Kitabı oku: «Marketing und Öffentlichkeitsarbeit im Krankenhaus»

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Die Herausgeberin


Prof. Dr. Frauke Cording-de Vries lehrt Betriebswirtschaftslehre und Krankenhausmanagement an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Hochschule Osnabrück; davor langjährige Tätigkeit in der Unternehmensberatung im Krankenhaussektor; Promotion an der Johannes Kepler Universität in Linz, Österreich, über Public Private Partnership in der Investitionskostenfinanzierung öffentlicher Krankenhäuser, Studium der Betriebswirtschaftslehre in Bayreuth und Nantes, Frankreich.

Frauke Cording-de Vries (Hrsg.)

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1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-023066-8

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-039349-3

epub: ISBN 978-3-17-039350-9

Inhalt

1  Geleitwort zur Reihe

2  Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

3  Abkürzungsverzeichnis

4  Einleitung: Krankenhausführung im Wandel

5 Frauke Cording-de Vries

6  1 Zielgruppenspezifische Konzepte des Krankenhausmarketings

7 Frauke Cording-de Vries

8  1.1 Betriebswirtschaftliche Fundierung

9  1.1.1 Die Zielkonzeption im Krankenhaus

10  1.1.2 Die Krankenhausproduktion als Interaktionsmodell

11  1.1.3 Kundenorientierung und theoretische Erklärungsmodelle

12  1.2 Rechtliche Restriktionen für Krankenhauswerbung

13  1.3 Konzepte und Instrumente

14  1.3.1 Patienten-Marketing

15  1.3.2 Zuweiser-Marketing

16  1.3.3 Mitarbeiter-Marketing

17  1.4 Reflexionsfragen zum Text

18  2 Integriertes Krankenhausmarketing

19 Frauke Cording-de Vries, Julia Oswald, Andrea Arnold

20  2.1 Grundlagen des Marketings von Krankenhäusern

21  2.1.1 Marketingverständnis

22  2.1.2 Zusammenhang von Krankenhausleistung und Krankenhausmarketing

23  2.1.3 Krankenhausmarkt und Wettbewerb

24  2.2 Konzeptionelle Einordnung des Marketing-Managementprozesses

25  2.3 Aufgaben eines integrierten Marketing-Managements

26  2.3.1 Normative Ebene

27  2.3.2 Strategische Ebene

28  2.3.3 Dispositive Ebene

29  2.3.4 Operative Ebene

30  2.4 Fazit

31  2.5 Reflexionsfragen zum Text

32  3 Marketing und Kommunikation in der Krankenhauspraxis

33 Ulrike Meyer auf der Heide

34  3.1 Einleitung

35  3.2 Achtung: bedrohliche Situation!

36  3.3 Das »gute Gefühl« braucht Strategie und Umsetzung

37  3.4 Eigene Identität schaffen

38  3.4.1 Ressourcen- und SWOT-Analyse

39  3.4.2 Marktforschung

40  3.4.3 Markenbildung

41  3.4.4 Markenpositionierung

42  3.5 Fallbeispiele aus der Krankenhauspraxis

43  3.5.1 Geschichten finden, erzählen und umsetzen

44  3.5.2 Bild und Bewegtbild

45  3.6 Internet

46  3.7 Soziale Medien

47  3.8 Crossmediale Verwertung

48  3.9 Fazit

49  3.10 Reflexionsfragen zum Text

50  4 Die neue Klientel: Digitalisiert, emanzipiert und konsumorientiert? Perspektiven eines strategischen Krankenhausmarketings

51 Alexander Wolf

52  4.1 Einleitung: Der Aufbau des Beitrags

53  4.2 Ausgangslage deutscher Krankenhäuser

54  4.3 Krankenhausmarketing in Theorie und Praxis

55  4.3.1 Strategische Auswege aus der Krise

56  4.3.2 Krankenhäuser zwischen entgrenzter Leistung und notwendiger Fokussierung

57  4.3.3 Marketing als Stein des Anstoßes oder Brückenbauer?

58  4.4 Neue Kundengruppen – digitalisiert, informiert und emanzipiert

59  4.5 Markenidentität und Markenimage im Krankenhaussektor

60  4.5.1. Exzellenz in drei Phasen des Dienstleistungsmanagements

61  4.5.2 Krankenhaus als Marke – viel Potenzial, noch mehr Einschränkungen!

62  4.6 Fünf einfache Schritte zu einer verstärkten Marktorientierung

63  4.7 Kliniken im Jahr 2030 – spezialisiert, digitalisiert, kundenorientiert?

64  4.8 Fazit

65  4.9 Reflexionsfragen zum Text

66  5 Anhang – Antworten auf die Reflexionsfragen

67  Stichwortverzeichnis

Geleitwort zur Reihe

In der dynamisch wachsenden und zunehmend komplexer werdenden Gesundheitswirtschaft ist in den letzten Jahren der Bedarf stark gestiegen, Management bezogenes theoretisches Wissen und praxisrelevantes Know-how zu beherrschen und zu vermitteln. Dieser Bedarf spiegelt sich unter anderem in zahlreichen neuen Hochschulstudiengängen und vielfältigen Angeboten der beruflichen Fort- und Weiterbildung wider.

Die Reihe »Health Care- und Krankenhaus-Management«, die auf den Curricula einschlägiger Hochschulen und wichtiger Fortbildungseinrichtungen aufbaut, setzt hier an. Inhaltlich und didaktisch systematisch angelegt, erhebt sie den Anspruch, das breite Themenfeld weitgehend vollständig abzudecken.

Die in 14 Bänden modular aufgebaute Reihe möchte allen Studierenden und Dozenten der auf das Management in der Gesundheitswirtschaft bezogenen Studiengänge, Berufstätigen in Fort- und Weiterbildung aus Krankenhäusern und weiteren Einrichtungen des Gesundheitswesens und insbesondere (zukünftigen) Führungskräften und leitenden Mitarbeitern aus Ärztlichem Dienst, Medizin-Controlling, Pflegedienst, Marketing und Verwaltung ein hilfreiches Werkzeug für Studium und professionelle Praxis sein.

Die Herausgeberinnen und Herausgeber:

Clarissa Kurscheid, Julia Oswald und Winfried Zapp

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Andrea Arnold

Dipl.-Kffr. (FH), langjährige Führungskraft in der Gesundheitswirtschaft, ehemalige Geschäftsführerin der Unternehmensberatung im Gesundheitswesen Gemecon GmbH, zuletzt Kaufmännische Direktorin der Klinik Donaustauf, Fachkrankenhaus und Zentrum für Pneumologie, psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Ulrike Meyer auf der Heide

Ulrike Meyer auf der Heide arbeitet seit annähernd 20 Jahren in Kliniken aller Versorgungsstufen. Sie studierte Gesundheitsbetriebswirtschaft an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld. Am Management Institut SGMI, einem Spin-off der Hochschule St. Gallen, absolvierte sie den Studiengang Dipl. Marketingleiterin (SGMI) und an der Deutschen Presseakademie (Berlin) das Studium Kommunikationsmanagement (depak). Ihr Hauptaugenmerk gilt der Implementierung des klassischen Marketings in Krankenhäusern.

Prof. Dr. Julia Oswald

Professorin für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Krankenhausmanagement und -finanzierung an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Hochschule Osnabrück, Beauftragte des Studiengangs Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen (BIG); davor jahrelange Tätigkeit in Führungspositionen im Krankenhaus; Mitglied diverser Expertenorganisationen im Krankenhausbereich wie VKD, DVKC; Promotion zur Doktorin der medizinischen Wissenschaften (Dr. rer. medic.), Fachbereich Humanwissenschaften, Universität Osnabrück, Studium der Betriebswirtschaft in Einrichtungen des Gesundheitswesens – Krankenhausmanagement (Dipl.-Kffr. (FH)), Hochschule Osnabrück.

Alexander Karsten Wolf, MBA

Mitglied der Forschungsgruppe strategisches Versorgungsmanagement und Patientensicherheit sowie langjährige Dozententätigkeit an der Hochschule Osnabrück, überwiegend in internationalen und gesundheitsbezogenen Studiengängen. Studium der internationalen Betriebswirtschaftslehre in Bielefeld und Victoria sowie eines Executive MBA in Marketing Management in Münster und Shanghai.

Abkürzungsverzeichnis


BÄOBundesärzteordnung
BVMDBundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V.
DKGDeutsche Krankenhausgesellschaft
DRGDiagnosis Related Groups
G-BAGemeinsamer Bundesauschuss
GGGrundgesetz
GKVGesetzliche Krankenversicherung
HWGGesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens (Heilmittelwerbegesetz)
IGeLIndividuelle Gesundheitsleistungen
InEKInstitut für das Entgeltsystem im Krankenhaus
IQMEInstitut für Qualitätsmessung und Evaluation
IuKDGInformations- und Kommunikationsdienste-Gesetz
KHEntgGGesetz über die Entgelte für voll- und teilstationäre Krankenhausleistungen (Krankenhausentgeltgesetz)
KHGGesetz zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser und zur Regelung der Krankenhauspflegesätze (Krankenhausfinanzierungsgesetz)
MBO-ÄMuster-Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte
MStVMedienstaatsvertrag
NEFNoteinsatzfahrzeug
PRPublic Relations
SGB VSozialgesetzbuch Fünftes Buch
UWGGesetz gegen den unlauteren Wettbewerb

Aus Gründen der Einfachheit und besseren Lesbarkeit wird in der Regel die männliche bzw. neutrale Form verwendet. Diese gilt für alle Geschlechtsformen (weiblich, männlich, divers).

Einleitung: Krankenhausführung im Wandel
Frauke Cording-de Vries

Krankenhäuser bilden das Rückgrat der medizinischen Versorgung und stellen eine tragende Säule des medizinischen Fortschritts dar. Sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und maßgeblicher Jobmotor im rasant wachsenden Gesundheitswesen, vielerorts sogar die regional größten Arbeitgeber. Die deutsche Krankenhauslandschaft verzeichnet in den vergangenen zwanzig Jahren einen tiefgreifenden Wandel: Die Zahl der Krankenhäuser ist um 15 % auf 1.925 und die der Betten um 13 % auf 498.192 gesunken (Statistisches Bundesamt 2018). Längst handelt es sich bei der Leitung eines Krankenhauses nicht mehr um eine reine Verwaltungstätigkeit, so wie historisch geschehen. Parallel zu diesem Wandel in der Praxis entwickelten sich auch neue Perspektiven in der Wissenschaft.

Die traditionelle Betriebswirtschaftslehre war seit ihrer Begründung Anfang des 20. Jahrhunderts auf rein ökonomische Erkenntnisse mit ihren kritisch-rationalen Methoden fokussiert und bezog sich nur auf erwerbswirtschaftlich-private Betriebstypen.1 Krankenhäuser bildeten zunächst keinen Interessensgegenstand. Umgekehrt war die Skepsis gegenüber der Ökonomie aus Sicht der Krankenhausleitungen ob des medizinischen und ethischen Auftrages groß. Mit neuen Erkenntnissen und wiederum neuen Fragestellungen öffnete sich der vormals engere wirtschaftliche Fokus der Betriebswirtschaftslehre und erweiterte sich um rechtliche, soziologische, technische und ethische Aspekte. Dies führte zur Weiterentwicklung der Betriebswirtschaftslehre zu einer Managementlehre, welche die Führung von Menschen in sozialen Systemen zum Gegenstand hat (Oswald 2019).

Bereits in den 1960er Jahren erwuchs aus der Betriebswirtschaftslehre das spezielle Gebiet der Krankenhausbetriebslehre und später auch das der Krankenhausmanagementlehre.2 Der medizinische Fortschritt hat seinen Preis, die Kosten steigen an und aktuell besteht großer berufsgruppenübergreifender Personalmangel. Der Wettbewerbsdruck nimmt fortwährend zu, wie die oben genannten Zahlen belegen. Stationäre Einrichtungen agieren spätestens seit Aufhebung des Selbstkostendeckungsprinzips nicht mehr in wirtschaftlicher Schwerelosigkeit und sind auf betriebswirtschaftliche Konzepte und Methoden angewiesen.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Entwicklung des Marketings im Krankenhaussektor zu verstehen. Während es mittlerweile in den allermeisten Wirtschaftszweigen einen integralen Managementbestandteil darstellt, werden Marketing und Öffentlichkeitsarbeit in der Krankenhauspraxis vielfach noch vernachlässigt, die Kommunikation ist meist austauschbar und charakterlos. Erforderlich ist ein integriertes marktgerichtetes Managementkonzept. Im vorliegenden Buch sollen die Potenziale des Marketings im Krankenhaussektor aufgezeigt werden. Es soll erläutert werden, welche Erfolgsfaktoren daran geknüpft sind und welche Bausteine für ein entsprechendes marktgerichtetes Managementkonzept notwendig sind.

In Kapitel 1 werden die theoretischen Grundlagen zum Marketing und zur Öffentlichkeitsarbeit dargelegt. Neben den ökonomischen Grundkonzepten der klassischen Betriebswirtschaftslehre sind in diesem Kontext auch die Teildisziplin der Psychologie sowie verhaltenswissenschaftliche und medizinsoziologische Erkenntnisse von Bedeutung. Kapitel 2 beinhaltet die Erläuterung eines umfassenden Konzepts eines integrierten Marketings und Kapitel 3 thematisiert Marketing und Öffentlichkeitsarbeit in der Krankenhauspraxis. Abschließend werden in Kapitel 4 Perspektiven im Krankenhausmarketing aufgezeigt.

1 Die Begründung der Betriebswirtschaftslehre als akademischem Lehrfach geht insbesondere auf Johann Wilhelm Eugen Schmalenbach (1873–1955) zurück. Sein Schwerpunkt galt vorerst dem Rechnungswesen.

2 Als Begründer der Krankenhausbetriebslehre gilt Siegfried Eichhorn (1923–2005) mit seiner grundlegenden Arbeit zur Wirtschaftlichkeitsmessung in Krankenhäusern von 1958 und seinem mehrbändigen, mehrfach aktualisierten Werk »Krankenhausbetriebslehre: Theorie und Praxis des Krankenhausbetriebes« von 1967, zuletzt erschienen 2017 als »Krankenhaus-Managementlehre« unter der Ko-Herausgabe von Julia Oswald und Barbara Schmidt-Rettig.

1 Zielgruppenspezifische Konzepte des Krankenhausmarketings
Frauke Cording-de Vries
1.1 Betriebswirtschaftliche Fundierung
1.1.1 Die Zielkonzeption im Krankenhaus

Krankenhäuser sind nach § 2 KHG »Einrichtungen, in denen durch ärztliche und pflegerische Hilfeleistung Krankheiten, Leiden oder Körperschäden festgestellt, geheilt oder gelindert werden sollen oder Geburtshilfe geleistet wird und in denen die zu versorgenden Personen untergebracht und verpflegt werden können«. Demnach ist die Zielvorgabe des Krankenhauses gesetzlich festgelegt, nämlich durch dessen institutionellen Sinn im Rahmen der öffentlichen Gesundheitsversorgung.

Auch für das Krankenhaus gilt dabei der systemindifferente allgemein-formale Wirtschaftlichkeitsgrundsatz. Die Rationalität wirtschaftlichen Handelns manifestiert sich in § 12 SGB V (1): »Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.«

Während das Hauptziel der bedarfsgerechten medizinischen Versorgung vorgegeben ist, sind die Entscheidungen über den zur Zielerreichung notwendigen Einsatz materieller und immaterieller Güter innerhalb der geltenden gesetzlichen Bestimmungen frei gestaltbar. Dabei handelt es sich einerseits um die sogenannten Elementarfaktoren (ausführende Arbeit, Betriebsmittel, Werkstoffe) und andererseits um den dispositiven Faktor, d. h. die Führungskräfte und die ihnen zugeordneten Funktionen (Betriebsführung, Planung, Organisation, Überwachung).

Die Zielerreichung setzt ein spezielles strategisches Vorgehen voraus und muss für seine Umsetzung auf dispositiver und operativer Ebene handhabbar gemacht werden, also in Teilziele für die diversen Leistungsebenen heruntergebrochen werden. Der Wertschöpfungsprozess innerhalb eines Betriebes vollzieht sich auf der normativen Ebene innerhalb eines bestimmten Wertesystems, welches idealerweise gezielt, transparent und in sich stimmig (vor-)gelebt wird. Und schließlich determiniert die Krankenhausumwelt mit der rasanten Dynamik medizinischen Wissens und technologischer Möglichkeiten sowie gesellschaftlicher, politischer und wettbewerblicher Veränderungsprozesse den Erfolg des Betriebes. Somit unterscheiden sich die jeweiligen Managementansätze innerhalb der Krankenhauslandschaft teilweise stark voneinander.

An der Zielbildung des Krankenhauses sind unterschiedliche Anspruchsgruppen beteiligt, welche in unterschiedlicher Beziehung dazu stehen (Thommen 2017). Alle Stakeholder können die Unternehmensziele durch ihre Ansprüche und Erwartungen mehr oder weniger stark beeinflussen. Zu den sekundären Anspruchsgruppen (Satellitengruppen) zählen Banken, Zulieferer, Verbände, Politgruppen etc. Sie beeinflussen den Zielsetzungsprozess nur indirekt. Einen unmittelbaren Einfluss haben die Kerngruppen als primäre Anspruchsgruppen. Sie sind für die Unternehmensziele von immanenter Bedeutung:

• die Eigentümer bzw. der Krankenhausträger

Der Krankenhausträger leitet seinen Einfluss auf das Zielsystem aus der Eigentumsstellung innerhalb marktwirtschaftlich organisierter Systeme ab. Zwar sind die Rahmenbedingungen für die Gesundheitsversorgung in Deutschland vorgegeben, doch das Prinzip der Selbstverwaltung sieht vor, dass die weitere Organisation und Finanzierung durch die Akteure ((Zahn-)Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Krankenkassen und Versicherte) selbst erfolgen soll.3

• das Management bzw. die Krankenhausleitung

Häufig wird die Einflussnahme der Krankenhausträger an die Krankenhausleitung delegiert, die ihrerseits durch die ihr zugewiesenen Führungsaufgaben die Zielbildung maßgeblich bestimmen.

• die Mitarbeiter

Die Mitarbeiter sind ebenfalls mittelbar an der Gestaltung wesentlicher Teilbereiche beteiligt, zumal der Fachkräftemangel in den medizinischen und pflegerischen Berufen eine hinreichende Mitarbeiterorientierung unabdingbar macht.

Das Zielsystem einer Unternehmung bzw. einer Krankenhausorganisation ist also ein komplexes Gefüge von mehr oder weniger interdependenten Einzelzielen ( Tab. 1.1).

Tab. 1.1: Zielsystem im Krankenhaus (Quelle: in Anlehnung an Haubrock 2018, S. 511)


ZielkategorieInhalt

Abhängig vom jeweiligen Zielinhalt lässt sich die Zielerreichung auf unterschiedlichen Skalen messen:

• Nominalskala: relevant ist die Zielerreichung an sich; es wird gemessen, ob ein Ziel erreicht worden ist oder nicht (z. B. Kooperation mit anderen Versorgern erreicht?)

• Ordinalskala: Zugrundelegung einer Rangordnung; die ordinale Messung der Zielerreichung vergleicht Zielerreichungsgrade miteinander (z. B. besser, schlechter, gleich) oder bringt Zielerreichungsgrade in eine Rangfolge (z. B. anhand von Schulnoten)

• Kardinalskala: der Zielerreichungsgrad wird durch einen numerischen Wert ausgedrückt (Eigenkapitalquote, Wartezeiten)

Die definierten Ziele stehen in Beziehung zueinander. Es lassen sich drei Arten von Zielrelationen unterscheiden:

• Zielkomplementarität liegt vor, wenn die Erreichung eines Ziels die Erreichung eines anderen begünstigt.

• Zielkonkurrenz liegt vor, wenn die Erfüllung eines Zieles zu einer Minderung des Zielerreichungsgrades eines anderen Zieles führt.

• Bei Zielindifferenz beeinflussen sich die jeweiligen Ziele nicht.

1.1.2 Die Krankenhausproduktion als Interaktionsmodell

Krankenhäuser zählen aus betriebswirtschaftlicher Perspektive zu den kundenpräsenzgebundenen Dienstleistungsunternehmen. Gesundheitsleistungen sind komplexe Dienstleistungen am Menschen mit dem Ziel, dessen Gesundheitszustand zu verbessern. Aufgrund der Heterogenität von Dienstleistungen ist ein enumerativer Definitionsansatz ebenso wie eine Negativdefinition als Abgrenzung zu Sachgütern wenig zweckmäßig. Im Folgenden soll daher auf die konstitutiven Merkmale von Dienstleistungen abgestellt werden. Die Erörterung der Merkmale hat entscheidenden Einfluss auf den Absatz und die Vermarktung von Gesundheitsleistungen, wie die nachfolgenden Kapitel zum Krankenhausmarketing zeigen werden.

In Anlehnung an die idealtypische Unterteilung der Dienstleistungsproduktion in drei Phasen (Donabedian 1980, S. 85 ff.) können folgende Definitionsansätze unterschieden werden ( Abb. 1.1):

• Struktur- bzw. Potenzialorientierung der Dienstleistung

Der Leistungsanbieter stellt die zur Behandlung erforderliche Infrastruktur in Form von materiellen Gütern wie Gebäuden und weiterer Ausstattung sowie die personellen Ressourcen bereit. Die Dienstleistung wird durch die Kompetenzen sowie die Bereitschaft zur Leistungserstellung determiniert.

• Prozessorientierung der Dienstleistung

Die Dienstleistung erfolgt aus dem synchronen Prozess der Leistungserbringung durch den Anbieter und der Inanspruchnahme durch den Leistungsempfänger unter seiner Mitwirkung.

• Ergebnisorientierung der Dienstleistung

Die Dienstleistung ist das immaterielle Ergebnis der auf den Leistungsempfänger ausgerichteten Maßnahmen und Tätigkeiten.


Abb. 1.1: Dimensionen der Gesundheitsleistung (Quelle: in Anlehnung an Hilke 1989, S. 15)

Nach der kombinierten phasenbezogenen Betrachtung sind Dienstleistungen eigenständige, marktfähige Leistungen, welche mit dem Einsatz geeigneter materieller Ressourcen und der Leistungsbereitschaft sowie den Kompetenzen personeller Ressourcen verbunden sind (Potenzialorientierung). Interne (materielle und personelle) sowie externe (außerhalb des Einflussbereiches des Anbieters liegende) Faktoren werden im Rahmen des Erstellungsprozesses miteinander kombiniert (Prozessorientierung). Ziel der Faktorkombination durch den Leistungsanbieter ist die Erzeugung einer nutzenstiftenden Wirkung für Menschen und ggf. deren Objekte (Meffert u. a. 2018).

Für Gesundheitsleistungen als spezielle Dienstleistungen ergeben sich folgende charakteristische Kernelemente (Lovelock und Wright 2016; Meffert u. a. 2018; Greiling 2010):

• Immaterialität

Gesundheitsleistungen kann man im Gegensatz zu Sachgütern nicht sehen, fühlen, hören, riechen oder schmecken. Durch die Immaterialität und auch die damit verbundene Intangibilität ist die Inanspruchnahme aus Kundensicht mit höheren Risiken behaftet.

• Integration des externen Faktors und uno actu-Prinzip Gesundheitsleistungen sind als beiderseitig personenbezogene Dienstleistungen durch die Mitwirkung des Patienten als externem Faktor in die Prozesse gekennzeichnet. Die Leistungserstellung durch den Anbieter und die Inanspruchnahme durch den Nachfrager erfolgen zeitlich synchron (uno actu). Aus Anbietersicht besteht insofern ein Risiko, als dass der Erfolg der Leistungserstellung vom Nachfrager beeinflusst wird.

• Individualität

Gesundheitsleistungen erfolgen individuell am einzelnen Menschen mit seinen unterschiedlichen Präferenzen und Fähigkeiten und werden durch die Leistungskompetenz der Ärzte und des Pflegepersonals bestimmt.

• Nichtlagerfähigkeit

Gesundheitsleistungen können aufgrund des uno actu-Prinzips nicht auf Vorrat produziert oder gelagert werden.

• Geringe Rationalisierbarkeit

Die Rationalisierbarkeit von Gesundheitsleistungen im Sinne der Substitution von menschlicher Arbeit durch Maschinen ist bei beiderseitig personenbezogenen Dienstleistungen gering.

Gesundheitsleistungen sind Erfahrungsgüter. Erst während des Aufenthaltes in einer Einrichtung kann der Patient die Leistung beurteilen. Wesentliche Elemente (z. B. das medizinische Ergebnis einer Behandlung) können vom Patienten in der Regel nicht beurteilt werden. Aus diesem Grund sind Gesundheitsleistungen gleichermaßen Vertrauensgüter.

Nach Art und Intensität der Kundeneinbindung in den Erstellungsprozess können drei Kategorien unterschieden werden:

• Bei der unterstützend-interaktiven Dienstleistung bringt der Kunde ein Sachobjekt als externen Faktor ein. Mit einem hohen Maß an technischem Support bis hin zur vollständigen Automatisierung wird die Dienstleistung erbracht (z. B. Autowaschstraße, Textilreinigung).

• Problemorientiert-interaktive Dienstleistungen sehen den direkten (vom Dienstleister zum Kunden) oder den indirekten (über Medien) Austausch von Informationen vor (z. B. Werbeagentur, Unternehmensberatung).

• Im Rahmen persönlich-interaktiver Dienstleistungen bringt sich der Kunde selbst als externen Faktor in die Produktion mit ein (z. B. medizinische und pflegerische Versorgung). Die jeweiligen physischen, psychischen, intellektuellen oder emotionalen Einflüsse auf den Kunden korrelieren mit der Dauer und der Intensität der persönlichen Interaktion.

Allen genannten Kategorien ist gemein, dass es um die (personen- oder sachgutbezogene) Mitwirkung des Kunden geht. Während es sich bei der unterstützend-interaktiven Dienstleistung aber um ein quasi-industriell erbrachtes Ergebnis handelt, welches aufgrund des Sachgutcharakters vergleichsweise gut bewertet werden kann, unterscheidet sie sich in dieser Hinsicht von der persönlich-interaktiven Dienstleistung. Krankenhausversorgung stellt einen offenen und interaktiven Prozess mit komplexen Beziehungen dar. Mit dem Interaktionsmodell der Krankenhausproduktion (Eichhorn und Oswald 2017) wird das organisatorisch-technische Modell der Krankenhausproduktion zum einen um die Elemente des Patienten mit seinen Bedürfnissen, Erwartungen und Fähigkeiten, d. h. seinem individuellen Persönlichkeits- sowie seinem Krankheitsartenmuster, und zum anderen um das Ressourcenmuster des Krankenhauses erweitert. Letzteres beschreibt sowohl die sachlichen Ressourcen (Medizintechnik, Räumlichkeiten, Ausstattung, Verbrauchsmaterial) als auch die personellen Ressourcen (Qualifikation der entsprechenden Berufsgruppen).

Ziel der Krankenhausbehandlung ist die Verbesserung des Gesundheitszustandes des Patienten. Die Wertschöpfungskette erstreckt sich über die Entscheidungsbereiche Diagnostik, Therapie, Pflege und Hotelversorgung und vollzieht sich dabei in einem komplexen Interaktionssystem auf einer instrumentell-rationalen und einer affektiven Ebene. Die Individualität des Patienten und auch die der Krankenhausmitarbeiter sowie die wechselseitige Beeinflussung an den verschiedenen Kontaktpunkten der Interaktionspartner erschweren die Determinierbarkeit des Leistungsergebnisses. Die Bewertung der Qualität ist nicht beständig und kann sich bei gleichbleibender Leistung verändern, beispielsweise durch Veränderung der Kundenerwartungen.

1.1.3 Kundenorientierung und theoretische Erklärungsmodelle
Kundenorientierung als Unternehmensphilosophie

In der Literatur existiert für den Marketingbegriff eine Vielzahl von Definitionsansätzen. Nach Kotler ist Marketing »ein Prozess im Wirtschafts- und Sozialgefüge, durch den Einzelpersonen und Gruppen ihre Bedürfnisse und Wünsche befriedigen, indem sie Produkte und andere Austauschobjekte von Wert erzeugen, anbieten und miteinander austauschen« (Kotler u. a. 2010a, S. 11). Die American Marketing Association definiert Marketing als »the activity, set of institutions, and processes for creating, communicating, delivering, and exchanging offerings that have value for customers, clients, partners, and society at large« (American Marketing Association 2017). Der Deutsche Marketingverband versteht unter Marketing eine marktorientierte Unternehmensführung, die alle relevanten Unternehmensaktivitäten auf die Wünsche und Bedürfnisse von Anspruchsgruppen ausrichtet. Allen Begriffsfassungen gemein ist dabei, dass es sich nicht um eine funktionale Betrachtungsweise handelt, sondern dass Marketing als Prozess und umfassende Markt- bzw. Kundenorientierung zu verstehen ist, welche die agierenden Personen in den Mittelpunkt stellt. Somit manifestiert sich Marketing auch als Unternehmensphilosophie auf der normativen Managementebene des Unternehmens und bildet die Grundlage für das gesamte Planen und Handeln (Weis 2019).

Abgrenzung des Dienstleistungsmarketings

Durch die Charakteristika der Dienstleistung (Immaterialität, Integration des externen Faktors und uno actu-Prinzip, Individualität, Nichtlagerfähigkeit, geringe Rationalisierbarkeit; Kap. 1.1.2) unterscheiden sich Planung und Maßnahmen des Dienstleistungsmarketings vom Konsumgüter- und Investitionsgütermarketing in vielfacher Hinsicht ( Tab. 1.2). Insbesondere für den Unternehmenstypus des Krankenhauses ist ein spezifisches Marketing erforderlich. Die immaterielle Dienstleistung benötigt ein Trägermedium, durch welches ein Image geschaffen werden kann, welches dem potenziellen Kunden als Entscheidungsgrundlage dienen kann.

Tab. 1.2: Abgrenzung der Marketingbereiche Quelle: in Anlehnung an Weis 2019, S. 54 f.


KriteriumDienstleistungsmarketingKonsumgütermarketingInvestitionsgütermarketing

Stärke der Kundenbeziehung

Das Ausmaß bzw. die Stärke von Kundenbeziehungen lassen sich jeweils durch unterschiedliche Kriterien beschreiben. Die Unterteilung von ökonomischen, psychologischen und verhaltensbezogenen Indikatoren für die Beziehungsintensität erscheint dabei zweckmäßig (Meffert und Bruhn 2012, S. 73):

• ökonomische Indikatoren:

– Kundendeckungsbeitrag

– Umsatz

– Marktanteil

• psychologische Indikatoren:

– Kundenzufriedenheit

– Commitment

– Compliance

– Vertrautheit und Vertrauen

• verhaltensbezogene Indikatoren:

– Kaufverhalten (Wiederkauf, Cross Selling)

– Integrationsverhalten (Offenheit und Informationsverhalten)

– Kommunikationsverhalten (Botschafter für den Anbieter)

Konzept des Kundenbeziehungszyklus

Kundenbeziehungen sind im Zeitablauf veränderlich. Anlog zum Lebenszykluskonzept kann die Kundenbeziehungsintensität im Verhältnis zur Beziehungsdauer betrachtet werden (Meffert und Bruhn 2012). Im Kundenbeziehungszyklus sind drei Phasen der Kundenbindung zu unterscheiden ( Abb. 1.2). In der Phase der Neukundenakquisition wird der Grundstein für die Beziehung von Anbieter und Nachfrager gelegt (Günther 2013). Es folgt mit der zweiten Phase die Kundenbindung. Sie ist durch Wachstum und Reife geprägt. Die dritte Phase umfasst die potenzielle Beendigung, sodass ggf. Rückgewinnungsmaßnahmen für abwanderungsgefährdete oder bereits abgewanderte Kunden ergriffen werden müssen.


Abb. 1.2: Kundenbeziehungszyklus (Quelle: in Anlehnung an Bruhn 2009, S. 60; Stauss 2011, S. 327)

Theorien zur Erklärung von Dienstleistungsbeziehungen

Zur zielgerichteten Ausgestaltung des Marketings ist es erforderlich, die Austauschbeziehung der Marktteilnehmer genauer zu analysieren. Im Folgenden sollen einige wesentliche ökonomische und verhaltenswissenschaftliche Erklärungsansätze vorgestellt werden, welche speziell für das Krankenhausmarketing zweckdienlich erscheinen.4

a) ökonomische Modelle

Im Rahmen der ökonomischen Erklärungsmodelle wird insbesondere die bestehende Informationsasymmetrie in den Vordergrund gestellt. In diesem Kontext wird das Modell der Informationsökonomik erläutert (Meffert u. a. 2018).

Als Grundannahme bestehen Informationsdefizite auf zwei Ebenen:

• Informationsdefizite auf der leistungsbezogenen Ebene ergeben sich, da der Kunde die Dienstleistung aufgrund der Immaterialität schlecht beurteilen kann. Dies gilt vor Inanspruchnahme der Dienstleistung und zumeist bleibt die Beurteilungsunsicherheit auch nach der Leistungserstellung bestehen.

• Informationsdefizite auf der transaktionspartnerbezogenen Ebene resultieren aus der Tatsache, dass beide Partner über spezifisches Wissen verfügen. Der Nachfrager kennt die Potenzialfaktoren des Anbieters nicht und weiß nichts über den Erstellungsprozess. Umgekehrt hat der Anbieter keine Kenntnis über die Motivation und die individuellen Eigenschaften des Kunden, der jedoch als externer Faktor den Leistungserfolg mit beeinflusst.

Für die Analyse der Beurteilungsmöglichkeiten einer Dienstleistung aus Kundensicht unterscheidet die Informationsökonomik mit den Such-, Erfahrungs- und Vertrauenseigenschaften drei Leistungsmerkmale. Sucheigenschaften bezeichnen dabei Merkmale, die durch den Kunden im Vorfeld beurteilbar sind. Erfahrungseigenschaften lassen sich erst während bzw. nach der Inanspruchnahme der Leistung beurteilen. Bei den Vertrauenseigenschaften können Kunden nicht direkt bzw. gar keine Beurteilung vornehmen. Abbildung 1.3 setzt die Leistungsmerkmale in drei Dimensionen ins Verhältnis und verdeutlicht die beispielhafte Einordnung einer ärztlichen Leistung in Abgrenzung zu einem Friseurbesuch und einem Konsumgut (Handy).

Durch die Einordnung der Dienstleistung lassen sich Rückschlüsse für die Gestaltung des Dienstleistungsmarketings ziehen. Je höher der Anteil an Vertrauens- und Erfahrungseigenschaften ist, desto höher ist der Unsicherheitsgrad aus Kundenperspektive. Als Maßnahmen zum Abbau der Unsicherheiten bieten sich Informationsaktivitäten an, die beide Marktteilnehmer in unterschiedlichem Umfang betreffen.

Abb. 1.3: Merkmalsdimensionen von Dienstleistungen (Quelle: in Anlehnung an Weiber und Adler 1995, S 61)

Informationsaussendung (Signalling):

• durch den Anbieter:

Durch die Aussendung glaubwürdiger Informationen bezweckt der Anbieter, dem Kunden Vertrauen in seine Kompetenz zu vermitteln. Die eigene Infrastruktur, die besonderen Fähigkeiten der Mitarbeiter, Zertifizierungen etc. können in diesem Zusammenhang beispielsweise beworben werden. Für bestimmte Leistungen eignet sich zudem das Angebot der Übernahme von Garantien. Schließlich können Referenzkunden präsentiert werden, die über ihre guten Erfahrungen berichten und positive Qualitätsassoziationen beim Kunden bewirken sollen.

Der Wahrheitsgehalt der Signalling-Botschaften ist mithin schwer beurteilbar, wodurch der Überzeugungskraft der Argumente umso höhere Bedeutung zukommt. Im Rahmen einer dynamischen Betrachtung, bei der nach Abschluss einer Transaktion eine weitere erfolgt, kann durch mehrperiodischer Signallingmodelle ein Markenimage aufgebaut werden. Eine gute Reputation bewirkt beispielsweise für den Nachfrager von Gesundheitsleistungen, dass sich die reine Vertrauenseigenschaft aufgrund positiver Erfahrungen verringert. Somit ist die Einstufung einer Leistung im informationsökonomischen Dreieck mit anhaltender Kundenbeziehung veränderbar.

• durch den Nachfrager:

Durch die wahrheitsgemäße Preisgabe relevanter Informationen zur eigenen Person und zu seiner Kooperationsfähigkeit liefert der Kunde, der selbst als externer Faktor zum Leistungsergebnis beiträgt, einen bedeutsamen Beitrag für den Anbieter zur Einschätzung seines Transaktionspartners. Dies erlaubt dem Anbieter, sich auf die individuellen Erfordernisse des Nachfragers einzustellen.

Informationssuche (Screening):

• durch den Anbieter:

Zur Reduktion der Informationsdefizite hat der Anbieter im Einzelfall die Möglichkeit, durch aktives Nachfragen relevante Aspekte für die Transaktion zu klären bzw. den Kunden zur Selbstauskunft oder Selbsteinschätzung zu bewegen. Dabei ist darauf zu achten, dass das Ergebnis nicht durch eine stressbehaftete Atmosphäre oder durch unpräzise Fragestellungen verfälscht wird. Zum grundsätzlichen Wissensaufbau zielgruppenspezifischer Bedürfnisse und Erwartungen sind Marktforschungsaktivitäten erforderlich.

• durch den Nachfrager:

Die aktive Informationsbeschaffung zum Abbau von Unsicherheit erfolgt nachfrageseitig durch Angebotsvergleich, insbesondere durch Qualitätsvergleich, von unterschiedlichen Anbietern und durch das Einholen von Empfehlungen über Vertrauenspersonen.

b) verhaltenswissenschaftliche Modelle

Die verhaltenswissenschaftlichen Modelle haben das tatsächliche Verhalten von Menschen zum Gegenstand (psychologische Erklärungsansätze wie S-O-R-Modell und Dissonanztheorie) oder beziehen sich auf die Analyse und die Gestaltung von Interaktionen (sozialpsychologischer Erklärungsansatz) (Kroeber-Riel und Gröppel-Klein 2019; Meffert u. a. 2018; Weis 2019). Aus den Modellen lassen sich wiederum Implikationen für die Ausgestaltung des Dienstleistungsmarketings ableiten.

S-O-R-Modell

Das Stimulus-Organismus-Response-Modell ist ein einfaches Schema zur Erklärung des Käuferverhaltens. Marketingpolitische Instrumente bzw. »Stimuli« (S) wirken auf den Nachfrager bzw. »Organismus« (O) ein und bewirken eine beobachtbare Reaktion »Response« (R). Die nicht beobachtbaren psychischen Zustände sowie die Beziehungen im Organismus werden als hypothetische Konstrukte zur Erklärung der intervenierenden Variablen des Organismus abgebildet. Bei den intervenierenden Variablen sind die kognitive Ebene (Wissen) und die affektive Ebene (Einstellungen, Gefühlen, Vertrauen etc.) zu unterscheiden. Die Stimuli wirken in Abhängigkeit von den jeweiligen intervenierenden Variablen auf unterschiedliche Weise auf den Organismus ein. Die Marketingwissenschaft entwickelte auf dieser Grundlage zahlreiche, weiter differenzierte theoretische Konstrukte sowie empirische Forschung zur Erklärung des Konsumentenverhaltens (vgl. dazu auch Kroeber-Riel und Gröppel-Klein 2019, S. 4 ff.). Für das Dienstleistungsmarketing bedeutet dies, die Bedürfnisse und Erwartungen der verschiedenen Zielgruppen zu erheben und zu analysieren, um zur Beeinflussung ihrer Entscheidungsfindung im nächsten Schritt den Marketing-Mix spezifisch ausrichten zu können.

Dissonanztheorie

Die Dissonanztheorie (Festinger 1957) ist ein psychologischer Erklärungsansatz, der wie bei den ökonomischen Modellen auf die Informationsasymmetrie der Marktteilnehmer abstellt. Dabei stehen jedoch das subjektive Empfinden der Unsicherheit und der individuelle Umgang damit im Zentrum des Interesses. Nach der Dissonanztheorie strebt jedes Individuum nach kognitiver Konsistenz, also nach einer widerspruchsfreien Verknüpfung von inneren Erfahrungen, Kognitionen und Einstellungen. Bei einer (Kauf-)Entscheidung wird demnach versucht, auftretende Dissonanzen (Widersprüche) entweder schon möglichst im Vorfeld zu vermeiden oder im Nachhinein zu beseitigen bzw. zu verdrängen (Gerrig 2016).

Das Erleben von Dissonanzen stellt sich vielfach ex post ein (Kroeber-Riel und Gröppel-Klein 2019):

• wenn erste Erfahrungen mit der Leistung zu Enttäuschungen geführt haben,

• als Folge kritischer Kommentare durch als kompetent wahrgenommene Dritte und/oder

• aus dem Gefühl heraus, möglicherweise doch die falsche Alternative gewählt zu haben, was durch Werbekontakte anderer Anbieter forciert werden kann.

Das Auftreten und das Ausmaß der kognitiven Dissonanz sind von mehreren Faktoren abhängig. Die empfundene Dissonanz wird umso stärker erlebt,

• je geringer das Selbstwertgefühl und die eigene Kompetenzeinschätzung sind. Ein schlecht informierter Kunde wird sich demnach mit einer höheren Wahrscheinlichkeit nach der Kaufentscheidung mit Zweifeln konfrontiert sehen.

• je stärker die persönliche Verantwortung für die Kaufentscheidung empfunden wird.

• je aktiver der Kunde nach der Kaufentscheidung nach weiteren Informationen sucht, die möglicherweise mit der Entscheidung im Widerspruch stehen könnten.

• je geringer die subjektive Toleranz gegenüber kognitiven Unstimmigkeiten ist.

Insbesondere bei high involvement-Leistungen und Dienstleistungen, die eine körperliche Integration des Kunden erfordern, sind Kaufentscheidungen mit dem subjektiven Erleben von Unsicherheit und Risiko verbunden. Im Rahmen des Krankenhausmarketings ist somit zu berücksichtigen, insbesondere Vorbehalte sowie Ängste durch gezieltes Informieren und Vertrauensvermittlung abzubauen und den differenzierten Umgang mit unterschiedlichen Kundentypen im Rahmen der kommunikationspolitischen Ansprache vorzunehmen. Zudem endet die Kundenbeziehung nicht mit Abschluss der Dienstleistung, sondern es sind Maßnahmen zu ergreifen, die auch dem Auftreten von Dissonanzen im Nachhinein möglichst entgegenwirken.

Sozialpsychologischer Erklärungsansatz

Weitere Erklärungsansätze liefert die Sozialpsychologie, welche für dyadisch-personal geprägte Interaktionen von Austauschbeziehungen zwei Ebenen differenziert (Meffert u. a. 2018). Aus Kundensicht wird die Interaktion nicht nur auf der sachlichen Ebene im Sinne einer neutralen Problemlösung wahrgenommen, sondern der Kontakt mit dem Mitarbeiter wird auf der affektiven Ebene in einem sozialen Gesamtkontext interpretiert.

Im Rahmen der Sozialen Austauschtheorie (Homans 1961; Blau 1964) liegt dem Austausch von Werten in einer sozialen Beziehung die zentrale Annahme zugrunde, dass beide Seiten Gleichheit anstreben. Dies bedeutet, dass beide Transaktionspartner darauf achten, dass der andere nicht übervorteilt wird, da ansonsten mit der Auflösung der Beziehung zu rechnen ist. Aus der Kundenperspektive erfolgt eine Bewertung der Beziehung anhand ökonomischer Überlegungen. Die Beziehung erscheint erhaltenswert, wenn der Nettonutzen (Outcome OC) positiv ist. Dieser ergibt sich wiederum aus der Abwägung von Austauschnutzen und Austauschpreis. Trotz ökonomischem Kalkül sind dabei soziale Aspekte von großer Bedeutung, da auch Vertrauen, Anerkennung und Zuneigung zentrale Nutzenelemente darstellen.

Für die Beurteilung wird ein Vergleichsmaßstab (Comparison Level CL) herangezogen, wobei sich Zufriedenheit einstellt, wenn OC über CL liegt. Das Comparison Level wird im Wesentlichen von den subjektiven Erfahrungen des Kunden determiniert, d. h. von den Kundenerwartungen. Dabei beziehen sich die jeweiligen Erfahrungen nicht nur auf den Anbieter, sondern auch auf den Vergleich mit Alternativen von Wettbewerbern (CLALT). Für das Dienstleistungsmarketing wird deutlich, dass eine umfassende Kunden-, aber auch eine Wettbewerbsanalyse als valide Basis unabdingbar ist.

Interne und externe Zielgruppen

Eine konsequente Markt- und Kundenorientierung setzt die Identifikation der relevanten Zielgruppen voraus. Das Dienstleistungsmarketing unterscheidet grundsätzlich interne und externe Zielgruppen. Im Rahmen des Krankenhausmarketings zählen dazu i. e. S.:

• die Patienten: Sie stellen die eigentlichen Kunden für den Absatz von Gesundheitsleistungen dar.

• die Zuweiser: Haus- und Fachärzte sind für die Überweisung von Patienten vom ambulanten in den stationären Sektor verantwortlich.

• die Mitarbeiter: Durch das dienstleistungsspezifische uno actu-Prinzip sind die Mitarbeiter maßgeblich erfolgsrelevant.

Obwohl Patienten und Zuweiser zunächst als externe und Mitarbeiter als interne Zielgruppe begriffen werden könnten, so erfüllen alle drei Gruppen gleichermaßen eine Doppelrolle: Externe Patienten, Zuweiser und Mitarbeiter sollen beworben werden (externes Krankenhausmarketing), deren internes Pendant fungiert jedoch als Botschafter und Multiplikator und determiniert die Ergebnisqualität. Die Zufriedenstellung, Motivation und damit die Bindung der internen Gruppen sind Bestandteile des internen Krankenhausmarketings.

Zusammenfassend ist für das Krankenhausmarketing eine Kundenorientierung unerlässlich. Als interne und externe Zielgruppen fokussiert sich das Krankenhausmarketing auf Patienten, Zuweiser und Mitarbeiter. Die Kundenorientierung ist dabei nicht statisch, sondern als dynamischer Prozess zu verstehen, wobei die Beziehungsintensität veränderlich ist.

Aus den vorgestellten theoretischen Erklärungsansätzen leiten sich die folgenden Aspekte ab: Der Informationsasymmetrie muss durch gezielte Signalling- und Screening-Maßnahmen durch die Marktteilnehmer, insbesondere aber durch Anbieter, begegnet werden. Durch umfassende und zugleich glaubwürdige Informationen kann dem dienstleistungsspezifischen Kundengefühl von Angst und Unsicherheit, welches sich auch ex post noch einstellen kann, begegnet werden. Unerlässlich für die Einschätzung der Bedürfnisse und Erwartungen und damit letztlich für die »Kaufentscheidung« ist die eingehende typenspezifische Kundenanalyse. Da die Beurteilung auch stets alternative Angebote einbezieht, ist die Analyse der Wettbewerber ebenfalls unerlässlich.

Bevor Kapitel 1.3 für die drei genannten Zielgruppen jeweils wesentliche Schwerpunkte für das Krankenhausmarketing thematisiert, welche in Kapitel 2 im Rahmen eines umfassenden Marketingkonzeptes integriert werden, soll im folgenden Abschnitt auf die rechtlichen Besonderheiten eingegangen werden. Hinsichtlich des Einsatzes des marketingpolitischen Instrumentariums entscheiden Krankenhäuser nicht autonom. Grenzen werden im Hinblick auf die politische Angebots- und Preissteuerung sowie auf die schützenswerten Verbraucher bzw. Patienten gesetzt.

1.2 Rechtliche Restriktionen für Krankenhauswerbung

Grundsätzlich sind Öffentlichkeitsarbeit und Werbung im Rahmen der Kommunikationspolitik von Krankenhäusern zulässig. Zwar gelten im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren gewisse Einschränkungen, jedoch hat sich der gesetzliche Rahmen in den letzten Jahren deutlich gelockert.

Informationswerbung wird heute als Recht und Pflicht zugleich angesehen (Lüthy und Buchmann 2009). So muss sich der Patient aufgrund seiner Rechte auf freie Arztwahl und medizinische Selbstbestimmung informieren können, was die Leistungserbringer zur Information und Öffentlichkeitsarbeit verpflichtet. Auf der anderen Seite begründet sich das Recht auf Werbung für die Kliniken aus dem Grundgesetz (Artikel 5 GG »Meinungsfreiheit« und Artikel 12 GG »freie Berufsausübung«).

Spezielle Regelungen für Krankenhäuser gibt es nicht, sie unterliegen unabhängig von der Rechtsform oder der Trägerschaft dem allgemeinen Wettbewerbsrecht. So sind im Rahmen der Außendarstellung folgende Rechtsvorschriften zu beachten:

• Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)

• Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens (Heilmittelwerbegesetz – HWG)

• Muster-Berufsordnung für die deutschen Ärztinnen und Ärzte (MBO-Ä)

Die Rechtsvorschriften gelten unabhängig voneinander, so dass alle gleichermaßen im Einzelfall zu prüfen sind. Ziel dabei ist es, eine Kommerzialisierung des Arztberufes und das Ausnutzen von Patientenvertrauen zu verhindern.

Weitere Vorschriften ergeben sich aus der konkreten Ausgestaltung der Werbemaßnahme (Burghardt 2016). So sind beispielsweise für die Gestaltung der Krankenhauswebsite die Regelungen des Informations- und Kommunikationsdienste-Gesetzes (IuKDG) und des Medienstaatsvertrages (MStV) zu berücksichtigen.

Eine wichtige Unterscheidung wird bei den Werbenden einerseits und bei den Adressaten andererseits vorgenommen. Während für Ärzte uneingeschränkt das ärztliche Berufsrecht gilt, haben Krankenhäuser als Werbende höhere Freiheitsgrade. Für sie gelten zunächst nur das UWG und das HWG. Das ärztliche Berufsrecht findet lediglich im Ausnahmefall des Verbots der Fremdwerbung für Ärzte Anwendung. Dies begründet sich dadurch, dass Krankenhäuser durch den höheren Leistungsumfang (wie Unterbringung und Verpflegung im Rahmen der stationären Pflege, Vorhaltung umfangreicher Infrastruktur etc.) und den entsprechenden Mehraufwand für ihre Existenzsicherung in einem wettbewerblichen Marktumfeld auf Werbemaßnahmen angewiesen sind.

Bei den Adressaten von Werbung ist zwischen Fachpublikum und Laienpublikum zu unterscheiden. Patienten sind in der Regel fachunkundige Laien und können Werbebotschaften möglicherweise fehlinterpretieren. Demnach ist Werbung, die sich an Patienten und die Öffentlichkeit richtet, zu deren Schutz stärkeren Reglementierungen unterworfen. Im Folgenden werden die wesentlichen Inhalte der Regelwerke vorgestellt.

Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)

Alle Werbetreibenden haben die Vorschriften des UWG zu beachten, somit auch Krankenhäuser. Nach § 1 UWG dient das Gesetz dem Schutz des freien Wettbewerbs und dem Schutz der freien Entscheidung der Verbraucher. Die Anwendung ist in § 2 UWG geregelt und bezieht sich somit auch auf Krankenhauswerbung, denn diese zielt als geschäftliche Handlung zwecks Absatzförderung auf die Beeinflussung und Gewinnung von Verbrauchern bzw. Patienten ab. Bestimmend für das Gesetz sind der Wahrheitsgrundsatz und das Verbot der Irreführung. Die §§ 3 bis 7 UWG regeln die grundlegenden Verbotstatbestände unlauterer Handlungen, den Mitbewerberschutz, das Verbot der Irreführung, das Verbot der vergleichenden Werbung sowie von unzumutbaren Belästigungen. Darüber hinaus umfasst das UWG Rechtsfolgen (§§ 8 bis 11), Verfahrensvorschriften (§§ 12 bis 15) sowie Straf- und Bußgeldvorschriften (§§ 16 bis 20).

§ 3 UWG besagt, dass unlautere geschäftliche Handlungen unzulässig sind, und spezifiziert den Begriff unlauter als Handlungen, die »nicht der unternehmerischen Sorgfalt entsprechen und dazu geeignet sind, das wirtschaftliche Verhalten des Verbrauchers wesentlich zu beeinflussen« (§ 3 UWG Abs.2). Im Anhang des UWG sind entsprechende unzulässige geschäftliche Handlungen aufgeführt.

Nach § 4 UWG handelt unlauter, wer Mitbewerber oder deren Angebote herabsetzt oder verunglimpft, Unwahrheiten verbreitet oder Verbraucher wissentlich täuscht und Mitbewerber gezielt schädigt.

§ 5 UWG verbietet irreführende geschäftliche Handlungen, d. h., dass »unwahre (…) oder sonstige zur Täuschung geeignete Angaben« vorgenommen werden. Für Krankenhäuser ist in diesem Zusammenhang die spezielle Bezeichnung einer Klinik (z. B. Fachklinik) oder einer besonderen Qualifikation von Ärzten (Professorentitel, falls dieser auf einem nichtmedizinischen Fachgebiet erworben wurde) im Einzelfall auf Zulässigkeit zu prüfen. § 5a UWG regelt den Tatbestand der Irreführung durch Verschweigen von Informationen.

Die relevanten Anforderungen für die vergleichende Werbung ist in § 6 UWG geregelt. Vergleichende Werbung ist danach »jede Werbung, die unmittelbar oder mittelbar einen Mitbewerber oder die von einem Mitbewerber angebotenen Waren oder Dienstleistungen erkennbar macht«. So ist eine vergleichende Werbung durch Krankenhäuser zulässig, soweit diese wahr, vollständig, sachlich korrekt ist und keine Verunglimpfung darstellt.

§ 7 UWG regelt unzumutbare Belästigungen. Dieser Tatbestand ist gegeben, wenn »erkennbar ist, dass der angesprochene Marktteilnehmer diese Werbung nicht wünscht«. Die trifft beispielsweise auf unaufgeforderte Telefonanrufe oder E-Mails zum Zweck der Werbung seitens des Krankenhauses zu.

In der Regel kommt es bei Verstößen gegen die genannten Vorschriften des UWG zu Unterlassungsansprüchen, seltener auch zu Schadensersatzklagen oder zu Gewinnabschöpfung zugunsten der Allgemeinheit (§§ 8 bis 10 UWG).

Heilmittelwerbegesetz (HWG)

Das Heilmittelwerbegesetz stellt für Krankenhäuser die inhaltlich stärkste Einschränkung im Rahmen der Werbemaßnahmen dar. Es findet nach § 1 Abs. 1 HWG Anwendung auf die Werbung für »Arzneimittel im Sinne des § 2 des Arzneimittelgesetzes, Medizinprodukte im Sinne des § 3 des Medizinproduktegesetzes, andere Mittel, Verfahren, Behandlungen und Gegenstände, soweit sich die Werbeaussage auf die Erkennung, Beseitigung oder Linderung von Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhaften Beschwerden bei Mensch oder Tier bezieht, sowie operative plastisch-chirurgische Eingriffe, soweit sich die Werbeaussage auf die Veränderung des menschlichen Körpers ohne medizinische Notwendigkeit bezieht.«

Ziel des HWG ist der Schutz des fachunkundigen Patienten und der Verbraucher als Angehörige des Fachkreises nach § 2 HWG. Für Krankenhauswerbung haben die §§ 3, 11 und 12 HWG wesentliche Bedeutung.

§ 3 HWG regelt das Verbot der Irreführung. Diese umfasst falsche Angaben zu Therapien, das Verschweigen von Nebenwirkungen oder unwahre Erfolgsgarantien.

§ 11 HWG regelt in Einzelziffern die Werbung bzw. die Werbeverbote außerhalb von Fachkreisen gemäß § 2 HWG. So ist es beispielsweise unzulässig, durch bekannte Wissenschaftler als Werbebotschafter zum Konsum bestimmter Arzneimittel anzuregen oder mit Krankengeschichten oder irreführenden Dank-, Anerkennungs- oder Empfehlungsschreiben durch Dritte oder irreführenden bildlichen Darstellungen zu werben.

§ 12 HWG regelt das Werbeverbot im Kontext von spezifischen schwerwiegenden Krankheiten, welche in der entsprechenden Anlage unter A »Krankheiten und Leiden beim Menschen« aufgeführt sind. So darf außerhalb des Fachkreises nicht für eine Krebsbehandlung oder Suchterkrankungen (außer Nikotin) geworben werden. Zweck dieser Regelung ist es, der Gefahr einer Selbstbehandlung oder einer Behandlung durch fachunkundige Personen vorzubeugen.

Verstöße gegen das HWG stellen grundsätzlich Ordnungswidrigkeiten gemäß § 15 HWG dar und werden mit Geldstrafen bis zu 50.000 Euro geahndet. Eine Ausnahme bildet der Verstoß gegen § 3 HWG insofern, als dass hier § 14 HWG zur Anwendung kommt, welcher eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafen vorsieht.

Muster-Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte (MBO-Ä)

Krankenhäuser können zwar keinen unmittelbaren Verstoß gegen die Berufsordnung der Ärzte begehen, es ist ihnen jedoch aufgrund ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihren beschäftigten Ärzten untersagt, Auseinandersetzungen mit den standesrechtlichen Regelungen der Ärzteschaft zu verursachen (Burghardt 2016). Bezieht sich die Krankenhauswerbung auf einen bestimmten Arzt als Person, so gilt die Berufsordnung der Ärzte. § 27 MBO-Ä regelt die erlaubte Information und berufswidrige Werbung. Zum Schutz fachunkundiger Patienten und zur Vermeidung der Kommerzialisierung des Arztberufs sind lediglich sachliche berufsbezogene Informationen gestattet. Unzulässig sind nach § 27 Abs. 3 »anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung. Ärztinnen und Ärzte dürfen eine solche Werbung durch andere weder veranlassen noch dulden. Eine Werbung für eigene oder fremde gewerbliche Tätigkeiten oder Produkte im Zusammenhang mit der ärztlichen Tätigkeit ist unzulässig.« Die Herausstellung eines Arztes oder seiner Heilkünste seitens des Krankenhauses kann als wettbewerbliche Störung im Sinne des UWG angesehen werden und Unterlassungsansprüche nach sich ziehen (Legl 2011).

Beispiele zulässiger und unzulässiger Krankenhauswerbung

Die beschriebenen gesetzlichen Regelungen zur Krankenhauswerbung lassen einen nicht unerheblichen Ermessensspielraum zu, was eine Vielzahl gerichtlicher Auseinandersetzungen der letzten Jahre dokumentiert (Lüthy und Buchmann 2009). Daher werden im Folgenden einige praxisrelevante Beispiele für zulässige und unzulässige Krankenhauswerbung aufgeführt.

a) Beispiele zulässiger Krankenhauswerbung:

– Information über das Leistungsangebot und angebotene Therapien, sofern damit keine konkrete Behandlung beworben wird

– bildliche Darstellung von Gebäuden, Innenräumen, medizinischen Geräten

– Abbildung von Ärzten oder medizinischem Pflegepersonal in Berufskleidung und Beschreibung von Diagnostik und Therapie ausgewählter Krankheiten

– Verweis auf Fachveröffentlichungen, sofern damit keine konkrete Behandlungsmethode angepriesen wird

– Information über Serviceleistungen (Reinigung Wäsche, Fahrservice, Kinderbetreuung etc.)

– Einladung an die Öffentlichkeit zu Vorträgen, Ausstellungen oder Kursen

– Veröffentlichung von Statistiken und Fallzahlen

– Anwendung von Superlativen wie »Komfort wie ein 5-Sterne-Hotel«, »optimale operative Behandlung«, »hochmoderne Technik« etc.

– Beschreibung des Charakters eines Arztes im Rahmen der Image- und Sympathiewerbung

– Sponsorenmarketing als Imagewerbung

b) Beispiele unzulässiger Krankenhauswerbung:

– unsachliche und anpreisende Werbung durch medizinisches Fachpersonal in Berufskleidung

– Abbildung von Vorher-Nachher-Darstellungen bei Krankheiten; ausgenommen sind kosmetische Eingriffe

– Darstellung von Krankengeschichten von Patienten

– Darstellungen von Danksagungen durch Dritte

– Irreführung, Täuschung und Verbreitung von Unwahrheiten in jeglichem Kontext

1.3 Konzepte und Instrumente

Der Weg, auf dem ein Patient in ein Krankenhaus gelangt, erfolgt zum überwiegenden Teil durch die Notfallversorgung und mittels Überweisung durch Haus- bzw. Fachärzte. Weiterhin kann die Entscheidung auch durch den Patienten selbst getroffen werden, basierend auf eigener Informationsrecherche oder auf Empfehlungen über Freunde oder Verwandte.

Während die Notfallversorgung ein separates Thema darstellt, sollen in den folgenden Abschnitten die Patienten, die Zuweiser sowie auch die Krankenhausmitarbeiter als Zielgruppe von Marketingaktivitäten behandelt werden. Die Mitarbeiter wirken insofern bedingt auf die Gewinnung von Patienten ein, als dass sie in Kooperation mit dem Patienten unmittelbar an der Leistungserstellung beteiligt sind (uno actu). Zudem ist ein Krankenhaus als Expertenorganisation immer nur so gut wie dessen Mitarbeiter. Somit kann eine hohe Patientenzufriedenheit nur über eine mitarbeiterorientierte Unternehmensführung ermöglicht werden.

1.3.1 Patienten-Marketing

Das Patienten-Marketing ist zum einen darauf ausgerichtet, den Patienten als potenziellen Kunden in seiner Entscheidungsfindung durch entsprechende Botschaften positiv zu beeinflussen. Zum anderen sollen Patienten, die sich bereits in stationärer Behandlung befinden, ein positives »Krankenhauserlebnis« erhalten, damit diese Erfahrungen wiederum in weitere, zukünftige Entscheidungen zur Krankenhauswahl einfließen. Zudem sind auch die Erfahrungsberichte gegenüber Freunden und Verwandten bedeutsam. Untersuchungen zeigen, dass positive Erlebnisse bis zu siebenmal weitergegeben werden, negative Erlebnisse hingegen bis zu dreißigmal (Fischer 2015).

Ebenen der Qualitätsbewertung

Wie unter 1.1.2 beschrieben, handelt es sich bei einer Gesundheitsleistung um eine komplexe Dienstleistung, die aus Patientensicht nicht umfänglich beurteilt werden kann, weder im Vorfeld der Inanspruchnahme noch im Nachhinein (Erfahrungs- und Vertrauensgut). Für die Bewertung der Behandlungsqualität sind zwei wesentliche Ebenen zu unterscheiden (Haubrock 2018):

• Die Sachebene, welche die medizinisch-pflegerische Produktqualität und die Servicequalität unterscheidet.

• Die Interaktionsebene, welche sich in der emotionalen Zufriedenheit ausdrückt.

Da Patienten als Laien die medizinisch-pflegerische Produktqualität nur schwer beurteilen können, leiten sie ihr Urteil über die Gesundheitsleistung insgesamt aus den für sie erkennbaren Aspekten ab. Dabei kommen der Servicequalität auf der Sachebene und der emotionalen Zufriedenheit auf der Interaktionsebene eine große Bedeutung zu. Beispiele für Aspekte der Servicequalität sind das Umfeld und das Ambiente (Krankenzimmerausstattung, Medienangebote, Erscheinungsbild des Personals, mit dem die Patienten in Kontakt treten), die Zusatzangebote (Beratungsleistungen, Angebote im Bereich der ambulanten Pflege, Entertainment), die Reaktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Personals, das Einfühlungsvermögen und ein kompetentes Auftreten des Personals sowie die Berücksichtigung individueller Wünsche (Haubrock 2018).

Die Qualität der persönlichen Interaktion zwischen dem Patienten und dem Krankenhaus wird nicht allein durch das Krankenhaus bestimmt, sondern in besonderem Maße auch durch den Patienten selbst. Wie beschrieben ist er als externer Faktor mehr oder weniger maßgeblich an der Erstellung der Gesundheitsleistung beteiligt. Sein Mitwirken basiert auf individuellen Erwartungen und Bedürfnissen, seinen Fähigkeiten und seiner Compliance und beeinflusst somit den Erfolg oder Misserfolg. Auf der anderen Seite determinieren die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten sowie die persönlichen Einstellungen des Krankenhauspersonals die Interaktionsqualität. Wie der Patient die Interaktion wahrnimmt, ergibt sich als Summe einer Vielzahl von Kontaktpunkten, den sogenannten moments of truth.

Die Determinanten der Servicequalität sowie die emotionale Zufriedenheit dienen als Ersatzkriterien für die Bewertung der Gesundheitsleistung aus Patientensicht. Die Frage nach sachlogischer Relevanz ist nicht zweckmäßig, denn die Perzeption spiegelt die Realität für den (potenziellen) Patienten wider und ist entscheidungsrelevant. Überdies stellt die Identifikation der Ersatzkriterien eine Chance dar, Einfluss auf das Kundenverhalten zu nehmen. Daher ist es erforderlich, die Bedürfnisse und Erwartungen von Patienten im Kontext eines Krankenhausaufenthaltes genauer zu analysieren.

Der klassische Kundenbegriff ist auf Patienten nur bedingt anwendbar, da sie sich auf ihrem Weg in ein Krankenhaus in einer Zwangslage, bedingt durch die unfreiwillige Beeinträchtigung ihres Gesundheitszustandes, befinden. Sie wählen das Angebot eines Krankenhauses nicht aus freien Stücken. Bei der Gesundheit handelt es sich um einen in höchstem Maße persönlichen Bereich. Patienten begeben sich in große Abhängigkeit. Somit ist das Leitmotiv der Assoziationen mit einem Krankenhaus häufig Angst (Jaeger 2010). Das Krankenhaus kann dem entgegenwirken, indem es Vertrauen schafft. Aus diesem Grund sollen die Rollen der Beteiligten und entsprechende Beziehungsmodelle näher beleuchtet werden.

Die Arzt-Patient-Beziehung

Gegenstand der Medizinsoziologie sind Erkenntnisse zur Entstehung, zur Verhütung und zum Verlauf von Krankheiten und zur Förderung von Gesundheit, wobei unter anderem Aspekte von Rollenbeziehungen, Wertesystemen und organisationalen Strukturen von Bedeutung sind. Eine Rolle stellt ein Bündel von Normen dar, welche sich auf eine spezifische Position (Status) beziehen. Rollen formen Erwartungen von Patienten und Ärzten, also auch Vertrauenserwartungen.

Zur Charakterisierung der Patientenrolle finden sich in der Literatur unterschiedliche Überlegungen. Mit dem eher traditionellen Rollenverständnis nach Parsons befindet sich der Patient zunächst in der Rolle des leidenden Individuums. Damit sind bestimmte Privilegien und auch Pflichten verbunden (Parsons 1951). So sind kranke Menschen von der Erfüllung ihrer sozialen Rollenverpflichtungen befreit und sollen alltägliche Verpflichtungen aufgeben. Des Weiteren sind sie nicht für ihre Krankheit verantwortlich und sind verpflichtet, umgehend gesund werden zu wollen. Schließlich wird unterstellt, dass kranke Menschen medizinische Hilfe suchen und mit den Ärzten kooperieren wollen.

In moderneren Rollenkonzeptualisierungen lehnen die Patienten das Rollenverhalten des Leidenden ab, nehmen die Arztautorität nicht bedingungslos hin und übernehmen (Teil-)Verantwortung für ihre Genesung (Shaffer und Sherrell 1995; Haselhoff 2010). Sie stellen Fragen, nennen Präferenzen, unterbreiten ihre Meinungen, holen Zweitmeinungen ein und erwarten, gehört zu werden.

In der Praxis kann davon ausgegangen werden, dass beide dieser extremen Rollenkonzeptualisierungen sowie sämtliche Mischformen vorkommen. Für das Krankenhaus ist es von Bedeutung, die jeweilige Form mit ihren individuellen Ausprägungen zu identifizieren, um in der persönlichen Interaktion gezielt auf die Patienten eingehen zu können.

Die Arztrolle steht komplementär zur Patientenrolle. Wesentliches Merkmal der Arztprofession bzw. einer Profession ganz allgemein ist die erlangte Autonomie auf der Basis des spezialisierten Wissens und der Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft (Klemperer 2006). Die an die Arztrolle geknüpften Erwartungen sind mithin, dass Ärzte fachlich kompetent, objektiv und professionell handeln und dass das Wohl des Patienten über das Eigeninteresse gestellt wird (Parsons 1951). Historisch gilt der Eid des Hippokrates sowie nunmehr die moderne Fassung der Genfer Deklaration des Weltärztebundes als ethische Richtlinie für Ärzte, wobei beides heutzutage nicht verpflichtend abgelegt wird und auch keine Rechtswirkung besitzt. Erwartet wird jedoch, dass die Abhängigkeit und Verletzlichkeit von Patienten nicht ausgenutzt werden. Im Rahmen der Selbstverwaltung hat der Berufstand sicherzustellen, dass die Integrität der Profession gewahrt bleibt. Hat sich ein Arzt eines Verhaltens schuldig gemacht hat, aus dem sich seine Unzuverlässigkeit oder Unwürdigkeit zur Ausübung des Arztberufs ergibt (§ 3 Abs. 1 Nr. 2 Bundesärzteordnung – BÄO), kann dies zum Entzug der Approbation führen (§ 5 Abs. 2 BÄO). Der Widerruf der Approbation erfolgt durch die zuständige Behörde des Bundeslandes, in dem der ärztliche Beruf zuletzt ausgeübt worden ist (§ 12 Abs. 4 S. 1 BÄO).

Die Interaktion von Patient und Arzt kann sehr unterschiedlich verlaufen und den Krankheitsverlauf begünstigen oder erschweren. Im Wesentlichen können drei medizinsoziologische Modelle der Arzt-Patient-Beziehung unterschieden werden (Haselhoff 2010):

a) Paternalismus

Das Modell des Paternalismus ist durch das väterlich-bestimmende Verhalten des Arztes charakterisiert. Der Patient bleibt dabei passiv, übt wenig Kontrolle aus, bringt lediglich die zur Behandlung erforderlichen Informationen ein und wird seinerseits nur selektiv informiert. Dem Arzt obliegt das Entscheidungsrecht, die Einverständniserklärung des Patienten ist reine Formsache.

b) Informatives Modell

Innerhalb des Informativen Modells nimmt der Patient eine aktive und teilnehmende Rolle ein. Im Gegensatz zum Paternalismus liefert der Arzt dem Patienten die erforderlichen Informationen, auf deren Basis der Patient medizinisches und technisches Wissen mit Selbstwissen zusammenführt und seine Entscheidungen trifft. Der Patient agiert als der Experte hinsichtlich seiner eigenen Gefühle und seines Körpers, der Arzt hingegen nimmt die passive Rolle ein.

c) Shared Decision Making

Das Konzept des Shared Decision Making (= gemeinsame Entscheidungsfindung) kann als Kombination der beiden zuvor beschriebenen Modelle angesehen werden. Nach dem dialogischen Prinzip wird der Patient vom Arzt stärker in die Entscheidungsfindung einbezogen. Der Arzt bringt sein medizinisches Wissen sowie seine klinischen Fähigkeiten ein und der Patient unterbreitet dem Arzt die erforderlichen Informationen sowie darüber hinaus auch seine individuellen Bedürfnisse und Präferenzen. Die Voraussetzung für einen derartigen, eher partnerschaftlichen Entscheidungsfindungsprozess ist einerseits das Vorhandensein der Bereitschaft und der Sozialkompetenz des Arztes und andererseits das Interesse sowie die intellektuelle Fähigkeit zum Umgang mit den gewonnenen Informationen auf Seiten des Patienten.

In der Praxis wird ebenso wenig wie in Bezug auf die Rolle das Modell der Arzt-Patient-Beziehung in einer der oben beschriebenen Reinformen vorkommen. Es existieren vielmehr Mischformen, in Abhängigkeit vom jeweiligen Krankheitsbild und von den jeweils interagierenden Personen mit ihren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Auch die jeweilige Phase innerhalb des Entscheidungsfindungsprozesses (Informationsaustausch, Abwägung und Entscheidung) kann unterschiedliche Richtungen einnehmen.

Allen Beziehungsmodellen gemein ist, dass der entscheidende Indikator für die Beziehungsqualität Vertrauen ist. Vertrauen dient der Reduktion von Komplexität und ermöglicht stabile soziale Beziehungen. Der Vertrauensbegriff beinhaltet optimistische Erwartungen und ein affektives Erleben von Zuversicht. Vertrauen ist immer dann erforderlich, wenn folgende Aspekte vorliegen (Schlenker 1973):

• Ungewissheit hinsichtlich eines Kooperationsergebnisses

• Vorliegen eines Risikos

• (un)freiwilliger Kontrollverzicht

• Entscheidungsgegenstand bezieht sich auf die Zukunft

Gelingt es, dem Patienten seine Ängste zu nehmen oder sie zu reduzieren, Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit auszuräumen, ihn von der Fachkompetenz des Arztes zu überzeugen und zur Mitwirkung am Gesundungsverlauf zu bewegen, so erhöht dies auch die Zufriedenheit des Patienten. Vertrauen ist das Schlüsselkonstrukt und bildet die unabdingbare Basis jeglicher Aktivitäten erfolgreichen Patienten-Marketings.

Analyse von Erwartungen und Zufriedenheit

Die Gestaltung und Verbesserung der Dienstleistungsqualität sowie auch die Vermarktung der Leistung setzt voraus, dass die Qualitätsanforderungen bekannt und messbar sind (Haubrock 2018). Dabei ist sowohl die Perspektive des Patienten als auch die des Krankenhauses relevant. Im Dienstleistungsmarketing existieren dabei verschiedene Messinstrumente, welche die Qualitätswahrnehmung aus Kundensicht berücksichtigen.

Das Qualitätsurteil aus Patientensicht lässt sich beispielsweise über schriftliche Kundenzufriedenheitsbefragungen ermitteln. Dabei wird das Ergebnis aus der Differenz der Kundenerwartungen und den Kundenerfahrungen im Krankenhaus abgeleitet. Eine weitere Möglichkeit zur Analyse des Qualitätsurteils ist der Einsatz ereignisorientierter Verfahren (critical incident reporting und blueprinting). Bei der Methode kritischer Ereignisse werden Patienten im Interview durch offene und geschlossene Fragen aufgefordert, über positive und negative Erlebnisse im Kontext ihres Krankenhausaufenthaltes zu berichten. Das blueprinting ist eine sequenzielle Ereignismethode, die dem Patienten bestimmte Wege durch das Krankenhaus mit verschiedenen relevanten Kontaktpunkten optisch vergegenwärtigt. Dadurch wird dem Befragten die Erinnerung erleichtert und er kann seine Erlebnisse ggf. besser schildern. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist jeweils zu beachten, dass es sich um subjektive Einschätzungen handelt.

Bei der Erhebung des Qualitätsurteils aus Krankenhaussicht können subjektive und objektive Verfahren differenziert werden (Haubrock 2018). Objektive Verfahren basieren auf Indikatoren, welche wahrnehmbar, relevant, messbar und quantifizierbar sind, so z. B. für die Prozessqualität Wartezeiten, Anzahl der Laboranforderungen, Vollständigkeit und Verfügbarkeit der Dokumentation, für die Strukturqualität die Anzahl und Qualifikation des Personals und für die Ergebnisqualität die erfüllten Indikationskriterien bei Hüft-Endoprothesen-Erstimplantation. Subjektive Verfahren beruhen auf den eigenen Einschätzungen der Krankenhausmitarbeiter im Rahmen von Qualitätszirkeln oder Mitarbeiterbefragungen.

Handlungsfelder

Welche Handlungsfelder bestehen nun zur Erhöhung der Patientenzufriedenheit? Ohne Zweifel leitet sich schon aus dem medizinischen Versorgungsauftrag des Krankenhauses die höchste Priorität einer qualitativ hochwertigen Medizin ab. Dieses Ziel steht jedoch nicht im Widerspruch zum Patienten-Marketing. Eine hohe medizinische Qualität wird vorausgesetzt, kann aber nur schwer vom Patienten beurteilt werden. In diesem Kontext ist, wie bereits erörtert, die Arzt-Patient-Interaktion für die Patientenzufriedenheit von entscheidender Bedeutung. Durch individuelle und nach Patiententyp differenzierte emotionale und zeitliche Zuwendung, Gespräche, Anteilnahme und Wertschätzung müssen Ängste genommen und Vertrauen geschaffen werden. Ebenso muss die kommunikationspolitische Vermittlung von Vertrauen und positivem Image nach außen erfolgen ( Kap. 2).

Neben der emotionalen Zufriedenheit leiten Patienten ihr Gesamturteil auch aus der Servicequalität ab. Eine wissenschaftliche Studie des Picker Institutes analysierte aus Patientensicht relevante Bereiche auf ihre Problemhäufigkeit hin (Picker Institut 2013). Analysiert wurden Aussagen von 111.835 Patienten anhand von Befragungen in 197 Krankenhäusern im Zeitraum von 2009 bis 2012. Es handelte sich um poststationäre, postalische Befragungen mittels Patientenfragebogen. Die durchschnittliche Rücklaufquote lag bei 55 %.

Es wurde empirisch belegt, dass Kommunikation, Empathie und Respekt aus Patientensicht um ein Vielfaches wichtiger sind als beispielsweise das Essen oder die Zimmerausstattung. Letztere sind für das Gesamturteil allerdings auch bedeutsam:

• Vorbereitung auf die Entlassung (47 %)

• Einbeziehung der Familie (30 %)

• Arzt-Patient-Interaktion (22 %)

• Zimmeratmosphäre (21 %)

• Aufnahmeverfahren (18 %)

• Essen (18 %)

• allgemeine Ausstattung (17 %)

• Aufklärung und Information über op. Eingriff (17 %)

• Pflegepersonal-Patient-Interaktion (16 %)

• subjektiver Behandlungserfolg (15 %)

• Sauberkeit (10 %)

Gerade die Servicequalität ist es, die im Gegensatz zur sozialen Interaktion mit dem Patienten als externer Faktor determinierbar und leicht steuerbar ist und mit vergleichsweise wenig finanziellem Aufwand erfüllt werden kann.

Die Servicepyramide

Die Servicequalität lässt sich in Anlehnung an die Maslowsche Bedürfnispyramide in unterschiedliche Ebenen einteilen. Der amerikanische Psychologe Maslow kam aus der Erforschung der Beweggründe menschlichen Verhaltens zu dem Schluss, dass menschliche Bedürfnisse einer bestimmten Rangordnung folgen (Maslow 1943). Die Differenzierung ist dabei nicht patienten- bzw. krankenhausspezifisch und lässt sich auf die allermeisten kundenpräsenzbezogenen Dienstleistungsunternehmen anwenden (Fischer 2015).


Abb. 1.4: Servicepyramide (Quelle: in Anlehnung an Fischer 2015, S. 13)

Die Servicepyramide verdeutlicht die verschiedenen Bewertungsebenen ( Abb. 1.4). Die Basisqualität umfasst Faktoren, die der Patient in seiner Erwartungshaltung voraussetzt (z. B. medizinische Behandlung, keine vermeidbaren Infektionen, sauberes Bett). Die Zufriedenheit lässt sich damit allerdings nicht steigern, vielmehr bedeutet die Gewährleistung dieser Faktoren die Abwesenheit von Unzufriedenheit.

Die Zusatzanforderungen wie ausgesprochen freundliches Personal oder individuelle Wahlmöglichkeiten beim Essen erscheinen weniger wichtig, sind aber im Rahmen der heutigen Erwartungsqualität Faktoren, die angeboten werden müssen. Darüber hinausgehende Angebote (z. B. besonders hochwertiges Essen, selbstgebackener Kuchen am Nachmittag, keine Einschränkung bei den Besuchszeiten) können den Patienten überraschen.

Begeisterungsfaktoren bedingen Service-Momente, die als besondere Geschenke wahrgenommen werden und nach außen kommuniziert werden sollen (z. B. aktives Nachfragen nach Bedürfnissen, mobile Maniküre, Wellnessangebote, kulturelle Veranstaltungen, (mobile) Bibliothek).

Zur Steigerung der Patientenzufriedenheit ist es erforderlich, die Bedürfnisse der »Kunden« zu erkennen und proaktiv darauf einzugehen. Ähnlich wie in einem Hotelbetrieb kann dem Patienten als Gastgeber begegnet werden, was auch unter Kosten-Nutzen-Abwägungen nicht nur mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand erreicht werden kann, sondern überdies einen überproportional hohen Nutzen stiftet.

Der ästhetische Gesamteindruck von der Krankenhausumgebung ist ein bedeutsamer Faktor im Rahmen der Patientenbewertung, welcher abschließend kurz thematisiert werden soll. Im Krankenhaus nimmt der Patient optische, akustische und olfaktorische Kommunikationssignale wahr. Nachfolgend werden Beispiele für Signale an den verschiedenen Kontakt- bzw. Erlebnispunkten aufgeführt (Jaeger 2010):

• Ein spezifisches, leicht erkennbares Logo mit Wiedererkennungswert erweckt den Anschein von Professionalität und schafft Vertrauen.

• Kunst, Skulpturen und Bilder zur Dekoration von Fluren und Räumen sollten nicht zu düster, herausfordernd oder gar verstörend wirken. Helle und freundliche Motive, Luftaufnahmen vom Krankenhausareal, Fotos von Krankenhausmitarbeitern (in realistischer, nicht gestellter Kleidung) wirken aufmunternd und schaffen Vertrauen und Zuversicht.

• Eine freundlich gestaltete Eingangshalle, idealerweise an eine Hotellobby erinnernd, ggf. mit Serviceangeboten (Kiosk, Wartebereich) und zudem übersichtlich gestaltet wirkt sich gleich zu Beginn des Krankenhausaufenthaltes positiv auf das Befinden des Patienten aus.

• Mülleimer sollten sichtgeschützt und sauber sein. Dies erweckt den Eindruck von Sauberkeit und Hygiene bzw. beeinträchtigt die entsprechende Wahrnehmung nicht.

• Raucherbereiche sollten gut erreichbar sein, aber die Umgebung nicht beeinträchtigen. So fühlen sich Raucher nicht ausgegrenzt, Nichtraucher hingegen nicht belästigt.

• Adäquate, d. h. nicht zu viele und einheitlich gestaltete Wegweiser schaffen Orientierung für die Patienten und Besucher. Sie erwecken Assoziationen von Geborgenheit, Professionalität und Respekt.

1.3.2 Zuweiser-Marketing

Dem niedergelassenen Arzt kommt als Zuweiser von Patienten eine große Bedeutung für das Krankenhaus zu. Der überwiegende Teil der Patienten gelangt auf Empfehlung des behandelnden Haus- oder Facharztes in die stationäre Versorgung. Er erfüllt somit die Rolle des Beraters und Meinungsführers für die Patienten und beeinflusst in der Rolle des Gatekeepers über die Fallzuweisungen die Erlös- und Auslastungssituation des Krankenhauses (Raab und Drissner 2011).

Lange Zeit war es übliche Praxis, die Beziehungspflege zu den Zuweisern den Chefärzten zu überlassen, meist über persönliche Beziehungen oder gelegentliche Fort- und Weiterbildungsangebote. Dabei oblag es häufig der Aktivität oder Passivität des jeweiligen Chefarztes und daher dem Zufall, inwieweit der Kontakt zu den niedergelassenen Ärzten gehalten wurde. Wie bereits beschrieben ( Kap. 1.1.3), impliziert eine marktorientierte Unternehmensführung eine konsequente Kundenorientierung, die als Teil der Unternehmensstrategie auf Krankenhausführungsebene verankert sein muss. So muss auch das Zuweiser-Marketing in der Verantwortung der Geschäftsführung liegen. Die Krankenhausleitung muss die Chefärzte bei der Beziehungspflege motivieren und unterstützen.

Ziel einer nachhaltigen Zuweiser-Strategie ist die Gewinnung und Bindung von Zuweisern, welche nur auf gegenseitiger Nutzenstiftung basieren können (vgl. die Marketingdefinition unter Kap. 1.1.3). Das Interesse des Krankenhauses gilt dabei den Fallzuweisungen in ausreichendem Umfang und entsprechend einer effizienten Ressourcenverwendung mit den richtigen Indikationen. Der Zuweiser ist seinerseits an einer hochwertigen medizinischen (Weiter-)Versorgung seines Patienten interessiert, weil er andernfalls mit unzufriedenen Patienten und entsprechend negativen Auswirkungen seinen Patientenstamm betreffend rechnen müsste (Steinhauser 2015).

Der strategische Planungsprozess des Zuweiser-Marketings umfasst folgende Prozessschritte:

1) Situationsanalyse (extern und intern)

2) Festlegung der Ziele

3) Strategiebestimmung zur Zielerreichung

4) Implementierung

5) Evaluation

Zu 1): Situationsanalyse (extern und intern)

Die Basis für Gestaltungs- und Steuerungsmaßnahmen bildet eine differenzierte Bestandsaufnahme. Sie bezieht sich sowohl auf das externe Krankenhausumfeld als auch auf die Krankenhausorganisation selbst.

Externe Situationsanalyse

Die externe Situationsanalyse umfasst das Makroumfeld und das Mikroumfeld. Die grundlegenden Rahmenbedingungen werden durch das Makroumfeld festgelegt. Diese sind im wesentlichen politisch-rechtliche, wirtschaftliche und sozio-demografische Aspekte, welche als exogene Variablen nicht durch das Krankenhaus beeinflussbar sind.

Die Analyse des Mikroumfeldes des Krankenhauses beinhaltet

• die Entwicklung des lokalen und regionalen Marktes,

• die Wettbewerber sowie

• die Kunden bzw. im vorliegenden Kontext die Zuweiser.

Die Entwicklung des lokalen und regionalen Marktes ist Gegenstand der Marktanalyse. Dabei wird der Markt zunächst für das Krankenhaus insgesamt und im zweiten Schritt für definierte Leistungsbereiche abgegrenzt. Die Ausschöpfung des Potenzials ist abhängig von der Wettbewerbssituation, vom Leistungsbereich bzw. der jeweiligen Indikation und vom Ruf des Krankenhauses. Es hat sich bewährt, drei Märkte für die Abgrenzung zu definieren (Raab und Drissner 2011, S. 38):

• Kernmarkt (> 20 % Marktanteil)

• erweiterter Kernmarkt (5–20 % Marktanteil)

• peripherer Markt (1–5 % Marktanteil)

Marketingaktivitäten zur Erhöhung der Fallzahlen sollten sich auf den erweiterten Kernmarkt fokussieren, da hier Potenziale zu realisieren sind. Die Potenziale errechnen sich aus dem Erwartungs-Fallwert (welcher aus den InEK-Daten kalkuliert wird) abzüglich der eigenen Fallzahl. Der Marktanteil setzt die eigene Fallzahl zum Erwartungswert ins Verhältnis.

Die Analyse der Wettbewerber setzt die Darstellung aller relevanten Wettbewerber voraus. Aus den Daten der verfügbaren Qualitätsberichte können diese nach Versorgungsstufe, Leistungsspektrum und den entsprechenden Fallzahlen ausgewertet werden. Durch den Vergleich mit den eigenen Kennzahlen können weitere Marktpotenziale nach Leistungsgebiet mittels grober Einschätzung definiert und mögliche mittelfristige Entwicklungen antizipiert werden.

Die Zuweiseranalyse erfolgt auf quantitativer und qualitativer Ebene. Für die zielgerichtete Ausgestaltung und Adressierung der Marketingaktivitäten ist zunächst eine Zuweisersegmentierung erforderlich, d. h., die Zuweiser müssen nach definierten Kriterien in unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden. Anschließend werden die jeweiligen Gruppen mit dem entsprechenden marketingpolitischen Instrumentarium bearbeitet. Begleitet wird die Analyse von einem kontinuierlichen Zuweisercontrolling, um Veränderungen frühzeitig feststellen zu können.

Die Zuweisersegmentierung hat zum Ziel, die wertbringenden und investitionswürdigen Gruppen zu identifizieren. Zweckmäßige Kennzahlen sind beispielsweise:

• Fälle pro Zuweiser (absolut und als Anteil der Abteilungsfallzahl bzw. nach bestimmten Indikationen)

• Trendbetrachtungen aus zeitraumbezogenen Zuweisungsabweichungen

• Erlösbetrachtung (Summe der Case Mix Gewichte und durchschnittlicher Case Mix pro Fall)

Eine wichtige Frage in diesem Kontext ist auch, warum Ärzte gar nicht oder bestimmte Fälle nicht zuweisen. Zudem empfiehlt sich zur Visualisierung die regionale Darstellung der Zuweiser mittels Geocoding.

Als Instrument für die Segmentierung eignet sich die ABC-Analyse. Entsprechend der Zuweisungsintensität werden die Zuweiser in A-, B- und C-Zuweiser eingestuft, wobei A die höchste und C die geringste Intensität bedeutet. In der Regel sind rund 80 % des Zuweisungsvolumens auf 20 % der niedergelassenen Ärzte zurückzuführen (Riegl 2000). Die Beziehungspflege der A-Zuweiser muss aufgrund ihrer erfolgskritischen Bedeutung höchste Priorität haben. Die regelmäßige persönliche Ansprache durch den Chefarzt bzw. den ausgewählten Oberarzt ist angeraten. Für B-Zuweiser (rund 30 % der Ärzte, welche 15 % der Fälle zuweisen) lohnen sich breiter angelegte marketingpolitische Investitionen. Die Beziehungspflege bei C-Zuweisern ist wichtig, jedoch gemäß dem allgemeinen Prinzip der Wesentlichkeit eher nachranging zu behandeln.

Auf qualitativer Ebene wird untersucht, was aus der Perspektive der zuweisenden Ärzte wichtig ist. Eine professionelle Zuweiserbefragung ist ein wichtiges Instrument im Rahmen der Gestaltung der Kundenbeziehung. Sie zielt darauf ab, die Erwartungen der Ärzte zu ermitteln, Schwachstellen in der Kooperation zu identifizieren und das gewonnene Fremdbild mit dem Selbstbild abzugleichen. Wichtig ist es, dem Befragten ein zeitnahes Feedback zu geben, da eine Befragung ansonsten frustrierend und kontraproduktiv sein kann. Durch wiederholte Befragungen in größeren Abständen wird zudem eine gewisse Kontrolle im Sinne eines Frühwarnsystems hinsichtlich der Kundenbeziehung ermöglicht. Als praktikable und effiziente Befragungsform empfiehlt sich ein Fragebogen, der schriftlich zu beantworten ist.

Problembereiche beziehen sich häufig auf die Kommunikationsschnittstellen, so z. B. die schlechte Erreichbarkeit der Klinikärzte, die mangelhafte Aufklärung und Information der Patienten bei der Entlassung sowie auch hochpreisige Arzneimittelempfehlungen, welche das Praxisbudget unberücksichtigt lassen (Lüthy und Buchmann 2009).

Wichtige Themenbereiche für die Zuweiserbefragung sind (Lüthy und Buchmann 2009, S. 166):

• fachlicher Ruf des Krankenhauses/der Fachabteilung

• Erreichbarkeit und Kommunikation mit den Krankenhausärzten

• Kooperation mit den Krankenhausärzten

• Qualität von Medizin und Pflege

• Freundlichkeit des Personals

• räumliche und technische Ausstattung

• Patienteninformation und -aufklärung

• Arztbrief/Medikation

Interne Situationsanalyse

Bei der internen Situationsanalyse werden die eigenen Stärken und Schwächen ermittelt. Im Kontext des Zuweiser-Marketings gilt es dabei, Leistungsmerkmale zu definieren und anschließend deren Relevanz im Hinblick auf die Zuweiser zu bestimmen. Die eigene Leistung wird dann im Vergleich zum stärksten Wettbewerber beurteilt und somit die eigenen Stärken und Schwächen ermittelt. Die Ergebnisse können gemeinsam mit den aus der externen Analyse identifizierten Chancen und Risiken gemäß der SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) in einer Vier-Felder-Matrix zusammenfassend dargestellt werden ( Abb. 1.5).


Abb. 1.5: (Zuweiser-)SWOT-Matrix (Quelle: in Anlehnung an Lüthy und Buchmann 2009, S. 109)

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18 aralık 2025
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9783170393509
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