigen Gedanken und Anfechtungen weichen.

Martin Luther (1483–1546), Reformator

Eine Eiche und ein Schilfrohr stritten über ihre Stärke. Als ein heftiger Sturm aufkam, beugte und wiegte sich das Schilfrohr im Wind, um nicht entwurzelt zu werden. Die Eiche aber blieb aufrecht stehen und wurde entwurzelt.

Aesop (6. Jhd. v. Chr.), griechischer Dichter

AUS DER BIBEL

Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus, ihre Tische stieß er um und zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!

Johannesevangelium 2,13–16

GEBET

Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke,

HERR, du mein Fels und meine Burg und mein

Retter;

mein Gott, mein Fels, bei dem ich mich berge,

mein Schild und Horn meines Heils,

meine Zuflucht.

In meiner Not rief ich zum HERRN

und schrie zu meinem Gott,

er hörte aus seinem Tempel meine Stimme,

mein Hilfeschrei drang an seine Ohren.

Da wankte und schwankte die Erde,

die Grundfesten der Berge erbebten.

Sie wankten, denn sein Zorn war entbrannt.

Da ließ der HERR den Donner im Himmel erdröhnen,

der Höchste ließ seine Stimme erschallen:

Hagel und feurige Kohlen.

Da wurden sichtbar die Tiefen des Wassers,

die Grundfesten der Erde wurden entblößt vor

deinem Drohen, HERR,

vor dem Schnauben deines zornigen Atems.

Er griff aus der Höhe herab und fasste mich,

zog mich heraus aus gewaltigen Wassern.

Er führte mich hinaus ins Weite,

er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.

Ja, mit dir überrenne ich Scharen,

mit meinem Gott überspringe ich Mauern.

aus Psalm 18

LIED


Hinweise zu weiteren Liedern sowie anderem Bonusmaterial zu diesem Buch finden Sie auf Seite 161.

IMPULS FÜR MICH

Ich fühle die Wut, die ich empfunden habe oder gerade empfinde. Wie stark ist die Intensität des Gefühls auf einer Skala von 0 bis 10? Was hat diese Wut ausgelöst? Was habe ich als Erstes gedacht? Was nehme ich in meinem Körper wahr? Was möchte ich gern sagen? Ich sage es! Was würde ich gern tun? Wenn es keinem Lebewesen Leid zufügt, tu ich es!

Wie zeige ich Wut und Zorn? Werde ich laut? Schreie ich? Gehe ich auf den anderen los? Reagiere ich mich ab? Gehe ich Holzhacken? Laufe ich davon? Oder geht meine Wut nach innen? Bekomme ich Schuldgefühle? Angst? Habe ich Verständnis für die andere Person, dass sie mich wütend gemacht hat?

Ich erlaube mir, negative Gefühle zu zeigen. Ich verwende die aggressive Energie, um selbstbewusst zu sein, um mich zu schützen und mich abzugrenzen.

IMPULS MIT ANDEREN

Teilt einen Raum – zum Beispiel mit einem am Boden liegenden Seil – in zwei Bereiche. Die eine Seite ist der „Leisebereich“, die andere Seite der „Lautbereich“. Bewegt euch durch den Raum. Auf der leisen Seite dürft ihr nur langsam auf Zehenspitzen gehen und flüstern, auf der lauten Seite dürft ihr stampfen, laufen und schreien. Wechselt mehrmals die Seiten. Spürt die Lebensenergie – auf der einen Seite kultiviert und kontrolliert, auf der anderen wild und ungebändigt.

Einer nimmt eine alte Hose mit. Zerreißt sie gemeinsam!

Zwei Männer stehen einander gegenüber. Einer sagt nur „Ja“, der andere antwortet darauf mit „Nein“.

Sie versuchen, einander zu überzeugen. Die anderen Männer beobachten.

Als Variation können Situationen vorgegeben werden, wie z. B. „Angestellter hat Urlaub schon gebucht, Chef genehmigt ihn nicht“, „Vater verlangt von seinem Sohn, sich von der Freundin zu trennen“, „Mann fordert anderen Mann auf, Erbrochenes aufzuwischen“.

Zwei Männer stehen Rücken an Rücken. Sie versuchen einander wegzudrücken und durch den Raum zu bewegen.

MÄNNERFREUNDSCHAFT


Ich habe einen Freund, einen besten Freund, wie es dann heißen muss. Jede Woche gehen wir einmal durch die Wälder, durch die Auen, bei Schlechtwetter auch ins Thermalbad. Jede Woche. Er tut mir gut. Und er kostet mich Zeit. Zugegeben. Aber er ist eine meiner besten Investitionen. Er gehört zu meinem Männerleben; ich würde ihn auch nicht mehr hergeben.

In einer Umfrage haben drei Viertel der Männer von sich gesagt, sie hätten keinen Freund. Kumpel und Kollegen schon, aber Freund, da lässt es aus. Wir Männer verwenden das Wort sehr vorsichtig; da braucht es einiges, bis wir von einem „Freund“ reden, einem „besten Freund“. Es ist unter uns Männern etwas Rares, das sich aber viele wünschen würden.

Einmal habe ich gelesen: „Ein Freund ist einer, der alles von dir weiß und der dich trotzdem liebt.“ Das ist es. Gilt zwar für meine Frau auch, aber es ist auch schön, so einen Mann zu haben. Es ist eine Beziehung, um die ich nicht buhlen muss, wegen der ich mich nicht verstellen muss und die verlässlich ist. Wir nehmen uns ernst und darum können wir einander auch alles sagen.

Warum haben wir so wenige wirkliche Freundschaften? Einmal ist es die Unsicherheit, die wir voreinander haben, wo wir doch sonst eher Rivalen sind. Wir haben eine Scheu, offen aufeinander zuzugehen, Nähe unter Männern zuzulassen. Es gibt die Angst, sich lächerlich zu machen, die Kontrolle zu verlieren, die Angst, den anderen mit den eigenen Gefühlen oder Problemen zu überfordern, manchmal sogar die Angst, als schwul zu gelten.

Und es ist sicher auch eine Frage der Zeit. Freundschaften müssen gepflegt werden; da müssen wir bereit sein zu investieren. Aber es sind Investitionen, die sich lohnen. Sie bereichern und stabilisieren unser Männerleben, und sie machen uns auch männlicher. Unsere Batterien tanken wir am besten unter Männern auf.

Männer brauchen Freunde – nicht nur zum Fußballschauen oder Biertrinken, sondern auch für die Gesundheit. Aus einer schwedischen Studie ging sehr deutlich hervor: Männer mit guten Freundschaften leben länger. Sie leiden halb so häufig unter Herzkrankheiten wie der einsame Wolf. Denn der lebt ungesund und weder gut noch lange!

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